Issuu on Google+

Z entralverein

der

W iener L ehrer I nnen , B ezirksgr . F avoriten

F avoritner

flz

Schulverweigerer:

„Es liegt an den Lehrern und ihrem langweiligen Unterricht”,

L ehrer I nnenzeitung 19. Jahrgang

Nr. 1/2012

sagen seriöse Medien... Mit dem Thema „Schulverweiger” aus Sicht der Pädagogen setzt sich Susi Wiesinger auf Seite 3 auseinander.

April 2012

Christopher Hanzl

Zu Tode evaluiert ist auch gestorben

...oder „BIFIE! Zahlen bitte!“

Im Windschatten der PISA-Studie 2000 hat sich eine inhaltsleere Evaluationskultur entwickelt, bei der es nur um Eines geht: Es müssen pressewirksame Zahlen erzeugt werden, am besten statistisch signifikante. Die Frage der Unterrichtsqualität tritt dadurch völlig in den Hintergrund. Das gesamte Bildungssystem erlebt einen qualitativen Einbruch.

Ein Rückblick

Im Jahr 2000 erschütterte die PISA-Studie Österreich in den Grundfesten. Entgegen aller Erwartung waren die österreichischen Schüler/innen im internationalen Vergleich auf den schlechten mittleren Plätzen gelandet. In Hochschulen und Politik wurde dieses Versagen als ein Versagen der klassischen Pädagogik interpretiert.

Seit dem PISA „Schock“ ent- hörden, die Schulbehörden an das irgendetwas erreicht haben, wickelte sich jedenfalls eine über- Ministerium, das Ministerium an wird das von den Verantworttriebene Kultur der empirischen die Presse, die Presse ans Volk. lichen als Erfolg gefeiert. Bildungsforschung und Dass in den meisder Evaluation. ten Fällen keine Seit dem PISA-„Schock“ entDas hatte und hat wirkliche Verbessefür die verantwortli- wickelte sich eine übertrie- rung der Situation chen PolitikerInnen und bene Kultur der empirischen stattfindet, interesBehördeninsassen den keinen: Jedes Bildungsforschung und der siert Vorteil, dass man sich winzige Prozentnicht mehr um Proble- Evaluation. pünktchen wird als me kümmern musste. durchschlagender Damit entwickelte sich bei Erfolg gefeiert . Es genügte, eine „gute” Zahl und die passende Interpretation allen Beteiligten (Volk, Politik, Kurz: Nachdem Pädago(„... hat sich signifikant verbes- Presse) ein unfundierter Glaube gInnen und FachdidaktikerInsert...” - „... wurden 80% aller Pro- an schnöde Zahlen: nen jahrelang auf angeblich zesse optimiert...” - „...Steigerung Sobald eine Veränderung “sta- spekulativer Basis Theorien der Unterrichtsversorgung um x tistisch signifikant” ist, gilt das entwickelt hatten und damit Prozent...”) nach oben durchzurei- zugehörige Problem als gelöst. offensichtlich in Augen der chen: die Schulen an die Schulbe- Sobald “mehr als x Prozent” Testskalierungen gescheitert waren, übernahmen im ersten Jahrzehnt des dritten Jahrtausends die Statistiker/innen das Ruder. Aus SchülerInnen mit Problemen wurden Zahlen.

Von der Playstation zum SPF „Setzen Sie DVD-Nannys ein und schenken Sie Playstations im Kleinkindalter! Sie erhöhen die SPF-Chancen Ihres Kindes in der Schule. Lesen Sie Ihrem Kind hingegen zumindest zehn Minuten pro Tag vor, haben Sie bereits das halbe Abitur.“

Lesen Sie den Artikel von MMag. Dr. Thomas Bulant auf Seite 5!

Zahlen machen Schule und Unterricht nicht besser

Die skizzierte Entwicklung hat gleichzeitig zu Qualitätseinbußen im gesamten Schulund Bildungssystem geführt: Lesen Sie weiter auf Seite 4!


Elisabeth Eichinger

Quo usque tandem...?1

ZV Bezirksvorsitzende

(Wie lange noch ...?)

In Favoriten ist immer was los! Einen interessanten Abend mit Bezirksvorsteherin-Stellvertreter Josef Kaindl (Bild unten) durften viele ZV-Favoritner im Feb- Mieter bei der Planung eine ruar erleben: große Rolle spielen. Der neue Bildungscampus wird 1100 Kindern und Jugendlichen eine moderne und positive Arbeitsatmosphäre bieten! Bezüglich des ReiztheFavoriten ist mit seinen ~178 000 Einwohner ja bei- mas Parkpickerl in Favonahe schon eine Kleinstadt, riten ist jedoch noch nicht in der die Stadtentwicklung das letzte Wort gesprochen nicht still steht. Diese hat - durch Parkpickerlflüchtauch auf die Bewohner, linge aus den angrenzenden Arbeitnehmer und damit Bezirken ist die Parksituatiauch auf die LehrerInnen in on in Favoriten mittlerweile Favoriten großen Einfluss. ein nicht minderes Problem dem man mit Viele Ideen und Pläne gibt geworden, der Einführung eines Faes zur U-Bahnverlängerung: voritner Parkpickerls zu Ob die Endstation bei der Leibe rücken will. Auch Therme Wien oder in Roth- viele Pendler nützen die neusiedl sein wird, ist noch freien Parkflächen gerne nicht sicher. Auf jeden Fall und so werden im Moment soll bis 2016 die U1 -Erwei- einige Lösungsvorschläge terung eröffnet werden! überprüft. Doch wie schon Auch das Projekt Haupt- gesagt: Nix ist fix! bahnhof geht zügig voran, Jedenfalls herrscht Beder Bau des neuen Bahn- wegung in Favoriten und hofs läuft planmäßig und wir dürfen uns auf Neuesichert 600 - 800 Arbeits- rungen einstellen! plätze in der Bauwirtschaft. Insgesamt 1600 Wohnungen Eure Elisabeth Eichinger werden gebaut, wobei die Wünsche der zukünftigen

Favoritner ZV - Abende Favoritner ZV - Abende Sommersemester 2012 Wintersemester 2012 24. April 2012 22. Mai 2012 19. Juni 2012

25. September 2012 16. Oktober 2012 20. November 2012 11. Dezember 2012

Willkürskandal in Vindobona? Centurio1 Servius Bonus ist bei seinen Legionären und deren Familien höchst beliebt. Er erfüllt die Ansprüche an einen Centurio zu ihrer vollsten Zufriedenheit. Selbst in höheren Führungsfunktionen war er schon kurzzeitig in Verwendung, denn es ist kein Kinderspiel, den Südwesten von Vindobona für die Legion zu sichern. Er hätte gerne bis zu seiner honesta missio2 an seinem Einsatzort gedient, wenn sein Vorgesetzter, der Tribun, keine Einwände gehabt hätte. Dienstrechtliche Verfehlungen sind schnell gefunden. Wer viel und gut arbeitet, dem passieren auch Fehler. Vindobona wäre ohne schützende Legionäre, würde jede dieser Dienstpflichtverletzungen mit einer Abberufung an einen anderen Ort am Limes geahndet werden. Genau dies ist aber Servius Bonus widerfahren. Das Militärgericht, Ankläger und Richter in einer Person, liefert auf Zuruf des Tribuns das gewünschte Urteil: „Der Centurio muss weg!“ Ein junger aufstrebender Ersatz steht schon bereit, und Centurio Servius Bonus befehligt daher ab sofort eine andere Einheit. Das Wehklagen seiner ehemaligen Legionäre ist groß. Die Differenzen zwischen dem Tribun und ihrem Centurio haben sie

Cicero

auszubaden. Die angemessene Reaktion des Gerichts wäre bei leichten Vergehen eine Ermahnung beziehungsweise bei schweren Verfehlungen eine Anklage gewesen. Das Urteil wird ohne Leistungskontrolle vor Ort und ohne Mitsprache der Legionäre gefällt. Der Tribun hat seinen Willen durchgesetzt. Das eherne Gesetz der obersten Heeresleitung, einen Centurio während seines erfolgreichen Dienstes nie von seiner Truppe zu trennen, wurde gebrochen. Quo usque tandem3 können die obersten Militärverantwortlichen solchen Geschehnissen zuschauen? Es gilt zu verhindern, dass diese Missstände in anderen Bereichen Schule machen! P. S.: Ciceros Worte haben lange Strecken auf römischen Straßen von Roma nach Vindobona zurückzulegen. In der Zwischenzeit ist die oberste Heeresleitung am Donaulimes im Sinne der Soldaten eingeschritten. Euer Cicero

