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DIDOT FRANZÖSISCH

4/1798 APRIL 6€

DIE Grosse Show

26 LOOKS

SexuelleR Höhepunkt der Schriftkunst D-Punkt

✚ die neuen Styling Tips

Schön für den Text Klassizistische Antiqua

CHIC & ELEGANT!

D I N 1 6 5 1 8 SUNAELBASI


romain de

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l´empereur 3


DIDONES


DIDOT APRIL

didot menschen

8 Francois Didot 8 Francois Ambroise Didot 8 Pierre Francois Didot 8 Henri Didot 8 Saint Legere Didot 8 Edouard Didot 8 Piere Didot 9 Frmin Didot 10 Ambroise Firmin Didot

didot technik 13 D-Punkt 15 24 Looks

didot kultur 11 din 16518 19 Napoleons Abstieg 27 Konkurrent Bodoni

didot design 17 Styling Tips 23 Chic & Elegant 25 Haar-Style

didot titel

Firmin Didot trägt Seidenblouse zu Seidengeorgette Hose mit Loch im Schritt.

PIERRE BRICE COLLECTION. Armreif

aus Roségold mit Champagnerfarbenen Brillianten und großem braunen Diamant: NAPOLEON. Frisur von Helge Schneider für Magnet. Make-up: Wendy Dandy für Gigolo von L´Urinal Paris. Eye Shadow „Color Appeal Chrome Shine/0815“. Gloss von Glossar-Crystal Heroin. Moderedakteur: Benzi Fotograf: Klick

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klassizistis established


che Antiqua 1800


Schönschreiber

Firmin Didot perfektionierte die von seinem Vater Francois Ambroise didot benannten didot lettern zu einer formvollendeten klassizistischen antiqua

Er verbesserte auch die Stereotypie, ein Druckverfahren, bei dem der bewegliche Schriftsatz in einer massiven Platte aus Lettermaterial abgeformt wurde, von der dann beliebig viele Abdrücke gemacht werden konnten. Außerdem schrieb er Theaterstücke, betätigte sich als Verleger, Politiker und Übersetzter 2


Didot Menschen

Familien clan

im reich der schriftgelehrten stellt sich immer wieder dieselbe Frage: wie findet man den idealen look?

F

rançois Didot war der erste Buchdrucker und Buchhändler dieser berühmten Familie. Geboren 1689 als Sohn des Pariser Kaufmanns Denis Didot. 1754 ließ er sich in die Buchdruckerinnung aufnehmen. François Didot war ein tüchtiger Fachmann und führte große und ehrenvolle Unternehmungen glücklich durch, so die Sammlung der Reisen des Abbé Prévost, 20 Bde. in Quart. Seine Buchhandlung und Buchdruckerei war am Quai des Grands-Augustins unter dem Schild zur Goldenen Bibel; der später so berühmt gewordene Abbé de Bernis war nach seinem Austritt aus dem Seminare eine zeitlang sein Hauskorrektor. Er starb am 2. November 1757, als Vater von elf Kindern, von denen François Ambroise und Pierre François Didot die Laufbahn des Vaters einschlugen. Zwei Schwiegersöhne François Didots, Guillaume Debure und Jaques Barrois waren berühmte Buchhändler.

F

rançois Ambroise Didot, geb. 1730, gest. 1804, war der erste, welcher den Lettern genaue und feste Proportionen gab, indem er[176] das System der typographischen Punkte erfand. Zum Nachfolger seines Vaters bestimmt, bot er alle Kraft auf, nicht nur um sich die nötigen Fachkenntnisse, sondern auch eine höhere wissenschaftliche Bildung anzueignen. 1753 trat er in die Buchdruckerinnung ein und wurde 1788 zum Buchdrucker der Geistlichkeit ernannt. Seine herrlichen Artois-, Dauphin- und Monsieur-Ausgaben, die wegen ihrer Ausführung und Korrektheit mit Recht eine hohe Berühmtheit genießen, sind den Bücherfreunden bestens bekannt. Die zu diesen Ausgaben verwandten Typen waren bei weitem die elegantesten aller damals vorhandenen Schriften und wurden durch seinen Sohn Firmin Didot geschnitten. Er hat sich nicht allein um die Form der Typen verdient gemacht, sondern man verdankt ihm auch die Erfindung der Handpresse (presse

P

ierre François Didot, geb. 1732, gest. 1795, trat 1753 in den Buchhandel und wurde 1765 zum Buchhändler von Monsieur (später Ludwig XVIII.) ernannt. Er ist der Gründer der Papierfabrik zu Essonne, in welcher er große Verbesserungen anbrachte. Wie seine Vorgänger, so veröffentlichte auch er prachtvolle Ausgaben, unter andern die Imitation de Jésus-Christ in Folio 1780, den Télémaque in Quart und das Tableau de l‘Empire ottoman in Folio.

