Designmonat Graz 2016 Magazine

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designmonat graz 16


Design [be]greifen – das kann man für den

Nationen – darunter Japan und die USA – zeigen

Designmonat Graz 2016 durchaus wörtlich

aktuelle Trends im Interior Design. Und auch

nehmen. Denn Design wird in insgesamt 103

das Designfestival assembly wartet mit einem

Programmpunkten 4 Wochen lang in all seinen

Designfeuerwerk im Joanneumsviertel mitten

Facetten und in der ganzen Stadt präsent sein.

in der Stadt auf. Apropos Stadt: „Design in the

Design zum Angreifen und zum Zugreifen ge-

City“ lädt Sie ein, direkt in die 34 teilnehmenden

wissermaßen. Design [be]greifen meint aber

Shops zu kommen und an den Aktionen und

noch viel mehr. Es bedeutet, Design in seiner

Projekten teilzunehmen.

ganzen Vielseitigkeit zu erkennen und auch als Strategie zur Problemlösung einzusetzen. „De-

Neugierig geworden? Dieses Magazin zeigt Ih-

sign Thinking“ heißt dieser überaus spannen-

nen die ganze Vielfalt des Designmonat Graz

de Prozess und so heißt das Leitmotiv für den

2016, und auch auf www.designmonat.at finden

Designmonat Graz 2016 auch „Design Thinking

Sie alle Infos zu den Veranstaltungen der kom-

– Thinking Design“. Nachdenken erwünscht!

menden 4 Wochen. Lassen Sie sich überraschen und inspirieren!

Als UNESCO City of Design zeigt Graz auch heuer wieder, was internationale Vernetzung

Herzlich willkommen im Designmonat Graz

bedeutet. Designerinnen und Designer aus

2016!

Montréal, Detroit, Helsinki und Berlin sind im Mai in Graz zu Gast. International sind auch die

Eberhard Schrempf

Designerinnen und Designer, die an der Ausstel-

und das Team der Creative Industries Styria

lung SELECTED teilnehmen. 47 Labels aus 15

IMPRESSUM Herausgeber: Creative Industries Styria GmbH, Marienplatz 1, 8020 Graz, +43 316 890 598, office@cis.at, www.cis.at, www.designmonat.at Geschäftsführung: Eberhard Schrempf Redaktion: Barbara Nußmüller, Martina Pock und ad literam (Susanne Ary, Stefan Schwar) Autoren: Sigrun Karre (freie Journalistin) Susanne Lipinski (freie Journalistin), Daniela Müller (Chefredakteurin, Die Steirerin), Wolfgang Schober (Chefredakteur, BusinessMonat), Cornelia Stiegler (Chefredakteurin, moments) Anzeigen: Mirella Bärnthaler, Barbara Nußmüller Satz und Gestaltung: Nina Escobar Castillo, Pia Furman Pivec, Victoria Pöttler, Philip Jay Veech, unter Mitwirkung von Tomislav Bobinec Druck: Medienfabrik Graz

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WHO DESIGNS AUSTRIA?

Was ist und kann österreichisches Design – eine Diskussion

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ERSCHRECKEND SCHÖN

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Tape-Art-Installation von Tape Over aus Berlin

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Design Thinking – Thinking Design als Schwerpunkt im Designmonat Graz

DESIGNERWACHEN

HANG ZUR PERFEKTION

Der Designmonat-Wein von Wohlmuth

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Klanglicht – eine audio-visuelle Installation auf Grazer Kulturhäusern

DENKEN WIE EIN DESIGNER ABER WOZU?

Awarded Design from Croatia in einer Ausstellung

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DESIGN FÜR DIE SINNE

SELECTED 2016 Ausgewähltes Möbel- und Interior Design aus 15 Ländern in der designHalle

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URBANES IDEENGESTÖBER

Design in the City: Vorhang auf für 34 Grazer Design-Shops

STADT RAUM SINN

Interventionen im städtischen Raum

HANDWERK IN HÖCHSTFORM

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SONNE MOND UND STERNE

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SCHLOSS GEIST REICH

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KREATIVE SCHNITTSTELLE

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HOLT – das neue Label der Kornberg Design Tischler

51 52

Die neue Schmuckkollektion von Schullin

Designgespräche auf Schloss Hollenegg

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ALTE LIEBE

Nostalgisches Upcycling bei Fanny et mari

AB INS KINO!

Die Vienna Design Week auf den Spuren Grazer Kinoarchitektur

AUGEN AUF GRAZ!

Look here! Design entdecken in Graz

Das Film- und Tonstudio AVbaby

NOTHING STOPS DETROIT

Die Motorcity (er)findet sich neu

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KREATIVWIRTSCHAFT ALS CHANCENMOTOR

Förderungen finden bei der Impulse Info Hour


66 67

KREATIVES DOPPEL

Design Battle in der Tischlerei Prödl

WAS BRAUCHT DER MARKT VOM MARKT? Weizer Bauernmärkte – neu gedacht

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ALTE UND NEUE BAUMGESCHICHTEN

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Vom Baum in den Reininghaus-Gründen zum Design-Möbel

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ARCHITEKTOUR

Im Cabriobus durch die City of Design

DESIGN PERFORMANCE

Florale Anarchie in der Polsterei Martina Sperl

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VERKAPPTE EITELKEIT

INHALT

Kappen von Béton Ciré bei Kastner & Öhler

ALTES GOLD IN NEUEM KLEID

Lampen aus Pokalen bei Gebhart Blazek

VOM RADWEG ZUM LAUFSTEG

Fahrradmodenschau bei Re.use – bike

GRAZ WIRD SMART

Vom Industriegelände zum intelligenten Stadtteil

IN BEWEGUNG

Das Designfestival Assembly mit Schwerpunkt Schuhe und Fashion

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84 87

DESIGN ENTSCHLEUNIGT

Schloss Hollenegg als Design-Refugium

PICKNICK MIT STADTBLICK

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ENTE AUF BESUCH

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„Verrücktes“ Upcycling bei Jugend am Werk

88

Die ideale Stadt – aus Sicht einer Cartoon-Ente

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96 100 102

DRUCKFRISCH

Workshops für Bleisatz bei DruckZeug

GRAZ BRAUCHT MEER

Nachhaltige Bademoden von Johanna Hauck und Magdalena Brunner

ERFOLGSREZEPT

Der Österreichische Kochbuchpreis Prix Prato

DESIGN NETZ DENKEN

Die Lecture Days an der FH Joanneum

G’SCHEIT FESCH

Der Fesch’Markt kommt in die Seifenfabrik

TISCHGEMEINSCHAFT

Der Collective Desk der Neuen Wiener Werkstätten

103

INNOVATIVER URBANISMUS

Die Siegerprojekte von Europan 13

104

BEHIND THE DESIGN

Das Designteam stellt sich vor


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PULSIERENDE DESIGNSTADT Bereits zum achten Mal geht der Designmonat

Stadt, was wiederum das Profil von Graz weiter

Graz heuer über die Bühne und schon längst ist

schärft. Wie gut das gelingt, zeigt unter anderem

er zu einer fixen Einrichtung geworden – in der

ein Blick auf die Liste der Partnerstädte, die im

Stadt Graz ebenso wie in der internationalen

Designmonat Graz zu Gast waren. Sie umfasst

Designwelt, die Graz mittlerweile als pulsie-

Städte wie Buenos Aires (2012), Nagoya (2013),

rende Designstadt wahrnimmt. Dafür verant-

St.-Étienne (2014) und Montréal (2015). Heuer

wortlich ist die konsequente Positionierung von

ist übrigens die unlängst als UNESCO City of De-

Graz als Stadt mit hoher Lebensqualität, exzel-

sign ausgezeichnete amerikanische Metropole

lenten Ausbildungseinrichtungen im Bereich

Detroit im Designmonat Graz vertreten.

Design und einer vitalen, offenen Szene, die als Impulsgeberin für viele Initiativen fungiert.

Kreativität und Design sind wichtige Themen

Der Designmonat Graz ist der beste Beweis da-

– gerade für eine Stadt mittlerer Größe. Aus

für, wie Design und Kreativität gelebt werden

diesem Grund hat Graz auch eine City-of-De-

und wie breit das Angebot ist, das Graz seinen

sign-Stabsstelle direkt im Bürgermeisteramt

Gästen aus dem In- und Ausland, aber auch

eingerichtet, die gemeinsam mit der Abteilung

den Grazerinnen und Grazern selbst macht. In

für Wirtschaft und Tourismusentwicklung und

diesem Sinn ist auch das diesjährige Motto des

der Creative Industries Styria die weitere Ent-

Designmonat Graz zu verstehen: „Design [be]

wicklung vorantreiben wird, sodass möglichst

greifbar machen“.

viele Menschen und Unternehmen vom UNESCO Creative Cities Network profitieren.

2016 ist ein besonderes Jahr für die UNESCO Foto: Stadt Graz | Fischer

City of Design Graz, denn heuer feiern wir das

Herzlich willkommen im Designmonat Graz!

5-jährige Jubiläum: Seit März 2011 ist Graz Mitglied im UNESCO Creative Cities Network, und zwar ein äußerst aktives Mitglied. Die Teilnah-

Mag. Siegfried Nagl

me an internationalen Konferenzen und Mee-

Bürgermeister der Stadt Graz

tings ermöglicht die weltweite Präsentation der

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als UNESCO City of Design ebenso wie bei den

Wirtschaft nicht mehr wegzudenken, ja mehr

Steirerinnen und Steirern, die im Rahmen von

noch, sie präsentiert sich seit Jahren als echte

Erfolgsprojekten wie „Erlebniswelt Wirtschaft“

Erfolgsgeschichte „made in Styria“. Im Wirt-

in die heimischen Betriebe strömen und sich

schaftsressort haben wir das früh erkannt und

von der Leistungsfähigkeit der steirischen Un-

wir arbeiten seither konsequent daran, das

ternehmen überzeugen.

gesamte kreative Potenzial effektiv zu nutzen.

Der Designmonat Graz bietet heuer bereits zum

Bereits 2007 haben wir die Creative Industries

achten Mal die Gelegenheit, die geballte Kraft

Styria gegründet, die sich in den letzten Jahren

und Energie der steirischen Kreativunterneh-

als kreativer Katalysator zur Vernetzung von

men aus nächster Nähe zu erleben. Sie schaffen

Wirtschaft und Kreativwirtschaft bewährt hat.

durch ihre kreativen Leistungen neue Produkte

Darüber hinaus haben wir die Kreativwirtschaft

und Dienstleistungen, die sich erfolgreich am

als Querschnittsmaterie in unserer Wirtschafts-

Markt behaupten. Zahlreiche Ausstellungen,

strategie verankert, damit so viele Bereiche wie

Vorträge und Workshops zeigen einen ganzen

möglich von den kreativen Leistungen profitie-

Monat lang, welche Bedeutung Kreativität und

ren können.

Design für die moderne Wirtschaft haben –

Wie stark die Kreativwirtschaft mittlerweile

und setzen damit auch das Motto des heurigen

geworden ist, zeigen auch die Zahlen: Jedes

Designmonat Graz um, nämlich „Design [be]

zehnte Unternehmen gehört mittlerweile zur

greifbar machen“.

Kreativwirtschaft, rund 4.000 Kreativunternehmen beschäftigen rund 14.000 Menschen

Einen spannenden und erlebnisreichen

und erzielen damit einen Umsatz von 1,5 Mil-

Designmonat Graz wünscht

liarden Euro. Damit liegt die Steiermark über dem Österreichschnitt. Doch auch abseits der Zahlen ist die innovative Kraft der steirischen

Dr. Christian Buchmann

Kreativbetriebe immer stärker zu spüren: in

Landesrat für Wirtschaft, Tourismus,

der internationalen Wahrnehmung von Graz

Europa und Kultur

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Foto: Robert Frankl

Die Kreativwirtschaft ist aus der steirischen

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GEBALLTE KREATIVE KRAFT


DESIGN THINKING – THINKING DESIGN

DENKEN WIE E ABER WOZU? Text: Wolfgang Schober

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Methode oder Mindset? Begriffshype oder Innovationsturbo? Rund um Design Thinking gibt es viele Mythen. Wahr ist: Wer’s probiert, riskiert das Auffinden radikal neuer Ideen und Lösungswege. Warum Design Thinking Unternehmen und sogar ein wenig die Welt verändert, wie man „von der Zukunft lernen“ kann und was Sie bei der großen Design Thinking Challenge am 6. Mai erwartet – eine Praxisschau.

Man kennt das. Manche Menschen haben eine Lösung, aber nicht das passende Problem dazu. Andere haben viele Probleme, leiden aber unter akutem Lösungsmangel. Und wieder andere wissen gar nicht,

dass sie ein Problem haben. Die haben wirklich ein Problem! Das Leben – ein ewiges Mismatch von Problem und Lösung. Welcher Lösungsdeckel passt bloß auf meinen Problemtopf? In diesem kann’s bekanntlich heftig brodeln. Ganz besonders in der durch multiple Krisen derzeit stark überhitzten Wirtschaftswelt. Unternehmer haben Absatzprobleme, Innovationsschwächen, Personalnöte, Finanzierungsengpässe, Vermarktungsschwierigkeiten oder – sehr beliebt

Illustration: © ManfredLecher.com

– ein Kostenproblem. Verschnarchte Produkte und Dienstleistungen liegen der Problemlage meist zugrunde, ebenso wie konservative, innovationsintolerante Firmenkulturen, die den Ideenmuskel eines Unternehmens oftmals mehr paralysieren denn vitalisieren. Unternehmen und Organisationen als Gefangene ihres Systems, als Gleichschritt-Trotter auf ausgetrampelten

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DESIGN THINKING – THINKING DESIGN

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IN DESIGNER Pfaden, die Risiken am Weg überschätzend, die Chancen übersehend. Als rettender Einfall wird dann häufig – von ganz oben verordnet – die Königsidee aufs Flipchart gebracht: „Ein neues,

Verwerfen, Erneuern und Verfeinern – und

cooles Design für unser Produkt muss her. Und

nutzt dieses Tool-Set für ein breites Spektrum

alles wird gut.“ Oberflächenkosmetik by Anord-

an Fragestellungen. Dieses reicht von der Eta-

nung, quasi Boss centered Design.

blierung neuer Produkte und Services bis hin zu kompletten Umstrukturierungsprozessen

In ausgewählten Fällen mag das sogar zum Er-

großer Organisationen. „Der Aufbau einer Sha-

folg führen, ein strategischer Ansatz sieht frei-

ring-Plattform für E-Autos, die Neukonzeption

Ein „Schlafsack für Frühchen“

lich anders aus. Für ihn braucht es viel mehr als

von medizinischen Geräten, die Verbesserung

Ihren Ursprung fand die Methode im Jahre 1991,

ein Werkzeug, sondern besser einen Werkraum –

von Sicherheitssystemen an Flughäfen oder

als der Amerikaner David Kelley seine längst

am besten aber einen Denkraum bzw. eine neue

der Einsatz von Photovoltaik für Slums in Af-

legendäre Design- und Innovationsagentur Ideo

Art des Denkens. Design Thinking ist eine davon.

rika – der Anwendungsbereich von Design

in Palo Alto gründete. Rund zehn Jahre später

Thinking ist ausgesprochen vielseitig“, erklärt

initiierte Kelley gemeinsam mit Larry Leifer und

Breites Spektrum an Anwendungen

Klaus Weissmann, Unternehmensberater und

Terry Winograd die d.school, Institute of Design

Design Thinking – der Begriff mag verwirren. Mit

Design-Thinking-Experte. „Design Thinking ist

at Stanford, die sich einem breiten Verständnis

Design selbst verbindet ihn wenig und sehr viel

nichts anderes als der strukturierte Weg von ei-

von Design verschreibt. Unterstützt wird das

zugleich. Design Thinking ist beides: Methode

ner Problemstellung zu einer konkreten Lösung“,

Institut von Hasso Plattner, dem Gründer des

und Mindset. Das „Denken wie ein Designer“

ergänzt Peter Webhofer vom Bluelab im Grazer

Software-Giganten SAP. Dieser erkannte das Po-

bildet die Basis für Problemlösungsprozesse

Rondo am Marienplatz. Damit geht Design Thin-

tenzial von Design Thinking frühzeitig, integrier-

vieler Art. Design Thinking imitiert die Vorgangs-

king weit über das Thema Produktdesign hinaus

te es in sein Unternehmen und gründete zudem

weise eines Designers – eine Kombination aus

und zielt mitten auf das Geschäftsmodell und

die School of Design Thinking am Hasso-Platt-

Verstehen, Beobachten, Lernen, Produzieren,

die Firmenkultur einer Organisation.

ner-Institut der Universität in Potsdam.

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DESIGN THINKING – THINKING DESIGN

Mittlerweile setzen zahlreiche renommierte internationale Player wie Microsoft, IBM, Swisscom, Deutsche Bank, Volkswagen, Deutsche Bahn, Siemens oder AirBNB auf Design Thinking für Innovations- und Entwicklungsprozesse. Spektakuläre Innovationen wie der inkubierende Schlafsack für Frühchen, ein „Brutkasten light“ für Babys in Schwellenländern, gehen auf das Konto von Design-Thinking-Prozessen. Auch hierzulande beginnen immer mehr Einrichtungen wie Großbanken, Energiekonzerne oder

Illustration: © ManfredLecher.com

Ministerien, die Chancen der Innovationsmethode zu nutzen. Die Entwicklung von „George“, dem neuen Online-Banking-System der Erste Bank, wird der Methode zugeschrieben. Zudem wird Design Thinking an der FH Oberösterreich gelehrt und Design-Thinking-Interessierte werden von Anbietern wie dem Bluelab in Graz professionell ausgebildet.

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DESIGN THINKING – THINKING DESIGN

den. Ich muss mich buchstäblich in den Schuhen des Kunden bewegen, um ein Problem lösen zu können“, sind sich die beiden Experten einig. scheitert, desto besser und vor allem günstiger.

Empathie-Aufbau, Kunden-Beobachtung & Co.

Ein Papier-Prototyp kostet schließlich weniger

lauten hierzu die konkreten Maßnahmen zu Be-

als ein fertiges, aber letztlich untaugliches Pro-

ginn eines Design-Thinking-Prozesses. An des-

dukt“, verrät Klaus Weissmann. „Irrungen und

sen Ende steht die Co-Creation, ein gemeinsam

Wirrungen sind daher sehr erwünscht.“ Motto:

geschaffener Lösungsprototyp – etwa in Form

Der Umweg ist das Ziel.

einer Zeichnung oder eines Legostein-Modells.

Was ist nun der Clou an Design Thinking und

In einem iterativen Prozess versucht ein Design-

wichtige Design-Thinking-Prämisse. „Nützen wir

worin liegt sein Mehrwert? Oder handelt es sich

Thinking-Team in sechs Prozessschritten Ant-

doch die Weisheit unserer Hände“, macht Klaus

gar um eine neue, bloß begrifflich aufpolierte

worten auf möglichst konkrete Fragestellungen

Weissmann Mut fürs Ausleben des Spieltriebs.

Modemethode, vergleichbar dem Brainstor-

zu finden. Etwa: Welches Mobilitätskonzept ist

„Gerade mit Lego-Modellen haben wir tolle Er-

ming-Seminar-Hype der 1980er Jahre? „Mit Kri-

für Bewohner eines Smart-City-Stadtteils ide-

fahrungen und bekommen meist super Ergeb-

tik dieser Art sind wir tatsächlich immer wieder

al? Oder: Wie kann ein österreichischer Indust-

nisse. Der beste Moment beim Design Thinking

konfrontiert. Aber wer Design Thinking einmal

rie-Schweißgeräte-Anbieter seine Marktposition

ist, wenn Manager ihre Krawatten in die Ecke

ausprobiert hat, wird jede Skepsis rasch able-

gegenüber asiatischer Billigkonkurrenz verbes-

werfen und zu den Legosteinen greifen.“

gen“, betont Peter Webhofer. Zwei Grundpfeiler

sern? Oder: Wie kann ein Arzt die Kundenzufrie-

des Design Thinking verleihen ihr besondere

denheit seiner Patienten in seiner Ordination

Das Erfreuliche: Im Design Thinking gibt es im-

Effektivität: die kundenzentrierte Perspektive

erhöhen? Konkrete Fragen, die Webhofer und

mer ein Ergebnis. Weissmann: „Am Ende kommt

und die multidisziplinäre Zusammensetzung

Weissmann in jüngster Vergangenheit als De-

jedes Mal etwas raus. Und sei es, dass man ein

der Teams.

sign Thinker begleiteten. Entscheidend dabei

ursprünglich geplantes Produkt verwirft, weil

sei die Herangehensweise. Webhofer: „Im ersten

der Bedarf schlichtweg nicht gegeben ist. Auch

Weg mit den Hierarchien!

Schritt geht es nie darum, nach Ideen für die

eine nicht getätigte Fehlinvestition ist ein Er-

Konkret besteht ein Design-Thinking-Team in

Lösungen zu suchen, sondern zuallererst das

folg.“ „Ideal ist freilich, wenn im Design Thinking

der Regel aus fünf bis sieben Personen: Interne

Problem zu analysieren und wirklich zu verste-

etwas radikal Neues, bislang nicht Gedachtes

und Externe, Männer und Frauen, Jung und Alt,

hen. Denn das ist das Magische an der Methode:

entsteht“, ergänzt Webhofer. „Auch das pas-

Abteilungsleiter, Projektmanager, Verkäufer,

Wenn ich die wahren Bedürfnisse der Kunden,

siert, es sind gleichsam spirituelle Momente,

Designer und – ganz entscheidend – die Kun-

ihre tatsächlichen Needs, einmal verstanden

gewissermaßen ein Lernen von der Zukunft –

den sitzen an einem Tisch mit dem Moderator.

habe, ergeben sich die Lösungsmöglichkeiten

die Krönung eines erfolgreichen Design-Thin-

„Es kann etwa auch der Vorstandsvorsitzende

fast von allein“, erklärt Webhofer, der im Sin-

king-Prozesses.“

mit der Empfangsdame gemeinsam im Team

ne eines Double-Diamant-Modells die Berei-

sein. Stets gilt dabei das Prinzip: Es gibt kei-

che Problemraum und Lösungsraum in einem

Neues Denken statt neuer Tapete

ne Hierarchien! Leave the titles at the door“,

Design-Thinking-Projekt klar trennt. „Wird in

Was es heißt, in den Schuhen des Kunden zu

erklärt Webhofer. Auch andere Regeln sollen

diesem ,Problemraum‘ ausreichend verdichtet,

gehen, weiß der Experte aus der Praxis des

ein konstruktives Setting gewährleisten. An der

sind die Lösungen im zweiten Schritt praktisch

Service-Designs. Ein deutscher Arzt lud ihn,

Wand des Aufenthaltsraums im Bluelab kleben

aufgelegt“, bestätigt Weissmann.

so Weissmann, zuletzt nach Berlin ein, um die

diesbezügliche Post-its mit klarem Inhalt: „Don’t

Wartezimmersituation für seine Patienten zu

talk! Do!“, „Let’s have fun!“, „Dare to be wild“,

Im Mittelpunkt aller Verdichtungsprozesse: der

verbessern. „Ursprünglich dachte der Arzt bloß

„Avoid criticism!“ und vor allem „Fail early and

Kunde. User-centered-Design als höchste Prio-

daran, seine Tapete in der Ordination auszutau-

often!“, eine unverhohlene Aufforderung zum

ritätsstufe. „Das Unternehmen muss unbedingt

schen. Schließlich haben wir uns selbst ins War-

Scheitern. „Je früher man in einem Prozess

mit der Brille des Konsumenten betrachtet wer-

tezimmer gesetzt, die Prozesse beobachtet,

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„Make it visual“, lautet schließlich eine weitere


DESIGN THINKING – THINKING DESIGN

Generation Y goes Co-Creation mit den Patienten gesprochen und vieles mehr.

Was es für sämtliche Prozesse dieser Art

Dabei haben wir gesehen, wo die Probleme wirk-

braucht? „Ein verändertes Mindset. Denn Design

lich lagen und welche Kundenbedürfnisse vor-

Thinking ohne Design-Thinking-Haltung funkti-

herrschen. Dadurch waren wir in der Lage, dem

oniert nicht“, betont Webhofer. „Für die Umset-

Arzt einen ganzen Katalog an Ideen aufzuzeigen,

zung braucht es Menschen, die zur Co-Creati-

wie er die Abläufe verbessern und somit die Zu-

on fähig sind. Das sind Führungskräfte, die an

friedenheit seiner Patienten ohne viel Aufwand

die Crowd-Intelligenz glauben und nicht einer

steigern konnte – und ganz ohne neue Tapete.“

Schwarm-Dummheit das Wort reden.“ Daher

Der Kunde im Mittelpunkt als Ankerpunkt eines

ist der Experte auch davon überzeugt, dass die

umfassenden Innovationsprozesses.

nachdrängende Generation Y wie geschaffen

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für Design Thinking sein wird. „Man braucht Ein symptomatischer Fall für Weissmann, des-

ja nur zu schauen, wie junge Leute heutzuta-

sen Conclusio lautet: „Vordergründig verändern

ge ihre Schul-Hausübungen machen: gemein-

Unternehmen mit Design Thinking ihre Produkte

sam mittels WhatsApp. Das ist Co-Creation in

und Dienstleistungen, in Wirklichkeit aber sich

Reinkultur“, frohlockt Webhofer. Aktuellen Füh-

selbst.“ Ähnlich der Fall eines oberösterreichi-

rungskräften der alten Schule hingegen stünden

schen Schweißgeräte-Herstellers, dem ein Chi-

noch bornierte Weltbilder sowie ausgeprägtes

na-Billig-Konkurrent existenziell zusetzte. „Auch

Machtgehabe im Weg. „Ich bin überzeugt: In den

hier gingen wir hautnah in die Anwendung und

kommenden Jahren wird sich das Leadership,

begleiteten verschiedene Schweißer bei ihrer

aber auch die Organisation eines Unternehmens

Arbeit vor Ort und dem Gebrauch der Geräte.“

massiv verändern. In einer Wissensgesellschaft

Die Erkenntnisse mündeten schließlich in ein

lassen sich Firmen nicht mehr wie eine Hen-

gänzlich neues Business-Modell des Produzen-

ry-Ford-Fabrik organisieren. Wer zur Innovation

ten. „Dieser tritt seither als Service-Anbieter mit

fähig sein will, muss künftig jeden Mitarbeiter

einem Geräte-Verleihsystem am Markt auf und

als Ressource nutzen.“

nicht mehr als klassischer Produktverkäufer.

Die Spin-off-Effekte von Methoden wie Design

Durch diesen Strategiewandel ist die Konkur-

Thinking sind damit durchaus weitreichend. Ein

renz aus Fernost für ihn kein Thema mehr.“

„Nebeneffekt“, den auch der Grazer Strategie-

Illustration: © ManfredLecher.com

und Technologieberater Christian Wagner, viele

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Jahre beim Grazer Kompetenzzentrum evolaris

innovativen Denkansatzes. Peter Webhofer und

beschäftigt und mit Innovationsprojekten be-

Klaus Weissmann laden am 6. Mai an einen noch

traut, als den relevantesten betrachtet: „Men-

geheimen Ort zur Design Thinking Challenge.

schen verstehen zunehmend, dass viele Dinge

24 Stunden strukturiertes und lustvolles Ver-

und abgeleitete Zustände, die wir lange Zeit als

stehen, Beobachten, Lernen, Produzieren, Ver-

unveränderbare Naturgesetze akzeptiert haben,

werfen, Erneuern und Verfeinern. 24 Stunden

formbar sind. Technologie ist formbar. Abläufe

Denken wie ein Designer! „Wozu?“ wird danach

und Unternehmen sind formbar! Das ist sozu-

wohl niemand mehr fragen.

sagen die gute Nachricht rund um das Thema Design Thinking.“ Design Thinking Challenge Wie sich Design Thinking in der Praxis bewährt,

Das 24-Stunden-Design-Thinking startet am

konnten Webhofer und Weissmann im April im

6. Mai um 14 Uhr und dauert bis 14 Uhr des

Rahmen ihres erstmalig veranstalteten Design

folgenden Tags. Der Ort wird noch geheim ge-

Thinking Summits in Graz demonstrieren. Aus-

halten. 20 Interessierte können an der Challen-

gewählte Fragen rund um die urbane Zukunft

ge teilnehmen. Die Fragestellung nimmt aktu-

des Projekts Reininghaus standen dabei im Zen-

elle Smart-City-Projekte in Graz ins Visier und

trum hochkarätig besetzter Teams. Für Septem-

versucht die wahren Bedürfnisse potenzieller

ber ist die Abhaltung eines Innovationscamps

Smart-City-Bewohner zwischen technologi-

geplant, das heimische Unternehmen einlädt,

schen und sozialen Smart-Faktoren aufzuspü-

sich mit konkreten Fragestellungen für Design-

ren. „Wie viel Smartness ist den Menschen in

Thinking-Prozesse einzubringen. Und auch der

einer künftigen Smart City zumutbar?“

Designmonat Graz steht heuer im Zeichen des

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DESIGN THINKING – THINKING DESIGN


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Balkan Type System by Marija Juza, Nikola Đurek (self-initiated work, 2012) – CDA Grand Prix

DESIGNERWACHEN Text: Stefan Schwar

Kroatien hat eine junge und vitale Designszene. Eine Ausstellung in der designHalle zeigt preisgekröntes kroatisches Design aus praktisch allen Disziplinen sowie Arbeiten der kroatischen Designlegende Bogdan Budimirov.

