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MAGAZIN

BPA 8020 GRAZ, ERSCHEINUNGSORT GRAZ, APRIL/MAI 2012, PREIS: € 3,50

27. APRIL — 27. MAI 2012


WILLKOMMEN IM DESIGNMONAT 2012 Im Jahr 2012 richtet Graz zum vierten Mal den Designmonat aus und rückt die Leistungen von Design und Kreativwirtschaft ins Licht der Öffentlichkeit. Der diesjährige Designmonat, von der Creative Industries Styria koordiniert und organisiert, steht unter ganz besonderen Voraussetzungen: Seit März 2011 ist Graz UNESCO City of Design. Das bedeutet, dass bereits in der Vorbereitungsphase die aus der intensiven Vernetzungsarbeit der letzten Monate gewonnenen Kontakte zu den anderen Designstädten aktiv genutzt werden konnten. Die Folge ist ein dichtes Programm mit internationaler Ausrichtung und hohem Qualitätsanspruch, Als NESC

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DESIGNMONAT GRAZ 2012

das über die bisherige Programmatik des Designmonats hinausgeht.

Cit of Design ist die Stadt Graz dazu verpflichtet, hohe

Qualitätsansprüche an das Programm des Designmonats zu stellen.

Aus diesem Grund wurde heuer erstmals ein Kuratorium eingerichtet, das die eingereichten Programmpunkte geprüft und eine Empfehlung für

die Aufnahme in das Programm ausgesprochen hat. Das Kuratoren-Team hat sich aus folgenden Expertinnen und Experten zusammengesetzt: Michael Thomson (Design Consultant, DESIGN CONNECT, London), Severin Filek (Geschäftsführer design austria, Wien), Heimo Lercher (Geschäftsführer, i-Punkt Werbeagentur, Graz), Marion Wicher (Architektin, yes architecture, Graz). Der Designmonat dankt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, allen Fördergebern und Sponsoren, die zum Gelingen des Designmonats 2012 beigetragen haben. und das Team der Creative Industries Styria! designmonat.at | cis.at

EDITORIAL 1/1

Viel Vergnügen im Designmonat wünschen Ihnen Eberhard Schrempf


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DESIGNMONAT GRAZ 2012

SUSTAINABLE DESIGN

URBANE INTERVENTIONEN

Die Wirtschaft und der Designmonat haben etwas gemeinsam: Nachhaltigkeit als Thema und Herausforderung.

Die Foodline beschäftigt sich mit der Zukunft der Nahrung. Und der Nahrung der Zukunft. Gegenwärtig in Graz.

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BUENOS AIRES MEETS GRAZ

VON A WIE ALTENHEIM BIS Z WIE ZUGVERBINDUNG

Die älteste UNESCO City of Design zeigt in Graz, was Design für eine Stadt bedeuten kann.

Eine Werkschau im Kunsthaus Graz zeigt sechs Siegerprojekte des Design Preises Schweiz.

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… AUF, NEBEN UND ZWISCHEN DEN STÜHLEN

KREATIVE WIRTSCHAFT

Eine große Personale zu Herms Fritz widmet sich einem der prägendsten Grazer Künstler und Designer.

Die Kreativwirtschaft ist eine Chance: für die Kreativen, den Standort und den Arbeitsmarkt.

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LET’S DATE PEPE!

Die Ausstellung SELECTED: zeigt an fünf Tagen 12 Designerlabels. Gemeinsamer Nenner: Nachhaltigkeit.

DAS GEGENTEIL VON ONLINE UND BILLIG

Retro-Look durch Retro-Druck: Das Letterpress- er ahren der Infinitive Factory verleiht Druckwerken eine besondere Aura.

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skin – MaTerial fuTure

DESIGN-DIALOG

Wenn Designer und Materialentwickler aufeinandertreffen, entsteht Innovation. Zu sehen in einer Ausstellung.

Die traditionsreiche Neue Wiener Werkstätte vergibt erstmals den NWW Design Award.

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DIE STADT SCHREIBEN, SEHEN, HÖREN

INHALTSVERZEICHNIS 1/2

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LECTURE DAYS

Im Rahmen des EU-Projekts citybooks entstehen persönliche literarische Stadtporträts. Auch von Graz.

Die Lecture Days der FH Joanneum bringen internationale Top-Designer nach Graz, etwa den Grafikdesigner Stefan Sagmeister.

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DER HANDEL HANDELT

KREATIVWIRTSCHAFT STEHT FÜR INNOVATIONSKRAFT

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Design als Mehrwert im Handel? Der Citypark zeigt, wie’s geht – und stellt eine Location zur Verfügung: die designHalle.

Das Förderprogramm impulse stärkt Unternehmen im Wachstumsmarkt Kreativwirtschaft den Rücken.

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44 A WIE ASSEMBLY

14 DEM WISSEN INS NETZ GEGANGEN

Qualität garantiert – das Designfestival assembly holt internationale Designerinnen und Designer nach Graz.

Bloggen, diskutieren, tweeten – und das am besten gleichzeitig. Willkommen beim BarCamp 2012!

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HIER SPRIESST MEHR ALS EINE PARTY

KLARE SICHT AUF DESIGN

Das springfestival macht Graz zu einem internationalen Hotspot an der Schnittstelle zwischen Technologie und Kunst.

Vom Entwurf bis zum fertigen Modell – das pen esign fice von Robert La Roche gibt Einblick in die Entstehung.

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REDEN WIR ÜBER VISIONEN

ZURÜCK IN DIE SCHMUCKEN NEUNZIGER

Designer und Juwelier Hans Schullin zeigt ein Best-of des «Design Workshops Schmuck» aus den 1990er Jahren.

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Das junge deutsche Label maigrau zeigt im Laden21 innovative Produkte mit hohem ökologischem Anspruch.

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90 SEKUNDEN IN 72 STUNDEN

Der Werbe-Nachwuchspreis Young Creatives Panther lädt alle bis 25 ein, ein 90-Sekunden-Video zu drehen.

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BLEI IM BLUT

SOCIAL DESIGN — SOLL ARCHITEKTUR SOZIAL SEIN

Der Verein DruckZeug lässt in der alten Druckerei Bauer Bleisatz und Handpresse wieder zum Leben erwachen.

Architektur formuliert gesamtheitliche Konzepte – zu sehen in einer Ausstellung der Architekturfakultät der TU Graz.

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74 KANN DAS GUT GEHEN?

DESIGNMONAT-TIPPS

Der Designmonat bietet eine Fülle an vents und eranstaltungen. Hier finden Sie weitere Highlights des Programms.

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IM ANFANG WAR DAS LOGO

WIR GLAUBEN AN GESTALTUNG

ie Ausstellung UNI GRA G STALT T präsentiert die vielschichtigen Grafikarbeiten an der Universität Graz.

Harte Arbeit ohne Pause, verschwindende Stunden und stumme Sekunden, um zu zeigen, was hier passiert.

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IMPRESSUM arienplatz �,

� GRA ,

, o ice cis.at, cis.at, designmonat.at

GESCHÄFTSFÜHRUNG Eberhard Schrempf REDAKTION ad literam (Susanne Ary, Susanne Lipinski, Stefan Schwar), Barbara Tscherne AUTOREN Andreas Braunendal, Texter, www.textagentur.at; Harald Gründl, Leiter des Institute of Design Research Vienna, www.idrv.org; Christoph Hartner, freier Jornalist; Klaus Höfler, Journalist, Wirtschaftsmagazin PRIMUS, www.kleinezeitung.at; Günther Holler-Schuster, Kurator, Neue Galerie Graz, www.museum- oanneum.at de neue galerie oris Lind, Literaturmanagerin, www.literaturmanagement.at aniela ller, reie ournalistin Werner Schandor, Autor und Texter, www.textbox.at Wol gang Schober, Journalist, Steirermonat, www.steirermonat.at ANZEIGEN Barbara Tscherne SATZ UND GESTALTUNG Simon Cazzanelli, Johanna Lamprecht, Elisabeth Schagerl, Helena Schmidt DRUCK Medienfabrik Graz ondi set g m2, PEFC-zertifiziert DRUCKART Offset PAPIER Umschlag ondi set g m2, Kern DER DESIGNMONAT DANKT. Besonderer Dank gilt allen Förderern, Kooperationspartnern, Sponsoren und Projektpartnern, die den Designmonat (und die Creative Industries Styria) in der Steiermark unterstützen.

INHALTSVERZEICHNIS 2/2

Seit drei Jahren wird an der Revitalisierung des Jakominiviertels gearbeitet. Mit Erfolg. Und vielen Herausforderungen.

HERAUSGEBER reative Industries Styria GmbH,

DESIGNMONAT GRAZ 2012

um zweiten al finden heuer die springsessions statt: als Konferenz für elektronische Kunst, Technologie und Design.

MÖBEL SPRECHEN KLARTEXT

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SUSTAINABLE DESIGN TEXT: HARALD GRÜNDL

ine Stadt, die heute esignstadt sein will, muss sich au die im Wandel befindlichen Grundbedingungen von Wirtschaft und Gesellschaft einlassen. Mit der Idee von Design, wie wir sie noch vom Ende des 20. Jahrhunderts kennen, werden die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts kaum zu bewältigen sein. Schön, dass wir heute ein breites Bewusstsein für Architektur und Design haben und dass es dafür einen Markt gibt. Schön auch, dass es eine Industrie gibt, die solches entwirft, herstellt und vertreibt – die Kreativwirtschaft. Nun ist es aber beim Design wie bei Menschen: Die wahre Schönheit ist oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Das, was heute unseren Konsumhedonismus befriedigt, basiert auf einer nicht nachhaltigen Wirtschafts- und Gesellschaftskonstruktion. Die Anthropologen nennen unsere Kultur Konsumkultur, und das heißt nichts anderes, als dass der Zweck unseres Daseins das Konsumieren ist. Das wäre noch kein Problem, wenn dieser Konsum von einer nachhaltigen Einstellung geprägt wäre.

DESIGNMONAT GRAZ 2012

Das ist er aber leider nicht. Denn dann dürften wir nur so agieren, dass kommende Generationen ihre Bedürfnisse auch noch befriedigen können. Im Moment ist es allerdings so, dass wir nicht nur auf Kosten der zukünftigen Generationen leben, sondern auch noch auf Kosten der unterentwickelten Länder der Welt. Wir können zum Beispiel nur deshalb so viel CO2 in die Atmosphäre blasen, weil es genug arme Länder gibt, die mangels individueller Mobilität oder einer lokalen Industrie wenig CO2 emittieren. Aber das Treibhausgas ist nicht die einzige Wachstumsbremse der nach Wachstum süchtigen Industrieländer. Auch die Energie ist begrenzt. Die international renommierte Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich hat dazu das Modell der 2.000-Watt-Gesellschaft entwickelt. Demnach stünden einer solidarischen Globalbevölkerung pro Kopf 2.000 Watt zur Verfügung. Wir brauchen aber mehr, viel mehr.

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Hier in Mitteleuropa ist der rechnerische Bedarf an Energie 6.000 Watt, also dreimal zu hoch. Wer davon ablenken will, der kann ja gerne mit dem Finger auf die USA zeigen – die brauchen 12.000 Watt. Die 2.000-Watt-Gesellschaft gehört in die Kategorie von Rechenmodellen, die von der Annahme ausgehen, dass die Welt nur dann funktioniert, wenn sie global funktioniert. Vor allem, wenn sie nicht nur gerade jetzt, sondern auch in Zukunft funktionieren soll. In den entwickelten Industriestaaten sind wir technologisch ohne Weiteres in der Lage, die 2.000-Watt-Gesellschaft zu realisieren. So wie wir heute in der Lage sind, Häuser zu bauen, die keine Energie brauchen, sondern sogar überschüssige Energie produzieren. Wir wollen nur nicht. Warum? Weil wir dafür nicht belohnt werden, und dafür ist vor allem die Politik, also wir alle, verantwortlich. Aber vielleicht ist Belohnung ja gar nicht ausreichend. Ziele, deren Verfehlen bestraft wird, würden es da schon eher tun. Aber da sehen wir unser Wachstum in Gefahr, ohne zu sehen, dass nicht nachhaltige Entwicklung die weitaus größere Gefahr ist. Ein Wandel ist dringend erforderlich, und die Kreativwirtschaft wäre ein wunderbares Feld, in dem der Wandel zu einer nachhaltigen Gesellschafts- und Wirtschaftsform katalysiert werden kann. Denn Design hilft, neue Lebensweisen attraktiv und begehrlich zu machen – zwei Adjektive aus der alten Welt. Das Design des Übergangs wird uns vor neue gestalterische Herausforderungen stellen.

LEITARTIKEL 1/2

Blicken wir zurück, in die Zeit, in der wir in das fossile Zeitalter eingetreten sind. Energie aus Kohle war der Motor der frühen Industrialisierung. Während in der präossilen eit die Transportschi e r globalen in uss und Handel der alten Welt auf guten Wind und damit auf die Launen und Gaben der Natur angewiesen waren, konnten die Dampfschiffe auch bei Flaute die Fahrt aufnehmen. Das war ein radikaler Wandel, auch ästhetisch. Die ersten Schiffe waren nämlich mit Segeln und Dampfschloten ausgestattet. Man traute der neuen Technologie nicht so recht. Mit diesem Zweifeln stehen wir jetzt vor der nächsten Wende, nämlich jener ins postfossile Zeitalter. Wir schließen Häuser noch immer an Energienetze an, obwohl sie auch autark sein könnten – nur zur Vorsicht. Wir stehen vor einer Energiewende, dazu gibt es ja auch in Europa immer mehr politisches Commitment. Es ist eine Wende hin zu erneuerbaren Energiequellen. Es bleibt zu hoffen, dass mit den marktwirtschaftlichen Werkzeugen die Industrien schnell auf diese Energiequellen


umsteigen. Erneuerbare Energiequellen sind ein Grundpfeiler von Sustainable Design. Eine Fabrik, die Strom aus fossilen oder nuklearen Ressourcen verwendet, kann kein nachhaltiges Design produzieren! Und eine Gesellschaft, die 6.000 Watt verbraucht, verhindert global gesehen eine nachhaltige Entwicklung. Die Vereinten Nationen haben vor 25 Jahren im rundtland- ericht den egri der nachhaltigen ntwicklung definiert. iese efinition ist in edem a stab g ltig, natürlich auch in dem einer Stadt. Und es gibt schon Städte, die mit nachhaltigen Energiequellen energieautark sind. Damit sind sie jeder UNESCO-Designstadt infrastrukturell in Sachen Sustainable Design weit voraus. Vielleicht sollten die Designerinnen und Designer in solche Städte ziehen. Dort hat die Design-Zukunft schon begonnen. Aber nicht nur Energie ist eine beschränkte Ressource. Auch die Biokapazität unserer Erde schränkt unseren ungebremsten, nicht nachhaltigen Konsum ein. er kologische Fu abdruck ist die essgr e r den edar an produktiver rdober äche. Die Biokapazität der Erde geht zurück, nicht nur wo die Regenwälder abgeholzt werden. In Österreich war sie in den 1960er Jahren noch über vier, heute liegt sie im fallenden Trend gegen drei globale Hektar pro Einwohnerin und Einwohner. Ein Hektar ist eine Fläche von hundert mal hundert Metern. Wir leben aber so, dass wir mehr als fünf globale Hektar beanspruchen. Warum können wir das? Weil wir uns Land ausborgen, irgendwo, und damit ist es kurzfristig nicht unser Problem. Wie bei der Energie könnten wir so leben, dass wir hier und in aller Zukunft mit unserer Biokapazität auskommen. Das sind wir in Österreich auch bis Anfang der 1970er Jahre des 20. Jahrhunderts. Wir müssen mit der Biokapazität unserer unmittelbaren Umwelt sorgsam umgehen, denn sie ist die Grundlage des Überlebens. Wir können es uns derzeit nur leisten, nicht darauf zu achten, weil uns die wahren Kosten von Design nicht bewusst sind, und auch nicht in Rechnung gestellt werden. So wie beim Umgang mit Müll. Dort zahlen wir zwar, aber wir zahlen absurderweise für die Verbrennung von Ressourcen. Und die Hitze von unwiederbringlich verbrannten fossilen Ressourcen kaufen wir dann als Fernwärme wieder ein – nicht sehr nachhaltig.

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DESIGNMONAT GRAZ 2012

Sustainable Design kann man nur zyklisch denken, und wenn ein Produkt Müll erzeugt, dann ist es eben kein Sustainable Design. Nach der Gebrauchsphase muss alles wieder zu einem Rohstoff für Neues werden, egal ob wir das «Cradle to Cradle» nennen oder irgendwie anders. Damit die Rohstoffe wieder in den industriellen Kreislauf kommen, müssen unsere Recyclingsysteme radikal verbessert werden und neue Produkt-Service-Systeme etabliert werden. Nutzen statt besitzen ist eines der erfolgversprechenden Modelle. Rechenleistung kann man heute mieten, man muss nicht unbedingt immer den neuesten Computer anschaffen. Auch individuelle Mobilität in Form eines Fahrrades oder Autos kann heute ohne Besitzergreifung genutzt werden. Eine Waschmaschine, die man pro Waschgang bezahlen würde, wäre solider gebaut und e fizienter. Und wenn sich die An orderungen ändern, dann nimmt man einfach ein anderes Modell, der Anbieter nimmt die Maschine zurück, das Abfallproblem ist gelöst, da die Maschine beim Hersteller wiederverwertet werden könnte. ehr achnutzung macht Services und Produkte e ektiver. Und das brauchen wir genauso wie e fizientere L sungen. in bisschen besser bedeutet heute ja oft weniger schlecht. Aber wir brauchen radikale Innovation: Unter einer Einsparung von fünfzig Prozent sollten wir uns nicht zufrieden geben. Weniger Gewicht, weniger Rohstoffe, weniger Verbrauch, und das alles am besten ohne signifikante inschränkung von Kom ort. Wer das nicht als Problem, sondern als Innovationsmotor sieht, der wird nicht nur den gesellschaftlichen und industriellen Wandel in einer nachhaltigen Zukunft vorantreiben, sondern davon auch lang ristig profitieren. s gibt etzt die einmalige hance im esign, eine ielzahl von Gestaltungsau gaben radikal neu zu denken. Wir müssen unseren Innovationsbegriff neu formulieren: Immer mehr, höher, schneller, stärker und geiler sind Begriffe der Vergangenheit. Sie haben uns in die falsche Richtung geführt. Genauso wie das individuelle Geltungsbedürfnis, für das die Stardesignerin oder der Stardesigner des letzten Jahrhunderts stehen kann. Kollaboration ist das Zukunftsmodell, das den Wandel herbeiführt. Und eine Stadt ist ein guter Maßstab für Gemeinschaftsprojekte.

LEITARTIKEL 2/2

Die kreative Klasse wird aufgelöst, und neue Formen der kreativen Kollaboration werden etabliert. Die postindustrielle Gesellschaft lebt nicht in der Höhle, sondern in einer resilienten, postfossilen, technologischen Stadt, in der die Menschen im Mittelpunkt stehen. Das Archaische und das Technologische bilden eine neue Einheit. Die Strohwand ist mit einem HighTech-Verbindungselement aus dem lokalen Fab-Lab zusammengebaut. Soziale Innovation ist der zentrale Innovationsbegriff der nachhaltigen Gesellschaft. Produkte werden dort hergestellt, wo sie auch verwendet werden. Die Rohstoffe werden regional hergestellt und in Kreisläufen gehalten. Die heute konsumieren, werden dann Produzierende. Die Designstadt stellt die Infrastruktur zur Verfügung, den Marktplatz für die vielfältigen Angebote, die sich aus der individuellen Kreativität, den Neigungen und wirklichen Interessen der Menschen speisen und kulturelle Vielfalt sicherstellen. Design der Zukunft privilegiert nicht, sondern regt zur Gemeinsamkeit an. Sustainable Design braucht keine Copyrights mehr! •


DESIGNMONAT GRAZ 2012

«ES GIBT EIN KLARES BEKENNTNIS, DESIGN IN ALL SEINEN ASPEKTEN FÜR DIE ZUKÜNFTIGE ENTWICKLUNG VON GRAZ ZU NUTZEN.»

Der Designmonat ist da, und das Thema Design wird damit für die Menschen in der Stadt greifbar und erlebbar. Das ist gut so, denn es zeigt, dass Design in der Stadt auch tatsächlich ankommt. Und noch etwas zeigt es, nämlich dass sich hinter dem Anspruch, Designstadt zu sein, konsequente Arbeit verbirgt. UNESCO City of Design zu sein ist schließlich nicht allein eine Auszeichnung, sondern vor allem ein Auftrag an die Zukunft, der auch mit klaren Zielen verknüpft ist. Und dabei beginnen wir bei uns selbst, nämlich im Rathaus und in der Stadtverwaltung. Denn es gibt ein klares Bekenntnis, Design in all seinen Aspekten für die zukünftige Entwicklung von Graz zu nutzen – von der Vereinfachung des Alltags bis zur Optimierung von wirtschaftlichen und ökologischen Prozessen.

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Dabei legen wir uns die Latte durchaus hoch: Wir peilen etwa eine Steigerung der Beschäftigten in der Kreativszene an, die 4 % über dem Österreich-Schnitt liegt. Und wirft man einen Blick auf die aktuellen Zahlen, dann sieht man, dass das vielzitierte Potenzial der Kreativwirtschaft zu einem handfesten Faktor in der Grazer Wirtschaft wird. Denn die Gewerbeanmeldungen in den unterschiedlichen Branchen sind zuletzt um gestiegen. Auch das Pilotpro ekt akominiviertel kann sich über regen Zuspruch aus der Grazer kreativen Szene freuen. 32 Unternehmen haben sich neu angesiedelt, gro e Immobilien- und aupro ekte sind in Planung. Das alles geht nicht von heute auf morgen. Es braucht neben Gestaltungswillen für die Stadt und ihre Menschen auch einen offenen Geist, um Neues zu versuchen, daraus Innovationen abzuleiten und gegebenenfalls das Scheitern miteinzuplanen. Mit einem Wort: Es braucht eine Lebenseinstellung, einen Spirit, der diese Dinge ermöglicht.

Mag. Siegfried Nagl Bürgermeister der Stadt Graz

© STADT GRAZ

KOMMENTAR 1/3

Herzlich willkommen im Designmonat 2012!


DESIGNMONAT GRAZ 2012

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BUENOS AIRES 1/4

BUENOS AIRES MEETS GRAZ OBELISCO DE BUENOS AIRES

ARGENTINIEN IST NICHT NUR TANGO, STEAK UND MARADONA! DIE AUSSTELLUNG «BUENOS

AIRES MEETS GRAZ» BRINGT NAMHAFTE DESIGNERINNEN UND DESIGNER ÜBER DEN HALBEN

ERDBALL ZU UNS UND IST WÄHREND DES GESAMTEN DESIGNMONATS ZU SEHEN. TEXT: SUSANNE LIPINSKI


«BUENOS AIRES MEETS GRAZ»

ERÖFFNUNG

fr, � . aPril, ��.�� uHr

DAUER

��. APRIL — � . MAI

designHalle

BUENOS AIRES 2/4

DESIGNMONAT GRAZ 2012

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Das Spektrum argentinischen Designs ist breit gefächert, vor allem in der Hauptstadt boomen Fashion, Grafik und Industrial Design Graffiti hier, Life-St le-Lokal dort nicht umsonst ist die Mega-Metropole Buenos Aires 00 zur ersten NESC Cit of Design gekürt worden. Enrique Avogadro, Geschäftsführer des Centro Metropolitano de Diseño (CMD), sieht die Entwicklung der Kreativindustrie seither in starkem Wachstum begriffen. Seit der Titelgebung gibt es .000 kreative Jobs mehr in Buenos Aires das ist ein Anstieg um ein Drittel Letztlich ist dieser Erfolg natürlich auch auf die Initiative der Designschaffenden selbst zurückzuführen, die ihre Kreativität unter anderem dafür nutzten, einen Weg aus der großen Wirtschaftskrise um die Jahrtausendwende zu finden. Viele Labels wurden damals gegründet, heute sind sie erfolgreich. Alle verloren 001 ihre Hoffnung. Die Träume der Menschen waren überschattet , bringt Hern n Berdichevsk , einer der bedeutendsten argentinischen Grafik-Designer, die schwere Zeit auf den Punkt Ich war und Buenos Aires war kein guter rt, um zu bleiben Er blieb dennoch und ließ sich wie viele andere Kreative nicht beirren. Das Konzept seines Labels ist einfach Argentinische Identität heruntergebrochen auf Icons. Diego Maradona, Che Guevara oder ein Rinderkopf auf wenige Striche reduziert und gedruckt auf Waren aller Art verkaufen sich mittlerweile weltweit. Geniales Branding! Geniale Werbung! Geniales Geschenk!

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Aus der Ferne betrachtet fühlt sich Design aus Buenos Aires bunt, berührend und bodenständig an, eine Mischung, die eine Vielzahl von Designern prägt. Der DesignBoom hängt für Fashion-Designerin Pes ueira mit dem argentinischen Lebensgefühl zusammen In Buenos Aires zu leben hat nichts mit Sicherheit zu tun. Von heute auf morgen können sich die Regeln grundsätzlich ändern. Ich glaube, das ist der wahre Grund, warum es hier so viele Designer gibt. m hier zu überleben, musst du einfach kreativ sein, und auch craz . Die Ausstellung spürt dieser Verrücktheit nach und ist eines der vielen Ergebnisse aus der Netzwerkarbeit mit den Creative Cities, für die kommenden Designmonate sind Schwerpunkte mit Kobe, Nago a oder Montr al angedacht. Heuer heißt es aber vorerst Buenos Aires meets Graz

BUENOS AIRES 3/4

new buenos aires — PuenTe de la MuJer — Madero Harbour

Die Ausstellung Buenos Aires meets Graz selbst wird am . . in der designHalle von Vertretern des CMD Buenos Aires und argentinischen Designern eröffnet. Neben Berdichevsk erwarten wir auch Paco Savio von Remolino und Modedesignerin Valeria Pes ueira. Gespannt sein dürfen wir auch auf den Mediendesigner Eduardo Fuhrmann, der einen Teil der Ausstellung kuratiert. Vor zwei Jahren hat er seine Heimatstadt mit «Mirrors of Buenos Aires an Interactive Space» am International Design Festival Berlin erlebbar und nachspürbar dargestellt. Für Graz hat er eine neue Installation entwickelt. Auch beim Designfestival assembl sowie bei spring, festival for electronic art, music, technolog design, sind Mode, Musik und Visuals aus Buenos Aires zu sehen.

DESIGNMONAT GRAZ 2012

Berdichevsk bringt diese Idee mit nach Graz und veranstaltet gemeinsam mit dem Informationsdesigner Christian rsnik bei der Infinitive Factor einen Druck-Workshop für Studierende der FH Joanneum. Es ist angedacht, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer steirische Icons entwickeln: Es muss ja nicht immer Kernöl als Gastgeschenk sein!


VON GRAZ NACH BA UND ZURÜCK WER IM INTERNATIONALEN DESIGNWETTBEWERB BESTEHEN WILL, MUSS BEREITS IN SEINER AUSBILDUNG INTERNATIONALE KONTAKTE KNÜPFEN. KARL STOCKER, LEITER DES STUDIENGANGS INF

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EXPERTEN AUS BA, DER ERSTEN UNESCO CITY OF DESIGN, NACH GRAZ.

Herr Stocker, Sie waren gerade in Buenos Aires. Merken die Menschen einer 13-Millionen-Einwohner-Stadt überhaupt etwas von der UNESCO City of Design?

, g i entwickeln. Ich muss ehrlich sagen, ich hasse» das Kerng – zelnd hinzu: Nein, nein, wir haben das Graz Design Thing von Fidel Peugeot nach Buenos Aires mitgebracht.

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KS: Nein, ich habe das Gefühl, die Kreativszene in Buenos Aires besteht aus teilweise recht bodenständigen Menschen, die auch aus BA kommen und schlaue Konzepte entwickelt haben. Die Leute, die wir getroffen haben, sehen die schwere Wirtschaftskrise 2000/2001 als Auslöser für den Designboom. Vor zehn Jahren hatten die meisten einfach kein Geld mehr, das Einzige, das ihnen blieb, war und ist ihre Kreativität, also haben sie Labels gegründet und jetzt nach zehn Jahren laufen diese immer besser.

Was ist der Unterschied im Designbegriff von BA und dem von Graz?

BUENOS AIRES 4/4

KS: Man ist sich einig in der Förderung von Produktdesign, das ist mein Eindruck. Ferner soll Design hier wie a .i , d begriff in Buenos Aires divergiert nicht sehr von unserem. Wir bringen allerdings junge Designerinnen und Designer in konkreteren Projekten mit Unternehmen , P e Wirtschaft» denke.

Zum Designmonat kommen Vertreter des CMD sowie die Designer Eduardo Fuhrmann, Hernán Berdichevsky und die Modedesignerin Valeria Pesqueira. Sind konkrete Projekte von Grazer und argentinischen Designern geplant?

ks: H b d monat gemeinsam mit dem Grazer Informationsdesigc u i d mit unseren Studentinnen und Studenten machen;

kam von dort. Der Rektor überle gt jet zt, uns einen Consulting-Auftrag zur Entwicklung von Designstudiengängen zu erteilen. Zukünftig werden wir dann auch unsere Auslandsexkursionen auf die Design Cities konzentrieren!

Ein globales Netzwerk, das weltweite Kontakte, Zusammenarbeiten und Projekte ermöglicht. In Graz herrscht ja gerade enorme Kritik …

KS: Wahrscheinlich müssten wir mehr kommunizieren, was das Ganze Graz bringen könnte … Ich bin extrem dankbar, dass ich in Graz lebe, weil ich die Lebensqualität hier sehr schätze, aber trotzdem möchte ich es nicht missen, dass ich auch das Glück habe, 100 Tage im Jahr nicht in Graz sein zu dürfen. Verschiedenes relativiert sich dann, wenn man unterschiedliche Kulturen mit ihren vielfältigen Lebenskonzepten und Lebensweisen kennenlernt. Graz ist nicht Europa und schon gar nicht die Welt.

Wenn man umgekehrt eine Ausstellung von Graz in Buenos Aires machen würde, welche Designerinnen und Designer würden Sie nach Argentinien holen?

ks: P – , schen Brands; ich denke da auch an White Elephant mit ihren lustigen Leuchtkörpern und an die 3-D-Drucke von Fluid Forms … Aber eigentlich könnte man von den Jungen alle nehmen! Aber insbesondere denke ich an unsere Absolventinnen und Absolventen, die spezialisiert im Kommunikations- und Motion-Design sind. •

KARL STOCKER, © MARION LUTTENBERGER

DESIGNMONAT GRAZ 2012

Karl Stocker: Buenos Aires ist natürlich nicht mit einer 300.000-Einwohnerstadt wie Graz vergleichbar. Bei uns gibt es zwar Kreativzonen wie das Lend- oder das Jakominiviertel, in BA ist Design aber in verschiedenen Sie waren schon in einigen UNESCO Cities of Design unterwegs, um die FH Joanneum vorzustellen und Kontakte zu knüpfen. Was ist riesigen Stadtteilen wie etwa Palermo oder Recoleta vom Creative Cities Network zu erwarten? konzentriert. In Palermo beispielsweik , ks: i , g le» Restaurants, Design-Shops in eiderbare Chance, im Konzert dieser 10 ner ungeheuren Ansammlung, dann Städte mitspielen zu können. Überall stolpert man aber auch über den größwo ich hinkomme, ist man begeistert ten freien Möbelmarkt, der nur Sevon dem, was wir hier in Graz machen! condhand-Ware vertreibt. In Palermo J b i haben die Kreativen ihre Firmen seln  –  u – wird ein Präsentationsvideo für die hochgezogen, es ist ungeheuer bunt s n i a und beeindruckend. tinien hatte ich ein Meeting mit dem Karl Stocker Rektor der Uni Rosario, eine akademi«Es muss nicht immer Kernöl sche Stadt wie Graz, 300 km von BuWechseln diese Designerläden auch so schnell als Gastgeschenk sein!» wie beispielsweise in Berlin? a –c g


«DIE KREATIV-BRANCHEN SIND MOTOREN FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNGEN.» Das Wirtschaftsressort des Landes Steiermark arbeitet strategisch und erhebt in regelmäßigen Abständen in umfassenden Prozessen unter Einbindung der steirischen Unternehmen die Stärken des Standortes. An diesen Stärken richtet sich die Wirtschaftsstrategie «Wachstum durch Innovation» aus, die Kreativwirtschaft als Querschnittsmaterie für alle Bereiche definiert. Die Kreativwirtschaft ist eine der am stärksten wachsenden Branchen – auch in der Steiermark. Dies haben wir im Wirtschaftsressort sehr früh erkannt und setzen seit 2006 mit der Netzwerkgesellschaft Creative Industries Styria (CIS) deutlich auf diese Stärke. So hat sich die Steiermark einen guten Ruf erarbeitet, denn sie zählt mit 4.800 Unternehmen und 17.000 Beschäftigten zu den dynamischsten Kreativstandorten in ganz Europa. Die Bruttowertschöpfung beträgt eine Milliarde Euro.

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Vom Großraum Graz strahlt die Kraft in die gesamte Region aus. Wenn es gelingt, Gewerbe, Industrie und Dienstleistung noch stärker mit Kreativität und Design zu vernetzen, dann entsteht das, was unsere Wirtschaft braucht, um international erfolgreich zu sein: Innovationen, Initiativen und Ideen und damit Wachstum und Wertschöpfung.

DESIGNMONAT GRAZ 2012

Die Kreativ-Branchen stärken durch ihren immanent innovativen Zugang zu Themen und Projekten die Unternehmen und sind so Motoren für nachhaltige Entwicklungen.

Wie das funktioniert, zeigen Leitprojekte des Wirtschaftsressorts wie die «Erlebniswelt Wirtschaft – made in Styria», wo Kreative gemeinsam mit steirischen Gewerbebetreiben oder Industriebetrieben an der Erlebbarkeit und Sichtbarmachung von «Innovation» arbeiten. Das Resultat sind «geöffnete» Betriebe, die ihren Besucherinnen und Besuchern einen einzigartigen Einblick in die Leistungsfähigkeit der steirischen Wirtschaft ermöglichen

Dr. Christian Buchmann Landesrat für Wirtschaft, Europa und Kultur

Im Designmonat, der ein Projekt der CIS ist, können alle Aspekte kreativer Arbeit hautnah erlebt werden. Er ist gewissermaßen die Leistungsschau der steirischen Szene. Diese Szene ist mittlerweile weit über die Grenzen des Landes hinaus international vernetzt – ein Erfolg, der auch auf das Projekt City of Design zurückzuführen ist, das Kreativen die Tore in die Welt öffnet.

