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CIS.doc # 06

Foodline Themen

Foodline 2009: Nomaden – Fooddesign in Bewegung

Foodline 2010: Nach dem Prozess der Verdauung

Foodline 2011 Open Food Design


Creative Industries Styria Foodline 2010

Inhalt Seite 10 – 11

Experimental Cuisine Radikal 2. Abend: Das Koch-Kollektiv Cooks of Grind thematisiert die “steigende Tendenz zum Verschwinden der Körperlichkeit in der Ernährung moderner Stadtnomaden.“ Seite 12 – 13

Post Design-Food 3. Abend: Martin Guixè - a fod designer is somebody working with food, with no idea of cooking “

Seite 22 – 25

Veranstaltung 02 / Angelika aus Grönland Warum die grönländische Kräuterund Gewürzexpertin Anne-Sophie Hardenberg Angelika liebt und was das mit der steirischen Wirtschaft zu tun haben könnte.

Seite 04

Vorwort Christian Buchmann Seite 05

Vorwort Eberhard Schrempf

Seite 14 – 15

Speed Meals 4. Abend: Andreas Hanakamp und Nina Gründler über die Optimierung der Nahrungsaufnahme-

Seite 06 – 07

Foodline 2009 - Nomaden – Fooddesign in Bewegung An 4 Abenden nomadisierten, experimentierten und referierten renommierte Köchinnen, Köche, Kochkollektive und Food-Expertinnen. Seite 08 – 09

From Kitchen with Love Der weite Bogen von der exklusiven Küche nomadisierender Haubenköche bis zur Straßenküche afrikanischer Agglomerationen.

Seite 16 -17

Foodline 2010 – Nach dem Prozess der Verdauung Andreas Fabianek und Martin Krammer im Gespräch Seite 18 – 21

Veranstaltung 01 / Raw Power Wer suchet der findet. Wiesengras aus Andritz, Aloe Vera von den Kanaren und der Beweis, dass Rohkost vielfältiger ist, als ErnährungsberaterInnen und Karotten-NagerInnen glauben.

Seite 26 – 29

Veranstaltung 03 / Steirische Fusion Kochen wie zu Hause. Bekommt die Thai-Küche einen steirischen Akzent, wenn sie nach Graz übersiedelt? Wo liegt die Grenze zwischen der Verfälschung des Originals und dem kreativen Spiel mit neuen Einflüssen Seite 30 – 35

Veranstaltung 04 / Sammeln und Mischen Eklektische Küche. Haya Molcho sagt als überzeugte Israelin: Eine israelische Küche gibt es nicht. Also sammelt und mischt sie alles, was ihr und uns schmeckt, shoppt täglich am Naschmarkt und serviert im Neni – oder im Lendloft.


Seite 3

Creative Industries Styria Foodline

Inhalt

Seite 36 – 37

Foodline 2011 – Open Food Design In einem experimentellen Workshop wird der Frage nachgegangen, welches Entwicklungspotenzial in 3D Open Source-Foodprintern steckt. Seite 38 – 39

Stimmungsbilder aus der Zukunft Kann man mit Wasabi drucken? – Über die praktischen Hindernisse in einer experimentellen Phase. Seite 40 – 41

beeing part of a revolution Fluid Forms, Graz und Philip Steffan, Berlin: Konzepte, Erwartungen und die Realität des Experimentierens Seite 42 – 43

Wenn Maschinen mit Essen spielen White Elephant, Graz: Konzepte, Erwartungen und die Realität des Experimentierens

Seite 44 – 45

What about Tihuana? Weitere Einschätzungen und Inputs der Workshop-Teilnehmer Gernot Stangl, Günther Gölles, Franz Paier und Raul Cardenos Osuna, Torolab Tihuana Seite 47

Impressum


Seite 4

Creative Industries Styria Foodline

Vorwort

Foto: Jorj Konstantinov

Christian Buchmann LANDESRAT für Wirtschaft, Europa und Kultur

Der Geschmack des Erfolgs Die creative industries sind eine Erfolgsgeschichte

Die Creative Industries Styria ist die Netzwerkorga-

der steirischen Wirtschaft. Das hohe kreative Po-

nisation der Kreativbranchen in der Steiermark und

tenzial der Steiermark bildet ein Stärkefeld, das für

Veranstalter des Designmonats. Die foodline als

die Zukunft unseres Landes bedeutend ist: Es ist

Veranstaltungsreihe dieses Monats fördert das Zu-

treibende Kraft unserer wirtschaftlichen Zukunft,

sammenspiel von kreativer Dichte, Innovationsgeist

schafft Wachstumsimpulse und erhöht unsere indi-

und hoher Lebensqualität in einem sehr grundle-

viduelle Lebensqualität.

genden Feld unseres Lebens, der Ernährung. Die Auseinandersetzung mit food design im Netzwerk

Innovation lebt nicht nur in Maschinen, Fahrzeugen

einer globalisierten Genusskultur ist eine notwen-

und Computern, sondern auch in unserer Ernäh-

dige Grundlage, um die Identität unserer eigenen

rung und Nahrungsmittelproduktion. Die Vielfalt

Genusskultur laufend neu zu definieren und um

und Qualität in der landwirtschaftlichen Erzeu-

die wirtschaftlichen Chancen dieses Feldes in den

gung, die besonderen Qualitäten zwischen Bio und

weltweiten Märkten nutzen zu können. Mit diesem

Nachhaltigkeit unserer Landwirtschaft und die Ex-

Magazin halten Sie einen Rückblick über die ersten

porterfolge steirischer Spezialitäten vom Wein bis

drei Jahre der foodline 2009-2011 in Händen. Drei

zu den Produkten der einzelnen Genussregionen:

Jahre, in denen sich die foodline im Rahmen des

All dies wäre ohne die vielfältigen Beiträge von De-

Designmonats Graz mit faszinierenden, verrück-

signerInnen nicht möglich.

ten und zukunftsweisenden Themen auseinander gesetzt und die internationale Vernetzung unserer Designlandschaft voran getrieben hat.


Seite 5

Creative Industries Styria Foodline

Vorwort

Eberhard Schrempf GESCHÄFTSFÜHRER DER CREATIVE INDUSTRIES STYRIA GMBH

Foto: Harry Schiffer

Food Design und darüber hinaus Im Jahr 2008 saß ich mit Martin Krammer und An-

wahrnehmbar und zugleich vergänglich wie in der

dreas Fabianek, den Kuratoren der foodline, zu-

Küche ist. Darüber verliert man leicht den theoreti-

sammen. Ich kannte zwar ihre Vorliebe für alles

schen Überbau aus den Augen – ich danke an dieser

Kulinarische, war aber überrascht von der theore-

Stelle den Kuratoren Andreas Fabianek und Martin

tischen Qualität eines Diskurses zu diesem Thema.

Krammer dafür, dass sie dieser Gefahr trotzten.

Mir wurde bewusst, dass Design – eine Disziplin, die ich selbst eher auf Architektur, Prozess- und Pro-

Zugleich ist die foodline eine Netzwerkveranstal-

duktdesign reduziert hatte – in der Ernährung deut-

tung par excellence, denn an keinem anderen Ort

lich tiefer dringt als in allen anderen Bereichen: Wir

kommt man so leicht ins Gespräch wie in der Küche.

sind, was wir essen – also designen wir uns mit unse-

Davon profitierten nicht nur die zahlreichen Vortra-

rer Ernährung selbst. Und das nicht nur im übertra-

genden und Workshop-TeilnehmerInnen, sondern

genen, sondern auch im wortwörtlichen Sinn.

auch die Gäste.

Für die Creative Industries Styria ist die foodline eine aufregende Veranstaltungsserie, die nun schon dreimal im Rahmen des Designmonat Graz – mit jeweils völlig unterschiedlichen Ansätzen und Aufgabenstellungen – bewiesen hat, dass kaum sonst das (vorläufige) Ende eines Designprozesses so sinnlich


Seite 6

Creative Industries Styria Foodline 2009

Einleitung 2009

Foodline 2009

Nomaden – Fooddesign in Bewegung an

4

a ben den nom a di si e rt en, e x p e r i m en t i e rt en

u n d r e f e r i e rt en r enom m i e rt e kö c h i n n en, kö c h e, ko c h kol l ek t i v e u n d f o od -e x p e rt i n n e n.

Food Design by Marti Guixe

Nach Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden der zunehmenden

Programm:

Sesshaftwerdung entwickeln sich im 21. Jahrhundert im Zuge der Globalisierung der Gesellschaft immer neue Tendenzen zu einer neuen Nomadisierung zumindest einzelner Gruppen. Dieser Drang der Gesellschaft immer nomadischer zu werden, sei es körperlich oder auch virtuell, bedingt, die Überlegungen zu Nahrung grundlegend zu überdenken. Während der Zugang zur Mobilität erleichtert ist, erschweren sich paradoxerweise die Möglichkeiten an qualitätsvolle Nahrung und Nahrungsmittel heranzukommen. Was ist überhaupt Qualität? Es ist ein Ziel diese Frage offen diskursiv zu betrachten. Ganz bewusst stellt sich die Veranstaltungsserie die Aufgabe, eingeübte Begriffe (von Molekular bis Bio) in Frage zu stellen und neue Aspekte zu entwickeln und aufzuzeigen.

