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DAS TOURISMUSMAGAZIN

2021

#ME HRALSDAS


72 SEITEN EINER EINLADUNG

Wir haben da dieses Europäische Herzklopfen. Können Sie es schon hören? Als Kulturstadt mit industriellem Puls macht sich Chemnitz auf den Weg, Kulturhauptstadt Europas zu sein. Wir zeigen Ihnen gern, was uns ausmacht, was uns stark macht und wobei wir immer wieder schwach werden könnten. Seien Sie bereit, von einer starken Stadt mit ungeahnten Schätzen und feinen Menschen überrascht zu werden – typisch, leicht trotzig und dennoch stets temperamentvoll, außer manchmal montags.


VISIT CHEMNITZ


S06

Die 5 Seiten der Theater Chemnitz Oper, Philharmonie, Schauspiel, Ballett und Figurentheater

Räder,Rollen,Fü e & Fingerspitzengefühl

Extrem- und Funsport in Chemnitz und Region

S12

GARTEN GESPRÄCHE

Im Gespräch mit Thorid Zierold und Suzanne Krauß

K U N S T & K U LT U R

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MUST SEE

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I N D U S T R I E K U LT U R

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UNTERWEGS

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CHEMNITZ CITY

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E I N K AU F S K U LT U R

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TOUREN

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K U LT U R R E G I O N

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N AT U R

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SPORT

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KULINARIK

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SERVICE & ADRESSEN

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S32


S24

VON MACHERN UND TUN Die Chemnitzer Industriekultur und ihre Schwestern

S58

unterwegs

Empfehlungen von Katja Manz und Norbert Engst

Chemnitz ist grün

S54

Zumindest grünt es auf fast 80 Prozent der Fläche

S42

fein und ganz besonders

Klein,

Entdecken Sie Chemnitzer Einkaufskultur

— Die Chemnitzer Innenstadt als Treffpunkt der Epochen

S36


SCHWANENSEE - Ballett von Eno Peci und Sabrina Sadowska mit Teilen der Originalchoreografie von Lew Iwanow und Musik von Peter Tschaikowsky


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Die Seiten der Theater Chemnitz Im kulturellen Herzen der Stadt laufen die fünf musischen Stränge der Theater Chemnitz zusammen: Oper, Philharmonie, Schauspiel, Ballett und Figurentheater. Kraftvolle Inszenierungen, mutige Interpretationen, spektakuläre Bühnenbilder und internationale Kooperationen lassen so manchen Kunstliebhaber mit Vorfreude nach Chemnitz pilgern. Wohlstand und Kunstsinn waren unter der Chemnitzer Bürgerschaft des 19. Jahrhunderts so weit verbreitet, dass das Chemnitzer Opernhaus durch großzügige Geldspenden erbaut und 1909 eröffnet werden konnte. Das Schauspiel in Chemnitz ist als Sparte viel älter und hatte seinen festen Platz seit 1838 im eigenen Theaterhaus. Dieses wurde im Februar 1945 vollständig zerstört, das Schauspiel zog daraufhin interimsmäßig in die Aula eines Altersheimes am jetzigen Standort ein. Im Jahr 1976 brannte dieser Teil ab. An gleicher Stelle wurde dann ein eigenständiges Schauspielhaus gebaut und 1980 eröffnet. Den künstlerischen Anspruch auf einem hohen, international anerkannten Niveau zu halten, gelingt den Theatern Chemnitz in jeder Spielzeit aufs Neue. Es ist der wieder und abermals geprobte Perspektivwechsel, der Produktionen zu großen Erfolgen werden lässt. Was sich lohnt, ist ein Streifzug durch die gestalterische Vielfalt der einzelnen Bühnen.

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Figurentheater - JURI – DIE ERSTE REISE

Elisabeth Stöppler - GÖTTERDÄMMERUNG Franco Faccio - HAMLET

1 — Opernhaus Schon im Eröffnungsprogramm von 1909 spielte das Ensemble des Chemnitzer Opernhauses Werke von Richard Wagner. Damit begann eine Tradition, die in den letzten Jahren einen künstlerischen Höhepunkt erreichte: 2018 inszenierten vier Regisseurinnen den gesamten „Ring des Nibelungen“ neu. Das lohnte sich. Für die „Götterdämmerung“ wurde Elisabeth Stöppler mit dem wichtigsten deutschen Theaterpreis DER FAUST 2019 in der Kategorie „Regie Musiktheater“ ausgezeichnet. Auch Joan Anton Rechis Inszenierung des „Lohengrin“ im Januar 2020 sorgte in der Opernwelt für Aufsehen; Sebastian Ellrich erhielt für sein spektakuläres Bühnenbild wiederum eine Nominierung für den FAUST 2020. Am Dirigentenpult steht dabei stets GMD Guillermo García Calvo, der sich zu seinem Wagner-Faible bekennt und von Publikum und Presse gleichermaßen für seine Interpretationen gefeiert wird. Das Gesamtrepertoire der Oper Chemnitz ist breit gefächert und umfasst Kinderopern genauso wie klassische Opernliteratur von Verdi, Rossini, Bizet oder Mozart. Von dem Wiener Wunderkomponisten etwa bereichert „Die Entführung aus dem Serail“ den aktuellen Spielplan. Aufführungen selten gespielter Werke wie Franco Faccios „Hamlet“ oder Arrigo Boitos „Mefistofele“ gehören ebenso zum Programm wie die leichte Muse von Strauß von Suppè. Nicht zuletzt begeistern auch Musicals wie „My Fair Lady“ oder „Hair“ in wunderschöner Kulisse das Publikum.


2 — Schauspiel Zu Karl-Marx-Städter Zeiten war das Schauspielhaus eines der profiliertesten und fortschrittlichsten Häuser der DDR. Hier inszenierte Frank Castorf, hier begannen die Laufbahnen von Schauspiellegenden wie Ulrich Mühe, Michael Gwisdek und Corinna Harfouch. Auch für prägende Theatermacher der nachfolgenden Generation war das Haus ein wichtiger Start- und Entwicklungspunkt, so für Michael Thalheimer, Armin Petras oder Hasko Weber. Letzterer kehrt gern nach Chemnitz zurück, führte 2017 Regie bei „Homo faber“ nach Max Frisch und inszeniert 2021 „Der Drache“ von Jewgeni Schwarz.

Figurentheater - WANDERTAG IM WELTRAUM

Schauspieldirektor Carsten Knödler lädt aber nicht nur namhafte Gastregisseure ein, er inszeniert auch selbst im eigenen Haus. Seine Vorliebe gilt den amerikanischen und russischen Realisten wie Arthur Miller oder Anton Tschechow, aber auch den deutschen Klassikern sowie Bearbeitungen der Weltliteratur und musikalischer Produktionen. Als Markenzeichen kann gelten, was in der Presse mehrfach über Knödlers Inszenierungen zu lesen war: dass er sensible Themen ohne den erhobenen Zeigefinger des Moralisten auf die Bühne bringt. Aber auch unbeschwerte Unterhaltung für die ganze Familie wie das traditionelle Weihnachtsmärchen und das jährliche Open-Air-Sommertheater auf der Küchwaldbühne – 2021 mit Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“ – haben sich hervorragend etabliert.

3 — Figurentheater An Fäden, Stäben oder direkt mit den eigenen Fingern führen die Spieler des Figurentheaters jede Art von Puppen und Objekten durch spannende Geschichten – und neben diesen Figuren sind sie meist auch selbst auf der Bühne sichtbar. Das Repertoire des Ensembles reicht von Märchenklassikern nach Grimm oder Andersen über Adaptionen bekannter Kinderbücher bis hin zu utopischen oder historischen Stoffen. Ein besonderes Anliegen sind dem Team unter Leitung der Direktorin Gundula Hoffmann herausfordernde Themen wie Mobbing oder Flucht und Migration wie auch generationsübergreifende Projekte. Die Uraufführung „Juri – Die erste Reise“ zum Beispiel vergleicht Zukunftsentwürfe der optimistisch auf die Technik fixierten

Generation des Kosmonauten Juri Gagarin mit der ökologisch geprägten von heute. Auch dem digitalen Zeitalter widmet sich das Figurentheater: „Wandertag im Weltraum“ wirft als Live-Onlinestück für Schulklassen einen Blick von außen auf die Welt und stellt spielerisch Fragen zu den großen Themen unserer Zeit. Zunehmend baut das Figurentheater auch seine Spielplanangebote für Teenager und Erwachsene aus. Für sie arbeitet es Geschichte auf, etwa mit „Wenn mich einer fragte …“, einem Abend über Stefan Heym und seine Geburtsstadt Chemnitz, und schon zuvor mit „Beate Uwe Uwe Selfie Klick“ über den NSU-Komplex.

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Alexander Ekman , Katarzyna Kozielska und Robert Bondara - DER NUSSKNACKER Anthony Missen, Peter Svenzon und Samuel Mathieu - SHOWCASE

4 — Ballett 25 Tänzerinnen und Tänzer, 15 Nationen, vier Kontinente: Seit 2017 ist Sabrina Sadowska Direktorin dieses hochkarätigen Ballettensembles. Klassische Handlungsballette wie „Schwanensee“ und „Der Nussknacker“, getanzt auf Spitze, gehören ebenso ins Programm wie Familienstücke und zeitgenössisch-experimenteller Tanz. Hierfür lädt die Balettdirektorin international gefragte Choreografen der Spitzenklasse wie Alexander Ekman und vielversprechende Newcomer wie Katarzyna Kozielska oder Robert Bondara ein. Mit Uraufführungen der zeitgenössischen Choreografen Anthony Missen, Peter Svenzon und Samuel Mathieu wurde das Format „Showcase“ aufgebaut: Im Ballettsaal tanzt die Company ganz dicht am Publikum zu gesellschaftsrelevanten Themen, die durchaus kontroverse Diskussionen anregen sollen. TANZ | MODERNE | TANZ, das jährlich stattfindende, internationale Festival für zeitgenössischen Tanz, erlebt im Jahr 2021 bereits seine siebte Ausgabe. Seit Anbeginn sind Spitzen-Companys aus aller Welt zu Gast, die nicht nur indoor zu bewundern sind, sondern, als großes Anliegen des Festivals, auch den öffentlichen Stadtraum einbeziehen.


ROBERT-SCHUMANN-PHILHARMONIE

5 — Robert-Schumann-Philharmonie Die Robert-Schumann-Philharmonie gehört zu Deutschlands traditionsreichsten Orchestern. Ihren heutigen Namen erhielt sie 1983 anlässlich des 150-jährigen Bestehens. Im Jahr 1833 hatte Wilhelm August Mejo das Stadtorchester gegründet, den Weg zur überregionalen Bedeutung bereiteten Oscar Malata, von 1910 bis 1931 der erste Generalmusikdirektor, und dessen Nachfolger wie Dieter-Gerhardt Worm, Oleg Caetani, Niksa Bareza, Frank Beermann sowie seit der Spielzeit 2017/2018 der gebürtige Spanier Guillermo García Calvo. Zu Opern-, Operetten- und Ballettaufführungen spielt die Philharmonie im Orchestergraben des Opernhauses; mit ihren Konzerten wiederum beweist sie ihr breites sinfonisches und kammermusikalisches Repertoire. Dank ihres hervorragenden Rufs kann sie in den Sinfoniekonzerten hochkarätige Gäste begrüßen, wie die Solisten Jan Vogler, Martin Stadtfeld, Matthias Kirschnereit, Herbert Schuch oder das Klezmer-Ensemble Kolsimcha und auch Dirigenten wie Michail Jurowski, Péter Eötvös, Hermann Bäumer oder Pedro Halffter. Bei anderen Konzertprojekten, etwa in der Reihe „Klasse Klassik!“, wechselt das Orchester an ungewöhnliche Orte in Chemnitz und spielt schon auch mal im Straßenbahndepot.

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GARTEN GESPRÄCHE CHEMNITZ IM GRÜNEN In Chemnitz gibt es etwa 200 Kleingartenvereine – und damit fast 15.000 Kleingärten. Doch nicht nur das, hier kann man auch einen versteinerten Wald, der von einer mehr als 291 Millionen Jahre alten Natur-Geschichte zeugt, bewundern. Beides lohnt sich, bei einem Besuch in Chemnitz zu entdecken. Wir haben Dr. Thorid Zierold vom Museum für Naturkunde und Suzanne Krauß, die Geschäftsführerin des Stadtverbandes Chemnitz der Kleingärtner e.V., zum Dialog eingeladen und sie gefragt, was man gesehen haben muss, wenn man in Chemnitz die Natur erobern will. Zunächst interessierte uns, wo für beide jeweils der grünste Ort der Stadt ist.

Pflanzen und noch vieles mehr! In Chemnitz findet der Besucher vulkanische Reste aber auch eiszeitliche Bezüge. Es gibt einzigartige Brutvögel zu beobachten – unterschiedlichste Spechtarten nisten gewissermaßen mitten in Chemnitz. Für mich persönlich sind die Gesteine rund um den Vulkanausbruch vor 291 Millionen Jahren besonders spannend – darunter der Porphyrtuff. Einige Häuser sind ganz daraus hergestellt, aber auch viele Fensterlaibungen oder Türeinfassungen! Der Zeisigwald ist das Eldorado für alle, die nachvollziehen wollen, wie man hier diese Gesteine abgebaut hat. Mehr als 400 Steinbrüche gab es im Wald. Das finde ich immer wieder beeindruckend.

THORID: Für mich ist der schönste Ort in Chemnitz in Bezug auf die Natur der Pfarrhübel. Von dort aus eröffnen sich Blicke in die Stadt und vielseitige Wanderwege. Ich bin ebenso gerne im Küchwald. Das ist für mich im übertragenen Sinne der grünste Ort: ein Ort der Hoffnung. Dort treffen Menschen aller Generationen aufeinander und man kann in der Natur aktiv sein.

SUZANNE: Bei mir ist es zweierlei: zum einen bin ich gerne im Garten, zum anderen wandere ich gerne und bin viel mit dem Rad unterwegs. Es gibt den Chemnitzer Rundwanderweg – den man sowohl in Teilen als auch im Ganzen abwandern kann. Man ist von Chemnitz aus sofort im Grünen. Ob am Fluss entlang oder auch durch die Kleingärten hindurch! Der Stadtverband ist letztes Jahr 100 Jahre alt geworden und die Gärten lagen früher außerhalb der Stadt. Jetzt ist dies ein grünes Band, das man durchlaufen kann. Es entstehen dort Blumenwiesen, Streuobstwiesen, es gibt Bänke für Spaziergänger – es blüht und grünt und summt und brummt einfach!

SUZANNE: Für mich ist der grünste Ort in Chemnitz natürlich mein eigener Garten – aber ich bin auch begeisterte Wanderin und deshalb viel im Zeisigwald oder im Stadtpark unterwegs. Gibt es denn auch Parallelen zwischen Kleingärten und dem Museum für Naturkunde?

THORID: Für mich ist eine Kleingartenanlage wie die Welt im Kleinen – verschiedenste Charaktere, Interessen, persönliche Hintergründe und Neigungen treffen aufeinander!

THORID: Ja, die gibt es. Mir ist erst letzte Woche eine Verbindung aufgefallen: die Kleingartenanlage „Gesundheit“ besitzt einen Gründungsstein, der in versteinerte Hölzer eingebettet ist - da war mein erster Gedanke, dass wir zu diesem Verein und den Gründungsmitgliedern Kontakt aufnehmen sollten. Zudem arbeiten wir mit Imkern und dem Saatgutgarten zusammen. Die Vorgänge in der Natur verständlich zu erklären, ist das Anliegen unserer Museumspädagogin. Hier freuen wir uns über weitere Kooperationen. Unser Anliegen ist es, die Besucher zu motivieren, mit offenen Augen durch die Landschaft zu gehen.

Wie erlebt ihr die Chemnitzer Natur und habt ihr Beispiele, wo sich die Natur auch im Stadtbild versteckt? THORID: Für mich als Naturwissenschaftlerin ist Natur ein riesiger Summenbegriff. Das sind Gesteine, Flüsse, Wiesen, Hänge, Tiere,

Thorid Zierold und Suanne Krauss im Interview

SUZANNE: Der Kleingarten hat natürlich einen besonderen Macher-Charakter, er ist entstanden, weil man sich ernähren musste. Vieles ist historisch gewachsen und jetzt erkennt man einen Trend hin zum Experimentieren. Viele Kleingärtner versuchen sich in der Anzucht besonderer, alter Sorten. Wir merken, dass da auch ein großer Austausch stattfindet.

SUZANNE: Ja, es gibt auch ein schönes Miteinander in Chemnitz. Der Verein „Direkt vom Beet e.V.“ hat sich letztes Jahr mit dem Ziel gegründet, das Obst, das in den Gärten übrig ist, an Interessierte zu verteilen, abzugeben oder zu verkaufen. Der Verein schafft dafür eine Plattform und vernetzt die Macher. Das ist eine tolle Idee, man weiß, woher das Essen kommt und kann sich noch dazu mit neuen Menschen aus der eigenen Stadt austauschen. Das finde ich sehr schön.


wir jemanden hinter einer Hecke, der sagte: „Bei guter Sicht kann man hier den Fichtelberg sehen!“ Diese Neugierde und die stetigen Überraschungen in der eigenen Stadt finde ich sehr spannend.

Das Kunst- und Kulturfestival Begehungen bespielte kürzlich eine Gartensparte.

Gibt es eigentlich einen besonderen Kleingarten, den man als Besucher nicht verpassen sollte? SUZANNE: Da empfehle ich die Anlage „Sonnige Höhe“, die hat im Bundeswettbewerb eine Goldmedaille gewonnen. Eine der schönsten Gartenanlagen Deutschlands befindet sich also hier in Chemnitz. Jedoch haben wir in Chemnitz auch kleinere Wettbewerbe unter den Vereinen und da lohnt sich immer mal ein Blick in die Gärten. Es gibt auch Schulgärten in unseren Anlagen, Tafelgärten, studentische Gärten oder Seniorengärten. Da trifft man immer jemanden für einen Austausch über den Gartenzaun hinweg. THORID: Das Schlagwort Schulgarten ist ein guter Impuls für zukünftige Projekte! Erste gemeinsame Ideen werden gesponnen und wir wagen einen Blick über den Tellerrand: Chemnitz und die Region – was verbindet in Sachen Natur? THORID: Ich denke da zuerst an die Wasserwege, an die Mulde, die Würschnitz, die Zwönitz, den Kappelbach. Aber auch die historischen Handelswege verbinden Chemnitz mit der Region. Die Salzstraße zum Beispiel oder die Wege, auf denen die Mineralien zu uns fanden. Häufig sind diese Wege heute schöne Wanderwege – von Chemnitz nach Olbernhau zum Beispiel geht das sehr gut. Der Reichtum an Mineralien ist besonders gut in Richtung Marienberg und Wolkenstein nachzuvollziehen. Ganz sicher können die Einheimischen dort viele Geschichten über den geschätzten Amethyst erzählen. SUZANNE: Ich denke auch, Chemnitz sehen viele als graue Industriestadt – aber man ist immer in fünf Minuten im Grünen. Man ist schnell im Umland oder im Erzgebirge und kann auch dort tolle Touren unternehmen. Wir nähern uns dem Thema Kulturhauptstadt: In der Bewerbung wird beschrieben, dass ein Ziel darin besteht, Menschen nicht in Zielgruppen einzuteilen, sondern sie in ihren Leidenschaften zu vereinen. Wie sieht es bislang aus - ist das schon gelebte Praxis? SUZANNE: Gerade beim Stadt-Wandern würde ich das bestätigen: alle, die mitwandern, haben richtig Lust darauf und das ist schön. Man lernt dadurch so viel kennen und sieht Ecken, die man sonst nicht entdeckt hätte. In Chemnitz hat man trotz allem kurze Wege und niemand drängt sich auf. Aber wenn man fragt, erklärt einem immer jemand etwas. Wir wanderten mal in einer Gartenanlage mit Aussicht auf die Autobahn und plötzlich hörten

THORID: Für uns als Museum ist das ein toller Gedanke und immer wieder Anreiz in Ausstellungen. „Rock Fossil – Ja, es ist Liebe“ – eine Sonderausstellung über Gesteine, die nach Rockstars benannt worden sind, hat über die angesprochene Leidenschaft funktioniert. In Bezug auf die Bewerbung als europäische Kulturhauptstadt liegt uns das Projekt „Parade der Apfelbäume“ besonders am Herzen. Das Thema verbindet! Wir als Museum laden zum Mitdenken ein, welche Musik etwa im Apfelbaum klingt? Wir können uns auch vorstellen, dass uns die Kleingärtner, die Partnerstädte oder die bisherigen Kulturhauptstädte ihre regionalen wie alten Apfelsorten schicken. Daraus kann eine Galerie der Äpfel entstehen. All das und noch viel mehr ist möglich – ich denke, das ist im wahrsten Sinne des Wortes befruchtend. Es geht darum, sich der bestehenden Werte zu besinnen, miteinander neue, kreative Lösungen zu finden und unkompliziert Dinge anzugehen. Wir diskutieren noch ein bisschen weiter und gelangen zum Thema Gesundheit und Natur. THORID: Wir brauchen die Klänge der Natur, um abzuschalten und regenerieren zu können. Hierzu forschen Wissenschaftler, um die Hintergründe und Ursachen beleuchten zu können. Natur hat nicht nur einen ideellen, sondern auch einen monetär messbaren Wert! SUZANNE: Nicht umsonst gibt es den alten Satz: Der beste Weg zur Gesundheit ist der Weg in den Garten. Das ist einfach Erholung pur – mitten in der Stadt. Ob aktiv als Gärtner oder auch passiv als Wanderer. Wer noch hören möchte, wie Chemnitzer von außen betrachtet werden, welche Konflikte in einem Kleingartenverein auftreten können oder welchen Geheimtipp die beiden noch kennen, der kann sich das Gespräch ganz ausführlich anhören unter: chemnitz2025.de/gartengespraeche

Mittendrin und voll dabei

Das Museum für Naturkunde Im Chemnitzer Zentrum steht mitten im Kulturkaufhaus DAStietz der Versteinerte Wald. Er ist Teil des Sterzeleanums, einer der wertvollsten Sammlungen fossiler Pflanzen und die Hauptattraktion des Museums für Naturkunde. Einst aus einer Schenkung naturkundlich interessierter Chemnitzer an die Stadt entstanden, ist es heute ein modernes Museum und beherbergt eine bedeutende Sammlung paläobotanischer Schriften, ein Insektarium und einen stündlich ausbrechenden Vulkan. Das Museum betreibt außerdem auf dem Sonnenberg eine begehbare Ausgrabungsstätte.

