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Luther in Th端ringen 2.0 Chancen und Herausforderungen f端r den Freistaat Th端ringen -Christian Hirte-


Lutherpapier 2.0 Christian Hirte MdB September 2010 Seite 2

Sehr geehrte Damen und Herren, vor zwei Jahren wurde in Wittenberg der Startschuss für die Lutherdekade gegeben. Mit meinem Einzug in den Bundestag im Mai 2008 habe ich mich diesem Thema gewidmet. Ein erstes „Lutherpapier“ hierzu entstand bereits im Sommer 2008. Mein Ziel dabei: Eine professionelle Vorbereitung und Begleitung des Reformationsjubiläums 2017 in Thüringen. Als Thüringer Bundestagsabgeordneter habe ich in den vergangenen Monaten zahlreiche Gespräche mit Verantwortlichen aus Kirche, Kultur, Politik und Wirtschaft zu diesem Thema geführt. Eine im vergangenen Jahr initiierte Veranstaltungsreihe in Eisenach, mit dem Namen „500 Jahre danach: Kommerz, Glaube und Aufbruch“, erfreut sich großer Resonanz und hat nützliche Beiträge zu wichtigen öffentlichen Debatten geliefert. Ich bin darüber sehr erfreut und möchte an dieser Stelle allen bisherigen Referenten und Unterstützern herzlich danken! Nun schreiben wir das Jahr 2010. Die Dekade ist in vollem Gange. Wichtige Themenjahre bis 2017 liegen vor uns und werden akribisch vorbereitet. Mit dem Lutherpapier 2.0 möchte ich offen bestehende Probleme skizzieren, in den letzten Monaten gesammelte Ideen und unterstützende Impulse sowie konkrete Hinweise liefern, die uns alle bei den kommenden Herausforderungen behilflich sein sollen. Mein erklärtes Ziel ist es, Thüringen als Kernland der Reformation und die Eisenacher Region zu festen und unverzichtbaren Akteuren in der Runde der Lutherorte zu platzieren. In den verbleibenden Jahren bis 2017 soll die Region sich noch mehr als touristisch-thematischer Mittelpunkt etablieren. Eines ist jedenfalls sicher: Die Dekade bis 2017 wird Erfolg haben, mit oder ohne Thüringen. Davon bin ich überzeugt.

Mit freundlichen Grüßen Ihr

Christian Hirte

Christian Hirte MdB • Wartburgallee 48 • 99817 Eisenach • Tel.: (03691) 888 1994 • Fax: (03691) 73 49 824 Mail: christian.hirte@bundestag.de • Internet: www.christian-hirte.de


Lutherpapier 2.0 Christian Hirte MdB September 2010 Seite 3

I.

„Wer die Erkenntnis der Sache nicht hat, dem wird die Erkenntnis der Worte nicht helfen.“ Oder: Wo stehen wir in der Lutherdekade?

Zwei Jahre der Dekade sind verstrichen, ein Fünftel des Weges beschritten. Wo stehen die Lutherorte, wo steht Thüringen auf diesem Zeitstrahl?

1. „Sollen die Werke gut sein, so muß zuvor der Mann gut sein, der sie tut, denn wo nichts Gutes inne ist, da kommt nichts Gutes raus.“ Oder: Neues Gewicht und Neuen Schwung durch Lutherkoordinator nutzen Seit dem Beginn der Dekade arbeiten zahlreiche Gremien und Arbeitsgruppen. In Städten, Landkreisen, Kirchgemeinden oder Supturen, in Ministerien und anderswo. Es gibt Arbeitsgruppen, Untergruppen, Workshops und vieles mehr. Die Lutherdekade ist eine große Ideenwerkstatt auf allen Ebenen. Mit der Installation eines Beauftragten der Lutherdekade des Freistaates Thüringen durch die Landesregierung ist ein weiterer wichtiger Schritt getan, dies besser als bisher zu koordinieren. Dies war eine wichtige und notwendige „Einwechslung“, um dem Spiel nach vorn neuen Schwung zu geben. Ein guter und nötiger Schritt, den ich seit 2009 eingefordert habe. Er dient auch dazu, den Abstand zu den Bundesländern Sachsen-Anhalt und Sachsen weiter zu verringern. Nun ist Herr Dr. Thomas Seidel vorgestellt und seine künftigen Aufgabenfelder wurden benannt. Ihn bei seinen vielfältigen Aufgaben und Vorhaben in angemessener Art und Weise zu unterstützen, muss ein weiteres Ziel der Landesregierung und aller an dem Großprojekt beteiligten Akteure sein. Aus meiner Sicht ist klar, dass ein Einzelner diese Herausforderungen nur schwer allein bewältigen kann. Deshalb wäre eine personelle Unterstützung des Lutherbeauftragten, um beispielsweise organisatorische Details und deren Umsetzung auf mehrere Schultern zu verteilen, zu begrüßen. Die Benennung eines Thüringer Lutherbeauftragten ist ein klares Bekenntnis der Landesregierung zur Lutherdekade mit seinen Höhepunkten. Das Amt zu unterstützen und mit Leben und Ideen zu füllen, muss unser aller Anliegen sein.

