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Weidemann

on the road


HandBuch der Inhalt

Handgemacht / Weidemann Aller Handfang ist schwer? Handverlesen Kurtshandlung Handgeschnitten Handgedruckt Handgeschöpft Handangetrieben Handbedruckt Handgebunden Handgesetzt Handgezeichnet

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Projektwahl im 2. Semester Neue Freundschaften am ersten Tag Was Kurt auszeichnet Mein erster Linolschnitt Traditionelle Druckkunst in Leipzig Papierherstellung in Fockendorf Eine analog-digitale Stop-Motion Ein Plakat unterm Sieb Bücher, die ohne Kleber auskommen Ein Bleisatz-Experiment Illustrieren in Lichtgeschwindigkeit

Handgedacht / On the Road Handgepäck 22 5 Tage analog in Thüringen „Milch“handel 26 Oder: in Vegan veritas

Handbetracht / Ausstellung

Allerhand 28 Summaery 2011

Händlernachweis 31 Das Impressum

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4 Aller Handfang ist Schwer? Projektwahl im 2. Semester

April

4. April 2011 - das 2. Semester beginnt. Gespannt auf die Projektpräsentationen der Professoren sitzen wir im Audimax, den man über die Universitätsbibliothek betritt. Etwa zwei Wochen zuvor erschien eine Kurzfassung der jeweiligen Themen auf der universitätsinternen Website. Beinahe jedes Projekt hatte interessante Ansätze zu bieten, doch besondere Aufmerksamkeit weckte in mir ein bestimmtes Wort: Reisewoche. Wir würden eine Woche unterwegs sein und jede Menge Eindrücke von Städten, Menschen und Kultur sammeln, die anschließend zu einem gebundenen Buch zusammengefasst werden sollten. Sofort dachte ich an meine Reisetagebücher von Rimini, Alcudia (2004), Canet Plage, Sousse (2005), Siofok, dem Zittauer Gebirge (2006), Warnemünde, Rostock (2007), Lübeck (2008), Paris (2009), Saarbrücken und der Côte d’Azur (2010), die so viel intensiver an den Urlaub erinnern ließen, als lieblos gekaufte Souvenirs. On the Road stellte also jetzt schon in meinen Augen das ideale Projekt dar ... ... aber wir sitzen ja noch immer im Audimax. Die Projektverantwortlichen Professor Jay Rutherford und Gaby Kosa treten ans Rednerpult. Jay wirft die Beamer-Präsentation an und beginnt: „Eigentlich sollte unser Projekt On the Road heißen, aber da am vergangenen

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Mittwoch ein sehr bekannter Grafiker, Typograf und auch Kollege von uns verstorben ist - er war immerhin 88 Jahre alt - benennen wir nun das Projekt um in Kurt Weidemann.“ Auf der Leinwand erscheint eine rote Linie, die den ursprünglichen Titel durchstreicht. Der neue Titel erscheint. Für einen kurzen Moment verschwindet mein Glücksgefühl, bereits das Richtige gefunden zu haben und die Aufmerksamkeit für alle anderen Präsentationen steigt wieder. Zu Hause recherchiere ich noch einmal über Kurt Weidemann - und stelle fest, dass es sich bei ihm um einen wirklich interessanten Menschen handelt. Er hatte für einige Zeit in Lübeck gelebt. Eine so schöne Stadt konnte ihn ja nur positiv geprägt haben. Und wenn ich schon nicht selbst ein Tagebuch erstellen konnte, so bot mir Kurt doch die Möglichkeit, in seinen Kriegstagebüchern zu schmökern. So ist auch schon der nächste Tag herangerückt und ich setze zufrieden meine beiden Kreuze auf dem gelben Zettel bei

Projekt Kurt Weidemann und dem dazugehörigen

Fachkurs Handgemacht in dem analoge Drucktechniken, das Illustrieren, Buchbinden und einiges mehr gezeigt werden soll.


Handverlesen Neue Freundschaften am ersten Tag

Als wir uns zu gefühlten 100 Personen in diesen kleinen Raum gezwängt haben, wird klar, dass die meisten einfach noch Workshop-Termine vom Fachkurs abgreifen wollen. Gaby ist auf alles vorbereitet: es gibt Zettel und Los-Boxen für noch zu vergebende Plätze.

Übrigens sitze ich schon seit Beginn des Plenums neben Olesia (wie nicht anders zu erwarten). Im Anschluss an die verlesene Anwesenheitsliste flüstert sie mir leise ins Ohr: „Das Mädchen neben dir sieht auch wie eine Claudia aus.“ Da ahnt sie noch nicht, dass wir die meiste Zeit des Projektes mit ihr verbringen und richtig gute Freunde werden. Es ist Maria.

Nachdem alle Nicht-Weidemänner gewählt und den Raum verlassen haben ist unsere Gruppe auf angenehme 20 Personen geschrumpft. Von Gaby erfahren wir nun, was im anstehenden Semester so alles geplant ist. Sie hat bereits 2 Exkursionen organisiert und erzählt uns euphorisch von einem Workshop mit Prof. Jörg Petri, will jedoch nicht zu viel verraten.

Alles darf passieren: Tragisches, Komisches, Skurriles, Extremes, Katastrophales, Sentimentales, Verlogenes, Lustiges. Nur bitte, bitte nichts Langweiliges.