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www.pochen.eu

Seit 2018 erzählt POCHEN Geschichte und Geschichten rund um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ausgehend von einem multimedialen Rechercheprozess, versteht sich die POCHENBiennale als internationales Forum für Kunst und Gesellschaft, also als Experimentier- und Diskursraum für multimediale Kunst in Chemnitz. Alle zwei Jahre widmet sich die POCHENBiennale den Themen, die die Menschen der Region und Deutschland nachhaltig bewegen. Im Jahr 2018 war dies die „Wismut“, im Jahr 2020 die „Treuhandanstalt“. Um auch in den Jahren zwischen den Biennalen den Diskurs anzuregen, finden dann Symposien statt, bei welchen der Austausch mit Netzwerkpartnern im Vordergrund steht. Vorträge, Diskussionen, Workshops, Erkundungen und öffentliche Ausstellungen sollen zudem die lokale Bevölkerung anregen, ebenfalls Gedanken beizutragen und dadurch die Biennale aktiv zu gestalten.

POCHEN – Biennale und Symposium

Herbst 2021

www.begehungen-chemnitz.de

Wichtig und dem Festivalname verpflichtet, ist die Tradition des jährlich wechselnden Ortes: Besucher können bei diesem Kunst- und Kulturfestival Orte begehen, die sonst verschlossen bleiben und darin eine temporäre Kunstausstellung erleben. Doch nicht nur das – mit einem umfangreichen Rahmenprogramm, bestehend aus Performances, Lesungen und Konzerten, sind die Begehungen auch ein sozialer Treffpunkt für Menschen unterschiedlichster Prägungen. Seit 2003 erobern die Begehungen als größtes Off-Kultur-Event der Stadt den Raum und bieten eine unkonventionelle und niederschwellige Herangehensweise an Kunst. Die Begehungen sind ein inklusives und barrierearmes Festival mit umfangreichen Angeboten, bei dem Besucher jährlich am dritten Augustwochenende einen Ort in der Stadt neu erleben können. Der Eintritt ist übrigens frei!

Begehungen

12. – 15.08.2021

FESTIVALS FESTIVALS


Terminverschiebungen sind möglich. Die aktuellen Termine bitte auf der jeweiligen Webseite prüfen.

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Das Hand in Hand Soli-Ticket zur Unterstützung der Chemnitzer Club- und Kulturszene in der Corona-Krise kann man erwerben unter city-ticket.de

www.kosmos-chemnitz.de

Mit über 40 Spielflächen an vielen ungewöhnlichen und teilweise neuen Orten konnte sich dieses Format bei der Erstausgabe 2019 sofort in die Herzen vieler Chemnitzer und ebenso vieler Gäste spielen.

Der KOSMOS macht gesellschaftlichen Diskurs in Chemnitz sichtbar. Im Zusammentreffen von regionalen und internationalen Akteuren werden unterschiedliche Formate aus den Bereichen Kunst, Kultur, Musik, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft präsentiert. Der KOSMOS ist eine Plattform für den Austausch zukünftiger Fragen und verhandelt dabei Themen, wie wir unser Miteinander gestalten möchten. Der Innenstadtraum von Chemnitz ist der Austragungsort, dabei werden Plätze, Leerstand sowie öffentliche Flächen und Straßen bespielt. Lesungen, Konzerte, Vorträge, Diskussionen, Ausstellungen und Informationsstände laden dazu ein, die Stadt neu zu entdecken, sich zu vernetzen und gemeinsam aktiv zu werden.

KOSMOS Chemnitz

Frühjahr – Oktober 2021

www.fuegoalaisla.de

Wenn eine Vision ins Leben gebracht wird und wenn Menschen Hand in Hand für sie gehen, entfaltet sie die Kraft eines Magneten. Diese Version heißt für die Macher dahinter: Fuego a la isla. Auf einer Insel unweit der Chemnitzer Innenstadt werden die Besucher jährlich in eine kulturelle Parallelwelt abseits des Mainstreams entführt. Unkommerziell, werbefrei und im DIY-Spirit eröffnen sich kreative Räume: von der Slackline-Landschaft über DJ-Areas, vom Kids Space bis zu aktivierenden Workshops. Verschiedene Bühnen werden bespielt, besungen, belebt von internationalen Bands und Performancekünstlern, von Songwritern und Poetry-Slammern. Die einzigartige Dekoration entrückt die Insel der Wirklichkeit und intelligente Feuershows spiegeln das Herzfeuer der Macher für dieses Festival wider. Das Fuego a la isla ist kein Konsum-Event. Es verbindet Menschen.

Fuego a la isla

11. – 12.06.2021


300.000 Jahre auf drei Etagen: Das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz. SMAC

smac GREIFBARE KULTURGESCHICHTE

SMAC – ein Geschichtsbummel durch 300.000 Jahre Kulturgeschichte mit 6.200 Exponaten auf 3.000 Quadratmetern über drei Etagen: Das ist das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz. Eine multimediale sowie beeindruckend greifbare Ausstellung zeigt den Besuchern, wie der Mensch das werden konnte, was er heute ist. Gleich einer dynamischen Welle integriert sich eine Ikone der Architektur in das zentrale Stadtbild. Entworfen und erbaut vom Stararchitekten Erich Mendelsohn, blickt das ehemalige Kaufhaus Schocken neben internationalem Prestige auch auf eine über 70-jährige Kaufhausgeschichte zurück. Statt zu einem Einkaufsbummel lädt seit 2014 hier das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz zum Geschichtsbummel ein. Auf drei Etagen durchstreift der Besucher die Entwicklung seiner Spezies vom Jäger und Sammler bis ins Heute. Beeindruckendes Herzstück der Dauerausstellung ist das schwebende Sachsenmodell. Über die gesamte Vertikale des Museums durchläuft

es per Videoprojektion die Jahrtausende wie im Zeitraffer. Die archäologischen Exponate verraten manchmal erstaunliche Details und illustrieren anschaulich die Lebenswelten der damaligen Menschen im Gebiet des heutigen Freistaats. Wer weiß denn schon, dass die Menschen in der Region des heutigen Markkleeberg – also direkt um die Ecke – schon vor 280.000 Jahren ihre Lieblingssouvenirs sammelten?

UND PLÖTZLICH VERSTEHT MAN: DAS SIND UNSERE VORFAHREN! Ü b r i g e n s: Im Erkerbereich der Ausstellungen bekommt man neben einem der besten Panorama-Ausblicke über Chemnitz auch einen sehr guten Einblick in die Geschichte des Hauses. Die geschwungenen, langen Räume, die durch fließend weiße Wände von der Dauerausstellung getrennt sind, zeigen im ersten Stock die Geschichte des Architekten Erich Mendelsohn, im zweiten die des Warenhaus-Konzerns Schocken und im dritten des Kaufmanns Salman Schocken.


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Familienzeit im smac www.smac.sachsen.de/familien

30. Tage der jüdischen Kultur Mai 2021 Bereits zum 30. Mal finden in Chemnitz die Tage der jüdischen Kultur statt. Vom 15. bis zum 31. Mai 2021 steuern bis zu zwanzig Mitveranstalter eigene Programme bei. Die Veranstaltungen werden wie immer an unterschiedlichen Orten stattfinden. 2021 ist ein besonderes Jahr für die jüdische Gemeinde Chemnitz, denn sie ist jetzt 135 Jahre alt und seit 1.700 Jahren gibt es jüdisches Leben in Deutschland. Diese Begebenheiten werden in zahlreichen Veranstaltungen auch vor und nach dem Festival thematisiert. Die Kunstsammlungen Chemnitz eröffnen die Tage der jüdischen Kultur mit

einer Ausstellung jüdischer Mäzene in Chemnitz. Eine Ausstellung der jüdischen Gemeinde wird an verschiedenen Orten in Chemnitz gezeigt. Für Sonntag, den 16. Mai, ist im Foyer des SMAC ein orientalischer Basar geplant, mit Angeboten aus Israel, aus der Region, mit Musik und Vorträgen. Konzerte finden auch in der Neuen Sächsischen Galerie statt. Diese beiden letzteren Spielstätten haben zudem einen ganz besonderen Bezug zum jüdischen Leben in Chemnitz, befinden sie sich doch jeweils in ehemaligen Kaufhäusern jüdischer Geschäftsleute.

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Hervorgegangen aus verschiedenen bürgerlichen Vereinen, gehören die Kunstsammlungen Chemnitz heute zu den größten und wichtigsten kommunalen Kunstsammlungen in Deutschland. Im Jahr 1909 wurden sie unter dem Dach des König-Albert-Museums zusammengefasst und seit 1920 als städtisches Museum geführt. Die industriellen Entwicklungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts begünstigten einen Reichtum der Stadt, durch welchen sich ein kulturell bedeutendes Mäzenatentum etablierte. Diesem haben auch die Kunstsammlungen Chemnitz viele ihrer Sammlungsschätze zu verdanken. Heute umfassen die Kunstsammlungen Chemnitz die Kunstsammlungen am Theaterplatz mit dem Carlfriedrich Claus-Archiv, das Museum Gunzenhauser, das stadtgeschichtliche Schloßbergmuseum mit der Burg Rabenstein sowie das Henry van de Velde Museum in der von van der Velde gestalteten Villa Esche. Jedes der Häuser lockt mit einem ganz eigenen Stil und Schwerpunkt – und auch der öffentliche Raum steht zunehmend im Fokus der Kunstsammlungen.

Museum Gunzenhauser


Museum Gunzenhauser Häufig werden in Chemnitz Gebäude neu genutzt – so auch in diesem Fall. Das Museum Gunzenhauser, welches nach seinem Schenker, dem Kunstsammler und Galeristen Alfred Gunzenhauser, benannt wurde, befindet sich in den Räumlichkeiten des ehemaligen Hauptsitzes der Sparkasse Chemnitz. Von Fred Otto im Stil des Neuen Bauens entworfen, passt es hervorragend zur Sammlung: Neben zahlreichen Werken

von Conrad Felixmüller, Ernst Ludwig Kirchner, Paula Modersohn-Becker oder Gabriele Münter gehören auch große Sammlungen von Otto Dix und Alexej von Jawlensky zum Bestand. In seinen Sonderausstellungen wendet sich das Museum Gunzenhauser im Jahr 2021 zunächst Serge Poliakoff zu. Ab Mai werden die 30. Tage der jüdischen Kultur Chemnitz in einer Ausstellung eröffnet, die auf die Rolle von jüdischen Sammlern in der Stadt zurückblickt und ihnen zeitgenössische israelische Kunst an die Seite stellt. Im Sommer folgt die erste deutsche Einzelausstellung der spanischen Konzeptkünstlerin Cristina Lucas und zeitgleich werden Werke der vielleicht eigenwilligsten Künstler der DDR zu sehen sein: Carlfriedrich Claus und Gerhard Altenbourg.

Schloßbergmuseum Als Museum für Stadtgeschichte befindet sich das Schloßbergmuseum selbstverständlich in einem historischen Gebäude: erst Kloster und Gründungsort der Stadt, dann Jagdschloss und heute Ausstellungsfläche – die Geschichte hinter dem Ort ist mindestens genauso spannend wie die der einmaligen Sammlung. Das vielleicht spannendste Objekt in der Präsentation

Villa Esche, Innenansicht der Halle

Heiliges Grab

Caspar David Friedrich, Segelschiff

Kunstsammlungen am Theaterplatz Im Jahr 2021 beginnen die Kunstsammlungen am Theaterplatz ihre Sonderschauen mit den weltberühmten italienischen Meistern der Frührenaissance aus dem LindenauMuseum Altenburg und zeigen auf einer weiteren Etage die Werke des französischen Meisters der Nachkriegsmoderne und der Gegenwartskunst: Pierre Soulages. Im Herbst 2021 zeigt die Ausstellung „Achtung Werbung!“ einen repräsentativen Querschnitt durch die Geschichte des Plakates aus den Beständen der Kunstsammlungen am Theaterplatz, bevor im Anschluss mit dem Maler Stefan Vogel junge zeitgenössische Kunst im Fokus steht.

ist das sogenannte „Heilige Grab von Chemnitz“ – ähnliche Ensembles gibt es in Europa nur noch drei Mal. Doch auch die Sonderausstellungen faszinieren in vielerlei Hinsicht und geben Einblicke in teils noch unentdeckte Gebiete der Stadtgeschichte.

Burg Rabenstein Sie gilt als kleinste mittelalterliche Burg Sachsens und ist mit dem Burgmuseum, zumindest verwalterisch, Teil des Schloßbergmuseums. Von Mai bis Oktober kann man die Innenräume besichtigen und zu Ostern lockt das Mittelalterfest jährlich viele Menschen an. Berühmtester Bewohner der Burg ist wohl der 1645 dort geborene Hans Carl von Carlowitz, der „Begründer der Nachhaltigkeit“.

Henry van de Velde Museum Der Textilfabrikant Herbert Eugen Esche beauftragte 1902 den Designer und Architekten Henry van de Velde eine Villa samt Interieur zu entwerfen. In diesem Gesamtkunstwerk sind heute das zu den Kunstsammlungen gehörende Henry van de Velde Museum, Veranstaltungsräume und ein Restaurant untergebracht.

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KINO IN CHEMNITZ

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125 JAHRE LEINWAND: EXPEDITION INS UNGESEHENE

Kino macht Verborgenes sichtbar und entführt in andere Welten. Eine Kulturhauptstadt ohne Film und Leinwand ist nur schwer vorstellbar und gerade abseits der großen Blockbuster gibt es im deutschen und europäischen Film vieles zu entdecken. Chemnitz zum Beispiel: Wer weiß schon, dass es ohne die sächsische Metropole keine Filmlandschaft Babelsberg gäbe? Dass hier ein internationales Filmfestival bereits seit 25 Jahren Erfolge feiert? Und dass dank der hiesigen Talentschmiede die Filmbranche bereits von einer „Chemnitzer Schule“ spricht? Aber eines nach dem anderen. Die Filmgeschichte der Stadt beginnt vor rund 125 Jahren. Clemens Seeber, Fotograf an der Theaterstraße, sah in Dresden zum ersten Mal einen Film der berühmten Gebrüder Lumière. 1897 kauften er und sein Sohn Guido einen Filmprojektor. Ein Jahr später kam ein Aufnahmeapparat dazu. Als Wanderkino tourten Vater und Sohn durch Sachsen und verbreiteten die neue Kinematographie. Nach dem Tod des Vaters 1905 zog es Guido in die Welt und bald darauf zum professionellen Film. Ab 1910 drehte er große Produktionen mit internationalen Stars wie Henny Porten und Greta Garbo. Bereits 1912 eröffnete sein Atelier im Berliner Umland – der Grundstein für die heute weltberühmte Medienstadt Babelsberg. Der gebürtige Chemnitzer drehte viele Klassiker des SchwarzWeiß-Films, darunter „Der Student von Prag“ und „Der Golem“ mit dem legendären Paul Wegener. Der nach Vater und Sohn benannte Seeberplatz ist heute ein einladendes Fleckchen. Direkt am Fluss Chemnitz gelegen und mit Blick auf die sehenswerte Markthalle, lässt es sich hier wunderbar plauschen und träumen.

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Bis 1933 boomte das Kino in Chemnitz. Die Bevölkerung der wachsenden Industriestadt nahm das vielfältige Angebot der 19 Lichtspielhäuser mit insgesamt 11.000 Plätzen dankbar an. Bis heute zeugt das „Metropol Chemnitz“ an der Zwickauer Straße von dieser goldenen Zeit. 1927 wurde das Haus vom Hotel und Varieté in ein Filmtheater umgebaut. 1945 wurde es teilweise zerstört. Bereits zwei Jahre später begrüßte man in nur einem Saal und damals 600 Plätzen das Chemnitzer Publikum erneut. Heute wird das „Metropol“ von der engagierten Maret Wolff betrieben. Die historische Fassade und der atmosphärische Vorsaal stimmen auf ein einmaliges Kinoerlebnis ein. Das bunte Programm aus Familienfilm, Dokumentationen, Arthouse und Blockbustern wurde bereits mehrfach prämiert. „Mir ist die Verbindung zu unseren Gästen wichtig. Zum Beispiel bieten wir oft eine Filmeinführung an“, erklärt Wolff. Für die studierte Filmwissenschaftlerin ist Kino die „Grundversorgung mit Empathie“. Ungewöhnlich ist auch, dass das Kino bis heute mehrere Wohnungen in den oberen Stockwerken beherbergt. Links des Gebäudes befindet sich das renommierte „Museum Gunzenhauser“ und zeigt Kunst ab den 1920er Jahren. Rechts schließt sich das neu errichtete B&B Hotel an. Internationales Filmfestival – SCHLINGEL

Am anderen Ende der Zwickauer Straße liegt das „Clubkino Siegmar“. In den 60er und 70er Jahren entwickelten Kinobetreiber in der DDR ein neuartiges Konzept: Sessel, Tische und eine Bar zogen in die Säle ein. Das neue Format betonte den Dialog und kombinierte Film und Erlebnisgastronomie. Nach der Wende sind nur noch wenige dieser

Im Sommer erfreuen sich gleich mehrere Freilichtkinos in Chemnitz regen Zuspruchs. Die überregional beliebten „Filmnächte am Theaterplatz“ im Her-

zen der Stadt bieten modernes Kino vor klassischer Kulisse. Wer an warmen Abenden das etwas andere Kinoerlebnis sucht, kann dafür sogar in die Pedale treten: Beim Fahrradkino an wechselnden Plätzen, wie auf einem Parkdeck, wird der Projektor mit der Muskelkraft aus acht Fahrradstationen betrieben. Der sommerliche „Uferstrand“ kombiniert Open-Air-Lounge und Filmerlebnis. Direkt daneben befindet sich das „Weltecho Chemnitz“. Das Kulturzentrum vereint Club, Eventlocation und Galerie. Filmliebhabern werden in gemütlicher Atmosphäre ausgewählte Highlights gezeigt. Direkt in der Innenstadt bietet das „Cinestar“ in einem Dutzend Kinosälen ein vom Mainstream geprägtes Programm, ergänzt durch Übertragungen der Hochkultur sowie deutschen Film- und Mottonächten. Eine kurze Fahrt mit der Straßenbahn entfernt, im studentischen Ortsteil Bernsdorf, begrüßt der „Filmclub Mittendrin“ mehrmals pro Woche seine Gäste. Im Keller eines Wohnheims zeigen Filmfreunde ein Programm zwischen Blockbustern im O-Ton, Klassikern und Kurzfilmnächten.

Kino im Weltecho

Clubkino Siegmar

unvergleichlichen Kinos geblieben. Das „Clubkino Siegmar“ hat den Charme der 80er Jahre erhalten. Technisch ist das Kino mit zwei Sälen auf dem aktuellen Stand und zeigt ein anspruchsvollunterhaltsames Programm. Im Obergeschoss beherbergt es außerdem die Filmwerkstatt Chemnitz. Der Verein bietet ein breites medienpädagogisches Angebot rund ums Bewegtbild an – von Schulprojekten über Drehbuchwerkstätten bis hin zur Unterstützung ambitionierter Filmemacher. Die kreative, aber auch finanzielle Förderung junger Medienmacher brachte schon mehrere prämierte Kurzfilmregisseure, erfolgreiche Kameraleute und Gastdozenten an mehreren deutschen Filmhochschulen hervor. Die „Chemnitzer Schule“ macht das Verkannte sichtbar und spürt dem Ungesehenen nach. Das jährliche Szene-Highlight ist das Internationale Filmfestival für Kinder und junges Publikum „Schlingel“. Seit den 90er Jahren zieht es Fachpublikum aus aller Welt in die sächsische Kulturhauptstadt. Im Jahr 2019 besuchten 25.000 Gäste die Veranstaltungen. Auch im Pandemiejahr zelebrierten Festivalleiter Michael Harbauer und sein Team dank professionellem Hygienekonzept ein umfangreiches Filmfest. In vier Filmstätten wurden mehr als 250 Filme, darunter 12 Weltpremieren, gezeigt. Die zahlreichen Auszeichnungen der Profi-Kritiker aus Kommune und Land gingen an Filmemacher aus der ganzen Welt und gelten als Referenz im Film für junges Publikum. Auch die Chemnitzer schätzen den internationalen Glamour, der jährlich in der Woche vor den sächsischen Herbstferien in die Stadt einzieht.

Das Motto der Kulturhauptstadt „C the Unseen“ beschreibt die Kino- und Filmlandschaft in Chemnitz also treffend. Kleine Säle, historische Häuser und engagierte Programmmacher bieten Raum zum Erkunden für die Zuschauer. Seit den Anfängen des Bewegtbildes kommen immer wieder wichtige Impulse für die Branche aus der sächsischen Großstadt. Und da hätten wir Matthias Schweighöfer, der in Chemnitz sein Abitur ablegte, fast nicht mehr erwähnt.

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1 - Altes und Neues Rathaus

6 - Bunte Esse

11 - Karl-Marx-Monument

16 - Villa Esche

Die Frage ist berechtigt: Welches

Mit 302 Metern Höhe ist die um-

Er schaut stets etwas grimmig

Damals auf dem Acker erbaut,

ist welches? Ganz einfach: Das

gangssprachlich „Lulatsch“ ge-

und hat inzwischen auch schon

thront die Villa der Familie Esche

Alte sieht neuer aus. Das Neue

nannte

viel gesehen. Der Nischel, das

heute

Rathaus wurde bei den Luftan-

höchste Kunstwerk der Welt und

Wahrzeichen

War

oberhalb des Chemnitzer Stadt-

griffen im Jahr 1945 verschont,

auch Titelmotiv dieser Ausgabe.

er zwischen 1971 und 1989 vor

parks. Der erfolgreiche Textil-

das Alte Rathaus und die dahin-

Die 18.000 Quadratmeter große

allem Kulisse für sozialistische

fabrikant Esche verpflichtete den

terliegende Jakobikirche nicht.

Außenhülle des Heizkraftwerk-

Jubelfeiern, so ist der 40-Tonnen-

Designer Henry van de Velde, das

Die

Inneren

Schornsteins wurde nach einem

Koloss

Haus als Gesamtkunstwerk zu

des Doppelrathauses können bei

Entwurf des französischen Künst-

Chemnitzer Fotomotiv, Skater-

einer Rathaus- und Turmführung

lers Daniel Buren gestaltet, der

treffpunkt und die wohl schwerste

ebenso erkundet werden wie der

sieben etwa gleichgroße farbige

Deko für die Konzerte am Kopp.

Hohe Turm.

