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Unser Bürgermeister im Gespräch.

Wolfgang: Servus Franz, wie geht es dir so als Bürgermeister mit Corona?

Franz: Ja, jetzt geht es mir wieder gut, auch während der Erkrankung ging es mir nicht wirklich schlecht.

Wolfgang: Ach, so meinte ich die Frage gar nicht. Aber ja, da gibt es die verschiedensten Gerüchte, wie du dich angesteckt hast!

Franz: Es werden wohl auch bewusst einige falsche Informationen gestreut, es wird versucht mich und andere ÖVP-Mitglieder in ein schlechtes Licht zu rücken. Tatsache ist, dass ich - wie alljährlich – mit einer Gruppe von Freunden in einem Gasthaus Wildessen war. Das war ja noch zu einer Zeit, als gar kein zweiter Lockdown absehbar war. Lediglich Maske beim Rein- und Rausgehen, sonst Normalbetrieb bei den Wirten. Anschließend tranken wir noch einen Kaffee im großen Raum bei Vbgm. Maria Hagenauer, dort hatten wir sogar wesentlich mehr Platz als beim Wirt.Damals begannen die Infektionszahlen wieder zu steigen, aber im näheren Umfeld gab es keine Erkrankte.

Durch einen Routinetest wurde eine Person aus der Gesellschaft positiv getestet, sie informierte uns natürlich darüber, daher begaben wir uns sofort alle in Selbstquarantäne, schon zu einer Zeit, als noch niemand Symptome hatte. Als dann einige von uns zeitgleich grippeartig erkrankten, war klar, was los ist. Sicher haben wir das Ansteckungsrisiko unterschätzt, aber wir haben nichts Verbotenes gemacht und uns nach Bekanntwerden richtig verhalten. Der Zufall hat uns geholfen, frühzeitig zu reagieren.

Wolfgang: Ich hatte das Virus ja auch aufgeschnappt, sogar zu einer Zeit, als schon strenge Maskenpflicht herrschte. Der Infektionsweg konnte jedoch trotz behördlicher Bemühungen nicht ausgeforscht werden.

Franz: Bei uns konnte auch nicht festgestellt werden, durch wen Corona in die Gruppe gelangte, aber dass es gleich einige erwischte, zeigt wie hochansteckend es ist.

Wolfgang: Ja das ist es! Du triffst als Bürgermeister ja täglich unzählige Leute, hast du das Virus dabei selbst auch weiterverbreitet?

Franz: Nein, durch meine berufliche Tätigkeit habe ich niemanden angesteckt, familienintern schon, und auch einen Freund.

Wolfgang: Eigentlich wollte ich vorhin fragen, ob sich durch die Pandemie in deinem Bürgermeisteralltag was verändert hat?

Franz: Ehrlich gesagt, ist es jetzt völlig anders. Ich bin ja gerne unter den Leuten, da fühlt man die Stimmung der Bevölkerung und die ist ja grundsätzlich gut im Ort. Den Leuten gefällt, dass man mit dem Bürgermeister immer sachlich diskutieren und zur rechten Zeit auch ein wenig Schmäh führen kann. Selbst jene, die nicht alle unsere Ansichten teilen, schätzen das. Natürlich sind in der derzeitigen Situation viele verunsichert und sehnen sich eigentlich nach persönlichen Kontakten und Erfahrungsaustausch. Ausgangssperren und Kontaktverbote machen das aber unmöglich. Das ist völlig neu, hatten wir das jemals zuvor?

Wolfgang: Nein, seit ich lebe, kenne ich solche Einschränkungen nur aus Nachrichten zu Kriegs- oder Krisengebieten.

Franz: So ist es, aber die Beschränkungen sind eine notwendige Tatsache. Auch wenn alle privaten und beruflichen Pläne durchkreuzt werden, müssen wir dadurch zur Aufrechterhaltung unseres Gesundheitssystems beitragen! Unser Weihnachtsmarkt zum Beispiel war immer eine tolle Sache, als Nikolo die Fröhlichkeit der Kinder erleben, das gibt es heuer nicht. Genau so wenig, wie meine persönlichen Besuche bei Freunden zum Jahreswechsel, als Anerkennung für die Verdienste für unsere Gemeinschaft. Das tut mir schon weh.