Offizier und Vorgesetzter eines Legionsteils von 100 Mann 2 ehrenvoller Abschied nach Jahrzehnte langem Militärdienst 3 Wie lange noch…? 1

Elisabeth Eichinger, VS 10, Klausenburger Str. 25, Tel. 0699 103 28 535 E-Mail: lisa_e@gmx.at Impressum: Herausgeber und Verleger: ZV-Bezirksorganisation Favoriten, vertreten durch Elisabeth Eichinger, Doris Burghardt, Willi Kriegl Verantwortliche Redaktion: E. Eichinger, Redaktion und Layout: Walter Kienast, Vervielfältigung: PG-DVS Druckerei Gerin, 1140, Holzhausenplatz 1 Zuschriften an E. Eichinger (lisa_e@gmx.at), Artikel an W. Kienast via E-Mail (wkienast@aon.at) Im Sinne der Meinungsvielfalt werden auch Artikel veröffentlicht, die nicht der Redaktionsmeinung entsprechen. Seite 2

Favoritner LehrerInnenzeitung

April 2012


von Susi Wiesinger

Karenzurlaub gegen Herabsetzung der JahEntfall der Bezüge: resnorm bzw. Lehrver-

pflichtung aus beliebigem Anlass Sonderurlaub:

Ein Karenzurlaub gegen Entfall der Bezüge gem. § 58 (1) LDG bzw. § 29b (1) VBG, kann der Landeslehrerin/dem Landeslehrer ein Urlaub gewährt werden, sofern dem keine zwingenden dienstlichen Gründe entgegenstehen. Dazu sieht das PVG (§ 9) Laut § 45 LDG beträgt das Mitwirkungsrecht der Personalvertretung  vor. die maximale Herabsetzung Laut einer Mitteilung des Zentralausschusses erar- 50% einer vollen Lehrverbeitet der ZA derzeit gemeinsam mit dem Stadtschul- pflichtung. rat neue Richtlinien zu dieser „Kann Bestimmung“. Auf eine Herabsetzung der Jahresnorm aus persönlichen Unabhängig von der Personalsituation Gründen besteht kein RechtsEin Antrag kann können alle Anträge wie bisher über den anspruch. genehmigt werden, wenn dem Dienstweg eingereicht werden. Sie wer- keine wichtigen dienstlichen Interessen entgegenstehen.

den in jedem Fall weitergeleitet.

Die geltenden Richtlinien für Sonderurlaube behalten weiter ihre Gültigkeit. SchulleiterInnen an Wiener Pflichtschulen können wie bisher Sonderurlaub bis zu einem Tag auf Basis der geltenden Richtlinien genehmigen. Über gewährte Sonderurlaube sind schriftliche Aufzeichnungen zu führen.

Schulverweigerer

Das Thema beherrschte für einige Tage unsere Medienlandschaft. Oftmals wurde in diesem Zusammenhang das Wort Migrationshintergrund erwähnt. Populistische Boulevardblätter sahen ihre Feindbilder bestätigt: Ausländische Eltern kümmern sich nicht um ihre Kinder. Seriösere Medien kamen nach differenzierter Berichterstattung zu dem Schluss, zu dem sie meistens kommen: Es liegt an den Lehrern und ihrem langweiligen Unterricht. In Internetforen fand ich zum Thema Schulverweigerer folgende Kommentare: „Deutschlehrer sollen überdenken, ob Faust noch zeitgemäß für unsere Jugend ist.” Dasselbe gelte übrigens für Philosophen wie Kant. Die Auseinandersetzung mit moderner Literatur und zeitgemäßen Themen wäre sinnvoller. Die Diskussionen über Schulverweigerer waren schnell wieder „AHS-lastig“. April 2012

Einer humanistischen Bildung, sofern man darauf noch Wert legt, können Goethe und Kant nicht wirklich schaden. Doch keine Sorge: Die beiden sind nicht der Grund, weshalb unsere PflichtschülerInnen nicht in die Schule kommen. Mit den tatsächlichen Ursachen wollen sich viele der selbsternannten Bildungsexperten nicht beschäftigen. Ein Tipp: Es lohnt sich, einen Blick über den eigenen Tellerrand zu werfen! Dann sieht man nämlich Kinder, die in der Früh niemand aufweckt. Sei es, weil die Eltern schlafen oder bereits zur Arbeit gehen mussten. Man sieht Eltern, oftmals Mütter, die es nicht schaffen, ihre Söhne von Computerspielen wegzulocken, um sie stattdessen in die Schule zu schicken. Glauben Sie mir, liebe Bildungsexperten, selbst der interessanteste Unterricht verliert leider oft gegen World of War-

craft, GTA oder Counterstrike. Man sieht Eltern, die mit ihrem eigenen Leben so sehr beschäftigt sind, dass sie sich nicht um den Schulbesuch ihrer Kinder kümmern. Da gibt es Mütter, die ihre Kinder bei Arztbesuchen oder Amtswegen zum Übersetzen brauchen. Wenn die Eltern zur Arbeit gehen oder keine Zeit haben, muss die älteste Tochter auf ihre kleineren Geschwister aufpassen. Ein Lehrausgang, der Nachmittagsunterricht oder ein ganz normaler Schultag sind in diesen Fällen zweitrangig. Die Diskussion, ob Eltern mehr zur Verantwortung gezogen werden müssen, ist richtig und wichtig. Es gibt aber auch jene Schülerinnen und Schüler, die nicht in einer Großklasse lernen können und den Schulbesuch tatsächlich verweigern. Die Frage ist: Haben wir genügend personelle und räumliche Ressourcen für Kleinklassen, in denen Schulverweigerern das Lernen erleichtert werden kann?

Favoritner LehrerInnenzeitung

Dringend brauchen wir SozialarbeiterInnen, die Zeit haben Familien zu betreuen und nicht von einem „Fall“ zum nächsten hetzen. Wie sieht es eigentlich in unseren Kindergärten aus? Gibt es genügend Personal und Unterstützung für die Pädagoginnen? Probleme zeigen sich oft schon sehr früh. Sie werden aber aus Mangel an Ressourcen an die nächste Bildungseinrichtung weitergereicht. Das Thema Schulverweigerer ist mittlerweile wieder aus den Medien verschwunden. Schade, dass die Gelegenheit nicht genutzt wurde, Schwachstellen in unserer Gesellschaft aufzuzeigen und Lösungsvorschläge zu bringen. Schade, dass sich die Auseinandersetzung mit der Problematik größtenteils auf die Suche nach Schuldigen beschränkt hat. Susi Wiesinger

Seite 3


Neuer Chef, alte Rezepte

Der neue Vorsitzende der konservativen Wiener Stadtpartei ist zu einem Neustart angetreten. Die Slogans, die er dabei auf Wiens Plakatwände affichieren lässt, sind aber kalter Kaffee. Horst-E. Pintarich Vermutlich hat der Mann von Bildungspolitik keine Ahnung. Aber seine Berater dürften ihm Themen aufgelistet haben, mit denen man punkten kann. Die gemeinsame Schule ist ein sehr emotional besetztes Thema. Der konservative Neustart in Wien sieht leider so aus, dass man Fakten und Sachargumente außer Acht lässt und sich auf alte Justament-Standpunkte zurück zieht.

Wir wollen Starthilfe leisten und liefern weitere Plakatsprüche:

ers.

st and i h c s n e M eder

Jedes Kind i st anders.

J

Jede Frau ist anders.

Zu Tode evaluiert

Warum sollten a lle die gleichen Zukunftschancen haben? Warum sollten alle gleich viel wie die Männer verdienen?

Jeder Mensch ist anders.