Der Anspruch der Ausstellung

ist

ziemlich hoch, soll doch in „Awarded Design from Croa-

tia“ nicht mehr und nicht weniger als „die Gesamtheit der kroatischen Design-Produktion abgedeckt werden“, so der Ausstellungskurator Marko Golub. Dementsprechend breit ist auch das Spektrum der gezeigten Arbeiten, die visuelle Kommunikation und Produktdesign ebenso umfassen wie New Media Design und Fashion

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Design, aber auch Interventionen und Installa-

von Zagreb an der Wende vom 19. ins 20. Jahr-

Bogdan Budimirov

tionen im öffentlichen Raum. Kurzum: Zu sehen

hundert zu finden waren. Nikola Đurek zeichnet

Ein Teil der Ausstellung ist dem kroatischen

ist so gut wie jede kreative Branche, Arbeiten

auch für „Croata“ verantwortlich, eine Schriftart,

Architekten und Designer Bogdan Budimirov

von Studierenden nehmen einen breiten Raum

die sich am glagolitischen Alphabet – der älteste

gewidmet. Budimirov, Jahrgang 1928, begann

ein und die Bandbreite der Objekte reicht von

slawischen Schrift, die in Kroatien bis ins ausge-

seine Karriere nach dem Zweiten Weltkrieg im

hoch kommerzialisiertem Produktdesign bis hin

hende Mittelalter gebräuchlich war – orientiert.

sozialistischen Jugoslawien und war in den da-

zu nicht-profitorientiertem Design im Kontext

Um Schrift geht es im weitesten Sinn auch bei

rauffolgenden 6 Jahrzehnten auf unterschied-

von Forschung, Kunst und Kultur. Die Intention

der Arbeit „Ferry Signage System“ von Iris Klarić,

lichsten Gebieten tätig, von der Architektur bis

ist also klar, nämlich Design als wirtschaftlich,

die ein Orientierungs- und Wegweisersystem

hin zu Möbel- und Produktdesign. Stets daran

sozial und kulturell bedeutsamen Berufszweig

für die Schiffe der kroatischen Fährgesellschaft

interessiert, die Grenzen der Disziplinen zu

vorzustellen und im Bewusstsein zu verankern.

Jadrolinija liefert. „Excavations“ wiederum ist

überwinden und aufzulösen, gilt Budimirov als

326 Ausstellungsstücke nehmen diese Arbeit

ein forschungsbasiertes Ausstellungsprojekt,

einer der einflussreichsten Designer Kroatiens.

insgesamt auf, nominiert von einer internatio-

bei dem sich Narcisa Vukojević und Lana Cavar

2014 wurde er von der Croatian Designers As-

nalen Jury. 20 davon sind in der designHalle im

mit dem kroatischen Designerbe zwischen 1945

sociation mit einem Award für sein Lebenswerk

Rahmen des Designmonat Graz zu sehen.

und 1990 auseinandersetzen. Dabei geht es

ausgezeichnet. Im Designmonat Graz ist unter

nicht zuletzt darum, einen präzisen Blick auf

anderem der Zeichentisch „Moya“ zu sehen.

Schwerpunkt Typografie

Design als soziales Phänomen zu werfen.

Einer der Schwerpunkte der gezeigten Arbeiten liegt auf der Typografie. „Balkan Type System“ etwa von Marija Juza und Nikola Đurek kombiniert das lateinische und kyrillische Alphabet und dient dabei als eine Art Konverter für das kroatische lateinische und das serbische kyrillische Alphabet. Übergeordneter Gedanke dabei ist die „Versöhnung“ der beiden Codes, deren Entpolitisierung und Entmystifizierung, um ihre eigentliche Funktion wieder in den Vordergrund zu rücken, nämlich die Kommunikation. Genuin kroatisches Typografie-Design findet sich auch in „Typography and signage for Zagreb streets and house numbers“ wieder. Die Arbeit von Nikola Đurek und Damir Bralić entwirft Straßenschilder und Hausnummern auf Basis jener Typografie, wie sie auf den historischen Fassaden

Moya by Bogdan Budimirov, 1980

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AWARDED DESIGN FROM CROATIA


AWARDED DESIGN FROM CROATIA

Designland Kroatien Auch wenn Kroatien auf den ersten Blick und im internationalen Vergleich nicht unbedingt als

Ferry Signage System by Iris Klarić (DVK UMAS Split, mentors: Nikola Đurek, Damir Bralić, 2012/2013) - CDA Award in the Spatial and graphic interventions and systems, students’ work category

auffällig designaffin wahrgenommen wird, so

abzielt. Der Cluster ist in 12 Sektoren (Architec-

gibt es dennoch seit Jahren rege Aktivitäten, um

ture, Audio-Visual Arts, Heritage, Design, Music,

der Kreativwirtschaft insgesamt einen größeren

Performing Arts, Book Publishing, Media, Adver-

Stellenwert zu geben. Bereits seit 1999 wird

tising and Brand Communication, Applied Arts,

im Zwei-Jahres-Rhythmus kroatisches Design

Computer Games and New Media, Visual Arts)

in eigenen Ausstellungen gezeigt („Exhibitions

unterteilt und zählt mittlerweile 90 Mitglieder,

of Croatian Design“), 2013 wurde der „Croa-

darunter Unternehmen oder auch Bildungsein-

tian Competitiveness Cluster of Creative and

richtungen wie die Universität von Zagreb. Der

Cultural Industries“ (CCCCCI) vom kroatischen

Cluster ruft heuer auch erstmals den „Month of

Wirtschaftsministerium ins Leben gerufen, eine

Creative and Cultural Industries“ aus, der dazu

Organisation, die ähnlich wie die Creative In-

beitragen soll, Kreativität sichtbarer zu machen

dustries Styria auf die Vernetzung der einzel-

und die Bedeutung des kreativen Outputs für

nen Kreativunternehmen untereinander sowie

die gesamte Wirtschaft zu unterstreichen. Da-

auf Vernetzung mit der klassischen Wirtschaft

rauf zielen auch die Aktivitäten der nächsten Jahre ab, um Kroatien als junge und starke

Exhibition of Croatian Design 1314, Museum of Arts and Crafts Zagreb; Croatian Designers Association 2013

Foto: Barbara Šarić

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Kreativregion zu positionieren.

designmonat graz 16


Exhibition of Croatian Design 1314, Museum of Arts and Crafts Zagreb; Croatian Designers Association 2013

Von der Designszene zur Designkultur Kroatien verfügt über eine ganze Reihe an Ausbildungseinrichtungen am Designsektor, etwa die Zagreb University School of Design oder das

Institutionen und Organisation, die eigentlich

Department for Visual Communications Design

besonders daran interessiert sein sollten, dass

an der Split Art Academy. Daraus hat sich eine

Design und Kreativität genau diese Funktion

aktive, großteils urbane Designszene entwickelt,

ausüben. Die staatliche Verwaltung, aber auch

haben, heißt das noch lange nicht, dass wir auch

die auf den Markt drängt. Für Kurator Marko Go-

Stadtregierungen und öffentliche Unternehmen

eine starke Designkultur haben“, meint Golub.

lub geht es nun unter anderem darum, dass die

verkennen, so Golub, (noch) die Rolle und die

Für den „Croatian Competitiveness Cluster of

kreative Energie nicht allein in Souvenirartikeln

Leistungsfähigkeit von Design: „Eine Disziplin,

Creative and Cultural Industries“ und die zahl-

und netten Produktlösungen für nichtbestehen-

die alle Sphären des täglichen Lebens umfas-

reichen Design-Initiativen gibt es also in puncto

de Probleme versickert, sondern in den Alltag

sen soll, befindet sich immer noch im sicheren

Bewusstseinsbildung noch genug zu tun, damit

einfließt, dort wirksam wird und das Leben der

Hafen von Kulturproduktion oder Kleinserie, die

die starke und aufstrebende Designszene auch

Menschen spürbar erleichtert. Ein zusätzliches

in Lifestyle-Magazinen zu finden oder in den

jenen Platz in der öffentlichen Wahrnehmung

Problem ortet er auch ausgerechnet bei jenen

Regalen der Design-Shops ausgestellt ist“, so

und in Gesellschaft und Wirtschaft bekommt,

Golub. Anders gesagt: Design habe einen gewis-

den sie verdient.

sen kulturellen und sozialen Status erreicht, sei

[ AWARDED DESIGN FROM CROATIA ]

aber noch immer etwas auf verlorenem Posten.

Ausstellung

„Nur weil wir eine starke lokale Designszene

30. April bis 29. Mai designHalle Lazarettgürtel 62, 8020 Graz

designmonat graz 16

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Foto: Barbara Šarić

AWARDED DESIGN FROM CROATIA


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Foto: Wohlmuth

HANG ZUR PERFEKTION 21

Sonnige Südsteiermark: ideale Bedingungen für beste Rebenqualität

Wohlmuth ist mit Sicherheit einer der klingendsten und traditionsreichsten Namen in der an exzellenten Weinen

Der Wein zum Designmonat Graz 2016 stammt vom Weingut Wohlmuth. Der trockene Sauvignon blanc Kitzecker 2015 wird bei der Eröffnung des Designmonat Graz präsentiert.

nicht gerade armen Südsteiermark. Die Geschichte des Weinguts Wohlmuth reicht zurück bis ins Jahr 1803. Seit damals keltert die Familie bereits ihre Weine im südsteirischen Sausal – und das unter zum Teil extremen Bedingungen. Denn die steilen Hanglagen mit Neigungen von bis zu 90 % erfordern damals wie heute traditionelle Handarbeit. Die Hänge liegen auf 400 bis 610 Meter Seehöhe, womit sie zu den steilsten Rebbergen Europas zählen. Die massiven quarzitreichen Schiefersteine werden so wie anno dazumal mit Hämmern kleingeschlagen, und jeder einzelne Rebstock wird von Hand in den Boden eingesetzt. Der Schieferboden ist mitverantwortlich für den markanten und unverwechselbaren Charakter der Wohlmuth-Weine, die sich durch würzige Komponenten und eine oft salzig-mineralische Struktur auszeichnen. Der Erfolg liegt aber nicht einfach so im Boden, sondern erfordert jede Menge Arbeit. „Bis der Wein einmal fertig ist, fließen bis zu 1.200 Arbeitsstunden Jahr für Jahr in jeden Hektar Weingarten“, erzählt Gerhard Wohlmuth über seine Weine, die bereits mit unzähligen Preisen und Awards ausgezeichnet wurden. Wein und Design liegen im Hause Wohlmuth übrigens nah beieinander. So erhält jeder Jahrgang seit 1986 ein eigenes Jahrgangsetikett. Der Designmonat Graz bietet somit eine ideale Gelegenheit, Wein und Design miteinander zu kombinieren und daraus ein Geschmackserlebnis von höchster Güte entstehen zu lassen.

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SELECTED

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Foto: Mikkel Mortensen

SELECTED Lampenserie Alphabeta des renommierten italienischen Studio Nichetto – stilistisch minimalistisch gehaltene Lampen, inspiriert von Vorbildern der 1950er Jahre

Die visuelle Leichtigkeit geometrischer Linien verkörpert dieser effektvolle Glastisch von Luis Alberto Arrivillaga (Label „Arrivillaga Basile Design Studio“).


SELECTED

2016 WALK THE LINE OF DESIGN!

Text: Wolfgang Schober

Sie schließen die Augen und denken an eine Linie. Was sehen Sie? Linierte Schulhefte aus der Kindheit? Das Strichmännchen La Linea? Die Mittellinie eines Fußballfelds? Das Liniennetz der GVB? Jonny Cashs „Walk the Line“? Linien als kürzeste

Verbindung zwischen zwei Punkten dominieren unser – mehr oder weniger linear verlaufendes – Leben. Linien stehen für Klarheit, für pure und elementare Formen. Nicht verwunderlich, dass gerade Designer Linien lieben. Als Mittel zur Verdichtung aufs Wesentliche. To create the punch-line of design! Reduktion, Geometrie, klare Formen, die „Linie an sich“ sind sichtbare Kennzeichen zeitgenössischer Designtrends. Eine Essenz daraus, eine „auf Linie gebrachte“ Leistungsschau internationalen Schaffens im Bereich Interior Design, bildet in diesem Jahr auch den Schwerpunkt der Ausstellung SELECTED, die zum vierten Mal die aktuell spannendsten Designpositionen innovativer Labels und Newcomer aus ganz Europa und darüber hinaus in Graz versammelt. Unter den 47 Studios – die meisten davon viel diskutiert und hoch prämiert – sind heuer erstmals auch Vertreter aus Japan und den USA. „Die Auswahl war wie jedes Jahr

Foto: Luis A. Arrivillaga

schwierig. Die Szene ist ungeheuer lebendig und kreativ. Kaum hat man

designmonat graz 16

sich für eine Selektion entschieden, tauchen schon wieder neue spannende Arbeiten auf“, erklärt Designexpertin Alexa Holzer, die SELECTED im Auftrag der Creative Industries Styria kuratiert. Das verbindende Element in diesem Jahr: Linien-Treue in den Arbeiten, die dennoch markant gegen den Strich gebürstet sind.

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Ein Line-up zeitgenössischen Spitzendesigns: Die größte Design-Ausstellung Österreichs im Bereich Produkt- und Interiordesign versammelt knapp 50 hochkarätige Arbeiten aus ganz Europa sowie Japan und den USA einen Monat lang in der designHalle Graz. Warum SELECTED 2016 dabei ganz „auf Linie“ ist und dennoch gegen den Strich bürstet – das exklusive Preview.


Foto: Thomas Feichtner

SELECTED

Reduktion mit Mehrwert Exemplarisch dafür die ausgestellten Objekte des Berliner Designers Sebastian Scherer vom Studio Neo/Craft, Gewinner des German Design Awards 2016. Aufsehen erregend dessen Glastisch Isom, der strengen geometrischen Linien folgt und zudem mit einer faszinierenden optischen

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Täuschung begeistert. Die sechseckigen Oberflächen des Objekts liegen auf drei Rechtecken, deren Kanten so geschliffen sind, dass der Tisch aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet die perfekte isometrische Darstellung eines Würfels vermittelt. „Ein tolles Beispiel, wie mit wenig Materialeinsatz und großen Ideen starkes Design möglich wird“, betont Holzer. Exzeptionelle Geradlinigkeit, die auch in den Werken von Kristina Dam sichtbar wird. Sowohl die reduzierten Regale als auch der dreibeinige Von der Mailänder Möbelmesse zu SELECTED 2016: die raffinierten „Pipe Lamps“ des österreichischen Designers Thomas Feichtner

Wenig Material + große Ideen = starkes Design: Der Glastisch des deutschen Designers Sebastian Scherer (Studio Neo/Craft) sorgt für optische Illusionen.


SELECTED

Eichenholz-Stuhl „Sculptural Chair“ des dänischen Studios stehen für schnörkellos-puristische Designkunst. Scandinavian Simplicity at its best! Auch ein breites Set an Lampen und Leuchten folgt dieser Strömung. Spektakulär ob seiner schlichten Raffinesse strahlen etwa die Pipe Lamps des bekannten österreichischen Designers Thomas Feichtner. Einfache, versetzt übereinander positionierte Metallrohre, an deren Enden LEDs angebracht sind, machen die Konstruktion zu einem eindrucksvollen Lichtobjekt, das schon bei seiner Weltpremiere auf der Mailänder Möbelmesse 2015 für Furore sorgte. Nicht minder beeindruckend die Leuchte Alphabeta des renommierten italienischen Labels Studio Nichetto. Die farblich markanten, aber stilistisch minimalistischen Lampen sind auch zeitgemäße Interpretationen

Foto: Tuala Hjarnø

historischer Vorbilder aus den 1950er Jahren.

Foto: Tobias Wirth

Scandinavian Simplicity at its best: Exzeptionelle Schnörkellosigkeit wird in den Werken des dänischen Studios Kristina Dam sichtbar.

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Foto: Stephan Tomasi

SELECTED

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Regal made in Styria: Diese gelungene Co-Creation der Tischlerei Prödl und des Designers Franz Polzhofer überzeugt mit feiner Ästhetik.

Premiere für Japan und die USA Darin wird auch eine weitere Stärke der Ausstellung erkennbar: die Thematisierung von Designgeschichte und die Anknüpfung an große Designtraditionen. „Walk the line“ lässt sich also auch so verstehen: Design-Aficionados folgen den Verbindungslinien aktueller Positionen in vergangene Design-Epochen wie Bauhaus oder Memphis. Anklänge bei Letzterem werden etwa in den Sofakonzepten des holländischen Labels Tijs Gilde erkennbar. Verschiedene geometrische Formen werden darin kombiniert und mittels Gurten zu unterschiedlichen Sofa-Kombinationen verzurrt. Gewissermaßen ein Open Source für mehr Flexibilität und Diversität im Wohnzimmer. Weiteres Highlight bei der diesjährigen Design-Schau: Sam Linders’ „Wobble-Up“. Die Objekte der holländischen Designerin schaffen spielend den Doppelpass zwischen kunstvollen Teppichen und einem Sitzmöbel. Schon

Foto: Tijs Gilde

Innovatives Sofakonzept des holländischen Labels Tijs Gilde: Verschiedene geometrische Formen werden darin kombiniert und mittels Gurten verzurrt.

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Special-Guest-Star bei SELECTED 2016: Das japanische Label Nendo ist mit einem modularen, wabenförmigen Regalsystem zu Gast in Graz.

funktionales 3-D-Sitzobjekt. Smart Design mit Wow-Effekt! Die Rolle eines Special-Guest-Stars bei SELECTED 2016 kommt schließlich dem japanischen Label Nendo zu. Das renommierte Designstudio aus Fernost wird mit einem modularen, an Wabenstrukturen angelehnten Regalsystem in Graz zu sehen sein. „Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, erstmals Vertreter aus Japan und den USA bei SELECTED zu haben und uns damit künftig noch breiter aufzustellen. Gerade Japan ist ein Riesen-Designmarkt mit einer irrsinnig lebendigen Szene“, so Holzer. Der SELECTED-Bogen spannt sich somit global, aber auch regional – wie jedes Jahr werden auch heuer ausgewählte österreichische Beiträge zu sehen sein. Spannung verspricht dabei unter anderem ein Regal aus der Oststeiermark, das mit reduzierten geometrischen Formen überzeugt – eine gelungene Co-Creation der Tischlerei Prödl und des Designers Franz Polzhofer.

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Foto: Sjoen Kante

eine kleine Intervention macht aus dem zweidimensionalen Gewebe ein

Smart Design mit Wow-Effekt: Sam Linders’ „Wobble-Up“ schafft die Verwandlung vom kunstvollen Teppich zum praktischen Sitzmöbel.

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Foto: HEM

SELECTED


SELECTED

Thonet Stahlrohr-Klassiker – Von Dessau nach Graz Designgeschichte unmittelbar erlebbar wird bei SELECTED 2016 schließlich im Rahmen einer Sonderausstellung für einen Pionier europäischer Möbelgeschichte: das Traditionsunternehmen Thonet, das mit seinen legendären Bugholz-Stühlen den Möbelbau im 19. Jahrhundert revolutionierte und eine bis in die Gegenwart wirkmächtige Design-Ikone schuf. Ebenso ein Meilenstein der Designgeschichte gelang Thonet mit den Stahlrohrmöbeln der 1930er Jahre, die von berühmten Architekten wie Mart Stam, Ludwig Mies van der Rohe oder Marcel Breuer entworfen wurden. Stahlrohrmöbel verkörperten damals mit ihrer elementaren und funktionalen Formsprache eine neue Haltung in der Architektur. Dem bedeutendsten Stahlrohr-Entwurf jener Zeit, dem sogenannten Freischwinger, ist auch die Sonderschau im Rahmen von SELECTED 2016 gewidmet. Der hinterbeinlose federnde Kragstuhl – eine der wichtigsten Design-Innovationen des 20. Jahrhunderts – wird dabei in unterschiedlichen Farben gezeigt. Alexa Holzer: „Faszinierend zu sehen, wie der Bauhaus-Klassiker mit anderen zeitgenössischen Designpositionen bei SELECTED korrespondiert und

Fotos: Thonet GmbH

Querverbindungen zwischen den Epochen offenlegt.“

Tradition meets Moderne: Der geniale Lounge-Sessel „808“ des deutschen Labels „Formstelle“ kreiert neues, zeitloses Thonet-Design.

designmonat graz 16


SELECTED

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Stahlrohr Reloaded: Der legendäre Thonet-Freischwinger, eine der Top-Design-Innovationen des 20. Jahrhunderts, steht im Zentrum einer Sonderschau.

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Foto: Eike Krebs

Reduce to the Max: Aus Kupfer und Stein sind die linearen, konischen Leuchten „Punkt“ der deutschen Designerin Olga Bielawska.

Ausstellungsdesign: Fokus auf die Exponate Passend zum Thema der Exhibition wurde in diesem Jahr auch das Ausstellungsdesign in der designHalle runderneuert. „Die Flächen werden klarer, heller und strukturierter. Wir verabschiedeten uns von den Einzelkojen für die Designer und legen den Fokus mehr denn je auf die Exponate selbst“, erklärt Alexa Holzer, die dafür mit Georg Schnitzer und Peter Umgeher vom Studio „Vandasye“ zusammenarbeitet. Ebenfalls hochkarätig wird das Rahmenprogramm von SELECTED 2016. Im Zentrum stehen ein Design-Supermarkt und ein Design-Workshop, der am vorletzten Tag der Ausstellung veranstaltet wird. Zur selben Zeit wird auch der auf zwei Tage anberaumte designSUPERMARKET über die Bühne gehen. Besucher haben dabei die Gelegenheit, Ausstellungsstücke direkt zu erwerben. „Heuer werden noch mehr Designer als im Vorjahr die Chance dieser Verkaufsplattform nutzen. Gleichzeitig ist es ein Zeichen der Nachhaltigkeit, wenn die Arbeiten nicht mehr zurückgeschickt werden müssen“, freut sich die Kuratorin und blickt der vierten Auflage von SELECTED gebannt entgegen. „SELECTED hat sich längst als starke Marke etabliert, die weit über die Landesgrenzen hinaus strahlt. Der Netzwerk-Effekt für Kreative, Firmen, aber auch Retailer ist riesig – die lokale Szene

Foto: Dieter vanCaneghem

profitiert, der internationale Austausch pulsiert.“

Das belgische Studio Modan verdichtet in seinen Sitzmöbeln zweidimensionale geometrische Formen zu effektvollen 3-D-Strukturen.

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SELECTED

designWORKSHOP Mesh (up)on! Mesh-Banner, ein Material mit einer gewebeartigen Gitterstruktur, kennen viele als Werbeflächen an Hausfassaden. Bei diesem Workshop wird dieses sehr stabile Netzmaterial zu Pendelleuchten upgecycelt. Unter dem Moto „Bau dir deine Leuchte!“ werden gebrauchte Banner (z. B. das SELECTED15-Banner) zu Leuchtenmodellen verarbeitet. Jede Leuchte ein Unikat! designSUPERMARKET Besucher haben am Ende der Schau die Gelegenheit, Ausstellungsstücke vor Ort in einem eigens installierten Shop sowie in einer Designauktion

Best of French Design: der ebenso reduzierte wie elegante Kleiderständer „Le Valet“ des jungen französischen Labels „La Fonction“

[SELECTED 2016] Ausstellung 30. April bis 29. Mai [designWORKSHOP] Workshop 28. Mai, 13.00 bis 18.00 Uhr Kosten 20 € Anmeldung unter office@cis.at

Foto: Vincen Cordelette

[designSUPERMARKET]

designmonat graz 16

Event 28. und 29. Mai, 12.00 bis 19.00 Uhr designHalle Lazarettgürtel 61, 8020 Graz

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zu erwerben.


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AUSTRIAN DESIGN NET

WHO DESIGNS AUSTRIA? Es ist ein Dilemma mit dem österreichischen Design. Genuin österreichische Kreativleistungen

Woran denken Sie, wenn Sie an Design aus Österreich denken …? – Richtig! Die Frage, wie diese Wahrnehmung geschärft werden könnte, beschäftigt eine hochkarätige Diskussionsrunde.

umgibt des Öfteren die Patina der Wiener Moderne und der vorigen Jahrhun-

tieren Thomas Geisler (Kurator im MAK), Lilli

Biennale in London im September, zum anderen

dertwende, kristalline Luxusprodukte oder

Hollein (Direktorin der Vienna Design Week),

die Teilnahme bei der World Design Capital 2016

Energydrinks sind zwar weltbekannt, werden

Bettina Steindl (Leiterin des designforum

im Oktober in Taipeh, wo Österreich als Gastland

aber selten als made in Austria wahrgenom-

Wien), Karl Stocker (Studiengangsleiter Infor-

geladen ist. Dazu sind eine Ausstellung, ein Ver-

men und nicht einmal die Lipizzaner

mationsdesign an der FH Joanneum), Martin

mittlungsworkshop und ein Präsentationsabend

chischem Gestüt … Fazit: weltberühmt, aber irgendwie nur fast

Fössleitner (Vorstandsmitglied designaus-

geplant.

tria), das Designbüro mischer’traxler

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kommen aus einem österrei-

und Eberhard Schrempf (Creative Industries Styria).

oder erst bei genauem Hinsehen

Austria Design Net

[WHO DESIGNS AUSTRIA?]

aus Österreich,

Den Anstoß zu dieser Diskus-

Podiumsdiskussion

viel Glanz, aber

sion gab das neu gegründete

18. Mai, 16.00 Uhr

wenig Bewusstsein

Austria Design Net, eine Inter-

und insgesamt ein eher trübes Bild, wenn man nach spezifisch österreichischem Design fragt. Höchste Zeit also zu klären, wie

essengemeinschaft österreichi-

designforum Steiermark Andreas-Hofer-Platz 17, 8010 Graz

scher Designinitiativen, die sich zum Ziel setzt, österreichisches Design international besser zu positionieren. Die Gemeinschaft umfasst so wich-

man dieses Bild von Österreich in Zukunft bes-

tige und umsetzungsstarke Mitglieder

ser zeichnen kann. Denn eines steht fest: Es

wie designaustria, das designfo-

mangelt in Österreich weder an Designerinnen

rum Wien, die Vienna Design

und Designern und auch nicht an Unternehmen,

Week, das MAK, die Creative.

die bereit sind, Design als Wettbewerbsstrate-

Region Linz & Upper Austria,

gie in ihr Handeln einzubinden. Was noch fehlt,

der Wirtschaftsagentur Wien

ist die Schärfung des Bewusstseins, und zwar

sowie AWO (Außenwirtschaft

nicht nur im Land selbst, sondern vor allem auch

Österreich) und aws (Austria

jenseits der rot-weiß-roten Grenzen.

Wirtschaftsservice) und die

Typisch österreichische Form: reversedvolumes, mischer‘traxler für PCM Design

als Gründungsmitglied eine füh-

kann, klärt eine Diskussionsrunde, die am 18.

rende Rolle spielt. Für 2016 sind

Mai im designforum Steiermark über die Bühne

noch zwei weitere Aktivitäten geplant:

geht. Die Frage „Who designs Austria?“ disku-

zum einen ein Auftritt bei der ersten Design

designmonat graz 16

Foto: mischer´traxler

Creative Industries Styria, die Wo und wie man bei dieser Aufgabe ansetzen


TAPE OVER

ERSCHRECKEND SCHÖN Text: Sigrun Karre

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Tape Over sind ein Tape-Art-Kollektiv aus Berlin und kreieren für den Designmonat Graz ein innovatives Gesamtkunstwerk aus Tape Art, Graffiti, Malerei und Licht in Form einer Welle.