© ROBERT FRANKL

Ich freue mich auf einen spannenden Designmonat 2012!

KOMMENTAR 2/3

Das alles bringt uns dem erklärten Ziel näher, die Steiermark als europäische Benchmark für den Wandel hin zu einer wissensbasierten Produktionsgesellschaft zu etablieren.


… AUF, NEBEN UND ZWISCHEN DEN STÜHLEN. EINE IMPROVISATION ZUM WERK VON HERMS FRITZ HERMS FRITZ IST EINER DER BEKANNTESTEN GRAZER KÜNSTLER UND DESIGNER. ZUR GROSSEN PERSONALE IN DER DESIGNHALLE ERSCHEINT EIN KATALOG MIT EINEM TEXT DES KURATORS

DESIGNMONAT GRAZ 2012

GÜNTHER HOLLER-SCHUSTER, DER HIER IN AUSZÜGEN ZU LESEN IST.

ERÖFFNUNG

fr, � . APRIL, ��.�� UHR

DAUER

��. APRIL — � . MAI

DESIGNHALLE

HERMS FRITZ 1/4

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Sechs Fotos in Schwarz-Weiß, in gleicher Größe und scheinbar immer dasselbe Motiv zeigend: das Portrait eines Mannes, der frontal in die Kamera blickt. Das war 1975 in der Neuen Galerie Graz im Rahmen der Dreiländerbiennale Trigon, die zum Thema «Identität, alternative Identität, Gegenidentität» veranstaltet wurde. Man war sich damals schon bewusst, dass die visuellen edien Gesichter abbilden, verviel achen und standardisieren. Der Entfremdungseffekt, der damit einhergeht, wurde bemängelt – zumindest festgestellt. Durch das Erscheinen in den Medien, entsteht eine Distanz zwischen Bild und eigener Person. Eine Menge von Veränderungen und Problemen in der Selbstsicht und damit auch in der Koexistenz generell, war die Folge. Man sah die Zeit der Überprüfung und der Selbstbetrachtung als gekommen. Letztendlich wurde man sich vermehrt bewusst, dass der ensch sich in einem Paradoxon befindet Man stellte fest, dass zu einem Zeitpunkt der bis dahin größten Entwicklung im Bereich der Kommunikationsmedien die wirkliche Kommunikation zwischen den Menschen erschwert ist.

Wenn man an die Werbeplakate von Herms Fritz für die von Heimo Steps ins Leben gerufene Konzertserie „gAmsB.ART“ denkt, so wird klar, dass es sich dabei um etwas anderes als um das klassische Ankündigungsplakat von Jazzkonzerten gehandelt hat. Kaum jemand hat mit seiner Kunst – und man muss diese Plakate im größeren Rahmen als Kunst ansprechen – das Stadtbild von Graz für einen Zeitraum mehr bestimmt, als es Herms Fritz damals tat. Nicht nur, dass in unzähligen Studentenwohnungen «gAmsB.ART»-Plakate an den Wänden hingen, es gab auch hochkarätige internationale Zustimmung. Die schrillen, oft comicartigen oder auch abstrakt geometrisch gestalteten Plakate waren nicht nur auffällig, weil sie der gängigen Werbeästhetik nicht entsprachen, sie stellten sich genau in den Grenzbereich zwischen Kunst und Werbung, ohne ihre eigentliche Funktion zu verlieren. Zeitgenössische Kunst war hier als ode einer Werbebotscha t eingesetzt. an kann hier sehen, wie Kunst und Werbung in gleichem Maße Kommunikation sind. Etwas weiter zurück in der Entwicklung von Herms Fritz bekommt man mehr Au schluss ber die Herkun t seiner grafischen Gestaltungen. Fritz hat seine künstlerische Ausbildung in Graz an der Kunstgewerbeschule absolviert. Man war dort traditionell an der Moderne sehr interessiert. Das bedeutete, dass man die klassischen Problemstellungen der Kunst im 20. werJahrhundert an diesem Institut sehr intensiv studierte. Dort werden die wesentlichen Strömungen der Moderne von Kubismus bis Surrealismus und von Expressionismus bis Informel rezipiert und das Bewusstsein für eine avancierte Sichtweise auf die Kunst geschärft. Bei Herms Fritz war es so, dass er sich in der

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SÄMTLICHE BILDER ZU HERMS FRITZ, © WOLFGANG ORTHACKER

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Herms Fritz nahm 1975 mit dieser konzeptuellen Fotoserie an der Trigon-Ausstellung teil. Allein als Künstler ist Fritz nicht nur Konzeptualist. r ist auch Grafikdesigner, ichter, artoonist, Musiker, sowie als Lehrer Motor einer jüngeren Szene. Somit ist diese Fotoserie aus dem Jahr 1975 eine immens grundlegende. Wie viele Künstlerinnen und Künstler im Umfeld der Avantgarde ist auch Herms Fritz als Universalist zu bezeichnen. Gemäß einer aus allen historischen Avantgarden bekannten VorstelVorstellung ist das Kunstwerk nicht in der Ausschließlichkeit zu versteverstehen, die es nur zum repräsentativen Objekt der Ausstattung und in die klassischen Kategorien Malerei, Skulptur etc. einoreinordenbar macht. Vielmehr geht es um einen viel weiter gefassten Rahmen. Die Kunst sollte im avantgardistischen Sinn Ausdruck einer Kreativität sein, die dem Menschen allgemein eigen ist, und sie sollten ihn vielfältig ansprechen und aktiv werden lassen.


Schule au den ereich Grafik spezialisiert und bewusst den Weg in die Gebrauchsgrafik eingeschlagen hat. Nach den ersten schulischen Versuchen, die der Orientierung dienten, war es wohl der Aufbruch, sowohl in der Gesellschaft, als auch damit einhergehend innerhalb der Künste, der ihn bestimmte. Für den jungen, vom Jazz begeisterten und von der Literatur beeindruckten Künstler war Graz ein guter Ort. Junge, aufstrebende Kräfte machten es möglich, dass 1960 ein Zentrum der Avantgarde eröffnet werden konnte – das Forum Stadtpark. Herms Fritz war von Beginn an in diesem Um eld tätig und p egte Freundscha ten, im Rahmen derer es zu Zusammenarbeiten und gegenseitigen Inspirationen kam. In der bildenden Kunst waren es Künstler wie Günter Waldorf, Peter Gerwin Hoffman oder Branko Lenart, die seinen Weg gekreuzt haben. In dieser von ungestümer Jugend und Innovationsdrang bestimmten Atmosphäre waren Entwicklungen möglich, die bestimmend wurden.

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In seinen Kunstwerken der damaligen Zeit beschäftigte sich Herms Fritz berwiegend mit grafischen isziplinen wie der Zeichnung oder manchmal dem Siebdruck. Es handelte sich dabei meist um Portraits, surreale Verbindungen zwischen Organischem und Floralem und puppenartigen Figuren. Teilweise pornografische Anklänge waren dabei nicht selten. Etwas später, 1972, entstand eine aus zwölf Bleistiftzeichnungen bestehende Serie mit dem Titel «Untersteirischer Kirta». Nach den «Styrians», einer Fotoserie des Fotografen Branko Lenart, zeichnete Herms Fritz hier Typen aus dem südsteiri südsteiri-schen auerntum. r isolierte die inzelfiguren bzw. Klein Klein-gruppen und stellte sie wie ausgeschnitten auf das weiße Blatt – oft an den Bildrand oder klein auf das sehr geräumige Weiß des Zeichenblattes.

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selbstver, als der omputer r die Kunst schon längst selbstver ständlich geworden ist, entsteht ein eindrucksvolles Buchkunstwerk von Herms Fritz: «Ein Tanz in der Zelle». Ein Raster von neun leeren Flächen steht dabei jeweils auf der linken Seite, während rechts eine Gestaltung aus den Grundfarben Rot, Blau, Gelb sowie Schwarz und Weiß steht. Durch unterschiedliches Ausnützen der neun Felder auf der rechten Seite entstehen so unzählige Gestaltungen. Somit wird rasch klar: neun ist nicht gleich neun und innerhalb von neun Feldern sind fast unendlich viele Gestaltungsformen möglich. Fritz hat diese Methode in der Folge auch auf seine Gebrauchsgrafik angewandt.

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Wenn man bedenkt, dass Herms Fritz seit langer Zeit ein eminenter Lehrer ist, so kann man einen erneuten Bezug zu seiner Mehrfachbegabung herstellen. Die Vielfalt im künstlerischen Schaffen von Herms Fritz ist, wie man gesehen hat, sehr weitläufig. an begegnet ihm sogar täglich in der au lagenstärksten steirischen Tageszeitung. Das Wetterpiktogramm auf Seite eins der „Kleinen“ ist für viele Menschen – nicht nur für Landwirte und Touristiker – ein wichtiger Start in den Tag. Seit Beginn der 1990er Jahre sind diese Bildchen, denen niemand eine kreative Hand im Hintergrund zuschreibt, weil sie «einfach da sind», Teil unserer visuellen Kultur. Resümierend und grundsätzlich kann man zum künstlerischen Werk von Herms Fritz mit Walter Titz enden: «Wenn er die Sonne scheinen lässt, kann es schütten, so viel es will.» •


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«AUS EINER SYMPATHISCH-VERSCHLAFENEN STADT AN DER GRENZE ZU DEN LÄNDERN IM EHEMALIGEN OSTBLOCK IST EINE JUNGE DYNAMISCHE METROPOLE IM HERZEN EUROPAS GEWORDEN.» Das Bild der Stadt Graz hat sich in den letzten 3 Jahrzehnten ganz deutlich gewandelt. Aus einer sympathisch-verschlafenen Stadt an der Grenze zu den Ländern im ehemaligen Ostblock ist eine junge dynamische Metropole im Herzen Europas geworden. Eine Kreativstadt noch dazu, die augrund ihrer Ausbildungsmöglichkeiten und ihres offenen Klimas als Universitätsstadt für junge, urbane Menschen besonders attraktiv ist. Das Thema Design ist mit Sicherheit auch mitverantwortlich dafür, dass Graz nunmehr tatsächlich als attraktiver Ort unter den Kreativ-Metropolen gehandelt wird. Die Auszeichnung als UNESCO City of Design, die Graz im Jahr 2011 entgegennehmen durfte, ist ein sichtbares Ergebnis dieser erfreulichen Entwicklung.

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Beim Titel allein kann es jedoch nicht bleiben: Als politische erantwortliche der Stadt Graz m ssen wir iele definieren, die diesen Titel auch in messbare Ergebnisse ummünzen. Möglichkeiten gibt es viele – und genau das ist ein interessanter Aspekt von Design. Wir sind gefordert, Entwicklungen in jenen Bereichen zu fördern, die insgesamt die Lebensqualität steigern, sei es im Sozialbereich oder im Umweltbereich. Denn Design heißt nicht nur, hübsche Produkte herzustellen, sondern Serviceleistungen zu entwickeln – also zu designen –, die positive Auswirkungen auf die Stadt und ihre «Benutzerober äche haben. Der Designmonat leistet dabei eine wichtige Arbeit, indem er diese Entwicklungen komprimiert und in geballter Form für alle Menschen in der Stadt inszeniert. Nachhaltigkeit ist einer der Schwerpunkte im diesjährigen Programm, und anhand von Programmpunkten wie zum Beispiel der Ausstellung SELECTED: Sustainable Design lässt sich sehr gut zeigen, wie dieser in ationär verwendete egri wieder mit konkreten Inhalten gefüllt werden kann.

Lisa Rücker Vizebürgermeisterin der Stadt Graz

LISA RÜCKER, © J.J. KUCEK

KOMMENTAR 3/3

Freuen Sie sich auf zahlreiche weitere interessante Veranstaltungen und genießen Sie den Designmonat 2012!


LET’S DATE PEPE! 5

TAG E ,

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DESIGNERLABELS.

V E R S A M M E LT

DESIGNER

ZUM

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EINE DER

HOC H K A R ÄTIG E

WICHTIGSTEN

NACHHALTIGKEIT

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GRAZ.

V E R A N S TA L-

EUROPÄISCHEN SELECTED:

IST

NICHT NUR DESIGN-AUSSTELLUNG, SONDERN INTERAKTIVES FORUM, DE S IG N E R M E ETI NG U N D S PE E D DATI NG M IT PE PE H E Y KOOP & CO. TEXT: WOLFGANG SCHOBER

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PEPECHANDELIER, © PEPE HEYKOOP

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Stellen wir uns vor, wir sitzen bei der Millionenshow! Sagen folgreich. Mit seinen Kunstwerken stattet er Louis-Vuittonwir beim Jauch. «Wie lautet noch mal die Frage?», fragen wir. Filialen auf der ganzen Welt aus.» Ein anderer Designer, der Ach ja: Was ist nachhaltiges Design? A: Nachhaltiges Design soziale und technische Komponenten der Produktgestalist das, was am 22. Dezember übrig bleibt, wenn die Mayas tung zu kombinieren weiß, kommt aus Holland und nennt doch Recht behalten? Oder B: Nachhaltiges Design ist, sich Pepe Heykoop. Mit seiner Arbeit «Skins» bringt er eine wenn ein Ikea-Regal trotz Selberschraubens nach drei Stun- faszinierende Leistungsschau zum Thema Leder-Recycling den immer noch steht? Oder C: Nachhaltiges Design ist alles, mit nach Graz. Heykoop nutzt Reststücke der Lederindustrie was ästhetisch einem Jutesack für die eigenen vier Wän- aus Indien, um ausrangierte Möbelstücke in seiner Heimat de gleichkommt Wir sch tkunstvoll upzugraden. «Ein teln dreimal heftig den Kopf beeindruckendes Beispiel, wie und entscheiden uns r . zwei tote Werkstoffe verbunUnd das ist richtig! Nachhalden werden, um daraus ein tiges Design ist nämlich das, neues Objekt zu schaf fen», was wir vom 4. bis 8. Mai dieso Holzer. Teile der Einnahses Jahres in der designHalle men aus den Verkäufen Heyerleben werden. In einer Leiskoops finanzieren übrigens tungsschau, die dem mittlereine indische Schule, die Kinweile halbtot gedroschenen der jener Erwachsenen besuBegriff Nachhaltigkeit ebenchen, die in der indischen so Frischluft zufächelt, wie es Leder-Industrie beschäftigt den nicht minder strapaziersind. Nachhaltiger lässt sich ten Design-Begriff auf beein Kreislauf wohl nicht begreifbare Weise reanimiert. schreiben. Ebenfalls aus HolSELECTED: nennt sich die land nach Graz reist das Topumfangreiche Schau, die ArLabel «Vij5» und präsentiert beiten von renommierten das Aufsehen erregende ProDas SELECTED: Organisationsteam europäischen Designerlabels jekt Paperwood. Das Recylinks: Claudia Wiegele (Unternehmensberain Graz versammelt und den tung Kreativwirtschaft), rechts: Alexa Holzer cling von Papierabfällen zählt Sustainable-Design-Ansatz zu seiner Domäne. Der logi(Designconsulting, Designscout, Laden21) in seinen unterschiedlichsten sche Materialwerdungs-ProVarianten abbildet. «Es geht um das Material, aber auch die zess steht hier Kopf, wenn aus Papier wieder Holz gemacht Fertigungsverfahren, um Abfallvermeidung sowie -verwer- wird. Der äußerst innovative Werkstoff Paperwood funtung, um Re- und Upcycling und um das Soziale und Faire giert in diesem Zusammenhang als ästhetisches Ausgangsdes Produktionsprozesses», erklären die Organisatoren Ale- material für einzigartige Möbel. xa Holzer und Claudia Wiegele. «Kurz, es geht um das Thema Nachhaltigkeit in allen imensionen des esigns. «Wir wollen der heimischen Szene mit dieser Schau zeigen, was man alles mit regionalen Ressourcen umsetzen kann, Wer jetzt an betuliche Hinterhofbasteleien oder an gut ge- ohne auf eine große Industrie dahinter zurückgreifen zu müsmeinte Nespresso-Kapseln-Lampenschirme denkt, sei ge- sen», erklärt Wiegele. Weitere Beispiele dafür sind das italiwarnt: SELECTED: ist weder «öko» im Schlapfen-Sinn noch enische Label A4A, die ihre unverwechselbaren Objekte aus «trash» oder «selbstgemacht mit Schleife dran», sondern eine Transportkarton – Wegwerfprodukte der Logistik – herstelerstklassige Auswahl internationaler esignspitzenleistun- len, und Amy Hunting, die Gewinnerin des Green Design gen, am Puls der Zeit und – auch das mag überraschen – Awards , die aus Ab ällen der Holzindustrie ormal ausmarktmäßig höchst erfolgreich. Tief in ihre Kontakttrickkiste drucksstarke Möbel wie etwa ihr Erfolgsmodell «bookshelf» griff Alexa Holzer, Designscout aus Graz, um die hoch de- erschafft. Auch heimische Top-Designer werden an der korierten Designer aus halb Europa in die steirische Landes- Ausstellung teilnehmen und ihre Arbeiten präsentieren. Nehauptstadt zu lotsen. Designer Labels, die ansonsten vorwie- ben dem experimentellen Zugang von dem Wiener Label gend Branchen-Hotspots wie die Mailänder Messe oder Art mischer traxler und dem esigner Robert R mit seiner puBasel frequentieren. Dazu zählt etwa der deutsche High- ristischen Neuinterpretation des Biedermeier liefert der GraEnd-Teppich-Produzent Jan Kath. Mit seiner Serie «Tagged» zer Lokalmatador Thomas Maitz einen der spannendsten wurde er zum innovativsten esigner des ahres gek rt. Ansätze. Maitz, seit Jahren mit seinem Kindermöbel-Label Seine Teppiche lässt er in Nepal knüpfen – freilich zu fairen perludi erfolgreich am Markt, zeigt sein jüngstes Modell Löhnen! Der Deutsche ist auch Kooperationspartner der «Caspar», einen aufs Wesentliche reduzierten Tisch aus masbekannten Fair Trade Organisation Label STEP, das sich sivem Fichtenholz in unverkennbarer perludi-Stilistik. «Masfür soziale und ökologische Produktionsbedingungen in sivholz hat um ein Vielfaches niedrigere CO 2 -Werte als den Teppichherkunftsländern engagiert. «Jan Kath ist aber Sperrholz», erklärt Maitz. Dazu kommt das geringe Transnicht nur Vertreter der sozialen Dimension von Nachhaltig- portgewicht, der Verzicht auf Lacke und andere Problemstofkeit», erklärt Holzer, «sondern auch wirtschaftlich sehr er- fe, die Verwendung eines rasch nachwachsenden Rohstoffs

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Titelbild: Pepe Heykoop, Ausstellung «Skins», pepeheykoop.nl 2 – Jan Kath, Ausstellung «Tagged», jan-kath.de 3 – Jo Meesters, Ausstellung «Odds & Ends», jomeesters.nl

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3 SELECTED: SUSTAINABLE DESIGN FÜNFTÄGIGE VERANSTALTUNGSREIHE, BEI DER 12 EUROPÄISCHE TOP-DESIGNER-LABELS ARBEITEN IM KONTEXT DER NACHHALTIGKEIT PRÄSENTIEREN, DIE AUSSTELLUNG SOLL GLEICHZEITIG PLATTFORM FÜR EXPERTEN UND DESIGN-INTERESSIERTE SEIN. HIGHLIGHTS DESIGNER-BRUNCH UND DESIGNER-MEETINGS, WORKSHOP, MATERIAL DAY �. — �. Mai, eröffnung �. Mai, ��.�� UHR DESIGNHALLE

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LINKS: CLAUDIA WIEGELE, ALEXA HOLZER, © JASMIN SCHULLER; RECHTS: MAKERUGSNOTWAR, © LARS LANGEMEIER; LYCOPERDON PYRIFORME, © MARIËLLE LEENDERS

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aus Europa und vor allem die ungewöhnlich lange Nutzungs- angelegt, als Reise für Besucher von der Inspiration und dauer des Kindermöbels. «Die Tischbeine sind höhenver- Konzeption über die experimentellen Phasen bis zum fertistellbar – das heißt, unser Tisch wächst mit den Kindern mit, gen Produkt. Schon der erste Tag der Veranstaltungsreihe von ganz klein bis ganz groß. Die Kautschukringe zum Hö- ermöglicht den direkten Kontakt mit den Designern, die henverstellen sind übrigens das Einzige, was dabei nicht aus ihre Produkte und Ansätze, gerne auch in Einzelgesprächen, Holz ist», berichtet Maitz. Unterm Strich: bestechend klares präsentieren. Ein Designer-Brunch und Designer-Meetings Design und ein ökologischer Fußabdruck im Niedrigstbe- – in der Form eines Speed Datings – vertiefen den Austausch reich. Sein Design als nachhaltig zu bezeichnen, fällt Maitz am zweiten Tag. «Das Ziel zu Beginn lautet Begeisterung zu allerdings schwer. «Leider ist der Begriff Nachhaltigkeit schaffen für das Thema», betont Wiegele. Am dritten Tag durch seine in ationäre erwendung in den letzten ahren haben Interessierte nach Anmeldung die Chance, im Rahschon sehr abgestumpft. Auch Industriebetriebe, die oft sehr men eines Workshops des steirischen Designtischlers Gewenig mit dem Thema zu tun haben, sind längst auf den Zug org Mähring tief in den Prozess der Gestaltung von Produkaufgesprungen.» Eine Entwicklung, die auch Alexa Holzer ten eintauchen zu können. und Claudia Wiegele beobachten. «Umso wichtiger ist es, den Begriff nicht den Marketingabteilungen großer Konzer- Der vierte Tag schließlich richtet sich ausschließlich an ein ne zu überlassen», sind sie sich einig. Ist nachhaltiges Design Fachpublikum. Der Material Day bringt Materialhersteller ein Modetrend? «Es liegt sicher im Trend», bestätigt Holzer, wie Organoid Technologies oder Naporo, heimische F&E«aber was noch wichtiger ist, es ist bei vielen Designern längst Einrichtungen und Netzwerkorganisationen wie das Innolab zur Gesinnung geworden. Und das ist schließlich nachhalti- oder die Creative Industries Styria zusammen. Ziel ist es hier, ger als ein Trend.» Claudia Wiegele, selbstständige Unter- das wichtige Verständnis zwischen Designern und Materialnehmensberaterin im Bereich der Kreativwirtschaft: «Bei sehr herstellern zu vertiefen. «Zum einen haben Materialhersteller vielen Designern sind ökologische und soziale Fragen mitt- Werkstoffe mit hervorragenden Eigenschaften, es fehlt jelerweile immanenter Bestandteil des gesamten Produktent- doch an der Umsetzung in konkrete Produkte, auf der andewicklungsprozesses. Das heißt Auswirkungen auf Umwelt ren Seite sind Designer stets auf der Suche nach neuen Maund Gesellschaft werden vom Designer in jeder Phase der terialien», erklärt Wiegele. Passend zum Konzept präsentiert Planung und Gestaltung schon mitgedacht.» sich übrigens auch die Ausstellungsarchitektur: ausgesprochen nachhaltig. «Wir setzen auf eine unaufgeregte InszeNachhaltigkeit ist nicht nur Thema der Veranstaltung, nach- nierung, in der die Objekte der Designer im Mittelpunkt haltig soll sie auch wirken, betonen die Organisatoren. Dass stehen und miteinander in Wechselwirkung treten sollen», SELECTED: sustainable Design weit mehr als eine Design- verrät Alexa Holzer. «Daher werden wir keine Ressourcen Ausstellung ist, macht ohnehin der nähere Blick auf das verbrauchen, sondern auf Materialien zurückgreifen, die beFünftage-Programm klar. «Wichtig war uns von Anfang an, reits existieren und die sich nach der Ausstellung auch wienicht bloß eine platte Ausstellung zu machen», so Holzer. der rückstandsfrei abbauen lassen.» So weit, so stimmig. «Wir treten mit dem Ziel an, der nationalen Szene einen Im- Und ein Indiz, dass auch Antwort D – auf unsere Eingangspuls zu geben! Was sich wiederum nur über Schaffende frage – stimmt. D wie Design, sustainable Design. Auf den selbst kommunizieren lässt.» Als interaktive und kreative Punkt gebracht in Graz Anfang Mai dieses Jahres. • Plattform für Interessierte und Designer ist SELECTED:


4 – A4A Designer, Ausstellung Werkschau, a4adesign.it 5 – Ett La Benn, Ausstellung «Kami», ettlabenn.com 6 – Amy Hunting, Ausstellung «Patchwork», amyhunting.com 7 – Vij5, Jo Meesters, Ausstellung «Paperwood», vij5.nl 8 – Thomas Maitz, Ausstellung «Caspar», perludi.com

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9 9¡–¡mischer'traxler, Ausstellung «Motte», mischertraxler.com 10¡–¡Vandasye, Ausstellung «Coatrack & Stool», vandasye.com

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LINKS: BOOKSTACK100, © A4ADESIGN; KAMI POTS, © ETT LA BENN; RECHTS: BLOCKSHELF, © AMY HUNTING; NEWSPAPERWOOD, © VIJ5; AMBER GESCHNÜRT, © MARTIN PABIS; LIMITED FUNGI, © RENE VAN DER HULST; COATRACK, © RAIMO RUDI RUMPLER

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LINKS: RIOF, © GEORG SCHEICHER; TISCH ROBERT RÜF, © MICHAEL STELZHAMMER

11 – Riof, Ausstellung «Watzmann», riof.at 12 – Robert Rüf, Ausstellung «Hello Biedermeier», robertruef.com

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SKIN–— MATERIAL FUTURE SKIN 1/6

NIEDER MIT DEM EISERNEN VORHANG ZWISCHEN DESIGNERN UND MATERIALENTWICKLERN!


Sitzmöbel aus Weizenkleie, frei formbare Wandelemente aus Schilf, biegsame Holzplatten oder mit Sonnenkraft produzierte Lampenschirme: durch neue Verfahren und Materialinnovationen eröffnen sich Designern und Architekten ungeahnte Gestaltungsmöglichkeiten. Diese aufzuzeigen sowie Entwickler und Gestalter unterschiedlicher Disziplinen zu vernetzen, hat sich die Plattform «SKIN – Future Materials» zur Aufgabe gemacht. Sie gibt mit einer Ausstellung im Designmonat Graz erstmals Einblick in Erfolg versprechende Kooperationen – und motiviert junge wie arrivierte Designer, an Bord zu kommen.

AUSSTELLUNG BLICKT IN DIE MATERIALZU-

Mit der Ausstellung «SKIN – Material Future» tritt das Team von SKIN im Rahmen des Designmonats Graz erstmals an die Öffentlichkeit. Von 28. April bis 27. Mai 2012 zeigt die Schau in der designHalle am Lazarettgürtel auf, welche Optionen Designern dank des gebündelten Knowhows aus Forschung, Materialentwicklung und Produktion schon heute offen stehen. Anhand von Best-Practice-Beispielen stellt SKIN – Material Future Materialinnovationen und die auf ihnen basierenden Designlösungen vor. Der Fokus liegt dabei weniger au dem finalen Produkt als au den Innovationen und Prozessen dahinter. Diese sind im Übrigen dazu angetan, die Genregrenzen zwischen klassischem Produktdesign und anderen Sparten zu ver ssigen. Die freie Formbarkeit von Materialien stellt etwa klassische Grafiker vor die reizvolle Au gabe, dreidimensionale berächendesigns zu konzipieren bzw. Produktwelten r ihre Gestaltungsideen zu entwerfen. KUNFT

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Klingt nachvollziehbar, entpuppt sich in der Praxis aber als eine herausfordernde Vermittlungsarbeit. Denn der ThinkTank SKIN – Future Materials ist nicht bloß ein Stelldichein benachbarter Branchen, hier treffen einander fremde Expertenkulturen zusammen. «Produktentwickler ticken anders als Designer. Das liegt an unterschiedlichen Ausbildungswegen und an den abgegrenzten Szenen, in denen sich beide Gruppen bewegen. Mit SKIN wollen wir den eisernen Vorhang zwischen ihnen einreißen. Je früher Materialentwickler und Designer in ihren jeweiligen Forschungsbzw. Gestaltungsprozessen die Kompetenzen der anderen Seite berücksichtigen, umso eher dürfen wir auf marktfähige Innovationen hoffen», ist Alexander Szadeczky überzeugt.

LINKS: © NOFRONTIERE

Highlight der Schau sind die bereits Produkt gewordenen Materialinnovationen des mit SKIN kooperierenden Tiroler Unternehmens Organoid Technologies (www.organoids.at). Die Jungunternehmer Martin Jehart und Christoph Egger haben ein Verfahren entwickelt, das fein gemahlene, biogene Materialien (z. B. Gräser, Schilf, Biofasern, Holzabfälle etc.) zusammen mit natürlichem Bindemittel auf individuell gestaltbare Formen aufspritzt und mittels einer Ballon-Vakuumtechnik aushärten lässt.

Die geistigen Anfänge der Organoid Technologies reichen zur ck ins ahr , als artin ehart und sein -k pfiges Team des Unternehmens AirGator mit der Entwicklung aufblasbarer Richtungstore für die Flugveranstaltungen des Red Bull Air Race beauftragt wurden. Sieben Jahre Forschung und Entwicklung führten vom ersten Prototypen aus aufblasbarem Latex bis zur High-End-Variante eines 20 Meter hohen, computergesteuerten sowie halbautomatischen Pylons, der bis zu einer Windstärke von 75 km/h stabil ist und beim Au prall mit einem Renn ugzeug zerplatzt, ohne dieses zu beschädigen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse rund um die Herstellung aufblasbarer Objekte haben Martin Jehart und Christoph Egger dazu bewogen, ihr Know-how in andere Bereiche der Materialentwicklung einzubringen. Das besondere Augenmerk der 2011 gegründeten Organoid Technologies gilt dabei umweltfreundlichen, nachhaltigen und kostengünstigen Lösungen auf Basis nachwachsender Rohstoffe.

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Dank einer Förderung durch das Kreativwirtschaftsprogramm impulse LEAD der austria wirtschaftsservice (aws) kann SKIN – Future Materials den Bogen vom interdisziplinären Austausch unter wissenschaftlicher Begleitung bis zur Entwicklung konkreter Produkte, zum Bau serienfähiger Prototypen und bis zur Vermarktung und Kommunikation spannen. Dabei wendet sich SKIN – Future Materials nicht nur an arrivierte Gestalter und Produktentwickler. Jungen Designern am Beginn ihrer Karriere bietet die Plattform tragfähige interdisziplinäre Netzwerke und ein chancenreiches, hoch innovatives Betätigungsfeld, in dem frische Ideen und der Mut zum ExpeJUNGDESIGNER WILLKOMMEN!

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«Die gestalterische Neu- und Weiterentwicklung von Produkten und Objekten, seien es Möbelstücke, Verpackungen oder gesamte Gebäude, werden wesentlich bestimmt durch die Eigenschaften der verwendeten Materialien», sagt Alexander Szadeczky, Geschäftsführer des Wiener Kreativbüros Nofrontiere Design. «Leider wissen Designer viel zu wenig über Innovationen im Sektor Material- und Verfahrensforschung und -entwicklung. Den Produktentwicklern wiederum fehlt es an zündenden Ideen, wie sie ihre neuen Werkstoffe in nachgefragte Produkte verwandeln können», so Szadeczky. Genau an diesem Punkt setzt die Vernetzungs- und Kommunikationsplattform SKIN – Future Materials an, hinter der Nofrontiere Design als treibende Kraft steckt. SKIN – Future Materials will die Innovationen der Materialforschung aufzeigen und die Menschen dahinter mit esignern, Architekten, Grafikern, ultimediaund Textilspezialisten sowie mit produzierenden Unternehmen, PR- und auch Marketingfachleuten zusammenführen. «SKIN soll ein Katalysator sein, der den Beteiligten hilft, aus neuen Materialien, Verfahren und Ideen marktfähige, unser aller Leben bereichernde Lösungen zu entwickeln», erläutert Alexander Szadeczky.

riment gefragt sind. Materialentwicklern und Werkstoffwissenschaftlern will SKIN – Future Materials die Gestaltungs- und Marktpotenziale ihrer eigenen Tüftelarbeit aufzeigen. Alexander Szadeczky an deren Adresse: «Ihr habt die L sungen, SKIN findet die passenden Probleme inen Überblick über aktuelle Entwicklungsprojekte sowie Kontaktdaten finden sich unter www.skin- uturematerials.com.

Bei der Renovierung eines alten Bauernhauses im Tiroler Pitztal wurde Martin Jehart erstmals mit den Einschränkungen herkömmlicher Formgebung konfrontiert. Organisch geformte Rundungen, zum Beispiel bei Fenster- und Türlai-


bungen sind zwar technisch machbar, allerdings weder kostengünstig, geschweige denn mit herkömmlichen Materialien und Werkzeugen. Zahlreiche Designer und Architekten stehen vor ähnlichen Herausforderungen. So lassen sich frei geformte Objekte oder Gebäudeteile mit der RippenSpanten-Bauweise oder anderen Tragwerkskonstruktionen nur bei hoch budgetierten Prestigeprojekten realisieren. Das patentierte organoide® Fertigungsverfahren schafft Abhilfe. Es ermöglicht erstmals die kostengünstige Herstellung zweifach gekrümmter Freiformen und Gebäudeteile. Dass der umweltfreundliche Fertigungsprozess auf vor Ort verfügbaren Naturstoffen basiert und die Produkte am Ende ihres Lebenszyklus ohne Rückstände kompostiert werden können, fügt dem wachsenden Anspruch an «Green Design» ein nicht zu unterschätzendes Aktionsfeld hinzu. Beispiele dafür sind die von Nofrontiere und Organoid Technologies im Rahmen von SKIN – Material Future gemeinsam kreierten Sitzmöbel. Der Poef «IOYO» ist ein hoch attraktives Loungemöbel, das zeitgemäßes Design made in Vienna mit innovativer Fertigungstechnologie aus dem Tiroler Pitztal vereint – und im Rahmen des Designmonats Graz erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird. IOYO besteht zu 100 % aus «Walder Opa», einer Mischung aus Fichtenhackschnitzeln und Baumrinde, die ihren klingenden Namen dem Großvater eines der Entwickler zu verdanken hat. Als universell einsetzbares Möbelstück markiert IOYO den Gestaltungsschritt vom stylishen Wohn- und Büroumfeld hin zu Raumdesign und Architektur. Mit dem organoiden® Verfahren gelingt nämlich auch die Fertigung gro er Frei orm ächen und Raumstrukturen in individueller Serienproduktion. Die Rohstoffe sind zu 100 % regional verfügbar, da jedes biogene Material organoide®-tauglich ist. Ein minimaler ökologischer Fußabdruck erzeugt großen wirtschaftlichen Nutzen.