From Kitchen with Love Vortrag: „Erste Zutat: Liebe zum Beruf” – Herbert Schmidhofer, Magnolia Koch-Experiment: Kobe-Steak vs. afrikanisches Straßenbuffet – Herbert Schmidhofer, Christine Wassermann, Bibiane Kaptue und Marie-Claude Mutamba Experimantal Cuisine Radikal Vorträge: „Marienstüberl in der Rose” – Martin Zettel, Mi-

Die FOODLINE 2009 begab sich auf die kulinarischen Spuren extremer Beispiele moderner Nomaden und machte ihre Konzepte der Ernährung in Form von Vorträgen und Koch-Experimenten erlebbar.

chael Zöllner und Alojz Tekavec zur Verpflegung obdachloser Menschen „Kulinarische Erfahrungen in der Modelwelt“ – Teresa Rotschopf


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Creative Industries Styria Foodline 2009

“ Was ist überhaupt Qualität? ” Martin Krammer

Performance: „Die Potenzierung der reduzierten urbanen Diätik“ – Cooks of Grind Post-Food-Design Vortrag: “Martí Guixé on food design” – Martí Guixé, Berlin/Barcelona Koch-Experiment: „No-Made“, Franz Paier Ort: Showroom Gaisrucker, Lendplatz Speed Meals Vortrag: “Expeditionsfood – Food Design – Sailingyacht – Yachtdesign – Designerfood - Foodexpedition” – mit Andreas Hanakamp, Nina Gründler und ??? (Ernährungsberaterin) Koch-Experiment: „Kombüse mobil“ – Gisela und Andreas Zöpnek, Schnabelweidedie drinnen arbeiten, nach außen bringt und auf der Außenfassade entlanggehen lässt. Aber die Hauptgeschichte ist eben diese Kommunikation von der kompletten Steiermark zurück zum Sender. Man muss das natürlich redaktionell bearbeiten … Und die Leute, die nicht so laut sind, Leute, die in sozialen Randgruppen sind, Migranten, sollen da auch eine Möglichkeit haben. Ort: Kaiser-Josef-Platz, Stand 19-21

Einleitung 2009

Andreas Fabianek (l.) und Martin Krammer (r.) lassen Gedanken sprießen.


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Creative Industries Styria Foodline 2009

From Kitchen with Love

From Kitchen with Love

Kobe-Beef um EUR 350,- ...

di e e r st e v e r a n sta lt u ng de r f o odl i n e s pa n n t e e i n e n w e i t e n b o g e n v o n d e r e x k lu si v e n k üc h e de r nom a di si e r e n de n h au b e n kö c h e b i s z u r s t r a s s e n k üc h e a f r i k a n i sc h e r ag gl om e r at ion en, i n den en d i e m e n s c h e n z w i s c h e n a r b e i t , fa m i l i e , wa s s e r s t e l l e n , ä c k e r n u n d v i e h h e r d e n e b e n fa l l s s t ä n d i g ü b e r w e i t e s t r e c k e n u n t e rw e g s s i n d.

Herbert Schmidhofer performt am Induktionsherd

Polenta die for Yams, beans de jump in between (and fish can smile)

” Mit seinem Einleitungsreferat erzählte

Bibiane Kaptue

Herbert Schmidhofer, Haubenkoch das Grazer Magnolia, von einem Leben, in dem sich das Private auf Kleidung im Koffer und das eigene, immer mitwandernde Messer beschränkt. Im anschließenden Koch-

Straßenbuffet zu. „Polenta die for Yams,

Experiment wurden die Haubenküche und

beans de jump in between (and fish can

die afrikanische Straßenküche einander

smile)“ lautet der Titel ihrer Kreation. In

gegenüber gestellt. Herbert Schmidhofer

Afrika würde das 350,- Budget ausreichen,

bereitete mit einem Budget von EUR 350,-

um eine Großfamilie einen Monat lang zu

vier Filets vom Kobe-Beef zu – serviert in

verköstigen – an diesem Abend konnten

1 x 1 cm kleinen Würfelchen.

immerhin 50 Personen mit gebackenen Kochbananen, Kaki-Mus und dutzenden

Im Gegenzug bereitete die freischaffen-

anderen Köstlichkeiten verwöhnt werden.

de Köchin Christine Wassermann unterstützt von Bibiane Kaptue/Kamerun und

Mit dieser Gegenüberstellung von Viel-

Marie-Claude Mutamba/Ruanda auf Ba-

falt und Übersättigung, Luxusfleisch und

sis des gleichen Budgets ein afrikanisches

einfachsten Lebensmitteln wurde auch


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Creative Industries Styria Foodline 2009

Auch die Kunst des Einfachen führt zum Genuss

RELATED LINKS www.augartenhotel.at/

der Frage nachgegangen, welchen Stellenwert die Küche bei uns bei Nomaden hat, welche unterschiedlichen Qualitätsbegriffe hier zugrunde liegen. Dieser Gegenüberstellung folgte auch die unterschiedliche technische Ausstattung – während Herbert Schmidhofer auf innovative Induktionstechnik zurückgriff, begnügte sich das Team rund um Christine Wassermann mit einem schlichten Propangaskocher. Fragen zum Hunger auf der Welt und Adipositas, zu Verteilungsgerechtigkeit und Überfluss mussten nicht extra gestellt werden, um diskutiert zu werden.

protagonisten h er bert sch m i dhof er , küch ench ef des m agnoli a

/

auga rt en hot el gr a z

ch rist i n e wasserm a n n , geb . i n w eiz , celery ’s

( bis 2003),

_

1968

t h e j u ice ba r

gesu n de küch e

i n t ernat iona l , a ls köch i n f r eisch a f f en d ;

... und als Kontrast das afrikanische Straßenbuffet

bi bi a n e k a p t u e , geb .

1978

i n doua l a ,

k a m eru n , köch i n , cat eri ng u n d koch workshops a f rik a zen t ru m ch i a l a’a f riqas

(w w w. ch i a l a . at);

m a ri e - cl au de m u ta m ba , geb .

1962

in

k iga li , rua n da , i n t erku lt u r elle koch ku rse u n d bu f f ets , proj ekt iku

(v er ei n

isop, w w w. isop. at / iku)

assist ed by proto t way i , geb .

1968

in

bu m ba /gisen y i , rua n da , k elln er u n d ba r prof i , brot u n d spi ele

Christine Wassermann mit Bibiane Kaptue und Marie-Claude Mutamba


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Creative Industries Styria Foodline 2009

Experimental Cuisine Radikal

Experimental Cuisine Radikal A ben d w u r de k u l i na r isc h Wa l t e r S c h e r z u n d d e n „C o o k s o f G r i n d “ g e s t a l t e t . T h e m a wa r d i e „ s t e i ge n de T e n de n z z u m Ve r s c h w i n de n de r Kör per l ic h k ei t i n der Er nä h ru ng mo d e r n e r S t a d t n o m a d e n “. er zweite

von

Die Potenziermaschine, bedient von Wojdel, Kassier, Sektion Rock‘n‘Roll der Cooks of Grind

Gemeinsam mit Protagonisten des „Marienstüberls“ sowie Teresa Rotschopf, Musikerin bei „Bunny Lake“ und Model, ging man der Frage nomadischer Ernährung nach: Wie ernährt man sich auf der Straße, wo finden Obdachlose etwas Essbares? Und wie isst man abseits des Laufstegs? Wie hetzt man von Fotoshooting zu Fotoshooting, findet keine Zeit für ein beschauliches Mittagessen und bleibt dabei die Göttin aus der Werbung?

oder Bier, die eigens entwickelte

wo finden Obdachlose etwas Essbares

Architekt und Dokumentarfilmer Martin Zettel sowie Michael Zöllner und Alojz Tekavec, die bei-

kleine, silbrig glänzende Kügelchen, die zwar wie üblich nur nach Zucker schmeckten, aber doch die geballte Energie und Information des Ausgangsprodukts enthielten.

Martin Zettel

de auf freiwilliger Basis im „Marienstüberl“ aus-

Maschine verwandelte alles in

Während die „Cooks of Grind“

helfen und aus eigener Erfahrung wissen, was es

also

heißt, obdachlos zu sein, waren die Vortragenden

mindest deren Form zum Ver-

dieses Abends.

die

Nahrung

oder

zu-

indem sie Lebensmittel von ihrer fest-

schwinden brachten, demonst-

stofflichen

befreiten

rierte erst Teresa Rotschopf, mit

Die „steigende Tendenz zum Verschwinden“ wurde

und in homöopathische Potenz trans-

welcher Nahrung sich Models

von den „Cooks of Grind“ auf die Spitze getrieben,

formierten. Egal ob Extrawurstsemmel

Bulemie-gefährdet

Beschränktheit

mit

Reis-


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Creative Industries Styria Foodline 2009

Experimental Cuisine Radikal

Die Verwandlung von Bier, Extrawurstsemmel & Co in Globuli

Chilli, das Tagesmenü des Marienstüberls

protagonisten cooks of gri n d , i m ja h r

2001

gegrü n det es

koch kollekt i v, dass sich vom u rsprü nglich en a nsatz i m f r eu n desk r eis f ü r ei na n der zu ko ch en zu m koch - ku nst - kollekt i v w ei t er en t w i ck elt e . sei t

2003

a ls v er ei n orga n isi ert, der

proj ekt e u n d perform a nces i m ku nstkon t ex t u n d i m öf f en tlich en r au m en t w ick elt u n d u msetzt. di e cooks of gri n d wa r en v ert r et en du rch wa lt er

„woj del“

sch erz , fozzey sch loy-

er u n d rom a n k lug

m a rt i n zet t el , m a rt i n zet t el ist a rch i t ekt, u r ba n ist u n d doku m en ta rf ilm er . zusa m m en m i t dem lon don er a rch i t ekt en h a n n es m ay er produzi ert e u n d ku r at i ert e er i n enger zu sa m m ena r bei t m i t eh em a ls obdach losen di e ausst ellu ng

„gr egors

sta dt

di e sta dt gr a z

waffeln und Knäckebrot der Selbstauflösung annähern. Dann stand die Küche jener im Mittelpunkt, die die Gesellschaft längst zum Verschwinden gebracht hat: Verpflegt sich ein obdachloser Mensch nomadisch? Unbeachtet von einem Großteil der Grazer Bevölkerung hat sich durch den 10-Cent-Mittagstisch im Marienstüberl der Caritas das Essen zum Fixpunkt im ansonsten sehr unstetigen Leben vieler Obdachloser entwickelt. Martin Zettel stellte gemeinsam mit freiwilligen Helfern und ehemaligen Obdachlosen eine Institution der Grazer Armenverpflegung vor. Das aktuelle Tagesmenü des „Marienstüberls“ – ein Teller Chili und eine Semmel – war auch die kulinarische Ergänzung der homöopathischen Kügelchen.

