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Die selbst채ndige und eigenh채ndige Anfertigung versichert an Eides statt:

........................................................................... Unterschrift

........................................................................... Unterschrift Berlin, den


CITYDIDACTICS

Bildung als Modus städtebaulicher Praxis

*** Diplomarbeit im Fach Stadt- und Regionalplanung eingereicht bei

Prof. Dr. phil Gabi Dolff-Bonekämper Institut für Stadt- und Regionalplanung, Fachgebiet für Denkmalpflege und

Prof. Jörg Stollmann Institut für Architektur, Chair for Urban Design + Architecture

TU-Berlin von

Ragna Körby & Tobias Kurtz Ma.-Nr.: 224152 & 218095 Fischerinsel 9 10179 Berlin citydidactics@gmail.com

Berlin, den 26.11.2010


Vorwort 7 Einleitung 9 CITYDIDACTICS Bildung als Modus städtebaulicher Praxis 11 Einführung – Planung und Partizipation 11 Geschichte und Theorie PARTIZIPATION IN DER STADTPLANUNG 12 Veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen, neue Planungsmodelle 16 Partizipation konkret DER „STÄDTEBAULICHE RAHMENPLAN LUISENSTADT“ 23 Form der Beteiligung 24 Wer wird beteiligt? 25 Kritik an diesem Verfahren 26 Entscheidungsspielraum 27 Kommunikations-Lücke 29 Beteiligung lernen PARTIZIPATION – BILDUNG – STADT 30 Welche Ansätze bieten partizipative Verfahren für Lernprozesse? 30 Wo können Lernprozesse in der Stadt ansetzen? 32 Wovon ist also die Rede, wenn es um die Stadt geht? 36 Zwischenfazit PARTIZIPATION ALS LERNPROZESS 39 Bildung als Modus städtebaulicher Praxis 39 Anforderungen an den Planungsprozess 41


HANDBUCH FÜR DAS PARLAMENT DER VISIONEN 43 Einführung 44 Stallschreiberblock 46 Planungen für den Stallschreiberblock 52 Parlament der Visionen 60 Forum 63 Teil 1 ERFORSCHEN 68 Räumliches Archiv & Spurenkartei 70 Zeitreisen 74 Pinnwand – Gegenwart & Zukunft 82 Themenkartei 86 Teil 2 ENTWERFEN 90 Manifest 96 Wunschbild 100 Szenariosimulator 104 Visionen 108 Teil 3 ENTSCHEIDEN 114 Synthese 116 Lokale Zukunftsvision 120 SCHLUSSBETRACHTUNG 124 RESÜMEE 127 Literaturverzeichnis 130 Anhang 135 Hinweise 139


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Was sind unsere Aufgaben als Stadtplaner? Welche Möglichkeiten, Einfluss auf Stadtplanung zu nehmen haben wir? Wessen Interessen wollen wir vertreten? Diese Fragen stellen wir uns jetzt am Ende unseres Studiums. Mit der vorliegenden Arbeit haben wir uns auf die Suche nach Antworten gemacht. Mit citydidactics haben wir ein Projekt begonnen, das nach möglichen Inhalten und Einsatzfeldern einer „Didaktik der Stadt“ forscht. Wir halten das Wissen über die Stadt und darüber, wie man sich dieses Wissen aneignet, nicht nur für eine Angelegenheit von Experten (wie z.B. Stadtplaner und Architekten es sind), sondern sehen darin ein Emanzipationspotential für alle Stadtbewohner. Wir wollen es weitergeben und produktiv machen für eine Stadtentwicklung, in der die Wünsche der Bürger nachhaltig Gehör finden. Wir möchten ihnen eine stärkere Stimme im Prozess der Stadtproduktion geben. 7


Mit dem Parlament der Visionen stellen wir unseren Entwurf eines Planungsverfahrens vor, das durch didaktische Hilfsmittel angereichert, wie ein Lernprozess gestaltet wird und dadurch mehr Bürgerbeteiligung ermöglichen soll. Wir nehmen darin als Stadtplaner eine Zwischenposition zwischen der Stadtgestaltung durch professionelle Akteure, der Vermittlung und Moderation von Prozessen und den Wünschen der Bevölkerung ein. Wir bringen unser Expertenwissen ein und schaffen eine Situation, in der die Zukunft verhandelbar wird, Raum für Wünsche und Phantasien entsteht. Wünsche und Phantasien sind die wichtigsten Quellen für visionäre Zukunftsentwürfe. In ihnen kann alles, ob Umwelt, Lebensbedingungen, Herrschaftsverhältnisse oder Stadtbilder, anders gedacht und vorgestellt werden. Wünsche und Phantasien der Anwohner und Stadtnutzer sind das utopische Potential, das einem Ort innewohnt, und das wir als Planer in einem Dialog mit der Bevölkerung aufspüren und für die zukünftige Entwicklung nutzbar machen wollen. Wir nutzen den Begriff der „Vision“ um dieses utopische Potential auch in das planerische Denken einzuführen. Planung ist per se immer auf die Zukunft gerichtet und beschreibt, was einmal sein soll. Da sich diese Zukunft aber nicht zwangsläufig aus der Vorstellung der Gegenwart ergibt, muss jede verantwortungsvolle, der Allgemeinheit verpflichtete Planung auch in diesem Sinne „visionär“ sein und die Zukunft als Möglichkeitsraum gestalten. Mit dem Entwurf für das Parlament der Visionen stellen wir ein verallgemeinerbares und übertragbares Konzept vor. Deshalb präsentieren wir unseren Entwurf in Form eines Handbuches, in dem Verfahren und Methoden beschrieben werden, die auch von anderen Akteuren in städtebaulichen Planungsprozessen übernommen und angewendet werden können. Alle in der vorliegenden Arbeit verwendeten Personenbezeichnungen schließen beide Geschlechter ein.

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Die vorliegende Arbeit ist eine Auseinandersetzung mit Partizipationsprozessen, insbesondere in Bezug auf das Verhältnis zwischen Planern und Bürgern. Anstoß dazu gab die These: „Partizipation muss gelernt werden“. Daraus ergaben sich die Fragen: „Wie kann man Partizipation lernen und lehren?“ und „Können Partizipationsverfahren sogar verbessert werden, indem sie als Lernprozesse gestaltet werden?“. Die Arbeit umfasst zwei Teile, einen theoretischen Exkurs und den Entwurf. Während im ersteren ein konfrontatives Verhältnis zwischen Planern und Bürgern in Partizipationsprozessen konstatiert wird, verfolgt der Entwurf das Anliegen, ein Modell für ein kooperatives Zusammenwirken beider Seiten zu entwickeln. Der theoretische Exkurs beginnt mit einem Überblick über wissenschaftliche Positionen zum Thema Partizipation, ihren Möglichkeiten und Grenzen. Anschließend wird anhand eines konkreten Planungsverfahrens untersucht, ob es den Bedarf, Partizipationsprozesse zu verbessern, überhaupt gibt. Im Anschluss daran wird untersucht, wie Lernprozesse in partizipativen Verfahren ansetzen können, damit diese für alle Seiten zu Verbesserungen führen. In einem Zwischenfazit werden die aus der theoretischen Betrachtung gewonnen Erkenntnisse zugespitzt und Anforderungen an einen neu zu entwickelnden Planungsprozess formuliert. Im zweiten Teil der Arbeit wird der Entwurf für einen Planungsprozess, der wie ein Lernprozess gestaltet ist, vorgestellt. Ziel dieses Entwurfes ist die Entwicklung einer Planungsmethodik, die einen gleichberechtigten Austausch zwischen Experten für Planung und von Planung Betroffenen über die Gestaltung der Stadt ermöglicht.

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“People of Earth, your attention please, this is Prostetnic Vogon Jeltz of the Galactic Hyperspace Planning Council. As you will no doubt be aware, the plans for development of the outlying regions of the Galaxy require the building of a hyperspatial express route through your star system, and regrettably your planet is one of those scheduled for demolition. [...] There is no point in acting all surprised about it. All the planning charts and demolition orders have been on display in your local planning department in Alpha Centauri for fitfty of your Earth years, so you´ve had plenty of time to lodge any formal complaint and it´s far too late to start making a fuss about it now. [...] What do you mean, you´ve never been to Alpha Centauri? For heaven´s sake, mankind, it´s only four light-years away, you know. I´m sorry, but if you can´t be bothered to take an interest in local affairs that´s your own lookout. Energize the demolition beams.” Douglas Adams (1979, 25f.)

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BILDUNG ALS MODUS STÄDTEBAULICHER PRAXIS

Einführung – Planung und Partizipation Stadtplanung kann generell als ein gestalterischer und ein politischer Prozess charakterisiert werden. Sie umfasst gestaltendes und organisierendes Handeln einer Autorität im städtischen Raum, von der erwartet wird, dass sie im Sinne des „öffentlichen Interesses“ wirkt. Innerhalb der Disziplin wird thematisiert, dass Planung neben einer technischen Expertenaufgabe vor allem auch ein Agieren in einem politischen Konfliktfeld divergierender Interessen bedeutet. Denn nicht nur die gebaute Stadt wird durch die Planung beeinflusst, sondern unweigerlich auch die Menschen, die in der Stadt leben und wirtschaften und von den Auswirkungen planerischen Handelns direkt betroffen sind. Besonders deutlich wird das Verhältnis zwischen gestalterischem und politischem Prozess am Beispiel des Projektes Stuttgart 21 und den aktuellen Bürgerprotesten gegen dieses Großprojekt. Die Politik hat große Schwierigkeiten planerische Entscheidungen der Öffentlichkeit zu vermitteln. Mit dem Verweis auf die formale Korrektheit aller Planungsschritte im Rahmen rechtsstaatlicher Verfahren wird jeglicher Protest als unrechtmäßig abgewiesen. Die Politik beruft sich damit auf die Legitimität einer Entscheidung aufgrund korrekter Einhaltung von Verfahrensabläufen. Die Proteste aber bleiben. Andreas Zielcke bringt in einem Beitrag zum Thema in der Süddeutschen Zeitung vom 19.10.2010 dieses Dilemma auf den Punkt und eröffnet einen möglichen Ausweg: „Bei dem Soziologen Niklas Luhmann, [...], hätte man es lernen können. In seinem berühmten Buch ‚Legitimation durch Verfahren‘, das Ende der sechziger Jahre herauskam, führte er aus, dass in komplexen Streitfragen eine abschließende Entscheidung nie eine ‚objektive Wahrheit‘ verkörpert, also notwendig kontrovers bleibt. Von denen, die nicht einverstanden sind und unterliegen, wird das Resultat daher nur dann friedlich akzeptiert, wenn man sie in die Entscheidungsfindung eingebunden und ihren Einwänden realistische Chancen auf Gehör gewährt hatte. [...] Nicht richtige Entscheidungen, sondern richtige Verfahren befrieden.“ Die Stadtplanung muss also ihre Verfahren umgestalten, um die Stadtbewohner 11


frühzeitig und nachhaltig in ihre Entscheidungen mit einzubeziehen. Diese Forderung ist nicht neu und wird unter dem Begriff der „Partizipation“ seit mehr als vierzig Jahren in der Planung diskutiert und praktiziert. In einem kurzen Überblick sollen hier Möglichkeiten, Grenzen und aktuelle Relevanz von Partizipation aus einer planungstheoretischen Perspektive betrachtet werden. Geschichte und Theorie

PARTIZIPATION IN DER STADTPLANUNG „In Samuel Johnsons Dictionary of the English Language von 1756 findet sich unter dem Stichwort ‘Participation’ der folgende Eintrag: ‘the state of sharing something in common’. Diese Bestimmung wirft zwei Fragen auf: Wer teilt was mit wem? Und (weil es schließlich einen Unterschied macht, ob man an einer Torte oder an der Staatsmacht partizipiert): Was heißt teilen?“1 Wolfgang Fach spricht hier die zentralen Punkte an, die hinsichtlich der Partizipation für die Stadtplanung relevant sind. In Bezug auf Stadtplanung bezeichnet Partizipation die Möglichkeit, die der Bevölkerung eingeräumt wird, sich an planerischen Entscheidungen zu beteiligen. Das Gut, was dabei geteilt werden kann, ist zum einen die Frage nach der Gestaltung und Organisation der Stadt und zum anderen, zumindest potentiell, die Entscheidungsmacht über die zu verfolgenden Ziele und Konzepte. Es geht also um gestalterische und um politische Mitbestimmung. Die planende Behörde teilt dabei ihre Macht mit der von ihrem Handeln betroffenen Bevölkerung. Das war nicht immer selbstverständlich und entstand nicht ganz freiwillig, sondern als Reaktion des Staates auf den gesellschaftlichen Drang zu selbstbestimmter Gestaltung und Aneignung von Raum2, z.B. im Kontext der Proteste gegen die in den späten 1960er Jahren vorherrschende Praxis der Flächensanierung, d.h. Sanierung durch Abriss der Altbausubstanz und Neubau großer Wohnsiedlungen. Dabei zeigte sich zunehmend, dass die damalige Idee umfassender Gesamtplanung, die eine totale Kontrolle über die Umwelt als Ziel ausgab, zwar als technisch machbar erschien, aber den Widerstand der städtischen Bewohner hervorrief. Als Reaktion darauf wuchs auf Seiten der Planungsexperten die Einsicht, dass planerische Probleme immer sogenannte „bösartige Probleme“3 sind, die nie eindeutig und schon gar nicht technisch lösbar sind und die darum andere Formen der Steuerung notwendig machen. Die Planer stellen sich mittlerweile der Einsicht, dass planerisches 1 2 3

Fach 2004, 197 Fezer/Heyden 2004, 14 Rittel/Weber 1973, 56

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Handeln immer interessengebunden, niemals aber wertneutral ist. Planungstheoretiker wie Horst Rittel forderten darum die Beteiligung der breiten Öffentlichkeit an Planungsprozessen auch aus ganz pragmatischen Gründen: „Das Wissen anderer, einschließlich derer, die betroffen sind, einzubeziehen, verringert die Wahrscheinlichkeit, mit unerwünschten Folgen konfrontiert zu sein, derentwegen der Planer zur Verantwortung gezogen werden könnte.“4 Partizipation in der Stadtplanung kreist damit um drei Kernthemen. Erstens ist sie die von der Bevölkerung eingeforderte demokratische Mitsprache, zweitens stellt sie eine Möglichkeit dar, um mit den komplexen Problemlagen der Stadtplanung besser umgehen zu können, und drittens kann durch sie divergierenden Interessen Rechnung getragen werden. Der zweischneidige Charakter der Partizipation wird dabei deutlich. Als Vermittlungstechnik zwischen Herrschaftswissen und Alltagspraxis trägt sie den Gegensatz von Affirmation und Widerstand immer in sich.5 Partizipation wäre demnach die Beteiligung an etwas Vorgegebenem. Ganz konkret gibt die planende Behörde die Abläufe und Grenzen vor, innerhalb derer man sich beteiligen kann. Die entscheidende Frage ist darum: Wie sehen diese Abläufe aus und wo werden die Grenzen gesetzt? Im Sinne des Anfangszitats von Wolfgang Fach stellt sich also die Frage: Was heißt teilen? Die Bedeutung von Teilhabe, d.h. die Möglichkeiten gestalterischer und politischer Mitbestimmung im Kontext der Stadtplanung, sind vielfältig. Die Beteiligungsangebote an die Bürger reichen von der Möglichkeit, sich zu informieren, über das Äußern von Bedenken - wie in den formalisierten Verfahren der Bürgerbeteiligung z.B. bei Bebauungsplanverfahren - bis hin zur direkten Mitbestimmung. Auch Konzepte flexibel nutzbarer Räume sowie generell Ansätze, die zukünftige Gestaltungsmöglichkeiten der Nutzer explizit offen lassen, können als Angebote zur Teilhabe gelten. Partizipation hat also unterschiedliche Ausprägungen, die wiederum davon abhängen, in welcher Weise die planende Verwaltung den Rahmen der Beteiligung vorstrukturiert und wie viel Gestaltungs- und Entscheidungsmacht sie tatsächlich abgibt, denn zwischen einer reinen Informationsveranstaltung und z.B. dem Verfahren der Planungszelle6 bestehen ganz beträchtliche Unterschiede. Sherry Arnstein, 4 Reuter 2006, 219 5 Fezer/Heyden, 14 6 Planungszelle: „Das Instrument der Planungszelle gilt seit den 1970er Jahren als eine der erfolgreichsten Formen von BürgerInnenbeteiligung in Deutschland. Bis heute haben schätzungsweise mehr als 8000 Laien im In- und Ausland diese Form direkter Demokratie praktiziert. In Fünfergruppen befassen sich zufällig aus dem EinwohnerInnenmelderegister ausgewählte Personen mit einem, ihnen oft unbekannten politischen Feld. Ausgestattet mit allen notwendigen Unterlagen, erarbeiten sie innerhalb von einigen Tagen – als eine Art Schöffengericht – Empfehlungen für die Kommune, den Kreis oder das Land, in dem sie leben. Für diese Arbeit und den Verdienstausfall bekommen sie Geld, ihre Empfehlungen haben allerdings keinerlei Verbindlichkeit. Jede/r Verantwortliche kann sie mit dem Hinweis auf einen klammen Haushalt ablehnen. In der Wirklichkeit

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eine US-amerikanische Planungstheoretikerin, entwickelte dazu bereits Ende der 1960er Jahre mit ihrer „Ladder of Citizen Participation“ eine Unterscheidung von acht Stufen der Partizipation, die von der Nicht-Partizipation über eine Alibipolitik bis hin zur vollen Entscheidungsgewalt der Stadtbewohner reicht.7 Unter Nicht-Partizipation versteht sie dabei Verfahren, die nur dazu dienen, die Betroffenen ruhig zu stellen. Alibipolitik meint Informationsveranstaltungen und Anhörungen, die zwar einen Austausch mit der Bevölkerung suchen, deren Anliegen aber nicht ernst nehmen. Erst die tatsächliche Abgabe von Entscheidungsbefugnissen an die Bürger erkennt sie als „echte“ Partizipation an.8 Diese Einteilung ist eine stark verkürzte Darstellung des Themas, bringt aber ein zentrales Dilemma der Partizipation auf den Punkt: „The [...] fundamental point [is], that participation without redistribution of power is an empty and frustrating process for the powerless. It allows the powerholders to claim, that all sides were considered, but makes it possible for only some of those sides to benefit. It maintains the status quo.”9 Die Erkenntnis, dass es verschiedene Formen der Beteiligung gibt, wurde von progressiven Planer aufgegriffen. Sie entwickelten neue Planungsmodelle, die Partizipation gerechter gestalten sollten und dabei auch eine neue professionelle Rolle der Planungsexperten einforderten. Ein Beispiel hierfür ist das Konzept der Anwaltsplanung, das in den 1960er Jahren in Nordamerika entstand und vor allem durch die Texte von Paul Davidoff10 bekannt wurde. Er thematisierte darin die ungleiche Verteilung von Macht und Ressourcen und die damit verbundenen ungleichen Möglichkeiten, eigene Interessen zu artikulieren. Er forderte, dass die Frage, wessen Interesse das „öffentliche Interesse“ eigentlich sei, nicht planerisch, sondern politisch beantwortet werden müsse und Planer direkt in die Politik gehen sollten, um dort quasi als Anwälte derer aufzutreten, denen ansonsten der Zugang zu Macht und Ressourcen verwehrt ist.11 An diesen beiden Exkursen in die Planungsgeschichte wird deutlich, dass die Form der Beteiligung in der Stadtplanung immer eine Frage der Machtverteilung ist. Partizipation kann dabei Gefahr laufen, als bloßes Instrument zur Legitimierung planerischer Entscheidungen missbraucht zu werden. Sie kann auf der anderen Seite aber auch ein Mittel demokratischer Mitbestimmung und Emanzipation sein. Die Form der Beteiligung bestimmt also ganz kommt es jedoch häufig zu einvernehmlichen Kompromissen aller Beteiligten. Als fast noch wichtiger gilt das zurückgewonnene Vertrauen in das demokratische System.“ (Fezer/Heyden 2004, 91) Zur Planungszelle siehe auch: Peter C. Dienel (2002), Die Planungszelle. Der Bürger als Chance, Wiesbaden. (Erstauflage: 1977) 7 Arnstein 1969, 216 ff 8 ebd. 9 ebd., 216 10 Davidoff 1965 11 Schönwandt 2004, 293

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wesentlich deren Inhalte, ihre Möglichkeiten und Grenzen.12 Anschaulich wird dieses Problem auch am eingangs benannten Beispiel von Stuttgart 21. Dort gibt die Stadtverwaltung an, dass die Bevölkerung in den Planfeststellungsverfahren mehr als 10.000 Eingaben und Einwände einbrachte.13 Beteiligung fand also statt. Weil aber nicht transparent war, wie mit den Einwänden verfahren wurde, und weil das Projekt trotz aller Einwände ohne wesentliche Veränderungen beschlossen wurde, fühlen sich viele Menschen übergangen. Die Frage nach der Form der Beteiligung betrifft aber nicht nur den Rahmen, in dem die planende Behörde Mitbestimmung ermöglicht, sondern auch die Form der direkten Kommunikation mit der Bevölkerung spielt eine Rolle für den Erfolg der Partizipation. Bereits in den 1970er Jahren wurde dies von Planer thematisiert, die in ihrer Arbeit z.B. als Anwaltsplaner immer wieder auf eine tiefe Kluft zwischen Experten und Laien stießen, die durch die unverständliche Fachsprache noch vergrößert wurde.14 Den Kern dieses kommunikativen Problems fasst Niklas Luhmann in seinem Buch „Legitimation durch Verfahren“ wie folgt zusammen: „In solchen Situationen hat der Schnellere, und das ist typisch der geschulte und erfahrene Teilnehmer, aber auch der, der relativ wenig eigene Handlungen beisteuern muß, wesentliche Vorteile. Er findet Zeit, die Konsequenzen seines Handelns vorauszusehen und sich an mutmaßlichen Wirkungen zu orientieren. Er hat die Chance größerer Rationalität und größeren Einflusses auf den Verlauf der Dinge. Der Langsame dagegen findet sich immer wieder unter Zugzwang.“15 In diesem Sine sind die Planungsexperten in der Diskussion mit Laien immer die Schnelleren. Aufgrund ihres Wissens und ihrer professionellen Distanz zum Betrachtungsgegenstand sind sie in der Lage, rational zu argumentieren, während die Betroffenen häufig vor allem emotional reagieren und diskutieren. In der Beschreibung des „Lehrbauspiels“, einer Beteiligungsmethode, die 1976 von einer Architektengruppe rund um die damalige Redaktion der Zeitschrift Arch+ entwickelt wurde, wird deshalb gefordert: „Inhalt und Voraussetzung einer alternativen architektonischen Berufspraxis muss zunächst also die Entwicklung von Methoden und Techniken zu einer veränderten Zusammenarbeit von Architekten und Betroffenen sein, um diesen die selbstbestimmte Aneignung und Veränderung ihrer baulich-räumlichen Umwelt zu ermöglichen.“16

12 13 14 15 16

Beck u.a. 1976, 6 Zielcke 2010, 13 Schönwandt, 296 Luhmann 1983, 46 Beck u.a. 1976, 5

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Neben dem entsprechenden rechtlichen Rahmen brauchen partizipative Planungsprozesse immer eine angemessene Kommunikationsstrategie und für die direkte Kommunikation geeignete Methoden und Techniken, die einen Austausch zwischen Experten und Laien auf Augenhöhe ermöglichen und die unterschiedlichen Ausgangslagen berücksichtigen. Damit sind einige wesentliche Punkte in der Auseinandersetzung mit Beteiligung in der Stadtplanung benannt. Nach diesem kurzen wissenschaftstheoretischen Exkurs ist nun zu diskutieren, wie sich die gesellschaftlichen Erwartungen an die Partizipation heute verändert haben und worin ihre gegenwärtige Relevanz liegt.

Veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen, neue Planungsmodelle „In den 1960er Jahren wurde den Forderungen nach Demokratisierung und Liberalisierung noch ein emanzipativer Charakter zugeschrieben. Gegenwärtig stellt sich aber die schon damals aufgeworfene Frage neu, inwieweit Mitbestimmung und Eigeninitiative vom Paradigma flexibler und aktiver Individuen dominiert werden und Bestandteil der Ideologie des Neoliberalismus sind oder zumindest der Logik von Verwaltung, Management und Produktion entsprechen.“17 Unter den Bedingungen der Globalisierung und damit verbundener Deregulierung, Liberalisierung und Individualisierung scheinen sich für die Partizipation neue Rahmenbedingungen zu ergeben. Auf politischer Ebene ist die Situation vom Rückzug des Sozialstaates geprägt, der immer mehr Funktionen an die Privatwirtschaft abgibt und die Individuen unter dem Schlagwort „Fördern und Fordern“ als nur noch aktivierender Staat zu mehr Eigeninitiative drängt. Die Gesellschaft zerfällt derweil - nach Auffassung z.B. von Kuhnert und Ngo - in eine Vielzahl von Subgesellschaften, was ein neues Verhältnis von Staat und Gesellschaft hervorbringt.18 Die Städte mussten diesen veränderten Gegebenheiten in ihrem planerischen Vorgehen Rechnung tragen und ihren umfassenden Steuerungsansatz endgültig aufgeben. Vor allem aufgrund leerer städtischer Kassen wurden private Akteure als potentielle Partner interessant. Diese Umstände erzwangen einen Wechsel von hierarchischer und dirigistischer Planung hin zu einer Kontextsteuerung, die anerkennt, dass nicht mehr nur der Staat regulierend wirkt, sondern auch 17 Fezer/Heyden, 15

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privatwirtschaftliche Akteure und andere Interessensgruppen. Dieses neue Planungsmodell wird allgemein als „Governance“ bezeichnet.19 Für die Partizipation ergeben sich daraus zwei grundlegende Veränderungen: Zum einen hat die planende Behörde nicht mehr so viele Kompetenzen wie früher. Sie kann darum auch nicht mehr so viel teilen. Zum anderen wird aktive Teilhabe zu einem gesellschaftlichen Leitmotiv, die vom Staat nicht mehr nur erlaubt, sondern vielmehr zunehmend eingefordert wird. Fezer und Heyden sehen dabei die Gefahr, dass Partizipation als eine neue Regierungstechnik verwendet wird, die das Aufkündigen gesellschaftlicher Verantwortlichkeiten durch mehr Eigeninitiative zu legitimieren versucht.20 Denn tatsächlich eröffnet das veränderte Verhältnis von Staat und Gesellschaft neue Möglichkeiten für mehr Eigeninitiative und Selbstverantwortung und ermöglicht eine größere Vielfalt der Akteure, die an der Gestaltung der Stadt mitwirken können. Zugleich darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass diese Akteure durch unterschiedliche Ausgangsbedingungen über sehr unterschiedliche Möglichkeiten verfügen. War früher die Möglichkeit zur Teilhabe vor allem durch die Rahmensetzung der planenden Behörde bestimmt, entscheidet darüber heute in erster Linie die Verfügbarkeit finanzieller und intellektueller Ressourcen auf Seiten der Bevölkerung.21 Es besteht also die Gefahr einer Spaltung in schwache und starke Akteure mit den entsprechenden räumlichen Konsequenzen, wie der Segregation verschiedener sozialer Gruppen. Ausgehend von der Prämisse, dass gesellschaftliche Teilhabe gleichberechtigt allen Menschen offen stehen sollte, entsteht somit aktueller Handlungsbedarf für die Entwicklung neuer partizipativer Strategien. Das stadtplanerische Konzept der Kontextsteuerung erfordert darum eine Erweiterung um kooperative und kommunikative Strategien.22 Eine so verstandene Stadtplanung sollte dabei zum einen den Rahmen schaffen, in dem es allen Menschen ermöglicht ist, selbst aktiv zu werden. Zum anderen muss den Individuen das dafür notwendige Know-How zugänglich gemacht werden. Sie können so in die Lage versetzt werden, sich selbst als Machtfaktoren im städtischen Gefüge zu begreifen, statt sich als Spielball oder Objekt der Planung zu erleben.23 Neben allen gesellschaftlichen Veränderungen gibt es in Bezug auf die Relevanz der Partizipation in der Stadtplanung durchaus auch Kontinuitäten, so z.B. die Notwendigkeit der Diskussion von Werten, Interessen und Zielen der Planung. Philipp Oswalt fordert deshalb: „Es bedarf einer Auseinandersetzung darüber, welche gesellschaftlichen Ideen sich in einem 19 20 21 22 23

ebd. Fezer/Heyden, 15 Fezer/Heyden 2007, 93 Kuhnert/Ngo, 23 ebd.

