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Peter Wolff

Plakat muss sein, egal wie! Satirische Betrachtungen zur aktuellen politischen Plakatwerbung anlässlich der Kommunalwahlen in NRW (im August 2009, Raum MÜnchengladbach). 1


Plakate sind vermutlich so alt wie die Menschheit. Die ersten erschienen in Form von Kritzeleien an Felswänden, warnten vor Gefahren, deklarierten Gebietsansprüche, hatten magische Bedeutung oder waren Mitteilungen an Weggabelungen über den Aufenthaltsort von Stammesmitgliedern. Vermutlich waren auch schon Vorläufer von Comic-Zeichnern am Werk, die aus Spaß und zur Belustigung ihrer Höhlen-Mitbewohner von dieser Möglichkeit sich mitzuteilen, Gebrauch machten. Darunter gab es auch wahre Künstler (z. B. Höhlenmalerei von Lascaux, Südfrankreich). Viele dieser frühen Informationen, deren ehemalige Bedeutung in vielen, wenn nicht gar in den meisten Fällen, zu „entziffern“ ist, haben sich bis heute erhalten, Die „Lesbarkeit“ dieser Nachrichten über die Zeitdistanz von zigtausend Jahren ist darauf zurückzuführen, dass diese Informationen von Menschen für Menschen gemacht wurden, die keine Schrift zur Verfügung hatten, sich also auf Bilder und Zeichen beschränken mussten, die leicht zu erkennen und zu deuten waren (entsprechend den heutigen Piktogrammen auf Bahnhöfen und Flughäfen). Diese Art der Nachrichten-„Plakatierung“ wurde mit fortschreitender Entwicklung der Menschheitsgeschichte über viele Stufen weiterentwickelt und hat heute eine Perfektion erreicht, die kaum mehr zu überbieten ist. Mit der modernen Plakatherstellung ist auch deren Herstellungs-Zeitaufwand auf Grund der technischen Hilfsmittel auf ein Minimum gesunken, die Kosten aber sind beträchtlich. Trotz der hohen Kosten sind Plakate in der heutigen Zeit allgegenwärtig. Es gibt wohl kaum einen öffentlich nennenswert genutzten Raum ohne den Anblick eines Plakates. Plakate übermitteln sozusagen ungefragt Informationen, denen man kaum entgehen kann, das macht sie so effektiv und für Werbende so attraktiv. Allerdings ist die Wirksamkeit eines Plakates, also die Möglichkeit über dieses Medium eine gewollte Reaktion beim Betrachter auszulösen, abhängig von seiner inhaltlichen und formalen Qualität. Eine Tatsache, die sich offensichtlich auch bei vielen Werbeprofis noch nicht herumgesprochen hat. Die Nachricht, die ein Plakat zu übermitteln hat, muss kurz und verständlich sein. Dazu gehört eine ausreichend große Schrift. Plakate, die vom Fahrer eines Autos oder dem Fahrgast einer Straßenbahn gelesen werden sollen, erfüllen diese Vorgabe in vielen Fällen mehr schlecht als recht und verlieren damit einen großen Teil ihrer Wirksamkeit.

