Page 1

FRIEDEMANN WUNDERLICH

Evangelium oder Entertainment? Z E I T - A N A LY S E

EINES

MISSIONSLEITERS

Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte werden nicht vergehen!

„...meine Worte werden nicht vergehen“, sagt Jesus Christus. Die Bibel ist das umfassende Wort Gottes. Mehr bekommen wir nicht. Weniger haben wir nicht. Es gibt nur eine einzige Methode, wirksam zu evangelisieren: • Gottes Wort vollständig weitergeben • Gottes Wort wahrheitsgetreu erklären • Gottes Wort lebensnah anwenden Daran muss sich unser Christsein messen lassen. Mittlerweile spüren viele die Veränderungen in den Gemeinden. Man verlangt Unterhaltung, moderne Projekte und spannende Aktionen. Diese Erwartungen beschäftigen mich. Soll das unser Weg sein?

Das einfache Aufschlagen von Bibelstellen gerät zu einem peinlichen Finger- Folgen fehlender Verfolgung? suchspiel. In Osteuropa werden wir konfrontiert mit einer

Gemeinde Jesu, die jahrzehntelang nur das Wort hatte. Die Kommunisten versuchten mit aller Kraft, den Christen die Bibel wegzunehmen. Die Herrscher von damals sind vergangen. Die Gemeinde lebt: „...meine Worte werden nicht vergehen!“ „Ach hätten wir doch die Verfolgung wieder!“ Dieser Wunsch eines Bruders in einer Gemeinde in Osteuropa, den er mir bei einem Besuch mit Tränen in den Augen mitteilte, hat mich schockiert und aufgerüttelt. Gemeinden, die während des Kommunismus durch die Verfolgung stark im Herrn wurden, verlieren nun scharenweise die Geschwister durch die Einflüsse aus dem Westen. Was der Kommunismus nicht fertig brachte – das Wort Gottes wegzunehmen – geschieht nun mit modernen Gemeindeprogrammen verbunden mit dem Materialismus. Nr.105

10

Ich sehe eine Tendenz: Christentum als Unterhaltung, als Spaß-, Show- und Sportprogramm. Nachfolger Jesu werden infiziert mit dem „Erfolgs- und Attraktivitäts-Virus“ des Westens. Wer wacht auf und verschließt sich diesen verführerischen Einflüssen? Es gibt noch große Landstriche, z. B. China, die in den letzten Jahren ein unglaubliches geistliches Wachstum erlebt haben, die sich aber den Einflüssen aus der westlichen christlichen Welt verschließen.

Fehlende Bibelkenntnis Der Versuch, mehr Aufmerksamkeit zu erzielen, Veranstaltungen zu füllen und von der Welt akzeptiert zu werden, hat in den westlichen Gemeinden zu einer Reduzierung der Botschaft der Bibel geführt. Viele Texte aus der Bibel werden einfach weggelassen, weil es die Leute abschreckt. Es entstehen Gruppen und Gemeinden, die eines gemeinsam haben: eine erschreckende Unkenntnis der Bibel. Christen kennen das Wort Gottes nicht mehr. Bibeln sind im Gepäck von vielen Gemeindebesuchern nicht mehr zu finden. Das einfache Aufschlagen von Bibelstellen gerät zu einem peinlichen Fingersuchspiel.

Der Angriff aus der Gemeinde Mir scheint: Das Wort Gottes wird in unserer Zeit nicht zuerst von der Welt, sondern von den Programm-Gestaltern der Gemeinde unterdrückt. Pastoren müssen mittlerweile gute Enter-


tainer sein. Der Gottesdienst wird zur Fortsetzung der Samstagabend-TV-Show. Prediger, die nicht in abwechslungsreichen kurzweiligen Worten die Zuhörer vom Schlaf abhalten, gelten als langweilig. Es wird nicht mehr der Inhalt beurteilt, sondern die Darbietung. Theater, Pantomime, Zaubertricks, Anbetungstänze, psychologische Themen-Kurzpredigten verdrängen die Wort-Gottes-Predigt.

Auch dürfen wir das Wort Gottes nicht so „in Watte packen“, dass es den Zuhörern Spaß macht und als Unterhaltung empfunden wird. Die Welt wird niemals Freude haben am Wort Gottes.