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Projekt manifestieren, welche Interessen und welche Zielvorstellungen. Es bedarf einer Repolitisierung des Städtebaus, ohne dass dieser – wie einst in den 1970er Jahren – in Politik aufgeht.“24 Je nachdem von welcher Seite die Partizipation beschrieben wird, sind andere Erwartungen an sie geknüpft. Während sich die Bürger den Abbau gesellschaftlicher Hierarchien erhoffen, verspricht sich die planende Verwaltung mehr Effektivität und bessere Kontrolle. Ob und wie partizipative Verfahren überhaupt Anwendung finden, hängt von den Prioritäten derer ab, die etwas von ihrer Gestaltungs- oder Entscheidungsbefugnis abgeben müssen. Damit ist das Feld der Partizipation in der Stadtplanung grob umrissen. Diese vorwiegend grundlegende Betrachtung lässt die immense Vielfalt praktischer Anwendungen und Modelle weitgehend außer Acht, kann aber Anknüpfungspunkte liefern und Anforderungen an praktische Verfahren definieren. In Bezug auf die praktische Anwendung partizipativer Strategien in Planungsverfahren lassen sich zwei große Bereiche benennen: Das ist zunächst die institutionalisierte Beteiligung, die gesetzlich in den Verfahrensvorschriften für sogenannte formelle Planungen verankert ist, wie etwa beim Bebauungsplan-, Flächennutzungsplan- oder für das Planfeststellungsverfahren, um das es zum Beispiel bei den Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 geht. In diesen langwierigen und komplexen Verfahren wird die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange unterschieden von der Beteiligung der Öffentlichkeit, was als Unterscheidung in Interessenten und Betroffene interpretiert werden kann. Beteiligung wird dabei verstanden als Information durch eine öffentliche Auslage der Pläne und die Möglichkeit, Bedenken, Vorschläge und Änderungswünsche zu äußern. Die grundsätzlichen Anliegen und Zielsetzungen des Plans stehen dabei aber nicht zur Diskussion. Neben diesen formalisierten Beteiligungsverfahren gibt es weiter reichende und vielfältigere Möglichkeiten der Partizipation im Rahmen der sogenannten informellen Planung. Das sind Planungen, die im Unterschied zu den oben genannten keine allgemein verbindliche Rechtskraft entfalten, sondern der Vorbereitung von Abstimmungen dienen. Diese Planungen sind explizit darauf ausgerichtet, mit der interessierten Öffentlichkeit in Kontakt zu treten und die Absichten und Ziele eines Plans zu diskutieren. In diesem Rahmen kommt eine große Vielfalt von Verfahren und Methoden zur Anwendung. Jedoch ist es der planenden Behörde dabei völlig frei gestellt, in welchem Umfang sie Beteiligung tatsächlich ermöglicht. Das Ob und Wie ist abhängig von den zu erwartenden Vor- und Nachteilen und mitunter eine rein taktische Entscheidung. 24 Oswalt 2005, 15

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Die Gründe, die gegen partizipative Verfahren in der Stadtplanung sprechen, sind dabei in erster Linie praktischer Art. Wirklich ernst gemeinte Verfahren können aufwändig und damit teuer sein. Sie sind im besten Fall ergebnisoffen und können so Verwaltungen abschrecken, die schon sehr konkrete Vorstellungen und Absichten haben. In diese Richtung geht auch ein Argument, dass Politiker im Zusammenhang mit Stuttgart 21 immer wieder anbringen, dass nämlich Entscheidungen für Großprojekte auch gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt werden müssen, um wirtschaftlich zukunftsfähig bleiben zu können.25 Dahinter steckt die Befürchtung, dass Planungen mit einem großen Aufwand für die ganze Gesellschaft aufgrund individueller Verweigerung nicht zustande kommen könnten. Ein weiteres, häufig gebrauchtes Argument gegen groß angelegte Beteiligungsverfahren ist die Behauptung, es bestehe kein Interesse an Teilhabe, wie die regelmäßig niedrigen Beteiligungszahlen zeigten. Ein anderes Argument bezieht sich auf das Verhältnis von Laien und Experten. Die Planung in Expertenhand zu legen, entspricht demzufolge der Realität hochspezialisierter und professionalisierter Arbeitsteilung, wie sie der modernen Gesellschaft zugrunde liegt. Nicht jeder will und kann in seiner Freizeit Planer sein. Schließlich werden die Experten auch für ihre Tätigkeit bezahlt, während die Beteiligten in den meisten Fällen freiwillig und ohne Entlohnung agieren und dabei einen hohen Zeitaufwand auf sich nehmen müssen. All diese Argumente sind nicht ganz von der Hand zu weisen und sollten in jedem Verfahren bedacht werden. Vor allem die Frage der Aushandlung zwischen individuellen und gemeinschaftlichen Interessen verdient große Aufmerksamkeit. Aber auch die Rolle der Experten und das Dilemma, dass die zu beteiligenden Bürger unbezahlte Arbeit leisten, stellen spezifische Anforderungen an die Form von Beteiligungsverfahren. Partizipation sollte dabei als die Möglichkeit einer Kooperation zwischen Experten und Laien verstanden werden, von der im besten Falle alle Seiten profitieren können. Das Argument des mangelnden Interesses ist richtig und falsch zugleich. Verfahren, die wenig Aussicht auf wirkliche Mitsprache bieten, motivieren die Bürger wenig. Auf der anderen Seite mobilisieren sich Menschen ganz aktuell überall im Land, um ihrer Forderung nach Mitbestimmung Nachdruck zu verleihen. Daneben zeigen großangelegte Beteiligungsverfahren der letzten Jahre, wie z.B. für den Flughafen Tempelhof oder den Alexanderplatz in Berlin, dass sich weite Teile der Bevölkerung sehr wohl für die Stadtentwicklung interessieren und etwas dazu zu sagen haben. So gibt es auch weitreichende Gründe für Beteiligungsverfahren in der Stadtplanung. Wie in der Einführung deutlich wurde, ergeben sich aus der 25 Zielcke, 13

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Bürgerbeteiligung praktische Vorteile, vor allem für den Umgang mit der Komplexität des Planungsgegenstands und der Unmöglichkeit, einseitige Entscheidungen zu treffen. Wenn aber jeder Betroffene bei Fragen der Gestaltung seiner Lebensumwelt und bei den Entscheidungen darüber eine Stimme erhielte, könnten die Planungen und Entscheidungen inhaltlich deutlich verbessert werden. Planer erhielten ein wesentlich umfangreicheres und aktuelleres Wissen über einen Ort und die spezifischen Problemstellungen. Dank dieser genaueren und tiefergehenden Kenntnisse könnten soziale Bedürfnisse adressatengerechter befriedigt und Ressourcen effektiver und zielgenauer eingesetzt werden.26 Partizipative Verfahren bieten die Möglichkeit, komplexe Vorgänge und damit auch schwierige Entscheidungen für alle nachvollziehbar zu machen und so die Akzeptanz von Planungen zu verbessern. Darüber hinaus nutzen sie die Innovationskraft selbstorganisierter Zusammenhänge und die Flexibilität prozesshaft-diskursiver Verfahren, die statisch-hierarchischen Organisationsmodellen überlegen sind, Fehler schneller erkennen und selbst korrigieren können.27 Neben diesem praktischen Nutzen bieten partizipative Verfahren gewissermaßen auch einen sozialen, gesellschaftlichen und individuellen Mehrwert. So können durch Partizipation in der Stadtplanung Menschen direkt in Entscheidungsprozesse einbezogen und damit allgemein ihr Vertrauen in Institutionen gestärkt werden. Auch können damit gemeinsame Regeln definiert und Verfahren zur Aushandlung von Konflikten entwickelt werden.28 Teilnehmer haben dadurch stärker das Gefühl, Einfluss auf die Entscheidungen genommen zu haben und sind sich auch der Konsequenzen in höherem Maße bewusst. Partizipative Verfahren sind ein Mittel zur Verteidigung der Interessen einzelner Gruppen, die sonst häufig ignoriert oder durch stärkere Akteure und Interessen dominiert werden. Sie sind außerdem Lernprozesse, in denen alle Seiten etwas gewinnen können.29 Partizipation verstanden als die Möglichkeit, politische Verhältnisse zur Sprache zu bringen, kann außerdem dazu beitragen, Konflikte sichtbar zu machen und sie produktiv zu nutzen, um den Horizont der Möglichkeiten zu erweitern. Indem sie sich möglichen Konflikten zuwendet, kann Stadtplanung komplexe und prozesshafte Handlungsmodelle für den Umgang mit der Unvorhersehbarkeit städtischer Entwicklungen gewinnen.30

26 27 28 29 30

Sanoff 2000, 15 Fezer/Heyden 2004, 15 Sanoff, 15 ebd., 16 Fezer/Heyden, 22

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Um der praktischen Anwendung partizipativer Verfahren in der Stadtplanung noch einen Schritt näher zu kommen, wird im Folgenden der Blick auf eine aktuelle Planung gerichtet. Konkret geht es um den „Städtebaulichen Rahmenplan“ für die Berliner „Luisenstadt“, ein bezirksübergreifendes Gebiet zwischen Mitte und Kreuzberg. Dabei soll untersucht werden, wie in diesem Verfahren Partizipation verstanden und praktiziert wird.

21


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Quelle: Herwarth + Holz (2010) Kartengrundlage: Landeskartenwerk Berlin K5RD 1:5000 Stand 2008.


Partizipation konkret

DER „STÄDTEBAULICHE RAHMENPLAN LUISENSTADT“ Was Ein „Städtebaulicher Rahmenplan“ wird als ein gängiges, informelles Planungsinstrument eingesetzt, um Entwicklungspotentiale eines Stadtteils aufzuzeigen und Perspektiven für dessen zukünftige Nutzung in groben Zügen darzustellen. Er dient sowohl der Vorbereitung für spätere Bebauungspläne als auch dem Akquirieren von Fördergeldern, mit denen Stadtumbau und Stadtentwicklungsmaßnahmen finanziert werden sollen. Da die Bebauungsplanung eine formelle und zeitaufwendige Planung ist und in der Folge gesetzliche Auswirkungen hat, werden vorher informelle Planungsverfahren eingesetzt, um mögliche Interessenslagen und -konflikte zu eruieren. Die Art und Weise der Bürgerbeteiligung kann die planende Verwaltung dabei frei wählen. Wo Blickt man auf einen Stadtplan Berlins, findet man keine „Luisenstadt“. Sie ist kein eigener Bezirk, sondern ein ehemaliger Stadtteil, der bereits seit der Einführung Groß-Berlins 1920 nicht mehr existiert, als er aufgeteilt und den zwei Bezirken Kreuzberg und Mitte zugeordnet wurde. Große Teile der ehemaligen „Luisenstadt“ wurden im 2. Weltkrieg zerstört. Die Bezirke Mitte und Kreuzberg-Friedrichshain beziehen sich heute auf diesen ehemaligen Stadtteil, um ein bezirksübergreifendes Gebiet zu deklarieren, das sie gemeinsam entwickeln wollen. Dies geschieht unter dem Motto: „Wiedergewinnung eines Stadtteils“31 und im Sinne der städtebaulichen Wiedervereinigung Berlins, denn beide Bezirke waren während des Kalten Krieges durch die Mauer getrennt. Das Planungsgebiet „Luisenstadt“ umfasst ca. 210 ha und hat rund 20.500 Einwohner. Wer Die Bezirksämter Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg haben 2009 die Aufstellung des „Städtebaulichen Rahmenplan Luisenstadt“ in Auftrag gegeben. Die Untersuchungen und Gestaltungsvorschläge für den städtebaulichen Rahmenplan wurden von dem Berliner Planungsbüro Herwarth + Holz erarbeitet. Diese moderierten auch das Beteiligungsverfahren.

31 Bezirksamt Mitte von Berlin 2009

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Form der Beteiligung Das Beteiligungsverfahren für den „Städtebaulichen Rahmenplan Luisenstadt“ besteht aus zwei öffentlichen Bürgerabenden, zu denen das Bezirksamt Mitte einlädt. Die Einladungen werden auf der Webseite des Bezirksamtes veröffentlicht und als Postkarten per Briefpost an die Anwohner verteilt. Außerdem werden zwei weitere Gesprächrunden ausschließlich mit Gebietsexperten (Institutionen, Eigentümer, Verwaltungen) anberaumt. Diese „Luisenstadtrunden“ sind nicht öffentlich. Bei den Bürgerabenden sitzen die Vertreter der Verwaltung (Baustadtrat des Bezirks Mitte, Referatsleiter Stadterneuerung bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bürgermeister von Kreuzberg-Friedrichshain) mit dem durchführenden Stadtplanungsbüro den Anwohnern gegenüber. Das Publikum (ca. 100-200 Anwohner, die die Einladung wahrnehmen) sitzt in Stuhlreihen, die politischen Vertreter auf einem Podium. Bei dem ersten Bürgerabend halten die Politiker zuerst kurze Reden, in denen sie ihre politischen Standpunkte und Absichten für die Entwicklung der „Luisenstadt“ benennen. Sie betonen, welche Erfolge sie in Bezug auf die Stadterneuerung für das Gebiet durch ihr Wirken erreichen wollen. Anschließend stellt das Planungsbüro seine Entwürfe vor. Sie haben eine Bildschirm-Präsentation vorbereitet, die über einen Projektor an die Wand gestrahlt wird. In einem Plan sind derzeitige Mängel und zukünftige Potenziale eingetragen, andere Pläne zeigen erste Entwürfe zu verschiedenen Themen, wie „Verkehr“ und „Grünflächen“. Sie zeigen die Flächen, die sie als zentrale Entwicklungsgebiete ausgewiesen haben, und beschreiben die Fragestellungen, die sie in ihren Entwürfen bearbeiten wollen. Außerdem werden städtebauliche Leitbilder und Prioritäten sowie damit zusammenhängende Maßnahmen benannt. Auf die Präsentation folgt eine Diskussionsrunde, in der die Bürger Fragen an die Politiker und Planer richten. Sozialer Wohnungsbau, Grünflächen, städtebauliche Leitbilder und Verkehrskonzepte werden angesprochen. In den Wortbeiträgen werden oftmals Kritik und Bedenken an den politischen und städtebaulichen Positionen, die die Stadtverwaltung mit dem „Städtebaulichen Rahmenplan Luisenstadt“ vertritt, geäußert. Auch wird mehr Bürgerbeteiligung bei der aktuellen Planung eingefordert32. Während der Veranstaltung werden die Bürger aufgefordert, auf vier MindMaps mit den Überschriften Soziale Entwicklung/Versorgung, 32 vgl. N.N. - Berlin Kreuzberg Blog 20.01.2010

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Wohnumfeld, Öffentlicher Raum, Sonstiges ihre Anregungen und Wünsche zu pinnen. Die Beiträge der versammelten Bürger sind sehr auf Details ausgerichtet und beschäftigten sich zumeist mit dem öffentlichen Raum: bessere Überwege, Erhöhung der Busfrequenzen, mehr Toilettenhäuschen, eine hellere nächtliche Beleuchtung, aber auch der Rückbau eines unattraktiven Lidl-Supermarkts werden gefordert. Der 2. Bürgerabend findet drei Monate später statt. An diesem Abend werden das Leitbild, Entwicklungsziele und Gestaltungsprinzipien und -vorschläge, die das Planungsbüro für die „Luisenstadt“ entwickelt hat, vorgestellt. Die Gestaltungsvorschläge sind sehr konkret. Einer der ausgewiesenen Schwerpunktbereiche ist z.B. der Stallschreiberblock. Dies ist eine große Brache, die ehemals zum Mauerstreifen gehörte und seit dem nicht bebaut wurde (diese Flächen wird in dieser Arbeit später noch von Bedeutung sein, eine genauere Beschreibung findet sich auf S. 46). Auf einem Plan (siehe Abbildung) ist auf der Fläche eine Blockrandbebauung eingezeichnet, die die Raumkanten zu den angrenzenden Straßen schließt. Es werden u.a. eine „Entwicklung einer sechs- geschossigen Wohnbebauung mit Läden, Gastronomie und Dienstleistungen in der Alten Jakobstraße“33 vorgeschlagen. Auch für diese Veranstaltung sind zwei Stunden vorgesehen. In der ersten Hälfte sprechen die Planer, und in der zweiten Stunde dürfen die Anwohner Fragen stellen. Die Wortmeldungen gehen auf einzelne lokale Details in dem Plan ein. Außerdem wird wieder die Art und Weise der durchgeführten Bürgerbeteiligung kritisiert und die Frage gestellt, wie in die Anwohner in die zukünftigen Entwicklungen einbezogen werden. Schon zwei Tage nach diesem Bürgerabend soll das Planwerk abgeschlossen sein. Die Anregungen und Kritiken der Anwohner werden darum vermutlich nur marginal eingearbeitet werden.

Wer wird beteiligt? Bei dem hier vorgestellten Partizipationsverfahren unterteilt die Stadtverwaltung die zu Beteiligenden in zwei Gruppen, in Planungsinteressenten (das sind die sog. „Gebietsexperten“) und in Planungsbetroffene (das ist die allgemeine Öffentlichkeit). Die „Luisenstadtrunden“ mit den Gebietsexperten sind nicht öffentlich. Deshalb lassen sich die dort stattgefundenen Diskussionen und Verhandlungen, nicht wiedergeben.

33 Herwarth + Holz 2010

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Die Stadtverwaltung und das Planungsbüro pflegen einen intensiven Austausch mit dem privat organisierten „Bürgerverein Luisenstadt e.V.”, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die „Luisenstadt“ wieder aufleben zu lassen und „Ziele für die soziale und städtebauliche Entwicklung zu entwickeln”. 34 Bei der Mitgliederversammlung des Bürgervereins stellte das Planungsbüro Herwarth+Holz seine vorläufigen Ergebnisse zum „Städtebaulichen Rahmenplan Luisenstadt” schon einen Monat vor dem ersten Bürgerabend vor35. Dem Verein wurden auch die endgültigen Ergebnisse bereits vor dem zweiten Bürgerabend zugesandt, so dass die Mitglieder des Vereins sich im Vorfeld mit den Entwürfen beschäftigen konnten. Ein Privileg, dass den anderen Anwohner nicht zugestanden wurde. 36 Bei den Bürgerabenden waren außer den Mitgliedern des Bürgervereins noch Mitglieder der Bürgerinititative „Bäume für Kreuzberg” anwesend. Die Interessen dieser beiden Gruppen stehen sich direkt gegenüber. Auch dies wird am Beispiel des Stallschreiberblocks deutlich: der Bürgerverein befürwortet an diesem Ort eine Bebauung, die sich an dem historischen Stadtgrundriss orientiert. Die Bürgerinitiative setzt sich hingegen für den Erhalt der sich jetzt auf der Brache befindlichen Ruderalvegetation ein. Inwiefern die anderen Teilnehmer der Bürgerabende Bürgerorganisationen angehörten, ist nicht bekannt.

Kritik an diesem Verfahren Im Internet kritisieren einige Bürger über den Blog der Bürgerinitiative „Bäume für Kreuzberg“ die Form der Beteiligung bei der Aufstellung des „Städtebaulichen Rahmenplans Luisenstadt“. Sie kritisieren, dass es bis auf die Bürgerabende „keinerlei Möglichkeit gibt, sich die aktuelle Rahmenplanung, die Hintergründe und den Verlauf anzuschauen und sich damit auseinander zu setzen.“37 Sie seien ganz auf die Informationen, die an den jeweiligen Abenden präsentiert werden, angewiesen und müssten dann ad hoc dazu Stellung nehmen. Sie seien von einer „Breitseite von schon recht ausgereiften planerischen Vorstellungen, Strukturierungen, Gewichtungen und Priorisierungen“38 überwältig worden und 34 35 36 37 38

Bürgervereins Luisenstadt e.V. ebd. Bürgerinitiative „Bäume für Kreuzberg” 24.01.2010 N.N. - Berlin Kreuzberg Blog 20.01.2010 Bürgerinitiative „Bäume für Kreuzberg” 16.01.2010

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hätten kein tieferes Verständnis der Pläne in diesem kurzen Zeitraum gewinnen können. „Somit bleibt diese Form der Bürgerbeteiligung auf der völlig unzureichenden Ebene der Bürgerinformation – nur eben nicht kontinuierlich, sondern als Schwerpunktveranstaltung mit engem Zeitbudget. Keine Möglichkeit der Interaktion der Bürger untereinander, geschweige denn zwischen Bürger und den Planenden oder der Politik. Letztere ist aber dafür zuständig, entsprechende Möglichkeiten und Foren bereit zu stellen.“ 39 Außerdem wird kritisch bemerkt, dass die Politiker Fragen „nach dem Verfahren der Bürgerbeteiligung [...] der Gewährleistung von Transparenz darüber, wie und in welcher Weise artikulierte Bedürfnisse, Interessen und Kriterien der Bürger in den Planungen dann auch Berücksichtigung finden bzw. wer darüber entscheidet, was warum aufgenommen bzw. verworfen werde, und wie überhaupt die notwendigerweise öffentliche Diskussion über das zu verfolgende Leitbild organisiert und geführt werden solle“40, auswichen. Dabei nimmt - laut Selbstauskunft - die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Bürgerbeteiligung als Aufgabe sehr ernst. Sie würde „in den meisten Fällen sogar über das gesetzlich vorgeschriebene Mindestmaß hinaus“ betrieben. Je größer der Maßstab würde, desto mehr fände Beteiligung in Form von Information der Bürger statt. Dies sollte in Anbetracht der Komplexität großräumiger, integrierter Planungen doch auch zu verstehen sein. Sie würden sich aber bemühen, Bürger vor allem auf den konkreten und kleinräumigen Planungsebenen in die Planung mit einzubeziehen. 41

Entscheidungsspielraum Am Beispiel „Städtebaulicher Rahmenplan Luisenstadt“ lassen sich typische Konflikte bei den derzeit üblichen Beteilungsverfahren erklären. Schon in ihrer Pressemitteilung zu dem ersten Bürgerabend benennt die Stadtverwaltung ihre Absichten und gestalterischen Vorstellungen für das Gebiet. So steht u.a. darin geschrieben: „Es geht darum, den Stadtgrundriss wiederherzustellen und die historische Stadtstruktur für die Bürgerinnen 39 ebd. (Kommentar von Keucht, M. 21.01.2010) 40 ebd. 24.10.2009 41 Günther, Joachim (Referent für Öffentlichkeitsarbeit) 2010: mündliche Mitteilung vom 31.03.2010, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin und Lange, Stefan 2010: mündliche Mitteilung vom 31.03.2010, Stadtplanungsamt Berlin Mitte

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und Bürger wieder erlebbar zu machen [...].“42 Hinter dieser Aussage verbirgt sich das städtebauliche Leitbild der „kritischen Rekonstruktion”, das in einem übergreifenden Planwerk aus dem Jahre 1999 für Berlin festgesetzt wurde. 43 Und nicht nur dieser Plan liegt schon über der „Luisenstadt“; tatsächlich wirken sich bis zu sechs weitere übergeordnete Pläne auf die Planung für dieses Gebiet aus und bestimmen in einem gewissen Rahmen die Ziele, die mit dem „Städtebaulichen Rahmenplan“ verfolgt werden sollen. Denn auf allen Verwaltungsebenen, vom Bund, über die Länder und Städte, bis hin zu den Bezirken, werden Anforderungen an die zukünftigen städtebaulichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Städte gestellt. Diese werden in Form von Plänen und Leitbildern postuliert, die sich mehr oder weniger konkret auf die Entwicklung und Gestaltung eines Ortes auswirken. (siehe Abbildung auf Seite 56 f.) Die Leitbilder werden von oben nach unten, den Planungsebenen folgend, konkretisiert. Die Entwürfe und Gestaltungsvorschläge des Planungsbüros Herwarth+Holz sind in diesem Sinne ebenfalls Konkretisierungen der von höheren Planungsebenen gestellten Anforderungen. Diese werden vom Planungsbüro aufgegriffen, im Laufe des Verfahrens kaum noch diskutiert und durch ihre konkreten Pläne verfestigt. Zugrundeliegende allgemeine Leitbilder, wie die „Kritische Rekonstruktion“, können im Laufe eines Bürgerabends nicht mehr grundsätzlich angesprochen, geschweige denn angefochten werden. Das bedeutet, dass auf folgenden Planstufen, wie z.B. der Bebauungsplanung (bei der eine Bürgerbeteiligung gesetzlich vorgeschrieben ist), die Bürger zwar formal beteiligt werden, viele wesentliche Entscheidungen aber schon im Vorfeld gefallen sind. Die Bürger werden also an einem Punkt befragt, an dem es nur noch den einen geringen Handlungsspielraum gibt. In der Bebauungsplanung, bei der Bürger am häufigsten beteiligt werden, wird die Planung als ein rein technischer Akt der Problemlösung dargestellt und als schlüssiges Konzept hin zu einem idealen Endzustand präsentiert. Raum für Alternativen bietet sich darin kaum, die dahinter liegenden Ziele und Leitbilder stehen nicht zur Debatte. Stattdessen wird konkretistisch die Zahl und Anordnung von Parkplätzen diskutiert44. Auf dieser ins Einzelne gehenden Planungsebene wird für die von der Planung Betroffenen oft 42 Bürgerinitiative „Bäume für Kreuzberg” 16.01.2010 43 vgl. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 1999 44 Ein interessanten Einblick über diese Art der Beteiligung findet sich auf der Webseite des “Bürgervereins Luisenstadt e.V.” in Form eines Protokolls über eine heftig diskutierte „Parkplatzfrage“ im Rahmen einer „Anliegerversammlung Ausbau der Verkehrsanlage zwischen Michaelkirchplatz und Waldemarstraße” vom 15.09.2010