2. „Ein feste Burg“ Oder: Besucherzahlen und Touristenströme mit der Wartburg als Hauptmagnet Der Städtetourismus in Deutschland boomt weiter, die Zahl ausländischer Gäste in ganz Deutschland, aber auch in Thüringen erreicht neue Rekordstände. Diese Entwicklungen zeigen das große Potenzial für den Tourismus. Eisenach, aber auch Weimar oder Erfurt stehen dabei in Thüringen an der Spitze. Das macht Mut und ist Beweis für eine gute und immer professioneller werdende Arbeit. Christian Hirte MdB • Wartburgallee 48 • 99817 Eisenach • Tel.: (03691) 888 1994 • Fax: (03691) 73 49 824 Mail: christian.hirte@bundestag.de • Internet: www.christian-hirte.de


Lutherpapier 2.0 Christian Hirte MdB September 2010 Seite 4

Mit Blick auf das Jahr 2017 sind verschiedene städtebauliche und infrastrukturelle Maßnahmen in Thüringen und andernorts notwendig, Manches ist bereits auf dem Weg. So ist damit zu rechnen, dass der Touristenandrang weiter überdurchschnittlich ansteigt. Ein erster Vorgeschmack für Eisenach war sicher das Elisabethjahr 2007. Für 2017 wird der Andrang deutlich größer ausfallen. Dass die Wartburg deutschlandweit der Hauptmagnet unter den Touristen sein wird, ist mittlerweile unstrittig und auch über die Thüringer Ländergrenzen hinaus anerkannt. Bereits 1996 zum 450. Todestag Luthers wurde deutlich, dass etwa das Sterbehaus Luthers in Wittenberg keine vergleichbare Aufmerksamkeit erhielt. Im Vergleich: Die Wartburg hat jährliche Besucherzahlen in Höhe von ca. 400.000; Wittenberg ca. 80.000. Diese Zahlen verdeutlichen doch den eigentlichen und natürlichen „Vorsprung“ Thüringens. Wichtig wird sein, dass die Infrastruktur mitwächst. Das beginnt bei Busparkplätzen oder dem Verhindern tourismushemmender Umweltzonen in Innenstädten und setzt sich bei barrierefreien Zuwegungen fort. Es muss um ausreichende Beschilderung auf Straßen und Wanderwegen gehen, aber auch um immer weitere intelligente Angebotsverknüpfungen vor Ort. Die langwierigen Schwierigkeiten bei der Ausschilderung zur neuen Autobahn A4 bei Eisenach zeigen, wie sehr kleine Beiträge zu großer Verwirrung führen können. Auch an mehrsprachige Angebote muss noch stärker gedacht werden. Einen zusätzlichen Mehrwert könnten lokale oder regionale Luthercards darstellen, die Eintritt in verschiedene Ausstellungsstätten und möglicherweise zusätzliche Rabatte bei Einzelhändlern oder Gastronomen gewähren, die sich einer solchen Initiative anschließen würden. Thüringen hat gehörige Pfunde zur Reformationsdekade. Mit diesen Pfunden müssen wir noch mehr wuchern und sie nicht nur als Trumpf auf der Hand halten.

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Lutherpapier 2.0 Christian Hirte MdB September 2010 Seite 5

II.

„Furcht tut nichts Gutes. Darum muß man frei und mutig in allen Dingen sein und feststehen.“ Oder: Rahmenbedingungen und Herausforderungen

Wirtschaftskrise, sinkende Einnahmen, zurückgehende Mittel aus dem Solidarpakt und weniger Geld durch den demographischen Wandel. Die kommenden Jahre sind von großen Herausforderungen geprägt, die uns auch bei der Gestaltung der Lutherdekade begleiten werden. Aber auch weitere Felder treten hinzu, wie die aktuelle Diskussion um den Welterbestatus der Wartburg zeigt.

3. „Wer kein Geld hat, dem hilft nicht, dass er fromm ist.“ Oder: Große Ziele, kleines Budget Knappe öffentliche Kassen in der Gegenwart lassen keine großen Sprünge zu. Die Politik muss in den kommenden Jahren Wege und Lösungen finden, diese Herausforderung zu meistern. Aus diesem Grund müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um nach weiteren Finanzierungsmodellen und –varianten zu suchen. Das UNESCO-Investitionsprogramm ist eine davon und wurde in diesem Jahr wiederholt aufgelegt. Mit insgesamt 150 Millionen Euro 2009 und nochmals 70 Millionen Euro 2010 beteiligt sich der Bund an der Erhaltung und Instandsetzung der Deutschen UNESCO-Welterbestätten, zu denen natürlich auch die Wartburg zählt. Nachdem im vergangenen Jahr die Wartburg-Stiftung eine Summe von 1,9 Millionen Euro für die Realisierung zweier Projekte von der Bundesregierung erhalten hatte, wurden die Anträge in diesem Jahr leider abgelehnt. Dass die Bemühungen von Wartburg und Stadt Eisenach in diesem Jahr erfolglos blieben, ist sehr bedauerlich. Über die Ablehnungsbegründung des Bundes lässt sich sicher diskutieren. Fest steht jedoch, dass im Zuge solcher Investitionsprogramme in Zukunft besser miteinander gearbeitet werden muss. Die Stadt Eisenach und die Wartburg-Stiftung müssen diese Gelegenheiten koordinieren und mit vereinten Kräften wahrnehmen. Mit anderen Worten: Ein wiederholter Blick nach Wittenberg zeigt, wie Kommune und Einrichtung zusammen funktionieren und im Ergebnis ein erkennbarer Mehrwert für die gesamte Region entsteht. Derartige Verflechtungen sorgen also andernorts für erfolgreiche Antragstellung. Mein Einsatz jedenfalls gilt, auch weiterhin in Berlin für eine Fortsetzung des UNESCO-Förderprogramms zu kämpfen. Öffentliche Fördermittel sind nicht unendlich. Um trotzdem in hohem Maße davon zu profitieren, bedarf es einer engagierten und mit allen Akteuren abgestimmten Antragstellung für die Projekte und Maßnahmen vor Ort.