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OPA UND DER IOYO EFFEKT

Der IOYO ist nur eine von vielen im Rahmen der Ausstellung SKIN – Material Future präsentierten Designlösungen, die sich Innovationen der Materialentwicklung verdanken. Jólan van der Weil, ein 26-jähriger Designer aus den Niederlanden, nutzt Schwerkraft und Magnetfelder für die individuelle Formgebung seiner «Gravity Stools» aus Kunststoff (jolanvanderwiel.nl). Wer hingegen auf dem «Flaxx Chair» des Österreichers Martin Mostböck Platz nimmt, sitzt auf gepressten Flachsmatten und genießt die Eleganz eines frei schwingenden Sitzmöbels kombiniert mit vierbeiniger Sesselsicherheit. Von der Designschmiede Zieta Prozessdesign (www.zieta.pl) stammt das Verfahren FiDU. Das Akronym steht für «Freie innen Druck Umformung»: Zwei dünne, miteinander verschweißte Bleche werden mit Luft aufgeblasen und so in ein dreidimensionales, stabiles Objekt geformt. Die heimischen Jungdesigner Patrick Rampelotto und Fritz Pernkop zeichnen r den Stuhl Pilot mit einer Sitz äche aus 3-D-Polypropylen in Sandwichbauweise verantwortlich. Inspiration und die Infrastruktur für den Prototypenbau steuerte das oberösterreichische Unternehmen Hammerschmid Maschinenbau bei. Diese produziert den einzig bekannten frei schäumbaren und lichtdurchlässigen Kunststoff.

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«Mithilfe von SKIN – Future Materials ist es uns gelungen, unsere Materialinnovationen anhand konkreter Produkte kommunizierbar zu machen. Ich bin überzeugt, dass die

Arbeitsprozess IOYO

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Netzwerke dieser Plattform dazu beitragen, unserer Lösungskompetenz internationale Nachfrage zu verschaffen – sowohl von Designern als auch von Endkunden», sagt Martin Jehart, Geschäftsführer und Technical Director von Organoid Technologies.

SKIN – Material Future ist als modulare Wanderausstellung konzipiert und wird nach dem Designmonat Graz u. a. in den Designforen Wien und Vorarlberg sowie im Netzwerk der UNESCO Cities of Design gastieren, z. B. in Buenos Aires und Shanghai. Im Rahmen des Grazer Gastspiels gibt der «Material Day» am 7. Mai 2012 in der designHalle angehenden wie arrivierten Designern, Produktentwicklern, Verfahrenstechnikern und allen Interessierten Gelegenheit zu Information, Wissensvertiefung und Vernetzung. •


RECHTS: ALEXANDER SZADECZKY, © MARION LUTTENBERGER

SKIN 4/6

Alexander Szadeczky Geschäftsführer des Wiener Kreativbüros «Nofrontiere Design» nofrontiere.com

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SKIN – MATERIAL FUTURE ERÖFFNUNG FR, � . APRIL, ��.�� UHR DAUER ��. APRIL — � . MAI MATERIAL DAY MO, . MAI, AB ��.�� UHR DESIGNHALLE SKIN-FUTUREMATERIALS.COM

MATERIAL DAY

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Meetings, Workshops, Panels, Speed Datings Gemeinsam mit der Ausstellung «SELECTED: sustainable design», die im Rahmen des Grazer Designmonats ebenfalls in der designHalle zu sehen ist, lädt SKIN Designer, Architekten, Studierende sowie alle Interessierten zum «Material Day». Dessen Vermittlungs- und Vernetzungsprogramm bietet allen Interessierten Gelegenheit, sich über neue Entwicklungen im Bereich nachhaltige Materialien und Herstellungsverfahren zu informieren. Der Mix aus Präsentationen von Best-Practice-Beispielen und Einzelgesprächen mit Wissenschaftlern und Entwicklern sorgt für einen maßgeschneiderten Know-how-Transfer und zeichnet die Genesis von der Materialinnovation bis hin zum fertigen, vermarktbaren Produkt nach.

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Fachexperten von Universitäten und Fachhochschulen, die innovative Material- und Produktentwicklungen durch ihre Forschungstätigkeit vorantreiben können, sowie Vertreter von Netzwerkorganisationen, die Produktentwicklungen technisch und wirtschaftlich unterstützen, sind beim Material Day ebenfalls herzlich willkommen.


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RECHTS: JÓLAN VAN DER WIEL, © ZIETA

1 – Gravity Stools, Jólan van der Wiel (NL), jolanvanderwiel.nl 2 – Plopp Family, Zieta Prozessdesign (PL), zieta.pl

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CITYBOOKS GRAZ. DIE STADT SCHREIBEN, SEHEN, HÖREN. DI E S TA DT A L S B UCH? WA RUM N ICHT! DA S LE B E N I S T E I N E G ROS S E E R Z Ä H LU NG , DI E S TA DT IST ES AUCH. SIE IST EIN DICHTES SOZIALES NETZ, GEWOBEN VON DEN MENSCHEN, DIE DORT WOHNEN, MIT IHREN LEBENSENTWÜRFEN, LEBENSEMPFINDUNGEN UND GESCHICHTEN. TEXT: DORIS LIND

Wenn wir durch die Stadt gehen, tragen wir unsere Geschichten mit. Tagtäglich. Immer wieder. Sie umgeben uns wie ein organisches Fluidum, das hier und dort hängen bleibt, in den Straßen und an den Wänden, überall dort, wo wir uns bewegen. Unsere Geschichten treffen auf andere, Austausch passiert, Reibung entsteht.

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citybooks, ein EU-Projekt, an dem ausgewählte europäische Städte teilnehmen und das von Luise Kloos vom next-Verein für zeitgenössische Kunst auch nach Graz geholt wurde, spürt genau diesem Energiefluss nach. Es begreift die Stadt als eine Sammlung von Erzählungen und schafft über einen literarischen und künstlerischen Zugang sehr persönliche Stadtporträts. citybooks macht reisen ohne zu reisen möglich und damit auch Europa als großes Ganzes erlebbar. «Es geht um die Vernetzung von Lebenssituationen einer Stadt mit anderen in Europa», erzählt Luise Kloos, «aber auch um die Vernetzung von kulturellen Disziplinen und Medien.» Read, listen, watch: «Über diese drei Zugänge», erzählt sie weiter, «werden alle teilnehmenden Städte ausgelotet. Wie bei einem Buch wird auch die Stadt Seite für Seite entblättert und so wie jede Leserin und jeder Leser einen anderen Zugang zum selben Buch findet, so ist es auch bei den citybooks, wo Menschen aus unterschiedlichen Perspektiven Stadtvermessung betreiben und damit auch gleichzeitig Graz stärker in das internationale Rampenlicht rücken.» ERÖFFNUNG «CITY-ONE-MINUTES» IM RAHMEN VON CITYBOOKS GRAZ fr, ��. Mai, ��.�� uHr DESIGNHALLE

��. Mai — ��. Mai TäglicH von ��.�� bis ��.�� uHr DIE FOTOS VON LEA TITZ UND ALLE LITERARISCHEN STADTPORTRÄTS IN VIER SPRACHEN AUF CITY-BOOKS.EU

M I L E N A M I C H I K O F L A Š A R Milena Michiko Flašar aus Österreich geht mit ihrem eindringlichen Text an den Ursprung, die legendenumwobene Quelle in Andritz. Und obwohl hier, am Anfang der Welt, wie einer ihrer Protagonisten sagt, alles zusammen kommt, trägt der Text den Titel «Leb wohl». Erzählt wird aus dem Blickwinkel eines Mädchens, das zur Frau wird und die Stadt als Ort des Vergänglichen erlebt. So wie sie im Leben erfährt, dass nichts so bleibt, wie es ist, so verändert sich auch die Stadt: Graz, in der Wahrnehmung zunächst eine ungemein große Stadt, wird kleiner und kleiner, je größer das Mädchen wird, ist schließlich nur mehr ein Punkt auf der Landkarte, bis sie sich am Ende wieder mit voller Wucht als Ursprung ihres Menschseins in das Leben der Ich-Erzählerin drängt.

CITYBOOKS 1/2

DAUER

Der Schwerpunkt von citybooks liegt auf der Literatur. 5 Autorinnen und Autoren aus Österreich, den Niederlanden und Belgien machen sich in Graz auf Stadtsuche und entdecken jeweils etwas ganz anderes:


Eine visuelle Klammer zwischen den literarischen Stadtwahrnehmungen schafft Lea Titz mit ihren 10 Grazbildern, die zwischen FotoAusblenden des Anderen, wie sie es selbst be-

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nen Stadtsplitter offenbaren sehr persönliche -

CITYBOOKS 2/2

welcher der österreichische Komponist GerDas sind die citybooks. Was aber ist Graz? Finden Sie es heraus. Lassen Sie sich treiben. Bleiben sie offen. Wie sagt Lea Titz: «Es ist groß! Es ist klein! Es muss wohl verschiedene geben. Graze.» •

O N N O K O S T E R S «Schwerkraft und Gegengewicht» – davon erzählt der niederländische Autor Onno Kosters, der für Graz ein langes, erzählerisches Gedicht geschrieben hat. Offen ist es, heiter. Es geht um die Liebe, um das schwebende Sein, um Lebenslinien, die sich durch die Stadt schlängeln, aber auch um das Unglück, den Abschied, das Tränental. Ein Gegengewicht will g , a g .d Stadt geht er mit all ihren bekannten und weniger bekannten Plätzen ab, auf der Suche nach der Kunst, mit der es gelingt, das Herz über Wasser zu halten, wenn es , l .i w , ihm nichts passieren kann, doch gegen Ende hin holt ihn doch die Erde wieder ein, wenn ihm die Geliebte einmal mehr die Schwerkraft nimmt und den Boden entzieht. Hier in Graz? W E R N E R S C H A N D O R Eine Sängerin sucht die «Freiheit des Herzens» und Werner Schandor überprüft in seinem gleichnamigen Essay, ob Graz dafür ein guter Ort ist. Dabei begegnet er dem, was er kennt, sucht das, was ihm neu ist, wechselt die Schauplätze, schaut in die Vergangenheit und lotet die Gegenwart präzise beobachtend aus. Bei seiner Stadterkundung begegnet

er dem Grazer Bettelverbot und der großen Bücherverbrennung, den Reliquien des Buddha und dem Bruder von Napoleon, Pfarrer Glettler und einem Herzspezia.b s , Graz wünscht: Ein Herz, das tanzt. Eines, das sich gegen Maßregelungen und Marschtakte wehrt, das mal langsamer, mal schneller schlägt, das seinen Rhythmus variiert, die Gleichmäßigkeit und Enge durchbricht – ein Herz für Graz, das offen, frei und sehr lebendig ist. A N D R E A S T I F T Unregelmäßig schlägt das Herz

auch im Text «Ich lebe hier nicht» von Andrea Stift, die jeden Tag aufs Neue mit dieser Stadt Armdrücken spielt und doch ist ihr Graz so sehr ans Herz gewachsen, dass ein Schreiben über sie kaum möglich ist. Wie all das, worüber sie gern nörgelt und sich heimlich freut, in Text verwandeln? Stift geht es mit Optimismus an. Mit ihrem Liebsten marschiert sie los und sucht Orte in Graz, die sie noch nicht kennt. Er nimmt es auf sich, sie zu begleiten, sie nimmt es auf sich, über Graz zu schreiben. Da gehören kleine Bosheiten und Beschimpfungen genauso dazu, wie amüsante Vergleiche und überraschende Geständnisse. Am Ende sind es die Menschen, die für Stift die schönsten Zeiten in der Stadt ergeben. Und das Armdrücken? Das geht wieder von vorne los. SIMONE LENEARTS w w  – das ist der Text der Belgierin Simone Lenearts zu Graz, und wie ein Wimpernschlag so schnell holt der Krieg uns Menschen ein. Darum geht es im Buch, an dem sie gerade arbeitet und das sie für ihren Besuch in Graz unterbrochen hat. Ganz bewusst will sie das Thema hier nicht anfassen, frei sein. Und trotzdem oder gerade deshalb begegnet sie dem Krieg auf allen ihren Wegen in Graz. Am Ende landet sie bei einem steirischen Volksfest und beobachtet ratlos das Treiben. Unruhe befällt sie: Warum das Getue um die Heimat, wenn wir doch in der sogenannten Heimat sind? Und: Warum haben wir geschwiegen? Damals. Warum schweigen wir heute? Das fragt ihr Text. Manchmal offen, manchmal zwischen den Zeilen, immer zu Recht.


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CITYPARK 1/2

designHalle Die designHalle – das sind rund 2.000 m2 Fläche auf mehreren Ebenen. Klingt gut. Und klingt nach viel Arbeit. Denn naturgemäß hat der Zahn der Zeit an und in der Halle einiges abgenagt. Die Elektrik musste erneuert werden, ebenso die Sanitäranlagen, eine Behindertenrampe war zu errichten, um das Erdgeschoß der Halle barrierefrei zugänglich zu machen, und einiges mehr. Mit der Eröffnung des Designmonats steht nun eine Location zur Verfügung, die Platz für insgesamt 6 Ausstellungen bietet. Darüber hinaus finden 1 Vorträge und Workshops statt, und die DesignHalle fungiert zusätzlich als Treffpunkt und Festivalzentrum. ÖFFNUNGSZEITEN M

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DER HANDEL HANDELT MIT DER DESIGNHALLE GIBT DAS EINKA NICHT N

FREGENDE SPIELST

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FITIEREN KANN.

PARK DEM DESIGNM

CH, WIE DER HANDEL V

N AT N DESIGN

TEXT: STEFAN SCHWAR

Sie dürfte wohl so ziemlich jeder Grazerin und jedem Grazer bekannt sein. Und wer jemals durch Graz am schnellsten Weg von Norden nach Süden oder umgekehrt durchgefahren ist, der kommt ebenfalls nicht an ihr vorbei. Die Rede ist von jener Lagerhalle, die direkt gegenüber des Einkaufszentrums Citypark liegt. Viel hat sich dort nicht getan in den letzten Jahren. Einst war eine Spedition ansässig, seit ihrem Auszug dient die Halle ab und zu als Lager, mehr spielt sich nicht ab. Kaum vorstellbar, dass sie zu einem der pulsierendsten Einkaufszentren der Stadt gehört, getrennt nur durch eine der meistbefahrenen Straßen der Stadt. Gut sichtbar ist sie also, und das stößt durchaus auf Interesse.

B E W S S T H A N D E L N Wo aber treffen sich Design und Handel eigentlich genau? Sicherlich nicht nur dort, wo «Design» lediglich als Vorsilbe wahrgenommen wird, etwa bei Designermöbeln, Designerbrillen, Designerfashion usw. «Design kann im Handel viel bedeuten», sagt Gerhard Wohlmuth, Weinhändler und Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Steiermark. Dabei geht es aber nicht nur um Styling: «Ein hochwertiges Sortiment ist das eine. Was aber genauso wichtig ist, ist exzellentes Service.» Gestaltung meint auch Gestaltung von Serviceleistungen, also Eindrücke, die Kunden jenseits der Ware aus dem Geschäft mitnehmen. Und hier lässt sich im Handel einiges machen, gerade auch für kleine Unternehmen, die immer mehr auf das Thema Design setzen. Wohlmuth: «Wie gestalte ich mein Geschäft? Wie bestücke ich es? Wie verkaufe ich meine Produkte? – Das sind wichtige Themen, die mit Design zu tun haben.» Der Handel kämpfe ohnehin mit geringen Deckungsbeiträgen. Umso wichtiger ist es, Serviceleistungen gut durchdacht zu gestalten. Kurz gesagt: gute Produkte besseres Service = mehr Umsatz.

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R B I L D L I C H H A N D E L N Dass Kunst und Kreativwirtschaft ein gewisses Faible für die Ästhetik von ehemaligen Industrie- und Gewerbebauten haben, ist bekannt. Dass hingegen Einkaufszentren genau diese Qualitäten für sich entdecken, um so neue Wege zu gehen und ihren Kunden damit einen Mehrwert zu geben, das dürfte doch einigermaßen neu sein. Im ältesten Grazer Einkaufszentrum, das jeden Monat zwischen 500.000 und NACHHALTIG HAND E L N Da wäre freilich 550.000 Kunden und Kundinnen verzeichnet, noch etwas, das aus der hört sich das aber ganz Diskussion rund um das normal an: «Design ist Christina Poppmeier, Eigentümervertreterin Citypark Design nicht mehr wegwichtig. Als ‹Wohnzimzudenken ist: NachhalWaldemar Zelinka, Geschäftsführer Citypark mer der Stadt Graz› hatigkeit. So gestaltlos die Gerhard Wohlmuth, Obmann der Sparte Handel ben wir den Au trag, uns Grenzen der Begriffsdamit auseinanderzusetdefinition mittlerweile zen», meint Citypark-Geschäftsführer Waldemar Zelinka. auch geworden sein mögen, so gehaltvoll ist der Inhalt. Im Nur Produkte zur Verfügung zu stellen, das sei längst zu Citypark weiß man das. Und man setzt es auch um. Christiwenig, es müsse zusätzlich etwas geben, um die Menschen na Poppmeier, Eigentümervertreterin im Citypark: «Nachmit etwas Neuem, Spannendem zu konfrontieren. Und weil haltigkeit ist ein zentrales Thema bei uns. Wir haben eine der Designmonat auf der Suche nach einer Heimat war, hat eigene Nachhaltigkeitsbeauftragte im Haus und arbeiten sich das Center-Management des Cityparks kurzerhand permanent daran, L sungen zu finden, die enschen und entschlossen, die Halle zur Verfügung zu stellen. Das in- Mitarbeiter gleichermaßen glücklich machen.» Design wird haltliche Commitment gab’s als Draufgabe gleichsam dazu: dabei als Kommunikationsmittel eingesetzt, um nicht zuUN S ity o esign zu sein verp ichtet uns, auch ei- letzt diese Botschaften weiterzutragen. Und es gibt genug nen Beitrag zu leisten», so Zelinka, «wir stehen dazu und Gelegenheiten, sie wahrzunehmen zum eispiel in der designHalle, dem Citypark gegenüber. • arbeiten aktiv daran mit.» V

CITYPARK 2/2

LINKS: DESIGNHALLE, © ALEXANDER KRISCHNER; RECHTS: DESIGNHALLE, © ALEXANDER KRISCHNER; ZELINKA, POPPMEIER, © CITYPARK; WOHLMUTH, © FISCHER

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FSZENTR


FOOD DESIGN URBANE INTERVENTIONEN Kaum ein Betätigungsfeld von Designern betrifft uns so direkt bis in die Zellen unserer Körper wie das Design unserer Ernährung. Seit dem Jahr 2009 lotet die Veranstaltungsreihe Foodline daher die unterschiedlichsten Zugänge zu Food Design aus. Dieses Jahr widmen sich die Kuratoren Martin Krammer, Andreas Fabianek und Andreas Braunendal dem Thema «Urbane Interventionen».

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TEXT: ANDREAS BRAUNENDAL

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Schon 2009 wandelte die Foodline auf den kulinarischen Spuren extremer Beispiele moderner Nomaden. Heuer geht es um das Gegenteil des Nomadentums, um den in Städten und Megacities sesshaften Menschen und seinen im Gegenzug mobil gewordenen Nahrungsmitteln. Stadt prägt Lebenskultur – aber wie prägt diese Kultur unsere Ernährung und welche Zukunft hat eine Nahrungsmittelindustrie, der es aufgrund der Distanz zwischen Konsument und Produzent ein Leichtes ist, immer stärker verfremdete und manipulierte Nahrung anzubieten? Entwicklungen wie Vertical Farming, Urban Farming und natürlich auch Guerilla Gardening weisen auf eine Entwicklung hin, in der Produktion und Genuss wieder näher zueinanderrücken. In drei Veranstaltungen legt sich die Foodline mit den urbanen Strukturen der Stadt Graz an und versucht, mit Interventionen diese Strukturen zu hinterfragen, die versteckte Absurdität städtischen Lebens sichtbar zu machen und Genussräume zurückzuerobern.


FOOD DESIGN 2/6

CHRISTINE WASSERMANN Geboren 1968 in Weiz, aufgewachsen mit biologisch angebautem Gemüse und 2 heilkräuterkundigen Großmüttern. 2001 bis 2003 «celery’s the juice bar» gemeinsam mit der bildenden Künstlerin Sabina Hörtner. Schwerpunkte: Bio, regional und fair, arabischer Raum und Afrika, Mittelmeer und Balkan, Streetfood. Freischaffend als Köchin, im Küchenteam des Postgarage-Cafés seit Februar 2012.

ADI-FAD, der Design for Development of Dea a , n -o ganisation, welche die Designkultur auf sozialen, institutionellen und unternehmensbezogenen Ebenen fördert und entwickelt.

ALESSANDRO RANCATI Alessandro Rancati ist Präsident der Dirección A U R E L I O Creativa, einem Unternehmen für strategisches O B E R A S C H E R Consulting, spezialisiert auf das Generieren Geboren 1985 in Portugal, dort auf dem Land von Ideen, Design-Management und «Design aufgewachsen und seit 10 Jahren in Österreich. Thinking». Er ist aktiv in den Bereichen Busi- Er betreibt eine eigene Landwirtschaft, basieness-, Service- und Creative Innovation. Zu- rend auf biologischem Anbau. Er war bisher in sätzlich zu diesen Beratungsleistungen unter- mehreren Lokalen in Wien und in der Schweiz stützt und begleitet er innovative Projekte in beschäftigt, derzeit in Graz im Postgaragenunterschiedlichen Geschäftsbereichen, auf die Café. Interessen: Selbstversorger, Imkerei. die Prinzipien des «Design Thinking» anwendbar sind. Rancati ist auch Vizepräsident von

DESIGNVORTRAG «OH!BCN» «oh!BCN», ein Projekt aus Barcelona, ist eine «Design Thinking»-Plattform, die Emotionen, Überraschung und Begeisterung als Motor für Glück und Zufriedenheit nutzt. Eine Woche voll mit Events, Workshops und Konferenzen dient dazu, in der ganzen Stadt eine kreative Grundhaltung zu verbreiten, die es allen beteiligten Shops, Plätzen und Personen erlaubt, ihre Umgebung in eine überraschende und begeisternde Erfahrungswelt zu verwandeln. Das Projekt ist für jedermann offen und fördert Zusammenarbeit, multidisziplinäres und kreatives Schaffen. In seiner ersten Ausgabe erforschte «oh!BCN» die überraschenden Verbindungen zwischen Glas und Gastronomie.

Flüsse sind Kristallisationspunkte urbaner Kultur. Städte entstehen an Flüssen, weil sie Transport, Energie, Trinkwasser und Nahrung bieten. Die Mur erfüllt in Graz heute gerade noch die Aufgabe, die beiden Ufer voneinander zu trennen. Wir erleben sie als Problemfall und Streitpunkt und granteln vor uns hin. In Barcelona ist das ganz anderes, da gibt es Botschafter der appiness wie Alessandro ancati m gemeinsam mit ihm die appiness am fish beach der ur wieder zu finden, lassen wir uns von den ischern kulinarisch versorgen und erklären kurzerhand den Grazer Fischmarkt für wieder eröffnet.

MO, 7. MAI, 19.30 UHR MURUFER UNTER DER ERZHERZOG-JOHANN-BRÜCKE (HAUPTBRÜCKE)

FOODLINE 01 | FISCHPLATZ

LINKS: © HoneY & bunnY; recHTs: © ANDREAS BRAUNENDAL

DESIGNMONAT GRAZ 2012

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H &b 2 a stellungen, Performances und Forschungsarbeiten zu verschiedenen Aspekten von Food Design um. Im Jahr 2008 realisierten sie den d f d orf ARTE (Produktion: Nikolaus Geyrhalter Film). Seit 2000 zahlreiche Essays, Berichte und Interviews u. a. zu den Themen Architektur, Städtebau und Ernährung u. a. für «Neue Zürcher Zeitung», «Architektur Aktuell», «Wiener Zeitung», «die Presse», «FAZ», «die Zeit», «Architektur und Wohnen», «Salzburger Nachrichten», etc. 2005 erschien ihr Buch: «Food Design», 2009 «food design X», beide bei Springer. Lehrtätigkeit in Chennai/Indien, Istanbul, Uni Salzburg und FH Wieselburg. honeyandbunny.at

HONEY & BUNNY

Geboren 1974 in Freistadt/Österreich, Studium der Architektur bei Hans Hollein an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und an der Bartlett School of Architecture , London.

MARTIN HABLESREITER

Geboren 1973 in Wien, Studium der Architektur an der Universität für Angewandte Kunst, Meisterklasse Hans Hollein in Wien, Gastsemester an der Designschule Elisava in Barcelona, Ausbildung zum Master of Architecture an der Architectural Association in London, seit 2007 staatlich befugte und beeidete Ziviltechnikerin und Mitglied der Wiener Architektenkammer.

SONJA STUMMERER

Städte brauchen den Transport von Nahrung, der Transport benötigt Verpackungen und Verpackungen sind die ommunikations chen f r Verkauf und arkenbildung Anders formuliert: ohne Städte keine konsumorientierte Lebensmittelindustrie mit all ihren Projektions chen f r unsere nsche und ehns chte t dte sind nicht nur ebensraum f r enschen, sondern auch – und in der Konzeption ihrer öffentlichen Räume vielleicht sogar vorrangig – Verkehrsräume. Wir essen, was das Auto bringt. Wir holen mit dem Auto, was wir essen. Automobile Ernährung zwischen Drive-in und Snack ist eine eigene Industrie und eine Esskultur jenseits von Tischsitten und Tafelbesteck. An diesem Abend gilt es zu entdecken, wohin wir uns essen, wenn wir immerzu fahren.

MO, 14. MAI, 19.30 UHR KASTNER & ÖHLER TIEFGARAGE

FOODLINE 02 | DINNER PARKING


FOOD DESIGN 3/6

DESIGNMONAT GRAZ 2012

FOODLINE 03 | WÜRSTELSTAND RELOADED MO, 21. MAI, 19.30 UHR WÜRSTELSTAND «HANNES – DAS ORIGINAL» ELISABETHINERGASSE

Eine Oase der Ruhelosen in der Stadt, das ist der Würstelstand. Nachteulen, Polizisten und Rettungsfahrer gehören zum Stammpublikum. Aber ganz im Gegensatz zu Drive-in und to go kann man am Würstelstand auch verweilen und plaudern, oft für Minuten, manchmal auch f r tunden annes ancers rstelstand in der Elisabethinergasse ist ult Denn annes feiert 2012 sein 25-Jahr-Jubiläum und widmet sich nach wie vor in nahezu meditativer Ruhe der kulinarischen Perfektionierung von Hotdogs, Würsteln und Co. Welcher Food-Designrozess in ang kommt, wenn man den erfektionisten ancer auch noch mit aubenkoch Tom Riederer von «T.O.M. am Kochen» aus Leutschach kombiniert, werden wir an diesem Abend erleben. Apropos Designprozess: Alessandro Confalonieri wird uns mit seinem Vortrag seine multidisziplinäre Methode näher bringen, wie man wirklich Neues designt.

HANNES PFLANCER g M , H P Alter von sieben Jahren nach Graz. Er ist gelernter Koch, seine Lehre absolvierte er im legendären Winterbierhaus und feiert heuer 25-JahrJubiläum seines Würstelstands in der Elisabethinergasse in Graz.

MANUEL LIEPERT Geboren 1988 in Sennfeld, Deutschland, und akT T T.o.M. k ; verfolgt zielbewusst die Idee, in Österreich die Küche zu revolutionieren.

«DESIGN TABOO» In seinem Vortrag spricht Alessandro Confalo- re Gesellschaft und uns selbst eine bessere Zunieri über die Erfahrungen seines Studios mit kunft gestalten kann. der Arbeit mit einer speziellen, multidisziplinä- www.intersezioni.net ren Plattform. Diese Plattform nutzt eine CoDesign Methode, welche das Streben kreativer T H O M A S Menschen, Manager, Konsumenten, Semiolo- R I E D E R E R gen, Forscher und Designer verbindet und be- Geboren 1973 – ist nach Jahren im öffentlichen schleunigt. «Das Tabu» ist in diesem Prozess d – 2 T.o.M. k einer von vielen Hebeln, der dazu beiträgt, im Leutschach selbstständig und mit zwei Hauben Rahmen eines Workshops Neues zu designen. ausgezeichnet. Leitsatz: Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken. Es heißt, sich aus den Dingen etwas zu machen. www.trac.at

ALESSANDRO CONFALONIERI «Nach meiner Ausbildung zum Zeichner im Mailand der 80er, als die Meister des italienischen Designs herrschten (hat sich daran jemals etwas geändert?), ging ich voller Träume und Erwartungen nach England. London, Globalisierung, der dritte Weg, der Schmelztiegel, die 1990er, das Boomen der englischen Wirtschaft, meine Träume, ein Master-Kurs am Royal College of Art und viele verschiedene Berufserfahrungen veränderten mich und strukturierten meine Ideen ausreichend, um ein kritisches Auge darauf zu werfen, was täglich um uns herum geschieht. Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends kam ich mit meiner Familie zurück nach Italien und eröffnete das Intersezioni Studio. Hier fahre ich fort zu träumen, zu kreieren, zu denken und zu lehren, wie man für Unternehmen, unse-

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KULINARIK Hannes Pflancer & ToM RIEDERER MIT MANUEL LIEPERT

designvorTrag design Taboo alessandro confalonieri, Mailand

FOODLINE 03 | WÜRSTELSTAND RELOADED Mo, ��. Mai, ��.�� UHR WÜRSTELSTAND Hannes – das original ELISABETHINERGASSE

MEIN EIGENES RESTAURANT Haben Sie auch schon einmal davon geträumt, ein eigenes Restaurant zu eröffnen? Am 19. Mai haben Sie im Rahmen des Restaurant Day die Gelegenheit dazu! Mai 2011, Finnland: An einem Tag eröffnen in Helsinki schlagartig unzählige Restaurants. Was war passiert? Es war die Geburtsstunde des Restaurant Day. Am Restaurant Day kann jede und jeder ein eigenes Restaurant eröffnen. Für den ganzen Tag oder bloß für wenige Stunden. Mit einer ganzen Speisekarte oder dem eigenen Lieblingsgericht, mit festgelegten Preisen oder gratis: Alles, wie man will, denn dabei sein ist

vorTrag 2 ber die versorgung der sTadT

vorTrag 1 food design und der TransPorT von naHrung

designvorTrag und inTervenTion HoneY & bunnY, wien

passenden Ort – das eigene Wohnzimmer, der Garten, der Hinterhof, das Auto ... – und vermarktet sich online über die Facebook-Seite des Restaurant Day.

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DESIGNMONAT GRAZ 2012

FOODLINE 02 | DINNER PARKING Mo, ��. Mai, ��.�� UHR kasTner & öHler Tiefgarage

alles. Man denkt sich einfach einen kreativen Namen aus, sucht einen

Seit Mai 2011 hat der Restaurant Day bereits viermal stattgefunden, über

40 Städte haben sich bereits beteiligt. Allein in Finnland gab es am letz-

ten Aktionstag, dem 4. Februar 2012, 300 Restaurants mit 10.000 Gästen tten, en, und auch Graz war das erste Mal dabei.

Die laue Mailuft und die Verbindung des Designmonats mit Helsinki als

Weltdesignhauptstadt 2012 sind zwei sehr gute Gründe für einen weiteren Restaurant Day. Also auf ans Werk, ihr Hobby-Köchinnen und -Köche: Lasst eurer Kreativität freien Lauf und lasst ganz Graz teilhaben an eurer kulinarischen Kunst. Schließlich könnt ihr anbieten, was ihr wollt und wo ihr wollt. Ob man den Restaurant Day als kulinarisches Experiment begreift, Nationalgerichte fremder Vater- und Mutterländer vorführen will, oder den

KULINARIK CHRISTINE WASSERMANN, WEIZ aurelio oberascHer, graZ uMgebung

designvorTrag oH bcn alessandro rancaTi, barcelona

FOODLINE 01 | FISCHPLATZ Mo, . MAI, ��.�� UHR Murufer unTer der erZHerZogJoHann-br cke HauPTbr cke

LINKS: © w

den begreift, bleibt natürlich jedem Restaurant selbst überlassen.

TEILNEHMEN AM RESTAURANT DAY sa, ��. Mai DAMIT DIE GÄSTE DAS EIGENE RESTAURANT aM resTauranT daY aucH finden, GIBT ES ERSTENS FACEBOOK.COM/RESTAURANTDAYGRAZ UND ZWEITENS DIE FINNISCHE MUTTERSEITE RESTAURANTDAY.ORG don T Panic, da engLISCHSPRACHIG). WER SICH HIER REGISTTRIERT, WIRD AUF DER WELTKARTE des resTauranT daY eingeTragen.

FOOD DESIGN 4/6

rsTl Hannes; recHTs: resTauranT daY Helsinki, © Jonna TaMMisTo

Kochtopf als Mittel zur Kommunikation mit Freunden, Nachbarn, Frem-

RESTAURANTDAY.ORG FACEBOOK.COM/RESTAURANTDAYGRAZ


GRAZ ERNTEN Die Milch kommt aus dem Packerl und das Essen aus dem Supermarkt. Dass es und vor allem wo es Ess- und Genießbares auch abseits industrieller Fertigung und globaler Handelsrouten zu entdecken gibt, dokumentiert das Projekt Fruitmap. f

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Straßen, Gebäude, Flüsse und Seen reduzierte. GPS-Navigationssysteme lotsen uns nun auch zu Supermärkten, Restaurants und Hotels – also überall hin, wo man als spendabler Konsument Geld liegen lassen könnte. Doch zum Glück gibt es auch «asset maps» – Karten, in denen materielle und immaterielle Werte und Ressourcen eingetragen sind. Der Designvordenker John Thackara sieht diese «asset maps» als elementaren

FRUITMAP.AT .

