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Tobias Krämer (Hg.)

WOZU ISRAEL? HISTORISCHE, THEOLOGISCHE UND ZEITGESCHICHTLICHE ZUGÄNGE ZUM BUNDESVOLK GOTTES


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Friedrich der Große:

„Können Sie mir einen einzigen, unwiderlegten Gottesbeweis nennen?“ C. F. Graf Reventlow:

„Jawohl, Majestät – die Juden!“

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INHALT VORTWORT. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 EINFÜHRUNG. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 TEIL 1 ISRAEL IN (HEILS-) GESCHICHTLICHER PERSPEKTIVE. . . . . . . . . . . . . . . 15 GOTTES BUND MIT ISRAEL VON ABRAHAM BIS HEUTE (TOBIAS KRÄMER) . . 17 I. Der Abrahamsbund (1. Mose). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 II. Der Mosebund und sein Verhältnis zum Väterschwur (2.– 5. Mose). . . . . . . 23 III. Die Verheißung des neuen Bundes (Jer 30–33; Hes 36). . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47 IV. Wiederherstellung Israels im NT. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57 GESCHICHTE DES HEILIGEN LANDES VON ABRAHAM BIS HEUTE (DIETMAR KERN) . . 67

I. Einleitung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 II. Die historische Entwicklungslinie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 III. Staatsgründung und Konflikte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81 IV. Warum scheint der Konflikt nahezu unlösbar zu sein?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87 DIE MESSIANISCHE BEWEGUNG (HANNA TISCHER). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93 I. Die Bedeutung des hebräischen „Maschiach“ als „gesalbt“ / „Gesalbter“. . . 95 II. Die messianische Bewegung in der Geschichte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101 III. Die moderne messianische Bewegung von den Anfängen bis heute. . . . . . 107 IV. „Der eine neue Mensch“ im Messias aus Juden und Heiden (Eph 2). . . . . . 115 TEIL 2 ISRAEL THEOLOGISCH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117 EIN GOTT – ZWEI TESTAMENTE (TOBIAS KRÄMER). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119 I. Die Juden und das Heil – Heilsgeschichte und Heilsverständnis. . . . . . . . . . 121 II. Das AT und Jesus – zum Verhältnis von AT und NT. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129 III. Ansätze biblischer Theologie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141

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INHALT


IN DEN BIBLISCHEN FESTEN JESUS FEIERN (HANNA TISCHER) . . . . . . . . . . . . . 151

I. Einleitung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151 II. Die biblischen Feste. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 159 ISRAEL IM RÖMERBRIEF: RÖM 9 –11 (TOBIAS KRÄMER) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 175

I. Der Gedankengang im Überblick. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 175 II. Die beiden Israeloffenbarungen des Paulus: Geliebte und Feinde zugleich. . . . 181 III. Die Kirche für die Juden – die Juden für die Kirche. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187 IV. Das Evangelium für die Juden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191 ISRAEL IN DER ENDZEIT (TOBIAS KRÄMER). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 195

I. Vorüberlegungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197 II. Eschatologiekonzepte in AT und NT. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201 III. Endzeitlehre im Grundriss. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 215 TEIL 3 ISRAEL AKTUELL. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 229 ANTISEMITISMUS (DIETMAR KERN). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 231 I. Antisemitismus – Grundzüge eines aktuellen Phänomens. . . . . . . . . . . . . . . 233 II. Die verschiedenen Formen des Antisemitismus. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 243 III. Islamischer bzw. arabischer Antisemitismus. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 273 IV. Geistliche Hintergründe des Antisemitismus. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 279 HINTERGRÜNDE UND URSACHEN DES NAHOST-KONFLIKTS (DIETMAR KERN). . . . . . . 285