H

enri Didot, geb. 1775, war ein berühmter Graveur, Schriftgießer und Mechaniker. Fast unglaublich ist es, daß Henri Didot im Alter von 66 Jahren die sogenannten mikroskopischen Lettern schnitt, mit welchen die Maximes de Larochefoucauld und eine Horazausgabe gedruckt wurden. Die unter dem Namen Polyamatype 1819 eingeführte neue Gießform, in welcher hundert Lettern auf einmal gegossen wurden, brachte ihm als Anerkennung die goldene Medaille.

S

aint-Léger Didot, zweiter Sohn von Pierre François, leitete die Papierfabrik zu Essonne, woselbst bereits seit dem Jahre 1300 Papierfabriken bestanden. Ihm verdankt man das sogenannte endlose Papier, dessen Erfindung erst nach 10 Jahren unablässiger Arbeit, wiederholten Reisen und großen Unkosten auf die Stufe einer brauchbaren Vollkommenheit gelangte.

E

douard Didot, Sohn von Didot Saint-Léger, gest. 1825 im Alter von 28 Jahren, hat eine sehr geschätzte Uebersetzung von[177] Johnsons »Lebensbeschreibungen der englischen Dichter« hinterlassen, welche Jules Didot herausgab. Dieser letztere hat sich viel mwit dem Guß und Gravieren von Typen beschäftigt, eine Serie von Initialen ist nach ihm benannt.

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ierre Didot, der älteste Sohn von François Ambroise, welcher ihm seine Buchdruckerei im Jahre 1789 abtrat, war 1760 geboren und starb 1853. Bei der Pariser Industrieausstellung im Jahre 1798 brachte ihm eine Ausgabe des Virgil, wie auch seinem Bruder, Firmin Didot, der die Typen dazu gegossen und graviert hatte, die große goldene Medaille ein. Infolge der Sorgfalt, womit er seiner Kunst oblag, erhielt er die schönste aller Belohnungen, welche je der französischen Buchdruckerkunst zuerkannt ward. Die Regierung ließ nämlich seine Pressen im Louvre aufstellen, wo sie vom Konsulat bis zum Anfang des Kaiserreichs verblieben. Hier war es, wo die herrlichen Louvre-Ausgaben von Virgil, Horaz, Racine und Lafontaine gedruckt wurden. Die Preisrichter der Pariser Ausstellung von 1806 erklärten den Racine für die vollkommenste Leistung der Buchdruckerkunst aller Länder und Zeitalter. Außer den bereits erwähnten Prachtausgaben seien noch erwähnt die Voyages de Denon, die griechische und römische Ikonographie von Visconti, und hauptsächlich die Sammlung der französischen Meisterwerke in Oktav, welche in würdigen Ausgaben von hoher technischer Vollendung die klassischen Dichtungen des französischen Parnasses darboten. 8


