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St端ck: Paul Steinmann Regie: Stefan Camenzind

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Freitag, Billette unter h c guetebonjour.

FREILICHTSPIEL WINTERTHUR 11. JULI BIS 15. AUGUST 2014 guetebonjour.ch

Lindwiese beim Stadthaus

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Hauptsponsorin


Wir gratulieren Winterthur zu 750 Jahren Stadtrecht und wünschen viel Spass und gute Unterhaltung. Weil uns die Bevölkerung am Herzen liegt, unterstützen wir den Verein Winterthur750 und die zwei Projekte «Freilichtspiel Guete Bonjour!» sowie «Winterthurer Rundweg».

Mehr unter www.zkb.ch/sponsoring

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Editorial Herzlich Willkommen!

«Guete Bonjour!» – Die Franzosen in Winterthur spielt kurz nach der Französischen Revolution, als Winterthur von rund 12 000 Soldaten der französischen Revolutionsarmee belagert war. Das beschauliche Städtchen wird plötzlich Teil der Geschichte. Die, die unten waren, sind plötzlich an den Hebeln der Macht. Der franzö­ sische Charme umgarnt die feinen Damen und Herren von Winterthur und bringt einen Hauch Paris in die Stadt. Ein grossartiges Schauspiel, das mit enormer Spielfreude von über 300 Laiendarstellern und freiwilligen Helfern lustvoll präsentiert wird. Witzig, charmant, ironisch und geistreich – ein Stück unbekannter Winterthurer Geschichte. Während mehr als einem Jahr haben viele Frei­ willige unter professioneller Leitung am Gelin­ gen des Projektes mitgearbeitet und sind nun stolz, Ihnen, sehr verehrte Theatergäste. «Guete Bonjour!» auf der Lindwiese hinter dem Stadt­ haus Winterthur zu präsentieren. Tauchen Sie ein und lassen Sie sich in eine andere Welt ent­ führen. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen und eben «Guete Bonjour!» Geschichte mit Charme zwischen Kulturen, Hoffnung und Macht

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Gespräch mit Regisseur Stefan Camenzind

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Informationen zum Spielgelände Lindwiese

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Winterthur und die Helvetische Republik

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Spieldaten und Billette

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Und so kommen Sie hin

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Enrico Giovanoli Gesamtleiter


Guete Bonjour! – Die Franzosen in Winterthur Geschichte mit Charme zwischen Kulturen, Hoffnung und Macht sich. Eine gewisse «Weltläufigkeit» hält Ein­ zug und vor allem müssen – so der Wille der Besatzer – die Ideale der Französischen Revo­ lution im konkreten Alltag umgesetzt werden. Plötzlich soll «das Volk» etwas zu sagen ha­ ben, auch wenn es beim Regieren noch auf die Erfahrung des «Stadtadels» angewiesen ist. Während die Frau von General Serras den Winter­thurerinnen französische Kultur beizu­ bringen ver­sucht, will der 16-jährige Sohn von Schuhmacher Jäggli unbedingt Soldat bei den Franzosen werden.

Als im Jahr 1789 in Paris die Französische Revolution das alte Macht- und Regierungssystem wegfegt, denkt man in Winterthur wohl kaum daran, dass die Nachwirkungen eben dieses Ereignisses auch einmal die kleine Stadt im Zürcher Herrschaftsgebiet betreffen würde. Gut 10 Jahre später machen sich hier viele Menschen – vor allem auf dem Land – Hoffnun­ gen, dass sich auch in der Alten Eidgenossen­ schaft etwas bewegen könnte. Von solchen Vorgängen und Plänen erzählt zu Beginn des Stückes «Guete Bonjour!» der Poli­ tiker und Schriftsteller Ulrich Hegner dem

Andy Felchlin, Heiri de Schnori «Ich habe schon beim ‹Dritten Gleis› schöne Erfahrungen in der Zu­ sammenarbeit mit dem Team gemacht. Als das Casting ausgeschrieben wurde, war für mich klar, dass ich wieder dabei zu sein wollte. Die Rolle als Chef-Bettler passt perfekt zu mir.»