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erstmals deutlich, welche Auswirkungen bestimmte Planungen für sie persönlich haben werden. Dies führt häufig zu einem vehementen Einsatz der Betroffenen für ihre rein individuellen Interessen. Vermutlich sieht die planende Verwaltung in den Anliegern, die in solchen Diskussionen erbittert für ihre partikularen Interessen kämpfen, vor allem Querulanten, und ist darum wenig geneigt, auf deren Anliegen einzugehen. Eine solche Reaktion wiederum vergrößert den Graben zwischen beiden Parteien und führt zu Unmut und letztlich zu einer resignierten Haltung auf beiden Seiten: Stadtplaner klagen, je mehr Beteiligung sie anbieten, desto weniger Menschen kämen. Die Bürger kommen zu dem Schluss, Bürgerbeteiligung sei nur eine Farce. 45

Kommunikations-Lücke Ein weiterer, häufig genannter Kritikpunkt ist die Sprache, mit der Planer ihre Konzepte präsentieren. Im „Städtebaulichen Rahmenplan Luisenstadt“ werden vor allem floskelhafte Formulierungen verwendet, die Offenheit und positive Zukunftsvisionen betonen sollen. Diese Planersprache („Planersprech“) ist aber kaum für die Kommunikation mit den Anwohnern geeignet, denn was genau bedeutet: „Das historische Gedächtnis des Stadtteils zu erhalten und zu nutzen“, „Grünflächen zu qualifizieren“ oder „Straßen als öffentliche Räume für Bewohner, Beschäftigte und Besucher zu entwickeln“46? Diese Floskeln und Stereotypien sind zum größten Teil auf die Richtlinien der angepeilten Förderprogramme abgestellt, mit denen die planende Verwaltung die Stadtentwicklung finanzieren möchte. Dass mit diesen Plänen auch ganz handfeste „harte“ Entscheidungen getroffen werden, wird von den blumigen Zukunftsbeschreibungen verdeckt. Ein Hinterfragen dieser Entscheidungen wird nicht intendiert und nicht gefördert. Schwer nachvollziehbar ist außerdem der konkrete Zusammenhang zwischen den formulierten Absichten und Zielen und den grafischen Darstellungen der Planungen, die ohne Vermittlung nicht jedem Bürger zugänglich sind. Im Detailplan für den Stallschreiberblock sind z.B. Blockrandbebauungen als Kubaturen eingezeichnet. Diese sollen zwar nur „gestalterische Vorschläge“ sein. Aber durch die Art der Darstellung wirken sie alternativlos und wie die einzig richtige, logisch abgeleitete Lösung für ein vorher definiertes Problem. Durch diese Form der Darstellung und der Präsentation ihrer planerischen Konzepte stehen die Stadtplaner den Bürgern autoritär als Experten gegenüber. 45 Merk 2009 46 Herwarth + Holz 2010

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Ihre Konzepte werden als endgültige Ergebnisse präsentiert, die gegenüber ignoranten Bürgern allenfalls verteidigt, aber bestenfalls nur geringfügig verändert werden. Auch dies führt bei den betroffenen Bürgern vor allem zu erheblicher Frustration, da sie sich zwar äußern dürfen, ihre Aussagen aber selten als relevant erachtet werden.

Beteiligung lernen

PARTIZIPATION – BILDUNG – STADT „[...] wenn ich etwas verändern will, muss ich in der Lage sein, mitzureden. [...] Erst wenn die Planungsdisziplinen einer erweiterten Öffentlichkeit verständlich gemacht werden, kann langfristig gesehen wirkliche Partizipation stattfinden und Entscheidungen, die heute weitgehend als technische Fragen von Fachleuten getroffen werden, demokratisch diskutiert werden.“47 Diese Aussage von Gert Kähler unterstreicht die Ausgangsthese dieser Arbeit, dass nämlich Partizipation gelernt werden muss. Dieses Lernen weist in zwei Richtungen. Zum einen müssen die Bürger in die Lage versetzt werden, mitzureden und zum anderen müssen die Stadtplaner lernen, ihre Inhalte und Anliegen einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen. Damit sind zwei mögliche Einsatzfelder einer „Didaktik der Stadt“ benannt. In Anlehnung daran soll - ausgehend von der vorangegangene Analyse der Partizipation auf theoretischer und praktischer Ebene - konkret geklärt werden, wo Lernprozesse notwendigerweise ansetzen müssen, damit die Interessen, Werte und Konzepte, die sich in städtebaulichen Plänen manifestieren, offen und auf gleicher Augenhöhe diskutiert werden können. Daneben wird es um den Inhalt dieser Lernprozesse gehen, d.h. den Gegenstand auf den sie sich beziehen, die Stadt. Aus diesen Überlegungen werden Anforderungen an partizipative Planungsprozesse abgeleitet, die es möglich machen, diese als Lernprozesse zu organisieren.

Welche Ansätze bieten partizipative Verfahren für Lernprozesse? „Stadtplanung bedeutet, gleichzeitig die Pluralität (auch der Wirklichkeit) zu denken und diesem Pluralitätsgedanken Wirksamkeit zu verleihen; und das wiederum bedeutet, wissen und artikulieren zu können.“48 47 Kähler 2006, 79 48 de Certeau 1988, 183

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Die Analyse der Partizipation hat einige Ansatzpunkte für Lernprozesse geliefert. Bei einer Übertragung von Handlungsbefugnissen an die Bevölkerung muss vorausgesetzt werden, dass die nötigen Fähigkeiten zur Beurteilung von Planungsprozessen vorhanden sind. Diese müssen daher in der Regel zunächst vermittelt werden. Als ein zentrales Dilemma partizipativer Planung wurde die Kommunikationslücke zwischen Experten und Laien genannt, die auf beiden Seiten ein Lernen in verschiedenen Bereichen erfordert. Neben der gesprochenen und geschriebenen Sprache geht es dabei insbesondere um den Umgang mit grafischen Darstellungen, mit denen bei Planungen gearbeitet wird. Aber auch die unterschiedlichen Perspektiven auf die Stadt aus der Sicht von Experten und Laien, müssen gegenseitig vermittelt werden. Die aktuell vielbeschworene Ermächtigung „schwacher“ Akteure zu eigenverantwortlichem Handeln setzt also die Vermittlung entsprechenden Know-Hows voraus, um strukturelle Benachteiligungen auszugleichen. Partizipative Verfahren der Stadtplanung sind an sich immer Lernprozesse, in denen jede beteiligte Seite etwas über die andere lernt, in der Konflikte aufgedeckt werden müssen, um über Alternativen diskutieren zu können. Dieser Lernprozess geht einher mit dem Einüben demokratischer Entscheidungsprozesse im Allgemeinen.49 Partizipative Verfahren sind zwar, wie z.B. kontroverse Debatten über besondere städtische Gebäude, immer Einzelfälle und entsprechend ortsspezifisch, sie sind jedoch auch beispielhafte „‚Musterprozesse‘ der gesellschaftlichen Selbstverständigung“50. Sie zeigen die Vielfalt städtischer Akteure und Interessen, die einen solchen komplexen Entscheidungsprozess beeinflussen und machen dessen allgemeine Relevanz deutlich. Den Lernprozesscharakter partizipativer Verfahren ernst zu nehmen, zu intensivieren und aktiv zu gestalten, erfordert darum zunächst ein allgemein nachvollziehbares Verfahren, dass der breiten Bevölkerung verständlich und zugänglich gemacht werden kann. Je mehr Menschen sich angesprochen fühlen und teilnehmen, umso größer ist der Lernerfolg aller. Nachvollziehbarkeit bedeutet in diesem Zusammenhang vor allem, dass Ziel und Ablauf einfach zu verstehen sind und dass bei jedem Verfahrensschritt ersichtlich ist, wie die verschiedenen Interessen und Vorstellungen das jeweilige Ergebnis beeinflussen, wie also die Stimme jedes Einzelnen verhandelt wird. Die Beteiligten müssen darum an allen Phasen des Planungsprozesses teilhaben können, von der Bestandsaufnahme über den Entwurf und die Auswahl 49 Sanoff 2000,16 50 Welzel 2010, 135

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möglicher Alternativen bis hin zur Entscheidung für ein Konzept. Die Auseinandersetzung mit Experten und das Aushandeln von Konflikten ist dabei ein wesentlicher Bestandteil. Nachvollziehbarkeit bedeutet auch, dass alle Interessierten in der Lage sein müssen sich gleichermaßen zu beteiligen. Durch die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen und die gezielte Vermittlung einzelner Fähigkeiten, die in Bezug auf den Prozess elementar sind, muss deshalb versucht werden, alle Teilnehmer auf Augenhöhe zu bringen und die Kommunikationslücken in der Zusammenarbeit von Experten und Laien zu überwinden. Es müssen Strategien, Methoden und Werkzeuge entwickelt werden, die es allen Teilnehmern ermöglichen, sich unabhängig von gestalterischem Talent oder Bildungshintergrund, in den Gestaltungs- und Verhandlungsprozess einzubringen. Zur Verständigung auf Augenhöhe gehört auch, den Bürgern Zugang zu alternativen Konzepten und Ideen zu eröffnen, die vorher außerhalb ihres Vorstellungshorizontes lagen. Lernprozesse in partizipativen Verfahren beziehen sich allerdings nicht nur auf die Teilhabe an dem Prozess, sondern beziehen sich auf den Gegenstand der Planung selbst, also die Stadt. Die Teilhabe an Stadtplanung bedeutet, die Stadt in der Gesamtheit ihrer verschiedenen Bestandteile erkennen zu können, von Gebäuden über gesellschaftliche Aktivitäten und gesetzliche Rahmenbedingungen bis hin zu ihren kulturellen Bedeutungen und Wertzuschreibungen. Allen Beteiligten muss dabei ermöglicht werden, ihre eigenen Vorstellungen in Bezug zur räumlichen Umwelt setzen zu können: Sie müssen zunächst die Stadt sehen und lesen lernen, um über ihre Zukunft verhandeln zu können.

Wo können Lernprozesse in der Stadt ansetzen? „Es braucht ein geschultes Auge um überhaupt die Stadt als solche zu sehen. Die Stadt ist eigentlich das viel treffendere Beispiel für das, was man im Volksmund meint, wenn man sagt, dass man ‚den Wald vor lauter Bäumen‘ nicht sieht.“51 Die Forderung nach dem Lernen des „Sehens und Lesens der Stadt“ bezieht sich direkt auf diese Feststellung von Lucius Burckhardt. Denn die Grundvoraussetzung der Diskussion über die Zukunft einer Stadt oder eines Teiles der Stadt ist die gegenseitige Verständigung darüber, was die Stadt ist und was sie ausmacht. Barbara Welzel schreibt dazu im Curriculum Baukultur, 51 Burckhardt 1967, 29

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das im Auftrag der Wüstenrot Stiftung für den Einsatz im Schulunterricht entwickelt wurde: „Das ‚Lesenlernen‘ von Städten, Stadtteilen und Dörfern ist eine zentrale kulturelle Kompetenz“52. Sie fordert darum, Architektur als Sprache zu begreifen und die Auswirkungen von Raumordnungen und Raumerfahrungen auf die eigene Identität der Menschen bewusst wahrzunehmen und beschreiben zu lernen.53 Natürlich kann jeder Mensch die Stadt „sehen“. Die Gebäude, die Straßen, die Parks, die Flüsse und Brücken, und auch die Menschen und ihr Aktivitäten sind sichtbar. Die Stadt lässt sich also in Einzelteilen sehen und beschreiben. Aber lässt sie sich auch als Ganzes betrachten? Ein Dorf mit vier Bauernhöfen und einem kleinen Dorfanger lässt sich noch gut erfassen. Bei einer kleinen Stadt wird es schon schwieriger. Man kann sie nicht mehr als Ganzes betrachten, aber ihre Struktur aus Hauptstraße, Marktplatz und Wohnhäusern lässt sich noch leicht als Einheit begreifen. Bei einer Großstadt ist dies schwieriger. Sie lässt sich weder als Ganzes betrachten, noch wird sie durch ihre Struktur anschaulich. Michael Müller beschreibt die Stadt deshalb als einen abstrakten Raum: „Die Stadt wird zu einem abstrakten Raum der Gleichzeitigkeit allen Geschehens. Sie ist damit überkomplex und bei allen Stereotypen über die eigene Stadt für die meisten ihrer Bewohner im Prinzip undurchdringlich.“54 Dieser überwältigende Charakter der Großstadt spiegelt sich auch in Begriffen wie „Großstadtdschungel“ oder „Moloch“ wider. Stadtplaner stehen damit vor einer immensen Schwierigkeit. Sie müssen den abstrakten Raum der Stadt in irgendeiner Form zur Anschauung bringen, um ihn bearbeiten zu können. Sie müssen also vereinfachte Abbildungen der Stadt, d.h. Modelle entwickeln, die es ihnen ermöglichen, einzelne Aspekte isoliert zu betrachten und zu bearbeiten. So wird beispielweise in sektoralen Plänen nur die bauliche Struktur abgebildet, während andere nur die Grünflächen und Parks darstellen. Wieder andere Pläne zeigen nur Infrastrukturen wie Straßen, Bahngleise oder die Kanalisation. Die Stadt wird dabei in einzelne überschaubare Subsysteme zerlegt, die dann jedes für sich optimiert und angepasst werden können. Einzelne Ausschnitte der Stadt werden dabei in funktional oder administrativ abgrenzbare Teilräume zerlegt und betrachtet. Neben diesen Plänen und als Verknüpfung der einzelnen Subsysteme wurden auch diagrammatische Abbildungen entwickelt, die funktionale Beziehungen zwischen verschiedenen Subsystemen der Stadt betrachten. Als Beispiel ist hier das Zentren-Achsen System zu nennen, das die Stadt, einfach gesprochen, in Punkte und Striche zerlegt, wobei die 52 Welzel, 124 53 ebd. 122 54 Müller 2007, 80

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Punkte wichtige Zonen der Ballung städtischer Funktionen darstellen und die Striche zentrale Bewegungskorridore dazwischen markieren.55 Das Ziel solcher Modelle ist das Verhältnis zwischen wichtigen Punkten in der Stadt und den Verkehrsströmen zu analysieren und zu optimieren. Die Zerlegung der Stadt in mehrere modellhafte Darstellungen zum Zweck der Überschaubarkeit und Kontrollierbarkeit beschreibt Michel de Certeau als „optisches Wissen“56 und die Stadt der damit befassten Experten als Konzept der Stadt, im Unterschied zur Tatsache Stadt.57 Das Konzept Stadt ist für ihn: „[...] So etwas ähnliches wie ein Faksimile, das Raumplaner, Stadtplaner oder Kartographen durch eine Projektion erzeugen, welche in gewisser Weise eine Distanz herstellt. Die Panorama-Stadt ist ein ‚theoretisches’ (das heißt visuelles) Trugbild, also ein Bild, das nur durch ein Vergessen und Verkennen der praktischen Vorgänge zustande kommt.“58 Das Denken und Arbeiten in Plänen und Modellen unterscheidet sich also stark vom Handeln im Raum, die Perspektive der Planer damit von jener der Stadtbewohner. De Certeau dazu weiter: „Die gewöhnlichen Benutzer der Stadt aber leben „unten“ (down), jenseits der Schwellen, wo die Sichtbarkeit aufhört. Die Elementarform dieser Erfahrung bilden die Fußgänger, die Wandersmänner (Silesius), deren Körper dem mehr oder weniger deutlichen Schriftbild eines städtischen ‚Textes’ folgen, den sie schreiben, ohne ihn lesen zu können.“59 Die Perspektive der Stadtbewohner bleibt also eingeschränkt und ist im Gegensatz zur distanzierten Außensicht der Experten eine Innensicht, bei der Stadtbilder aus dem direkten Erleben von Orten und Zwischenräumen entstehen, nicht als Plan oder Panorama, sondern vielmehr wie Perlen, die auf einer Kette aufgereiht und zu einer Kontinuität zusammengefügt werden.60 Auch folgt die Wahrnehmung der Stadtbewohner nicht sektoralen Systemen, funktionalen oder administrativen Grenzen. Die Art der Wahrnehmung eines jeden Menschen beschreibt Lucius Burckhardt zudem als das Produkt der Erziehung, das sich aus archetypischen Vorstellungen von Städten, dem gesellschaftlichen Umfeld und medial vermittelten Bildern im Laufe eines Lebens zusammensetzt.61 Das Bild, das Menschen sich von der Stadt machen, ist somit individuell und jeweils einzigartig. Diese Differenzen der Stadtwahrnehmung haben direkte Auswirkungen auf partizipative Verfahren der Stadtplanung . Daher bezieht sich die im Exkurs 55 56 57 58 59 60 61

Sieverts 1998, 23f. de Certeau, 183 ebd. de Certeau, 181 ebd. Schmitz 2007, 30 Burckhardt 1972, 270f.

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zur Partizipation beschriebene Kommunikationslücke zwischen Experten und Laien nicht nur auf die Sprache, sondern zuallererst auf die unterschiedlichen Perspektiven in der Wahrnehmung der Stadt, die Außensicht auf der einen und die Innensicht auf der anderen Seite. Um einen Austausch zwischen Laien und Experten zu ermöglichen, besteht deshalb auf beiden Seiten Vermittlungsbedarf. Auf Seiten der Stadtplanung ist es notwendig, sich zunächst auf die Unübersichtlichkeit der Stadt in dem Erleben der Bewohner einzulassen und Planungsverfahren zu entwickeln, die möglichst nah an den Raumvorstellungen der Laien ansetzen. Gleichzeitig sollten die Stadtbewohner Zugang zu den abstrahierenden Arbeitstechniken der Planer bekommen und in einem partizipativen Planungsprozess lernen können, ihre Wahrnehmung zu konzeptualisieren und ihre Bedürfnisse und Ideen in Bezug zu dem Stadtraum der Planer zu setzen. Im Grunde genommen geht es dabei um die Technik des Entwerfens auf einer wenig abstrakten Ebene. Das Ziel ist jedoch nicht, alle Menschen zu Entwerfern auszubilden, sondern ihnen die Fähigkeit zu einer raumbezogenen Kommunikation zu vermitteln. Eine weitere Anforderung an partizipative Verfahren ergibt sich aus der unterschiedlichen Wahrnehmung von Ausschnitten der Stadt. Während Planer mit funktionalen oder administrativen Abgrenzungen einzelner Territorien arbeiten, beziehen sich die Stadtbewohner direkt auf ihre alltäglich erlebte Umwelt. Für die Festlegung eines Plangebietes ist es deshalb sinnvoll, zunächst zwischen den verschiedenen Betrachtungsweisen zu vermitteln. Das Gebiet sollte möglichst klein sein, damit es dem alltäglichen Erfahrungsraum der Beteiligten entsprechen kann. Für dieses Vorgehen plädieren auch Bader und Foerster-Baldenius in ihrer Beschreibung von „Kolorado Neustadt“, einem Konzept, das die Gruppe raumlabor als Stadtentwicklungsplan für Halle Neustadt erarbeitete. Sie versuchen dabei die Stadt nicht mehr als Ganzes zu planen, sondern sie in kleinere Einheiten aufzuteilen, die sich je nach Dynamik individuell entwickeln können. „Die Feldgröße soll einem persönlichen, konkreten Erfahrungsraum entsprechen, so dass neben den professionellen und damit bezahlten Akteuren – nämlich der Stadt, dem Land oder dem Bund, den Wohnungsunternehmen, den Banken und den Gewerbetreibenden – auch die Bewohner die Möglichkeit haben sich zu identifizieren und aktiv zu werden. In dieser Dimensionierung ist es möglich, vorhandene lokale Dynamiken aufzugreifen und Entscheidungen zu ermöglichen, durch die sich unterschiedliche Stadtideen entwickeln können. Letztlich soll sich das Engagement einer überschaubaren Zahl von Menschen sichtbar auswirken können.“ 62

62 Bader/Foerster-Baldenius 2004, 84f.

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Neben der technischen Schwierigkeit die Stadt als Ganzes zu betrachten, beruht das Problem ihrer Unsichtbarkeit auch auf der Vielfalt ephemerer und immaterieller Bestandteile, die zu einer Stadt gehören. Die physischen Bestandteile mit den immateriellen zu verknüpfen, ist damit ein weiteres Ziel des bereits angesprochenen Sehen- und Lesenlernens.

Wovon ist also die Rede, wenn es um die Stadt geht? Will sich die Stadtplanung auf die Unübersichtlichkeit der Stadt einlassen und sich den Raumvorstellungen der Stadtbewohner annähern, was angesichts der zunehmenden Akteursbezogenheit der Planung als notwendig erscheint, braucht sie zugleich einfachere und komplexere Modelle: Einfachere Modelle in Bezug auf deren Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit für Laien und komplexere Modelle in Bezug auf die Betrachtung der Stadt. So reicht es nicht länger aus die Stadt als gebietsbezogenes räumliches Gefüge zu betrachten. Vielmehr ist es erforderlich den verschiedenen Akteuren, ihren divergierenden Interessen, kulturellen Hintergründen und Wertvorstellungen Rechnung zu tragen, durch ein erweitertes Verständnis der Stadt im Sinne eines „gesellschaftlichen Raumes“63. Dieter Läpple liefert dazu mit seinen „Überlegungen zu einem Konzept gesellschaftlicher Räume“64 einen Anknüpfungspunkt, der hier im Folgenden näher betrachtet werden soll. Läpple beschreibt sein Konzept als den Versuch, den Raum und damit auch die Stadt im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Entwicklungen zu verstehen und zu analysieren. Er sieht darin das Potential, die Stadt und den Raum nicht nur durch geometrische Beziehungen zu beschreiben, wie dies von der Stadtplanung zumeist betrieben wird, sondern die sinnliche Erfahrung des erlebten und gelebten Raumes mit in die Betrachtung einzubeziehen.65 Raumkonzepte dieser Art werden in der Theorie als „relationale Raumvorstellungen“66 und als „erweiterter Raumbegriff“ bezeichnet. Raum ist demnach ein Produkt der Interaktion zwischen Menschen und Dingen und ist dementsprechend nicht statisch, sondern wandelt sich stetig. Diese Auffassung steht den klassischen, sogenannten „absoluten Raumvorstellungen“ gegenüber, die den Raum als Container oder Hülle betrachten, die unabhängig von den gesellschaftlichen Prozessen in ihrem Innern ist.67 63 64 65 66 67

Läpple 2000, 11f. ebd. 1 ebd. Löw/Steets/Stoetzer 2007, 66 ebd. 54 f.

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Eine illustrierende Beschreibung der relationalen Perspektive findet sich bei Lucius Burckhardt: „Die Spiegelsituation – Der Mensch verändert die Umwelt und: Die Umwelt verändert den Menschen – das ist unsere Thematik, wobei wir uns klar sein müssen, daß wir hier schon etwas vereinfachen; in Wirklichkeit ist das ja ein in sich verflochtenes System. Wir müßten auch schon dieses als einen Prozeß darstellen, einen gegenseitigen ‚Lernprozeß‘ – man kann das zwar nur vom Menschen sagen; wir wissen nicht so genau, wie sich die Umwelt anpaßt.“68 Mensch und Raum stehen also in einer gegenseitigen Wechselbeziehung. In Läpples Konzept gesellschaftlicher Räume findet sich der hier beschriebene Lernprozess wieder in dem, was er als aktives Wirkungsfeld beschreibt: „Unter dem Aspekt seiner Gesellschaftlichkeit erhält ein Raum die Qualität eines aktiven Wirkungsfeldes, eines gesellschaftlichen Milieus, dessen formschaffende Kraft die gesellschaftliche Praxis der Menschen ist, die den physischen Raum gestaltet, aneignet, mit Symbolen besetzt und ihn damit zu einem gesellschaftlichen macht.“69 Verständlich wird dieser Ansatz am Begriff der Kulturlandschaft. Sie ist keine neutrale, statische Umwelt, sondern ist in allen Teilen das Ergebnis menschlicher Eingriffe und Gestaltungen und wird als solche fortwährend verändert. Für die Gestalt der Kulturlandschaft spielt dabei nicht nur die Topographie eine Rolle, sondern vor allem die Aktivitäten, Regeln und ästhetischen Vorstellungen der Menschen, die in ihr leben. Damit sind nicht nur die großen Eingriffe des Menschen gemeint, wie zum Beispiel im Falle des Braunkohletagebaus, sondern die unsichtbaren Regeln wie Gesetze, Subventionen, Konventionen, Traditionen, Archetypen usf. In der Umkehr prägt auch die Kulturlandschaft den Menschen in seinem Handeln und sozialen Verhalten, vor allem aber in seiner Wahrnehmung und seinem ästhetischen Empfinden. Was für die Landschaft gilt, muss für die Stadt erst recht gelten können, ist sie doch scheinbar in allen Teilen vom Menschen gemacht, also kulturell geprägt. Diese Vielfalt an Einflussgrößen, die ein räumliches Wirkungsfeld bestimmen, durch die es sich charakterisieren lässt, fasst Läpple in vier Komponenten zusammen: 1. „Das materiell physisches Substrat gesellschaftlicher Verhältnisse, als die materielle Erscheinungsform des gesellschaftlichen Raumes.“70 2. „Die gesellschaftlichen Interaktions- und Handlungsstrukturen beziehungsweise die gesellschaftliche Praxis der mit der Produktion, Nutzung und Aneignung des Raumsubstrats befassten Menschen.“71 68 69 70 71

Burckhardt 1967, 29 Läpple, 12 Läpple, 13 ebd.