Wie unerträglich muss es in Gottes Ohren klingen, wenn sein inspiriertes Wort durch fade, gehaltlose menschliche Worte ersetzt wird. Bitte verstehen Sie mich richtig: Ich bin für Kreativität und für das Einbringen der verschiedenen Gaben in die Gemeinde. Ich rede nicht der Einfallslosigkeit und Eintönigkeit – dem „Es-war schon-immer-so“ das Wort, sondern der Vorrangstellung des Wortes Gottes.

Menschen, Maschen, Marketing Gemeindeleiter durchforsten heute säkulare Marketingbücher, um neue GemeindewachstumsStrategien zu finden. Technische Fragen brauchen heutzutage bei einer Evangelisation mehr Zeit, Kraft und Geld als geistliche Vorbereitungen. Es scheint, dass die neuen Methoden effektiver sind, weil sie für den Augenblick mehr Menschen anziehen. Die Veranstalter sehen viele Besucher und beurteilen ihre Methode als gut. Es scheint, dass der Unterhaltungswert von Veranstaltungen wichtiger wird als die Predigt des Wortes Gottes. Ist die Kraft des göttlichen Wortes unter Evangelikalen abgelöst worden durch das Vertrauen auf menschliche Stärke? Man setzt auf menschliche Größe und die Kraft organisierter christlicher Einheit. Man glaubt, dass geschickt inszenierte Veranstaltungen Veränderungen bringen. Veränderungen wohin?

Im Wettstreit mit der Welt? Aus gut gemeinten missionarischen Motiven versuchen Gemeinden, der Welt auf Augenhöhe zu begegnen. Das Programm der Welt wird in die Gemeinden geholt, damit die Welt für die Gemeinde gewonnen wird. Doch die Mission führt keinen Wettkampf mit der Welt. Verkündigung des Wortes Gottes ist eben keine marktschreierische Angelegenheit. Es geht nicht darum, ‘Kunden’ zufrieden zu stellen. Mission ist keine geschickte Methode, Zuhörer mit menschlichen Mitteln zu bekehren. Mission vertraut der göttlichen Souveränität, dass sein Wort Leben schafft – damals wie heute. Wir sind Licht der Welt durch unsere Andersartigkeit. Der Versuch, Menschen für Jesus Christus zu gewinnen durch die Ansicht, wir seien im Grunde genommen genau wie sie, ist ein Trugschluss.

Der Gottesdienst wird zur Fortsetzung der Samstagabend-TV-Show. Es gibt in der Welt keine Anerkennung des Wortes Gottes und deshalb gibt es auch keine Anerkennung der Missionare. Nur Gottes Geist schafft durch das Wort Erkenntnis von Schuld und Sünde und Erkenntnis der Gnade Gottes.

Ablehnung Weil es die Christen im Westen mehr und mehr spüren, dass die Zustimmung der Welt fehlt, werden sie irritiert. Auf ablehnende Haltung der Welt reagiert man in der Gemeinde pikiert. Wenn die Gegner des Evangeliums behaupten, man gehöre zu den Leuten, die die „Bibel so wörtlich nehmen, wie die islamischen Fundamentalisten ihren Koran“, setzt man alles daran, den „schlechten Ruf“ wieder gut zu machen. Wenn der Vorwurf erhoben wird, man wolle „die Leute bekehren“, spricht man von „Missverständnissen“ und vergisst, dass das Evangelium von Jesus Christus keine Zustimmung von der Welt zu erwarten hat. Christen mögen in der Welt gut und vorbildlich leben. Sie bleiben aber letztlich immer unattraktiv, weil ihre Botschaft den Geist der Welt angreift.

Ich rede nicht der Einfallslosigkeit und Eintönigkeit – dem „Es-war schon-immerso“ das Wort, sondern der Vorrangstellung des Wortes Gottes.

Das Wort verstecken Das Evangelium kann so sehr in soziale Aktionen verpackt werden, dass praktisch kein Unterschied mehr zwischen einem muslimischen, buddhistischen oder christlichen Missionar erkennbar ist. Brötchen bringen alle. Das Wort Gottes können nur Christen bringen. Vorrang hat das Wort!