Während ich - noch überpünktlich, wie so oft - das Treppenhaus in der Marienstraße 1 betrete, drängt mir von den oberen Etagen schon Stimmengewirr entgegen. Bin ich zu spät? Nein. Sie müssen ja noch im Flur stehen, wenn ich sie hören kann. Trotzdem eile ich schneller die Stufen empor. Eine Traube von Studenten steht schon bis auf beide Treppenabsätze vor dem Raum, in dem Weidemann stattfinden soll. Raum 204. Eine weitere Auswahl sollte es nicht geben, denn die Listen mit allen offiziellen Projektteilnehmern hingen bereits aus.

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April

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12 Kurtshandlung Was Kurt auszeichnet

April

Die erste Aufgabe: eine RechercheArbeit. Na, das ist doch etwas für mich. Schon in der Ausbildung in Halle war ich für das Wort „Recherche“ bekannt. Wahrscheinlich, weil ich es immer mit besonders starken sch‘s betone. „Das muss ich mal resscchherrsscchhieren!“ Seit langer Zeit suche ich also wieder unsere Universitätsbibliothek auf und schnappe mir sämtliche Werke von und über Kurt Weidemann, darunter auch ein Zitat-Buch, welches mich besonders interessiert.

Ich hoffe, meiner Vorstellung von mir ebenbürtig zu sein.

Seite an Seite reihen sich 2- bis 5-Zeiler, darunter jede Menge Wortspiele und schlauer Einwände - und das Buch ist nicht gerade das Dünnste im Stapel. Mit einem Schmunzeln überfliege ich einige Seiten und schnell wird klar, dass Kurt kein Kind von Traurigkeit war. Umso überraschender empfinde ich die Tatsache, die ich im nächsten Werk, einer Autobiografie entdecke: mit Anfang 20 verlor er seine Stimme. Grund war eine Schockreaktion, als ... (hier musste ich noch einmal „resscchherrsscchhieren“) ... ja richtig, als er bei einem Einsatz an der Kriegsfront verschüttet wurde. Doch mit eisernem Willen erkämpfte er sich über die Jahre hinweg das zurück, was rechtmäßig ihm gehörte. Er schien zu ahnen, dass er zum erstklassigen Redner geboren war. Als ich mich mit einem Kommilitonen unterhalte und ihm erzähle: „Unser Projekt dreht sich um Kurt Weidemann ...“ - erscheint zunächst ein Lächeln auf seinem Gesicht. „... ihm zu Ehren. Er ist Ende März verstorben.“, das Lächeln ist verschwunden. „Waaas?! Ach nein. Mensch, das gibt‘s doch nicht! Ich erinnere mich noch an seinen Vortrag einige Semester zuvor hier

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im Audimax. Der Saal war randvoll und trotzdem mucksmäuschenstill. Wir hingen förmlich an seinen Lippen, so faszinierend konnte er erzählen.“ Die Stuttgarter Zeitung beschreibt seine Stimme als Militärorgan: Metallisch, spitz, treffend und von Gehorsam einfordernder Apodiktik. Für militärische Einheiten ist die Stimme elementarer Zunder, ohne sie keine Ordnung, kein Mitreißen, kein Antreiben. Auch Wochen später bekomme ich immer wieder von anderen Studenten zu hören, dass er wohl ein einmaliger Kerl mit großem Herz gewesen sein musste. Während ich mich durch weitere Bücher arbeite (was man nicht wirklich als Arbeiten bezeichnen kann, denn ein interessanter Aspekt jagt den nächsten), bemerke ich fast nicht, wie die Sonne vom Horizont verschlungen wird. Ich schaue auf die Uhr: gleich Schließzeit, doch vorher scanne ich mir noch einige Textstellen, die mich besonders beeindruckt haben.

Die wichtigsten Arbeitsplätze liegen kurz unter der Schädeldecke.

All diese besonderen Dinge über Kurt halten wir also in der folgenden Woche visuell in einem Riesenleporello fest. Maria hat sich bereits unserer Gruppe angeschlossen und die Zusammenarbeit klappt bestens.

Auf dem Heimweg denke ich über diese Textstellen nach. Keine davon zählt wirklich zu seinem Lebenslauf. Ganz egal, wann er wo für wie lange gearbeitet hatte: viel einprägsamer sind doch die Dinge, die er gedacht und gesagt hat.

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14 Handgeschnitten Mein erster Linolschnitt

April

Jetzt wird er doch noch wahr - mein Traum, nicht ewig Linolschnittlaie zu bleiben. Wie oft spähte ich in fremde Klassenräume, in denen die Schüler konzentriert „Stempel“ mit Messerchen aus einer Platte schnitzten. Irgendwann hat das doch wohl jeder mal im Unterricht gemacht ... fast jeder. Das Linoleum bekommen wir von einer Rolle Bodenbelag, die vorher einer Ausstellung gedient hatte. Im Gegensatz zu Linolplatten aus Künstler- und Bastelläden ist dieser wohl relativ hart, weshalb wir ihn auf Herdplatten etwas erweichen.