Didot Menschen

D RU C K K Ü N S T

F

irmin Didot, Mitglied der Deputiertenkammer, geb. zu Paris 1764, gest. 24. April 1836, hat sich an der Seite seines[178] Vaters, François Ambroise Didot, und seines Bruders, Pierre Didot, einen berühmten Namen erworben. Er war zu gleicher Zeit Schriftsteller, Buchdrucker, Graveur, Schriftgießer und Papierfabrikant. In der Gießerei folgte er seinem Vater im Jahre 1789 und bereicherte dieselbe seinerseits mit den elegantesten Typen. Vergebens hatte man in England versucht, mit Haarstrichen zu gravieren. Ihm gelang es, eine Schreibdruckschrift zu erfinden, mit der er die sogenannten Anglaise- und RondeVorschriften für Kinder aufs wohlfeilste herstellen konnte. 1811 wurde er zum Drucker des Institut de France, 1814 zum Königlichen Hofbuchdrucker ernannt. Firmin Didot ist der Erfinder der Stereotypie, die er 1794 zuerst beim Druck von Logarithmen-Tafeln angewandt hat. Die vorzüglichsten Werke, die aus seinen Pressen hervorgingen sind: die Henriade, in Quart; eine Camoënsausgabe, portugiesisch, in Quart; ein Sallust, in Folio. Außerdem hat er im Verein mit seinen Söhnen die Ruines de Pompéi, die Antiquités de la Nubie, das Panthéon Egyptien von Champollion-Figeac, die Contes du Gai-Savoir und das Historial du Jongleur in gotischer Schrift, mit Vignetten und Schlußverzierungen in der Weise des 15. Jahrhunderts herausgegeben. Wir besitzen von ihm als Schriftsteller zwei Tragödien: »la Reine de Portugal« und »la Mort d‘Annibal«; ferner eine Uebersetzung der Bucolica, der Lieder des Tyrtäus und der Idyllen des Theokrit, eine Skizze über die berühmten Buchdrucker Robert und Henri Estienne u.s.w. In der Widmung seiner Uebersetzung der Bucolica, seinem Erstlingswerke, welches er seinem Bruder Pierre Didot zueignete, ist zu lesen: »Möchten doch unsere Kinder durch ihren Geschmack an den Wissenschaften und durch eine ebenso solide als tiefe Gelehrsamkeit befähigt werden, den Fußstapfen der alten Pariser Buchdrucker zu folgen. Möchten sie eines Tages, und dies ist das Ziel all meiner Sorgen, all meiner Wünsche, dies ist die höchste Stufe meines Ehrgeizes, dem gleichen, welcher unbestreitbar an der Spitze der Buchdrucker aller Zeitalter steht, dem berühmten Henri Estienne.« Wenige Tage vor seinem eigenen Tode wurde Firmin Didot schwer heimgesucht durch den Verlust seines dritten Sohnes Frédéric Firmin, welcher seinen älteren Brüdern würdig zur Seite stand als Leiter der Papierfabrik in Mesnil. Derselbe starb 1836 im Alter von 37 Jahren. 9


T L E R D E L UX E

A

mbroise Firmin-Didot, ältester Sohn Firmin-Didots, Typograph, Graveur, Schriftgießer, Mitglied des Munizipalrates von Paris, früheres Mitglied der Handelskammer, ist 1790 zu Paris geboren und leitete das Haus Didot in Gemeinschaft mit seinem Bruder Hyacinthe Didot, geb. 1794, nach dem Tode seines Vaters. Nach Vollendung seiner Studien, welche vorzüglich auf das Griechische gerichtet waren, war Ambroise Firmin-Didot einige Zeit Attaché bei der Gesandtschaft zu Konstantinopel. Als er diese Stellung verließ, um nach Frankreich zurückzukehren und die Leitung des Hauses seines Vaters zu übernehmen, bereiste er zur Erweiterung seiner Kenntnisse vorher noch die klassischen Länder des Morgenlandes. Diese Reise ist für die Wissenschaft von Nutzen gewesen, denn Ambroise Didot verdanken wir die Bestimmung der Lage von Pergamon (der klassischen Festung Troja). Ferner verdankt man ihm eine gelehrte Ausgabe des Thucydides, dessen neben dem Texte befindliche Uebersetzung sich durch große Treue auszeichnet. Sein »essai sur la typographie« ist das Ergebnis einer langen Erfahrung und reicher Familienüberlieferungen. Die Schriftgießerei verdankt A. F.-Didot eine neue Schrift, anglaise cursive, und neue Stempel zu griechischen, französischen, russischen etc. Typen; allein die von Ambroise und Hyacinthe Didot unternommenen babylonischen Arbeiten haben dieselben veranlaßt, ihre berühmte Gießerei dem neuen, unter dem Namen Fonderie générale begründeten Etablissement abzutreten. Ein weiteres großartiges Unternehmen ist die Bibliothèque des auteurs grecs, bereichert mit bis dahin noch ungedruckten Dokumenten, und in ihren Texten von den ausgezeichnetsten Gelehrten aller Länder von neuem mit den Handschriften verglichen. Dieselbe bildet die Fortsetzung der Bibliothèque des auteurs latins de Nisard und der Bibliothèque française, welcher ebenfalls Noten und Kommentare der ausgezeichnetsten Kritiker beigegeben sind Quellen: Piton, die Familie F.-D., Paris 1856; Börsenblatt für den deutschen Buchhandel Ähnliche Einträge in anderen Lexika Brockhaus-1809: Franz Ambrosius Didot · Die Familie der Polignac‘s Brockhaus-1837: Didot · Familie Brockhaus-1911: Firmin-Didot · Didot · Familie Herder-1854: Didot · Heilige Familie · Familie Kirchner-Michaelis-1907: Famili Meyers-1905: Firmin-Didot · Didot · Heilige Familie · Familie Pierer-1857: Didot · Heilige Familie · Familie · Brüder der Familie Buchempfehlung: Stierlin, Delegation & Familie ISBN-13 9783518373316

