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Ausgabe September 14. Jahrgang / #132

Ausgabe 09- 10/17 2,50 Euro

Was da wieder los ist: Termine & Partys 01.09. – 15.10.17

AB

07.09. IM KINO!

© 2017 GOLDEN GIRLS FILMPRODUKTION & FILMSERVICES GMBH

mit T H EM EN H EF T Bauen & Wohnen

DIGITALES DESASTER

Freiburger IT-Experten zeigen, wie leicht sich Daten klauen lassen

GEKRÖNT

Freiburgs Kerne  spuckender König

GESTÄHLT

Gernot Erler bilanziert lange Polit-Karrierre

GESPALTEN

Wie ein Platz die Stadt aufrüttelt


CHILLI EDITORIAL

SKURRILES FREIBURG

Foto: © tln

VON ÜBERARBEITETEN HACKERN UND SPUCKENDEN CHAMPIONS

„Kraul ihn einfach!“: Ganz schön zutraulich präsentierte sich Freiburgs erster Online-Ochse. 

Liebe Leserin & lieber Leser, als Monatsmagazin sind wir in der glücklichen Lage, nicht tagesaktuell berichten zu müssen. Doch manchmal reichen auch vier Wochen für die Recherche nicht aus. Das hat Till Neumann bei seinem Bericht über Hackerangriffe gemerkt. Die Idee dazu war schon nach den WannaCry-­ Angriffen im Mai geboren. Doch der dafür benötigte IT-Experte war so sehr damit beschäftigt, die Server seiner Kunden gegen digitale Diebe zu verteidigen, dass er wochenlang nicht zu kriegen war. Zum lang ersehnten Treffen erschien der Kerl schließlich mit dunklen Augenringen und zersaus­ tem Haar. 80 Stunden arbeitet er nach eigenen Angaben pro Woche. Trotz aller Müdigkeit: um den Server einer Firma zu hacken, brauchte er nur einen Nachmittag. Und es war so einfach. 80-Stunden-Wochen kennen auch die Abgeordneten in Berlin. Im chilli-Interview erklärt der Freiburger Gernot Erler, warum die Bilder des oft halbleeren Plenums nicht bedeuten, dass die Abgeordneten „wie Donald Trump zu Hause fernsehen“. Für Erler selbst ist ab Mitte Oktober Schluss mit Mammut-Arbeitszeiten: Nach 30

Jahren Bundestag setzt er sich zur Ruhe. Auch wenn es bei all seinen ehrenamtlichen Funktionen mit der Ruhe schwierig werden dürfte. Alles andere als ruhig war auch Neumanns Fahrt zum Stollenbach bei Oberried. Um den ersten Online-Ochsen des Start-ups „Cowfunding“ zu besuchen, hat er seine 1,87 Meter in einen Traktor gefaltet. Bei den Prachtkerlen auf der Weide ist das gut angekommen: Die zutraulichen Rindviecher umringten den chillisten im Nu. „Kraul sie hinter den Ohren, dann bist du der King“, riet ihm Landwirt Ewald Sandmann. Wie königlich Konrad Wiemanns Draht zu Kühen ist, wissen wir nicht. Da Erfolg bekanntermaßen sexy macht, sollte Freiburgs frisch gekrönter Champion eigentlich auch bei Vierbeinern ankommen. Immerhin wurde Wiemann jüngst zu Freiburgs neuem Kirschkern-Weitspuck-Meister gekürt. Ein Erfolg, den er seiner traditionellen Backenblähmethode verdankt. Wir wünschen anregende Lektüre. Bleiben Sie, bleibt uns gewogen.

Herzlichst, Tanja Bruckert & die chillisten

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SCHWARZES BRETT

Mit dem Heimspiel gegen die Frankfurter Eintracht startete der SC Freiburg am 20. August in die neue Bundesliga-Saison. Nach Urlaub, Trainingslager, Testspielen und der Saisoneröffnung gingen die Spieler gestärkt auf den Rasen. Dem tat die Sommerpause gut, denn Chef-Greenkeeper Alfred Melcher und seine beiden Kollegen hatten Zeit, das Spielfeld wieder in beste Verfassung zu bringen. Melcher macht das schon seit 17 Jahren – mit gleich gebliebener Begeisterung.