Winterthurer Schuhmacher Johann Jakob Jägg­ li, der mit einem Gesellen seinen Handwerks­ betrieb über Wasser zu halten versucht. Jäggli ist fasziniert von dem, was er hört, und bietet Hegner an, seine Schuhe nicht mit Geld, son­ dern mit Berichten und Analysen aus der gros­ sen weiten Welt zu bezahlen. Mitten in einer solchen Geschichtslektion überstürzen sich dann die realen Ereignisse: Winter­thur wird selber ein wichtiger Teil der helvetischen Geschichte und Politik. Französi­ sche Soldaten unter General Serras schlagen hier ihre Zelte auf und das Leben in der be­ schaulichen Stadt an der Eulach verändert

Elvina Bonfa, Soldat «Das Mitmachen an so einem grossen Projekt macht einfach viel Freu­ de und bringt viele neue Bekanntschaften. Ich spiele einen Soldaten und werde so ins 18. Jahr­ hundert zurückversetzt.»

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Die Zeit, in der die Franzosen in Winterthur sind, ist hart. Es gilt viele Menschen und Tiere unterzubringen und zu ernähren. Die Bettler werden nicht weniger und die Verarmung der Bevölkerung nimmt zu. So ist es nicht verwun­ derlich, dass die Forderung der französischen Armeeführung, den Soldaten und Offizieren 12 000 Paar Stiefel zu liefern, auf Widerstand stösst. Doch die Franzosen bleiben hart. Nun sind Schuhmachermeister Jäggli und seine Kollegen von der Schusterzunft gefordert.

Die Musik: Mehr als Begleitung Die Musik zum Freilichtspiel «Guete Bonjour!» spielt – wie die Inszenierung auch – mit ver­ schiedenen Zeitebenen, mit dem Genreplura­ lismus, dem Mittel der Überhöhung, mit musi­ kalischen Zitaten und einer guten Prise Humor. Sie wird live gespielt von einem Trio, beste­ hend aus Cello, Schlagzeug/Xylophon und Pi­ ano/Electronics. Wie ein blau-weiss-roter Fa­

Cristina Falisi, Verena Koller «Mitzuerleben, wie ein solches Theater entsteht, ist extrem spannend, und die Proben machen immer viel Spass. Zu den bereits bekannten lernt man viele neue Leute kennen und wird so zu einer grossen Familie.»


den zieht sich die Melodie der französischen Nationalhymne (Marseillaise) durch die Kom­ position, mal in Fragmenten, mal gross orches­ triert, als wäre sie der Soundtrack zu einem Computerspiel. Leichtfüssige musikalische Zitate sollen zum Schmunzeln anregen. Wer will, kann militäri­ sche Signale, Nationalhymnen oder Referen­

Einzelne wiederkehrende Elemen­te wie die Schuhmacherwerk­statt, der Salon von Ma­dame Serras oder der Guckkasten erhielten leitmoti­ visch an­gelegte Melo­dien, die den Zuschauer «am Ohr nehmen» und durch die Inszenierung führen.

Die Projektion: Video- und Lichtdesign Bei «Guete Bonjour!» verschmelzen Fiktion und Realität. In den Visionen von Madame Serras wird der Zuschauer mitgenommen in die grosse weite Welt, nach Paris, nach Versailles. Mit Hilfe von Video- und Lichtdesign wird die Pro­ jektion in den Dienst der Insze­ nierung und Dra­ ma­turgie gestellt, um dem Publikum etwas Spezielles und Magisches zu bieten. Sie dürfen sich auf ein Frei­ licht spek takel der besonderen Art freuen und un­ vergessliche Momen­ te zwischen rea­ler Geschichte und romantischer Träumerei erleben.

zen an die «Eroica» von Ludwig van Beethoven und die «Histoire du Soldat» («Die Geschichte vom Soldaten») erhaschen, ein Musiktheater, das der russische Komponist Igor Strawinsky in Zusammenarbeit mit dem Waadtländer Dichter Charles-Ferdinand Ramuz 1917 schuf.

Doris Hoffmann, Madame Sulzer «Ich spiele gerne Thea­ ter, und die Teilnahme am Freilichtspiel ist im­ mer eine spezielle Er­ fahrung. Vom Chaos zur erfolgreichen Premiere – eine anstrengende Phase, die verbindet und unglaublich Spass macht!»

Sibylle Walder, Martha Sulzer «Als Neu-Winterthure­ rin und leidenschaftli­ che Theaterspielerin ist ‹Guete Bonjour!› ein su­ per Einstieg in diese schöne Stadt. Man er­ lebt eine strenge und lehrreiche Zeit zusammen, und ich freue mich nun auf viele begeisterte Zuschauer.»

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Basil Scheck, Ziegler «Als Rentner geniesse ich das Zusammenspiel mit so vielen Theaterbe­ geisterten, mit dem Ziel unserem Publikum tolle Momente und Aha-Erleb­ nisse zu schenken. Als Ratsvorsitzender Ziegler kann ich an meine Rolle im ‹Dritten Gleis› anknüpfen.»