Abschnitte vorsieht. Von Aqua-

Kostbarkeiten im

Esse

das

vermutlich

der

heute

Stadt.

das

beliebteste

auf

dem

Kapellenberg

gestalten. 17 - Rabenstein - Burg, Felsendome, Stausee

marin bis Verkehrsgelb strahlt sie

12 - DAStietz

Im Chemnitzer Westen lassen

2 - Roter Turm

nachts dank 168 LED-Leuchten

Kultur im Keller, Bildung unterm

sich nachhaltig Eindrücke sam-

Ob der Name vom roten Porphyr-

weit über die Stadtgrenzen hin-

Dach. Das Kulturkaufhaus hält in

meln, schließlich wurde mit Hans

tuff oder der langen Nutzung als

weg.

jeder Etage eine neue Entdeckung

Carl von Carlowitz der Begründer

parat. Der Club Atomino im Keller,

der Nachhaltigkeit auf der Burg

Kerker stammt, ist der Fantasie überlassen. Offensichtlich regte

7 - Schönherrfabrik

der versteinerte Wald im Atrium

Rabenstein geboren. Die kleinste

der Turm auch die Fantasie eines

Eine gelungene Verbindung von

und darüber alles für Wissens-

sächsische Burg ist ein beliebtes

Produktdesigners an, der die Form

Industrie und Kultur, Arbeit und

hungrige und Kunstinteressierte:

Ausflugsziel und liegt sozusagen

bereits 1968 für ein bekanntes

Entspannung: Das ist die Schön-

die Stadtbibliothek, die Volks-

in der Chemnitzer Entspannungs-

Spülmittel fit machte.

herrfabrik. Fitness oder Wellness,

hochschule,

für

oase – viel Wald inklusive Tier-

danach ein kulinarisches Erlebnis

Naturkunde

Neue

park, Wildgatter und Kletterwald,

3 - Siegert‘sches Haus

im Max Louis oder entspannt

Sächsische Galerie.

Das Haus mit seiner verschnör-

im Café ankh Freunde treffen –

kelten rosa Barockfassade am

das und noch viel mehr geht in

13 - Haus Arthur

Rande des Marktplatzes passt so

dem historischen Ensemble.

Oberhalb der Markthalle am Kaß-

18 - Clubkino

berger Balkon gelegen ist das

Gemütlich im Drehsessel Platz

gar nicht in die Zeit und irgendwie

das

Museum

und

die

dem beliebten Stausee und der Felsendome Rabenstein.

auch nicht zu dieser Stadt. Und

8 - Theaterplatz

Haus Arthur Spielstätte unter-

nehmen und schon vor dem Film

doch ist zumindest sein Namens-

Was diesen Platz so besonders

schiedlicher Projekte. Ob Theater,

das Kino genießen – das ist das

geber entscheidend für die Chem-

und sehenswert macht, sind seine

Diskussion, Bingo, Konzert oder

Clubkino Siegmar: ausgesuchte

nitzer Geschichte, war es doch

„Ränder“: die Kunstsammlungen

politische Bildung - hier wird es

nationale und internationale Filme

Johann Georg Siegert, der sieben

am Theaterplatz, das Opernhaus,

nie langweilig. Und wir empfehlen

abseits vom großen Mainstream-

mazedonischen Kaufleuten den

die St. Petrikirche und das im Bau-

ganz klar: ein Feierabendgetränk

Cinema.

Weg ebnete, damit sie den Grund-

hausstil errichtete Hotel Chem-

im aaltra im Erdgeschoss des Ar-

stein für die Chemnitzer Textil-

nitzer Hof. Im Sommer ist es der

thurs.

industrie legen konnten.

schönste Platz für Open-Air-Konzerte und Filmnächte.

4 - Stadtbad

19 - Zeisigwald Erholungsfaktor garantiert: Der

14 - Museum Gunzenhauser

Zeisigwald

Für dieses Haus gibt es nur ein

Wanderwege, zahlreiche Wald-

zählt

durch

seine

Beim Schwimmen muss der Mund

9 - Kunstsammlungen

Wort:

2.500

teiche und den Ausblick über die

ja möglichst geschlossen bleiben.

Außerhalb der aufsehenerregen-

Werke von 270 Kunstschaffenden

Stadt bis ins Erzgebirge zu den

Im Stadtbad kann es passieren,

den Sonderausstellungen bedient

der

die

absoluten Natur-Highlights. Mit-

dass er vor Faszination offen

sich das Museum am Theaterplatz

Sammlung des mit klaren Linien

ten im 600 Hektar großen Misch-

bleibt. Die klaren Linien der

aus dem Bestand von mehr als

im Stil des Neuen Bauens von

wald lädt die Zeisigwaldschänke

Fassade setzen sich auch im

100.000 Objekten wie Gemälden,

Fred Otto errichteten ehemaligen

wahlweise mit ausgezeichnetem

Inneren fort und machen den

druckgrafischen Blättern, Plas-

Sparkassengebäudes,

Eis oder leckerem Glühwein zur

Besuch in einem der einst größten

tiken, Stoffen und der weltweit

heute das Museum beherbergt.

Rast ein.

und

Hallenbäder

einzigen Museumssammlung von

Europas zu einem besonderen

Strumpfkollektionen der Jahre

15 - Marianne-Brandt-Haus

20 - Schauplatz Eisenbahn

Erlebnis.

1880 – 1910.

Produktdesign in höchster Voll-

Immer wieder taucht in Chemnitz

endung. Die Entwürfe der meist

der Name Richard Hartmann auf.

modernsten

einzigartig. Moderne

Fast

umfasst

welches

5 - Schloßviertel

10 - Industriemuseum Chemnitz

in Metall gehaltenen Gebrauchs-

Kein Wunder – der sächsische

Unterhalb des alten Benediktiner-

Das lebendigste Zeugnis sächsi-

gegenstände

Designerin

Eisenbahnkönig hat die Industrie-

klosters stehen die ältesten er-

scher Industriegeschichte. Die

Marianne Brandt sind bis heute

geschichte der Stadt entschei-

haltenen Wohnhäuser der Stadt.

aufwändig zum Museum umge-

stilprägend. In den öffentlich zu-

dend

Dafür sollte man Zeit und Appetit

baute ehemalige Gießerei Escher

gänglichen Studienräumen auf

Dampfloks sind Teil der Sammlung

mitbringen, denn die Restaurants

überzeugt mit modernem Ausstel-

dem Kaßberg befindet sich ein

des größten noch funktionsfä-

in den Häusern sind eine kulinari-

lungskonzept und erzeugt beim

Archiv zur Arbeit der renommier-

higen

sche Pause wert.

Besucher den einen oder anderen

ten Künstlerin.

werks Europas.

Aha-Effekt.

der

geprägt.

Einige

seiner

Dampflok-Bahnbetriebs-


20mustsee 1

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MUST SEE

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VON MACHERN UND VOM TUN

Wirkbaugelände mit Lichtinstallation „Europa“


DIE CHEMNITZER INDUSTRIEKULTUR UND IHRE SCHWESTERN Kultur ist alles. Sagt der bildungsbürgerliche Volksmund. Für Chemnitz lässt sich das anders betrachten. Denn geht man aufmerksam durch die Stadt am kleinen, gleichnamigen Flüsschen, bekommt man eine Idee davon, dass sich hierzulande Kultur vor allem im Alltag finden lässt. Oder anders: wie sich aus vielem vordergründig Alltäglichen Kultur entwickeln kann. Und die Bürger sind die Macher dieser Kulturleistung. Das führt dazu, dass sich neben der allgegenwärtigen und eindrucksvollen Industriekultur ein weiterer Kulturbegriff entwickeln konnte. Denn in der Alltagskultur der Chemnitzer steckt auch heute noch jener kleine und große Erfindergeist, der einst dazu führte, dass sich hier eine reiche Hochkultur, spannende Subkulturen, vielfältige Lebenskulturen und diese großartige Macherkultur entwickeln konnten. Ein Beispiel für gelebte Chemnitzer Alltagskultur ist die Nutzung von Garagen, die über das reine Unterstellen von Fahrzeugen weit hinaus geht. Gerade die prototypischen Gebäude dieser Art entstanden in der gesamten Periode der DDR und, heute oft zu klein für moderne Fahrzeuge, sind mehr und mehr zu Echo-Räumen Chemnitzer Kreativität und Kreativer geworden. Zu finden sind sie im ganzen Stadtgebiet. Das ist zwar nicht besonders einzigartig für die Stadt. Typisch Chemnitz ist aber, was sich dahinter abspielt. Im Kulturhauptstadt-Projekt „Garage als Schatztruhe“ werden im Heute eben jene als Räume der kreativen Entfaltung geöffnet, was zeigt, dass gerade Garagen durch die unterschiedlichen Nutzungen ihrer Besitzer als kulturelle Artefakte einen wesentlichen Beitrag zur immer wieder neuen Deutung von Kulturbegriffen in Chemnitz leisten; und im Besonderen der Industriekultur.

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Eine Garage ganz anderer Natur, aber um nichts weniger von hervorragender Bedeutung in diesem Kontext, erhält im Kulturhauptstadtjahr 2025 eine völlig neue Definition. Dann umgewandelt in einen ganzen Garagen-Campus, wird dem ehemaligen Staßenbahndepot an der Zwickauer Straße im Rahmen der Transnationalen BegegnungenEuropäische Teleplateaus ein völlig anderes Dasein eingehaucht: als Begegnungsort verschiedener Klänge, Bilder und Lichteffekte. Will man etwas höher hinaus, findet man in der Zwickauer Straße eine der ersten Hochgaragen Deutschlands. Das 1928 errichtete Gebäude, das damals schon eine Antwort auf die wachsende Zahl motorisierter Gefährte sein sollte, beherbergt heute neben einem Möbelgeschäft ein mit viel Liebe zum Detail und großartigem Engagement gepflegtes Fahrzeugmuseum. Und ist damit der nächste, lebendige Beweis der Chemnitzer Macherkultur und wird ein zentraler Aspekt im Jahr 2025 sein, wenn Chemnitz den Titel Europäische Kulturhauptstadt tragen wird. Eine völlig untypische Garage, jedenfalls was ihre heutige Nutzung betrifft, ist die ehemalige Automobil-Remise auf dem Gelände der einst von Henry van de Velde 1903 im Auftrag des Textilfabrikanten Herbert Eugen Esche errichteten Villa Esche. Die imposant auf dem Chemnitzer Kapellenberg thronende Architektur-Schönheit aus der Jugendstil-Epoche ist ein weiteres Zeugnis der Chemnitzer Macherkultur. Mit dem Ergebnis, dass heute im aufgestockten Teil der Remise eine ganz besondere Restaurantkultur gepflegt wird. Überhaupt: schaffen, entwickeln, machen. Bei der schon über Jahrhunderte dauernden Suche nach der einen Identität, an die es sich halten ließe, ist es immer wieder die Begegnung mit diesem Narrativ, in dem sich Chemnitz am ehesten wiederfindet. Und es ist eine andere, aber vielleicht die entscheidende Deutung des Begriffs „Industriekultur in Chemnitz“. Ständig rumort es in den Köpfen, in den Straßen, in den Hallen, in den Garagen. Ist man aufmerksam bei seinem Besuch, kann man das in einem nicht nur sprichwörtlichen Sinn hören. Vor allem in Gesprächen mit den Chemnitzern. Man ist hier nie fertig mit sich und dieser Stadt und stellt sich den historischen und zeitgenössischen, kleinen und großen Verwerfungen mit rebellischem, erfinderischem, rauem Ton und Trotz in den Weg, macht das Beste und macht etwas daraus. Einfach machen! Diese schöpferischste Identität einer Stadt ist gerade prägend für Chemnitz und seine Industriekultur.

Historische Hochgarage – Museum für Sächsische Fahrzeuge Chemnitz

Kunstausstellung „looking forward“ 2019 im Wirkbau


RAW-Festival im Wirkbau

in Chemnitz nicht in sich abgeschlossen ist, sondern immer wieder facettenreich entdeckt werden kann. Der Idee der neue Möglichkeiten schaffenden Umnutzung der vorhandenen Industrieareale und gleichzeitigen Baudenkmale begegnet man in Chemnitz ebenfalls immer wieder. Und das ist auch im zweiten Bewerbungsbuch um den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2025“ so formuliert: „Der partizipative Ansatz bindet alle Parteien auf Augenhöhe ein, sodass sich der Möglichkeitsraum für unerwartete und überraschende Ergebnisse erweitert, während der Bezug zu den alten Traditionen durch die Miteinbeziehung der lokalen Macher erhalten bleibt.“ Darin steckt der Gedanke, dass nicht nur die bekannten Chemnitzer Industriekapitäne wie Richard Hartmann oder Louis Schönherr ihre eindrucksvollen Spuren in Chemnitz hinterlassen haben. Und sich zu Hochgaragen interessante Gespräche führen lassen.

„Making Of“ für das BidBook 2 der Kulturhaupstadtbewerbung

Diese ideenreiche Unruhe begegnet dem Besucher auf Schritt und Tritt. Nicht nur beim Anblick oder Besuch der eindrucksvollen Kathedralen der Industriekultur, wie etwa den Wanderer Werken, der ehemaligen Haase-Fabrik, dem Wirkmaschinenbau mit seinem schon fast ikonischen Glockenturm, dem Cammann-Hochhaus, der Schönherrfabrik. Und diese Liste ist in ihrer Unvollständigkeit auch ein Kulturbegriff. See the Unseen. Während anderswo die Industriekultur anschaulich für alle Zukunft museal zementiert ist, lädt man in Chemnitz diesen Begriff immer wieder mit einer neuen Lebendigkeit auf. Dabei kommt man natürlich trotzdem nicht an einem Besuch im Industriemuseum an der Zwickauer Straße vorbei. Allein deshalb muss man hier einen Stopp einplanen, um den Wurzeln der Macherkultur in Chemnitz begegnen zu können. Schon die Sonderausstellungen in diesem eindrucksvollen Industriekulturareal zeigen, dass die Idee „Industriekultur“

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Chemnitzer Garagen-Gespräch

Eine klassische Frage zum Einstieg: Was ist das Besondere an euren jeweiligen Museen? Dirk Schmerschneider: Das Gebäude des Fahrzeugmuseums an sich ist schon besonders, es ist eine historische Hochgarage von 1928, gebaut im Stil der Neuen Sachlichkeit. Dort, wo früher etwa 300 Autos und Motorräder geparkt wurden, präsentieren wir heute einen Querschnitt durch die sächsische Fahrzeuggeschichte. Wir zeigen viele Fahrzeugarten, unterschiedliche Zustände der Fahrzeuge und erzählen die dazugehörenden Geschichten. Besonders ist auch, dass man so dicht an die Objekte heran kommt. Claudia Großkopp: Bei uns ist es ähnlich – die Spuren der Vergangenheit sind besonders erlebbar. Ich sage immer: „Hier hat noch jeder Betriebsdirektor eine Wand gebaut.“ Die Schmiede und das Kutscherhaus sind noch vorhanden und wir waren schon immer ein Museum, das erlebbar ist – hier darf jeder mal die Klingel bedienen. Was ich sehr charmant finde, ist, dass es ein Haus ist, das aus einem Verein heraus entstanden ist. Bei uns kann jeder was entdecken – die Fans kommen von alleine, aber wir möchten, dass sich alle wohl fühlen und spielerisch

etwas lernen können. Es ist halt wirklich noch die alte Wagenhalle und so riecht es auch. Wie ist Industriekultur in euren Häusern erlebbar? Welche Rolle spielt sie? Claudia: Unsere Besucher haben immer eine Geschichte zu erzählen, in welcher die Straßenbahn vorkommt. Sei es, dass die Oma geschaffnert hat oder der Onkel Straßenbahn gefahren ist - das prägt auch die Gesellschaft. Die Bahnen verändern sich, Industriekultur verändert sich und auch das Museum verändert sich. Das zeigt die Parallelen nach Europa auf, denn in anderen Ländern ist es ähnlich - und das macht auch Industriekultur als verbindender Anker der Geschichte für uns aus. Dirk: Es geht ja nicht nur um die Exponate der Ausstellung - sondern um die Verbindungen dazwischen, in die Stadt und die Region. Wir bringen in unserem Museum häufig Wissenschaft und Sammlung zusammen und manchmal entstehen dadurch neue Verknüpfungen. Da merkt man dann, wie das alles miteinander verzahnt

ist. Das ist klasse und macht immer wieder Spaß! Man kann erleben, wie sich die Mobilitätsgeschichte in und um Chemnitz entwickelt hat. Welche Macher spielen bei euch eine Rolle? Dirk: Bei uns muss ich an der Stelle Frieder Bach nennen. Seine Sammlung war der Grundstock für das Museum und er hat jede Woche neue Ideen, was man noch tun könnte. Unsere Mitglieder und Sammler sind unsere Macher, die immer wieder neue Anregungen geben und Anstöße bringen, in welche Richtung man noch forschen oder was man in Zukunft den Besuchern zeigen könnte. Claudia: Bei uns ist es der Verein, der mich fasziniert – da knallt es auch ab und an, aber es wird immer wieder ein Konsens gefunden. Die Leidenschaft für das Thema vereint die Akteure und das ist super! Viele machen das neben ihrer Arbeit und brennen richtig dafür. Das sind alles absolute Macher. Und solange wir in Bewegung sind, stoppt uns keiner!

Dirk Schmerschneider (rechts) und Claudia Großkopp (mitte) im Interview

Eine Garage ist längst nicht mehr nur das Zuhause oder der überdachte Parkplatz eines Autos. Eine Garage kann so viel mehr sein: Bastlerstübchen, Fahrradwerkstatt, Räucherkammer oder Ausstellungsraum. Im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres 2025 werden 3.000 Garagen in Chemnitz und der Region ihre Türen öffnen. Ein solches Projekt braucht natürlich etwas Zeit und gute Koordination – bis es soweit ist, lassen wir die Menschen zu Wort kommen, die schon lange mit Garagen umgehen, weil in ihnen etwas Besonderes schlummert: ein ganz eigener Teil Chemnitzer Industriekulturgeschichte! Wir haben Dirk Schmerschneider vom Museum für sächsische Fahrzeuge Chemnitz e.V. und Claudia Großkopp vom Straßenbahnmuseum zum Dialog eingeladen und mit ihnen gemeinsam hinter die Museumstüren geschaut.


Welche Pläne habt ihr für eure Häuser für die Zukunft? Dirk: Unser Museum feiert derzeit Jubiläum. Das ist 2020 leider ein wenig untergegangen. Aus diesem Grund zeigen wir im Jahr 2021 die Sonderausstellung „Highlights aus 25 Jahren Fahrzeugmuseum“. Außerdem planen wir unser großes DKW-Treffen und das Fahrrad-Fest im Herbst 2021 für die ganze Familie. Zudem wird ein neues Buch die Fahrzeugbaugeschichte in Sachsen nachlesbar machen. Dazu machen wir uns natürlich ständig Gedanken, ob und wie das Museum erweitert werden könnte.

Claudia Großkopp – STRASSENBAHNMUSEUM CHEMNITZ

Was ist für euch eine Garage – kann man eure Häuser als „Mobilitätsgaragen“ bezeichnen? Dirk: Bei uns steckt die Garage schon im Namen – die Hochgarage heißt offiziell Stern-Garagenhof. Und das sieht man natürlich auch noch. Der historische Aufzug ist ein tolles Beispiel dafür und in den ehemaligen Parktaschen stehen jetzt unsere Exponate. „Mobilität“ findet bei uns noch jede Menge statt. Zu unseren Markentreffen beispielsweise kommen jedes Jahr Besucher aus ganz Deutschland und sogar anderen Ländern – teilweise mit ihren eigenen historischen Fahrzeugen. Claudia: Ich habe mich seit der Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025 stärker mit dem Begriff auseinandergesetzt und ja, wir sehen uns als Wagenhalle, als Garage, als Depot oder als Remise – es ist ein historischer Ort, der seine ganz eigene Geschichte erzählt! In einer Garage kann für mich alles versteckt sein, vom Lager bis zum Party-Raum. Und bei uns passieren manchmal auch Dinge, die man nicht erwarten würde, zum Beispiel fand hier auch mal Theater mitten in der Kulisse der Straßenbahnen statt.

Dirk Schmerschneider – MUSEUM FÜR SÄCHSISCHE FAHRZEUGE CHEMNITZ E.V.

Eure Museen befinden sich beide an der Zwickauer Straße – was macht diese Straße für euch aus und was sollte man auf dem Weg zwischen euren Häusern nicht verpassen? Claudia: Auf dem Weg zwischen den Häusern kann man ganz viel entdecken – natürlich liegt das Industriemuseum auf dem Weg, aber die Zwickauer Straße hat einfach ihren ganz eigenen Look. Ich habe das früher immer „morbiden Charme“ genannt und musste das erst lieben lernen – aber es hat ein ganz eigenes Flair, das ich nicht missen möchte. Dirk: Für mich ist das ein echtes Chemnitz-Phänomen: egal, über welche breite Zufahrtstraße man nach Chemnitz kam, es sah alles schlimm aus. Inzwischen hat sich die Zwickauer Straße schon sehr verändert. Einiges finde ich schon sehr gelungen und modern – den Intenta-Neubau zum Beispiel. Und überall am Wegesrand findet man einen Teil der Chemnitzer Fahrzeuggeschichte, vom Museum Gunzenhauser über die Wanderer-Werke bis hin zu den alten Diamant-Werken ganz am Ende der Zwickauer Straße.

Claudia: Wir haben einen konkreten Nutzungsplan für die nächsten Jahre. Wir haben zum Beispiel den Ikarus 180, davon gibt es nur noch 3 Stück auf der Welt und einer gehört zu unserer Sammlung. Der ist gerade in der Restaurierung und ich denke, dass er im Jahr 2022 fertig wird. Dieses Jahr werden wir ihn vielleicht sogar zu einer kurzen Stippvisite herholen - und wir planen derzeit auch das Ikarus-Treffen hier in Chemnitz. Zudem ist unser Museum eine Interventionsfläche der Kulturhauptstadtbewerbung und das ist einfach eine unglaubliche Chance für uns als Verein und für das Museum. Darauf freuen wir uns sehr. Zum Schluss noch eine Empfehlung eurerseits: Was sollten Besucher in Chemnitz nicht verpassen? Claudia: Jeder Gast sollte eine Tour mit unseren Gästeführern machen – das lohnt sich immer wieder, finde ich! Zudem sollte man immer auch einen Blick ins Stadtbad werfen, das ist eines der großartigsten Gebäude der Stadt! Dirk: Jeder sollte einmal vom Schloßberg in die Innenstadt laufen. So entdeckt man, dass es ganz viele verschiedene architektonische Epochen gibt – das sind fast vier Städte in einer. Und natürlich muss ich noch den Lokschuppen in Hilbersdorf empfehlen, den Schauplatz Eisenbahn. Der ist immer einen Besuch wert.

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Hauptstadt des

Wandels SICH IMMER WIEDER NEU ERFINDEN UNTER DEN BEDINGUNGEN VON HISTORISCHEN ENTWICKLUNGEN, DAS LÄSST SICH MIT BLICK AUF DIE CHEMNITZER METAMORPHOSEN DER VERGANGENEN JAHRZEHNTE ODER SOGAR JAHRHUNDERTE ALS EINE BESONDERE SPEZIALITÄT DER STADT BESCHREIBEN. Vielleicht ist gerade diese Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit ein wichtiger Fixpunkt in der sich immer wieder neu zu entdeckenden Identität der sächsischen Metropole am Fuße des Erzgebirges. So schreibt denn die Stadtgeschichte von Chemnitz bis heute ihre ganz eigenen Epochenbegriffe, die sich alle unter einem Dach wiederfinden können, nämlich dass sich am Ufer des gleichnamigen Flusses eine Hauptstadt des Wandels und der Möglichkeiten etabliert hat.