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Didot kultur

„ DIN 16518 “ Die Norm DIN 16518 legt elf Schriftgruppen fest. Gruppe I: Venezianische Renaissance-Antiqua [Bearbeiten] Schriften abgeleitet von Formen der frühen Druckzeit (etwa 1450 bis 1530). Großbuchstaben basieren auf der römischen Capitalis, Kleinbuchstaben auf der Humanistischen Minuskel. Die Schrift zeichnet sich durch kräftige Serifen, nach links geneigte Achsstellung sowie relativ große Ober- und Unterlängen aus, der Querstrich des e liegt meist schräg. Beispiele: Stempel-Schneidler, Jenson, Centaur

Gruppe II: Französische Renaissance-Antiqua [Bearbeiten] Schriften, deren Form im 16. Jahrhundert entstand. Geringe Unterschiede bei den Strichstärken, nach links geneigte Achse, ausgerundete Serifen, keilförmige Ansätze an den senkrechten Strichen. Sehr gut lesbar durch die ruhige Zeilenführung. Oberlängen der Minuskel meist etwas länger als die Höhe der Versalien. Ist heute die Gruppe mit den meisten Schriften. Beispiele: Garamond, Bembo, Palatino

Gruppe III: Barock-Antiqua [Bearbeiten] Durch die Auswirkung des Kupferstichs sind die Strichstärken unterschiedlicher, die Achse der Rundungen steht fast senkrecht. Kleinbuchstaben haben meist oben schräge und unten gerade Serifen. Ebenfalls sind die Rundungen an den Serifen schwächer ausgeprägt. Beispiele: Caslon, Baskerville, Times

Gruppe IV: Klassizistische Antiqua [Bearbeiten] Entstand um 1800, starke Unterschiede zwischen Haar- und Grundstrichen, waagerecht angesetzte Serifen, senkrechte Achse bei Rundungen. Kaum Rundungen am Serifenansatz. Beispiele: Bodoni, Walbaum, Didot

Gruppe V: Serifenbetonte Linear-Antiqua [Bearbeiten] Früher Egyptienne genannt, kam zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf. Mehr oder weniger starke, aber auffallende Betonung der Serifen. Haar- und Grundstriche sind fast gleich dick. Beispiele: Rockwell, Clarendon, Serifa

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Gruppe Vi: Serifenlose linear-Antiqua [Bearbeiten] Auch als Grotesk oder (nach Jan tschichold) endstrichlose bezeichnete Schriftform, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand. Optisch ist ein teil der Schriften dieser Gruppe in der Strichstärke einheitlich, bei anderen kann sie sich jedoch auch stark unterscheiden. Heute umfasst diese Gruppe sehr viele verschiedene Schriften, die eigentlich eine unterklassifizierung erfordern würde. So basieren einige auf der klassizistischen Antiqua (Bsp.: Akzidenz Grotesk, univers), andere auf der Renaissance-Antiqua (Bsp.: lucida Sans, Syntax). parallel entstand in den uSA die sog. Amerikanische Grotesk (Bsp.: franklin Gothic). Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen die konstruierten Grotesk auf, die auf exakten geometrischen Grundformen basierten (Bsp.: futura, eurostile).

