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2008/09

Jahresbericht Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Chemieverbände Rheinland-Pfalz Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz e.V. Verband der Chemischen Industrie e.V. Landesverband Rheinland-Pfalz e.V.

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Inhalt 05

Editorial

06

Blick durch das Verbandsjahr 2008/2009

08

Liselotte Achenbach „Lebensarbeitszeit und Demografie“ – Handlungsfeld familienbewusste Personalpolitik

09

Dr. Hubert Bloesinger Zusage von Arbeitgeberleistungen durch Betriebsvereinbarung statt durch Arbeitsvertrag

10

Dr. Maximilian Kern Praxis Personalentwicklung

11

Dr. Christine von Landenberg Nachwuchsförderung innovativ: Öffentlich Private Partnerschaft zwischen Ministerium und Chemieverbänden

12

Chemieland Rheinland-Pfalz Zufriedenstellendes Ergebnis im Jahr 2008

14

Ausbildungsstatistik 2008 – Berufestruktur

15

Dr. Hubert Lendle REACH und GHS – die Herausforderungen zum 1. Dezember 2010

16

Tobias Göpel Storytelling – Kommunikation mit Emotion

17

Lutz Staedtler Transparenz in Arbeitsverträgen

18

Dr. Annette Namendorf Fragestellungen bei der Auslandsentsendung

19

Alexander Pauly Änderungskündigung zur Entgeltabsenkung

20

Armin Fladung Auswirkungen des Flexi-II Gesetzes auf die flexiblen Arbeitszeitenregelungen

21

Dr. Bernd Vogler BUC – Absicherung gegen Berufsunfähigkeit

22

Reimer Wittenberg Wirtschaft und Ethik – passt das zusammen?

24

Vorstände 2009 – 2011

25

Sozialpolitischer Beirat des Arbeitgeberverbandes 2009 – 2011

26

Impressum


Jahresbericht 2008/09

Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Die Chemieverbände Rheinland-Pfalz Die Chemieverbände Rheinland-Pfalz sind eine Gemeinschaft des Arbeitgeberverbands Chemie Rheinland-Pfalz e.V. und des Verbands der Chemischen Industrie e.V. Landesverband Rheinland-Pfalz e.V. Sie vertreten die sozial- und wirtschaftspolitischen Interessen ihrer Mitgliedsunternehmen. So bieten sie ihren Mitgliedern beispielsweise Rechtsberatung und -beistand in arbeitsrechtlichen Fragen an und positionieren die chemische Industrie gegenüber Öffentlichkeit, Politik und Behörden. Mitglieder sind rund 180 Unternehmen der chemischen Industrie sowie der Kunststoff, Kautschuk und Mineralöl verarbeitenden Industrie und chemienahe Dienstleister. Die Chemieverbände bieten ihre Leistungen ausschließlich ihren Mitgliedsunternehmen an.

04


Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Jahresbericht 2008/09

Reimer Bildunterschrift Wittenberg Hauptgeschäftsführer

Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser, seit unserem letzten Zusammentreffen anlässlich der Mitgliederver-

Lage sind. Es ist die Zeit der Bewährung, lassen Sie uns die Chancen

sammlung am 19. Juni 2008 hat sich die Welt um uns herum massiv

gemeinsam zum Fortbestand unserer Mitgliedsunternehmen und seiner

gewandelt. Neigten wir vor einem Jahr noch dazu, die sich anbahnenden

Beschäftigten nutzen. Orientierung sollten uns hierbei nicht nur die

weltwirtschaftlichen Turbulenzen in der Phase des wirtschaftlichen

wirtschaftlichen Fakten allein, sondern auch unsere ethischen Vorstel-

Aufschwungs noch aufgrund unserer bisher gemachten Erfahrungen

lungen über die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft geben!

„irgendwie“ überstehen zu können, so wurden wir Ende 2008 angesichts der abrupt endenden Aufschwungphase leider eines Anderen belehrt.

Der von den Sozialpartnern der Chemie vereinbarte „Ethik-Kodex“

An den Begriff einer weltweiten Rezession mit seinen negativen Folgen

leistet einen Beitrag mit den darin enthaltenen Leitlinien für „Verantwort-

mussten wir uns zwangsläufig gewöhnen. Bezüglich der globalen

liches Handeln in der Sozialen Marktwirtschaft“, um dem schwindenden

Dimension finden wir auch keine „lehrbuchmäßigen“ Vorlagen, die uns

Vertrauen in unser Politik- und Wirtschaftssystem entgegenzuwirken

eine Vorstellung darüber vermitteln können, wie diese Entwicklung wohl

und den sozialen Frieden zu erhalten. Wir sind alle aufgerufen, unseren

enden wird. Man kann zwar mit Hilfe von Szenariotechniken versuchen,

Beitrag zu leisten. Hierzu möchte ich Sie ermuntern, den Stein in Ihrem

mögliche Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Finanz- und

Unternehmen ins Rollen zu bringen.

Realwirtschaft festzustellen. Am Ende bleibt man unsicher, mit welcher Wahrscheinlichkeit Ereignisse und deren Folgen eintreten werden. Uns ist unbehaglich, weil wir die Zukunft nicht recht überblicken können. Was uns jedoch bleibt, ist das Wissen und Können, verbunden mit unseren beruflichen und persönlichen Erfahrungen, situationsgerecht zu Handeln. Seitens der Verbände sind wir unverändert gut gerüstet, Sie mit unseren Ressourcen bei der Bewältigung der anstehenden betrieblichen Problemlagen zu unterstützen. Wir leben in einer Zeit der Bewährung auf der Grundlage unserer sozialpartnerschaftlichen Vereinbarungen. Jetzt sind alle, gleich ob Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Betriebsräte, Gewerkschaftler oder auch Verbandsvertreter, extrem gefordert, angemessene situationsgerechte Lösungen für den Erhalt des Bestandes der Unternehmen und für die Beschäftigung zu finden. Dies wird uns dann dauerhaft gelingen, wenn wir einander mit Respekt, gegenseitigem Vertrauen und auch einer Portion Zuversicht zu Werke gehen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass wir in der Chemie dazu besonders gut in der

05


Jahresbericht 2008/09

Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Blick durch das Verbandsjahr

16.04.08 Lebensarbeitszeit und Demografie

2008/2009

30.06.08 Benimm ist in Die tägliche Erfahrung im Berufsleben

Mit dem innovativen „Tarifvertrag

lehrt, dass Höflichkeit und Respekt

Lebensarbeitszeit und Demografie“

gegenüber den Mitmenschen die

greifen die Chemie-Tarifpartner die

Basis für ein zivilisiertes Zusammen-

Herausforderungen der alternden

26.08.08

01.10.08

Tag der Mathematik

Prozessvertretung

leben darstellen. Der kultivierte

Die sichere Anwendung mathema-

Armin Fladung wird als neuer juris-

Gesellschaft auf. Der Tarifvertrag

Umgang im Unternehmen ist das

tischer Grundfertigkeiten ist bei

tischer Referent im Arbeitgeber-

stellt hierfür als Instrumente wahl-

entscheidende Detail für das betrieb-

vielen Jugendlichen keine Selbstver-

verband tätig. Der 34-Jährige Jurist

weise die Förderung von Langzeit-

liche Miteinander. Besonders für

ständlichkeit mehr. Längst zeigen

studierte an der Universität Heidel-

konten, Altersteilzeit, Teilrente,

junge Menschen, die sich noch am

Eignungstests bei Bewerbern einen

berg und war zuletzt für verschie-

tarifliche Altersvorsorge sowie als

Anfang ihrer beruflichen Entwicklung

Abwärtstrend der elementaren

dene Kanzleien in Frankfurt am Main

neues Instrument einen Berufsun-

befinden, sind solche Veranstal-

Rechenkenntnisse. Impulse setzen

und im Rhein-Neckar-Raum tätig.

fähigkeitsschutz zur Verfügung.

tungen zu empfehlen. Denn grund-

– das war das Ziel der Lehrerfortbil-

Er ist zudem für die juristische

sätzlich gilt: Es gibt keine zweite

dung am Tag der Mathematik in Bad

Zeitschrift „Betriebsberater“ als

Chance für einen ersten guten Ein-

Kreuznach. 120 Lehrkräfte folgten der

Ressortleiter aktiv.

druck.

Einladung zur eintägigen Veranstaltung. In Kooperation mit dem Kultusministerium boten die Chemieverbände Rheinland-Pfalz ein speziell an die Grundschule ausgerichtetes Seminar an. Denn bereits in diesem Alter werden die entscheidenden Weichen für die mathematischen Fähigkeiten gestellt.