Tape Art gilt als Spielart der jungen, urbanen Kreativszene, ist aber keine ganz neue

ter kreativer Playground und entscheidende

Erfindung. Bereits in

Inspirationsquelle für die Künstler waren. Ihr

den 1960ern ent-

Tape-Art-Stil beinhaltet sowohl Elemente aus

stand diese ursprünglich der Urban Art zuge-

der Street Art als auch der urbanen Kunst und

ordnete Kunstrichtung, als man eine Alternative

zeichnet sich vor allem durch Vielfalt und Lie-

zur Spraydose suchte. Ursprünglicher Einsatzort

be zum Detail aus, die sich in organischen und

war der öffentliche urbane Raum. Gerade in der

abstrakten Formen und schlichtem Design äu-

„jungen“ Stadt Berlin boomt diese Kunstrich-

ßert. Zusammenarbeit mit anderen Künstlern ist

tung, die sich Einflüssen aus anderen Kunst-

Teil des Kunstkonzepts, so versuchte man sich

formen bereitwillig öffnet. Experimentierfreude

etwa gemeinsam mit den Visual Artists Ondé

ist daher ein Stichwort, mit dem sich Tape Over

am Tape Mapping – einer neue Stilrichtung,

einstimmig identifizieren können. Die Wurzeln

die buchstäblich Tape Art und Video Mapping

des 2011 als Duo gegründeten Kollektivs, das

verbindet, bei der also Kunstwerke aus Klebe-

mittlerweile sechs Mitglieder zählt, liegen in

band mit visuellen Effekten animiert werden.

der Berliner Elektro-Subkultur-Szene, weshalb

Tape Over haben außerdem mit Tape On You

die Electro-Underground-Clubs der Stadt ers-

eine völlig neue Kunstform erfunden: individuelles Tape-Art-Design, das direkt auf der Haut

Klebebandinstallation in Silber. Quallen, erleuchtet von blauem Lichstspiel

Fotos: LaMia/ TAPE OVER

oder auch der Kleidung von Personen entsteht.

designmonat graz 16


Klebebandinstallation von Tape Over in Berlin. Kunst zum Angreifen

Kunst zum Angreifen

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Am Designmonat-Projekt Beautific Break, was frei übersetzt so viel wie „erschreckend schöne Brandung“ bedeutet, arbeiten drei Mitglieder des Kollektivs mit: Neben LaMia (Lamia Mich-

besonders angetan. Was die Besucher erwar-

na) als künstlerische Leiterin werden der Tape

tet, beschreibt die Künstlerin so: „Die Silbe ‚BE‘

Artist Rob (Robert König) und der Maler und

spricht uns auf eine besondere Art und Weise

Graffiti-Künstler Falkland (Falk Borchel) in der

an. Wenn man sie auf Englisch liest, bedeutet

designHalle eine Welle aus Tape Art, Graffiti,

sie für uns das schlichte und pure Sein. Da wir

Malerei und Licht inszenieren. Diese wird so-

sehr viel Inspiration aus der Natur gewinnen, ist

wohl als Installation im Raum (3-D) als auch als

das Sein für uns das Wichtigste überhaupt. Und

Artwork an den Wänden (2-D) sichtbar werden,

sein kann der Mensch nur mit der Natur. Dies

als ein aus einzelnen Kunstwerken zusammen-

liegt uns sehr am Herzen – daher möchten wir

gesetztes Gesamtkunstwerk. Ein faszinieren-

unserem Gesamtkunstwerk auch eine Aussage

des visuelles Spiel mit der Mikro- und Makro-

mitgeben. Was genau, werden die Besucherin-

perspektive erwartet die Zuseher. Doch Tape

nen und Besucher vor Ort herausfinden. Diese

Over machen nicht nur Kunst zum Ansehen, sie

Botschaft wird im Subtext mitschwingen, weil

wollen den Besuchern ein szenografisches Er-

wir vor allem etwas kreieren möchten, was die

lebnis bescheren, das auch im wahrsten Sinne

Leute begeistert, erstaunt und entzückt. Den-

des Wortes „greifbar“ ist, also berührt werden

noch sollen sich die Gemüter auch an unserem

darf, was das diesjährige Motto des Design-

Kunstwerk reiben und darüber nachdenken …

monat Graz – [be]greifbar machen – bestens

und begreifen!“

wiedergibt. Zwei Buchstaben haben es LaMia

[BEAUTIFIC BREAK] Installation 30. April – 29. Mai designHalle Lazarettgürtel 62, 8020 Graz

designmonat graz 16

Das Tape-Over-Team beim Bekleben einer Betonwand


Foto: Oliver Wolf

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KLANGLICHT OPER GRAZ 2015 begeisterte die Bewohnerinnen und Bewohner von Graz mit spektakulären visuellen Projektionen.

DESIGN FÜR DIE SINNE AUGEN UND OHREN AUF! DER LICHT- UND KLANGTEPPICH WIRD WIEDER AUSGEROLLT. Text: Sigrun Karre

Staunen und Emotionen zum Sehen und Hören verspricht das „Klanglicht“ am Eröffnungswochenende des Designmonat Graz.

Einerseits kann der diesjährige Titel des Designmonat Graz, „Design [be]greifbar machen“, als diskurslastig interpretiert werden, aber auch das genaue Gegenteil, nämlich De-

sign „zum Angreifen“ ist eine mögliche Auslegung. Wer sich letztes Jahr mit leuchtenden Augen und offenem Mund vom „Klanglicht“ des heimischen Visual-Art-Kollektivs OchoReSotto vor der Grazer Oper verzaubern ließ, weiß, dieser Teil der Eröffnung des Designmonat Graz ist ein jeder und jedem zugängliches Wohlfühlerlebnis auf höchstem Niveau. Hier werden sicht- und hörbare Emotionen kreiert. Und weil es so schön war, gibt es in

designmonat graz 16


KLANGLICHT

diesem Jahr eine Fortsetzung. Noch größer und

Wind“. Federn werden in 21 leuchtenden, qua-

beeindruckender mit Beteiligung internationaler

derförmigen Säulen zur eigens komponierten

Künstler soll es werden. Eine dramatische Insze-

Musik einen luftigen Tanz hinlegen. Die vom

nierung aus Licht, Farbe, Musik, Sound und Text

skandinavischen Geist des Windes inspirierte

in bewegenden Bildern erwartet die Besucher

Installation transportiert Mythologie mittels

bei diesem Auftakt an gleich drei Standorten in

modernster Technik, wurde 2014 beim Licht-

der Grazer Altstadt, zu dem alle Grazerinnen und

festival Lyon ausgezeichnet und verhalf dem

Grazer, alle Graz- und natürlich Designmonat-

Künstlerkollektiv zum internationalen Durch-

besucherinnen und -besucher bei freiem Eintritt

bruch. Weiters wird eine Toncollage des Berliner

eingeladen sind.

Theatermusikers und Sounddesigners Matthias Grübel zu hören sein, die gemeinsam mit den

Lichtkunst und Puppenspiel

Ensemblemitgliedern des Schauspielhauses

Wie schon im Vorjahr wird das Lichtkunst-Trio

erarbeitet wurde. Bei seinem Klanglichtbeitrag

OchoReSotto den Standort rund um die Gra-

handelt es sich um eine künstlerisch umgesetz-

zer Oper bespielen. Ihr „Arkestra of Light“ wird

te Audio-Spielplan-Preview, die Textfragmente

die Fassade mit der Installation „Eternal Sea of

vieler in der kommenden Saison neu zur Premie-

Darkness“, begleitet durch einen Live-Auftritt

re kommenden Stücke miteinander verwebt. An

der Jazzgröße David Jarh, in ein Seh- und Hör-

diesem Abend werden nicht zuletzt die Bühnen

erlebnis verwandeln. Gleichzeitig wird DUNDU,

Graz vor den Vorhang, auf die Straße geholt und

eine überdimensionale, beleuchtete Puppe der

mit einem großen Fest für die Sinne gefeiert!

international gefragten deutschen Puppenspie-

Applaus, Applaus!

ler Tobias Husemann und Fabian Seewald, die Zuseher in ihren Bann ziehen. DUNDU steht für DU UND DU, es handelt sich – der Name deutet

37

es an – um ein interaktives Puppenspiel, das den Besuchern einen Freiraum für die eigene Fantasie öffnet. Aber nicht nur Augen und Ohren bekommen etwas geboten, die umliegenden

[KLANGLICHT ]

Gastronomen verköstigen die Kulturhungrigen

30. April ab 19.00 Uhr DJ-Line, Kaiser-Josef-Platz

mit Schmankerln während der Veranstaltung. 21.00 bis 23.00 Uhr Sieg der Freiheit

Programm bei Oper Graz, Schauspielhaus Graz,

An der Rückseite des Hauses vor dem Next Li-

Next Liberty

berty macht sich die in Graz lebende gebürtige Australierin Tamara Friebel ab 21 Uhr ans Werk.

NJÖRD – Spirit of the Wind: Installation beim Schauspielhaus

merin nimmt in ihrer Arbeit das Lichtschwert von Hartmut Skerbisch ins Visier, das 1992 im Auftrag des steirischen herbst errichtet wurde. „I, Libertas, hold you, little earth“ nennt sich Friebels Arbeit, die die Skulptur auf eine visuell-akustische Reise in drei Akten schickt und die mit dem Sieg der Freiheit endet. Windspiel und Toncollage Dritter Schauplatz des Eröffnungsreigens ist der Freiheitsplatz vor dem Schauspielhaus. Hier wird sich ab 21 Uhr nordisch-kühle Atmosphäre verbreiten. Das französische Künstlerkollektiv WeComeInPeace präsentiert seine preisgekrönte Installation „Njörd – Spirit of the

designmonat graz 16

Foto: Clement Gaetan

Die Komponistin, Klangkünstlerin und Perfor-


DESIGN IN THE CITY

URBANES IDEENGESTÖBER Text: Cornelia Stiegler

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Zahlreiche Grazer Shops rücken im Rahmen von Design in the City teils ungewöhnliche Designprojekte in den Mittelpunkt und bieten ein vielfältiges Programm – von Newcomern über spannende Konzepte bis hin zu interaktiven Möglichkeiten gibt es viel zu bestaunen.

Einige sind bereits zum

Designmonat Graz 2015 – DruckDeinDing –

dritten Mal dabei, für an-

kennengelernt und im Laufe des Jahres eine

dere ist es das erste Mal:

gemeinsame Idee verwirklicht: Sie haben ein

Jahr für Jahr werden im

Objekt kreiert, das nach Belieben für die ver-

Rahmen des Designmonat

schiedensten Zwecke eingesetzt werden kann.

Graz in diversen Grazer

Eine Möglichkeit der Anwendung des nur wenige

Shops Design- und Kunstprojekte präsentiert,

Zentimeter großen Spritzgussteils präsentieren

teils von den Shopinhabern selbst gestaltet,

sie mit ihrem Projekt Talent Lamp, das sie im

teils in Kooperation mit Designerinnen und

Designmonat Graz im Museums-Shop im Kunst-

Designern aus aller Welt. Mit dabei sind wie-

haus Graz ausstellen.

Foto: Miriam Raneburger

der bekannte Design-in-the-City-Fixstarter wie Friseur Wolfgang Weiss, der Fairtrade Shop am

„Wir präsentieren drei verschiedene Lampenmo-

Tummelplatz, Kastner & Öhler, Juwelier Schullin

delle, die mithilfe des Elements gefertigt wer-

und das Modegeschäft Sunsetstar, doch auch

den. Die Lampen bestehen nur aus Stangen,

der eine oder andere neue Name ist heuer unter

einem Verbindungsstück und einem individuell

den mehr als 30 teilnehmenden Shops zu fin-

bedruckbaren Stück Stoff oder Papier – sie sind

den: das Modegeschäft Nino.d etwa, oder der

ein Stück Lowtech in unserer Hightech-Welt und

Naturmodeshop ompura.

dennoch sehr komplex“, beschreibt Nadav Goldstein die Idee dahinter. Bedruckt werden die

Nadav Goldstein, Andrea und David Stelzer im Museums-Shop Kunsthaus Graz

Die Ideen hinter den Projekten sind vielfältig, die

Lampenschirme beispielsweise mit Panorama-

Personen dahinter vielseitig, sind doch heuer

fotos oder Stimmungsbildern. „Unser Gedanke

unter anderem US-amerikanische, kanadische

war es, ein Serienprodukt zu entwerfen, das

und israelische Finger im Spiel. Der Shop Nino.d

mit geringem Aufwand individualisierbar ist. Die

stellt beispielsweise erstmals eine Designerin

Fotos können nach Belieben ausgetauscht und

aus einer UNESCO City of Design vor: Norma

es kann etwa ein Bild aus dem letzten Urlaub

Andreu kommt mit ihrem Label Cara Carmina aus

oder eine Kinderzeichnung eingebaut werden“,

dem kanadischen Montréal und hält auch einen

so Stelzer: „Die Lampe ist wie ein Poster, aber

Workshop für Studierende an der FH Joanneum.

funktionaler. Und sie konserviert Erinnerungen auf sehr schöne Art und Weise.“

Ein verbindendes Element Eine österreichisch-israelische Kooperation

Harmonischer Sommer

steht hinter dem Grazer Designer David Stel-

Mit Licht beeindruckt auch das Designprojekt

zer, seiner Frau Andrea und dem Unternehmer

von Tash Living. Die Inhaberin des im Vorjahr

Nadav Goldstein. David Stelzer und Nadav Gold-

eröffneten Concept Stores in der Glacisstraße,

stein haben sich bei David Stelzers Beitrag im

Natascha Afana, hat sich mit der Grazer Künst-

designmonat graz 16


lerin und Designerin Ivy Kollmann zusammen-

Ivy Kollmann ihr Talent unter Beweis, Lichtob-

eines davon hat ebenfalls mit Licht zu tun. „Ich

geschlossen, die aus Papier und Plexiglas spe-

jekte durch Maßanfertigungen in perfekte Har-

habe mich heuer für zwei Designer entschieden,

zielle Oberflächen fertigt. Daraus entwickelt

monie mit dem restlichen Raum zu bringen. Die

weil sie zwei unterschiedliche Segmente des

sie unter dem Label dlights Lichtobjekte, die

Stücke werden den ganzen Designmonat Graz

Themas Mode abdecken“, begründet Wahlhüt-

durch die Lebendigkeit und Struktur des Pa-

über, eingebettet in die Urban-Nomad-Desig-

ter die Zusammenarbeit mit den beiden Desig-

piers ihren besonderen Charme bekommen.

nwelt, ausgestellt.

nern. Eine ist die Architektin Kathrin Hiebler, die

„Die Lichtobjekte, die im Mai bei Tash Living zu

die Stehlampe eins.0 präsentieren wird. „Die

sehen sind, werden extra für den Designmonat

Bereits im Vorjahr präsentierte Natascha Afana

fragilen Lampen von Kathrin Hiebler wirken auf

Graz angefertigt und widmen sich dem Thema

in der Urban-Nomad-Designwelt, einer von

mich wie ein Kleiderstück in Bewegung – ein-

,Tastes of Summer‘“, fasst Natascha Afana das

fünf unterschiedlichen Designwelten im Sto-

fach wunderschön“, spannt Marion Wahlhütter

Projekt zusammen. Dabei stellt die Designerin

re, spezielle Leuchten, anlässlich der Eröff-

den Bogen zwischen den Ausstellungsstücken

nung im Rahmen des Designmonat Graz. Am

und der Fashion-Welt. Das zweibeinige Gestell

13. Mai findet ein Get-together statt, bei dem

der Lampe ist handgefertigt und entweder mit

Designerin Ivy Kollmann persönlich ihre Werke

einem textilkaschierten Lampenschirm in Zylin-

präsentieren und anhand zusätzlicher Muster

derform oder mit einem verspielten, rockähnli-

einen Einblick in die vielfältigen Gestaltungs-

chen Lampenschirm versehen. Das zweite Pro-

möglichkeiten geben wird.

jekt befasst sich mit der nachhaltigen Mode des Wiener Labels km/a. Die beiden Designer Katha

Tastes of summer Lichtobjekt von dlights

Zweifache Modeaspekte

Harrer und Michael Ellinger fertigen stilvolle

Gleich zwei Projekten widmet sich heuer der

Unikate aus ungewöhnlichen Materialien – und

Second-Hand-Shop GardeRobe von Marion

stellen damit einen Gegenpol zum Modestück

Wahlhütter in der Grazer Frauengasse – und

von der Stange dar.

39

Foto: Miriam Raneburger

Foto: Miriam Raneburger

Kathrin Hiebler und Marion Wahlhütter bei GardeRobe

Ivy Kollmann bei Tash Living


Foto: Miriam Raneburger

Foto: Miriam Raneburger

40

Simon Wilson (Mitte) bei Culture Exchange

Ein Rucksack für die Ewigkeit

genäht, dann hat mir eine Stammkundin unseres

Zeitlmann persönlich und mit viel Liebe aus-

Apropos Unikate: Das Fertigen derselben liegt

Cafés einen kleinen Kellerraum zur Verfügung

gewählt hat. Im Designmonat Graz wird das

auch Simon Maghanoy Wilson am Herzen. Der

gestellt, in dem ich kostenlos arbeiten darf“,

Sortiment durch Ledertaschen ergänzt: Die

US-Amerikaner stammt aus Colorado und wohnt

erklärt Wilson. Sein Anspruch ist alles andere

Designerin Stephanie Machater präsentiert

seit knapp zwei Jahren mit seiner griechischen

als gering: „Ich mag Dinge, die für die Ewigkeit

im Rahmen von Design in the City unter dem

Frau und drei Kindern in Graz, wo er Culture

gemacht sind. Deswegen gibt es auf die Rucksä-

Titel „tragbar“ die Vintage-Ledertaschen ihres

Exchange als Plattform für urbane Lebensfor-

cke auch eine lebenslange Garantie.“ Um diese

Labels v. Lottenburg.

men und Design gegründet hat. Bekannt wurde

zu gewährleisten, verarbeitet er zum einen be-

er durch die Bike Kitchen in der Grazbachgasse,

sonders widerstandsfähige Materialien, zum an-

Die Taschen werden nach den Entwürfen der

in der er ein kostenloses Fahrrad-Reparaturser-

deren sorgt er für eine einfache Umsetzung: Die

Grazer Designerin handgefertigt – selbst Me-

vice anbietet. Das auf Mitarbeiterbeteiligung

Rucksäcke, die von einer Größe von 15 Litern bis

tallelemente wie z. B. der Messingquetschver-

basierende Service finanziert sich durch das

zu 40 Litern reichen, sind so konstruiert, dass

schluss von einigen Modellen werden per Hand

angeschlossene Café und die Zusammenarbeit

bei Schäden jedes einzelne Teil einfach und

hergestellt. Gefertigt werden die Modelle in ei-

mit dem Fahrradbotendienst Veloblitz. Doch Si-

unproblematisch ausgetauscht werden kann.

ner Manufaktur in Budapest. „Das braune von

mon Wilson ist niemand, der sich mit nur zwei

mir verwendete Rindsleder hat eine gewachste

Standbeinen zufrieden gibt: „Ich mag es, wenn

Handgefertigte Lederschuhe und -taschen

Oberfläche und bekommt dadurch mit der Zeit

man breit aufgestellt ist. Daher habe ich nun

Der Store Lost Soles von Krisztina Zeitlmann in

und mit öfterem Tragen die so edle und belieb-

auch mit einer Rucksack-Kollektion begonnen.“

der Schmiedgasse ist ein wahres Eldorado für

te Patina. Auch schwarzes Glattleder steht zur

Die wasserfesten Nylon-Rucksäcke werden im

Schuh-Fashionistas, die auch einmal abseits

Auswahl“, erzählt Stephanie Machater, die mit

Rahmen des Designmonat Graz zum ersten Mal

des Mainstreams shoppen möchten. Ab Mai

dem zeitlosen Design und der Langlebigkeit ihrer

präsentiert; gefertigt werden vorerst rund 40

sind hier individuelle, handgefertigte Schuhe

Stücke einen Gegenpol zu den kurzlebigen Mode-

Stück. „Zuerst habe ich in unserem Wohnzimmer

kleiner Labels erhältlich, die Inhaberin Krisztina

trends unserer Zeit schaffen möchte. Die Taschen

designmonat graz 16


Bootsmann-Tasche von v. Lottenburg

Stephanie Machater und Krisztina Zeitlmann bei Lost Soles

Die etwa 60 Kilogramm schwere, zwei Meter

arbeitet der Architekt derzeit an der Optimie-

hen und natürlich auch käuflich zu erwerben. Sie

lange aufklappbare Box enthält alles, was man

rung, um früher oder später in die Serienpro-

selbst wird im Rahmen einer Abendveranstaltung

für ein neues Zuhause benötigt: Bett, Tisch,

duktion gehen zu können. Am 25. Mai wird

am 24. Mai im Geschäft vor Ort sein und allen

Sessel und Regal. Stefan Prattes fertigte die

Stefan Prattes persönlich bei koko mari in der

Interessierten Rede und Antwort stehen.

Box für den eigenen Gebrauch: Als er ein Aus-

Mandellstraße vor Ort sein und gegen 17 Uhr

landsjahr in Spanien verbrachte, stand ihm nur

die Box präsentieren.

Zuhause in der Box

eine unmöblierte Wohnung zur Verfügung. Aus

Dass Funktionalität heuer bei Design in the

Abneigung gegenüber billigen Einwegmöbeln

City großgeschrieben wird, kann man bereits

mit wenig Qualitätsanspruch entwickelte er die

erahnen. Einmal mehr wird dies im Concept

Travelbox Olot (benannt nach der spanischen

Store koko mari deutlich. Koko mari selbst

Stadt Olot), die ihm den Möbelkauf in Spanien

steht für Textildesign, Interior Design und Ac-

ersparte. Im Sommer 2015 wurde die Box in

cessoires. Der Fokus liegt dabei auf skandina-

Barcelona ausgestellt, im Jänner 2016 folgte

vischem Design. Mit dem finnischen Kultlabel

ein Auftritt bei der Möbelmesse in Graz. Au-

Marimekko bietet koko mari drei Produktlini-

ßerdem gewann die Box 2015 das europaweit

en an: Heimtextil, Bekleidung und Taschen.

ausgeschriebene AIT-Stipendium der Sto-Stif-

Hinter diesem Projekt steht die Designerin

tung „Interior Scholarship“. Da die Nachfrage

Anna Gynes, die im Designmonat Graz im

vor allem am asiatischen Markt sehr groß ist,

Showroom zudem ein besonders funktionales Werk unserer Zeit zeigt: die Travelbox Olot des Designers, Architekten und Möbeltischlers Stefan Prattes.

designmonat graz 16

Anna Gynes und Stefan Prattes bei koko mari

Foto: Miriam Raneburger

sind den ganzen Monat Mai über im Shop zu se-

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Foto: Miriam Raneburger

Foto: Lupi Spuma

DESIGN IN THE CITY


Foto: Moritz Lechner

Foto: Miriam Raneburger

Foto: Tinksi

42

Verena Kassar und Sarah Reindl

Delia Schober und Paul Brauchart bei The Secret Room 202

Da kommt es also her

Leben der Produzenten, Tipps für Rezepte usw.

Der Traum vom Vintage-Bike

Der eine verpackt seine gesamte (marginale)

„An den Designmonat-Samstagen werden uns

Delia Schober war mit ihrer Boutique The Secret

Einrichtung in eine Box – andere kommen da-

außerdem verschiedene Produzenten unterstüt-

Room 101 in der Jungferngasse, in dem sie indi-

gegen vollkommen ohne Verpackungen aus, so

zen und ihre Produkte an ihrem Marktstand prä-

viduelle Damenmode sowie Taschen und Acces-

beispielsweise das Gramm, das kurz vor Beginn

sentieren. Da darf nach Lust und Laune verkostet

soires anbietet, bereits im Vorjahr bei Design in

des Designmonat Graz eröffnet hat. „Das Gramm

und gefragt werden“, erklärt Verena Kassar. Fi-

the City mit dabei. Im heurigen Jahr eröffnete sie

ist ein verpackungsfreies Lebensmittelgeschäft

nanziert wurde das Gramm übrigens durch eine

The Secret Room 202 in der Hans-Sachs-Gasse

mit den Grundzügen einer Greißlerei. Wir ver-

Crowdfunding-Kampagne bei Startnext, die in

– ein puristischer Shop, der sich auf avantgardis-

kaufen regionale Lebensmittel und haben einen

28 Tagen nicht nur finanzielle Starthilfe, sondern

tische Männermode spezialisiert hat. Passend

kleinen Gastronomiebereich dabei, wo wir nach

auch den nötigen Background geliefert hat. „Zu

dazu wird hier im Designmonat Graz ein exklu-

dem Zero-Waste-Prinzip alles verkochen, was

unserer ,Familie‘ gehören zahlreiche großartige

sives Vintage-Motorbike des Grazer Labels Va-

im Handel übrig bleibt“, erklärt Verena Kassar,

Menschen, die die Rolle der Paten mit ganz viel

gabund ausgestellt. Vagabund wurde 2015 von

eine der beiden Gründerinnen von Das Gramm.

Herzblut und noch dazu freiwillig übernommen

Paul Brauchart und Philipp Rabl gegründet und

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Sarah Reindl plant

haben. Ohne dieses Team von rund 40 Perso-

widmet sich dem Redesign, der Restauration und

sie, im Designmonat Graz den Kunden ausge-

nen hätten wir das ,Kind‘ sicher nicht so schnell

der Optimierung von klassischen Motorrädern.

wählte regionale Produkte näher vorzustellen.

großbekommen“, zeigen sich Kassar und Reindl

Ziel des Unternehmens ist es, einzigartige Kunst-

Eine Dauerausstellung gibt Einblicke in das

dankbar über die viele Unterstützung.

werke für ihre Kunden zu fertigen. Vagabund begründet seine Leidenschaft für die alten Modelle: „Sie sind für uns nicht nur ein Lifestyle-Produkt oder ein kommerzielles Fahrzeug, sondern ein funktionelles Stück Kunst.“ Im Designmonat Graz wird eines dieser kunstvoll gefertigten Motor-

designmonat graz 16


43

DESIGN IN THE CITY

BMW R100R von Vagabund

Plotten benötigt wird, verwenden. Seit einigen

wird – neu überarbeitet und designt – bei The

Monaten leisten ihr die zwei Co-Worker Peter

Secret Room 202 eine Woche lang in Szene ge-

Oswald (Fotograf) und Julia Schneeberger (Yo-

setzt. Eines der markanten Highlights an diesem

ga-Expertin) Gesellschaft und zu dritt werden

Motorrad sind die in Handarbeit aus Aluminium

sie auch im Designmonat Graz mit ausgewähl-

gefertigten Teile wie Scheinwerfer und Heckver-

ten Veranstaltungen zahlreiche Besucher in die

bau, welche von Vagabund entworfen wurden.

geräumigen Räumlichkeiten von Himmelgrau Offline locken: Am 6. Mai wird Peter Oswald

Sonnenschein und Individualismus

alias Tasty unter dem Namen Tasty – New Era

Zu den neuartigen Konzepten, die heuer erst-

den neuen Stil seiner Fotografien präsentieren.

mals Teil von Design in the City sind, zählt der

Am 14. Mai lädt Yoga-Bloggerin Julia vom Blog

Netzwerk-Raum Himmelgrau Offline. Gründe-

JuYogi zu einer Yogaeinheit nach dem Motto

rin Kathrin Jummer, bekannt durch ihren Blog

„Designers free your mind“. Kathrin Jummer

„Himmelgrau“, in dem sie sich mit den Themen

selbst gibt zwei Workshops – einer davon rich-

Nähen und vor allem Plotten beschäftigt, hat

tet sich an Jugendliche und dreht sich um das

sich im Herbst 2015 mit dem Netzwerk-Space

Gestalten von T-Shirts und Stoffbeuteln (21.

in der Feuerbachgasse selbstständig gemacht.

Mai), der zweite passt sich der geometrischen

Die Innenarchitektin bietet verschiedene

Einrichtung und dem Logo der Workzone an

Workshops rund um die Themen Nähen und

und lehrt das Falten von Origami (28. Mai).