Wirkbau

Schönherrfabrik

Der vor dem 2. Weltkrieg im Volksmund als Schubert und Salzer bekannte Industriekomplex, unmittelbar am Ufer der Chemnitz gelegen, bestimmt auch heute nicht nur durch seinen architektonisch interessanten Glockenturm die Silhouette des Chemnitzer Stadtbildes. Vielmehr gehört er zu einem der größten noch vorhandenen seiner Art und ist geradezu modellhaft für den Umgang in der Stadt mit ihrem industriellen Erbe. Gänzlich anders geartet in Architektur und Gebäudeaufteilung als andere noch erhaltene Industrieareale dieser Art, bekommt man beim Betreten des Geländes des früheren Wirkmaschinenbaus einen besonderen Eindruck von der Wucht der industriellen Kraft dieser Stadt. Lässt man sich beim Gang durch die schluchtenartigen Wege zwischen hochaufragenden und denkmalgeschützt modernisierten Werkstattgebäuden und Hallen auf das Areal ein, kann man mit einem phantasiebegabten Ohr noch das Stampfen der Strumpfwirkmaschinen hören und deren nimmermüden fertigenden Puls sowie die Geschäftigkeit jener Hochzeit der Industrieproduktion in Chemnitz spüren. Die Geschäftigkeit und der wirtschaftende Puls sind zurückgekehrt auf das Gelände zwischen Annaberger Straße, Gleisbogen und dem heute als Partylocation bekannten Südbahnhof.

Etwas weiter im Norden und doch auch in unmittelbarer Nähe zum Fluss hat an der Schönherrstraße die ehemalige Schönherrfabrik zu neuen Bestimmungen gefunden. Architektonisch anders als der Wirkbau folgt sie doch ebenfalls der Chemnitzer Umnutzungsidee früherer, heute jedoch erhaltenswerter Industriebauten. In der ehemaligen Sächsischen Webstuhlfabrik des Louis Ferdinand Schönherr haben zahlreiche kleine Unternehmen wie eine Eventagentur, IT- und Software-Entwickler, das gemütliche Café ankh, das für seine exzellente Küche gerühmte Restaurant maxlouis, die gleichnamige und nicht minder gut kochende Kantine, Fotostudios, Künstler mit ihren Ateliers und sogar eine bekannte Chemnitzer Punkband mit ihren Proberäumen neue Domizile gefunden. Ein Fitnessstudio für Frauen, ein exklusives Sportgeschäft und auch ein Wellnessstudio lassen sich hier finden. Und so kommt die Umnutzung der Schönherrfabrik ebenfalls einer Wellnesskur gleich, die nicht nur dem Gelände und den historischen Industriegebäuden eine neue Frische mitgegeben hat.

Zahlreiche kleine Gewerke und Unternehmen, Künstler wie Osmar Osten und das Restaurant Nomad haben sich hier angesiedelt und füllen den Komplex wieder mit Leben und wirtschaftlichen Ambitionen. Und so werden im Wirkbau, ganz im Sinne des in der Stadt sesshaften Glaubens an die Erneuerung durch den Wandel, keine Strümpfe mehr gewirkt, sondern neue, auch unternehmerische Träume verwirklicht. Und wer weiß, vielleicht gehören Strümpfe auch bald wieder dazu. Uhrenturm im Wirkbau

Schönherrfabrik

Restaurant Nomad im Wirkbau-Gelände I N D U S T R I E K U LT U R

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Imposante Kunst im Fritz-Heckert-Gebiet ist keine Seltenheit


CHEMNITZ IST EIN RIESIGER SPIELPLATZ – VON DER MAGIE DES ZWEITEN BLICKES Interview mit Katja Manz & Nobert Engst

Man muss sie mögen, die Beiden. Stadtteile. Und Katja Manz und Norbert Engst. Es ist die unaufgeregte Begeisterung, mit der die beiden Stadtteil-Enthusiasten von ihrer jeweiligen Chemnitzer Herzens-Hood erzählen, die ansteckt, mitreißt und mitreisen lässt durch Vergangenes und Gegenwärtiges auf dem Sonnenberg und im sogenannten Heckert-Gebiet. Wobei letzteres eigentlich fünf Stadtteile groß und in seinen Hochzeiten mit über 90.000 Bewohnern fast eine eigene Stadt gewesen ist. Während eines kalten Januartages treffen wir uns an der Markuskirche, diesem merkwürdig zwischen typischer Altbau-Architektur und sozialistischer Lückenbebauung raumgreifenden Wahrzeichen des Sonnenberges. Und schon ab diesem Moment ist er da, der Gedanke an den oft beschriebenen magischen zweiten Blick. Und noch etwas schwingt in jeder Zeile mit: Katja Manz und Norbert Engst sind, ganz im Sinne des Titels Europäische Kulturhauptstadt, den Chemnitz im Jahr 2025 tragen wird, Macherin und Macher.

KATJA MANZ 1,83 Meter groß, sagt sie selbst. Und 40 Jahre. Gebürtige Stuttgarterin. Seit 2009 hat sie ihr Herz an den Sonnenberg verloren. Beruf: Stadt- und Kultur-Geografin und derzeit am Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz als Kuratorin für die Sonderausstellung „Die Stadt zwischen Skyline und Latrine“ tätig. Zudem arbeitet Katja freiberuflich an der Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst, sammelt Geschichten und bereitet diese audiovisuell auf, daraus entstehen Klanginstallationen, Apps oder experimentelle Stadtführungen. NORBERT ENGST 37 Jahre alt. Ebenfalls groß gewachsen. Und mit diesem Alter auch noch gebürtiger Karl-Marx-Städter. Hat seit Beginn seines Lebens im Heckert-Gebiet gewohnt. Beruf: Betonfertigteilebauer und Landschaftsarchitekt, und mit einem klischeegetränkten Gedanken will man denken, dass dies eine logische Konsequenz sein könnte. Aber dann erfährt man, dass er in der Schweiz arbeitet. Mit dem Heckert-Gebiet ist er immer noch herzlich verbunden, was schon zu sehr lesenswerten Büchern geführt hat.

Visit Chemnitz: Chemnitz ist eine Stadt mit 39 Stadtteilen. Viele davon sind sehr unterschiedlich geprägt und haben oft eigene Stadtteilzentren geformt. Auch der Sonnenberg und das Heckert-Gebiet. Was verbindet denn beide Stadtteile? Katja: Ich denke, die beiden Stadtteile werden leider immer noch ein bisschen stiefmütterlich wahrgenommen, auch innerhalb von Chemnitz. Na, und sie sind beide eine Reise wert. Visit Chemnitz: Warum? Katja: Man kann Vieles entdecken, vom alteingesessenen Familienbetrieb bis zum arabischen Imbiss, der Sonnenberg ist ein sehr vielfältiger Stadtteil und architektonisch ist er auch interessant. Zudem finde ich, man sollte sich immer ein eigenes Bild von Orten machen und nicht die Bilder, die sich schon seit Jahren in den Köpfen festgesetzt haben, reproduzieren. Visit Chemnitz: Was kann man denn konkret auf dem Sonnenberg entdecken? Was muss der berühmte zweite Blick sehen? Katja: Der Sonnenberg ist erst einmal von der Bevölkerung her sehr vielfältig. Er ist ein junger Stadtteil, sehr lebendig, im Aufbruch und ich denke, dass ist das, was immer irgendwie Reibungen, Spannungen und Neues erzeugt. Zudem gibt es diese Kleinteiligkeit. Also es gibt kleine Läden, es gibt Imbisse, es gibt viel Kunst und Kultur, die immer mehr zum Blühen kommt. Es gibt schöne Hinterhöfe, es gibt urbane Gärten und es gibt vor allem unheimlich viele Menschen, die ihre Ideen umsetzen. Das ist eigentlich das Spannende für mich am Sonnenberg. Seit über 11 Jahren wohne ich auf dem Sonnenberg und kann sagen, dass er sich sehr positiv entwickelt hat.

Norbert und Katja unterwegs im Stadtgebiet

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Norbert: Da ist zunächst die Geschichte. Es sind beides Arbeiterstadtteile gewesen, die jeweils gebaut wurden, um die Wohnungsnot, auch von Arbeitern, zu beheben. Der Sonnenberg entstand, um die Wohnungsnot um 1900 zu lindern. Da gab es verschiedene Ansätze über die Jahrzehnte hinweg. Das HeckertGebiet ist letzten Endes entstanden, um auf den Wohnungsmangel der 60er und 70er Jahre zu reagieren. Visit Chemnitz: Nach der friedlichen Revolution 1989 und in den 90er Jahren hat über die Hälfte der Bewohner das Heckert-Gebiet verlassen. Du bist nach wie vor hier anzutreffen und hast sogar Bücher über dieses Stadtgebiet geschrieben. Was reizt dich denn am Heckert-Gebiet? Norbert: Es ist ein riesiger Spielplatz. Man kann extrem viel machen. Es gibt wenig andere, die sich dafür interessieren. Sei es für die Geschichte, noch für den heutigen Zustand. Man kann selbstständig ganz viel entdecken und das auch interessierten Leuten zeigen. Visit Chemnitz: Was wäre das zum Beispiel? Norbert: Ganz interessant ist vielleicht erstmal, wie man hier mit den Höhen umgegangen ist. Man hat fantastische Ausblicke über die ganze Stadt bis ins Erzgebirge hinein. Wir haben übrig gebliebene Straßenreste, in denen früher Häuser standen, die dann in den 90ern und Anfang der 2000er abgerissen wurden. Da sind jetzt einfach so Straßen ins Nichts. Wir haben die Morgenleite mit einem großen Waldgebiet. Mitten im Neubaugebiet. Auch dort sollte Wohnungsbau beginnen und man sieht auch Ansätze davon – aber es kam

Plötzlich Hühner – typisch Sonnenberg ;-)

Platte und Kunst – typisch Heckert-Gebiet

Visit Chemnitz: Jetzt ist der Sonnenberg geprägt von Altbau im Stile vergangener Epochen. Das Heckert-Gebiet ist in den 70er und 80er Jahren mit sogenannten Neubauten aus der grünen Wiese gestampft worden. Norbert, warum kann man die beiden auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Stadtteile trotzdem miteinander vergleichen?

nie dazu. Genauso am anderen Ende des Gebietes in HutholzSüd. Da sieht man heute, wo die Wende begann. Man sieht, wie es hätte weitergehen sollen mit dem Wohnungsneubau. Aber es kam dann nicht dazu. Das ist wie eingefroren und das kann man heute sehen. Visit Chemnitz: Gibt es eine besondere Kultur im HeckertGebiet? Zum Beispiel eine Wohnkultur oder eine besondere Lebenskultur? Norbert: Sie entwickelt sich, möchte ich mal sagen. Das Heckert-Gebiet hat in den 90ern und Anfang der 2000er schwere Zeiten hinter sich. Schon medial wurde hier viel zerredet. So im abwertenden Sinne eines ostdeutschen Plattenbau-Gebietes. Das hat natürlich auch Spuren hinterlassen bei den Leuten. Ich beobachte aber seit drei bis vier Jahren einen gewissen Wandel. Es gibt wieder Leute, die sagen, dass sie stolz sind, hier zu wohnen. Die das bewusst auch woanders so vertreten. Das wäre in den 90ern oder in den 2000ern so nicht möglich gewesen. Da hätte man bestenfalls gesagt, man wohne in Markersdorf oder in Hutholz (Anm. d. Red. Stadtteile im Heckert-Gebiet), aber man hätte nicht zugegeben, dass man im Fritz-Heckert-Gebiet wohnt. Visit Chemnitz: Katja, warum braucht Chemnitz als Stadt den Sonnenberg? Katja: Also ich denke, der Sonnenberg ist momentan noch ein Experimentierfeld in der Stadt. Er ist dieses Symbol des Unfertigen und der Kontraste, der Gegensätze. Er hat zwar eine Altbausubstanz, aber es ist auch viel abgerissen worden. Also es gab diese Baulücken, die heute irgendwie anders genutzt werden. Wir haben es vorhin gesehen: Plötzlich gibt es da Hühner! Es gibt also diese Freiräume für Möglichkeiten, die es vielleicht in anderen Stadtteilen so nicht mehr gibt. Dadurch hat sich auch die Wahrnehmung geändert. Der Sonnenberg wird nicht mehr so negativ betrachtet. Gerade von Jüngeren wird dieses Potenzial auch genutzt und sie ziehen dann auch nach und nach auf den Sonnenberg.


Visit Chemnitz: See the Unseen. Was bedeutet das mit Blick auf den Sonnenberg für dich? Katja: Man sagt ja immer, dass Chemnitz erst auf den zweiten Blick schön ist. Mir ging das auch so. Ich weiß noch, als ich damals angekommen bin in der Stadt, da saß ich am Nischel und dachte nur: ‚Schön ist es nicht, aber spannend. ‘ Also es ist genau das Versteckte, die versteckten Winkel, die kleinen Dinge, das in die Hinterhöfe schauen und dabei Neues entdecken. Der Sonnenberg ist auf jeden Fall noch ein bisschen so. Und entwickelt sich aber gerade zum Schwan. Also es ist auf einem, finde ich, sehr guten Weg dahin und lohnt sich, entdeckt zu werden. Visit Chemnitz: Das Heckert-Gebiet ist in seiner Größe und Ausdehnung in Chemnitz sehr präsent. Anders als der Sonnenberg, der eingegliedert ist in das Stadtbild. Was ist denn das Ungesehene am oder im Heckert-Gebiet? Norbert: Es ist genauso wie auf dem Sonnenberg. Auf den ersten Blick ist es objektiv betrachtet ein ostdeutsches Neubaugebiet. Aber es gibt eben interessante Perlen dazwischen. Kunst aus DDR-Zeiten zum Beispiel. Visit Chemnitz: Du meinst in der Albert-Köhler-Straße? Norbert: Ja, genau, auf dem sogenannten Honecker-Boulevard. Aber auch auf dem Ikarus-Boulevard im heutigen Stadtteil Kappel, früher Baugebiet II. Dort gibt es zum Beispiel die Sachsenhalle mit dem interessanten Teich davor. Gerade im Sommer für Kinder wunderbar gemacht. Man hat versucht, in den einzelnen Stadtteilen Boulevards oder Fußgängerzonen zu entwickeln. Das ist im Sommer herrlich. Und dann überhaupt: der Kontrast. Es sind zwei Dörfer eingebaut worden. Helbersdorf und Markersdorf sind komplett umbaut von Plattenbauten. Und wenn man nun aber in Markersdorf unterwegs ist, auf der Meinersdorfer Straße zum Beispiel, sieht man nichts davon. Man glaubt, man ist irgendwo im Erzgebirge. Dann läuft man ein bisschen raus auf die Höhen und schon ist man wieder voll mittendrin. Dieser Kontrast ist unglaublich. Dann sieht man natürlich auch immer noch die Lücken, die der Stadtumbau in den 2000er Jahren gerissen hat. Für mich ist auch die ehemals sogenannte Stadtmauer an der Stollberger Straße hochinteressant. Einst war dies fast der längste Wohnblock, jedenfalls in Chemnitz und auch länger als die berühmte Lange Lene in Leipzig. Da ist jetzt nur noch ein Fragment da. Fünf, sechs Eingänge von ehemals 17 Eingängen. Visit Chemnitz: Chemnitz wird 2025 Kulturhauptstadt sein. Katja, was ist dein Kulturbegriff und was ist dein Kulturbegriff für Chemnitz? Katja: Als Kulturgeografin habe ich sicherlich einen sogenannten erweiterten Kulturbegriff. Natürlich ist die Kulturhauptstadt eine Chance für Chemnitz. Dennoch darf man hierbei auf keine Fall Kultur, Kulturbegriff und Kulturhauptstadt vermengen oder verwechseln. Dennoch ist in der Chemnitzer Bewerbung eine Menge Kultur drin. Dabei ist es wichtig, wirklich alle mitzunehmen, vor allem die Chemnitzerinnen und Chemnitzer. Das wäre dann auch mein favorisierter Kulturbegriff. Kultur, das ist die ganze Stadt per se, nicht nur das sogenannte kulturelle Programm. Es wäre nicht sinnvoll, der Stadt ein großes Highlight-Projekt aufzusetzen, sondern es ist wirklich wichtig, die Bevölkerung mitzunehmen und mit den Menschen hier zusammen zu arbeiten. Mit den Macherinnen und Machern dieser Stadt, mit den kleinen und den großen. Und das ist genau die Kultur, die ich auch sehe und die mir an Chemnitz so gut gefällt. Man quatscht nicht, man macht. Dieses Bodenständige ist eben auch eine Kultur. Vielleicht kommt es von der Ingenieursmentalität in der Stadt. Da gibt es auch Parallelen zwischen Stuttgart und Chemnitz. Mit der Zeit habe ich festgestellt, an einem Ort gelandet zu sein, der mir gut gefällt und im Positiven vertraut ist. Dazu zählt auch die Nähe zur Natur, denn die Kombination aus Stadt und Natur bietet eine hohe Lebensqualität. Und ich wünsche mir für Chemnitz, dass diese Mischung aus Freiräumen, bezahlbarem Wohnraum und kleinteiligem, vielfältigem Angebot erhalten bleibt, denn das macht die Stadt besonders.

Visit Chemnitz: Norbert, du bist ein gebürtiger Karl-Marx-Städter, heute Chemnitzer und arbeitest in der Schweiz. Was ist dein Kulturbegriff und was ist für dich ein typischer Chemnitzer Kulturbegriff? Norbert: Also zunächst fürs HeckertGebiet: Das Spannende ist, dass man hier einen ganz anderen Kulturbegriff entwickeln kann, als er traditionell immer so in der Stadt wahrgenommen wurde. So mit Opernhaus und Schauspielhaus und anderen Theatern oder den Museen. Ja, das ist auch Kultur. Aber auch hier draußen, am Rande der Stadt, haben wir Kultur. Wir haben hier riesige Elfgeschosser, die haben Stirnseiten, das sind riesige Leinwände, die könnte man wunderbar bespielen. Die größten Leinwände der Stadt haben wir damit. Dann diese WBS-70-Architektur (Anm. d. Red. Wohnbauserie, Bezeichnung der Plattenbauarchitektur der DDR), die ist trotz Modernisierung überall noch sichtbar. Das ist auch Kultur. Und da ist vor allem die Kultur der hier Lebenden. Da haben verschiedene Ansätze nach der Wende nicht funktioniert, die hier mal geplant waren. Damit zu spielen und das zu entwickeln und auch mal einen Gegenpol zur Innenstadt aufzuzeigen, das ist hochinteressant. Zum Beispiel auf dem Honecker-Boulevard runter einfach mal die Geschichte zu zeigen, was dort stattgefunden hat. Ein Bewusstsein und ein ganz neues Selbst-Bewusstsein für die Stadt zu schaffen, in dem man sich von Blicken nach anderen Städten lösen kann.

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Begegnung der Stile Die Chemnitzer Innenstadt als Treffpunkt der Epochen

Stadthalle Chemnitz


Klar, ein bisschen fällt es schon heraus aus den umliegenden Architekturstilen in der Chemnitzer Innenstadt: Das Siegert‘sche Haus. Mit seiner prächtigen barocken Fassade steht es beeindruckend selbstbewusst in einer Reihe weiterer Gebäude aus anderen Zeiten. Und es ist auch einzigartig, denn das 1952/53 wieder errichtete Gebäude ist das letzte vor der Industrialisierung entstandene Wohnhaus in Chemnitz. Errichtet in den Jahren 1737 bis 1741 nach den Plänen des Architekten Johann Christoph Naumann, nimmt es in eleganter Eindrücklichkeit Bezug zur Chemnitzer Blütezeit des 15. und 16. Jahrhunderts. Die begann, als sieben Mazedonische Textilhändler bei den Chemnitzern ihr Glück fanden und wesentlichen Anteil daran hatten, dass sich die Stadt später zu einer Industriemetropole und im beginnenden 20. Jahrhundert zur reichsten Großstadt Deutschlands entwickelte. Ein Nachfahre dieser Textilhändler war denn auch der Bauherr und erste Eigentümer des Siegert‘schen Hauses. Und so steht man beeindruckt davor und gleichzeitig am Fundament der Chemnitzer Industriekultur.

Ganz in der Nähe des imposanten Warenhauses findet man einen weiteren steinernen Zeitzeugen. Den ältesten sogar. Der Rote Turm ist ein Wahrzeichen der Stadt und wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts und zunächst als Bergfried errichtet. Später hatte er als Teil der Stadtbefestigungsanlagen verschiedene Aufgaben. Unter anderem diente er als Amtssitz dem Stadtvogt, zeitweilig als Gefängnis und heute zu Ausstellungszwecken. Herhalten musste seine fast schon ikonische Kulisse auch als Modell eines Spülmittelherstellers für das Behältnis seines Produktes. Die nächsten Schritte eines Spazierganges durch die Innenstadt führen durch den im Sommer künstlerisch belebten und damit sehr beliebt gewordenen Stadthallenpark. Den Namen verdankt er dem angrenzenden Gebäudekomplex, der mit dem Großen und dem Kleinen Saal der Stadthalle, sowie dem neu integrierten Carlowitz Congresscenter und dem hoch aufragendem Hotelkomplex ebenfalls einen weiteren architektonischen Beweis für die Vielfältigkeit der Chemnitzer Innenstadt darstellt. Markant und eindrucksvoll ist dabei die vom Bildhauer Hubert Schiefelbein entworfene Außenfassade des Stadthallenbaus mit ihren Formsteinen aus Gips. Der Komplex ist damit in seiner Gesamtheit das vielleicht wichtigste Baudenkmal aus der DDR-Zeit und bildet eines der großen kulturellen Zentren der Stadt. Martina Wutzler ist Architektin und führt häufig auch Gäste durch die Stadt. Mit Blick auf den Stadthallenkomplex stellt sie einmal mehr fest, dass die völlige Zerstörung der Chemnitzer Innenstadt zwar eine Katastrophe gewesen ist, die sich in der sozialistischen Neubebauung zur Musterstadt dieser Epoche fortsetzte. Aber in den festen Strukturen einer zum Beispiel im Krieg nicht zerstörten Stadt, sieht die aus Weimar stammende Stadtentwicklerin mit viel internationaler Expertise auch weniger Möglichkeiten zur Stadtgestaltung und Stadtentwicklung. Heute lassen sich hingegen die Versuche erkennen, in der nach der Wende neu errichteten Chemnitzer Innenstadt frühere städtebauliche Architekturen aufzunehmen und der Stadt damit ein neues Gesicht zu geben. Das sähe man, so beschreibt es Martina Wutzler, zum Beispiel in den Gässchen zwischen Galerie Roter Turm, dem architektonisch ebenfalls eindrucksvollen Bekleidungshaus von Peek & Cloppenburg und den dahinter errichteten Gebäuden, in denen sich kleine Geschäfte und Restaurants befinden. Auch die Innere Klosterstraße gehört unbedingt dazu. Hier finden sich ebenfalls kleinere und größere Restaurants oder Läden und geben so dieser freundlichen Gasse ein fröhliches Leben.