06


Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Jahresbericht 2008/09

009

31.03.09

06.-08.10.08 Europa erleben Die wirtschaftlichen Rahmenbedin-

Ein Urgestein geht

25.-28.01.09

17.02.09

gungen werden zunehmend durch

Nach 36 Jahren verlässt Lutz Staedtler den Arbeitgeberverband

Chemieolympiade

Kurzarbeit

linien stehen die Parlamentarier

Als Leistungsbeste im Landessemi-

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat

Der Jurist und Geschäftsführer

Stellungnahmen aus der Wirtschaft

nar der Chemieolympiade haben

die deutsche Chemieindustrie erfasst.

agierte nicht nur in arbeitsrecht-

aufgeschlossen gegenüber. Für

15 Schülerinnen und Schüler aus

Die Unternehmen stehen vor großen

lichen Fragen geschickt. Auch durch

Unternehmen und Verbände ergibt

Rheinland-Pfalz und dem Saarland

wirtschaftlichen Herausforderungen.

die Personalleiterrunden konnte er

sich dadurch die Möglichkeit, bera-

überzeugt. Drei spannende Tage lang

Dies hat auch Auswirkungen auf

Vertrauen zwischen allen Teilneh-

tend in den Prozess einwirken zu

experimentierten die Jugendlichen

die Mitarbeiter in den Betrieben.

mern aufbauen und zu einem inten-

können. Vertreter der Mitgliedsunter-

an der Technischen Universität

Eingearbeitete Belegschaften im

siven Austausch anregen.

nehmen erhielten Einblicke in die

Kaiserslautern. Für die vorgelegten

Unternehmen zu halten ist das Gebot

Abläufe und konnten im persönlichen

Arbeiten in der analytischen Chemie

der Stunde. Mehr als 60 Personalver-

Gespräch erfahren, welche Beson-

erhielten sie vor über 60 Teilnehmern

antwortliche informierten sich in

derheiten es zu beachten gilt.

die Auszeichnungen. Die Chemieo-

Frankenthal darüber, wie gesetzliche,

lympiade ist ein internationaler Wett-

tarifliche und vertragliche Instru-

bewerb, der aus vier nationalen und

mente eingesetzt werden können,

einer internationalen Runde besteht.

um notwendige Anpassungen vor-

die Vorgaben aus Brüssel bestimmt. Im Entstehungsprozess der Richt-

Chemie Rheinland-Pfalz, um in den verdienten Ruhestand zu gehen.

zunehmen und zugleich Kündigungen zu vermeiden.

07


Jahresbericht 2008/09

Chemieverbände Rheinland-Pfalz

„Die demografische Entwicklung erfordert eine familienorientierte Personalpolitik.“

Liselotte Achenbach stv. Geschäftsführerin Arbeitgeberverband Chemie

„Lebensarbeitszeit und Demografie“ – Handlungsfeld familienbewusste Personalpolitik sind bekannt. Das Aufzeigen der demografischen Entwicklung und die dadurch ausgelöste Diskussion haben jedoch das Interesse an diesem Thema immens verstärkt und der Familienorientierung durch den neuen Tarifvertrag einen noch höheren Stellenwert eingeräumt. Die Notwendigkeit familienorientierter Maßnahmen ergibt sich neben dem selbstverständlichen Gebot der Chancengleichheit von Männern und Frauen aus dem drohenden und teilweise bereits eingetretenen Fachkräftemangel. Hier sind neue Wege zur Rekrutierung und Bindung der Mitarbeiter an die Unternehmen erforderlich. Hinzu kommt, dass die Balance zwischen Beruf und Familie im Hinblick auf längere Lebensarbeitszeiten und ansteigende familiäre Pflegeverantwortung von Beschäftigten neben den Fragen der Kinderbetreuung zunehmend wichtiger wird. Immer mehr junge Väter wollen sich in die Erziehung ihrer Kinder einbringen.

Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, sollen die Grundsätze der familienorientierten – oder besser gesagt – lebensphasenorientierten Personalpolitik deutlich gemacht werden:

„Familienbewusste Personalpolitik zur Förderung der Vereinbarkeit von

Erstens: Das Klima im Unternehmen, die Unternehmenskultur, bis hin

Beruf und Familie“ wird erstmals im Tarifwerk der chemischen Industrie

zur Sensibilisierung der Führungskräfte muss für das Thema „Vereinbar-

genannt.

keit von Beruf und Familie“ von positiven Werten und Normen geprägt sein („Top Down“).

Der innovative Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie“ vom

Zweitens: In der betrieblichen Kommunikation und Organisation sind

April 2008 sieht neben Handlungsfeldern, wie alters- und alternsgerechte

Offenheit und Flexibilität erforderlich.

Arbeitsgestaltung, Arbeitszeitflexibilität, Gesundheitsförderung und

Drittens: Die kostenneutralen und kostengünstigen Lösungen müssen in

Nachwuchssicherung, die Umsetzung familienbewusster Personalpolitik

einer positiven Kosten-Nutzen-Analyse aufgezeigt werden („Win-win“).

ausdrücklich vor.

Hilfreich sind hier vorliegende Untersuchungsergebnisse (PrognosStudie, Monitor Familienfreundlichkeit) und „Best-Practice“ Erfah-

Nun ist das Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, wie

rungen.

unsere Mitgliedsunternehmen seit Jahren wissen, in der chemischen Industrie an sich nichts Neues. Die über 20 Jahre alte außertarifliche

Zur unbürokratischen Bestandsaufnahme im Unternehmen und zur

Sozialpartnervereinbarung, 2006 durch die Vereinbarung „Für eine chan-

Umsetzung familienorientierter Maßnahmen ist eine Zertifizierung – die

cengleiche und familienbewusste Personalpolitik“ erneuert, wird in

in Rheinland-Pfalz vom Ministerium gefördert wird – möglich. Sprechen

den Unternehmen immer häufiger umgesetzt. Die weithin beachteten

Sie uns an, wir beraten und unterstützen Sie und bringen Sie mit erfah-

Aktivitäten der Chemie-Sozialpartner und die engagierten Maßnahmen

renen Gesprächspartnern in Kontakt.

unserer Mitgliedsunternehmen sowie deren positive Auswirkungen

08


Chemieverbände Rheinland-Pfalz

„Betriebsvereinbarungen bieten mehr Rechtssicherheit bei freiwilligen Leistungen des Arbeitgebers.“

Jahresbericht 2008/09

Dr. Hubert Bloesinger Geschäftsführer Arbeitgeberverband Chemie

Zusage von Arbeitgeberleistungen durch Betriebsvereinbarung statt durch Arbeitsvertrag Die inhaltliche Überprüfung von vertraglichen Klauseln ist ein Dauer-

Betriebsvereinbarungen über übertarifliche Leistungen kann der Arbeit-

thema in der arbeitsgerichtlichen Praxis. Nach wie vor vergeht kaum

geber jederzeit und ohne Grund kündigen, wenn er die Leistungen ein-

ein Monat, in dem nicht gängige Vertragsgestaltungen an den hohen

stellen will. Mit Ablauf der Kündigungsfrist entfallen ihre Wirkungen

richterlichen Anforderungen zur Transparenz und Angemessenheit

und damit auch die Rechtsansprüche der Arbeitnehmer. Und schließlich

scheitern, mit der Folge, dass vermeintlich freiwillige Leistungen für den

findet nur eine Rechts- und Billigkeitskontrolle statt, eine Inhaltskontrol-

Arbeitgeber verbindlich werden, Rückzahlungsklauseln aus arbeitgeber-

le, insbesondere auf Angemessenheit der Regelung, ist nach § 310 Abs.

finanzierten Qualifizierungsmaßnahmen für den Arbeitnehmer unver-

3 Satz 1 BGB bei der Betriebsvereinbarung ausgeschlossen.

bindlich sind oder Zielvereinbarungsprämien trotz fehlender Zielvereinbarung gezahlt werden müssen. Erst kürzlich erachtete ein Gericht eine

Dies alles lohnt durchaus die Überlegung, Qualifizierungs- oder

Rückzahlungsverpflichtung für die Sonderausstattung eines Dienstwa-

Dienstwagenregelungen statt per Einzelvertrag oder Richtlinie durch

gens im Falle einer Eigenkündigung des Arbeitnehmers für unwirksam.

eine Betriebsvereinbarung zu gestalten.

Bei der Suche nach Ausweichstrategien gegenüber dieser restriktiven Rechtsprechung erweist sich die freiwillige Betriebsvereinbarung als taugliche Alternative, insbesondere im Bereich der übertariflichen Leistungen. Zwar wird der Arbeitgeber in den Verhandlungen mit dem Betriebsrat häufig nicht alle seine Vorstellungen erreichen können und sich mit Forderungen der Arbeitnehmervertretung auseinandersetzen müssen, aber eine einseitig vorgegebene Regelung im Arbeitsvertrag oder einer Richtlinie hält ebenfalls oft nicht, was sich der Arbeitgeber von ihr versprach. Auch erwachsen aus der Betriebsvereinbarung unmittelbare Rechtsansprüche der Arbeitnehmer. Gleichwohl weist sie gegenüber der individualvertraglichen Gestaltung eine ganze Reihe von Vorteilen auf. So wirkt die Betriebsvereinbarung als kollektiv-rechtliche Regelung normativ, das heißt ohne Transformationsakt oder Einverständnis des Arbeitnehmers auf die Arbeitsverhältnisse ein. Da im Verhältnis aufeinander folgender Betriebsvereinbarungen das Ablösungsprinzip gilt, sind spätere Veränderungen für die Arbeitnehmer auch dann regelmäßig verbindlich, selbst wenn sie zu ihren Lasten erfolgen. Rechtssicherheit in Arbeitsverträgen ist für beide Parteien wichtig.