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3. „Ein institutionalisiertes und normatives Regulationssystem, das als Vermittlungsglied zwischen dem materiellen Substrat des gesellschaftlichen Raumes und der gesellschaftlichen Praxis seiner Produktion, Aneignung und Nutzung fungiert.“72 4. „Ein mit dem materiellen Substrat verbundenes räumliches Zeichen-, Symbol- und Repräsentationssystem. Die raumstrukturierenden Artefakte sind durch ihre funktionale oder ästhetische Gestaltung auch Symbol und Zeichenträger, wodurch unter anderem eine kognitive Erkennbarkeit ihrer sozialen Funktionen und eine affektive Identifikationsmöglichkeit vermittelt werden kann.“73 Diese vier Komponenten des gesellschaftlichen Raumes existieren nicht einzeln und unabhängig voneinander, sondern bilden immer ein komplexes System. Das Konzept der gesellschaftlichen Räume ist zudem der Versuch, die Realität der Stadt und die Beziehungen ihrer Bewohner in einem Modell zu fassen und verständlich zu machen. Es werden nicht einzelne Handlungsfelder für die Stadtplanung definiert, sondern es wird eine andere Perspektive auf die Stadt ermöglicht. Die Stadtplaner sollten sich dessen bewusst sein, dass sie nicht nur Hüllen schaffen (materiell physisches Substrat), die sich dann mit Leben füllen, sondern dass sie durch ihr Eingreifen Veränderungen auf allen Ebenen bewirken. Durch Pläne setzen sie Werte, weisen Bedeutungen zu, ermöglichen oder verhindern gesellschaftliche Aktivitäten und strukturieren so die Möglichkeiten sozialer Interaktion bzw. hemmen sie. Es bedarf einer Verhandlung darüber, wer welche Bedeutungen und Werte setzen kann und welche Aktivitäten und Handlungsweisen durch die zukünftige Entwicklung ein- oder davon ausgeschlossen werden. Diese immateriellen Bestandteile des Raumes müssen jedoch erst zur Sprache gebracht werden. Auch hierin besteht ein großer Vermittlungsbedarf. Dazu gehört neben der Fähigkeit den Raum zu lesen, auch das entsprechende Wissen, dass zur Deutung und Kontextualisierung notwendig ist. Bedeutungen, Werte und Aktivitäten können nur dadurch sichtbar gemacht werden, indem die Akteure, die Urheber dieses Bedeutungshorizontes, angesprochen und in den Prozess aufgenommen werden. Die Stadtplanung hat also die gesamte Komplexität des gesellschaftlichen Raumes zum Gegenstand und ist gleichzeitig ein Akteur in diesem Prozess. Partizipative Planungsverfahren müssen in diesem Sinne als raumwirksame Praxis und damit gesellschaftliche Handlungsstrukturen verstanden werden, 72 ebd. 73 ebd.

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die das räumliche Wirkungsfeld, in das sie eingreifen, verändern. Das Verfahren selbst ist damit schon ein Teil des Entwicklungsprozesses der angestoßen werden soll. In einem solchen Verfahren konstituiert sich eine lokale Öffentlichkeit , aus der heraus sich Initiativen und Interessensgruppen bilden und Kooperationen für die Umsetzung des Plans geschlossen werden. Der Planungsprozess und die Planer könnten als Impulsgeber fungieren, die Ideen in einen Ort hineintragen, lokale Potentiale entdecken und unterschiedliche Aktivitäten in Gang setzen.

Zwischenfazit

PARTIZIPATION ALS LERNPROZESS Wie in diesem Exkurs gezeigt wurde, ergeben sich aus der Theorie partzipativer Planung und der Betrachtung des Planungsgegenstandes, der Stadt, vielfältige Anforderungen an die konkrete Ausgestaltung partizipativer Verfahren. Daneben wurde deutlich, an welchen Stellen Lernprozesse initiiert werden und welche Inhalte dabei entwickelt werden müssen. Im Folgenden werden die wichtigsten Bereiche des Lernens benannt und die Anforderungen an die Verfahren noch einmal kurz zusammengefasst. Im Anschluss daran werden diese Überlegungen für einen partizipativen Planungsprozess konkret auf ein Beispiel bezogen und die einzelnen Schritte in einem Handbuch beschrieben.

Bildung als Modus städtebaulicher Praxis In Bezug auf den Untertitel der vorliegenden Arbeit wird der zugrundeliegende Bildungsbegriff kurz umrissen. Bildung und Lernen beziehen sich im Zusammenhang mit partizipativen Planungsverfahren auf drei zentrale Bereiche. 1. Lernen durch Erfahrung: Ein Planungsprozess schafft durch seine konkrete Ausgestaltung die Möglichkeit vielfältige Erfahrungen zu machen. Dazu gehören Erfahrungen, die direkt mit dem Prozess verknüpft sind, wie Konfliktlösung, Verhandlung, das Kennenlernen anderer Perspektiven und anderer Akteure. Von besonderer Bedeutung ist die Erfahrung der aktiven Mitbestimmung und damit verbundener Verantwortung. Das schließt mit ein, dass die Teilnehmer sich als aktive und bedeutsame Teile der Stadtbevölkerung 39


erleben und Möglichkeiten für eigenverantwortliches Handeln entdecken. Das Verfahren soll außerdem Erfahrungen in Bezug auf die Stadt als Erlebnis- und Handlungsraum ermöglichen. Das bedeutet vor allem andere Zugänge zu einer vertrauten Umgebung zu eröffnen oder sich in andere Positionen hineinversetzen zu können. 2. Lernen konkreter Fähigkeiten: Diese beziehen sich vor allem auf Methoden und Techniken der Kommunikation für Laien und Experten, um deren Kommunikationslücke zu überwinden. Diese Fähigkeiten reichen von der Diskussion über die Organisation von Wissen bis hin zur bildlichen und schriftlichen Darstellung von Wünschen, Vorstellungen und Ideen. Zwei zentrale Fähigkeiten, die in einem partizipativen Planungsprozess erworben werden, sind das Sehen und Lesen der Stadt. 3. Lernen konkreten Wissens über städtische Zusammenhänge: Gegenstand ist das wechselseitige Verhältnis von städtischer Umwelt und Bedeutungshorizont ihrer Bewohner. Hierin gehen vor allem die immateriellen Bestandteile der Stadt, ihre Bedeutungen und Werte für die Bewohner ein. Diese Lernbereiche entsprechen den zentralen Kompetenzbereichen für das Themenfeld „Baukultur – Gebaute Umwelt“, wie sie im Curriculum Baukultur der Wüstenrot Stiftung formuliert werden: Fachkompetenz, Methodenkompetenz, Sozialkompetenz, Selbstkompetenz.74 Bildung ist also nicht als kanonische Bildung zu verstehen, die ein vorgegebenes, fest definiertes Paket an Wissen vermitteln will. Bildung wird hier im Sinne des Erwerbs von Kompetenzen verstanden, bei dem Lernprozesse in Gang gesetzt werden die zu dem Ziel führen, die Bürger zu eigenverantwortlichem Handeln als städtische Akteure zu ermächtigen. Dieser Bildungsprozess verläuft nicht einseitig: die beteiligten Bürger lernen von den Experten, die Experten erweitern ihren Horizont um die Erfahrungen und Vorstellungen der betroffenen Bürger. Nur auf dieser Basis können fundierte Entscheidungen getroffen werden.

74 Welzel, 121

40


Anforderungen an den Planungsprozess 1. Das Plangebiet sollte möglichst klein sein, damit es dem alltäglichen Erfahrungsraum der Beteiligten entsprechen kann. 2. Das Planungsverfahren sollte so nah wie möglich an den Raumvorstellungen der Laien ansetzen. 3. Das Verfahren muss für alle Beteiligten zu jeder Zeit in seiner Struktur, seinen Inhalten und Entscheidungen verständlich und nachvollziehbar sein. 4. Alle Teile des Verfahrens müssen Beteiligung der Öffentlichkeit zulassen. 5. Das Verfahren muss ergebnisoffen angelegt sein. 6. Alle verfügbaren Informationen müssen allen Beteiligten zu jeder Zeit zugänglich sein. 7. Das Verfahren muss eine möglichst hierarchiefreie Kommunikationssituation schaffen. 8. Das Verfahren muss Konflikten Raum geben und Wege zu deren gemeinsamer Aushandlung finden. 9. Das Verfahren muss die Stadtbewohner möglichst nah an ihrem Alltag abholen und braucht dementsprechend auch unverbindliche Verfahrensschritte. 10. Das Verfahren benötigt angemessene Methoden, Techniken und Kommunikationsmittel, die für alle potentiellen Teilnehmer verständlich und handhabbar sind. 11. Das Verfahren muss in einem konkreten Raum im Planungsgebiet dauerhaft präsent sein und neue Formate der Kommunikation bereithalten, damit es für die Stadtbewohner sichtbar ist und eine Auseinandersetzung über den Ort und das Verfahren selbst stattfinden kann.

41


42


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EINFÜHRUNG

„Das ist die Aufgabe alles Raumgestaltens: Räume zu öffnen, innerhalb welcher etwas hingestellt wird, was vorher nicht vorgestellt werden konnte.“ Villem Flusser (1991, 282)

gen Mauerstreifen, vorgeführt.

schrittweise an die gestalterischen Aufgaben

den Berliner Bezirken Mitte und Kreuzberg.

Inhaltlich gliedert sich das Handbuch für

des Verfahrens herangeführt und der kom-

Jenseits der touristisch erschlossenen Mau-

das Parlament der Visionen in zwei große Ab-

plexe Prozess wird für alle nachvollziehbar

erabschnitte und begünstigt durch den aus-

schnitte. Der erste Teil ist eine Einführung

gemacht. Damit werden Eingreifmöglichkei-

bleibenden Boom der letzten Jahre konnte

über das konkrete Gebiet und eine zusam-

ten und Handlungsschritte für die Bürger ei-

sich auf der Fläche eine artenreiche Ruderal-

menfassende Vorstellung des Verfahrens. Im

ner Stadt skizziert, die sich ansonsten nur als

vegetation ausbreiten.

zweiten Teil folgt die explizite Anleitung für

Objekte von Planung erleben.

Der Stallschreiberblock ist ein ideales Bei-

das Parlament der Visionen. Sie besteht aus drei Kapiteln:

spielgebiet für das Parlament der Visionen: Das Handbuch richtet sich an alle, die an

1. Erforschen - Eine partizipative Bestands-

Planungsprozessen interessiert sind, insbe-

Eine Brache bietet eine ideale Projektionsflä-

aufnahme, 2. Entwerfen – Gemeinsam Visio-

sondere aber an diejenigen, die selbst parti-

che für neue Stadtentwürfe und Visionen. Das

nen schaffen und 3. Entscheidung – Die loka-

zipative Verfahren durchführen. Die einzel-

Gebiet ist so klein, dass es dem alltäglichen

le Zukunftsvision formulieren.

nen Formate und Methoden richten sich aber

Erfahrungsraum der Beteiligten entsprechen

Jedes der Kapitel beinhaltet eine Beschrei-

ebenso an Fachleute, die im Bildungskontext

kann. Und dennoch ist das Gebiet groß ge-

bung des jeweiligen Verfahrensablaufes und

zu Themen wie Stadt, Stadtwahrnehmung

nug, dass viele verschiedene Visionen darauf

der zu schaffenden Rahmenbedingungen so-

und Stadtgestaltung arbeiten. Nicht zuletzt

projiziert werden können, ohne zu sehr in

wie die Erläuterung der darin eingebetteten

richtet sich das Handbuch auch an Stadtver-

Konkurrenz zueinander zu treten.

10 didaktischen Formate.

waltungen, denen darin eine alternative Her-

Das Planungsgebiet ist als Ort sowohl un-

angehensweise an bekannte Fragestellungen

scheinbar als auch sehr besonders. Der Stall-

und Aufgaben angeboten wird.

schreiberblock hat eine lebendige Geschichte,

Das Parlament der Visionen ist ein partizipa-

Die didaktischen Formate sind die Arbeits-

tiver Gestaltungs- und Verhandlungsprozess,

materialien und Werkzeuge, die Schritt für

die von den gesellschaftspolitischen Brüchen

mit dem Ziel Wünsche und Idee in realisier-

Schritt eingesetzt werden und das Verfahren

des letzten Jahrhunderts geprägt ist, als auch

bare Konzepte zu überführen, die als lokale

mit konkreten Inhalten füllen, von der Er-

PLANUNGSGEBIET

in seinem gegenwärtigen Zustand eine hohe

Zukunftsvision zu einem verbindlichen Plan

kundung des Ortes bis hin zur fertigen, ge-

„STALLSCHREIBERBLOCK”

Attraktivität. Diese aufzuspüren und in einen

werden.

meinsam erarbeiteten lokalen Zukunftsvision.

Entwurf für die Zukunft einfließen zu lassen,

Sie sind als Lerneinheiten gestaltet und be-

In dem vorliegenden Handbuch wir das Kon-

ist eine wichtige Aufgabe.

Das Handbuch für das Parlament der Visionen

nennen als solche Lernziele, geben Hinweise

zept des Parlaments der Visionen am Beispiel

erklärt diesen Prozess mit seinen einzelnen

zur Umsetzung und konkrete Aufgabenstel-

des Stallschreiberblocks vorgestellt. Fast alle

Auf den folgenden Seiten werden der Stall-

Schritten, Formaten und Methoden in Form

lungen für die Teilnehmer des Parlaments der

Visualisierungen sind auf der Plangrundlage

schreiberblock und die verschiedenen Pläne

einer Bedienungsanleitung. Um das Verfah-

Visionen. Zu jedem didaktischen Format gibt

des Stallschreiberblocks entstanden.

und Leitbilder, die auf ihn einwirken, kurz

ren anschaulich zu machen, wird der Ablauf

es eine Arbeitsvorlage, die beispielhaft durch

vorgestellt. Danach wird das Parlament der Vi-

am Beispiel des Stallschreiberblocks in Ber-

den Bezug auf den Stallschreiberblock illus-

Der Stallschreiberblock ist eine große Brache

sionen beschrieben und wie es sich in diesem

lin-Mitte, einer Freifläche auf dem ehemali-

triert wird. Die Teilnehmer werden damit

auf dem ehemaligen Mauerstreifen zwischen

Planungssystem positioniert.

1

1 Das Gebiet ist nach der westlich davon gelegenen „Stallschreiberstraße“ benannt. Die Straße heißt so, weil das erste in ihr entstandene Gebäude einem kurfürstlichen Stallschreiber gehörte. (vgl. Kauperts 2010).

44

45


hsKreuzberg-Friedric en rk zi Be er in rl Be hrnehchen den der öffentlichen Wa An der Grenze zwis el nk Wi n te to im n r heinba bauung. Stattdesse Be r de hain und Mitte, sc je n vo ei fr Junge oße Fläche itige Vegetation. se mung, liegt eine gr el vi in me ge un hier eine e Obstund sogar veredelt wächst und sprießt e uk Ra r, te äu kr en r, Wies ch viel Müll Bäume und Sträuche . Aber es liegt au ft ha sc nd La ne te ei en ch Ziegelsteine, al si bäume bilden zusamm en nd fi be as Gr herum. Im ern. zwischen den Bäumen ste von Betonpfeil Re n, ke ec nb ei St n Gullideckel, ei Ist dieser Ort ein Park? Aber es gibt keine Parkbänke und es ist offensichtlich, daß hier noch nie gemäht wurde. Ist dieser Ort etwa einfach eine Brache? Aber es ist doch so grün! Es gibt keine Absperrgitter und Trampelpfade zeugen von dem regen Verkehr, der auf ihm stattfindet. Überall findet man Spuren der Nutzung durch Anwohner, Hundehalter, Spaziergänger: kleine Kunstwerke, Hundehaar, frisch gepflanzte Bäume aber auch Haufen von abgeladenen Müll.

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Einen Ort wie diesen gibt es selten in der Stadt: ein so Fr eiraum, ohne klare Zuschreibung, auf de m scheinbar alles möglich und für den scheinbar niemand verantwortlich ist.

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Eigene Darstellung Kartengrundlage: ALK5 Stand: 2000

46 Ora

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47


Der Stallschreiberblock ist ein Teil des ehemaligen Mauerstreifens. Seit der Wende liegt er brach. Die Zäune, die die Leute vom Betreten der Brache abhalten sollten, wurden von ihnen demontiert, um sich die Fläche anzueignen. Alle Nutzungen auf der Brache sind informell. Es gibt sie nur so lange, wie der Bezirk sie duldet und die Brachfläche nicht an private Eigentümer verkauft wird.

i

Brachen in der Stadt werden oft als Zeichen des Untergangs, Unordnung, Chaos und Wildwuchs gesehen. Gerät etwas außer Kontrolle, wuchert und ist nicht gestaltet, fühlen sich viele Menschen auf einer (unbewussten) Ebene bedroht.

4

2 So trist sieht es aber eigentlich nur im Winter aus.

5 Der Verein KUNSTrePUBLIK nutzt die Fläche regelmäßig für Ausstellungen von Installationen, die sich allesamt mit dem Ort beschäftigen.

Auch an der Kleidung merkt man den Nutzern der Brache an, daß sie sich hier draußen, “in der Natur” fühlen...

3

Um mehr über diesen Ort zu erfahren, verbrachten wir viel Zeit auf der Brache. Dabei entstand jedesmal eine dieser Zeichnungen.

48

Der Stallschreiberblock gehört gegenwärtig noch zu einem ganzen Netzwerk an Freiflächen, das wie ein Band durch die Stadt läuft und die Geschichte von Krieg, Zerstörung, Teilung und Berliner Städtebau zeigt und erlebbar macht.

49

Am Rande der Brache befinden sich alte Gehwegplatten, Pflaster- und Bordsteine. Sie sind die Überreste der Straßenführung aus der Vorkriegszeit.

i Am meisten wird die Brache offenbar von Hundebesitzern genutzt. Sie nennen den Ort den „Acker” und freuen sich darüber, ihre Hunde frei laufen lassen zu können.


STÄDTEBAULICHE ENTWICKLUNG 1961-1989

1989 ff

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges teilten sich die Siegermächte Berlin in Sektoren auf. Sie orientierten sich dabei an bestehenden Bezirksgrenzen. Der Stallschreiberblock wurde im Laufe des Kalten Krieges gänzlich als komplexe Grenzanlage mit Vorder- und Hinterlandmauer ausgebaut. Dazwischen befand sich der Todesstreifen, die Brachfläche wurde darauf mit Pestiziden von Bewuchs freigehalten und vermint.

1945

Während des II.Weltkrieges befanden sich in Kreuzberg viele Rüstungsbetriebe. Dies war ein wesentlicher Grund dafür, daß die Luisenstadt 1945 zum Ziel massiver Luftangriffe wurde. Die Bebauung des Stallschreiberblocks wurde dabei,komplett zerstört.

Nach dem Abbau der Grenzbefestigungsanlagen öffnete sich den Stadtbewohnern ein Raum, der durch seine plötzliche Programmlosigkeit erstaunte. Der Raum, der den Bewohnern so lange entzogen war, wurde von ihnen neu programmiert, denn sie nutzten ihn zum Spazierengehen, Fahrradfahren, Picknicken - oder zum Müll abladen. Der Stallschreiberblock gehört seit 1996, nach dem Beschluß des Mauergrundstückgesetzes, dem Bund. Für seine Entwicklung ist der Bezirk Mitte zuständig.

Eigene Darstellung Kartengrundlage: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

In Folge der Industrialisierung strömten im 19. Jahrhundert Menschen in Massen vom Land in die Städte, um Arbeit zu suchen. Ein regelrechter Bauboom setzte ein, die sogenannte Gründerzeit. Dies war die Zeit einer ungehinderten Bau- und Bodenspekulation, die zu einer unglaublich engen Bauweise von Wohnblöcken führte. Die Luisenstadt, in der der Stallschreiberblock lag, wuchs zu dieser Zeit zu dem am dichtest besiedelten Stadtteil Berlins heran, an dem es auch den höchsten Anteil an Produktionsstätten gab.

Die Otto-Suhr-Siedlung (blau) und die Heinrich-Heine-Siedlung (rot), die eine westlich, die andere östlich des Stallschreiberblocks, sind moderne städtische Wohnsiedlungen mit einer für die 50er Jahre typischen “aufgelockerten” Bebauung. Die Otto-Suhr-Siedlung wurde 1956-63 im Westsektor Berlins gebaut. Ihre Bewohner blickten von ihren Wohnungen direkt auf den Grenzstreifen und in den Ostteil der Stadt. Ihre Häuser stellten wiederum für die DDRBevölkerung in der Heinrich-HeineSiedlung die Skyline einer Stadt dar, die viele nie besuchen konnten.

1860-1945

50

1956 ff

Auf dem ehemaligen Mauerstreifen im direkten Umfeld des Stallschreiberblocks wird zur Zeit sehr viel gebaut. Im Sinne des „Planwerk Innestadt“ soll hier mit einer sehr verdichteten Bebauung der Stadtgrundriß aus der Vorkriegszeit rekonstruiert werden. Neubebauungen sollen sich an alten Platz- und Straßenkonturen orientieren und gründerzeitlichen Bebauungstypologien entsprechen. Einen solchen Städtebau schlägt die Senatsverwaltung auch für den Stallschreiberblock vor.

1999 ff

51

Quellen: Hegemann, Das Steinerne Berlin, 1930 Kähler, Geschichte des Wohnens, Bd.3, 1997 Oswalt, Stadt ohne Form, 2000 Heinrich, Kulturatlas Berlin, 2007


PLANUNGEN FÜR DEN STALLSCHREIBERBLOCK

EIN PLANUNGSGEBIET IST KEIN

planung beruht auf vielen Plänen, die das re-

UNBESCHRIEBENES BLATT

geln – auf verschiedenen Ebenen, Maßstäben und in allen Detailierungsgraden.

Der jetzige Zustand des Stallschreiberblocks

Insgesamt gibt es sieben verschiedene Pläne,

– eine große innerstädtische Brache – er-

die den Stallschreiberblock direkt oder indi-

scheint „planlos“ und „ungeplant“, weil nie-

rekt „beschreiben“ und die zukünftige Ent-

mand sich dafür verantwortlich zu fühlen

wicklung zu bestimmen versuchen. Denn auf

scheint. Obwohl das Gebiet von den Anwoh-

allen Verwaltungsebenen, vom Bund über die

nern informell angeeignet wurde, wirkt es wie

Länder und Städte bis hin zu den Bezirken

ein vergessenes Niemandsland und zunächst

werden Anforderungen an die zukünftigen

wie ein geschichtsloser Ort. Ein Blick auf die

städtebaulichen und gesellschaftlichen Ent-

Geschichte und städtebauliche Entwicklung

wicklungen der Städte gestellt. Diese werden

des Gebietes zeigte jedoch, dass diese Bra-

in Form von Plänen und Leitbildern postu-

che historisch kein unbeschriebenes Blatt ist.

liert, die sich mehr oder weniger konkret auf

Aber auch der Eindruck, es handele sich hier

die Entwicklung und Gestaltung eines Ortes

um ein vergessenes Stück Land, das nur den

auswirken. Es gibt Pläne, die für das ganze

Anwohnern gehört, ist trügerisch. Tatsäch-

Land bestimmend sind und ebenso welche,

lich gibt es eine Reihe von Plänen, die eine

die für einzelne Grundstücke und Bauwerke

Bebauung der Brache vorsehen. Insofern ist

gelten. Die verschiedenen Pläne bauen alle

sie auch in Bezug auf ihre Zukunft kein „un-

aufeinander auf und beeinflussen sich gegen-

beschriebenes Blatt“. Ein ungeregelter, in-

seitig. Alle Entwicklungen sollen so aufeinan-

formeller Ort, wie die Stallschreiberbrache

der abgestimmt werden. Planung wird in den

ist generell in Städten nicht vorgesehen und

meisten Fällen von oben nach unten gedacht

wird nur temporär geduldet. Deshalb werden

und im Idealfall werden Ziele und Leitbilder

auch schon seit geraumer Zeit von Seiten der

von Planebene zu Planebene konkreter. Nur

Berliner Stadtverwaltung Pläne und Konzep-

in Ausnahmefällen können über Änderungs-

te für die zukünftige Entwicklung der Fläche

verfahren die Pläne von unten nach oben ge-

vorgelegt.

2

ändert werden.

STADTPLANUNG FINDET AUF VIELEN

Das Schaubild (S.56/57) zeigt einen Über-

EBENEN STATT

blick über alle Pläne, die sich auf den Stallschreiberblock auswirken, wenn die Fläche

Wo darf gebaut werden? Was darf gebaut

weiter beplant oder bebaut werden sollte. Die

werden? Wie soll die Stadt aussehen? Stadt-

Pläne legen folgendes fest:

2 vgl. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin 1999, Bezirksamt Mitte von Berlin 2010

52

53


1. Die Raumordnung des Bundes und die Landesplanung

und politisch abgestimmte Handlungsstra-

formelles und verbindliches Regelwerk zu

blocks ist es die Bebauung der Blockränder.

9

Berlin-Brandenburg

tegien zu erarbeiten.“ Die Planungsziele für

sind so allgemein gefasst, dass sie den Stall-

diese Fläche sind die Ausweisung als Bauland

bisher vor, ohne das die Besonderheiten des

schreiberblock nur indirekt betreffen. In

und die Sicherung der vorhandenen Gemein-

Stalllschreiberblocks oder andere Formen

beiden Planungen wird genannt, dass die

bedarfsflächen.6

von

übersetzen.

So sehen es die Pläne der Bezirksverwaltung

LEITBILDER

der Nutzung eingehend betrachtet wurden.