Foto: © ewei

GREENKEEPER ALS WETTERFROSCH

„Der Rasen ist beim Fußball zwar nicht das allerwichtigste, aber doch immerhin der Ort, auf dem die Spieler sich so wohlfühlen sollten, dass sie das Spiel so bestreiten können, wie sie selbst, der Trainer und die Fans es erwarten. Das Gras muss kurz genug und immer gerade so feucht sein, damit der Ball leicht läuft, die Spieler aber noch gut rennen können. Im Sommer müssen wir viel beregnen und den Rasen jeden zweiten Tag mähen. Nach der Empfehlung der DFL darf er ja nicht höher als drei Zentimeter sein und er wächst ziemlich schnell. Allein mit dem Mähen der beiden Rasenflächen auf 2,6 Zentimeter Halmlänge haben wir bei insgesamt 22.000 Quadratmetern (mit Trainingsplätzen, d. Red.) schon gut zu tun. Dazu kommen dann noch reichlich Regenerations- und Prophylaxearbeiten. Wenn die Wurzeln nicht stark genug sind, kann der Rasen nach einem Spiel manchmal schon ziem-

lich ramponiert und voller Löcher sein. Die müssen wir dann wieder schließen, manchmal auch durch Nachsaat. Doch eigentlich legen wir mehr Wert darauf, die Graswurzeln durch gezielte Nährstoff-Gaben und durch das Entfernen konkurrierender Pflanzen zu stärken, ihnen zu einem besseren Halt zu verhelfen. Der Rasen soll ja wie ein dichter Teppich sein und dieser Zustand wird am besten durch gleichmäßiges Wachsen und Schneiden erzielt. Während der großen Hitze herrschten unter der Oberfläche 40 bis 45 Grad. Das hat die Pflanzen sehr gestresst, da brauchten sie viel Pflege, die wir in der Spielpause intensivieren konnten. Dazu sind außer der Zeit eine gute Belüftung und eine angemessene Beregnung sehr wichtig. Zumal der Boden durch zu wenige Niederschläge im Winter und im Frühjahr schon sehr trocken war. In diesem Jahr haben wir bis jetzt schon genauso viel Wasser verbraucht wie im ganzen Jahr 2016. Da sind wir schon froh über den Tiefbrunnen, den wir seit 2008 für die Eigenbewässerung haben. Er funktioniert mit Grundwasser, das wieder in das Grundwasser zurücksickert. Dennoch gehen wir auch mit dem Wasser schonend um. Wenn Regen angesagt ist, lassen wir die Beregnung sein. Und mit fünf verschiedenen Wetter-Apps kann ich die Wetterentwicklung sehr genau vorhersagen. So genau, dass ich im Stadion auch schon mal als Wetterfrosch diene.“  Aufgezeichnet von Erika Weisser

Foto: © tln

VERLIEBT, VERLOBT, ...

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Kaum ist die „Ehe für alle“ da, schon sind die chillistinnen Tanja Bruckert und Valérie Baumanns vor den Altar getreten. Zugegeben: nicht miteinander. Beide haben ihre langjährigen Freunde geheiratet. Aus Bruckert wurde daher schon in dieser Ausgabe Senn. Das Kürzel „tbr“ ist einem „tas“ gewichen. Valérie Baumanns wird ihre Artikel ab der kommenden Ausgabe mit Scholten und dem Kürzel „vas“ kennzeichnen. Und weil aller guten Dinge drei sind: Auch die Straße, in der der chilli-Verlag beheimatet ist, hat jetzt einen neuen Namen. Die Neunlindenstraße wurde auf dem alten Güterbahnhofgelände in Paul-Ehrlich-Straße umbenannt. Und dafür hat es statt eines Ehevertrags nur einen neuen Bebauungsplan gebraucht.


SCHWARZES BRETT

DO IT YOURSELF?!

NACHGEWÜRZT! DAS ENDE DES AUTOS

Foto: © fho

Als ich Kind war, ist mein Zahnarzt jeden Sommer nach Sylt gefahren. Allerdings nicht allein: Nur mit dem NEUEN Mercedes konnte man sich sehen lassen bei den anderen Zahnärzten in Kampen. Das war die Zeit, als eine berühmte Bausparkasse noch geworben hat mit dem Slogan „Mein Haus, mein Auto, mein Boot!“ Das ist heute in unseren prekären Zeiten vorbei. Aus dem Statussymbol Haus am See ist eine kleine Erdgeschoss-Wohnung im überteuerten Viertel geworden – es sei denn, Sie sind Zahnarzt, dann reicht´s für den ersten Stock. Aus dem Boot ist ne kleine Kreuzfahrt rund um Gibraltar geworden und aus dem Auto ist ein kleiner „Car 2 Go“-Quickie geworden – eine Art Swingerclub des Co2-Sparers. Das Ende des Autos naht, die Autokonzerne haben es selbst eingeläutet. 60 Arbeitskreise für Preisabsprachen haben Mercedes, BMW, Audi, VW und Porsche gegründet, tausend Mal haben sie sich getroffen. Arbeitskreise – das gab es zuletzt bei den 68ern. Daniel Cohn Bendit und Joschka Fischer, das waren Ernie und Bert der 68er, gründeten den Arbeitskreis Realpolitik. Joschka war damals bei Opel in Rüsselsheim am Band, heute malocht er als Berater von BMW. Die 68er sind endlich in der Automobilindustrie angekommen. Das nenne ich einen ganz langen Marsch durch die Institutionen. Mein Vorschlag: Einfach alle deutschen Autohersteller zusammenlegen und verstaatlichen – zur VEB Auto. Produziert wird wegen mangelnder Nachfrage nur noch ein Modell, der Trabi reloaded. Es heißt ja häufig, der Diesel sei das Nokia-Handy unter den Autos kurz vor der Einführung des iPhone. Das ist Quatsch! Das klassische Auto ist die Schallplatte unter den Fortbewegungsmitteln und das Elektroauto ist die CD – eine Art Übergangstechnik auf dem Weg zur eigenen Abschaffung. Denn die wahre Zukunft liegt in der Deutschen Bahn. Die 180 Millionen Subventionen, die allein zwischen 2010 und 2012 an die fünf großen Autohersteller gingen, müssen ab sofort an die DB gehen. Damit die nie wieder behaupten kann, dass eine „Störung im Betriebsablauf“ in eine zweistündige Verspätung mündet. Damit sie nie wieder auf Billigfachkräfte wie Hartmut Mehdorn und Rüdiger Grube zurückgreifen muss. Damit man Mails mit einem einseitigen Word-Dokument bald in weniger als einer Stunde versenden kann. So wird die Bahn-Card-Comfort zum ultimativen Statussymbol. Ein neuer Retro-Angeber-Werbe-Spot für die Bahn könnte so gehen: „Mein nicht ausgefallener ICE, mein nicht ganz überfülltes Bordbistro, mein nicht besonders muffeliger Schaffner.“