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Jahresbericht 2008/09

Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Dr. Maximilian Kern Geschäftsführer Arbeitgeberverband Chemie

„Die langfristige Personalentwicklung in den Unternehmen ist zu einem strategischen Erfolgsfaktor geworden.“

Praxis Personalentwicklung

Der demografische Wandel ist in aller Munde. Die Alten werden mehr,

Die Seminarreihe besteht aus vier Modulen und beleuchtet die

die Jungen werden weniger. Betriebe beklagen in wenigen Jahren

betriebliche Personalentwicklung aus verschiedenen Blickwinkeln. Im

zunehmend alternde Belegschaften und suchen händeringend qualifi-

Vordergrund steht ein bewusstes Agieren der Personalentwickler als

zierte Nachwuchskräfte. Die Unternehmen werden mit dem Personal

Ansprechpartner der Führungskräfte. Es gilt, eigene Stärken heraus zu

auskommen müssen, das sie an Bord haben – ein bekanntes, aber

bilden. Die Teilnehmer erfahren, verschiedene Instrumente der Personal-

absehbares Szenario. Vorteile für die Firmen, die sich rechtzeitig auf

entwicklung anzuwenden und sie zu verknüpfen. Der Austausch, das

diese Situation eingestellt haben.

Lernen voneinander durch die unterschiedlichen Erfahrungen in den Unternehmen bildet das Gerüst der Reihe. Und dies setzt sich nach den

Notwendig wird eine langfristige Personalentwicklung, die sich

Seminaren fort. Die Teilnehmer aus den vergangenen Seminarreihen

an den betrieblichen Erfordernissen orientiert. Welche Qualifikationen

treffen sich weiter. Sie organisieren einen Erfahrungsaustausch und

werden künftig gebraucht? Wie kann man diese erhalten oder ent-

besprechen ihre aktuellen Projekte. Damit wurde ein Grundstock gelegt,

wickeln? Welche Funktionen im Unternehmen sind vital, sind nicht

erfolgreiche Personalentwicklung in den Unternehmen fest zu

kurzfristig zu ersetzen und können nicht nach außen vergeben werden?

verankern.

Wird das Unternehmen in einem umkämpften Arbeitskräftemarkt noch genügend Attraktivität besitzen um Fachkräfte anzuziehen oder Ausbil-

Module des Seminars „Praxis der modernen Personalentwicklung“

dungsplätze belegen zu können? Wie das Know-how erhalten, wenn erfahrene Mitarbeiter das Unternehmen verlassen? Die Liste der Fragen ließe sich bequem weiter führen. Personalentwicklung wird für die Betriebe immer wichtiger. Sie ist zu einem strategischen Erfolgsfaktor geworden, zu einem Motor der unternehmerischen Leistung. Arbeitsbeziehungen, Märkte und Kunden-

1. Unternehmen und Performance

2. Anforderungen und Kompetenzen

Personalentwicklung (PE) unterstützt die betriebliche Leistungserstellung maßgeblich. Sie ist damit eingebunden in die strategischen Überlegungen. Die Teilnehmer kennen ihre Rolle im PE-Prozess und füllen sie als Partner aus.

Die Teilnehmer kennen Grundlagen und Instrumente zum Feststellen des Qualifizierungsbedarfs sowie der Mitarbeiterförderung und -beurteilung.

4. Umsetzung und Erfolgssteuerung

3. Durchführen von PE-Maßnahmen

Die Teilnehmer erfahren die Grundlagen des Bildungscontrollings und lernen, den Nutzen einer Qualifizierungsmaßnahme zu beschreiben. Die Transfersicherung spielt dabei eine besondere Rolle.

Die Konzeption, einschließlich des Blicks auf Lernziele, steht im Mittelpunkt dieses Moduls. Der Einkauf externer Leistungen von Trainern und die Bedeutung des Managements im Qualifizierungsprozess runden die Themen ab.

strukturen werden komplexer. Die Anforderungen an die Mitarbeiter steigen. Flexibilität ist gefragt. Es genügt nicht mehr, in der Produktion nur eine Maschine bedienen zu können. Besonders in mittelständischen Unternehmen wird die Mitarbeiterqualifizierung selten von einer Vollzeitkraft betreut. Gewöhnlich kümmert sich ein Personalreferent oder eine Personalreferentin im Konzert mit weiteren Aufgaben um die Personalentwicklung. Mit der Seminarreihe „Praxis der modernen Personalentwicklung“ sprechen die Chemieverbände genau diese Gruppe an. Die Seminarreihe bestand aus vier ineinandergreifenden Modulen. Sie fanden an vier Terminen statt.

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Chemieverbände Rheinland-Pfalz

„Die Nachwuchsförderung der ChemieIndustrie steht auf festen Beinen“

Jahresbericht 2008/09

Dr. Christine von Landenberg Referentin Bildungsprojekte, Verband der Chemischen Industrie

Nachwuchsförderung innovativ: Öffentlich Private Partnerschaft zwischen Ministerium und Chemieverbänden Es ging darum, Inhalte für einen lebendigen, naturwissenschaftlichen Unterricht zu entwickeln, möglichst viele Lehrer zu erreichen und nachhaltig fortzubilden. Dieses Anliegen teilen die Chemieverbände und das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur. Die Mitgliedsunternehmen der Chemieverbände brauchen gut ausgebildete Schulabgänger für die naturwissenschaftlich-technischen Berufe. Das Ministerium möchte mit einem leistungsfähigen Schulsystem punkten. Aus diesem gemeinsamen Anliegen entwickelte sich in Rheinland-Pfalz eine aufgeschlossene und effiziente Zusammenarbeit nach dem Vorbild einer Öffentlich Privaten Partnerschaft. Die Chemieverbände stellen Tagungsorte bereit und gestalten die Veranstaltungen. Das Ministerium lädt Schulen über seine elektronische Post (EPOS) ein. Gemeinsam werden alltagsrelevante Themen festgelegt, die zum Lehrplan passen. Eine Win-win-Situation: Die Chemieverbände können ihr Angebot passgenau auf die Schulen zuschneidern. Die EPOS-Einladungen sorgen für hohe Aufmerksamkeit. Die Seminare dienen damit dienstlichen Interessen. Das Ministerium kann mehr Fortbildungen anbieten und die Tagungen sind attraktiver als in den

Besonders Grundschullehrer profitieren von unseren Lehrerwochenendeseminaren und Fachtagungen.

staatlichen Fortbildungsstätten. Außerdem erhalten Lehrer Zugang zu ergänzenden Angeboten wie Betriebsbesichtigungen und erleben

Die Ausgangssituation ist günstig: In der TIMSS-Studie 2008 (Trends

Chemie, Ausbildung und Arbeitswelt praxisnah und alltagsrelevan

in International Mathematics and Science Study), in der mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen von Grundschülern internatio-

Vieles tut sich: 2009 steht ganz im Zeichen des naturwissenschaft-

nal verglichen wurden, belegte Deutschland unter 36 Ländern Platz 12

lichen Lernens für die Grundschule. Auftakt war am 16. Februar 2009

und lag mit 528 Punkten deutlich über dem internationalen Mittelwert

in Mainz mit der Tagung „Auf kindgemäßen Lernwegen naturwissen-

von 476 Punkten. Dabei berichteten besonders viele Schüler über eine

schaftlichen Phänomenen auf der Spur“. Gefolgt von weiteren zentralen

ausgesprochen positive Einstellung zur Naturwissenschaft. Dies traf auf

Tagungen, der festen Institution „Lehrerwochenendseminar“ der Chemie-

immerhin 81 Prozent aller Schülerinnen und Schüler der 4. Klasse zu.

verbände, regionalen Veranstaltungen an den 20 SINUS-Schulen* in Rheinland-Pfalz, vier Betriebsbesichtigungen und vielem mehr.

Sorgen wir dafür, dass das so bleibt! *„Steigerung der Effizienz des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts“

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Jahresbericht 2008/09

Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Chemieland Rheinland-Pfalz – zufriedenstellendes Ergebnis im Jahr 2008 Die rheinland-pfälzische Chemie-Industrie erreichte aufgrund der guten

Chemie ist verschieden

ersten zehn Monate in 2008 ein zufriedenstellendes Jahresergebnis.