Metropolenfunktion Berlins gestärkt werden

Es fehlt bisher eine Planebene, in der die

soll, um global konkurrenzfähig zu sein und

5. Das Planwerk Innenstadt schlägt eine sehr

Auf den höheren Planebenen werden vor-

„Top-Down“ entwickelten und abstrakten

internationale Unternehmen und Touristen

verdichtete Bebauung in der Innenstadt und

nehmlich Leitbilder formuliert. Themen-

Leitbilder übersetzt und anschaulich gemacht

anzuziehen.3

auch auf dem Mauerstreifen vor. Wesentli-

übergreifende Ziele werden in anschaulichen

werden und mit den konkreten örtlichen Ge-

ches Ziel ist es, den alten Stadtgrundriß aus

Bildern gebündelt, um effektiv zu sein. Bilder

gebenheiten und Bedürfnissen der lokalen

2. Der Flächennutzungsplan der Stadt Ber-

der Vorkriegszeit zu rekonstruieren. Neu-

werden dafür genutzt, weil sie schnell kon-

Bevölkerung abgeglichen werden. Um diese

lin ist der erste Plan, der eine direkte Aussage

bebauungen sind auch für den Stallschrei-

krete Vorstellungen wachrufen können. Leit-

Anforderung zu erfüllen, wird das Parlament

über den Stallschreiberblock macht, indem er

berblock vorgesehen. Sie orientieren sich an

bilder dienen zur Orientierung, Koordinie-

der Visionen als Verfahren zwischen dem Be-

die geplante Art der Nutzung bestimmt. Der

alten Platz- und Straßenkonturen und ent-

rung und Motivierung von planerischem und

bauungsplan und den höheren Planebenen

Stallschreiberblock wird darin als „Gemein-

sprechen gründerzeitlichen Bebauungstypo-

politischem Handeln. Sie sind handlungs-

eingeordnet.

bedarfsfläche mit hohem Grünanteil” ausge-

logien: geschlossene Raumkanten, begrenzte

leitend, indem sie sowohl ein Bild von den

wiesen.4

Traufhöhe (22m), etc. Dieses städtebauliche

angestrebten Zuständen, als auch vom Weg

Konzept wird unter dem Begriff „Kritische

dahin schaffen. Sie haben das Potenzial, als

3. Im Stadtentwicklungsplan, der für die ge-

Rekonstruktion“ zusammengefasst. Berlin

fachliches Verständigungsmittel für Planung

samte Stadt Leitlinien und Zielsetzungen für

soll dadurch eine urbane und attraktive In-

und Politik, und auch als Sprache im Dialog

unterschiedliche Themenfelder festlegt, wird

nenstadt erhalten.7

mit der Bevölkerung, eingesetzt zu werden.10

zum Thema Wohnen unter anderem genannt,

Aber häufig ist der Duktus ihrer Formulierun-

dass bei Neubauvorhaben die Bebauung von

6. Der städtebauliche Rahmenplan des Bezirks

gen sehr abstrakt. In ihrer Wirkung und Her-

Baulücken und Brachen in der Innenstadt

Mitte umfasst den ehemaligen, bezirksüber-

kunft sind Leitbilder oft nicht für den Einzel-

Vorrang haben, um Flächenverbrauch am

greifenden Stadteil „Luisenstadt“, der durch

nen durchschaubar und klingen phrasenhaft.

Stadtrand einzudämmen und Infrastruktur-

die Mauer getrennt war und nun stadträum-

Die Kernaussagen der Leitbilder, die in Bezug

reserven zu nutzen. In der Innenstadt wird

lich wieder verbunden werden soll. Darin wird

zu dem Stallschreiberblock gesetzt werden

dabei „eigentumsorientierter Wohnungsneu-

der Stallschreiberblock als Brache und Bruch

können, werden kurz zusammengefasst auf

bau“ angestrebt.5

im Stadtgefüge bezeichnet und die Bebauung

dem Schaubild (S. 58/59) vorgestellt.

mit vier- bis sechsgeschossigen Wohnhäusern 4. Im Bereichsentwicklungsplan des Bezirks

und Stadthäusern mit Läden, Gastronomie 8

Mitte ist der Stallschreiberblock als einer von

und Dienstleistungen vorgesehen.

elf Schwerpunktbereichen markiert. Der Be-

Die meisten innerstädtischen Planungsgebiete sind auf der unteren Planungsebenen bereits mit vielen abstrakten Vorgaben belegt,

zirk hat sich die Aufgabe gestellt, „mittelfri-

7. Der Bebauungsplan für den Stallschrei-

da die Leitbilder von oben nach unten, den

stig neben der analytischen Betrachtung die-

berblock befindet sich zur Zeit noch im Auf-

Planungsebenen folgend, konkretisiert wer-

ser Gebiete auch zeitlich, sozioökonomisch

stellungsverfahren. Er dient dazu, die Vorga-

den. Dies hat zur Konsequenz, dass scheinbar

ben des städtebaulichen Rahmenplans in ein

nur noch wenige Entwicklung für das Gebiet

3 vgl. Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung 2005 4 vgl. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin 2009 5 vgl. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin 1999

6 vgl. Bezirksamt Mitte von Berlin 2004 7 vgl. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin 1999 8 vgl. Herwarth + Holz

54

möglich sind. In dem Fall des Stallschreiber9 vgl. Bezirksamt Mitte von Berlin 2010 10 Sieverts 1998, 29ff

55


n i e t k tt! s i la et i B b e nes g Raumordnung s e g n rieb Bundesgebiet, 2006 u n Bundesministerium für Verkehr, Bau la sch P und Stadtentwicklung e n i b E un Landesentwicklungsplan Metropolregion Berlin-Brandenburg, 2006 Gemeinsame Landesplanungsabteilung

56

Flächennutzungsplan (FNP) Berlin, letzte Aktualisierung 2009 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Sektorale Entwickllungsplanung (StEP) Berlin, 1999 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Bereichsentwicklungsplan (BEP) Bezirk Mitte, 2004 Bezirke in Abstimmung mit der Senatsverwaltung

Planwerk Innenstadt Innenstadt Berlin, 1999 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Städtebaulicher Rahmenplan Luisenstadt Bezirksämter Mitte/Friedrichshain-Kreuzberg 2

1

3

4

57

7 5 6

I-14 in Aufstellung

Lokale Zukunftsvision Stallschreiberblock Parlament der Visionen (Bezirksämter Mitte/FriedrichshainKreuzberg in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung)

Bebauungsplan Stallschreiberblock, in Aufstellung Bezirksamt Mitte


Kulturlandschaften gestalten: Zentrenentwicklung in Kernstädten! >Innenentwicklung >Verdichtung

KEINE BETEILIGUNG DER ÖFFENTLICHKEIT Die Hauptstadtregion stärken. Berlin als Standort im internationalen Städtewettbewerb positionieren. Wachstum befördern. >Wirtschaftsstandort >Metropole

KEINE BETEILIGUNG DER ÖFFENTLICHKEIT 58 „{...} Stärkung der Innenentwicklung, urbane Mischung, Qualifizierung des Bestandes. {...}“

Lebensqualität der Stadt erhöhen, um Berlin als Wohnort attraktiv zu machen. Stadt der kurzen Wege. Mehr Wohnraum in der Stadt schaffen. Mehr privates Wohneigentum anbieten. Aufwertung der öffentlichen Räume. Urbane Funktionsmischung aus Gewerbe, Einzelhandel, Wohnen, städtischen Parkanlagen. Stadtbrachen aktivieren. >Innerstädtisches Wohnen >Urbanität >Funktionsmischung

FRÜHZEITIGE ÖFFENTLICHKEITSBETEILIGUNG UND ÖFFENTLICHE AUSLEGUNG IST GESETZLICH VORGESCHRIEBEN „{...} Städtebauliche und stadtstrukturelle ´Wiedervereinigung´ des nördlichen Bereiches im Bezirk Mitte mit dem südlichen Teil im Bezirk Kreuzberg. Hierzu ist es nötig {...} verschüttete stadträumliche Bezüge unter Berücksichtigung des historischen Stadtgrundrisses wiederherzustellen und wichtige öffentliche Parkanlagen und Plätze neu zu gestalten. Durch Verdichtung und Nutzungsmischung soll die Luisenstadt {...} wieder als innerstädtischen Bereich erfahrbar werden.“

Reurbanisierung. Historische Stadtstruktur soll wiederhergestellt werden. Die Innenstädte von Ost- und West-Berlin miteinander verbinden. >Kritische Rekonstruktion >Urbanität >Europäische Stadt

BÜRGER WERDEN INFORMIERT UND KÖNNEN MITDISKUTIEREN, wie und in welcher Form bestimmt die Verwaltung „Entwicklung einer sechs- geschossigen Wohnbebauung mit Läden, Gastronomie und Dienstleistungen in der Alten Jakobstraße. Freihalten der Blickbeziehungen auf die ehemalige Luisen- städtische Kirche. Entwicklung einer vier- bis fünfgeschossigen Stadthausbebauung (Baugruppen). Aufwertung des ehemaligen Kolonnenweges.” Alle Zitate sind den Erklärungsberichten der jeweiligen Planwerke entnommen.

„Das historische Gedächtnis des Stadtteils erhalten und nutzen. Wiedergewinnung historischer Achsen. Wiederherstellung von Blockrandfassungen. Mischung von Wohnen, Gewerbe und Kultur. Brüche überwinden - Gegensätze zusammenführen.{...}“

BÜRGER WERDEN INFORMIERT UND KÖNNEN MITDISKUTIEREN, wie und in welcher Form bestimmt die Verwaltung

59

...

BÜRGER SITZEN GLEICHBERECHTIGT AN EINEM TISCH MIT DER VERWALTUNG.

>Kritische Rekonstruktion >straßenbündige Blockrandbebauung


60

61


Um etwas zu lernen, um Wissen zu sammeln

von Wünschen und Phantasien in realisier-

und um sich auszutauschen, benötigt man

bare Konzepte, die als lokale Zukunftsvision zu

immer einen Ort, an dem man sich dafür tref-

einem verbindlichen Plan werden. Die lokale

fen kann. Als Voraussetzung für das weitere

Zukunftsvision ist in planerischen Kategorien

Verfahren wird darum zuallererst ein Raum

zu vergleichen mit einem Leitbild. Sie unter-

geschaffen: Das Forum. Als feste Anlaufstel-

scheidet sich von gängigen Leitbildern dahin-

le vor Ort wird es ein Arbeitsraum, ein Kom-

gehend, dass Entwürfe und Entwicklungs-

munikations- und Ausstellungsort sein. Es ist

absichten aus den konkreten Gegebenheiten

ein offener und neutraler Raum, der nicht ei-

des Planungsgebietes entwickelt werden und

ner offiziellen Stelle zugeordnet ist. Es ist der

nicht abstrakte Kategorien auf einen Ort pro-

Ausgangspunkt für Aktivitäten, die auf die

jiziert werden.

Umgebung ausstrahlen und darüber so viele

FORUM

PARLAMENT DER VISIONEN

Das Ziel des Verfahrens ist die Überführung

Menschen wie möglich involvieren. Die lokale

Zukunftsvision formuliert eine

In der partizipativen Bestandsaufnahme wird

räumliche und bildhafte Vorstellung von der

hier zunächst alles verfügbare Wissen zu-

Das Parlament der Visionen ist ein partizipa-

„Zukunft eines Ortes“. Sie schafft ein Bild

sammengetragen und sichtbar gemacht. Die

tiver Gestaltungs- und Verhandlungsprozeß,

davon, wie der Ort aussehen könnte, welche

Menschen sind aufgerufen, Fundstücke vom

der einen gleichberechtigten Austausch zwi-

Anforderungen sich daraus an zukünftige Ge-

Planungsgebiet in einem Modell zu sammeln

schen Experten für Planung und von Planung

staltungsprozesse ergeben und welche Ziele

und an den Wänden Kommentare und Ideen

Betroffenen über die Gestaltung der Stadt

auf dem Weg dahin verfolgt werden. Neben

zu hinterlassen. Sie können vom Forum aus

und eine demokratische Aushandlung ein-

die eingängige, bildhafte Darstellung treten

auf Zeitreise in die Vergangenheit des Ortes

fordert. Dies bedeutet, dass nicht allein die

damit sehr konkrete Aussagen. Ähnlich ei-

gehen. Und ganz beiläufig können sie sich

Stadtverwaltung ihre Ziele und Absichten

nem Leitbild behält die lokale Zukunftsvision

hier über das Planungsgebiet und über das

für einen Ort formuliert und umsetzt, son-

dabei eine gewisse Unschärfe, um für zukünf-

Parlament der Visionen austauschen.

dern dass ihre Planungsabsichten vor der

tige Entwicklungen nicht eng begrenzend,

Im zweiten Schritt wird das Forum zu einem

Umsetzung öffentlich verhandelt werden. Als

sondern weitere Horizonte ermöglichend zu

Arbeits- und Ausstellungsraum, wenn es dar-

Grundlage dafür wird mit dem Parlament der

wirken

um geht, Ideen und gemeinsame Visionen zu

Visionen den Bürgern die Möglichkeit einge-

Das Schaubild (S. 63/64) gibt einen Über-

entwickeln, die mögliche Zukunftsperspekti-

räumt, eigene Visionen für die Zukunft ihrer

blick über die einzelnen Schritte und Formate

ven sichtbar machen.

Stadt zu entwickeln und sie in partnerschaft-

des gesamten Verfahrens. Besonders betont

Und schließlich wird hier das Parlament tagen

liche Verhandlungen auf Augenhöhe mit ein-

sind darin die verschiedenen Möglichkeiten

und sich für bestimmte Ideen entscheiden,

zubringen.

sich zu beteiligen.

die zur lokalen Zukunftsvision werden.

62

63


DIE LOKALE ZUKUNFTSVISION

FÜR DEN STALLSCHREIBERBLOCK 2

Das

Parlament

1

beschließt die lokale Zukunftsvision und setzt sie damit in Kraft.

3

4 7

3. ENTSCHEIDEN

Ausstellung öffentliche Workshops

Helfen Sie mit eine gemeinsame Vision zu finden!

In Fokusgruppen werden die Vorschläge und Visionen für die lokale Zukunftsvision weiter ausgearbeitet.

Seien Sie Teil des Parlamentes

Das

Parlament

bewertet die Vorschläge und Visionen und wählt aus. Ein gemeinsamer Nenner wird gesucht.

Was sollte weiterverfolgt werden? Wo muss nachgebessert werden?

2. ENTWERFEN

6

Die ausgearbeitete lokale Zukunftsvision wird 2 Wochen lang ausgestellt, bevor sie abschließend diskutiert wird.

Kommentieren Sie die Visionen!

Helfen Sie mit die Vision zu konkretisieren.

In Fokusgruppe zu einzelnen Themen können Sie sich dafür einsetzen, dass Ihre Ideen auch richtig umgesetzt werden.

Ausstellung der Visionen Die ersten Arbeitsergebnisse werden 2 Wochen lang ausgestellt und können kommentiert werden.

Entwerfen Sie Ihre eigene Zukunftsvision für den Stallschreiberblock!

öffentliche Workshops In kleinen Gruppen sitzen Anwohnerinnen, Verwaltung und andere Akteure an einem Tisch und erarbeiten gemeinsam in mehreren Workshops ihre Zukunftsvisionen für den Stallschreiberblock.

Sie sagen, was zu tun ist!

In mehreren Schritten können Sie hier aus Wünschen ein vielschichtiges Konzept für die zukünftige Entwicklung erarbeiten.

In öffentlichen Workshops können Sie entscheiden, welche Probleme bearbeitet werden sollen.

Das

1. ERFORSCHEN

5

Werden Sie Mitglied des Parlaments! Hier können Sie mit entscheiden!

Parlament konstituiert sich. Alle Interessierten sind aufgerufen, teilzunehmen. Die zu bearbeitenden Themen werden ausgewählt.

Ihr Wissen ist gefragt!

Nehmen Sie Teil an der Erforschung des Stallschreiberblocks. Erzählen Sie Ihre Geschichte! Sagen Sie Ihre Meinung und sprechen Sie Ihre Wünsche für die Zukunft offen aus!

offene Ausstellung

Im Parlament sind auch Vertreter der Stadt, Experten und andere öffentliche Akteure vertreten.

Die Ausstellung ist als Forschungsstation für die Erkundung des Stallschreiberblockes 4 Wochen lang geöffnet. Jeder ist eingeladen etwas beizutragen und verschiedene Angebote stehen bereit für die Entdeckung des Stallschreiberblockes. So viel Wissen über die Gegend wie nur möglich, soll zusammengetragen werden. Auch an anderen öffentlichen Orten werden Informationen und Arbeitsmaterialien zur Teilnahme an der Ausstellung einladen.

Sehen Sie Ihre Stadt mit anderen Augen! Nehmen Sie Teil an den Zeitreisen und entdecken Sie den Stallschreiberblock von einer neuen Seite. Lernen Sie das Parlament der Visionen näher kennen.

64

65


PARTIZIPATIVE BESTANDSAUFNAHME 66

67


TEIL 1

ERFORSCHEN Eine partizipative Bestandsaufnahme, denn Beteiligung beginnt vor dem Planen Mit der Bestandsaufnahme wird die Grundla-

ABLAUF

reisen, die dort als geführte Touren oder als

sich von Anfang an bemühen, die Menschen

ge für das Parlament der Visionen gelegt. Um

Die partizipative Bestandsaufnahme ist ein

individuelle Erkundung starten. Das räumli-

unmittelbar in ihrem Alltag zu erreichen.

das Planungsgebiet in seiner ganzen Komple-

ortsgebundener Prozess, in dem die verschie-

che Archiv und die Pinnwände für Kommen-

Voraussetzung dafür ist eine genaue Be-

xität zu erfassen und darzustellen, muss die

denen didaktischen Formate simultan zum

tare zu Gegenwart und Zukunft des Ortes

standsaufnahme der jeweiligen Interessens-

Untersuchung in die verschiedenen Raume-

Einsatz kommen. Es gibt keinen chronologi-

sind zentrale Werkzeuge zum Sammeln von

gruppen und Akteure und sich ein Bild davon

benen und Bedeutungszusammenhänge ein-

schen Ablauf der einzelnen Schritte und Auf-

Informationen.

zu machen, welche Rolle sie für die Zukunft

dringen. Die Verfahrensleiter bereiten das

gaben. Vielmehr gliedert sich die Bestands-

Die didaktischen Formate sind Aufruf und

des Ortes spielen können.

Fundament der Bestandsaufnahme vor. Sie

aufnahme in einzelne Tätigkeiten, die durch

Anreiz für die lokale Bevölkerung, das Frag-

tragen zu Beginn die wichtigsten Fakten über

die Aufgaben der didaktischen Formate ange-

ment zu vervollständigen, die Ausstellung

Generelles Ziel der partizipativen Bestands-

das Planungsgebiet zusammen, kartieren es

leitet werden. Den Auftakt bildet eine offe-

wachsen zu lassen. So wird die Ausstellung

aufnahme ist, die Kontaktaufnahme mit der

und untersuchen die Entstehungsgeschichte

nen Ausstellung im Forum.

Stück für Stück zu ihrer eigenen gemeinsa-

von Planung betroffenen Bevölkerung zu ei-

men Arbeit.

nem zentralen Element im ganzen Verfahren

des Ortes. Literatur, Stadtpläne und vor Ort gefundene Artefakte sind relevante Wissens-

zu machen und dafür angemessen Zeit und

quellen. Entscheidend für die Bestandsauf-

OFFENE AUSSTELLUNG

Zusätzlich werden die Ebenen der räumlichen

Raum zur Verfügung zu stellen. Darum wird

nahme sind aber die Anwohner, Nutzer und

Eine Bestandsaufnahme soll mehr umfassen,

Planung und das Verfahren des Parlaments

mit der Ausstellung und den didaktischen

andere mit dem Ort verbundenen Akteure.

als eine statistische Analyse und Mängel-Po-

der Visionen vorgestellt.

Formaten, die auch an anderen öffentlichen

Sie haben eine sehr individuelle Perspekti-

tentiale-Karten. Die partizipative Bestands-

Orten in der Umgebung ausliegen und im

ve auf das Umfeld, in dem sie leben und sie

aufnahme ist als lokales Kulturprojekt kon-

Internet verfügbar sind, ein erster und infor-

geben Orten in ihrem Alltag eine ganz eigene

zipiert, bei dem über einen festen Zeitraum

MENSCHEN ANSPRECHEN

meller Rahmen für die Kontaktaufnahme ge-

Bedeutung. Über die partizipative Bestands-

verschiedene Arbeiten entstehen, die sich

Ein geflügeltes Wort lautet: „Je mehr Betei-

schaffen. Die Anwohner sollen sich beiläufig,

aufnahme werden diese unterschiedlichen

dem Ort aus unterschiedlichen Richtungen

ligungsmöglichkeiten es gibt, desto weniger

z.B. in der Mittagspause oder beim Einkau-

Perspektiven und Bedeutungszuschreibun-

annähern. Eine Ausstellung, in der ein Mo-

werden sie genutzt“. Dahinter steht die Frage,

fen informieren, fragen und miteinander ins

gen sichtbar gemacht.

dell des Ortes, eine erste Spurensuche und

wie sich möglichst viele Teilnehmer mobili-

Gespräch kommen können. So ist auch eine

Die Bestandsaufnahme wird für alle Beteilig-

sogenannte Zeitreisen gezeigt werden, bildet

sieren lassen.

„nichtaktive“ Teilnahme möglichen: schau-

ten zu einem ergebnisoffenen Forschungs-

dafür den Auftakt. Über einen Zeitraum von

Wie macht man das? Wie spricht man Men-

en, ohne gleich etwas einbringen zu müssen.

und Lernprozess. Neben der Aneignung des

vier Wochen wird diese Ausstellung im Fo-

schen an? Dafür gibt es keine Patentrezepte,

Um das Planungsverfahren in der lokalen Be-

Wissens über die Stadt im Allgemeinen sowie

rum, das während dieser Zeit wie ein offenes

an jedem Ort herrschen andere Vorausset-

völkerung bekanntzumachen, könnten auch

über den konkreten Ort, gehen die auf ihr

Atelier funktioniert, zu sehen sein. Sie ist nur

zungen. Wichtig ist es in jedem Fall, den Be-

Kooperationen zum Beispiel mit Schulen,

Lebensumfeld bezogenen Ansichten, Vorstel-

ein Fragment, das verschiedene Formate der

troffenen einen Anknüpfungspunkt zu bieten,

sozialen Einrichtungen oder Vereinen einge-

lungen und Bedürfnisse der Menschen, die

Dokumentation und Kommentierung von

der ersichtlich macht, was das Planungsvor-

gangen werden.

hier leben, in die Bestandsaufnahme ein.

Wissen vorgibt. Das sind zum einen die Zeit-

haben mit ihnen zu tun hat. Planer müssen

68

69


K N U P

E R S

I E T R A

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uß uß esa nd e nf u s nf g au t e au as un d i en uz d it e uz d zä t Ba Ba ß m de än G si a er e d u fin bst ie en men A .D d u sie en f, st hs hs rau ein an en es ur g ac ac a e . M ig d w un en g w d r n w ß d är a e än h Be be st n wa mä el lic eig . W ftr d i u r r ei elä t l G ut n t De rw G err ge es m r A ern A ren ve ve te sp re d ver de tf lem wä lls m ge in d , t en iel n, fa n ab ur Ra len Ak er - z de ben Sp eh m o d fi or e am r f ine zt of w ich te e ür m mt tl in est ine äu mu g e er er n. in egg e v de w ß un Fü hw sc

20

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71 70

H C LI M U V I Ä R CH R A

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RÄUMLICHES ARCHIV & SPURENKARTEI

DIDAKTISCHES FORMAT 1

LERNZIEL

UMSETZUNG

Lernen über die Stadt, Forschen lernen

Mit dem Modell und den Karteikarten wird

5. Die lokale Öffentlichkeit wird informiert

Partizipation setzt voraus, dass die Beteilig-

die Grundstruktur für die Sammlung von

und eingeladen. Sie wird dazu aufgerufen,

ten eine Vorstellung von der Zukunft ihrer

Informationen über das Planungsgebiet ge-

das Archiv zu vervollständigen, sowohl mit

Stadt oder zumindest eine eigene Meinung

schaffen.

weiteren Fundstücken oder Artefakten, als auch mit persönlichen Geschichten.

zum gegenwärtigen Zustand haben, die sie einbringen können. Das Parlament der Visio-

1. Bevor die Bestandsaufnahme partizipativ

nen räumt vor der Meinungsäußerung den

wird, ist eine Vorrecherche zu leisten.

6. Private Erinnerungen, Erlebnisse und An-

Beteiligten die Möglichkeit ein, sich mit dem

ekdoten werden im Forum entgegengenom-

Planungsgebiet kritisch auseinanderzuset-

2. Ein Modell des Ortes in geeigneter Größe

men und mit Einverständnis der Personen im

zen, um sich ein differenziertes Urteil zu bil-

muss gebaut werden. Im Modell wird ein Ra-

Modell abgelegt.

den. Durch das didaktische Format des räum-

ster, in der Größe der Spurenkarten, auf das

lichen Archives und der Spurenkartei soll dies

Planungsgebiet eingelegt.

7. Außerdem können alle Besucher im Modell

angeregt werden.

eintragen, welche Orte sie besonders schät3. Die Spurenkartei muss mit ersten Fund-

zen, welche sie erhaltenswert finden und wel-

• Die Teilnehmer lernen, was die Spuren des

stücken gefüllt werden. Diese sollten fotogra-

che unbedingt verändert werden sollten.

Ortes über seine Geschichte und gegenwärti-

fiert, kartiert und mit kurzen Erklärungen,

ge Nutzung erzählen.

bzw. Interpretationen versehen werden.

So entsteht im Laufe der Zeit eine vielschichtige Kartografie des Planungsgebietes. Stück

• Hintergrundwissen über städtische Zusam-

Am Beispiel des Stallschreiberblocks stehen

für Stück ergibt sich ein Bild von den ver-

menhänge und Entwicklungen kann erwor-

die Spuren seiner bewegten Geschichte und

schiedenen Akteuren, Anwohnern und Inter-

ben werden.

aktuellen Nutzungen im Mittelpunkt. Sie bil-

essensgruppen.

den das Ausgangsmaterial für weitere Formate, wie die Zeitreisen.