Im April 2015 machte ein Bild von zwei Werbetafeln aus Konstanz die Runde. Links: Eine blonde Frau, die mit „Ich mach’s mit meinem Mann“ dazu aufruft, Aids keine Chance zu geben. Direkt daneben, der Hornbach-Slogan: „Respekt, wer’s selber macht.“ Das Bild aus Freiburg von Ex-chillist Felix Holm legt einen drauf: Zwei Werbeplakate. Eines davon ruft fürs „Finale Grande“ wieder zum Selbermachen auf. Das andere, naja ... Ein Werbegag? Schräger Humor des Plakatierers? Oder steckt ein Bestattungsunternehmen dahinter?

KEIN DÖNERCOPTER Foto: © privat

Florian Schroeder, Kabarettist,  studierte in Freiburg, lebt in Berlin und vergibt die chilli-Schote am goldenen Band.

Foto: © Privat

Auch die Polizei setzt auf Drohnen. Das war Anfang Juli am Hauptbahnhof zu beobachten. Unter einem Treppenaufgang stand dort ein Polizist und steuerte das Flugobjekt. Ein Döncercopter war es nicht, wie chilli-Recherchen belegen. Die Bundespolizei hat dort im Rahmen des Hamburger G20-Gipfels ermittelt. Denn im Vorfeld des Treffens seien in Deutschland Anschläge auf Kabelstränge und Schaltkästen verübt worden. Ein Einzelfall war der Einsatz nicht: „Der Einsatz von Drohnen wird bei vergleichbaren Groß- und Grenzlagen zum Standardrepertoire der Bundespolizei gehören“, lässt die Pressestelle wissen. tas /tln

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SZENE MOBILITÄT

SCHWERELOSES SHARING

WINGLY BIETET MITFLUGGELEGENHEITEN IM INTERNET AN – AUCH FÜR FREIBURG

Foto: © Wingly

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itfahrgelegenheiten kennt jeder. Dass es das auch im Flieger gibt, wissen viele nicht. Wingly heißt ein deutsch-französisches Start-up, das Piloten und Fluggäste zusammenbringt. Mittlerweile gibt’s die Mitflugzentrale auch in Freiburg. Pilotin Rebecca Langemeyer hat chilli-Redakteur Till Neumann bei einem Flug über Freiburg erklärt, wie das funktioniert. Seit Herbst ist die BWL-Studentin Teil von Wingly. Auf die Plattform ist die 26-Jährige im Netz gestoßen. „Erst wollte ich auf blablacar Mitflüge anbieten“, erinnert sie sich. Das sei aber nicht möglich. Also suchte sie weiter und fand Wingly. Die Vorteile liegen für die Studentin auf der Hand: „Man knüpft Kontakte, kriegt jede Menge Infos zum Fliegen und spart Kohle.“ Sie stellt auf der Plattform Flüge ein, Interessenten können sie buchen. Die Kosten halbiert sie mit jedem Pas-

sagier. Jeder zahlt 50 Prozent. Statt 60 Euro für die halbe Stunde Rundflug über Freiburg, sind es pro Kopf nur 30. „Wingly macht Fliegen günstig“, schwärmt die BWL-Studentin. Das einzige Risiko: Man wisse nie, mit wem man fliege. Das gilt für Passagiere nur bedingt. Sie können sich immerhin im Netz die Profile der 2800 Wingly-Piloten anschauen. Zehn sind Ende Juli dort für Freiburg gelistet. Sechs davon mit Profilbild, zu jedem gibt es einen kleinen Infotext. Angeboten werden Rundflüge oder feste Strecken. 41.000 Nutzer hat die Plattform derzeit in Deutschland. Als wir am Freiburger Flugplatz in ihren Ultraleichtflieger steigen, wird mir klar, warum es wichtig ist, mit wem man fliegt. Im kleinen Cockpit sitzen wir dicht auf dicht nebeneinander. Gemütlich ist das, wenn man sich gut versteht – und vertraut. Denn die vielen Knöpfe und Schalter vor uns lassen keinen Zweifel daran: Fliegen ist kein Kinderspiel.