Nicht nur Unternehmen der reinen chemischen Industrie gehören zu den

Für das Gesamtjahr 2008 erwirtschafteten die Chemie-Unternehmen

Chemieverbänden. Auch Kunststoff, Kautschuk und Mineralöl-Verarbei-

einen Umsatz von rund 24,8 Milliarden Euro. Das waren 3,1 Prozent

ter sind im Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz organisiert.

mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Vergleich dazu stieg der bundesweite

Dazu kommen noch chemienahe Dienstleister. Sie alle tragen zum Erfolg

Umsatz der Chemie-Industrie um 1,1 Prozent auf 168,7 Milliarden Euro.

unserer Branche bei.

Die Zahl der Beschäftigten blieb mit rund 53.300 Menschen Ende 2008 nahezu konstant.

Verarbeitendes Gewerbe und chemische Industrie

Arbeitgeberverband Chemie

im Vergleich: Umsatz in 2008

Rheinland-Pfalz e.V.

Umsatz verarbeitendes Gewerbe in Mrd. Euro

Kennzahlen (Stand 31.12.2008)

Davon chemische Industrie in Mrd. Euro Mitgliedsunternehmen: Deutschland gesamt

131

Rheinland-Pfalz 24,8

168,7

Beschäftigte:

64.000

Verband der Chemischen Industrie e.V. Landesverband Rheinland-Pfalz e.V. Kennzahlen (Stand 31.12.2008) 1.624,3

78,7 Mitgliedsunternehmen:

Quelle: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Statistisches Bundesamt Stand: 15. April 2009

12

Beschäftigte:

98

53.354


Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Jahresbericht 2008/09

Umsatz 2008 im verarbeitenden Gewerbe in Rheinland-Pfalz (in Mio. Euro)

24.803

Chemische Industrie

Fahrzeugbau

13.608

Metallerzeugung, Metallerzeugnisse

8.326

7.520

Maschinenbau

Ernährungs- und Tabakgewerbe

7.080

Herstellung von Gummi und Kunststoffen

4.782

Papier- und Druckgewerbe

3.734

Elektrotechnik/DaV-Geräte

2.981

Glasgewerbe, Keramik

2.490

1.271

Möbel

1.040

Holzgewerbe 0

2.500

5.000

7.500

10.000

12.500

15.000

17.500

20.000

22.500

25.000

Quelle: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz Stand: 15. April 2009

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Jahresbericht 2008/09

Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Ausbildungsstatistik 2008 – Berufestruktur

Die Chemie-Industrie in Rheinland-Pfalz hat im vergangenem Jahr

Ausbildung“ hat für 2008 ein Angebot von 1.422 neuen Ausbildungs-

1.514 neue Ausbildungsplätze angeboten. Erneut ist es den Unterneh-

plätzen vorgesehen. Die Ausbildungsstatistik 2008 zeigt, dass die

men des Arbeitgeberverbandes gelungen, die tarifliche Vereinbarung

häufigsten Ausbildungsberufe in Rheinland-Pfalz und im gesamten

zu übertreffen. Der von den Arbeitgebern und der Industriegewerkschaft

Bundesgebiet nicht nur reine Chemie-Berufe sind.

Bergbau, Chemie, Energie geschlossene Tarifvertrag „Zukunft durch Top Ten der Ausbildungsberufe Bundesgebiet

Rheinland-Pfalz

Rang

Ausbildungsplätze

Ausbildungsberuf

Rang

Ausbildungsplätze

Ausbildungsberuf

1

4.135

Chemikant

1

652

Chemikant

2

2.982

Industriekaufleute

2

380

Industriekaufleute

3

2.394

Chemielaborant

3

376

Chemielaborant

4

2.133

Industriemechaniker

4

251

Kaufleute für Bürokommunikation

5

1.437

Mechatroniker

5

247

Industriemechaniker

6

1.029

Elektroniker Automatisierungstechnik

6

245

Mechatroniker

7

959

Elektroniker Betriebstechnik

7

177

Elektroniker Automatisierungstechnik

8

944

Kaufleute für Bürokommunikation

8

164

Anlagenmechaniker

9

734

Verfahrensmechaniker

9

144

Bürokaufleute

10

604

Berufsakademie Wirtschaft

10

140

Verfahrensmechaniker

15

362

Bürokaufleute

11

116

Elektroniker Betriebstechnik

18

336

Anlagenmechaniker

21

39

Berufsakademie Wirtschaft

14


Chemieverbände Rheinland-Pfalz

„Die Arbeiten unter REACH und GHS bedeuten eine Herkulesarbeit für unsere Mitgliedsunternehmen.“

Jahresbericht 2008/09

Dr. Hubert Lendle Bildunterschrift Geschäftsführer, Verband der Chemischen Industrie

REACH und GHS – die Herausforderungen zum 1. Dezember 2010 Davon sind wir alle überrascht worden: kein Mensch, weder bei den

01.12.2010 hat man die neue Einstufung der vermarkteten Stoffe in

Behörden - noch bei der Industrie, hätte damit gerechnet, dass über

ein bei der ECHA geführtes Inventar zu melden, ab dann spätestens

2,7 Millionen Vorregistrierungen innerhalb eines halben Jahres bei der

innerhalb eines Monats nach Inverkehrbringung. Um keinen Einschrän-

ECHA eingehen. Nach ECHA-Angaben wurden knapp 40 Prozent der

kungen in der Vermarktung ab diesem Datum zu unterliegen, empfiehlt

ungefähr 143.000 gemeldeten Stoffe, mit Abgabetermin der Registrie-

es sich, alle derzeit in Verkehr gebrachten Stoffe bereits vor diesem

rung zum 01.12.2010, vorregistriert. Nun hat die ECHA die Öffnungs-

Datum in das Inventar zu melden. Es kumulieren sich also die Arbeiten

zeiten des REACH-IT-Portals auch noch auf die Werktage eingeschränkt

unter REACH und GHS mit Herannahen desselben Abgabe-Datums.

– „Sonn- und Feiertags geschlossen“. Was also tun? Auch die Behörden können kein Interesse haben, Um die rechtzeitige Abgabe der Dossiers zu schaffen, müssten

die Industrie mit Aufgaben zu belasten, die zeitlich nicht zu schaffen

seit Wiedereröffnung des Portals im Januar 2009 durchschnittlich über

sind. Also werden sich die Europäischen Chemieverbände wohl mit der

100 Registrierdossiers an jedem Werktag bei der ECHA eintreffen. Das

ECHA/ EU-Kommission zusammensetzen müssen, um über Auswege

ist allerdings bisher nicht der Fall. Die Abgabe der Dossiers wird sich

zu beraten …

demnach nicht einmal annäherungsweise durchschnittlich verteilen, sondern es wird wieder, wie bei der Vorregistrierung, eine Spitzenbelastung gegen Ende des ersten Zeitraums geben. Und das vor dem Hintergrund von Teilnehmerzahlen in den SIEFs, die so hoch sind, dass es einer Herkulesarbeit gleich kommt, die Zusammenarbeit legal und organisatorisch sauber abzuwickeln. Dies zeigt, dass die Abgabefristen in REACH unter dem nun vorliegenden Zahlengerüst unrealistisch geworden sind. Aber damit nicht genug: im Januar 2009 ist die sogenannte CLPVerordnung in Kraft getreten, die das GHS in der EU umsetzt. Diese erfordert unter anderem eine Umstellung der Einstufung und Kennzeichnung aller vermarkteten Stoffe auf ein neues System, das sogenannte GHS-System. Dieses System wurde auf UN-Ebene abgestimmt und sollte bis Ende 2008 in den Mitgliedsstaaten eingeführt werden. Mit

Die genaue Beachtung der formalen Regeln der ECHA ist für die reibungslose Annahme eines Registrierdossiers von besonderer Bedeutung.

Veröffentlichung des Gesetzes am 31.12.2008 hat es die EU gerade noch rechtzeitig geschafft. Da die von uns immer geforderte Mengenschwelle im Gesetzgebungsprozess nicht durchsetzbar war, kann man von einer wesentlich größeren Anzahl von Stoffen ausgehen, als bei REACH. Ab dem

Abkürzungen: CLP: Verordnung 1272/2008/EC - Regulation on Classification, Labeling and Packaging of Substances and Mixtures GHS: Globally Harmonized System ECHA: European Chemicals Agency, Helsinki SIEF: Substanz Information Exchange Forum; Forum unter REACH zum Austausch von Stoffdaten/ -informationen

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Jahresbericht 2008/09

Chemieverbände Rheinland-Pfalz

„Unternehmen sichern sich wertvolle Ressourcen, wenn Mitarbeiter Geschichten erzählen.“

Tobias Göpel Pressesprecher, Chemieverbände

Storytelling – Kommunikation mit Emotion

Leitfäden, Handbücher, Aktenordner – wer liest schon gerne ein 100

Storytelling ist eine Möglichkeit, eigenes Wissen effizient und

Seiten starkes Manuskript für seinen Arbeitsbereich? Und wo stehen

umfassend zu vermitteln. Es geht um aktives Zuhören und Geschichten

die gesammelten Erfahrungen, um die kleinen und großen Probleme

erzählen. Das besondere dabei ist, dass der Zuhörer in die Geschichte

des Alltags im Unternehmen zu meistern?

eingebunden wird und diese miterlebt. Das Wissen wird besser aufgenommen und verfestigt sich schneller.