Mögliche Aufgaben: „Fotografieren, zeichnen oder beschreiben Sie

4. Ist diese Vorarbeit geleistet, startet der öf-

Dinge, Orte, Situationen auf dem und um das

fentliche Teil der Bestandsaufnahme mit der

Planungsgebiet, die Sie interessant oder wich-

Eröffnung der Ausstellung im Forum.

tig finden. Kleben Sie diese zusammen mit einer Erklärung auf die Blankokarte und platzieren Sie die Karte an der entsprechenden Stelle im Modell.“

72

73


74

75


ZEITREISEN

DIDAKTISCHES FORMAT 2

LERNZIEL

UMSETZUNG

Stadt lesen lernen, Lernen über die Stadt, Per-

ZEITREISEN

BLANKOREISEFÜHRER

spektiven reflektieren

Anhand der Fundstücke und ihrer historischen

Um auch von Anwohnern und Nutzern zu er-

Die Artefakte und Spuren, die für das räum-

Einordnung werden Stadtbilder aus verschie-

fahren, welche Punkte innerhalb des Planungs-

liche Archiv gesammelt werden, können auf

denen Zeitabschnitten rekonstruiert, die den

gebietes für sie von besonderer Bedeutung sind

verschiedene Art und Weise gedeutet und in-

Ort in seiner heutigen Erscheinung mehr oder

und welche Geschichten es darüber zu erzäh-

terpretiert werden. Je nach Wissensstand und

weniger sichtbar prägen.

len gibt, werden sie mit Hilfe der Blankoreiseführer aufgefordert, ihre eigenen Reiseführer

Blickwinkel erzählen sie Geschichten über einen Ort und weit über diesen hinaus. In den

1. Die Reiseführer für die Zeitreisen müssen

anzufertigen. Da dieses Format einen größe-

Zeitreisen sollen einige dieser Geschichten

vorbereitet werden. Dazu werden zunächst

ren Zeitaufwand seitens der Teilnehmer und

lebendig gemacht werden.

die Spuren chronologisch geordnet und histo-

gestalterische Fähigkeiten erfordert, sollten

rischen, wie gegenwärtigen und zukünftigen

Workshoptermine angeboten werden. Dieses

Stadtbildern zugeordnet.

Format eignet sich gut, um Kooperationspart-

• Durch die Zeitreisen erwerben die Teilneh-

ner, wie zum Beispiel Schulen, mit einzubezie-

mer konkretes Wissen über die Geschichte 2. Danach werden die Spuren mit Beschreibun-

hen. Die so entstandenen Touren werden an-

gen versehen und zu einem Rundgang arran-

schließend ebenfalls im Forum den Besuchern

giert.

angeboten.

die vertraute Umgebung neu wahrzunehmen

3. Der Rundgang wird um die Orte in der Um-

Mögliche Aufgaben:

und in einem größeren Kontext zu betrachten.

gebung des Gebietes erweitert, an denen noch

a) „Sammeln Sie Fundstücke, Informationen oder

Reste der jeweiligen Stadtbilder sichtbar und

Situationen, die Sie besonders und interessant

erlebbar sind.

finden. Interpretieren Sie die Spuren und erfin-

des Planungsgebiets. • Die Zeitreisen sind ein Training von Wahrnehmung und Imagination. Sie fordern auf,

• Die Teilnehmer erfahren, was Stadtbilder

den Sie dazu eine eigene Geschichte über den

sind und wie sie sich historisch auf das Planungsgebiet ausgewirkt haben. Sie lernen

4. Jeder Zeitreise wird eine Beschreibung des

Ort.“

damit eine Kategorie kennen, in der Stadtpla-

jeweiligen Stadtbildes hinzugefügt, in der die

b) „Zeigen Sie anderen Menschen Ihre Nach-

ner und Architekten die Stadt betrachten. Sie

prägenden räumlichen, sozialen und politi-

barschaft. Welche Orte sind für Sie besonders

werden dadurch befähigt, das Erscheinungs-

schen Rahmenbedingungen erklärt werden.

wichtig? Was mögen Sie gerne? Was stört Sie? Halten Sie die Stationen des Spaziergangs mit

bild der Stadt mit politischen, sozialen und kulturellen Kräften in Beziehung zu setzen.

5. Die so konzipierten Zeitreisen werden als ge-

Fotos, Zeichnungen oder Beschreibungen fest.“

führte Touren oder als Anleitung zur individuAuf den folgenden Seiten sind ein Beispiel eines

ellen Stadterkundung angeboten.

Zeitreiseführers und der Blankoreiseführer abDie Zeitreisen sind einerseits ein Informations-

gebildet.

und Lehrangebot und andererseits ein Mittel, um mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt zu kommen. Sie sollen dazu anregen Erinnerungen, Geschichten, Anekdoten, Emotionen oder Meinungen zu äußern und das räumliche Archiv mit Inhalt zu füllen. 76

77


Die Steinerne Stadt

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5 Alte Stallschreiberstraße III

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tr Vorgeschichte as se waren im 19. Jahrhundert MenIn Folge der Industrialisierung schen in Massen vom Land in die Stadt geströmt, um Arbeit zu suchen. Da sie natürlich auch Wohnraum benötigten, musste sehr schnell sehr viel gebaut werden. Das förderte die ungehinderte Bau- und Bodenspekulation jener Jahre und führte zu einer sehr dichten Bebauung, was den Häusern den Namen “Mietskaserne“ einnbrachte. Berlin wuchs so bis 1900 zur größten Mietskasernenstadt der Welt heran und die Luisenstadt zum Stadtteil, mit einer der höchsten Bevölkerungsdichten.

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Die Tour startet an der Ecke Sebastianund Alexandrinenstraße.

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78

In der Gegend um den Stallschreiberblock ist nach der Kriegszerstörung und dem Bau der Berliner Mauer fast nichts mehr aus dieser Epoche übrig geblieben. Man muss weit gehen, um noch letzte Überreste davon zu finden.

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Alfred Wolfenstein, 1917

Diese Stadt aus Hinterhöfen, die vielen Menschen Arbeit und Wohnraum gab, ihnen aber auch einiges abverlangte, wird nach ihrer prägendsten Eigenschaft “Steinerne Stadt“ genannt. Ihre wichtigsten Elemente waren die geschlossenen Häuserfronten, die hohe Baudichte und die Mischung verschiedenster Nutzungen auf kleinem Raum.

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Folgt man dem Weg, so findet man auch hier unter Gras und Laub noch die Spuren einer alten Straße: Bordsteine, Gehwegplatten und Kanaldeckel.

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4 Alte Stallschreiberstraße II

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Gähnend endet die Straße. Und die zuckenden Lippen atmen ins Freie hinaus, Wo sich warm der Tiefe Grün und goldene Hoheit umfängt ...! Doch ich werde mich wenden ... dumpf gedrängt ... In der Gewalt der Häuser bin ich zu Haus.

An einem der alten Kanaldekkel führt ein Trampelpfad ein Stück weiter auf die Wiese. Dort kann man an einer Stelle ebenfalls Spuren der alten Pflasterung finden. Steine, die andeuten, dass sich hier einer der Innenhöfe des Blockes befand.

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Quellen: Werner Hegemann, Das steinerne Berlin, 1930. Gert Kähler, Die Geschichte des Wohnens, Bd.3, 1997.

An die große Wiese auf dem Stallschreiberblock schließt sich in Richtung Nordosten direkt ein Park an. Hier war das Berliner Häusermeer schon immer unterbrochen. Die Stele am Eingang des Parks verrät mehr. Hier stand einst eine Kirche. Umgeben von ihrem Kirchhof, lag die Luisenstädtische Kirche hinter den Vorderhäusern versteckt im Innern des Blockes.

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3 Innenhof Stallschreiberstraße al

Trocken kreischt die hündisch liegende Straße, Die mein Fuß in Unruh und Haß gebraucht. Niedre Luft, von Stadtgerüchen durchraucht, Speit auf meine Stirn aus pfeifenden Rachen.

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Krankes Wohnen Dieses Gehen im trüben Tunnel der Straße ... Bleiche Fenster spielen an mir vorbei. Oben des kleinen Himmels Einerlei Wirft in die Scheiben ein schiefes Lachen.

6 Luisenstädtischer Kirchhof

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Häuser Die Wohnungen der Arbeiter waren häufig in einem schlechten Zustand und in der ganzen Stadt herrschte Wohnungsnot. Um die Ora hohen Mieten finanzieren zu können, war es in armen Haushalten nüblich, einzelne Räume der Wohnung oder gar einzelne Betten an ien str sogenannte "Schlafgänger“ zu vermieten. Manchmal lebten so bis ass zu 30 Personen in einer Wohnung. Sogar die Flure und Dachböden e dienten den Menschen als notdürftige Behausungen.

An der Einmündung der Stallschreiberstraße in die Alte Jakobstraße ist vom alten Straßenverlauf nichts mehr zu sehen, nur ein Trampelpfad weist den Weg.

Am Ende der Neuen Grünstraße geht es nach rechts in die Kommandantenstraße

Höfe Durch große Durchfahrten in den Vorderhäusern gelangte man von der Straße hinein in die oftmals allseitig umschlossenen Höfe. Da die Grundstücke zumeist schmal aber tief waren, wurden in der Regel mehrere Höfe und Hinterhäuser nacheinander angelegt, um das Bauland maximal auszunutzen. Die einzige Grenze für die Dichte der Bebauung war die Baupolizeiordnung. Sie legte fest, dass ein Hof mindestens so groß sein musste, dass eine Feuerwehrspritze darin wenden kann. Das waren 5,34m x 5,34m. Außerdem begrenzte sie die Höhe der Gebäude auf die Länge der Feuerwehrleitern, auf die noch heute weitgehend gültigen 22m. In den Höfen gab es auch Fabriken mit dem entsprechenden Lärm, Gestank und Dreck.

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Straßen Die Alexandrinenstraße und die Stallschreiberstraße wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt und nach 1860 in der beschriebenen, dichten Art und Weise bebaut. Wo heute Bäume und Büsche wachsen, prägten stuckverzierte Häuser das Bild. Sie waren zunächst den sozial höheren Schichten vorbehalten, während dahinter die Arbeiter in den Hinterhäusern und Höfen lebten und arbeiteten.

Hier geht es nach links durch den Hof zur Neuen Grünstraße

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Von außen sieht man nur das in schwarz und silber gestrichene Eisentor und die dunkle Durchfahrt. Kommt man näher, verraten die abbröckelnde Farbe und die abgenutzten Ziegelsteine das Alter des Gebäudes. Geht man dann hinein, findet man einen typischen, allseitig von Brandwänden umschlossen Gründerzeithof. Die Dichte der „Steinernen Stadt“ lässt sich erahnen, wobei hier, bis zu deren Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, sogar noch mehr Produktions- und Wohngebäuden standen und der Hof noch enger war.

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Das Ziel ist einer der letzten erhaltenen Höfe an der Axel-Springer Straße 43

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Am Ende des 19. Jahrhunderts war Berlin eine steinerne Stadt. Ein dichtes Meer aus Häusern dehnte sich in alle Himmelsrichtungen aus. Die Straßen waren ein Labyrinth aus Steinen und Mauern. Und hinter diesen Mauern lag ein weiteres Gewirr aus Höfen und Hinterhäusern. Auch in der Luisenstadt, wie dieser Stadtteil zu jener Zeit hieß, waren die Straßen gesäumt von 4-6 Stockwerken hohen Gebäuden, hinter denen sich unzählige Höfe und Hinterhäuser erstreckten.

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Nach links in die Axel-SpringerStraße

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Die Steinerne Stadt

An der Alten Jakob Straße stehen noch zwei Zeitzeugen aus der Steinernen Stadt. Das ziegelsteinrote Umspannwerk und das mit weißen Klinkern verkleidete Gewerbehaus mit seinen drei Höfen. Sie geben einen Eindruck von der Dimension der Gebäude, welche die ganze Stadt prägten.

2 1

2 Alte Stallschreiberstraße Die Kreuzung Stalleschreiberund Alexandrinenstraße ist heute kaum noch zu erkennen. Doch diese Stelle war einmal eine richtige Kreuzung, mit Eckhäusern an allen vier Seiten. Heute führt die Stallschreiberstraße als Anwohnerstraße direkt vor den Haustüren der Wohnblocks vorbei, gesäumt e ss einer ungleichmäßigen avon r st Baumreihe. en Auf der anderen Seite der Bäuin r me gibt es aber noch einen nd a kleinen Weg. Er markiert den ex Al Verlauf der alten Stallschreiberstraße.

79

1 Alte Alexandrinenstraße Die Spuren zeigen die Pflasterung, den Verlauf und die Gehwegplatten einer Straße, die heute von Gras und Bäumen überwuchert ist. Früher war das eine zu beiden Seiten dicht bebaute Straße. Später aber, als Berlin geteilt wurde, verlief die Mauer direkt auf ihr. Sie war darum nicht mehr benutzbar und Stück für Stück verschwand die einstige Alexandrinenstraße.


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Beschreibung:

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81


… ein großer Park in dem man die Natur erleben kann.

… ein Stück wilde Natur, die sich die Stadt zurückerobert. Ein Biotop mit seltenen Pflanzen.

… ein Ort, an dem man in der Stadt die Weite des Himmels erleben kann. Ein Gegensatz zur Enge der Straßen ringsum.

… ein Freiraum für die Kunst. … ein Bruch im Stadtgefüge, der endlich wieder geschlossen werden muss.

DER STALLSCHREIBERBLOCK IST ... … ein Schandfleck voller Müll und Unordnung. Alles ist Wildwuchs und Unkraut.

... ein historischer Ort. Hier war die Mauer und hier ist eine Lücke, die der Krieg gelassen hat.

… der Acker! Hier können unsere Hunde frei laufen. ... eine Brache und innerstädtisches Bauland.

82

… Platz für Sport- und Freizeitaktivitäten bieten.

… ein Privatgrundstück, das man eigentlich nicht betreten darf.

… so bleiben wie er ist, die Natur entwickelt sich selbst.

… ein Wohngebiet werden, für Familien, die in der Stadt bleiben wollen.

… ein schöner Park werden.

DER STALLSCHREIBERBLOCK SOLL ... … schöner werden.

… ein Gemüsegarten für alle werden.

… wieder so rekonstruiert werden, wie er war, damit die Zerstörung endlich wieder geheilt wird.

… für alle offen bleiben.

83


PINNWAND

DIDAKTISCHES FORMAT 3

LERNZIEL

UMSETZUNG

Differenz erfahren, Wahrnehmungen reflektieren

GEGENWART – Das Planungsgebiet ist ...

ZUKUNFT – Das Planungsgebiet soll ...

Auf den Pinnwänden wird sichtbar gemacht, wie

Die zentrale Frage hinter diesem Format ist:

Die zentrale Frage hier ist: Welche Vorstel-

das Planungsgebiet wahrgenommen wird und

Wie wird das Planungsgebiet gegenwärtig

lungen, Wünsche, Sehnsüchte werden auf

welche Wünsche für die Zukunft bestehen.

wahrgenommen?

das Planungsgebiet projiziert?

• Den Teilnehmern wird ermöglicht einen Über-

1. Im Forum wird dafür eine Wand zur Ver-

1. Gegenüber der Pinnwand für die Gegenwart

blick über die unterschiedlichen Blickwinkel

fügung gestellt, die mit einer großflächigen

wird eine weitere Fläche zum Veröffentli-

auf den Ort zu erhalten und sich selbst in Bezug

Fototapete beklebt wird, auf der eine aktuel-

chen von Kommentaren gestaltet. Sie besteht

dazu zu setzen.

le Abbildung des Planungsgebietes zu sehen

ebenfalls aus einer Fototapete mit der Abbil-

ist. Darüber steht der Satzanfang: „Das Pla-

dung des Planungsgebiets, bei der die neu zu

nungsgebiet ist ...“.

beplanenden Fläche als weißes, noch unbe-

• Sie können dadurch einen anderen Blick auf ihre gewohnte, selten bewußt wahrgenommene

schriebenes Blatt dargestellt ist. Sie wird so 2. Alle Besucher des Forums können diesen

zur Projektionsfläche von Zukunftswünschen

Satz vervollständigen und dort ihre Meinun-

und Sehnsüchten. Über dem Foto steht: „Das

gen und Ideen eintragen.

Planungsgebiet soll ...“.

Gefühl für die Interessen und Belange der Men-

So werden auf einer großen Fläche auf pla-

2. Besucher sind dazu aufgerufen, hier Wün-

schen aus der Umgebung zu entwickeln.

kative Art viele Aussagen sichtbar gemacht.

sche und Ideen aufzuschreiben.

Umwelt einnehmen. • Dieser andere Blick regt dazu an, sich der eigenen Sichtweisen bewusst zu werden und ein

Andere Perspektiven, Interessenslagen und die dahinter stehenden einzelnen Akteure

Damit werden erste Ideen für die Zukunft

werden erkennbar und die Herausbildung

gesammelt und vor allem entsteht ein Bild

eines eigenen Standpunktes angeregt. Es

von

kann so deutlich werden, dass das Planungs-

Teilnehmer und Anwohner an den weiteren

gebiet z.B. nicht nur eine Brache mit einer

Entwicklungsprozess des Ortes.

Erwartungen und Forderungen der

wild wachsenden Vegetation ist, sondern verschiedene Bedeutungen („..ein Park“, „...

Diese Pinnwände sollten in kleinerer Aus-

ein Garten“) in sich trägt.

führung auch in öffentlichen Einrichtungen, Läden und Cafés in der Umgebung platziert werden, um dort eine niedrigschwellige, informelle Form der Beteiligung zu ermöglichen.

84

85


GESCHICHTSLANDSCHAFT

PARK

FREIRAUM

… ein schöner Park werden.

... ein historischer Ort. Hier war die Mauer und hier ist eine Lücke, die der Krieg gelassen hat.

BAULAND ... eine Brache und innerstädtisches Bauland.

… ein Freiraum für die Kunst. … ein großer Park in dem man die Natur erleben kann.

… Platz für Sport- und Freizeitaktivitäten bieten.

… für alle offen bleiben.

… ein Ort, an dem man in der Stadt die Weite des Himmels erleben kann. Ein Gegensatz zur Enge der Straßen ringsum.

… der Acker! Hier können unsere Hunde frei laufen.

86

PFLEGE

BIOTOP

LANDWIRTSCHAFT

… so bleiben wie er ist, die Natur entwickelt sich selbst. … sauberer werden.

… wieder so rekonstruiert werden, wie er war, damit die Zerstörung endlich wieder geheilt wird.

… ein gemischtes innerstädtisches Viertel werden.

… schöner werden.

… ein Stück wilde Natur, die sich die Stadt zurückerobert. Ein Biotop mit seltenen Pflanzen.

… ein Schandfleck voller Müll und Unordnung. Alles ist Wildwuchs und Unkraut.

… eine Verbindung zwischen Kreuzberg und Mitte, zwischen West und Ost schaffen. … ein Wohngebiet werden, für Familien, die in der Stadt bleiben wollen.

87

… ein Gemüsegarten für alle werden.


THEMENKARTEI

DIDAKTISCHES FORMAT 4

LERNZIEL

UMSETZUNG

Komplexität handhabbar machen, Wissen sor-

Nach Abschluss der Bestandsaufnahme wird

2. Die Themenkartei wird dann im ersten ge-

tieren und gewichten

das gesammelte Wissen von den Pinnwänden

meinsamen Workshop (im zweiten Teil des

Das gesammelte Wissen aus der Bestandsauf-

und aus dem räumlichen Archiv gesichtet und

Verfahrens) vorgestellt und alle Teilnehmer

nahme soll nutzbar gemacht werden und wei-

nach verschiedenen Kriterien sortiert. Die-

haben die Möglichkeit, die Sortierung zu än-

testgehendst ohne Einschränkungen in den

sen Schritt sollte die Verfahrensleitung über-

dern, anzupassen und zu ergänzen.

Entwurfsprozess eingehen.

nehmen. 3. Bei einer zu großen Anzahl an verschiede-

• Zusammenhänge und mögliche Interessens-

1. Zunächst wird die Themenkartei vorberei-

nen Themen muß eine Auswahl stattfinden,

konflikte sollen für alle deutlich werden und

tet. Sie besteht aus mehreren Leporellos, bei

die Prioritäten benennt. Dafür kann jeder

es soll nachvollziehbar sein, wie die weiteren

denen jeweils am oberen Ende das Thema be-

drei Punkte vergeben. Die Themen mit den

Schritte auf dem Bestand aufbauen.

nannt wird und auf den ausgeklappten Seiten

wenigsten Punkten fallen danach weg.

alle Informationen aufgelistet sind. 4. Neben den Themenkarten an der Wand

• Durch den gemeinsamen Auswahlprozess haben alle Beteiligten eine Stimme und kön-

Damit bleibt die Sortierung sichtbar und

werden kleine Themenstreifen bereitgestellt,

nen mitentscheiden, welche Prioritäten ge-

nachvollziehbar.

die sich die Teilnehmer mitnehmen können.

setzt werden sollen.

Sie werden im nächsten Schritt Verwendung finden.

88

89


TEIL 2 Jede r für ein aus der G dara Thema ruppen n zu en ist dann den an tsche aufgef de Sie Sicüber die ren vo iden un ordert, sic rz d Sie in h auf di verschie ustellen sein An h . Di dene liege e jew ihrer Grupp eils wi n Them skutieren n en ch Sie e be arbe tigsten An und ein ig iten möch liegen, en die ten.

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Gemeinsam Visionen schaffen

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Der Entwurf ist im Unterschied zur partizipa-

Der Weg von der partizipativen Bestandsauf-

tiven Bestandsaufnahme ein linearer Prozess,

nahme zur fertigen lokalen Zukunftsvision ist

in dem die einzelnen Schritte direkt mit den

ein intensiver Prozess, bestehend aus mehre-

Lernzielen und den entsprechenden didak-

ren Workshops und Versammlungen.

tischen Formaten verknüpft sind. Genau so

Aufgabe der didaktischen Formate im Ent-

ist auch die Anleitung aufgebaut: ein Verfah-

wurfsprozess ist es, Laien zu ermöglichen,

rensschritt wird erklärt und anschließend die

ihre Ideen in eine komplexe Vision für das

Methode vorgestellt, die dort zum Einsatz

Planungsgebiet zu übersetzen. Der für die

kommt.

Workshoparbeit erforderliche Zeitaufwand sollte dennoch so klein wie möglich gehalten

be

n

werden, damit so viele Menschen wie möglich daran teilnehmen können.

90

91


ABLAUF

1. AUSGANGSPUNKT KLÄREN

2. INFORMATIONSAUSTAUSCH

Zu Beginn des Verfahrens wird geklärt, was

Nachdem der Ausgangspunkt und der zu be-

Zweck und Inhalt der gemeinsamen Arbeit

schreitende Weg geklärt sind, beginnt die in-

des Parlaments der Visionen sein soll. Diese

haltliche Arbeit. Diese fängt mit einer ersten

Einleitung bietet die Möglichkeit, die ver-

Auswertung der Bestandsaufnahme und einer

schiedenen Ansichten zu den grundsätzlichen

Sichtung und Sortierung aller gesammelten

Fragen zu diskutieren und einen gemeinsa-

Informationen an. Dabei kann man auf die

men Startpunkt zu definieren. Zu Beginn der

Themenkartei zurückgreifen, die das Ergeb-

Verhandlung sind insbesondere sechs Fragen

nis der die Bestandsaufnahme abschliessen-

zu klären:

de Sortierung durch das Parlament sind. Dort wurden die identifizierten Probleme, Potenti-

1. Warum wird der Prozess benötigt?

ale und Zukunftswünsche zu Kernthemen zu-

2. Welche Form der Lösung wird gesucht?

sammengefasst und auf Karten, ähnlich den

3. Wie wird die Gruppe auf eine Lösung hin-

Spurenkarten aus der Bestandsaufnahme, ge-

arbeiten?

sammelt. Die Themenkartei macht die Vielfalt

4. Wie werden Entscheidungen gefällt?

an Wissen greifbar und kann bei den folgen-

5. Wie ist der Ablauf/Zeitplan?

den Diskussionen immer auf dem Tisch lie-

6. An wen richtet sich das finale Produkt?

gen. Dabei können die Karten wie Spielsteine in einem Brettspiel eingesetzt werden.

Neben einer inhaltlichen Definition des Aus-

Der dadurch gewonnene Überblick macht es

gangspunktes wird in diesem ersten Schritt

möglich, noch unzureichende Informationen

vor allem das Ziel des Verfahrens, das heißt

zu ergänzen und das vorhandene Wissen über

die lokale Zukunftsvision vorgestellt.

das Planungsgebiet in einen neuen Kontext zu rücken. Die Bestandsaufnahme wird mit all ihren Materialien weiterhin den Teilnehmern zur Verfügung stehen. So können beispielsweise Teilnehmer, die später in das Verfahren einsteigen, den bisherigen Verlauf nachverfolgen und etwa die Zeitreisen noch einmal gehen, Spuren und Geschichten ergänzen. Format: >> Themenkartei

92

93


ABLAUF 3. PROBLEMDEFINITION

4. IDEENENTWICKLUNG

4.B ALTERNATIVEN

Nachdem die Themen benannt und diskutiert

Im Anschluss an die Sortierung der Themen,

Erfahrungen aus der Planungspraxis belegen,

lässt sich nun viel gezielter arbeiten. Das Ein-

wurden, beginnt die Arbeit in Gruppen. Die-

die Gruppenfindung und die Erarbeitung ei-

das Teilnehmer in Partizipationsprozessen

beziehen des Bestandes und der Geschichten

se sollten nicht größer als fünf Personen sein.

nes Manifests, folgt der eigentliche Kern des

sich zumeist nur das wünschen und vorstel-

der Anwohner führen zu einer Differenzie-

Sie beginnen mit einer individuellen Auswahl

Entwurfes, die Schaffung einer eigenen Visi-

len können, was in ihrem Erfahrungsbereich

rung der Ideen. Die Gruppen müssen dann

der identifizierten Kernthemen. Jeder kann

on für das Planungsgebiet.

liegt. Ein wichtiger Bestandteil jedes partizi-

eine Auswahl der Ideen treffen: was ist für

dazu in der Gruppe die beiden ihm wichtig-

Dieser gliedert sich in drei Schritte, in denen

pativen Verfahrens muss darum sein, Alter-

alle wichtig, was soll – vielleicht in modifi-

sten Themen einbringen und vertreten. Die

die Gruppen von einer ganz freien ersten Idee

nativen zu den gewohnten Sichtweisen zu

zierter Form – erhalten bleiben, worauf kann

Gruppe definiert so die Zielstellung und Auf-

Stück für Stück zu einer komplexen Vision

vermitteln. Planer und Architekten müssen

verzichtet werden?

gabe ihrer weiteren Arbeit in einem gemein-

kommen und die Vielfalt an möglichen Ide-

in diesem Schritt das Verfahren bereichern,

Für diesen Klärungsprozess können die Teil-

samen Manifest.

en und Alternativen kennenlernen können.

indem sie ihre Expertenrolle ausfüllen und

nehmer mit den Bestandteilen des Szenariosi-

Die Gruppen sollten sich nach Möglichkeit

Begleitet und gestaltet wird dieser Weg durch

mögliche alternative Konzepte und Vorschlä-

mulators, wie Blankokarten oder Modellbau-

quer zu den Interessengruppen bilden, so

verschiedene didaktische Formate.

ge in verständlicher Weise darstellen. Nur

materialien, so lange experimentieren, bis sie

dass in jeder einzelnen Gruppe möglichst

dann kann die simple Reproduktion einge-

eine, für alle annehmbare Lösung finden. Da-

viele

fahrener Muster und Bilder umgangen und

bei stehen ihnen jederzeit Berater zur Seite,

verschiedene

Meinungen

vertreten

sind. Damit soll die Auseinandersetzung mit

4.A FREIE ASSOZIATION

den Teilnehmern neue Perspektiven eröffnet

die bei der Klärung schwieriger Probleme hel-

anderen Interessen und Ideen so direkt wie

Zu Beginn der Ideenentwicklung erarbeitet

werden. Nach der Sammlung der Ideen aller

fen können. Durch dieses Simulationswerk-

möglich stattfinden und die Wahrscheinlich-

jede Gruppe auf Grundlage ihrer Themenaus-

Gruppenmitglieder werden darum ausgewie-

zeug wird auf eine einfache Weise erreicht,

keit einer für alle zufriedenstellenden Lösung

wahl und ihres Manifests eine erste Vision. In

sene Experten eingeladen, die Vorträge zu

dass Ideen vertieft werden und zu komplexe-

steigen.

einem Brainstorming sollten so viele Ideen

den genannten Themen halten oder einzelne

ren Konzepten reifen.

wie möglich zusammengetragen werden, zu-

Gruppen beraten.