STRITTIGES STADION NEUER STANDORT WEITER IN DER KRITIK Der SC Freiburg will am Freiburger Flugplatz ein Stadion bauen. Ab der Saison 2019/2020 soll in der 76,5 Millionen Euro teuren Arena der Ball rollen. Am Flugplatz gibt’s Einschränkungen: Die Fallschirmspringer mussten bereits nach Lahr umziehen. Ob die Segelflieger bleiben können, ist unklar. Der Flugbetrieb muss während der Spiele wegen der Luftverwirbelungen voraussichtlich für sechs Stunden eingestellt werden. Ursprünglich war von 90 Minuten die Rede. Gegen die aktuellen Planungen stemmt sich die Bürgerinitiative Pro Flugplatz. Sie schlägt vor, das Stadion nicht am Wolfswinkel, sondern hinter dem Möbelhaus 12 CHILLI SEPTEMBER 2017

XXXLutz zu bauen (Spiegelvariante). Das soll den Lärm für Anwohner im Mooswald reduzieren und Kosten sparen. Denn die Distanz zum Wohngebiet sei in dem Fall doppelt so groß und das Stadion nicht mehr in der Hauptwindrichtung der Start- und Landebahn. So müsse der Flugbetrieb während der Fußballspiele nicht eingestellt werden, sagen Vertreter der Bürgerinitiative. Im Rathaus stößt die Spiegelvariante auf Unverständnis. Beispielsweise sei der Vorplatz des Stadions zu klein und die Mitfinanzierung des Landes von elf Millionen Euro fürs neue Konzept nicht gesichert. tln


SZENE MOBILITÄT

Abgehoben: Wingly-Pilotin Rebecca Langemeyer macht mit chilli-Redakteur Till Neumann einen Rundflug über Freiburg. 

„Wenn man sich mit dem anderen nicht wohlfühlt, sollte man einfach nicht einsteigen“, sagt Langemeyer. Bei einer Mitfahrgelegenheit nehme sie ja auch nicht jeden mit. Abgelehnt hat sie dennoch bisher niemand. Und wenn in der Luft etwas passiert? Die Maschine hat einen Rettungsschirm, erzählt die Pilotin mit schwarzer Kappe und Sonnenbrille. Der Schirm bringe das 310 Kilo schwere Flugzeug zum Boden. „Das ist ungemütlich, aber man überlebt“, sagt sie. Gebraucht hat sie ihn bisher nicht. „Alfa Romeo Delta“ Aus den Lautsprechern dröhnt der Funkverkehr in unsere Headsets. Als Laie versteht man da nur Bahnhof. Langsam rollen wir zur Startbahn. Abzuheben ist Routine für die Studentin: „Man muss einfach immer hellwach bleiben.“ Einen Fehler zu machen, sei okay. Man dürfe dann aber keinen zweiten machen. „Wenn man zum Beispiel zu weit ist beim Anflug, muss man die Courage haben und wieder durchstarten, anstatt runterzuprügeln.“ Rrrrrrrrrr, wir heben ab. Was sich im ersten Moment ein bisschen mulmig anfühlt, ist kurz darauf erhebend. Freiburg wird kleiner und kleiner, wir steuern Richtung Schauinsland. Die Berge, das Grün, der Himmel. Traumhaft.

Fotos: © tln

„Wir sind jetzt 1000 Fuß über Grund“, sagt Langemeyer. Mit 160 Stundenkilometern brettern wir über den Breisgau. Auch die Pilotin genießt die Aussicht: „Das ist einfach ein schönes Fleckchen Erde.“ Ein paar Tage vorher hat sie aus der Vogelperspektive deutlich mehr gesehen: Mit Freunden flog sie bis nach England, ihr bisher weitester Flug. Ihr Herz schlägt für Freiburg. „Ich wünsche mir, dass der Flugplatz hier bleibt. Das ist einfach unique, so nahe an der Stadt.“ Dem SC drücke sie die Daumen. Dass das neue Stadion die Flieger verdrängen könnte, besorgt sie aber. Wenn sie morgens startet, sieht sie Hasen übers Feld hoppeln. Mal kurz nach der Uni in den Flieger steigen, ginge nicht mehr, wenn die Flieger dem Stadion weichen müssten (siehe Infokasten). Jetzt sausen wir am Münster vorbei, sehen das ZMF, den Seepark. Der Motor rattert, der Flieger macht einen Hüpfer. „Bei dem Wind ist das normal“, sagt die Ultraleicht-Pilotin. Sorgen bräuchte ich mir keine machen. Selbst wenn sie nicht mehr steuern könnte, käme ich mit Hilfe vom Tower zur Erde, erklärt sie. Nötig ist das nicht: Souverän landet sie die Maschine nach rund 30 Minuten am Flugplatz. Ziemlich schwerelos, dieses Sharing. tln