aus dem blick w i n k el der obdach losigk ei t “.

m ich a el zölln er u n d a lojz t ek av ec , h elf en au f f r ei w illiger basis i m m a ri enst ü berl aus . bei de h a ben ü ber ja h r e h i n w eg a m eigen en lei b erfa h r en , was es h eisst, obdach los zu sei n u n d v erm i t t eln aus di eser posi t ion zw i sch en h ilfsei n rich t u ng u n d gäst en .

t eresa rotschopf, a li as suzy on t h e rocks ist sä ngeri n der ba n d bu n n y l a k e , model u n d st ilist i n

RELATED LINKS www.cooksofgrind.org

Teresa Rotschopf referiert über die Nahrunsgaufnahme von Models


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Creative Industries Styria Foodline 2009

Post-Design-Food

Post DesignFood a food designer is

“ somebody

Marti Guixe, Barcelona - Berlin

working with food ,

with no idea of cooking “

” Martì Guixè RELATED LINKS www.guixe.com www.koch-art.at

Frisch aus der Design-Küche

Das Am dritten Abend der Foodline konfrontierte der Star-(Food)-Designer Martì Guixè das Publikum mit Beispielen seiner unorthodoxen Design-Ideen, in denen Lebensmittel als Objekte und Gestaltungsmittel wahrgenommen werden, die in jeden beliebigen Kontext gestellt werden können. Da war etwa der Springbrunnen, den Guixé in eine Eismaschine verwandelte, um das Wasserbecken in ein Meer aus Eiswürfeln zu transformieren, in dem Champagner, Sekt und Prosecco gekühlt wurden; oder die Geschäftseröffnung, bei der die Gäste mit Hilfe des Buffets selbst die Wände designten, wobei Guixé das so entstandene Werk anschließend versiegelte und als Dauergestaltung beließ. Während Guixé also Appetit auf Unkonventionelles machte, stillte Kochweltmeister eben diesen Hunger mit Fingerfood aus der mobilen Küche.


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Creative Industries Styria Foodline 2009

Post-Design-Food

Blick auf eine unorthodox ausgestattete Küche

Martin Krammer präsentiert Marti Guixe

protagonisten m a rt í gu i x é : i m ja h r

1964

i n k ata lon i en gebor en , lebt der de -

sign er , h eu t e i n sei n er h ei m at ba rcelona sow i e i n berli n . er sch loss

1985

i n ba rcelona das st u di u m

„ i n t erior

design “ a b u n d

st u di ert e a nsch li essen d i n dust ri edesign a n der scuol a polyt ecn ica di design i n m a il a n d . gu i x é setzt sich sei t

2005

i n t ensi v

m i t fooddesign ausei na n der . sei n e u n kon v en t ion ellen a r bei t en wa r en u n t er a n der em i n ausst ellu ngen

i m mom a i n n ew york bis

zu m cen t r e pom pi dou i n pa ris zu seh en u n d w u rden m i t za h l r eich en pr eisen ausgezeich n et. obwoh l er sich sei t

201

a ls ex-

design er bezeich n et, a r bei t et m a rt ì gu i x é f ü r a lessi , ca m per , ch a - ch a , ch u ba ch u ps , droog design , i m agi na ri u m , k esselsk r a m er u n d v i t r a . f r a nz pa i er : der gr a zer wollt e i m m er schon der best e koch der w elt w erden .

20

ja h r e ausl a n dserfa h ru ng

sch w eden , usa , k r euzfa h rtsch i f f),

1996

(u. a .

berm u das , asi en ,

koch w elt m eist er si nga -

pu r koch - oly m pi a de ik a berli n bronze i n der di ät - diszi pli n .

1997

küch en m eist er , leh r beau f t r agt er f ü r das di pl . di ät koch w i f i st ei erm a rk , di pl . h ygi en e - m a nager , h au ben koch i m hofk eller i n gr a z ;

2000

grü n du ng der koch - a rt gr a z

fä ngt i n der küch e a n

.

cr edo : demok r at i e

di e küch e k en n t k ei n e gr enzen!

Franz Payer bei der akribischen Zubereitung seiner Essenskreationen


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Creative Industries Styria Foodline 2009

Speed Meals

Speed Meals

Essen mit Schere statt Messer und Gabel

Sp i t z en sp ort v e r l a ngt nac h de r O p t i m i e ru ng de r Na h ru ng s au f na h m e , u m i n mö g l ic h st k u r z e r Z e i t mö gl ic h st v i e l e Nä h rstof f e u n d K a lor i en bei ger i ngst em Gen uss z u s ic h z u n e h m e n.

RELATED LINKS www.segelwelt.at www.dr-gruendler.at

Im Falle des Segelsports, also angesiedelt auf windgetriebenen Hochleistungsrennmaschinen, kommen erschwerend hinzu: keine Küche, äußerst beschränkter Stauraum, das Zählen jedes einzelnen Gramms Transportgewicht und Schräglagen jenseits der 20 Grad und alle 15 Sekunden eine Badewanne voll Wasser ins Gesicht. Wer hält das aus? Wie lange hält man das aus?

“ Fleischbällchen, Puree und Salat sind ein strukturloser, brauner Brei, der nur mit Überwindung im Mund landet – dann aber erstaunlicher Weise alle Aromen entfaltet, mit denen man gar nicht mehr gerechnet hat.“

Warum macht man das? In einer kulinarischen Erleb-

nisrundfahrt entführten Extremsegler Andreas Hana-

Andreas Fabianek

kamp und Ernährungsmedizinerin Nina Gründler in die Welt des Volvo Ocean Race. Zur Veranschaulichung der kulinarischen Wirklichkeit an Bord diente etwa die Gegenüberstellung von einem Karton Expeditionsnah-

Andreas Fabianek: „Fleischbällchen, Puree und Salat

rung versus dem gleichen Angebot an Proteien, Vitami-

sind ein strukturloser, brauner Brei, der nur mit Über-

nen etc. in Form herkömmlicher Lebensmittel.

windung im Mund landet – dann aber erstaunlicher Weise alle Aromen entfaltet, mit denen man gar nicht mehr

Auch wie sich Expeditionsnahrung zubereiten lässt,

gerechnet hat.“

demonstrierte Hanakamp anschaulich: Auf einem Balancebrett balancierend und im 15 kg schweren Segelo-

Expeditionsmenüs der anderen Art bereitete die Schna-

verall bereitete er sich eine Portion Fleischbällchen mit

belweide vor und zu: frisch gefertigte Portionen feiner

Puree und Salat am Gasbrenner zu, während sich Nina

Speisen wurden vakuumverpackt und den Gästen am

Gründler darum bemühte, mit dem Gartenschlauch den

Tisch zum Berg aufgetürmt und mit Scheren als Ess-

nassen Angriff der Weltmeere zu kopieren.

werkzeug serviert.


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Creative Industries Styria Foodline 2009

Speed Meals

Andreas Hanakamp am Balancebrett, assistiert von Nina Gründler

protagonisten Das vakuumverpackte Buffet der Schnabelweide

a n dreas h a na k a m p : gebor en

1966,

lebt

i n w i en er n eusta dt. segelt, sei t er

12

ja h r e a lt ist, t eilna h m e a n den oly m pisch en spi elen

1996

und

2004;

2001/2002;

m a nager volvo ocea n r ace volvo ocea n r ace

m edi a

2008/2009,

sk i pper

t ea m russi a

n i na grü n dler : gebor en

1958,

ä rzt i n f ü r

a llgem ei n m edizi n , a r bei ts -, sport - u n d a lpi n - u n d höh en m edizi n m i t ordi nat ion gr a z . m edizi n isch e bet r eu u ng t ea m russi a , volvo ocea n r ace

2008/09

Wie ernährt man sich bei 20° Schräglage? sch na belw ei de : di e sch na belw ei de gi bt es a m gr a zer bau ern m a rkt a m k a iser josef - pl atz sei t a pril

1990.

erstk l assige

h ei m isch e w ei n e u n d gerich t e , di e m i t produ kt en vom bau ern m a rkt u n m i t t el ba r vor ort zu ber ei t et w erden , zeich n en di e beson der e qua li tät der

8010

küch e aus .

gr a z , k a iser - josef - pl atz sta n d

19-21

Das Team der Schnabelweide

16,


Seite 16

Creative Industries Styria Foodline 2010

Krammer – Fabianek

Foodline 2010

Nach dem Prozess der Verdauung Vier Workshop-Tage zu den Themen Na-

Andreas Fabianek: Als Person ist er ein Ge-

Werten. Er lebt aber sehr gut mit Energie-

türliche Ressourcen und Regionale Grund-

samtkunstwerk oder ein Gesamtsystem. Er

bilanzen, die ihm keiner erklären kann.

stoffe. Mit welchem Ansatz habt Ihr Euch

sagt: Die Gesellschaft fasst den Körper als

dem Thema Food Design heuer genähert?