Die Urgesteine der Belegschaft verlassen altersbedingt den Betrieb und nehmen oft ihr Praxiswissen mit. Die betroffenen Mitarbeiter ver-

Es entstehen Bilder im Kopf, die komplexe Zusammenhänge besser

suchen das durch Gespräche in der Kaffeeküche aufzufangen: Wie machst

veranschaulichen können. Storytelling hat seine Stärke in der Kommu-

Du das eigentlich in der Praxis? Was für Tricks gibt es dabei zu beachten?

nikation besonders dort, wo es um Veränderungsprozesse geht. Das

Die Antwort sind kleine Geschichten, in denen die Befragten ihre eige-

Vermitteln von Veränderungen in einem Unternehmen kann sich sehr

nen Erfahrungen und Lösungswege erzählen.

schwierig gestalten. Mitarbeiter von der Notwendigkeit des Mitmachens zu überzeugen, ist oftmals der entscheidende Faktor über Erfolg und Misserfolg des Projektes. Die nackten betriebwirtschaftlichen Zahlen und logische Schlussfolgerungen daraus reichen als Grundlage oft nicht aus. Weiche Kompetenzen der Führungskraft sind wichtig. So können Botschaften zielführend transportiert werden, wenn die Mitarbeiter zum Bestandteil einer Geschichte werden, die die Situation im Unternehmen widerspiegelt. Sie erkennen sich wieder und sind eher bereit, sich mit den Veränderungsprozessen zu identifizieren. Storytelling ist dabei keine Methode für Führungskräfte. Es ist vielmehr eine Kompetenz, um in der internen Kommunikation überzeugen zu können. Sie hilft nicht nur, Wissen zu vermitteln, sondern auch Wissen zu erhalten. Eine Führungskraft, die den Geschichten ihrer Mitarbeiter zuhört, wird auch schnell hinter das Kaffeeküchengeheimnis des Unternehmens kommen.

Nicht jedes Wissen der Mitarbeiter lässt sich in Manuskripte fassen.

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Chemieverbände Rheinland-Pfalz

„Exakte Formulierungen ersparen Unternehmen viel Ärger und Geld.“

Jahresbericht 2008/09

Lutz Staedtler Geschäftsführer Arbeitgeberverband Chemie

Transparenz in Arbeitsverträgen

Seit 2002 gibt es für Neuverträge und seit 2003 für schon länger

Es stellt sich die Frage, wie insbesondere mittlere und kleinere

bestehende Arbeitsverträge eine entscheidende Neuerung im Arbeits-

Firmen, die weder eine entsprechende Rechtsabteilung besitzen noch

recht: Seit der Schuldrechtsreform unterliegen auch Arbeitsverträge und

einem Arbeitgeberverband angehören, sich bei freiwilligen Leistungen

deren Klauseln der so genannten AGB-Kontrolle (Allgemeine Geschäfts-

an diese Vorgaben der Rechtsprechung und des Gesetzgebers halten

bedingungen). Sie müssen damit sowohl einer „Inhaltskontrolle“ als

können. Ihnen droht immer wieder die richterliche Feststellung, dass

auch einer „Transparenzkontrolle“ standhalten. Die Arbeitsgerichtsbar-

eine eigentlich freiwillige und einmalig gewährte Leistung plötzlich zu

keit hat seitdem sehr häufig festgestellt, dass Arbeitsverträge diesen

einer Dauerverpflichtung wird. Die Bereitwilligkeit zur Gewährung von

Ansprüchen, die die aktuelle Rechtsprechung stellt, nicht genügen. Viele

Prämien, Gratifikationen oder Sonderzahlungen wird hierdurch sehr

Klauseln sind unwirksam, in der Regel zu Lasten des Arbeitgebers.

schnell eine Einschränkung erfahren. Das Mittel der Arbeitgeber, motivierend zu wirken durch das Erbringen solcher Leistungen, droht ins

Neben der Überprüfung von Bonusregelungen, Vereinbarungen über

Leere zu gehen. Ob dies so gewollt sein kann?

Vertragsstrafen, Überstundenvergütungen oder auch Zielvereinbarungen, haben sich die Gerichte insbesondere mit der Frage der Wirksamkeit von Vertragsklauseln befasst, bei denen Arbeitgeber freiwillige Leistungen gewähren. Gerade hier empfiehlt es sich, großen Wert auf exakte Formulierungen der Vertragsklauseln zu legen, durch die sich Arbeitgeber einen Widerruf bestimmter zusätzlicher Leistungen, zum Beispiel Sonderzahlungen jeder Art, offen halten können. Es muss genau festgehalten werden, unter welchen Voraussetzungen ein Widerruf stattfinden kann. Auch die bislang beliebte Klausel „Weihnachtsgeld unter Vorbehalt der Freiwilligkeit und Widerrufbarkeit“ ist tatsächlich unwirksam. Das Problem liegt darin, dass etwas nur entweder freiwillig oder widerrufbar sein kann. Diese Formel ist nicht transparent und damit insgesamt unwirksam. Konsequenz: Der Arbeitnehmer hätte immer Anspruch auf Zahlung der eigentlich freiwillig erbrachten Leistung.

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Jahresbericht 2008/09

Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Dr. Annette Namendorf Juristische Referentin, Arbeitgeberverband Chemie

„Eine Entsendung wird nur dann ein Erfolg, wenn auch die persönlichen Umstände des Mitarbeiters ausreichend berücksichtigt werden.“

Fragestellungen bei der Auslandsentsendung

Die Globalisierung erfordert von Arbeitnehmern zunehmend Mobilität und Flexibilität. Die Zelte abzubrechen und ein neues Leben in einem fremden Land zu führen ist eine große Veränderung, der sich immer mehr Mitarbeiter stellen (müssen). Unternehmen möchten mit einer Entsendung einen Know-how-Transfer und das Sammeln von internationaler Erfahrung erreichen und investieren dafür viel Geld in einen Mitarbeiter: eine dreijährige Entsendung kostet circa dreimal so viel wie die Tätigkeit in Deutschland. Neben dem Kostenaspekt ist auch der administrative Aufwand nicht zu unterschätzen. Die Liste der Dinge, an die es zu denken gilt, ist lang: Sozialversicherung, steuerliche Aspekte, Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis, Vertragsgestaltung, Gehalt, Zuschuss zu den Lebenshaltungskosten, Dauer des Aufenthalts, aber auch medizinische Versorgung, innere Sicherheit, interkulturelles Training und Rückkehr. Selbst wenn für alle rechtlichen und beruflichen Punkte eine für

Internationale Erfahrung der Mitarbeiter schätzen viele Unternehmen.

beide Seiten zufrieden stellende Lösung gefunden wurde, gibt es einen weiteren wichtigen Punkt zu beachten. Die Entscheidung, ob der Mitarbeiter ins Ausland geht, hängt maßgeblich davon ab, inwiefern seine

Deswegen benötigt eine Auslandsentsendung eine längere Vorbe-

persönlichen Umstände berücksichtigt werden: ein berufstätiger Partner,

reitung und verursacht erhebliche Kosten. Entsendet ein Unternehmen

schulpflichtige Kinder, pflegebedürftige Eltern, eine Immobilie, Haus-

nicht häufig Mitarbeiter, fehlt es oft an Strukturen, so dass die sich

tiere. Daraus entstehen viele Fragen: Kann der Partner im Ausland

stellenden Probleme nur individuell gelöst werden können.

arbeiten? Gibt es eine geeignete Schule? Was passiert während der Abwesenheit mit der Immobilie? Wo wird die Familie wohnen? Wird die Familie auf das neue Leben vorbereitet? Was ist mit dem Elterngeld?

Ein Transfer scheitert teilweise daran, dass sich die Familie im Ausland nicht einlebt, so dass die Entsendung vorzeitig abgebrochen wird. Ein Erfolg wird die Entsendung daher nur, wenn auch die

Die zahlreichen Aspekte bei einer Entsendung sind mit einem Baum

persönlichen Umstände des Mitarbeiters ausreichend berücksichtigt

vergleichbar: der sichtbare Teil sind die rechtlichen und beruflichen

werden. Denn um einen Baum zu verpflanzen, kann man den Stamm

Fragen des Mitarbeiters, der Wurzelballen die persönlichen Fragen, auf

nicht oberhalb der Erde kappen, sondern muss ihn mitsamt der Wurzel

die ein Unternehmen auch Antworten finden muss.

ausgraben.