Innere Klosterstraße in Chemnitz

Einzigartig zu sein, das fällt der Chemnitzer Innenstadt gar nicht so schwer. Das ist schon historisch begründet. Marcus Mühlberger, Aufsichtsrat der Holding, zu deren Besitz auch die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof gehört und die damit eines der modernsten Kaufhäuser in Chemnitz betreibt, fällt es schwer, in der Innenstadt ein Gefühl für die eine Architektur zu bekommen. Sie sei eben so unterschiedlich errichtet, erklärt er seinen Eindruck. Gerade in der jüngsten Vergangenheit. Der gebürtige Österreicher, der auch in der Kunstszene der Stadt engagiert ist, zieht natürlich zum Vergleich Städte wie Innsbruck, Salzburg oder gar Wien heran. Innenstädte wie diese fügten sich ineinander und bildeten eine Einheit. Das Spannende an Chemnitz sei hingegen, dass ein Bummel durch die Innenstadt immer wieder eine Entdeckungsreise durch die Zeiten sei. Den Beweis liefert der krasse Kontrast des in modernster Glasarchitektur von Helmut Jahn errichteten Warenhauses, in Steinwurfweite zum Siegert‘schen Haus.

Und so markieren beide Gebäude nicht nur zwei markante Begrenzungen zu den beiden Märkten der Chemnitzer Innenstadt, sondern auch der jeweiligen Chemnitzer Innenstadtentwicklung. Auf die Frage, wo er sich am wohlsten fühle, antwortet Mühlberger ziemlich zügig: „Auf dem Marktplatz.“

CHEMNITZ CITY

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Zwischen Tradition und Moderne – eine Formel, die in letzterem Begriff nur zum Teil den eigentlichen Epochenbegriff widerspiegelt. Allerdings kann man der Moderne in Chemnitz an vielen Stellen begegnen. Ein Beispiel ist das ehemalige Umspannwerk an der Theaterstraße. Es zeugt davon, dass Pragmatismus und Kunstsinnigkeit in Chemnitz eng miteinander verbunden sind. Errichtet im Stile des Bauhausgedankens, beherbergt das eindrucksvolle Gebäude in seinem Inneren heute eine Laufkatze, ein halbes Schwungrad und eine moderne Jugendherberge und ist damit Ausgangspunkt zahlreicher Begegnungen mit der chemnitztypischen Industriearchitektur. Ein weiteres Beispiel ist das ebenfalls im Stil des Neuen Bauens und im Jahr 1925 vom damaligen Stadtbaudirektor Fred Otto entworfene Stadtbad. Hier lohnt sich ein Besuch schon, auch wenn man nicht schwimmen mag. Denn gerade im Inneren dieses Bades kann man erkennen, welch klare Ausdruckskraft das Neue Bauen in Chemnitz entwickeln konnte. Und so kann man eng beieinander, und nunmehr städtebaulich verdichtet, viele Epochenstile in der Chemnitzer Innenstadt finden. Vom gotischen Jugendstil mit der Jakobikirche, dem Alten Rathaus im spätgotischen Stil, der Markthalle unmittelbar an der Chemnitz im Stil der Neoromantik und nicht zuletzt den Theaterplatz, auf dem sich in einem schönen Ensemble verschiedene Stilepochen harmonisch begegnen: die Kunstsammlungen Chemnitz im König-Albert-Museum, das von Richard Möbius zwischen 1906 und 1909 errichtete Opernhaus und mit dem Hotel Chemnitzer Hof auch wieder ein Beispiel für das Bauen im Stile der Neuen Sachlichkeit.

Martina Wutzler freut sich indessen über den Titel Europäische Kulturhauptstadt, den Chemnitz im Jahr 2025 tragen wird.

„Er wird schon bis dahin Gäste, vor allem junge, anziehen und gibt die Möglichkeit die Stadt einmal mehr weiterzuentwickeln.“


Stadthallenpark Chemnitz

Stadtbad Chemnitz

Rathaus Chemnitz

Roter Turm Chemnitz CHEMNITZ CITY

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Weihnachtsbesuche


26. November – 23. Dezember 2021 | Innenstadt

WEIHNACHTSMARKT Für viele beginnt der Chemnitzer Weihnachtsmarkt bereits mit der Aufstellung des großen Baumes Mitte November. So wird dieser Moment traditionell gebührend gefeiert – mit der ersten Roster und dem ersten Glühwein des Jahres. Es ist selbstverständlich der schönste und oft auch größte Weihnachtsbaum in Sachsen, der Chemnitzer Weihnachtsmarkt wurde mehrfach als Sachsens schönster ausgezeichnet. Den Auftakt gestalten jedes Jahr am Vortag des ersten Advents über 1.000 Mitwirkende aus 30 Bergbrüderschaften und Knappschaften bei einer der größten Bergparaden des Erzgebirges. Die 200 festlich geschmückten Buden, Stände und Fahrgeschäfte leuchten jedes Jahr den Platz zwischen Innerer Klosterstraße, Marktplatz, Düsseldorfer Platz und Rosenhof weihnachtlich aus. Die gesamte Innenstadt strahlt dank tausender Lichter aus sich selbst heraus, gebannt warten die Kinder vor der Bühne auf den Weihnachtsmann. An den Buden finden sich Geschenke aus der Region oder von weither und immer kann man neue Überraschungen finden. Denn es ist der reizvolle Mix, der die Neugier jedes Jahr aufs Neue anfacht. Erzgebirgische Volkskunst, auch ganz modern, neben russischen Mützen, Bratwurst neben Krokodilgulasch, Griene Kließ neben Elsässer Flammkuchen, Crêpes neben Eierkuchen, Winzerglühwein neben Glühbier – auf dem Chemnitzer Weihnachtsmarkt ist die ganze Welt zuhause. Eine andere Welt öffnet sich auf der Inneren Klosterstraße. Passend zum Straßennamen unterhalten Musiker mit mittelalterlichen Klängen den geneigten Besucher, Kinder jauchzen auf den Schiffsschaukeln und üben sich im Armbrustschießen, an den offenen Feuern wird geschmiedet, gebraten, gesotten oder sich in geselliger Runde gewärmt. Das Wasser im großen Badezuber dampft in der kalten Winterluft, während wagemutige Badegäste darin mit einem Becher Met anstoßen. Die Klosterweihnacht hat ihren festen Platz auf dem Chemnitzer Weihnachtsmarkt und bei den Besuchern gefunden.

Lichterfahrt ins Weihnachtsland Wer in der Weihnachtszeit das Erzgebirge besucht, erlebt ein beeindruckendes Fest der Lichter: Schwibbögen in allen Fenstern, beleuchtete Pyramiden auf den Marktplätzen malerischer Bergstädte und prächtig geschmückte Straßen und Gassen soweit das Auge reicht. Erleben Sie in der Adventszeit die Schönheit und Einzigartigkeit dieser Region, gleichzeitig können Sie entlang der „Silberstraße“ Bergbaukultur und Brauchtum im Erzgebirge kennenlernen. Termine: 1. und 3. Advent, 15 Uhr bis 19 Uhr Die Tourist-Information Chemnitz berät Sie gern unter 0371-690680 oder info@chemnitz-tourismus.de

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fein und ganz besonders. Klein,

EINKAUFEN IN CHEMNITZ MONOKEL Wenn jemand eine Reise tut – dann will er oder sie sich meist auch eine schöne Erinnerung mitbringen. Und Chemnitz hat da ein paar ganz ausgefallene Ideen, was Sie sich selbst oder Ihren Liebsten Zuhause mitbringen können. Wie wäre es beispielsweise mit einem exklusiven Kleidungsstück mit Chemnitzer Design? Oder dem fehlenden Teil für die perfekte OutdoorAusrüstung? Oder vielleicht mit etwas Süßem? Es muss ja nicht gleich eine Hochzeitstorte sein…, wobei: warum eigentlich nicht? Lassen Sie sich in den Bann der Bücher ziehen, von neuen Stoffen begeistern und nehmen Sie Chemnitzer Musik mit nach Hause, damit das Gefühl der Stadt auch in Ihr Wohnzimmer einzieht.

Dieser Buchladen ist vermutlich nicht viel größer als Ihr Wohnzimmer, aber mindestens genauso gemütlich! Und selbst wenn Sie nur mal stöbern möchten: Sie werden bestimmt fündig. Diana Winkler und ihr Team können für jedes Alter und jeden Geschmack gezielt das Richtige empfehlen und geben nebenbei sicher noch den ein oder anderen Kultur-Tipp mit auf den Weg.

Monokel Webergasse 3, 09111 Chemnitz www. monokel-buchladen.de

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SPANGELTANGEL

KATHI KUNTERBUNT

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Das Schneehuhn also. Es inspirierte die Inhaber zum Namen ihres Ladens und legt gedanklich die Loipe in den Norden. Alle Outdoor- und Trekkingfans werden hier ihr Paradies entdecken. Persönliche Beratung und hohe Qualität der Produkte stehen an erster Stelle. Und das schwedische Flair des Ladens lässt den Besuch erscheinen wie ein Trip nach Skandinavien.

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Alles kein Problem: Auf den nächsten Seiten nehmen wir Sie mit durch die Stadt – lassen Sie sich inspirieren von Facetten der Kulturhauptstadt Europas, von ostmodernen Bauten und der Anmut des Jugendstils. Wenn Sie Lust auf mehr haben, können Sie besondere Highlights auch in Form einer geführten Tour erleben. Nähere Informationen dazu erhalten Sie in der TouristInformation Chemnitz unter der 0371 690680 oder unter info@chemnitz-tourismus.de

OSTMODERNE SEITE 50 - 51 TOUREN

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KULT(O)URHAUPTSTADT Im Jahr 2025 wird Chemnitz gemeinsam mit der serbischen Stadt Nova Gorica europäische Kulturhauptstadt sein. Dieser Titel wurde von einer internationalen Jury verliehen und würdigt den Weg, den eine Stadt sich vorzunehmen gedenkt. Es geht um Kultur – aber auch im Sinne eines Miteinanders. Wie wollen wir in Zukunft leben? Was macht eine Stadt aus? Wie können wir aus der Krise lernen? Bereits jetzt sind in Chemnitz Hinweise, Aktionen oder auch richtige Projekte zu entdecken, die den Weg zur Kulturhauptstadt flankieren oder einen besonders europäischen Bezug vorweisen. Zudem gibt es Orte, für die große Pläne bestehen und die 2025 besonders im Mittelpunkt stehen sollen. Begleiten Sie uns bei dieser kleinen Tour auf dem Weg zur Kulturhauptstadt Europas 2025!

zu Fuß erlebbar ca. 60 Minuten

1 BLÜHWIESEN Konkordiapark Zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern der Stadt wurden Blumensamen ausgesät, um bunte Blühwiesen in verschiedenen Stadtteilen zu schaffen. Der Grund: wir reagieren bereits jetzt auf Themen, welche in einer Umfrage als größte Probleme genannt wurden. Der Wunsch nach einer bunten und umweltbewussten Stadt sowie nach einer nachhaltigen Stadtentwicklung, wurde dabei oft genannt. Auch in anderen Stadtteilen lassen sich solche Fleckchen entdecken.

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HARTMANNFABRIK WERKSTATT FÜR KULTUR UND DEMOKRATIE Fabrikstraße 11 Die Hartmannfabrik ist ein Ort, an dem der bekannte Lokomotivkönig Richard Hartmann früher Lokomotiven herstellte. Im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres wird die ehemalige Fabrik zu einer europäischen Werkstatt für Kultur und Demokratie. Zusätzlich wird sie als zentrale Anlaufstelle und als moderner Empfangsschalter für Gäste des Kulturhauptstadtjahres 2025 dienen. Im Vorfeld werden dort bereits die „Akademie der Autodidakten“ sowie verschiedene Ausstellungen zu erleben sein.


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WANDELGANG Stumpf Brückenstraße Am Ende der Brückenstraße steht seit dem Sommer 2020 das Kunstwerk „Wandelgang“ der Künstlergruppe „Observatorium“. Mit der Aufschrift „Was beginnt am Ende, was hört am Anfang auf?“ soll ein würdiger Abschluss des Boulevards geschaffen werden, der dem Fluss einen Rahmen und Zugang bietet und den Gebrauch von Text im öffentlichen Raum thematisiert. Das Werk war Teil des Projektes „Gegenwarten I Presences“, in dessen Rahmen im Sommer 2020 viele Positionen zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum in Chemnitz gezeigt wurden. Weitere Projekte von Kunst im öffentlichen Raum sollen folgen und auch zukünftig zum Austausch anregen.

ALLEE DES LICHTS Zieschestraße 28, über Park der Opfer des Faschismus zur Innenstadt Die Laternen, welche vom Schauspielhaus durch den Park der Opfer des Faschismus bis in die Innenstadt führen, verbinden diese Orte nicht nur miteinander, sondern entpuppen sich beim näheren Betrachten als wahre Schönheiten. Denn: es sind die Laternen der Chemnitzer Partnerstädte. Man kann sich also auf dem Weg ins Theater gleich ein bisschen kosmopolitisch fühlen.

4 DER DARM Schillerplatz Die Künstlerinnen Anetta Mona Chişa und Lucia Tkáčová haben für diese ortsspezifische Installation eine Referenz auf das vermutlich bekannteste Chemnitzer Wahrzeichen gewählt: das Karl-Marx-Monument. Die Installation ebenfalls entstanden im Rahmen des Kunstprojekts im öffentlichen Raum „Gegenwarten I Presences“ zeigt den Darm von Marx im Maßstab 24:1 und soll verdeutlichen, dass auch andere Körperteile Einfluss auf unsere Entscheidungen und unser Empfinden nehmen als der Kopf.

5 BUNTE TREPPE AM TECHNISCHEN RATHAUS Dresdner Straße Die Treppe ist ein Teil des „Nimm Platz“ – Projektes der Chemnitzer Kulturhauptstadtbewerbung 2025. Interessierte sollten ihre Lieblingsorte vorstellen und Ideen sammeln, wie man diese gestalten kann. Über das Design der Treppe konnten dann Bürgerinnen und Bürger bestimmen und diese haben sich letztendlich für die „Lego-Treppe“ entschieden. Damit wurde durch breites bürgerschaftliches Engagement, unter anderem von der Initiative der Buntmacher*innen, ein weiterer Begegnungsort in der Stadt Chemnitz geschaffen.

7 NEUN NEUE GÄRTEN An der alten Post In die neun Betonkübel auf dem Platz vor der Alten Post, welche viele Jahre leer standen, wurden im Sommer 2020 verschiedene Obst- und Gemüsepflanzen eingesetzt. Die Idee dahinter: etwas Natur in die Stadt bringen und gleichzeitig den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit bieten, in der Stadt Obst und Gemüse selbst zu ernten. Das Team hinter dem Projekt besteht aus Veronique Facheur, Marc Pouzol und Marc Vatinel, die besser bekannt sind als „atelier le balto“ und ebenfalls im Rahmen der „Gegenwarten“ in Chemnitz arbeiteten.

Angekommen in der Innenstadt, sind natürlich noch längst nicht alle Projekte der Kulturhauptstadt 2025 erlebt. Hier noch eine Auswahl weiterer spannender Ecken im Kulturhauptstadtprozess:

EUROPA AM WIRKBAU Annaberger Str. 73 Europa sichtbarer machen! Das ist das Ziel der Lichtinstallation am Wirkbau, die natürlich besonders in der Dunkelheit ihre Wirkung entfaltet. Öffentliche Präsenz des europäischen Gedankens ist ein großes Ziel des Werks. Der Schriftzug dient außerdem als Symbol für die vielen überstandenen Krisen und die Vorteile, die der europäische Gedanke mit sich bringt. Die Installation wurde vor dem Hintergrund der Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2025 und zum Auftakt der 10. Tage der Industriekultur am 26. September 2019 erstmals präsentiert.

DIE STADT WIRTSCHAFT Sonnenberg Im Stadtteil „Sonnenberg“ lohnt sich der Blick auf einen ehemaligen Recyclinghof. Dort entsteht im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung ein sogenannter „kultureller Inkubator“. Im Zentrum des Projektes steht das kreative Zusammenwirken von verschiedenen Gemeinschaften. Nicht nur physisch, sondern auch digital! Auf dem 12.000 m² großem Grundstück werden die fünf Gebäude durch drei Höfe miteinander verbunden. Jeder Hof konzentriert sich dabei auf eine bestimmte Macher-Aktivität, zum Beispiel auf kreative Experimente, Ausstellungshallen oder Bandprobenstudios. Nähere Details werden im Rahmen eines partizipativen Planungsprozesses diskutiert, in den Architektinnen und Architekten auch Vorschläge der Bürgerinnen und Bürger integrieren.

STADT AM FLUSS Chemnitz Die Vision „Stadt am Fluss“ befasst sich mit der Wiederbelebung von fünf Arealen entlang des Flusses „Chemnitz“. Dazu gehören unter anderem die Quelle selbst, zwei Standorte im Stadtpark, das Bahnviadukt und der Uferpark nahe der Janssen Fabrik. Eine neue Gestaltung soll diese Gebiete miteinander verbinden und den Zugang zum Fluss Chemnitz und damit auch einen Zugang zu den Menschen ermöglichen.

TOUREN

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G RÜ N D E R Z E I T&

JUGENDSTIL Chemnitz als Industriemetropole war Anziehungspunkt und Heimat vieler Industrieller, die ihren Erfolg auch in repräsentativen Firmenbauten, noblen Jugendstilvillen und dekorativen Gründerzeitbauten zum Ausdruck brachten. Dadurch zählt der Kaßberg heute zu einem der größten zusammenhängenden Jugendstil- und Gründerzeitviertel Europas. Dekorative Fassaden mit viel Liebe zum Detail prägen ganze Straßenzüge. Zentrumsnah und in exponierter Höhenlage, zählt das Viertel heute nicht nur bei jungen Familien zu den beliebtesten Wohnquartieren und lässt kulinarisch keinen Wunsch offen.

zu Fuß erlebbar ca. 60 Minuten


4 - MARIANNE-BRANDT-HAUS Heinrich-Beck-Straße 22

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Das Anwesen, in dem die Bauhaus-Künstlerin Marianne Brandt von 1954 bis 1976 wohnte, wurde 1889 von Paul Doederlein im Neorenaissance-Stil errichtet. Heute befindet sich im Haus die Geschäftsstelle der Marianne-Brandt-Gesellschaft, welche in zwei Galerieräumen auf das Leben und das Werk der Künstlerin eingeht und dieses facettenreich darstellt.

5 - MAJOLIKA-HÄUSER Barbarossastraße 48-52

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Der Architekt und Bauunternehmer Reinhold Siebert errichtete die sogenannten „Majolika-Häuser“ 1897/98 als frühe Jugendstilbauten beinahe auf der Spitze des Kaßbergs. Diese Bürgerhäuser gehören zu den markantesten Gebäuden und sind ein Glanzstück städtischer Baukunst.

6 - HELENENHOF W.-Oertel-Straße/E.-Mühsam-Straße/G.-Landgraf-Straße Die Wohnanlage „Helenenhof“ wurde 1926/27 durch den genossenschaftlichen Zusammenschluss von Handwerkern und Architekten errichtet und gilt als wegweisend für großzügiges Bauen in den 1920er Jahren.

4 1 - VILLA RICHARD HARTMANN Kaßbergstraße 36 Einer der bekanntesten Industriellen der Stadt war Richard Hartmann. Als sogenannter „Lokomotivkönig“ ging er in die Geschichte ein und hinterließ unter anderem die 1868 errichtete Fabrikanten-Villa. Dieses herrschaftliche Symbol des Hartmann-Imperiums diente von 1890 bis 1930 als Direktorenvilla und wird seit 1956 als Jugendzentrum genutzt.

2 - KARL-SCHMIDT-ROTTLUFF-GYMNASIUM Hohe Straße 25 Das ehemalige „Königliche Gymnasium“ wurde 1871/72 von Bezirksbaumeister Hugo Nauck im Stil des Historismus erbaut. Dort gingen unter anderem Karl Schmidt-Rottluff, Stefan Heym und Stephan Hermlin zur Schule. Gleich nebenan kann man im Kulturhaus Arthur in der Bar „aaltra“ abends gemütlich sitzen, etwas trinken und die Seele baumeln lassen.

3 - OBERPOSTDIREKTION Reichsstraße 11 Dieses Bauwerk aus dem Jahr 1904 ist ein Meisterwerk der gotischen Fassadenornamentik. Kunstvolle Glasmosaike, sächsische und Chemnitzer Wappen sowie Sinnbilder von Post und Telegrafie verweisen auf die Historie dieses Gebäudes.

7 - KYFFHÄUSERBURG Hübschmannstraße 19 Dieses Ensemble wurde 1909/10 im wilhelminischen Zeitgeist errichtet – mit Anknüpfungen an die Kyffhäuser-Sage. In unmittelbarer Nähe dazu (Gustav-Adolf-Straße 23-25) befinden sich die sogenannten „Märchenhäuser“ im Jugendstil.

8 - STEFAN-HEYM-HAUS Hoffmannstraße 58-60 Das Gebäude in der Hoffmannstraße wurde 1912 mit luxuriösen Wohnungen von bis zu 300 m² Grundfläche erbaut. Von 1919 bis 1931 wohnte dort im Erdgeschoss einer der berühmtesten Söhne der Stadt, der Schriftsteller Stefan Heym. Mehr als Architektur

Der Kaßberg ist nicht nur wegen seiner Architektur beliebt – auch als Ort des Zusammenlebens erfreut er sich größter Beliebtheit. So gibt es hier einige exklusive Geschäfte und kleine Lädchen, wie etwa die Papeterie Haamit. Wenn Sie nach Ihrer Tour noch Zeit haben oder zwischendrin eine Pause machen wollen, dann kehren Sie doch bei Emmas Onkel ein. Gemütlich wie ein Wohnzimmer und so lecker wie bei Oma: Kaffee, Kuchen, Tee, aber auch kleine herzhafte Speisen lassen dem kleinen Hunger keine Chance. Und wenn es dann doch etwas später wird, finden Sie auf der Cocktailkarte im Maroon garantiert den perfekten Abschluss für Ihren Chemnitz-Abend.

