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Bike ARTIKEL FÜR FERDEL...


Diagnose: Bike Fieber Mountainbiken in und um Innsbruck


„Eine Runde Lanser Kopf?“ „Nö, ich hab Prak&um!“ „Aber doch erst in zwei Stunden!“ „Vorher hab ich aber Vorlesung“ „ Ach dieses Genderzeugs, das kannste doch vergessen! Auf jetzt!“ „Na gut, aber nur eine Runde!“ Wem diese und ähnliche Konversa&onen nicht unbekannt sind, der ist infiziert mit dem Bike Fieber! Da hil4 kein Mexalen und auch kein Rocephin, da hil4 nur biken bis der Vorbau bricht.

Dreißig Minuten später an der Haltestelle Tivoli: „Hoffentlich nimmt er uns mit“, „Klar nimmt er uns mit, ansonsten nehmen wir halt die Bahn!“. Der Bus der Linie J kommt pünktlich und hat noch einen Platz für uns frei. Schnell die Bikes rein, das obligatorische 4-Fahrten Ticket abgestempelt und los geht’s. Der Busfahrer - eine Kreuzung aus Semino Rossi und Michael Schuhmacher - fährt mit brennenden Reifen Richtung Olympiaexpress. Wer sich jetzt nicht gut festhält wird wie eine Kanonenkugel durch den Bus geschossen.

Nächster Halt „Dorfplatz Igels“, Bikes raus, Helm auf, Handschuhe an, Knieschoner zurecht gerückt und los geht’s. „Klassiker? Oder doch Viller Kopf?“ „Nö lass den Wurzel-Trail nehmen“ „Okay“ und schon biegen wir mit gefühlter Lichtgeschwindigkeit in die Falllinie im Wald. Wir schießen mit unseren Bikes über den Trail und über besagte Wurzeln, der Pfad, Bäume, Sträucher fliegen vorbei und jede Wurzel wird als natürliche Schanze genommen, um dem Gefühl des Fliegens noch näher zu sein. Obwohl die Fahrt nur drei Minuten dauert, wirkt es jedes Mal wieder unwirklich, soviel Spaß, so viele Möglichkeiten direkt hinter der Haustür.

Nach der abwechslungsreichen Strecke, die Varianten für jede Könnerstufe bietet, kommen wir an den letzten Sprung: ein kleiner geschaufelter Dirthügel kurz hinter den Straßenbahnschienen im Wald, ein letzter Sprung noch bevor es raus aus dem Wald wieder zurück in die ZivilisaAon geht, ins Studium, ins richAge Leben.

Für etwas wagemuAgere Freerider hält Innsbruck neben zahlreichen inoffiziellen Trails und traumhaCen Hochtouren (Berichte unter www.bikebergsteigen.org und www.biking-hiking.at) noch den Nordpark Singletrail (www.nordkeFen-singletrail.at) bereit, die selbsternannte „härteste Freeridestrecke Europas“, welche von dem aus den Vertridern (www.vertrider.com) hervorgegangenen Verein TrailsoluAons unterhalten wird.

Für die Strecke, die von der Seegrube bis zur Hungerburg und mit der Verlängerung bis runter zur KeFenbrücke führt, gibt es eigentlich keine bessere Beschreibung als „sick“.