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Chemieverbände Rheinland-Pfalz

„Unternehmerisch erforderliche Sanierungskonzepte erfordern die Beteiligung aller Mitarbeiter.“

Jahresbericht 2008/09

Alexander Pauly Juristischer Referent, Arbeitgeberverband Chemie

Änderungskündigung zur Entgeltabsenkung

Um in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Verluste zu vermeiden, kann es

Wird die den Mitarbeitern angebotene Vertragsänderung diesen

erforderlich sein, das Arbeitsentgelt aller Mitarbeiter abzusenken. Für

Anforderungen gerecht, so hat das BAG den sich verweigernden Arbeit-

die Senkung des Tarifentgelts stehen in der chemischen Industrie tarif-

nehmern nunmehr einen Zahn gezogen. Diese können im Kündigungs-

liche Öffnungsklauseln zur Verfügung. Ist das Arbeitsentgelt weder

schutzprozess nicht mehr erfolgreich einwenden, dass durch die

tariflich noch durch Betriebsvereinbarungen geregelt, bleibt dem Arbeit-

freiwillige Annahme der Entgeltabsenkung des überwiegenden Teils

geber nur die Möglichkeit, mit jedem einzelnen Arbeitnehmer eine

der Belegschaft der Kündigungsgrund entfallen ist, weil hierdurch das

Kürzung seines vertraglichen Entgelts zu vereinbaren. Dies ist zum Bei-

Sanierungsziel des Arbeitgebers bereits hinlänglich erreicht wurde.

spiel bei außertariflichen Mitarbeitern regelmäßig notwendig. Nur so

Nach Auffassung des 2. Senats des BAG ist das Gegenteil der Fall.

lässt sich der Ausspruch von Massenänderungskündigungen vermeiden.

Das Sanierungskonzept erfordert die Beteiligung aller Arbeitnehmer. Solange es noch nicht vollständig umgesetzt ist, entfällt auch der

Dient eine derartige Senkung der Personalkosten dem Erhalt von

Kündigungsgrund nicht.

Arbeitsplätzen, so wird sich in der Regel die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter mit einer solchen auch einverstanden erklären. Gegen-

Der Versuchung, im Zuge einer derartigen Entgeltabsenkung im

über der Minderheit, die sich einer einvernehmlichen Lösung widersetzt,

Betrieb bereits bestehende monetäre Besserstellungen einzelner Arbeit-

bleibt dem Arbeitgeber dann nur das Instrument der betriebsbedingten

nehmer unter Hinweis auf den Gleichbehandlungsgrundsatz mitzuberei-

Änderungskündigung.

nigen, ist dagegen unbedingt zu widerstehen. Sie gefährdet nur die Wirksamkeit der betriebsbedingten Änderungskündigung gegenüber den

Mit seinem Urteil vom 26. Juni 2008 – Az: 2 AZR 139/07 – hat

Bessergestellten.

das Bundesarbeitsgericht (BAG) für die Wirksamkeit einer derartigen Änderungskündigung folgende Grundsätze aufgestellt: Eine Absenkung der Arbeitsentgelte kann ein dringendes betriebliches Erfordernis zum nachhaltigen Eingriff in das arbeitsvertragliche Verhältnis von Leistung und Gegenleistung darstellen. Voraussetzung hierfür ist, dass bei Aufrechterhaltung der bisherigen Personalkostenstruktur weitere, betrieblich nicht mehr auffangbare Verluste entstehen. Diese Verluste müssen absehbar zur Reduzierung der Belegschaft oder gar zur Stilllegung des Betriebes führen. Der Arbeitgeber muss weiterhin einen umfassenden Sanierungsplan erstellen. Dieser hat alle milderen Mittel ausschöpfen und die von den Arbeitnehmern zu tragenden Lasten gleichmäßig zu verteilen.

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Jahresbericht 2008/09

Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Armin Fladung Juristischer Referent, Arbeitgeberverband Chemie

„Das Flexi-II Gesetz beinhaltet Doppelungen zu bestehenden Regelungen in der Chemie.“

Auswirkungen des Flexi-II Gesetzes auf die flexiblen Arbeitszeitenregelungen Anfang 2009 trat das Gesetz zur Verbesserung der Rahmenbedingungen

Als für die Praxis taugliche Maßnahme zur Sicherung des Wertgut-

für die Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen und zur Änderung

habens im Falle einer Insolvenz des Arbeitgebers kommen Treuhand-

anderer Gesetze in Kraft. Der Gesetzgeber wollte mit den neuen Rege-

lösungen in Betracht. Um die Arbeitnehmer vor einem Wertverlust zu

lungen einen Schwerpunkt auf den Sicherheitsaspekt legen: Gesetzlich

schützen, sind die Möglichkeiten der Anlage des Wertguthabens stark

festgeschrieben wurde der Insolvenzschutz von Wertguthaben. Aus

beschnitten worden; der Arbeitgeber hat sogar Werterhalt zu garantie-

Sicht der Chemie und anderer Branchen, die im Wesentlichen Langzeit-

ren. Eine weitere Änderung ist die Einführung einer begrenzten Por-

konten nennenswert eingeführt haben, bestand dazu jedoch kein Bedarf,

tabilität von Langzeitkonten ab dem 1.7.2009. Den Arbeitnehmern sind

da sie einen solchen Insolvenzschutz bereits selbst geregelt haben.

zudem regelmäßig Infos über den Stand ihres Wertguthabens zur Verfügung zu stellen. Künftig ist die Einbringung von Zeit nur noch unter

Zusätzlich bestand im Verfahren lange die Gefahr, dass die Definition

Umrechnung in Arbeitsentgelt möglich, bestehende Modelle hat der

des Begriffs „Wertguthaben“ jenseits der Langzeitkonten auch auf

Gesetzgeber hiervon aber ausgenommen. Die Übertragung von Wert-

reguläre Arbeitszeitkonten ausgedehnt wird, um diese ebenfalls einer

guthaben in die betriebliche Alterversorgung kann unter den alten

vermeintlich höheren Sicherheit zuzuführen. Nur auf Druck der Arbeit-

Voraussetzungen sozialabgabenfrei nur noch für vor dem 13.11.2008

geber und Verbände wurde dieses Unterfangen fallengelassen. Zu Recht

geschlossene Vereinbarungen erfolgen.

wie sich nun in der Finanz- und Wirtschaftskrise zeigt: Die Möglichkeit, kurzfristig Arbeitszeitschwankungen auszugleichen, hat sich bewährt,

Fehlende Übergangsvorschriften für das Flexi-II Gesetz führten

da die Unternehmen zunächst die Arbeitszeitkonten leicht ins „Minus“

anfänglich zu Unklarheiten. Neu einzurichtende Modelle lassen sich

fahren konnten. Dabei handelt es sich im europäischen Bereich um

aber an den Neuerregelungen ausrichten – entsprechende Anbieter

einen klaren Standortvorteil.

halten die passenden Lösungen parat.

Nur solche Arbeitszeitkonten, die nicht den Ausgleich von Produktionsschwankungen verfolgen, sondern das Ansparen von Geld für Freistellungsphasen zum Zweck haben, sind vom Flexi-II Gesetz betroffen. Somit sind die Neuregelungen auch nur auf diese anzuwenden. Damit werden nun durch die neue gesetzliche Definition von Wertguthaben Langzeitkonten eindeutig von anderen Regelungen zur Arbeitszeitflexibilisierung (z. B. Gleitzeitkonten) abgegrenzt.

Flexible Arbeitszeiten bieten Mitarbeitern und Unternehmen gleichermaßen Vorteile.

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Chemieverbände Rheinland-Pfalz

„Die Chemische Industrie bietet die Chance einer Absicherung ohne Gesundheitsprüfung.“

Jahresbericht 2008/09

Dr. Bernd Vogler Chemieverbände

BUC – Absicherung gegen Berufsunfähigkeit

Auch wenn es sich keiner wünscht: Mit steigender Lebensarbeitszeit

Wichtig ist: Die Berufsunfähigkeitszusatzversicherung, kurz BUC, ist

wird zwangsläufig die Zahl derer zunehmen, die ihren Beruf gesundheit-

ein neuartiges Instrument, das im Rahmen des Tarifvertrages Lebensar-

lich nicht bis zum Rentenalter ausüben können. Nach der „Rente mit 67“

beitszeit und Demografie von den Chemie-Sozialpartnern zusammen mit

und dem Wegfall von Frühverrentungsmöglichkeiten beginnt der Ruhe-

dem Versicherer entwickelt wurde. Sie unterscheidet sich wesentlich

stand deutlich später – eine um Abschläge gekürzte Altersrente gibt

von bislang bekannten Versicherungsprodukten – sei es privat oder auch

es inzwischen im Regelfall erst ab 63. Schon deswegen stellt sich die

in Form eines Gruppenvertrages im Unternehmen. Folgende Besonder-

Frage der Absicherung gegen Berufsunfähigkeit künftig drängender als

heiten der BUC gilt es bei den betrieblichen Überlegungen zu berück-

in der Vergangenheit. Hinzu kommt, dass die gesetzliche Berufsun-

sichtigen:

fähigkeitsrente seit 2001 weggefallen ist und durch die deutlich eingeschränkte Rente wegen Erwerbsminderung ersetzt wurde.