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Ich entscheide mich für ein Zitat, das ganz gut zum ja doch teilweise plastischen Arbeiten passt. Als ich mir das erste Mal in den Finger schneide, meint Ela: „Solange du die Tetanus-Impfung hast, kann eigentlich nichts weiter passieren.“ - „Mmh, ich weiß nicht. Kann mich nicht mehr an die letzte erinnern.“ - „Na ja, die ist auch nur alle 10 Jahre fällig.“ Als ich im August endlich meinen Impfausweis kontrollieren kann, lasse ich mir gleich einen Termin geben. Die letzte Impfung wurde 1994 vorgenommen - als ich 5 Jahre alt war! Trotz allem: mir geht es gut! :)


Jetzt möchte ich aber doch noch einmal das übliche Linoleum ausprobieren. Motiv ist mein Kater Columbus, den ich vom Foto in Farbflächen umwandeln muss. Leider klappt das nicht über die dafür vorgesehene Funktion des Schwellenwertes in Photoshop, sondern entpuppt sich als mühevolle Kleinstarbeit über das Pinselwerkzeug. Anschließend ist mein Kater nicht mehr grau getigert, sondern schwarz-weiß. Die schwarzen Flächen entsprechen den druckenden Elementen. Und wie das Messerchen durchs Linoleum fließt! Beinahe wie durch ... Butter, müsste jetzt hier stehen. Aber im Veganer-Slang sagt man wohl Sojabohnenquark.

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21 Handgedruckt Traditionelle Druckkunst in Leipzig

April

geworden. Und wenn ich meine CarpeDiem-und-immer-positiv-denken-Einstellung nicht ausleben kann, wirft mich das schon ein bisschen aus der Bahn. Ein Guten-Morgen-Lächeln kriege ich dennoch heraus, als wir fünf uns im Zug nach Leipzig treffen. Und immerhin regnet es nicht. Wie gesagt: immer positiv denken. Ein paar Stationen weiter verteilt das Personal der Deutschen Bahn kleine Schokoladen-Häschen und wünscht uns ein schönes Osterfest. Wie hatte doch gleich meine Nachricht an Flo am Abend zuvor geendet?: „Und gaaanz wichtig: gute Laune mitbringen!“ Dabei habe ich am nächsten Tag selbst keine im Gepäck. Der Koffer war aber auch wieder zum Platzen gefüllt. Wahrscheinlich hätte ich die gute Laune sogar in Stückchen reißen müssen, um sie noch unterbringen zu können. In Wahrheit war ich einfach nur ziemlich plötzlich ziemlich krank

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Trotz dass wir drei Mädels am Bahnhof noch unsere Taschen wegschließen und deshalb eine spätere Straßenbahn nehmen müssen, sind wir die ersten im Museum. Die Führung beginnt. Natürlich sind auch die Erasmus-Studenten unter uns, sodass Jay alles noch einmal auf Englisch wiederholt. Das mag ich an diesem Projekt übrigens besonders. Eine sehr gute Sprachpraxis.


Wir sehen uns sämtliche Druckmaschinen an. Einige sind sogar in Betrieb und werfen großflächig bedruckte Papiere aus. Obwohl das alles natürlich jede Menge Krach verursacht, kann man dennoch die Bewegungsgeräusche des Papiers wahrnehmen.

Als Abschluss probieren wir die Bleilettern selbst aus und drucken eigens erdachte Sätze: Carpe diem!

Als kleine Überraschung stehen uns Maschinen zum Bedrucken von Postkarten zur Verfügung. Mit nur einer Hebelbewegung rollt die Walze über das Klischee, presst es auf das Papier und nimmt anschließend Farbe für den nächsten Druckvorgang auf. Und schon sind die Oster-Karten fertig. Am meisten fasziniert uns alle wohl die Linotype. So schnell, wie der Druck herauskommt, können wir gar nicht gucken. Und zu unseren heruntergeklappten Kinnladen passt der gedruckte Satz wirklich gut: Die Besucher staunen über die alte Technik im Museum.

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28 Handgeschöpft Papierherstellung in Fockendorf

April

Bereits eine Woche später geht es mit dem Zug in die andere Richtung: gen Westen. Der Anschluss ist ohne große Wartezeiten verbunden ... denken wir. Aber Züge haben auch gern mal Verspätung und in unserem Fall sind selbst 5 Minuten zu viel. So stehen wir also völlig verloren am Bussteig in Altenburg und trauen unseren Augen beim

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S­ tudieren des Fahrplanes kaum: der nächste Bus in 3 Stunden. Rettung naht in zwei Autos: Gaby und eine Mitarbeiterin des Museums holen uns ab. Und Busgeld haben wir auch gespart. Sehr positiv, sehr positiv! Herr Heinzig verschafft uns einen detaillierten Blick in die Papierherstellung. In Fockendorf reicht diese wohl zurück bis ins Jahr 1692. Wir dürfen jetzt auch einmal ganz altertümlich Papier schöpfen. Was ich vorher nicht wusste: Die Fasern benötigen keinen Leim, sondern „verfasern“ sich schon ganz von selbst. Genial! Mal wieder ist meine Theorie belegt, dass Pflanzen ganz tolle Wunderwerke sind! Tiere allerdings auch, nur sollte man aus ihnen nichts herstellen. Gegen ein Wasserzeichen mit Kaninchenmotiv gibt es dennoch keinen Einwand. Frau Korsun steht uns unterstützend und mit viel Geduld zur Seite.


Gleich neben dem Handschöpfbottich steht die sogenannte Minipapierfabrik, die - im Vergleich zu großen Fabrikanlagen - kleine Rollen bräunlichen Papiers herstellen kann. Jeder darf ein Stückchen mitnehmen. Was sich anfangs noch wie nasses Toilettenpapier anfühlt, ist nach ein paar Stunden zu sehr reißfestem Papier geworden. Applaus, Applaus für so viele Erfindungen in einem Raum!