I. Der Kern des Konflikts und seine Folgen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 287 II. Entstehung des Konflikts und Friedensaussichten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 291 III. Geistliche Aspekte im Nahost-Konflikt?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 297 IV. Aufgabe und Verantwortung der Christen – Konsequenzen. . . . . . . . . . . . . 307 ISRAEL IN ZAHLEN UND FAKTEN (MAREN STEEGE) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . KLEINES BEGRIFFSLEXIKON. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . INTERNET-LINKS. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ZU DEN AUTOREN. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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III. STAATSGRÜNDUNG UND KONFLIKTE Am 14. Mai 1948 endete das britische Palästina-Mandat. Die Mandatsmacht zog ab und überließ das Land seinem Schicksal. Inzwischen war die jüdische Gemeinschaft auf 650.000 Juden angewachsen. Diese hatte im Laufe der letzten Jahrzehnte nach und nach effektive politische, wirtschaftliche, soziale und militärische Institutionen gebildet, die als Keimzellen für einen funktionierenden Staat dienen konnten. Dazu gehörte zum Beispiel die „Hagana“, die sich anfangs aus der von den Briten eingesetzten jüdischen Hilfspolizei rekrutierte. Zu nennen sind auch der 1901 in Basel gegründete Nationalfonds, zuständig für Erwerb und Verwaltung von Grund und Boden, außerdem die 1929 gegründete „Jewish Agency“ als Organ der Selbstverwaltung und der Landesentwicklung einschließlich des Erziehungs-, des Gesundheits- und des Sozialwesens, sowie die 1909 errichtete jüdische Kolonialbank. Am Nachmittag des 14. Mai 1948 rief der Vorsitzende der Exekutive der Jewish Agency, David Ben Gurion in Tel Aviv die Gründung des Staates Israel gemäß dem UN-Teilungsplan aus. Israel bot darin allen Völkern der Region gute Nachbarschaft und den Arabern im Land volle Gleichberechtigung an. Hier Auszüge aus der Erklärung Ben Gurions anlässlich der Staatsgründung: „Wir wenden uns – selbst inmitten mörderischer Angriffe, denen wir seit Monaten ausgesetzt sind – an die in Israel lebenden Araber mit dem Aufruf, den Frieden zu wahren und sich aufgrund voller bürgerlicher Gleichberechtigung und entsprechender Vertretung in allen provisorischen und permanenten Organen des Staates an seinem Aufbau zu beteiligen. Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitigen Hilfe mit dem selbständigen jüdischen Volk in seiner Heimat auf. Der Staat Israel ist bereit, seinen Beitrag bei gemeinsamen Bemühungen um den Fortschritt des ge­samten Nahen Ostens zu leisten.“

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III. STAATSGRÜNDUNG UND KONFLIKTE


Unabhängigkeitskrieg Statt einen palästinensischen Staat auszurufen wie im UN-Teilungsplan vorgesehen, drangen die Armeen Ägyptens, Jordaniens, Syriens, des Irak und des Libanon wenige Stunden nach Israels Geburt in das Land ein. Die Araber griffen Israel mit 310-facher Übermacht an. Israel war den Angreifern sowohl zahlenmäßig als auch im Blick auf seine notdürftige Militärausrüstung hoffnungslos unterlegen. Die arabischen Führer propagierten die Parole: „Werft die Juden ins Meer!“ Trotz seiner Unterlegenheit konnte Israel seine bestehenden Siedlungen weitgehend halten, und sogar die von der UNO zugesprochenen Gebiete teilweise ausdehnen. Der Unabhängigkeitskrieg zog sich – mit Unterbrechungen – bis Juli 1949 hin. Bis auf Ägypten und Jordanien verweigern die Frontstaaten bis heute einen Friedensvertrag. Es ist ein Wunder, dass Israel trotz der Überlegenheit des Feindes überlebte. „Nie wieder Vernichtung des jüdischen Volkes“ hat sich Israel seither auf seine Fahnen geschrieben. An den Ursachen des Kriegs hat sich bis heute nichts geändert: Die meisten arabischen Nachbarn weigern sich seit damals, das völkerrechtlich verbriefte Existenzrecht eines jüdischen Staates zu akzeptieren. Die Größe oder der Grenzverlauf spielen dabei keine Rolle.