»MAN MUSS HELLWACH BLEIBEN«

MEINE SORGEN BRIEFKASTENSTRESS

Ich habe keinen funktionstüchtigen Briefkasten. Er ist zwar am richtigen Ort und sieht auch hübsch aus, jedoch geht der Schlüssel nicht. Er passt rein, umdrehen lässt er sich aber nicht. Bis auf gewaltvolle Versuche kam vom Hausmeister nicht viel. Sein Ratschlag, Klebeband an einem Ast zu befestigen und die Briefe zu angeln, war tatsächlich ernst gemeint. Alternative: Ein Vogelhäuschen an meinem Balkon anbringen und Brieftauben empfangen.

Seitdem hat mein Studentenwohnheim, das Campo Novo, drei nachfolgende Hausmeister gesehen. Helfen konnten (oder wollten) sie mir alle nicht. Erst vor Kurzem wurde ich an einen Verantwortlichen weitergeleitet. Dieser ließ mich besonders mit dem Satz „Wir bedauern das sehr und werden uns schnellstmöglich darum kümmern“ neue Hoffnung schöpfen. Und tatsächlich kam dann DIE Erklärung: Es gab Unstimmigkeiten bei den

Schlüsselplänen und mehrere Bewohner sind davon betroffen … Er werde sich „mit hohem Nachdruck dahinterklemmen“. Doch nach elf Monaten ohne funktionierenden Briefkasten wage ich das zu bezweifeln. Wann genau ich endlich schmerzfrei, ohne Quetschungen und Schürfwunden, an meine Post komme, bleibt wohl ein Rätsel. Wahrscheinlich liegt die Antwort schon seit Monaten im Briefkasten …  iba SEPTEMBER 2017 CHILLI 13


SZENE GLEICHBERECHTIGUNG

KEINE STADT DER JA-SAGER IN FREIBURG BLEIBT DER ANSTURM AUF DIE „EHE FÜR ALLE“ BISHER AUS

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rau heiratet Frau. Mann heiratet Mann. Die Ehe für alle ist da. Zumindest so gut wie. Ab dem 1. Oktober dürfen sich gleichgeschlechtliche Paare das Ja-Wort geben – nicht nur zur Lebenspartnerschaft, sondern zur Ehe mit allen Rechten und Pflichten. Schon jetzt trudeln auf den Standesämtern die ersten Anmeldungen ein. Während man in manch anderen Städten einen Ansturm fürchtet, bleibt man auf dem Freiburger Standesamt gelassen.

Foto: © clipdealer.de

Sie trauen sich. Dietrich Schneider und sein Partner wollen im Spätherbst heiraten. Noch sind einige Fragen offen. Etwa, auf welchem Standesamt die Ringe getauscht werden. Denn Schneider wohnt in Frankfurt, sein Freund – der anonym bleiben möchte – in Freiburg. Ihre Heirats­ pläne haben sie von keinem Bundestagsbeschluss abhängig gemacht, eine Lebenspartnerschaft wäre eine annehmbare Alternative gewesen. Trotzdem sieht der 49-Jährige die Ehe für alle als „großen Schritt in Richtung Gleichberechtigung“. Im Freundeskreis des Paares stimmt dem nicht jeder zu. „Was wollt ihr denn noch alles?“, wurde Schneider gefragt. „Wir wollen nicht mehr als andere, wir wollen nur das Gleiche“, antwortet er.

Das Gleiche, das ist eine Ehe mit allen Rechten, die dazugehören. Viel Neues ist nicht dabei. Denn rechtlich sind Ehen und Lebenspartnerschaften ziemlich gleichgestellt, etwa im Bezug auf Unterhalt, Hinterbliebenenversorgung, Ehegattensplitting oder die Adoption von Kindern des Partners. Neu ist das Recht, auch gemeinsam Kinder zu adoptieren. Ist der viel beachtete Bundestagsbeschluss also nur Symbolpolitik? „Die ist natürlich auch dabei“, erläutert SPD-Stadtrat Walter Krögner, „doch manchmal ist Symbolik notwendig.“ Sie mache Schluss mit dem Vorurteil, eine Ehe zwischen Homo- und Heterosexuellen sei nicht das Gleiche. Er selbst plant momentan nicht, seine Partnerschaft in eine Ehe umzuwandeln. Überhaupt ist das Interesse auf dem Freiburger Standesamt bisher verhalten: Bis Anfang August haben sich elf Paare angemeldet. Teils wollen sie sich neu binden, teils ihre Lebenspartnerschaft umwandeln. Denn die werden nicht automatisch zur Ehe, es braucht ein erneutes

„Ende einer Zwei-Klassen-Gesellschaft“: Am 1. Oktober kommt die Ehe für alle.