Nach Abschluss dieses Schrittes der „Simula-

Format: >> Manifest

nächst ohne die Frage nach ihrer Realisier-

tion“ stellt jede Gruppe ihr Konzept vor. Dafür

barkeit zu stellen. Das didaktische Format

bekommt sie ein Grundraster zur Verfügung

des Wunschbildes soll dabei einerseits helfen

4.C SIMULATION UND DARSTELLUNG

gestellt, das sie mit ihren Entwürfen und Vor-

eine bildhafte Darstellung zu entwickeln und

Im dritten Schritt der Ideenfindung werden

schlägen füllen können. In einer Kurzzusam-

andererseits freie, phantasievolle und unge-

die Wunschbilder und die alternativen Mög-

menfassung muss dargelegt werden, wie sie

wöhnliche Einfälle generieren, die die Kraft

lichkeiten zusammengeführt und konkre-

die anfangs benannten Kernthemen bearbei-

haben, den Horizont der Teilnehmer zu er-

tisiert. Das zentrale Werkzeug dabei ist der

tet und die damit verbundenen Fragestellun-

weitern.

Szenariosimulator. Dies ist ein Plan des Ge-

gen gelöst hat. Bei jedem Entwurf müssen so-

So werden die bestehenden Raumbilder der

bietes, in dem das räumliche Archiv mit den

wohl die inhaltlichen, als auch die räumlichen

Teilnehmer sichtbar, die mit ihren Vorstel-

Spurenkarten enthalten ist. Jede Gruppe kann

Kernpunkte benannt und markiert werden.

lungen, Wünschen und Erwartungen besetzt

damit ihr Wunschbild mit dem Bestand kon-

sind.

frontieren. Der Effekt, den die eigene Idee

Formate: >> Szenariosimulator

auf das Planungsgebiet haben könnte, kann

Format: >> Wunschbild

so sichtbar gemacht werden, Verknüpfungen und mögliche Konflikte, zum Beispiel durch räumliche Überschneidungen, werden erkennbar. An diesen konkreten Vorstellungen

94

95

>> Visionen


Gruppenname:

Jeder aus der Gruppen ist aufgefordert, sich für ein Thema zu entscheiden und sein Anliegen daran den anderen vorzustellen. Diskutieren Sie dann über die verschiedenen Themen und einigen Sie Sich auf die jeweils wichtigsten Anliegen, die Sie in ihrer Gruppe bearbeiten möchten.

Markieren Sie Ihre Auswahl auf den Themenstreifen. Das Ziel der Diskussion ist die Formulierung eines gemeinsamen Manifests, welches die Aufgabenstellung Ihrer Gruppe definiert und die Grundlage für Ihre weitere Zusammenarbeit bilden wird.

AUFGABENSTELLUNG

THEMEN Auf dem Stallschreiberblock soll:

Folgende vorhandene Qualitäten sind zu berücksichtigen:

Themenstreifen hier einkleben

Folgende Probleme sollen gelöst werden:

96

97

Datum:


MANIFEST

DIDAKTISCHES FORMAT 5

LERNZIEL

UMSETZUNG

Verschiedene Ansprüche aushandeln,

Durch das Manifest findet jede Gruppe ihre

4. Diskutieren Sie in die Gruppe über die ein-

Differenz erfahren, Fokussierung

eigene Zielsetzung und legt damit den Aus-

zelnen Punkte und markieren Sie auf den The-

Indem alle Teilnehmer ein bis zwei eigene

gangspunkt für die weitere gemeinsame Ar-

menstreifen, worüber Einigkeit besteht und wo

Themen in ihre unterschiedlich zusammen-

beit.

Konflikte liegen.

vielstimmiges Bild, das zu Beginn der weite-

Mögliche Aufgaben:

5. Formulieren Sie auf der Grundlage der mar-

ren Arbeit einer Aushandlung bedarf. Ziel des

„Diskutieren Sie gemeinsam, welche Themen

kierten Themen eine gemeinsame Aufgaben-

Manifests ist es in der Gruppe eine gemeinsa-

Sie in der Gruppe bearbeiten wollen und lei-

stellung.

me Aufgabenstellung zu formulieren, für die

ten Sie daraus Ihr „Manifest“, also Ihre eigene

sie sich im weiteren Verfahren engagieren

Aufgabenstellung ab!

gesetzte Gruppe einbringen, entsteht dort ein

6. Treffen Sie Aussagen über gemeinsame Ziele, vorhandene Qualitäten, auf die aufgebaut

möchte. Die Gruppe muss also einen Weg finden, sich auf einige grundlegende Punkte zu

1. Entscheiden Sie Sich für ein oder zwei The-

werden kann und über Probleme, die gelöst

verständigen.

men, die Sie besonders wichtig finden.

werden sollten.

• Die Gruppenmitglieder lernen sich gegen-

2. Stellen Sie Sich in der Gruppe die verschie-

7. Finden Sie einen Namen für Ihre Gruppe!“

seitig und die individuell verschiedenen Per-

denen Themen gegenseitig vor. Benennen Sie

spektiven auf den gemeinsamen Betrach-

dabei jeweils Ihre wichtigsten Anliegen.

tungsgegenstand kennen. 3. Kleben Sie bei der Vorstellung der Themen • Bei der Formulierung des Manifests geht

Ihre Themenstreifen in die leeren Felder des

es neben diesem wichtigen sozialen Prozess

Aufgabenblattes.

aber vor allem um die inhaltliche Zuspitzung der weiteren Arbeit.

98

99


Platz für Collagen, Bilder, Zeichnungen von Träumen, Wünschen, Ideen

Für die Zukunft des Stallschreiberblocks wünschen wir uns:

100

101

Datum:


WUNSCHBILD

DIDAKTISCHES FORMAT 6

LERNZIEL

UMSETZUNG

Eigene Stadtbilder sichtbar machen, Wünsche

Mit dem persönlichen Wunschbild eines Or-

3. Mit einem Farbkopierer können Sie Bilder

formulieren, Bedürfnisse entwickeln

tes setzt sich der Entwurfprozess fort. Die

aus den Büchern kopieren und zu Collagen

Jeder Mensch trägt Bilder der Stadt in sich,

Teilnehmer sollen dabei möglichst frei von

verarbeiten. Sie können natürlich auch Zeich-

die seine Wahrnehmung und sein Handeln

innerer Zensur eine eigene Vision für den Ort

nungen und Skizzen anfertigen, um Ihren Ide-

prägen. Sie setzen sich aus verschiedensten

entwickeln und sich dafür so vieler Inspira-

en Ausdruck zu verleihen.

Einflüssen zusammen, von Kindheitserin-

tionsquellen bedienen wie möglich. Hierfür

nerungen über Medienbilder bis hin zu kon-

wird durch die Verfahrensleitung speziell

4. Nutzen Sie die Arbeitsblätter, um auf ihnen

kreten Erfahrungen. Diese „Stadtbilder“ sind

eine Handbibliothek eingerichtet. Die zentra-

in Ihrer Gruppe Ihr gemeinsames Wunschbild

sehr individuell und werden selten explizit

le Frage hinter der Aufgabe ist: Was könnte

einzukleben oder einzuzeichnen.

ausgedrückt. Dabei sind sie ein wichtiger Be-

aus dem Planungsgebiet werden? 5. Fügen Sie den einzelnen Bildbestandteilen

standteil der Verständigung über die Stadt und für eine gemeinsame Sprache von Laien

Mögliche Aufgaben:

kurze Erklärungen oder Beschreibungen hin-

und Experten unverzichtbar. Doch während

„Entwickeln Sie gemeinsam ein Wunschbild

zu. Nutzen Sie dafür die Sprechblasen.

die Experten gewohnt sind, sich in Bildern

für das Planungsgebiet. Was soll dort in Zu-

auszudrücken, ist das für Laien nicht selbst-

kunft passieren? Wie soll der Ort aussehen?

6. Formulieren Sie zuletzt einen gemeinsamen

verständlich.

Wie soll er sich anfühlen? Erstellen Sie eine

kurzen Slogan, den Sie Ihrem Wunschbild zur

Collage aus verschiedenen Ideen und Referen-

Seite stellen.“

• In einem einfachen Prozess sollen die Teil-

zen. Lassen Sie Ihren Ideen freien Lauf, hier ist

nehmer angeregt werden, Wünsche zu for-

alles möglich!

Das Ziel ist, dass jede Gruppe eine gemeinsame Collage ihres Wunschbildes vom Pla-

mulieren. 1. Tragen Sie in der Gruppe in einem Brain-

nungsgebiet zusammensetzt. Verschiedene

• Wünsche sollen direkt durch Bilder zum

storming so viele Ideen wie möglich zusam-

Referenzen werden so zu einem neuen ge-

Ausdruck gebracht werden.

men. Notieren Sie Ihre Einfälle.

meinsamen Bild verdichtet und ungewöhnliche Kombinationen unterschiedlichster Ele-

2. Finden Sie Bilder, die Ihre Ideen illustrie-

mente werden erlebbar. Das Wunschbild ist

ren. Nutzen Sie dafür die Bibliothek im Forum

eine symbolische Aneignung des Ortes mit

als Quelle der Inspiration. Dort stehen Bücher

Bildern. Ein Slogan verdichtet das Wunsch-

über Städte, Stadtvisionen, Landschaften, At-

bild zu einer Aussage.

mosphären, Farben, Muster, Architektur aber auch ganz konkret über ihre Stadt zur Verfügung. Bedienen Sie sich!

102

103


SZ SI EN M AR UL IO AT OR

Auf dem Simulationsplan sind alle Spuren aus dem räumlichen Archiv verzeichnet. So kann durch einfaches Markieren dargestellt werden, was bleiben und auf was verzichtet werden soll.

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Die gesamte Spurenkartei steht daneben allen Gruppen zur Verfügung. Die Karten können für den Entwurf verwendet werden.

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Jede Karte entspricht einem Feld im Simulationsplan. Sie machen es möglich, das Wunschbild auf der Fläche zu verorten. Zum Vertiefen einzelner Aspekte des Entwurfes stehen größere Detailpläne zur Verfügung.

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Der Modellbausatz bietet eine Auswahl an Materialien und Werkzeugen, die bei der Gestaltung der Blankokarten und Detailpläne helfen. Dazu gehören z.B. Gebäudeklötzchen, Knetmasse, Papiere, Stifte, Farben aber auch wieder Bücher und Fotos. 104

105


SZENARIOSIMULATOR

DIDAKTISCHES FORMAT 7

LERNZIEL

UMSETZUNG

Ideen konkretisieren, Verknüpfungen finden,

Der Szenariosimulator lädt dazu ein mit den

Sie können nun mögliche Überschneidungen

komplexe Abhängigkeiten verstehen

Wunschbildern und dem Bestand zu experi-

und Konflikte ablesen. Markieren Sie diese.

Der Szenariosimulator ermöglicht es den

mentieren und so die Ideen zu konkretisie-

Gruppen in einem Modell die wichtigsten

ren. Mögliche Optionen können getestet und

5. Legen Sie nun eine mögliche Aufteilung der

Einflussfaktoren für die von ihnen gewünsch-

somit weiter verfolgt oder verworfen wer-

einzelnen Bestandteile fest. Diskutieren Sie in

te Entwicklung festzulegen und diese dann in

den.

der Gruppe die Vor- und Nachteile und überprüfen Sie den Vorschlag in Bezug auf Ihre

unterschiedliche Beziehungen zueinander zu setzen.

Mögliche Aufgaben:

selbst gestellte Aufgabe.

„Übertragen Sie Ihre Wunschbilder auf den • Die Teilnehmer können sich darin veran-

Plan des Szenariosimulators. Dabei helfen

6. Gehen Sie die Schritte 1-5 mehrfach durch

schaulichen, welche räumlichen Konsequen-

Ihnen die folgenden Fragen: Was benötigen

und versuchen Sie alle Ideen und Ziele so zu

zen die Wunschbilder nach sich ziehen. Die

Sie, um das Wunschbild umzusetzen? An wel-

arrangieren, dass möglichst wenige Konflikte

Idee wird vom zweidimensionalen Bild zum

chen Stellen soll etwas geschehen? Wie gehen

offen bleiben und Sie der Lösung Ihrer Aufga-

dreidimensionalen Entwurf.

Sie mit dem Bestand um?

benstellung nahe kommen.

• Unerwartete Überschneidungen, Verbin-

1. Nehmen Sie Ihr Wunschbild zur Hand. Ge-

7. Wenn Sie eine erste Einigung über die gro-

dungen und Konflikte können wahrnehmbar

hen Sie Schritt für Schritt die Ideen durch und

be Umsetzung Ihrer Ideen erzielt haben, kön-

gemacht werden, für die neue Lösungen ge-

überlegen Sie, was Sie brauchen, um diese

nen Sie diese weiter entwickeln und stärker

sucht werden müssen.

Ideen umzusetzen.

ins Detail gehen. Nutzen Sie dafür die Detailpläne und wiederum den Modellbausatz und

2. Platzieren Sie die Ideen als Bilder oder

versuchen Sie die wichtigsten Ausschnitte ihres

durch Beschreibungen auf den Blankokarten

Konzeptes genauer darzustellen.“

im Simulationsplan. Sie können dafür den Modellbausatz, die Bibliothek und weitere Hilfs-

Das Ziel der Simulation ist das Testen ver-

mittel benutzen.

schiedener Möglichkeiten und Finden spannender Kombinationen. Die Gruppen ver-

3. Schauen Sie nach, wie sich die Ideen mit

suchen ihre Wunschbilder auf den Raum zu

dem Bestand überlagern. Entscheiden Sie da-

übertragen und können dabei auf verschie-

bei, welche Teile des Bestands Sie behalten

dene Hilfestellungen zur Darstellung zurück-

und einbeziehen möchten, und welche Teile

greifen. Zum Szenariosimulator gehören

Sie für verzichtbar halten. Markieren Sie dies

Blankokarten, Detailpläne und ein Modell-

entsprechend auf dem Plan.

bausatz. Die Möglichkeiten der Darstellung reichen somit von Schlagwörtern über Bilder

4. Entnehmen Sie der Spurenkartei die Teile

und Collagen bis hin zu dreidimensionalen

des Bestandes, die Sie weiter verwenden wol-

Modellen aus Knetmasse oder vorgefertigten

len und platzieren Sie die entsprechenden Kar-

Gebäudekuben.

ten ebenfalls auf dem Simulationsplan.

106

107


SLOGAN

ENTWURF VORSCHLĂ„GE 1 2 Fotos des Simulationsplanes hier einkleben

3 4 5 108

109


VISIONEN

DIDAKTISCHES FORMAT 8

LERNZIEL

UMSETZUNG

Ideen darstellen, Präzisierung des Konzeptes,

Durch einfache Hilfsmittel soll das zentrale

den Ausschnitten des Simulationsplanes, die

Konsens

Anliegen des Entwurfes ausgedrückt und ein

Ihnen besonders wichtig sind! Sie können auch

Die Visionen sind die abschließende Dar-

abschließendes Statement abgegeben wer-

Zeichnungen oder Collagen der Details anfer-

stellung des Entwurfes jeder Gruppe. Die

den. Es stehen zwei Plakate zur Verfügung,

tigen. Beziehen Sie Sich auf die Darstellungen

wesentlichen Inhalte und Vorschläge sollen

um den Entwurf zu beschreiben.

und die Vorschläge Ihres ersten Plakats.

Mögliche Aufgaben:

5. Kleben Sie die Bilder der Details in die da-

„Fassen Sie die wichtigsten Vorschläge Ihres

für vorgesehenen Felder! In das größere Feld

• Die Gruppe muss sich auf den Kern Ihres

Entwurfes in Bild und Text so zusammen, dass

in der Mitte können Sie das wichtigste Element

Konzeptes einigen und es auf ihr Manifest zu-

andere Ihr Anliegen klar und deutlich verste-

Ihrer Vision einkleben. So können Sie Ihr zen-

rückbeziehen.

hen können. Beziehen Sie sich dabei auf Ihr

trales Anliegen noch einmal hervorheben.

dabei für die darauf folgende Ausstellung aufbereitet werden.

Manifest und versuchen Sie einen Slogan zu • Die Gruppen werden aufgefordert, ihren

finden, der Ihre Vision in wenigen Worten zu-

6. Beschreiben Sie die Detaildarstellungen

Entwurf noch einmal auf seine Schlüssigkeit

sammenfasst!

kurz in den dafür vorgesehenen Sprechblasen neben den Bildern. Treffen Sie Aussagen dar-

hin zu prüfen und offen gebliebene Konflikte direkt zum Ausdruck zu bringen.

1. Fotografieren Sie die finale Anordnung des

über, was Sie vorschlagen, was dafür getan

Simulationsplanes senkrecht von oben und

werden muss und wie es den Ort verändern

kleben Sie das Foto in das dafür vorgesehene

wird.“

Feld auf dem ersten Plakat (3a)! Das Ziel der Visionen ist es, ein einheitli2. Formulieren Sie die zentralen Vorschläge,

ches Format zu finden, in dem alle Gruppen

die in Ihrer Vision enthalten sind und schreiben

ihre Ideen für die anschließende Ausstellung

Sie diese in das Feld neben dem Foto des Si-

aufbereiten können. Die Entwürfe sollen

mulationsplanes.

dadurch für alle vergleichbar und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für das

3. Finden Sie einen Slogan, der Ihre Vision

Planungsgebiet und seine Gestaltung deut-

kurz und knapp zusammenfasst. Tragen Sie

lich werden.

diesen in das oberste Feld auf dem ersten Plakat ein! 4. Sie können nun auf dem zweiten Plakat (3b) Details Ihrer Vision darstellen. Machen Sie dazu Fotos von den Detailplänen oder von

110

111


4

2

Erl채uterung:

DETAILS

1

3

5

Detailaufnahmen des Simulationsplanes hier einkleben

112

113


TEIL 3

>> AUSSTELLUNG Gruppenname:

ENTSCHEIDEN

Jeder aus der Gruppen ist aufgefordert, sich für ein Thema zu entscheiden und sein Anliegen daran den anderen vorzustellen. Diskutieren Sie dann über die verschiedenen Themen und einigen Sie Sich auf die jeweils wichtigsten Anliegen, die Sie in ihrer Gruppe bearbeiten möchten.

Markieren Sie Ihre Auswahl auf den Themenstreifen. Das Ziel der Diskussion ist die Formulierung eines gemeinsamen Manifests, welches die Aufgabenstellung Ihrer Gruppe definiert und die Grundlage für Ihre weitere Zusammenarbeit bilden wird.

AUFGABENSTELLUNG

THEMEN Auf dem Stallschreiberblock soll:

2. ENTSCHEIDUNG UND UMSETZUNG

Die lokale Zukunftsvision formulieren

Folgende vorhandene Qualitäten sind zu berücksichtigen:

Themenstreifen hier einkleben

Folgende Probleme sollen gelöst werden:

Nachdem ein weitgehender Konsens erzielt wurde, kann die letzte Phase des Parlaments

1. AUSSTELLUNG UND PARLAMENT

können dort ihre Bewertungen abgeben und

Am Ende des gemeinsamen Entwurfsprozes-

so die Visionen und Vorschläge wählen, die

ses bekommen alle Gruppen eine Plattform,

weiter verfolgt werden sollten. Damit werden

sprechend den in der Synthese festgelegten

um ihre Visionen zu präsentieren. Dazu wird

erste Prioritäten gesetzt und die Menge an

Feldern bilden sich Fokusgruppen. Sie diffe-

es neben einer öffentlichen Vorstellung der

Vorschlägen wird auf eine handhabbare Zahl

renzieren und gestalten die einzelnen Felder

Arbeiten eine mindestens zweiwöchige Aus-

reduziert.

weiter aus. Dabei können sie Experten kon-

stellung im Forum geben. Dort werden alle

Danach ermöglicht die Synthese, die getrof-

Arbeitsblätter des Entwurfes gezeigt, das Ma-

fene Auswahl auf inhaltliche und räumliche

der Visionen beginnen, die Ausarbeitung der Datum:

Platz für Collagen, Bilder, Zeichnungen von Träumen, Wünschen, Ideen

nifest, das Wunschbild und die Visionen. So

Konflikte zu befragen und entsprechend zu

können sich alle Beteiligten ein Bild von den

Gruppen zusammenzufassen. Dieser zweite

entwickelten Ideen und den unterschiedli-

Teil der Synthese findet nun wieder im großen

chen darin enthaltenen Vorschlägen machen.

gemeinsamen Modell statt, welches während

Das Hauptziel des Parlaments der Visionen

der Bestandsaufnahme als räumliches Archiv

wird in dieser Ausstellung sichtbar: Eine brei-

diente.

te Auswahl an Möglichkeiten zu zeigen, die

Die ausgewählten Vorschläge und Visionen

für diesen einen Ort denkbar sind. Während

werden dabei im Modell platziert und ihr

dieser Zeit kann außerdem jeder die Visionen

räumliches Wirkungsfeld markiert. So wer-

in Form von Sprechblasen kommentieren.

den räumliche und thematische Überschnei-

3

Es stehen Sprechblasen in unterschiedlichen

dungen und Konflikte sichtbar und können

4

Farben zur Verfügung. Auch externe Exper-

direkt verhandelt werden. Die Verhandlung

ten sind bei diesem Schritt aufgerufen, ihre

dauert so lange, bis eine tragfähige und kon-

Einschätzungen über Vor- und Nachteile ab-

sensfähige Anordnung von Vorschlägen und

zugeben.

Visionen gefunden worden ist. Das Ziel der

Mit der Ausstellung endet die erste Grup-

Synthese ist ein Plan, der die thematischen

penarbeitsphase. Dann tritt das Parlament,

Gruppen verortet und das Planungsgebiet

in dem alle Interessierten vertreten sind,

sultieren und je nach Bedarf auch frei mit den anderen Gruppen zusammenarbeiten, um übergreifende Problemlagen zu lösen. Die Ergebnisse dieser Fokusgruppen werden in

Datum:

der lokalen Zukunftsvision dargestellt und zusammengeführt. Diese Darstellung besteht aus einem atmo-

SLOGAN

sphärisch beschreibenden Teil, in dem die

dementsprechend in verschiedene Felder ein-

zusammen. Hier ist der Raum gegeben,

teilt. Diese Anordnung bildet die Basis für die

um aus den vielen Visionen der einzelnen

weitere Ausarbeitung der lokalen Zukunftsvisi-

Teilnehmer(gruppen) eine gemeinsame tra-

on. Nicht aufgelöste Konflikte bleiben beste-

gende Zukunftsvision für das Planungsge-

hen und müssen im Endergebnis dokumen-

biet auszuhandeln. Dabei hilft das didakti-

tiert werden.

sche Format der Synthese. Alle Teilnehmer

Format:

114

Für die Zukunft des Stallschreiberblocks wünschen wir uns:

gemeinsamen lokalen Zukunftsvision. Ent-

vorgestellte Zukunft des Ortes anschaulich

ENTWURF VORSCHLÄGE

und greifbar gemacht wird. Und sie besteht

1

aus einem umsetzungsorientierten, hand-

2 Fotos des Simulationsplanes hier einkleben

dingungen für die weitere Entwicklung des Planungsgebiets benannt und erklärt werden.

5

Dieses Endergebnis wird dann erneut prä2

4

sentiert und ausgestellt, wobei noch einmal überprüft werden kann, ob sich alle Beteiligten darin wiederfinden und ob alle Ziele und Themen verwirklicht wurden, oder wo Nach-

Erläuterung:

1

DETAILS

besserungen vorgenommen werden müssen. 3

5

Schließlich wird die lokale Zukunftsvision von

Detailaufnahmen des Simulationsplanes hier einkleben

allen Beteiligten in einem AbstimmungsproVorteile: Kommentare:

>> Synthese

lungsleitenden Teil, in dem die Rahmenbe-

Nachteile:

zess förmlich beschlossen. Sie gilt im Sinne eines informellen Planes mit bindender Wirkung für die Stadtverwaltung. Format: >> lokale Zukunftsvision 115


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DETAILS

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3


SYNTHESE

DIDAKTISCHES FORMAT 9

LERNZIEL

UMSETZUNG

Synergien erkennen, Vor- und Nachteile abwä-

Zunächst wird über die Zukunftsvisionen

nen Sie deren räumliches Wirkungsfeld ein.

gen, Konflikte verhandeln

und über die darin enthaltenen Vorschlä-

Verorten Sie anschließend Schritt für Schritt die

Um die vielen verschiedenen Visionen zu ei-

ge abgestimmt. Das Parlament der Visionen

weiteren Vorschläge mit den niedrigeren Be-

ner gemeinsamen zu vereinen, müssen Prio-

kommt zusammen, um eine Auswahl zu tref-

wertungen. Finden Sie sinnvolle Zuordnungen.

ritäten gesetzt, Überschneidungen genutzt

fen, Ideen zu kombinieren und um Konflikte

Wenn sich Vorschläge räumlich überlagern,

und Konflikte ausgehandelt werden. Durch

auszuhandeln.

thematisch aber ausschließen, dann haben die Vorschläge mit der höheren Bewertung

die Ausstellung konnten alle Beteiligten einen Überblick über die zur Auswahl stehenden

Mögliche Aufgaben:

Vorrang. Die verdrängten Vorschläge können

Möglichkeiten und ihre Vor- und Nachteile

„Wählen Sie Ihre Favoriten! Welche Vision fin-

dann aber anderen, thematisch ähnlichen zu-

bekommen. Nun können sie darüber abstim-

den Sie am besten? Welche Vorschläge halten

geordnet werden. So bilden sich mehrere Fel-

men, in welche Richtung sie weiter entwickelt

Sie für sinnvoll? Geben Sie Ihre Stimme ab und

der thematischer und räumlicher Gruppen.

werden sollen.

nutzen Sie dafür die verschiedenfarbigen Bewertungssticker!