Gestalten; um acht Euro pro Stunde können sich Kunden auch im Store einmieten und den Plotter sowie die Hitzetransferpresse, die zum

designmonat graz 16

Kathrin Jummer mit Co-Workern Julia Schneeberger und Peter Oswald bei Himmelgrau

Foto: Miriam Raneburger

räder hautnah zu sehen sein: Die BMW R100R


DESIGN IN THE CITY

„Sein oder Design“ – ein Projekt der HLW Schrödinger für Design in the City Dass Design auch Jugendliche anspricht, beweisen vier Schüler der HLW Schrödinger. Christian Schöttel, Katharina Kljajc, Hannah Groß und

Anastasia Su, Martin Lesjak und Robert Eisenberger (im Hintergund) bei INSIDE Einrichtungen

Naima Ba absolvieren den Ausbildungszweig Kultur- und Kongressmanagement (KKM) und haben sich im Rahmen einer Projektarbeit dem Thema Design in the City gewidmet. „Unser Projekt ist eine Art Schnitzeljagd, bei der die Teilnehmer in verschiedene Shops und Lokale gelangen, wo sie interessante Hintergrundinformationen zum jeweiligen Laden erhalten“, beschreiben die vier Schülerinnen und Schüler ihre Idee. Begonnen wird im Joanneumsviertel, wo sie am 21. Mai Jugendliche zum Mitmachen animieren werden. Anhand eines Rätsels müssen Informationen auf sie warten. „Wir haben diese Läden selbst ausgewählt, sie passen für Jugendliche und sind auch leistbar. Viele Jugendliche wissen gar nicht, dass Graz so coole Locations zu bieten hat“, erklären Christian Schöttel, Katharina Kljajc, Hannah Groß und Naima Ba die teilnehmenden Partner, die vorerst natürlich

Fotos: Miriam Raneburger

44

diese dann erraten, in welchem Shop weitere

noch streng geheim bleiben. Die Projektarbeit trägt in Anlehnung an das berühmte Shakespeare-Zitat den Titel „Sein oder Design“ – als kleine Anregung dafür, dass jeder sein Leben selbst „designen“ kann. Workspace, wespace, mespace

Christian Schöttel, Katharina Kljajc, Hannah Groß und Naima Ba bei Himmelgrau

Lesjak erklärt: „Wir präsentieren Trigon unter

Gefaltet – oder zumindest verschachtelt – wird

dem Motto ,workplace, weplace and meplace‘,

auch bei Inside Einrichtungen – freilich in et-

da es ein Arbeitsplatzsystem ist, das sowohl in

was größerem Stil. 13&9 Design, ein Unterneh-

Meeting- und Konferenzräumen, also für meh-

men von Innocad und Anastasia Su, hat für den

rere Personen (,we‘), als auch in Büros unter

niederländischen Möbelproduzenten Lande

Beachtung der eigenen Privatsphäre (,me‘)

eine neuartige Büro-Einrichtung entworfen:

eingesetzt werden kann.“ Durch die 60°-Win-

Das Tischsystem „Trigon“ ist im Designmonat

kel der Tische lassen sich die einzelnen Mö-

bei Inside Einrichtungen in der Leonhardstraße

bel nach Belieben kombinieren – bis hin zu

zu sehen und erstaunt dadurch, dass es im

Formationen, die beinahe mit runden Tischen

Gegensatz zu anderen modularen Büromöbeln

vergleichbar sind. Mit der Ausstellung bleibt

nicht rechtwinklig, sondern in Dreiecksformen

Robert Eisenberger von Inside Einrichtungen

angelegt ist und sich dadurch als äußerst wan-

seiner Linie für exklusives Design im Wohn-

delbar erweist. Architekt und Designer Martin

und Objektbereich treu.

designmonat graz 16


Zwischen Evolution und Starre Eine ungewöhnliche Kooperation sind der Einrichtungexperte mariopalli und die in Graz lebende italienische Performancekünstlerin Valentina Moar eingegangen. In der Performance „Through the Looking-Glass“ schafft Valentina Moar in Echtzeit Formen, die einer ständigen Evolution unterliegen, sich von einer Form zur nächsten transformieren und sich unvermeidbar auflösen. Die Objekte und Möbelstücke des Design-Stores mariopalli stellen hingegen klar definierte Formen dar: statische, flexible, mobile. Es entsteht eine stille Interaktion zwischen den Formen und Linien, die die Ausstellungsobjekte bilden, und den kreierten Bewegungen des Körpers: ein Hervortreten des Einfachen und des Komplexen, des Minimalistischen und des Barocken; Leichtigkeit, Elastizität, Eleganz, Harmonie; eine Rückkehr zur Simplizität und Pertinenz, die jedoch nicht getrennt wird von bizarren Einwürfen, die in solchen Maßen adaptiert sind, etwas Pfeffer auf das Minimalistische zu streuen. All das geschieht innerhalb der emotionalen Hülle, die die Beziehung zwischen Objekt und menschlichem Körper erweckt. Tanz und Design beruhigen, und dennoch besteht stets die Lust zu Staunen. Valentina Moar wird in den Schauräumen von mariopalli einmalig am 18. Mai um 19 Uhr die zeitgenössische Tanzperformance „Through the Looking-Glass“ aufführen, der die Zuschauer durch die Schaufenster beiwohnen können.

Valentina Moar mit Mario Palli und Manfred Platzer bei mariopalli

designmonat graz 16


DESIGN IN THE CITY MAP

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Marienplatz

[Volksgarten]

01 [IN OPTIK] Bei In Optik ist das französische Traditionslabel Céline zu sehen. Hinter dem Design steht die britische Modedesignerin Phoebe Philo. Kaiser-Josef-Platz 5, 8010 Graz

02 [KOKO MARI] Koko mari zeigt im Showroom die Travelbox Olot des Architekten Stefan Prattes. Die Box enthält alles, was man für ein neues Zuhause benötigt. Mandellstraße 1, 8010 Graz

08 [KUNSTHAUS GRAZ SHOP] David Stelzer und Nadav Goldstein zeigen, wie man mit einem Kunststoffelement individuell bedruckbare Lampen („Talent Lamps“) gestaltet.

15 [SCANDINAVIAN DESIGN HOUSE]

Lendkai 1, 8020 Graz

Das Scandinavian Design House Graz zeigt die Entwürfe des zeitgenössischen dänischen Designers Simon Legald.

09 [KASTNER & ÖHLER]

Stubenberggasse 2, 8010 Graz

Das Designerduo femme maison zeigt bei Kastner & Öhler seine aktuelle Kollektion. Außerdem präsentiert Béton Ciré seine Neuinterpretation der Seemannskappe.

16 [MARTIN AUER]

46

Sackstraße 7-13, 8010 Graz

03 [MÉSZÁROS MACARON & DESSERT BOUTIQUE & WINERY MOONVALLEY] Zu den Dessert-Kompositionen der Mészáros Macaron & Dessert Boutique werden Gin von Skin Gin und Wein der Winery Moonvalley serviert. Jungferngasse 2, 8010 Graz

04 [MILLI LUX] Unter dem Titel „uncool wool bei milli lux“ gibt es bei milli lux eine Ausstellung mit gewebten Teppichen der Textilkünstlerin Edda Ruckenbauer-Schaupp. Mandellstraße 4, 8010 Graz

05 [DUXRECORDS] Der Künstler- und Designerzusammenschluss El Fidel ist mit einem Pop-down-Store im Independent-Musikladen DUXRECORDS vertreten. Annenstraße 7, 8020 Graz

06 [OMPURA] Das nachhaltige Unternehmen ompura präsentiert individuell gestaltbare Öko-Jeans aus Österreich und ein eigens für die Präsentation designtes ompura-Shirt. Sackstraße 28-30, 8010 Graz

07 [SUN/SET/STAR]

10 [KLAMMERTH] Die Designobjekte der Kollektion RORO (von Rosenthal), die bei Klammerth zu sehen sind, orientieren sich an Firmengründer Philipp Rosenthals Hausschwein Roro. Herrengasse 7-9, 8010 Graz

Das Familiencafé von MARTIN AUER stellt das neue Brettspiel Cubes.Art® vor, das Kindern spielerisch das Schachspielen vermittelt.

22 [DAS GRAMM] Als erste verpackungsfreie Greißlerei in Graz stellt „das Gramm“ gemeinsam mit Lieferanten verschiedene regionale Produkte vor. Neutorgasse 7, 8010 Graz

23 [GANGL INTERIEUR] Udo Gangl und Maxonus Store präsentieren bei Gangl Interieur exklusive Sammlerobjekte der Mode-Kultmarke Missoni. Kaiserfeldgasse 19, 8010 Graz

Tummelplatz, 8010 Graz

17 [HIMMELGRAU] In der Workzone „Himmelgrau“ von Architektin Kathrin Jummer und ihren beiden Co-Workern finden 4 verschiedene Workshops statt.

24 [FRISEUR WOLFGANG WEISS] Die Täschchen des Designers Johannes Lerch, die im Frisiersalon Wolfgang Weiß zu sehen sind, wirken wie aus Papier, sind aber reißfest. Tummelplatz 2, 8010 Graz

Feuerbachgasse 10, 8020 Graz

11 [LES EDITIONS ARTFABRIEK] Das Editions- und Kunsthandels-Haus Les editions Artfabriek rückt den berühmten österreichischen „Comicpapst“ Chris Scheuer in den Mittelpunkt. Glacisstraße 7, 8010 Graz

18 [MARIOPALLI] In der Performance „Through the LookingGlass“ zeigt Tänzerin Valentina Moar bei mariopalli den Gegensatz zwischen starren und wandelbaren Formen. Kaiserfeldgasse 21, 8010 Graz

12 [JUWELIER PACHLEITNER] Mit der Pachleitner Schmuck-App „Snap den Schmuck“ gibt der Juwelier Einblicke in die digitale Welt des Real-Time Social Broadcasting. Liebenauer Tangente 4, 8041 Graz

19 [INSIDE EINRICHTUNGEN] Architekt Martin Lesjak stellt das Tischsystem „Trigon“ bei Inside Einrichtungen vor. Dieses folgt dem Motto „Break the right angle“. Leonhardstraße 46, 8010 Graz

13 [LOST SOLES] Die Schuhe des neu eröffneten Schuhgeschäftes Lost Soles werden um die hochwertigen Ledertaschen des Labels v. Lottenburg ergänzt. Schmiedgasse 20, 8010 Graz

14 [THE SECRET ROOM 202]

Die minimalistische Männer-Bademode des österreichischen Labels Poleit ist bei Sunsetstar zu sehen.

Im heuer eröffneten Männer-Modestore The Secret Room 202 wird ein exklusives Vintage-Motorbike des Grazer Labels Vagabund ausgestellt.

Reitschulgasse 27, 8010 Graz

Hans-Sachs-Gasse 14, 8010 Graz

20 [BRILLENQUARTIER]

25 [PERLUDI] Unter dem Titel „Krethaus – the new simplicity“ stellt Perludi argentinisches Design fürs Kinderzimmer vor. Kernstockgasse 22, 8020 Graz

26 [SCHULLIN] In der Passage des Herzoghofs ist der Kurzfilm „Bring your time“ zu sehen, der eine Ode an die Freundschaft und die gemeinsame Zeit ist. Herrengasse 3, 8010 Graz

27 [CHIC ETHIC – FAIR TRADE SHOP]

Das Brillenquartier präsentiert die auf kubistischen Formen basierende, handgefertigte Gesamtkollektion des Brillenlabels Kuboraum.

Im Chic Ethic – Fair Trade Shop werden die stimmungsvollen Papier-Leuchten des französischen Designers Charles Macaire ausgestellt.

Hans-Sachs-Gasse 1, 8010 Graz

Tummelplatz 9, 8010 Graz

21 [CULTURE EXCHANGE]

28 [ATELIER GAMERITH]

Cultural-Exchange-Gründer Simon Wilson stellt seine handgefertigten, für die Ewigkeit konstruierten Nylon-Rucksäcke vor.

Unter dem Titel „Holzbilder“ werden im Atelier Gamerith im Rahmen eines Workshops kleine Kunstwerke aus Holz und Öl hergestellt.

Grazbachgasse 47, 8010 Graz

Jakoministraße 16, 8010 Graz

designmonat graz 16


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11 [Schlossberg]

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[Stadtpark] Uhrturm

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30 [NINO.D]

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[Städtischer Augarten]

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Schönaugasse

Weitere Informationen zu den einzelnen Stationen gibt es auf www.designmonat.at

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Wielandgasse

Einerseits stellt Architektin Kathrin Hiebler ihre Stehlampe eins.0 bei GardeRobe aus, andererseits wird hier auch das nachhaltige Modelabel km/a präsentiert.

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Enge Gasse 3, 8010 Graz

32 [GARDEROBE SECOND HAND MARKENMODE]

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Die Skulpturen der Modellreihe „Weltanschauung“ von Ottmar Hörl sind nach einer Grazreise zu Gast bei MuR – Modernes und Raritäten.

designmonat graz 16

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KaiserJosefPlatz

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Jakominiplatz

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31 [MUR – MODERNES UND RARITÄTEN]

Kaiser-Josef-Platz 6, 8010 Graz

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Enge Gasse 3, 8010 Graz

Die Weinhandlung Schaeffer’s vertreibt exklusiv den Designmonat-Wein, einen Sauvignon blanc vom Weingut Wohlmuth.

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Im Modestore nino.d werden im Mai zwei Produkte der mexikanischen Künstlerin Cara Carmina vorgestellt: die Frida Leggins und die Frida Dolls.

Frauengasse 3, 8010 Graz

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Glacisstraße 65, 8010 Graz

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AndreasHoferplatz

29 [TASH LIVING] Im Concept Store von TASH LIVING sind unter dem Motto „Tastes of Summer“ die Lichtobjekte „dlights“ der Künstlerin Ivy Kollmann zu sehen.

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STADT RAUM SINN

Foto: Der Sakarian - Urban Senses

URBAN SENSES

GRAZ WIRD MIT URBAN SENSES EXPERIMENTELL ERFORSCHT.

Urbane Interventionen zur Erforschung des Stadtraums

Im Vordergrund steht der Prozess. Urban Senses wurde beispielsweise schon in

Die urbane Intervention in Graz, die in Koope-

mexikanischen Städten erprobt, dort fanden

ration mit dem Haus der Architektur konzipiert

sich die Teilnehmenden in (oft auch prekären)

wurde, dauert zwar nur zwei Tage, aber auch

Stadtteilen wieder, die sie beobachten und er-

in dieser Zeit können die Interessierten mit

forschen sollten, um dann aktiv zu werden. Die

dem „städtebaulichen Werkzeug“ den Stadt-

Ergebnisse ließen aufhorchen, so entstand bei-

raum positiv verändern. „Die Ergebnisse sind

spielsweise in einer stillgelegten, verwahrlosten

in hohem Maße abhängig von den Ideen der

Bahnhofsgegend ein Park mit selbst gebauten

Teilnehmerinnen und Teilnehmer und ich freue

Beleuchtungskörpern. Angenehmer und er-

mich auf ein Abenteuer mit nicht vorhersehba-

wünschter Nebeneffekt: Die Kinder begannen auf

rem Ergebnis“, schwärmt Initiator Patrick Jaritz

dem Areal zu spielen, auf Wunsch der Nachbarn

von ihrem Vorhaben in Graz. Der Workshop ist

wurden Sitzmöbel installiert, Müll gesammelt

disziplinenübergreifend, bezieht die unmittelba-

und ein dreidimensionaler Zug gemalt. Anrainer

re Nachbarschaft mit ein und kann vieles sein:

aller Altersgruppen gestalteten ihren Stadtraum

Tanzperformance, Sit-in, Soundinstallation,

also selbst mit.

3-D-Intervention, zeichnerische Dokumentation, Kurzfilm – der Schaffensfreude der Betei-

Positive Stadt durch urbane Intervention

ligten sind jedenfalls keine Grenzen gesetzt

„Wir sind von den Gesprächen in Graz sehr

und sie werden vom Urban-Senses-Team pro-

angetan, die Stadt ist offen und sehr koopera-

fessionell betreut. Eines ist sicher: Die Stadt-

tiv!“, sagt Astghik Der Sakarian, Architektin mit

raumintervention macht Design und Kreativität

iranisch-armenischen Wurzeln, über die vorbe-

einmal mehr und ganz im Sinne des Mottos des

reitenden Arbeiten von Urban Senses in ihrer

Designmonat Graz begreifbar.

Geburtsstadt. Klar, Graz ist es gewohnt, sich auf

designmonat graz 16

Projekte wie dieses einzulassen, denn schließ-

[URBAN SENSES]

lich ist man hier daran interessiert, sensible Orte

Workshop und Präsentation

wie Griesplatz und Co zu revitalisieren; umso

7. bis 8. Mai, Treffpunkt 10.00 Uhr

besser, wenn das auf eine derartig spielerische

Haus der Architektur

Art und Weise passieren kann, die ein großes

Mariahilferstraße 2, 8020 Graz

Publikum erreicht.

Anmeldung unter office@urban-senses.org

49

Mit dem Projekt Urban Senses des Architektenduos Astghik Der Sakarian und Patrick Jaritz wird städtischer Raum zur Bühne.


HOLT - KORNBERG DESIGN TISCHLER

HANDWERK IN HÖCHSTFORM Text: Sigrun Karre

Sich auf die handwerkliche Tradition besinnen, aber nicht stehen bleiben, sonund so lange dran bleiben, „bis es passt“. So lautet

das Credo der derzeit neun Tischlereibetriebe

doch eint sie alle ein „Spirit“ des nicht Alltägli-

aus der Südoststeiermark, die ihre Möbel und

chen, der Experimentierfreudigkeit, des so gar

Produkte beim diesjährigen Designmonat Graz

nicht provinziellen Weitblickes. Aufbewahrungssystem Hexa, Tischlerei Schaden

im designforum Steiermark am neuen Standort Andreas-Hofer-Platz ausstellen. Die Südoststei-

Kosmopolitisches Nomadentum

ermark, das Vulkanland, scheint nicht nur ein

Vielleicht liegt es ja am Panorama, das einem

fruchtbarer Boden für Kulinarik im Allgemeinen

die Weinhügel der Region offenbaren. Sicher

und hervorragende Weine im Speziellen zu sein,

aber nicht zuletzt an einem umtriebigen Brü-

sondern auch für außergewöhnliche Menschen,

derpaar, das seit fünf Jahren die Marke betreut.

die mit Leidenschaft und Professionalität etwas

Die gebürtigen Südoststeirer Georg und Xaver

erschaffen wollen und genug Tatkraft besitzen,

Kettele von der Agentur United Everything kann

das auch umzusetzen. Von diesem Schlag sind

man als prototypische Vertreter einer jungen,

auch Die Kornberg Design Tischler (KBDT) Lenz,

kosmopolitischen Generation von bestens ver-

Bischoff, Schaden, Prödl, Fellner, Radaschitz,

netzten Kreativunternehmern bezeichnen. Ihr

Knaus, Ulrich, Gross; neun Tischlereibetriebe,

berufliches wie privates Nomadentum macht

die unterschiedlicher nicht sein könnten. Von

ein fixes Büro und Angestelltenteam obsolet;

der familiär geführten Kleintischlerei bis zum Be-

ihr Arbeitsplatz ist wahlweise ein Wiener Kaffee-

trieb mit mehreren, gar internationalen Stand-

haus, das Tribeka oder ein Co-Working-Space.

orten reicht die Bandbreite. Während der eine

Sie arbeiten, wo sie gerade sind, und leben,

Luxus-Hotels ausstattet, hat sich der andere

wo sie gerade arbeiten. Projektweise werden

mit durchdachten Produkten und Kleinstmöbeln

Kooperationen mit Spezialisten eingegangen.

eine interessante Produktionsnische gesucht.

Im Rahmen des Designmonat Graz haben sie

Auftraggeber sind der kleine Tante-Emma-Laden

zuletzt 2015 federführend an der Interior Design

ebenso wie der internationale Stararchitekt. Und

Ausstellung SELECTED mitgearbeitet. Fotos: Rui Alves

50

dern sich weiterentwickeln

Tischlerei ist ein uraltes Handwerk und zugleich eine erprobte und „handfeste“ Spielwiese für Designarbeit im klassischen Sinn. Seit 29 Jahren gibt es die Gruppe Die Kornberg Design Tischler (KBDT) bereits, mittlerweile sind sie zu einer echten Marke geworden, die die präzise Umsetzung innovativer Ideen durch handwerkliches Können verspricht, immer versehen mit dem besonderen persönlichen Akzent. Und dieses Versprechen auch hält.


HOLT - KORNBERG DESIGN TISCHLER

Beistelltisch Mind the Gap, Tischlerei Fellner

HOLT – Design mit Persönlichkeit

haben und das gleiche Holz bearbeiten, hat

Bar, direkt mit dem besten österreichischen Gin

Für die KBDT haben Georg und Xaver Kettele ge-

jeder Tischler seine eigene Herangehenswei-

befüllt, nach England geliefert. Stoffe werden

meinsam mit den Tischlern HOLT entwickelt. Ein

se und Methode, die seine Persönlichkeit im

nach höchsten Öko- und Qualitätsstandards

Label, das neue Berührungspunkte zwischen

Produkt widerspiegelt. Diese Persönlichkeit ist

in Österreich gewebt. Der Humidor ist nicht nur

dem einzelnen Tischler und dem überregionalen

wichtig und muss im Produktdesign beachtet

aus regionalen Hölzern gefertigt, sondern auch

Kunden sucht. 28 Produkte wurden erarbeitet.

werden, da sich der Tischler in seinem Produkt

mit regional produzierten Zigarren bestückt, die

Durch bewusste Fragestellungen wurde im Pro-

wiedererkennen muss, um es mit Überzeu-

Gartenküche lädt samt regionalem Kochbuch

zess eine Haltung entwickelt. Befragt zur Motiva-

gung produzieren und verkaufen zu können“,

zum kulinarischen Experimentieren ein. Das

tion für seine Arbeit, antwortet Matthias Fellner,

so Georg Kettele. Für manche Produkte hat

passt zusammen.

Tischler der Gruppe, ehrgeizig: „Weil ich etwas

man sich auch Input von „auswärtigen“ Ideen-

machen will, worüber sich noch die Urenkel mei-

spendern geholt, von Designern wie dem Por-

Möbel on Demand

nes Kunden beim Erben streiten sollen.“ Ent-

tugiesen Rui Alves oder dem Österreicher Franz

Eine besonders innovative und zukunftsträch-

worfen wurden die Produkte von den Tischlern

Polzhofer, der sich mittlerweile in Berlin nieder-

tige Idee spiegelt sich in der „Open Desk“-Serie

zusammen mit United Everything in zahlreichen

gelassen hat. Es wird aber auch weitergedacht.

wider, hierbei wird eine Fertigungsdatei online

intensiven Workshops und Einzelcoachings.

Für einige Produkte wurde bewusst nach Koope-

verschickt. Die Einzelteile des gewünschten

„Obwohl alle Betriebe die gleichen Maschinen

rationspartnern gesucht. So wird eine exklusive

Möbelstückes können aus einer genormten

designmonat graz 16


Foto: Rory Gardiner

HOLT - KORNBERG DESIGN TISCHLER

Schreibtisch Open Desk, Tischlerei Gross

Holzplatte weltweit mittels einer speziellen

Was erwartet den Besucher also bei der KBDT-Aus-

Fräsmaschine vom lokalen Produzenten aus-

stellung im designforum Steiermark? Klassische,

geschnitten und zusammengebaut werden.

funktionale Möbeln in skandinavisch-schlichtem

Die südoststeirische Firma Gross ist die erste

Design, etwa Betten und Tische, ausgeklügelte,

Tischlerei Österreichs, die solche „Möbel on

ästhetisch ansprechende Regalsysteme, eine ext-

Demand“ realisiert. Durch den Wegfall des

ravagante Outdoorküche sowie Produkte, die man

Transportweges erhält diese Serie auch einen

bisher vermutlich nicht bei einem Tischler in Auf-

ökologischen Mehrwert. Auch Designs von HOLT

trag gegeben hätte: handgemachte Skateboards

werden über „OpenDesk London“ online ver-

etwa, Humidore, Lampen oder eine „Strombox“,

trieben und werden demnächst in Büros von

die den Kabelsalat „frisst“ und dabei auch noch

Greenpeace stehen. So gut kann Klimaschutz

gut aussieht. Prädikat: sehenswert!

aussehen. Überhaupt wird bei HOLT auf die regionale und soziale Nachhaltigkeit der Möbel und Produkte besonderes Augenmerk gelegt. Nicht hippes, inhaltsloses Design, sondern eine

[HOLT – BEYOND TRADITION]

zeitlose, Beständigkeit vermittelnde Formen-

Ausstellung

sprache, die Funktion und Design verbindet,

Eröffnung am 4. Mai, 19.00 Uhr

ist das Ziel. HOLT-Produkte zeichnen sich durch

5. bis 14. Mai

Langlebigkeit aus, sowohl in ihrer äußeren Sub-

designforum Steiermark

stanz als auch im Design.

Andreas-Hofer-Platz 17, 8010 Graz

designmonat graz 16


SCHULLIN

SONNE, MOND UND STERNE Sehen wir es einmal so: Die Erforschung des Universums ist so alt wie die Menschheit; Themen wie Bevölkerungsexplosion und

Schmuck ist bei Schullin mehr als Accessoire, vielmehr reagiert das Traditionshaus in der Grazer Herrengasse auf den Zeitgeist: Die neue Schmuckkollektion spiegelt mit Mondstein, Sonnenstein oder Saphiren die Kraft des Universums wider.

Ressourcenknappheit treiben schon längere Zeit Forscherteams dazu an, Lebensmöglichkeiten außerhalb der Erde zu finden. „Das Weltall ist in unseren Fokus gerückt. Wir entdecken bisher Unbekanntes. Die Erforschung des Universums tritt an

Star. Diamant-Pavé-Stern in 18 Karat Weißgold auf Tansanit-Kette

die Stelle der Erforschung der Welt“, fasst Diamantexperte Hans Schullin die Hintergründe seiner aktuellen Kollektion Universe zusammen. Inspiriert wurden er und sein multidisziplinäres Team durch die (Leucht-) Kraft von Gestirnen, Planeten und Monden. Wissenschaftliche Erkenntnisse haben in Form von Solarthermie und Photovoltaik oder Gezeitenkraftwerken ohnehin längst Einzug in unser alltägliches Leben gefunden. Auf der weltgrößten Edelsteinmesse in Hongkong fand Schullin schließlich auch jene Steine, die das Material für edle Sternringe, diamantenbesetzte Armreifen und ausgefallenen Ohrschmuck bilden. Vorwiegend haben die Schmuckdesigner heuer zeitloses Weißgold, aber auch Roségold verarbeitet; als Edelsteine kamen blauer Topas, Diamanten, Saphire, Tansanite, Aquamarin und – namensgebend – Sonnen- und Mondstein zum Einsatz. Mit dem Thema Universe legt Schullin visionäre wissenschaftliche Arbeit auf sein Metier Schmuckdesign um und zeigt wie in all seinen Kollektionen, dass Schmucktragen auch ein Statement zum aktuellen Weltgeschehen sein kann. Gezeigt wird die wertvolle Kollektion wie schon die Jahre zuvor in einer überraschenden Show als Presse-Pre-Event und für Schmuckexperten, die bereit sind, über den

designmonat graz 16

Foto: Schullin

irdischen Zenit zu schauen.


HOLLENEGGER DESIGNGESPRÄCHE

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SCHLOSS GEIST REICH Text: Wolfgang Schober

Neues schaffen in alten Gemäuern: Wie die „Hollenegger Designgespräche“ Anfang Juli Unternehmer und Kreative vernetzen und welche Rolle dabei die erste österreichische „Emaille“-Adresse spielt. Das neue Veranstaltungsformat ist eine von vielen Maßnahmen der Creative Industries Styria, um den Design-Transfer in der Steiermark anzukurbeln.