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Ja-Wort. Wer will, macht das ganz unzeremoniell in den Büroräumen. Feierlicher wird es im historischen Trauzimmer. In anderen Städten wie Frankfurt oder München fürchtet man, vom Ansturm überrollt zu werden. Das Münchener Standesamt erwartet, dass sich von den 2900 verpartnerten Paaren bis Ende 2018 rund 2500 erneut das Ja-Wort geben. Hier prüft die Verwaltung gerade, ob man das Personal deshalb aufstocken muss. In Freiburg bleibt man hingegen gelassen. Seit ihrer Einführung im August 2001 wurden hier rund 350 Lebenspartnerschaften geschlossen. Sollten all diese Paare eine Umwandlung wollen, würde das ein Drittel aller jährlichen Eheschließungen ausmachen. Bei einem solchen „Run“ wäre das Standesamt in der Tat personell überlastet, so Pressesprecherin Eva Amann. Die bisher überschaubaren Anmeldungen geben aber keinen Grund zur Sorge. Bei der Rosa Hilfe Freiburg feiert man „das Ende einer Zwei-Klassen-Gesellschaft im Standesamt“. Doch auch Vorstandsmitglied Mathias Falk sieht keine Welle auf die Behörden zurollen: „Vielleicht ist der Bedarf an Akut-Heirat gar nicht so hoch, weil die selbstgeschaffenen Le­ bensrealitäten passen.“ Schwule und Les­ ben seien jahrzehntelang gezwungen gewesen, sich ihre Wahlfamilien „jenseits der Hetero-Norm“ aufzubauen. Eine An­ gleichung der Heiratsquoten könne man eher auf lange Sicht erwarten. Und dann gebe es noch Paare, die von einer Hochzeit im ganz großen Stil träumen, weiß Falk. Ihr Plan: eine Zeremonie, bei der gleich mehrere Paare ihre Partnerschaften in Ehen umwandeln. Die Hochzeit als große Standesamt-Party – für alle. Tanja Senn

»WAS WOLLT IHR DENN NOCH ALLES?«


SZENE LANDWIRTSCHAFT

Denkt digital: Landwirt Ewald Sandmann aus Oberried hat 20 Vorderwälder Ochsen. Einer davon wird demnächst online verkauft.

ONLINE-OCHSE

START-UP „COWFUNDING“ BIETET KUH & CO. IM NETZ AN

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Fotos: © tln

ransparenz, Regionalität, Qualität – das will das Freiburger Start-up „Cowfunding“ seinen Kunden bieten. Die Idee: Landwirte aus der Region stellen Tiere zum Verkauf ins Internet. Sobald genügend Fleisch geordert ist, geht’s zur Schlachtbank. Ein Test im März war erfolgreich. Im August ist Startschuss. Nummer 577. So heißt die erste „Cowfunding-Kuh“. Ein Name wäre zu emotional, sagt Besitzer Ewald Sandmann. Seine 20 Vorderwälder Ochsen auf der Weide bei Oberried rennen freudig los, als sie ihn sehen. Vier Jahre leben sie dort. 577 hat nun das Schlachtalter erreicht, im August geht sie online. „Die Zukunft läuft so“, sagt der 52-Jährige. Auch Landwirte müssten digital denken. Umgeben von Ochsen ist Ewald im Element: „Besseres Fleisch gibt’s nicht. Ich wüsste nicht, wie das gehen soll“, betont der Mann mit Hut und Lederhose. Seine Tiere hätten alles, um glücklich zu sein: Fressen, Trinken, frische Luft und Kollegen, um sich zu kraulen. Etwa vier von ihnen kommen jährlich zum Metzger. Die meiste Zeit sind sie auf der saftigen Weide. Das so gezüchtete Premiumfleisch hat seinen Preis: 19,90 Euro kostet das Kilo bei Sandmann. Bei Cowfunding zahlen Kunden 89 Euro für die kleinste Einheit: 3,25 Kilo. Eingeschweißt und vakuumiert. 30 Prozent des Betrags gehen ans Start-up.

Wie viel Sandmann damit verdient? „Wohl nicht mehr als sonst“, sagt er. Das Projekt stecke ja noch in den Kinderschuhen. Der Vorteil für ihn: Den Preis legt er selbst fest. Um die Kundenakquise kümmern sich die Cowfunder. Die Geschäftsidee hatte Moriz Vohrer. Der 35-Jährige war lange in der Entwicklungshilfe tätig. 2016 übernahm er den Hof seiner Eltern am Schauinsland. Die niedrigen Fleischpreise und das Unwissen von Städtern über die Arbeit der Bauern machten ihn stutzig. Also stellte er im März Tiere von seinem Hof und dem eines Nachbarn ins Netz.