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Lutherpapier 2.0 Christian Hirte MdB September 2010 Seite 6

4. „Die ganze Welt ist voller Wunder“ Oder: Der UNESCO-Status ist Verantwortung und Chance Dass der UNESCO-Status der Wartburg nicht nur lohnenswert, sondern auch besonders schützenswert ist, ist nicht erst seit dem Urteil des Verwaltungsgerichts Meiningen zum Bau von Windkraftanlagen auf dem in der Blickachse der Wartburg befindlichen Milmesberg bekannt. Fast genau ein Jahr vor dem Gerichtsurteil wurde dies auch von Herrn Horst Wadehn, Vorsitzender UNESCOWelterbestätten Deutschland e.V., herausgestrichen. Dieser referierte im Rahmen meiner Luthervortragsreihe „500 Jahre danach: Kommerz, Glaube und Aufbruch“ und betonte auch, dass ein UNESCO-Titel Chance und Verpflichtung zugleich bedeute. Der bereits seit mehreren Jahren andauernde und vor wenigen Wochen wieder angeheizte Konflikt um den Bau von Windrädern auf dem Milmesberg verdeutlicht, was eine Aberkennung für Folgen hätte. Besucherzahlen würden um etwa zehn Prozent sinken, die finanzielle Ausstattung der Burg und damit einhergehend die hinreichende Sicherung der Stätte für nachfolgende Generationen wäre ernsthaft in Gefahr. Diese Verantwortung lastet auf unseren Schultern und muss einen angemessenen und wohlüberlegten Umgang finden. Führt der Bau von Windkraftanlagen auf dem Milmesberg zur Aberkennung des UNESCOWelterbestatus der Wartburg, muss alles unternommen werden, um den Bau zu verhindern.

5. „Wenn nicht geschehen ist, was wir wollten, so wird geschehen, was ist.“ Oder: Touristische Infrastruktur und Städtebau Vor dem Hintergrund der finanziellen Belastung der öffentlichen Haushalte ist ein kluger Einsatz der in Zukunft eher begrenzten Mittel ratsam. Mit Blick auf die hohe und stetig ansteigende Verschuldung von Bund, Ländern und Kommunen ist damit zu rechnen, dass es auch im Bereich der Städtebauförderung zu Kürzungen kommen kann. Die Megainvestitionen seit der Wiedervereinigung vor 20 Jahren, die vor allem in die neuen Bundesländer geflossen sind, können sicher nicht in dieser Form weitergeführt werden. Mit den dazukommenden Einschnitten in den Bereichen Förderung durch die Europäische Union, Auslaufen des Solidarpaktes sowie aufgrund der demographischen Entwicklung gilt es, die vorhandenen Ressourcen mit Verstand und großer Abwägung einzusetzen. Das sind die Vorzeichen der kommenden Jahre, denen wir uns nicht verschließen dürfen. Ferner sollten städtebauliche Großprojekte, die meist zu einer wesentlichen Beeinträchtigung der infrastrukturellen Mobilität vor Ort führen, gesondert betrachtet werden. Eine absehbare Behinderung der 2017 zu erwartenden Touristenströme muss unter allen Umständen vermieden werden. In Eisenach denke ich dabei auch an das Großvorhaben „Tor zur Stadt“ und die damit einhergehende Umverlegung der B19 im Stadtgebiet. Bus- und Bahnreisende würden eine große Baustelle im Zentrum der Eisenacher Tourismuslogistik vorfinden. Ein erster Eindruck, der sicher auf wenig Verständnis stoßen und einen bleibend negativen Eindruck hinterlassen würde.

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Lutherpapier 2.0 Christian Hirte MdB September 2010 Seite 7

In diesem Zusammenhang muss auch die Erweiterung des Eisenacher Lutherhauses weiterhin engagierte Berücksichtigung erhalten. Denn unabhängig von einer zentralen Ausstellung auf der Wartburg hat Eisenach mit Wartburg und Lutherhaus traditionell zwei Solitärstandorte zu Luther. Die Träger des Lutherhauses haben bisher wichtige Schritte unternommen, um ihre Vorstellungen eines Anbaus voranzutreiben. Die Zusammenarbeit mit der Stadt und die enge Abstimmung auch mit dem Land sind vielversprechend. Ich möchte diesen Prozess gern weiter begleiten. Wichtig ist, dass alle Handelnden das Konzept am Ende auch städtebaulich unterstützen und forcieren, um keine Verzögerungen entstehen zu lassen. Die touristische Infrastruktur muss hundertprozentig auf die Besucher abgestimmt sein, eine lückenlose Servicekette weit im Voraus erstellt und professionell umgesetzt werden.