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5 Handangetrieben eine analog-Digitale Stop-Motion

Mai

Jetzt ist es also soweit! Der Workshop, dem Gaby so entgegengefiebert hat, steht an. Als ich den Raum betrete, sind schon erstaunlich viele Teilnehmer anwesend. Einer von ihnen, der nicht zu unserem Fachkurs gehört - jedenfalls habe ich ihn noch nie vorher bei uns gesehen - baut einen Laptop auf und schließt ihn an den Beamer an. Gaby geht auf ihn zu und sagt soetwas wie: „Jörg, ich habe mir überlegt ...“. Das ist Professor Jörg Petri? Darf man als Professor überhaupt so jung aussehen, frage ich mich und muss zugeben, dass ich auf einmal dem Projekt deutlich entspannter gegenüberstehe.

Nachdem sich Jörg (er besteht auf das Du, egal, wo er gerade unterrichtet) vorgestellt und uns einige seiner Arbeiten per Video präsentiert hat, beginnt eine kleine Diskussion zum Thema „Analog versus Digital“. Gar nicht so einfach, beide Seiten voneinander abzugrenzen. Um den Dingen auf den Grund zu gehen, soll eine typografische Stop-Motion-Animation gestaltet werden, die wir analog, physisch herstellen, aber digital weiterverarbeiten. Sofort bildet sich eine Brainstorming-Wolke in meinem Kopf. Und sie regnet wie verrückt Ideen aus sich heraus! Der Gedankenstrang zum Arbeitsaufwand fehlt aber noch. Wir überlegen wirklich intensiv, wie wir mit wenig Zeitaufwand ein trotzdem ansehnliches Video produzieren können. Und letztendlich wird unsere Idee von Jörg sogar als eine der besten aufgenommen. Was wir nicht bedacht haben: die rasanten Lichtveränderungen am Abend. Ich schaue auf die Uhr - schon 16:30 - ich muss zur Vorlesung! Und zur Projektil-Vorstellung von Frank Höhne wollte ich doch auch noch so gern gehen! Der Fairness halber beschließe ich, mich von meiner Gruppe zu lösen und eine Nachtschicht einzulegen. Während Frank Höhne einen Lacher nach dem anderen erntet, klingelt mein Handy: „Claudie, Claudie, du musst uns helfen! Wir haben uns auf dem Balkon

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der Marienstraße 1 ausgeschlossen.“ Die folgenden anderthalb Stunden bestehen aus einem Hin-und-Her zwischen Hausmeister-, Notdienst- und Projektleitersuche. Und immer wieder dem Zurufen hinauf in Balkonhöhen vom neuesten Stand der Dinge. Nach gefühlten 5 Stunden kommt eine Studentin vorbei, die weiß, wo wir die Nummer vom Schlüsselnotdienst der Universität finden können. Die Umarmungen sind groß. Olesia hat wohl langsam Hunger bekommen. Wir wussten ja mittlerweile, wie sich ein knurrender Magen auf ihre Stimmung auswirkt ...

den eine Stop-Motion gewissermaßen auch beinhaltet. (Die Gedanken werden grollen, donnern und blitzen, um die Worte „Stop-Motion auch“ regnen zu lassen). Mit meiner Vorzeichnung flitze ich Freitag früh um 7 ins obere Stockwerk der M1, dort berührt die Sonne schon das Treppenhaus. Stativ aufgebaut, Zeichnung an die Wand geklebt, darauf ein leeres Blatt. Der Vorteil: ich kann durchgucken - die Kamera nicht. Strich. Foto. Strich. Foto. Fläche. Foto. Strich. Foto. Fläche ... 9:30 Uhr Schnitt. Aber ein Problem beim Abspielen. Neuer Schnitt. Fehlermeldung. Beim dritten Mal klappt alles und ich kann mein Video noch rechtzeitg präsentieren. Wenig später reiche ich Sound und saubere Bearbeitung nach. Puuh, Stop-Motion ist doch nichts anderes als Stuhltanz Action! Stop! und jede Menge Aufregung - so, wie ein Spiel sein muss.

Mittlerweile ist es stockdunkel draußen, das bedeutet: Nachtschicht und Frühschicht. Ich entscheide mich wieder für mein Lieblingszitat, auch weil Architektur so gut zum Aufbau passt,

Ein besonderer Dank geht an Manuel Schulze, der die musikalische Untermalung mit dem wunderbaren Titel „Nasenloch“ komponierte.

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26 Handbedruckt ein Plakat unterm Sieb

April -

8 Juli

In diesem Projektabschnitt liegt der wohl längste Schaffensprozess, obwohl die Idee von der ersten Präsentation an als sehr passend abgesegnet ist. In einem der Bibliotheksbücher habe ich ein schönes Zitat von Kurt selbst gefunden. „Die Toten gehen uns auf die Nerven, weil wir mit ihnen verglichen werden und dabei schlecht abschneiden.“ Nichts würde seinem Zynismus mehr entsprechen, als diese Zeilen in eine Todesanzeige einzuarbeiten. Aus der Sicht der Toten, unter denen auch er nun weilt, erhält die Aussage sogar einen positiven Aspekt. Im Vergleich mit Kurt würden wir wohl alle gewissermaßen „schlecht abschneiden“. Das ursprünglich typische Aussehen einer Todesanzeige entwickelt sich immer mehr in die plakative Richtung. Wird höher, verliert den doppelten schwarzen Rahmen, erhält modernere Schriftarten, Farbigkeit und eine kontrastreiche Grafik. Kurts Hut liegt - optisch zur Ruhe gebettet - auf einer Wolke. Seine Lorgnette ragt hinunter in den Text zur kritischen Auseinandersetzung mit den Lebenden. »Die Toten gehen uns auf die Nerven. Weil wir mit ihnen verglichen werden und dabei schlecht abschneiden.«

Kurt Weidemann *15.12.1922

In Dankbarkeit und Hochachtung:

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†30.03.2011

Fahrer erstklassiger Automarken, Reisende, Nährstoffkonsumenten, Finanzkönige, aber auch Büchernarren, Schriftliebhaber, Querdenker, Zaungäste und Ohrenzeugen.