Diskutieren Sie die Zuordnungen und benennen Sie offen bleibende Gegensätze und da-

• Die Teilnehmer haben eine große Auswahl an Optionen kennengelernt und können

1. Vergeben Sie 1 Stimme für die Zukunftsvisi-

selbst mit entscheiden, welche davon weiter

on, die Sie insgesamt am überzeugendsten fin-

verfolgt werden.

den und deren Ideen Sie in der gemeinsamen

5. Legen Sie eine endgültige Gliederung fest

lokalen Zukunftsvision wiederfinden wollen.

und finden Sie für die einzelnen Felder jeweils

• Durch die Synthese können sie neue Kom-

durch mögliche Konflikte.

eine Überschrift.

binationen zusammensetzen und Konflikte

2. Vergeben Sie 5 Stimmen für die Vorschläge,

deutlich benennen, damit diese thematisiert

durch deren Umsetzung Sie glauben, ihre fa-

6. Stimmen Sie im Parlament über die fertige

werden können.

vorisierte Zukunftsvision erreichen zu können.

Gliederung ab.“

3. Sortieren Sie die Zukunftsvisionen nach der

Nachdem Felder definiert wurden, kann sich

Zahl der Stimmen und nehmen Sie dann die

jeder Beteiligte entscheiden, in welchem Feld

Karten mit 0-1 Stimmen aus der Auswahl. Zer-

er an der Konkretisierung der Vision mit-

schneiden Sie die Arbeitsblätter mit den Vor-

arbeiten möchte. So werden Fokusgruppen

schlägen und sortieren Sie diese nach dem

gebildet, in denen die lokale Zukunftsvision

gleichen Muster.

ausgearbeitet wird. Wenn zu viele Teilnehmer sich für eine Gruppe entscheiden, kön-

Nun sollen die Visionen und Vorschläge im

nen entsprechende Untergruppen gebildet

Modell zu räumlichen und thematischen Grup-

werden.

pen zusammengefasst werden.

Die konkreten Beschreibungen der Vorschläge, die zugeordneten Kommentare und die

4. Verorten Sie zunächst die Vorschläge mit

Wertungen geben den Fokusgruppen An-

der höchsten Bewertung im Modell und zeich-

haltspunkte für den Inhalt und die Prioritäten der weiteren Ausarbeitung.

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119


MODELL

REISEN 1

FAHRPLÄNE

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1

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Die detaillierte Darstellung der einzelnen Felder erfolgt in Form einer imaginären Zeitreise in die entworfene Zukunftsvision.

Durch eine oder mehrere Bilder wird die zentrale Vision für jedes Feld illustriert. Das Modell zeigt die Aufteilung der Fläche in einzelne Felder. Am Ende werden hier die konkreten Interventionen, räumliche wie programmatische Forderungen eingezeichnet und gebaut.

120

Für jedes Feld werden Forderungen und Vorschläge aufgelistet, die eine Anleitung für zukünftiges Handeln formulieren und umreißen, wie die lokale Zukunftsvision umzusetzen ist.

In einer Reisebeschreibung wird ein Spaziergang durch jedes Feld simuliert, bei dem die Atmosphäre und die charakteristischen Bestandteile der Zukunftsvision aus einer Erlebnisperspektive beschrieben werden.

121

N

E RUNG

E FORD


LOKALE ZUKUNFTSVISION

DIDAKTISCHES FORMAT 10

LERNZIEL

UMSETZUNG

Anforderungen und Vorschläge verknüpfen,

Die Fokusgruppen agieren in diesem letzten

Wenn diese Aufgaben gelöst sind und die

Umsetzung planen

Schritt zur lokalen Zukunftsvision im Auftrag

Konzepte feststehen, folgt die letzte Aufgabe:

Wenn das Parlament der Visionen die endgül-

aller anderen Teilnehmer des Parlaments der

tige Gliederung der Felder beschlossen hat,

Visionen. Sie sind also dazu angehalten, ent-

Tragen Sie alle einzelnen Konzepte in den fi-

wird zum ersten Mal sichtbar, wie die vielen

sprechend den zuvor entwickelten Ideen und

nalen Plan, das Modell der lokalen Zukunfts-

individuellen Ideen zu einem gemeinsamen

den abgegebenen Wertungen zu handeln.

vision ein und beschreiben Sie die jeweiligen

Bild zusammenkommen können. Durch die

Dieser letzte Schritt beinhaltete eine Fort-

Bestandteile genauer. Für diese Schritte stehen

Synthese sollen die unterschiedlichen Vor-

führung der Synthese, die Aufbereitung und

Arbeitsblätter zur Verfügung.

stellungen nicht eingeebnet werden. Viel-

Darstellung der fertigen Konzepte. 5. Finden Sie eines oder mehrere Bilder, das

mehr sollen Synergieeffekte genutzt und Konflikte verhandelt werden und daraus eine

Mögliche Aufgaben:

oder die Ihr Feld zusammenfassend beschrei-

möglichst vielstimmige Vision entstehen. Im

„Bilden Sie Fokusgruppen zu den einzelnen

ben! Nutzen Sie Fotos, Collagen, Zeichnun-

letzten Schritt des Entwurfes werden die gro-

Feldern. Versuchen Sie die Vorschläge und

gen, Pläne oder Modelle, um die charakteri-

ben Konturen der Felder verfeinert.

Visionen, die in Ihrem Feld enthalten sind zu

stischen Merkmale zu illustrieren. Wie sieht es

einer räumlichen Lösung zusammenzuführen.

dort aus? Was passiert dort? Welche Bestand-

• Mit Hilfe von Experten bestimmen die Teil-

Finden Sie auch Lösungen für Überschneidun-

teile sind prägend?

nehmer, wie die Vorschläge miteinander und

gen mit angrenzenden Feldern. 6. Stellen Sie Sich vor, Sie reisen in die Zukunft

mit den Anforderungen vor Ort zusammen1. Sortieren Sie alle Vorschläge und Visionen,

und machen einen Spaziergang über das von

die Ihrem Feld zugeordnet sind. Benennen Sie

Ihnen entworfene Feld. Wie sieht es dort aus?

• Anforderungen an zukünftige Planungen

die wichtigsten Bestandteile, richten Sie Sich

Welche Atmosphäre hat der Ort? Wen sehen

und Entwicklungen werden formuliert und

dabei nach den Bewertungen.

Sie? Welche Aktivitäten gibt es? Was passiert

gebracht werden können.

an den Übergängen zu den anderen Feldern?

die Frage nach möglichen Akteuren, die für die Zukunft des jeweiligen Feldes eine Rolle

2. Definieren Sie eine Aufgabenstellung für

spielen könnten, werden beantwortet.

Ihre Gruppe. Was wollen Sie erreichen?

7. Listen Sie zuletzt noch auf, welche Vorschläge und vor allem welche Forderungen an zu-

3. Probieren Sie verschiedene Kombinationen

künftige Entwicklungen in Ihrem Konzept stec-

der einzelnen Vorschläge und Visionen aus,

ken! Sortieren Sie nach Ihren Prioritäten.

bis Sie eine geeignete Konstellation gefunden haben. Nutzen Sie dafür wieder den Szena-

Das Ziel ist eine bebilderte Reise in die Zu-

riosimulator.

kunft des Ortes und ein klarer Fahrplan der einzelnen Schritte, die gegangen werden

4. Wenn Sie ein zufriedenstellendes Konzept

müssen, um diese zukünftige Gestaltung des

für Ihr Feld entwickelt haben, versuchen Sie mit

Ortes zu erreichen.

den benachbarten Feldern gemeinsame Ideen für die Gestaltung der Übergangsbereiche und Zwischenräume zu finden.

122

123


SCHLUSSBETRACHTUNG Zum Abschluss des Handbuches sollen die

und die Möglichkeiten zur Beteiligung. Sie

ENTWERFEN

ADRESSATEN

drei Hauptschritte noch einmal kurz zu-

schafft Raum und gibt Impulse für die aktive

Für das Parlament der Visionen als Gestal-

Das Parlament der Visionen richtet sich so-

sammengefasst und die möglichen Adres-

Auseinandersetzung mit dem Ort. Es werden

tungsprozess ist das Entwerfen der zentrale

wohl an die Stadtbevölkerung, als auch an die

saten benannt werden. Eine übergreifende

Informationen und Aufgaben bereitgestellt,

Bestandteil. Die didaktischen Formate struk-

Stadtverwaltung, an Stadtplaner und Archi-

Einschätzung des entwickelten Verfahrens,

die es den Menschen ermöglichen, eine neue

turieren diesen Entwurfsprozess grob vor,

tekten.

seiner Möglichkeiten und Grenzen, folgt im

Perspektive auf ihre gewohnte Umwelt einzu-

machen ihn durch den Fokus auf bildhafte

abschließenden Resümee der Arbeit.

nehmen und das Besondere darin zu entdec-

Darstellungen zugänglich für Laien und füh-

Die Bevölkerung bekommt durch das Parla-

ken. Durch die interaktiven Formate werden

ren schnell zu anschaulichen Ergebnissen. Es

ment der Visionen die Möglichkeit, in Stadt-

Mit dem Forum wird zu Beginn des Verfah-

sie zugleich dazu aufgefordert ihre eigenen

geht dabei ganz ausdrücklich um Visionen, da

entwicklungsprozessen stärker als bisher ihre

rens und als Basis für alle weiteren Schritte

Sichtweisen und ihre Geschichten über den

explizit Raum für fantasievolle und kreative

eigene Meinung einzubringen und darüber

eine feste Anlaufstelle für Interessierte und

Ort mit einzubringen. Die partizipative Be-

Vorschläge geschaffen werden sollte, die un-

hinaus mit entscheiden zu können, wie ihr

Betroffene geschaffen. Es gibt dem Parlament

standsaufnahme stellt damit den Ausgangs-

abhängig von ihrer Realisierbarkeit den Hori-

Lebensumfeld in Zukunft gestaltet wird. Dies

der Visionen ein Gesicht und eröffnet einen

punkt der weiteren Planungen zur Diskussion

zont des Denkbaren erweitern und die Vielfalt

steht in einer demokratischen Gesellschaft

besonderen Ort des Austausches und der

und macht bisher unerkannte Probleme und

der Möglichkeiten zum Ausdruck bringen. Vi-

allen Menschen, unabhängig von finanziel-

Begegnung, wird damit selbst zu einem Be-

Potentiale sichtbar. Sie hilft außerdem dabei

sionen und vor allem Wünsche machen Ver-

len Möglichkeiten, sozialem Status oder Bil-

standteil des Planungsgebietes. Indem alle

die möglichen Akteure, die Interessensgrup-

änderungen überhaupt erst vorstellbar. Die-

dungsstand, zu.

Arbeitsschritte dort stattfinden, macht es das

pen und Betroffenen aufzuspüren und direkt

ses Potential gilt es zu nutzen. So können in

Parlament der Visionen auch symbolisch zu

anzusprechen. Durch ihren relativ unverbind-

einer überschaubaren Zeit viele verschiedene

Die Stadtverwaltung gewinnt durch den par-

einem öffentlichen Verfahren und signalisiert

lichen Charakter erlaubt sie viele Formen der

Szenarien für die Entwicklung des Plangebie-

tizipativen Prozess des Parlaments der Visio-

die Möglichkeit zur Teilnahme. Das Forum bie-

Beteiligung und kann damit auch Menschen

tes erarbeitet werden. Entscheidungen und

nen

tet die Gelegenheit für beiläufige Formen der

erreichen, die sich sonst wenig für stadtpla-

Entwürfe werden von den Beteiligten nicht

Wissen über die Situation und die konkreten

Information und der Beteiligung und macht

nerische Fragestellungen interessieren oder

als alternativlose Ideallösungen erlebt, son-

Bedürfnisse und Wünsche der Anwohner. Mit

die erarbeiteten Zwischenergebnisse jeder-

nichts darüber wissen. Durch die eingesetz-

dern können besser eingeschätzt, verglichen

diesem Wissen in der Hand kann sie ihre Pla-

zeit frei zugänglich. Darüber hinaus bietet es

ten didaktischen Formate, insbesondere das

und abgewogen werden.

nungsinstrumente, Programme und Projekte

die Möglichkeit das Verfahren, durch weitere

räumliche Archiv, werden alle eingehenden

kulturelle Veranstaltungen zum Planungsge-

Informationen gesammelt und so aufbereitet,

ENTSCHEIDEN

biet oder zur Stadt allgemein, anzureichern

dass sie im weitern Verlauf des Verfahrens

Die Beteiligten können nicht nur eigene Vor-

Stadtplaner und Architekten, die für die Um-

und Kontakt zu den Anwohnern herzustellen.

jederzeit als Wissensbasis zur Verfügung ste-

schläge machen, sie sind auch an der Abwä-

setzung von offenen Zukunftsvisionen in kon-

hen und immer nachvollziehbar bleibt, wie

gung der zur Auswahl stehenden Alternativen

krete Bauten zuständig sind, gewinnen durch

eine Ausgangsinformation in das Endergeb-

und Szenarien beteiligt und können mit dar-

die lokale Zukunftsvision einen besseren Über-

Bestandsaufnahme setzt

nis eingegangen ist. Dieser Verfahrensschritt

über entscheiden. So wird die Auseinander-

blick über das räumliche Wirkungsfeld, in

mehrere Anforderungen an ein partizipati-

sollte intensiv für die Kontaktaufnahme mit

setzung über Vor- und Nachteile verschiede-

dem sie agieren und in das sie eingreifen.

ves Planungsverfahren um. Sie macht einer-

Anwohnern und einen ersten Austausch ge-

ner Konzepte öffentlich und nachvollziehbar

seits darauf aufmerksam, dass die Zukunft

nutzt werden. Durch die lange Dauer bietet

geführt.

des Ortes zur Verhandlung steht und macht

sich außerdem die Möglichkeit ein kulturelles

damit Werbung für das weitere Verfahren

Begleitprogramm anzubieten.

ERFORSCHEN Die partizipative

124

für ihre Planungsgebiete ein präzises

viel zielgerichteter einsetzen.

125


126


Mit dem Parlament der Visionen legen wir einen Entwurf für einen Planungsprozess vor, der eine partnerschaftliche Zusammenarbeit von Planern und Bürgern durch darin eingeschlossene Lernangebote fördert. Ziel des Verfahrens ist die ergebnisoffene Suche nach Entwicklungsmöglichkeiten eines städtischen Ortes, unter Einbeziehung einer breiten Öffentlichkeit. Der Ort wird über seine stadtplanerische Bedeutung hinaus zur Anschauung gebracht, seine Einbettung in kulturelle und gesellschaftliche Zusammenhänge erforscht und dargestellt. Der Aufbau und die Struktur des Parlaments der Visionen folgen einer simplen Dreiteilung in Bestandsaufnahme, Entwurf und Entscheidung. Die didaktischen Formate, als „Lehrmittel“ eingesetzt, machen die planerischen Inhalte und Verfahrensschritte der Öffentlichkeit zugänglich und für diese nachvollziehbar. Dadurch kann Partizipation im Sinne unserer Ausgangsthese - „Partizipation muss gelernt werden“ - im Prozess selbst erlernt und direkt angewandt werden. Mit der lokalen Zukunftsvision schlagen wir einen Plan vor, der eine größtmögliche Öffentlichkeitsbeteiligung auf einer Maßstabsebene zulässt, die dem alltäglichen Erfahrungsraum der Stadtbewohner möglichst nahe kommt. Die konkreten Inhalte der lokalen Zukunftsvision sind dabei nur vage angedeutet. In dieser Unschärfe sehen wir ein Potential für die Umsetzung, da zwar Formate vorgegeben werden, ihre Ausgestaltung aber fallspezifisch geschehen kann und muss. Das Parlament der Visionen ist ein idealtypisches Verfahren und die von uns entwickelten Formate und Verfahrenschritte können erst lebendig werden und ihre Funktionalität unter Beweis stellen, wenn sie praktisch angewandt und getestet werden. Mit dem vorliegenden Entwurf können wir somit nur Ansätze und Vorschläge liefern, aber nicht alle Fragen an ein partizipatives Planungsverfahren abschließend klären. Uns ist bewusst, dass wir ein recht langwieriges Verfahren vorschlagen, welches im Falle einer Umsetzung sowohl von den Teilnehmern als auch den Verfahrensleitern einen hohen Einsatz an Zeit und Energie verlangen würde. Mit Bestimmtheit lässt sich sagen, dass der Erfolg eines Verfahrens wie des Parlaments der Visionen in hohem Maße von der Ausgestaltung des konkreten Falles abhängig wäre. Die Formate und Verfahrensschritte liefern nur eine Grundstruktur und müssten 127


sowohl durch die Verfahrensleiter als auch von den Beteiligten angeeignet, verändert und weiterentwickelt werden, um sie an die jeweiligen Gegebenheiten anzupassen. Eine Umsetzung des Parlaments der Visionen in dieser Form wäre zudem nur denkbar, wenn der politische Wille da ist, ein solches Verfahren durchzuführen. Aber auch die auszugsweise Umsetzung und Weiterentwicklung einzelner Formate können wir uns vorstellen. In der partizipativen Bestandsaufnahme sehen wird das Potential, die Analyse des eines Planungsgebietes über architektonische und planerische Zugänge und Methoden hinaus zu erweitern. Durch ihre partizipative Ausrichtung bietet diese Form der Bestandsaufnahme Ansatzpunkte für andere Betrachtungsweisen der gebauten Umwelt, die sich allgemein als kulturelle Zugänge beschreiben lassen. Formen der Auseinandersetzung mit städtischen Räumen und Situationen unter anderem aus Kunst, Theater und Film, aber auch aus der Alltagskultur, könnten somit an einen Planungsprozess gekoppelt werden. Der Planungsprozess wird damit ein Stück weit aus der Experten- in die Alltagswelt geholt und kann unter gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Aspekten diskutiert werden. In dem Ansatz ein partizipatives Planungsverfahren als kollektiven Lernprozess zu gestalten, sehen wir das Potential eine auch über das konkrete Verfahren hinaus reichende Wirkung zu erzielen. Der Prozess bietet allen Teilnehmern ein kulturelles und gesellschaftliches Wissen über Wege des Zusammenlebens und der Konfliktlösung. Indem sich alle Beteiligten gleichberechtigt gegenüber sitzen und gemeinsam an einer Vision arbeiten, wird die Grundlage geschaffen, um gegenseitige Vorurteile abzubauen und die Positionen des jeweils Anderen kennenzulernen. Wenn dadurch die Bildung neuer Interessensgruppen und Koalitionen angeregt wird, kann ein Verfahren wie das Parlament der Visionen sogar Impulse für die weitere Entwicklung des Planungsgebietes geben.

128


129


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Der Entwurf für das „Parlament der Visionen“ stützt sich auf konkrete Erfahrungen, die wir in zwei Projekten gewonnen haben, in denen wir mit Jugendlichen auf verschiedene Art zum Thema Stadt gearbeitet haben. Im Folgenden stellen wir diese Arbeiten kurz vor.

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1. TATORT STADT Spurenlesen in der Großstadt Stadtwahrnehmung und Stadtverständnis als Unterrichtsgegenstand. Zusammenarbeit mit der Klasse 11c im ästhetischen Profil der Kooperativen Gesamtschule Elmshorn (KGSE) mit freundlicher Unterstützung von Marit Gromus (Kursleiterin), Lehrerin für Kunst und Deutsch. Projektrahmen Von uns selbst initiiertes Projekt. Vorbereitung und Durchführung von Workshops mit einer Schulklasse im Rahmen einer 4-tägigen Exkursion nach Berlin. Der erste Kontakt kam im April 2009 zustande. Die Exkursion fand vom 22.-25.06.2009 statt. Für die Vor- und Nachbereitung wurden uns an drei Terminen reguläre Schulstunden zur Verfügung gestellt. Die Klasse setzte sich aus 20 Schülerinnen und 3 Schülern zusammen. Ziele In diesem Projekt behandelten wir die Stadt als Forschungsgegenstand. Wir leiteten die Schüler zu einer Betrachtung, Beobachtung und Beurteilung städtischer Phänomene an. Wir fokussierten die Aufgaben auf das Schärfen der Wahrnehmung um den besonderen Eigenschaften der Großstadt Berlin auf die Spur zu kommen. Die gebaute Stadt, die Menschen, die in ihr leben und die verschiedensten weiteren Elemente, aus denen sich eine Stadt zusammensetzt, sollten die Schüler erkennen, differenzieren und deuten lernen. Sie sollten lernen, sich durch ihr eigenes Interesse geleitet, die Stadt zu erschließen und Spuren im Stadtraum zu lesen. Das übergeordnete Ziel war die Befähigung dazu, sich ein eigenes Bild von der Stadt zu machen, das nicht auf vorgefertigten Touristenperspektiven beruht und es ermöglicht bestimmten Orten und Räumen eine eigene Bedeutung zu geben. Tatort Stadt basierte vor allem auf einem vermittlungsorientierten Ansatz. Es ging weniger um die Erarbeitung eines Produktes, als vielmehr um die Reflektion und Erfahrung des „in einer fremden Stadt Seins“.

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2. STADTSAFARI 2.0 deine Stadt, dein Block, dein Garten: mach was draus! Stadterkundung und aktive Freiraumgestaltung mit Jugendlichen rund um den Moritzplatz in Berlin Kreuzberg. Zusammenarbeit mit den Initiatoren der Stadtsafari Marco Clausen und Robert Shaw, Nomadisch Grün(g) GmbH. Die Stadtsafari war ein Modellvorhaben im Rahmen des Forschungsprojekts „Jugendliche im Stadtquartier”, das im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) durchgeführt und vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) wissenschaftlich begleitet wurde. Das Projekt wurde online dokumentiert: http://www.stadtsafari.org Die Ergebnisse der Stadtsafari und der anderen Modellvorhaben wurde vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung aufgearbeitet und im Oktober 2010 unter dem Titel Jugend macht Stadt veröffentlicht. Weitere Informationen unter: http:/www.bbsr.bund.de Projektrahmen Wir arbeiteten an der Vorbereitung, inhaltlichen Gestaltung und Durchführung des Projekts während der Projektlaufzeit vom 02. Oktober bis zum 05. Dezember 2009, eingerahmt von einer Auftakt- und einer Abschlussveranstaltung. Über diese Zeit wurde im Projekt mit insgesamt fast 50 Jugendlichen aus Kreuzberg in 8 Gruppen gearbeitet, davon haben wir 4 Gruppen selbst betreut. Für die Durchführung der Workshops standen jeder Gruppe in der Regel je ein „Seniorguide“ und ein „Juniorguide“ zur Seite. Zusätzlich wurden Wissen und Fähigkeiten von einzelnen „Fachleuten“ einbezogen, so z.B. für den 3D Darstellungsworkshop und den Aufbau der finalen Projekte. Ziele Die Stadtsafari war ein Projekt für Jugendliche zwischen 8 und 20 Jahren. Es ging um die interaktive Quartierserkundung, die Entwicklung und modellhafte Umsetzung eigener Ideen zur Gestaltung von Freiräumen rund um den 137


Moritzplatz in Berlin Kreuzberg. Modellhaft hieß dabei, dass die Projekte auf eine Dimension heruntergebrochen werden mussten, deren Umsetzung innerhalb der Stadtsafari zu leisten war. Die Umsetzung war außerdem von Beginn an als temporär geplant. Das Ziel des Projektes war das Bewusstsein der Jugendlichen für ihre eigene Umgebung und deren Potentiale zu schärfen. Sie sollten die Gestaltungsmöglichkeiten erkunden und zu Akteuren und Experten werden, Wünsche formulieren, Ideen entwickeln und eigene Bedürfnisse entdecken. Die Jugendlichen waren für uns Experten der Aneignung und Nutzung von Freiräumen und wir in diesem Sinne Berater, die bei der Formulierung und Umsetzung von Ideen unterstützend zur Seite standen. Die Initialzündung für das Projekt war für nomadischgrün ihre Erfahrungen und Erkenntnisse durch die Gründung des Prinzessinnengartens, das man nämlich nicht unbedingt Planer oder Investor sein muss, um mit einer außergewöhnlichen Nutzungsidee den öffentlichen Raum sichtbar zu verändern. Überzeugt von der eigenen Vision, mit Leidenschaft und vielfältiger Unterstützung, konnten sie auch etwas so abseitiges wie eine urbane Landwirtschaft im Zentrum Berlins in die Tat umsetzen. Mit der Stadtsafari sollte dieses Wissen weiter gegeben werden und Jugendliche ermutigt werden, ähnliches zu tun: neue, andere Orte zu schaffen. Die Stadtsafari bewegte sich auf drei Ebenen: 1. Vermittlungsorientierung – den Jugendlichen sollte Know-How für die Entwicklung und Umsetzung eigener Ideen vermittelt werden, der Schaffensprozess von Anfang bis Ende modellhaft durchlaufen werden. 2. Ergebnisorientierung – konkrete Vorschläge für die jugendgerechte Gestaltung und Nutzung städtischer Freiräume sollten entwickelt und modellhaft umgesetzt werden 3. Forschungsorientierung – Wir wollten einerseits etwas über die Raumpraktiken der Jugendlichen, ihre Bedürfnisse und Wünsche erfahren, andererseits wollten wir Möglichkeiten erforschen und testen, mit denen sich Jugendliche selbst aktiv an der Produktion städtischer Räume beteiligen können.

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Gemäß den Anforderungen der Diplom-Prüfungsordnung des Studienganges Stadt- und Regionalplanung (Stand 1999) an Gruppenarbeiten, wird für die vorliegende Abschlussarbeit die Arbeitsteilung wie folgt aufgelistet: Tobias: Theoretische Betrachtung von Stadtplanung, Partizipation, Didaktik Texte für das Handbuch Planzeichnungen Layout Ragna: Theoretische Betrachtung von Raumkonzepten, Planungsebenen, Leitbildern Analyse des „Städtebaulichen Rahmenplans Luisenstadt“ Grafiken und Fotografien Visualisierungen für das Handbuch

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Das Parlament der Visionen - Bildung als Modus städtebaulicher Praxis  

Diplomarbeit Institut für Stadt- und Regionalplanung TU-Berlin

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