6. „Nur, wer sich entscheidet, existiert“ Oder: Überregionaler Auftritt Thüringens In Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum 2017 gibt es eine Reihe von wichtigen Gremien, in denen Thüringen nach wie vor unterbesetzt ist bzw. keine federführende Rolle inne hat. Akzente, die in der Vergangenheit gesetzt wurden, sind vorrangig von Akteuren außerhalb unseres Freistaates ausgegangen. Die drei großen Thüringer Lutherstädte (Eisenach, Erfurt und Schmalkalden) haben sich für Schmalkalden als Vertreter Thüringens in den Luther 2017-Lenkungsausschuss entschieden. Die Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister stehen in regelmäßigem Austausch. Gerade die aktuelle Debatte um die Bewerbung der Stadt Torgau für eine bundesweite Ausstellung verdeutlicht, dass diese Zusammenarbeit noch enger werden muss und der Schulterschluss unerlässlich ist. Aber auch andere, nicht direkt mit den Vorbereitungen auf 2017 verbundene Zusammenschlüsse, Verbände und Initiativen sind beispielsweise für die Vernetzung Eisenachs hilfreich. So ist eine Mitgliedschaft der Stadt Eisenach im UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V. bisher noch nicht angestrebt worden. Ich plädiere dafür, dass Eisenach als Wartburgstadt Engagements solcher Art stetig erweitert. Eine Mitgliedschaft würde helfen, auf einer Plattform mit Gleichgesinnten regen Austausch und nachhaltige Lobbyarbeit zu betreiben. Damit die Länder und Regionen der Reformation eine ausgiebige Kommunikation starten und diese dann auch weiter verdichten, ist zunächst der direkte Austausch der politisch Verantwortlichen nötig. Eine ohne größeren Aufwand zu bewältigende Chance wäre die Teilnahme und Präsenz der obersten politischen Ebene in den vorbereitenden Gremien zu Luther 2017. So tagt beispielsweise das Kuratorium als oberstes Entscheidungsgremium in regelmäßigen Abständen. Neben dem Bundesinnenminister, dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und hochrangigen Vertretern der Kirche haben auch die Ministerpräsidenten aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen einen ständigen Sitz. Mittlerweile weiß ich Thüringen in dieser Hinsicht sehr gut vertreten.

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Um auch innerhalb der Thüringer Landesgrenzen ein klares Signal und Bekenntnis zur Reformationsdekade und der Stadt Eisenach abzugeben, wären zudem weitere Kabinettssitzung der Thüringer Landesregierungen ein wichtiges Zeichen mit einer angemessenen Außenwirkung. Die Tagungen mit Hessen haben bereits gute Tradition. Im September 2010 werden dabei u.a. auch die Vorhaben in der Reformationsdekade besprochen. Aber eben auch gemeinsame Kabinettsitzungen mit unseren Nachbarn aus Sachsen und Sachsen-Anhalt wären eine gute Gelegenheit, für Eisenach als Lutherdestination zu werben. Die Kabinette von Sachsen und Sachsen-Anhalt haben sich bereits im August 2010 getroffen. Auch das zeigt, dass dort gemeinsam versucht wird, das Thema Reformationsjubiläum voranzubringen und die Gefahr besteht, dass Thüringen nur Zaungast ist. Werbung für Thüringen, auf allen Ebenen – das sollte unser aller Credo für die kommenden Jahre sein. Eine Gelegenheit bietet die koordinierende Geschäftsstelle Luther 2017 in Wittenberg. Dort wird zu jedem Themenjahr ein Jahrbuch mit sämtlichen bundesweiten Aktivitäten verfasst. Ich möchte jeden ermuntern, seinen Beitrag, seine Veranstaltung, seine Eindrücke und seine Ideen an die Geschäftsstelle zu senden. Der Eisenacher Oberbürgermeister hat in seiner Lutherrunde ebenfalls darauf aufmerksam gemacht. In Thüringen selbst hat sich in den vergangenen Monaten eine Aufbruchsstimmung verbreitet. Nun sollten wir alle gemeinsam unsere Ansprüche und Ziele auch nach außen kommunizieren.

7. „Wer etwas will anfangen, der mag es beizeiten tun.“ Oder: Themenjahre müssen genutzt werden Besondere touristische Berücksichtigung sollten auch die facettenreichen Themenjahre bis zum Reformationsjubiläum 2017 finden. Ein nächster Höhepunkt für Thüringen muss das Jahr 2012 sein, das als Themenjahr „Reformation und Musik“ ausgeschrieben ist. Eisenach kann hier mit vielen authentischen Orten auftrumpfen. So hat beispielsweise das Eisenacher Bachhaus seine ursprünglichen Ausstellungspläne für das Jahr 2012 über Bord geworfen und sich an dem Reformationsjahr orientiert. Auch unsere sächsischen Nachbarn stehen für dieses Ereignisjahr in den Startlöchern: Im Jahr 2012 feiert beispielsweise der Leipziger Thomanerchor sein 800-jähriges Bestehen. Es geht also auch darum, die Themenjahre einzeln genau zu beleuchten und gewichtige, regionalinhaltliche Schnittmengen auszumachen und diese dann entsprechend zu nutzen. Die Regionalen Arbeitsgruppen haben hier die Möglichkeit, ihre Ideen frei umzusetzen. Jeder kann hier starke Akzente setzen. Rechtzeitige Planung ist dabei entscheidend.

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III.

„Die Gelegenheit grüßet dich und reichet dir die Haar, als sollte sie sagen: Siehe, da hast du mich, ergreife mich!“ Oder: Handlungsfelder und Aufgaben

Bei der Situationsbeschreibung dürfen wir nicht stehen bleiben. Es gibt einige Handlungsfelder, die rasch und beherzt mit der Unterstützung aller Verantwortlichen angegangen werden müssen.