Warum sollten alle ihren Beitrag zum Sparpaket leisten? Seite 4

t h c i r e G r o v n e t Warum soll andelt alle gleich beh werden?

In den Hochschulen denkt man nun nicht mehr primär darüber nach, wie guter Unterricht sein muss und welche pädagogischen Probleme zu lösen sind, sondern man erzeugt Zahlen und damit Probleme. Dann erzeugt man mit Interventionsstudien neue Zahlen - womit klar ist, wie die Probleme zu lösen sind. Herz, Hirn und Geist bleiben auf der Strecke. Die Bildungspolitiker/innen haben nun einen Freibrief für realitätsfremdes Regieren: Probleme gibt es nur da, wo entsprechende Zahlen vorliegen. Sobald diese Zahlen - wie auch immer - verbessert werden, ist das Problem (auf wissenschaftlicher Basis!) gelöst

Favoritner LehrerInnenzeitung

und man wird wieder gewählt. Die Schulverwaltungsbehörden können nun vollständig auf Innovation und Kreativität verzichten. Sie erfüllen ihren Job dann „sehr gut”, wenn sie die von der Bildungspolitik angestrebten Zahlen liefern. Entsprechend erlassen sie Verwaltungsvorschriften, Verordnungen und sonstigen Papierkram, der die Schulen anweist, diese Zahlen zu produzieren. LehrerInnen werden sogar extra angeworben, ausgebildet und bezahlt um an diesem Prozess der Symptombeobachtung teilzunehmen. Die SchulleiterInnen werden April 2012


Mein Schulsemmerl

MMag. Dr. Thomas Bulant, Vorsitzender der FSG PflichtschullehrerInnen

Von der Playstation zum SPF

oder warum die Schule Erkenntnisse der Gehirnforschung beachten sollte

Der bekannte Gehirnforscher DDr. Manfred Spitzer erteilte vor kurzem bei einem Vortrag nahe bei Wien den anwesenden Eltern einen Erziehungsratschlag: „Setzen Sie DVD-Nannys ein und schenken Sie Playstations im Kleinkindalter! Sie erhöhen die SPF-Chancen Ihres Kindes in der Schule. Lesen Sie Ihrem Kind hingegen zumindest zehn Minuten pro Tag vor, haben Sie bereits das halbe Abitur.“ Vielen Untersuchungen zur Folge funktioniert Lernen besonders gut, wenn möglichst viele Sinne angesprochen werden, viele Synapsen vieler Gehirnregionen immer wieder den elektrochemischen Prozessen des Lernens ausgesetzt sind. Auch für die Stundentafelgestaltung hatte er Erkenntnisse mit im Gepäck: „Kunst- und Musikerziehung, Sport, Theaterpädagogik und Werkerziehung sind jene Leistungsgegenstände, von denen das lernende Individuum für sei-

ne lebenslange Bildungskarriere am meisten profitiert.“ Der Fußball im Turnunterricht, um den sich die einen begeistert scharen, während die anderen am Turnsaalrand lustlos vergammeln, erfüllt ebenso wenig den Zweck wie das zehnte Mandala oder das Verbreiten der Meinung, dass Kreativität keine Leistung sei und sich daher nicht den üblichen Beurteilungskriterien zu unterziehen habe. Wer diese Gegenstände zu Nebenfächern degradiert und sich als Lehrer in seinem Engagement auch dementsprechend verhält, behindert Kinder in ihrer Lernentwicklung. Weltweit tauschen 32.000 Gehirnforscher ihre Studienergebnisse jährlich aus. Deren Erkenntnisse für das Lernen werden trotzdem an der Neuen Mittelschule vorbeischrammen. Warum? An vielen Schulen wird bereits an Schwerpunkten getüftelt. Die autonomen Stundentafeln werden genützt werden,

ist auch gestorben zunehmend instrumentalisiert. Ihr erstes Ziel besteht nicht mehr darin, einen Rahmen für guten Unterricht zu schaffen, sondern sie setzen mit Blick auf die nächste Evaluation Verordnungen, Vorschriften und halbherzige Reparaturmaßnahmen um. Denn die Schulbehörde freut sich, wenn sie gute News erhält und nach oben weiterreichen kann (nämlich: der Unterrichtsausfall wurde verringert, die Anzahl der Konferenzen wurde gesteigert, dies und jenes wurde standardisiert dokumentiert undsoweiter). Und die LehrerInnen ... tja. Die machen weiterhin ihre Arbeit in einem Umfeld, welches auf die gesteigerten Ansprüche April 2012

an ihre Tätigkeit nicht mit der Aufstockung zielgerichteter und auf Expertenwissen gestützter Ressourcen geantwortet hat, sondern unter dem Diktat der Zahlen den Rotstift ansetzt . Effizienzsteigerung und Beamtenabbau lautet in diesem Kontext das Mantra des bunten Kleinformats, welches von dessen Leser in den bierschwangeren Stammtischdiskussionen dann seinen Widerhall findet.

Fazit

Dass moderne Schule sich qualitätssichernden Begleitprozessen stellen muss, steht außer Frage. Die Hüftschussbildungspolitik der ideologisch aufgeladenen

um konkurrenzfähige Standorte zu entwickeln. Die für Spitzer & Co wichtigsten Gegenstände werden wieder ihren Tribut an die Regeln der Marktwirtschaft leisten müssen. Manche Schwerpunkte werden auch versucht sein, durch infrastrukturelle Maßnahmen ihren Stellenwert zu steigern. Auch dazu zeigen Ergebnisse der Gehirnforschung, dass z.B. Whiteboards und Laptopklassen zwar der letzte Schrei im Zeitalter der Informationstechnologie sind, jedoch durch deren Einsatz keine Leistungssteigerungen, sondern Leistungsabfälle bei den Kindern nachgewiesen werden konnten. Die Lehrerin, die ihren Kindern wieder erlaubt, mit den Fingern zu rechnen, eröffnet ihnen hingegen die Welt der Zahlen. Ein LehrerInnenteam, das im Diskurs zum Beispiel das Konjugieren von Verben intensiv betreibt, sich die Zeit für Korrekturen nimmt, verhilft den Schü-

Fortsetzung von Seite 1 68er Generation ist vorbei und Learning Outcomes zu messen ist ein Gebot der Stunde. Doch wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, und diese liegen seit 2000 also seit mehr als 11 Jahren auf dem Tisch, dann steht als nächster Prozessschritt in einem systematischen kontinuierlichen Verbesserungsprozess die Bekämpfung der Ursache der Krankheit und nicht die Stabilisierung des Krankheitsbildes. Im Unternehmen entscheidet hier die Geschäftsführung mit einem klaren“ Ja“ oder „Nein“ rasch und konsequent. Die Entscheidungsträger im System Schule lassen sich eine

Favoritner LehrerInnenzeitung

lerInnen zum grammatikalisch richtigen Gebrauch ihrer Sprache. Neue Erkenntnisse der Gehirnforschung, alte Weisheiten. Spitzer & Co füllen damit Bücher. Für uns muss eines zählen: Ein noch so modernes Unterrichtssetting darf die Zielsetzung, nämlich die Interaktion sozialer Individuen nicht behindern. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Die Unsicherheit bezüglich der Richtungsentscheidungen ist in vielen Lebensbereichen groß. Sicher hingegen ist, dass die LehrerIn eine Renaissance feiert. Sie - natürlich auch er - ist heute jene Verbindung zur Umwelt, die den Kindern haptisch, affektiv und kognitiv diese zu erleben hilft. Welch edlere Aufgabe kann es daher für das Qualitätsmanagement geben, als dieses Gegengewicht zu gesellschaftlichen und familiären Defiziten zu unterstützen?!