TOUREN

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T S O

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Schloss Wolkenburg

KULTURREGION MIT BUS UND BAHN Das Rückgrat der Kulturregion um Chemnitz ist stählern. Die Adern der von Bergbau, Industrie und Textilwirtschaft geprägten Gegend sind ihre Schienen. Ein Zufall – oder Vorsehung – wollte es so, dass die Straßenbahn in Chemnitz auf der gleichen Spurbreite fährt wie die Deutsche Bahn. Das so genannte „Chemnitzer Modell“ verbindet heute bereits mehrere Städte in der Region: Stollberg, Hainichen, Mittweida und Burgstädt sind bequem von der Zentralhaltestelle oder dem Hauptbahnhof mit den C-Tramlinien erreichbar. In den nächsten Jahren kommen weitere Orte hinzu. Rund die Hälfte der 24 Gemeinden der Kulturregion wird dann per Stadtbahn erreichbar sein. Wer die Kultur außerhalb der Großstadt kennenlernen möchte, muss nicht ins Auto steigen. Wir stellen stellvertretend drei Orte in der Region vor, für die es sich lohnt, die Kulturhauptstadt zu verlassen.

Die Hochschulstadt Mittweida (Stadtbahn C14) ist ein wichtiges Zentrum des angrenzenden Landkreises Mittelsachsen. Malerisch gelegen zwischen Talsperre Kriebstein und Zschopautal ist der Ort der ideale Startpunkt für Wander- und Fahrradtouren. Die Kunst- und Kulturvereine im und um den Ort laden zum Entdecken alternativer Lebenswelten ein. An der Talsperre baumeln die Füße im Wasser. Es ist ein schöner Anblick, wie sich der Fluss durch die Landschaft schmiegt und an einen skandinavischen Fjord erinnert. 14.475 Einwohner leben in Mittweida, hinzu kommen mehr als 6.000 Studierende, weshalb die Hochschulstadt erfrischend jung daherkommt. Namhafte Absolventen der ehemaligen Ingenieurschule prägen die deutsche Wirtschaftsgeschichte. Adam Opel und Audi-Gründer August Horch sind nur zwei berühmte Absolventen. Im Frühsommer ist der zentrale Technikumplatz rege besucht und der anliegende Biergarten ein beliebter Treffpunkt unter Studierenden und Mitarbeitern. Ein Radler (Bier mit Zitronenlimonade) und ein gutes Gespräch sorgen für Erfrischung. Mittweida ist aber auch Literaturstadt: Schriftsteller Erich Loest wurde hier geboren, bekannt für Werke wie „Jungen die übrigblieben“ oder „Nikolaikirche“. Sein früheres Wohnhaus können Interessierte aktuell nur von außen sehen. Mehr über den streitbaren Autor erfahren Literaturbegeisterte in der Ausstellung im Museum „Alte Pfarrhäuser“, das noch mehr zu Persönlichkeiten und Geschichte der Stadt zu bieten hat. Eine starke Verbindung empfand der Romancier sein Leben lang zu Karl May. Auch der ist in Mittweida kein Unbekannter, wenn auch aus unrühmlichen Gründen: Der Verfasser von „Winnetou“ saß 1869/70 hier in Untersuchungshaft. Loest stiftete eine Erinnerungstafel, die heute am Rathaus an den unfreiwilligen Besucher erinnert. Auf der Rochlitzer Straße gibt es neben vielen leckeren Backwaren auch das vielleicht beste italienische Eis der Region. Ein wunderbarer Abschluss eines Tagesausflugs in die Hochschulstadt.

Loest-Museum in Mittweida


Am nächsten Tag lohnt die Stadtbahn mit der Linie C13 von Chemnitz nach Burgstädt. Aktive Besucher können von hier aus auf die 32 Kilometer lange „Bilz-Route“ starten, benannt nach dem Naturheilkundler Friedrich Eduard Bilz. Der Sachbuchautor und Freund von Karl May ist nicht nur Namensgeber der „Bilz-Brause“, die heute immer noch als „Sinalco“ in den Regalen steht. Auf einer Entdeckungsreise durch die Bilz Gesundheits- und Aktivregion können Radler und Wanderer mehr über den Lebensreformer erfahren. Burgstädt selbst hat rund 11.000 Einwohner und besticht mit einem historischen Altstadtkern. Direkt gegenüber der Stadtverwaltung liegt das denkmalgeschützte Albertinum, das von Bürgern mit Eigenmitteln und viel Engagement saniert wird. Im Hinterhaus befindet sich eine museale Zahnarztpraxis, die ihre Besucher in die 1920er und 1930er Jahre entführt. Der Ausbau zu einer medizinhistorischen Ausstellung ist in Planung. Ganz in der Nähe lädt das Café am Markt zu einer kleinen Sünde ein. Ein tolles Souvenir gibt es hier auch: Das „Brot aus der Dose“ besticht nicht nur durch seinen rustikalen Ost-Charme, sondern schmeckt auch und hält lange. Vom Burgstädter Zentrum aus sind es nur 15 Minuten Fußweg zum zweiten Highlight der Stadt. Der 1889 eröffnete Wettinhain ist Erholungs- und Erlebnisort zugleich. Direkt daneben ragt der Taurasteinturm empor. Am Ende der 163 Stufen wird man mit einem traumhaften Blick ins Erzgebirge belohnt. Die benachbarte Freilichtbühne im Park wird regelmäßig mit Veranstaltungen bespielt. Burgstädt ist auch deshalb eine der ersten Adressen für Kulturevents in der Region. Das Chemnitzer Literaturfestival „Leselust“ und das an Straßenkunst orientierte Hutfestival machen hier Halt und zeigen, wie vernetzt die Kulturregion bereits heute ist. Die weltweite „Fête de la Musique“ findet seit 2015 in Chemnitz statt und entwickelt sich zum Highlight der gesamten Kulturregion. Im Jahr 2021 zelebrieren erstmals auch Burgstädt, Mittweida, Stollberg, Zwönitz und Pockau-Lengefeld die „Fête“. Zum Sommeranfang am 21. Juni wird es in den kommenden Jahren in immer mehr Gemeinden rund um die Kulturhauptstadt erschallen.

LIM BACH OBER FROHNA

BURG STÄDT

Taurasteinturm in Burgstädt

Kultur erleben lässt sich auch in Limbach-Oberfrohna. Mit dem Schnellbus kommen Tagesgäste von der Chemnitzer Zentralhaltestelle in nur 30 Minuten in die Stadt mit knapp 24.000 Einwohnern. Der Ort hat für Bade- und Saunafreunde einiges zu bieten. Ganzjährig öffnet das Limbomar seine Pforten und bietet preisgünstiges Planschvergnügen für Familien. In den warmen Monaten lässt es sich im 2018 nach Renovierung neu eröffneten Sonnenbad bestens aushalten. Für Freunde der Freikörperkultur ist das malerisch gelegene Saunabad „Großer Teich“ die erste Adresse in der Region. Nur 10 Minuten Fußweg entfernt befindet sich der familienfreundliche Amerika-Tierpark. Den Fokus setzen die Betreiber auf die Tierwelt der amerikanischen Kontinente. Für die Kleinen gibt es ein Indianerdorf und ein Streichelgehege in Bauernhof-Optik. Für ein Picknick inmitten der tierischen Umgebung sind zahlreiche Sitzmöglichkeiten vorhanden. Im Anschluss lohnt sich der überschaubare Fußweg ins Esche-Museum. Die Institution erzählt von der Textilgeschichte aus Stadt und Region. Pioniere wie Johann Esche im 18. Jahrhundert oder Heinrich Mauersberger im 20. Jahrhundert trugen zum weltweiten Renommee der hiesigen Textilindustrie bei. Wirtschaftshistorie lässt sich hier praktisch erleben und auch Kinder finden vieles zum Entdecken und Ausprobieren. Mit dem Bus geht es vom Zentrum Limbach-Oberfrohnas in nur 45 Minuten zu Park und Schloss Wolkenburg, nahe der thüringischen Grenze. Die Gemeinde gehört erst seit dem Jahr 2000 zur Stadt Limbach-Oberfrohna. Bereits seit 800 Jahren befindet sich hier eine Festungsanlage. In den letzten 300 Jahren wandelte sich der Charakter hin zum Wohlfühlschloss. Der Renaissancegarten lädt zum Flanieren ein. Neben den beeindruckenden Eisenkunstfiguren ist für Kunstliebhaber aber vor allem der Name Fritz von Uhde (1848-1911) interessant. Der gebürtige Wolkenburger zählt zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts und zu den Wegbereitern des deutschen Impressionismus. Von Uhde war Mitbegründer der Münchener Secession. Selbst Van Gogh erwähnte den deutschen Maler in seiner privaten Korrespondenz, sein Stil wurde oft mit Rembrandt verglichen. Im Schlossmuseum erfahren Besucher mehr über den bekanntesten Bürger des Ortsteils.

Der ausgebaute ÖPNV macht es Tagesgästen also leicht, die Kulturregion zu erkunden. Bis 2025 entsteht im Rahmen der Kulturhauptstadt der sogenannte „Purple Path“. Die bekannten vier Wanderroutenfarben werden dann um Lila ergänzt, wodurch ein Pfad sichtbar wird, der bis in die Welterberegion Erzgebirge führt. Bergbautraditionen werden dann mit Umwelt- und Klimathemen kreativ verknüpft. Künstler aus der ganzen Welt gestalten diesen Kunst-Parcours unter dem Motto „Alles stammt vom Berg“. Eine völlig neue Wandererfahrung von europäischer Relevanz entsteht. Zum stählernen Rückgrat stößt dann also noch eine grüne Lunge. Esche-Museum in Limbach-Oberfrohna

K U LT U R R EG I O N

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Chemnitz ist grün.

Chemnitztal Radweg

In jeder Richtung. Zumindest grünt es laut Satellitenbildauswertung auf fast 80 Prozent der Fläche. Der Ruf vom Rußchamtz ist mit den Schloten verschwunden, die Stadt hat Luft geholt und ihre grünen Lungen auf 1.000 Hektar ausgedehnt – das macht 60 Quadratmeter für jeden Einwohner. Platz genug also für Picknickjunkies, Fitnessverrückte, Grillverliebte, Schloßteichruderer oder was auch immer man in der Natur so tun möchte. Urban bedingtes Manko: Die Parkanlagen werden ab und zu von Gebäuden und Straßen unterbrochen, so auch der Stadtpark. Mit seinen sechs Kilometern Länge ist er trotzdem um ein Drittel größer als der New Yorker Central Park.


Schloßteich Chemnitz

Kultur und Golf im Süden Das Wasserschloß Klaffenbach

Wasserschloß Klaffenbach

Malerisch. Dieses eine Wort reicht eigentlich, um das von einem künstlichen See und einer Parkanlage umgebene Wasserschloß Klaffenbach zu beschreiben. Besonders auffällig am quadratischen, viergeschossigen Renaissanceschloss aus dem 16. Jahrhundert ist die einzigartige Dachgestaltung in Form zweier gekreuzter Kielbögen. Wer genau hinschaut, erkennt darin umgedrehte Schiffsrümpfe. In seiner ganzen Schönheit offenbart es sich nach dem Gang durch das Portal in den Schlosshof. Direkt gegenüber wartet dann der Golfclub mit Panorama- und Schlosskurs sowie gleich zwei Wegen zum 18. Loch. Doch vorher lohnt es sich, die Golfschläger kurz im Clubhaus zu parken und durch das Schlossgelände zu schlendern. Beim Stöbern in den Ateliers und Kreativläden kann es schon einmal vorkommen, dass aus dem Golfnachmittag spontan ein Kunsthandwerksworkshop mit anschließendem Konzertbesuch auf dem Schlosshof wird. Ach ja: Achtung bitte vor rosenblätterwerfenden Kindern! Das Wasserschloß ist eine der beliebtesten Hochzeitslocations in Chemnitz.

N AT U R

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Erholung im Chemnitzer Westen

Burg besuchen, Baden gehen, Seele baumeln lassen Wildromantisch geht es im Chemnitzer Westen zu: Hier thront die Burg Rabenstein als kleinste mittelalterliche Burg Sachsens auf ihrem steinernen Sockel. Sie wurde vermutlich um 1170 erbaut und fand ihre erste Erwähnung im Jahr 1336. Das beliebte Ausflugsziel und Fotomotiv hinterlässt nachhaltige bis bleibende Eindrücke. Kein Wunder, erblickte doch 1645 hier einer der großen Söhne der Stadt, der spätere Oberberghauptmann und Begründer der Nachhaltigkeit, Hans Carl von Carlowitz, das Licht der Welt. Mitunter tummelt sich hier das Volk bei Ritterspielen und Mittelalterhochzeiten. In einem neuen Licht glänzt etwas hügelaufwärts das barocke Schloss Rabenstein, 1776 vom damaligen Burgbesitzer Johann Georg Siegert als Familiensitz erbaut. Heute lassen sich dank liebevoller und detailgenauer Restaurierung die Gäste des Hotels und Restaurants in den Salons und Zimmern verwöhnen. Ein guter Ausgangspunkt also für weitere Entdeckungen. Wem nach Burgbesichtigung und Pause im Schloss der Sinn nach Frische und Erholung steht, ist oberhalb der Burg genau richtig. Der Gesundheitspark Golfbad lockt mit Sauna und Wellness, noch etwas weiter oben der Stausee Oberrabenstein mit großen Liegewiesen und viel Wasser zum Baden. Das beliebte Naturfreibad wurde bereits 1976 als Talsperre zum Hochwasserschutz eröffnet und ist heute durch seine unberührte Schönheit und die idyllische Lage der ideale Platz für Sonnenhungrige, Freizeitplanscher und, mit eigenem Bereich, Nacktbader.

Mountainbikerennen im Rabensteiner Wald

Burg Rabenstein

Im ausgedehnten Wald rund um den Stausee verbergen sich jedoch noch andere Freizeitfreuden. Neben den hervorragend ausgebauten Wander- und Fahrradwegen, entdecken Mountainbiker auch außerhalb des jährlichen Radsporthöhepunktes Heavy 24 interessante Trials, Höhentaugliche die ein oder andere Herausforderung im Kletterwald und Naturverliebte die heimische Tierwelt im Wildgatter. Wer es eher lurchiger und tierisch international mag – ein Abstecher in den Chemnitzer Tierpark und das dortige Vivarium lohnt sich in jedem Fall.


Schloss Rochsburg

Im und am Wasser Richtung Norden

Mit dem Fahrrad durch Chemnitztal und Muldental Das Günstige an Flüssen ist, dass sie oft durch Täler fließen. Wenn nun also, wie im Chemnitztal, direkt am Fluss ein Radweg entlangführt, sind recht wenige Berge zu erwarten. Somit steht einer entspannten Radtour in Richtung Norden nichts mehr im Weg. Die Strecke führt zum Teil auf alten Bahndämmen entlang und unterwegs lohnen sich kleine Abstecher, wie etwa zum Taurasteinturm oder dem kleinen Naturschutzgebiet „Am Schusterstein“. Und weil die Chemnitz kurz vor Wechselburg in die Zwickauer Mulde fließt, kann man auch gleich noch ein Stückchen bis nach Rochlitz weiterradeln oder an der Brücke in Wechselburg das Gefährt wechseln und in ein Kanu oder Schlauchboot umsteigen. Aber erst nach einem kurzen Abstecher ins Benediktinerkloster in Wechselburg, das seit 1993 wieder durch die Benediktiner selbst als Kloster genutzt wird. Die spätromanische Basilika gilt als eine der besterhaltenen romanischen Großbauten der Region. In Rochlitz wartet das imposante Schloss auf die erlebnishungrigen Paddler und Radler. Besonders beliebt sind die Themenführungen, allen voran „Drauf geschissen… - Geschichte und Geschichten rund um das stille Örtchen“. Wem das zu anrüchig ist, informiert sich bei den Dauerausstellungen über die Geschichte des Schlosses und über seine starken Frauen.

Action in den Wipfeln des Rabensteiner Waldes

Mit dem Rad auf den Mount Everest 8.848 Höhenmeter am Stück? 80 Mal mit dem Rad auf den Rochlitzer Berg? Diese besondere Art der Herausforderung nennt sich Everesting. Was für die Meisten verrückt klingt, versuchen 45 Radsportler im Rahmen des Fit4Bike Porphyr King in die Tat umzusetzen. Den begehrten Pokal bekommt nur der Erste, doch jeder, der sich dieser extremen Prüfung stellt, darf sich am Abend als Sieger fühlen. Wer es kürzer und schneller mag, kann sich beim Zeitfahren auf der traditionellen Strecke von Sörnzig zum Aussichtsturm mit anderen Sportlern messen. Einfach zuschauen und die Radsportler ordentlich anfeuern ist natürlich auch erlaubt. Porphyr King 5./6. Juni 2021 | www.fit4bike.de

Der Kletterwald Chemnitz-Rabenstein Ob nach dem Schwimmen im See, an einem Wochenende oder einfach so: alle wagemutigen Abenteurer finden im Kletterwald Chemnitz-Rabenstein die richtige Herausforderung und können Mut, Ausdauer und Geschicklichkeit trainieren. Es geht hoch hinaus, dabei schadet es nicht, schwindelfrei zu sein, wenn man das grüne Chemnitz einmal ganz anders kennenlernt. Auge in Auge mit Specht und Eichhörnchen schlängeln sich die Pfade in bis zu 20 Metern Höhe. Selbstverständlich sorgt das Team des Kletterwaldes für einen sicheren Ablauf und lässt niemanden ohne Einweisung und entsprechender Sicherungstechnik starten.

N AT U R

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Räder, Rollen, Fü e & Fingerspitzengefühl

Es mag ziemlich überraschend klingen, doch auch beim Thema Extremund Funsport muss man in Chemnitz wieder einmal bei der (Industrie-) Geschichte anfangen. Wo einst weltbekannte Radmarken wie Wanderer, Presto und Diamant entstanden, gedeihen offensichtlich besonders gut berühmte Radfahrer, Mountainbiker oder Kletterexperten. Sie haben sich ihre ganz eigenen, ganz neuen Betätigungsfelder gesucht und geschaffen.

Seinen Namen verdankt der Konkordiapark übrigens dem Industriellen Johann von Zimmermann, der 1839 in Chemnitz die Erste Werkzeugmaschinenfabrik (ERMAFA) und

1874

hier

die

Konkordia-Aktien-Gesellschaft

gründete. Die Gebäude der ERMAFA gegenüber des Parks haben eine neue Bestimmung erhalten und werden gewerblich genutzt. Einen schönen Blick auf den Park und die ERMAFA hat man, wenn man es in der gegenüberliegenden Kletterhalle bis ganz nach oben geschafft hat.


Dreckig auf YouTube

Rund um den See Die kräftezehrenden Runden um den Stausee Oberrabenstein halten nicht alle Sportler durch. Das 24-Stunden-Mountainbikerennen Heavy24 gilt als eines der härtesten Rennen in Deutschland. Die Strecke und das Wetter fordern Mensch und Material, manchmal über die Belastungsgrenzen hinaus. Doch genau das macht den Reiz des Rennens aus, das inzwischen zu den etablierten und größten Veranstaltungen dieser Art in Deutschland gehört und zu einer festen Größe in der Mountainbike-Szene geworden ist. Heavy 24 25. - 27. Juni 2021 | www.mtb-chemnitz.de Geradeaus und hoch hinaus Pedalritter besteigen sogar Berge: Beim Fichtelbergradmarathon wagen rund 900 gut trainierte Radsportler aus ganz Deutschland den „Ritt“ von Chemnitz hinauf auf den höchsten Berg Sachsens, den Fichtelberg. Nach etwa 90 Kilometern Fahrstrecke und über 1.800 Höhenmetern werden die Sportler mit einem atemberaubenden Blick auf das Erzgebirge belohnt. Fichtelberg Radmarathon 20. Juni 2021 | www.fichtelberg-radmarathon.de

Lukas Knopf macht sich gern dreckig und springt dabei noch ziemlich halsbrecherisch über Hügel und alle anderen möglichen Hindernisse. Das Ganze macht der Mountainbiker und Slopestyler auch noch ganz öffentlich auf YouTube. Im Slopestyle gehört er zur Weltspitze. Seine ersten Sprungversuche und Tricks hat er in der Skatehalle an der Schönherrfabrik und auf den Skatespots in Chemnitz gelernt – die Dirtstrecke im Konkordiapark hat sicher auch ihren Anteil an seinem Erfolg. Der Skatepark ist selbst eine kleine Erfolgsgeschichte. Irgendwie fing wohl alles um das Jahr 2000 einmal mit einem Haufen Dreck an – einer kleinen Dirt-Strecke für BMX-Fahrer, die auch heute noch von den Fahrern gut genutzt und gepflegt wird. Die Stadt Chemnitz hatte ebenso schon Pläne für einen größeren Skatepark und die Szene brachte sich begeistert ein. So entstand zuerst ein Park mit Holzrampen, 2013/14 wurde der Skatepark komplett neu konzipiert und die alten Holzrampen wichen einem Paradies für Boarder und Biker – mit Pool und alles aus Beton. Fans der Anlage preisen sie aufgrund ihrer Möglichkeiten als bundesweit einzigartig, da sie für Anfänger und Profis, Boards, Skates, BMX oder Scooter gleichermaßen geeignet ist und entsprechend genutzt wird. Während der Jahre kamen auf dem Areal ein Basketballplatz, eine Parcours-Übungsfläche, ein Bolzplatz, ein künstlerisch wertvolles riesiges Vogelnest und, auch wichtig, eine Wildblumenwiese dazu. Das Areal wurde schnell beliebt und hat inzwischen weltweit in der Skaterszene Bekanntheit erlangt. Es ist Austragungsort verschiedener Skate-Events und Contests. So hat sich das Festival „Bring da Truckaz“ zum größten unabhängigen Skateboard-Contest in Deutschland gemausert – mit internationaler Beteiligung und musikalischem Rahmenprogramm. Eine besondere Herausforderung ist der „Spotfight“. Das Event vereint seit 2017 den ältesten Spot am Jugendklub B-Plan, eine L-förmige Minirampe, mit dem größten Spot. Ein spontaner Besuch des Parks lohnt sich immer und lässt sich hervorragend mit einer kleinen Tour an den Schloßteich und das Schloßviertel verbinden, ob nun mit oder ohne Rollen oder Räder unter den Füßen.