Maschine auf und die Ernährung als Treib-

Martin Krammer: Dabei betont er, dass er

stoff. Dieses simple, mechanische Bild ist

kein allgemeingültiges Gesetz vertritt. Wie

aber falsch, weil es auf die Kraft des Geis-

er sich ernährt, funktioniert seiner Ansicht

Andreas Fabianek: Eigentlich ist der Begriff Food Design bzw. was man landläufig

tes vergisst. Er widerlegt im Selbstversuch

nach nur für ihn selbst. Damit stellt er jede

darunter versteht, zu eng. Denn wir haben

den rein naturwissenschaftlichen Ansatz

Ernährungsempfehlung in Frage. Die The-

uns ja nicht nur mit dem Design von Le-

und damit auch die schulmedizinischen

se ist: Man muss ein Gefühl für den eige-

bensmitteln, sondern mit den Grundlagen

Empfehlungen zur Ernährung. Für ihn ist

nen Körper entwickeln und die Ernährung

der Ernährung beschäftigt.

daran anpassen, wonach der eigene Körper

Martin Krammer: Das, was Food Design klassisch meint, ist ganz einfach die Ge-

verlangt. Wenn man das wie Stefan Hiene

die industrialisierung

einerseits

der ernährung führt

ästhetisch-funktional, andererseits auf der

zu problemen auf den

staltung

von

Lebensmitteln,

Produktionsebene. Das ist wie im Autodesign: Alle Komponenten müssen in einem

ebenen der qualität

industriellen Formgebungsweg zusammen-

und der identität.

passen. Diese Industrialisierung der Ernäh-

muss man hart daran arbeiten. Was war der Ansatz der zweiten Veranstaltung Inuit am Lend? Martin Krammer: In der europäischen Kulinarik gibt es Trends. Früher stan-

rung führt zu Problemen auf den Ebenen

zu Ende denkt und auch radikal umsetzt,

den die Italiener im Mittelpunkt, dann

der Qualität und der Identität. Mit diesen

die Spanier, jetzt sind es die SkandinaMartin, Krammer

vier. Und wir wählten eben mit Grön-

Ernährung Teil eines Lebenskonzeptes: Er

Hier kristallisierten sich im Gespräch

isst quasi nur, was er am Wegrand findet,

mit Anne Sophie Hardenberg zwei zent-

sign auch zu einer politischen Frage und zu

kommt mit einem Monatsbudget von 200,-

rale Aspekte heraus: Die Landwirtschaft

einer Frage der Haltung.

Euro aus und betreibt dabei auch noch

Grönlands ist im Umbruch, denn auf-

Leistungssport

grund der Erderwärmung entstehen neue

beiden Problemzonen haben wir uns heuer intensiv auseinander gesetzt. Andreas Fabianek: Damit wird Food De-

land das extremste skandinavische Land.

als

Mountainbike-Renn-

Am deutlichsten hat in diesem Sinne der ers-

fahrer. Aus seiner Sportler-Geschichte

Möglichkeiten der landwirtschaftlichen

te Protagonist, Stefan Hiene, Position bezo-

weiß er, wie viele Kalorien er sich zuführen

Nutzung in noch dazu unverseuchtem

gen – ihm ging es nicht um Kulinarik, son-

müsste um Rennen bestreiten zu können.

Gebiet. Daraus resultiert eine große Neu-

dern um das Design des eigenen Körpers.

Tatsächlich bleibt er weit unter seinen Soll-

gier und Anne Sophie Hardenberg sah bei


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Creative Industries Styria Foodline 2010

Krammer – Fabianek

uns viele innovative Ansätze. So entstan-

aus der Steiermark, Thailand, Pakistan,

litik. Bei ihr definiert sich ein friedfertiges

den rasch Ideen zu einer wirtschaftlichen

Anatolien und Bulgarien gemeinsam koch-

Zusammenleben der Geschmäcker, indem

Vernetzung mit der Steiermark.

ten und sich ständig wechselseitig in die

sie bereit ist, geschmackliche Ebenen in ihre

Kochtöpfe schauten.

Küche aufzunehmen, die aus Palästina, dem

Andreas Fabianek: Auch das anders ge-

Libanon und der ganzen Welt stammen.

lagerte Basiskonzept der grönländischen

Küche ist spannend: Auf Grundlage der

food design ist auch

extremen Lebensbedingungen ist sie

eine politische frage

eher überlebens- als genussorientiert. Was sie produzieren, ist zum überwiegenden Teil Kraftnahrung. Diese Blaubeer-Milch-Kräuter-Geschichte war für uns einfach ein leckeres Dessert, dort ist das die Kraftnahrung beim Wasa-Lauf

Martin Krammer: Das führt uns auch zu unserem Umgang mit dem Fremden. Es gibt beispielsweise in Oberitalien mit der

und eine frage der

Lega Nord den Versuch, die Kebabs zu ver-

haltung. ”

bieten. Es entsteht so etwas wie ein Food-

Andreas, Fabianek

Faschismus, der Migration nicht nur verhindern will, indem er Menschen aussperrt, sondern der das Essen der Leute, die schon da sind, aussperren will. Natürlich ist es

an den Labestationen. Dieser verbindende Aspekt des Kochens

gut, das Eigene, das Regionale zu fördern.

Steirisch Fusion, der dritte Termin, stellte

war auch am vierten Tag, bei Sammeln und

Die Frage ist aber zugleich, wie wir das

den Prozess des „Übersetzens“ von Rezep-

Mischen mit Haya Molcho präsent ...

Andere zulassen. Hier sind noch intensive Diskussionen zu führen, denn wir können

turen aus Anatolien, Indien und Thailand durch Protagonisten in den Vordergrund, die seit einiger Zeit in Österreich leben.

Martin Krammer: Hier war Vielfalt das

ja nicht die Entwicklung unserer Esskultur

tragende Thema. Das begann schon damit,

der politischen Rechten überlassen.

dass Haya Molcho nur mit einer Sache, mit Andreas Fabianek: Ja, das war der Ansatz:

Melanzani, gekocht hat. Diese eigentlich

Gibt es schon einen Ausblick auf die food-

Wie muss ich meine Rezepturen und Ge-

geschmacklosen Melanzani werden zu ei-

line 2011?

schmackserfahrungen übersetzen, wenn

ner Trägersubstanz für eine sehr varian-

ich im Ausland bin.

tenreiche Küche. Dabei hatten wir – dank

Andreas Fabianek: Im Rückblick habe ich

der Agrarindustrie – nur eine einzige Sor-

den Eindruck, dass die Veranstaltungen

te Melanzani zur Verfügung. In Wahrheit

umso spannender werden, je weniger die

diesem Abend die starke Verwendung von

gäbe es ja noch 50 andere Sorten, mit deren

Protagonisten Küchen-affin sind. Vielleicht

Fertigmischungen kritisiert ...

Geschmacksnuancen man spielen könnte,

stellen wir Designer oder ganz andere Ty-

aber die werden immer mehr verdrängt.

pen in den Mittelpunkt, die wieder ganz

Franz Paier, der begleitende Koch, hat an

neue Zugänge zu Food Design einbringen.

Martin Krammer: Wenn du irgendwohin auswanderst, versuchst du, auf dein Hei-

Andreas Fabianek: Haya Molcho ist über-

matland zurückzugreifen, was dir nicht

zeugte Israelin. Dennoch definiert sie eine

Martin Krammer: Die foodline darf kein

gelingt. Und so verändern sich die Tradi-

Küche, in der sie mischt und sammelt und

vorhersehbares Format werden, das irgend-

tionen: Einwanderer der ersten Generati-

die damit ein Sammelsurium einer Region

welche Erwartungshaltungen erfüllt. 2011

on sind gezwungen, mit Annäherungen an

ist. Und das ist viel friedfertiger als die Po-

wird also alles wieder ganz anders werden.

ihre Geschmackserinnerungen zu leben. Sie können nicht das Original nachkochen, sondern nur Gerichte, die so ähnlich sind. Für die nachfolgende Tradition wird nun diese Küche bereits zum Original. Bei uns laufen ähnliche Prozesse ab: Dadurch, dass die Leute zunehmend aufhören zu kochen, geht viel Wissen verloren. Wenn du den Gaumen nicht trainierst oder das Original gar nicht mehr kennst, bist du auch mit dem zufrieden, was dir die Industrie liefert. Andreas Fabianek: Dieser Tag hatte aber auch noch etwas Anderes, Auffälliges zu bieten: Es war schön zu sehen, wie Leute

m a rt i n k r a m m e r u n d a n dr e a s fa bi a n ek


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Veranstaltung 01 / Raw Power

Wer suchet, der findet. Wiesengras aus Andritz, Aloe Vera von den Kanaren und der Beweis, dass Rohkost vielfältiger ist, als ErnährungsberaterInnen und Karotten-NagerInnen glauben.

“ Stefan Hiene ist der Ansicht, dass der Mensch einem Donut gleicht: Auch wir haben in der Mitte ein großes Loch vom Mund bis zum Anus, das Teil unseres Äußeren ist. Da wir aus allem, was wir hier durchschleusen, unseren Körper regenerieren, stellt sich die Frage, wer sich wirklich aus e-Nummern und Industrieware laufend neu erschaffen will.

ich bin hier, um zu entdecken, was die natur hergibt. ” Stefan, Koch

Löwenzahn von einer Wiese in Andritz und Quellwasser aus Judendorf-Straßengel. Stefan Hiene steuert Rezeptideen bei und erzählt beiläufig, dass er auf Gran Canaria auch ohne Sonnenschutzmittel keinen Sonnbrand mehr bekommt, seit er Aloe Vera isst. Wiesengras und Äpfel gemeinsam im Entsafter ergeben einen ebenso grünen wie wohlschmeckenden Smoothie. Kochweltmeister Franz Peier meint zwar, dass

Raw Power begann für Stefan Hiene im Juni 2007 als 14-tägiges Experiment am ei-

mediziner können seine mit modernsten

der Beginn der menschlichen Kultur mit

genen Körper mit der Gewissheit, als Leis-

wissenschaftlichen Methoden gemessenen

der Beherrschung des Feuers zusammen-

tungssportler beim nächsten Radrennen

Leistungskurven nicht erklären. Zweitens:

fällt, zaubert aber dennoch ein so vielfäl-

vom Sattel zu fallen. Als er entgegen der

Er will und kann von sich nicht auf andere

tiges Rohkost-Buffet in den Lendloft, dass

eigenen Erwartungshaltung beim nächs-

schließen. Drittens: Jeder muss seinen eige-

den abendlichen BesucherInnen weder

ten Moutainbike-Marathon in der Spitzen-

nen Weg finden – zu diesen Wegen gibt es al-

warme Küche noch Geschmacksvielfalt

gruppe mitfuhr, erwachte sein Ehrgeiz erst

lerdings mehr Türen, als Gewohnheiten und

abgehen. Die einzigen, die enttäuscht wer-

recht. Nach über 3 Jahren Rohkost ist er

Nahrungsmittelindustrie glauben machen.

den, sind jene, die Rohkost als messianische Religion verstehen wollen. Denn für Stefan

sich in einigen Dingen ganz sicher: Erstens: Für ihn gilt das Wissen der Ernäh-

Rohkost in der Küche

Hiene gibt es so viele richtige Ernährungs-

rungswissenschaften offensichtlich nicht,

Erst frisches Frühlingsgemüse, Obst und

philosophien, wie es Menschen gibt. Aktu-

denn auch langjährig erfahrene Sport-

Kräuter vom Lendplatz, dann Gras und

ell also 6,829.530.