Evaluierung samt Verbesserungsvorschlägen nach der anderen vorlegen und entscheiden als dann im gewohnt österreichischen „Jein“ oder der österreichischen Interpretation des arabischen Inschallah „Schau ma, dann wern ma eh segn“. Gott sei Dank ist Schule kein Unternehmen und Schüler sind keine Kunden. Es wäre an der Zeit, eine maßvolle Evaluationskultur zu implementieren mit welcher sich Schulleitungen und LehrerInnen identifizieren können und somit Schule wieder mit Herz, Hirn und Hand zu gestalten anstatt im wirren Neusprech der Zahlen und Statistiken den Blick aufs Ganze zu verlieren... Dipl.Päd.Christopher Hanzl, M.A., B.Ed. Seite 5


Der beste Lehrer der Welt Diesmal habe ich ein wenig „geklaut”, und zwar im Film „Der beste Lehrer der Welt”, der vor kurzem im Fernsehen lief. In diesem deutschen Streifen, der dank eines brillanten Hauptdarstellers Uwe Ochsenknecht trotz teils heikler Problematik nie peinlich oder überzeichnet wirkt, werden auf humorvolle Weise sowohl das deutsche Schulsystem mit all seinen System-Knoten als auch die PISA-Studie sanft, aber bestimmt durch den Kakao gezogen. Uwe Ochsenknecht als Lehrer Kilian steht als unfreiwilliger Redner am Pult der Preisverleihung und redet dabei frei von der Leber weg: „Ich habe mir sowieso schon länger gedacht: du reitest hier auf einem toten Pferd. Und rede dir nicht ein, dass die anderen auch auf toten Pferden reiten oder die anderen Pferde noch toter sind als deines. Steig endlich ab. Ich selbst war ja schon so tot, dass mich selbst die tollsten Neuigkeiten nicht mehr lebendig gemacht hätten. Wenn mir zum Beispiel einer gesagt hätte: Hey, die haben grade die Schulämter (Anm.: entsprechend den Bezirksschulinspektoraten) abgeschafft oder die sechzehn Ministerien für Schule in den sechzehn Bundesländern (Anm.: entsprechend den Landesschulräten), weil das alles ein großer Unfug ist. Wissen sie, in den Schulen und bei unserer Arbeit als Lehrer, da läuft einiges schief. Auch jetzt noch, wo wir auf einmal die Besten sein sollen. Die Kinder kommen zu uns und wissen nicht mehr, wie man sich beim Essen benimmt oder wie sie sich begrüßen oder wie sie sich entschuldigen. Die haben einfach das Gefühl dafür verloren, ob‘s ihnen gut geht oder schlecht, ob sie glücklich sind oder traurig. Natürlich haben sie Sehnsucht nach Tiefe und Glück, aber wie können sie lieben, wofür sollen sie leiden, worüber sollen sie lachen oder weinen, wenn den einen die Väter oder Mütter fehlen, manchen auch beide, den anderen die Sprache oder die Heimat. Wir haben alle Handy, sind permanent online, fahren durch die ganze Welt und können nicht zusehen. Und da macht es keinen Sinn, dem Pferd ein bisschen mehr Wasser zu geben oder ein bisschen mehr Futter. Es kann nicht mehr trinken und mehr fressen. Wir brauchen was Neues. Wir brauchen eine neue Idee. Ich meine, die muss ja nicht von uns Seite 6

kommen, aus unserer Gemeinschaft, die allerdings tagtäglich an ihrer Selbstsucht stirbt. Wir brauchen etwas, was über unser Leben hinaus weist. Erst dann können wir von den Kids verlangen, welche Wörter sie lernen müssen oder welche Rechenarten sie wissen müssen oder welche Gesetze oder was gut oder böse ist und was richtig und falsch ist. Wie können wir dem einzelnen gerecht werden, darum geht‘s doch und wie können wir den Kids helfen heraus zu finden: was will ich mit meinem Leben und wer verdammt bin ich.” Ich denke, in diesen Worten aus dem Film stecken sehr viele Denkansätze, die unser Unterricht und unser Schulsystem berücksichtigen sollte: Wir haben es mit Kindern zu tun, die teils in extrem ungeordneten Verhältnissen aufwachsen, die teils über wenig bis gar keine Erziehung verfügen, denen zum Teil jedes „zivilisierte” Verhalten abgeht. Wir haben Kinder, die auch aufgrund der soeben erwähnten, oder aber auch

Dipl.Päd. Richard Cieslar

wegen anderer Faktoren überhaupt kein Selbstwert- oder Selbsteinschätzungsgefühl haben. Wir haben es mit reizüberfluteten Kindern zu tun, die mit Aggression nicht im Mindesten umgehen können. Und wir sollen diesen Kindern einen Hafen bieten, in den sie sich flüchten können, wenn sie dazu überhaupt fähig sind oder es überhaupt wollen. Und dann haben wir bei dieser Aufgabe vergleichsweise statt einer modernen Hafenanlage nur eine einfache Fischerhütte ohne jegliche Ausrüstung zur Verfügung. Wir sollen die Hafen suchenden anlocken - und haben dazu keinen Leichtturm, sondern nur ein Streichholz in der Dunkelheit. Was ich damit meine: wir haben keine Mittel zur Verfügung, um der großen (und edlen) Aufgabe gerecht werden zu können, weil wir ständig an unsere Grenzen stoßen und nichts und niemand da ist, der uns entscheidend weiter hilft. Es gibt für unsere derzeitigen

Klassenzusammensetzungen v.a. im großstädtischen Raum nur eine einzige Formel, die Abhilfe schaffen kann - und diese Formel lautet: Ständig mindestens 2 (LehrerInnen) für höchstens 20 (Kinder) in der Klasse. Unter den Umständen immer zu zweit unterrichten bzw. die Kinder einfach nur betreuen zu können, wären wohl auch bis zu 30 Unterrichtsstunden pro Woche leichter zu absolvieren als zur Zeit die 22, die aber zu 95% alleine gehalten werden müssen ... Dahin gehend sollten Denkansätze gehen und nicht in die Richtung „wie kann man die ohnehin schon überschrittene Belastungsgrenze der LehrerInnen noch weiter ausdehnen wie ein Gummiband”. Nur dann kann es gelingen, den Kindern „lernen zu lernen” oder noch simpler „leben zu lernen”!

Gedanken zu Rechten und Pflichten von Schulkindern

Schulkinder haben viele Rechte, über die sie zumeist sehr genau – und regelrecht „bauernschlau“ – Bescheid wissen (oder zu wissen glauben), ihre Pflichten nehmen sie hingegen nicht immer so genau. Und damit muss sich nun eine einzige Lehrkraft pro Klasse herumschlagen, was die Bemühungen um „guten“ Unterricht, der den Kindern „fürs Leben lernen“ hilft, extrem erschwert. Kinder und ihre Eltern wissen urplötzlich ganz genau, dass die Lehrerin nicht in ihre Schultasche schauen darf – warum auch immer das so ist. Da kommt es dann vor Direktoren zur Androhung von Elternteilen, die Medien einzuschalten (ein solcher Fall ist mir bekannt). Nach benoteten Schularbeiten kommen aufgebrachte Elternteile und beschweren sich über angeblich zu wenig vergebene Punkte für die (nicht erbrachten ...) Leistungen ihres Kindes. Zum Glück gibt es in den meisten Fällen recht genaue Punkteschlüssel, die solche Benotungen begründen lassen. Es kommt aber auch mal vor, dass ein Kind nachträglich die Fehler ausradiert und mit der dann richtig

eingetragenen Lösung reklamiert, es wäre eine richtige Lösung von der Lehrerin falsch durchgestrichen worden. Zum Glück für die Kollegin gab es in dem hier zugrunde liegenden Fall ein Handyfoto der falschen Lösung – in weiser Voraussicht gemacht, da jenes Kind das bereits bei Hausübungen vorher so gemacht hatte. Ist es denn jetzt schon Aufgabe der LehrerInnen geworden, linke Touren der Kinder aufzudecken statt sich um normalen Unterricht zu kümmern? Dabei ist es oberste Pflicht der LehrerInnen und gleichzeitig vorrangiges Recht der Kinder, einen Unterricht zu gestalten bzw. zu erhalten, der sie auf das Leben vorbereitet und nicht nur Legitimation zum Selbstzweck der „Benotung“ ist. Unterricht bedeutet auch „Lernen lernen“. Eine Pflicht der Kinder ist es daher eigentlich, durch ihr Verhalten im Unterricht den für sie und ihre MitschülerInnen best möglichen Unterrichtserfolg zu unterstützen. Das tun viele, aber es gibt leider auch (viel zu) viele Kinder, die genau das Gegenteil tun. Diese Kinder, die den Unterricht durch „auffälliges“ Verhal-