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Darüber hinaus müssen Plakate auf irgend eine Weise interessant sein, um bewusst wahrgenommen zu werden und den Betrachter zu veranlassen, sich mit der Information des Plakates zu beschäftigen. Wirksame Mittel: Außergewöhnliche Fotos, attraktive Headlines (witzig, überraschend oder provokativ), angenehme (manchmal auch unangenehme) Farbgebung. Ein Kardinalfehler: Unkenntlicher Absender. Natürlich sind das alles Binsenweisheiten, die niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Umso überraschender die Tatsache, wie oft und wie gründlich gegen diese banalen Regeln verstoßen wird. Ein gutes (negatives) Beispiel bietet die aktuelle Parteienwerbung, deren Plakatwerbung konsequent die Möglichkeit außer Acht lässt, potentielle Wähler durch argumentative Ansprache für sich zu gewinnen. Man gewinnt den Eindruck, dass die Parteien erstens nicht wissen, was sie den Wählern eigentlich zu sagen haben, und dass sie deshalb zweitens unbedingt vermeiden wollen, konkret zu werden. Sie versuchen deshalb auf „verbale Nichtaussagen“ auszuweichen, eine Kunst, die sie offensichtlich nicht beherrschen. Die Folge: Der Wahlberechtigte fühlt sich nicht erst genommen und verweigert sich. Da hilft auch die ständige Aufforderung nicht weiter, unbedingt zur Wahl zu gehen. Hat der Wähler eine Wahl? Was bieten die Parteien auf ihren Plakaten für Argumente, um Wähler für sich zu gewinnen? Ganz einfach: Keine. Ganz allgemein wird auf argumentativen Wahlkampf verzichtet und darauf gehofft, dass auch eine minimale Wahlbeteiligung die gleichen prozentualen Ergebnisse generieren wird. Ob nun 80% der Wahlberechtigten wählen oder nur 40%: bezogen auf die jeweilige Wahlbeteiligung (= 100%) werden die Nichtwähler völlig ausgeblendet, ein Trick, von dem man nicht weiß, wie lange er noch funktioniert. Und die Erklärung, die geringe Wahlbeteiligung sei Folge des guten (oder schlechten) Wetters oder eines unverantwortlichen politischen Desinteresses, trifft vielleicht auf 20% der Nichtwähler zu. Der Rest ist Schweigen! Es folgen ein paar Beispiele, satirisch kommentiert, die belegen, wie unklug die Parteien mit einem der mächtigsten Werbemittel unserer Zeit umgehen und damit die ohnehin schon große Gruppe der Nichtwähler zusätzlich vergrößern. Denn ernst nehmen kann man das, was da geboten wird, wohl kaum. Viel Vergnügen!

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Warum soll ich denn Norbert Post wählen? Weil er der echte, richtige und gute ist. Darüber hinaus noch ein enger Vertrauter vom Ministerpräsidenten. Auch ist er schon Oberbürgermeister für Mönchengladbach, möchte aber auch Oberbürgermeister von Mönchengladbach werden. Was er dann aber für Pläne verwirklichen will, wenn er erst mal meine Stimme hat, erfahre ich nicht. Darüber macht er sich vielleicht später Gedanken.

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Auch hier sehen wir wieder den echten, richtigen und guten Norbert Post. Er weiß nicht so recht wohin mit den Händen, ein volles Glas frischgezapftes Bier hätte das Problem gelöst und Norbert anschließend auch echt richtig gut aussehen lassen. Dass er ein bisschen verlegen kuckt ist verständlich, ihm ist immer noch nicht eingefallen, warum ich ihn wählen soll. Schade um das schöne, große Plakat.

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Die FWG hat Angst, dass ich nicht zur Wahl gehe, zu recht, und will von mir wissen, wen man sonst noch wählen kann. Gerne antworte ich da offen, sachlich und gerecht: „Alle bekannten Parteien und ein paar weniger bekannte.“ Aber einen vernünftigen Grund, die FWG zu wählen, scheint es nicht zu geben, zumindest nennt man keinen. Vielleicht war aber auch nicht mehr genug Platz auf dem Plakat, nicht mal für eine klitzekleine Internetadresse.

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Herr Oberem gehört offensichtlich zu der kleinen, sympathischen Gruppe von Mitbürgern, die traditionsbewußt am Althergebrachten festhält und mit all dem neumodschen elektronischen Kram nicht viel am Hut hat. Um das zu dokumentieren und zu zeigen, welche Mengen Papierkram auch heute noch so anfallen, läßt er sich deshalb gerne vor einem Aktenschrank aus dem letzten Jahrhundert ablichten. Einen Grund, Herrn Oberem zu wählen, kann ich nicht erkennen, und welcher Partei er angehört, erfahren nur Leute mit Lupe, detektivischem Spürsinn und Einsatzfreude.

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Das ist Dr. Anno Jansen-Winkeln. Ein sympatisch blickender junger Mann. Auch er möchte gewählt werden und fordert deshalb „Mut zu Entscheidungen.“ Oder er hat Mut zu Entscheidungen, was nicht dasselbe ist. Da gibt es tatsächlich einen kleinen Unterschied, und den macht die FDP. Alles klar? Oder habe ich da etwas falsch verstanden? Wer eine Lupe dabei hat und nahe genug an das Plakat ran kommt, kann sich die Internetadresse abschreiben und der Sache mal nachgehen.Vielleicht wird er ja fündig.