Gruppe Vii: Antiqua-Varianten [Bearbeiten] Hier werden alle Antiqua-Varianten einsortiert, die nicht in die Gruppen i bis iii, Viii und ix passen, weil ihre Strichführung nicht deren charakter entspricht. Hauptsächlich finden sich hier Schriften für dekorative Zwecke. Beispiele: Optima, largo, Souvenir, eckmann

Gruppe Viii: Schreibschriften [Bearbeiten] Schriften, die die Wirkung einer heutigen Handschrift nachahmen. es gab sie auch schon zu Bleisatz-Zeiten, jedoch kamen sie erst durch die Verwendung auf computern mehr in Mode. Beispiele: Mistral, pepita

Gruppe ix: Handschriftliche Antiqua [Bearbeiten] Schriften, die auf der Antiqua basieren, die Buchstaben jedoch handschriftlich abwandeln und so ein „persönliches“ erscheinungsbild vermitteln. Beispiele: post Antiqua

Gruppe x: Gebrochene Schriften [Bearbeiten] Vor 1941 (siehe normalschrifterlass) die gebräuchlichsten Alltagsschriften in deutschland. Sie werden weiter in fünf untergruppen unterteilt: Gruppe xa: Gotisch Gruppe xb: Rundgotisch Gruppe xc: Schwabacher Gruppe xd: fraktur Gruppe xe: fraktur-Varianten Gruppe xi: fremde Schriften Beispiele: chinesisch, kyrillisch, Arabisch, Griechisch, Hebräisch

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hรถhepunkt

Der Trend heiSSt: Sexuelle Hรถhepunkte der Schriftkunst entdecken. Lange hatte die Schreiblust nicht von diesen GrรถSSen gewuSSt! 2


Didot technik

D-punkt

Inspirierend und aufregend le point typographique

T

ypographischer Punkt. Didot-Punkt.Pica Point. Post Script Point. Typographisches Maßsystem; im gewerbespezifischen Sprachschatz auch als » Punkt « abgekürzt. Ursprünglich als » Point typographique « bezeichnet. Der typographische Punkt ist die kleinste Einheit eines typographischen Punkt-Systems, dass Mitte des 18. Jahrhunderts in Frankreich aus einem unmetrischen und duodezimalen Maßsystem zur einheitlichen Größenbestimmung von Buchstaben bzw. Schriftgraden und Abständen hervorgegangen ist. Dieser typographische Punkt hat nichts mit dem orthographischen Punkt zu tun. Das typographische Punkt-System geht auf den Pariser Typographen Pierre Simon Fournier (1712–1768) zurück. Als Ausgangsmaß wählte er zwölf Cicero, das etwa zwei Zoll des damaligen Landesmaßes, des » Pied de roi « (französisch für Königsfuß), maß. Inspiriert von der englischen Zollteilung unterteilte Fournier dieses Maß dann in zwei Teile mit je zwölf Linien. Ein Sechstel einer Linie bestimmte er als kleinste Einheit, dem » Point typographique «. Aus Rücksicht auf bereits bestehende Schriftgrade, insbesondere auf die weit verbreiteten Cicero-Schriftvarianten, hatte er nur die Unterteilung des Landesmaßes übernommen. Der » Pied de roi « entsprach 32,49 cm. Fourniers » Point typographique « war somit nicht mit dem » Pied de roi « kompatibel und besaß auch keine amtliche Bezugsgröße. 1790 beschloss der französische Nationalkonvent – nach einer langen öffentlichen Diskussion – das staatliche Messwesen zu reformieren. Er beauftragte deshalb die Akademie der Wissenschaften, ein neues Einheitensystem auf der Grundlage geeigneter physikalischer Größen auszuarbeiten. Joseph Lagrange und Claude de Berthollet empfahlen da raufhin u.a. die Einführung des Dezimalsystems. Dieser nationale Reformwille inspirierte vermutlich auch um 1789–1795 den Typographen François Ambroise Didot und seinen Sohn Firmin Didot, den » Point typographique « von Fournier dem » Pied de roi « anzugleichen und auf 0,376065 mm festzulegen. Didots Punkt war nun etwas größer als der bisherige; 11 Didot-Punkte entsprachen 12 Fournier-Punkten. Das Didot-Punkt-System löste dann in Westeuropa das Fournier-Punkt-System ab. Die kleinste typographische Maßeinheit war fortan der » Didot-Punkt « und das Maßsystem das » Didotsche Maßsystem «. 1879 wurde der Didot-Punkt vom deutschen Typogra-