Favoritner LehrerInnenzeitung

ten stören, sind meistens eher leistungsschwach. Daher ist das „Nicht aufpassen“ dieser Kinder für sie selber ein weiterer Schritt in schwächere Leistungen, weil ihnen logischer Weise wichtige Erklärungen fehlen. Diese Kinder suchen eine „Bühne“ um „Anerkennung“ zu bekommen. Durch eigene (schulische) Leistungen gelingt es ihnen nicht, daher holen sie sich die Aufmerksamkeit der MitschülerInnen durch ihr störendes (von ihnen als „cool“ eingestuftes) Verhalten gegenüber LehrerInnen und Unterrichtsablauf. Diesem Verhalten kann der gewünschte „Erfolg“ nur entzogen – und damit dem Unterricht wieder ein normaler Gang gegeben – werden, indem man den Störenfrieden die „Bühne“ entzieht. Das heißt, man müsste die Möglichkeit haben, jene drei bis fünf (die es im „Normalfall“ pro Klasse sind) Kinder in einer Kleingruppe in einem z.B. Kursraum zusammen zu setzen und ihnen dort von einer zweiten Lehrkraft den Stoff vermitteln zu lassen. Ohne „Publikum“, quasi „unter sich“ würden diese Kinder auch mit Sicherheit besser aufpassen ... Richard Cieslar April 2012


Vom „Lamourhatscher“ zum „Reiseziel“ Sprache unterliegt der ständigen Veränderung.

In unserer schnelllebigen Zeit können nicht einmal die Rechtschreibreformen auch nur annähernd Schritt halten mit den Einflüssen, die durch die Entwicklung der Technologien und des gesellschaftlichen Wandels auf unsere Sprache gegeben sind. Nicht nur die Rechtschreibung, vor allem der sprachliche Ausdruck ist natürlich immer diversen Modeströmungen unterworfen; speziell die Umgangssprache und die Mundart folgen hier den Einflüssen ihrer Zeit. Aus der Zeit, als Französisch noch als ehemalige Sprache des Adels und des vornehmen Bürgertums gegolten hat, ist der Mundartausdruck „Lamourhatscher“ als Begriff für ein Lied bzw. einen Tanz, bei dem beide Tanzpartner ausreichend Gelegenheit zu gegenseitiger Berührung vorfanden, übrig geblieben. Im Radio und im Fernsehen hört man immer wieder den Begriff „Destination“, obwohl unser sprachlicher Ausdruck dafür „Reiseziel“ sogar kürzer und jedenfalls einer größeren Anzahl von Menschen in unserem Land geläufiger wäre. Apropos „geläufig“! Viele Worte werden einfach nicht mehr verwendet. Wann haben Sie zuletzt das Bindewort „denn“ gehört oder es selbst ausgesprochen? Zwischen den Hauptsätzen hat man es oft als begründenden Zusammenhalt gefunden. Heutzutage hat das Wort „weil“ nicht zuletzt dank vieler Texter von Popsongs, vieler Politiker, vieler

Reporter, usw. auch dieses Terrain erobert, obwohl es früher nur zwischen Haupt- und Gliedsätzen zu finden war. Wie oft hört man in der Süßwarenzone kurz vor der Kassa im Supermarkt aus Kindermund den Satz: „Bitte, kann ich einen Kaugummi?“ Nein, das ist kein Druckfehler! Hier fehlt das letzte Wort des Satzes mit Absicht. Die zur Auswahl stehenden Worte „haben, essen, an den Einkaufswagen kleben, usw.“ werden einfach weggelassen, was für den Angesprochenen eigentlich eine Unzahl von Antwortmöglichkeiten bietet, wenn man sich nicht gleich auf das naheliegende „haben“ einlässt. Apropos „usw.“! Obwohl uns die moderne Informationstechnologie in immer kürzeren Zeitabständen immer schnelleren Austausch der Infos anbietet, und wir durch Emails statt Briefen und skypen statt telefonieren und, und, und, eine Zeitersparnis erleben, die wir aber nicht wahrnehmen, weil wir die gewonnene Zeit sofort wieder für ??? nutzen, verkürzen wir auch noch die Texte an sich. Mit der Anrede und den Grüßen und Wünschen am Beginn und am Ende einer Information hat es begonnen. Kaum ein Email kommt ohne die folgenden Verkürzungen aus: MfG – Mit freundlichen Grüßen; LG – Liebe Grüße; Hdl – Hab dich lieb!

Schon die nur teilweise verkürzte Form dieses Satzes, die auf das Subjekt „Ich“ verzichtet, lässt doch beim Adressaten die Möglichkeit zu, beim Lesen gedanklich ein „selbst“ einzusetzen, was den ursprünglich als Ausdruck der Zuneigung gemeinten Satz in sein Gegenteil verkehrt. Noch drastischer wirkt sich das fehlende Subjekt in der Aufforderung „Hab mich lieb“ oder „Hab mich gern“ aus, die im Grunde genommen ident ist, sich aber in unserer Wiener Sprache als der Gegensatz schlechthin eingebürgert hat. Schon gibt es Versuche, aus unseren Texten die Vokale zu entfernen, um offenbar auch einen

Apropos „Lesefähigkeit“! W i e d e r ...von Karl Sirch wurde mit großem Aufwand die Leseleistung an unseren Schulen getestet. Die Kosten für die Entwicklung und Vorbereitung der Tests und der Zeitaufwand für die Durchführung stehen meiner Meinung nach in keinem Verhältnis zum Nutzen, denn .) jeder Sprachlehrer, der seine Schüler über einen längeren Zeitraum unterrichtet, kennt die sprachlichen Stärken und Schwächen seiner Leute und ist so gut ausgebildet, dass er daraus die entsprechenden Lernstrategien entwickeln kann; .) mit dem hier eingesetzten Geld könnte die Anzahl der zusätzlichen Förderstunden endlich angehoben werden, damit in kleinen Gruppen die Leseleistung gesteigert werden kann; .) mit dem Ausbau der Schulbibliotheken, die leider großteils ein Schattendasein führen und mit dazugehörenden Aktivitäten, die natürlich auch Geld kosten, wäre den Schülern und Lehrern wohl mehr gedient, als letztlich das aus den Testergebnissen zu erfahren, was sie vorher ohnedies schon wussten!

„.n ..n.m Z..t.ngs.r-t.k.l .m St.nd.rd st.nd v.n d.r V.rl.tt.r.ng d.r Spr.ch. z. l.s.n” Beitrag zu den Sparpaketen zu leisten: „.n ..n.m Z..t.ngs.r-t.k.l .m St.nd.rd st.nd v.n d.r V.rl. tt.r.ng d.r Spr.ch. z. l.s.n” Natürlich kann man diese Entwicklung als Verlotterung der Sprache kritisieren, man sollte aber auch bedenken, dass sich Sprache im Laufe der Zeit immer wieder verändert hat und sich weiter verändern wird. Dass dabei aber auch vielleicht die Fähigkeit zum Beispiel Gedichte zu lesen abhanden kommen wird, sollte man nicht übersehen.

Liebe KollegInnen und Kollegen, werte Leserinnen und Leser!