Bestandteil eines neuen Designkonzepts. Denn sie verwenden ein Kon-

DESIGN YOUR FREE LOCAL MENU

zept, das ursprünglich von Planern und Ökonomen in äußerst statischer Ausprägung genutzt wurde, um es gänzlich neu zu interpretieren und für

PräsenTaTion

die Abbildung eines lebendigen, sich permanent wandelnden Gesamten

der PlaTTforM fruiTMaP.aT

zu nutzen. «asset maps» kartieren Ressourcen, die jedermann zugäng-

MiT diskussionsrunde

lich sind, machen sie sichtbar und damit nutzbar.

ZUM THEMA «ASSET MAPS» UND

Auf Basis dieses Konzepts entstand das Projekt «fruit map – design your

DESIGNMONAT GRAZ 2012

local menu». fruitmap.at ist eine Plattform für eine gemeinschaftliche e

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wickelt. Die map wurde im Rahmen eines Workshops mit Studierenden

mit ersten Inhalten gefüllt. fruitmap.at kartiert Fruchtgehölze im öffentlichen Raum in einer interaktiven Karte, stellt Informationen zu den an-

geführten Bäumen bereit und bietet ein User-Forum. So werden für jedermann zugängliche Ressourcen im öffentlichen Raum sichtbar, und ein neuer Zugang zu einem produktiven öffentlichen Raum wird initiiert.

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tatsächlich nur öffentlich Zugängliches einzutragen.

FOOD DESIGN 5/6

scHlossberg, HerbersTeingarTen,

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landlab &

am Institut für Architektur und Landschaft der TU Graz erarbeitet und

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ANSCHLIESSENDEM BLÜTENBUFFET

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AM FEIGENBAUM UNTER DEM UHRTURM

SA, ��. APRIL, ��.�� BIS ��.�� UHR FRUITMAP.AT


STÜCK Ein Stück Schokolade für ein Stück Theater. Ein Food-Design-Projekt im Rahmen von «Erlebniswelt Wirtschaft – made in Styria» gemeinsam mit dem Next Liberty, o

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Josef Zotter und der Medienfabrik. Am Beginn jedes Projekts steht eine Idee. In diesem Fall wollte man ein Food-De-P

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Klasse der Abteilung für Produktdesign und Präsentation, geleitet von Stefan Buchberger – in die Wirtschaft einbezogen werden sollten. Auftrag war die Entwicklung eines Produkts, das tatsächlich in Kleinstserie produziert werden sollte. Zur Einführung ins Thema gab es von Andreas Fabianek, einem der Kuratoren der Foodline, einen Impulsvortrag, der den Schülerinnen und Schüler die vielfältigen Aspekte des Themas näher brachte. Da ins Blaue zu arbeiten selten produktiv ist, wurde eine konkrete Aufgabenstellung gesucht. Gefunden wurde das Grazer Kinder- und Jugendtheater Next Liberty, das die Rolle des Auftraggebers übernahm. Der Auftrag: Das Design eines Produkts, das das Theater repräsentiert und seinen jungen Besucherinnen und Besuchern schmackhaft macht. Süß sollte es sein und wie das Theater alle Sinne ansprechen und so einigte man sich rasch auf das Material Schokolade. Nach einem Besuch in Josef Zotters Schokoladenmanufaktur und einer Einführung

DESIGNMONAT GRAZ 2012

in die verarbeitungstechnischen Möglichkeiten, die Schokolade bietet, gingen die

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Schülerinnen und Schüler an ihr Werk. Kleine Teams erarbeiteten 13 verschiedene

«Dein Stück kann auf verschiedene Weise interpretiert werden. Es könnte sich auf das Stück Schokolade beziehen, das Theaterstück, oder doch einen Teil des Theaters selbst. Die Interpretation ist jedem selbst überlassen.»

Ideen, die am 1. Februar 2012 einer Jury vorgestellt wurden. Nachdem es vier Projekte in die engere Auswahl geschafft hatten, wurde schlussendlich das Projekt «Stück» von Linda Puntschart, Helena Pichler und Melissa Fritz zum Gewinner auserkoren.

Das Stück betritt die Bühne der Wirklichkeit Nach der Stufe 1, dem Design eines

Prototyps, folgte Stufe 2: Die Form des Schokostücks wurde für die Produktion op.d P

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weiter zu Regner nach Seckau. Hier ging die regionale Wertschöpfung wieder einen s

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te mit seiner Tiefziehmaschine die Formen her, die mit Schokolade ausgegossen werden können. Mit diesen Formen begann nun Gregor Regner, Weltmeister der KonJ

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gemäß der Corporate Identity des Next Liberty einzuhauchen. w

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bewerb, um ein Packaging für «Das Stück» zu entwickeln. Zur Realisierung des Siegerprojekts konnte mit der Medienfabrik ein weiterer Partner aus der steirischen Wirtschaft gewonnen werden. d P

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Mai im Next Liberty anlässlich der Premierenfeier von «Der Glöckner von Notre Dame» statt. Im Rahmen dieser Präsentation werden auch alle anderen eingereich-

LINKS: FRUIT MAPPER, © FRUITMAP.AT

FOOD DESIGN 6/6

ten Projekte der Schülerinnen und Schüler vorgestellt.


VON A WIE ALTENHEIM BIS Z WIE ZUGVERBINDUNG DA S S I N DE R SCH W E IZ DI E U H R E N R ICHTIG G E H E N , H AT MIT DE S IG N Z U TU N . SCH W E IZ E R D E S I G N B E D E U T E T AU C H , DA S S D I E Z Ü G E P Ü N K T L I C H S I N D O D E R A LT E M E N S C H E N S I C H

DESIGN PREIS SCHWEIZ 1/4

DESIGNMONAT GRAZ 2012

N I C H T M E H R A LT F Ü H L E N .

TEXT: DANIELA MÜLLER

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die gängige Form des Alterns vorfand: alte Menschen, die sich kaum noch austauschen, beschäftigungslos in den Tag hineinleben und so schneller altern. Gemeinsam mit Benjamin Moser gründete sie in Anlehnung an Andy Warhols Silver Factory, in dem sich Künstler austauschen konnten, die Senior Design Factory, um eine Möglichkeit für ein Aufeinandertreffen von Jung und Alt zu schaffen. So gibt es beispielsweise im Hinterzimmer des Designbüros in Zürich jeden Samstagvormittag Strickkurse. Gemeinsam wird dort auch genäht oder an Rezepten gebastelt, die Produkte sind unter dem Label «Senior Design Factory» im Shop erhältlich.

Die Swatch steht neben der klassischen Schweizer Uhr oder dem Klappmesser wie kaum ein anderes Produkt für Schweizer Design. Was Design aus dem westlichen Nachbarland aktuell leistet, zeigt die Werkschau «Schweizer Design am Designmonat Graz» vom 10. bis 27. Mai im Kunsthaus Graz. ort sind gro ächig ausgestellt sechs Siegerpro ekte des Design Preises Schweiz, der kompromisslose und mutige Ideen auszeichnet, die wiederum der Zukunft des Designs den Weg ebnen.

Den Betreibern der Senior Design Factory ist zudem der Aspekt «Design im Alter» wichtig. Im Shop sind Gehstöcke in bunten Farben erhältlich, die statt Mitleid mit dem Stocknutzer Fröhlichkeit durch die Farben vermitteln sollen, wie Benjamin Moser in einem Ö1-Interview erklärte. Seit Herbst des Vorjahres gibt es ein paar Hausnummern von der Senior Design Factory entfernt ein Café/Restaurant, in dem Studentinnen und Seniorinnen gemeinsam kellnern. Dort kommen Gerichte aus Großmutters Küche wie Brotkuchen, selbstgemachte Marmeladen oder den Honig eines 70-jährigen Imkers auf den Tisch.

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Wie die Schweizer Bahn, wenn sie auf den ersten Blick auch nichts mit Design zu tun haben scheint. «Schweizer Design ist stark mit der Bahn verbunden. Hier haben Top-Designer zusammengearbeitet, mit dem Bestreben, eine Einheit zustande zu bringen», meint Hueter. Das beginne bei der Bahnhofsuhr, der Gestaltung des Bahnhofs, des Fahrplans bis zum Branding der Schweizerischen Bundesbahnen. «Das Ganze bringt die schweizerische Tonalität zum Ausdruck – ein durchdachter und zu Ende gedachter Prozess auf verschiedenen Ebenen», erklärt Hueter. STRICKEN IN DER SENIOR DESIGN FACTORY

Das Kriterium Prozesshaftigkeit zeigt auch eines der Siegerprojekte des Design Preises Schweiz, die Senior Design Factory. Entstanden ist die Kreativwerkstatt bei einem Besuch in einem Altersheim, bei dem die Gr nderin eborah i fi

JUNGDESIGNER MIT NEUEM SELBSTBEWUSSTSEIN

Der Design Preis Schweiz ist derzeit die einzige Plattform, die Schweizer Design und Projekte wie die Senior Design Factory gebündelt ins Ausland bringt. «Auf staatlicher Ebene haben wir wenig Förderungsansätze, wenn es darum geht, Schweizer Design im Ausland zu promoten», erklärt Design Preis Schweiz-Kurator Michel Hueter. Das liege insbesondere am föderalistischen Ansatz und daran, dass die Wirtschaft ähnlich wie in den USA stark marktwirtschaftlich strukturiert ist und davon ausgegangen wird, dass jeder Unternehmer und jede Branche ihre Sache selbst regeln.

Dennoch beobachtet Hueter kaum Abwanderungstendenzen junger Schweizer Designer ins kreative Berlin oder hippe London. Junge Designer aus der Schweiz blieben ihrem Land treu. «Mein Eindruck ist, dass selbst die junge Generation zwar sehr wohl an internationalen Aufträgen interessiert ist, dass aber eine natürlich gegebene Loyalität zum Werkplatz Schweiz besteht», sagt Michel Hueter. Schließlich biete die Schweiz mittlerweile eine gut vernetzte Basis in der Kreativwirtschaft. Wobei der Schweizer Designnachwuchs weltweit gefragt sei. «Weil man weiß, dass selbst Jungdesigner einen Prozess von A bis Z zu Ende denken und abschließen wollen», erklärt Hueter. Und das mit neuem Selbstbewusstsein: «Bescheidenheit ist nach wie vor ein Teil der Schweiz. Unser Credo bisher war immer, unsere Qualitäten für uns zu behalten. Der Nachwuchs spricht jedoch darüber, allerdings ohne dabei in Selbstverliebtheit zu verfallen», sagt der Kurator.

DESIGN PREIS SCHWEIZ 2/4

LINKS: DUKTA, © CHRISTIAN KUHN — SERGE LUNIN — RALF MICHEL

D E R L A N G E W I N T E R D E R U H R E N Doch zurück zur Uhr und zum Schlagwort, das sowohl gestern als auch heute Schweizer Design beschreibt: Präzision. Michel Hueter, Kurator des Design Preises Schweiz, erklärt: «Die Schweiz ist ein ehemaliges Bauernland ohne Bodenschätze mit schöner Natur für den Tourismus. Die einzige Möglichkeit für unsere Bevölkerung war, Produkte herzustellen, die qualitativ langlebig sind.» Die Uhrenindustrie beispielsweise entstand in den langen Wintermonaten, als die Bauern nichts zu tun und angefangen hatten, Werkzeuge und Uhrenteilchen zu entwickeln. Die industrielle Revolution sei erst später in der Schweiz angekommen, «und wir hatten dabei quasi die Rolle des Alchimisten. Wir waren die, die versucht haben, Dinge zu perfektionieren, damit sie besser funktionieren.»

DESIGNMONAT GRAZ 2012

Nikolaus Hayek zeigte in den 1980er Jahren der ganzen Welt, was Schweizer Design noch sein kann. Nämlich dass eine Schweizer Uhr nicht zwangsläufig ein mechanisches Uhrwerk haben muss, das Jahrzehnte hält, in traditionellen Materialien gehalten und teuer sein muss. Hayek sprang mit seinem Produkt auf den Digitaluhren-Zug auf, der von Japan ausgehend bedrohlich seinen Schatten über die Schweizer Uhrenbranche legte, und brachte eine für damalige Verhältnisse unmögliche Uhr heraus: die Swatch, ein Zeitmesser, der 50 Franken kostete und je nach Gemütszustand, Jahreszeit, Stimmung oder Umgebung gewechselt werden konnte.


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DESIGNMONAT GRAZ 2012

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1 – SCHAUSPIELHAUS ZÜRICH 2009/10

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46 2 – SENIOR DESIGN FACTORY

DESIGN PREIS SCHWEIZ CHWEIZ 3/4

er r die Spielzeit neu ent- Die Senior Design Factory verfolgt das wickelte visuelle Auftritt des Schauspiel- Ziel, alte und junge Menschen zusamhauses Zürich zeigt sich in Form einer menzubringen, durch kreative Projekte simplen schwarzen Scheibe, die sich als den Austausch zwischen den Generagrafisches Kernst ck ber sämtliche tionen zu fördern und ältere Menschen Aspekte der Kommunikation erstreckt. mit ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten Neben der minimalistischen Typogra- stärker im Alltag einzubinden. Die Facfie ein einziger Schri tschnitt in weni- tory besteht aus dem Atelier, in dem gen Graden eingesetzt und der stark junge Gestalter mit handwerklich verreduzierten Farbigkeit bei den Plaka- sierten Senioren zusammenarbeiten, ten und Programmen ist vor allem der im Shop werden die handgearbeiteten durchdachte Umgang mit teils gefun- Produkte vertrieben, das Restaurant denen, teils manipulierten Bildern ver- «Kitchen» ist ein generationenübergreischiedenster Herkunft von entscheiden- fend betriebener Ort der Begegnung, der edeutung. Workshops dienen hier dem Wissensaustausch und -transfer zwischen Jung und Alt. SCHAUSPIELHAUS.CH SCHAU SENIOR-DESIGN.CH

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3 – FARBE UND LICHT Obwohl Farben nur in Verbindung mit Licht wahrgenommen werden können, existierte bisher noch keine kombinierte Farb-Licht-Lehre für die gestalterische Praxis. Das Projekt «Farbe und Licht» widmet sich dem in drei Teilen. Der Teil eins des Projekts, «FarbLichtLabor», erforscht die Grundlagen der Interaktion von Licht und materieller Farbe. Der Teil zwei, «LED-ColorLab», legt den Fokus auf die Interaktion von dynamischem Licht und farbigen Oberächen im räumlichen Kontext. In Farbe und Licht – Materialien zur FarbLicht-Lehre» geht es um die praxisrelevante Vermittlung der bisherigen Forschungsergebnisse. COLOURLIGHT-CENTER.CH, FARBEUNDLICHT.CH, ZHDK.CH


DIE SCHWEIZ, DIE SCHWEIZER

MICHEL HUETER

Was, glauben Sie, verbinden Nicht-Schweizer mit «Schweiz und Design»?

Qualität. Das Label Swiss Made ist nach wie vor ein Versprechen, das eingelöst wird und Vertrauen schafft.

Welche Produkte bringt man damit in Verbindung?

Das Taschenmesser, Uhren, auch die BahnhofsT H .d prägen das Bild der Schweiz stark und gehören s .d w die Designleistungen der Schweiz differenzierter wahr, die Produktpalette umfasst Möbel-, Produkt- und Interior-Design sowie Mode.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach Schweizer Design aus?

Klarheit und Ehrlichkeit, die auf der Basis eines durchgearbeiteten, ganzheitlichen Prozesses entstehen. In einigen Produktkategorien auch ein gewisses selbstbewusstes Understatement. Man scheut sich zudem nicht, das Alte, Konventionelle neu zu betrachten und neu zu interpretieren.

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Design ist kein isoliertes Produkt, es steht immer in einer historischen Entwicklungslinie. Designer haben sich stets auf andere vor ihnen , kommen. Relativ ist auch der Nationalbezug: So waren die Schweizer Bauhäusler Johannes Itten oder Max Bill stark von Deutschland beg neration der Schweiz. Der «Swiss Style» der 1950er hat auf die gesamte westliche Kultur Faszination ausgeübt. Das aufregendste Designprodukt aus der Schweiz?

Viele sind sich nicht bewusst, dass wir ständig von Schweizer Design-Ikonen umgeben sind! Dazu gehören der Sparschäler Rex, die Bahnhofsuhr von Mondaine oder der Landistuhl von Hans Coray. Typisch schweizerisch und aufregend vor allem wegen ihrer perfekten Einfachheit. Die Herausforderungen von Design in Zukunft?

Design muss sich laufend und zunehmend der Nachhaltigkeit stellen. Auch im sozialen Bereich kann Design viel bewirken, die sich ändernden Gesellschaftsstrukturen und die damit verbundenen Herausforderungen wollen bewältigt werden.

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4 – ANNETTE DOUGLAS TEXTILES ACOUSTICS®

5 – CON.TEMPORARY FURNITURE

6 – WERKSTOFFINNOVATION DUKTA

Die Ausgangsbasis des Projektes war die Feststellung, dass in Räumen, in denen Menschen arbeiten und kommunizieren, schallabsorbierende Flächen zwingend notwendig sind. Ziel war, statt schwerer, blickdichter Akustikvorhänge ein leichtes, transparentes Material zu entwickeln, das Licht in den Raum einlässt und den Bezug zum Außenraum erhält. Das Ergebnis ist die Akustikvorhang-Kollektion «Silent Space» von Annette Douglas Textiles ACOUSTICS®, ein leichtes, transparentes und schwer ent ammbares Akustikgewebe mit sehr guten Schallabsorptionswerten.

Die Holz-Möbel «con.temporary furni- Ziel des Forschungs-Projektes Dukta ture» basieren auf einem konstruktiv war die Entwicklung und Patentierung zu Ende gedachten Stecksystem. Aus eines neuartigen Verfahrens zur dreiSperrholzplatten gefertigt, lassen sich dimensionalen Verformung von Holz die Einzelteile einfach transportieren und Holzwerkstoffen. Durch ein speziund auf simple Weise zusammenbauen. elles Einschnittverfahren erhält das MaDazu werden weder Werkzeuge noch terial Holz nahezu textile EigenschafSchrauben oder Nägel benötigt. Über ten. Das erweitert die Qualitäten und den «Own-Line Shop» erfolgt die Be- Einsatzbereiche dieses traditionellen stellung, welche die Produktion bei ei- Werkstoffes in erheblichem Maße. Beinem lokalen Schreinereibetrieb auslöst. spielsweise werden dadurch komplett Dieser fertigt, verpackt und verschickt neue, akustisch wirksame Innenraumdas Möbel direkt an den Endkunden. gestaltungen möglich, die in der modernen Architektur gut ankommen. COLINSCHAELLI.COM DUKTA.COM

DOUGLAS-TEXTILES.CH

DESIGN PREIS SCHWEIZ 4/4

LINKS: SCHAUSPIELHAUS ZURICH, © CORNEL WINDLIN; © SENIOR DESIGN FACTORY; FARBE UND LICHT, © ZHDK; ANNETTE DOUGLAS TEXTILES, © ANNETTE DOUGLAS; CONTEMPORARY FURNITURE, © NOË FLUM; DUKTA, © CHRISTIAN KUHN — SERGE LUNIN — RALF MICHEL

UND DESIGN: IM GESPRÄCH MIT

Ein Schweizer Designer, der die Designgeschichte am s n n ss h


KREATIVE WIRTSCHAFT DIE KREATIVWIRTSCHAFT IST AUF DEM VORMARSCH. DAVON KÖNNTEN MEHRERE PROFITIEREN: DIE KREATIVEN SELBST, DER STANDORT STEIERMARK UND DER ARBEITSMARKT.

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Was haben eine Werbeagentur, ein Möbeltischler und eine Modedesignerin gemeinsam? Richtig, sie denken nach, haben Ideen, entwickeln Pläne und Konzepte, sie zeichnen und basteln, fangen wieder von vorn an, sind nie wirklich ganz zu frieden, weil es immer noch besser sein k nnte kurz: Sie sind kreativ, verdienen damit ihren Lebensunterhalt und sind längst zu einem gewichtigen Faktor innerhalb der gesamten Wirtschaft geworden. Daher ist «Kreativwirtschaft» der logische Begriff für ein heterogenes Phänomen modernen Arbeitens. Soziologen sprechen gerne vom Übergang von der Produktions- zur Wissensgesellschaft, und wenn man davon ausgeht, dass derartige Paradigmenwechsel durchaus handfeste Auswirkungen auf gesellschaftliche Strukturen und Abläufe haben, dann könnte in der Tat einiges bevorstehen. «Kreativwirtschaft» ist ein weites Feld mit unterschiedlichen Disziplinen: Werbung und Grafik sind ebenso ein Teil davon wie esign, Architektur, ode und usik und der gesamte Bereich der Medien und des Verlagswesens. Auch technologische Innovationen brauchen Kreativität. Die Creative Economy umfasst also alle Bereiche, in denen intensive Denkarbeit in Verbindung mit technisch-handwerklichem Know-how zu neuen Lösungen führt – vom kreativen Handwerk bis zum Hightech-Engineering. Am Standort Steiermark sind die Rahmenbedingungen durchaus vielversprechend. Josef Herk, Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark: «Die steirische Wirtschaft ist für den bevorstehenden Strukturwandel ganz gut gerüstet. Wir haben hervorragende Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen, die für das notwendige Know-how sorgen, um in Zukunft bestehen zu können.» Bildung sei dabei eines der Schlüsselthemen: «Wirtschaft braucht Bildung, nicht nur in den kreativen Branchen. Wer heute unternehmerisch tätig sein will, der muss nicht nur sein Handwerk verstehen, er braucht auch zusätzliche Kompetenzen und Soft Skills», so Herk.

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Aber wie sieht ein durchschnittlicher Betrieb der steirischen Kreativwirtschaft eigentlich aus? Eine 2010 von Joanneum Research durchgeführte Umfrage unter 190 Betrieben der steirischen Kreativwirtschaft kommt zu folgendem Ergebnis: Etwa die Hälf te der Unternehmen sind in-Personen-Unternehmen oder Unternehmen mit bis itarbeitern. iese kleinteilige Struktur ist ein Spezifikum der ranche, nicht nur in der Steiermark Österreichweit arbeiten 37% als EPU und weitere 28% in Unternehmen mit 2 bis 5 Beschäftigten. Dementsprechend hoch ist auch die Gründungsintensität: Die unterschiedlichen Branchen der Kre ativwirtschaft rangieren in der Gründungsstatistik der Wirtschaftskammer seit Jahren an vorderster Stelle. Tendenz steigend.

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«Schöpferisch tätig zu sein, etwas erschaffen wollen, das sind wichtige Gründe für die hohe Attraktivität der Kreativwirtscha t , meint ose Herk. Kreative Unternehmen finden sich in der Wirtschaftskammer jedoch nicht nur in der Sparte Information und Consulting, auch das Handwerk entdeckt zunehmend, dass Kreativität ein Wirtschaftsfaktor sein kann. «Handwerkliche Berufe waren ja bereits Kreativwirtschaft, bevor der Begriff dafür erfunden wurde», so Herk, selbst Chef eines Handwerksbetriebs und mit einer gewissen Leidenschaft für Design und gute Gestaltung ausgestattet. Dass die Unternehmensgründungen im Kreativbereich steigen, ist zwar erfreulich, allerdings muss dieses kreative Potenzial auch mit der «klassischen Wirtscha t vernetzt werden, um wirklich davon profitieren zu k nnen. as Um eld dafür ist in der Steiermark jedenfalls vorhanden: 17.000 Beschäftigte in 4.800 Unternehmen sowie eine Milliarde Euro Wertschöpfung sprechen eine eindeutige Sprache ... •


DESIGNMONAT GRAZ 2012

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WK-Präsident Herk «Steiermark gut gerüstet für Strukturwandel»

Im Oktober 2011 erfolgte der Startschuss für ein Projekt, das kreative Leistungen steirischer etriebe einer gr eren Ö fentlichkeit präsentiert. Der «Creative Corner«», angesiedelt im Foyer der Wirtschaftskammer, zeigt, was an der Schnittstelle von Kreativität und Wirtschaft möglich ist: Design, Innovation und Handwerk verbinden sich, Neues entsteht, aus Ideen werden Produkte, die Ästhetik und Funktionalität auf ideale Weise vereinen. iese Produkte einer breiten Ö entlichkeit zu zeigen, ist Ziel des Creative Corners. Der Standort im Foyer der Wirtschaftskammer soll darüber hinaus den steirischen Unternehmern zeigen, was Kreativität im wirtschaftlichen Kontext bedeuten kann: Mehrwert, Exklusivität, bessere Marktchancen. Die Wirtschaftskammer Steiermark plant in Zukunft in Kooperation mit der Creative Industries Styria – der Netzwerkgesellschaft der steirischen Kreativwirtschaft –, Produkte von steirischen Unternehmen zu zeigen, die durch Kreativität, Mut und unkonventionelles Denken ihren Markterfolg gesteigert haben. Den Anfang machten Produkte aus dem Atelier des südsteirischen Designers Josef Liebmann. Ihre Besonderheit sind die freien und dynamischen Formen, die das Unternehmen mittlerweile weit über die Grenzen der Steiermark hinaus bekannt gemacht haben.

WKO 2/2

RECHTS: JOSEF HERK, © LUNGHAMMER; CREATIVE CORNER, © FISCHER

CREATIVE CORNER


DAS GEGENTEIL VON ONLINE UND BILLIG THE INFINITIVE FACTORY IST EIN LABOR FÜR EXQUISITE DRUCKSORTEN. IM LETTERPRESS-VERFAHREN

ENTSTEHEN

BRIEFPAPIERE,

VISITENKARTEN

UND

ANDERE PAPIERWERKE, DIE SCHON BEIM ERSTEN ANGREIFEN BEEINDRUCKEN.

IF& STRICTLY ANALOG 1/2

DESIGNMONAT GRAZ 2012

TEXTE: SUSANNE ARY

in Grafikstudio stellt man sich anders vor. Statt einer atterie an i acs stehen bei der Infinitive Factory alte Heidelberger ruckmaschinen in einer richtigen Werkstatt. as Hochdruckver ahren, das sich seit Gutenberg nicht wesentlich verändert hat, ist eigentlich ein ausgestorbenes Handwerk. igentlich. enn der Hype um Letterpress bringt das Analogdruck-Revival etzt auch nach Graz. liver itteregger, Innovationsmanager, kam schon vor zwei ahren au die Idee, mechanische rucktechniken mit digitalem Grafikdesign zu verbinden. Im September schloss sich der In ormationsdesigner hristian Ursnik diesem Plan an the Infinitive Factory war geboren. In der Schi gasse richtete sich die edle ruck abrik ein, die Studioräumlichkeiten teilen die beiden mit dem Licht- und Leuchtenlabel Laminote von urghard Scherz. Seither gestalten und produzieren die beiden esigner edelste rucksorten in Kleinau age rie papier von beeindruckender ptik und inladungen, bei denen man die uchstaben richtig hlen kann, ast so, als ob es lindenschri t wäre. ie edlen ruckwerke bestehen meist aus sehr dickem Papier, bis zu , illimeter sind blich. igentlich k nnte man dazu schon Karton sagen. Warum m chte emand seine isitenkarten so drucken lassen s ist wie mit edem Produkt , sagt itteregger, entweder kau st du, was alle haben, oder du gehst zu einer anu aktur. The Infinitive Factory entwir t, ma schneidert und produziert im oberen Preissegment. Ihre Produkte sind die Armani-Anz ge unter den rucksorten. Wer gutes Handwerk schätzt und bereit ist, r gute ualität angemessen zu zahlen, ist bei uns richtig , meint Ursnik.

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Im Rahmen des Programms esigners in Residence wird der argentinische esigner Hern n erdichevsky von nobrand r eine Woche in den Räumlichkeiten der Infinitive Factory sein kreatives elt au schlagen und täglich ein Letterpress-Produkt gestalten. er . ai ist bei der Infinitive Factory au erdem ein Tag der o enen T r leisatz-Fans, Analog- unkies und esigninteressierte sind eingeladen, live dabei zu sein, wenn die Heidelberger Pressen edles Papier zu einsten Letterpress-Werken drucken.


THE–IF.AT

scHiffgasse

THe infiniTive facTorY

dJ line: dJ ToM wieland, kiMwild

Heidelberg real sounds: THe infiniTive facTorY

Tracks: Mr.re-soTTo fosTex

librarY records on decks: kiMwild, dJane cHaMPagne

keYTrio, aTTack, scHuller & söHne

gerd scHuller

«STRICTLY ANALOG ARKESTRA»

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abendPrograMM

andreas fabianek, koMPonisT, ProduZenT, TonTecHniker

«EINE SPURENSUCHE IM WALD DER KLANGÄSTHETEN»

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ZooM – das MagaZin der filMeMacHer

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«FILM vs. DIGITAL»

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«STRICTLY ANALOG & THE INFINITIVE FACTORY»

J rgen lossau HaMburg – cHefredakTeur und bucHauTor,

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IM DIALOG MIT ANALOG SUPER 8, TONBÄNDER UND VINYL – DAS ANALOGE IN MUSIK UND FILM ERLEBT EIN REVIVAL. DAS STUDIO «STRICTLY ANALOG» WIDMET SICH ND VERNETZT T

In Zeiten wie diesen, wenn also die Diskussion um Musik- und Filmpiraterie auf der politischen Tagesordnung steht, ist das Revival von analoger Ton- und Videokunst fast ein Skandal. Wie war das damals, als man für den besten Freund von der Vinylsammlung ein Mixtape erstellt hat? Die viel höhere Qualität analoger Geräte wird von Insidern geschätzt, aber von selbigen auch immer wieder bezweifelt. In diesem Spannungsfeld bewegen sich die analogen Rebellen von «strictly analog». Das Studionetzwerk spannt sich von Graz nach Triest und von Triest nach Tokyo. Mit Ausstellungen, Werkschauen und einem Experimental-Labor nimmt «strictly analog» die Generation mp3 mit auf eine Reise in die analoge Vergangenheit. Die Initiatoren und Gründer des Netzwerks sind die beiden Grazer Volker Sernetz und Stefan Sobotka, besser bekannt als OchoReSotto. Von ihrer Homebase in der Murstadt aus erreichen ihre Visuals, Musikvideos und Installationen die ganze Welt – von Berlin über Triest bis nach Japan. Die große Leidenschaft der beiden Projektions-

N-

ND FILMK

NSTLER WELTWEIT.

k nstler, aumgestalter und E perimentalfilmer ist aber strikt analog: Super 8 und 16 mm. Im Rahmen des Designmonats geht das «strictly analog»-Event mit Vorträgen und dementsprechendem musikalischem Rahmen über die strikt analoge Bühne, genauer gesagt mit Analogsynthesizer, Hammond-Orgel und Filmen auf Tape. Die Vorträge drehen sich ums analoge Filmen mit Super 8 und 16 mm und beleuchten den Gegensatz zwischen den Acht zigern mit ihren Röhrenmikros und 24-Spur-Bandmaschinen und heutiger Musikproduktionstechnik, die ohne Laptop, Sample-Bibliothek und Hostsoftware nicht mehr zu denken ist. Ein weiterer Programmpunkt für den Event ag bei der Infinitive actor Der wahrscheinlich umweltfreundlichste Notizblock der Welt erblickt das Licht der Welt – oder besser gesagt: wird wiedergeboren. Der ReBlock, präsentiert von Tali Tormoche und Sirius Five, besteht nämlich aus einseitig bedrucktem Papier, das so eine zweite Chance bekommt.

IF& STRICTLY ANALOG 2/2

LINKS: THE INFINITIVE FACTORY, © LUPISPUMA; RECHTS: OCHORESOTTO, © KARIN LERNBEISS

DIESEM TREND


DESIGN-DIALOG DIE TRADITI

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Dass frischer Design-Wind von außen der Innensicht gut tut, weiß man bei KAPO aus Erfahrung: Als Betrieb der «Erlebniswelt Wirtschaft» beispielsweise bietet das Unternehmen Designerinnen und Designern die Möglichkeiten, abseits des Produktionsalltags zu experimentieren. Seit über 80 Jahren arbeitet der Möbelspezialist mit einer Vielzahl namhafter Designer, wie Wolfgang Joop, Annette Hinterwirth oder Hans Hopfer zusammen, aber auch junge Kreative sollen die Chance auf Produktproduktion bekommen. DESIGNMONAT GRAZ 2012

«Die ersten drei Plätze sollen in doppelter Ausführung als Prototyp umgesetzt werden, wobei der jeweilige Designer sein Exemplar kostenfrei bekommt , betont Geschäftsführer Stefan Polzhofer. Besonders reizvoll ist der Award daher für Nachwuchs-Designer Gewinner, die noch in Ausbildung sind, werden nicht nur mit 5.000 Euro Preisgeld und Prototypen-Produktion, sondern einem zusätzlichen Ausbildungsscheck im Wert von .000 Euro belohnt.

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© neue wiener werksTäTTe

NWW 1/1

NWW DESIGN AWARD-BRUNCH

neue wiener werksTäTTe,

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Die NWW, die sich durch handwerklich perfekte Verarbeitung natürlicher Materialien auszeichnet, erwartet zahlreiche internationale Einreichungen aus den Produktgruppen Möbel oder Polstermöbel. Mobilität ist aber ein dehnbarer Begriff, der vielleicht auch zum Entwurf eines komplexen – und mobilen – Innenausbaus verführt. Erstmals öffentlich vorgestellt wird der Award während des Designmonats beim NWW Design Award-Brunch am 15. Mai. «Unser Ziel ist erreicht, wenn die Sache eine Eigendynamik bekommt, aus der kreative neue Ideen entstehen können», resümiert Polzhofer und freut sich, in Bälde auch die Jury öffentlich vorstellen zu dürfen.