SPORT

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Chemnitz mit Griff und Seil Dass die Stadt eine der sich wechselseitig inspirierenden Gegensätze ist, wird den Besuchern spätestens dann bewusst, wenn sie sich den Themen Bouldern, Klettern oder Bergsteigen widmen. Zugegeben, auf den ersten Blick mag nicht viel darauf hindeuten, dass in Chemnitz seit vielen Jahrzehnten eine feine Kletterszene ihre Heimat und der vermeintliche Freizeittrend Bouldern eine ganz eigene Geschichte haben. Öffnet man den Blick über die Stadtgrenzen hinaus und nimmt Chemnitz als Ausgangspunkt für Entdeckungen mit Seil und Kletterschuh, versteht man schnell, warum das so ist. Denn in den nur eine halbe Autostunde entfernten Greifensteinen oder der ebenfalls mit anspruchsvollen Kletterrouten versehenen und als Geheimtipp unter ambitionierten Kletterern geltenden Wolkensteiner Schweiz, können Anhänger dieser Art Bewegung durchaus ins gedankliche und sportliche Schwitzen kommen. Im Unterschied zum „weichen“ Sandstein der östlicheren Schweiz im Freistaat, der sächsischen also, lassen sich am Gneis- und Granitgestein des Erzgebirges ebenfalls, nicht nur vom Gestein aus betrachtet, gänzlich anders geartete „harte“ Brocken erobern. Es ist nicht verwunderlich, dass der deutschlandweit und international bekannte Extrembergsteiger Jörg Stingl, geboren und aufgewachsen in der sächsischen Großstadt, in den Kletterrevieren des Umlandes trainierte, bevor er als erster deutscher Bergsteiger mit den Seven Summits die jeweils höchsten Berge aller sieben Kontinente mit einem persönlichen Besuch überraschte. Den Mount Everest erklomm Stingl sogar ohne zusätzlichen Sauerstoff. Folgerichtig ist es also, wenn es mit der Boulderhalle in Altchemnitz und dem Kletterzentrum am Konkordiapark zwei Häuser gibt, die dieser Art des sportlichen Aufwärtsstrebens Raum und Routen geben.

Boulderlounge Chemnitz


Boulderlounge Chemnitz Mit dem Bouldern und dem Klettern verhält es sich wie mit zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dennoch ist Bouldern seit 1970 eine anerkannte, aber eigene Disziplin des Sportkletterns und erstmalig wurden 1990 bei den Kletterweltmeisterschaften in Winterthur Wettbewerbe darin ausgetragen. Im Unterschied zum klassischen Sportklettern wird beim Bouldern grundsätzlich ohne Kletterseil und Klettergurt durch die Routen gegangen. Überhaupt steht nicht das Erreichen eines Gipfels im Vordergrund der sportlichen Aktivität, sondern das Klettern eines Weges an natürlichen Felsen oder eben künstlichen Felswänden in einer Absprunghöhe ohne größere Verletzungsgefahr. Diese niedrige Zugangsschwelle hat dafür gesorgt, dass das Bouldern seit den 1990er Jahren zu den Sportarten mit ständig wachsendem Interesse gehört und in Chemnitz seit 2010 eine Boulderlounge ihr Domizil hat. Chemnitztypisch dabei: Der einzigartige Charme des beliebten Boulder-Indoor-Areals erschließt sich im ehemaligen Industriekomplex des früheren Spinnereimaschinenbaus an der Altchemnitzer Straße. Im rauen und dennoch einladenden Ambiente lassen sich, unter einer scheinbar aus der Zeit gefallenen Werksuhr und stillgelegten Krananlagen, Wege unterschiedlichsten Schwierigkeitsgrades durchsteigen. Heute kommen auf rund 850 Quadratmetern Fläche Freizeit- und Hobbykletterer ebenso auf ihre Kosten, wie Sportler mit höheren Ansprüchen an den Schwierigkeitsgrad. Etwa 150 Routen in sechs verschiedenen Schwierigkeitsgraden bieten für jedes Interesse und Können eine Herausforderung. Nicht zuletzt können auch junge und jüngste Kletterer im

ca. 250 Quadratmeter großen Kinderkletterbereich unterschiedliche Wege zum eigenen Können finden. Tom Petzold ist einer der Inhaber der Boulderlounge, die Teil einer ganzen Unternehmensgruppe rund um das Bouldergeschäft ist. Hört man ihm zu, versteht man sofort die Begeisterung für diesen Sport, der, anders als das reine Sportklettern, ganz allein und ohne Seilpartner zu bewältigen ist. Bouldern, erklärt Petzold, sei eine Fitnesssportart, die man mit einem Besuch in einem Fitnessstudio eher vergleichen könne, als in den ebenfalls einen Boom erlebenden Sprung- oder Trampolinhallen. „Wir haben sehr viele Besucher“, so Petzold, „die regelmäßig einmal pro Woche, oder sogar mehrmals in der Woche zu uns kommen.“ Man sei eine Gruppe befreundeter Kletterer gewesen, beginnt Petzold eine weitere Chemnitzer Machergeschichte, die in ihrer Freizeit und im Winter nach Dresden oder Leipzig gefahren sei, um in den dortigen Indoorangeboten ihrem Sport nachzugehen. Dann sei man auf die Suche nach Räumen in Chemnitz gegangen und im Areal des Spinnereimaschinenbaus fündig geworden. Zunächst habe man nur für den eigenen Spaß erste Routen und Wege gebaut. Heute, das ist schon eine neue Geschichte, ist die Blocz-Unternehmensgruppe, zu der die Boulderlounge gehört, ein weltweit agierendes Handwerksunternehmen, welches sich mit rund 170 Mitarbeitern der Produktion und dem Vertrieb sowie dem Aufbau von Boulderwänden widmet und deutschland- und weltweit weitere Boulderhallen betreibt oder an ihnen beteiligt ist.

Kletterzentrum Chemnitz Zu den Kletter-Indoor-Arealen gehört auch das Kletterzentrum am Fuße des Schloßberges und in unmittelbarer Nähe eines der beliebtesten Outdoor-Freizeitbereiche der Stadt, dem Konkordiapark. Hier geht es ebenfalls um Routen und Wege, von denen einige wöchentlich neu geschraubt werden. Auffällig: Die Routen gehen deutlich höher und ohne Seil und Klettergurt geht fast nichts. Dabei verlangen einige Wege von der Kletterin oder dem Kletterer jede Menge Können und ohne Seilpartner, der hier zwingend zu Sicherung vorgeschrieben ist, geht kein Sportler an die Wand. Aber jeder fängt mal vorsichtig und jung an und so gibt es einen Kinderkletterbereich mit Boulderhöhle, Dschungelwand oder BalancePfad. Angeboten werden zudem unterschiedliche Kurse vom Einsteigerund Grundkurs bis hin zu Technik- oder Vorstiegskursen.

SPORT

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Niners-Spiel in der Messe Chemnitz

Tock... Tock... Tock... Ankle Breaker... Assist... zack... Dunking... Die Ketten am Korb klimpern noch ein wenig, weil der Ball geschmeidig durchgegangen und dann schon wieder auf dem Beton-, Asphalt- oder Tartanboden gelandet ist. Aufgenommen, Floater, weiter. Keine Pause. Nur ein kurzer, streetcredibiler Jubel huscht über den Platz. An ihren größten gemeinsamen Nennern ist die Stadt Chemnitz sportlich. Und vor allem seit jüngster Zeit gerade basketballsportlich. Einer dieser Nenner ist der Konkordiapark an der Hartmannstraße. Die Streetsportszene von Chemnitz feiert diesen Park als ihren Hotspot und so trifft sich an unzähligen Tagen im Jahr, oft unbeeindruckt von der Witterung, jede Menge junges oder nicht nur im Kopf jung gebliebenes Sportvolk auf Rädern, Rollen oder eben mit dem Ball. Natürlich steht der Sport im Vordergrund. James Naismith, der aus Kanada stammende Erfinder des Basketballs, hätte dennoch seine Freude am Lebensgefühl an diesem Ort, der sich einen Ruf in der Szene auch überregional erobert hat. Es herrscht hier eine besondere Atmosphäre, die von ambitionierter Achtung und Toleranz untereinander geprägt ist. Es gibt keine erkennbaren sportart-dominierten Claims auf dem Platz, sondern ein buntes, sportliches und rasantes Treiben. Chemnitz wäre aber nicht Chemnitz, und schon gar nicht die Heimat der derzeit erfolgreichsten sächsischen Basketballmannschaft, der NINERS Chemnitz, wenn sich Kultur, in dem Fall die Sportkultur, nur auf einen Platz beschränken würde. Kleine und große Fans von Virgil Matthews, Malte Ziegenhagen oder auch Jonas Richter findet man auf ähnlichen Anlagen in allen Stadtteilen von Chemnitz. Es ist der Geist dieses fairen, sauberen, schnellen Mannschaftssports, der sich auf allen diesen Plätzen wiederfindet. Einer davon, und nur beispielhaft, ist der Platz an der LiddyEbersberger-Straße in Gablenz. Der dortige Fußballplatz wurde um eine schicke Streetballanlage erweitert und ist jetzt einmal mehr Anlaufpunkt in diesem Viertel. Im Stadtteil Kappel, am Anfang des Heckert-Gebietes, in dem sich viele größere und kleinere Streetballanlagen befinden, ist der Bolzplatz des BSC Rapid Chemnitz an der Irkutsker Straße eine lebendige Adresse dieser Art. Neben dem Fußballplatz findet sich hier auch ein viel besuchter Streetballplatz. Zu besonderen Gelegenheiten öffnet sich die Tartan-Anlage an der ehemaligen Haase-Färberei und wird dann ein fast magischer Anziehungspunkt für die Streetballer der Stadt.

Basketballspiel wärend des Kosmos 2019 auf dem Gelände der Hase-Fabrik

Die Stadt ein Korb

Jährlich werden hier die „Haase Open“ ausgetragen und dabei wurden auch schon die Spieler der NINERS gesehen. Das Besondere ist dann: Nirgendwo sonst kann man beim Basketballspielen der gelebten Industriekultur der Stadt näher sein, als hier in der Rochlitzer Straße. Was man überall auf diesen Plätzen entdecken und nicht nur bei den Spielen der NINERS, sondern auch bei der Basketball-Frauenmannschaft, den ChemCats, erleben kann: In Chemnitz wird der Basketball gelebt. Damit liegt der Erfolg der Chemnitzer NINERS, die in dieser Saison mit dem Einzug in die erste Basketball Bundesliga den größten Triumph der Mannschaftsgeschichte feiern konnten, auch im Chemnitzer Basketball-Enthusiasmus begründet. Und so muss es den Chemnitzer NINERS gar nicht bange um die sportliche Zukunft sein. Denn es bieten sich jungen Nachwuchstalenten jede Menge Gelegenheiten, ein paar Bälle im Korb zu versenken.


eat sleep visit repeat Köstlich duftend, einladend gemütlich, herrlich direkt, mit dem typischen La Dolce Vita einer frischen Pizza aus dem italienischen Ofen – in Chemnitz haben sich Cafés mit anderen Ideen, eine KaffeeRösterei, ein sprichwörtlicher Fleischladen und eine urgemütliche Pizzeria etabliert oder neu erfunden. Ein Spaziergang durch den Genuss.

KULINARIK

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DREAMERS

ess

COFFEE & WHOLEFOOD

Der Brühl: Eine Fußgängerpromenade, in dem insbesondere durch bürgerschaftliches Engagement und mit jeder Menge glühendem Enthusiasmus ein neues Leben und ein progressiver Puls spürbar sind. Entdeckt man in Chemnitz an vielen Orten moderne, innovative Urbanität, hat sie auf diesem, sich selbst zurückerobernden Boulevard, eine ihrer Quellen. Ein Café wie das Dreamers musste sozusagen hier entstehen, wo die Dinge neu gedacht werden. Und so ist im Dreamers Food nicht gleich Essen, vegan keine Ideologie, sondern ein Angebot für bewusstes Genießen, wird Kaffee nicht nur serviert, sondern von einer Barista präsentiert und Tee ist kein Getränk, sondern ein Ritual. Liest man die Menükarte, hat man Lust auf all die kulinarischen Ideen, die den Gedanken an bewusst leichtes Genießen in sich tragen.

DER FLEISCHLADEN FEINKOST & RESTAURANT

Fleisch in schönster Würde: So ist der Fleischladen schon im Namen anders als herkömmliche Metzgereien oder, noch profaner, Fleischereien. Vielmehr ist er eine Genussboutique denn ein Feinkostgeschäft. An der Chemnitzer Hermannstraße, in unmittelbarer Nähe zum Urbanitätshotspot von Chemnitz, dem Brühl, kommen die Produkte nach eigenen Angaben mit Sinn und Verstand auf die Theke oder werden im hauseigenen Restaurant zu vielfältigen Köstlichkeiten verarbeitet. Und der Gedanke, dass nichts übrig bleibt, ist nicht nur vom Geschmack gewünscht, sondern trägt Nachhaltigkeit als Konzept in sich. Fair geht es denn auch zu, wenn das Fleisch direkt vom Erzeuger bezogen wird und aus Freilandhaltung stammt. Von genüsslicher Vorfreude angetrieben, betritt man diesen Altar der Fleischeslust und verlässt ihn mit guten Gefühlen im Bauch, auf der Zunge und im Gewissen.


sen

BOHNENMEISTER KAFFEERÖSTEREI

Duft in einer seiner schönsten Varianten: Betritt der koffeinsehnende Mensch die Kaffeerösterei Bohnenmeister im Wirkbau, umhüllt ihn sofort und in sanfter Weise das besondere Aroma. Angesiedelt direkt unter dem imposanten Glockenturm des in vielfältiger kulturell und geschäftstüchtiger Weise neu genutzten ehemaligen Wirkmaschinenbaus, bietet die schon heute als ehrwürdig zu bezeichnende und vor allem gläserne Kaffeemanufaktur alles, was des Menschen Herz rund um das inspirierende, heiße Getränk begehren mag. Geröstet und anschließend zum Verzehr angeboten werden vor allem Rohbohnen der Sorte „Coffea Arabica“. Erstehen kann man auch spezielle Kaffees für unterschiedliche Zubereitungsarten und ganz und gar außergewöhnliche Kaffee-Utensilien. Und es ist so: Irgendwann muss man dieses duftende Reich wieder verlassen, nicht aber ohne eine bereits beim Verlassen entstehende, im Genuss begründete, kleine Sehnsucht.

EMMAS ONKEL CAFÉ & BISTRO

Umgebaut und sich charakterlich treu geblieben hat das Emmas Onkel seinen angestammten Platz auf dem Kaßberg nach einer Renovierungszeit nicht erst verteidigen müssen. Selbstgebackene Kuchen, selbstgemachtes Eis und selbstverständliche Fröhlichkeit haben an der Ecke West- und Ulmenstraße ihr Zuhause. Auf der frisch gestrichenen Karte lässt sich für lustiges Abendessen ein Knackermenü selbst gestalten und finden sich ansonsten vegane und vegetarische Köstlichkeiten. Die Idee für Emmas Onkel entstand aus der ungewöhnlichen Idee, italienischen Kaffee aus einem schick umgebauten Bauwagen heraus anzubieten. Den Bauwagen gibt es noch. Er ist Kern und Anlaufpunkt von zahlreichen Veranstaltungen, die von Emmas Onkel im Stadtgebiet mit Leckerbissen und bestem Kaffee versorgt werden. Apropos Veranstaltungen: Zweimal im Jahr ist das Emmas Onkel Zentrum von zwei über die Kaßberg-Hood hinaus bekannten Festen: Der 100-Meter-Weihnachtsmarkt und der 100-Meter-Sommer, der von der Buchhandlung Lessing & Kompanie und der Badischen Winzerstube in unmittelbarer Umgebung zu Emmas Onkel organisiert wird, sind Highlights im Veranstaltungskalender von Chemnitz.

AUGUSTO

PIZZA — PASTA — INSALATA Klein und sehr fein: Italienische Pizza, wie es sie nur in Italien geben kann, gibt es auch in Chemnitz. Unmittelbar am südlichen Fuße des Sonnenberges findet sich, gut überschaubar, großartige mediterrane Lebensart in ihrer charmantesten Form nördlich des Erzgebirgskamms. Man muss die Augen nicht schließen, um sich im Augusto ans Mittelmeer träumen zu können. Das Ambiente ist so gemütlich, dass es sich leicht wie in Bella Italia anfühlt. Köstliche Pizzen mit frischen und guten Zutaten verlassen hier den Ofen und streben unmittelbar zum Gaumen des Genießers. Auf der Karte stehen neben Kuchen und köstlichen Kaffees ausschließlich Pizzen in einem überraschenden Variantenreichtum. Aufgetankt mit Urlaubsgefühlen und italienischem Genuss verlässt man das Augusto mit dem Gedanken, dass der nächste Urlaub auch geografisch nicht weit weg ist.

KULINARIK

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Restaurant max louis

Dem Wunsch nach kulinarischen Erlebnissen kommen die Chemnitzer Gastronomen international, mediterran, exotisch und, wenn gewünscht, auch bürgerlich-deftig nach. Zahlreiche Restaurants mit ganz verschiedenen Konzepten haben sich in den vergangenen Jahren ein eigenes Publikum in Chemnitz erobert oder begeistern mit charmanter Einzigartigkeit. Kommen Sie mit auf eine gaumenfrohe Weltreise durch Chemnitz.

RESTAURANTS UND KNEIPEN AM SCHLOSSBERG

Kellerhaus am Schloßberg

KELLERHAUS, AUSSPANNE, SCHLOSSVORWERK, SPEISEKAMMER, MIRAMAR, GASTHAUS AN DER SCHLOSSMÜHLE Sollte einem der Sinn nach deftiger Traditionsküche stehen, dann fühlt man sich im Restaurant- und Kneipenviertel am unteren Schloßberg wie zu Hause. Denn obwohl Chemnitz kein Schloss mehr beherbergt, beschwört das spätabendliche Flanieren durch die anmutigen Fachwerkhäuser eine wärmende Romantik herauf, bei der man sich vielleicht nicht nur in die Stadt verliebt.

ALEXXANDERS

VILLA ESCHE

BRASSERIE . BISTRO

RESTAURANT

RESTAURANT

Ein wenig versteckt auf dem Sonnenberg begrüßt das alexxanders die Genusssuchenden. Das Restaurant ist mit seiner hervorragenden leichten deutschen Küche, garniert mit italienischen und asiatischen Einflüssen, ein echter Geheimtipp. Das alexxanders ist jedoch noch mehr – wer ein wenig länger sitzen bleiben und die Weinkarte oder die ausgesuchten Teearrangements ausgiebig verkosten möchte, bucht am besten eines der großzügigen und stilvoll eingerichteten Zimmer des dazugehörigen Hotels. Oder man reserviert gleich mehrmals im Jahr, um sich immer wieder aufs Neue von den saisonal wechselnden Gerichten verzaubern zu lassen.

LA BOUCHÉE

Wenn man dem freundlichen jungen Team des Restaurants Villa Esche begegnet, wird schnell klar: Hier gibt es frische Ideen auf die Zunge, denn die Küchencrew sucht und findet ihre Produkte in der Region und weltweit. Die Remise der Villa Esche ist also genau das Richtige vor oder nach einem Besuch des benachbarten Henry-van -de-Velde-Museums. Der helle Raum lädt, unbeeindruckt von der Hektik der Stadt, zum genussvollen Innehalten ein – alles ganz entspannt und ohne Effekthascherei, egal ob man sich nun ganz klassisch für die Roulade oder die Jakobsmuscheln oder beides entscheidet. Zeit mitbringen lohnt sich auch anderweitig – die Kochkurse sind heiß begehrt.

Französische Lebensart findet sich nur wenige Meter von der Stadtkirche St. Jakobi entfernt. Die Brasserie La Bouchée in der Inneren Klosterstraße ist mehr ein Restaurant und empfängt den Gast mit der typisch französischen Lebenslust. So geht man hier hin, um sich zu treffen und über das Leben im Allgemeinen und Besonderen zu plaudern. Vor dem inneren Ohr hört man die Titelmelodie der Fabelhaften Welt der Amélie und fühlt die beschwingte Leichtigkeit des Seins. Dazu bietet die Karte ausgewählte französische Weine. Besonders in den Sommermonaten prickelt herrlich spritziger Cidre und locken saisonale Spezialitäten, die sich nicht nur auf Austern und Käse beschränken. Das Glück wird perfekt beim französischen Frühstück mit Croissants und Café au Lait.


essen MAX LOUIS

HECK-ART

Ein besonderes Gastronomie-Highlight mit industriekulturellem Ambiente gibt es in der Schönherrfabrik zu erleben. Das Restaurant Max Louis ist architektonisch in eine ehemalige Fabrikhalle integriert und lässt den Gast mit Blick auf die roten Klinkersteine und verschiedene Elemente des Webstuhlbaus die Geschichte des Hauses erahnen. Die Karte besticht mit ausgesuchten Grillgerichten auf Gourmetniveau. Die Köche kennen die Erzeuger ihrer Zutaten oft persönlich, hier trifft Qualität aus der Region auf internationale Ideen. Empfehlenswert ist der Abstecher in den Norden der Stadt jederzeit, schon der wechselnden Wochenkarte wegen. Der großzügige Raum ist zudem wie geschaffen für kulturelle Veranstaltungen – und wird für LiveJazz, Theater oder thematische Menüs auch rege genutzt.

Einen Galeriebesuch mit Kunst à la carte bietet das HECK-ART. Synästhetiker und Genussmenschen lassen sich in dem Haus mit historischen und architektonischen Wurzeln beides schmecken. Von der Idee her eine Galerie, überträgt sich die inspirierende Stimmung des Hauses auf den Herd. Die 2016 mit 13 Punkten vom Gault-Millau Deutschland ausgezeichnete Küche unterstreicht mit ihrer Kochkunst den hohen künstlerischen Anspruch des Hauses. Mit dem Elbling von Schloss Proschwitz zur Lippe ist ein opulenter Tropfen auf der Weinkarte, den man am besten an lauen Abenden auf der grünen Terrasse vor dem Haus genießt und so schnell mit der kauzigoriginellen Institution der Chemnitzer Kunstkultur vertraut wird.

SCHALOM

JANSSEN

Der angenehme Eindruck von außen setzt sich innen mit gemütlicher Gastlichkeit fort. Das Schalom am Rand des Brühls hat als einziges koscheres Restaurant in der Region eine bewegte Geschichte hinter sich und überzeugt mit authentischer koscherer Küche und jüdischer Lebensart. So weiß auch der Wirt viele Geschichten rund um das jüdische Leben in Chemnitz zu erzählen. Nicht nur die koschere Zubereitung garantiert, dass die Köche wissen, woher ihre Zutaten kommen. Unbedingt empfehlenswert: das hauseigene Simcha-Bier. Ein Getränk, das übersetzt „Freude“ bedeutet, muss man einfach probieren.

Industriekultur mit großem Genuss zu verbinden, schafft in Chemnitz auf einem hohen Niveau das Restaurant Janssen. Direkt am Fluss Chemnitz gelegen, in der ehemaligen Strumpfwirkerei von William Janssen, nimmt man mit feinen euro-asiatisch ausgerichteten Gourmetideen auch einen Hauch dessen auf, was Chemnitz einst zu einer der reichsten Städte Deutschlands gemacht hat: Unternehmergeist. So ist es auch kein Zufall, dass das Janssen auf seiner herrlich großen Terrasse zahlreichen Businessgesprächen diskreten Raum bietet und ansonsten mit Liebe zum eigenen Anspruch überzeugt.