Seit November 2011 habe ich die Funktion der GBBA-Vorsitzenden (Gewerkschaftlicher BezirksBetriebsAusschuss) des 6. IB inne und löste damit Susi Wiesinger als Vorsitzende ab. Ich bin „erfolgreich immi- Tätigkeit immer weniger wert- in den IBs, den Ländern Luzia Mayer grierte Wienerin“ (Geburtsgegend geschätzt wird und unsere Bil- und schließlich im Staate Mostviertel = G‘scherte) und seit 1988 am Ensleinplatz als Lehrerin für D, GS und Werken in Amt und „Würden“. Meine Erstanstellung erfolgte 1985 und seitdem bin ich auch Gewerkschaftsmitglied. Meine Motivation für mein Engagement basiert vor allem auf der Tatsache, dass unsere April 2012

dungspolitik und Arbeitssituation (der Sparstift lebe hoch) nur ein Kostenkalkül im Jahresbudget ist. Die fehlenden Ressourcen und die dadurch entstehenden Mehrbelastungen verhindern oft die menschliche Kommunikation und die Solidarität an den einzelnen Standorten und damit

Österreich. Der kalte Wind, der uns nun schon geraume Zeit entgegen bläst, wird sich noch zu einem Sturm auswachsen und Solidarität und Zusammenhalt ist mehr gefragt denn je. Ziehen wir uns warm an und arbeiten wir „viribus unitis“

Favoritner LehrerInnenzeitung

Seite 7


Elisabeth Tuma PV 17. IB

Eine Firewall für die Superreichen

Befragt zur aktuellen Wirtschafts- und Weltlage meinte der französische Philosoph Stephane Hessel kürzlich, das, was hier geschehe, sei „Science Fiction“ – wir sind in einer Zukunft angekommen, die Orwells 1984 längst in den Schatten gestellt und hinter sich gelassen hat. Die Banken und das Finanzkapital verursachen durch ihre Gier nach immer mehr Gewinn ein immer höheres, unkalkulierbares Risiko bei ihren Finanztransaktionen und es kommt zu enormen Finanzeinbrüchen auf den Weltmärkten. Die Folge sind Bankenrettungspakete mit dem Geld der Steuerzahler, um die Banken vor einer Pleite zu bewahren.

Die Diktatur der Finanzmärkte

Spekulationen treiben ganze Staaten (Griechenland, Irland, Portugal,...) ins vorhersehbare Elend. Immer weiter aufgeblähte „Rettungsschirme“ bewirken noch höhere Staatsverschuldungen. Gleichzeitig erlegt die Politik den Staatsbürgern Belastungspakete auf und läuft damit Gefahr, die Wirtschaftsentwicklung noch mehr zu dämpfen und somit eine noch höhere Verschuldung zu riskieren. Nicht mehr der Bürger ist das Souverän, die Finanzmärkte bestimmen die globale und nationale Politik, die Wirtschaft und damit wesentliche Lebensbereiche der Menschen. Indes wird auf den Finanzmärkten eifrig weiter gezockt – die Politik erwirkt keine nenneswerten Gesetze zur Beschränkung des Casinokapitalismus. Gewinne sind größenteils steuerbefreit , die Verluste werden an die Steuerzahler weitergegeben. Die Krise hat die Schulden explodieren lassen - nicht umgekehrt Der Anstieg der österreichischen Staatsschulden in den letzten drei Jahren um ca. zwölf Prozentpunkte (von 60 Prozent auf 72 Prozent) ist nicht auf eine unfinanzierbare Ausweitung des Sozialstaats, auf den Anstieg der Gehälter im öffentlichen Dienst, der Pensionen oder der Verwaltungsausgaben und noch weniger auf die Löhne der ArbeitnehmerInnen zurückzuführen. Der Anstieg der Staatsschulden in Österreich wie auch in der EU ist eine direkte Folge der von Banken und Finanzmärkten ausgelösten Wirtschaftskrise und der deswegen von den Regierungen über Nacht zur Verfügung gestellten Krisenpakete auf Kosten der Steuerzahler. Seite 8

Das Sparpaket als Chance für mehr Verteilungsgerechtigkeit

gen der Regierung auf internationaler Ebene und alles andere als eine ausgemachte Sache. Durchgesetzt wurden geplante Unter dem Druck der Finanz- Investitionen im Bildungsbereich märkte sah sich die österreichische und der Schutz von NiedrigpensiRegierung gezwungen, ebenfalls onen unter 1000 Euro. ein Sparprogramm umzusetzen. Die SPÖ nahm das Sparpaket Beamte und Pensionisten als Chance für mehr Veteilungs- als ewige Sündenböcke gerechtigkeit wahr und forderte der Staatsschuldenkrise vermögensbezogene Steuern. Die Kernstück der Sparpolitik ist Zielvorgabe, das Budget zu 40 eine weitere Verschlechterung bei Prozent einnahmenseitig, also über zusätzliche Steuereinnahmen zu sa- den Pensionsregelungen. Für die nieren, scheiterte an der ÖVP. Ge- PensionistInnen wird es in den nüsslich betonte ÖVP-Vizekanzler nächsten beiden Jahren aufgrund Spindelegger, dass 76,4 Prozent der Nichtabgeltung der Inflatiosrate durch Ausgabenkürzungen einge- reale Einkommensverluste geben. Für die klassische Frühpension nommen werden. werden höhere Abschläge fällig, Was durchzusetzen gelang auch der Zugang wird erschwert. Was durchzusetzen gelang im Das Antrittsalter bleibt zwar bei Bemühen die Vermögenden zur 62 Jahren, ArbeitnehmerInnen Kassa zu bitten, ist eine Vermö- müssen künftig aber mindestens genszuwachssteuer auf Immobi- 40 statt wie bisher 37 Beitragsjahre lien (welche nicht immer nur die vorweisen. Das heißt 3 Jahre länger Reichen treffen wird), ein befris- arbeiten. teter Solidarzuschlag zur EinkomUnter dem Stichwort „Penmenssteuer für Spitzenverdiener sionskonto“ verbirgt sich eine (Arbeitnehmer ab 150.000 Euro Neuberechnung der individuellen Jahreseinkommen, Unternehmer Pensionsansprüche, die Kürzunab 175.000 Euro Gewinn) und eine gen des Pensionsbezuges mit sich Reform der Gruppenbesteuerung bringt. Ein früherer Antritt wird (Steuerprivileg der Konzerne bei mit einem weiteren Abschlag von Auslandsverlusten). 5,2 % geahndet. Zudem kommen Ebenfalls bereits im Budget die akkumulierten Effekte (Erhöeingeplant hat die Regierung eine hungen unter der Inflationsrate für Finanztransaktionssteuer auf EU- 2012 und 2013 sowie die im letzten Ebene und ein Steuerabkommen Jahr vereinbarte Aussetzung der mit der Schweiz soll 2013 einmalig Pensionsanpassung im ersten Jahr eine Mrd. Euro bringen. Diese des Pensionsbezuges). geplanten Einnahmen sind jedoch Weitere Effekte werden die abhängig von Verhandlungserfol- Arbeitsmärkte betreffen: Jahrgän-

Favoritner LehrerInnenzeitung

ge um Jahrgänge, die nicht aus dem Arbeitsmarkt herauskommen (aber auch keine Lohnarbeit mehr bekommen) und Junge, die einströmen und nicht unterkommen werden. Jugendarbeitslosigkeit und Altersarmut im Schwebezustand von unmöglich gewordenem Pensionsantritt und Arbeitslosigkeit. Die am stärksten von der Kürzungspolitik betroffenen Beschäftigten sind jene im öffentlichen Dienst. Für sie soll es im kommenden Jahr eine Nulllohnrunde geben, 2014 nur eine moderate Gehaltsanpassung (ein Prozent plus Einmalzahlung) und somit einen realen Einkommensverlust. Außerdem sollen Pensionierungen nicht mehr nachbesetzt werden (ausgenommen Exekutive, Richter, Staatsanwälte, Justizwache, Lehrer und die Finanzpolizei), wodurch der Arbeitsdruck weiter steigen und die Qualität der öffentlichen Dienstleistungen sinken wird. Ein Rechenbeispiel: Im Schnitt belastet die bis 2016 befristete Erhöhung der Einkommenssteuer („Solidarabgabe“ für Besserverdienende) eine Person mit einem Bruttomonatseinkommen von € 13.000 gerade mal mit € 327 im Jahr. Öffentlich Bedienstete in den niedrigeren Lohnstufen müssen im Gegenzug mit Einkommensverlusten von bis zu € 900 jährlich rechnen. Unter „Streichung des Förderdschungels“ versteht man die Halbierung des staatlichen Zuschusses zur Zukunftsvorsorge und zum Bausparen, einer belieb-

April 2012


ten Sparform in breiten Teilen der Bevölkerung. Weitere € 5,2 Mrd. sollen von den Ländern gekürzt werden. Der gesamten Auswirkungen dieses Pakets wird man erst im Laufe der Umsetzung gewahr werden können. Weiters geplant ist eine Gesundheitsreform. Eine „Kostendämpfung“ von insgesamt € 3,5 Mrd. bis 2016 wird wohl Einschnitte, Kürzungen und Schließungen im Spitalsbereich bedeuten.