8. „Alles, was in der Welt erreicht wurde, wurde aus Hoffnung getan.“ Oder: Eine Bundesausstellung muss auf die Wartburg Die große Bedeutung Eisenachs mit Wartburg, Luther- und Bachhaus im Verbund der für die Reformationsdekade tragenden Stätten ist unumstritten, bedarf aber auch weiterhin einer gesteigerten Aufmerksamkeit und Zuwendung. So ist es bisher gelungen, die Eisenacher Wartburg als Austragungsort einer bundesweiten Sonderausstellung im Jahre 2017 ins Gespräch zu bringen und bei vielen Akteuren auch Unterstützung zu erhalten. Die Wartburg soll neben Wittenberg und Berlin eine der zentralen Ausstellungen 2017 beherbergen. Doch noch ist Nichts erreicht! Es gibt Signale, aber noch keine Entscheidungen der Gremien. Gerade in den letzten Wochen mehren sich die Stimmen, die auch Torgau als Austragungsort für möglich halten. Ob es aber zu einem vierten Standort kommen wird, ist zweifelhaft. Daher wird am Ende möglicherweise die Frage stehen, ob Torgau oder Eisenach den Zuschlag erhalten. Eine geschlossene Lobbyarbeit für Eisenach und die Wartburg ist also weiterhin nötig. Der sächsische Vorschlag, auch die Stadt Torgau mit einer Ausstellung zu versehen, zeigt mir sehr deutlich, wie groß der Einfluss Sachsens in den vorbereitenden Gremien ist. Diese Entwicklung bestätigt jedoch auch, dass seitens des Freistaates Thüringen für diese Ausstellung weiter gekämpft werden muss. Es ist wichtig und richtig, dass alle Lutherorte in Deutschland sich um Beiträge bemühen, um so einen Erfolg insgesamt zu gewährleisten. Aber die national besonders geförderten Ausstellungen sollten sich auf wenige Kernorte konzentrieren. Eine endgültige Entscheidung wird das Kuratorium fällen. Ein Ausschluss Eisenachs wäre eine bittere Niederlage für unseren Freistaat und ein herber Rückschlag für Wartburg und Eisenach. Ob Thüringen parallel an einer Landesausstellung arbeiten sollte, muss genau abgewogen werden. Sicher ist, dass auch die anderen Lutherorte im Freistaat mit Beiträgen für ein erfolgreiches Jubiläum im Boot sein müssen. Doch es muss berücksichtigt werden, dass eigene Landesausstellungen beim Bund zu Irritationen führen könnten. Und auch die Zahl der möglichen Exponate ist begrenzt und nicht auf beliebig viele Ausstellungen verteilbar. Gemeinsames und engagiertes Auftreten hat die Wartburg auf die Favoritenliste des Bundes gebracht. Dieses gemeinsame Agieren, eine einheitliche Botschaft und eine einheitliche Kommunikation sind nötig, um von dort nicht wieder zu verschwinden Christian Hirte MdB • Wartburgallee 48 • 99817 Eisenach • Tel.: (03691) 888 1994 • Fax: (03691) 73 49 824 Mail: christian.hirte@bundestag.de • Internet: www.christian-hirte.de


Lutherpapier 2.0 Christian Hirte MdB September 2010 Seite 10

9. „Man muss geben, will man anders etwas haben.“ Oder: „Mitteldeutsche“ Geschäftsstelle 2017 in Wittenberg etablieren Dass sich der Freistaat Thüringen bereits mit der eher zu vernachlässigenden Summe in Höhe von 5.000 Euro an der Geschäftsstelle Luther 2017 beteiligt, ist bekannt. Im Sinne einer gesteigerten Aufmerksamkeit empfehle ich dem Freistaat mehr Aktivität auf diesem Feld. Genauso wie der damalige Ratsvorsitzende der EKD, Prof. Dr. Dr. Wolfgang Huber und der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Herr Prof. Dr. Wolfgang Böhmer, diesen Vorstoß gemeinsam gewagt und eine erste Stufe der länderübergreifenden Zusammenarbeit auf diesem Feld ermöglicht haben, wünsche ich mir einen ähnlichen, aber umfassenderen Vorstoß des Freistaates Thüringen. Mit einer gemeinsamen, über die verwaltungsrechtlichen Grenzen hinaus, finanziellen und personellen Beteiligung von Sachsen und Thüringen hätte dann die Geschäftsstelle nicht nur mehr Möglichkeiten, sondern auch eine gestärkte Verhandlungsposition gegenüber der Bundesregierung. Der Bund wäre dann nach meiner Überzeugung bereit, eine weitere finanzielle Unterstützung zu leisten. Neben der gemeinsamen finanziellen Unterstützung durch die Bundesregierung, die EKD sowie der Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wird die Geschäftsstelle Luther 2017 in Wittenberg lediglich vom Land Sachsen-Anhalt mit jährlich 150.000 Euro finanziert. Mit einer deutlichen Aufstockung durch die beiden anderen mitteldeutschen Länder und des Bundes könnte dieser Betrag erhöht und damit die Handlungsfähigkeit und die länderübergreifende Vorbereitung des Reformationsjubiläums spürbar verbessert werden. Die Vorteile einer Beteiligung liegen klar auf der Hand: Durch eine engere Vernetzung sowie eine solide finanzielle Ausstattung einer gemeinsamen Geschäftsstelle können nachhaltige Synergien erzielt werden. Zudem besteht die Möglichkeit für Thüringen, sich über aktuelle Sachstände aus den angrenzenden Bundesländern schnell und umfassend zu informieren. Ich hoffe daher sehr, dass mein seit mehreren Monaten im Raum stehender Vorschlag, eine länderübergreifende Zusammenarbeit in Form einer gemeinsamen Luther-Geschäftsstelle in Wittenberg, auch mit der Benennung des Thüringer Lutherbeauftragten, nun neuen Schwung bekommt und möglicherweise erstmalig ernsthaft zur Disposition steht. Thüringen tut gut daran, eine gemeinsame, länderübergreifende Geschäftsstelle Luther 2017 zu initiieren. Die Vorzeichen dafür stehen besser denn je. Es wäre ein wichtiges Signal.