KEINE AHNUNG VOM HIPSTER Das Rind und zwei Schafe waren nach eineinhalb Wochen an 42 Kunden verkauft. 300 Leute haben den Newsletter abonniert. Grund genug, Cowfunding größer aufzuziehen. „Stadt und Land sind zwei Welten“, sagt Vohrer. Städter hätten keine Ahnung, woher ihr Fleisch kommt. Landwirte wüssten nicht, wie der Hipster in Freiburg ticke. Das will er ändern. Fünf Landwirte sind bisher dabei. Weitere zu gewinnen, ist nicht leicht: „Viele sind interessiert, wollen aber oft nicht

verbindlich zusagen“, sagt Stephan Schleith. Er ist der zweite Teil der Firma, kümmert sich ums Marketing. Genau wie Sandmann ist er überzeugt: Übers Netz erreicht man Menschen. Der Landwirt ist selbst auf Cowfunding zugegangen, als er von der Idee las. Vorurteile ärgern ihn: „Ich höre nur von Massentierhaltung und Vegetariern.“ Die Pauschalisierung sei falsch. Er und seine Kollegen lebten für die Landwirtschaft – ohne Einnahmen: Sandmann verdient seine Brötchen in Vollzeit in der Landes-­ Forstwirtschaft. Viehzucht sei heute ein Nullsummenspiel: „Die Subventionen reichen für die Instandhaltung von Hof und Maschinen, Neuanschaffungen sind nicht drin.“ Von 125 Höfen im Münstertal werden fünf hauptberuflich betrieben. Warum Sandmann den Job trotzdem macht? „Was sonst?“, fragt er zurück. In fünfter Generation betreibt er den Familienhof. Anstatt abends vorm Fernseher zu sitzen, trinkt Sandwald „lieber ein Bier bei den Viechern“. Der Optimismus ist da: „Es findet ein Umdenken statt“, sagt Sandmann. Viele Städter wünschten sich mehr Bezug zur Natur. Das merkt er bei Holzfäller-­ Seminaren im Wald: „Die Leute kommen, wollen rumhacken, etwas mit ihren Händen schaffen.“ Cowfunding sei ein Gleis, um wieder in die Spur zu kommen. Till Neumann SEPTEMBER 2017 CHILLI 17


WIRTSCHAFT UNTERNEHMEN

DIE SMARTE HAUFE GROUP UMSATZSPRUNG UND NEUE FÜHRUNG

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Das Wachstum fußt vor allem auf Produktneuheiten, die auf die digitalen Veränderungen im Markt abzielen. Der Markenbereich Haufe verzeichnete dabei den höchsten Anstieg in seiner Geschichte. Zahlreiche Marktführer aus den Branchen Automobil und Telekommunikation hätten das neue Transformations-Angebot Rhythmix gebucht – ein Mix aus Consulting, Software und Training. Mit innovativen wie interaktiven Methoden unterstützt es Unternehmen dabei, ihre Business-Strategie zu verwirklichen.

Foto: © Haufe

as Freiburger Familienunternehmen Haufe Group bilanzierte zum Ende des Geschäftsjahres im Juni ein starkes Wachstum: Der Umsatz legte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 13 Prozent auf 343 Millionen Euro zu. Damit knackte die Softwareschmiede ihre eigene Zielmarke von 332 Millionen Euro deutlich. In Freiburg arbeiten derzeit 1000 Menschen für Haufe, weltweit sind es 1650.

Wo die digitale Transformation ankommt: Haufe-Headquarter in Freiburg.

„Die digitale Transformation ist bei unseren Kunden angekommen“, sagt Markus Reithwiesner, CEO der Haufe Group. Deswegen würde man weiterhin einen hohen Invest in diese neuen Märkte und Lösungen tätigen. Der 54-Jährige führt das Unternehmen seit dem 1. Juli gemeinsam mit Birte Hackenjos (48), nachdem der langjährige Chef Martin Laqua (65) in den Beirat wechselte.

Die Haufe Akademie trug ebenso zum Wachstum bei wie die Cloud-Lösungen von Lexware: Die Online-Buchhaltungslösung lexoffice verdoppelte binnen Jahresfrist seine Kundschaft, drei von vier neuen Kunden entschieden sich bei der privaten Steuererklärung zudem für die Online-Lösung smartsteuer. Bis 2020 wollen die Freiburger noch weitere 350 Arbeitsplätze schaffen. bar

DIE REKORDJÄGER

VAG-CHEFS „ÄUSSERST ZUFRIEDEN“ MIT 18 MILLIONEN EURO VERLUST

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er kann 18 Millionen Euro Verlust machen und dann damit glücklich und zufrieden sein? Die beiden Vorstände der Freiburger Verkehrs AG (VAG), Stephan Bartosch und Oliver Benz. Denn geplant hatten sie 24 Millionen Miese. Aber Fahrgast- und Umsatzrekorde ließen sie diesen Plan verfehlen. 78.747.100. Das ist die Zahl der Fahrgäste, die die VAG im vergangenen Jahr auf acht Millionen Linienkilometern in Trams und Bussen befördert hat. So viel wie nie. Im Vergleich zu 2015 fuhren 1,76 Millionen Menschen mehr mit den Bahnen und Bussen. „Obwohl wir für vier Wochen alle Linien am Theater unterbrechen mussten, das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung“, sagte Bartosch. Die Inbetriebnahme der Messelinie und die Verlängerung der Zähringer Linie bis an den Rand von Gundelfingen haben erheblichen Zuwachs gebracht. 24 CHILLI SEPTEMBER 2017

