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Aus Liebe zum Detail - warum Perfektionismus glücklich macht Perfektion ist keine Krankheit. Wer den Willen zur Perfektion hat, der hat auch einen Willen. Den braucht es, um Dinge und Ziele anzupacken und umzusetzen. Mit einem Blick für das, was einem persönlich als Wesentlich erscheint. Perfektionismus wird zum gesundheitsgefährdenden Schreckgespenst. Der übertriebene Wille zur Perfektion sei daran schuld, dass Menschen unter stressbedingter Erschöpfung leiden. „Daher soll der eigene Perfektionismus kritisch analysiert und gegebenenfalls reduziert werden“ Jaggi, S.23 . Stress sei „hausgemacht“, denn wer überhöhte Ansprüche an das Leben stelle, dürfe sich nicht beschweren, wenn er enttäuscht wird. Überhaupt führe eine Vermengung von Stress, Burnout und Depression zu einer Verharmlosung von echten Krankheiten wie Depression. „Stress, gelegentliche Überforderungen, Trauer sind Teil des oft auch bitteren und schwierigen Lebens und müssen nicht medizinisch behandelt werden“, Pressemitteilung Deutsche Depressionshilfe, 2011. Man soll weniger wollen und sich in Bescheidenheit üben. Denn schließlich sei das Leben kein Wunschkonzert. Und prinzipiell würde es dem Menschen an Demut und Anspruchslosigkeit fehlen. Verzicht auf Perfektion ist ein Verzicht auf Qualität Aufgrund solcher Ratschläge versuchen manche Menschen sich zur Perfektionslosigkeit zu zwingen. Ohne eigentlich zu wissen, auf welche Qualität sie genau verzichten. Und ohne den Unterschied zwischen Perfektionismus und Leistungsanspruch zu kennen. Wem die Liebe zum Detail das A und O im Leben ist, wie kann da der Verzicht auf Perfektion gesundheitsfördernd sein? Welche Folgen hat das für das seelische Wohlbefinden, wenn das Leben nicht mehr schmeckt, weil das Salz in der Suppe fehlt? Wenn man bei allem, was man tut, die innere Handbremse zieht, aus Sorge vor Perfektion? Und wie soll ich mein Leben in Fülle gestalten und genießen, wenn mir das Tüpfelchen auf dem I fehlt? Viele Programme zur Stressreduktion greifen in die persönlichen Ressourcen des Menschen ein. Es wird reguliert, geformt und strukturiert. Sogar der Sinn des Lebens wird auf diese Weise rein funktional betrachtet und behandelt. Und ehe man es sich versieht wird der Sinn folgendermaßen beschrieben: „Wir bewegen uns jetzt auf der Ebene Ihrer grundlegenden Lebensorientierung, man könnte sagen in Ihrem Betriebssystem und nicht in der Software“. Lauterbach, 38, 2008. Am Ende geht es doch immer um Leistung und Funktion. Die Individualisierung ist nicht die alleinige Ursache für Stresserkrankungen. Auch Arbeitsverdichtung, ein höheres Informationsaufkommen und eine höhere Zeittaktung können nicht hinreichend erklären, warum so viele Menschen an einer tiefgreifenden

copyright 2011: Dipl.-Psych. Christina Zimmermann www.cor-institut.com 0176-64677774


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Erschöpfung erkranken. Allein ein Leben in Liebe, Güte und Dankbarkeit, wie es mancherorts als heilbringender Weg zur Gesundheit angepriesen wird, ist nicht hilfreich. Heimliche Schlauheit macht krank Heimlich schlau zu sein erschöpft. Es ist der Mangel an Perfektionismus, der traurig macht. Die vermiedene Auseinandersetzung mit den Dingen, die man liebt, führen dazu, dass Menschen sich tiefgreifend erschöpfen. Im Akt der Perfektion kommt die ganz persönliche Seite eines Menschen und sein gestalterischer Wille zum Ausdruck. Er gibt einer Sache damit seine ganz persönliche Note. Das A und O, das Salz in der Suppe, das Tüpfelchen auf dem I: Perfektionismus ist eine übergeordnete Ressource, die sich in der Liebe zum Detail zeigt. Wenn ein Schriftsteller mit dem letzen Satz seinen neuen Roman beginnt, hat er mit diesem „krönenden“ Abschluss schon den ganzen Arbeitsweg vorweg genommen. Ohne die ganze Geschichte bereits zu kennen, weiß er nun wofür es sich lohnt die kommenden Mühen und Freuden auf sich zu nehmen. Die Ressourcen von Perfektionismus sind: zu wissen, was man will einen Antrieb zu spüren, das Ziel unbedingt erreichen zu wollen bereit zu sein Mühen auf sich zu nehmen auch wenn es mal nicht gut läuft, weiter zu machen Fehler als Quellen des Lernens zu begrüßen eine „große“ Idee oder einen „großen“ Wurf in Gedanken zu verfolgen immer bereit zu sein, dazu zu lernen sich neugierig Kompetenzen anzueignen, die zum Ziel führen könnten auch das Ziel neu benennen und justieren zu können mit und an den Aufgaben zu wachsen sich für das eigene Können zu begeistern

Jaggi, Ferdinand: Burnout-praxisnah, Thieme 2008 Pressemitteilung der Deutschen Depressionshilfe, 02.11.2011: Fünf Gründe gegen das Modewort Burnout, http://www.deutsche-depressionshilfe.de/ Lauterbach, Matthias, Einführung in das systemische Gesundheitscoaching, Carl Auer 2008

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