Turm-Brauhaus

RESTAURANT

TURM-BRAUHAUS RESTAURANT

Restaurant la bouchée

Ein atmosphärisches Stimmungsbild der ganzen Stadt erhält man im TurmBrauhaus, das sich mitten in der City mit selbst gebrautem Bier und deftiger Küche einen Namen gemacht hat. Hier sitzen Student neben Professor, jung neben reif, Familie neben Frauenrunde, Junggesellenabschied neben Philosoph. Hat man sich je gefragt, wie viele Jahrzehnte zuvor Bierhallen mit eigenem Ausschank funktioniert haben, erhält man im Turm-Brauhaus die lebendige Antwort. Stimmengewirr und fröhliches Lachen empfangen die Gäste bereits beim Betreten des urigen Gasthauses. Man wird schnell selbst Teil dieser Geräuschkulisse und stimmt in das vorfreudige Gläserklirren mit dem selbst gebrauten Bier des Hauses ein. Das gibt es in den Varianten naturtrüb, braun oder dunkel und es macht vor allem eins: Appetit auf ein zweites oder drittes. Die Speisekarte bietet vom leichten Salat bis zur deftigen Brauhaus-Haxe nicht nur Speisen, die zum Frischgezapften passen. Auf jeden Fall passt sich das Angebot dem Bierambiente an und so verlässt man das Lokal viele Stunden später mit dem Gefühl, seine Zeit mit Gesprächen, gutem Bier und deftigem Essen sinnvoll verbracht zu haben.

RESTAURANT

RESTAURANT

RESTAURANT · CAFÉ . BISTRO

KULINARIK

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SLEEP Achat Hotel Winklhoferstr. 14 09116 Chemnitz Telefon 0371 81210 www.achat-hotels.com alexxanders Hotel & Boardinghouse, Restaurant, Catering Ludwig-Kirsch-Str. 9 09130 Chemnitz Telefon 0371 4311111 www.alexxanders.de Amber Hotel Chemnitz Park Wildparkstr. 6 09247 Chemnitz Telefon 03722 5130 www.amber-hotels.de

Hotel Forsthaus Grüna Rabensteiner Str. 17 09224 Chemnitz/OT Grüna Telefon 0371 842520 www.forsthaus-gruena.de Hotel Abendroth Hofer Str. 11a 09224 Chemnitz/OT Mittelbach Telefon 0371 23980 www.abendroth-hotel.de Hotel Alte Mühle An der alten Mühle 10 09117 Chemnitz Telefon 0371 81440 www.hotel-alte-muehle.de Hotel Chemnitzer Hof Theaterplatz 4 09111 Chemnitz Telefon 0371 6840 www.chemnitzer-hof.de

Hotel und Restaurant Kleinolbersdorf Ferdinandstr. 105 09128 Chemnitz Telefon 0371 772402 www.hotel-kleinolbersdorf.de Genuss & Boutique Hotel Röhrsdorfer Hof Limbacher Straße 14 09247 Chemnitz/OT Röhrsdorf Telefon 03722 621600 www.roehrsdorfer-hof.de Hotel & Restaurant Sächsischer Hof Brühl 26 09111 Chemnitz Telefon 0371 461480 www.saechsischer-hof.de Hotel Schloss Rabenstein Thomas-Müntzer-Höhe 14 09117 Chemnitz/OT Rabenstein Telefon 0371 4446640 www.hotel-schloss-rabenstein.de

Café Moskau Straße der Nationen 56 09111 Chemnitz Telefon 0371 35598577 www.moskau-chemnitz.de Café ankh Schönherrstr. 8 09113 Chemnitz Telefon 0371 4586949 www.cafeankh.de City Pub Chemnitz Brückenstr. 17 09111 Chemnitz Telefon 0371 6664013 www.city-pub-chemnitz.de Der Fleischladen Hermannstraße 8 09111 Chemnitz Telefon 0371 464 007 10 www.der-fleischladen.de

avenue Gästehaus Klarastraße 10 09131 Chemnitz Telefon 0371 471910 www.gaestehaus-avenue.de

Hotel Siegmar Curiestr. 3A 09117 Chemnitz Telefon 0174 3720551

Best Western Hotel am Schlosspark August-Bebel-Str. 1 09577 Lichtenwalde Telefon 037206 88 20 www.hotel-lichtenwalde.de

DJH Jugendherberge Chemnitz „eins“ Getreidemarkt 1 09111 Chemnitz Telefon 0371 27809897 www.chemnitz-city. jugendherberge.de

Biendo Hotel GmbH Straße der Nationen 12 09111 Chemnitz Telefon 0371 4331920 www.biendo-hotel.de

pentahotel Chemnitz Salzstr. 56 09113 Chemnitz Telefon 0371 33410 www.pentahotels.com

Business Hotel Artes Im Unger-Park Leipziger Str. 214 09114 Chemnitz Telefon 0371 33740 www.hotel-artes.de

Seaside Residenz Hotel Chemnitz Bernsdorfer Str. 2 09126 Chemnitz Telefon 0371 35510 www.residenzhotelchemnitz.de

Augusto Augustusburger Str. 102 09126 Chemnitz Telefon 0371 49370488 www.augusto.pizza

ESPITAS Leipziger Str. 106 – 108 09114 Chemnitz Telefon 0371 4446922 www.espitas.de

City Hotel Chemnitz Blankenauer Str. 75 -79 09113 Chemnitz Telefon 0371 45867100 www.cityhotel-chemnitz.de

Schlosshotel Klaffenbach Wasserschloßweg 6 09123 Chemnitz Telefon 0371 26110 www.schlosshotel-chemnitz.de

Gasthaus & Pension Ausspanne Schloßberg 4 09113 Chemnitz Telefon 0371 3300225 www.ausspanne-chemnitz.de

Gasthaus an der Schloßmühle Schloßberg 3 09113 Chemnitz Telefon 0371 3352533 www.gasthaus-schlossmuehle.de

C-YOU Hotel Chemnitz Dresdner Straße 136 09131 Chemnitz Telefon 0371 64638301 www.cyou-hotel.de

FEEL GOOD CLUB & HOTEL Dittersdorfer Str. 83 09120 Chemnitz Telefon 0371 278000 www.feelgoodclub.de

Balboa Chemnitz Zöllnerstraße 33 09111 Chemnitz

Gasthaus Schloßvorwerk Schloßberg 1 09113 Chemnitz Telefon 0371 3378785 www.schlossvorwerk.de

DORINT Kongresshotel Brückenstr. 19 09111 Chemnitz Telefon 0371 6830 www.hotel-chemnitz.dorint.com

Hotel an der Oper Straße der Nationen 56 09111 Chemnitz Telefon 0371 6810 www.hoteloper-chemnitz.de

Hotel & Restaurant Folklorehof Pleißaer Str. 18 09224 Chemnitz/ OT Grüna Telefon 0371 8102944 www.folklorehof.de

Hotel Elisenhof Mühlenstr. 102 09111 Chemnitz Telefon 0371 471690 www.hotelelisenhof-chemnitz.de

Freizeit & Campingplatz Rabenstein GbR Thomas-Müntzer-Höhe 10 09117 Chemnitz Telefon 0371 850608 www.campingplatz-rabenstein.de

Hotel am Europark Schulstraße 33 09125 Chemnitz Telefon 0371 3068433 www.europark.de

EAT & DRINK ALEX Chemnitz Neumarkt 2 09111 Chemnitz Telefon 0371 6662790 www.dein-alex.de alexxanders Hotel & Boardinghouse, Restaurant, Catering Ludwig-Kirsch-Str. 9 09130 Chemnitz Telefon 0371 4311111 www.alexxanders.de

Kaffeerösterei Bohnenmeister Annaberger Straße 73 09120 Chemnitz Telefon 0371 23528637 www.bohnenmeister.de Brazil Innere Klosterstr. 10 09111 Chemnitz Telefon 0371 6660050 www.restaurant-brazil.de Buono Theaterstraße 7 09111 Chemnitz Telefon 0371 2731218 www.buono-chemnitz.de

Diebels Fasskeller An der Markthalle 3 09111 Chemnitz Telefon 0371 6946994 www.fasskeller.de Dreamers Coffee & Wholefood Brühl 73 09111 Chemnitz Telefon 0371 45868277 www.facebook.com/ DreamersCoffeeWholefood Emmas Onkel Ulmenstraße 48 09112 Chemnitz Telefon 0371 28306457 www.emmas-onkel.de

HANS IM GLÜCK Burgergrill & Bar Innere Klosterstraße 6 09111 Chemnitz Telefon 0371 2408 0980 www.hansimglueck-burgergrill.de HECK-ART Restaurant Mühlenstr. 2 09111 Chemnitz Telefon 0371 6946818 www.restaurant-heck-art.de Janssen Schloßstr. 12 09111 Chemnitz Telefon 0371 4590950 www.janssen-restaurant.de


Kellerhaus Chemnitz Schloßberg 2 09113 Chemnitz Telefon 0371 3351677 www.kellerhaus-chemnitz.de

Ratsstube Chemnitz Johannisplatz 1 09111 Chemnitz Telefon 0371 6949875 www.ratsstube-chemnitz.de

La bouchée Innere Klosterstr. 9 09111 Chemnitz Telefon 0371 6948181 www.la-bouchee.de

Restaurant Pelzmühle Pelzmühlenstraße 17 09117 Chemnitz Telefon 0371 523567 www.pelzmuehle.de

Maroon Bar Ulmenstr. 16 09112 Chemnitz Telefon 0371 6665466 www.maroon-bar.de

Restaurant Villa Esche Parkstr. 58 09120 Chemnitz Telefon 0371 2361363 www.restaurant-villaesche.de

Marschner’s Eiscafé Zwickauer Straße 424 09117 Chemnitz-Siegmar Telefon 0371 8205185 www.marschners-eiscafe.com

Restaurant Sachsofon Augustusburger Str. 244 09127 Chemnitz Telefon 0371 4014785 www.sachsofon.de

MARTINIC Bar Hartmannstraße 7D 09111 Chemnitz Telefon 0371 28372663 www.chemnitzcity.de/martinic

Schalom Restaurant Heinrich-Zille-Str. 15 09111 Chemnitz Telefon 0371 6957769 www.schalom-chemnitz.de

max louis Schönherrstr. 8, Eingang D 09113 Chemnitz Telefon 0371 46402433 www.max-louis.de

SPEISEKAMMER Chemnitz Schloßberg 14 09113 Chemnitz Telefon 0371 33507425 www.speisekammer-chemnitz.de

Mr. Meyers Diner Chemnitz Zwickauer Str. 128 09116 Chemnitz Telefon 0371 66656405 www.meyers-diner.com

Tillmann‘s Restaurant Im Terminal 3 Brückenstr. 17 09111 Chemnitz Telefon 0371 3558763 www.tillmanns-chemnitz.de

Michaelis Kaffeehaus & Restaurant Düsseldorfer Platz 1 09111 Chemnitz Telefon 0371 27337985 www.michaelis-chemnitz.de Miramar Chemnitz Schloßberg 16 09113 Chemnitz Telefon 0371 3301521 www.miramar-chemnitz.de Moe‘s Bar Hartmannstraße 7 09111 Chemnitz Telefon 0371 40474979 www.moesbar69.de NOMAD Restaurant Lothringer Str. 11 09120 Chemnitz Telefon 0160 8415551 www.nomad-chemnitz.de Ponytail Barclubbing Innere Klosterstraße 1 09111 Chemnitz Telefon 0371 273 372 60 www.ponytail-bar.de

Turm-Brauhaus Neumarkt 2 09111 Chemnitz Telefon 0371 9095095 www.turmbrauhaus.de Uferstrand Chemnitz Falkestr. 2 09112 Chemnitz Mobil 0174 6254641 Telefon 0371 23530308 www.uferstrand.de VAPIANO Chemnitz Straße der Nationen 12 09111 Chemnitz Telefon 0371 35597301 www.vapiano.de Wenzel Prager Bierstuben Chemnitz Jakobikirchplatz 4 09111 Chemnitz Telefon 0371 35597588 www.wenzel-bierstuben.de

Innere Klostertraße

SERVICE & ADRESSEN

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VISIT Boulderlounge Chemnitz Altchemnitzer Str. 5 09120 Chemnitz Telefon 0371 67600790 www.boulderlounge-chemnitz.de Chemnitzer Gewölbegänge Fabrikstraße 6 09111 Chemnitz Telefon 0371 3346056 www.cgev.de Chemnitzer Künstlerbund Moritzstraße 19 09111 Chemnitz Telefon 0371 414847 www.blog.ckbev.de Clubkino Siegmar Zwickauer Str. 425 09117 Chemnitz Telefon 0371 851971 www.clubkino-siegmar.com Das Chemnitzer Kabarett An der Markthalle 1 – 3 09111 Chemnitz Telefon 0371 675090 www.das-chemnitzer-kabarett.de Deutsches Spielemuseum e.V. Neefestr. 78A 09119 Chemnitz Telefon 0371 306565 www.deutsches-spielemuseum.eu Felsendome Rabenstein Weg nach dem Kalkwerk 4 09117 Chemnitz Telefon 0371 8080037 www.felsendome.de Fritz Theater Chemnitz Kirchhoffstr. 34-36 09117 Chemnitz Telefon 0371 8747270 www.fritz-theater.de Galerie artECK Moritzstr. 39 09111 Chemnitz Telefon 0371 4027112 www.facebook.com/GalerieArtEck Galerie Borssenanger Eingang Johannisplatz Straße der Nationen 2 – 4 09111 Chemnitz Telefon 0371 331 42 70 www.borssenanger.de Galerie DenkArt Sonnenstraße 39 09130 Chemnitz Telefon 01575 5630155 www.facebook.com/chemnitzdenkart Galerie Druckstock Jakobstraße 42 Eingang via Zietenstraße 09130 Chemnitz www.druckstock-chemnitz.de

Galerie e.artis contemporary Theaterstraße 58 09111 Chemnitz Telefon 0371 80007880 www.e-artis.de Galerie FERDINART Hainstraße 49 09130 Chemnitz Telefon 0371 91224172 www.herrferdinand.com/ferdinart Galerie HECK-ART-HAUS Kunst für Chemnitz e.V. Mühlenstraße 2 09111 Chemnitz Telefon 0371 6946818 www.kunstfuerchemnitz.de Galerie Hinten Augustusburger Str. 102 09126 Chemnitz www.galeriehinten.de Galerie Laterne Karl-Liebknecht-Straße 19 09111 Chemnitz Telefon 0371 4019727 www.laterne19.jimdofree.com Galerie Oben Heinrich-Beck-Str. 35 09112 Chemnitz Telefon 0371 6661569 www.galerieoben.com Galerie Rebel Art Brühl 67 09111 Chemnitz Telefon 0371 300312 www.rebel-art-galerie.de Galerie Schmidt-Rottluff Markt 1 09111 Chemnitz Telefon 0371 6761107 www.schmidt-rottluff.de Galerie Weise Rosenhof 4 09111 Chemnitz Telefon 0371 694444 www.galerie-weise.de Galerie Weltecho Annaberger Straße 24 09111 Chemnitz Telefon 0371 364691 www.weltecho.eu/raeume/galerie Industriemuseum Chemnitz Zwickauer Str. 119 09112 Chemnitz Telefon 0371 3676140 www.saechsisches -industriemuseum.com Kletterzentrum Chemmitz Matthesstraße 20 09113 Chemnitz Telefon 0371 33498888 www.kletter-zentrum.de Kulturkaufhaus DAStietz Moritzstr. 20 09111 Chemnitz Telefon 0371 4884101 www.dastietz.de

Kunstsammlungen Chemnitz KUNSTSAMMLUNGEN AM THEATERPLATZ Theaterplatz 1 09111 Chemnitz Telefon 0371 4884424 www.kunstsammlungen -chemnitz.de Kunstsammlungen Chemnitz BURG RABENSTEIN Oberfrohnaer Str. 149 09117 Chemnitz Telefon 0371 4884520 www.kunstsammlungen -chemnitz.de Kunstsammlungen Chemnitz HENRY VAN DE VELDE MUSEUM Parkstr. 58 09120 Chemnitz Telefon 0371 4884424 www.kunstsammlungen -chemnitz.de Kunstsammlungen Chemnitz MUSEUM GUNZENHAUSER Stollberger Str. 2 09119 Chemnitz Telefon 0371 4887024 www.kunstsammlungen -chemnitz.de Kunstsammlungen Chemnitz SCHLOSSBERGMUSEUM Schloßberg 12 09113 Chemnitz Telefon 0371 4884520 www.kunstsammlungen -chemnitz.de Messe Chemnitz Messeplatz 1 09116 Chemnitz Telefon 0371 4508-0 www.messe-chemnitz.com Kino Metropol Chemnitz Zwickauer Str. 11 09112 Chemnitz Telefon 0371 304604 www.metropol-chemnitz.com Museum für Naturkunde Chemnitz Moritzstr. 20 09111 Chemnitz Telefon 0371 4884551 www.naturkundemuseum -chemnitz.de Museum für sächsische Fahrzeuge Chemnitz Zwickauer Str. 77 09112 Chemnitz Telefon 0371 2601196 www.fahrzeugmuseum -chemnitz.de Neue Sächsische Galerie Moritzstr. 20 09111 Chemnitz Telefon 0371 3676680 www.neue-saechsische-galerie.de Opernhaus Chemnitz Theaterplatz 2 09111 Chemnitz Telefon 0371 6969-5 Ticket-Hotline 0371 4000-430 www.theater-chemnitz.de

Parkeisenbahn Chemnitz Küchwaldring 24 09113 Chemnitz Telefon 0371 3301100 www.parkeisenbahn-chemnitz.de Schauplatz Eisenbahn Frankenberger Str. 172 09131 Chemnitz Telefon 0371 46400892 www.schauplatz-eisenbahn.de Schauspielhaus und Figurentheater Zieschestr. 28 09111 Chemnitz Telefon 0371 6969-710 Ticket-Hotline 0371 4000-430 www.theater-chemnitz.de Schönherrfabrik Schönherrstr. 8 09113 Chemnitz Telefon 0371 4949700 www.schoenherrfabrik.de smac Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz Stefan-Heym-Platz 1 09111 Chemnitz Telefon 0371 9119990 www.smac.sachsen.de Stadtbad Chemnitz Mühlenstr. 27 09111 Chemnitz Telefon 0371 4885248 www.chemnitz.de Stadthalle Chemnitz Theaterstr. 3 09111 Chemnitz Telefon 0371 4508722 www.stadthalle-chemnitz.de Straßenbahnmuseum Chemnitz Zwickauer Str. 164 09116 Chemnitz Telefon 0371 4006060 www.strassenbahn-chemnitz.de Tierpark Chemnitz Nevoigtstr. 18 09117 Chemnitz Telefon 0371 4884800 www.tierpark-chemnitz.de Wasserschloß Klaffenbach Wasserschloßweg 6 09123 Chemnitz Telefon 0371 266350 www.wasserschloss -klaffenbach.de Wildgatter Oberrabenstein Thomas-Müntzer-Höhe 13 09117 Chemnitz Telefon 0371 4884800 www.tierpark-chemnitz.de Wirkbau Chemnitz Annaberger Str. 73 09111 Chemnitz Telefon 0371 5636444 www.wirkbau.de


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TOURIST-INFORMATION CHEMNITZ Markt 1, 09111 Chemnitz Tel.: 0371 69068 0 info@chemnitz-tourismus.de

Öffnungszeiten: Montag - Freitag: Samstag: Sonn- und Feiertage:

9:00 bis 18:00 Uhr 9:00 bis 16:00 Uhr geschlossen

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IMPRESSUM HERAUSGEBER: Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH, Geschäftsführer: Sören Uhle Innere Klosterstraße 6 – 8, 09111 Chemnitz, Tel.: 0371 3660 200, info@cwe-chemnitz.de, www.cwe-chemnitz.de KONZEPTION/GESTALTUNG: Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH TEXT: Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH, Text-in-Form® Hecker & Kaden GbR, Vorlautes Netzwerk – Franke, Benjamin & Lehmann, Marcus GbR, Kunstsammlungen Chemnitz, Städtische Theater Chemnitz gGmbH, Begehungen e.V., Fuego e.V., Spinnerei e.V. LEKTORAT: Vorlautes Netzwerk – Franke, Benjamin & Lehmann, Marcus GbR

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BILDRECHTE: S. 1: Ernesto Uhlmann, S. 3: Ernesto Uhlmann, S. 4: Nasser Hashemi (oben), Ernesto Uhlmann (mitte), Johannes Richter (unten), S. 5: Robert Grünberg (rechts oben), Ernesto Uhlmann (4x), S. 6: Nasser Hashemi, S. 8-11: Nasser Hashemi, S. 12: Ernesto Uhlmann, S. 13: Tim Plagemann, S. 14: Mark Frost (2x), S. 15: Fuego a la Isla (links), Ernesto Uhlmann (rechts), S. 16: LfA/smac | Meike Kenn (links), LfA/smac | Michael Jungblut (rechts), S. 18: Dirk Hanus, S. 19: bpk/Kunstsammlungen Chemnitz/László Tóth (links), Kunstsammlungen Chemnitz/May Voigt (mitte), Wolfgang Thieme (rechts), S. 21: Clubkino Siegmar (links), Weltecho (rechts), S. 23: Ernesto Uhlmann (Nr. 1-18), Robert Grünberg (Nr. 19), Falko Schubert (Nr. 20), S. 24: Ernesto Uhlmann, S. 26 & 27: Ernesto Uhlmann, S. 28 & 29: Ernesto Uhlmann, S. 31: Ernesto Uhlmann, S. 32-35: Johannes Richter, S. 36-39: Ernesto Uhlmann, S. 40: Dirk Hanus, S. 42 & 43: Ernesto Uhlmann, S. 46: Ernesto Uhlmann (Nr. 1, 3, 4), Johannes Richter (Nr. 5), S. 47: Ernesto Uhlmann, S. 48-51: Ernesto Uhlmann, S. 52: Oliver Göhler (oben), Stadtverwaltung Mittweida (unten), S. 53: Dirk Rückschloß (oben), Oliver Göhler (unten), S. 54: Patrick Ernst, S. 55: Patrick Engert (oben), Ernesto Uhlmann (unten), S. 56: Ernesto Uhlmann (links), Florian Manhardt (rechts), S. 57: Moritz Geilert (oben), S. 58: Ernesto Uhlmann (links), AdobeStock_73272055 / snaptitude (rechts), S. 60-62: Ernesto Uhlmann, S. 63: AdobeStock_298956770, S. 64-69: Ernesto Uhlmann, S. 72: Ernesto Uhlmann

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