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Was Karl Sasserath bisher gewählt hat, verrät er uns nicht, aber diesmal jedenfalls will er Grün wählen, verkündet er. Denn, wichtig: Er hat Zeit für Grün. Ein wirklich guter Grund. Aber sicher gibt es noch ein paar andere. Oder? Die Leute mit der Lupe sind wieder fein raus.

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Hier sehen wir Norbert Bude als Mann der Tat. „Anpacken“, fordert er und streckt dem imaginären Mitbürger die rechte Hand entgegen, die offensichtlich angepackt werden soll und zwar „für unsere Stadt“. Oder sollte da eine andere Headline stehen und ist nur vertauscht worden? Zum Beispiel: „Gemeinsam schaffen wir es. Schlagen Sie ein, zum Wohle unserer Stadt!“ Man weiß dann zwar immer noch nicht, was wir gemeisam schaffen wollen, aber es klingt schon viel logischer.

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Nachdem wir Norbert Bude schon einmal kräftig angepackt haben, zeigt er sich hier schon etwas lockerer und gesprächiger. Wir erfahren allerlei über das, was er so treibt, wenn nicht gerade Wahlkampf-Fototermine anstehen. Und da er, wie ich, offensichtlich Spaß an Zahlen hat, die seinen Fleiß und seine Kompetenz belegen, habe ich mal die Äpfel und die Birnen gezählt, ohne sie zu vergleichen, und bin auf die erstaunliche Zahl 3562 gekommen. Unglaublich! Der Hammer aber: Er kann auch Fähnchen schwenken. Na, wenn das keine Empfehlung ist! 11


Damit der geneigte Leser und die geneigte Leserin den Text des vorhergehenden Plakates richtig würdigen können: hier ist er in lesbarer Größe. Immerhin eine interessante Arbeitsplatzbeschreibung. Tipp: Eine kurze Ansprache vor einem Spiel im Borussenstadion mit 54.019 Fans könnte die Wirkung dieser Aufzählung noch dramatisch steigern.


Ein besonders kreatives Plakat mit „Mensch“-Touch und mangelhafter Interpunktion sehen wir hier. Da freuen sich aber die Bürger (Menschen): Endlich wird hier einmal deutlich gemacht, dass Menschen und nicht mehr Mönche in unserer Stadt das Sagen haben Und bescheiden, wie Kreative nun mal sind, wurde das Logo ganz klein und unauffällig, ja fast unlesbar, rechts unten in der Ecke platziert. Wieder ein Fall für Leute mit Lupe.

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Endlich! Da sind sie, die lang vermissten Argumente. Oder? „Haltet den Dieb! Wir sind die Guten und Gerechten. Die anderen die Abzocker!“ (Da fällt mir sofort die Mehrwertsteuer-Erhöhung nach der letzten Bundestagswahl ein). Und dann folgt eine müde Absichtserklärung: Statt „Wir werden die Gebühren senken... Dafür steht die SPD!“ der pflaumenweiche Satz: „Wir wollen alle Möglichkeiten... ausschöpfen“. Und wenns nicht klappt, habt ihr halt Pech gehabt. Basta! Die Herabsetzung und Verunglimpfung des politischen Mitbewerbers ist zwar ständige Übung bei allen Parteien, wird aber meiner Meinung nach vom Publikum nicht honoriert. Die Leute, von denen die Parteien leben, müssen für ihr Geld hart arbeiten, falls sie Arbeit haben, und verlangen zu Recht effektive Regierungsarbeit statt Kasperle-Theater. 14


Hier sehen wir „das GRÜNE Team für MG“, das eigentlich nicht sonderlich grün aussieht. „Grün“ wird hier im übertragenen Sinne von „jung, dynamisch, unerfahren“ gebraucht, sonst hätte es wohl „Das Team der GRÜNEN für MG“ heißen müssen.