10. „Wer eine Stunde versäumet, der versäumet wohl auch den ganzen Tag.“ Oder: Auf einem guten (Luther) Weg? Auch beim Thema Lutherweg sind unsere Nachbarn voraus. Nach Fertigstellung und offizieller Eröffnung am 28. März 2008 können Pilger und Wanderer auf einem geschlossenen Ring über eine Distanz von 410 km den Lutherweg in Sachsen-Anhalt begehen. In Thüringen wurde lediglich ein Anschlussweg bei Nordhausen im vergangenen Jahr eröffnet. Möglicherweise waren die Pläne, 21 Orte miteinander zu vernetzen zu ambitioniert. Beigetragen zur gegenwärtigen Situation haben Christian Hirte MdB • Wartburgallee 48 • 99817 Eisenach • Tel.: (03691) 888 1994 • Fax: (03691) 73 49 824 Mail: christian.hirte@bundestag.de • Internet: www.christian-hirte.de


Lutherpapier 2.0 Christian Hirte MdB September 2010 Seite 11

sicher auch die unbestimmte und verwinkelte Struktur sowie die unzureichende Mandatierung des Planungsbüros bei Eisenach. Im Zuge einzelner, vom Lutherweg unabhängiger politischer Entscheidungen ist ein Fortbestand des Planungsbüros zum heutigen Zeitpunkt mehr als fragwürdig. Ein weiteres Problem, das die Fertigstellung des Lutherweges in Thüringen erheblich verzögert, ist die fehlende Bereitschaft einzelner weniger Landkreise, sich an den Kosten der Erschließung und Planung des Weges zu beteiligen. Der Wartburgkreis und die süd- sowie einige nordthüringer Landkreise haben hier ordentlich vorgelegt. Die fehlende Unterstützung einzelner Landkreise stellt den Erfolg des gesamten Vorhabens in Frage. Auch im Zuge des noch bestehenden Konflikts bezüglich der Markierung des Thüringer Lutherweges ist ein Blick über die Landesgrenze hinaus geboten. Damit die Planungen engagiert weitergeführt werden können, muss eine zügige und einvernehmliche Lösung angestrebt werden. Um das Vorhaben „Thüringer Lutherweg“ aber insgesamt auf ein neues, solides Fundament zu stellen, bedarf es an dieser Stelle einer klaren Strukturveränderung und einer Sicherung des Fortbestandes der Planungs- und Umsetzungsmaßnahmen. Denkbar wäre die Installierung einer Arbeitsgruppe mit folgenden Akteuren: Thüringer Tourismus GmbH, Lutherbeauftragter der Landesregierung, örtliche Verwaltungen, Kirche, Wegewarte der Regionen, Vertreter des TMLFUN und des TMWAT sowie Mitarbeiter der bereits bestehenden Planungsstelle. Darüber hinaus rege ich an, eine Schirmherrschaft über den Thüringer Lutherweg zu installieren. Sollte dieser Vorschlag Berücksichtigung finden, so biete ich gern an, bei Suche und Auswahl einer solchen Person zu helfen. Thüringen als Wander- und Reformationsland muss einen Lutherweg bieten können, der die Thüringer Lutherstätten verbindet und Pilgern zum Erlebnis macht.

11. „Anstrengungen machen gesund und stark.“ Oder: Thüringen im WWW Die angeführten Zahlen und Trends sprechen dafür, dass der religiöse Tourismus, als Baustein des überbegrifflichen spirituellen Tourismus, und damit der Tourismus in der Lutherdekade enorme Wachstumspotenziale inne hat. Diese sollten nicht ungenutzt bleiben. Erkannt und umgesetzt wurden diese Erkenntnisse bereits von der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT). Auf der englischsprachigen Webseite (www.germany-tourism.de) wurden „Spiritueller Tourismus“ und (seit 2008) „Luther 2017“ in eigene und umfassende Rubriken eingeteilt. Außerdem sind dort nützliche Querverweise auf Institutionen und aktuelle Veranstaltungen rund um die Lutherdekade aufgeführt. Es fällt auf, dass Thüringen bei diesen Verlinkungen keinerlei Aufmerksamkeit erhält. Verlinkt sind beispielsweise die Geschäftsstelle Luther 2017, der Verein Wege zu Luther e.V., Lutherweg in Sachsen-Anhalt sowie die bereits erwähnten aktuellen Veranstaltungen, die sich merklich auf Wittenberg beschränken. Weltweit besuchen jährlich 30 Millionen User die Seite der DZT. Daher dränge ich darauf, Thüringen mit seinen Lutherstätten dort stärker zu präsentieren als dies bisher geschah. Über den im Frühjahr diesen Jahres beigelegten Streit um die „Luther-in-Thüringen“-Domain habe ich mich sehr gefreut. Deutliche Potenziale liegen aber noch in der englischen Ausführung der Christian Hirte MdB • Wartburgallee 48 • 99817 Eisenach • Tel.: (03691) 888 1994 • Fax: (03691) 73 49 824 Mail: christian.hirte@bundestag.de • Internet: www.christian-hirte.de


