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DIE DEHN BARKEIT DER TRAUER


DIE DEHN BARKEIT DER TRAUER SPRING/SUMMER 13 Renée Chvatal


Beziehungen, vor allem Liebesbeziehungen sind ganz wesentlich für unser Leben. Dadurch erleben wir uns Selbst. Sie werden zu einer Art zweiten Hälfte von uns und bestimmen vieles mit. Deswegen sterben wir auch ein Stück mit, wenn ein von uns geliebter Mensch stirbt. Weil wir einen Teil unseres Selbst, mit dem Tod des Anderen verlieren. Aber ohne Trauergefühle könnte man als Mensch keine feste Bindung eingehen, denn dann wäre uns alles gleichgültig. Anders ausgedrückt: Trauer ist das Nebenprodukt unserer Beziehungsfähigkeit. Trauer ist also ein Kulturphänomen. Die Fähigkeit zu trauern ist nicht angeboren und muss erst im Laufe unseres Lebens erlernt werden. Das Trauern ist abhängig von unserem sozialen Umfeld und von der Kultur in der wir leben. Das heißt, wenn sich in der Trauerkultur etwas verändert, dann haben sich nicht die Menschen verändert, sondern einfach nur die Rahmenbedingungen dafür. Ob wir aus dem Trauern herauskommen und weiter leben können, hängt davon ab ob wir richtig trauern. Dies lässt sich allerdings nicht verallgemeinern, weil trauern sehr individuell ist. Aber Trauer ist nicht nur individuell, es ist mittlerweile auch zu einem persönlichen Bedürfnis geworden. Damals war eins der Ziele, ein Zusammenleben in der Gesellschaft wieder herzustellen. Heute ist es vielmehr die Aufgabe, dass die Lebensfähigkeit des Betroffenen wieder hergestellt wird. Je mehr der Tod in der Gesellschaft verdrängt wird, desto weniger kann sie mit den Trauernden umgehen, und um so schneller wird sie auch wieder von einem fordern mit dem Trauern auf zu hören. „Traurigkeit ist eine instinktive Reaktion auf Verlusterfahrungen; es ist ein Prozess, der eine Vielzahl von Emotionen auslöst.“


Ein Aspekt der Trauerarbeit wird also sein, dass ein neues Verhältnis zur Welt geschaffen werden sollte. Bei dem Versuch die Trauer zu bewältigen, stoßen wir auf Grenzsituationen. Es kann also passieren das der Trauernde ohne Kraft ist, sich isoliert und sich in seinem Kummer vergräbt. Deshalb ist es so wichtig, sich der Trauer zu stellen und zu lernen mit ihr umzugehen. Wichtig ist vor allem, dass man die Trauer erst einmal zulässt, ohne dieses Zulassen, dass psychologisch notwendig ist, kann der Trauernde nicht zu einem neuen Selbstverständnis kommen. Wir müssen lernen neue Wege zu finden und das Trauern als etwas unvermeidliches anzuerkennen. Damit wir aber Trauer zulassen können, müssen wir erst

mal akzeptieren das die Realität so aussieht, das jemand gestorben ist, dass es Abschiede gibt und diese manchmal auch wehtun können. Wir müssen lernen die Angst die dazu gehört, zu überwinden. Was wir uns auch klar machen sollten ist, dass es uns möglich ist, die Trauer durchzustehen und das wir auch daran stärker werden können. Der Bezug zu meiner Abschlusskollektion stellen folgende Aspekte dar. Es geht um Emotionen. Um die metaphorische Darstellung von Gefühlsäußerungen, die zustande kommen wenn ein von uns bekannter Mensch aus dem Leben tritt. Ziel war es die Gefühle, die zum Ausdruck kommen zu transportieren, und in einen modernen Kontext zu setzen. Durch die Emotionen, die durch die Trauer heraus entstehen, und die durch die Recherche eingeflossene Trauersymbolik, etwas lebendiges zu schaffen.


Fotografin: RenĂŠe Chvatal Models: Johanna, Verena, Benjamin, Sebastian Layout: RenĂŠe Chvatal 2013



Portfolio 13