Flüchtlingsprobleme Im Zuge des Unabhängigkeitskriegs flüchteten ca. 600.000 Araber (darunter 250.000 nicht ansässige Wanderarbeiter aus Nachbarregionen) aus Israel Richtung Westbank, Libanon und in den von Ägypten annektierten Gaza-Streifen. Auslöser war insbesondere die Aufforderung der arabischen Führer zur Flucht: „Geht hinaus, dass wir hinein können!“ Diese Aufrufe sind in Sendungen des Near East Arabic Radio (z. B. vom 03.04.1948) und in arabischen Zeitungen dokumentiert. Deutlich ist auch folgendes Zitat: „Die arabischen Staaten ermutigen palästinensische Araber, ihre Häuser […] zu verlassen, um den arabischen Invasionsheeren nicht im Weg zu sein […] “ (Falastin vom 19.02.1948).

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Von einigen lokal begrenzten Zwischenfällen abgesehen (z. B. die Tötung von etwa 110 Zivilisten im Dorf Deir Yasin durch jüdische Fanatiker), ist der Vorwurf der systematischen Vertreibung durch Israel unberechtigt und durch keine historisch objektiven Quellen nachweisbar. Angeblich neuere Forschungen basieren nicht auf nachprüfbaren Nachweisen, sondern auf subjektiven Behauptungen. Das arabische Flüchtlingsproblem geht im Kern auf die Araber selbst zurück. So schreibt der syrische Premierminister Haled al Azm 1973 über seine Amtszeit während des Unabhängigkeitskriegs: „Wir haben Verderben über eine Million arabische Flüchtlinge gebracht, indem wir einen Aufruf an sie erließen, ihr Land, ihre Häuser, ihre Arbeit […] zu verlassen […] “ Und der heutige Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas sagte gegenüber der Zeitung Falastin el-Thawra im März 1976: „Die arabischen Armeen gingen nach Palästina, um Palästinenser zu schützen […] Stattdessen ließen sie diese im Stich, zwangen sie zur Auswanderung, zum Verlassen ihrer Heimat.“ Zur Flucht arabischer Bürger trug auch die Demagogie des Großmufti und Terrorführers von Jerusalem, Husseini bei. Er versetzte sein Volk in panische Angst, indem er behauptete, die Israelis würden die arabische Bevölkerung nach dem Abzug der Briten abschlachten. Mehr als 160.000 Araber blieben aber dennoch im Land, ermutigt durch freundliche Aufrufe der israelischen Führung. Heute leben 1,4 Mio Araber friedlich als gleichberechtigte Staatsbürger im Land und machen über 20 % der Bevölkerung aus. Die arabischen Staaten, mit Ausnahme Jordaniens, weigern sich bis heute, die arabischen Flüchtlinge einzugliedern. Die Verewigung des Flüchtlingsproblems benutzen sie als Waffe, um der Welt das an den Palästinensern vermeintlich begangene Unrecht ständig vor Augen zu halten und so den Vernichtungskampf gegen Israel zu rechtfertigen. Oft wird vergessen, dass die offene Feindseligkeit der Araber gegen die Juden und die Bildung eines jüdischen Staates noch weitere Konsequenzen hatten. In den 40er und 50er Jahren mussten schätzungsweise 850.000 Juden ihre arabischen Herkunftsländer verlassen und haben dabei Hab und Gut verloren. Israel hatte somit bereits in seiner Gründungsphase ein umfangreiches Flüchtlingsproblem zu bewältigen, dessen Dimension ähnlich groß war wie auf arabischer Seite. Die Integration dieser Flüchtlinge war für den jungen Staat eine gewaltige Herausforderung, gelang aber binnen weniger Jahre, während die arabischen Gastländer ihre palästinensischen Flüchtlinge als politisches Faustpfand missbrauchten und ihnen eine Eingliederung vorenthielten.