OPEN DESIGN 1/4

DESIGNMONAT GRAZ 2012

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LECTURE DAYS DER FH JOANNEUM Die FH Joanneum ist eine der ersten Adressen für eine Top-Design-Ausbildung. Mit den interDESIGNMONAT GRAZ 2012

nationalen Kontakten, die seit Jahren konsequent geknüpft wurden, ist es möglich, interna-

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tionale Design-Größen in die UNESCO City of Design zu bringen. Neben einem Vortrag von Grafik-Guru Stefan Sagmeister stehen Lectures von Bart Tunnissen und Mark Allen auf dem Programm. Zusätzlich präsentiert der Studiengang Informationsdesign seine neue Publikation, und der Masterstudiengang Media & Interaction De-

FH LECTURES 1/2

sign zeigt aktuelle Cross Media Projekte.


STEFAN SAGMEISTER (NEW YORK, USA) «DESIGN AND HAPPINESS»

do, � . MAI, ��.�� UHR KASEMATTEN

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BART T NNISSEN WAAG S CIET (AMSTERDAM, NL) «CREATIVE RESEARCH: USERS AS DESIGNERS»

Mo, ��. MAI, ��.�� UHR

KARTEN (15 EURO) O) SIND ERHÄLTLICH U NTER +�� (� ���   ��� ��� �� UND AN DER ABENDKASSE

MARK ALLEN MACHINE PR JECT (LOS ANGELES, USA) «EVENT AS SITE – THEORY AND PRACTICE OF CURATING PROGRAMMING»

di, � . MAI, ��.�� UHR DESIGNHALLE

ie Waag Society wurde gegr ndet und erorscht und entwickelt Konzepte im Spannungseld von Kunst, Wissenscha t und den edien. ie Pro ekte umspannen ein weites Feld, von Gesundheit ber Kultur bis zu Gesellscha t und ildung. ie Waag Society ist itbegr nderin der reative ommons Netherlands, das alternative Lizenzierungssystem, das Autoren, K nstlern und Wissenscha tern den ugang zu einem exibleren Urheberrechtssystem bietet.

er K nstler, Kurator und Pädagoge ark Allen bringt aus Los Angeles sein achine Pro ect mit, das unter seiner Leitung Ausstellungen r das Los Angeles ounty useum o Art, das useum r zeitgen ssische Kunst in enver und das Walker useum in inneapolis produzierte. ark Allen lehrte am ali ornia Institute o the Arts und ist derzeit Pro essor r Kunst am Pomona ollege.

DAS HANDBUCH – PRÄSENTATION DER NE EN P BLIKATI N DES STUDIENGANGS «INFORMATIONSDESIGN»

PLEASE TOUCH THIS – CROSS MEDIA PROJEKTE D E S M A S T E R S T U D I E N GANGS «MEDIA & INTERACTION DESIGN DER FH J ANN M GRAZ

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KASEMATTEN

DESIGNHALLE

FH LECTURES 2/2

LINKS: © MACHINE PROJECT; RECHTS: STEFAN SAGMEISTER, © JOHN MADERE

DESIGNHALLE

«DESIGN AND HAPPINESS»

DESIGNMONAT GRAZ 2012

er weltweit er olgreiche sterreichische Grafikdesigner Ste an Sagmeister gr ndete in New ork das Unternehmen Sagmeister Inc. und hat r Kunden wie die Rolling Stones, das Guggenhein useum und H gearbeitet. r wurde mit zwei Grammies ausgezeichnet und hat so ziemlich eden esign Award gewonnen, den es gibt. Sagmeisters Arbeiten wurden in rich, Wien, New ork, erlin, Tokyo, saka, Prag und anderen rten ausgestellt. r lehrt an der School o isual Art in New ork and hält orträge au allen Kontinenten.


KREATIVWIRTSCHAFT STEHT FÜR INNOVATIONSKRAFT IMPULSE I AWS FÖRDERT GENAU DAS!

Neue Organisationsformen und Arbeitsmodelle, frühe Antizipation von Konsumbedürfnissen und gesellschaftlichen Veränderungen, überdurchschnittliche Wachstumszahlen – die Kreativwirtschaft steht für Innovationskraft, Flexibilisierung und Standortentwicklung. impulse trägt dem Rechnung und stärkt das für den Wirtschaftsstandort Österreich wichtige Zukunftsfeld Kreativwirtschaft.

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Mit dem Förderprogramm impulse, einem Teil der Kreativwirtschaftsinitiative evolve des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend, stärkt die austria wirtschaftsservice (aws) etablierten und neu gegründeten Unternehmen im Wachstumsmarkt Kreativwirtschaft den Rücken. Durch Weiterbildungs- und Awarenessmaßnahmen steigert impulse die Handlungskraft des Sektors, durch gezielte Förderungen unterstützt sie Akteurinnen und Akteure der Kreativwirtschaft, deren Businessmodelle auf Produkt- und Dienstleistungsinnovationen mit hohem Marktpotenzial abzielen, damit sie die von Unterkapitalisierung bedrohten Entwicklungs- und Markteintrittsprozesse überbrücken können.

iner, der bereits von impulse profitiert hat ist Thomas Kienzl, Inhaber des Grazer Unternehmens kommerz. «Ein Vorteil von impulse ist, dass die Förderung in Form von nicht rückzahlbaren Zuschüssen erfolgt. Das ist gerade für Klein- und Kleinstunternehmer attraktiv.» Natürlich müsse man sich die Mühe machen, sich durch die Antragsphase zu arbeiten, auszahlen würde sich diese Arbeit jedoch auf jeden Fall. «Auch die Abwicklung seitens der Jury, die jedes Projekt begutachtet, verläuft sehr entspannt. Davor braucht niemand Angst zu haben», so Kienzl. Ebenfalls gute Erfahrungen hat Christoph Eichberger von The Grip Bag gemacht. «Mein Produkt war im Prototypenstatus, als ich zu impulse kam. Durch die Förderung war es möglich, weiterzuarbeiten, das Produkt zu verbessern und in das nächsthöhere Level aufzusteigen.» Das sei enorm wichtig, so der Wiener Produktdesigner. «Dadurch wird es leichter, vor allem auch bei weiterführenden Kreditgesprächen mit Banken.» •

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«Ziel von impulse I aws ist es, innovative und unternehmerisch denkende Menschen möglichst früh dabei zu unterstützen, ihre Ideen in marktfähige, unser aller Leben bereichernde Produkte und Dienstleistungen zu verwandeln», sagt Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der aws. Dieser Prozess kann jedoch langwierig, anstrengend und vor allem kostenintensiv sein. Mit den Förderlinien impulse XS, im-

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pulse XL und impulse LEAD stehen Angebote für unterschiedlichste Unternehmensgrößen und Entwicklungsphasen zur Verfügung. «impulse, insbesondere impulse XL, richtet sich nicht nur an Kreativwirtschaftsunternehmer im engeren Sinn. Es geht uns um Innovationsprojekte, bei denen sich die Innovation durch kreativwirtschaftliche Leistungen begründet. Damit diese erfolgreich am Markt umgesetzt werden, braucht es meist die Kooperation zwischen kreativwirtschaftlichen und klassischen Unternehmen», so Sabine Pümpel, Programmleiterin von impulse.


austria wirtschaftsservice impulse fördert innovative Projekte! In der Steiermark! The Grip: Der Sicherheitsgurt von Sitz 6F des Flugs OS 63 VIE-PEK-SHA wird zum Tragriemen einer Tasche aus Airbag und Fahrradreifen. Ein Unikat. Gefertigt aus Abfällen. www.the-grip-bag.com

Präsentation im virtuellen 3D-Raum: Wanted: Interaktionsdesign für Architektur, Einrichtung. Bau. Ziel: Neue Plug-in-Software: Schnittstelle von MRI Tracer und Echtzeit 3D Programmen. Take it easy! www.kommerz.at

Creative-Green-Elements: Weltneuheit: Begrünte Wände. Innen wie außen. Union von High-Tech und Natur. Pflegeleichte Vertikalgärten: Bessere Luft, gutes Klima, weniger Lärm, Staub, Keime. www.formingruen.com

Mitwachsendes Kinderbett: Kinder wachsen. Kleider, Schuhe, Socken werden zu klein. Betten nicht mehr. Module aus Papierpulpe lösen das Problem. Sie wachsen mit. Sparsam und umweltbewusst. www.perludi.com

Mode | Medien- und Verlagswesen | Architektur | Grafik | Kunstmarkt | Design | Werbewirtschaft | Musikwirtschaft/Musikverwertung | Audiovision und Film/Filmverwertung | Multimedia/Spiele www.impulse-awsg.at

Stoffofen: Stoffobjekte für Wärme, Licht, Feuer. Keine Utopie: Öfen aus hitzebeständigen Stoffen. Energiesparende, formbare, gestaltete Unikate. Skulpturen zum Heizen. Heiße Kunst. www.kachelofen.net


A WIE ASSEMBLY DAS ASSEMBLY-TEAM BRINGT VON 10. BIS ZUM 13. MAI MEHR ALS 70 SPANNENDE DESIGNPOSITIONEN NACH GRAZ. DIE ERÖFFNUNGSMODENSHOW MIT MUSIK VON BINDER & KRIEGLSTEIN FINDET HEUER AUF DEN KASEMATTEN STATT, DIE DREITÄGIGE VERKAUFSAUSSTELLUNG GEHT

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DESIGNMONAT GRAZ 2012

IM STADTMUSEUM GRAZ ÜBER DIE BÜHNE.

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TEXT: SUSANNE LIPINSKI


GRÖSSER, ZENTRALER, INTERNATIONALER Wir erinnern uns kurz an letztes Jahr: Die Eröffnungsshow in der Werkshalle der Graz-K ach- ahn war ein glänzender Au takt zwischen Lokomotiven und Gleisen. ie erkau sausstellung von assembly stand edoch knapp vor der Absage, weil keine zentrale Location zu finden war. Angedacht war, die nationalen und internationalen eiträge aus ode, Kunst und Produktdesign in einzelnen abgestellten Waggons zu präsentieren allerdings am ahnho Stra gang. in reakiger Ansatz wäre da nicht die dezentrale Lage gewesen. Stattge unden hat assembly schlie lich doch im Herzen der Stadt konzentriert im . Stock des Grazer ongress mit enormem Publikumsandrang. Heuer wird das esign estival wieder gr er, denn die Ausstellerinnen und Aussteller aus Tokio, uenos Aires, dem europäischen Ausland Fokus S dosteuropa und nat rlich aus Österreich bespielen vier tagen des Stadtmuseums. ie italienische K nstlerin enedetta acovoni hat eigens r das Foyer des Hauses eine Textilskulptur kreiert. Unmittelbar nach der r nungsmodenschau au den Kasematten wird onnerstagabend die esignausstellung er net. F r isuals und Klang der A ter-Show-Party zeichnen Allrounderin acovoni mit der Gruppe Female ut und e- oni ue verantwortlich.

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ie lang ährige usammenarbeit vor allem mit den s dosteuropäischen esignerinnen und esigner hat auch die ausländische Presse angezogen, kroatische und slowenische edien berichten gerne vom Grazer esign-Hotspot. Was alle schätzen, ist, dass assembly nicht nur ode ist, sondern ertreterinnen und ertreter aus allen esignsparten ausstellen , asst die Hauptorganisatorin die Reaktionen von Publikum und Ausstellern zusammen. Wie assembly wirklich wird, wei man nur, wenn man hingeht, teilnimmt oder bei einem o enen Wettbewerb seinen architektonischen, modischen oder k nstlerischen lick au Graz einreicht.

ode otografie ist Zum Träumen. Farbe In der Mode entdeckt man jede Saison eine neue Farbe. Jahreszeit Ich bin froh, dass wir vier haben!

Urlaubsdestination Ich fahre lieber zum Arbeiten irgendwo hin, da lernt man das Land wirklich kennen und knüpft spannende neue Kontakte.

Inspiration Ist das Spannungsfeld zwischen Sehen und In-sichHineinverarbeiten – egal ob im Kaffeehaus, im Garten oder auf Reisen. Man hat den Blick nach außen und gleichzeitig die Zeit zu reflektieren. Wunsch für assembly 2012 So viele spannende Designpositionen wie nur möglich nach Graz bringen!

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LINKS: LOGO-TIER GOTTESANBETERIN, © IGOR SIWANOWICZ; RECHTS: BENEDETTA JACOVONI, © WOLFGANG CROCE

Herzst ck ist und bleibt aber die erkau sausstellung. Au . uadratmetern und im Ausstellungsdesign von hristina Romirer und Ulrich Reiterer sie k nnen unter anderem aus dem unglaublichen useums undus sch p en hei t es dann von Freitag bis Sonntag verkau en und vernetzen. Rekordverdächtiges erkau stalent war die mazedonische odesch p erin S. Sie musste Graz bereits am Sonntag in der Fr h verlassen, denn sie hatte nur mehr wenige Kleidungsst cke, die verloren au ihrer erkau sstange hingen, alles andere hatte sie bereits in den ersten beiden Tagen an die Frau gebracht.

Lieblingsdesigner Kommt aus Kolumbien: Haider Ackermann.

DESIGNMONAT GRAZ 2012

Au erdem haben die assembly- eranstalter G nter rodtrager, der ruhende Pol hinter den Finanzen, - ong Lin, zuständig r alle odenschauen, und Karin Wintscher- inganel, k nstlerische Gesamtleitung den Fotogra en Igor Siwanowicz gewinnen k nnen. Ihm ist das wunderbare Foto des dies ährigen Logo-Tiers, der Gottesanbeterin, zu verdanken. ieses Tier bietet eine unglaubliche Inspiration r esigner, weil es so ragil ist , meint Karin Wintscher- inganel.

KURZ GEFRAGT: Karin Wintscher-Zinganel

Benedetta Jacovoni, «Ritual net Nr. 4», sitespecific installation, 2010, Acrylfaden, courtesy WERKSTADT GRAZ


B WIE BETTINA REICHL IM PORTRAIT Bettina Reichl ist eine aktive Mode-Vernetzerin: Designfestival assembly, Crossing Fashion, Forschung für nachhaltige Verpackungen sind ihre Arbeitsbereiche. Und sie macht Mode: nachhaltige, preisgekrönte und leistbare.

KURZ GEFRAGT: Bettina Reichl Lieblingsdesigner Issey Miyake.

DESIGNMONAT GRAZ 2012

Zusammenarbeit Starker Zusammenhalt in einer Gruppe fördert und stärkt den Einzelnen. Farbe Naturfarbe.

ode otografie ist Wesentliches Element im Modemarketing. Jahreszeit Sommer.

Urlaubsdestination Raus – so oft wie möglich und die ganze Welt sehen! Inspiration Fremde Kulturen. ity o esign Chance für Graz.

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Wunsch r assembly assembly lebt von den Ausstellern, und ich erhoffe mir auch heuer wieder viele spannende, herausragende Designpositionen.

as h rt sich nach einem dichten Tagesplan an Tri t man die esignerin, die ihrem odelabel den klingenden Familiennamen ihrer Urururgro mutter R WA gegeben hat, zum Gespräch, wird man ast ein bisschen neidisch. Im letzten Herbst war Reichl beispielsweise gemeinsam mit den Kolleginnen ihres Shops Pell ell in Niger. s war das vierte Pro ekt der Reihe rossing Fashion, die zusammen mit dem A ro-Asiatischen Institut Graz seit organisiert wird. Weich allende, d nne Lodensto e in einster erarbeitung brachte die sterreichische elegation nach A rika, heimgebracht hat die Gewinnerin des Kastner & Öhler Fashion Awards Wachs-Print-Sto e von der l enbeink ste, die sie gleich r ihre neue Kollektion verwenden konnte. s gibt berall au der Welt enschen, welche unglaublich sch ne Textilien herstellen, die unglaublich sch ne Kleider haben wollen, Leute, die experimentieren, Leute, die ode als Kunst begrei en , schwärmt Reichl ber den ehrwert, den sie bei ihren Reisen gewinnt. enn experimentieren tut sie a selbst gern, ebenso wie zum Thema Nachhaltigkeit orschen, weil es ihr ein Anliegen ist, sich nicht in die Fluten des kommerzorientierten arktes zu wer en, sondern einen Gang zur ckzuschalten. F r die Nachhaltigkeit in ihrer ode war sie Preisträgerin des Slow Fashion Awards . it Nachhaltigkeit im Fashiondesign lie e sich in Österreich auch eine neue ode-Identität scha en, denn e ausgeprägter das ode-Profil eines Landes, desto gr er seine odeIdentität. Als extremes eispiel zitiert die Allrounderin die Fashionentwicklung in den kriegstraumatisierten Nachbarländern, ein unverwechselbarer Stil zeichnet s dosteuropäische ode auch heute noch aus.

Die neue Kollektion von Bettina Reichl ist bis 10. Mai 2012 bei Kastner & Öhler erhältlich.

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ode ist Kultur, ode ist Sprache, ode soll spannend sein und experimentell bleiben , lautet das redo von ettina Reichl. ie rgebnisse ihrer Pro ekte, die sie gemeinsam mit Filmemachern, Forschern und odesch p ern aus anderen Ländern macht, haben in den vergangenen ahren die Stadt Graz mit experimenteller ode kon rontiert. Lange eit hat sich ettina Reichl ge ragt, ob sie sich nicht irgendwann einmal r ode oder Pro ektarbeit oder Forschungsarbeit entscheiden hätte m ssen, mittlerweile aber gen sich ihre Arbeitskreise ineinander s gibt keine ode ohne Reise, keine Reise ohne Forschung und keine Forschung ohne ein nachhaltiges rgebnis.

V.l.n.r.: Andrea Krobath (K&Ö Leitung Mar keting Mode), Susanne Loibnegger (K&Ö Head of Styling), Gerlinde Lang (Moderatorin), Bettina Reichl (K&Ö Fashion Award Gewinnerin 2011), Eberhard Schrempf (GF Creative Industries Styria), Karin Wintscher-Zinganel (Organisatorin assembly), Mateja Krofl & Tinka Domjan (Farandula Designerinnen, Siegerinnen 2010)

Die Jacke ist nachhaltig gefärbt und setzt sich schnitttechnisch aus lauter Kreisen zusammen.


K WIE K&Ö FASHION AWARD Mit Andrea Krobath, der Leiterin der Mode-Marketingabteilung bei K&Ö, hat Graz eine aufgeschlossene Modeexpertin gewonnen. Im Gespräch mit K&Ö Fashion Award-Preisträgerin Bettina Reichl erläutert sie Preis-Details und warum Graz durchaus Mailand werden könnte.

Bettina Reichl, Sie haben den K&Ö Fashion Award 2011 erhalten, die Jury hat einstimmig für Sie gestimmt, mit welchem Gefühl haben Sie den Preis angenommen?

Bettina Reichl: Ich habe mich irrsinnig gefreut, es war eine große Ehre für mich, aber auch eine große Überraschung, weil man sich ja nicht beworben hat. Der Wettbewerb war insofern offen, als sich die Jury alle Aussteller angesehen und dann entschieden hat. Endlich eine Österreicherin als Award-Trägerin – die Vorjahressiegerinnen Farandula kamen ja aus Slowenien, Baipa Ripa war Shootingstar aus Lettland.

BR: Kurz gefasst: Ich kooperierte mit dem Institut für Textilchemie und Textilphysik der Universität Innsbruck in Dornbirn, das schon länger erforscht, wie man aus Industrieabfällen – etwa Zwiebelschalen aus der Lebensmittelindustrie – Färbemittel gewinnen kann. Das Tannin, mit dem ich die graue Farbe meiner aktuellen Kollektion erzielt habe, kommt aus der Holzverarbeitung. AK: Ja, und darüber hinaus zeugt deine Mode von einer sehr durchgängigen Schnittführung; es ist einfach eine sehr schöne Kollektion im Gesamten. Ist der Preis ausgeschrieben für avantgardistische Mode?

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AK: Nein, er ist ausgeschrieben für innovative Mode. Heuer können auch Produktdesigner, die irgendwo in die Geschäftsbereiche von Kastner & Öhler passen, den Preis erhalten. Ist der Preis ein Sprungbrett?

BR: Auf jeden Fall! Auf der Ebene der Öffentlichkeitsarbeit ist er eine Chan.e v M M einer Vielzahl von Menschen näher. AK: Ja, der Preis ist für die Designerinnen und Designer auch eine Möglichkeit zu schauen, wie kommt die Kollektion bei einem größeren Publikum an. Ein Teil des Preises ist eine Modestrecke im K&Ö Kundenmagazin, damit erreichen wir 80.000 Haushalte in Graz und Umgebung. Das größte Ziel des K&Ö Awards ist aber nicht der Verkauf, sondern modetechnisch neue Richtungen vorzustellen, das ist sozusagen ein kultureller Entwicklungsaspekt … Ist Modedesign aus Graz oder aus Österreich marktorientiert?

AK: Marktorientiert sind in gewisser Weise alle, wenn man sich Pell Mell anschaut oder Lisi Lang, die auch in Wien gut vertreten ist, die haben ihre Zielgruppe.

Graz wird nicht Mailand werden …

AK: Auch nicht Antwerpen, aber Mailand ist vielleicht ein guter Vergleich. Bei aller Konservativität in Graz ist vielleicht doch ein italienischer Stil ausgeprägt, dieses Angezogene, dieses Adrette; Graz ist schon eine sehr italienisch angehauchte Stadt.

usammenarbeit Konstruktives Miteinander. Farbe Pink. ode otografie ist Wenn gut gemacht, wunderschön und eine Inspiration.

Jahreszeit Winter und Sommer! Ich bin nicht der Übergangsmensch. Urlaubsdestination Ganz fern und weit weg, aber auch in Österreich, wenn das Wetter schön ist. Inspiration Eindeutig Design und Kultur. ity o Graz.

esign

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BR: Naja, die Textilindustrie ist ja in Österreich quasi nicht mehr vorhanden. Aber es gibt ganz viele Einzelkämpfer. Wir versuchen, in Graz eine eigene Identität aufzubauen und haben uns auch als Tor zum südosteuropäischen Raum verstanden. Ich fände es gut, wenn die österreichische Mode so ein Selbstbewusstsein bekommt, dass man nicht mehr versucht, irgendwelche großen Marken zu kopieren oder ständig nach Italien schaut.

Lieblingsdesigner art point vienna; ist jetzt interessanterweise auch bei Pell Mell.

DESIGNMONAT GRAZ 2012

LINKS: BETTINA REICHL, © SISSI FURGLER; ODROWAZ, © LUPI SPUMA; FASHION AWARD VERLEIHUNG 2011, © STEPHAN FRIESINGER; RECHTS: ANDREA KROBATH, © STUHLHOFER/WOLF

Andrea Krobath: Bei uns war die Nationalität nie ein Kriterium, es zählt vielmehr die Innovation. Bei Bettina Reichl hat uns die natürliche Färbetechnik überzeugt, aber da soll Bettina mehr erzählen.

KURZ GEFRAGT: Andrea Krobath

Wunsch r assembly Ganz viele neue Designer aus dem europäischen Raum sollen den Weg nach Graz finden.


D WIE DESIGN-DIVERSITY PRODUKTE TREFFEN AUF MODE, DESIGN BEGEGNET KUNST, DESIGNER SIND MENSCHEN, DIE SICH AUSTAUSCHEN WOLLEN. EXTRAVAGANT, VIELFÄLTIG UND INTERNATIONAL, DAS SIND DIE AUSSTELLER VON ASSEMBLY 2012. EINIGE DAVON MÖCHTEN WIR NÄHER VORSTELLEN:

DESIGNMONAT GRAZ 2012

G E L A H Ü T E , L E I P Z I G Hinter den Hutkunstwerken in den Farben Schwarz und Rot von Gela H te aus Leipzig steckt Angela Wandelt, Architektin und Trägerin des F rderungspreises aukunst der Akademie der K nste, erlin. Geometrische, klare Formen und aterialkontraste aus Seide, Samt und Wolle spiegeln sich dementsprechend in ihrer Hutmode wieder. A Q U A N A U T A , B U D A P E S T odedesignerin ernadett Pallai alias A uanauta studierte an der Universität r Kunst und esign in udapest. Ihr odestil ist klassisch, zeitlos und weiblich. Sowohl bei ihrer casual und legeren ode als auch bei den Fotocollagen entdeckt man eine eine rise Humor.

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PIGGYBACK COUCH TABLE, WHITE E L E P H A N T , G R A Z as Produktionsmittel wird zum bel ereinigung eines in den belwerkstätten genutzten Transportwagens mit ma ge ertigten odulen zum bel. er Spanngurt, eben alls dem lau enden etrieb entliehen, verbindet Neues mit der rauen sthetik und den Werkspuren aus ahrzehntelanger erwendung. as belst ck, das in Kooperation mit der Neuen Wiener Werkstätte im Rahmen der Passionswege ienna esign Week entstanden ist, war diesen April bereits au der Raw and elicate in ailand. SC H AU KE L MÖ B E L CO N S TA NTI N , PE RL U D I , G R A Z perludi Latein r durch das Spiel , eine Welt, in der Wertigkeit, Sinnha tigkeit und Freude an Leben und Natur im ittelpunkt stehen, ist schon o t beim esign estival assembly zu sehen gewesen. ie Kinderm bel und Spielzeuge von Thomas aitz sind aus hochwertigen wie nachhaltigen aterialien und sind viel ach kombinier- und bespielbar.

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Z U Z A N A V E S E L Á , P R A H A ie auch in einem Wiener Shop erhältliche aktuelle Kollektion der tschechischen esignerin uzana esel kombiniert Schwarz- und Graut ne im kleinen und anz glich adretten Schwarzen oder im wärmenden bergangsmantel. Nach ihrem Studium an der University o Art and esign in Helsinki kreiert sie seit limitierte Kollektionen. J E S U S F E R N A N D E Z , B U E N O S A I R E S Der Dessous- xperte aus der argentinischen UN S ity o esign produziert Lingerie, die sich durch einen ix aus retro und klassisch, aus alt und neu auszeichnet. Aus einen italienischen Sto en entwickeln die essousdesigner von F präsent au Fashion vents in Tokio oder Paris eminine retro-romantische sthetik in vollendeter etailarbeit.


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ASSEMBLY DESIGNFESTIVAL – (VERKAUFS)-AUSSTELLUNG

benedeTTa Jacovoni

iM sTadTMuseuM graZ und vernissage von

eröffnung der designaussTellung

iM anscHluss

ModeraTion: gerlinde lang von fM�

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ASSEMBLY 6/6

5 ASSEMBLY-FESTIVAL.AT

K&Ö, SACKSTRASSE 7

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PreisverleiHung

KASTNER UND ÖHLER FASHION AWARD

ASSEMBLY

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ASSEMBLY STREET TREET F ASHION SHOW

SACKS TRASSE 18

Titelbild: Zuzana Veselá, Praha, © Dan Harva 2 – Gela Hüte, Leipzig, © Sker Freist 3 – Piggyback Couch Table, white elephant, Graz, © Jasmin Schuller

DESIGNMONAT GRAZ 2012

4 do, ��. Mai, ��.�� uHr

SCHLOSSBERGBÜHNE, KASEMATTEN

ASSEMBLY ERÖFFNUNGSMODENSCHAU

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4 – Aquanauta, Budapest, © Aquanauta 5 – Schaukelmöbel CONSTANTIN, perludi, Graz, © Martin Pabis


HIER SPRIESST MEHR ALS EINE PARTY WAS VOR 12 JAHREN IN EIN PAAR CLUBS DER STADT BEGONNEN UND KNAPP 2.000 BESUCHER ANGELOCKT HAT, IST ZU EINEM FESTIVAL MIT FANS IN ALLER WELT AUSGEWACHSEN. DAS SPRINGFESTIVAL, DAS HEUER VON 16. BIS 20. MAI STEIGT, HAT ES GESCHAFFT, GRAZ ZU EINEM HOTSPOT AN DER SCHNITTSTELLE ZWISCHEN TECHNOLOGIE UND KUNST, UNDERGROUND UND POP ZU MACHEN. UND DAS FESTIVAL HAT NOCH VIELE VISIONEN IN DER SCHUBLADE.

SPRING 1/5

DESIGNMONAT GRAZ 2012

TEXT: CHRISTOPH HARTNER

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SPRING 2/5

LINKS: FRITTENBUDE @ HELMUT LIST HALLE, © ANNA SARCLETTI

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DESIGNMONAT GRAZ 2012

Wenn nach einem langen, harten Winter die Bässe wieder Artwork oder der Webseite, bei der Programmierung des sprießen und die Party-Bienchen von Club zu Club schwir- Festivals und vielen weiteren Kooperationen sehen kann. ren, dann bricht in Graz eine der schönsten Jahreszeiten an: ie andbreite reicht da von Webdesignern, Grafikdesigder spring. Neben dem «steirischen herbst» gibt es mit dem nern, s, isualisten, Live-Acts, Labels und eranstaltern elektrifizierten Fr hling schon seit einiger eit eine zweite bis zu Agenturen. hne die rasante ntwicklung und starke ahreszeit, in der sich die gem tliche Stadt an der ur ein inbindung der lokalen Szene wäre das spring estival nicht wenig an hlt wie eine pulsierende etropole. dort, wo es heute steht , so Ste an Auer. Gemeinsam mit dem Grazer odelabel zerum etwa veranstaltet man dieses war ein ahr mit gro en eränderungen r das Festi- ahr einen T-Shirt- ontest und die esigner von apbagval rstmals bespielte man mit Stadthalle und Helmut-List- rag produzieren eine limitierte Kollektion an spring estivalHalle auch die gr ten Häuser der Stadt und konnte die Taschen r iPad und iPhone. Publikumszahlen kräftig nach oben schrauben: 23.000 Besucher aus Nationen wurden im vergangen ahr in Fr h- Und auch musikalisch sind aus Österreich neben Aushängelingsstimmung gebracht, r heuer werden ähnliche ahlen schildern wie Elektro Guzzi auch immer wieder spannende erwartet. ehr als Prozent der Tickets werden mittler- neue Namen im Line-up des Festivals zu finden So etwa weile jenseits der österreichischen Grenzen verkauft – haupt- Florian eindl, dessen Stern derzeit kaum h her stehen sächlich in eutschland, Italien, Slowenien, Frankreich, Spa- k nnte. er in erlin lebende Sounddesigner, usikprodunien und ngland. udem scha te man zwei al in Folge zent und verz ckt mit seinem cleveren inimal Techno den Sprung in die Top der besten Indoor-Festivals uro- seit einiger eit die Szene. F r Au sehen sorgte auch Tania pas. Das springfestival hat somit nicht nur einen großen kul- Saedi mit ihrem ersten eigenen musikalischen Atemzug, dem turellen, sondern auch einen touristischen ehrwert r Album xhale Porträt au Seite . Graz. Im Fr hling kommt die europäische Szene, denn eine derart geballte Ladung elektronischer usik wie beim spring- Aber auch abseits der hnen und der Tanz ächen will das festival bekommt man nicht schnell wo geliefert. spring estival Akzente setzen und sich nicht mehr länger mit musikalisch erstklassiger Party begn gen Wir arbeiten Und auch heuer wurde von spring estival- he Ste an Auer schon lange an einem rei-Säulen- odell , schildert Komund seinem Team wieder ein hochkarätiges Line-up zusam- munikations- he Tim rtl die Planung r das Festival mengestellt arunter etwa das legendäre Pariser Houseusik, Wissenstrans er und Kunst sollen gleichwertige Teile uo assius, das r zahlreiche ance oor-Hits verantwort- der Programmierung sein. Seit dem vergangenen ahr ist lich zeichnet und ihre aktuelle Single I Love ou So mit- das Festivalangebot mit den springsessions einer Kon ehil e eines eigenen iPhone-Apps zum Kultstatus ge hrt hat. renz r elektronische Kunst, Technologie und esign um Hitlie eranten sind auch Skream & enga, die trotz ihres un- eine bedeutende Facette reicher. F r diese iskurs-Schiene, gen Alters bereits zu den Urgesteinen des Londoner ub- die gemeinsam mit der reative Industries Styria veranstalstep zählen und genauso zum ersten al nach Graz kommen tet wird, werden Vordenker der digitalen Welt nach Graz werden, wie Amon Tobin, der mit seinen virtuosen Sound- geladen siehe Seite . designs zu den ein ussreichsten K nstlern der Szene geh rt Porträt au Seite . Gro es hat auch der Gro meister ermehrt will man k n tig auch au elektronische Kunst setGilles Peterson geplant: Der Brite, der in den 80ern das Gen- zen und dann damit in den öffentlichen Raum ausschwärmen, re Acid azz mit seinem gleichnamigen Label geprägt hat, doch da r ehlen die finanziellen ittel. Wir haben einen wird in Graz zwei Abende kuratieren. u Gast werden auch Satelliten entwickelt, der in eine h here Umlau bahn geh rt. zwei ganz rische Fräuleinwunder der Szene sein ie rasiliie Rakete ist startbereit, die Koordinaten r den genauen anerin illon bricht mit ihrer hauchigen Stimme elektroni- Kurs sind berechnet, was ehlt, ist der Treibsto , um abhesche usik au ihre emotionale uintessenz herunter, wäh- ben zu k nnen , so Tim rtl zur momentanen Situation. Prorend die ritin Little oots voll au gro angelegten Pop- ekte wie ein - - ideo- apping-Pro ekt an der Fassade Appeal setzt. Weiters au dem Programm stehen unter ande- eines ber hmten Grazer Gebäudes, eine interaktive Lichtinrem die Parade-Fusionierer von odeselektor, die Ausnah- stallation au dem ariahil erplatz oder der Interactive me-Hip-Hopper Foreign eggars, die erliner he -Partyance oor von Werner auk siehe Interview Seite liemacher AKA AKA, lektro-House der Sonderklasse von gen bereits fix ertig in der spring estival-Schublade. ahr r Format und der norwegische rachialraver Huoraton. ahr k nnte das r hlingsha te Angebot in Graz also noch breiter und bunter werden, als es das ohnehin schon ist. Und Doch das springfestival setzt nicht nur auf hochkarätige Gäs- ahr r ahr w rde man damit wohl noch mehr elektrifizierte aus dem Ausland, sondern auch au die Kooperation mit te Bienchen aus aller Welt nach Graz locken. Das springder Szene vor rt ie inbindung der lokalen Szene war estival ist da r bereit. Ist Graz es auch • uns von An ang an ein gro es Anliegen, wie man an unserem


SINNLICHE EKSTASE BEI KEINEM ACT DES HEURIGEN SPRINGFESTIVALS GEHEN TECHNOLOGIE, MUSIK UND KUNST EINE DERART SPEKTAKULÄRE FUSION EIN WIE BEI AMON TOBIN. IN SEINER WAHRLICH NICHT BESCHEIDENEN SHOW ZU SEINEM AKTUELLEN ALBUM «ISAM» HAT ER VIDEO-MAPPINGS IN PERFEKTE SYNCHRONITÄT MIT DEN

DESIGNMONAT GRAZ 2012

«Atemberaubend» ist das Wort, das man in Zusammenhang mit Amon Tobins ambitionierter «ISAM»-Show am öftesten hört. Im vergangenen Jahr hat der Brasilianer das gleichnamige Album auf den Markt gebracht, auf dem er seine Stimme in eine weibliche Form synthetisiert hat. Genau solche manipulativen Experimente sind es, für die der virtuose Sound-Designer seit Mitte der 1990er bekannt ist. Ob er nun mit Jazz-Samples experimentiert (wie auf seinen frühen Alben) oder Naturklänge zu Songs komprimiert (wie 2007 auf dem Album «Foley Room»), Tobin ist immer am Puls der Zeit. Und trotz aller technischer E perimentierfreudigkeit findet er f r seine Songs stets einen sehr emotionalen Kern. Vielleicht auch deshalb ist Tobins Musik bei anderen Kreativen sehr beliebt: Er hat für Filme wie The Italian Job, 21 und Taxidermia komponiert, und auch SpieleDesigner verlassen sich gerne auf seine spektakuläre Kunstfertigkeit

mit großen Beats. Doch mit seiner aktuellen «ISAM»-Show sprengt der Brasilianer nun alle Grenzen. Für die Bühne hat er sich rund um eine DJ-Kabine einen Würfel-Komplex bauen lassen, der schon alleine ziemlich aufsehenerregend ist. Doch dem nicht genug, wirft er auf diesen Komplex 3-D-Video-Mappings, die seine Songs weit über das musikalische Kunstwerk hinausführen. Punktgenau – oder besser gesagt pixelgenau – sind diese dreidimensionalen Visuals auf die Musik abgestimmt und erweitern diese zu einem multi-sensualen Erlebnis der Sonderklasse. Hören, sehen, fühlen, denken – Tobin hebt in seiner Show die Grenzen der sinnlichen Erfahrung auf. Mit großem technischen Aufwand, der jedoch nie groß in den Vordergrund gestellt wird, erzeugt er Momente der Ekstase, in denen seine Kunst durch alle Poren in die Körper dringen kann.