„ r aw

pow er”. er ernä h rt sich sei t h er aussch li esslich von

st efa n h i en e k ei n en f est n etza nsch luss , k ein mobilt elefon u n d k ein au to .

roh er , u n beh a n delt er , nat u r bel assen er u n d n ich t v er a r bei t et er pfl a nzen na h ru ng u n d er bringt a ller sport m edizin zu m t rotz spi tzen leist u ngen . sei t 2009 h at

der deu tsch e roh köstler u n d r a dsportler lebt au f gr a n ca na ri a u n d sta rt et e 2007 den sel bst v ersuch

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biogra f i e : st efa n h i en e

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Wiesenkr채uter sammeln in Andritz rund um den Naturerlebnispark beim Rielteich

Sammeln und Mischen


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Sammeln und Mischen

Stefan Hiene beim

ausnahmsweise etwas

Kräuterstand am

nicht Essbares: die

Lendplatz.

„Pusteblume“

Die Rohverkostung am Abend im Lendloft bietet überraschende Vielfalt.

kalte RohkostCremesuppe


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Inuit am Lend

Angelika aus Grönland Warum die grönländische Kräuter- und Gewürzexpertin Anne-Sophie Hardenberg Angelika liebt und was das mit der steirischen Wirtschaft zu tun haben könnte.

biogra f i e a n n e soph i e h a rden berg , kulina risch e botsch a f t erin grön l a n ds u n d der n eu en sk a n di nav isch en küch e , ist koch buch au torin u n d ex pert in f ü r k r äu t er u n d gew ü rze aus grön l a n d .

Anne-Sophie Hardenberg ist eine echte

im Vordergrund. Die Nahrung muss Kraft

pe zubereiten. Von Angelika lassen sich

Dame. Charmant und adrett gekleidet be-

geben und gegen Krankheiten vorbeugen –

die Blätter, die Samen und die Wurzel als

grüßt sie des Abends das Publikum, das

kein Wunder, so nahe am ewigen Eis.

Gewürz verwenden. Algen sehen nicht gut aus, schmecken aber trotzdem. Arktischer

schon gespannt auf die Aromen Grönlands wartet. Nur wer den Blick senkt, stellt fest,

Was Anne-Sophie Hardenberg durch die

Thymian hat ein leichtes Lavendelaroma.

dass Grönland doch etwas anders ist. Denn

ganze Welt führt, ist die Lust, Netzwer-

Kocht man Rhabarberkompott dick ein, ist

Anne-Sophie referiert barfuß über das We-

ke aufzubauen und Kontakte zu knüpfen.

es eine hervorragende Beilage zu Lamm-

sen der Grönländischen Küche. Ihr Motto:

Denn das Eis ist auch in Grönland nicht

braten.

„Keep it simple!“

mehr ganz so ewig. Dank des Klimawandels steigen die Durchschnittstemperatu-

Grönland goes Styria

Mitgebracht hat sie neben ihrer guten Lau-

ren, die Sonnenstunden nehmen zu und die

Dank Kürbiskern & Co gibt es in der Stei-

ne und der Freude daran, internationale

Wachstumsperiode verlängert sich. Und

ermark gewisse Erfahrungen in der Her-

Kontakte zu knüpfen, vielerlei Kräuter und

damit ist Anne-Sophie Hardenberg immer

stellung und internationalen Vermarktung

Gewürze. Im Mittelpunkt steht Angelika

auf der Suche nach neuen Impulsen für ihr

von Powerriegeln. Anne-Sophie Harden-

– eine Pflanze, die auch bei uns in höheren

ergrünendes Grönland.

berg plant ihrerseits einen Grönländischen Powerriegel auf der Basis von Schwarzbee-

Regionen wächst und als Engelswurz eher in der Volksmedizin als in der Küche be-

Gott sei Dank kein Walfleisch.

ren und sucht einen erfahrenen Partner für

heimatet ist. Genau das passt zur Grönlän-

Was wir lernen: Vom Kohlrabi ist nicht nur

Produktion und Vertrieb. Ein mögliches

dischen Kulinarik, denn im rauen Norden

die Knolle essbar, aus den grünen Blättern

Food-Design-Network ganz nach dem Ge-

steht auch heute noch das functional food

lässt sich eine ausgezeichnete Cremesup-

schmack der CIS?


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Inuit am Lend

neue qualität durch tradition in neuem kontext ”

Am Lendplatz wird gekauft, was vielleicht

Rhabarberkompott, dick eingekocht als

auch bald in Grönland wächst

Beilage zu Lammbraten

Handarbeit schafft Nähe zum Produkt


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Inuit am Lend

Marion Fabianek, guter

Von der Natur designte

Geist der foodline, mit

Zitronenpresse

Anne-Sophie Hardenberg und Andreas Fabianek.

Anne-Sophie Hardenberg am Bauernmarkt

Das F端llen des Eismeer-Saiblings


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Inuit am Lend

Ferdinand Fischleder, Hausherr des Lendloft, und Anne-Sophie

Die grönländische Küche ist vom funktionalen Aspekt des Designs geprägt: Nahrung wird gestaltet, um zu überleben. Hört man Anne-Sophie Hardenberg, unserem Gast des zweiten Termins zu, steht das Fooddesign Grönlands vor einer großen Herausforderung: Mit der Erderwärmung ändern sich die klimatischen Voraussetzung für die Landwirtschaft und mit der Landwirtschaft ändert sich die Ernährung.

bunter Salat a la Anne-Sophie


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Steirische Fusion

Kochen wie zuhause Bekommt die Thai-K端che einen steirischen Akzent, wenn sie nach Graz 端bersiedelt? Wo liegt die Grenze zwischen der Verf辰lschung des Originals und dem kreativen Spiel mit neuen Einfl端ssen?


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Wir alle fahren gerne auf Urlaub und genießen die Köst-

Steirische Fusion

Kochen zur Unterhaltung passte doch nicht

Nasir Budd, Pakistan, Koch im

ins kulturelle Konzept. Zum Glück tauchte

Ganesha, Graz

irgendwo aus dem Netzwerk der Kuratoren

Rapepan Bergmann, Bangkok,

lichkeiten fremdländischer

am Vortag der Veranstaltung der Pakistani

Inhaberin des AOY Chinashops,

Küche. Diese Eindrücke ver-

Nasir Budd auf und brachte die Idee für ge-

Graz

backenen Zander in Curry-Sauce mit.

Pranee Stoiser, Bangkok

sinn und unsere Essgewohn-

Die andere Seite beschäftigt sich mit der

Die Workshop-Teilnehmerinnen:

heiten. „Steirisch Fusion“

Frage nach dem Umgang mit der eigenen

Michaela Zingerle

Küche in der Fremde: Der Anatolier Murat

Andrea Wiegelmann

ändern unseren Geschmacks-

drehte den Spieß um und sah

Aygan ist kein Koch, sondern Übersetzer

Bernadette Orthaber

nach, wie in Graz lebende

und Musiker. Die Lust am Improvisieren

Heidi Hütter

MigrantInnen kochen.

und der Spaß am Übersetzen ist in jedem

Jasmina Brandstätter, Bulgarien

Gericht freudvoll erlebbar. Schwieriger zeigt sich die Umsetzung fernöstlicher

Die Zutaten:

Küche: Frische, authentische Zutaten sind

Äpfel, Apfelessig, Bohnschoten,

vielleicht für Spitzenköche und deren zah-

Butter, Chiliöl, Curry, Fischsau-

lungskräftiges Publikum greifbar, im All-

ce, Freilandeier, Gargand, Germ,

tag der MigrantInnen stehen Fertigsaucen

Gurken, Honig, Huhn aus dem

und ebensolche Gewürzmischungen im

Sulmtal, Ingwer, Joghurt, Jung-

Vordergrund, die nur noch die Qualität

zwiebel, Karotten, Kefir,

Steirisch Fusion muss man von zwei Seiten

einer verblassenden Erinnerung zulassen.