Achtung! Wenn Sie gerne Emailles versenden und in einem Email kochen, haben Sie vielleicht etwas falsch gemacht. Aber theoretisch funktioniert sogar das. Was

elektronische Medien und traditionsreiches Kochgeschirr eventuell gemeinsam haben, erfahren Sie am 6. Juli. Doch dazu etwas später. Erst der Blick in eine Zwischenwelt: ins Schloss Hollenegg bei Schwanberg nahe Deutschlandsberg. Geografisch an der Schnittstelle zwischen der auslaufenden Koralm des Westens und den sanften Wellen des Weinlands im Süden. Aber auch zeithistorisch ist das Schloss ein Interface. Bis ins 12. Jahrhundert zurück kommuniziert der Renaissancebau und vernetzt gleichzeitig auf direktem Weg in die Zukunft. Vielleicht sogar in die Zukunft Ihres Unternehmens. Denn in der ersten Juli-Woche ist Schloss Hollenegg Austragungsort einer Premiere, die Design und Strategie aufs Engste miteinander verknüpft:

designmonat graz 16


HOLLENEGGER DESIGNGESPRÄCHE

Zeitloses First-ClassDesign im Prunksaal im Schloss Hollenegg

Schon allein der Rahmen der erstmals stattfindenden „Hollenegger Designgespräche“ ist imposant. Veranstaltet werden diese Gespräche im mehr als repräsentativen Prunksaal des Nordtrakts, dem Architekturmalereien des 18. Jahrhunderts sowie Deckengemälde griechischer Gottheiten ein zeitloses First-Class-Design verpassen. Durchaus passend zum Inhalt der Veranstaltung, die zeitgenössisches (Produkt-)Design mit nachhaltiger Wirkung ins Zentrum rückt. Konkret werden die Hollenegger Designgespräche drei herausragende Best-Practice-Beispiele heimischer Unternehmen präsentieren, die gemeinsam mit Designern innovative Produktideen umsetzen und damit große Markterfolge erzielen konnten. Womit wir wieder beim Emaille wären. das gelungene Neudesign von Emaille-Kochtöpfen des niederösterreichischen Leitbetriebs Riess-Kelomat, quasi Österreichs erste „Emaille-Adresse“. Mit den hippen „Aromapots“ gelang der Wiener Designagentur Dottings eine

designmonat graz 16

Foto: Schloss Hollenegg

Denn eines dieser Erfolgsprojekte beschreibt


Fotos: Riess

HOLLENEGGER DESIGNGESPRÄCHE

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Die neu designten Aromapots von Riess schafften es sogar in den New Yorker MoMA-Design-Store.

moderne Neuinterpretation des traditionsrei-

Sortiment des „MoMA Design Stores“ in New York

menarbeit mit Designern? Gibt es Modelle, die

chen Kochgeschirrs. Riess-Kelomat hatte in

aufgenommen. Und auch die Kooperation zwi-

das Risiko minimieren bzw. auf beide Partner

der vergangenen Jahrzehnten immer wieder

schen Auftraggeber und -nehmer vertiefte sich.

verteilen? Was ist Service Design? Was bedeu-

zeitlose und beliebte Kultobjekte geschaffen.

Weitere Aufträge folgten – darunter die Kreation

tet Design Management, was Design Thinking?

„Mit dem Auftrag an uns wollte das Unterneh-

von Aufbewahrungsdosen aus Emaille sowie

Und viele Fragen mehr. Alle Antworten dazu im

men an diese Designtradition anschließen und

das Design einer eigenen Sarah Wiener Editi-

Nordtrakt des Prachtbaus von Hollenegg, das

einen neuen zeitgemäßen Designakzent für

on. Ein Unternehmen und seine Designer – das

schon bislang Design-Affinität bewies. Denn

eine jüngere Zielgruppe setzen“, erklärt Dot-

passt in diesem Fall wie Topf und Deckel.

Schlossherrin Alice Stori Liechtenstein über-

tings-Geschäftsführerin Katrin Radanitsch. Das

lässt jungen Designern temporär „Designers

Ergebnis: die stylischen und ausgesprochen

Design gibt Antworten

in Residence“-Quartiere für kreatives Schaffen.

funktionalen Aromapots, die sich dank koni-

Darüber hinaus wird in Hollenegg unter dem

(Schloss)-Geist ist geil!

scher Form in- und aufeinanderstapeln lassen.

Motto „Was Sie schon immer über Design wis-

Der Deckel fungiert, umgedreht und beiseite

sen wollten, aber nie zu fragen wagten“ ein

Building Bridges – CIS als Brückenbauer

gestellt, wahlweise auch als Zwischenablage,

breites Spektrum unterschiedlicher Fragestel-

Mit den „Hollenegger Designgesprächen“ schuf

Schüssel, Teller oder Untersetzer. Eine Beson-

lungen beleuchtet. Darunter Fragen wie: Wie

die Creative Industries Styria ein Veranstaltungs-

derheit und ein Novum für den Erzeuger: Es

findet ein interessierter Betrieb einen Designer,

format, mit dem die Netzwerkgesellschaft ihrem

gibt keinerlei angeschraubte Teile wie Griffe

der zum Unternehmen passt? Was kostet (gutes)

wichtigsten Auftrag für die steirische (Kreativ-)

aus Kunststoff. Gewissermaßen ein Stilbruch

Design bzw. die Dienstleistung eines Designers

Wirtschaft einen neuen Impuls verleiht: dem

für das Unternehmen. „Teil unserer Aufgabe

überhaupt? Wie kann man im Vorfeld seinen

verstärkten Brückenbau zwischen Unternehmen

war es, das Unternehmen dabei herauszu-

Design-Bedarf bestimmen und herausfinden,

und Kreativen. „Design ist schließlich längst ein

fordern, gewohnte Bahnen zu verlassen und

wo das Unternehmen ansetzen soll? Wann ist

wichtiges Instrument moderner Unternehmens-

Grenzen zu überschreiten.“ Jüngstes Highlight

der ideale Zeitpunkt, um Designer einzubezie-

führung“, betont CIS-Geschäftsführer Eberhard

der Success-Story: die Aromapots wurden in das

hen? Welche Förderungen gibt es für die Zusam-

Schrempf. „Design eröffnet innovationsorien-

designmonat graz 16


HOLLENEGGER DESIGNGESPRÄCHE

tierten Unternehmen Türen zu neuen Produkten,

schließlich an die Umsetzung der Maßnahmen

neuen Märkten und Käuferschichten.“ Unterm

und die Sichtbarmachung der realisierten Ideen.

Strich: Design schafft Differenzierung am Markt

Der Creative Industries Styria steht hier eine

und letztlich Wertschöpfung. Mit der breit ange-

Reihe von Display-Möglichkeiten zur Verfügung.

legten Initiative „Design Transfer“ sind daher eine

Das Spektrum umfasst inszenierte Erlebnistou-

Reihe unterschiedlicher Maßnahmen geplant, um

ren im Rahmen der „Erlebniswelt Wirtschaft“,

diese Brückenfunktion mit Leben zu erfüllen.

die Präsentation in Ausstellungen bzw. im Designmonat Graz sowie die Nutzung des glo-

So bietet die CIS heimischen Unternehmen

balen City-of-Design-Netzwerks. „Wir sehen uns

künftig einen eigenen „Design Check“ an, um

in der Rolle eines Sparring-Partners für KMU

in einer Art „Anamnese“ den Status quo hin-

aller Branchen“, so Eberhard Schrempf. „ Un-

sichtlich bestehender Designpotenziale zu

sere Unterstützung in Design und Design-Ma-

erheben. Der ebenfalls angebotene „Design

nagement leistet einen aktiven Beitrag, um die

Support“ soll danach einen Fahrplan festlegen,

Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der

wie sich das Thema Design im Betrieb gewinn-

Unternehmen zu steigern.“

bringend implementieren lässt – die Palette reicht hier von Design-Thinking-Projekten, die ganzer Unternehmensstrategien zum Inhalt

[HOLLENEGGER DESIGNGESPRÄCHE]

haben können, bis zur klassischen Vernetzung

Event

von Unternehmern und Designern im Rahmen

6. Juli

von „Design to Business“-Projekten. In einer

Schloss Hollenegg

dritten Stufe, dem „Design Display“, geht es

8530 Hollenegg 34

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ein Produkte-Redesign oder die Überarbeitung

Das Team der Firma Riess mit den Dottings-Aromapots


FOOD ENTERTAINMENT GROUP creative in food

foodentertainment.at


AVBABY

KREATIVE SCHNITTSTELLE Das Medium Film ist in Graz zwar überaus beliebt, dennoch fehlt es an geeigneten

Graz hat eine neue kreative Adresse: AVbaby präsentiert sich als Filmund Tonstudio samt Schnittraum und Co-Working-Plätzen im Schaumbad.

Produktionsorten. Genau diese Lücke will AVbaby nun schließen: mit einem Film- und Tonstudio, das jedoch mehr bietet als bloß die Möglichkeit, Audio-Visuelles (daher AV) auf höchstem Niveau zu produzieren. „Ein Grundgedanke ist die Vernetzung“, erzählt Stefan Schmid, der gemeinsam mit Edgar Bültemeyer und Stefan Bauer das AVbaby quasi auf die Welt gebracht hat. „Uns ist die Vernetzung der kreativen Szene untereinander, aber auch die Vernetzung in Richtung Kunst und Wirtschaft sehr wichtig. Wir wollen damit Strukturen aufbauen, von denen auch die nächste Generation profitiert.“ AVbaby bietet seinen Kunden – Filmproduktionsfirmen, Agenturen, Unternehmen etc. – mehin Wien und man findet alles an einem Ort. Apropos Ort: Angesiedelt ist

Stefan Schmid, Edgar Bültemeyer und Stefan Bauer im Greenscreen-Studio

AVbaby in den großzügigen Räumlichkeiten des „Schaumbad – Freies Atelierhaus Graz“, eine Kulturinitiative mit Sitz in der Puchstraße. Beste Ausstattung Die Ausstattung von AVbaby kann sich sehen lassen: Dazu zählen ein Greenscreen-Filmstudio, ein Tonstudio, ein Schnittraum mit einer Ausstattung für Colorgrading (Farbbearbeitung) und ein zusätzlicher Schnittplatz. Dabei wurde nichts dem Zufall überlassen. Das Tonstudio etwa verfügt über eine akustisch optimierte Raumgeometrie, die in Zusammenarbeit mit dem Tonmeister und Akustiker der Salzburger Festspiele Hannes Egger konzipiert wurde. Zusätzlich bietet das Team noch mehrere Co-Working-Plätze vor allem für kreative Branchen an. Die daraus entstehenden Synergien werden ebenfalls genutzt und machen AVbaby zu einer kreativen Schnittstelle für Medien- und Kunstschaffende. Der Betrieb ist mittlerweile schon angelaufen: Erste Videos wurden bereits geschnitten und auch die ersten Tonaufnahmen sind fix gebucht. Im Designmonat Graz lädt AVbaby zum Eröffnungsfest am 20. Mai. Dabei steht nach einer Führung eine Tanzperformance mit dem Choreographen Tomas Danielis und dem in Berlin beheimateten Video- und Installationskünstler Frieder

[AVBABY] Event 20. Mai ab 15.00 Uhr Puchstraße 41, 8020 Graz

designmonat graz 16

Foto: Peter Brandstätter

Weiss und eine DJ-Line auf dem Programm.

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rere Vorteile: Man kann kostengünstiger produzieren als beispielsweise


FANNY ET MARI

Foto: Philipp Podesser

Aus alt wird neu: Fanny Justich haucht geliebten alten Stücken neues Leben ein.

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ALTE LIEBE Wenn aus Omas antiquierten VitrinenFiguren Lampen werden oder aus den Souvenirtellern schmucke Etageren für süße Leckereien, war Fanny Justich am Werk. Mit ihrem Label Fanny et mari haucht sie alten Flohmarktstücken neues Leben ein.

Fanny Justich ist „Fanny et mari“.

Popscherl eine gemütliche Sitzgelegenheit. In

Fanny liebt es, mit ihrem mari

technischer Zusammenarbeit mit ihrem Mann

(Ehemann) alte Gegenstände zu

entstehen alltagstaugliche Objekte mit Humor.

sammeln und für sie eine neue Geschichte zu erfinden. Sie sam-

Während des Designmonat Graz öffnet Fanny

melt Ideen und Dinge vornehm-

Justich ihr Atelier und präsentiert eine Samm-

lich auf Flohmärkten und haucht

lung an aufgewertetem Alten und originellem

ihnen neues Leben ein, indem sie ihr Gesicht

Neuen. Bei Kaffee, Prosecco, Bier und Brötchen

und ihre Funktion verändert. Fanny et mari ver-

kann mit der Designerin über ihre Arbeit, ihre Ide-

bindet Altes mit Neuem zu Unikaten. Etwa wenn

en und deren Umsetzung geplaudert werden.

Figuren, die man noch aus Omas Vitrine kennt, bei ihr zu Lampen werden oder alte Hüte zu einer neuen Garderobe, die Schublade eines Barockmöbels verwandelt sich in ein minimalistisches Sideboard. Oder wenn Altwiener Kaffeehaus-

[SHOWROOM BEI FANNY ET MARI]

stühle als Regale aus der Wand wachsen. Fanny

Ausstellung

Justich nimmt sich auch abgewetzter Ohrenses-

20. und 21. Mai, 10.00 bis 19.00 Uhr

sel an und gibt ihnen ein neues Kleid und dem

Alberstraße 18, 8010 Graz

designmonat graz 16


VIENNA DESIGN WEEK

AB INS KINO Die VIENNA DESIGN WEEK, mit der Creative Industries Styria auch im Rahmen des ADN - Austria Design Net verbunden, zeigt im zehnten Jahr ihres Bestehens am Eröffnungswochenende des Designmonat Graz die Re-

Zwei Festivals – die VIENNA DESIGN WEEK und die Diagonale – schließen sich zusammen, um auf einem dritten – dem Designmonat Graz – die thematischen Schnittmengen aufzuzeigen.

sultate eines besonderen Paarlaufs. Gemeinsam mit der Diagonale, Festival des österreichischen Films, hat die VIENNA DESIGN WEEK Design- und Filmschaffende eingeladen, den Ort „Kino“ architektonisch, atmosphärisch, funktional oder auch historisch zu durchleuchten. Lena Goldsteiner, Johann Lurf, Victoria Schmid und David Tavcar trafen während des Filmfestivals im März in Graz aufeinander, arbeiteten in

David Tavcar, in Ljubljana geboren, arbeitet in den Bereichen Textil-, Möbelund Produktdesign und stellte seine Objekte bereits in Wien, Ljubljana, Mailand, Eindhoven, Beijing und Zagreb aus.

Folge ihre Kommentare und Überlegungen aus und präsentieren diese

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im Rahmen des Designmonat Graz – an einem Ort, der in ebenso stimmiger Weise die Verschränkung von Design und Kino repräsentiert: ein ehemaliges Kino in der Grazer Herrengasse, das heute einen Schauraum der Neuen Wiener Werkstätte beherbergt. Kino mit Mehrwert Bis heute hat das Kino seinen Reiz nicht verloren – und doch kursiert die Rede vom Kinosterben. Serienhype, Video-on-Demand-Plattformen und Heimkino scheinen die Ära gut besuchter Kinosäle abzulösen. Noch prekärer steht es um historische Filmkopien und Orte, die diese noch abspielen können. Was aber kann das Kino, was andere Medien nicht können? Wo funktioniert der Ort Kino – die Kinoarchitektur – nach wir vor als Treff- und Knotenpunkt sozialen wie kulturellen Zusammenlebens, als Dispositiv, als Architektur im urbanen wie auch im ländlichen Gefüge? Den vier Kunstschaffenden steht es frei, Medium und Art ihres Kommentars zu wählen. Das Ergebnis ist offen, für Spannung und interdisziplinären

[VIENNA DESIGN WEEK x DIAGONALE ’16] 30. April, 18.00 Uhr

designmonat graz 16

Foto: Josef Schauer-Schmidinger

Gedankenaustausch in geselliger Atmosphäre ist jedenfalls gesorgt.


Street Avant Garde

fĂźr WeltbĂźrger und Gestalter

Now open Hans-Sachs-Gasse 14 8010 Graz

Anything but ordinary


Foto: look design!

LOOK HERE

AUGEN AUF GRAZ! Das Prinzip ist so einfach wie originell: Ob Bewohner oder Besucherinnen von Graz, Kreative, oder Designinteressierte aus

Machen Design in Graz sichtbar: die „LOOK HERE”-Tags

„LOOK HERE“ lautet die Aufforderung und der Titel des Projekts von Designerin Stefanie Schöffmann und ihrem Team von look!design. Genau hinschauen und wahrnehmen ist die Devise bei der kollektiven Suche nach Design in unserem Alltag, denn das kann wesentlich mehr als nur gut aussehen. Und wer sollte es besser aufspüren können als wir alle gemeinsam?

anderen Branchen, alle sind aufgerufen, ihre persönlichen, alltäglichen

wir überhaupt den Begriff Design? Und was ist

nehmen zu lassen. Wo würde die Designerin

„Points of Interest“ in Graz oder anderswo mit

gelungenes bzw. weniger gelungenes Design?

selbst einen LOOK HERE Point vergeben? „Zum

neon-roten Points zu markieren, zu fotografieren

Alle dürfen mitmachen, alle sollen mitdiskutieren.

Beispiel bei der Straßenzeitung Megaphon, die sieht nicht nur schick aus, sondern bildet auch

und mit anderen via Social Media und #lookheregraz zu teilen. Auf www.lookheregraz.at werden

Taggen und teilen: Schau, das kann Design!

ein seit Jahren gut funktionierendes, die Stadt

alle mit #lookheregraz getaggten, öffentlich

Stefanie Schöffmann von look!design hat

bereicherndes Integrations-Tool. Konzept, Um-

geteilten Posts gesammelt, die auf Facebook,

sich hier eine Schnitzeljagd der anderen Art

setzung und Optik in tollem Einklang.“ Auch der

Instagram, Twitter u. a. veröffentlicht wurden.

ausgedacht, die das Individuelle mit dem Kol-

Umgang mit Leerständen im innerstädtischen

So entsteht eine Collection of Design sowohl im

lektiven verbinden soll. Sie sieht Design nicht

Raum ist für Schöffmann ein spannendes The-

realen wie auch im virtuellen Raum, eine bran-

als „behübschende“ Form ohne Inhalt, son-

ma mit Potenzial für den einen oder anderen

chenübergreifende Momentaufnahme, die Fra-

dern als Haltung, eine Art, Dinge zu denken.

„roten Punkt“.

gen aufwerfen und für Diskussionen sorgen soll:

Ihr Anliegen ist es, Menschen für Design zu

Wo findet sich Design im Alltag? Wie definieren

sensibilisieren und am Designmonat Graz teil-

designmonat graz 16


Links: Die ehemalige Automobil-Metropole definiert sich neu. Rechts: Metallexperte Carl Nielbock an der Arbeit am 3-stöckigen Hochgarten, ideal für Stadtbewohner.

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NOTHING STOPS DETROIT EINE UNESCO CITY OF DESIGN IM WANDEL Text: Susanne Lipinski

Detroit: Seit Dezember 2015 erste US-amerikanische UNESCO City of Design, knapp 700.000 Einwohner.

Drei Studierende des FH-Masterstudiengangs Ausstellungsdesign konzipieren die vielschichtige Ausstellung „Nothing stops Detroit“; sie zeigen eine polarisierende wie pulsierende Designmetropole.

Seit dem Niedergang der Automobilindustrie schrumpfte Detroits Bevölkerung von drei Millionen Menschen

Bereits bevor Detroit zur jüngsten UNESCO City of Design ernannt wurde,

um über drei Viertel. Vor allem wohlhabende Schichten wanderten ab

war die Stadt für die FH Joanneum eine spannende Designmetropole, die

und hinterließen leerstehende Fabriken, Gebäude und Straßenzüge.

sich im Umbruch befand: „Wenn ich 25 oder 30 wäre, würde ich nach

Kriminalität, Arbeitslosigkeit und Armut waren die Folgen, mit denen

Detroit gehen!“, schwärmt Stocker über eine Stadt, die seit etwa zehn

die Stadt an den großen Seen auch heute noch zu kämpfen hat. Doch

Jahren dabei ist, sich neu zu definieren, eine Stadt, deren Kreative wirk-

nichtsdestotrotz oder gerade deswegen ist Detroit auch eine Stadt von

lich etwas zu tun haben, nämlich heruntergekommenen Stadtraum neu

Machern, Träumern und Kreativen, die ihre Stadt sukzessive zurück-

zu beleben. Das ist es auch, was die Ausstellungsmacherinnen Hugsam,

erobern. Patricia Wess, Janine Hugsam und Eva Stern waren gemeinsam

Stern und Wess interessiert: „In Detroit erschaffen die Bewohner durch

mit ihrer Mentorin Erika Thümmel, Lehrende an der FH Joanneum, und

die Kraft der Gemeinschaft und des Kreativsektors gerade ein neues

Karl Stocker, Studiengangsleiter Ausstellungsdesign an der FH, auf

Image und erhöhen dadurch die Lebensqualität“, schildert Patricia Wess

kreativer Forschungsreise in Detroit.

ihren Eindruck von Detroit.

designmonat graz 16


Stops

Detroit

Kern des Ausstellungskonzeptes ist der Leer-

Neben den Erlebnissen aus der Reise werden

Neben Designern, Stadtgeschichte und Perspek-

stand, der in der Stadt vorherrscht. Durch den

aber auch Arbeiten der Kreativen aus Detroit

tiven auf die Stadt macht die Ausstellung „No-

Massenabzug in den vergangenen Jahrzehnten

gezeigt. Sie sind im Aufbruch und machen ihre

thing stops Detroit“ auch das wirkliche Leben

sind kilometerlange Avenues, ja ganze Viertel

Stadt dort wieder lebendig, wo sie ausgestorben

von Detroit spürbar, erlebbar und begreifbar.

nahezu menschenleer: „Wir sind die Jackson

ist. Best-Practice-Beispiele dafür liefert etwa

Dafür installiert das Team einen Bar-Betrieb, an

Road zehn Kilometer entlanggegangen, ein-

Carl Nielbock. Der gelernte Schmied ist vor allem

dem Getränke und die „Coney Island Hot Dogs“

fach weil wir die Gegend beeindruckend fanden,

bekannt für seine beeindruckenden Restaurati-

ganz im Stil Detroits ausgegeben werden. Kom-

und als wir dann nach einem Taxi fragten, sagte

onsprojekte wie etwa das Fox Theatre oder das

plettiert wird das komplexe Ausstellungsdesign

man uns, dass wir mindestens acht Stunden

Hurlbut Memorial Gate. Als Kind eines schwarz-

schließlich mit einem Rahmenprogramm aus

warten müssten. Zum Glück konnten wir einen

amerikanischen GIs und einer Deutschen liebt

Lectures, Workshops, Diskussionsrunden sowie

Bus stoppen, der uns wieder mitnahm“, erzählt

Nielbock seine „Adoptivstadt“, wie er seine

Filmabenden und musikalischen Angeboten.

Erika Thümmel über eine verlassene Gegend

Vaterstadt Detroit liebevoll bezeichnet. Nicht

Es wird ein multikulturelles Treffen zwischen

der Stadt, in der die weiße wohlhabende Be-

nur Carl Nielbock, auch andere Designer lernten

zwei UNESCO Cities of Design, ein Austausch,

völkerung mit dem Auto unterwegs ist und die

die Grazerinnen über Kreativnetzwerkerin Elli

ein Kennenlernen und ein Lernen voneinander

schwarze mit Bussen. Taxifahrten sind hier

Schneider vom dc3, dem Detroit Creative Corri-

– weitere Kooperationen innerhalb des Creative-

nicht vorgesehen.

dor Center, das auch die Bewerbung für Detroit

Cities-Netzwerkes inbegriffen.

UNESCO City of Design erarbeitet hat, kennen. Das Ausstellungstrio wird verschiedene Sicht-

So werden in der Ausstellung unter anderem die

weisen, aus denen sie die Stadt betrachtet ha-

Möbeldesigner Ali Sandifer oder das Russell Art

ben, mit Fotos illustrieren. Dazu gehört etwa die

Center, Detroit, vorgestellt.

ungleiche Relation der Wege für Fußgänger und der Wege für Fahrzeuge – Ergebnis des jahrelangen Autobooms – genauso wie die Vertreibung der Homeless People aus der Stadt.

[NOTHING STOPS DETROIT] Ausstellung Eröffnung am 30. April, 16.00 Uhr 1. bis 21. Mai Jakoministraße 16 (1. Stock), 8010 Graz

designmonat graz 16

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Foto: Patricia Wess

Foto: Janine Hugsam

Nothing


AWS KREATIVWIRTSCHAFT

KREATIVWIRTSCHAFT ALS CHANCENMOTOR Wenn es um Innovationskraft, Flexibilisierung und Standortentwicklung geht, spielt die Kreativwirtschaft eine immer größere Rolle. aws Kreativwirtschaft, das bundesweite Förderungsprogramm für die Kreativwirtschaft, unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung von zukunftsfähigen Projekten.

Neue Organisationsformen und Arbeitsmodelle, frühe Antizipation von Konsumbedürfnissen und gesellschaftliche Verände-

rungen, dazu hohe Innovationsbereitschaft und überdurchschnittliche Wachstumszahlen – die Kreativwirtschaft steht regelmäßig vor immer neuen Herausforderungen. Praktische Lösungen und Antworten bietet aws Kreativwirtschaft als

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Teil von Evolve, der Strategie des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft zur Förderung kreativwirtschaftlicher Innovationen. Virtuelle Anprobe mittels Augmented Reality: die Pictofit-App des Grazer Start-ups Reactive Reality – von aws gefördert.

Was kann aws Kreativwirtschaft tun, um Ihr Projekt voranzutreiben? Welche Möglichkeiten einer Förderung gibt es? Die infohour der aws Kreativwirtschaft am 17. Mai im designforum Steiermark beantwortet sämtliche Fragen zu den Förderprogrammen und gibt mit Vorträgen nützliche Tipps für alle, die die Chancen ergreifen wollen, die sich in der Kreativwirtschaft bieten. Am 18. Mai haben Sie die Möglichkeit sich zu 30 minütigen individuellen Beratungsgesprächen anzumelden. Dabei besteht die Möglichkeit, das eigene Projekt den Expertinnen von aws Kreativwirtschaft vorzustellen und die individuellen Fördermöglichkeiten abzuklären.

[AWS KREATIVWIRTSCHSCHAFT

Foto: Pictofit

INFOHOUR] 17. Mai, 18.00 Uhr designforum Steiermark Andreas-Hofer-Platz 17, 8010 Graz

designmonat graz 16


GIB DEM BROT DIE SEELE ZURÜCK

UNSER BEITRAG ZUM DESIGNMONAT


DESIGN BATTLE BEI PRÖDL

KREATIVES DOPPEL

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Design hautnah erleben, interaktiv mitgestalten und schonungslos bewerten – das alles, garniert mit feiner Kulinarik und jeder Menge – ja! – Spaß, gibt’s bei der Design Battle in der Tischlerei Prödl.

Was kommt eigent-

was dafür von Bedeutung ist, dem Publikum

lich dabei heraus,

in der Tischlerei Prödl präsentiert. Das Feed-

wenn Designer und

back erfolgt prompt und direkt, vom Publikum

Profis aus anderen

und einer Expertenjury. Es wird von den Teams

Disziplinen aufein-

aufgenommen und fließt in die Überarbeitung

andertreffen und gemeinsam an einer Aufga-

der Entwürfe ein. Am Ende steht idealerweise

benstellung rund um das Thema Holz arbeiten?

ein Produkt, das nicht nur hohe gestalterische

Das herauszufinden ist die Aufgabe der Design

Qualität aufweist, sondern auch produzierbar

Battle, die am 12. Mai in der Tischlerei Prödl in

ist. Dafür sorgt übrigens die Tischlerei Prödl, wo

Kirchberg an der Raab über die Bühne geht. 4

die Entwürfe des „gemischten Design-Doppels“

Teams zu je 2 Experten gehen dabei ins Rennen,

noch am selben Abend als Rohling Gestalt an-

sie erfahren 24 Stunden vor der Battle die Auf-

nehmen. „Unsere Tischler stehen den Gestaltern

gabenstellung. Ab dann läuft der Countdown,

mit Materialfertigkeit und Know-how zur Seite“,

denn tags darauf werden ab 17.00 Uhr die Ent-

so Gastgeber Josef Prödl.

würfe, Skizzen, Überlegungen, Ideen und alles, Design Transfer Die Design Battle ist die vielleicht direkteste Form des Design Transfers, denn schließlich bekommt man nur selten die Gelegenheit, Designprozesse aktiv mitzusteuern und damit mitzugestalten. Für das Publikum wird Design dadurch besser verstehbar: Statt die Aura des schöpferischen Aktes zu überhöhen, wird der Designprozess als das wahrgenommen, was er ist: harte Arbeit an einem konkreten Problem mit dem Ziel einer umsetzbaren Lösung. Die Designerinnen und Designer wiederum profitieren vom direkten Feedback durch das Publikum und durch die Jury – oftmals ist es der Blick von außen, der den Wald inmitten lauter Bäume wieder sichtbar macht.

Foto: Philip J. Veech

[DESIGN BATTLE] 12. Mai, 17.00 Uhr, Tischlerei Josef Prödl Raab 171, 8324 Kirchberg/ Raab Anmeldung unter office@cis.at

designmonat graz 16


WAS BRAUCHT DER MARKT VOM MARKT? Die Bäuerinnen und Bauern rund um und in

In der oststeirischen Stadt Weiz denkt man Design und setzt dieses Denken um. Im Designmonat Graz 2016 regt die Agentur Cardamom Landwirte, Gestalter und Kunden dazu an, den guten alten Bauernmarkt neu zu denken.