• Die BUC ist als kollektive Absicherung der gesamten Belegschaft konzipiert. Das heißt konkret: die hier genannten Konditionen gelten

Die Unternehmen der chemischen Industrie haben seit diesem Jahr

nur dann, wenn die gesamte Belegschaft versichert wird. Will man

die Möglichkeit, der Belegschaft eine zusätzliche Absicherung gegen

lediglich ein Angebot in Form der Entgeltumwandlung aussprechen

Berufsunfähigkeit zu bieten. Dazu kann der tarifliche Demografiefonds

und die Teilnahme dem Einzelnen überlassen, ist auch das möglich

genutzt werden. 300 Euro Jahresbeitrag pro Arbeitnehmer ergeben eine

– allerdings zu anderen Bedingungen und höheren Preisen.

Monatsrente von 555 Euro bei Berufsunfähigkeit. Gezahlt wird immer dann, wenn der Arbeitnehmer seine konkrete berufliche Tätigkeit nicht mehr ausüben kann.

• Gleichzeitig bedeutet kollektive Absicherung auch, dass keinerlei Gesundheitsprüfung erfolgt und auf Gesundheitsfragen - auch auf vereinfachte – vollständig verzichtet wird. • Aus demselben Grund wird nicht nach Alter, Geschlecht oder Tätigkeit unterschieden. Prämie und Monatsrente sind für jeden Mitarbeiter gleich. • Die Prämie von 300 Euro fließt steuer- und beitragsfrei in die Versicherung. Diese Besonderheit folgt aus der besonderen Konstruktion als betriebliche Altersversorgung über die Gruppenunterstützungskasse für die Chemische Industrie e. V. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente liegt im Durchschnitt bei 662 Euro bei voller bzw. bei 359 Euro bei teilweiser Erwerbsminderung. Auch vor diesem Hintergrund verdient es das neue Instrument der BUC, ernsthaft in die betrieblichen Überlegungen einbezogen zu werden.

In jedem Alter ist eine gute Absicherung gegen Berufsunfähigkeit wertvoll.

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Jahresbericht 2008/09

Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Reimer Wittenberg Hauptgeschäftsführer, Chemieverbände

„Festgeschriebene und gelebte ethische Wertvorstellungen stärken die Wettbewerbspositionen eines Unternehmens.“

Wirtschaft und Ethik – passt das zusammen?

Die Schlagzeilen der vergangenen Jahre füllten sich mehr und mehr mit

bezeichnet Verhaltensrichtlinien, die für alle Mitarbeiter bindend sind,

Skandalen aus der Wirtschaft: Bilanzfälschungen, Korruption, Kartelle,

um gesetzliche oder rechtliche Kollisionen national und international

Bestechung, Datenmissbrauch, Steuerhinterziehung, Unterschlagung,

auszuschließen. Zugleich dienen sie dazu, das Vertrauen gegenüber

Betrug und viele Delikte mehr prägten und prägen noch die öffentliche

Kunden, Mitarbeitern, Öffentlichkeit und anderen durch rechtlich ein-

Meinung über Unternehmen. Betroffen ist das Ansehen der Manager

wandfreies und transparentes Verhalten zu stärken.

bis hin zu ganzen Branchen. Im Gleichschritt mit dieser Entwicklung schwindet das Vertrauen der Bevölkerung in das System der freien

In einem „Code of Conduct“ werden in der Regel folgende Themen-

Marktwirtschaft einhergehend mit einer fortschreitenden Politikverdros-

felder angesprochen: „Kartellrechtliche Vorschriften“, „Schutz von

senheit. Fällt diese Entwicklung zugleich mit einer globalen Rezession

Insiderwissen“, „Embargo- und Handelskontrollbestimmungen“,

zusammen, ist es nur eine Frage der Zeit, mit welcher Wucht die nega-

„Umgang mit Eigentum des Unternehmens und der Geschäftspartner“,

tiven Folgen in ihren unterschiedlichen Ausprägungen auf unsere

„Geldwäsche“, „Umgang mit Geschäftspartnern und Vertretern staat-

Mitgliedsunternehmen und letzten Endes auf uns alle zurückfallen.

licher Stellen“, „Arbeits- und Anlagensicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz“. In diesem Zusammenhang wird auch der Begriff

In einer Zeit, in der das Unternehmensschiff in stürmischer See

„Compliance“ verwendet, der neben den Leitlinien und Verhaltensmaß-

einer ruhigen und besonnenen Führung und sicheren Handhabung

gaben nichts anderes meint, als die Einhaltung von Gesetzen und selbst-

bedarf, sollte der Kompass der gesellschafts- und wirtschaftspolitischen

verordneten Regeln im Geschäftsalltag zu etablieren und für deren Ein-

Orientierung nicht abhanden kommen. Unverändert ist ein angemes-

haltung durch ein entsprechendes Management zu sorgen. Kurz gesagt:

sener betriebswirtschaftlicher Kurs die Grundlage eines auf Wettbewerb

„Haftungsvermeidung durch Gesetzestreue“.

ausgerichteten Wirtschaftssystems von existenzieller Bedeutung. Betriebswirtschaftliche Untiefen zu umfahren wird in der Regel dank

In einer Reihe unserer Mitgliedsunternehmen sind die vorgenann-

Wissen und Erfahrung des Kapitäns und seiner Mannschaft gut

ten Dinge geübte Praxis. Das Agieren auf internationalen Märkten

gemeistert. Doch ist ein sicheres Verhalten eines jeden Einzelnen an

insbesondere durch rechtliche Vorgaben der USA aber auch zunehmend

seinem jeweiligen Platz gegeben bzw. vorhanden? Die Antwort fällt

durch strengere Kundenanforderungen zwingt die Unternehmen dazu,

angesichts der schweren eingangs genannten Vorkommnisse negativ

sich hier entsprechend zu positionieren. Scharf formuliert heißt das: Wer

aus. Aber auch im Mikrokosmos auf der Betriebsebene geschehen

sich diesen Anforderungen nicht stellt, schwächt seine Wettbewerbs-

gelegentlich Dinge, die man – milde gesprochen – als nicht in Ordnung

positionen bzw. nimmt rechtliche und wirtschaftliche Nachteile bewusst

empfinden muss. In dieser Situation fallen im Wirtschaftsleben die

in Kauf. Unterstellt, dass die Notwendigkeiten des vorher beschriebe-

Begriffe wie „Corporate Governance“, „Code of Conduct“, „Compliance“

nen Vorgehens akzeptiert werden, muss man sich in der Folge mit den

bis hin zur „Ethik“. Was wollen uns die Schlagworte sagen? „Corporate

innewohnenden ethischen Aspekten befassen, denn Handlungsleitlinien

Governance“ enthält Hinweise wie ein Unternehmen gut (verantwor-

und Verhaltensmaßgaben werden nicht wertfrei in den Raum gestellt,

tungsvoll, ethisch einwandfrei) geführt werden soll. Häufig in Form von

sondern vielmehr im Leben mit ethischen Wertvorstellungen und Normen

Leitlinien, Prinzipien und Kodizes niedergelegt; „Code of Conduct“

verknüpft und idealer Weise zum Nutzen aller gelebt.