Lassen Sie sich verwöhnen! «Guete Bonjour!» ist nicht nur auf der Bühne ein schönes Theater! Wir haben auch kulinarisch einiges drauf. G ­ eniessen Sie französische Leckereien in unserer ungezwungenen «Soldatenstube» oder ein feines Galadiner in der «Offiziersmesse».

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SACKST RK Mit Ihrer Hilfe konnten die Freilichtspiele und das Schuhhaus Walder 16‘000 Paar alte Schuhe sammeln. Lassen Sie sich überraschen, wo Sie die Schuhe im Theaterstück „Guete Bonjour“ wiederfinden. Wir wünschen Ihnen viel Spass dabei!

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Im Spannungsfeld der Gegensätze Gespräch mit dem Regisseur Stefan Camenzind (37), den WinterthurerInnen bestens bekannt aus der Produktion «Das dritte Gleis» im 2009, konnte auch wieder für «Guete Bonjour!» gewonnen werden. Mit seinen herausragenden Qualitäten als Freilichtspielregisseur versteht er es, ein Team von über 100 LaienschauspielerInnen zu motivieren und auf ein Thema einzuschwören. In wenigen Tagen ist die Première und erwartet werden über 20 000 Zuschauer. Ein Grossprojekt. Was fasziniert Sie an der Helvetik bzw. an der Besetzung Winterthurs durch die Franzosen? Als ich mich mit der historischen Recherche befasste, musste ich oft lachen. Nicht lachen über die historischen Geschehnisse. Nein! Das war zuweilen ein Graus! Viel mehr ein Lachen über mein eigenes Unver­mögen, die ganze damalige europäische Gesamt-Situation als NICHTHistoriker irgendwie zu fassen zu kriegen: Die Franzosen kamen, sie gingen wieder, die Österreicher kamen, dann die Russen, dann wieder die Franzosen ... Am Ende blieb niemand so wirklich. Insofern liegt meine Faszination am Stoff in der Tat an diesem persönlichen Unvermögen, überhaupt zu verstehen, was Sache war. Wie weit sich Gegensätze von Ideologien, politischer, kultureller und nicht zuletzt wirtschaftlicher Natur verbinden lassen, oder eben auch abzulehnen beginnen. Dieses Spannungs­feld scheint mir für «Winterthur und die Franzosen» fast schon exemplarisch.

Denis Perrinjaquet, Adjutant Cherp «Ich freue mich riesig, ein Teil dieses grossen Ensembles zu sein. Da ich in Auvernier am Neuenburgersee aufge­ wachsen bin, brauchte ich Überwindung, am Casting teilzunehmen. Im Nachhinein bedau­ re ich das nicht und ermuntere jeden, an ei­ nem solchen Erlebnis teilzunehmen.»

Welche besonderen Herausforderungen und Chancen ergeben sich durch die Zweisprachigkeit (Französisch/Deutsch) des Stücks? Das war und ist eine der lustvollsten Chancen des Stücks: Mit sprachlichen Brücken und auch Barrieren zu arbeiten im Sprechtheater, ist ein grosser Genuss. Da wird das Theater auch als Kommunikationsform seinem Ursprung vollkommen gerecht. Sie haben bereits beim Freilichtspiel «Das dritte Gleis» im Bahnhof Töss Regie geführt. Worin unterscheiden sich die beiden Inszenierungen? Zum ersten ästhetischer Natur. «Das dritte Gleis» war wohl näher am Begriff «Landschaftstheater». Weil der Spielort an sich mit dem Stück einherging. Eine Art authentischer Naturalismus hat sich durch diesen kleinen, wenig frequentierten und auch etwas in die Jahre gekommenen Bahnhof Töss sehr schön ergeben. «Guete Bonjour!» hat eine andere Ausgangslage: Eine räumliche Ästhetik musste erst mal erfunden werden. Das Spielgelände lässt den besagten authentischen Natura­ lismus nicht zu. Das liegt aber nicht an der Auswahl des Spielgeländes, sondern vielmehr an der inhaltlichen Ausgangslage. Denn «Franzosen in Winterthur» kann man – etwas zugespitzt –auch im Tessin behaupten. Insofern ist «Guete Bonjour!» eher eine Form von Aida auf dem Bodensee als ein Vreneli auf dem Ballenberg.

Marie Burkhardt, Madame Serras «Quand un ami m’a dit que le Freilichtspiel Théatre cherchait des comédiens avec un ac­ cent français, je n’ai pas pu faire autrement que participer au casting. Dans ‹Guete Bonjour!› je joue Madame Ser­ ras, la femme du général, qui veut apporter la culture française à Winterthur.»