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„Oh, heiliger St. Florian, schütz unser Haus, zünd’ andere an!“ Die Idee der Grünen, LKW in andere Stadtteile umzuleiten, ist sicherlich nicht durch übertriebenen Gemeinsinn geprägt, aber erst einmal kostenfrei und praktisch, wenn auch nicht unbedingt gut.. Deshalb fordern die Grünen „Zeit für bessere Ideen“. Bis es aber soweit ist beschäftigen wir uns erst mal mit anderen Dingen: Ein LKW Zwei LKW Zwei LKWs 16

= = =

Ein LastKraftWagen Zwei LastKraftWagen ?


Ulrich Elsen möchte erstens und zweitens

„Gemeinsam mit den Menschen.“ „Chancen erkennen und nutzen!“

Oder soll es heißen: „Gemeinsam mit den Menschen Chancen erkennen und nutzen!“? Dann wäre da aber unübersehbar ein Punkt zuviel im Text, kann also so nicht gemeint sein. Wie auch immer, es geht erstens um Menschen mit denen man gemeinsam und zweitens um die nicht erkannte Chance, über ein gutes Plakat mit diesen Menschen (Bürgern) Kontakt aufzunehmen, gut zu argumentieren und sich wählen zu lassen. 17


Die Wahl ist beendet, die Ergebnisse liegen vor. Ein Ergebnis: Herr Bude hat die Wahl zum Oberbürgermeister von Mönchengladbach gewonnen. Herzlichen Glückwunsch! Zwar glaube ich nicht, dass er seinen Wahlsieg nur seiner Plakatwerbung zu verdanken hat, aber sein Äpfel- und Birnenplakat ist das einzige, das lesenswerte Informationen enthält, wenn auch die Vermengung der Zahl von Amtshandlungen mit der Zahl der damit verbundenen Kontakte eine recht fragwürdige Zahlenspielerei darstellt. Allerdings enthält auch dieses Plakat für den potentiellen Wähler keinerlei Informationen darüber wohin die Reise denn gehen soll. Amtliches Endergebnis:

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Fazit: „Norbert Bude siegt haushoch“ (Rheinische Post).

Norbert Bude von der SPD wurde mit

49,3% der gültigen Wähler/-innen-Stimmen Oberbürgermeister von Mönchengladbach. Aber: Norbert Bude von der SPD wurde mit nur

22,13% der Stimmen aller Wahlberechtigten zum Oberbürgermeister von Mönchengladbach gewählt. Haushoch? Norbert Post von der CDU wurde mit nur

14,3% der Stimmen aller Wahlberechtigten 2. Sieger.

Es wird Zeit, dass die Parteien die Nichtwähler ernst nehmen. 19


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Nachtrag zu den Wahlplakaten für die Kommunalwahl:

Plakate zur Bundestagswahl.

Im Westen nichts Neues. Wer angenommen hat, die Plakate zur Bundestagswahl seien informativer als die zur Kommunalwahl, ist enttäuscht. Einige sehen zwar professioneller aus, inhaltlich aber bleibt alles beim Alten: Große (Informations-)Leere. Dazu wieder ein paar Beispiele.

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Hier sehen wir erstens Wirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg von der CSU im Gespräch mit Dr. Günter Krings und zweitens wie Image-Transfer funktioniert. Welche Erkenntnisse aus diesem Gespräch abzuleiten sind und wer von beiden anschließend schlauer war, ist nicht bekannt. Ausnahmsweise witzig: die Internet-Adresse.

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Wäre nicht die verunglückte kleine Flagge unter dem „Wir“, könnte man dieses Plakat als Aufforderung der CDU an ihre Mitglieder mißverstehen: „Wir, von der CDU, wählen geschlossen die Kanzlerin, dass uns hier keiner aus der Reihe tanzt!“ So aber soll es wohl heißen: „Wir Deutschen wählen die Kanzlerin.“ Oder den Kanzler. Da haben sie recht.

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Hier bieten sich die Grünen an, die Welt zu retten. Nicht mehr und nicht weniger. Offensichtlich eine der neuen, besseren Ideen aus dem Think-Tank von Claudia Roth und Cem Özdemir. „Man wächst mit den Aufgaben!“ ist das Motto, und demonstriert überragendes Selbstbewußtsein durch Verzicht auf falsche Bescheidenheit.