Fazit

Die Mehrheit der Bevölkerung soll wieder einmal zahlen, die Vermögenden bleiben weitgehend ungeschoren. Dabei können sich deren Vermögenswerte trotz Krise durchaus sehen lassen:

Wealth Report 2011“, Boston Consulting Group). 2011 haben die Finanzvermögen der Euro-Millionäre in Österreich um weitere 8,2% zugelegt und in den kommenden Jahren wird dieselbe Zuwachsrate prophezeit (Valluga-Vermögensreport 2011). Im Vergleich dazu hinkt die Lohnsteigerung mit durchschnittlich 0,5% pro Jahr seit über 10 Jahren nicht nur der Wirtschaftsentwicklung mit einer durchschnittlichen jährlichen Steigerung von 1,7% hinterher, sondern vergrößert darüber hinaus die Einkommensschere zwischen Arm und Reich (Quelle: www. steuerini.at). Es ist also eine Tatsache, dass die Vermögenden trotz der Krise ihre Vermögenswerte deutlich steigern konnten.

Österreich hat die höchste Superreichendichte Europas Die Reichsten in diesem Die 10 Prozent der reichsten Land bleiben praktisch ÖsterreicherInnen besitzen über 50 Prozent des Volksvermögens, ungeschoren.

weiterhin unbehelligt zu lassen unteren und mittleren Einkomund dort zuzugreifen, wo es den mensbezieherInnen weh tut. Die „Leistungspartei“ ÖVP Österreich hat, bezogen auf die Noch nie war es klarer als heute, wofür die ÖVP steht: Bevölkerung in der EU, die höchs- hat es geschafft, das leistungsPolitik für das reichste Prozent der Bevölkerung zu machen. te Superreichen-Dichte („Global lose Einkommen aus Vermögen

Die erschreckenden Ergebnisse der Studie der Uni Linz:

ein weiterer Beleg für die Reformnotwendigkeit des Bildungssystems Flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen und Bildungsverantwortung in Bundeshand statt Länder-Provinzialismus und Parteipolitik in der Schule Wie die erschreckenden Ergebnisse der Studie der Uni Linz und der Arbeiterkammer belegen, sind Reformen unumgänglich. 75.000 Jugendliche in Österreich, die keine Schule besuchen, nicht in Fortbildung sind und keiner Arbeit nachgehen, sind ein erschreckender Befund für das österreichische Bildungssystem. Univ. Prof. Bernd Schilcher, Mitinitiator der Bildungsvolksbegehren, zeigt sich erfreut, dass sich Staatssekretär Kurz dem entscheidenden Thema Bildung annimmt: “Es ist wichtig, dass die Probleme im österreichischen Bildungswesen von der Regierung erkannt werden”, so Schilcher, ergänzt aber: “Ich April 2012

glaube allerdings nicht, dass eine Erhöhung der Strafandrohung fürs Schuleschwänzen den großen Durchbruch bringt.” Vielmehr sind die Frühförderung und der Ausbau der Ganztagsschulen, wie vom Bildungsvolksbegehren gefordert, ein Gebot der Stunde. „Wir fordern daher eindringlich das Angebot der Elementarpädagogik zu vervielfachen ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen”, so Schilcher, denn, wie der Studienautor Johann Bacher treffend analysiert, „führt die noch immer übliche Halbtagsschule zu einer Bildungsvererbung im negativen Sinn.” Das Ansinnen von LH Pröll, der in einem Interview im DerStandard letzte Woche eine Verländerung des Bildungssystems gefordert hat, ist jedoch dagegen grundsätzlich abzulehnen. Denn genau diese bereits teilweise existente Länderverantwortung

hat die bestehende Schieflage im Bildungssystem bewirkt. Dabei geht es nämlich ausschließlich um parteipolitisch motivierte Personalpolitik im Schulbereich, bei der der eigentliche Unterricht - und damit die Zukunft unserer Kinder und unseres Landes - unter die Räder kommt. Schilcher dazu: “Das Bildungsvolksbegehren hat mit seinen zwölf Forderungen und dem beachtlichen Ergebnis von nahezu 400.000 Unterschriften die Richtung, in die es gehen soll, vorgegeben. Ich kann mir daher nicht vorstellen, dass Bildungsdirektionen unter der Herrschaft der Landeshauptleute der Weisheit letzter Schluss sind.” Die kursierenden Gerüchte über einen Abtauschs der Zuständigkeit des Bildungssystems mit der des Gesundheitssystems (Gesundheit zum Bund, Bildung an die Länder) sind daher als gefährliche Drohung aufzufassen. Derartige Überlegungen sind darüber hinaus auch Versuche,

Favoritner LehrerInnenzeitung

den laufenden parlamentarischen Prozess zu stören oder gar zu unterlaufen. Denn tatsächlich ist der österreichische Nationalrat jetzt am Wort. Nicht nur im eigens eingesetzten Ausschuss zum Bildungsvolksbegehren, in dem in den nächsten Wochen ausführlich diskutiert werden kann, sondern auch im Unterausschuss des Unterrichtsausschuss werden die entsprechenden Weichen gestellt und Entscheidungen getroffen. Der dort liegende, fertige Antrag zu den Bildungsdirektionen ist daher raschest in das Plenum des Nationalrats zur Abstimmung zu bringen. Rückfragehinweis: Volksbegehren Bildungsinitiative Mag. Georg Koenne, Pressereferent T: 01/3100740-24 F: 01/3100740-40 E: georg.koenne@vbbi.at W: www.nichtsitzenbleiben.at Seite 9


Werter Gast, heute muss ich dir etwas ganz Persönliches berichten: Ich fürchte mich manchmal vor mir selbst, es handelt sich dabei um unvermittelte Anwandlungen von Zorn! Diese Zustände bekomme ich meist, wenn ich Sendungen im ORF – meist Diskussionen – verfolge und oftmals auch, wenn ich Zeitungen lese. Ich bekomme Krämpfe bei den Begriffen BISTA, Lesetest, Mathematiktest, BIFIE, Unterrichtsministerium und Bundesministerium f ür Frauen und öffentlicher Dienst. Ich frage mich, ob dieser Zustand ein ernsthaftes K rankheitsbild, Alterscholerik oder berechtigtes Aufregen ist. Lies nun weiter und entscheide selbst! Ich finde in letzter Zeit die verschiedensten Paradoxa: l Man soll Schülern gleiche Chancen bieten, aber wenn ich daran denke , dass nach dem Modell der NMS alle Schüler – egal welches Volksschulzeugnis sie hatten - nach den Bestimmungen des Realgymnasiums beurteilt werden sollen, frage ich mich, wie es gewesen wäre, wenn man mich in der AHS – Oberstufe nach den Kriterien der Uni beurteilt hätte. Vielleicht hätte ich die Matura heute noch nicht! Später soll der Lehrer die Eltern davon überzeugen, dass es doch günstiger wäre, den Schüler nach den Kriterien der Hauptschule zu beurteilen. Die Eltern müssen dem Vorschlag zustimmen; und wenn nicht …. Ich weiß heute schon, dass diese Situation in zahllosen

Christine Sirch:

G e s pr ä che n und haufenweise Papier enden wird. Vielleicht werden einige von uns Lehrern i rge ndwa n n das Handtuch oder einen Papierstapel werfen, da wir unsere Zeit für andere Dinge benötigen. Außerdem entbehrt dieser Gedankengang nicht einer gewissen Realitätsferne.