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Petra Le Poidevin, Jakobee Meier «Ich spiele die Frau des Schuhmachers mit dem grössten Bart. Weil der allerdings lieber mit einer anderen Frau tanzt als mit mir, bin ich zur Lese­ ratte geworden. Ich lebe seit 26 Jahren in Winterthur und gehöre zu den ‹alten Hasen›, habe ich doch schon bei ‹Fride­ büüte› und dem ‹Dritten Gleis› mitgespielt.»


Spielgelände Lindwiese Information Tribüne für jedes Wetter Die imposante Tribüne bietet Platz für 1264 Zuschauer. Das Dach schützt auch mal vor einem Sommerregen. Trotzdem ist es ratsam, sich der Witterung entsprechend anzuziehen.

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Soldatenstube Nehmen Sie sich Zeit für ein gemütliches Abendessen unter Freunden. Es erwartet Sie ein reichhaltiges Angebot an Grilladen, Salaten und sonstigen Köstlichkeiten. Ungezwungener Zugang mit Selbstbedienung. Ab 18 Uhr für Sie geöffnet.

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Laufende Projekte: stadtliebe.ch – Der Erinnerungsblog Stadtväter, Stadtmütter Win750 Fotowettbewerb Winterthur. Lust auf Kunst! – Kunstpass Winterthur zeigt Charakter Winterthurer Rundweg Winti isst… Yesterday – tomorrow

Das ist Programm: 13.-24.08.2014 15.08.2014 17.08.2014 23.08.2014 28.-31.08.2014 29.08.2014 30.08.2014 04.09.2014 05.-07.09.2014 06.09.2014 11.09.2014 11.-14.09.2014 12.09.2014 13.09.2014 20.09.2014 26.09.2014 26.-28.09.2014 30.09.2014 01.-31.10.2014 02.10.2014 17.10.2014 06.11.2014 27.-29.11.2014 28.11.-23.12.2014 30.11.2014 06.12.2014 13.12.2014 31.12.2014

Winterthurer Musikfestwochen Oberi Fäscht (Win Puzzle) Chor der 750 Stimmen (Kirchen750) Stadtspielwerk - Vernissage der neuen Skulptur auf dem Merkurplatz Die Kybuger in der Stadt - Mittelalterspektakel Kurz – Kunst – Kino Wülflinger Dorfet (Win Puzzle) Erzählcafé Alterszentrum Rosental Seemer Dorfet (Win Puzzle) Tag der offenen Altstadt CEO-Talk Urban Art Festival Kurz – Kunst – Kino Kulturpulsbühne W750 Nacht der offenen Kirchen (Kirchen750) Kurz – Kunst – Kino Tössemer Dorfet (Win Puzzle) Abschlussveranstaltung Stadtbuure Pop-Ups Erzählcafé Alterszentrum Brühlgut Kurz – Kunst – Kino Erzählcafé Alterszentrum Neumarkt Winterthur Urban Forum Weihnachtsmarkt (Win Puzzle) Mitsing-Weihnacht (Kirchen750) Vielklang (Kirchen750) Peter Piller: Peripheriewanderung Winterthur (Fotomuseum) Stadtglüüt

Führungen und Entdeckungswanderung: Wintitrails Sie sind (auch) Winterthur - Stadtrundgang Literarische Stadt-Safari 8400 – Vitodura packt aus! - Frauenstadtrundgang Weitere Infos unter: winterthur750.ch

750 JAHRE AUF DEM BUCKEL. WENN DAS KEINE RIESENFEIER WERT IST.

Wir sind Winterthur – winterthur750.ch

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Winterthur und die Helvetische Republik Der Hintergrund «Guete Bonjour! – Die Franzosen in Winterthur» beruht auf einer realen Episode, die am Anfang der modernen Schweiz steht und auch für Winterthur eine neue Epoche eingeläutet hat. Das Freilichtspiel erweckt die lange verpönte Zeit der Helvetik mit vielen fiktiven Elementen zu neuem Leben. Hier die historischen Fakten. Der Einmarsch der Franzosen, den viele als Be­ freiung empfinden, bedeutet 1798 das Ende des Ancien Régime und seiner «Gnädigen Herren» und den Beginn der Helvetik (1798–1803). Die Helvetische Revolution verwandelt die Alte Eid­ genossenschaft in einen nationalen Einheits­ staat, in welchem die Kantone zu blossen Ver­ waltungseinheiten herabsinken. In Winterthur geht mit dem Einzug der französischen Truppen die zürcherische Herrschaft zu Ende. Den Anstoss zur Veränderung geben Aufklärung und Französische Revolution von 1789, die mit ihren Forderungen nach Freiheit und vernunft­ gerechter Ordnung den jahrhundertealten Ob­ rigkeitsstaat radikal infrage stellen. Aus länd­ lichen Untertanen werden gleichberechtigte Bürger. Obwohl sich die Helvetische Republik nur fünf Jahre halten kann, schafft sie grundle­ gende Neuerungen.