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III. STAATSGRÜNDUNG UND KONFLIKTE


Der sogenannte „Sechstagekrieg“ Seit 1948 und verstärkt nach dem Suezkrieg 1956 prägten Vergeltungsaktionen und Terror seitens arabischer Nachbarn und Freischärlergruppen die Szene entlang den Grenzen zu Syrien, Jordanien und Ägypten. Die Arabische Liga hielt eisern am Ziel fest, Israel zu vernichten. Ägyptens Präsident Nasser erklärte jahrelang unmissverständlich, dass er Israel auslöschen werde. Im Frühjahr 1967 hielt er die Gelegenheit für gekommen. Mit massiver Rückendeckung Moskaus ließ er seine Truppen im Sinai aufmarschieren, vertrieb die Friedenstruppen der UNO und errichtete eine völkerrechtswidrige Seeblockade im Roten Meer. Seine Absicht, zusammen mit anderen arabischen Staaten einen Vernichtungskrieg gegen Israel zu führen, sprach er unverhohlen aus: „Unser Hauptziel ist die Zerstörung Israels“. ›› PLO-Chef Ahmed Shukry sagte: „Wir werden den Israelis die Verschiffung in ihre Heimatländer erleichtern. Wer im Lande geboren ist und überlebt, darf bleiben. Nach meiner Schätzung wird jedoch keiner überleben.“ ›› Der syrische Verteidigungsminister Hafiz Al-Assad erklärte: „Unsere Streitkräfte sind nun voll bereit (…), dem Akt der Befreiung den Anstoß zu geben und die zionistische Anwesenheit im arabischen Heimatland in die Luft zu jagen. Ich als Militär glaube, dass die Zeit gekommen ist, den Vernichtungskrieg zu führen.“ Israel stand dem Säbelrasseln Ägyptens und Syriens zunächst wie gelähmt gegenüber. Viele Israelis glaubten, das Ende des jüdischen Staates sei gekommen. Gemäß der Legende habe ein Schild am Flughafen die Aufschrift getragen: „Wer als letzter das Land verlässt, möge das Licht ausschalten.“ Doch dem unmittelbar bevorstehenden Angriff Syriens und Ägyptens kam Israel am 05.06.1967 durch vernichtende Präventivschläge zuvor. Als auf Drängen der UNO sechs Tage später am 11.06.1967 der Waffenstillstand in Kraft trat, hatte die israelische Armee die Sinai-Halbinsel, den Golan und die Westbank inklusive Ostjerusalem unter Kontrolle. Das seit 1948 geteilte Jerusalem war wieder vereinigt.