Lutherpapier 2.0 Christian Hirte MdB September 2010 Seite 12

Webseite. Um Protestanten, Lutheraner und Otto-Normal-Touristen in aller Welt für die Reformationsdekade zu begeistern, ist eine englische Webseite unumgänglich. Die Englische Version der Webseite (www.luther-in-thueringen.com) ist mit der deutschen Ursprungsseite in Sachen Aufbau und Inhalt nicht vergleichbar. An dieser Stelle muss unbedingt und zeitnah nachjustiert werden. Dass das Internet eine zunehmend größer werdende Rolle im Tourismusbereich spielt, macht sich auch darin bemerkbar, dass bereits im Jahr 2008 37 Prozent der Buchungen in Thüringen online abgewickelt wurden. Es ist sicher davon auszugehen, dass diese Zahl in Zukunft weiter ansteigen wird. Aus diesem Grund ist es wichtig und dringend notwendig, die Online-Strukturen im Thüringer Tourismus auf die spätestens 2017 zu erwartenden Ströme vorzubereiten. Dazu zählt auch, Webseiten in mehrere Fremdsprachen zu übersetzen. So haben andere Bundesländer eine solche Investition getätigt. In Bezug auf die Lutherdekade könnte man sich auf die Sprachen konzentrieren, die einen hohen Anteil an protestantischen Einwohnern haben oder seit Jahren steigende Besucherzahlen in Deutschland aufweisen. Angebote, die zielgruppengerecht erstellt und in einer lückenlosen Betreuung des Touristen münden sollten, müssen bis zum Jahre 2015 fertig geschnürt werden. In diesem Jahr nämlich findet in Erfurt der German Travel Market (GTM) statt. Das heißt: Die in Deutschland größte Werbe- und Verkaufsveranstaltung im Bereich Tourismus wird nach Thüringen kommen. Das heißt auch, dass sich Thüringen hier entsprechend präsentieren und die geschnürten Angebotspakete mit großem Engagement in alle Welt verkaufen muss. Im Jahr 2010 verzeichnete der GTM beispielsweise 140 Teilnehmer aus den wichtigsten Märkten weltweit. Der GTM 2015 in Erfurt wird die für Thüringen entscheidende Veranstaltung touristischer Art sein. Im Zeitalter modernster Kommunikationsformen ist eine auf den Besucher abgestimmte Webseite unumgänglich. Wenn es darum geht, die präsentierten Zahlen und Trends zu beherzigen, müssen bestehende Seiten und Strukturen konzentriert überarbeitet werden.

12. „Man kann das Werk vom Glauben ebenso wenig scheiden, wie man das Brennen vom Feuer trennen kann.“ Oder: Religion und Konfession – Raum für geistige und geistliche Debatte Dass Vertreter der Kirchen in Deutschland eine besondere Rolle im Gesamtgefüge der Reformationsdekade einnehmen sollten, ist aus meiner Sicht unstrittig. In zahlreichen Aktivitäten, Gesprächskreisen, Beiträgen und Predigten sind führende Kirchenvertreter bereits in die geistliche Debatte der Reformation mitsamt ihrer Kernthesen und Auswirkungen auf die Menschheit eingetreten. Ich verfolge diese Beiträge mit großer Freude, denn sie helfen, die historisch weitreichende Bedeutung der Reformation, die auch 500 Jahre danach bemerkbar ist, für unsere Generation und unsere Zeit verständlich zu kommunizieren. Dabei wünsche ich mir mehr Unterstützung für diejenigen, die sich dieser wichtigen Debatte verschrieben haben. Die Kirchen leisten damit den wichtigen Teil, weite Teile der Bevölkerung für dieses Thema und die Dekade zu sensibilisieren und zu begeistern. Spürbare Unterstützungsimpulse können an dieser Stelle die Medien geben, aber auch

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Lutherpapier 2.0 Christian Hirte MdB September 2010 Seite 13

Verwaltungen können einen Weg bereiten, dass sich etwa Schülergruppen mit der Reformation in ihrem Ort auseinandersetzen. So sollten wir alle die Lutherdekade und das Reformationsjubiläum 2017 als Chance sehen, das Christentum im Kontext und Dialog der großen Weltreligionen als Einheit darzustellen. Luthers Ziele waren nicht, die Kirche zu spalten und ihr damit zu schaden, sondern Missstände offen anzusprechen und die Kirche als Glaubensheimat vieler Menschen wieder attraktiv zu gestalten. Grundsätze und Ideen der Reformation können in unserer Zeit eine größere Rolle spielen, um die Christen insgesamt ein Stück näher zu bringen und innerchristliche Konfliktlinien zu entschärfen. Eine inhaltliche Debatte kann auch dazu beitragen, den von Samuel Huntington prophezeiten Clash of Civilizations zu verhindern, was letztlich im Interesse aller Weltreligionen stehen sollte. Die inhaltliche, religionspädagogische Auseinandersetzung mit den Grundzügen der Reformation muss stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. Das wünsche ich mir letztlich für alle Altersgruppen.