Die Revolution erreicht Winterthur Als die Helvetische Revolution 1798 Winter­ thur erreicht, trifft sie vordergründig auf eine befestigte Stadt. Der Abbruch der Stadttore sowie die Einebnung der Gräben werden erst 1835 an einer Bürgerversammlung beschlossen.

Michel Carruzzo, Sousofficier Maurice Lasalle «Ein super Erlebnis! als ‹Welscher› bin ich sehr froh, am Freilichtspiel da­ bei zu sein. Eine grosse Familie, viel Fun, Festen und, da ich Walliser bin, viel Fendant!»

Die Festungswerke gelten allerdings schon seit der Mitte des 18. Jahrhunderts nicht mehr als unantastbar. In Friedenszeiten werden die Stadtgräben schon lange zweckentfremdet ge­ nutzt. Insbesondere werden Gewerbe, die in der Stadt nicht mehr geduldet sind, in die Grä­ ben verwiesen. So brennen Hafner ihre Kacheln hier, wo ein Brand weniger verheerend ausfal­ len würde als innerhalb der Stadtmauern. Ge­ müsegärten werden angelegt, und im Graben beim Holdertor werden bis 1785 Hirsche gehal­ ten. Ab 1763 müssen die Schanzen und Weiher weichen. 1765 wird das Baumagazin (die heu­ tige Alte Kaserne) auf Verfüllungsmaterial des gut 5 Meter tiefen Stadtgrabens erstellt. Die für manche Gewerbe existenzbedrohende Schlei­ fung der Stadtbefestigung erstreckt sich über mehr als hundert Jahre, ohne besondere Zäsur zur Zeit der Helvetik. In revolutionären Zeiten gibt es auch Kontinuitäten, und Brüche ziehen sich oft länger hin.

Revolutionäre Vorboten Die Winterthurer erfahren wohl durch Zeitun­ gen, Flugschriften und Migranten, darunter auch von ihrem Mitbürger Jakob «Jacques» Bieder­ mann (1751–1817), von der Revolution in Frank­ reich, vom Sturm auf die Bastille, der Erklärung der Menschenrechte, der Absetzung des Königs und der Errichtung der Republik. Wie in Frank­ reich gibt es auch in Winterthur revolutions­ freundliche Zirkel. Aufgrund ihrer Privilegien und ihres Selbstver­ ständnisses hat indes die Winterthurer Obrigkeit kein Interesse an politischen Veränderungen. Auf Druck der Landschaft und demokratischer Bewegungen innerhalb der Bürgerschaft kommt es dennoch zum Umsturz. Ende Januar 1798

In Winterthur leben um 1800 in 400 Häusern rund 3000 Einwohner, von denen 600 Aktiv­ bürger sind. Die Rechte dieser Bürgerschaft beschränken sich auf die Wahl des Schultheis­ sen am 21. Juni (Albanitag). Unter der Führung des Schultheissen sind der Grosse und der Kleine Rat für die Geschäfte der Stadt, die Äm­ terwahlen und die rechtlichen Belange verant­ wortlich, wobei der Kleine Rat das tonangeben­ de Gremium bildet. Nicht zuletzt der geringen Ämterbesoldung wegen haben wirt­ schaftlich erfolgreiche Familien den grössten Einfluss.

Roger Meili, Marketing & Sponsoring «Es ist eine wahre Freude zu sehen, wie aus einem weissen Blatt Papier ein Theater mit gegen 300 frei­willigen Schauspielerund HelferInnen entsteht. Es freut mich, wenn Sie als ZuschauerInnen dieses Engagement un­ terstützen und ebenfalls Freude daran haben.»

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Christa Rogger, Requisiten «‹Guete Bonjour!› bietet eine hervorragende Ge­ legenheit, sich mit der Geschichte auseinan­ derzusetzen. Es macht Freude, nach intensiver Recherche, die Requisi­ ten in den Brockenhäusern und auf dem Floh­ markt zusammenzusuchen oder selber herzu­ stellen.»


