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Unser nächstes Ziel war Mariefred. Kurt Tucholskys „Schloss Gripsholm“ steht hier und die älteste Museums-Eisenbahn Schwedens fährt ihre Runden. Auf Eisels Wunsch machten wir einen Abstecher nach Stockholm zu einer Rathausführung, einer italienischen Pizza und einem Blick aufs königliche Schloss, bevor wir weiter nach Horndal fuhren, unserem Ziel von 1996. Hier war die Magie von vor 20 Jahren verblasst, niemand erwartete uns: Erinnerungen können verschieden sein. „ Our memories are not the same as yours“ hatte ich als Antwort auf eine Kontaktanfrage bekommen. Auf dem weiteren Weg nach Värmland kamen wir zufällig nach Ludvika, in die Bar „Tant Selmas“, wo bei unserer Ankunft zwei hervorragende Blues-Gitarristen ihr Konzert begannen: Mojo Moon (www.mojomoon.se). Ein unvergesslicher Abend. Unser nächstes Ziel war Munkfors in Värmland. Dort lebt eine ehemalige Darmstädterin, die mit ihrem Mann vor 20 Jahren nach Schweden ausgewandert war. An zwei wunderschönen, herzlichen Tagen viel über Schweden und über Deutschland gelernt. In Göteborg fotografierten wir den 245er neben dem brandneuen Volvo V90. Nachmittags folge ich einer Einladung nach Trollhättan zu einem Oldtimertreffen und bekomme eine interessante Führung durch die alten Schleusenanlagen. In Malmö waren wir bei Jenny Mark Ketter und Clay Ketter eingeladen, die ich 1996 mit Fanny, ihrem ersten Kind fotografiert hatte. Fanny ist nun die älteste der drei Töchter, studiert Kunst und arbeitet als Schauspielerin. Ich erzähle, dass IKEA Deutschland meine Reise unterstützt und es stellt sich heraus, dass Fanny Ketter (S. 36) eine der Hauptrollen in der norwegischen IKEA-Komödie „Kill Billy“ spielt.

Fehmarnsundbrücke. Erstaunt sind wir über die AutobahnRaserei in Deutschland, Eisel glaubt nicht, dass es wirklich alle so eilig haben können. Einmal noch übernachten wir in der „Pension Volvo“ und am nächsten Tag sind wir nach 4.007 km Fahrt und drei Wochen Reise wieder in Darmstadt. Der Volvo hat seinem Namen (volvo, lat.= ich rolle) alle Ehre gemacht und außer Benzin nur eine Sicherung und einen neuen Scheibenwischer benötigt. Es war eine tolle Reise und es ist wunderbar, wieder zu Hause zu sein. Eisel ist bis zum Schluss dabei geblieben. Am Anfang war es für mich schwer, von der Vielfalt an Kommunikationskanälen, die ich für das Crowdfunding bedienen musste (Webseite, Facebook, Flickr, Twitter, Fotocommunity, Instagram, Pinterest, Startnext, Notebook, Smartphone, Excel, WhatsApp, Presse, Post, E-Mail, Telefon), herunterzuschalten auf den Blick durch die Autoscheibe und die Mattscheibe der Kamera, auf die Landkarte und das Gespräch mit meinem Mitfahrer. Auf einem einsamen Parkplatz in Schweden ein Sandwich, einen Tee und ein Buch rausholen und im Campingstuhl lesen, das war wunderbar. “Ich mag mich nicht dem Materialismus verschachern, aber ich fühl mich wohl in einem Auto. Einfach fahren, bewegen, dahinrollen, weggleiten von einem Ort. Nicht so sehr irgendwohin, aber irgendwoweg, sich wegbewegen, schnell fahren, während man bestimmte Songs hört. Mit anderen Wagen auf der Straße sein und sich vorstellen, wer drinsitzt und wohin sie wollen.” schreibt James Simon Kunen in „Erdbeer Manifest, Notizen zur Columbia Revolte“ (Darmstadt, März Verlag, 1969). Christoph Rau, November 2016

Nach einer weiteren Nacht in Malmö machen wir uns auf den Heimweg über die Öresundbrücke, die Fähre und die 6|7

Profile for CHRISTOPH RAU PHOTOGRAPHIE DARMSTADT

Schweden Revisited 1996 + 2016  

Fotobuch zum Crowdfunding-Projekt von Christoph Rau Mit einer analogen Hasselblad-Kamera, einem Volvo-Oldtimer, Landkarten, Musik-Kassetten...

Schweden Revisited 1996 + 2016  

Fotobuch zum Crowdfunding-Projekt von Christoph Rau Mit einer analogen Hasselblad-Kamera, einem Volvo-Oldtimer, Landkarten, Musik-Kassetten...

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