13. „Denn wir müssen per gradus emporsteigen, auf einer Treppe zu andern Stufen; keiner wird auf einen Hieb der Erste.“ Oder: Blick nach vorn - Tourismus in und bis 2017 Religion mit touristischen Ambitionen zu verbinden mag bei Manchem Skepsis hervorrufen. Das diesseitige Kommerz-Interesse von Reisenden steht der jenseitigen religiösen Verheißung entgegen, das Profane dem Heiligen, die Erholung der Erlösung, die Freizeit der Pflicht. So beschreibt es Michael Strausberg in seinem Buch „Religion im modernen Tourismus.“ Die Bedenken einer Kommerzialisierung des Glaubens gilt es, ernst zu nehmen - der Respekt gegenüber religiösen Gefühlen gebietet das. Der Tourismus in der Lutherdekade kann und darf nicht zum evangelikalen Disneyland werden. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, die Kirchen an allen Prozessen zu beteiligen. Respekt und Würde dürfen aber auch nicht zu Verzagtheit führen. Seit ca. 30 Jahren hat sich das Bedürfnis immer mehr gestärkt, Geschichte und Tradition touristisch umzusetzen. Das Stauffer-Jahr 1980 aber auch das Lutherjahr 1982 waren für diese Art des Kulturoder Religionstourismus Wendepunkte. Ob Bachjahre, Elisabethjahre, Ottonen, Salier, Wagner, oder Schiller – auf ganz unterschiedlichen Feldern kam es zu professionellen, beachteten, gefeierten und erfolgreichen Jubiläumsjahren. Hervorragende Ausstellungen mit enormen Besucherzahlen, Konzerte, Aufführungen, Bücher usw. prägten diese Ereignisse und wurden am Ende auch kommerzielle Erfolge. Die Stadt Weimar profitiert bis heute vom Goethejahr 1999, in dem sie auch Kulturhauptstadt Europas war. Dies kann und soll auch den Lutherorten in der Dekade und darüber hinaus gelingen. Denn ein Blick in die Folgejahre zeigt, dass es für die Lutherdekade viele Anknüpfungspunkte geben wird, die zur touristischen Fortschreibung dienen können. Von der Bibelübersetzung über den Bauernkrieg bis zum Schmalkaldischen Bund – Thüringen war auch nach 1517 Schauplatz von Weltereignissen in direkter Folge der Reformation. Die nächsten 500-Jahrfeiern müssen auf einer erfolgreichen Lutherdekade aufbauen. „Immer weitermachen“ war das fußballeri-

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sche Motto von Oliver Kahn. Auch für die Lutherdekade gilt daher, den Blick schon heute für die Zeit nach 2017 zu öffnen. Gerade Thüringen als Kernland der Reformation profitiert sehr von den Besuchern und Gästen, die jedes Jahr die Thüringer Lutherstätten aufsuchen. Dass sich für Deutschland und Thüringen erhebliche touristische Potenziale durch die Reformationsdekade ergeben, ist weithin bekannt. Ich möchte diese These nun auch mit einer bescheidenen Auswahl an gewichtigen Zahlen belegen. Weltweit werden derzeit 400 Millionen Protestanten, davon 71,8 Millionen Lutheraner gezählt. Wenn wir es schaffen, dass nur ein kleiner Teil der weltweit vertretenen Lutheraner nach Thüringen kommen, können die Gästeankünfte im Freistaat aus dem Jahre 2009 sehr deutlich gesteigert werden. Durch den zunehmenden Städtetourismus und dem bisher geringen Anteil ausländischer Gäste in Thüringen (2009: 227.000 – 6,6 Prozent) ergeben sich weitere, erhebliche Wachstumspotenziale. Hinzu kommt die Tatsache, dass zwei Drittel der Thüringen-Touristen aus den neuen Bundesländern kommen. Also auch an dieser Stelle gilt es, Reserven weiter auszuschöpfen. Religiöser Tourismus, der für die kommenden Jahre von entscheidender Bedeutung sein wird, erfreut sich außerdem einer stetig steigenden Nachfrage. Seit 1989 hat beispielsweise der Jakobsweg seine Besucherzahlen verdoppelt. Insbesondere junge Menschen haben das Pilgern, nicht nur auf dem Jakobsweg, für sich entdeckt. Mit einem Marktanteil in Deutschland der rein religiösmotivierten Reisen von unter einem Prozent spielt dieses Segment de facto keine entscheidende Rolle, ist aber demnach stark ausbaufähig. Darüber hinaus sorgen besondere religiöse Events, zu denen auch das Reformationsjubiläum zu zählen ist, nachweislich für deutlich steigende Besucherzahlen in Deutschland. So sind die Papstwahl und der Weltjugendtag im Jahre 2005 verantwortlich für eine Vervierfachung der religiös motivierten Reisen nach Deutschland. Ähnliche Zahlen wird auch das Jahr 2017 schreiben. Davon bin ich überzeugt. Neben der wissenschaftlichen, historisch-authentischen und pädagogischen Aufarbeitung der Reformation darf die Wirtschaftlichkeit des Jubiläums und der gesamten Dekade nicht vernachlässigt werden. Die Statistiken sprechen eine eindeutige Sprache und legen den Grundstein für die Angebotserarbeitung der Thüringer Touristiker.

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