Nun ist es Zeit für die Aneignung eines Tennisarms, bedeutet: die Übertragung des Motivs mittels Lackstift auf zwei Transparente. Und als Nicht-Lichttisch-Besitzer macht man in diesem Fall meist von Fensterscheiben Gebrauch. Für die anschließende Belichtung auf Siebe muss der Farbauftrag möglichst blickdicht sein. Nach vier Schichten und einem massagebedürftigen Arm habe ich endlich ein beruhigtes Gewissen vorerst. Die Terminvergabe gestaltet sich zu diesem Zeitpunkt, nämlich zum Semesterende komplizierter, als ich gedacht hätte. Nun gut, für die folgenden Semester bin ich mehr als vorgewarnt. Letztendlich finden wir doch noch eine Lösung. Der Druck geht relativ schnell vonstatten. Vor mir liegt ein brilliantes Ergebnis, das ein Digitaldruck nicht hätte liefern können. Das Auge kann die Farben förmlich fühlen. Der Glanz verleiht Brillianz!


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Man kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber dem Tag mehr Leben.


12 Handgebunden Mai Bücher, die ohne Kleber auskommen &

28 Juni

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Ein Buch binden, komplett klebefrei? Ich bin gespannt! Im ersten Workshop entscheiden wir uns für eine Bindung mit einem 3-teiligen Buchdeckel. Natürlich in Folge einer Mehrheitsentscheidung, auch wenn sie haarscharf ausfällt. Das sichtbare Garn am Buchrücken hat es mir angetan. Den Plexiglasstreifen wird man sicher auch weglassen können, denke ich. So wie man es von Notizbüchern aus Thalia kennt. Doch das funktioniert leider nur, weil Klebstoff im Spiel ist. Zum Glück ist der Bastelladen nicht weit und die Pause nicht kurz.

Rechtschreibfehler, einem Eselsohr. Unbeschriebene Notizbücher stapeln sich in meinem Zimmer. Irgendwann werde ich einen Antiquitätenladen eröffnen können.

Bis auf ständige Verknotungen des Garns klappt für meine erste Bindung alles erstaunlich gut. Die rosafarbenen Fäden sitzen an der richtigen Stelle, sind straff genug und auch die dunkelroten Buchdeckel liegen gut um den Buchblock. Ein Hauch von Romantik umweht meine Fingerspitzen. Lust auf Schreiben! Aber ich traue mich nicht. Aus Angst vor einem falschen Wort, einem

Als nächstes Objekt reiht sich eine Koperte in diese Sammlung. Wir verweben hierbei den Buchblock schon während des Zusammenheftens direkt mit dem Rücken. Ich muss an das Stickvorlagenbuch meiner Mutti denken. Wenn ausgefallene Muster möglich sind, dann doch sicher auch Symbole, Bilder oder Namen. Ein Buch mit aufgenähtem Namen, das wäre doch mal etwas!


Handgesetzt ein Bleisatz-Experiment Als Entschädigung für unser Kurt-Buch, das aus mehreren Gründen nicht gesetzt und gedruckt werden kann, durchstöbern wir heute einige Bleisatzbestände unserer Fakultät. Im üblichen Arbeitsraum sitzen wir im Rundell um die einzelnen Kästen herum. Eine große Auswahl an Schriften mit und ohne Serifen, kompletten Versalschriften, modernen Schreibschriften und und und. Mit Lineal und Klebestreifen fixieren wir die einzelnen Wörter, streichen sie mit Linol- und Offset-Farben ein und pressen sie wie Stempel aufs Papier. Ich merke, wie mir das Experimentieren mit Farben gefehlt hat. Und drucke eine Wortgruppe nach der nächsten. Dass ich mir damit jede Menge Arbeit beim

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Juli Zur ücksor tieren und Auswaschen aufhalse, nehme ich gern in Kauf. Immerhin sollen die Ergebnisse auf der Summaery gezeigt werden. Einige Monate später: ich suche gerade nach irgendetwas auf den Fakultätswebseiten, als ich vom Hintergrundfoto abgelenkt werde. Dort bin eindeutig ich zu sehen. Beim Bleisatz-Workshop. Das war doch bestimmt Jay! Oder hat sich jemand von der Website heimlich in unseren Raum geschlichen? Im nächsten Semester sollte ich dieser Sache auf den Grund gehen. Das bringt mich zum Schmunzeln.