Kokoscreme, Kokosmilch, Korian-

betrachten: Die eine Seite ist das multikul-

Und vielleicht steigt auch mit der Entfer-

der, Kreuzkümmel, Kürbiskerne,

turelle Miteinander, wenn zwei Thailän-

nung von der Heimat der Drang zur Be-

Kürbiskernöl, Kurkuma, Limet-

derinnen, ein Pakistani und ein Anatolier,

wahrung von Traditionen, die letztlich

ten, Mehl Typ 480, Milch, Papri-

unterstützt von einer bulgarischen Work-

nicht haltbar sind.

ka, Paradeiser, Pfeffer, Pfefferoni,

shop-Teilnehmerin,

nebeneinander

Pistazien, Rapsöl, Walnüsse, Reis,

und

miteinander kochen. Interessierte Blicke

Die Protagonisten:

Reisessig, Rosinen, rote Zwiebel,

in Bratpfannen und Kochtöpfe, neugieri-

Murat Aygan, Anatolien, Übersetzer und

Salat, Salz, Schafkäse, Senf, Se-

ges Naschen und viele Fragen bereichern

Musiker, seit 1979 in Österreich, seit 1991

sam, Sojasauce, Sonnenblumenöl,

den Workshop-Alltag. Dabei war dieses

in Graz. Seine Eltern sind wieder nach

Sumach, Tapioka, Weizer Lamm,

Miteinander gar nicht so einfach zustande

Anatolien zurückgekehrt, um eine Land-

Zander aus Wildbach, Zitrone,

zu bringen, denn die ursprünglich eingela-

wirtschaft zu betreiben – sehr zu seinem

Zitronengras

dene indische Köchin sagt kurzfristig ab –

kulinarischen Vorteil.

Pranee Stoiser

Rapepan Bergmann

Nasir Budd

Murat Aygan


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Bulgarien, Anatolien und Graz vereint am Gem端sestand

Asiatische Pilze schneiden sich auch nicht anders als steirische.

Steirische Fusion

Abend im Lendloft: Gemeinsames Essen f端hrt immer zu Kommunikation


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Steirische Fusion

Ein Eintopf ist kein Einheitsbrei.

Naschmarkt im Lendloft An diesem Abend gab es unter anderem: s t e i r i s c h-pa k i s ta n i s c h e s z a n de rc u r ry tomkhagai

-

ingwerhendlsuppe

a natolisch-w eizer-la mm auflauf antep

-hendl

h alterbua msalod


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Sammeln und Mischen

Eklektische Küche Haya Molcho sagt als überzeugte Israelin: Eine israelische Küche gibt es nicht. Also sammelt und mischt sie alles, was ihr und uns schmeckt, shoppt täglich am Naschmarkt und serviert im Neni – oder im Lendloft.

Haya Molcho goes Lendplatz statt Naschmarkt

Haya Molcho


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Sammeln und Mischen

biogra f i e h aya molcho ist ru m ä n isch er a b -

ring u n d eröffn et e 2009 das n en i

Mit der israelischen Küche ist das ähnlich

a m w i en er nasch m a rkt.

wie mit der österreichischen: Die eine ist

i h ren zuga ng zu m koch en v erda n kt

ein Sammelsurium der Kochtöpfe der Do-

m i t i h ren elt ern nach brem en u n d

si e i h rer fa m ili e : i h r grossvat er

naumonarchie, die andere wird von den

st u di ert e psychologi e .

wa r za h na rzt a m l a n d u n d w u rde

Rezepten der Juden, die aus aller Welt nach

t et e si e sa m y molcho u n d li ess sich

of t m i t obst u n d gem üse en tloh n t.

Israel kamen, befüllt. So ist das Sammeln

m i t i h m i n w i en n i eder . si e beglei -

so lern t e si e m i t i h rer grossm u t -

und Mischen in der israelischen Küche eine

t et e sa m y au f sei n en tou rn een u n d

t er u n d m u t t er , w i e m a n st eigen -

zwar junge, aber umso lebendigere Tradi-

erku n det e di e küch en der w elt.

w eise pa r a deiser , m el a nza n i u n d

tion, stark beeinflusst von Obst, Gemüse,

nach der gebu rt i h rer v i er söh n e

co f risch vom f eld va ri a n t en reich

Kräutern und Gewürzen des Orients. Haya

v er a r bei t et.

Molcho ergänzt diese Vielfalt um weitere

sta m m u ng u n d w u rde av i v geboren . m i t

grü n det e si e vor

9

9

1955

in t el

ja h ren zog si e

1978

h ei r a -

ja h ren i h r cat e -

Einflüsse, die sie von ihren Reisen in alle Welt mitbringt. Sie überrascht die foodline mit der Idee, ein ganzes Menü rund um Melanzani zu zaubern, knapp 20 Kilo werden insgesamt verarbeitet. In Israel gibt es rund 200 Melanzani-Rezepte, die 10 Workshop-TeilnehmerInnen können also aus dem Vollen schöpfen: Baba Ganusch, asiatische Melanzani süß-sauer, Melanzani-Falafel und eine Melanzani-Cremesuppe stehen unter anderem am Speiseplan. Haya mag es, wenn Melanzani rauchig schmecken, also werden dutzende der Früchte ohne Pfanne direkt auf der Gasflamme angebraten bis sie verkohlen und zu brennen beginnen. Keine Sorge: Gegessen wird dann natürlich nur das durchgegarte Innere. Franz Peier und Haya Molcho erfinden extra für die foodline die neue israelisch-österreichische Küche: Rittergulasch, kongenial begleitet von Melanzani-Püree.

Zwischenverkostung

Franz Payer und Haya Molcho als kongeniales Duo am Herd

mischen possible – grenzüberschreitendes sammeln als friedensprojekt ”


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Sammeln und Mischen

Workshop, äuĂ&#x;erst gut besucht

Eine der MelanzaniVariationen dieses Tages

New Yorker Cheese-Cake


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Einfach nur Zwiebel ...

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Sammeln und Mischen

So gelangen die Röstaromen ins spätere Melanzani-Pürree.

Franz Payer kümmert sich rührend um sein Ritter-Gulasch.

Vielfalt führt zu Genuss


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Sammeln und Mischen

Haya Molcho demonstrierte das friedliche Miteinander von Israel und seinen Nachbarländern in der Küche. „Sammeln und Mischen“, das Motto des Abends, ist letztendlich eine Grundhaltung aller kreativen Menschen.

Tipp! Haya Molchos

Neni-Kochbuch „Lust auf fremde Küche“ Amalthea Verlag, ISBN 978-3850027038


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Sammeln und Mischen

rezepte

KrauthäuptelWraps Größere Blätter vom Grazer Krauthäuptel auflegen und mit klein gewürfelten Paradeiser und Gurken, geriebenen Kürbiskernen, etwas Frischkäse, frischen Kräutern und ein wenig Olivenöl belegen. Salatblatt an den Enden einklappen, zusammenrollen und mit Schnittlauch zubinden.

Huhn in Honig-SenfSauce

Eine Bechamel zubereiten, mit den Melanzanistücken pürieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Das Püree wird als Beilage zum Gulasch serviert.

Hühnerbrust in nussgroße Stücke schnei-

Tipp für Melanzani:

den und durch verquirltes Ei ziehen. Lang-

Je leichter die Früchte sind, desto

sam in einer Öl-Butter-Mischung anbraten,

weniger Kerne stecken drin!

bis die Stücke cross sind. Senf und Honig im Verhältnis 1:3 zu einer sämigen Sauce verrühren, mit etwas Zitronensaft, Zitronenzesten und Granatapfelsirup verfeinern.

KohlrabiCremesuppe Geschnittene Kohlrabi-Blätter und klein gehackte Zwiebel in Butter anschwitzen, mit Gemüsefond aufgießen und mit Angelika-Blättern (frisch oder getrocknet) würzen. Köcheln, mit Schlagobers aufmixen und weiterköcheln. Vor dem Servieren mit Salz , Pfeffer und geriebenem Muskat abschmecken.

New Yorker Cheese-Cake 1 Packung Butterkekse mit einem Cutter

Rittergulasch mit MelanzaniPüree Aus Paprikapulver und Gulaschfleisch vom Wadl mit der gleichen Menge an Zwiebel nach klassischem Rezept ein Gulasch zubereiten. Das Gulasch mit Rotwein, Ingwer, Kreuzkümmel und Koriander verfeinern. Paprika anrösten, die Haut abziehen und pürieren, dieses Püree zum Schluss unter das Gulasch rühren. Für das MelanzaniPüree ganze Melanzani rösten oder grillen. Die angeröstete Haut abziehen, das gare Fruchtfleisch klein schneiden.

zerkleinern, mit einem Essl��ffel zerlassener Butter und einem Esslöffel Zucker vermischen. Die Masse mit den Händen fest auf einen Tortenblech-Boden drücken, sodass ein millimeterdünner Boden entsteht. Diesen Boden im Rohr bei 180°C für 5 Minuten backen. Für die Cheese-Masse 4 Eier mit 10 dag Zucker mixen, bis eine sämige, hellgelbe Creme entsteht. 38 dag Ricotta, 13 dag Philadelphia und 63g zerlassene Butter beigeben und gut durchrühren. Diese Masse über den Boden verteilen und das Ganze bei 170°C 45 Minuten lang im Ofen backen. Danach erkalten lassen und als Glasur einen Becher Sauerrahm, mit etwas Zucker gesüßt, über den Kuchen geben.


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Einleitung

Foodline 2011

Open |food| Design

Teekanne aus Erdäpfelpuree, printed by Makerbot

Weingelee, bedruckt mit Maronipuree - ein Projekt von Florian Puschmann, White Elephant

di e h e r st el lu ng von na h ru ng sm i t t el n a l s i n du st r i e l l e r p r o z e s s u n t e r l i e g t e b e n s o s t r e n g e n c o p yr igh t s w i e j e de r a n de r e i n du st r i el l e de sign p ro z e s s. di e r ez e p t u r , de r h e r st el lu ng s p roz e s s, di e da z u e r f or de r l ic h e n m a s c h i n e n, da s e n dr e su ltat : di e l ebensm i t t el konz er n e sic h er n sic h a l l e r ec h t e.