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Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Jahresbericht 2008/09

Die generelle Herausforderung für die Unternehmen besteht nun

Doch dabei kann es nicht bleiben. Es gilt, die Inhalte des Kodex

darin, sich als Verantwortlicher auf einen Diskurs über die Glaubwürdig-

mit weiterem Leben zu füllen. Dies kann aber nur auf der betrieblichen

keit unternehmerischen Handelns einzulassen, an dessen Ende ein

Ebene erfolgen. Leben heißt hier: Dialog-Prozesse zu wirtschafts-

erstarktes Vertrauen in unser auf Wettbewerb beruhendes marktwirt-

ethischen Fragestellungen und verantwortlichem Handeln zu initiieren;

schaftliches System entsteht. Das eigene Tun, Handeln oder gar Unter-

Schulungsangebote für Führungskräfte und Betriebsräte, bei denen

lassen ist der Maßstab, an dem sich die Entscheider letzten Endes durch

Grundwerte und Leitlinien für verantwortliches Handeln vermittelt

die öffentliche Meinung messen lassen müssen.

werden, anzubieten und durchzuführen. Hierbei wird organisatorisch die inzwischen gegründete „Chemie-Stiftung Sozialpartner Akademie“

Aus diesem Grund haben die Spitzenvertreter des Bundesarbeit-

(CSSA) Hilfestellung leisten.

geberbands Chemie (BAVC) und der Branchengewerkschaft Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) den sogenannten

Es geht also darum, „neues Vertrauen in die Soziale Marktwirt-

„Wittenberg-Prozess der Chemie-Sozialpartner“ im Juni 2007 mit einer

schaft und unsere Demokratie zu stiften“ (Schmoldt, IG BCE) und es ist

Auftaktveranstaltung in Berlin initiiert. Gemeinsam mit dem Wittenberg-

jetzt an uns und unseren Mitgliedsunternehmen, „einen Stein ins Rollen

Zentrum für Globale Ethik e.V. wurde ein Prozess in Form einer Work-

zu bringen“ (Voscherau, BAVC). Ein Unterfangen, welches angesichts

shop-Reihe mit dem Ziel angestoßen, um „Verantwortliches Handeln in

der Folgen der Globalisierung und der aktuellen wirtschaftlichen Situa-

der Sozialen Marktwirtschaft“ in seinen unterschiedlichen Dimensionen

tion mit seinen politischen Implikationen von entscheidender Bedeutung

aufzuarbeiten, damit Positionen für das eigene Handeln in der Che-

für den Bestand unseres Gemeinwesens ist.

mischen Industrie gegenüber den Unternehmen, Politik und Gesellschaft entwickelt werden können. Die Ergebnisse der Workshops wurden

Stellen wir uns dieser Herausforderung; Sie als Entscheider in

unter Beteiligung von Unternehmensleitern, Führungskräften, Betriebs-

Ihrem Unternehmen sind gefordert. Wir als Verband werden Sie dabei

räten und Gewerkschaftsvertretern unter der Leitung von Professor

unterstützen.

Dr. Suchanek (Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik) erarbeitet. Am 14.08.2008 wurden die zentralen Ergebnisse in Form des „Ethik-Kodex“

„An dem Tag, an dem die Manager vergessen,

von den Chemie-Sozialpartnern in Gegenwart des Bundespräsidenten

dass eine Unternehmung nicht weiter bestehen kann,

unterzeichnet. Als erste Branche in der Bundesrepublik Deutschland

wenn die Gesellschaft ihre Nützlichkeit nicht mehr

wurde die Chemie als führender Innovationsträger auch auf diesem Feld

empfindet oder ihr Gebaren als unmoralisch betrachtet,

ihrem Ruf gerecht.

wird die Unternehmung zu sterben beginnen.“ Alfred Herrhausen Ehemaliger Chef der Deutschen Bank (* 1930, + 1989)

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Jahresbericht 2008/09

Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Vorstände 2009 – 2011*

Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz e.V.

Verband der Chemischen Industrie e.V. Landesverband Rheinland-Pfalz e.V.

Dr. Herbert Stein (Vorsitzender)

Geschäftsführer, Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, Ingelheim

Dr. Herbert Stein (Vorsitzender)

Geschäftsführer, Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, Ingelheim

Hans-Carsten Hansen (stv. Vorsitzender)

Leiter des Bereichs Personal, BASF SE, Ludwigshafen

Hans-Carsten Hansen (stv. Vorsitzender)

Leiter des Bereichs Personal, BASF SE, Ludwigshafen

Dr. Friedrich Richter (stv. Vorsitzender)

Geschäftsführer, Abbott GmbH & Co. KG, Ludwigshafen

Dr. Friedrich Richter (stv. Vorsitzender)

Geschäftsführer, Abbott GmbH & Co. KG, Ludwigshafen

Peter Jansen (Schatzmeister)

Geschäftsführer, P.A. Jansen GmbH & Co. KG, Lackfabrik, Bad Neuenahr-Ahrweiler

Dr. Hans-Michael Huck

Geschäftsführer, Grace Europe Holding GmbH, Worms

Dr. Hans-Michael Huck

Geschäftsführer, Grace Europe Holding GmbH, Worms

Dr. Christian Kohlpaintner

Geschäftsführer, Chemische Fabrik Budenheim KG, Budenheim

Dr. Christian Kohlpaintner

Geschäftsführer, Chemische Fabrik Budenheim KG, Budenheim

Peter Jansen

Geschäftsführer, P.A. Jansen GmbH & Co. KG, Lackfabrik, Bad Neuenahr-Ahrweiler

Lothar Rees

Geschäftsführer, Huhtamaki Alf, ZN der Huhtamaki Deutschland GmbH & Co. KG, Alf

Cyrille Beau

Geschäftsführer, Michelin Reifenwerke AG & Co. KGaA, Bad Kreuznach

Guido Scholz

Geschäftsführer, Röchling Sustaplast KG, Lahnstein

Dr. Karl Tack

Geschäftsführer, Rhodius Mineralquellen und Getränke GmbH & Co. KG, Burgbrohl

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Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Jahresbericht 2008/09

Sozialpolitischer Beirat des Arbeitgeberverbandes 2009 – 2011* Thomas Adam

Phil. Berger Lack- und chemische Fabrik, Grünstadt

Oliver Beck

Michelin Reifenwerke AG & Co. KGaA, Bad Kreuznach

Stefan Brückner

Raschig GmbH, Ludwigshafen

Dr. Brüne Cremer

BK Giulini GmbH, Ludwigshafen

Peter Denner

Abbott GmbH & Co. KG, Ludwigshafen

Torsten Dittmer

Ineos Paraform GmbH & Co. KG, Mainz

Dirk Dietz

Artenius PET Packaging Deutschland GmbH, Mendig

Harald Düster

Sebapharma GmbH & Co. KG, Boppard

Niels Eildermann

Forbo Adhesives Deutschland GmbH, Pirmasens

Stefanie Gabler

Werner & Mertz GmbH, Mainz

Günter Gläser

Chemische Fabrik Budenheim KG, Budenheim

Wilfried Gutzler

Renolit AG, Worms

Wolfgang Heidenreich

Kömmerling Chemische Fabrik GmbH, Pirmasens

Fredi Heiser

Thor GmbH, Speyer

Ralph Hengstler

Zschimmer & Schwarz GmbH & Co. KG, Lahnstein

Johannes Heyer

Clarian Masterbatches (Deutschland) GmbH, Lahnstein

Dr. Peter Müller

Freudenberg Vliesstoffe KG, Kaiserslautern

Dr. Hans Oberschulte

BASF SE, Ludwigshafen

Ingo Plesterninks

TMD Friction GmbH, Hamm

Josef Regneri

Tarkett GmbH, Konz

Josef Reisch

Profine GmbH Kömmerling Kunststoff, Pirmasens

Peter Wolfgang Schmidt

Finzelberg GmbH & Co. KG, Andernach

Andrea Schmitt

Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, Ingelheim

Otmar Schmitz

Huhtamaki Alf NL der Huhtamaki Deutschland GmbH & Co. KG

Udo Schmitz

Philippine GmbH & Co. Techn. Kunststoffe KG, Lahnstein

Jan Sönnichsen

Dauner Burgbrunnen Max Grünbaum & Co. KG, Daun

Bernd Straßburg

Grace Europe Holding GmbH, Worms

Wolfgang Teichmann

Gebr. Rhodius GmbH & Co. KG, Burgbrohl

Johannes Thomé

Tehalit GmbH, Heltersberg

Iris Willrich

Röchling Sustaplast KG, Lahnstein

* Die Daten basieren auf der Wahlliste zur Mitgliederversammlung am 25.06.2009

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Impressum Jahresbericht 2008/09 Herausgeber Chemieverbände Rheinland-Pfalz Bahnhofstraße 48, 67059 Ludwigshafen Postfach 21 07 69, 67007 Ludwigshafen Telefon 06 21-5 20 56-0 Telefax 06 21-5 20 56-20 info@chemie-rp.de Redaktion Tobias Göpel Gestaltung magenta kommunikation, design und neue medien gmbh & co. kg, Mannheim Fotos Marcel Hasübert, Weinheim BASF, Ludwigshafen TU Kaiserslautern 2. Auflage 800 Stand Juni 2009


2008/09

Jahresbericht Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Chemieverbände Rheinland-Pfalz Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz e.V. Verband der Chemischen Industrie e.V. Landesverband Rheinland-Pfalz e.V.

Postfach 21 07 69 67007 Ludwigshafen

Bahnhofstraße 48 67 059 Ludwigshafen

Telefon 06 21-5 20 56-0 Telefax 06 21-5 20 56-20

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Jahresbericht Chemieverbände Rheinland-Pfalz 2008-2009  

Wir leben in einer Zeit der Bewährung auf der Grundlage unserer sozialpartnerschaftlichen Vereinbarungen. Jetzt sind alle, gleich ob Arbeitg...

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