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5 Handgezeichnet Illustrieren in Lichtgeschwindigkeit

Juli

Am Morgen des 5. Juli bekommt mein Papa eine E-Mail von mir: „Wir haben heute einen Workshop bei Alexander von Knorre, guck mal, der ist sogar richtig bekannt.“ und dazu einen Link, der auf seinen Eintrag in Mosapedia verweist. Wikipedia für alle Mosaik-Fans, wie mein Papa einer ist. Er freut sich für mich, vor allem, weil Herr von Knorre ebenfalls Visuelle Kommunikation in Weimar studiert hat. Ein gutes Vorbild, um es in Worte zu fassen. Wir legen gleich los. Und heute arbeiten wir unter Zeitdruck. Ich fühle mich zurückversetzt nach Halle. In den Fächern „Grafische Ausführungstechnik“ und „Freies, illustratives Zeichnen“

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lief es meist ähnlich ab. Begrenzte Zeiträume fördern dabei die Konzentration auf das Wesentliche. So werden wir automatisch davon abgehalten, uns in Details zu verlieren. Eine gute Sache - so eine Uhr! Schneller denken, schnellere Handbewegungen ausführen und den Strich lockern. Von Knorre hat sich ein richtiges Programm für uns überlegt. Wir beginnen mit der Selbstinszenierung in vier Situationen: • • • •

das Portrait beim Zahnarzt Eis essend und nach 5 Gläsern Glühwein

Nach jedem Themenblock drehen wir eine Runde um den Tisch und bestaunen gegenseitig unsere Zeichnungen. Besonders fasziniert bleibe ich bei Claudia Y. und Karoline stehen. Dort liegen kleine, leicht asiatisch-angehauchte


Kunstwerke und ich philosophiere darüber, ob wir uns im Zeichenstil - ähnlich wie in der Sprache und Kultur - voneinander unterscheiden. In der nächsten Aufgabe geht es um clever gewählte Darstellungen von Massenszenerien. Wie stelle ich • • • •

ein Schwimmbad, einen Geburtstag, eine Schneeballschlacht und unseren Workshop dar? Der zweite und abschließende Teil des Workshops dreht sich um den Illumaten - eine Box, in der mehrere Illustratoren sitzen und über einen Schlitz Wunschzettel von Passanten zugesteckt bekommen. Natürlich auch eine kleine Spende. In unserem Workshop-internen Illumaten schreibe ich als Passant

Nach so vielen rasanten Ideenfindungen dürfen wir unseren Köpfen nun eine Pause gönnen, die sich folgerndermaßen äußert: nun stellen wir einfach „nur“ Gegenstände dar. Darunter zum Beispiel: • • • •

ein Rasenmäher eine Trompete ein Mammut eine Lunge (bzw. zwei), ...

• •

eine Katzenwäsche und eine Tütensuppe

auf meine Zettel und erhalte als Illustrator sehr ausgefallene Wünsche nach • • • •

Julia und der Schäfchenwolkenschablone (an was auch immer der Schreiberling da gedacht hat) einer Waldphobie einem Helden aus Serifen und ... hust ... einer ­Arschkrampe.

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27- Handgepäck 5 Tage analog in Thüringen 31 Mai

Wie immer, bevor ich auf längere Reisen gehe, schnappe ich mir ein kleines Notizbüchlein und schreibe darin die Dinge auf, die ich unbedingt sehen, unternehmen und festhalten möchte. Analogität und die Vorbereitung auf unser abschließendes, selbstständiges Projekt sind die einzig festgelegten Kriterien für diesen Zeitraum. Letzteres haben wir im vergangenen Plenum liebevoll als „Selbstfindungsprozess“ bezeichnet. Da ich also so gut wie analog zu reisen versuche, notiere ich mir ebenfalls sämtliche Bahnverbindungen, Kontakte zu Tourist-Informationen, Routen, Veranstaltungsorte, Restaurants, Wettervorhersagen und vieles mehr. Als Orientierung in den jeweiligen Orten müssen notdürftig ausgedruckte Ausschnitte von Stadtkarten genügen. Ich bin mein eigener Reiseführer. Im Gepäck eine analoge Spiegelreflexkamera

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(eine EXA 1a, Herstellung in Dresden um 1965), die schon mein Papa in seiner Kindheit als unentbehrliches Utensil auf jeder Entdeckungstour bei sich führte. Dazu Weitwinkel- und Teleobjektiv, Sonnenblende und Belichtungsmesser (ein echter Weimar Lux Nova, auch noch aus DDR-Zeiten). Ich habe mir noch ein drittes Kriterium gesetzt: mindestens diese Woche vegan zu leben. Dazu bringen mich mit einer Vielzahl schlagender Argumente vor allem zwei Autoren: Jonathan Safran Foer („Tiere essen“) und Karen Duve („Anständig essen“). Mein erstes Foto entsteht am 27. Mai in Bad Kösen. Motiv ist der angriffslustige Schwan aus dem Kur-Park im Stadtzentrum. Ich werde keine typischen Bauwerke oder Denkmäler ablichten. Viel eher interessieren mich die kleinen, atmosphärischen Details oder eben das Lebendige - am Ende der Reise kann mein Film sechs verschiedene Tierarten vorweisen.


Pro Tag besuche ich zwei Städte. Bei 5 Tagen und einem 36er-Film habe ich also 3 bis 4 Fotos pro Stadt zur Verfügung. Das klappt auch ganz prima. Interessant, sich - anders als bei einer Digitalkamera - mal wirklich nur für die „besten“ Motive zu entscheiden und so dem Datenchaos zu entgehen. Diesen und viele weitere Gedanken schreibe ich in einem Tagebuch nieder, lasse Platz für die später entwickelten Fotos und

zeichne jeden Abend meine abgelaufenen Routen ein, die ich mit Kreuzen an den Stellen versehe, an denen ich den Auslöser betätigt habe. Abschließend folgt ein Fazit und eine Aufzählung aller von mir verspeisten Lebensmittel an diesem Tag. Veganismus kann man in gewisser Hinsicht mit Analogität vergleichen: man ist gezwungen, öfter selbst Hand anzulegen, wenn es um die Zubereitung geht.