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„Wenn Sie es unterlassen SPD zu wählen, sind Sie dafür verantwortlich, wenn schwarz-gelber Kahlschlag unsere schöne Republik in einen Trümmerhaufen verwandelt!“ Der eingeschüchterte Wahlberechtigte möchte natürlich jede Art von Kahlschlag verhindern und beschließt möglicherweise daraufhin, sein Kreuz bei der Partei DIE LINKE zu machen, um damit einen schwarz-roten Kahlschlag zu verhindern.

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In Deutschland werden Arbeiter (Menschen) für gute Arbeit unanständig bezahlt, hat Minister Steinmeier auf einer Wahlreise in diesem Stahlwerk erfahren. Man siehts ihm an, er ist den Tränen nah’ und greift hier solch einem armen Teufel mitfühlend an den Ärmel. Er hat sich fest vorgenommen: Ist die Aufholjagd erst einmal beendet und er, Steinmeier, zum Kanzler gewählt, will er unverzüglich dafür sorgen, dass der Stahlpreis erhöht und der Umsatz kräftig gesteigert wird, damit anständig was in die Kasse kommt. Dann können auch anständige Löhne gezahlt werden! 26


Wie diese, hoffentlich, kurzweilige Dokumentation zeigt, haben Wahlplakate bestenfalls Unterhaltungswert fĂźr jemanden, der auf den Bus wartet und sich langweilt. Wahlplakate auf diesem Niveau sind kontraproduktiv und dem Wahlberechtigten keine Entscheidungshilfe, (zumindest nicht im positiven Sinne), sondern fĂśrdern eher die allgemein um sich greifende Verdrossenheit. Was bleibt also Ăźbrig? Eine platte Richtungswahl: Rechts, links oder geradeaus. Aber genau das, ist vielen halt zu wenig.

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Fazit Der verblüfften Wählergemeinde bietet sich eine überraschend veränderte politische Landschaft. Glaubte die SPD noch vor einigen Tagen (offensichtlich in völliger Verkennung der Sachlage), von einer „Aufholjagd“ reden zu können, muss sie jetzt einen großen Teil der Belegschaft nach Hause schicken. Hätten bessere, informativere Wahlplakate den Absturz verhindert? Sicher nicht, aber ein oder zwei Punkte wären vielleicht doch noch zu holen gewesen. Und nun? Eingeklemmt zwischen Angela und Oskar wird es jetzt für die SPD äußerst ungemütlich. Man darf gespannt sein, ob das neue Personal es schafft, der Partei programmatisch Luft zu verschaffen. Zweifel daran sind wohl erlaubt. In diesem Zusammenhang bleibt es ein Geheimnis, was eine „Annäherung“ der SPD an die ganz Linken bewirken soll. Es herrscht ja jetzt schon schweißtreibende Enge. Schwarz-Gelb muss nun beweisen, dass es mehr „drauf hat“ als Rot-Grün vor ein paar Jahren. Von deren Regierungskünsten will ja heute kaum noch jemand etwas wissen. Die Grünen haben erst einmal auf der Reise nach Jerusalem den Anschluss verpasst und irren z. Zt. auf der Suche nach besseren Ideen und einer politischen Andock-Station ziellos umher, was die Parteiführung aber betont gelassen mit programmatischer Fröhlichkeit in Szene setzt. Und auf der rechten Seite des etwas simpel geratenen politischen Denkmodells wird sich die Seehofer-CSU wohl politisch etwas mehr Mühe geben müssen, sonst steht Konkurrenz ins Haus. Mein Anliegen aber sind bessere Wahlplakate, mehr Fakten und stichhaltige Argumente, damit der Bürger zukünftig bei der Wahl auch wirklich eine Wahl hat. Dazu, hoffe ich, einen kleinen Beitrag geleistet zu haben. Allerdings mache ich mir keine allzu großen Hoffnungen, dass sich lieb gewordene alte (schlechte) Gewohnheiten schnell ändern werden. Es sei denn, durch bessere Einsicht. 29


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