Doch auch hier gibt es Open Source Lösungen: 3D Food Printer sind Roboter, mit deren Hilfe essbare 3D Fooddesignobjekte erschaffen werden. Sowohl die Baupläne wie auch die Steuerungssoftware sind als Open Source verfügbar. Das lädt zum Spielen ein: Bei der Foodline 2011 wurde mithilfe mehrerer selbstgebau-

Der Designer als Universalgestalter? Open Design als virtuelle Kreativenzyklopädie? Warum nicht!

ter 3D Food Printer im Rahmen des Workshops OPEN | food | DESIGN einenhalb Tage lang experimentiert. Die Designmög-

Martin Krammer

licheiten, die die Maschinen bieten, wurden erforscht und ausgelotet. Natürlich korrelierte die Bestandszeit der

Die Objekte konnten beim abendlichen

Designobjekte umgekehrt proportional mit

Event am Samstag, den 21. Mai ab 18.00 Uhr

der Qualität des Geschmacks: Essbare De-

sowohl betrachtet als auch im Rahmen des

sign-Mandalas, im Open Source Raum kom-

von Franz Paier kreierten robotic dinner

poniert und in Graz postwendend verspeist:

verköstigt werden.


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Einleitung

protagonisten m a rt i n k r a m m er :

„open

food design wa r ei n ri esen ex peri m en t, das gezeigt h at,

w elch es en t w ick lu ngspot enzi a l i n der i dee der open sou rce

3d

druck er sach e

st eckt. wä h r en d es h eu t e noch et was sch w i erig ersch ei n t, w erden schon ba ld

3d

druck er di e h aush a lt e u n d küch en erobern . beson ders f ei n wa r , dass so v i ele i h r e druck er gebr ach t u n d m i tgem ach t h a ben .“

a n dreas fa bi a n ek :,

„ di e

foodli n e

2011

h at gezeigt, w elch es pot enzi a l i m

zusa m m en f ü h r en von k r eat i v en k r ä f t en aus u n t ersch i edlichst en fachgebi et en li egt. der of f en e zuga ng zu ei n em v erm ei n t lich a rt f r em den t h em a öf f n et sch eu -

Eines der unerlässlichen

k l a ppen u n d f ü h rt erstau n lich sch n ell zu ergebn issen , di e i nspi ri er en u n d mög -

Tools, um Open Source-

lich k ei t en zeigen w i e sich ei nzem en t i ert e syst em e u n d prozesse ern eu ern l assen .

3D-Drucker am Laufen zu halten.

der design er a ls u n i v ersa lgesta lt er ? open design a ls v i rt u elle k r eat i v enzy k lopä di e ? wa ru m n ich t!“

RELATED LINKS www.white-elephant.at www.fluid-forms.com

Programm: 1. Workshop mit Spontanvorträgen von White Elephant, Fluid Forms, Philip Steffan von Open Design City, Berlin, etc: 2. Open Production 3. Robotic Dinner Kochweltmeister Franz Peier bringt Open Design geschmacklich zur Entfaltung. Ort Lendloft, Lendplatz 40, 8020 Graz

2D-Vorlage der 3D-Teekanne


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Stimmungsbilder aus der Zukunft

Stimmungsbilder aus der Zukunft da s l e n dl of t w u r de dr e i tag e von e r f i n de r g e i s t du r c h w e h t , a b u n d z u a ng e f e u e r t von dr au s s e n t o b e n de n g e w i t t e r n . u n d w e r w e i s s , wa s pa s s i e r t wä r e , h ät t e e i n b l i t z i n e i n e n de r

3 d - f o o dp r i n t e r

e i ng e s c h l ag e n .

RELATED LINKS www.opendesigncity.de

Wer sich Designschmieden so vorstellt, wie es Filmregisseure gerne tun, lernt hier eine gänzlich andere Wirklichkeit kennen: Ein langer Tisch, ein paar Bänke und Stühle, jede Menge Laptops und drei seltsam anmutende, ratternde, blinkende und leuchtende Holzkistchen, die ungefähr so visionär aussehen wie Seifenkisten. Davor (ausschließlich) Männer jüngeren Alters, die Starwars-Melodien summen, in die Tasten hauen um gleichzeitig zu programmieren, blogs zu füllen und via facebook zu kommunizieren. Wer gerade nicht in die Tasten hämmert, hat zwei Optionen: in der Küche Pasten fabrizieren, die fein genug sind, um klumpenfrei durch die Druckköpfe der 3D Printer zu laufen oder fasziniert zusehen, wie das Drucken in seltenen Fällen doch funktioniert.

Nein, es ist nicht wurscht, womit man druckt.

Womit drucken 3D-Food Printer? Faktum ist, dass sich selbst fabrizierte Pasten kaum zum Drucken eignen, denn haushaltsübliche Mixer und Cutter pürieren selten fein genug um Konsistenzen herzustellen, die durch enge Druck-

Industrie-Kartoffelpüree erweist sich als ideal, weil auch dreidi-

nadeln passen.

mensionale Formen druckbar sind, die anschließend im Backofen knusprig aushärten können.

Was von den Lebensmitteltests blieb:

3. Maroni-Püree funktioniert so lala – einfache, zweidimensionale

1. Nutella lässt sich wunderbar drucken, aber nur zu zweidimensi-

Muster sind jedenfalls machbar.

onalen Bildchen. Dafür kann mit Nutella so fein gedruckt werden,

4. Da die Drucker ursprünglich Kunststoffschnüre schlucken, die

dass auf der Basis bildbearbeiteter Fotos auch wieder erkennbare

sie schmelzen und anschließend als Druckmaterial verwenden,

Portraits entstehen.

startet ein Versuch mit Fruchtgummi-Schnüren, die allerdings

2. Feine Leberstreichwurst ist nur in Ausnahmefällen wirklich

nicht steif genug sind, um den Transportmechanismus im Drucker

fein genug – meist klemmen doch feine Knorpel in der Nadelspitze.

zu überstehen.


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Stimmungsbilder aus der Zukunft

5. Topfencremen, Frischkäse, Teigvarianten

Testmaterial für

und Wasabi-Paste standen in der Wartschlei-

Druckköpfe

fe, konnten jedoch nicht mehr ausreichend ausgetestet werden. Nichts ist einfach Wir leben in einer Welt, in der wir die Technik dazu drängen, auf Knopfdruck und möglichst simpel zu funktionieren. Der Workshop zum Open Food Design machte allerdings eindrucksvoll sichtbar, wie weit der Weg von einer ersten Idee zu einem Produkt für den Haushalt wohl wirklich sein muss. Nehmen wir als Beispiel den gelungensten Versuch, den 3D-Druck mit Kartoffelpüree: Freitag Nachmittag: Das angerührte Püree hat sehr zufällig eine Konsistenz, die sich wunderbar drucken lässt. Nach ersten Tests gelingt der 3D-Druck einer MiniaturTeekanne, die aufgrund ihrer komplexen Form als Referenzobjekt des 3D-Druckens schlechthin gilt. Was leider unbekannt ist: Wie viele Kartoffelflocken wurden mit wie viel Wasser angerührt? Spielen Raumtemperatur, Luftdruck und relative Luftfeuchte auch eine Rolle? Samstag Vormittag: Das flugs neu angerührte Püree erweist sich als zu fest und daher nicht druckbar. Die richtige Rezeptur wieder zu finden, dauert eine kleine Ewigkeit.

Ob man mit Wasabi auch drucken kann?

” Franz Payer

Social networking: ein permanenter Begleiter der Foodline

Der Druckkopf des Makerbot


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Stimmungsbilder aus der Zukunft

beeing part of a revolution RELATED LINKS www.makerbot.com

Stephen Williams, Fluid Forms Stephen hat Informatik und Design studiert. Sein Spezialgebiet Mach mal Pause: Das Workshop-Team auf der Terrasse des Lendloft

ist die „generative Gestaltung“, also das Schreiben von Software, die die Aufgaben unserer Hände weiterführt. Im Rahmen der Foodline widmete er sich folgenden Projekten:

Fluid Forms Fluid Forms wurde im Jahr 2005 gegründet. Auf fluidforms.com kann jeder Produkte wie Schmuck, Leuchten, Möbel und Accessoires selbst gestalten, die dann mittels 3D-Drucker, Lasercutter oder CNCFräse als Einzelstück produziert werden. Hannes Walter, Fluid Forms Hannes Walter, einer der Gründer von Fluid Forms, bezeichnet sich selbst als „digitalen Handwerker“. Er studierte Mediendesign in Vorarlberg und die Grund-

– 3D-Modelling einer Kuh, um sie in mehreren zusammenzusetzenden Teilen auszudrucken; – Durchführung von Materialtests wie z.B. Leberpastete (gescheitert); – Generierung von nachträglich in der Küche befüllbaren Hohlformen

Philip Steffan, Open Design City / Berlin Open Design City ist eine offene Creativwerkstatt in Berlin, in der Arbeitsplätze und Maschinen bereit stehen, mit denen jeder Ide-

idee zu Fluid Forms war Thema seiner Diplomarbeit und agiert auch als Product Manager bei Evolaris. „Es

Tobias Kestel, White Elephant und Philip

ist spannend bei einer neuen Revolution dabei zu sein,

Steffan, Open Design City

die weg vom Massenprodukt hin zur individuellen Fertigung führt – on demand statt Überproduktion.“ Die bei der Foodline verwendeten 3D Foodprinter sieht er als lustiges Utensil, das sich privat ebenso wie in Restaurants einsetzen lassen. Sie sind sozusagen der Anfang einer neuen Geschichte, die bis zu den Replikatoren von Startrek führen, die Nahrung in jeder gewünschten Gestalt erzeugen. Vielleicht ergibt sich ja daraus eine digitale Variante zur molekularen Küche.


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Stimmungsbilder aus der Zukunft

Wenn Lasercutter aus Waffeln spielen ...

en ausprobieren und verwirklichen kann. Das Aufeinandertreffen unterschiedlichster Projekte führt zu immer neuen und oft überraschenden Ideen. Philip Steffan hat seit zwei Jahren einen 3D-Printer in Betrieb, der üblicherweise Kunststoffmodelle pro-

Es ist spannend bei einer neuen Revolution dabei zu sein, die weg vom Massenprodukt hin zur individuellen Fertigung führt – on demand statt Überproduktion.

duziert. Die Versuche, statt mit Kunststoff mit Lebensmitteln zu drucken, sind neu – der Druckkopf, der dazu in der Lage ist, steht erst seit Donnerstag, 19. Juni zur Verfügung.