Stadtmodell von Erfurt

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Nun gut, den ganzen Bericht über meine Erlebnisse und Gedanken kann man bereits in diesem Tagebuch nachlesen, deshalb hier nur die Highlights: • • • •

• • • •

• •

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in Bad Kösen das Gefühl von noch freierem Atmen, wenn man an der Gradierwand steht in Bad Sulza das 1:1 kopierte Gartenhaus Goethes in Bad Langensalza die Atmosphäre im Japanischen Garten mit dem Quaken der Frösche in Erfurt der kleinste Hund, den ich je gesehen habe („Entschuldigung, darf ich Ihren Hund fotografieren?“ - „Ja, wenn Sie‘s schaffen?“), hier entsteht auch mein Lieblingsfoto: die Miniatur von Erfurt in Gera der Töpfermarkt, sehr analog in Jena das rege Leben trotz des Sonntags in Eisenach die noch steileren Hänge als die Leibnizallee in Weimar in Gotha der Blick auf die von der Abendsonne gewärmte Altstadt im Tal und die steinerne Wasserfläche, auf der Kinder spielen in Mühlhausen die entspannten Kaninchen im Hinterhof und in Weimar das Horror-Haus, welches mir trotz wärmster Sonne einen kalten Schauer versetzt hat


Analog-digitale Erlebnisse Auch die Zeit während der Zugfahrten (insgesamt 9 Stunden und 34 Minuten) erweist sich als äußerst reizvoll. Sie ist sozialer Brennpunkt, wenn es um digitale Medien geht.

Eine ältere Frau versucht einer noch älteren Frau (vermutlich ihrer Mutter) einen Nintendo DS schmackhaft zu machen. Sie erklärt ihr, wie man das Spiel „Wer wird Millionär“ bedienen muss, doch die ältere-ältere Dame scheint lieber schlafen zu wollen. Tagebuch-schreibend sitze ich im Zug und schaue kurz auf. In der Reihe neben mir sitzt ein Rentner, der während der gesamten Fahrt auf einem Gerät mit Touchscreen herumtippt. Vor ihm ein End-Vierziger, der über Headset von seinem iPhone telefoniert. Zwei ältere Damen regen sich über eine andere Dame (wahrscheinlich sogar eine Freundin von ihnen) auf. Ihrer Meinung nach wäre es wohl unnormal, in diesem Alter ein Handy zu benutzen.

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7 „Milch“handel oder: in vegan veritas

Juni -

13 Juli

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„Ich bin Leben, das leVegane Mütter und Kinder ben will, inmitten von Vegane Frauen bleiben in der Schwangerschaft gesund. Kinder, die mit veganer Kost groß gezogen wurden, Leben, das leben will!“ dürfen erwarten, ein überdurchschnittlich gesundes Erwachsenenleben vor sich zu haben. - Albert Schweitzer Studien haben ergeben, dass vegan ernährte Kinder Ich weiß noch genau, im Schnitt leichter sind, seltener Allergien bekommen, weniger Erkältungen und Darmprobleme haben. wie ich damals bei der Einzige Nährstoffe in zu geringer Menge sind Kalzium Abschlussprüfung in und Vitamin B12, die allerdings über Präparate zur Ergänzung aufgenommen werden können. der 10.  Klasse zu diesem Zitat befragt wurde. Der Lehrerin ging es jedoch eher um der Verbraucher in zu geringem Maße Menschenwürde, als um die Gleichstel- informiert wird. Deshalb setze ich mir lung aller auf unserem Planeten exisitie- in meinem selbstständigen Projekt das renden Lebewesen. Beim Veganismus Ziel, alle gesammelten Arsteht Tier-Ethik für die meisten ganz gumente zu bündeln und klar im Vordergrund. Dass wir mit ei- kategorisch in einer Kartei ner einfachen Ernährungsumstellung zusammenzufassen. (Zum aber auch unsere Mitmenschen und Kategorischen Imperativ vor allem unsere Umwelt retten kön- von Kant wurde ich in der nen, ist den meisten Verbrauchern Prüfung übrigens auch benicht bewusst. Meist wollen Omnivo- fragt). ren (Allesesser) aus Gewohnheits- und Genuss-Gründen nicht auf tierliche Nach tagelangen ReProdukte verzichten. Dieses sogenannte cherchen in sämtlichen Egoismusdenken reicht leider nicht bis Büchern, Internetquellen zur eigenen Gesundheit, die durch ve- und bestelltem Informagane Ernährung wesentlich gesteigert tionsmaterial ist es ein werden kann. Leichtes, diese in ein System zu gliedern: Aus 4 Jahren Erfahrung als Vegetarierin weiß ich, dass ein weiterer Recht• Umwelt fertigungsversuch von Nicht-Veganern • Gesundheit darin besteht, dass die Wirtschaft wohl • Tier-Ethik noch nicht weit genug entwickelt wäre, • Irrtümer um dem Normalbürger ein veganes • Rezepte Leben zu ermöglichen. Fakt ist, dass • und Notizkarten