Der Hintergrund wird in Zürich eine Regierungskommission ein­ gesetzt, die Petitionen und Beschwerden aus der Bevölkerung entgegennimmt – vor allem weil Zürich glaubt, nur vereint mit der Land­ schaft gegen Frankreich eine Chance zu haben. Nach diesem Vorbild geben deshalb der Kleine und der Grosse Rat an einer Bürgerversamm­ lung am 24. Januar 1798 auch in Winterthur die Einsetzung einer solchen Kommission bekannt. Die Bürger lassen sich damit aber nicht mehr abspeisen und fordern Einsitz in der Kommis­ sion. Unter dem Eindruck der nahenden fran­ zösischen Revolutionstruppen wird ihnen die­ ser am 2. Februar 1798 gewährt. Nur einen Tag später erreicht die Revolution Zürich. Zürich muss die Konstituierung einer «Allgemeinen Landesversammlung» zugestehen, und am 5. Februar fällt die alte Landesord­ nung. In Winterthur legt der Rat mit dem Stadt­

gericht die Macht am 7. Februar 1798 an einer Gemeindeversammlung völlig nieder – und er­ hält sie aus den Händen der stimmberechtig­ ten Bürger umgehend zurück. In den Ausschuss zur Beratung der Stadtangelegenheiten werden acht Bürgervertreter gewählt, und dieser Aus­ schuss übernimmt in den folgenden Wochen die Führung der Geschäfte. Obwohl sich perso­ nell wenig geändert hat, ist dieser Vorgang als zentral zu bewerten, denn mit der Anerken­ nung der Bürgerversammlung ist der Schritt von der Aristokratie zur Demokratie vollzogen, die «winterthurerische Revolution» ist ohne Blutvergiessen abgeschlossen.

Die Franzosen in Winterthur Am 5. Mai 1798 kommen die ersten französi­ schen Soldaten nach Winterthur, von den einen mit Freude, von den anderen mit Widerwillen begrüsst. Im März 1799 wird Winterthur Schau­ platz des Kriegs zwischen Frankreich und der Koalition von Österreich, Russland und England.

Nachdem das Tessin und Teile der Ostschweiz in die Hände der Koalition gefallen waren, be­ fiehlt der französische General André Masséna am 19. Mai 1799 die Konzentration seiner Trup­ pen bei Winterthur. Am 27. Mai 1799 rücken die Österreicher unter General Friedrich von Hotze gegen Winterthur vor. Bei Oberwinterthur und auf dem Grüzefeld kommt es unter den Au­ gen der Winterthurer zu blutigen Gemetzeln, die fliehenden Franzosen werden durch die Gassen der Stadt getrieben bis auf die Höhe von Brütten. Im Tössfeld formieren sich die öster­ reichischen Regimenter in drei unüberschau­ baren Schützenlinien, rund 60 000 Mann sollen es gewesen sein. Auf dem Grüzefeld aber liegen unzählige Tote, nackt, ihrer Kleider beraubt, in den Strassengräben, tote Pferde überall. In Winterthur hält nach dem französischen nun österreichischer Lebensstil Einzug. Und Hoff­ nungen erwachen, die alte Ordnung wieder herzustellen. Anfang Juni ziehen sich die Fran­ zosen nach der Ersten Schlacht bei Zürich wei­ ter zurück. Das Kriegsglück wendet sich. Die Schlacht geht für die Koalition verloren. Zer­ sprengt und zerschlagen ziehen die Russen zu tausenden, viele verwundet und am Ende ihrer Kräfte, auf ihrer Flucht durch Winterthur. Die Franzosen bleiben letztlich siegreich.

Einquartierungen und Requisitionen Weil die Stadt an einem wichtigen Verkehrs­ knotenpunkt liegt, werden hier besonders viele Franzosen einquartiert. In der Zeit vom 5. Mai 1798 bis Ende 1803 werden nicht weniger als 347 000 Franzosen, 48 000 Österreicher und 8000 Mann helvetischer Truppen, nebst 13 600 Verwundeten und 18 000 Kriegsgefan­ genen, für kürzere oder längere Zeit hier ver­

Gabriela Barben, Frau aus Winterthur «Ich spiele eine Frau aus dem Volk. Mein Mann arbeitet in der Amtsstu­ be. Ich fühle mich wohl innerhalb unserer Stadt­ mauern. Es rührt mich sehr, eine Frau unserer Stadt zu spielen. Mich interessiert unsere Vergangenheit und es ist spannend, darin schnuppern zu können.»