Dienstags nachmi7ags, draußen strahlender Sonnenschein und ich häng hier drin im Biochemie Prak&kum. „Ich muss hier unbedingt raus! Hoffentlich dauert der Versuch heute mal nicht so ewig!“ Also schnell zu Ende pipeGert und raus aus dem PrakAkum, nach Hause gesprintet, das Bike gepackt und ab zum Congress. 15.29U hr am Congress: “Auf die Bahn fährt gleich!“ ruC mein Kumpel, der schon in der Bahn wartet und schon geht es los, raus aus der Stadt rein ins Abenteuer Seegrube. 2000m, die LuC ist merklich kühler als unten, der Blick auf die Stadt wie immer ein Traum und die umliegenden Gipfel sind schon weiß gezuckert, ein Herbst wie er schöner nicht sein könnte. Knieschoner an, Helm auf, Handschuhe an, automaAsch wie ein Roboter, denn jeder Gedanke dreht sich um den vor uns liegenden Trail, „Wird das Material wieder halten?“, „Haben die Reifen den perfekten Druck?“, „Werde ich den 3er Stützen Alptraum ohne Sturz meistern?“ und „Was passiert eigentlich wenn ich mich verletze?“. Doch jetzt ist keine Zeit mehr zum Nachdenken, jetzt heißt es präzise wie ein U hrwerk zu arbeiten und am besten ohne Fehler die 4,2km lange Strecke mit ihren 1000 Höhenmetern zu bewälAgen. „Bereit?“, „Auf geht’s!“ und schon biegen wir durch das StarFor in das „Starthangl“ ein. Der Trail zeigt sich heute von seiner besten Seite, leicht feucht noch vom letzten Regen aber dafür schön griffig. Die Reifen wühlen sich zwischen den groben Steinen durch den SchoFer auf der Suche nach Halt, während die Bremsen versuchen die Räder daran zu hindern mit Tempo 200 den Berg runter zu schießen. An Stehenbleiben ist jetzt nicht mehr zu denken. Nach der ersten Kurve will man auch nicht mehr anhalten, was andere als lebensmüde beschreiben macht jetzt sogar Spaß. Der Trail schlängelt sich immer in der Falllinie unter den LiCstützen durch, die Planung und der Bau allein sind schon eine Meisterleistung und jeder der ihn bewälAgt ist ein kleiner Held. U nter der SesselliCstaAon geht es in den „3er Stützen Alptraum“, das mit Abstand anspruchsvollste Teilstück, der Trail wird enger, ruppiger und noch steiler. U m die Kurven zu meistern, muss man sich jedes Mal selbst überwinden, ein wahrer KraCakt, auch für den Kopf. Wenn man die verrückte „Preussenschleuder“, das schöne „Panorama Gap“ und die rutschige „Mischwald Session“ gemeistert hat, sollte man noch eine kurze Pause einlegen und das Panorama genießen. Denn jetzt kommt man auf den Teil der Strecke, auf dem das jährliche NordkeFe Downhill Rennen ausgetragen wird. Der Reifen wühlt sich weiter durch knöchelAefen SchoFer, sucht Halt, findet aber keinen, die Fahrt gleicht einem RiF auf einem Bullen - am Lenker festkrallen, Augen zu und durch. Der „Benny Hop“, der Wallride, die kleinen Kicker, der Sprung über den Lawinenkegel, das alles macht den Kopf frei nach einem harten U nitag und gibt Selbstvertrauen für den Rest der Strecke und den Rest der Woche.


Nur mit dem „Schlammtango“ ist bei Nässe nicht zu spaßen, denn der Wechsel des Tanzpartners erfolgt oC unvorhergesehen und wer Tanz schon gerne mit einem Baum? Doch heute ist das alles kein Problem, die Strecke ist nur leicht feucht, es geht mit gefühlter Schallgeschwindigkeit bergab, bis zur „Radstudiokurve“. Spätestens hier muss man die Geschwindigkeit drosseln, um nicht im Fangzaun zu hängen (hier hängt beim Rennen immer die Werbung vom lässigsten Bikeladen in Innsbruck, wo du deine kapuFen Teile kompetent ersetzen lassen kannst), die Kurve und die nachfolgenden Stufen verlangen uns nochmal alles ab. Aber dann geht der Spaß richAg los, Das kann uns selbst das stressigste PrakAkum nicht mehr nehmen. Bremse auf und Richtung Ziel, kurz noch durch den „LiFle Norhtshore“-Park und über das „House 2.0“, und dann rein in den Zielsprung. „Wenn jetzt das Bike hält, hab ichs geschaQ!“, kurzer Blick auf die U hr: 13.30min, eine sehr ordentliche Zeit, wenn man bedenkt, dass die Rekordzeit eines Profis bei 9.30min liegt. Wer sich jetzt denkt, das will ich auch, der sollte mal seinen Adrenalinspiegel checken lassen, vielleicht seid ihr auch vom BikeVirus infiziert und solltet euch in die Falllinie stürzen. Aber passt auf eure Knochen auf, Safe

Euer Bike Dr. Chris


Medicus - Biken in Innsbruck  

Artikel über Mountainbiken in Innsbruck für die Zeitschrift Medicus der MUI

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