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IN DEN BIBLISCHEN FESTEN JESUS FEIERN Ein Fest, Einleitung ein Feiertag ist alles, was vom Alltag abweicht, was fest-gelegt ist. Das könnenDieBußtage biblischensein, FesteGedenktage (frohe und traurige, z. B. Gesetzgebung, Tempelzerstörung, Tempelweihe), Sieg über Feinde (Esther, Makkabäer), Bundesschluss, Wunder und Eingreifen Gottes – all das kann gefeiert werden. Fast immer findet ein Fest seinen Ausdruck in einer Form des Essens, manchmal auch des Fastens. Oft gibt es symbolische Speisen (fett, süß, ungesäuert usw.). Äußere Zeichen spielen eine große Rolle wie das Wechseln der Kleider, der Bau einer Laubhütte und vieles mehr. Feste sind Zeiten der Gemeinschaft. Jeder ist Wer gewürdigt schon einmal zu feiern, einesogar griechische der Sklave Hochzeit undoder der ein Fremde. Fest inOft Lateinamerika macht manmitgefeiert einander (kleine!) hat, kannGeschenke, sicher bestätigen, z. B. etwas dass es Essbares. uns Europäern Besonders gut die tut, Bedürftigen uns gerade auch sollen in Bezug dabei auf bedacht das Feiern werden. vonMan anderen liest das Kulturen Wort Gottes, bereichern erzählt zu lassen. die alten Doch Geschichten, auch wir haben singt, unsere tanzt, betet Traditionen, die immer und nicht gleichen alle sind altenschlecht. PsalmenIm– Gegenteil. und ohneNatürlich sich anzustrengen, kann jede Tradition kann manzudadurch einem engen vielesKorsett, auswendig. einer Welch leeren Hülle ein Reichtum! werden. Doch sie kann auch mit Der Leben wohl gefüllt zentralste und wertvoll Punktsein. beim(Hier Feiern lohnt ist sich die Ruhe. eine kleine KeinePause Arbeit. desDas Nachdenkens: wird nicht Welche als Muss(Familien)traditionen verstanden, sondernhabe als Vorrecht. ich positiv Es ist erlebt? befreiend Warum? undWas bringt haben die Würde sie mir des bedeutet? Einzelnen, Welche auch Traditionen des Ärmsten, pflegevor ichGott heutezum bewusst? Ausdruck. Was bedeuten Sogar Fremde sie mir?) sollen In mitfeiern, der jüdisch-hebräischen weil nicht in ersterWelt Liniedenkt, Israels empfindet Geschichte,und sondern lebt man Gott gefeiert ganzheitlich. wird. Man Es ist trennt eine wichtige nicht zwischen Art und Weise, Geistlichem Gott kennen und Natürlichem. zu lernen. Und Gott hierim sind Alltag wir wohl und der beimAlltag wichtigsten mit Gott. Punkt: Ganz Gott besonders selbst hatzeigt Festesich unddas Feiertage im Feiern: erfunden, Inhalte hatwerden Zeiten mit ausgesondert allen Sinnen und durchlebt, sogar Details mit festgelegt Verstand, undGefühl, so einenGeschmack, Rahmen gegeben, Geruch,in Tanz, dem optischen sein Volk ihn Eindrücken, kennen lernen, praktischem ihn erleben Tun… undUnd Gemeinschaft so nimmt man mit ihm mitpflegen allen Sinnen kann. auf, was Gott offenbaren möchte und bringt ihm gleichzeitig mit all diesen 58 Ausdrucksformen Feiern mit allen Sinnen Dank–und das Hingabe kann Anbetung entgegen. sein, da kann man etwas über Gott lernen, ihm begegnen, da kann sich ganz tief etwas in uns einprägen. Wir sind 58 – Weiterführende Literatur: es››gewöhnt, Gott unseren Lobpreis in Liedern, Gebeten, vielleicht durch Tanz Gleiss, Peter und Dorothea/Damkani, Jakob, Christen feiern biblische Feste. auszudrücken. Wie wäre es, einmal auch nochinandere kreative Wege Arbeitskreis für geistliche Gemeinde-Erneuerung der Evangelischen Kircheauszuprobieren? e. V. (GGE) 2001: www.gge-online.de Festkleidung? Ein besonderes Essen? Ein festlich dekorierter Tisch? Eine Aktion, die ›› Kasdan, Barney, God´s Appointed Times, Messianic Jewish Publishers 22007 etwas zumHanspeter, Ausdruck bringen Der Kreativität sindGießen: keine Grenzen gesetzt. ›› Obrist, Feste Israels –soll? mit messianischer Hagadda. Brunnen 2006

I. EINLEITUNG

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IN DEN BIBLISCHEN FESTEN JESUS FEIERN


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Warum sich mit den „jüdischen Festen“ befassen? Sind sie nicht überholt, gesetzlich, in Jesus erfüllt und damit erledigt? Haben wir nicht unser Weihnachten, Ostern? Sollten wir als Christen nicht die christlichen Feste feiern? Was gehen uns die Feiertage Israels an? Diese Fragen sind berechtigt, und doch gehen sie am Zeugnis der Bibel vorbei.

Unser reiches Erbe: Eingepfropft in den Ölbaum Jesus hat keine neue Religion gegründet, sondern nach dem Zeugnis von Röm 11 hat er uns eingepfropft in den alten Baum seiner Bundesbeziehung mit Israel, hat diesen Bund sozusagen für uns Gläubige aus den Nationen erweitert und ihn gleichzeitig als „Neuen Bund“ auch inhaltlich auf eine neue Stufe gehoben. Aber mit uns hat nicht alles ganz neu angefangen. Im Gegenteil. Wir sind Teilhaber eines Jahrtausende alten Erbes und einer ebenso alten Berufung geworden. Sollten wir uns darum nicht unser Erbe, unsere Wurzeln ein bisschen näher betrachten? In 2.Tim. 3,16 schreibt Paulus an den Leiter einer jungen, nichtjüdischen Christengemeinde: „Die ganze Heilige Schrift ist von Gott eingegeben. Sie soll uns unterweisen, sie hilft uns, unsere Schuld einzusehen, wieder auf den richtigen Weg zu kommen und so zu leben, wie es Gott gefällt.“