Viktor Rogger, Schulheiss Ulrich Hegner Mit der Rolle einer his­ torischen Persönlichkeit gehöre ich zu den Privi­ legierten, die auf der Bühne den Applaus des Publikums entgegenneh­ men dürfen, stellvertre­ tend für über 300 Mitwirkende, die in unter­ schiedlichen Funktionen ihr Herzblut für 18 gelungene Aufführungen vergiessen.»

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Marlies Zahnder, Soldat und Volk «Theaterspielen hat mich seit jeher fasziniert und nun habe ich diesen Traum als Statistin in ‹Guete Bonjour!› verwirk­ licht. Ich werde als Sol­ dat im ‹lumpigä Huufä› nach Zürich geschickt.»


Schlacht bei Winterthur, 27. Mai 1799, Radierung, 1800

pflegt. Einquartierungen und Requisitionen füh­ ren zu hohen finanziellen Belastungen. Dazu kommen die Schwierigkeiten des Zusammen­ lebens auf engem Raum und die Schäden an Feldern, Weinbergen und Waldungen. Aus der Not entstehen Klagen über den helve­ tischen Staat, und begünstigt durch die Kriege auf schweizerischen Boden kommt es zu einer

Simone Callà, Soldat Bonetti «Il mio nome Gabriele Bonetti soldat d’artille­ rie. Io vengo dal sud d’Italia. Bin in Winter­ thur geboren, habe 17 Jahre hier gelebt, die restlichen zwei Lebens­ jahre in Sici­lia verbracht. La passione sul Theatro hat mich dazu getrieben, bei ‹Guete Bonjour!› mitzuwirken.»

Reihe von Staatsstreichen. Als Frankreich 1801 mit Österreich Frieden schliesst und Napoleon zum unbestrittenen Herrscher über den Konti­ nent avanciert, wird die Instabilität der Schweiz zu einer Gefahr im Machtkalkül des späteren Kaisers. Napoleon schreibt der Eidgenossen­ schaft die Rückkehr zum föderalistischen Sys­ tem vor. Mit der Mediationsverfassung wird 1803 das Kapitel der Helvetik abgeschlossen.

Nacherzählt aufgrund von: Winterthur im Umbruch, 1798–1848, Neujahrsblatt der Stadt Winterthur, 1999 An der Schwelle zur Industriestadt (1750–1850), in: Winterthurer Stadtgeschichte, Band 1

Sandra Oehy, Esther Schellenberg «Gegen 300 Leute teilen eine Leidenschaft – Thea­ ter. Ich finde es span­ nend, die unterschied­ lichsten Persönlichkeiten jeden Alters kennenzu­ lernen und zu­sammen ein Stück auf die Beine zu stellen. Ich freue mich auf die Aufführungen und hoffe, dass der Wet­ tergott auch ein ‹Guete Bonjour!›-Fan ist.»

Ulrich Hegner (1759–1840), Schriftsteller «Ich bin der wahre Ulrich Hegner. 1798 begann ich mit der Niederschrift der Geschichte eines bäuri­ schen Philosophen, der vom Schicksal in die Re­ volution hineingezogen wurde. «Salys Revolutionstage» erschienen 1814. Ulrich Hegner in ‹Guete Bonjour!› ist ein fiktiver Namensvetter.»

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«Guete Bonjour!» Spieldaten und Billette Der Spielplan

Billett

Aufführungen: 11. Juli bis 15. August 2014

Im normalen Billett ist lediglich der Eintritt zum Theater enthalten. Sie haben ab 18:00 Uhr Zutritt zum Theatergelände und können sich dort in der «Soldatenstube», in unserem Selbst­ bedienungsrestaurant, nach Lust und Laune verpflegen.

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Das Angebot

Die Tribüne ist gedeckt und so platziert, dass Sie immer eine optimale Sicht auf die Bühne haben, ganz gleich wo Sie sitzen. Die Dialoge der Schauspieler und die Musik sind verstärkt, so dass Sie auch ein optimales Ton-/Musiker­ lebnis haben werden.

Billette kaufen

Offiziers-Billett Wenn Sie aus dem Abend auch ein kulinari­ sches Erlebnis machen möchten, wählen Sie zu Ihrem Billet den VIP-Zusatz. Neben dem Theatereintritt ist ein Dreigang-Nachtessen mit Apéro und Getränken in unserer exklusi­ ven, servierten Offiziersmesse im Preis inbe­ griffen. Zutritt nur mit Offiziers-Billett! Rollstuhlfahrer Das Freilichtspiel eignet sich auch für Rollstuhl­ fahrer. Es gibt einen speziellen rollstuhlgängi­ gen Bereich ganz vorne bei der Tribüne. Die Tickets können nur bei Winterthur Tourismus im HB Winterthur oder unter 052 267 67 00 zu Bürozeiten bezogen werden. Schlechtwetter-Programm Es wird immer gespielt – die Zuschauertribü­ nen sind gedeckt. Wählen Sie Ihre Kleider der Witterung entsprechend. Sollte eine Durchfüh­ rung aus Sicherheitsgründen nicht möglich sein, werden wir dies ab 19:00 Uhr auf www. guetebonjour.ch und über Telefon 1600 publi­ zieren. Ihre Billette behalten die Gültigkeit für das vom Veranstalter definierte Ausweichdatum.