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DIE DIGITALE WELT MITGESTALTEN GEMEINSAM MIT DER KINDERUNIGRAZ WILL MAN DEN JUNGEN FESTIVALBESUCHERN EINEN EINBLICK IN DIE WELT DER ELEKTRONISCHEN KUNST GEBEN. FÜR DIE GRÖSSEREN GIBT ES AUCH EINEN MUSIK-WETTBEWERB.

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Wie wird ein Computer zum Instrument, zur Filmkamera oder zum Zeichenblock? Die moderne Technologie hat Dinge möglich gemacht, die für Kinder heute meist ganz selbstverständlich sind. Aber verstehen sie auch die Technologie, die dahinter steckt? Mit dem Projekt «SpringKids» wollen die Festivalveranstalter das junge Publikum vom bloßen Konsumenten zum kritischen Mitgestalter machen. «Experimentieren, forschen, spielerisch verstehen» lautet das Motto für das Projekt, für das man heuer mit der «KinderUniGraz» einen neuen Partner gefunden hat. «Ziel der Kooperation mit dem »springfestival» ist die Wissenschaftsvermittlung an Kinder und Jugendliche, sowie über die Musik ein Bindeglied zur Integration von bildungsfernen Familien oder solchen mit Migrationshintergrund zu schaffen, um die Gemeinschaft zu stärken und den

Abbau von Gewalt und Aggression zu unterstützen», so Verena Mayr, PR-Verantwortliche der «KinderUniGraz». Dem jugendlichen Publikum will man vor allem im musikalischen Sektor eine Leiter zum zukünftigen Erfolg reichen. Im Zentrum von «Spin to spring» steht ein internationaler Musik-Wettbewerb, bei dem junge Talente aufgespürt, gefördert und in den ersten Schritten der Karriere unterstützt werden sollen. Der Gewinner darf mit seinen Tracks oder Mixes vor internationalem Publikum auftreten. So wird das springfestival auch zu einem Magneten für junge Talente, die sich hier ihre ersten Sporen verdienen können. Die Zukunft kann also kommen.

LINKS: KINDERUNIGRAZ IM SOUNDLABO, © TIM ERTL ; RECHTS: CARIBOU @ SPRINGFESTIVAL 2011, © TIM ERTL; HEINEKEN ARENA @ STADTHALLE, © MIHA REKAR; RESTLICHE © SPRINGFESTIVAL

BEATS GEBRACHT.


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1 – Foreign Beggars 5 – Modeselektor 9 – AKA AKA

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2 – Electro Guzzi 6 – Format:B 10 – Gilles Peterson

3 – Dillon 7¡ – Cassius 11 – Little Boots

11 4 – Skream & Benga 8 – Florian Meindl

DESIGNMONAT GRAZ 2012

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EINATM EINATMEN, AUSATMEN SIE HAT IHRE MARKANTE STIMME BEREITS BEREIT VIELEN HEIMI HEIMISCHEN CHEN ELEKTRO-ACTS GELIEHEN. IM M VERGANGENEN JAHR HAT SAEDI MIT EXHALE E IHR ERSTES EIGENES ALBUM LBUM VERÖF VERÖFFENTLICHT UND SICH DAMIT IN DIE ERSTE REIHE EIHE DER Ö ÖSTER-

SPRING 5/5

DESIGNMONAT GRAZ 2012

REICHI REICHISCHEN MUSIKSZENE KATAPULTIERT. Die Songs der Wienerin mit persischen Wurzeln atmen ein ganzes Leben. Mit 34 ist Tania Saedi auch keine Anfängerin mehr – ihre Stimme kennt man etwa von Songs der Pumali Panthers. Aber erst auf ihrem ersten eigenen Album hat die in Graz ausgebildete Jazzsängerin nun ihre eigene Stimme ge gefunden Es sind viele Ein ssen zu h ren auf Exhale – Jazz, R’n’B, Post-Rock und TripHop; James Bond, Sade und Moloko; London, Wien, New York und der Orient. All das hat Tania Saedi eingeatmet und durch den Filter ihres Produzenten Markus Kienzl von den Sofa Surfers wieder in den Äther geblasen. an h rt den ongs an, dass sie kein chnellschuss sind, sondern ber eine lange eit hinweg ent entstanden und gut gereift Die eleganten eats und die feine ederf hrung ihres roduzenten verleihen dem Album bei all den vielf ltigen Ein ssen ein sehr homogenes esicht, das live zu wahrer r e anw chst Als einer von nur vier sterreichischen Acts war aedi auch auf dem Eurosonic estival in roningen vertreten, das zu den gr ten und wichtigsten alenteb rsen Europas z hlt, und konnte dort bereits ein internationales Publikum beeindrucken. Nichts anderes ist in Graz zu erwarten.

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REDEN WIR ÜBER VISIONEN NACH DER ERFOLGREICHEN PREMIERE IM VERGANGENEN JAHR FINDEN HEUER IM ZUGE DES S P R I N G F E S T I VA L S Z U M Z W E I T E N M A L D I E S P R I N G S E S S I O N S S TAT T. AU F D E R KO N F E R E N Z F Ü R E L E K T R O N I S C H E K U N S T, T E C H N O L O G I E U N D D E S I G N T E I L E N I N N OVAT O R E N D E R D I G I TA L E N W E LT VO N 16 . B I S 1 8 . M A I I H R E E R K E N N T N I S S E U N D L A D E N D I E F E S T I VA L B E S U C H E R

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Im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Kunst und Alltag bewegt sich das springfestival seit seiner Gründung. «Wir wollten von Anfang an nicht nur die Party featuren, sondern auch das Wissen vermitteln, das hinter elektronischer Musik und Kunst steckt», erzählt Tim Ertl. Die Avantgarde hat ab den 60ern technologische Neuerungen und wissenschaftliche Erkenntnisse aufgegriffen und in den Kontext der Kunst geführt. Mittlerweile sind diese längst in den popkulturellen Mainstream und damit auch in die Alltagskultur gesickert. Es ist zwar ein (virtuell wie auch real) etwas abgelutschter Slogan, aber die Visionen der Vergangenheit sind nun mal das Futter für die Realität der Gegenwart. Noch vor wenigen Jahrzehnten waren es einige Verrückte, die über «interaktives Design», «virtuelle Realität» oder «digitale Kunst» nachgedacht haben. Heute gehen uns allen diese Phrasen leicht von der Zunge. Doch welchen Visionen sie entspringen, wie sie sich auf unser Leben auswirken und wie wir unser Leben damit (um)gestalten können, hinterfragen wir nur selten. Wer also die Realität der Zukunft mitgestalten – oder diese zumindest verstehen – will, der sollte die Visionen der Gegenwart genau im Auge behalten.

und Mensch hervorzurufen – etwa indem er den Maschinen Augen verleiht und ihnen so die Möglichkeit gibt, den star star-renden Blick der Menschen zu erwidern.

Ebenfalls in Graz zu Gast wird der Software-Künstler Josh Nemoy sein, dessen Arbeit Visuals für den Film Tron Legacy genauso beinhaltet wie das Programm Ball Droppings, das ein Mix aus Computerspiel, Soundmaschine und Kunstwerk ist. Weitere Gäste sind Jared Ficklin, der Technologie und Party-Kultur vereint, um soziale Experimente zu veranstalten, der Flash-Guru Mario Klingemann oder die Künstlerin Shantel Martin (siehe Porträt). Und neben internationalen Stargästen sollen auch heimische Experten zu Wort kommen. So etwa die Grazer Spiele-Entwickler von Bongfish, die für das XBOX-Snowboard-Spiel Stoked verantwortlich zeichnen, oder die Grazerin Sylvia Feichtinger, die als Chefdesignerin bei Nokia Design tätig ist. Eine Legende aus dem eigenen Land ist auch bei den springsessions vertreten: Der Wissenschaftler und Avantgarde-Künstler Werner Jauk (siehe Porträt auf Seite 70). Ziel der Konferenz ist es, eine sehr offene Form der Wissensvermittlung zu finden, die xperten der Szene genauso anspricht wie interessierte Laien. «Unser ursprünglicher Gedanke war es, mit dieser Konferenz das Festival zu einem Treffpunkt zu machen, an dem man sich Inspiration für den Alltag holen kann, an dem aber auch die heimische Kreativszene neue Impulse bekommt und neue Netzwerke bilden kann», erzählt Tim Ertl. Dementsprechend offen ist auch der Arbeitsprozess auf der Konferenz. Die Experten kommen nicht nur, um ihre Vorträge zu halten, sondern suchen bewusst das Gespräch. Und sind natürlich auch auf den Konzerten des Festivals anzutreffen. «Normalerweise ist die Abendgestaltung bei Konferenzen ja eher fad. Aber nach Graz kommen alle gerne, weil auch abends was los ist.» •

SPRINGSESSIONS 1/3

Diesen theoretischen und wissenschaftlichen Unterbau und visionäre Arten, diese Erkenntnisse für die Zukunft weiterzudenken, kann man bei den springsessions erkunden. Musiker, Künstler, Menschen aus der Kreativwirtschaft, Wissenschafter, Soziologen, Ökonomen – sie alle treffen auf der Konferenz aufeinander, erzählen in Vorträgen von ihrem Werdegang, geben Einblicke in ihre Arbeitswelt, und ihre Erkenntnisse. Kuratiert wird die Konferenz auch heuer wieder von FITC aus Toronto, einer Organisation, die sich als Experten in diesem Feld einen Namen gemacht haben. Zu den internationalen Gästen zählt mit Golan Levin einer der führenden New-Media-Künstler. In seinen Arbeiten versucht er neue Formen der Interaktion zwischen Technologie

DESIGNMONAT GRAZ 2012

LINKS: SAEDI, ALEK KAWKA; FRITTENBUDE @ HELMUT-LIST-HALLE, © ANNA SARCLETTI; FLEX & NANO RECORDS @ POSTGARAGE, © MIHA REKAR; RECHTS: SPRINGSESSIONS 2011, © TIM ERTL

EIN, ÜBER VISIONEN ZU DISKUTIEREN.


FÜR DEN GEMEINDEBAU UND NICHT FÜRS MUSEUM: DER GRAZER WISSENSCHAFTER UND MEDIENKÜNSTLER WERNER JAUK WILL MIT SEINEN KÜNSTLERISCHEN FORSCHUNGEN VOR ALLEM DIE ALLTAGSKULTUR BEREICHERN. ER SPRICHT BEI DEN SPRINGSES-

Golan Levin (USA) Forscher bei Studio for Creative Inquiry und Professor auf der Carnegie Mellon University

MIT ALLEN SINNEN AUF DIE TANZFLÄCHE

DESIGNMONAT GRAZ 2012

Dank digitaler und elektronischer Hilfsmittel kann man nicht nur sprichwörtlich «Berge versetzen». Werner Jauk hat schon vor Jahren in einer gleichnamigen Installation einen Raum mit derart rasanten Wetterveränderungen bespielt, wie es sie in der Natur eigentlich gar nicht gibt. Aber die Grenzen der Natur haben wir in unserer Eroberung der digitalen Welt ohnehin längst hinter uns gelassen, oder? Mit seinen künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeiten im Spannungsfeld zwischen Realität und Virtualität ist Jauk zu einem der bedeutendsten Vertreter einer digitalen Avantgarde geworden, die einst als Medienkunst von Graz aus in die Welt gezogen ist. In der programmatischen Erweiterung des springfestivals sieht Jauk eine große Chance für die Stadt: «Wir haben die einmalige Möglichkeit, das, was die avantgardistische Medienkunst in Graz erarbeitet hat, in die gelebte Alltagskultur der Menschen zu bringen.»

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Mit dem Aufkommen der Techno-Kultur wurden die Erkenntnisse aus Wissenschaft und Avantgarde in die Alltagskultur geführt: «Davor hatte der Pop einen aufklärerischen Duktus und wollte verstanden werden. Die Techno-Kultur hat eine hedonistische Alternativwelt aufgezeigt, die sich den politischen Mächten weitgehend entzieht», so Jauk. Bei Techno ging es nicht ums Verstehen, sondern um die Immersion, die emotionale Erregung des Körpers. Am Paradigma der Musik orientiert wurde nicht nur der physisch spürbare Schall, sondern auch Licht und andere Möglichkeiten die Umwelt sensorisch wahrzunehmen zu emotionalen Stimuli.

SPRINGSESSIONS 2/3

Diesen Stimulationen «neben dem Klang» widmet sich Werner Jauk auch in seiner Installation ara onic Auf einer interaktiven anz che werden die Besucher von multisensorischen Stimuli angeregt. Ihre Reaktionen darauf werden über Ultraschall aufgefangen und erneut zu Stimuli verarbeitet. Man tanzt also zu den Klängen, die man selbst auslöst. Die Gestaltung des Werkes passiert nicht mehr länger nur in einem künstlerischen Prozess, sondern auch innerhalb der Teilnehmenden. Der Körper wird zum Schauplatz und zum Gestalter einer intuitiven Gemeinsamkeit, die im Moment lebt und kein speicherndes Medium braucht, das es zu einem besitzbaren Kunstwerk machen würde. Der Besuch im Club wird dadurch nicht nur zu einem lustvollen und ästhetischen, sondern auch zu einem politischen Ereignis. Liebend gerne geht Jauk mit seinen Ideen hinaus in den öffentlichen Raum: «Es geht mir nicht darum, die interaktiven Systeme digitaler Welten auf die Bühnen der Hochkultur zu bringen. Viel wichtiger ist es, die Menschen erfahren zu lassen, was sie damit machen können.» Neben dem Vortrag bei den springsessions wird Jauk bei «SpringKids» auch mit Kindern arbeiten. Und wenn die Fördergeber mitspielen, werden Festivalbesucher auch seine interaktive anz che spielend erleben k nnen

Josh Nimoy (USA) Software Artist

SIND.

Shantell Martin (UK) Visual Artist

DERE SINNLICHE ERFAHRUNGEN MÖGLICH

Werner Jauk (A) Wissenschaftler und Media-Artist

AKTIVE TANZFLÄCHE, AUF DER GANZ BESON-

Sylvia Feichtinger (A) Chefdesignerin bei Nokia

SIONS ÜBER SEINE IDEEN FÜR EINE INTER-


MALEN MIT FINELINER UND LICHT SIE HINTERLÄSST NACHRICHTEN AUF FLASCHEN, MACHT KUNSTWERKE AUS TURNSCHUHEN UND NUTZT POST-ITS, UM KLEINE GESCHICHTEN ZU ERZÄHLEN. SHANTEL MARTIN IST DIE NEUE KÖNIGIN DES LO-FI. DOCH AM MEISTEN AUFSEHEN ERREGT DIE JUNGE BRITIN MIT IHREN DIGITAL GRAFFITIS, DIE SIE AUF HAUSWÄNDE,

Ein Aufenthalt in Tokio war für Shantel Martin der Auslöser, mit ihren o i rafiken und eichnungen in die ffentlichkeit zu gehen. Für ihre zarten, feingliedrigen Artworks, in denen sie Malerei, grafische Elemente und treet Art verbindet, braucht sie nur einen Fineliner. Flaschen, Post-its, Turnschuhe, Wände und auch Menschen sind ihr Papier. Die Veränderungen, die sie an den Objekten vornimmt, sind meist dezent, nur selten bunt und haben dennoch eine fesselnde Wirkung, weil ihnen kleine Geschichten innewohnen. Diese Arbeitsweise hat sie natürlich sehr schnell zu einem Darling der Kreativdirektoren von Mode-Labels und Produktdesignern gemacht. Adidas, Coca-Cola und Dell zählten bereits zu den Kunden. Doch Martin kann auch anders. In ihrer Tätigkeit als VJ bläst sie ihre feinen, kleinen Artworks schon mal auf Hallengröße auf, spart dann auch nicht mit Farbe. Bei Konzerten, für die sie als VJ engagiert war, hat sie angefangen, ihre Visuals live vor Ort zu kreieren und via Pro-

jektoren auf eine Leinwand hinter den Musikern zu werfen. Schnell entwickelte sich daraus ihr eigener Stil, den sie so beschreibt: «Ich versuche, die Aura der Musik einzufangen und das Publikum über meine Visuals mit den Musikern zu verbinden.» Musiker und Besucher werden dabei oft in das Kunstwerk inkludiert, dienen auch als ro ektions che ur mit icht und arben ausgestattet, kann sie einem Konzert so eine ganz eigene Qualität und Tiefe verleihen. Malerei, Musik, Animation, Mode, Produktdesign und Street Art gehen in ihren Performances eine sehr individuelle Verbindung ein. Ganz bewusst arbeitet sie sowohl analog als auch digital. Warum auch nicht, immerhin ist sie mit ihren Artworks zum IT-Girl der internationalen Kreativszene geworden, war in der TV-Serie Gossip Girl genauso zu Gast wie bei America’s Next Top Model und hat ihre Live-Performance unter anderem auch schon im MoMa in New York gezeigt.

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DESIGNMONAT GRAZ 2012

LINKS: SÄMTLICHE BILDER © SPRINGFESTIVAL

BÜHNEN UND MENSCHEN WIRFT.


Österreichs Initiative zur Innovationsförderung in der Kreativwirtschaft evolve unterstützt dabei, die kreative Idee am Anfang des schöpferischen Prozesses weiterzuentwickeln und in wirtschaftlich erfolgreiche Bahnen zu lenken.

Eine Initiative des

www.evolve.or.at

Umgesetzt von:

www.impulse-awsg.at

www.creativwirtschaft.at


MÖBEL SPRECHEN KLARTEXT «DIE SEELE DES EINFACHEN LIEGT IM DETAIL» – DIE LEISTUNGSSCHAU DES JUNGEN DEUTSCHEN LABELS MAIGRAU IM LADEN

ZEIGT INNOVATIVE PRODUKTE MIT HOHEM ÖKOLOGI-

SCHEM ANSPRUCH.

DESIGNMONAT GRAZ 2012

Die hochwertigen Möbel, Leuchten und Wohnaccessoires von maigrau sprechen eine klare, deutliche Sprache, die sich aus der Logik ihrer Funktion und auch aus dem Material ergibt. Gegründet wurde das Label im Jahr 2007, mittlerweile sind die Produkte der beiden deutschen Designer Nik Back und Alexander Stamminger international erfolgreich: 80 ausgesuchte Händler vertreiben die edlen Stücke in ganz Europa. Anlässlich des Designmonats 2012 macht maigrau Station in Graz. Der Laden21, eine der gefragtesten Adressen für junges, zeitgenössisches Design in Graz, zeigt die Kollektion 2012 und lädt außerdem zur «Design Night» mit dem maigrau-Team.

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Die Kollektion von maigrau umfasst ein breites Spektrum an innovativen Ideen für den Wohnraum und den Objektbereich – Tische, Sitzmöbel, Leuchten und Accessoires. Die Seele der Produkte wird in der Leichtigkeit der Gestaltung und in der Hochwertigkeit der verwendeten Materialien verkörpert. Auch bei der Fertigung legt maigrau den Fokus auf Wertigkeit. Moderne Methoden der Verfahrens- und Fertigungstechnik vereinen sich mit höchsten Ansprüchen bei der handwerklichen Ausführung. Ein weiterer Schwerpunkt bei maigrau: das Bekenntnis zur Ökologie. Die maigrau-Produkte werden vor Ort in Deutschland gefertigt und ausschließlich in ökologisch unbedenklichen Herstellungsverfahren produziert.

DESIGN NIGHT UND ERÖFFNUNG DER AUSSTELLUNG FR, ��. MAI ��.�� BIS ��.�� UHR MiT nik back und  alexander sTaMMinger aussTellung ��. BIS � . MAI öffnungsZeiTen

MAIGRAU 1/1

luca black, Turn, © Maigrau

INNOVATIV, WERTIG UND NACHHALTIG

di — fr, ��.�� BIS ��.�� UHR SA, ��.�� BIS ��.�� UHR laden�� kaiserfeldgasse 21 LADEN��.AT


BLEI IM BLUT PAPIER, BLEI UND DRUCKERSCHWÄRZE: IN DER ALTEN DRUCKEREI BAUER IM ANNENVIERTEL ENTSTEHT

EINE

KREATIV-WERKSTÄTTE,

IN

DER

BLEISATZ

LEBEN ERWACHEN.

UND

HANDPRESSE

WIEDER

ZUM

TEXT: SUSANNE ARY

Im Hinterhof in der Annenstraße 19 führt eine alte Holztür in einen dunklen Raum voller Gerätschaften und Apparaturen, die betagt aussehen und nach Kfz-Werkstätte riechen. Ein alter Tischherd steht in der Mitte des Raumes. Im Obergeschoß reihen sich mannshohe Kästen aneinander, die mit niedrigen Schubladen versehen sind. Darauf stehen bekannte Namen: Helvetica, Bodoni, Kaufmann. In diesen Laden finden sich Tausende von uchstaben und Satzzeichen, von winzigen Schriftgrößen bis zu riesigen Plakatlettern, akribisch sortiert. Insgesamt sind es sicherlich Millionen. Kaum zu glauben, dass bis vor knapp 30 Jahren Bleisatz und Hochdruck die üblichen Methoden waren, einen Text zu Papier zu bringen.

M E H R A L S E I N R E T R O - T R E N D Dennoch geht es dem DruckZeug nicht nur ums Bewahren. Denn die digitale Druckkunst hat die analoge nicht vollständig ersetzt. «Handsatz und -druck sind anders, man kann anderes machen. Es ist ja auch nicht so, dass wir nicht mehr malen, nur weil wir otografieren k nnen , erklärt Ursula ogner. it der Handpresse lassen sich Papier, Textilien und sogar Holz in verschiedensten Formaten bedrucken. Beliebt sind vor allem die großen, hölzernen Schriftgrößen mit ihren unscharfen, weichen Rändern. Da ist nichts perfekt und scharfkantig wie am PC – die Schrift lebt, atmet geradezu. «Setzen ist eine erbindung aus Handwerk und grafischer Spielerei , bringt es Bogner auf den Punkt. Sozusagen Kreativität pur.

D I E B U C H S T A B E N S P Ü R E N Die alte Drucktechnik eim etreten der alten ruckerei auer in nostalgisches hat aber nicht nur künstlerischen Wert, sie wird immer öfter Schwärmen auszubrechen und die alten Maschinen und auch kommerziell angeboten. «Da gibt es viele Anwälte winzigen Lettern nur ehrfürchtig zu betrachten ist aber oder Ärzte, die keine Visitenkarte von einem Internetfalsch. «Wir wollen die Räume mit Leben erfüllen, Work- Druckservice haben wollen. Sie lassen das von Hand setzen shops abhalten und Künstlern und Kreativen eine Spielwiese und mit einer Presse drucken», erzählt Bogner. Der Retrogeben», erzählt Ursula Bogner vom Verein DruckZeug, der sich zur Aufgabe gemacht hat, die DruHandwerker, Designer ckerei auer wieder au eben zu lassen. Wenn Harald Leton a, Schri tsetzer, Grafikdesigner man die Maschinen nicht benutzt, werden sie kaputt. Wie bei Oldtimern.» Zum Designmonat 2012 öffnet die alte Druckerei wieder ihre Tore «Nichts gegen Museen, aber ich bin ja kein Pensiund schafft damit einen einzigartigen Ort des Ge- onist, der nur zurückschaut. Ich bin mitgewachsen staltens. Der Standort zwischen Gries und Lend und habe mich für Neues immer interessiert. Ich hat in letzter Zeit große Bedeutung für die Krea, hat für tivwirtschaft gewonnen: Kunstschaffende und bin Grafikdesigner. Harald Letonja, Kreative haben sich angesiedelt und bilden einen Druck-Nostalgie und Setzerei-Museen nicht viel natürlichen Lebensraum für die Druckwerkstätte. übrig. Denn für den gelernten Setzer ist die alte Aus der Druckerei Bauer wird auch ein Ort zum Lernen: «Man sollte junge Leute so ausbilden, Kunst so präsent wie damals, auch wenn sich viel dass sie das Wissen nicht verlieren, sondern wei- verändert hat. 1 0 stieg er als Lehrling bei Le tergeben», betont Bogner. kam in der Stempfergasse ein. Der Lehrberuf hieß

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AU S D E M DO R N RÖ S C H E N S C H L A F E RWACHT

D I E R E VO L U T I O N D E R V E R V I E L FÄ LT I -

Die Ursprünge der Kommunikationskultur zu kennen ist r einen Grafiker von heute unumgänglich – das sieht auch Franz Lazarus so. Der Grafikdesigner und Inhaber der gleichnamigen Werbe- und Kommunikationsagentur in Graz unterstützt den Verein DruckZeug. «Man vergisst schnell, wie revolutionär der Buchdruck war», sagt Lazarus. «Man konnte plötzlich Informationen vervielfältigen und austauschen. Vorher hat es das nicht gegeben.» Das aussterbende Handwerk der Setz- und Druckkunst zu erhalten und zugänglich zu machen hat für ihn auch eine weitere Funktion: «Handwerk, also geschnittener Stahl, gegossenes Blei, der Geruch der Druckerschwärze … das ist pure in achheit. Reduktion und Simplifikation sind Werte, die in unserer komplexen Zeit sehr wichtig sind.»

DRUCKZEUG 1/2

GUNG

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Schriftsetzer, seine Lehrzeit dauerte vier Jahre, dann blieb er sechs Jahre lang bei Le kam. Bis in die 1 0er Jahre war Letonja mit Bleisatz beschäftigt dann hielt der Computer Einzug und stellte die gesamte Branche auf den Kopf Das war brutal, weil wir Handwerker waren. Bleisatz bedeutet Handarbeit. Der Arbeitsplatz ist schmutzig, laut, staubig. Bretter mit bis zu 00 Kilogramm an Blei darauf waren zu heben. Es war ein stehender Beruf und wir waren viel in Bewegung. Von einem Tag auf den anderen mussten wir den ganzen Tag sitzen. Viele seiner Kollegen haben den Wandel nicht mitgemacht. Ganze Firmen hat es erwischt, eigentlich die ganze Branche. Begonnen


Trend kommt aus den USA hat einen Namen: Letterpress. Das Besondere an den Analog-Drucken sind nicht nur die originalen Schriftsätze in hoher Qualität, sondern vor allem das haptische Erlebnis: Man spürt die Vertiefungen, die die Lettern auf dem meist dicken Papier hinterlassen.

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Annenstraße 19 eine Buchdruckerei. 1914 kaufte Alexander Bauer Sen. das Unternehmen. Edith Bauer versprach ihrem Vater am Totenbett, den Betrieb weiterzuführen, und übernahm ihn 1971. Ab Mitte der 1990er Jahre schrieb der Betrieb rote Zahlen, denn immer mehr Kunden wanderten zu Großdruckereien ab, die Zeit des Offsetdrucks. 1998 war D E N K U L T U R S C H A T Z B E W A H R E N Die Firmender Konkurs unausweichlich. «In den Siebzigern, Achtzichronik der Buchdruckerei Bauer steht exemplarisch für gern und Neunzigern haben die Druckereien das Blei eingeeine Branche, der das digitale Zeitalter den Boden unter schmolzen, die Holzlettern angezündet und die Laden auf den Füßen weggezogen hat. Seit 1867 gibt es im Gebäude den Sturzplatz gefahren», sagt Ursula Bogner. «Die Druckerei Khil hat dann Bauer übernommen und so hatte alles mit Lochstreifen, Monitoren mit grü- die vollständig ausgestattete Buchdruckerei bener Schrift und Kommandozeilen: «Wir mussten wahrt.» Das Unternehmen Khil ist heute Eigentümer der Druckerei Bauer.

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Harald Letonja hat die rasante Entwicklung erfolgreich mitgemacht und sieht seine Setzer-Ausbildung als wertvolle Basis, die er auch weitergibt. Er unterrichtet heute Grafikdesign an der Karl-Franzens- niversität und am Berufsförderungsinstitut und macht Firmenschulungen. Die Grundbegriffe muss man als Grafikdesigner wissen. Welche Schriftarten passen zusammen, warum heißt es mbruch, wie ist ein Buchstabe aufgebaut Die Druckerei Bauer ist für ihn ein idealer Schulungsraum Wenn ich alte Lettern, Schriften und Fachausdrücke beschreibe, steigt die Begeisterung bei den Kursteilnehmern. Das Interesse am Handwerklichen ist enorm.» Verändert hat der Computer nicht nur seinen Arbeitsplatz, sondern die gesamte Berufslandschaft rund um die Mediengestaltung. Was früher spezialisierte Tätigkeiten waren wie Schriftsetzer, Reprofotograf, Stereotypeur, Lithograf ist mittlerweile zu einem einzigen Lehrberuf geworden Medienfachmann -frau.

Ende. Die letzte gedruckte Ausgabe der Encyclopedia Britannica stammt aus dem Jahr 2010. Nach 244 Jahren ist das legendäre Druckwerk heute nur noch digital zu erwerben. Diese Wende zum digitalen Zeitalter begann um 1980. Und nach nur 10 bis 20 Jahren rasanter Entwicklung von Soft- und Hardware waren die herkömmliche Setzkunst und der Hochdruck fast vollständig verschwunden. Am Ende der langen Geschichte des Buchdrucks steht die Abstraktion der Information – die digitale Revolution. Aus Bleilettern wurden Pixel, aus Setzern Grafiker. ennoch liegen die Welten sehr nahe beieinander. er in uss des uchdrucks auf das Design unserer Zeit ist essenziell. Viele Menschen haben dadurch erst lesen gelernt, das war ein gesellschaftlicher Umbruch. Das Internet ist dagegen – bei aller Wichtigkeit des Mediums – ein leiser Furz …» •

DRUCKZEUG 2/2

RECHTS: © DRUCKEREI BAUER

programmieren lernen.» Später kamen die ersten Macs mit -Zoll-Bildschirmen und grafischer ber- G U T E N B E R G S V E R M Ä C H T N I S Die Druckkunst hat eine lange Geschichte, aber ein kurzes fläche. Aus Handwerk wurde Bildschirmarbeit.

DRUCKZEUG STELLT SICH VOR FR, � . MAI, ��.�� UHR PRAXISWORKSHOP

SA, ��. MAI, ��.�� BIS ��.�� UHR ANNENSTRASSE 19 DRUCKZEUG.AT


KANN DAS GUT GEHEN? DAS

JAKOMINIVIERTEL

WIRD

SEIT

DREI

JAHREN

REVITALISIERT.

GUT

SO!

LANGSAM KEHRT GESCHÄFTSLEBEN IN DIE LANGE HARTNÄCKIG VERWELKTEN

JAKOMINIVIERTEL 1/4

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STRASSENZÜGE ZURÜCK. EINE BESTANDSAUFNAHME.

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TEXT: KLAUS HÖFLER


JAKOMINIVIERTEL 2/4

READY STEADY GO, © JASMIN SCHULLER

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IRG ENDWIE BLEIBT M A N R ATLOS ZU RĂœCK.