Bei einem autoritären Bürgermeister ändert sich vielleicht gar nicht so viel, wenn man aber so wie ich im ständigen Kontakt mit allen Bevölkerungsteilen auch über Parteigrenzen hinweg steht, ergeben sich neue, ungeplante Herausforderungen. Kommunikation muss sich jetzt in anderer Form abspielen, und da sind mir deine Erfahrungen in neuen Kommunikationsmedien sehr hilfreich. Es freut mich, dass du nun als geschäftsführender Gemeindeparteiobmann noch aktiver im ÖVP- Team mitwirkst.

Wolfgang: Gerne bringe ich meine Erfahrung dazu ein. Auch in meinem beruflichen Umfeld ist der persönliche Kontakt eigentlich extrem wichtig, und jetzt ist er verboten. Das ist schon eine spannende Zeit, die Welt verändert sich rasant. Das erste Videomeeting war auch für mich ein wenig komisch. Jetzt ist es Standard in der Berufswelt, und mittlerweile auch in unserer Gemeindepartei.

Franz: Der Optimismus der Jugend gefällt mir. Wir „Alten“ quälen uns mit der neuen Technik, fürchten uns davor und für euch ist es einfach nur spannend. Und darum bin ich ja überzeugt, dass man euch werken, entscheiden und regieren lassen soll! Als der Moritz den Posten übernahm, da hatten wir noch Zweifler: ob das gut gehen wird?

Und jetzt sind alle froh drüber, die Jungen genauso wie die Alten. Man braucht nicht lange suchen, man sieht es in der großen und der kleinen Politik eigentlich überall. Wenn man die Jugend nur zum Stimmenfang bei einer Wahl dabei hat, und sie nachher wieder in die Warteschleife schickt, funktioniert es nicht auf Dauer. Entweder geht die Motivation verloren, oder die Energie staut sich auf, um irgendwann in einer Revolte, in einem unschönen Machtkampf zu enden, wo es dann Sieger und Verlierer gibt. Als tonangebende Kraft in Ottensheim können und wollen wir es uns nicht leisten, die Energie in internen Machtkämpfen zu vergeuden. Wir möchten ja was weiterbringen im Ort, und zwar kontinuierlich.

Wolfgang: Ja, ich finde das derzeitige ÖVP-Team super, es hat die richtige Mischung, das Engagement

und der Tatendrang der neuen ergänzt sich mit der Erfahrung der langgedienten Gemeindefunktionäre. Und dann gibt es auch noch Leute, die im Hintergrund arbeiten, öffentlich recht wenig in Erscheinung treten.

Franz: Das trifft auch auf dich zu, Wolfgang! Aber genau das schätze ich ganz besonders an dir, wir hatten dich bei der letzten Wahl nicht auf unserer Liste, somit war dir ein Mandat verwehrt, und du hast trotzdem mittlerweile jahrelang mit vollem Elan mitgewirkt. Danke!

Wolfgang: Auch mir hat das gefallen, ich werde das auch weiterhin so halten, dass man sich bei uns auf verschiedenste Art einbringen kann.

Franz: Stichwort Einbringen! Wolfgang, das ist ein viel benutztes Wort bei uns in Ottensheim!

Wolfgang: Haha, ja genau: Einbringen, Demokratie, Generationen zusammenbringen, mitgestalten, mitmischen…

Nur zwischen Sein und Schein ist eben oft ein kleiner Unterschied. Bei uns wird nicht so viel darüber geredet, bei uns wird das gelebt, bei uns ist generationsübergreifende Politik eine Selbstverständlichkeit. Realistische, realisierbare Politik für Familien und für eine funktionierende Wirtschaft, das ist genau meines. Da bin ich gern dabei, dafür trete ich sogar bei meinen Hobbys etwas leiser.

Franz: Stichwort leiser treten.

Wolfgang: Nein Franz, das will ich jetzt gar nicht wissen!

Franz: Schon! Ich wollte sagen, es ist schön wenn man weiß, dass da einige solcher Leute nachrücken, wie du. Wenn man weiß, dass man zur rechten Zeit dann auch einmal leiser treten kann.

Ich war und bin kein Berufspolitiker der die Aufmerksamkeit sucht bzw. selbst unbedingt im Mittelpunkt stehen will. Aber ich habe es für richtig erachtet für die ÖVP in die Ortspolitik einzusteigen, weil die Partei ein wenig richtungslos war, und die Gesellschaft eine gespaltene war. Ich habe diese Entscheidung nie bereut!

Wolfgang, ich wünsche dir alles Gute für deine neue Aufgabe, und alle Aufgaben, die du vielleicht noch annimmst!

Wolfgang: Danke Franz!