Herzlichen Dank unseren Gönnern, Partnern, Sponsoren und Zuschauern Ein solches Projekt wäre nicht möglich ohne das grosse und freiwillige Engagement, die finanzielle und tatkräftige Unterstützung durch unsere Sponsoren, Gönner und Partner sowie Ihr Interesse als Zuschauerinnen und Zuschauer. Wir danken Ihnen allen ganz herzlich für Ihre Unterstützung!

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Billettpreis für Erwachsene CHF 55.– inkl. MwSt für Kinder/Jugendliche bis 16jährig CHF 44.– inkl. MwSt Offiziers-Billett für Erwachsene/Jugendliche/ Kinder* CHF 135.– / 125.– inkl. MwSt *Keine Vergünstigungen Vergünstigungen Gegen Vorweisen einer ZKB-Kundenkarte profi­ tieren Sie von 10% Rabatt auf den Billettpreis. Die Vergünstigung kann nur an der Vorverkaufs­ stelle von Winterthur Tourismus im HB Winter­ thur gewährt werden. Vorverkaufsstellen Die Billette können unter www.guetebonjour. ch online, am Schalter von Winterthur Touris­ mus und an allen gängigen Ticketportal-Vor­ verkaufsstellen in der ganzen Schweiz bezo­ gen werden. Achtung: Ticketportal-Verkaufsstellen verlangen zusätzlich 10% Kommission für diesen Service. Billett-Hotline Telefon 052 267 67 00 bei Winterthur Tourismus Abendkasse Die Abendkasse ist an den Aufführungsdaten jeweils am 18:00 Uhr geöffnet. Umtausch / Rückerstattung Billette können nicht umgetauscht werden. Kann eine Aufführung auf Grund extremer Wit­ terungsverhältnisse nicht durchgeführt oder muss die Vorstellung vor der Pause abgebro­ chen werden, behält sich der Veranstalter vor, ein Ersatzdatum anzubieten oder den Billett­ preis zurückzuerstatten. Bitte Instruktionen auf www.guetebonjour.ch konsultieren.


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«Guete Bonjour!» Der Spielort «Guete Bonjour!» wird auf der Lindwiese direkt hinter dem Stadthaus Winterthur aufgeführt. Auf dem Spielgelände erwartet Sie eine attrak­ tive Soldatenstube mit kulinarischen Köstlich­ keiten und weiteren Ständen zum Verweilen. Für ein gediegenes Nachtessen mit einer Grup­ pe nutzen Sie unser spezielles Angebot in der Offiziersmesse. Das Spielgelände mit Restau­ ration ist jeweils ab 18:00 Uhr geöffnet. Zutritt nur mit gültigem Billett.

Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln Stadtbus Winterthur Ab Hauptbahnhof Winterthur, Bus Nr 1, 3, 5, 10, 14, Haltestelle Stadthaus, der Beschilderung folgen.

Anfahrt mit dem Velo Bitte Beschilderung folgen. Es hat genügend Veloständer beim Spielgelände.

Anfahrt mit Privat-Pw Bitte nur in Ausnahmefällen, es stehen nur die öffentlichen Parkplätze und Parkhäuser zur Verfügung. Von Zürich her kommend: Autobahn A1, Ausfahrt Winterthur Töss, Rich­ tung Stadtzentrum Von Schaffhausen her kommend: Autobahn A4, Ausfahrt Winterthur Rosenberg, Richtung Stadtzentrum Von St. Gallen/Frauenfeld her kommend: Autobahn A1, Ausfahrt Oberwinterthur, Rich­ tung Stadtzentrum

Impressum Auflage: 95 000 Expl. Redaktion/Text: Roger Meili, Christian Jossi Foto: Merly Knoerle Historische Bilder: Winterthurer Bibliotheken, Studienbibliothek Gestaltung: Sandra di Salvo, profilwerk Satz/Layout: ProfilePublishing GmbH, www.profilepublishing.ch Druck: Ziegler Druck, Winterthur

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GUETE BONJOUR! - Beilage Landbote  

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