Gibt’s da eine innere Logik? Eine hintergrßndige marketingtechnische esamtchoreografie Einen lan Oder folgt alles nur dem rinzip ufall Ein estaurationsbetrieb f r alte unstwerke neben einem Afro hop f r e otische ebensmittelspezialit ten neben einer ferbohnen alerie neben einem Ab ussreinigungsbetrieb, einem hinarestaurant, einem rger teladen Dann auch noch ein hui ui ui e shop Im ebenhaus daf r grundsolide Arztpra en, hinter der n chsten Eingangst re eine ippige erbeagentur, gefolgt von einem kleinasiatisch gef hrten and shop und einem andagisten nd das alles auf nicht einmal etern esch ftsstrae ie ein uftballon, den man gerade aufbl st, bl ht sich da eine rage vor den eigenen Augen auf ann das gut gehen ann sich aus einem derart wirren i eine homogen funktionierende hoppingmeile entwickeln och dazu mit keinem einzigen arkplatz vor den diversen aust ren ann die akoministra e berleben

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ir sind auf einem guten eg , zerstreut ia aierl aufkommende weifel eit zweieinhalb ahren ist sie von der tadt raz als Entwicklerin f r das akominiviertel engagiert obei das mit dem Viertel ein bisschen irref hrend und hochtrabend daherkommt Die gr nderzeitliche lockverbauung zwischen akoministra e, akominiplatz, losterwiesgasse und razbachgasse umschlie t n mlich l ngst nicht ein Viertel des wenn auch nur viertkleinsten razer tadtbezirks nd als geschlossenes r tzel hat sich die s dliche Ausfransung des Innercit Districts auch nie verstanden Aber wahrscheinlich ist das eil des auf emeinschaftssinn stiften und arkenbildung ausgelegten arketingkonzepts, mit dem der iederbelebungsversuch der historischen esch ftsstra en unterlegt ist

anche reative kamen und sind trotzdem nur kurz geblieben o ist das ashion ab in der losterwiesgasse mittlerweile schon wieder eschichte Die als howroom odell konzipierte erkstatt f r Designer und odemacher in den ehemaligen umlichkeiten eines ebensmittelgesch fts litt unter fehlender undschaft erade in dieser ranche funktionieren andere Vertriebswege wie beispielsweise essen vielleicht besser , relativiert aierl die ritik am tandort Andere reative sehen den tandort als hance, wie beispielsweise ans auer, der mit seinem Verein ebikel erst vor urzem in die ashion ab ume eingezogen ist und hippe ahrradkreationen anbietet aus internationaler, aber auch eigener roduktion, wof r beispielsweise ausgemusterte und eingesammelte razer Drahtesel zu trendigen ikes aufgemotzt werden

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akominiviertel also Eingefasst wie eine erle ist der uadrant von einer aufbahn ieder so ein erbegag onnen ziegelrote aste wurden im eptember als eter lange chleife rund um das tra engeviert gepinselt Insgesamt uadratmeter tra en und ehsteig che strahlten damals wie eine ol mpische artanbahn einer hoffnungsschwangeren ukunft entgegen ead , stead , go nannten die beiden Ideengeberinnen, Elisabeth oller und andra anser, sportlich konnotiert ihre aufsehenerregende und eile der ev lkerung emotional aufregende Intervention im ffentlichen aum Auf ging s also ur wohin

is nach rasilien oder ew ork beispielsweise Aus damerika kam nach vielen internationalen edienberichten ber die gewagte tra engestaltung in raz unter anderem in der ew ork imes beispielsweise eine konkrete Anfrage an wolle das onzept f r die u ballweltmeisterschaft bernehmen enn on a rabner davon erz hlt, leuchten ihre Augen immer noch Die razer irtschaftsstadtr tin ist eine der treibenden r fte hinter dem ro ekt und stand damit lange im chussfeld der ritiker, die sich ber eine eldverschwendungsaktion beschwerten Immerhin verschlang die tra enbelagsbemalung wenig schlanke Euro Ohne zu provozieren, ohne das bewusste Anderssein, w re die etzige wirtschaftliche D namik nicht m glich gewesen , verteidigt rabner die Aktion nd der erbewert sei unbezahlbar

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geschlagen ist, spricht sie mittlerweile von positiv gewachsenen trukturen und deutlich erh hter gesch ftlicher Vitalit t ats chlich haben sich im aufe der eit neue nternehmen in ihrem Viertel angesiedelt Angelockt wurden und werden sie durch ein gro z giges ietkostenzuschuss rogramm der tadt ber drei ahre werden ieten zun chst zur lfte bernommen, im zweiten ahr zu rozent, im dritten ahr zu rozent Das greift in der notorisch finanziell eher unterbelichteten reativszene, der man damit die egend besonders schmackhaft machen will ostenpunkt des gesamten tadtviertel Animationsprogramms Euro

Eineinhalb ahre nach tart sind die spitzesten Emp rungsspitzen aber ohnehin abgestumpft, ist der rote lanz trotz regelm iger E trareinigungsschichten etwas verblasst Ein normaler Alltag am ande der gro en esch ftsstra en und hoppingcenter hat latz gegriffen rabner will dennoch ein wachsendes ir ef hl bei ewohnern und nternehmern festgestellt haben Es hat sich eine ommunit gebildet , ist auch oordinatorin aierl zufrieden achdem ihr anfangs vor allem von alteingesessenen nternehmern im besten all kepsis, teils auch offene Ablehnung entgegen-

Dritte sind seit der ersten tunde des eustarts mit dabei und immer noch da enn auch eher zuf llig zeitgleich mit dem tart der tadt Initiative bersiedelte Erika h mmel mit ihrem etrieb in die akoministra e Die estauratorin tauschte eine r umlich zwar gr ere, aber eben nur interhofwerkstatt in raz Eggenberg gegen die zentrale Innenstadtlage r sie hat sich der Ortswechsel ausgezahlt Ich bin sehr gl cklich , sagt h mmel Die undenstruktur habe sich durch die h here assantenfre uenz, die chaufenster unktion und damit generelle ichtbarmachung der Arbeit sukzessive verbreitert ir haben viel private aufkundschaft dazubekommen , freut sich h mmel ber ein neues tandbein icht die gro en unstwerke , aber vor allem em lde aus dem ahrhundert w rden zur earbeitung vorgelegt werden Eine willkommene Erg nzung beispielsweise zu den kulpturen aus irchen, mit denen man ansonsten besch ftigt ist o arbeitet h mmel selbst seit ahren bei der evitalisierung der asilika in ariazell mit achdem das Engagement in der allfahrtskirche weitgehend abgeschlossen ist, stehen noch bis ommer Arbeiten in der ortsnahen eiligbrunn apelle an Im esch ft in der akoministra e bringt indes eine der vier itarbeiterinnen h mmels detailverliebt die emalung eines olzschranks aus dem ahrhundert auf Vordermann Im hinteren eil des engen Ateliers inspiziert eine andere unge ollegin gerade ein mit einem dicken goldenen arockrahmen eingefasstes ild Drau en bleiben immer wieder neugierige assantennasen an der gro en lasfront kleben und beobachten die beiden bei ihrer eigenwilligen Arbeit

Auch ein paar eter ichtung den bleiben vor den Auslagen von aimund amerith, einem findigen ungen ischler, der mit e uisiter olzbearbeitung sinnliche Designerst cke schafft, immer wieder u g nger stehen ie finden schr ge ischkonstruktionen, innovative eleuchtungsob ekte, die in ooperation mit aterialwissenschaftlern aus eoben entstehen Alles ziemlich cool und trendig und sehenswert Die assantenfre uenz habe sich seit eineinhalb ahren von auf bis zu pro ag erh ht, freut sich tadtr tin rabner Die Voraussetzungen f r eine elebung sind gerade in der akoministra e freilich besonders herausfordernd irkliches iel


Etwas leichter hat es da die losterwiesgasse Die tra e ist etwas breiter, der hier erlaubte Autoverkehr berschaubar hristine a doub ulmer spricht von einem weichen, kuscheligen harme , wenn sie von ihrer losterwiesgasse spricht, in der sie seit ahren mit ihrem leidergesch ft g e l b zuhause ist Das evitalisierungsprogramm sei das este, was der egend passieren konnte , freut sie sich ber msatzsteigerungen von bis zu rozent r ritiker und ammerer kann sie daher kein Verst ndnis aufbringen Ich sag immer eid s dankbar, das ist ein eschenk an uns esch ftsleute r a doub ulmer hat die ro z gigkeit der ffentlichen and dennoch eine chattenseite Das ofgeb ude hinter ihrem esch ft wird gro z gig renoviert nd eineinhalb ahre chmutz und rm im esch ft und wom glich ein aukran davor darauf habe ich keine ust , blickt sie einem hoffentlich nur vor bergehenden Ende entgegen ie w rde, wenn es mietvertragstechnisch die passende elodie spielen w rde a doub ulmer , n mlich edenfalls gerne wieder zur ckkommen icht berall sind die von der tadt erw nschten Erneuerungsaktivit ten aber so konkret icht selten ist die tadt selbst daran schuld Es ist leider zerm rbend , kritisiert etwa Oswald eld, der zusammen mit olfgang usshold ber die gemeinsame luto mb mehrere user in der akoministra e gekauft hat und entwickeln m chte, darunter unter anderem den ilden ann , wo noch bis ommer die Vereinigten hnen ein finanziell und durch die geografische he g nstiges Ausweichproben uartier w hrend hauseigener mbauarbeiten gefunden haben Allein Entsprechende enehmigungsverfahren f r einen mbau der historischen au

substanz ziehen sich seit drei ahren in die nge Ein rdenlauf, der f r Investoren unangenehm ist , umschreibt eld seinen rger dar ber nobel, dass bislang noch nichts passiert ist und man stattdessen permanent im reis herumgeschickt wird Er spielt damit auf eine seiner einung nach fehlende oordination oder zumindest unstrukturierte ooperation zwischen tadtplanung und Altstadtsachverst ndigenkommission an Das ist generell eine ragik und f r eden Investor ein chuss vor den ug , kritisiert er und fordert, endlich gel mit pfen zu machen eld selbst sieht weiterhin unglaublich viel otenzial in einer unst andwerks ulturmeile im akominiviertel Allerdings Die tadt wird sich um einiges mehr bem hen m ssen als bisher

Andernorts stehen auseigent mer auf der remse eils wollen sie ihre modernen esch ftsanforderungen nicht entsprechenden umlichkeiten grunds tzlich nicht umbauen, oder k nnen es aus finanziellen r nden nicht, was in Verbindung mit berh hten ietforderungen oft zu leerstehenden okalen f hrt tadtr tin rabner verweist an dieser telle gerne auf die renzen der olitik ie selbst w rde edenfalls was das akominiviertel betrifft sofort alles noch einmal so machen Das iel ertsch pfung ber ertsch tzung generieren Denn Ver nderung braucht den ut, etwas zu tun , bietet sie wohlgeformte tehs tze aus dem otivationskatalog einschl giger ebensratgeber an

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RECHTS: BILDER JAKOMINIVIERTEL, Š MAX WEGSCHEIDLER; LAUFBAHN, Š JASMIN SCHULLER

ichtung den gibt es keines, dazu f hren doppelgleisige chienenstr nge der tra enbahn beidseitig ungem tlich nahe an der ehsteigkante entlang Das ist nicht gerade ein Ambiente, das zum ummeln einl dt

DESIGNMONAT GRAZ 2012

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Es bleibt ein gewagter pagat zwischen dem zum ewahren auffordernden eltkulturerbe itel von raz und seiner utig eues einfordernden it of Design Auszeichnung erade diese ipolarit t wertet rabner als esonderheit raz ist neben erlin die einzige E O ausgezeichnete tadt weltweit, die die r cke zwischen alt und neu schafft Oder sich zumindest auf den eg ber die r cke gemacht hat, m chte man mit lick ins akominiviertel hinzuf gen och ist das iel nicht erreicht •


IM ANFANG WAR DAS LOGO R

MAN

KL

G

BRINGT

MIT

SEINEN

GRAFIKDESIGN-ARBEITEN

WISSENSCHAFTLICHE THEMEN AUF DEN PUNKT.

F

R

DIE

NIVERSIT

T

GRAZ

TEXT: WERNER SCHANDOR

Stellen Sie sich vor: Ein Unternehmen mit 3.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in 76 inhaltlich autonomen Instituten und 7 übergeordneten organisatorischen Einheiten tätig sind. Rund 100 angebotene Dienstleistungseinheiten, genannt Studien, über 30.000 «Kundinnen und Kunden», genannt Studierende, und 1 Grafik-Büro mit Beschäftigten, das den Gestaltungswünschen dieses Apparates nachkommt willkommen an der Karl-Franzens-Universität Graz!

DESIGNMONAT GRAZ 2012

Seit über zehn Jahren zeichnet Roman Klug für das Kommunikationsdesign der Uni Graz hauptverantwortlich. Die Ausstellung UNI GRA gestaltet Grafikdesign an der Karl-Franzens-Universität Graz» im neuen Universitätsmuseum erlaubt Einblicke in einen Geisteskosmos: Bei den Foldern, Plakaten, CD-Covers und Büchern, die im Souterrain des Hauptgebäudes zu sehen sind, geht es, um nur einige Beispiele aufzuzählen, um mittelalterliche Lyrik, um Grenzsituationen der conditio humana oder um phänomenologische Zugänge zur psychiatrischen und klinischen Neurowissenscha t. In diesem Sinn spiegelt die Grafikdesign-Ausstellung das breite Themenspektrum der 1585 gegründeten Alma Mater wider: Es reicht von Theologie bis Recht, von den Natur- bis zu den Geistenswissenschaften, von den Sozial- bis zu den Umweltwissenschaften und überspannt alle Bereiche dazwischen. Doch nicht nur die Themen sind vielfältig, auch die Informationsmittel, die gestaltet werden wollen, haben ihre je eigenen Gestaltungsanforderungen. Neben den genannten Foldern und Publikationen gehören Messestände dazu oder Logos für weiter führende Uni-Aktivitäten, wie die hochschulübergreifende KinderUniGraz, der Medienlehrgang, die Montagsakademie oder «die 7. fakultät» – das Zentrum für Gesellschaft, Wissen und Kommunikation an der Uni Graz. a staunen o t die ruckereien und Grafikerkollegen von Agenturen, wenn sie hören, dass wir in unserem Büro zu dritt bis zu 200 Produktionen im Jahr bewältigen», erzählt Roman Klug.

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Ein reibungslos funktionierendes Prozessmanagement ist Voraussetzung, um einen Output in dieser Frequenz erzielen zu können. Wie aber kommt man bei dieser hohen Taktung überhaupt noch auf Ideen? – «Kreativität kann man nicht auf Knopfdruck während der Arbeitszeit erzwingen. ieles ie t von meiner künstlerischen Tätigkeit in die Designs ein und von den Dingen, die ich allgemein so wahrnehme», erzählt Klug, der bereits als Rockmusiker, Comiczeichner, Fotomodel, Grafikk nstler und nicht zuletzt als Gr nder und ehemaliger Chefkoch der kulinarisch-künstlerischen Interventionstruppe «Cooks of Grind» reüssierte. Diese Breite an künstlerischen Interessen befruchtet Klugs Arbeiten als Grafikdesigner. KREATIVITÄT UND KUNST

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druck zu bringen», beschreibt Johann Konrad Eberlein, Professor am Institut für Kunstgeschichte, die hohe künstlerische Qualität von Klugs Œuvre. Eberlein war es auch, der den Ansto r die Ausstellung UNI GRA gestaltet lie erte. er Kunsthistoriker attestiert dem Grafikdesign als Kreativsparte generell hohes Innovationspotenzial. «Wenn Kunst gesellschaftlich unterdrückt oder behindert wird, bernimmt o t Grafikdesign die hrende Rolle , sagt Eberlein. Und verweist gleichzeitig darauf, dass es nicht möglich ist, eine klare Trennlinie zwischen Kunst und Gebrauchsgrafik zu ziehen Wenn Sie nur an Warhol denken oder an aktuelle Medienkunst, dann wird deutlich, dass die beiden Bereiche nicht zu trennen sind.»

«Roman Klug versteht es ausgezeichnet, den mentalen, ideologischen und gesellschaftlichen Gehalt von Projekten zu erfassen und beispielsweise in einem Plakat zum Aus-

M E L A N C H O L I E D E R W I S S E N S C H A F T Roman Klugs grafische Arbeiten wecken bei den akademischen Auftraggebern immer wieder auch kunstgeschichtliche Assoziationen, etwa sein Buchcover für die Reihe «Grazer Arbeiten der Sprachdidaktik», wo er aus vielen kleinen, färbigen Sprechblasen ein Rasterbild einer gr eren Sprechblase kreierte. Der Herausgeber der Reihe reagierte auf den Entwurf begeistert: «Die Farbe der ersten Sprechblasen symbolisiert die seit Dürer mit violett-braun assoziierte Melancholie der Wissenschaft, und die sich wiederholenden bunten Sprechblasen zeigen, dass es immer wieder feste Plätze in der Wissenschaft gibt, an die man sich halten kann.»

Das, woran sich Roman Klug bei der Gestaltung seiner Kommunikationsunterlagen halten kann, sein visueller Anker, ist das Logo der Universität Graz. Es wurde Mitte der er ahre vom Grazer Grafikdesigner Peter Schaberl entworfen und war ein Meilenstein auf dem Weg, dem pluralistischen Gebilde der Universität so etwas wie eine Corporate Identity zu verpassen. «Wie kann eine, vom Selbstverständnis her, plurale Forschungs- und Bildungsinstitution einem Corporate Design folgen und doch die unterschiedlichsten Bereiche und deren Inhalte visuell kommunizieren?» – Diese Frage ist seit über zehn Jahren Ausgangspunkt für Klugs tägliche Arbeit. Dass er dabei Designlinien entwickeln und weiterverfolgen kann, ohne den Modeneuheiten der Branche nachhecheln zu müssen, schätzt er an seinem Job. «Ich versuche, einen spielerischen Umgang mit Tie e zu p egen , sagt Roman Klug Grafische Gestaltung ist r mich keine eh bschung von ber ächen, sondern soll Informationen ausdrücken – und vielleicht auch hinter die Dinge schauen.» •


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RECHTS: STANDSYSTEM WG3BRANDING KLUG, © VIKTORIA RESZLER

DESIGNMONAT GRAZ 2012

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G STALT T

GRAFIK

SIGN AN

UNIVERSITÄTSPLATZ 3/1 (HAUPTGEBÄUDE)

SENATSSAAL (ZUGANG ÜBER DIE AULA)

Mi, ��. MAI, ��.�� BIS ��.�� UHR

VON BILDUNGSINSTITUTIONEN»

ZUM THEMA «CORPORATE IDENTITY/DESIGN

VORTRAGSABEND MIT PODIUMSDISKUSSION

WATCH OUT FOR

FR, ��. APRIL — FR, � . MAI

DAUER

JOHANN KONRAD EBERLEIN

EINLEITENDE WORTE

BUFFET: COOKS OF GRIND

DJ S : SOULBRÜDER

FR, � . APRIL, ��.�� UHR

ERÖFFNUNG

(HAUPTGEBÄUDE), EINGANG IM INNENHOF

UNIGRAZ@MUSEUM, UNIVERSITÄTSPLATZ �

DER KARL-FRANZENS-UNIVERSITÄT GRAZ»

UNI GRA


DEM WISSEN INS NETZ GEGANGEN DAS BARCAMP-PRINZIP: 200 TEILNEHMER REDEN, BLOGGEN, TWITTERN UND LERNEN IN EINER OFFENEN, VERNETZTEN UMGEBUNG. WILLKOMMEN ZUR DISKUSSION 2.0!

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Bei Konferenzen oder Vorträgen im üblichen Sinn ist oft das Büffet das eigentliche Highlight. Der Rest ist angestaubtes Ritual: Das Handy muss man stummschalten, die Laptops fahren herunter, einer redet in die Stille und erörtert ein vorgegebenes Thema. Die anderen hören zu (oder auch nicht und lassen sich In ormation willenlos ein en. Für die Fragerunde am Ende bleibt oft keine Zeit, dabei hätte man noch viel zu sagen gehabt. Ein BarCamp ist anders. Es nennt sich nicht umsonst Un-Konferenz: Die Smartphones gehen an, die Twitter-App ist schon gestartet, die Laptops laufen, mitreden darf jeder, sogar dann, wenn er gar nicht da ist – das Netz mit Wiki, Facebook und YouTube macht es möglich. Und das Thema des Vortrags? Gibt es nicht. Noch nicht. Für das Grazer BarCamp 2012 sind zwar vier Themencluster vorgesehen – die eigentlichen Inhalte ergeben sich aber jeden Tag neu: Eine Teilnehmerin ergreift das Mikrofon – diese Session gehört ihr – und damit steht das Thema fest. Das ist Stegreif-Diskussion mit dem Spontaneitätsfaktor des Webs: schnell, immer aktuell, interaktiv und ganz in den Händen der Benutzer. So funktioniert «user-generated content» im Konferenzraum.

BAR CAMP GRAZ 1/2

wäre.» So verbindet das BarCamp das Beste aus beiden Welten und schafft einen Raum der Hybridität: eine «augmented reality» des Wissens. L E R N E N D U R C H W I S S E N S V E R M I T T L U N G Wissen. Nichtwissen. Nochnichtwissen? Wissensvermittlung! «Wissen ist teilbar» ist der Leitspruch beim BarCamp, er ist geradezu die Seele des dreitägigen Events. Das wissensCamp, eines der fünf Grazer BarCamps (die anderen sind iCamp, designCamp, politCamp und geoCamp) widmet sich dem Thema Wissensmanagement. Wissen von oben – also das Eintrichtern von Informationen wie beim erwähnten Vortrag – ist den BarCamp-Teilnehmern fremd. Und das gilt für alle fünf Camps. Im direkten Austausch wird jedes denkbare Thema behandelt. Und das Wissen kommt von unten. Oder von nebenan, vom Sitznachbarn, vom neuesten Tweet auf dem Handy und von der Teilnehmerin mit dem Mikrofon in der Hand. Reden, reden, reden ist dabei das Um und Auf: «Die Konversation», sagt Ulrich Andres, «bringt dem Vermittelnden vielleicht sogar mehr als den Lernenden.»

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Z W I S C H E N D E N W E L T E N Die Online-Vernetzung schafft für das BarCamp einen Raum, der sich zwischen Realität und Virtualität aufspannt. «Das BarCamp ist schon alleine aus seiner Tradition heraus tief in diesen beiden Räumen verwurzelt», sagt Ulrich Andres, einer der Grazer BarCamp-Organisatoren. Was mit der virtuellen Anmeldung beginnt (man trägt sich in ein Wiki ein – eine interaktive Webseite), setzt sich im realen Raum fort, um dann wiederum online weiterzugehen: Die BarCamp-Themen werden parallel auch auf Blogs, auf Twitter und auf Facebook

diskutiert. Ein Ersatz für die Realität soll die Welt der Nicknames und Avatare aber nicht sein: «Die Emotion ist sehr wichtig», sagt Andres, «sie lässt sich digital schwer vermitteln. Das persönliche Miteinander löst sehr oft viel schneller Probleme, als dies online möglich

TEXT: SUSANNE ARY

i W I S S E N , i K O M M U N I K A T I O N , i C A M P Bei den ganzen Laptops, Tablets und Smartphones, die ein Baramp naturgemä begleiten, wird so ort klar in ar amp ist auch ein Ort für Geeks – also meist intelligente, kreative und etwas schrullige Leute mit einem starken Hang zu Computern, dem Internet und elektronischen Spielzeugen. Das ist kein Zufall. Immerhin stammt der Name BarCamp von der Hacker-Convention FooCamp, die ihren Namen wiederum von foobar hat, einer Platzhalter-Variable im Programmierer-Slang. Ganz schön kompliziert und geeky, so ein BarCamp! Die erste Unkonferenz dieser Art fand in den Räumlichkeiten der Firma Socialtext in Palo Alto, Kalifornien, statt. Socialtext stellt «social software» für Unternehmen her, eine Kombination aus Facebook und Google-Docs für das firmeninterne Intranet. Zurück nach Graz: Die höchste Konzentration an Geeks, ITFachleuten und Computerprofis wird im ai wohl im i amp gemessen – Teil zwei der vier Grazer BarCamps. «Wir sind stolz darauf, jedes Jahr mehr Teilnehmer bei den iCamp-Sessions zu haben», sagt Organisator Ulrich Andres. «Das ist eine Zusammenkunft von Wissensträgern, die Austausch auf höchstem Niveau betreiben.» Wer über Geeks lieber lächelt, sollte übrigens vorsichtig sein: denn aus ihnen werden die Steve Jobs' und ill Gates von morgen. Was alle gro en Innovationen gemeinsam haben: Die besten Ideen entstehen immer, wenn man miteinander redet. Ein BarCamp ist damit auch immer ein kreativer Ort, an dem die Ideen köcheln.


mand sagt, was «wichtiger» ist. Das Web 2.0 ist die totale Demokratisierung der Information. Ist das Internet also ein mögliches Heilmittel gegen die viel zitierte Politikverdrossenheit? Ulrich Andres sagt ja: «Das Internet ermöglicht Partizipation und bietet eine Plattform, sich zu organisieren und einungen zu äu ern. s ist ein Garant r reie einungsäu erung noch. K rzliche ntwicklungen wie orratsdatenspeicherung oder ACTA bedrohen diese.» Die Debatte um geplante Anti-Piraterie-Abkommen, die mit klingenden Namen wie ACTA, PIPA und SOPA durch die Blogosphären und Social Networks rumort, wird höchstwahrscheinlich auch Thema beim BarCamp sein. Schützt ein strenges Urheberrecht kreative Menschen oder stört es beim o enen iskurs und damit bei der Ideenfindung Wie müssen Gesetze aussehen, die dem heutigen Stand der Technik Rechnung tragen und gleichzeitig Freiheit und Recht garantieren? Diese Fragen (oder ähnliche – voraussagen kann man überhaupt nichts bei einem BarCamp) wird sich das politCamp wahrscheinlich stellen. Der Umgang mit Daten und ihren «Besitzern» ist auch Thema beim BarCamp Nummer fünf: Das geoCamp fragt sich, wem die Geodaten gehören, mit denen wir uns durch Google Maps zum nächsten Restaurant navigieren lassen, und welche Auswirkung die «Befreiung der Landkarten» auf die Gesellschaft hat.

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D I S K U R S I S T G A N Z S C H Ö N K R E A T I V Kreativität ist auch so ein Stichwort, um das man beim BarCamp nicht herumkommt. Ein Jahr nach der Ernennung von Graz zur UNESCO City of Design sind Kreativität, Gestaltung und esign zentrale Identifikations elder r die Stadt geworden. Neues schaffen, um die Ecke denken, den Wert von Gestaltung erkennen – über alle diese Dinge spricht die Designstadt Graz. as ar amp mit seiner stark netz-a finen Ausrichtung beleuchtet aber nicht nur die Rolle der neuen Medien für die Kreativität. Im designCamp, ein weiteres der vier BarCamps, dreht sich alles rund um das Thema Design. Und natürlich auch um die City of Design. «Warum ist ein BarCamp gerade für eine Designstadt so wichtig?», lautet die Frage an Ulrich Andres. Der Austausch ist es, sagt er: «Es braucht Austausch und Diskurs, um in allen kreativen Bereichen erfolgreich zu sein. Beim BarCamp steht der Diskurs drei Tage lang im Mittelpunkt – so eine intensive Involviertheit gibt es selten bei anderen Veranstaltungen.» Durch dieses Netzwerken und Vernetzen kommen die richtigen Leute zusammen – engagierte, kreative Leute, die aus dieser Ursuppe der Ideen Innovationen schaffen. «Diese energiegeladene Atmosphäre motiviert noch über das Wochenende hinaus», schwärmt Andres vom kreativen Potenzial des BarCamps: «Im Rahmen von BarCamps wurden schon öfters Tools und Informationssysteme geschaffen – zum Beispiel für soziale Zwecke.» Sogar einige Startups haben sich bei diversen BarCamps formiert.

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BARCAMP GRAZ ��. — ��. MAI WEITERE INFORMATIONEN BARCAMP-GRAZ.AT

BAR CAMP GRAZ 2/2

RECHTS: STANDSYSTEM WG3BRANDING KLUG, VIKTORIA RESZLER

POLITIKVERDROSSENHEIT BLEIBT OFFLINE

Die offene Diskussionskultur des Web 2.0, die digitale Medienrevolution und die damit verbundenen politischen Fragen sind (vielleicht) Thema beim politCamp, das vierte der Grazer BarCamps. Ein BarCamp ist eigentlich eine sehr politische Veranstaltung, oder besser gesagt: eine Veranstaltung, auf der Politik ausgeübt wird, wie sie vielleicht sein könnte. Offene Diskussionen, Selbstorganisation und Partizipation zeichnen das BarCamp aus. Es ist die freie Geisteshaltung des social web, die sich direkt aus dem Web 2.0, dem Mitmach-Internet, ergibt. Im Web 1.0 gab es hauptsächlich statische Webseiten, die der Benutzer oder die Benutzerin aufgerufen und gelesen hat wie eine Tageszeitung. Im Web 2.0 wird jeder zum Herausgeber und jede zur Autorin. Jeder einzelne Kommentar auf Facebook, jeder Tweet und jeder Blogeintrag ist eine kleine Publikation – und nie-

M U L T I - C H A N N E L - D I S K U S S I O N E N Beim BarCamp Graz ist übrigens noch eine weitere Fähigkeit des computera finen enschen ge ragt ultitasking. ie vier amps finden nämlich gleichzeitig statt und die User zappen zwischen den Themen hin und her, ganz wie sie wollen. Mehrere Fenster sind gleichzeitig offen sozusagen. Und wer von Politik, Design, Wissensmanagement und digitaler Revolution müde geworden ist, kann sich durch die DJs und VJs wieder aufmuntern lassen – gefeiert wird beim BarCamp nämlich auch. Aber bei lauter Musik bitte das Handy auf Vibrieren schalten und keinen Tweet verpassen! •


DIE

EYEWEAR

DESIGNER

ALEXANDRA

HÖTZL-GISEL-

BRECHT UND KLAUS HUBER VON ROBERT LA ROCHE LADEN ZUM OPEN DESIGN OFFICE EIN. ZU SEHEN GIBT ES DEN GESAMTEN ENTSTEHUNGSPROZESS VOM ENTWURF BIS ZUM FERTIGEN MODELL.

Natürlich, eine Brille ist eine Brille, in erster Linie muss sie funktionieren. Wenn wir schon bei Linie sind: Eine Brille kann einen Menschen verändern, sie hebt Charakterzüge hervor, schmeichelt seiner Gesichtsform. Bei Robert La Roche ist der Designprozess rund um den klaren Blick ein ganzheitlicher, ein spannender. «Man wird sehen, was es heißt, eine Brille von Anfang bis zum Ende zu designen, denn das ist eine spezifische Angelegenheit, man muss genau wissen, was Details bewirken. Als Brillendesigner bin ich quasi ein Porträtist, der einen Menschen zeichnen kann», erklärt Klaus Huber. Gezeigt wird die Entstehung einer Brille von der Idee über den Entwurf, von der Produktionsentwicklung über den Prototyp bis hin zum Farbkonzept und der fertigen Brille. Produziert werden die aus qualitativ wie nachhaltigen Materialen entworfenen Brillen in Italien und in Japan, dort könne man leider nicht hinfahren, stattdessen vertieft man sich in die Details des Brillendesigns.

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Im Open Design Office wird es neben der Vermittlung von Design als Entwicklungsprozess auch viel Raum für Diskussion und Fragen geben. Auf Wunsch erfahren die Teilnehmenden mehr über die Lena Hoschek Eyewear Kollektion, die seit einem Jahr erfolgreich im Programm ist, oder über den Spagat zwischen Experimentieren und marktbeständigem Produzieren. Robert La Roche setzt dem Verdrängungswettbewerb, der auch am Designmarkt herrscht, Beständigkeit, Qualität und Nachhaltigkeit in einem puristischen Design entgegen. Eine verrückte Brille zu machen sei ziemlich easy, da macht man einfach irgendwas, aber eine Brille zu machen, die gut ins Gesicht passt und den Charakter unterstreicht, das sei die schwierigste Kunst!

OPEN DESIGN OFFICE

ROBERT LA ROCHE DESIGN OFFICE

LIEBENAUER TANGENTE 4, 8041 GRAZ

MI, �. MAI, � .�� BIS ��.�� UHR

VORANMELDUNG

INFO@ROBERT-LAROCHE.COM

OPEN DESIGN OFFICE 1/1

DESIGNMONAT GRAZ 2012

Durch die Öffnung nach außen wird Design greifbarer: «Viele kennen beispielsweise das MP09 Pachleitner Headquarter, aber niemand weiß, dass da drinnen Brillen entstehen, die auf der ganzen Welt getragen werden», so Hötzl Giselbrecht. Es gibt vieles, das die Designer weitergeben wollen, den Gänsehaut-Effekt etwa, wenn ein Entwurf in die Produktion geht, oder die Überraschung über ein Detail, das erst durch die Perfektion in der Verarbeitung besticht.

ALEXANDRA HÖTZL-GISELBRECHT UND KLAUS HUBER, © ROBERT LA ROCHE; RLR 833 02 RZ, © GERALD LIEBMINGER; RLR S230 01-1790, © GERALD LIEBMINGER; RLR IN PARIS, © LUPI SPUMA

KLARE SICHT AUF DESIGN


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ZURÜCK IN DIE SCHMUCKEN NEUNZIGER DESIGNER UND JUWELIER HANS SCHULLIN ZEIGT EIN BEST-OF DES DESIGN

WORKSHOPS

SCHMUCK,

DER

IN

DEN

ER

JAHREN

EINE

GANZE RIEGE AN INTERNATIONALEN SCHMUCKDESIGN-GRÖSSEN NACH GRAZ HOLTE. ZUM DESIGNMONAT WIRD AUCH DIE NEUE KOLLEKTION

Rauchquarz-Ohrgehänge in Gelbgold mit Citrinen und Mammut-Elfenbein/ Jet-Scheiben

DESIGNMONAT GRAZ 2012

Onyx-Collier mit Roségoldschließe und Diamantsteg

Weißgoldring mit Prasiolith und Diamanten, seitlich offen

Korallencollier mit KorallenDiamant-Schließe, Gelbgold

ENTHÜLLT.