11 Nr.105


Top und Flop Bevor nicht alle das Wort Gottes wenigstens einmal gehört haben, verzichten wir auf Veränderung unserer Methode: Gottes Wort den Völkern*. Die bloße Verkündigung des Wortes Gottes wirkt mittlerweile langweilig und wenig zeitgemäß. Bibeln in den Sprachen der Völker unter die Menschen zu bringen scheint Missionsarbeit von gestern zu sein. Programme, wie die in vielen Ländern der 3. Welt bewährte Emmausarbeit, die zum intensiven persönlichen Bibelstudium führt, gilt für westliche Christen als eintönig. Die Erkenntnis, dass nur das Wort Gottes Menschen neu machen kann, fehlt mehr und mehr. Missionswerke und Gemeinden kommen und gehen. Worte und Programme von Menschen sind heute top und morgen ein Flop. Jesus sagt: „...meine Worte werden nicht vergehen.“

Was läuft ohne das liebe Geld? Bei meinen Besuchen auf unseren Arbeitsfeldern habe ich mich schon manches Mal gefragt: Was bliebe in unseren Gemeinden übrig, wenn uns alles Geld genommen würde und uns nur noch unser Leben und die Bibel bliebe – wie es bei unzähligen Christen in der Verfolgung der Fall ist? Wenn das geschähe, reduzierte sich Vieles auf das Wesentliche.

Was wir brauchen Treu sein

Wir müssen treu sein – nicht erfolgreich! Erfolg ist kein Hinweis auf Vertrauenswürdigkeit und Wahrheit.

Wir müssen treu sein – nicht erfolgreich! Wir messen die Wirksamkeit unserer Arbeit nicht an dem Ergebnis, sondern an der Tatsache, dass wir Gottes Wort weitergegeben haben. Es geht nicht darum, ob unsere Arbeit funktioniert oder Erfolg hat. Die Richtigkeit der Verkündigung des Wortes Gottes zeigt sich oft gerade darin, dass es keine Zustimmung erfährt. Die Reaktion der Mehrheit ist kein Beweis für Echtheit. Erfolg ist kein Hinweis auf Vertrauenswürdigkeit und Wahrheit. Das ständige Bemühen modern und attraktiv für die Welt zu sein, macht die Mitarbeiter und letztlich auch die Zuhörer müde.

Und wir selbst? Jesus Christus hat seinen Nachfolgern aufgetragen, sein Wort weiterzugeben. Es ist Jesus Christus selbst, der durch sein Wort Frucht schafft. Es gibt viele Missionsmethoden in unserer Welt. Wir müssen uns prüfen an den Fragen: Haben wir sein Wort weitergegeben oder etwas anderes? Ist unsere Präsentation geeignet, die Zuhörer davon zu überzeugen, dass wir Gottes Wort verkündigen? Werden durch die Verkündigung Menschen geehrt oder wird der Blick auf Jesus Christus selbst gelenkt? Hilft die Verkündigung, dass die Zuhörer das ganze Wort Gottes kennen lernen und nicht nur Teile daraus? Hilft die Art der Darstellung, das Evangelium mit dem nötigen Ernst zu vermitteln? Es geht um Leben und Tod! Der Zuhörer muss merken, dass es nicht um Spaß und Unterhaltung, um etwas Gemütliches und Vergnügliches, um Theater und Lebenshilfe geht, sondern um eine Angelegenheit von äußerster Wichtigkeit!

Nr.105

12

Wir brauchen zur Verkündigung des Wortes keine Marketing-Experten, Clowns und Entertainer. • Wir brauchen Männer und Frauen Gottes, die Gottes Wort hören, kennen und weitergeben. • Wir brauchen Predigt statt Unterhaltung. • Wir brauchen Gebet statt menschliches Werkeln. • Wir brauchen Vertrauen, dass der souveräne Gott durch sein Wort rettet und nicht durch unsere Erfolgsmethoden. • Wir brauchen Gemeinden, die sich des Evangeliums nicht schämen. • Wir brauchen Christen, die wissen, dass sie missverstanden werden können, die Ablehnung erfahren, weil Jesus Christus, ihr Herr, von der Welt abgelehnt wurde.

Zurück zur Quelle Wenn all das wegfällt, was wir versuchen, um uns für die Welt attraktiv zu machen, kehren wir zurück • zum einfachen Wort Gottes • zur Lehre der Apostel • zum gemeinsamen Gebet • zur Gemeinschaft der Heiligen • zum Brechen des Brotes als Ausdruck dafür, dass der verspottete und gekreuzigte Jesus Christus der Herr in unserer Mitte ist. „Ach hätten wir die Verfolgung wieder?“ Ist das der einzige Weg, um uns wieder zurück zum Wort Gottes zu bringen? ■ * Das Motto der MISSION FÜR SÜD-OST-EUROPA (MSOE) in Siegen


Evangelium oder Entertainment?  

Evangelium oder Entertainement

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you