Weiz kennen sie schon, die umtriebigen Designanreger von Cardamom,

Angebote, Stände und Marken sind. Die Idee,

Auch in diesem Jahr erwartet die Designagen-

der Agentur zur Förderung des guten Ge-

Bauernmarkt neu zu gestalten, entstand aus

tur zahlreiche Interessierte. Teilnehmerinnen

schmacks. Im Rahmen der Initiative zur Vernet-

dem Trend, sich regionaler, biologischer und

und Teilnehmer der Veranstaltung können ihre

zung der oststeirischen Kreativwirtschaft „Wir

bewusster zu ernähren. Auch die Lust, sich

Ideen und Visionen offen austauschen und ei-

Gestalten Es“ haben Christian Heuegger-Zirm,

mit den Methoden von Design Thinking der

nen neuen „Prototypen“, den Bauernmarkt 4.5,

Jacqueline Kaulfersch und Marie-Theres Zirm in

Fragestellung: „Wohin soll und kann sich das

entwickeln und somit diesen refreshen. Daraus

jüngster Vergangenheit mit dem Barcamp „Weiz-

Konzept Bauernmarkt entwickeln?“ zu widmen,

werden, so hoffen die Cardamoms, neue Initiati-

Camp 2015“ oder mit „Zam kommen“ Land- und

förderte die Ideenfindung. „Schließlich betrifft

ven entstehen, die den Bauernmarkt noch näher

Kreativwirtschaft an einem Tisch versammelt

es uns alle, welche Lebensmittel uns ernähren

an die realen Bedürfnisse der Zielgruppen heran-

– und das mit regem Austausch und ertrag-

und welche nicht“, so Marie-Theres Zirm, die

führen und darauf abzielen, die Werte-Diskussion

reicher Ernte. Im Designmonat Graz wollen sie

mit ihrem Team gerne in der von Landwirtschaft

um regionale wie biologische Produkte zu ver-

sich dem Begegnungsort für Landwirte und dem

und Industrie geprägten Stadt Weiz Gestal-

breiten und den guten Geschmack zu fördern.

Umschlagplatz für landwirtschaftliche Produkte

tungsfragen stellt. Entwicklungen wie Soli-

intensiver annehmen: dem Bauernmarkt.

dar-Landwirtschaften, also gemeinschaftliches landwirtschaftliches Produzieren, oder Bio-Kis-

[BAUERNMARKT: NEU GEDACHT!]

Dort kommen alle zusammen: Die Landwirte,

terl-Vertrieb zeigen aktuelle Bedürfnisse der

Workshop

ihre Produkte und die Kreativen, die einerseits

Bevölkerung, auf die Cardamom reagiert.

4. Mai, 9.00 bis 18.00 Uhr

Konsumierende, andererseits Gestalter der

designmonat graz 16

Anmeldung unter office@cardamom.at

69

Foto: Cardamom

Von der Kernöltankstelle zum virtuellen Hofrundgang – Bauernmarkt neu!


REININGHAUS BAUMGESCHICHTEN

ALTE UND NEUE BAUMGESCHICHTEN Wenn demnächst auf dem Grazer Reininghaus-Areal die ersten Bäume fallen, werden drei Aktivisten tätig: Sie verarbeiten das Holz zu neuen Objekten, Skulpturen und Möbeln. Und setzen so Akzente für den neu entstehenden Stadtteil.

Oft ist es ja so, dass neue Bauprojekte Gegner auf den Plan rufen. Solche, die Bäume schützen wollen, beispielsweise. So etwas Ähnliches, aber doch ganz anders, findet im Rahmen des Designmonat Graz statt. Alte Reininghaus-Bäu-

me, die geplanten Neubauten weichen müssen, werden im Projekt Reininghaus Baumgeschichten zu Möbel-Installationen. Die „lokale DNA“ von Reininghaus soll, wenn schon nicht in ihrer natürlichsten Form, dann zumindest in Form von Objekten, Skulpturen, Möbeln, erhalten bleiben. Die Aktion soll zudem der vielfältigen Geschichte des Stadtteils Reininghaus und seiner Transformation zu einem modernen Stadtteil – einer Smart City – weitere Geschichten hinzufügen. Für die treibenden Kräfte hinter dem Projekt, den Architekten Andreas Goritschnig, die Künstlerin und Kuratorin Johanna Reiner sowie den Künstler und Möbeldesigner Johannes Hoffmann, ist Graz-Reininghaus prädestiniert für ein solches Projekt, da der öffentliche Raum dort als solcher noch nicht sichtbar- und erlebbar ist. Goritschnig, Reiner und Hoffmann, die sich auch in anderen Projekten mit Fragen von Kollaboration, Partizipation, Communitybuilding, Recycling und Veränderungen im städtischen Kontext beschäftigen, möchten mit ihrem Projekt den öffentlichen Raum entstehen lassen, was vor Ort und live mitverfolgt werden kann. Ihr Credo: „Smart City bedeutet für uns neben ausgeklügelten neuen Technologien und dem Aufbau von nachhaltigen gesellschaftlichen Strukturen auch lokale Ressourcen Illustration: Nina Escobar Castillo

und Synergien zu nutzen.“ Geschichten (er-)finden Unter dem Motto Design Thinking – Thinking Design sollen dabei neue Wege von Design als Stadtentwicklungs-Werkzeug konzipiert und vor Ort ausprobiert werden. Das Potenzial des Projektes sehen die Macher in der Unmittelbarkeit von Denken und Machen oder Forschen und Experimentieren sowie dem Aufsuchen und Erdenken von neuen Orten. Es geht auch darum, Geschichten zum schlummernden neuen Stadtteil zu (er-)finden und darauf aufbauend etwas Nachhaltiges zu schaffen. [REININGHAUS BAUMGESCHICHTEN] Präsentation Naturwerkstoff Holz: Als Baum in die Jahre gekommen, als Möbel top-aktuell

6. Mai, 16.00 Uhr Graz Reininghaus Areal Reininghausstr. 1- 11 (Sonnenuhr), 8020 Graz

designmonat graz 16


ARCHITEKTOUR Mit dem Science Tower und den Reininghausgründen hat die Stadt Graz große architekto-

Die GrazGuides, die zertifizierten Fremdenführer durch die Landeshauptstadt, laden zu einer Bustour durch Graz.

Im Cabriobus neuer Architektur auf der Spur

nische Pläne am rechten Murufer. Wobei mit Auster und Helmut-List-Halle bereits sehenswerte Punkte existieren. Mit Cabriobus und der kompetenten Führung der GrazGuides startet die Tour vom Künstlerhaus hinüber zur rechten Murseite, wo in einer Industriebrache moderne Wohnparks entstehen. Nach einem Abstecher in die Designabteilungen der FH Joanneum findet die Tour in der designHalle gegenüber dem Citypark ihren Abschluss. [GRAZ: 5 JAHRE UNESCO CITY OF DESIGN TOUR] Busparkplatz Künstlerhaus Burgring 2, 8010 Graz Andmeldung unter 0316 856720 Kosten 15 €

designmonat graz 16

Foto: Lupi Spuma

12. Mai, 17.00 Uhr


VIENO MOTORS FLOWER SHOP BEI MARTINA SPERL

DESIGN PERFORMANCE Anarchistische Floristik zu Gast in der Upcycling-Polsterei: Martina Sperl lädt zum offenen Atelier mit Ilona Valkonen (Vieno Motors Flower Shop).

Wenn alte Möbel

Polsterei-Resten kreative Meisterwerke zu zau-

sich ihr Schicksal

bern: Die anarchistische Floristik kommt frisch

aussuchen könn-

gestaltet aus Finnland.

Ilona Valkonen kreiert bunte Blumengestecke vor den Augen der Besucherinnen und Besucher.

Florale Anarchie im Tapeziererladen

ja. Denn in den meisterbrieflich geschulten

„Urbane Botanik“ nennt Ilona Valkonen ihre

Händen der Tapeziererin und Polsterin Martina

gestalterischen Stegreif-Performances. Wilde

Sperl erleben geliebte Erbstücke ihren zweiten

Blumengestecke, aufgebaut aus Draht und Holz,

Frühling. „Ehrliches Handwerk“, nennt das Sperl,

zieren bei ihren Events plötzlich nicht nur die

von dem sie „schon immer geträumt hat“. Ist

Stehtische, sondern auch die Besucherinnen

das Sofa oder der Sessel einmal zum neuen

und Besucher selbst. Als Hochsteckfrisuren

Leben erweckt, bleibt von der detailverliebten

oder überdimensionale Broschen paradieren

Handwerkskunst jede Menge „Abfall“ übrig:

die Gäste die floralen Werke bei finnischem

Schrauben, Nägel, Federn, Draht, Holzstücke.

Tango durch das Publikum, deren Bouquets,

Grund genug, Upcycling in die nächste Dimen-

so Valkonen, auch noch lange nach dem Event

sion zu heben, quasi Upcycling hoch zwei. Für

„frische Sinnlichkeit verströmen“. Ilona Valko-

den Designmonat Graz hat die Grazerin Martina

nen hat in Prag und Helsinki, wie Graz ebenso

Sperl nämlich eine internationale Designerin

UNESCO City of Design, bildende Kunst studiert

in ihr Atelier eingeladen, um vor Publikum aus

und absolviert als Vieno Motors Flower Shop Auftritte von Europa bis New York. Während der One-Day-Installation erzählt Ilona Valkonen über ihr Leben und ihre Arbeit und tritt dabei in einen Dialog mit der mexikanischen Gastkünstlerin Norma Andreu, die ihren Lebensmittelpunkt heute in Montréal, seit 2006 UNESCO City of Design, hat.

[ANARCHO-FLORISTIK] Event und Vortrag 3. Mai, 14.00 bis 19.00 Uhr Polsterei Martina Sperl Lendplatz 40, 8020 Graz Foto: Christina Kral

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ten, würden sie wahrscheinlich sagen: Sperrmüll nein, Sperl

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Fotos: Kastner & Öhler

KASTNER&ÖHLER

Links: Béton Ciré – französische Seemannskappen neu interpretiert Rechts: Barocke Zeitreise durch die Stil-Epochen

Seit mehr als 140 Jahren ist Kastner & Öhler Experte in Sachen Mode und deren Ver-

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VERKAPPTE EITELKEIT Das Grazer Modehaus Kastner & Öhler entführt seine Kundinnen und Kunden im Designmonat Graz in vergangene Zeiten, verbindet barocken Stil mit Pop-Art-Elementen und hat den französischen Designer und Künstler Béton Ciré zu Gast.

kauf, zahlreiche Modestile haben in so einer langen Zeit das Haus

rund um Spiegel einsetzt. Dadurch beobachtet

Neben seinen originell-originalen Mützen, die

geprägt. Höchste Zeit, sich auf eine Zeitreise

sich der Betrachter selbst und wird sich dadurch

er für K&Ö-Kundinnen und -Kunden vor Ort per-

durch die Epochen zu begeben. Das gesamte

vielleicht seiner Eitelkeit bewusst. Collagen wie-

sonalisiert, entwirft Ciré auch Paravents, live und

Haus erstrahlt im Grazer Designmonat im Glanz

derum wurden vor allem in der Pop Art vor rund

passend zum Thema Barock. K&Ö bietet mit dem

von gleich zwei Dekorationsstilen, inspiriert von

50 Jahren als Kunstform genutzt. Spiegelkabi-

extravaganten Event einem Newcomer und Desig-

den 1960er Jahren und vom barocken Lebens-

nett, barocker Garten oder „Selfie-Catwalk“ im

ner eine gute und vielbesuchte Plattform; Grazer

gefühl. „Diese Verbindung entsteht“, so Birgit

K&Ö-Trendstore Infected lassen Kundinnen und

und Designmonat-Touristen erleben bei K&Ö eine

Coyle, Leiterin Dekoration und Kreativabteilung

Kunden in vergangene Welten eintauchen. Letz-

barocke Zeitreise mit französischem Touch.

bei K&Ö, „indem man eine Brücke zwischen den

teres gilt als Spiegelneuinterpretation, oder ha-

beiden großen Modethemen der Saison schlägt,

ben Sie noch nie Ihr Handy als Spiegel benutzt?

der Neuinterpretation der Designs der 1960er Eine ebensolche Neuinterpretation eines tradi-

[VANITY – EIN BAROCKES HAPPENING]

tionellen Accessoires liefert der Special Guest

Event

Die Eitelkeit, Vanity, ist das barocke Thema

von Vanity – ein barockes Happening. Der fran-

3. Mai, 14.00 bis 18.00 Uhr

schlechthin, das auch K&Ö in seinem „baro-

zösische Jungdesigner Béton Ciré hat die See-

Kastner & Öhler Suite

cken Happening“ in Form von Collagen mit und

mannskappe, die Brittany Miki, neu entworfen.

Sackstraße 7-13, 8010 Graz

Jahre und der französisch inspirierten Mode.“

designmonat graz 16


ALTES GOLD IN NEUEM KLEID Text: Daniela Müller

Foto: Luca Faccio

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Foto: Patrick Rampelotto

PATRICK RAMPELOTTO BEI GEBHART BLAZEK

Der italienische Designer Patrick Rampelotto zerlegt alte Pokale und fügt sie zu völlig neuen Objekten wieder zusammen. Gezeigt werden die Exponate in der Galerie von Gebhart Blazek, der ebenfalls den Wert alter Stoffe wertzuschätzen weiß.

Gebhart Blazek und Patrick Rampelotto haben etwas gemein-

sam: die Vorliebe, aus Gebrauchtem, lieblos Weggeworfenem oder unbedeutend Gewordenem neue Werte zu schaffen. Blazek hat sich vor vielen Jahren als einer der ersten Händler den charmant-schrillen Boucherouite-Teppichen verschrieben, bei denen marokkanische Weberinnen Alttextilien, Nylon und Lurex recyceln und fantasievoll verarbeiten. Ein freier Raum Patrick Rampelotto macht aus alten Pokalen ausgefallene Lampen.

für eine freie, intuitive Formensprache, welche die Berberinnen so ausdrücken, wie ihr sozialer Status es ihnen ermöglicht. Die Rohstoffe des

designmonat graz 16


Pokalluster von Patrick Rampelotto

Exponate in die Steiermark, und zwar von 30. April bis 29. Mai in die Räumlichkeiten der Teppichgalerie von Gebhart Blazek – Berber Arts. Die Ausstellung wird komplementiert mit verschiedenen Möbelentwürfen des Designers, wie das Sitzmöbel Knieschwimmer, bei dem Rampelotto den Entwurf des berühmten Knieschwimmer-Sessels von Adolf Loos reinterpretiert und aus dem eleganten Sitzmöbel ein Sitzobjekt aus Styropor gemacht hat. Der Montageschaum, der der Generationen seine symbolische Bedeutung

den Kern überzieht, lässt die Oberfläche wie

verliert und zum reinen Objekt wird. Genau das

einen Polstersessel wirken. Sowohl mit dem

italienischen Designers und Künstlers Patrick

ist der Moment, in dem die Gegenstände für den

Knieschwimmer als auch mit seinen Pokal-Ob-

Rampelotto sind alte Pokale. Er dekonstruiert

Designer interessant werden.

jekten offenbart der Künstler seinen Zugang zur

sie in ihre modularen Einzelteile und fügt sie

kreativen Arbeit, die sich häufig an den Grenzen

letztlich zu skulpturalen Leuchten, totemarti-

Sitzmöbel zwischen Kunst und Design

von Design und Kunst bewegt. Skulpturalität

gen Säulen und Wandmasken neu zusammen.

Rampelotto beschäftigt sich bereits seit 2006 mit

und Funktionalität schließen sich dabei nicht

der opulenten Ästhetik von Pokalen, er sucht und

aus, sondern gehen miteinander – und das völ-

Seine Arbeiten lassen beispielsweise botanische

findet seine Gegenstände bei Privatverkäufen

lig ohne Tabus.

Strukturen erkennen, die die Objekte wie natür-

oder auf Flohmärkten. Der Designer versteht sich

lich gewachsene Formationen erscheinen lassen.

als eine Art Goldgräber, getrieben von der Suche

Für Rampelotto sind die Pokale Gegenstände, die

nach Trophäen, die ihrerseits wiederum Symbole

[PATRICK RAMPELOTTO – GOLDRAUSCH]

für den Ausdruck von Sieg und Ehre stehen und

der Jagd nach dem Gold im sportlichen Sinne

Ausstellung

die bedeutende Leistungen für die Zukunft fest-

sind. „Goldrausch“ lautet daher der Ausstellungs-

30. April bis 28. Mai

halten. Der Pokal sozusagen als „Heiliger Gral“

titel, die Schau wird von der Wiener Designgalerie

Galerie Gebhart Blazek – berber.Carpets + textiles

im Eigenheim, als emotionales Gut, das im Laufe

Harald Bichler Rauminhalt präsentiert.

Leonhardstraße 12, 8010 Graz

designmonat graz 16

75

Im Rahmen des Designmonat Graz kommen die


RE.USE BEI PRO MENTE

VOM RADWEG ZUM LAUFSTEG Catride statt Catwalk: Die Models von re.use – bike und re.use – fashion bringen fahrradtaugliche UpcyclingMode für den Designmonat Graz radelnd auf den Laufsteg.

Zum urbanen Lebensgefühl

gehört

das

Fahrrad als flottes und sauberes Fortbewe-

gungsmittel schon lange dazu. Was oft fehlt, sind Mode und Accessoires, die auf den fes-

76

ten Sitz im Sattel zugeschnitten sind. Seit März 2013 füllen re.use – bike und re.use – fashion

behör für Menschen, die sich am liebsten ra-

kreativ diese Lücke. Der Standort in der Grazer

delnd durch Graz bewegen – von Taschen für die

Annenstraße, bestehend aus Fahrradwerkstatt,

Rahmenstange über Rucksäcke bis zum Leiberl,

Nähwerkstatt und Shop, gehört zur gemeinnüt-

das eine aufgedruckte Reifenspur ziert. Der De-

zigen Organisation pro mente, die Menschen mit

signmonat Graz 2016 bringt das alles auf den

psychosozialen Problemen „jobfit“ macht. Zwölf

Laufsteg: „Bike meets Fashion – eine Liebes-

Monate lang absolvieren sie hier ihr Training, um

geschichte am Laufsteg“ haben die Veranstal-

dann gestärkt in den ersten Arbeitsmarkt aus-

terinnen und Veranstalter das Event benannt.

zuschwärmen – von der Gastronomie über den Verkauf bis zur IT. „Manche brechen vorzeitig ab“,

Vorgeführt werden dabei nicht nur Fashion-Kre-

erzählen die pro-mente-Fachtrainerinnen und

ationen, sondern ganz nebenbei auch die fahr-

-trainer, „weil sie einen Job gefunden haben!“

baren Untersätze, die in der re.use-Werkstatt nicht nur repariert und verkehrstauglich ge-

Schick im Sattel

macht, sondern nach allen Regeln der Kunst

In der Annenstraße schaffen die insgesamt

„gepimpt“ werden. Vom Anhänger bis zur schril-

25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgefal-

len Lackierung ist hier alles möglich. Textil und

lene Upcycling-Mode aus gespendeten Texti-

Technik – für die Fachtrainerinnen eine „leiden-

lien: Taschen mit eingebautem Hemdkragen,

schaftliche Liebesgeschichte“ zwischen der gro-

Wickelröcke mit Hosentaschen, Schürzen mit

ben, rauen, lauten Werkstatt und der feinen,

Siebdruckmotiven. Und dazu jede Menge Zu-

filigranen Arbeit an den Kleidungsstücken.

[BIKE MEETS FASHION] Foto: promente Steiermark

Fahrradmodenschau Kreative Kombination aus Fashion und Accessoires für das Fahrrad

20. Mai, 11.00 und 15.00 Uhr re.use bike, Annenstraße 34, 8020 Graz

designmonat graz 16


A steirischer Designklassiker!


Foto: Martin Grabner

Energieautark, fußläufig und zukunftsfit: die Smart City Graz

GRAZ WIRD SMART 78

Text: Daniela Müller

Graz wird smart. Das Wort, vielfach inflationär gebraucht, bedeutet hier: bestehendes Stadtgebiet so intelligent zu planen, umzugestalten und zu erweitern, dass es den zu-

Mit der Smart City setzt Graz einen wichtigen Aspekt, um zukunftsfit zu werden: statt Zersiedelung neue großstädtische Strukturen für eine rasch wachsende Stadt.

künftigen Anforderungen gerecht wird. Das ist dringend nötig, denn Graz wächst, bis 2050 werden 490.000 Menschen in der Stadt

eine gelungene Stadtentwicklung: Eine Stadt in der Stadt, ein Quartier

leben – aktuell sind es 280.000. Smart bedeutet auch, sich in puncto

oder ein Grätzel, das nicht nur sich selbst mit Strom versorgt, sondern

Energie auf den neuesten Stand zu begeben. In Graz, wo der Luftaustausch

alles bereithält, was für das tägliche Leben gebraucht wird: Schulen und

vor allem im Winter nur unzureichend erfolgt, bedeutet das beispielsweise

Ausbildungsplätze, Einkaufsmöglichkeiten, ärztliche Versorgung, Frei-

eine stärkere Reduktion der Schadstoffemissionen. Viel tut sich zudem,

zeit- und Arbeitsangebote. Das Ganze fußläufig, dass die Bewohner ihre

was die gesellschaftliche Entwicklung betrifft. Integration, Zusammenle-

Autos beruhigt stehen lassen können – für die in der Smart City ohnehin

ben und Kommunikation sind die Schlagworte. Zudem entwickeln sich

nur wenige Parkplätze vorgesehen sind, weil stattdessen auf Car- oder

neue Wohnformen wie Generationenwohnen oder Senioren-WGs, die in

Bikesharing sowie öffentliche Verkehrsmittel gesetzt wird. Zero Emission

der städtebaulichen Debatte nicht fehlen dürfen.

heißt die Mission, die bis 2050 umgesetzt werden soll.

Mit der Smart City Graz, die auf zehn Hektar rund um die Helmut-List-Halle

Mitgestalten, mitreden, mitwohnen

in Bahnhofsnähe aus dem Boden schießt, entsteht gerade ein Gegenent-

Kai-Uwe Hoffer von der Stadtbaudirektion Graz ist als Projektleiter für das

wurf zur lange Zeit praktizierten Zersiedelung an den Stadträndern, der

Projekt Smart City Graz hauptverantwortlich. Es war ein Meilenstein für

auch für andere Stadtteile Vorbild werden könnte. Städtische Strukturen

die Grazer Stadtentwicklung, dass das 2012 eingereichte Demo-Projekt

werden dabei neu gedacht, bestehende Gebäude verdichtet, der neue

beim Klima- und Energiefonds des Bundesministeriums für Forschung,

Lebensraum an ein gut angeschlossenes und getaktetes öffentliches

Information und Technologie (BMFIT) das Rennen machte und als ers-

Verkehrsnetz angeschlossen. Intelligente Gebäude- sowie Fassaden-

tes österreichisches Leitprojekt zur Förderung empfohlen wurde. Damit

technologien, die unbemerkt im Hintergrund laufen, machen aus den

konnte die Stadt Graz gemeinsam mit dem Projektkonsortium 4,2 Mil-

Bauten Kraftwerke, der Strom wird innerhalb des Grätzels verbraucht.

lionen Euro Fördergelder in die Steiermark holen. Die Smart City Graz

Für Markus Pernthaler, Architekt, technischer Leiter und Moderator

wird als Public-Private-Partnership-Projekt finanziert, städtebauliche

des Projekts, ist ein Quartier wie die Smart City Graz die beste Basis für

Verträge zwischen der Stadt sowie Eigentümern und Investoren sichern

designmonat graz 16


SMART CITY GRAZ

Die Fassade des Science Towers produziert Energie – wie in der Natur die Photosynthese.

Umsetzung und Finanzierung der Smart-City-Qualitäten. Das Konsortium, bestehend aus zwölf Partnern – bringt zusätzliche finanzielle Mittel ein, damit die Stadt Graz als Projektverantwortliche der Smart City Zukunftsfähigkeit und hochwertigen Lebensraum im Stadtquartier für ihre Bürger sicherstellen kann. Über die Verträge ist wiederum abgesichert, dass die Partikularinteressen der Beteiligten einer nachhaltigen Stadtentwicklung untergeordnet sind. Die Bewohner wiederum sind eng in den Prozess eingebunden – seit Beginn der Projektentwicklung bis zur Kommunikation im späteren Grätzelleben. Auch technische Kommunikation wird eine große Rolle spielen, etwa wenn Monitore in Stiegenhäusern informieren, wann beispielsweise der Müll geleert wird oder der nächste Bus fährt. Der Planungsprozess bleibt flexibel und künftige, nicht eingeplante Entwicklungen können problemlos aufgenommen werden. Immerhin wird der neue Stadtteil rund 1.400 Wohneinheiten für 4.000 neue Bewohner beherbergen, 1.700 neue Beschäftigte inklusive 600 Schülern, und dementsprechend wird das Verkehrsaufkommen steigen. Ende 2018 wird das Projekt evaluiert und überprüft, wo nachgebessert oder neu gedacht werden muss. Investitionen in energieeffiziente Maßnahmen gerade in Zeiten der niedrigen Ölpreise? „Unbedingt jetzt und von dem Geld, das dadurch gespart werden kann“, sagt Architekt Pernthaler, der in seinem Projekt Messequartier im Kleinen bereits bewiesen hat, wie gut eine solche autarke Einheit funktionieren kann. Bis 2020 werden in der Smart City Graz in einem Umkreis von 500 Metern 7.000 Personen leben. Aktuell wird der Science Tower gebaut mit einer intelligenten Fassadentechnik, die wie die Photosynthese in der Natur Energie erzeugt. Der neue Schulcampus gegenüber der Helmut-List-Halle mit Volksschule und Neuer Mittelschule wird 2017 in Bau gehen. Das „Smart-City-Know-how“ soll übrigens auch den Schülern zugutekommen. So ist ein Austausch zwischen Schulen und den Forschungseinrichtungen im Science Tower geplant. Nicht zuletzt sollen hochqualifizierte Jobs den einen oder anderen Studierenden anhalten, in Graz zu bleiben. Die bis

Foto: Pernthaler

dato geplanten neuen Gebäude sollen bis 2024 fertig sein.

designmonat graz 16


ASSEMBLY

IN BEWE DAS DESIGNFESTIVAL ASSEMBLY SETZT DEN SCHWERPUNKT AUF MODE UND SCHUHE. Text: Susanne Lipinski

„Zeig mir deine Schuhe und ich sage dir, wer du bist“, sagt ein Sprichwort. Assembly zeigt skulpturale Schuhe, lädt spannende Schuhdesigner ein und setzt sich theoretisch mit dem Thema Schuhe auseinander – Schuhe bewegen!

Die Idee zum Thema „In Bewegung“ entstand im Dezember letzten Jahres, als ein afrikanischer Schuhdesigner über die Schwelle von Pell Mell, dem Mode-Shop, den Assembly-Veranstalterin Karin Wintscher-Zin-

ganel gemeinsam mit Bettina Reichl betreibt, trat: „Für mich ist ‚In Bewegung‘ sowohl ein künstlerisches wie auch ein politisches Statement. Die ganze Welt ist in Bewegung. Wir setzen das in unserer Ausstellung um, indem wir Schuhdesignern eine besondere Präsentationsfläche zur

80

Verfügung stellen: Eine Walking Wall, die wir am großen Glastrichter im Foyer des Joanneumsviertels installieren.“ Schuhe und Mode ergänzen einander und das Designfestival Assembly beleuchtet Schuhwerk aus verschiedensten Blickwinkeln. Dem Aufruf folgten hochkarätige Schuhdesignerinnen wie Carolin Holzhuber, erfolgreich in Wien und London, Sharon Golan aus Tel Aviv oder Pavla Podsednikova aus Prag. Holzhuber stellt traditionelle Schuhkonzepte auf den Kopf. Jedes ihrer extravaganten Schuhpaare wird von Hand gefertigt. Sharon Golan ist in Graz mit MyShell256 aus recycelbarem Plastik vertreten. Aus insgesamt 16 Modulen lassen sich mit Fantasie 256 Paar unterschiedliche Schuhe herstellen. Das Gegenkonzept dazu bietet Pavla Podsednikova mit ihrem Instant Shoe. Der auf die Trägerin maßgeschneiderte Schuh passt sich durch 3-D-Drucktechnik individuell an die Fußform an. So entstehen innovatives Design, optimale Passform und

Foto: Catharina Pavitschitz

Tragekomfort in einem Guss.