Gesundheit


Notizkarten deshalb, weil es auf dem Gebiet der Ernährung immer neue Erkenntnisse gibt, die der Nutzer selbst nachtragen kann. Rezeptkarten enthalten Empfehlungen zu Alternativen für Fleisch, Milch und Eier. Typisch tierlich verarbeitete Produkte wie Käse oder Mayonnaise können über beschriebene Rezepte in veganer Form selbst zubereitet werden. Separate Zutatenlisten sind zum Einkaufen hervorragend geeignet. Für eine noch größere Übersichtlichkeit habe ich den Bereichen jeweils eine Farbe und ein Symbol zugeordnet.

ren Boden einschiebt. Eine fingergroße Lasche vereinfacht das Öffnen und Schließen. Einen versteckten Hinweis zur Bauhaus-Universität oder zumindest einem ehemaligen Weimarer Studenten baue ich durch die verwendete Schriftart Yanone Kaffeesatz von Jan Gerner ein. Beim Linolschnitt hatte ich sie zufällig angewandt. Wie auch schon beim Plakat verleiht die Schriftart Bello dem doch recht wissenschaftlichen Projekt eine gewisse Auflockerung und Leichtigkeit.

Als paradoxen Hingucker entscheide ich mich für einen „Milch“Karton als Verpackung. Die einzelnen Karten befinden sich in einem Karteikasten, den man über den aufklappba-

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14- Allerhand Summaery 2011 17 Juli

Und schon neigt sich ein weiteres Semester dem Ende zu. Von der berühmten Summaery lese ich zum ersten Mal, als mir Linda beim Eignungstest im vergangenen Jahr jede Menge Info-Material in die Hand drückt - eine gigantische Ausstellung sämtlicher Projekte von Winter- und Sommersemester aller Fakultäten unserer Universität. Vorfreudig blicke ich vier Tagen voller Inspirationen entgegen.

Erst einmal heißt es aber: vorbereiten. Gemeinsam mit Andrea übernehme ich die Beschaffung der Materialien zum Druck-Workshop. Auch wenn ich nur

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für zwei Schichten eingetragen bin, halte ich mich beinahe zu jeder Zeit in unserem Raum auf, um einerseits Workshop-Interessierte zu betreuen, aber auch die Reaktionen der Besucher mitzuerleben. Besonders freue ich mich über die Aussage zweier Mädchen über meine Vegan-Box „Das sieht aus, als würde man es richtig irgendwo kaufen können.“ Weniger erfreut mich ein Vater, der nur die Überschrift einer Karte liest und sie sogleich wieder zurücksteckt. Er wollte wohl sein schlechtes Gewissen nicht zu sehr belasten. Für sehr interessierte Besucher habe ich Kärtchen zum Mitnehmen angefertigt. Über den darauf befindlichen Link gelangen sie zu einem Video über Massentierhaltung. Auch wenn ausgelegte Handschuhe selten angezogen werden, so vermitteln sie dem Besucher doch, mit gewisser Vorsicht das Objekt zu behandeln. Als Olesia aber wirklich in die Handschuhe schlüpft, ergibt das ein wunderbares Bild: mit dem „Milch“-Karton in der Hand sieht sie aus wie eine Lebensmittelkontrolleurin.


Nach ihrem Schichtende brechen wir auf in Richtung Fotografie-Ausstellung. Da wir in Xenias Projekt mitgewirkt haben, sind wir schon ganz gespannt auf die Abzüge in Plakatgröße. Passend zu

erkenne ich am Ton. Umso mehr genieße ich am nächsten Abend meinen pünktlich gesicherten Sitzplatz bei der ­Medienrolle (ausgewählte Filme der Fakultät Medien).

meinem Veganprojekt trägt ihres den Titel „Die Natur schlägt zurück“ und zeigt das Tier in der Rolle des Menschen und umgekehrt. Am Freitag-Abend übernehme ich die Aufsicht beim Sommernachtstape (Präsentation der besten Videoprojekte meiner Fakultät). Da ich für die Überwachung von Tür und Licht eingeteilt bin, sehe ich nicht viel von den gezeigten Filmen. Nur den Diplomfilm über den ausgestorbenen Baiji-Delfin

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An diesem Samstag betritt eine M ­ utti mit ihren drei kleinen Jungs den Raum. Obwohl die drei charakterlich so unterschiedlich sind, kann der Workshop jedem von ihnen etwas bieten: der Größte hat Spaß am Schnitzen, der Kleinste am Basteln und der Mittlere scheint schon jetzt gute Voraussetzungen für den Studiengang Freie Kunst zu entwickeln. Später gesellt sich auch noch der Papa dazu, reicht

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Werkzeuge und hilft mit der Farbwalze. Sehr imposant, dem guten Team-Geist dieser Familie zuzuschauen ... und ich erwische mich dabei, wie meine Gedanken in die Zukunft abschweifen und sich den kleinen Künstler als großen Meister an unserer Universität vorstellen ...


Händlernachweis Das Impressum

Claudia Zech Matrikelnummer: 100164 Visuelle Kommunikation Fakultät Gestaltung Bauhaus-Universität Weimar Sommersemester 2011

Bildnachweis

S. 5 (Maria Pilchowski) http://img-a3.pe.imagevz.net/profile1/c9/2e/25fcfe40ee0cdea2599032bb2fdf/1-fc5c4673648b2345.jpg S. 6 (Kurt Weidemann) http://blog.blombach.com/wp-content/uploads/2011/04/roc_web_alexanderbeck-03.jpg S. 14 (Jörg Petri) http://www.flickr.com/photos/8181818@N06/1340611721/in/photostream S. 20 (Alexander von Knorre) http://kreativetage.blogspot.com/2010/03/alexander-von-knorre.html

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Portfolio 2011