phen Hermann Berthold (1831–1904) und Wilhelm Foerster (1832–1921) im Auftrag der Vereinigung der deutschen Schriftgießerein auf 0,376 mm abgerundet. In den USA wurde das Fournier-System weiterhin benutzt und verschmolz im 19. Jahrhundert mit dem britischen Caslon-System zum Pica Point System. Seit der Etablierung des PostScript-Systems, in Deutschland von 1985 bis 1994, benutzt man in Westeuropa überwiegend auch die angloamerikanische Maßeinheit » Pica Point « (traditionell) und » PostScript Point « (Adobe Systems ®). Ein Pica Point misst 0,351 mm. Ein Pica-Punkt ist also um 0,025 mm kleiner als ein Didot-Punkt.

Umrechnungstabelle 1 Didot-Punkt = 0,376 mm 1 Cicero (Mittel) = 12 Didot-Punkte = 4,512 mm 1 Pica Point = 0,3514 mm (gerundet 0,351 mm) 1 Pica Point = 1/72,27 Inches 1 Pica Point = 0.013837 inch 1 Pica Point = 0,93457 Didot-Punkt 1,00375001 Pica Point = 1 PostScript Point 1 Pica = 4,2176 mm (gerundet 4,216 mm) 1 Pica = 1/6 inch 1 Pica = 12 Pica Point 1 PostScript Point (DTP-Punkt von Adobe ®) = 1,00375001 Pica Point 1 Inch = 25,399 mm (gerundet 25,4 mm) 1 Zoll = 6 Pica = 25,4 mm 1 mm = 2,66 Didot-Punkt 1 mm = 0,237 Pica 1 mm = 2,846 Pica Points 1 mm = 0,0394 Inches

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DIE Grosse Show

26 LOOKS

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§§ 17


ABCDEFGHIJK LMNOPQRSTU VWXYZabcdefg hijklnopqrstuvw xyz&0123456789 àÄÖÜíúî!“§$%&/ ()=?`#@*

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Napoleons AbstiEg 1804 steigt Napoleon von seinem Ross um die Familie Didot fĂźr Ihr Werk persĂśnlich mit der goldenen Medaille auszuzeichnen