Bei SYMBIOSIS, der aktuellen Sommerkollektion von Carolin Holzhuber, verschmelzen Kunst, Design und Handwerk zu einem Schuhkunstwerk.

designmonat graz 16


Foto: Stephan Friesinger

Foto: Tomas Mikule

GUNG

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Auf der Suche nach der perfekten Passform experimentiert Pavla Podsednikova mit 3-DDruck und Carbon-Fasern.

Anziehendes von Ferrari Zöchling bei der AssemblyEröffnungsmodenschau 2015 auf der Schloßbergbühne.

Eröffnung

Lehrveranstaltung „Gestalten“ am Studiengang Industrial Design zeigen

Bereits bei der traditionellen Eröffnungsmodenschau auf der Kasemat-

bei Assembly unerwartete Aspekte zum Thema Schuh. Aufgabenstellung:

tenbühne am Schloßberg werden einige Schuhdesigner vorgestellt, die in

„Die Welt, ich und mein Schuh in zehn Jahren.“ Sie entwerfen dafür ihr

spannenden Dialog mit den Newcomern und arrivierten Modedesignern

maßgeschneidertes Schuh-Statement. Startpunkt: eine Collage, die die

treten. Auch 2016 setzt Rainer Binder-Krieglstein die Modenschau, die

jeweiligen persönlichen Zukunftsszenarien illustriert. Tobias Kestel und

im letzten Jahr mehr als 800 Modebegeisterte sahen, musikalisch in

Florian Puschmann, Leiter der Lehrveranstaltung und Produktdesigner

Szene. Danach wird Assembly bereits zum dritten Mal ins Joanneums-

von White Elephant, sind davon überzeugt, dass Mode, im Speziellen

viertel einziehen, um die Verkaufsausstellung mit rund 60 nationalen

ein Schuh, immer ein Statement darstellt. „Aber kann man eigentlich mit

und internationalen Designerinnen und Designern zu eröffnen. Sehr zur

Schuhen die Welt retten?“, fragt Kestel angesichts der Zukunftsszenarien,

Freude von Wolfgang Muchitsch, Direktor des Universalmuseum Joan-

die die Studierenden beschäftigen und in ihre Arbeiten einfließen lassen:

neum: „Assembly passt sehr gut in das Joanneumsviertel, insbesondere

Naturzerstörung, Rückgang der Artenvielfalt, Klimaveränderung, krie-

zu seiner Architektur und zur Neuen Galerie Graz. Das Festival bringt ein

gerische Auseinandersetzungen, Zukunft der Arbeit … Zu erwarten sind

junges, kreatives und an Kultur interessiertes Publikum in unser Haus.“

polarisierende und individuelle Weltanschauungen und Schuhexponate als Grundlage für spannende und konstruktive Diskussionen. Kestel und

Footprint

Puschmann freuen sich über die Kooperation mit Assembly – sie haben

Assembly steht seit seiner Gründung für Vernetzung und für praktische

selbst schon mehrmals beim Designfestival ausgestellt – und sehen

Auseinandersetzung mit Designthemen. So ist dieses Jahr eine span-

nun eine Chance für ihre Studierenden, von einem größeren Publikum

nende Kooperation mit der FH Joanneum entstanden: Studierende der

wahrgenommen zu werden.

designmonat graz 16


Foto: Philipp Podesser

Assembly macht die Rolltreppe des Joanneumsviertels zum Laufsteg.

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Vielfalt Das Festival ist bekannt für seine Vielfalt und für seinen Mut, neue und nachhaltige Wege in der Modebranche zu zeigen. Ein alljährliches Highlight des viertägigen Netzwerkfestivals ist jene Show, die an der Rolltreppe des Joanneumsviertels auf und ab geht. „Speziell bei der Street Fashion Show hat man gemerkt, wie sehr sich der Platz als außergewöhnliche Modenschau-Location in den Köpfen der Menschen verankert hat, und so war er 2015 ein richtiger Publikumsmagnet“, resümiert Assembly-Mitveranstalter Günter Brodtrager. Designerin und Kastner & Öhler Fashion

Martin Lesjak, Karin Wintscher-Zinganel, Irina Gavrich, Sabrina Stadlober, Sandra Rosenfelder, Katharina Remény und Andrea Krobath (v. l. n. r.)

Award-Preisträgerin Yu-Dong Lin bringt ordentlich Bewegung auf die Rolltreppe, sie zeichnet für die Choreografie der Show verantwortlich. Preisgekrönt Einer der Gründe, warum das Assembly-Festival so viele Designerinnen und Designer anlockt, ist der attraktive Kastner & Öhler Fashion Award, der direkt im Anschluss an die Eröffnungsmodenschau vergeben wird. „Wir wissen, wie wichtig finanzielle Unterstützung für die Realisierung der Ideen junger Designer ist. Aus diesem Grund werden wir den mit 5.000 Euro dotierten Preis auch weiterführen“, versichert Andrea Krobath, Leiterin Marketing und Mode bei K&Ö. Ein so großes Verkaufshaus wie K&Ö hat natürlich das ganze Jahr über Modeschwerpunkte und fördert damit Foto: Stephan Friesinger

auch Jungdesigner: „Wir stellen innovatives Design auch außerhalb des Designmonats immer wieder auf die Bühne unseres Hauses.“ Krobath ist auch heuer wieder Jurymitglied und wird mit anderen Modefachleuten bereits vor der Eröffnung durch die Reihen der Verkaufsausstellung gehen auf der Suche nach herausragenden Entwürfen. In diesem Jahr wird der K&Ö Fashion Award auf Schuhdesign erweitert … wir sind gespannt!

designmonat graz 16


ASSEMBLY

MODE MEIN BESTER FREUND Sie ist erst 23, Gewinnerin des Kastner & Öhler Fashion Awards 2015 und konzipierte im Winter 2015/16 mit Innocad Architektur und 13&9 Design die Ausstellung Architectural Fashion für die Architektur Galerie in Berlin. Die Rede ist von der jungen steirischen Modedesignerin Sabrina Stadlober.

Multifunktionale Männerjacke von Sabrina Stadlober

Aus ihren Augen leuchtet der Tatendrang einer Designerin, die sich der komplexen Modewelt nur ungern unterwirft. Stadlober produziert lieber nachhaltig sowie regional und setzt sich mit gesellschaftlichen Themen auseinander. So war die Siegerkollektion des Kastner & Öhler Fashion Awards Concept Expedition Ergebnis einer Tendenz, die sich im Umfeld der Designerin abgezeichnet hat: Weg aus der Zivilisation, zurück zum Leben in der Natur. „Ich habe die wesentlichsten Outdoor-Elemente, beispielsweise Zelt und Rucksack, genau analysiert, zerlegt und daraus meine Kleidungsstücke entwickelt“, berichtet Stadlober über ihre intensive Recherchearbeit. Sie hat ein Cape entworfen, das sich schnell zu einem Minizelt umfunktionieren lässt, oder Mäntel mit rucksackähnlichen Details, die auch als Rucksack getragen werden können. Ihre Stücke sind funktional und haben sich in der Verkaufsausstellung beim Fashion Award bei Kastner & Öhler hervorragend verkauft. Sie sind aus wertvollen, nachhaltigen Materialien gefertigt, denn einen „Mantel sollte man mindestens zehn Jahre als Freund haben“, schmunzelt die Designerin. Andrea Krobath ist „vom durchgängigen Konzept, der hochwertigen Verarbeitung und dem kreativen Spiel mit den Funktionen“ der Newcomerin Stadlober fasziniert. Gebrannt fürs Entwerfen hat die junge Steierin schon seit ihrer frühen Kindheit. Eine Kollegin aus der Volksschulzeit hat sie vor Kurzem daran erinnert, dass sie jeden Tag vor Schulbeginn die neuesten Kleider-Entwürfe sehen durfte. Für Sabrina Stadlober hat sich dieses Faible für Kleider in der Modeschule Graz dann schnell zur Liebe für Haute Couture entwickelt. Heute sieht die Modedesignerin nur mehr einen geringen Unterschied zwischen Frauen- und Männerkleidung.

und brachte sie in Kontakt mit Architekt und Designer Martin Lesjak. Gemeinsam mit ihm entwarf sie Kleidung zu Architektur von Innocad und entwickelte dabei eine Rüstung für Frauen. Die konzeptionellen Designs wurden bereits in Berlin ausgestellt und werden diesen Mai auch in bei der Architekturbiennale in Venedig gezeigt. Von Assembly 2016 erwarten Veranstalter wie Designer zu Recht das, was Sabrina Stadlober im vergangenen Jahr gelebt hat: neue Kooperationen, inspirierende Begegnungen und eine Modewelt, die in Bewegung bleibt.

designmonat graz 16

Foto: Conny Mirbach

Der Kastner & Öhler Fashion Award war für sie ein gutes Sprungbrett


ASSEMBLY

Sharon Golan Die Designerin aus Israel kommt mit ihrer Schuhkollektion „MyShell256“ zu Assembly. Sie hat modulare High-Heels zum Selberbasteln entworfen. Schuhliebhaberinnen können mit Golans innovativer Kollektion täglich

Foto: Alexander Nishkow

„neue“ Schuhe kreieren.

Mariela Gemisheva Die bulgarische Modeschöpferin leitet die Design-Klasse an der Nationalen Kunstakademie Sofia und bringt ihre aktuelle Kollektion „Constructions“ mit nach Graz: Sommeroutfits, die sich den Herausforderungen der gegenwärtigen Formensprache sowie funktionalen

HIGHLI

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Ansprüchen stellen.

JS by Julia Skergeth Die österreichische Designerin Julia Skergeth bezieht ihre Inspiration aus ihren vielen Lebensstationen wie London, New York oder Foto: Julia Skergeth

Indonesien. Minimalismus und geometrische Klarheit prägen ihren Stil. Im Vordergrund ihres Designs steht die universelle Tragbarkeit, die sich weder durch Saisonen noch Gender einschränken lässt.

designmonat graz 16


Foto: Sharon Golan

ASSEMBLY

Roee Hinter Roee stehen Designer Rene Pomberger und PR-Mann Michael Mairhofer. Das Label verwendet hochwertige Materialien in gedeckten Farben, die akribisch aufeinander abgestimmt sind. Vielschichtigkeit, raffinierte Schnitte und Qualität zeichnen die junge

GHTS Bei Assembly erleben Designinteressierte ausgewähltes Mode-, Schmuck-, Taschen-, Accessoire- und Schuhdesign. Renommierte

Foto: Isabel Abel

Wiener Modemarke aus.

Designerinnen und Designer stellen gemeinsam mit rund 60 innovativen Labels aktuelle, gewagte und nachhaltige Designpositionen aus. Sie beleben damit zum dritten Mal das

[ASSEMBLY DESIGNFESTIVAL]

Joanneumsviertel, das den Protagonistinnen

19. bis 22. Mai

und Protagonisten auch 2016 wieder als inspirierender Netzwerkort dient. „Das Viertel wird

[ERÖFFNUNGSMODENSCHAU UND

(auch) von den Besucherinnen und Besuchern

KASTNER & ÖHLER

als beliebter Veranstaltungsort wahrgenom-

FASHION AWARD PREISVERLEIHUNG]

men, wobei hier sicher mehrere Faktoren für den

19. Mai, 20.30 Uhr

Erfolg verantwortlich sind: die zentrale Lage,

Schloßbergbühne, Kasematten, 8010 Graz

das einzigartige Ambiente und natürlich das beeindruckende Angebot, das die verschiedenen

Im Anschluss (ca. 22.00 Uhr)

Kooperationspartner anbieten“, fasst Gastgeber

Eröffnung (Verkaufs-)Ausstellung

und Direktor des Universalmuseums Joanneum

Joanneumsviertel, 8010 Graz

Wolfgang Muchitsch die Attraktivität des Joanneumsviertels zusammen. Ein Ort also, der dem

[STREET FASHION SHOW]

diesjährigen Assembly-Motto „In Bewegung“

20. Mai, 17.00 Uhr

wie auf den Leib geschneidert ist.

Joanneumsviertel Rolltreppe

designmonat graz 16


SLOW IM SCHLOSS HOLLENEGG

DESIGN ENTSCHLEUNIGT Text: Daniela Müller

Mit dem Projekt Schloss Hollenegg for Design öffnet die Designerin und Architektin Alice Stori Liechtenstein das Schloss für junge Kreative. Und leistet einen Beitrag zur gesellschaftlichen Entschleunigung.

Das Leben dreht sich immer schneller, das Gestern scheint irgendwie langsamer und gemütlicher als das hektische Heute. Die Designerin und Ar-

chitektin Alice Stori Liechtenstein will dem Einhalt gebieten und aufzeigen, was Design dem in puncto Langsamkeit entgegensetzen kann. Im Schloss, in dem sie selbst wohnt und arbeitet, hat sie ein Design-Projekt ins Leben gerufen, Schloss Hollenegg for Design, das erste und einzige Residency-Programm in Österreich. Ziel ist es, drei Designern und Designkollektiven jedes Jahr je eine Woche lang die Möglichkeit zu geben, sich kreativ mit dem Schloss, seiner Geschichte und dem Interieur auseinanderzusetzen. Zudem sind Designausstellungen geplant sowie Symposien oder entsprechende, zum jeweiligen Thema passende Rahmenprogramme.

Foto: BCXSY

Linear Cycle von BCXSY, ein interdisziplinäres Kollektiv aus Amsterdam

designmonat graz 16


Während des Designmonat Graz werden ausgewählte Designer eingeladen, ihre jüngsten Ar„Slow“ zu präsentieren. Ebenso gezeigt werden die Installationen, die im Residency-Programm der Saison 2015/16 von den Design-Studios Dossofiorito, Dean Brown und mischer’traxler

Foto: Tommaso Lanza

beiten in der thematisch kuratierten Ausstellung

konzipiert wurden. Inhalt der Schau soll sein, ein neues und positiveres Verständnis von „langsam“ zu vermitteln, indem Designobjekte

Ariane Prin mit ihrer RUST Homeware Collection

gezeigt werden, die aus langsamen Prozessen entstanden sind, sowie solche, die den Betrachter zwingen, langsamer zu treten. Die Stücke stehen zudem für ausgiebige Denkprozesse oder definieren durch ein aufwändiges Herstellungsverfahren einen entsprechend höheren Wert. Die große Frage lautet dabei: Wie kann uns Design

Foto: Schloss Hollenegg

Schloss Hollenegg in Schwanberg in der Weststeiermark

designmonat graz 16

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helfen, glücklich langsam zu sein?


88

Foto: Alexander Popelier

SLOW

Alice Stori Liechtenstein hat in Mailand und Barcelona Architektur und Design studiert. Sie ist seit 2000 als freischaffende Designerin und

Embrace Melancholy von Nel Verbeke beschreibt eine Synthese von Spiegel und Sanduhr.

Grafikerin aktiv. In ihrem Studio Storialab in Graz arbeitet sie vorrangig in den Bereichen Ausstellungsdesign und visuelle Kommunikation. Seit 2014 betreibt sie den Blog „Alice in Whateverland“. Mit ihrem Residency-Programm verbindet sie nun das historische Erbe mit ihrer Leidenschaft, jungen, talentierten Designern kreative Ausdrucksmöglichkeiten zu bieten.

[SLOW] Ausstellung Eröffnung am 7. Mai, 18.00 Uhr 7. bis 10. Mai Anmeldung unter design@schlosshollenegg.at

designmonat graz 16


JUGEND AM WERK

PICKNICK MIT STADTBLICK Urbanes Lebensgefühl pur verspricht ein Picknick mitten am Mariahilferplatz in Graz. Originelle Design-Objekte aus recycelten Fahnenstoffen machen Design dabei an- und begreifbar – Let’s go Grazy!

Nicht nur einen bleibenden Eindruck, sondern auch schrill-bunte Fahnenplanen haben die letzten Designmonate in Graz hinterlasDesign als Lebensgefühl

am Werk „unter den Nagel gerissen haben“, wie

„Der Mensch ist dazu geschaffen, zu spüren“,

Christa Ecker-Eckhofen, Projektkoordinatorin

sagt Ecker-Eckhofen. „Man setzt sich auf die

des Upcycling-Projekts „neu planen“ bei Jugend

Picknickdecke, zieht sich die Schlapfen an und

am Werk, erzählt. Daraus ergab sich schnell das

kuschelt sich in die Decke – ein Erlebnis für

Konzept für ein eigenes Event im Designmonat

alle Sinne.“ Das handwerkliche Können für die

Graz: „Er steht für Graz, er ist crazy, wir sind ‚Gra-

Anfertigung der ausgefallenen Produkte liefert

zy‘. Mit unseren Produkten bringen wir Buntheit

das gemeinnützige Beschäftigungsprojekt „neu

in die Stadt. Wir wollen, dass die Besucherinnen

planen“, das sich an Überfünfzigjährige richtet,

und Besucher Design angreifen – und begrei-

die schon länger auf Jobsuche sind. Fachkundige

fen.“ Beim Urban Picknick vor dem HERZlich-La-

Design-Unterstützung kommt von Ariane Rein-

den dürfen die farbenfrohen sommerlichen

hofer und Mario Smid: Im Rahmen des Formats

Accessoires dann selbst ausprobiert werden:

Design to Business der Creative Industries Styria

Sonnenschirme, Badetaschen, Sonnenhut, alle-

gingen die beiden bereits zuvor mit Jugend am

samt gefertigt aus hochwertigen Fahnenstoffen,

Werk gemeinsam neue Upcycling-Wege und ge-

die früher in Graz wehten.

stalteten Produkte aus Fahnenstoff. [LET’S GO GRAZY!] Picknick am 4. Mai ab 14.00 Uhr Ausstellung 6. bis 28. Mai

Foto: Jugend am Werk Steiermark

HERZlich Laden, Mariahilferplatz 3, 8020 Graz

designmonat graz 16

Von der Designmonat-Fahne zum Sonnenschirm: perfekt für ein Picknick mitten in der Stadt

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sen, einen Rohstoff, den sich die Werkstätten des Grazer Social Business Jugend


Foto: Wikimedia Commons/Taxiarchos

Cartoon-Ente auf Entdeckungsreise in Graz: John Starduck ist der Diversity auf der Spur.

ENTE AUF BESUCH 90

Text: Sigrun Karre

In einem Projekt von Diversity-Managerin Maryam Laura Moazedi und Cartoonist Florian Satzinger spaziert eine Cartoon-Ente als „DimensionsTourist“ durch ein ideales Graz. Dabei zeigt sie, wie eine – in jeder Hinsicht – „barrierefreie“ Stadt aussehen könnte. Spannend!

Design hat nicht nur mit Ästhetik zu tun und beschränkt sich nicht banal auf Produkte. Wissen wir. Und doch lässt sich schwer genau definieren, was der Begriff Design eigentlich alles umfasst oder sein kann. Um die Begrifflichkeit von Design und seinen (oft unbemerkten) Einfluss auf unser Lebensumfeld geht es

beim diesjährigen Designmonat Graz. Einen besonders spannenden Ansatz dazu liefern die Diversity-Managerin und Universitätslektorin für Management und Kommunikation an der Karl-Franzens-Universität Graz Maryam Laura Moazedi und der Grazer Character Designer Florian Satzinger. Gemeinsam haben sie das Projekt „Rethinking Design: The Visit of The Duck In The Inclusive City of Graz“ erarbeitet. Diversity Management meets Character Design Florian Satzinger ist definitiv kein Unbekannter in der Szene, gilt er doch als das bekannteste Grazer Aushängeschild in Sachen Character Design. Zu seinen Kunden zählen u. a. Größen wie Warner Bros (Looney Tunes) oder Walt Disney (Donald Duck). Daneben hat Satzinger noch Zeit und genügend Ideen für eigene Kreativarbeit, so hat er etwa die New Yorker Ente John Starduck zum Leben erweckt. John Starduck ist tragender Teil bzw. Hauptfigur des Projekts Duck Awesome, das noch in diesem Jahr startet. Neben der in Vorproduktion befindlichen Verfilmung (Kurzfilm), sind Buch, Comic und Spielzeug bereits im Anrollen. Sein Web Blog Paperwalker hat ihn auch international einem breiteren Publikum bekannt gemacht. Nebenbei unterrichtet er noch an der FH Salzburg Analoge

designmonat graz 16


FLORIAN SATZINGER

Animation, Animationsgeschichte und Medienanalyse und ist Gastlektor

Die Utopie der idealen Stadt

für Character Design am VIA University College (Viborg, Dänemark). Bei

Hier werden die Diversity-Managerin und der Designer zu Visionären: Sie

Satzinger, der trotz internationaler Auftraggeber nach wie vor von Graz

wagen nicht weniger als den Versuch, ein – wie sie es nennen – „inklusi-

aus arbeitet, handelt es sich nicht nur „einfach“ um einen besonders

onsdesigntes“ Graz zu konzipieren. Die ideale Stadt ist für Moazedi und

umtriebigen und preisgekrönten („Nemoland Award“, Florenz 2009) Car-

Satzinger eine Stadt, in der gesellschaftlicher und technischer Fort-

toon-Zeichner. Wie sein Designmonat-Beitrag beweist, setzt er sich auch

schritt synchronisiert verlaufen. Einzelne Expertinnen und Experten

mit gesellschaftlichen Phänomenen und Problemstellungen auseinander

sowie Vertreterinnen und Vertreter aus projektrelevanten Bereichen wie

und setzt Character Design als Kommunikationsmedium für Inhalte ein. Für

Architektur oder Städtebau werden zum Brainstorming eingeladen und

den diesjährigen Designmonat Graz hat er sich gemeinsam mit Maryam

bringen ihre Ideen zum Thema ein. Soweit die Theorie. Was hat das alles

Laura Moazedi etwas Besonderes einfallen lassen: Seine Cartoon-Ente

mit der Ente zu tun? Die wird von ihrem Erfinder als Cartoon gewordene

John Starduck wird als Fotomontage durch das reale Graz spazieren.

Tabula rasa durch Graz geschickt und kommt aus dem Staunen nicht mehr

Klingt lustig, ist aber mehr als das. Es geht darum, Barrieren jedweder

heraus: Braille-Graffitis, Spielplätze für alle Generationen, interreligiöse

Art aufzuzeigen, die Menschen aus der Gesellschaft ausschließen und

Gebetshäuser und vieles mehr gilt es zu entdecken. Ganz unironisch –

diskriminieren. Aus Sicht der Wissenschaft entstehen solche Barrieren

echt schöne neue Welt!

aufgrund des falschen Umgangs der Gesellschaft mit sogenannten Diversity-Dimensionen, die da wären: Ethnizität, Alter, Religion, Geschlecht,

[RETHINKING DESIGN: THE VISIT OF THE DUCK IN THE

Behinderung und sexuelle Orientierung.

INCLUSIVE CITY OF GRAZ]

Credit : © Paperwalker Studios / Foto: M. Laura Moazedi

24. Mai


DRUCKZEUG

DRUCKFRISCH Text: Susanne Ary

Mit originalen Lettern und Maschinen entstehen originelle Druckwerke.

Die Sehnsucht nach Handwerk zum Angreifen lässt im DruckZeug in der Grazer Annenstraße historische Techniken wieder aufleben.

Wenn die gesamte Geschichte der Schrift einen Tag alt wäre, würden wir erst seit zwei Minuten Leuchtpunkte auf Mobilgeräten lesen.

Und 30 Sekunden sogenannte „elektronische Tinte“, die der Qualität des Magazindrucks nacheifern will. Den weitaus größten Teil unseres Schrift-Tages würden wir mit Papier bzw. dessen Vorläufern verbringen. Lesen und Schreiben waren also sehr lange organische, naturverbundene und haptische Erlebnisse. Kein Wunder, dass der Wunsch nach „Schrift zum Angreifen“ immer mehr wächst, je digitaler die Welt wird. Und Handwerke, die eigentlich längst ausgestorben sind, erleben durch diesen Retrotrend

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einen zweiten Frühling. Lebendiges Handwerk statt Museum Seit 1867 gibt es die Druckerei Bauer in der Annenstraße. Ab 1990 schrieb man rote Zahlen, die Kunden wanderten zum Offsetdruck ab. 1998 war der Konkurs nicht mehr abzuwenden, und Edith Bauer, die den Betrieb in dritter Generation übernommen hatte, verkaufte ihn an die Druckerei Khil. „Ursprünglich war ein Museum angedacht“, erzählt Ana Radulovic vom Verein DruckZeug, „aber wir wollten die alten Geräte ja weiter benutzen.“ Die DruckZeug-Mitglieder, Bleisatz-Enthusiasten aus verschiedenen kreativen Sparten, haben aus der alten Druckerei Bauer einen Workshop oder noch besser: eine handwerkliche Erlebniswelt gemacht. Der Verein ist im fünften Jahr aktiv und zählt mittlerweile um die 150 Mitglieder. Im Designmonat Graz 2016 öffnet das DruckZeug wieder seine Pforten und lädt zu vier Veranstaltungen: drei Work-

Foto: Ulla Klopf

shops und einem Vortrag.

designmonat graz 16


Foto: Lunatico

DRUCKZEUG

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Tausende von Lettern aus Blei und Holz warten auf ihren kreativen Einsatz.

Kinder machen Druck

den ein, im Designmonat Graz ein weiteres altes

„Mit der Kniehebelpresse wird jedes Poster zum

Handwerk zu entdecken. Der Workshop „Nach

Unikat“, beschreibt Ana Radulovic den Druck-

Stich und Faden“ nimmt die Teilnehmerinnen

Zeug-Workshop und bewegt die schweren Teile

und Teilnehmer mit auf eine Zeitreise zu den An-

der Originalmaschine mit einem kräftigen Ruck.

fängen des gebundenen Buchs – zu den Kopten

„Print it!“ richtet sich speziell an Kinder. Geleitet

des 3. Jahrhunderts. Die Mönche dieser alten

wird der Workshop von Kunstpädagogin Anita

christlichen Religionsgemeinschaft in Ägypten

Haxhija. Die Aufgabe: aus hölzernen Plakatlet-

verwenden Gebetbücher, die mit einer einfachen

tern selbst ein Werk im A3-Format gestalten,

und praktischen Methode geheftet sind: der kop-

setzen und mit der Kniehebelpresse drucken.

tischen Fadenbindung, die ohne Heftbünde oder

Bis zu zehn junge Kreativkünstler werden an den

Buchrücken auskommt. Die Workshopleiterin-

Setzkästen und imposanten Druckmaschinen

nen Anna Weninger und Anja Schwendenwein

das DruckZeug im Designmonat Graz setzen:

erwartet. „Es ist unglaublich, wie schnell die

begleiten die Teilnehmer auf ihrem Weg zum

Statt Flirt-Message am Bildschirm soll es eine

Kleinen alles verstehen und sofort anwenden“,

ersten selbst gebundenen Buch, das gestaltet

plakatgroße Liebeserklärung werden, gesetzt

weiß Radulovic. Die Begeisterung und kindli-

und geheftet wird.

in stabilem Holz, gedruckt auf dickem Papier.

che Neugier der jungen Zielgruppe ist man im

„Ohne dich ist alles nichts!“ steht in fetten Let-

DruckZeug nämlich bereits gewohnt: An die zehn

Große Liebe, große Lettern

tern auf einem A3-Druck, der Ana Radulovic zu

Schulklassen haben in den letzten Jahren die

Das gebundene Buch ist ein Symbol für fort-

ihrem Workshop inspiriert hat. Unter der Anlei-

alte Druckerei besucht und erobert.

währendes Wissen. Die nicht greifbare Flüchtig-

tung von erfahrenen Setzern sollen die Teilneh-

keit wird dagegen gerne an der digitalen Welt

merinnen und Teilnehmer ihre ganz persönliche

Ohne Bindungsangst

kritisiert. Eine Grundstimmung, die bis in den

Liebeserklärung zu Papier bringen. Da ist auch

Der Buchdruck ist ohne Buch nicht zu denken –

persönlichsten Bereich menschlicher Beziehun-

dichterische Kreativität gefragt. „Wer trotzdem

weshalb der Druckerei Bauer auch eine kleine

gen hinüberschwappt: Dating per Fingerwisch

ein paar Inspirationen braucht, kann aber auch

Buchbinderei angeschlossen war. Rohstoffe und

und Schlussmachen per WhatsApp sind all-

zu Filmzitaten greifen“, fügt Radulovic augen-

Materialien sind nach wie vor vorhanden und la-

täglich geworden. Einen Kontrapunkt dazu will

zwinkernd hinzu.

designmonat graz 16


Foto: Lunatico

DRUCKZEUG

Größere Schriftschnitte werden in Holz gesetzt – es ist leichter als Blei.

