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Das Haingericht Es sollte 100 Jahre dauern bis sich Hambach und die Region von dieser Katastrophe erholt hatte. Bauern aus dem alpenländischen Raum, der vom Krieg weniger betroffen war, wurden gezielt zur Besiedelung des Odenwaldes angeworben. Hambach erlangte mit der Zeit eine gewisse Selbstständigkeit, so sind zum Beispiel Bürgermeister oder Schultheiße (also „Scholze“) und die Abhaltung von sogenannten Haingerichten dokumentiert. Die Bürgermeister dieser Zeit kann man aber am ehesten mit den heutigen Ortsvorstehern und das Haingericht mit dem Ortsbeirat vergleichen. Immerhin aber sind Kassenbücher aus der Zeit des 18. Jahrhunderts erhalten geblieben, wonach, im Gegensatz zu heute, das Haingericht (also der Ortsbeirat) zumindest finanziell einen gewissen Spielraum hatte. Die Zeit der Selbstständigkeit Mit Napoleon änderte sich, wie bereits angedeutet, die politische Landschaft sowohl auf europäischer als auch auf kommunaler Ebene. Durch seine Eroberungsfeldzüge verlegte der Feldherr die Französische Grenze bis zum Rhein. Der Fürstbischof von Mainz musste fliehen und verlegte seinen Sitz nach Aschaffenburg. Aber auch das war nur ein Zwischenspiel, da mit dem Reichdeputationshauptschluss 1803, dem letzten Akt des Heiligen Römischen Reiches, die Säkularisierung der bisherigen Fürstbistümer, darunter auch Mainz, beschlossen wurde. Heppenheim und damit Hambach kam im Zuge dessen zu Darmstadt und war von nun an − und das bis auf den heutigen Tag − hessisch.

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850 JAHRE HAMBACH - Spuren der Vergangenheit  

Über 800 Jahre gaben Mühlen und Bauernhöfe Hambach seine Identität, die es zuletzt in nur 50 Jahren verloren hat. Heute gibt es nur noch Spu...

850 JAHRE HAMBACH - Spuren der Vergangenheit  

Über 800 Jahre gaben Mühlen und Bauernhöfe Hambach seine Identität, die es zuletzt in nur 50 Jahren verloren hat. Heute gibt es nur noch Spu...

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