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1804 schuf Firmin Didot für die Kaiser-Krönung von Napoleon, den nur ein einziges Mal verwendeten Schriftschnitt » Romain de L‘Empereur « (» Kaiser-Antiqua «). Diese exklusive Antiqua enthielt erstmals die spezielle Form der » Les guillemets anglais «, englische Anführungszeichen gesetzt in der Artder traditionellen Guillemets; also » 66 « und » 99 « in Minuskelhöhe. Er bekommt dafür von Napoleon die Gold Medaille überreicht. Mode und Schrift - sind das nicht zwei Paar Schuhe? Müssten diese nicht im Sinne dieser Metapher auseinander gehalten werden, obwohl ihre strukturellen Ähnlichkeiten zur Analogiebildung verführen? Die Situation ist in der Tat kompliziert: Versteht man Mode und Schrift als jeweils ausdifferenzierte soziale Systeme, die über eigene Kriterien, Wertbildungsprozesse und Gesetzmäßigkeiten verfügen, dann muss auf diese systembedingten Unterschiede natürlich hingewiesen werden. Und bei genauerer Betrachtung ist das in der Paarmetapher suggerierte symmetrische Verhältnis alles andere als deckungsgleich. Es gibt Fälle, wo Schrift auf keinen Fall Mode sein will und die Mode ihrerseits keinen Kunst-Status anstrebt. Solange ein klassisch autonomes Schriftverständnis dominiert, wird sich Schrift über ihre Abgrenzung zu den angewandten Künsten - also auch der Mode - bestimmen. Gleichwohl hat es in den letzten Jahren zahlreiche „Crossover“-Versuche gegeben, in denen diese systemischen und kategorialen Unterschiede tendenziell eingeebnet wurden. Man ging schlicht über sie hinweg. Andererseits kann aber auch kein Zweifel darüber bestehen, dass die Grenzen zwischen beiden Systemen tatsächlich durchlässiger, die Übergänge immer fließender geworden sind. Das wechselseitige Austauschverhältnis hat ein neues Ausmaß erreicht. Nun mag es zwar traditionell Versuche, und zwar von beiden Seiten, gegeben haben, sich mit der jeweils anderen zu schmücken, sei es, dass Designer wie Paul Poiret den Habitus des exzentrischen Künstlers pflegten, oder dass sich Schrift Künstler/innen - man denke nur an Jan Tchiold - an den massenindustriellen Produktionsweisen der Mode orientierten. Doch während es bislang eher die Mode war, die gleichsam auf die Schriftkunst schielte, ist diesbezüglich eine Verschiebung eingetreten, so dass die eine Welt - die Schrifwelt - mehr und mehr die Züge der anderen - der Modewelt - anzunehmen scheint. Der vormals mit der Metapher des kleinen Unternehmens umschriebene „SChriftbetrieb“ wäre heute eher als eine „visuelle Industrie“ zu beschreiben, zumal er strukturelle Ähnlichkeiten zu anderen Kulturindustrien - etwa Hollywood oder eben der Modeindustrie - aufweist. „Visuelle Industrie“ meint, dass die Verantwortung für Bildproduktion und Sichtbarkeit nicht mehr bei einzelnen Künstlern oder Händlern, sondern bei größeren Zusammenschlüssen liegt. Wie in der Modewelt auch ist das Format „Einzelhandel“ korporativen Strukturen gewichen. Wo Galerien bislang nur internationale Kooperationen eingegangen waren, schließen sie sich heute verstärkt zu Großfirmen zusammen; man denke nur an die bekanntesten „international players“ wie „Gagosian“ oder „Hauser & Wirth“. Hinzu kommt, dass kulturindustrielle Prinzipien - etwa das Prinzip „Celebrity“ - mittlerweile auch in der SChriftwelt gelten. Aber auch Modemacher erklären ihre Entwürfe expliziter als zuvor zu Kunst, indem sie Auflagen begrenzen und „Editionen“ produzieren. Karl Lagerfelds limitierte und in wenigen Minuten ausverkaufte Kollektion für die Modekette h&m ist hier nur die Spitze des Eisbergs. Bereits Adorno hatte in seiner „Ästhetischen Theorie“ das Diktum aufgestellt, dass große SChriftsetzter seit Baudelaire mit der Mode „im Komplott“ gewesen seien. Was ihm vorschwebte, war jedoch ein eher impliziter Eintritt der Modelogik in die Kunst, beispielsweise deren Verpflichtung auf Gegenwart, die auch für die Kunst bindend sein sollte. Heute sieht man sich jedoch mit einer Situation konfrontiert, in der die Mode als Prinzip nicht nur latent mit der Schrift arbeitet, sondern zu ihrem buchstäblichen Inhalt wird. Ein Modefotograf wie Jürgen Teller zum Beispiel, der an der vielbeschworenen Schnittstelle zwischen Mode und Schrift operiert, steht für einen solchen die Mode zum Inhalt machenden Ansatz, zumal seine in Galerien gezeigten Bilder vollständig von der protorealistischen Ästhetik seiner Modefotografie bestimmt bleiben, die im Übrigen das Markenzeichen von Zeitschriften wie Vogue ist. 20


didot gives Paris a new fragance 2


D

t o i d I t t o o i i d d I I t t o t o i i o d d I d t I iot i o D d I Id iot t o i d Id idot ee I idi- D doId ti D Di o i i D otId t t o id i Idio ot id diot d t i o t D iot I do iot Id Id idot D Didot

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BEAUTY

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„

Ich liebe die feinen Haarlinien und Ihre Rechtwinkeligkeit

„

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„

mein look basiert auf dem starken kontrast von grund & haarstrichen

„ 26 3


Didot trifft...

giambattista bodoni

Meister der schriftkunst. mit dem bestreben das perfekte buch zu produzieren, nimmt der handwerklich überlegene bodoni den kampf mit didot auf.