Altes Handwerk, neuer Kontext

Hand in Hand mit einem Öko- und Bio-Trend:

„Handwerkshype“ nennt Christian Ursnik von

Mit viel Liebe gemacht. Was wir anbieten, fällt

der „Infinitive Factory“ die Traumpaarung aus

da genau hinein.“ Kombiniert werden die alten

alter Handwerkskunst und moderner Techno-

Techniken in der „Infinitive Factory“ mit moder-

logie. Für den Designmonat Graz 2016 hat er

nen Technologien. „Wir setzen altes Handwerk

einen Vortrag zum Thema „Die Wiederentde-

in einen neuen Kontext und präsentieren das

ckung des Handwerks“ vorbereitet. Das Gra-

ganze in Social-Media-Kanälen.“ Verstärkt durch

zer Letterpress-Studio „Infinitive Factory“ hat

die Strahlkraft von gutem Design werde so altes

sich seit 2012 auf Prägedruck mit originalen

Handwerk in verschiedensten Sparten neu in-

Heidelberger Tiegel-Druckmaschinen aus den

terpretiert und auf den Markt gebracht, „dass

60er Jahren spezialisiert. Und bedient damit

es nur so raschelt“, so Ursnik. Was auch lo-

einen globalen Trend, den man, so Ursnik, so-

gisch ist: Smartphone-Displays rascheln nun

fort an den anglisierenden Bezeichnungen wie

einmal nicht.

„handcrafted“, „manufactured“ oder Ähnlichem erkennt. Oder daran, dass sich Firmenbezeichnungen der Nachsilbe „-ei“ bedienen und als „Programmiererei“ und „Gestalterei“ die Nähe zur „Bäckerei“ und „Tischlerei“ suchen. Echtes Handwerk eben. Die Ursache für diese Ent-

[DRUCKZEUG]

wicklung sieht er in der Sehnsucht nach dem

Workshops und Vortrag

Authentischen, dem Bodenständigen, dem

5., 12., 18. und 21. Mai

Regionalen und Angreifbaren – Gegenpole zur

Annenstraße 19, 8020 Graz

Digitalisierung und Globalisierung. „Das geht

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Foto: Tamara Frisch

GRAZ BRAUCHT MEER Die Geschichte von Badeanzug und Bikini begann sehr unsexy. Die ers-

Die beiden Grazer Designerinnen Magdalena Brunner und Johanna Hauck störte das kaum vorhandene Angebot an nachhaltiger Bademode. Sie schufen kurzerhand eine eigene Linie, die Sjø – schwedisch für Meer – heißt.

ten Volksbäder und Badeanstalten im 19. Jahrhundert schrieben den Frauen vor, den

Rolle. Zwei Grazer Bio-Designerinnen hat das

gemeinsam mit den Grazer Shops Sestra und

ganzen Körper zu bedecken. Das Zeigen von

gestört, Magdalena Brunner vom Label Plural

Sunsetstar (Ecke Reitschulgasse/Schlöglgas-

Bein war tabu, die schweren und blickdichten

und Johanna Hauck schufen nun mit Sjø (schwe-

se), die großen Wert auf besondere Mode und

Stoffe aus Wolle oder Baumwolle hingen wie

disch für Meer) eine nachhaltige Bademodenli-

regionales Design legen. Präsentiert wird die

schwere Säcke an den Körpern, nicht selten

nie. Die Idee dazu entstand im Sommer 2015.

Bademodelinie Sjø am 25. Mai um 15 Uhr. Bis

mussten Frauen vor dem Ertrinken gerettet

Die beiden Designerinnen empfanden das An-

zum Ende des Designmonat Graz können die

werden. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts

gebot an Bio-Bademode, das ihrem Geschmack

Modelle bei Sestra bestaunt werden.

wurden die Badekleider kürzer, eine amerikani-

und ihren Qualitätsansprüchen entsprach, als

sche Schwimmerin brachte die ersten, optisch

eher enttäuschend. Im Gespräch entdeckten die

eher unaufregenden Einteiler auf den Markt. Der

beiden viele Parallelen, sie gründeten kurzer-

Vorläufer des Bikinis war ähnlich unerotisch: Er

hand ein neues Label, entwarfen Schnitte, für

bestand aus einer Pumphose und einem hemd-

jede Größe anpassungsfähig. Herausgekommen

artigen Oberteil.

sind minimalistische Badeanzüge und Bikinis,

[NACHHALTIGE BADEMODE SJØ]

mit schlichtem, modernem Design, klaren Far-

Event

Bademode, wie man sie heute kennt, wurde

ben und nachhaltigen, langlebigen Materialien,

25. Mai, 15.00 Uhr

ab 1950 aus Nylon gearbeitet. Nachhaltig-

die auch für sportlichere Aktivitäten geeignet

Sestra – Schlöglgasse 14 und

keit spielte dabei nie eine besonders große

sind. Das Ergebnis zeigen die Designerinnen

Sunsetstar – Reitschulgasse 27, 8010 Graz

designmonat graz 16

95

Der Designshop Sestra wird zur Kulisse für die Bademodenschau.


studiobleifrei.at

Tradition, neu gebaut Steirerhaus – seit 1975 Unser Unternehmen zeichnet sich durch eine jahrzehntelange Erfahrung im traditionellen Handwerk und der stilgerechten Planung von verschiedensten Gebäuden im ländlichen Raum aus.

Langlebigkeit sowie die Entwicklung von einfachen Details und biologisches Bauen mit Einsatz von altbewährten Baustoffen ist unser Ziel, unsere Philosophie. Der Altbau ist unser Spezialgebiet – unser Steckenpferd – unsere Neubauten meist eine Synthese daraus.

Teubl & Teubl Baugesellschaft m.b.H A-8211 Großpesendorf 40 T. +43 3113 2600 0 office@steirerhaus.at

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PRIX PRATO

ERFOLGSREZEPT Der Österreichische Kochbuchpreis Prix Prato wird heuer zum 6. Mal vergeben. Um es auf den Olymp der kulinarischen Literatur zu schaffen, braucht es aber mehr als ein gutes Rezept: Die Zutaten Grafik, Satz, Illustration, Fotografie und Text müssen der hochkarätigen Jury ebenfalls schmecken.

Schriftstellerisches Talent, ein Ehemann mit Magenleiden und ihre überkochende Kreativität machten die 1818 geborene Grazerin Katharina Prato zu einer der berühmtesten Kochbuchautorinnen überhaupt. Nach ihr ist der Prix Prato, der

Österreichische Kochbuchpreis, benannt, der 2016 in fünf Kategorien und drei Sonderpreisen vergeben wird. Die Preisträger werden bei der Kochbuchmesse am 28. April auf die Bühne geholt, wobei man Schwerpunkte wie regionale Küche, kulinarische Literatur oder Themenkochbücher setzt. Bewertet wird an den eingereichten Kochbüchern immer das Gesamtpaket aus Inhalt und Form. In der namhaften Jury sitzen etwa das grafische und dichterische Allroundgenie Herms Fritz, Food-Fotograf Günter Hauer, der ehemalige Direktor des Kärntner Landesmuseums, Erich Wappis, Christine Wiesenhofer als Vertreterin des Verlagswesens sowie Expertinnen und Experten aus dem Bereich Tourismus und Gastronomie: Der steirische Kochstar Willi Haider ist ebenso dabei wie Kochweltmeister Peter Peier. Extra prämiert wird ein Kochbuch für Kinder. Der Kinder- und Jugendkochbuchpreis, der Prix Prato Traudi, wird in Zusammenarbeit mit dem Kinderbüro Graz vergeben.

[ JAHRGANGSSPEISEN – KOCHBUCHJAHRGANG 2015/16 UNTER DER DESIGNLUPE] 23. Mai, 19.00 Uhr designforum Steiermark Andreas-Hofer-Platz 17, 8010 Graz

designmonat graz 16

Foto: shutterstock

Podiumsdiskussion


FH LECTURE DAYS

Text: Susanne Lipinski

Interdisziplinäres Arbeiten ist das Markenzeichen von Design: Ein Auto wird beispielsweise von einem Transportation Designer entworfen, sein Interface kreiert ein Media und Interaction

Design im realen Leben funktioniert nur spartenübergreifend. Die FH Joanneum Lecture Days geben heuer zum Thema „Design and the real world“ Einblicke in vernetzende Designarbeit und bieten spannende Workshops und Vorträge.

Designer, Informationsdesigner sorgen schließlich für Werbung und Co. Damit ist ein Auto aber noch lange nicht gebaut. Prototypen-Bau kann auf solides Metallhandwerk unmöglich verzichten. Das Department Media und Design der FH Joanneum in Graz ist dafür bekannt, praxisorientiert auszubilden, Absolventinnen und Absolventen sind über den ganzen Erdball verteilt und erfolgreich tätig. Einige von ihnen haben Karl Stocker und Michael Lanz, Studiengangsleiter Informations- und Industrial Design, in Kooperation mit Heinz M. Fischer vom Studiengang Journalismus zu den diesjährigen Lecture Days eingeladen.

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Zu den Absolventen gesellen sich Design-Größen und Design-Denker wie Metallfachmann Carl Nielbock aus Detroit oder Ulrich Weinberg, Direktor der School of Design Thinking in Potsdam. Interdisziplinär

Interaktiv

Warum sich die Lecture Days heuer für alle Designsparten und darüber

Der Auftakt zur diesjährigen Veranstaltung findet bereits bei der Er-

hinaus öffnen, liegt auf der Hand, so Michael Lanz, Studiengangsleiter

öffnung des Designmonat Graz statt. Die Ausstellung „Nothing stops

Industrial Design: „Wenn man Produkte gestalten will, die eine positive

Detroit“ wird genauso von der FH Joanneum mitgestaltet, wie es einen

User Experience erzeugen, können verschiedene Designkompetenzen wie

Workshop mit der Südamerikanerin Norma Andreu alias Carma Carmina

Information Design, Interface Design, Interaction Design und Industrial

geben wird. Die in Montréal lebende Grafikerin, Fashion-Illustratorin und

Design kaum noch getrennt voneinander betrachtet werden.“ Das Thema

Bloggerin referiert über „Design + Social Media = #sharingiscaring“ und

„Design and the real world“ stammt dieses Jahr von Josef Gründler, Stu-

berichtet über ihre zahlreichen Kooperationsprojekte, die aus ihrem

diengangsleiter Communication, Media, Sound und Interaction Design.

sozialen Netzwerk entstanden sind. Ebenso interaktiv zeigt sich ein städ-

Warum es dazu kam? Weil man auf die Welt, wie sie derzeit tickt, mit all

teverbindendes Projekt, das den Blick von der westlichen Design-Welt

ihren gesellschaftlichen Umbrüchen, einfach reagieren und Studierende

nach Osten richtet. Studierende des Institutes für Design und Kommuni-

auf die „echte Welt“ vorbereiten muss. Inspiriert ist der Titel natürlich

kation unter der Leitung von Daniel Fabry entwickeln gemeinsam mit der

vom Klassiker „Design for the real world“ des Designvordenkers Victor

British Higher School of Design in Moskau eine interaktive Installation

Papanek, der sich bereits in den 1970er Jahren mit Themen beschäftigt

im öffentlichen Raum. Die Teilnehmenden haben in Graz und in Moskau

hat, die jetzt wieder an Aktualität gewinnen – Stichwörter: Open Source,

nach Plätzen gesucht und Möglichkeiten der technischen Umsetzung

Social Design, Social Media …

ausgelotet. „Es wird eine Interaktion zwischen Graz und Moskau geben à la Connecting Cities, wo man beispielsweise über ein Fernrohr in die andere Stadt und auch den dortigen Beobachter sehen konnte; was wir hier in Graz zeigen, ist allerdings noch offen“, subsumiert Daniel Fabry den Fortschritt der Lehrveranstaltung.

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99

Foto: HPI School of Design Thinking

FH LECTURE DAYS

Design Thinking aus Expertensicht: Keynote Speaker Ulrich Weinberg

International

Ulrich Weinberg – Keynote Speaker

Die internationale Designvernetzung bringt den Studierenden der

Mit Ulrich Weinberg kommt ein wahrer Design-Thinking-Experte in die

FH Joanneum viele Vorteile, sie machen Praktika im Ausland, wie

steirische UNESCO City of Design. Er ist Direktor der School of Design

etwa Informationsdesignerin Verena Michelitsch, die ein halbes

Thinking am Hasso Plattner Institut in Potsdam und unterrichtet derzeit

Jahr beim renommierten Grafikdesigner Stefan Sagmeister Erfahrungen

120 Studierende aus 70 Disziplinen, aus 60 Hochschulen und 20 Nati-

sammeln durfte. Und sie haben gute Chancen, im Ausland zu arbeiten,

onen. Das zweisemestrige Studienprogramm wurde der bereits 2004

wie ein weiteres Best-Practice-Beispiel zeigt: Michael Tropper und Karen

gegründeten d.school in Stanford nachempfunden und setzt auf radikale

Rosenkranz sind Industrial-Design-Absolventen und haben in London

Multidisziplinarität. „In einer immer stärker vernetzten Welt lassen sich

eigene Designagenturen und Studios gegründet. Nicht ausgeschlossen,

komplexe Fragestellungen nur noch in einem Zusammenspiel verschie-

dass auch die diesjährigen Lecture Days weitere Studien- und Koopera-

dener Disziplinen lösen“, meint Weinberg, der auf Initiative von Schirm-

tionsprojekte mit sich bringen und damit die Grazer Design-Strahlkraft

herr Karl Stocker eingeladen wurde. Stocker ist ebenso überzeugt davon,

rund um den Globus verstärken.

dass das (Design-)Genie längst nur mehr durch die Arbeit im Kollektiv funktionieren kann. Weinberg bringt Design Thinking vom Feinsten nach Graz und stellt Studienprojekte, aber auch Start-ups und Spin-offs seiner Schützlinge vor.

designmonat graz 16


Foto: Kurt Prinz

FH LECTURE DAYS

Verena Michelitsch

Veronika Stabinger

Veronika Stabinger –

Bewusstsein für die Lücke

und Humor natürlich

Die in Wien ansässige Industrial Designerin

Die in Graz geborene Industrial Designerin hat

hat das Studio Dankl gegründet, mit dem sie

sich „doppelte Kontakte“ gesichert, da sie in

selbstbestimmt an Projekten arbeitet. Beispie-

Graz und in Bozen studiert hat. Die „Künstler-

le gefällig? I Love Brot dient der Reduzierung

natur“, wie sie ein Polizist nach einem Kavali-

von Backwarenabfall; LiveEOG ermöglicht

ersdelikt bezeichnet hat, ist stolz darauf, vie-

Menschen mit Behinderung eine leichtere

le Dinge in ihrem Leben gemacht zu haben:

Computerbedienung und überwacht auch

Eine Modekollektion mit Fischerfrauen oder

Sekundenschlaf. Nebenbei pendelt sie noch

ihre Arbeit für das Zukunftsforum der Deut-

zwischen Kopenhagen und Kolding, wo sie seit

schen Telekom sind nur zwei Stationen ihres

Verena Michelitsch –

2014 als Assistenzprofessorin für Welfare De-

Lebens. Ganz nebenbei hat sie das Wanderlo-

persönliche Projekte

sign and Wellbeing unterrichtet. „Ein Bewusst-

kal Zum wilden Pony erfunden, in dem die be-

Die Informationsdesignerin hat eine steile Kar-

sein für die Lücke zu entwickeln“, hält Dankl für

geisterte Köchin „Gesamtabende“ designt. Das

riere vorzuweisen: Abschluss an der FH Joanne-

wichtig, „um sich die eigene Karriere zu basteln

Wanderlokal bescherte bereits in L. A., Berlin,

um, Praktikum bei Grafikguru Stefan Sagmeis-

und sich Kompetenzen anzueignen, die dafür

Graz und Wien wahre Gaumenfreuden. „De-

ter, Aufbau des internen Designteams in der

notwendig sind.“ In ihrem Vortrag „Wicked.

sign hat nur dann Sinn, wenn es Umweltaspekte

Werbeagentur Sid Lee in New York. Am liebs-

Wow. We.“ spricht sie über neue Funktionen

miteinbezieht und zeitgleich nicht als Objekt

ten arbeitet die Österreicherin in Projekten, in

für Design, Open Source, DIY und Design mit

selbstgenügsam in der Gegend herumsteht.“

denen sie ihre drei Spezialgebiete Branding,

sozialem und ökologischem Augenmaß.

Graz freut sich auf eine vielgereiste Designerin,

100

Kathrina Dankl –

für die Design ein Gesamtpaket ist und von Nut-

Illustration und Art Direction verbinden kann.

zen sein muss, denn „wenn Design niemandem

Design ist für Michelitsch „Kommunikation und mehr als Behübschung, denn es kann Sprach-

Kathrina Dankl

nützt, kann’s auch gleich weg!“

barrieren aufheben“, zitiert sie Otto Neurath. Derzeit arbeitet die Designerin gerade im Bereich Sustainable Fashion. Bei den Lecture Days wird sie über ihre Arbeitserfahrungen zwischen den USA und Österreich sprechen; ein kleiner Tipp für angehende Designer vorab: Persönliche Projekte sind ein wesentlicher Teil

Foto: Tim Tom

eines erfüllten Designschaffens!

designmonat graz 16


FH LECTURE DAYS

Carl Nielbock – Raum für Entfaltung Er ist gelernter Schmied, Restaurateur und Sammler. Seine Vaterstadt Detroit, aber auch New York oder Toronto haben ihm die RevitaMichael Tropper, Volker Pflüger und

lisierung bekannter Gebäude zu verdanken.

Karen Rosenkranz – Designvisionäre

Carl Nielbock ist auch Erfinder, so hat er bei-

Die drei Industrial Designer haben sich in der

spielsweise einen dreistöckigen Garten aus

Studienzeit kennengelernt. Michael Tropper

Industrieabfall generiert. Und er ist Upcy-

hat das Designstudio forpeople mitbegründet,

cling-Spezialist und als solcher wird er in Graz

in dem auch Volker Pflüger arbeitet. Forpeople

gemeinsam mit dem Upcycling Design Labor

zählt Global Player wie Coca-Cola, Interconti-

des Sozialbetriebes BAN/Ökoservice unter der

nental, Yamaha, British Airways oder Panasonic

Leitung von Markus Ofner einen Workshop mit

zu seinen Kunden. Karen Rosenkranz hat nach

Studierenden der FH Joanneum veranstalten.

Arbeitsaufenthalten in New York, Amsterdam,

Volker Pflüger

Ein kreativer Kopf wie er erwartet von den Teil-

Eindhoven und Graz das Maybestudio in Lon-

nehmenden, dass sie ihre Stadt mit Design

don gegründet, wo sie Trendforschung und

aktiv verändern wollen, dass er ihnen dafür

Design-Research betreibt. Gemeinsam werden

Raum für Entfaltung geben wird, ist Teil seiner

Tropper, Pflüger und Rosenkranz in ihrem Vor-

eigenen Designphilosophie.

trag „Forpeople. Perspektiven“ einerseits über ihre reichhaltige Arbeitserfahrung, aber auch über gesellschaftliche Entwicklungen und deren Auswirkung auf Design sprechen. Karen Rosendenken, und von herausfordernden zukunftswei-

[FH JOANNEUM LECTURE DAYS]

senden Veränderungen, die noch keinen Platz in

18. und 19. Mai

der Gesellschaft gefunden haben.“ Eine Lecture,

designforum Steiermark

die zum visionären Design-Denken anregt!

Andreas-Hofer-Platz 17, 8010 Graz

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kranz ist fasziniert von „Menschen, die anders

Michael Tropper

Foto: Eva Stern

Carl Nielbock

Karen Rosenkranz

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FESCH‘MARKT

G’SCHEIT FESCH Pflichttermin für alle „Feschionistas“: Im Rahmen des Designmonat Graz kommt zum mittlerweile fünften Mal der Fesch‘markt nach Graz. Mit neuen Ideen und lustigen Goodies.

Der Fesch’markt, Österreichs Kreativ-Festival für Design, Lifestyle und Food, lässt sich vom Freitag, 20., bis Sonntag, 22. Mai, in der Seifenfabrik nieder. Dort zeigen Mode- und

Produktdesigner, Künstler und Kreative zum fünften Mal, was es an originellen Dingen zum Anziehen, Hinstellen, Nutzen und Habenwollen gibt. Nicht nur das: Es werden auch diesmal wieder Erzeuger und Anbieter origineller Möbel und Einrichtungsideen vor Ort sein und natürlich auch der fesche Food-Corner mit kulinarischem Trendfood und Schmankerln. Für ein ausgiebiges Shoppingerlebnis legt der Fesch’markt am Freitag quasi eine Nachtschicht ein. Bis 22:00 Uhr lässt es sich drinnen und – hoffentlich auch draußen – gemütlich einkaufen, essen, trinken und plaudern. In Kooperation mit der Diagonale – Festival des österreichischen Films wird es ein Kino unter freiem Himmel geben, Sportler haben im Boards- & Bikes-Bereich Gelegenheit, sich entsprechend auszutoben. Auch in puncto Eigenwerbung ist der Fesch’markt wieder erfinderisch: mit dem eigens kreierten „Fesch On Foto: Arno Ebner

The Beach“-Cocktail und dem herrlich bunten

[FESCH’MARKT GRAZ #5] 20. bis 22. Mai Seifenfabrik | Angergasse 41, 8010 Graz

Ein kreatives Potpourri aus Design, Lifestyle und Food kommt nach Graz.

Fesch’badetuch. Das im Übrigen „strictly fesch limited“ ist. Also rechtzeitig ein Stück Stoff sichern! Natürlich gibt es auch heuer wieder die limitierten Wundertüten mit bekanntem Prinzip: Mutige Sprüche außen, fesche Goodies innen. Fesch ist auch die Kleidertauschbörse am Samstag und Sonntag im En Garde Loft. Was übrig bleibt, geht an die Caritas. Am Samstag wird ab

[FÊTE’FESCH]

22:00 Uhr in der Hanson-Bar bei der Fête’Fesch

21. Mai ab 20.00 uhr

abgefeiert!

Hanson | Hans-Resel-Gasse 5, 8020 Graz [KLEIDERTAUSCHBÖRSE] 21. und 22. Mai ab 11.00 Uhr EN GARDE Loft | Lendplatz 40, 8020 Graz

designmonat graz 16


Im Design ist weniger mehr. Bei unseren Leistungen ist mehr mehr.

Design ist die Auseinandersetzung des Gestalters mit der Funktion eines Objekts. Das Ergebnis soll seine Besitzer gl체cklicher machen. Hausbetreuung, wie wir sie verstehen, ist die Besch채ftigung mit der Erhaltung der Funktion und des Wertes eines Objekts - in der Regel eines Hauses - mit dem Ziel, es gl체cklich zu machen. Daher gilt f체r uns: Nur mehr ist mehr. Mehr Information auf www.attensam.at.


Foto: Daniel Sostaric

Multifunktional: der Collective Desk von NWW und Breaded Escalope

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TISCHGEMEINSCHAFT DER COLLECTIVE DESK DER NEUEN WIENER WERKSTÄTTEN [NWW] Die steirischen Möbelentwickler von NWW haben den Trend der „Open Innovation“ aufgegriffen und gemeinsam mit dem Wiener Designstudio Breaded Escalope ein Home-Office-Möbelstück über einen Zeitraum von zwei Jahren entworfen und produziert. Brainstorming, Markt-

Kollektiv heißt „gemeinschaftlich“. Ein kollektiver Tisch ist folglich ein Tisch, der gemeinschaftlich entworfen, gestaltet und gebaut wurde. Die NWW zeigen ihren multifunktionalen Desk im Designmonat Graz.

forschung und technische Ausführungsvarianten inklusive. Das Wesentliche dieses Produktionsprozesses waren die Inputs aus der

teilhaben lassen und haben sich fürs Grazer Verkaufsbüro in der Münz-

Bevölkerung: „Online und auf Events, Messen und Workshops konnten

grabenstraße eine kleine Sonderausstellung überlegt, die während des

Interessierte, egal ob Studentin, Familienvater oder Pensionist, ihre Ideen

gesamten Designmonat Graz besichtigt werden kann. All jene, die ihr

und Vorstellungen zum Thema ‚Zu Hause arbeiten‘ einbringen“, so Stefan

Wissen noch weiter vertiefen wollen, erleben in den Produktionsstätten

Polzhofer, CEO der NWW. Arbeits- und Lebensbedingungen in Österreich

der NWW in Pöllau eine spannende Reise durch die gläserne Möbelher-

sowie unterschiedliche Erwartungen an einen „Schreibtisch“ wurden so er-

stellungsfabrik – von der Produktentwicklungsphase über die Produktion

hoben; die wertvollen Ergebnisse im Collective Desk gelungen verarbeitet.

bis hin zum fertigen Möbelstück.

Und der spielt viele Stückerln: Auf einem stabilen Korpus kann der Benutzer viele kleine Platten individuell anordnen; der Tisch verwandelt sich so mit wenigen Handgriffen vom Esstisch zur Werkbank oder zum Schreibtisch. Wer selbst designen will, kann sich eine eigene Platte bauen … Open Source vom Feinsten!

[COLLECTIVE DESK] Ausstellung

Gläserne Möbelfabrik

2. bis 28. Mai

Die Neuen Wiener Werkstätten möchten die Öffentlichkeit auch nach der

KAPO Fenster und Türen

Entwicklung am offenen Design-Prozess des kollektiven Möbelstückes

Münzgrabenstraße 89, 8010 Graz

designmonat graz 16


HAUS DER ARCHITEKTUR

INNOVATIVER URBANISMUS Die Ausstellung Europan 13 – die anpassbare Stadt 2 zeigt alle preisgekrönten Projekte der fünf österreichischen Standorte der dreizehnten Wettbewerbsrunde, Bruck

Bei Europan, dem europaweit größten Wettbewerb für innovativen Urbanismus und Architektur, zeigen junge Talente aus Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung aktuelle Arbeiten. Die Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse der fünf österreichischen Standorte präsentiert unter anderem das Grazer Preisträgerprojekt für das Hauptbahnhofareal.

an der Mur, Graz, Linz, St. Pölten und Wien. In seinem Impulsvortrag berichtet Didier Rebois über das „städtebauliche Experiment“ von Entwicklungen im Bahnhofsumfeld europäischer Städte. Das zentrale Grazer

Das Grazer Europan-Siegerprojekt „Walzer“ des rumänisch-ungarischen Teams Buse/Tövissi/Fischer

Wettbewerbsgebiet direkt am Hauptbahnhof war europaweit einer der nachgefragtesten Europan-13-Standorte: Mit einem gemischt genutzten und stark verdichteten Stadtquartier an

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der Bahn soll der Brückenschlag in den Westen gelingen. Endlich kann der Hauptbahnhof sein städtebaulich bedeutsames „West-Entrée“ formulieren und dem Ort eine neue Ausrichtung geben. Das Projekt soll entsprechend den Vorstellungen von Stadt und Grundstücksentwicklern zügig umgesetzt und dabei alle Qualitätskriterien eingehalten werden. Anlässlich der Ausstellungseröffnung präsentiert Europan das Grazer Siegerprojekt „Walzer“ des rumänisch-ungarischen Teams Buse/Tövissi/Fischer mit Sitz in Paris, das gemeinsam mit dem Impulsvortrag von Europan-Europa-Generalsekretär Didier Rebois den Auftakt zur internationalen Podiumsdiskussion über die radikalen Entwicklungschancen von Eisenbahnarealen

[EUROPAN 13 – DIE ANPASSBARE STADT 2] Ausstellung Eröffnung am 11. Mai, 19.00 Uhr 12. bis 22. Mai Haus der Architektur Graz Mariahilferstraße 2, 8020 Graz

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Foto: Buse Tövissi Fischer

im innerstädtischen Raum bildet.


Foto: David Pichler

Philip Jay Veech philipveech.com

Nina Escobar Castillo ninaescobar.at


[BE]GREIFBAR MACHEN Das erklärte Ziel des Design-Teams ist es, den Designmonat verständlicher und zugleich in allen Facetten und Dimensionen erlebbar zu machen. Verstand und Gefühl treffen aufeinander. Die visuelle Umsetzung folgt der Idee einer fluiden Landschaft, Papier fungiert als Impuls für kreative Prozesse. Formen wandeln und verwandeln sich, spielen mit Perspektive und Raum und lösen die Zweidimensionalität des Papiers auf.

Victoria Sofie Pöttler victoriapoettler.at

Pia Furman Pivec piapivec.com


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