Der Umsatz wuchs damit um 2,23 auf 58,15 Millionen Euro, mit anderen Erlösen, etwa aus der ebenfalls auf Rekordniveau fahrenden Schauinslandbahn, summierten sich die Erträge auf 65,9 Millionen Euro. Auch das ist ein Rekord. Im Wirtschaftsplan für 2016 hatte ein Fehlbetrag von 24 Millionen Euro gestanden. 3,2 Millionen Euro mehr Erlöse sowie 2,8 Millionen Euro weniger Ausgaben als geplant brachten unterm Strich „nur“ 18 Millionen, das ist der Grund für die Zufriedenheit der beiden Vorstände. Schon 2015 waren Plan und Realität um sechs Millionen Euro auseinandergeklafft. Nein, man rechne nicht erst schlecht, um dann später besser dazustehen, man plane eben konservativ, sagten die Vorstände. Fürs laufende Jahr rechnen Bartosch und Benz erneut mit steigenden Fahrgastzahlen. Dass nun alle zwölf Trams der Marke Urbos 100 in Freiburg angekommen sind, erleichtere die Aufgabe. bar


Foto: © pixabay

WIRTSCHAFT UMWELT

CHANCEN STATT SCHRECKSZENARIEN

UNI FREIBURG WILL FIRMEN FIT MACHEN FÜR DEN KLIMAWANDEL

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eiße Sommer, feuchte Winter, Dürren und Unwetter. Auch, wenn manch ein Politiker es noch bezweifelt, die meisten Wissenschaftler sind sich einig: Der Klimawandel ist in vollem Gange. Das Projekt „Clim’ability“ will Unternehmen in der Oberrheinregion helfen, sich darauf vorzubereiten. 13 Partner – vom deutschen Wetterdienst bis zur elsässischen Industrie- und Handelskammer – haben sich dafür zusammengetan. Eine Forschungskooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, die in dieser Größe außergewöhnlich ist. Mit dabei ist auch ein Team der Uni Freiburg.

Anhand von Wetterprognosen und Hochwasserkarten erstellt ein UniTeam interaktive Karten für die Ober­ rheinregion. Auf ihnen können sich Firmen die Prognosen gezielt für ihren Standort anschauen: Wie viele heiße Tage wird es etwa 2050 geben? Wie oft wird es zu Starkregen kommen? Besteht die Gefahr von Überschwem-

Manchmal ist es ganz einfach, dem Klimawandel zu begegnen. Doktorand Nicolas Scholze nennt als Beispiel die Computerserver, die bei den meisten Unternehmen im Keller stehen. Ungünstig, wenn man bedenkt, dass es immer öfter Überschwemmungen gibt. Ist es nötig, den Serverraum zu verlegen? Bei solchen Entscheidungen will Scholze mit dem Projekt „Clim’ability“ helfen.

mungen? „Die Oberrheinregion ist innerhalb von Mitteleuropa auffällig“, erklärt Scholze, „weil die Hitzebelastung hier eh schon sehr hoch ist.“ Zudem werden bei dem dreijährigen Projekt – das gerade Halbzeit hat – Firmen aus der Nordwestschweiz, dem Elsass, Baden und der Südpfalz interviewt: Welche Auswirkungen hat die Hitze auf das Personal, das Management oder die Gebäude?

IMMER MEHR UND LÄNGER KÜHLEN

Einer dieser Interviewpartner ist das Logistikunternehmen Karl Dischinger in Kirchhofen. Hier beschäftigt man sich intensiv mit dem Thema Klimawandel. Vor allem, weil man dessen Auswirkungen schon spürt. „Wir müssen immer mehr und länger kühlen“, erläutert Kerstin Sacherer, die im Familienunternehmen unter anderem für Umweltthemen zuständig ist. Die Firma habe daher bereits in zusätzliche Kühlanlagen investiert. Doch nicht alle Auswirkungen des Klimawandels sind negativ: So profitiert Dischinger von den zunehmend milden Wintern. Da weniger Straßen durch Schnee blockiert sind, kommen die Lastwagen besser durch. „Wir wollen mit dem Projekt auch Chancen aufzeigen“, so Scholze. Einer der Projektpartner, ein elsässischer Landwirt, baue durch die veränderten Bedingungen etwa vermehrt Soja an. „Unser Ziel ist es nicht, Schreckensszenarien zu verbreiten“, betont der 33-Jährige, „sondern Chancen durch eine bessere Planung aufzuzeigen.“  Tanja Senn

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Dies war eine Leseprobe der September 2017-Ausgabe.

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chilli – das Freiburger Stadtmagazin  

Dies ist eine Leseprobe der aktuellen Ausgabe September 2017

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