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"Die Angst vor der eigenen Courage!"

Das Paradebeispiel für viele zusehends verfallende Gebäude im Gemeindebesitz.

Die Geschichte dieser Tragödie in unzähligen Akten

Schon 1988 erkannte man in Ottensheim, dass das damalige Amtshaus nicht mehr zeitgemäß war. Es entwickelte sich eine Diskussion über einen Neubau, wofür schließlich das sogenannte Gusenleitnerhaus Ecke Marktplatz/Linzerstraße angekauft wurde. Eine lange politische Diskussion zog sich über Jahre, bis schlussendlich am Samstag, dem 29. Mai 2010, das neue moderne Amtshaus, wie wir es heute kennen, mit einem großen Fest eröffnet wurde. Ein Projekt, das österreichweit und darüber hinaus für Schlagzeilen sorgte, nicht zuletzt auch aufgrund des Zusammenspiels aus dem Arbeitsteam „Amtshaus NEU“ und dem SUE Architekten Team.

Aber was wurde aus dem alten Amtshaus?

Mehr als zehn Jahre sind seither vergangen, das alte Amtshaus besteht noch immer in seiner damaligen Form. Sanierungen wurden keine durchgeführt und die politische Meinungsbildung verlief in den ersten Jahren sehr stockend. Keine großen Visionen, keine großen Ziele, was wohl auch der damaligen Wirtschaftskrise 2009 und deren Nachwirkungen für den Gemeindehaushalt geschuldet war.

Um das Haus nicht gänzlich dem Verfall preis zu geben und eine halbwegs sinnvolle Nutzung zu gewährleisten wurden nach und nach verschiedene Projekte, Vereine, aber auch Kleinunternehmen im alten Amtshaus angesiedelt. Trotz der damals schon teilweise vorhandenen Skepsis, dass daraus, wenn auch nicht rechtlich, so doch praktisch ein gewisser Anspruch auf diese Räumlichkeiten abgeleitet werden könnte, der einer zukünftigen Nutzung im Wege stehen könnte. Aber bevor das Haus ungeheizt und ungelüftet leer steht, schien diese Alternative wohl die bessere zu sein.

Klausuren, Ausschüsse und Arbeitskreise reichten von nun an einander reihum in gewissen Abständen das Thema wie eine heiße Kartoffel weiter, allein es fehlten lange Zeit umsetzbare Ideen. Später im Zeitverlauf wurde das Projekt SEIL gestartet, es hätte das Allheilmittel für die kommunale Weiterentwicklung im Ort werden sollen. Das Projekt wurde immer wieder zeitlich verschoben und schließlich mangels Erfolg schubladisiert.

Im Frühjahr 2015 kam etwas Bewegung in das Thema

Eine Bewertung des Grundstücks sowie eine Projektstudie von Klaus Hagenauer zeigte der Gemeinde die Optionen für die zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten auf. Eine qualitativ hochwertige Sanierung inklusive Umbau wurde auf rd. 2.000.000 € geschätzt. Eine damals wie heute praktisch unvorstellbare Investition für unsere Gemeinde, die ohnehin etliche dringende Investitionsprojekte in Planung bzw. in Umsetzung hatte. Und selbst wenn man die Finanzierung sicherstellen könnte, welcher Nutzen stünde dem Aufwand entgegen?

Eine Gemeinderatsklausur im April 2016 sollte die weiteren Weichen für die aktive Entwicklung des alten Amtshauses anstoßen. Im Zuge der Klausur wurde eine Strategie erarbeitet, die im Wesentlichen den Bürgermeister damit beauftragte, einen Investor bzw. eine Lösung für die Sanierung des Gebäudes zu finden. Unser Bürgermeister Franz nahm sich um das gesamte Projekt an und arbeitete proaktiv mit den Gemeindegremien an einer für Ottensheim idealen Lösung. Die budgetäre Situation war nach wie vor sehr angespannt, ein zweckgewidmeter Verkauf stand immer wieder zur Diskussion.

Im Jahr 2018 war es soweit, unser Bürgermeister hatte ein Projekt gefunden, das sowohl für unseren Ort als auch für die Region einen großen Mehrwert gebracht hätte. Im Zuge der Recherche von Franz Füreder kam er mit Herrn Schütz in Kontakt; dieser suchte seinerseits nach einem geschichtsträchtigen Gebäude, welches sich für den Umbau in ein Museum eignen würde. Der politische Diskurs kochte plötzlich über, die Fraktion ProO, welche sich normalerweise ihrer Kulturbeflissenheit rühmt, stemmte sich ab der ersten Minute gegen dieses Projekt – Anschuldigungen und Tiefschläge gegen den Investor waren die Folge. In einer Präsentation an die Gemeindevertreter wurde die Diskussion unsachlich und vor allem unter der Gürtellinie geführt. Ein Schelm, der dabei an die Nähe vieler Vertreter der im alten Amtshaus ansässigen Institutionen zur ProO denkt!

Es wurde plötzlich gegen ein Museum instrumentalisiert, gegen ein Kulturprojekt (da es sich in diesem Fall um „Mainstream“ handle), gegen ein Projekt eines investitionswilligen Kunstsammlers, gegen eine gute Idee, die leider von der falschen Fraktion kam.