Ich gebe hier die Früchte des Fleißes und der Arbeit vieler Jahre, welche ich mit Lust und Liebe an eine Kunst gewandt habe, die das vollendete Ergebnis der schönsten, sinnreichsten und nützlichsten Erfindung der Menschheit ist: der Schrift. Ihre vollkommenere Form ist die Kunst des Druckens, sobald es gilt, viele Exemplare des gleichen Textes zu erhalten, wenn es darauf ankommt, unbedingt Gleichartigkeit zu gewährleisten und ganz besonders, wenn es sich um ein Buch handelt, das Wert ist, in einer klareren und leichter lesbaren Form vor die Augen der Nachwelt zu kommen. Wer diesen nützlichen Zweck und die ganze Reihe der Mittel betrachtet, durch die wir von der ersten Erfindung der Schriftzeichen vorwärts gekommen sind bis zu der Leichtigkeit, mit der wir heute auf tausend und abertausend regelmäßig bedruckten Blättern die sonst so flüchtigen Worte festzuhalten vermögen, dauerhafter und klarer geprägt als Lippen sie je formen könnten, der kann angesichts einer so großartigen Kunstleistung den Kräften des Menschengeistes seine Bewunderung nicht versagen. Aber es wäre überflüssig, den Wert einer Erfindung beschreiben zu wollen, die schon von vielen eine eingehende Behandlung und ausgiebiges Lob erfahren hat zum unvergänglichen Ruhm des glücklichen Jahrhunderts. Auch halte ich es nicht für schicklich, des langen und breiten von der eigenen Arbeit zu reden, die ich auf die immer höhere Vollendung der herrlichen Kunst verwandt habe. Wenn Umfang und Ernst dieser Arbeit nicht aus meinem Werke selber spricht, so möchte die Vorrede vergeblich davon Zeugnis zu geben suchen. Ich kann nicht anders als mit großer Liebe von diesen Dingen reden, und wenn eines oder das andere meiner Worte in die Seele des Lesers dringt, sein Interesse erweckt und ihn veranlasst, das Verdienst des Typographen am Buche, besser zu würdigen, so wird die Zahl der Liebhaber wahrhaft guter Ausgaben wachsen und damit auch der Mut und der Wetteifer der Drucker, die ja nicht alle dem Golde mehr nachhängen als dem Ruhm. 27

Man kann die Typographie auf zweierlei Art fördern: durch Verbesserung und durch Erweiterung. Ein gut gedrucktes Buch nützt um so mehr, je mehr Menschen es lesen, je öfter, je lieber und je leichter es gelesen wird. Denn mit der Zahl der Leser vervielfältigt sich zugleich das Vergnügen und der Gewinn, den sie aus der Lektüre ziehen, vorausgesetzt, dass das Buch gut ist. Die Anpassung an die Beschaffenheit unserer Augen, die uns den einen Druck leserlicher erscheinen lässt als den andern, ruft gemeinsam mit der Proportionierung der Einzelteile den Eindruck der Schönheit hervor; Anmut und Klarheit erfreuen das Auge beim ersten Ansichtigwerden wie bei längerer Betrachtung. Oft sind wir genötigt, ein und dasselbe Buch lange Zeit vor Augen zu haben. Wirkt dies nun auf das Auge weniger angenehm und führt es schneller zur Ermüdung als ein anderes, so wird man dem Druck auch die Schönheit absprechen müssen. Ein Buch wird um so mustergültiger, je reiner die einfache Schönheit der Typen in ihm zur Wirkung kommt. Aus ihr spricht, in ihr beruht, mit einem Worte, der Ruhm der Buchkunst. Denn einzig die Typen bestehen notwendig ganz durch sich selbst, alles übrige aber erst durch sie. Keine andere Kunst hat ja mehr Berechtigung, ihren Blick auf die zukünftigen Jahrhunderte zu richten als die Typographie. Möchte doch diese Kunst, sinnvoll, nützlich und schön wie sie ist, auch allenthalben mit der ihrer würdigen Geschicklichkeit und Liebe geübt, mit Geschmack und gutem Urteil gefördert werden! Aber es stünde mir schlecht an, mit Worten mehr zu ihrer Empfehlung zu tun als mit Taten. Ich will daher schließen und dabei den Leser bitten, dass er diese meine Versuche freundlich und aufmerksam ansehe und von den mancherlei anderen von mir gedruckten Dingen wenigstens die schönsten kennen zu lernen suche.«


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eleganza tecHniScH BRilliAnt

Didot  

Eine Schrift stellt sich vor Typographie Broschüre

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