Aus der Schulküche geplaudert... In der Regierungsvorlage zur NMS ist aber vermerkt, dass besonderes Augenmerk auf Individualisierung und Begabungsförderung gelegt werden soll – würde der Idee von Markus Hengstschläger entsprechen. Aber w ie gehe n Individualisierung und standardisierte Tests zusammen? l Zum Thema „Zentralmatura“, die mich ja nun zum Glück weder als Lehrer noch als Mutter (Kinder zu alt) etwas angeht, habe ich mich über zwei Dinge sehr gewundert: a) Über eine öffentliche Berichterstattung, die Zweifel an der fairen Durchführung in zwei Jahren hatte. Es wurden sogar „normale“ Lehrer interviewt und nicht nur „Experten“. b) Und über die Aussage von Frau BM Schmied: „Die Schüler und die Lehrer werden und müssen es schaffen.“ Hat sich eigentlich schon irgendjemand überlegt, warum Lehrer ganz oben im Feld, der von einer depressiven, körperlichen und emotionalen Erschöpfung (Burn - out) Betroffenen stehen? l Und nun zu meinem Zorn bezüglich des Frauenministeriums: Es ist richtig, dass ich in einem Beruf arbeite, in dem Frauen und Männer für gleiche Arbeit gleiche

Ich bekomme Krämpfe bei den Begriffen BISTA, Lesetest, Mathematiktest, BIFIE, Unterrichtsministerium und Bundesministerium für Frauen und öffentlicher Dienst.

Seite 10

Meine Aufgabe als Lehrer zum Thema „Chancengleichheit“ scheint mir die zu sein, dass meine Schüler fähig werden zu erkennen, was ihre Stärken und Schwächen sind. Sprich, dass er/sie vermutlich als Lehrling besser aufgehoben sind, als in einer weiterführenden Schule, aber wenn er nach AHS – Lehrplan beurteilt wird, gerate ich wahrscheinlich in Argumentationsnotstand. Nun habe ich die Schüler vorerst in einen intellektuellen Himmel gehoben, an dem sie vermutlich nur kratzen werden und dann werden sie „standardisiert“ getestet… l Die Ergebnisse teilen ihnen nun mit, dass sie nur unzureichend lesen können und wahrscheinlich auch nur mangelhafte Kenntnisse in Mathematik haben. (Das ist eine prophetische Annahme ;-)) Irgendetwas passt hier nicht! Diese Tests sind standardisiert, also gleich für alle…

Favoritner LehrerInnenzeitung

Entlohnung bekommen und es ist mir durchaus bewusst, dass das in vielen Berufen nicht so ist. Hier ist nun der „Hund begraben“. Vielleicht sollte sich das Frauenministerium darum kümmern, dass alle Frauen gleiches Geld für gleiche Arbeit bekommen. Aber als Lehrerin war ich immer „gleichberechtigt“, auch was mein Pensionsalter angeht. Wenn nun die große Diskussion um die Angleichung des Pensionsalters der Frauen angeht, möchte ich einmal hören, dass ich als Lehrerin erst mit 65 in Pension gehen kann. Wenn ich einen früheren Pensionseinstieg in Anspruch nehmen möchte, geht das erst nach 38 – 40 Dienstjahren (je nach Jahrgang) und vermutlich ca. 15% Abschlägen. Weibliche Lehrer hatten auch Kinder und vielleicht eine Doppelbelastung. Wenn Frau Minister Heinisch – Hosek dann meint: „Ihr hattet ja den Vorteil, ihr ward pragmatisiert“ weiß ich nicht, was das mit meinem Arbeitsaufwand zu tun hat und mit der fraueninternen Gleichberechtigung. Es gab dann noch ein zweites Argument, das da lautete: „Ihr habt ja immer so viel verdient wie die Männer.“ Da bleibt einem ja wohl die Spucke weg! Da ich meine Kräfte schonen muss, um das Pensionsalter einigermaßen gesund zu erreichen, wird heute nicht gekocht!

April 2012


Ganztagsvolksschule 1100 Wien, Jagdgasse 23 Zweijahresprojekt: „Durch Bewegung leichter lernen“

Im Frühling 2011 startete die Volksbank gemeinsam mit dem Stadtschulrat den Aufruf an alle Wiener Volksschulen, Schul- und Unterrichtsprojekte im Bereich der Bewegungsförderung einzureichen. Das passte für unsere Schule wunderbar, hatten wir doch im Herbst beschlossen ein zweijähriges Projekt mit dem Titel: „Durch Bewegung leichter lernen“ durchzuführen.

shops mit „bewegtem“ Inhalt. Schließlich waren auch die letzten Sportmuffel restlos davon überzeugt, wie bereichernd Bewegung im Lernalltag ist und einer erfolgreichen Durchführung stand nichts mehr im Weg. Wir Volksschullehrer/ Innen decken zwar bekanntlich eine enorme Bandbreite bei der Wissensvermittlung ab, es gibt jedoch Bereiche, bei denen es sinnvoll ist, Experten hinzuzuziehen. J Genau das taten wir und luden Sportvereine und „bewegende“ Eltern ein, Schnupperstunden bei uns durchzuführen. Es gab Tennisstunden, Judoeinheiten, Yoga, Bogenschießen und sogar Golf. Trotz dieser zum Teil für die Kinder völlig neuen Sportarten musste unsere Schulärztin keine Um gut gerüstet zu sein, be- Überstunden machen. suchten wir Fortbildungen und Es wendet sich sogar das Blatt veranstalteten SCHILF Workund wir stellen fest, dass die Kin-

April 2012

der immer sicherer werden und das Coolpack im Tiefkühlfach schon fast überflüssig ist. Natürlich kann so ein Projekt nur dann gelingen, wenn auch der außerschulische Bereich nachhaltig mit einbezogen wird. Aus diesem Grund ist uns die gute Zusammenarbeit mit den Eltern ein besonderes Anliegen. Wir versuchen sie sooft und so viel wie möglich mit einzubeziehen, zu informieren und gemeinsam viele „bewegende“ Momente zu schaffen. Um uns von der Nachhaltigkeit des Projektes zu überzeugen, ließen wir es von der Pädagogischen Hochschule evaluieren: das Ergebnis zeigte eindeutig einen Zuwachs an Sicherheit, messbar am Gleichgewichtssinn. All das hat uns dann im Juni 2011 den Hauptpreis in der Höhe von 1500€ beschert und Frau Dir. Bertoli-Parlow, die Schülervertreter und einige Elternvertreter nahmen mit viel Stolz den Scheck entgegen.

Favoritner LehrerInnenzeitung

Wir freuen uns sehr über diesen Preis und haben bereits begonnen mit dem Geld neues Material für unsere Bewegungsoffensive kaufen.

(Und bei so einer Summe können wir Lehrer auch locker die Werbung der Volksbank: „Mit V wie Flügel“ hinnehmen J!) Sabine Ludwig-Szendi, Klassenlehrerin 3b

Seite 11


Hotel Bergkristall Wildalpen

Ihr Juwel im Salzatal

Restaurant - Seminar - Freizeitgenuss

Unser Angebot: • Begrüßungsgeschenk am Zimmer • 4 Übernachtungen im komfortablen Zimmer, ausgestattet mit Bad/WC, TV und Balkon • Inklusive Bergkristall Pension: Kristall Frühstücksbuffet, Abends (Buffet oder Abendmenü mit 3 Gang Wahlmenü ) Salat- und Käseauswahl, Wildalp Quellwasser • 1 Hochsteirischer Rucksack gefüllt mit Spezialitäten aus der Region für einen Wanderausflug • 1 geführte Rafting oder Kajaktour auf der wildromantischen Salza • Freie Benutzung der Wellnessabteilung „Salzaoase“ • 1 Tankgutschein im Wert von € 15,-- bei der örtlichen Tankstelle „OIL“

ERÖFFNUNGSANGEBOT

4 Tage BL EIBEN und 3 Tage ZA HLEN

HOTEL BERGKRISTALL WILDALPEN

269,-

„4 Tage BLEIBEN und 3 Tage ZAHLEN“ im neuen Hotel Bergkristall Wildalpen …Ihr Juwel im Salzatal zum Eröffnungs - Preis von € 269,-- pro Person.

Das Angebot bitte buchen unter: info@hotelbergkristall-wildalpen.at (Das Angebot ist gültig bis Ende Oktober – je nach Verfügbarkeit !)

Wir freuen uns auf Ihren Besuch !

Das Bergkristall Team


FLZ 12 04