Hannes Walter

Philips Erfahrungen: Das größte Problem war, Druckmaterial, Druckkopf und Druck-

Buffet-Werkzeug, beigesteuert

parameter aufeinander abzustimmen. Dabei galt es, folgende

von Günther Gölles

Parameter aufeinander abzustimmen: Konsistenz des Druckmaterials, Durchmesser der Kanüle, Anpressdruck, Druckgeschwindigkeit und Temperatur. „3D-Foodprinting eignet sich zur Individualisierung von z.B. Gebäck und Süßigkeiten in Form, Farbe und Geschmack. Aber wer weiß, was sich daraus entwickelt: Auch der Synthesizer wurde als Instrument entwickelt, das wie eine Geige klingen sollte – tatsächlich brachte er eine neue Qualität mit eigenen Klangräumen in die Musik ein.“


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Wenn Maschinen mit Essen spielen

Wenn Maschinen mit Essen spielen

Kleiner Löffel, selbst gedruckt

White Elephant So also sieht ein 3D-

Every Body is a Universe – White Elephant stellt Metho-

Drucker aus, den man

dik und Philosophie ins Zentrum der Gestaltungsprozes-

selbst basteln kann.

se. Das Team ist dem Wesen des Materials verpflichtet und dabei auf der permanenten Suche nach dessen verborgenen Qualitäten – ein dauerhafter Zustand der Recherche, der sich in Beschaffenheit, Form und Funktion der Objekte niederschlägt. Dies bedeutet: Das Spiel der Kräfte zu beobachten, Qualitäten aufzuzeigen, Potenziale freizulegen. Es bedeutet Produkte zu schaffen, die abseits von Moden und kurzlebigen Trends, nachhaltige Gültigkeit und Verständlichkeit beweisen. Florian Puschmann, White Elephant Florian Puschmann näherte sich dem Foodline-Projekt mit einer Fülle konzeptiver Ansätze, deren Umsetzung jedoch an der zeitaufwändigen Auslotung der praktischen Möglichkeiten (vorerst) scheiterte. Nicht umgesetzte Ideen waren: 1) das Spiel mit der Entfremdung von Essen – also Karotten aus Kartoffeln, Kartoffel aus Sellerie – Sellerie aus Faschiertem etc. 2) das Schaffen offenporiger, schaumiger Strukturen, die in Folge mit Flüssigkeiten befüllbar sind 3) Das Drucken von Portraits Prominenter mit dem pürierten Lieblingsessen der jeweiligen Person als Druckmaterial. Realisiert hat Florian Puschmann schwebende Weingelee-Ornamente. Das heißt er produzierte in der Küche eine Schicht Weingelee, die mit Ornamenten aus Maronicreme bedruckt wurden.


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Franz Paayer produziert analoge Stärkung für kreative Köpfe

Theoretischer Diskurs über das praktische Befüllen des Makerbot

3D-Foodprinting eignet sich zur Individualisierung von z.B. Gebäck und SüSSigkeiten in Form, Farbe und Geschmack. Aber wer weiSS, was sich daraus entwickelt.

” Philip Steffan

Printing in progress

Tobias Kestel, White Elephant Der Industrial Designer war für das Forellenprojekt der Foodline zuständig und demonstrierte damit sozusagen die Ebene der Druckvorstufe. Auf Basis der Umrisse und Fotos einer real existierenden Forelle gestaltete er ein essbares 3D-Objekte. Dieses Objekt ist ideal an die Form der Forelle angepasst und in Kammern unterteilt. Diese Kammern werden in der Küche mit passenden Dips befüllt und auf dem Objekt wird die Forelle serviert.


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What about Tihuana?

Stimmungsbilder aus der Zukunft

Die Heißluftpistole als alternatives Küchengerät

Gernot Stangl, TU Graz He has a degree in architecture from the technical university in graz, where he is also teaching. has done many things. he is middle aged and no photos of him exist. Gernot Stangl hat an der TU mittels eines Drei-Arm-ABB - Industrieroboters Präsizionsfritatten, perforierte Noriblätter, und dem Waffelmuster folgend Waffeln geschnitten und all dies letztlich beim samstagabendlichen Event präsentiert. Günther Gölles Günther Gölles von innovativ.at – Innovationsberatung und Medienproduktion ist stolzer Besitzer zweier 3D-Printer. Die Kunststoffteile des neueren Modells wurden vom älteren Modell produziert. Er erfuhr vom Foodline-Projekt und stieß am Samstag aus Eigeninitiative hinzu. Ihn fasziniert 3D-Printing als Möglichkeit, Ideen angreifbar zu machen.

“ UMan weiSS ja nie, wohin die Dinge führen. ” Wolfgang Thiel

Er produzierte auf seinem Makerbot einen Kunststofflöffel. Franz Paier, Kochweltmeister / Graz Was sagt nun einer, der ein echter Experte in Sachen Kochen ist, zu Experimenten, bei denen Fertig-Kartoffelpüree von seltsamen Maschinen in seltsame Formen gebracht wird? Franz Paier begleitete die abendliche Vernissage der Druckerzeugnisse mit einem gewohnt eindruckvollen Menü, bei dessen Zubereitung er ebenfalls auf verschiedenste Stilmittel der Verfremdung zurück griff. Leuchtend rot eingefärbte Polenta und mit dem Heißluftföhn knusprig gebratene oder mit dem Bügeleisen bearbeitete Forellen. Sein Kommentar zum 3D-Food-Printing ist lapidar: „Man weiß ja nie, wohin die Dinge führen.

Am Anfang der Schönheitschirurgie stand auch Dr. Frankenstein mit seinem Monster und heute haben wir Pamela Anderson.“ What about Tihuana? Im Laufe des Events am Samstag Abend versuchte Kurator Martin Krammer verbissen mit Raul Cardenos Osuna vom Torolab (www.torolab.org) Kontakt aufzunehmen. Schließlich hätte man jeden Makerbot zumindest theoretisch von jedem Online-Platz der Welt aus steuern können. Hier die Idee, die aus Tihuana kam: Raul wollte im Lendloft als Gruß aus Mexico das 3D-Modell


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einer Cola Light-Flasche drucken lassen. Warum das Sinn gemacht hätte, ist leicht erklärt: Jeder Mexikaner konsumiert 160 Liter Softdrinks im Jahr – damit wechselt sich Mexiko mit den USA in der Weltführerschaft im Pro-Kopf-Verbrauch ab. Der letzte National Health and Nutrition Survey zeigte, dass Familien mit niedrigem Einkommen 7,5% ihres Budgets für Softdrinks ausgeben, Softdrinks Milch ersetzt haben und Diabetes Mellitus ein Verbreitungsniveau erreicht hat, dass von der Regierung als Epidemie bezeichnet wird. About Torolab Torolab, is a collective workshop/laboratory of contextual studies that identifies situations or phenomena of interest for research. The result of this investigation should, in some way, enhance the „quality of life“ (starting with our own). The projects are being developed according to our own competences and collaboration with other artists and experts in the fields that we are studying and investigating. The themes that we have developed until now range from research on the identity of the border region, to housing and security to community building and Da sich Pasta-Teig nicht drucken lässt, wurde er traditionell verarbeitet.

Ein Workshop, der eindeutig mehr als heiße Luft produzierte

survival-the areas of concern are as broad

Projekte: Hard- und Software werden in

and varied as the lifestyles and environs

der User-Comunity laufend weiter entwi-

we‘re studying. The traces we leave behind

ckelt und an individuelle Aufgabenstel-

with these investigations go from such things

lungen angepasst, sodass letztlich kein

as Urban Interventions, Media Projects,

MakerBot dem anderen gleicht. Auch bei

Construction Systems, Survival Units to eve-

der Foodline waren unterschiedliche Ge-

ryday things like furniture and clothing.

nerationen im Einsatz, wobei die Kunststoffteile der neuesten Version am Vorgän-

MakerBot Industries

germodell gedruckt worden sind.

3D-Objekte aus Kunststoff zu drucken ist längst nichts Neues mehr. Dank MakerBot Industries, 2009 gegründet, und anderer Unternehmungen wurden die teuren 3D-Drucker aber plötzlich leistbar. Denn sowohl die

Die schmackhaftesten 3D-Objekte

Steuerungssoftware als auch die Baupläne

kommen noch immer aus der Natur.

für die Hardware stehen als Open SourceDaten im Web. Und wer sich seinen eigenen „Thing-o-matic“ 3D-Drucker nicht selbst bauen will, kann auf fertig zusammengestellte Bausätze um $1299,- zurückgreifen. Die Open Source 3D-Drucker bieten dabei die gleichen Stärken wie alle Open Source-


“ fooddesign ist vielleicht der nachhaltigste von allen designprozessen. denn es wird von makroökonomischen strukturen ebenso geprägt, wie es zugleich bis tief in die zelluläre architektur unseres körpers eindringt.

” Martin Krammer & Andreas Fabianek


– Impressum:

– Konzept:

Herausgeber: Creative Industries Styria GmbH Geschäftsführer: Eberhard Schrempf Marienplatz 1, 8020 Graz, Austria T: +43 316 890 598, E: office@cis.at www.cis.at Graz, Dezember 2011

Projektmanagement: Barbara Tscherne Text: Andreas Braunendal Fotos: Andreas Braunendal, Josef Heigl Grafik Design: moodley brand identity


Suchen und Finden im Netzwerk der Creative Industries Styria. Der Marktplatz f端r Kreative und Unternehmer auf www.cis.at


Foodline - CIS.doc#6