Schmuck ist konzentrierte Identität mit dieser wunderbar schlichten efinition beschreibt Schmuckdesigner Hans Schullin die Beziehung von Schmuck und Mensch. Schmuckdesign ist auch eine eigene Gestaltungsdisziplin und wie jede Disziplin hat sie ihre herausragenden Vertreterinnen und Vertreter. Eine illustre Auswahl davon war im Laufe der 1990er Jahre zu Gast in Graz. Eingeladen hat sie Hans Schullin, jedes Jahr eine andere Persönlichkeit aus der internationalen Schmuck-Szene. Die wichtigsten Ergebnisse dieser kreativen Zeitspanne konnte Schullin später ankaufen. Die Ausstellung Schmuck-Design aus den 90ern zeigt eine Sammlung von 63 herausragenden Arbeiten, die zu dieser Zeit entstanden sind. Von 1991 bis 1999 war Graz alljährlich Schauplatz für den Workshop, bei dem sich alles um edle Metalle, wertvolle Steine und ausgefallene Designs drehte. Der «Design Workshop Schmuck» gab interessierten Goldschmieden und Schmuckkünstlerinnen die einmalige Gelegenheit, sich von einer internationalen Größe der Schmuckszene inspirieren zu lassen und unbezahlbares Wissen mitzunehmen. Die verbindende Persönlichkeit bei allen Workshops war der Wiener Schmuckdesigner, Bildhauer und Objektkünstler Fritz Meierhofer. Er leitete den ersten Workshop und war auch die folgenden Jahre immer mit dabei. Bei den Schmuck-Workshops gelang ihm vor allem eines: die Synthese aus künstlerischem Ansatz, der Ideenentwicklung und der Realisation handwerklicher Perfektion. WORKSHOP MIT INTERNATIONALEM FORMAT

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H O C H K A R Ä T I G E V O R T R A G E N D E Einer der Gastprofessoren beim Workshop war etwa der Brite David Watkins, der die Medaillen für die Olympischen Spiele in London 2012 entworfen hat. Die Wiener Designerin Susanne Hammer, deren klare, reduzierte Formen sich an einer experimentellen Position an der Grenze zur Kunst finden, war eben alls Leiterin eines der Grazer Schmuck-Workshops. Die Liste der international renommierten SchmuckDesigner, die Schullin Jahr für Jahr nach Graz holte, ist lang: Onno Boekhoudt hatte Generationen von Schmuckdesignern unterrichtet und geprägt. 1996 erhielt er den Françoise van den Bosch Prize for Jewellery. Objektkünstler Karl Vonmetz, der Goldschmied Giampaolo Babetto aus Padua, Gijs Bakker, Eriko Nagai und Gerd Rothmann waren ebenfalls zu Gast. S T R E N G G E H Ü T E T E S G E H E I M N I S Anlässlich des Designmonats lüftet Schullin ein bestens gehütetes Geheimnis: Im Mai wird die neue Schmuck-Kollektion präsentiert. Sie bezieht sich – wie alle Schullin-Kollektionen – auf ein zeitrelevantes Ereignis. Die VorjahresKollektion hieß etwa «Glowing Desert» und nahm damit auf den Flächenbrand zwischen Tunesien und Ägypten Bezug. Die Schullin-Kollektion dieses Jahres wird von drei wichtigen reignissen beein usst sein welche, das sind wird erst bei der Präsentation verraten.

SCHMUCK-DESIGN AUS DEN �

SCHULLIN 1/1

Gelbgoldring mit Prasiolith

VERNISSAGE do, �. Mai, ��.�� DAUER �. Mai —  . augusT MuseuM iM Palais sacksTrasse �� SCHULLIN.COM

RN


90 SEKUNDEN IN 72 STUNDEN DE R W E R B E- N AC H W UC H S PR E I S YOU NG C R E ATI V E S PA NTH E R V E R L A NGT DE N TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMERN EINIGES AB. UND ES ZAHLT SICH AUS.

GREENPANTHER.AT

G E N R E M I T W A C H S T U M Das Genre Webvideo haben die Veranstalter nicht zu ällig gewählt. s ist ener ereich mit dem gr ten Wachstum. ewegtbilder r das Internet spielen eine wesentliche Rolle r die neue Generation von Werbung , so Lercher. it Teilnehmern im or ahr ist auch das Interesse des Nachwuchses stark. ass sich der oung reatives Panther durchaus als Sprungbrett eignet, beweist einer der or ahresgewinner. it dkmotion hat sich avid K hlmeier ber die Grenzen hinaus einen Namen als Produzent, Regisseur und Kameramann gemacht. Wer will als Nächster

sacksTrasse 7

dacHTerrasse kasTner & öHler

do, ��. MAI, ��.�� uHr

NOMINIERUNGSABEND

11 © foTo fiscHer

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R U H M & G E L D Ist der ertige lip rechtzeitig hochgeladen, ist die n k pfige Jury am Zug. Was sich für die Teilnehmer durchaus auszahlen könnte. Insgesamt 6.000 Euro Preisgeld warten auf die besten drei Einreicher. Dazu kommt ein eigener Publikumspreis. Am wichtigsten aber: Wenn sich die Kreativbranche am Green Panther-Nominierungsabend ein Stelldichein gibt, wird bereits eine ideoAuswahl präsentiert. ie besten drei lips lau en dann vor mehr als . potenziellen Auftraggebern und Agenturen bei der Green Panther-Verleihungsgala am . uni in der Grazer Stadthalle.

YOUNG CREATIVES 1/1

links: säMTlicHe bilder © foTo croce; recHTs: Young creaTives 2

D I E I D E E Z Ä H LT as bedeutet Stress und die ual der Wahl. enn inschränkungen in der Umsetzung gibt es nicht. Stop- otion- ovie, Reportage, Animation, Handy- ideo, Trickfilm oder Thriller alles ist erlaubt. Was zählt, ist die kreative Herangehensweise an das Thema, die Idee. Aber auch die technische Umsetzung wird beurteilt , erklärt Heimo Lercher, bmann der Fachgruppe. as Thema selbst bleibt bis zum eitpunkt des riefings streng unter erschluss. Nur so viel dar verraten werden Nach Gleichberechtigung und ity o esign in den letzten ahren wird es wieder ein Au trag mit aktuellem ezug. as Thema ist in aller unde und wird auch Nicht-Grazern ein egri sein , so Lercher.

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WEITERE INFORMATIONEN UNTER

Zum dritten Mal wird heuer der Young Creatives Panther von der steirischen WKFachgruppe für Werbung und Marktkommunikation vergeben. Dazu brauchen die Teilnehmer starke Nerven, außergewöhnliche Ideen und ein noch jugendliches Lebensalter bis maximal 25 Jahre. Was sie nicht brauchen, sind Gewerbescheine, Inskriptionen oder sonstige bürokratische Nachweise. Kurzum: Hier ist jeder eingeladen, der sich zutraut, ein kreatives Video in einer vorgegebenen Zeit zu einem bestimmten Thema zu produzieren. inzig der Ablau ist streng definiert: Wer sich bis 4. Mai 2012 online anmeldet, bekommt gleichzeitig mit den anderen Teilnehmern nach vier Tagen das riefing. xakt Stunden sind ab etzt eit, ein Webvideo mit maximal Sekunden Länge zu produzieren.


Familistère in Guise, Innenansicht des Kindergartens, Stich: Godin, 1870 Social design im städtebaulichen und architektonischen Sinn ist die Schaffung und Ausgestaltung von gesellschaftlichen, interaktiven Möglichkeitsräumen. Sozial im Sinne von «menschlicher Gesellschaft, dem Zusammenleben der Menschen und seiner staatlich – rechtlichen Ordnung wie die wirtschaftlichen Verhältnisse»2.

SOCIAL DESIGN — SOLL ARCHITEKTUR SOZIAL SEIN?

Im zweiten Teil der Ausstellung – den Entwurfsarbeiten – liegt das Augenmerk besonders auf den intermediären Räumen, den Begegnungsräumen, sowohl innerhalb der baulichen Strukturen als auch in der Verknüpfung zur Umgebung.

ERÖFFNUNG DO, ��. MAI, ��.�� UHR DAUER � . — � . MAI ÖFFNUNGSZEITEN DI-SO ��.�� BIS ��.�� UHR HAUS DER ARCHITEKTUR MARIAHILFERSTRASSE 2

DAS DEUTSCHE WÖRTERBUCH DER GEBRÜDER GRIMM, BAND 16

Die Gemeinschaften und Gesellschaften haben neue Gestalt angenommen und bedürfen der Darstellung im Alltag. Peter Sloterdijk nennt es «Dasein als Design». Daher müssen auch unsere Alltags- und Begegnungs-Räume den veränderten Gegebenheiten angepasst werden.

HENK OOSTERLING: DASEIN ALS DESIGN – OR: MUST DESIGN SAVE THE WORLD. PREMSELALECTURE 2009, WWW.PREMSELA.ORG

Vor diesem Hintergrund haben Studierende der Fakultät für Architektur soziale Reformmodelle aus den letzten beiden Jahrhunderten analysiert, Modelle, die in unterschiedlicher Form eine Neudefinition des usammenlebens und der Gemeinschaft suchten. Manche Ansätze waren so radikal, dass sie von der damaligen Gesellschaft nicht angenommen werden konnten, andere haben ihren Weg in die heutige Zeit gefunden. Immanent war allen Gesellschaftsentwürfen schon damals die Frage «wie funktioniert es zwischen uns?».

Diese Fragestellung hat aber ebenso Gültigkeit in Stadtplanung und Architektur, bisher gedachte Raumbegriffe sind nicht mehr allein g ltig und m ssen neu definiert werden. Wir leben nicht mehr nur in unserer realen Welt, mit realen Räumen und realen Grenzen, sondern eben auch in der digitalen Welt mit ihren eigenen Räumen und Grenzen. Die Welten lassen sich kaum mehr voneinander trennen und unser Leben besteht aus ständigen Interaktionen zwischen diesen Ebenen.

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In der Ausstellung wird sichtbar gemacht, dass an der Fakultät ein Potenzial an inhaltlichen und kontextuellen Auseinandersetzungen besteht, dass gesamtheitlich gedachte architektonische Konzepte formuliert werden können, die den von uns gestalteten Lebensraum in Korrelation mit gegenwärtigen Anforderungen setzen. Die thematische Befassung mit Reformmodellen und sozialen Brennpunkten beinhaltet eine Kritik an jenen Architekturen, in denen «Leben» im Sinne eines normierten Zustands vollständig determiniert wird, die «Wohnen» oder andere drängende Themen nicht als vielschichtig prozessuales Geschehen erkennen, und greift die Starrheit und Eindimensionalität rechtlicher Grundlagen an, die eine Jahrzehnte zurückliegende Bedarfssituation fortschreiben. Das beinhaltet eine Kritik an funktionalistisch konzipierten Strukturen, im Wissen um die Unbestimmbarkeit von Form in direkter Ableitung von Funktion oder Nutzung, aber auch an der Festschreibung von Lifestyle und Mode als ästhetische Determinanten. Vielmehr werden permeable architektonische Strukturen, eingebettet in heterogene Wertesysteme, entwickelt.

HAUS DER ARCHITEKTUR 1/1

Eine Fragestellung, die Henk Oosterling1 mit einer neuen Entwicklungsstufe in der Geschichte des Designs verbindet. Er bezieht diese Fragestellung auf die Open-source-Gesellschaft der Internetgemeinden, auf gemeinschaftliche Entwicklung von Produkten.

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Die Ausbildung an der Fakultät für Architektur der TU Graz zielt nicht auf spezialisiertes Wissen ab, nicht auf die technische Verwaltung von Wissen. Ziel in der Ausbildung ist die Vermittlung und Konzentration von Wissen, das die jungen Architekten und Architektinnen als Generalisten in der Zusammenschau mehrerer spezialisierter Fachbereiche erarbeiten und im Verständnis von Architektur als in diesem Sinne soziale Kunst thematisieren. In Abkehr von der unkritischen Reproduktion legistischer und architektonischer Formalismen wird der Bauentwurf als präzise Formulierung gesellschaftlicher Strukturen, ökologischer und ökonomischer Prämissen sowie technologischer Innovationen verstanden.


DESIGNMONAT TIPPS 1/6

© YEAYEA

DESIGNMONAT GRAZ 2012

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AUSSTELLUNG

EIN LEUCHTENDES BEISPIEL FÜR PLAKATIVES DESIGN Das junge Leipziger Designbüro YEAYEA präsentiert im kwirl ihr Projekt Plakativ: Alte Plakatwände aus Graz werden zur Hängeleuchte «Litfaß». Die Produktionsstätte ist der öffentliche Raum.

DESIGNMONAT GRAZ 2012

Plakate sind der Inbegriff urbaner Ästhetik – Design, das uns tagtäglich begegnet, das uns auffällt, uns freut und mitunter verärgert. YEAYEA nimmt sich dieser Emotionen an und seziert die Grazer Plakatwände minutiös Schicht um Schicht, um die zum Vorschein kommenden grafischen Fundstücke wiederum kreativ einzusetzen: Die alten Plakate werden zum Rohmaterial für ein leuchtendes Stück Design aus Graz: Die Hängeleuchte «Litfaß» wird während des Designmonats im Shop kwirl präsentiert. YEAYEA besteht aus den Designern Johannes Heinzmann und Franz Gabel, die beide 00 ihr Studium mit Diplom im Fach Industriedesign an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle abgeschlossen und noch im gleichen Jahr das Designbüro EA EA Büro für Gestaltung gegründet haben. PLAKATIV

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CONNECTED ARCHITECTURAL DESIGN

AUSSTELLUNG

��. bis ��. Mai

designHalle

VORTRÄGE

THoMas PucHer, Mo, ��. Mai, ��.�� uHr

Architektur: Das ist die Arbeit der «Generaldesigner», der Architektinnen und Architekten. Architektur ist ein gestalterischer Prozess, der beim Ganzen beginnt das Konzept und sich dann dem Einzelnen und Besonderen nähert – das sind die einzelnen Designsparten, die sich ständig stärker spezialisieren. Am Ende schließt sich der Kreis, und die Architektur widmet sich wieder dem Ganzen – bringt Gebäudehülle mit dem Interieur in Einklang, gestaltet in interaktiver Wechselwirkung jedes Detail bis zum Mobiliar und schafft so ein stimmiges Gesamtwerk. In der Ausstellung werden Arbeiten der Studierenden des Masterkurses Architektur an der FH Joanneum gezeigt. Die vorgestellten Filme geben Einblicke in die designübergreifenden Tendenzen, die die zeitgenössische Architektur auszeichnen.

gernoT riTTer, di, ��. Mai, ��.�� uHr

Connected architectural design ist eine Ausstellung der FH Joanneum, die den Gestaltungsprozess eines Gebäudes vom Konzept bis zum fertigen Innenraum beleuchtet.

FH-JOANNEUM.AT/ARC

VOM EINZELNEN, VOM BESONDEREN UND VOM GANZEN

AU R . AI . AI PRÄSENTATION UN S HAUPR UKTI N A . AI ÖFFNUNGS IT N FR, � . IS � . UHR KWIRL, MARIAHILFERSTRASSE 13 KWIRL.AT


EVENT

MODE, MODEL, FOTO Das Label knall.bunt sowie die Fotografin Hanna Höfer illustrieren den Kreislauf der Modewirtschaft Bei der Modenschau und Bildpräsentationen werden aus Mode Fotos und aus Fotos wieder Mode. Mode-Foto-Grafie ist der Titel des Events, das im Atelier des Modelabels knall.bunt Mode l fotografien präsentiert und gleichzeitig Fotografien über den Laufsteg schickt. Hanna Höfers Modefotografien zeigen Stimmungen, die als Stoffprints wieder zu Mode werden. So entsteht ein Kreislauf, der symbolisch für die gesamte Modewirtschaft steht: ein Gestalten mit Gestaltetem, ein Umformen und Umdenken. Das Rad, das sich ständig dreht und die Perspektiven ändert. knall. bunt ist das Label, das die Fotografin als Leinwand ausgesucht hat: Diese Mode ist mehr als nur Kleidung, sie ist ein Lebens gefühl. knall.bunt sind Kleidungsstücke, welche sich dem Alltag anpassen – gerade für Kinder mit körperlichen Einschränkungen. knall.bunt ist lucky und happy, eingefangen in Stoff. MODE-FOTO-GRAFIE

Der preisgekrönte deutsche Designer Jan Kath legt mit seinen Kollektionen «From Russia with Love» und «Sari Deluxe» eine matt-bunte, blumige und ungewöhnliche historische Kulisse aus orientalischen Teppichen aus, die ihre Inspirationen aus der Ukraine der Sowjet-Ära, französischen Aubusson-Designs und knalligen Farben indischer SeidenSaris schöpfen. Abstraktion, Kulturtransfer und Musterrecycling – also die Wiederverwendung fremder, exotischer und schöner Motive – sind immer schon Gestaltungsgrundsätze gewesen. Bei Jan Kath spielen die geknüpften und gewobenen Werke auf faszinierende Weise Stille Post – erzählen einander Geschichten, befruchten sich auf unerwartete Weise und erzeugen hybride Raritäten und Realitäten, die in der Ausstellung zu Fäden, Stoff und Garn werden: Von klassischen oralen esigns wie Little Flowers geht die Reise weiter zu einem Jugendstil-Kelim vom Balkan und einem marokkanischen Boucherouite-Teppich. Jedes Muster steht für ein einzigartiges Stück in diesem interkulturellen Mosaik der geknüpften Kunst. Die ausdrucksstarken Teppichwerke von Jan Kath werden in Nepal und Marokko unter zertifizierten Fairtrade- edingungen händisch ge ertigt.

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BLUMEN eröffnung sa, ��. Mai, ��.�� uHr DAUER ��. Mai — �. Juni öffnungsZeiTen di — fr, ��.�� bis ��.�� uHr sa, ��.�� bis ��.�� uHr gebHarT blaZek berber carPeTs + TexTiles leonHardsTrasse 12, BERBER-ART.COM

DESIGNMONAT TIPPS 3/6

links: liTfass, © YeaYea; HigHbrid, diPloMarbeiT © Yilan JosePHine liu; recHTs: russian sailors, © Jan kaTH; knall.bunT, © Hanna Höfer

Die neuen Designkollektionen von Teppichproduzent Jan Kath stehen bei Gebhard Blazek ganz im Zeichen von Hybridität, Kulturtransfer und kreativen Missverständnissen.

DESIGNMONAT GRAZ 2012

RÖFFNUNG . AI, � . UHR BEI S HL HTW TT R A . AI ATELIER KNALL.BUNT LIEBENAUER HAUPTSTRASS KNALLBUNT.CO.AT

STILLE POST VON ORIENTALISCHEN TEPPICHEN


PHOTOWALK: SPAZIEREN, FOTOGRAFIEREN,–DISKUTIEREN Beim Fotospaziergang mit anschließendem Workshop wird die esignstadt Graz otografisch erobert. Tipps und Tricks bietet der Profi-Fotogra Achim eurer.

INTELLIGENTES HIGH-TECH-LICHT AUS EDLEM HOLZ

DESIGNMONAT GRAZ 2012

Das Atelier Gamerith verbindet die neueste LED-Technologie mit dem Naturstoff Holz und schafft Lichtwelten, die so intelligent wie natürlich sind.

Kunstlicht hat einen Nachteil – es ist eben künstlich. Wenn sich aber computergesteuerte LED-Technologie mit edlen Hölzern verbindet, entsteht eine optische Raumatmosphäre, die Intensität und Farbtemperatur intelligent einsetzt und damit sehr natürlich wirkt. Raimund Gamerith, ausgebildeter Tischler aus Graz, durchbricht mit seinen Lichtlösungen die Grenzen des Möbelbaus und schafft Strukturen, die sich am Auge gut anfühlen: kühles Tageslicht tagsüber, warmes Licht am Abend und automatische Helligkeitsanpassung auf Knopfdruck per Handy. Gamerith präsentiert gemeinsam mit dem SitzmöbelDesigner Anton Santl die perfekte Symbiose aus LED-Technologie und Möbel-Ästhetik. ATELIER GAMERITH

DESIGNMONAT TIPPS 4/6

VERNISSAGE ERLEUCHTETES SITZEN NA IS H S LI HT (GAMERITH) BEGEGNET NA IS H N SIT Ö LN (SANTL) FR, . MAI, � . UHR ÖFFNUNGS IT N I, . MAI, DO, � . MAI, � . BIS � . UHR, FR, ��. MAI, � . BIS � . UHR ATELIER GAMERITH AK INISTR. DESIGN.GAMERITH.AT

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PHOTOWALK

so, ��. Mai, ��.�� uHr alMsTudio klosTerwiesgasse 7 PHOTOWALK.AT

AUSSTELLUNG

RESSOURCENSCHONENDER LAMPENREIGEN Das Grazer Leuchten-Label milli lux strahlt im organischen Licht: Lampenschirme aus RecyclingMaterial, ausgestellt im Designshop kwirl. Barbara Stölzls milli lux steht für wohlig-warmes Licht, das durch rein organische Quellen scheint. Organic light sind Lampenschirme aus Natur-Stoffen wie Holz, recycelten Materialien oder aus Baumwolle aus biologischem Anbau. Metall wird nicht verwendet. Alle Stoffe sind abnehmbar und lassen sich einfach in der Maschine waschen. Beim Lampenreigen werden ausgewählte Leuchten von milli lux im Designshop kwirl ausgestellt. MILLI LUX RÖFFNUNG I, � . AI AU R � . AI � . UNI ÖFFNUNGS IT N FR, � . IS � . UHR, SA � . IS � . UHR KWIRL, MARIAHILFERSTRASSE 13 KWIRL.AT

links: laMPe, © raiMund gaMeriTH; Milli lux, © THeo sTöZl; PHoTo walk, © acHiM Meurer

AUSSTELLUNG

«City Branding – welches Gesicht hat die Stadt?» Diese Frage stellen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Photowalk und gehen au der Suche nach Antworten mit der Kamera au die Pirsch. in Photowalk ist eine Fotosa ari zu Fu , bei der man alleine oder in Kleingruppen zu einem bestimmten Thema otive sucht und sie dann otografisch esthält. Im Fall von Graz geht es nat rlich nicht um das x-te Foto vom Uhrturm, gesucht werden das Flair, das esondere, das, was die Stadt Graz ausmacht. Gegenstände, Gesichter, Gassen, Personen, lickwinkel eim Photowalk geht es darum, das Auge zu schulen und den lick zu schär en. Nach der otiv agd tre en sich die Teilnehmer, um ber ihre otografische Ausbeute zu diskutieren. otivwahl, Ausschnitt, elichtung, Perspektive technische und gestalterische etails werden genau er rtert. Alles, was man dazu braucht eine Kamera. ei diesem Photowalk lädt Fotogra Achim eurer dazu ein, das Thema ity randing in ilder zu assen und diese dann in der designHalle zu präsentieren. wei Stunden haben die Teilnehmer eit, Graz und esign otografisch zu interpretieren.


WIR HABEN 2011 171 TONNEN CO2 KOMPENSIERT ALS DRUCK- UND MEDIENDIENSTLEISTER KONNTEN WIR GEMEINSAM MIT UNSEREN KUNDEN EIN STÜCK NATUR ERHALTEN! LEISTEN AUCH SIE IHREN BEITRAG ZUM UMWELTSCHUTZ!

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EVENT

MODE-EVENT IM TAG.WERK Was macht das Glockenspielpärchen nach seinem Tagwerk? Das Jugendbeschäftigungsprojekt tag.werk hat für die beiden aus ausrangierten Kleidungsstücken, Bettwäsche sowie Vorhängen eine kleine Kollektion kreiert.

DESIGNMONAT GRAZ 2012

FR, � . APRIL, � . BIS � . UHR HEIMLICHES SPIONIEREN IM ZIMMER SCHLÜSSEL ABZUHOLEN IM TAG.WERK SA, � . APRIL, ��. BIS � . UHR PROBIEREN & KAUFEN FRAGEN STELLEN & PLAUDERN TAGWERK.AT

WORKSHOP

NACHHALTIG GENIESSEN MIT «ZERO WASTE» KOCHBEKLEIDUNG

DESIGN AND THE CITY Der Verein design°mobil begleitet Kinder und Erwachsene auf einer Entdeckungsreise durch ihre Designstadt an der Mur.

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Ein vegetarisches Restaurant ist Schauplatz für ein Projekt, das kulinarischen Genuss mit ökologischer Verantwortung und nachhaltigem Wirtschaften verbindet.

USIN SS

DESIGNMONAT TIPPS 5/6

ZERO WASTE FEST!

foToaussTellung

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«DESIGNER-KOCHSCHÜRZEN»

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diskussions- & neTZwerkveransTalTung

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worksHoPs

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��. AI � . AI MANGOLDS RESTAURANT & CAFÉ GRIESGASSE 11 MANGOLDS.AT

Mo, ��. Mai, �.�� bis ��.�� uHr

ZERO WASTE FEST!

MEINE TRAUMSTADT – INTERAKTIVE DESIGNINSTALLATION FÜR KINDER AB 3 JAHREN ��. AI, � IS � . UHR DESIGNHALLE DESIGNMOBIL.AT

THEGOODTRIBE.COM/ZEROWASTEFEST

Modernes Konsumverhalten ist nicht nachhaltig – das wird immer mehr Menschen bewusst. Eine «Ideologie des Verzichts ist aber keine attraktive Alternative. Das vegetarische Restaurant Mangolds sowie das internationale Netz werk von Sozialunternehmern The Good Tribe und ap_moDE.SIGN von Alexandra Poetz zeigen mit ihren Veranstaltungen, dass Genuss und Ästhetik sich mit Umweltschutz und sozialer Verantwortung vereinbaren lassen. Zero waste ist dabei das Stichwort Null Abfall hinterlässt die vorgestellte Kochbekleidung, die durch intelligentes und vorausschauendes Design aus alten Hemden, Blusen und anderen Stoffen attraktive Mode schafft. In einem Do-it-yourself-Workshop können die Teilnehmer selbst ihre Stücke personalisieren und verschönern. Eine Foto-Ausstellung und ein Vortrag mit Publikumsdiskussion stehen ebenso auf dem Programm.

Was ist Design und was hat das mit mir zu tun? Design ist eigentlich viel zu wichtig, um es allein den Designschaffenden zu überlassen. Interessierte Erwachsene, Jugendliche und sogar Kindergarten-Kinder sind eingeladen, kreatives Schaffen hautnah zu erleben und sich Fragen zum Thema Design zu stellen. design°mobil begleitet sie dabei. Der Verein mit Sitz in Wien arbeitet seit mehreren Jahren an der Schnittstelle zwischen Design und Bildung und spezialisiert sich auf Vermittlung und Entwicklung von Bildungsformaten. Sogar für die Jüngsten gibt es im Designmonat eine eigene Design-Entdeckungstour: Unter dem Motto «Design your City!» sind Dreijährige eingeladen, die Stadt Graz auf ihre Gestaltung abzuklopfen: Welche ber ächen sollten Gehsteige haben Welche Fahrradglocke hört man am besten? Wie sehen die Grazer Sitzgelegenheiten aus? Gestaltung des öffentlichen Raumes also, mit den Augen von Kindern gesehen – die auch Design-Experten sind.


WORKSHOP

Rebikel, die Grazer Rad-Recycling-Institution, macht aus Schrotträdern Designer-Fahrzeuge. Die Pop-Art-Draht- DIE KOMMUNIKAesel in Farben sind an ausgewählten esignmonat-Lo- TIONSKANÄLE DES INTERNETS RICHcations ausgestellt. EVENT

AUF DEN JACKY, FERTIG, LOS! Die GrazGuides, die staatlich geprüften Fremdenführer für Graz, laden zu einer besonderen Führung durch die UNESCO City of Design ein. Die vorgestellte Strecke: die rote Laufbahn. Die Laufbahn im Jakominiviertel, das Epizentrum des aufstrebenden Designviertels, ist sowohl Bühne als auch roter Faden, der sich durch diese Führung der besonderen Art zieht. Am Start sind die GrazGuides, die Grazer Fremdenführer, gemeinsam mit allen, die sich einer Reise durch das Jakominiviertel anschließen wollen. Zu den Streckenposten zählen der Wilde Mann, die Lego-Villa, die Klosterwiese und viele andere Hotspots. Das erklärte Ziel der GrazGuides lautet, Aufmerksamkeit und Begeisterung zu wecken für die UNESCO City of Design. AUF

N A K

F RTIG L S

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weiTere inforMaTionen unTer REBIKEL.AT

TIG NUTZEN

Das Web Literacy Lab erforscht und vermittelt Kommunikationskompetenz im World Wide Web. Ein Open Space stellt ContentStrategie und User Experience Design vor und lädt zu einer Diskussion ein.

Bei der Gestaltung von nlineContent zeichnet sich ein Trendwechsel ab: Von rein optischen Merkmalen wandert der Fokus jetzt auf den Inhalt, was nicht zuletzt dem Boom von Mobilgeräten geschuldet ist. Die Disziplin der Content-Strategie liefert sinnvolle und für den Benutzer brauchbare Inhalte, die gleichzeitig Business-Assets sind. Die Balance zwischen dieser Dualität zu finden war immer schon Aufgabe des User Experience Design, dessen Methodenrepertoire auf die Webseiten übertragen wird. Das Web Literacy Lab ist ein Wissenschaftsprojekt am Studiengang «Journalismus und Public Relations an der FH Joanneum und unterstützt Organisationen mit Studien und Weiterbildungen zu Content-Strategie, Social Media und Online-PR. Diverse Gastbeiträge zum Thema Storytelling im Web, mobilem Content und Marketing runden die Veranstaltung im Wahrnehmungslabor ab. W

LIT RA

LA

DESIGNMONAT TIPPS 6/6

��. UND ��. MAI , JEWEILS UM � . , ��. , � . , � . UN � . UHR DAUER: CA. 1,5 STUNDEN TREFFPUNKT: AK INIPLAT , INN NH F GRAZGUIDES.AT

Bevor es Rebikel gab, sind verwaiste Alt-Räder einfach verschrottet worden. Das Grazer Social-Business-Unternehmen macht es sich seit zur Au gabe, herrenlose Radln einzusammeln, zu restaurieren und wiederzuverkauen. bis . Fahrräder bekommen edes ahr bei Rebikel eine Sch nheitskur und finden einen neuen esitzer – mit diesem Kerngeschäft erhält sich Rebikel selbst. Sanfte Mobilität, Nachhaltigkeit und Wiederverwertung sind aber längst vom Ökotrend zum alltäglichen Lifestyle geworden – jedenfalls bei Fahrrädern. Der Trend zu «Fixis» – leichte Ein-Gang-Räder mit starrer Nabe – bietet Stadt-Radlern ganz neue Möglichkeiten des persönlichen Ausdrucks. Rebikel stellt esigner-Fixis in grellbunten Farben zum Designmonat aus. An ausgewählten Locations kann man sich mit den einspurigen Edel-Eseln fotografieren lassen. Wer an allen Stationen ein eweis oto macht, nimmt an einer Verlosung teil, bei der verschiedene Designprodukte zu gewinnen gibt. Ein weiterer Fahrrad-Fixpunkt r in ike-Polo-Turnier, das anlässlich des Lendwirbel-Straßenfestivals über die Bühne gehen wird.

DESIGNMONAT GRAZ 2012

links: design°Mobil PorTräT © design°Mobil; glockensPiel, © graZ TourisMus – HarrY scHiffer; all six Mangolds, © ruPerT Pessl; recHTs: graZ guides, © laeTiTia gaubY; green liMe, © Jonas Pauer

BIKEN, RECYCELN? REBIKELN!

, � . MAI � . IS � . UHR FH JOANNEUM, ALT P STSTRASS WAHRNEHMUNGSLABOR, 3. STOCK WLL.FH-JOANNEUM.AT


© ALEXANDER KRISCHNER

GESTALTUNG 1/2

DESIGNMONAT GRAZ 2012

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WIR GLAUBEN AN GESTALTUNG Man ist Erbsenzähler und Buchstabenfetischist, Kerningkavalier und Farbraumpfleger, Pixel-Puzzle-Meister und Fine-Liner. Es gilt, sich neu zu erfinden, jedes Jahr, mit starrem Blick nach vorn, mit alten Eindrücken im Hinterkopf. Gegen den Mainstream, wider das grafische Einsiedlertum. Eine Kriegserklärung an die Formatvorlage, der Template-Ritter, der vom Raster fällt auf seiner fontastischen Reise zwischen den Zeilen. Gestaltung beginnt weder auf Seite eins noch im Kopf eines KreatiEspressotasse, es schwimmt im Kernöl, rauscht in der Mur. Design

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zieht um die Häuser, winkt vom Schloßberg, kommt manchmal zu spät, aber immer zur rechten Zeit.

Harte Arbeit ohne Pause, zahllose schlaflose Nächte, verschwinden-

DESIGNMONAT GRAZ 2012

ven. Design wächst, in einer Stadt, einem Viertel, es dampft aus der

de Stunden und stumme Sekunden, um zu zeigen, was hier passiert. Graz tanzt. Im bunten Kleid aus knalligen Streifen, klaren Statements und tausenden Facetten. Eine Stadt, die vor Aufregung schreit und umarmt und willkommen heißt zur selben Zeit. Es gilt, Regeln zu brechen und Grenzen zu definieren, zu entgleisen, um den richtigen Weg zu finden, am Gleichgewicht zu rütteln, um aufzufallen. Design endet nicht auf Seite 100.

ELISABETH SCHAGERL

HELENA SCHMIDT

CAZZANELLI.COM

ELISABETHSCHAGERL.COM

HELENASCHMIDT.COM

GESTALTUNG 2/2

SIMON CAZZANELLI


multidisciplinary strategic brand consulting and design

good design is there to make a difference.

moodley brand identity

www.moodley.at


DER DESIGNMONAT DANKT. BESONDERER

DANK

GILT

ALLEN

FÖRDERERN,

KOOPERATIONSPARTNERN,

SPONSOREN

UND

PROJEKTPARTNERN, DIE DEN DESIGNMONAT (UND DIE CREATIVE INDUSTRIES STYRIA) IN DER STEIERMARK UNTERSTÜTZEN.

Förderer

DESIGNMONAT GRAZ 2012

Kooperationspartner

Medienpartner

Projektpartner

DANKE 1/1

Abteilung für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung, Achim Meurer, Architekturfakultät, Institut für Architektur und Landschaft der TU Graz, arge creativ wirtschaft austria, assembly, Atelier Gamerith, aws, BarCamp 2012, citybooks Graz, Citymanagement, das Möbel, Design Austria, design°mobil, Design Preis Schweiz, DruckZeug, evolve, FH Studiengänge Informationsdesign, Media & Interaction Design, Architektur, gamsbART, GrazGuides, Gebhart Blazek, Haus der Architektur, Herms Fritz, knall.bunt, Karl-Franzens-Universität Graz, Kastner & Öhler, Kulturinitiative Steiermark, kwirl, laden��, milli lux, moodley brand identity, Neue Wiener Werkstätte, Next Liberty, Pink Pedals, Rebikel, Restaurant Rondo, Robert La Roche, Schullin und Söhne, Schweizerische Botschaft, SELECTED: Sustainable Design, SKIN Future Material, Spank, springfestival, springsessions, strictly analog, tag.werk, The Infinitive Factory, tischlein deck dich, Tre Amici, Web Literacy Lab, Wirtschaftsbetriebe Graz, zero waste.


ISBN 978-3-9503113-1-0

MAGAZIN

9783950311310

DESIGNMONAT GRAZ 2012 CIS.AT

DESIGNMONAT.AT

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Designmonat Graz 2012