Argumentiert bzw. agitiert wurde, das Projekt würde sich nicht rechnen, der Investor meinte es nicht ehrlich – in Wahrheit möchte er nur günstig das Haus erwerben, unser Ort schaffe es nicht mit so vielen Besuchern umzugehen, wir haben keine geeigneten Parkflächen, ... Es wurden Probleme geschaffen, anstatt Lösungen zu suchen, es wurden Türen zugeschlagen, anstatt ordentliche Gespräche zu führen und zuletzt wurde auch noch die Abstimmung verzögert. Als Conclusio sprang Herr Schütz im Frühjahr 2019 ab und errichtet derzeit sein Museum in Engelhartszell. Bei der Spatenstichfeier waren neben zahlreichen Persönlichkeiten aus Oberösterreichs Politik und Kultur auch Vertreter aus dem benachbarten Passau anwesend. Eine weitere Chance wurde aufgrund von Befindlichkeiten vertan.

Dinge, die man nicht mehr ändern kann, muss man akzeptieren.

Daher wurde unsere Fraktion nicht müde, weitere Lösungsmöglichkeiten zu suchen und das Projekt zweckgebundener Verkauf weiter voranzutreiben. Ein Arbeitskreis, wurde im Frühjahr 2019 ins Leben gerufen, Ersatzflächen für die Institutionen im alten Amtshaus zu schaffen, um eine Ausschreibung des Objekts zu ermöglichen und so potentielle Investoren zu finden.

Am 27.5.2019 einigte sich der Arbeitskreis, der von allen im Gemeinderat vertretenen Fraktionen beschickt war, auf die Empfehlung an den Gemeinderat, das Gebäude soll unter nachstehendenden Bedingungen unverbindlich zum Verkauf auszuschreiben:

• Nutzung als Herberge, Jugendzentrum, Büro/Atelier, Café, Ärztezentrum oder Museum.

• Eine (halb-)öffentliche Nutzung soll im EG gewährleistet werden, d.h. zumindest eine öffentliche Durchgangsmöglichkeit inkl. hofseitiger Durchgangsöffnung zum Areal des neuen Amtshauses.

Parallel dazu wurde ein bauliches Gutachten über das ehrwürdige Gebäude erstellt, welches zu folgendem Ergebnis kam: die Substanz ist teilweise in sehr schlechtem Zustand, es besteht zwar keine unmittelbare Gefahr für Leib & Leben, aber Renovierungen sind unumgänglich und müssen dringend starten.

Im Herbst 2019 konnte unter Beteiligung vieler engagierter Ottensheimerinnen und Ottensheimer quer über alle politischen Couleurs und Interessenslagen, die Raumsuche erfolgreich abgeschlossen werden, einer Ausschreibung sollte somit nichts mehr im Weg stehen…

Keine 2/3 Mehrheit für eine Weiterentwicklung

Aufgrund der COVID Krise kam es erst in der Gemeinderatssitzung vom 29.6. 2020 zur Abstimmung über die Ausschreibung des Alten Amtshauses. Für die Ausschreibung zum Verkauf einer Gemeindeliegenschaft bedarf es großer Einigkeit im Gemeinderat, da hierfür eine 2/3 Mehrheit notwendig ist. In Ottensheim gibt es leider diese Einigkeit nicht, die ProO Fraktion verhinderte abermals im letzten Moment die Möglichkeit, das Objekt aktiv für Projekte mit öffentlicher Teilnutzung auszuschreiben. Trotz Zusagen in den Arbeitskreisen und vielen Gesprächen wurde hier erneut ohne große Kommentare die Zustimmung verwehrt.

Ein problematischer Zugang...

...wenn sich eine Fraktion mit so vielen Mandataren aus der Pflicht nimmt und bei diesem Thema in einer gesamten Gemeinderatsperiode aus offensichtlich beleidigter Eitelkeit und persönlichen Befindlichkeiten keinen einzigen konstruktiven Vorschlag zur Weiterentwicklung dieses Gebäudes eingebracht hat. Die letzte eingebrachte Idee, die uns vorliegt, stammt aus dem Frühjahr 2015, als Klaus Hagenauer im Auftrag der Gemeinde eine Studie zur Sanierung im Eigentum der Gemeinde entwickelte.

Wie geht´ s weiter?

Wir glauben weiterhin an eine Einigung mit einer politischen Mehrheit dafür, das alte Amtshaus unter bestimmten Bedingungen von einem Investor sanieren zu lassen. Dafür werden wir auch in Zukunft werben und somit langfristig zwei Ziele verfolgen:

1. Der Ortskern benötigt lebendige Geschäfte, Gastronomie und er soll ein Ort des Zusammenkommens sein. Auch das Ortsbild rückt hier ins Zentrum, eine Sanierung der Fassade und des gesamten Gebäudes sind in den nächsten Jahren unabdingbar.

2. Keine weitere Belastung für unsere Gemeindebürger, eine Sanierung in Gemeindehand würde unser Budget mit bis zu 2.000.000 € belasten. Geld, das uns bei anderen wichtigen und dringlichen Projekten wie dem Bau des Hochwasserschutzes, einem Sozialzentrum, einem Veranstaltungssaal oder auch der Modernisierung der Donauhalle in den kommenden Jahren fehlen würde. Wir alle als Ottensheimer Bevölkerung müssen uns genau überlegen, wofür wir die endlichen Mittel ausgeben wollen und wofür nicht.

3. Die ÖVP Ottensheim wird sicher kein unrealistisches Bild zeichnen und den Menschen vorgaukeln, wir könnten alles und das sofort umsetzen, wie teilweise anderwärts propagiert. Nein, wir müssen uns alle gemeinsam entscheiden, für welche Projekte wir das gemeinsame Steuergeld einsetzen können und wollen, und da sehen wir das Projekt altes Amtshaus ganz klar – wir wollen eine teilweise öffentliche Nutzung des Erdgeschoßes wie beispielsweise ein Cafe oder Restaurant... - gemeinsam mit einem Investor realisieren.