Zur damaligen Zeit gab es noch kein so genanntes Neues Testament. Paulus sprach von Mose, den Propheten, Psalmen und Geschichtsbüchern. Wollen wir seine Meinung teilen und auch als Gemeinde des 21. Jahrhunderts diese alten Schätze heben? Sie sind unser Erbe. Eine zentrale Rolle spielen im AT die Ordnungen Gottes für den Gottesdienst im Tempel und seine Abläufe im Rhythmus der Woche und des Jahres. Er ist ein Gott der Ordnung, der die Woche, Tag und Nacht, Jahreszeiten und auch den Festkreis des Jahres erfunden hat. Er offenbart darin viel von seinem Charakter und von seinem Plan für die Menschheit.

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IN DEN BIBLISCHEN FESTEN JESUS FEIERN


Jesus, die Jünger, die erste Gemeinde wären nie auf den Gedanken gekommen, diese biblischen Feste jetzt nicht mehr zu feiern. Im Gegenteil! Sie bekamen mehr Inhalt, wurden tiefer, lebendiger als je zuvor, wurden zum Rahmen, in dem von nun an nicht nur die Geschichte Israels, sondern auch das vollkommene Erlösungswerk Gottes im Messias Jesus gefeiert und verstanden werden konnte. Sogar in seinem ersten Brief an die (nichtjüdische) Gemeinde in Korinth setzt Paulus in Kap. 5, 6 –8 ein generelles Verständnis über das Passahfest voraus. Bis heute sind die alten, biblischen Feste für jesusgläubige Juden nicht Gesetz und Last, sondern Freude. Als zentralen Inhalt feiern sie neben ihrer nationalen Identifikation in allem Jeschua, ihren Messias und Erlöser. Es gibt kaum eine bessere evangelistische Möglichkeit, als ungläubige jüdische Verwandte und Freunde zu einem dieser Feste einzuladen und anhand der traditionellen Abläufe ihnen den Heilsplan Gottes zu erklären.

Gottes Heilshandeln im Rahmen der biblischen Feste Nicht alles, was wir heute an jüdischen Traditionen vorfinden, stammt direkt von Gott. Im Laufe der Geschichte kamen z. B. nationale Feiertage dazu, die historische Hintergründe haben. Auch inhaltlich entwickelten sich viele Ausdrucksformen, insbesondere seit der Zerstörung des Tempels mit seiner zentralen Rolle bei allen Festen, die nicht auf biblische Anweisungen Gottes zurückgehen. Die Hauptfeste jedoch wurden von Gott selbst erfunden, eingesetzt und mit konkreten Details versehen, um in diesem Rahmen sein Wesen und seinen Plan für die Menschheit kennen zu lernen und durch immer wiederkehrendes Feiern zu verinnerlichen und sich persönlich zu eigen zu machen. Insbesondere der Messias und sein Erlösungswerk waren auf diese Weise schon Jahrhunderte vor seinem Kommen in den Festen verborgen gegenwärtig und werden bis heute staunend von Juden entdeckt, wenn Gott den Schleier entfernt und ihnen Offenbarung über Jesus schenkt. Nicht umsonst nennt Paulus in Kol 2,16 –17 die biblischen Feste „schwache Abbilder, ein Schatten von dem, was im Messias Wirklichkeit geworden ist.“

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II. DIE BEIDEN ISRAELOFFENBARUNGEN DES PAULUS: GELIEBTE UND FEINDE ZUGLEICH Über Israel als gesamtes Volk hat Paulus zwei Offenbarungen. Zum einen ist Israel bleibend erwählt und bejaht. Gerade deshalb bekommt es Jesus, seinen Messias und Erlöser. Er soll Israels Erwählung fest machen und zum Ziel führen. Er ist das Ja Gottes zu seinem Volk in Person, er bringt den neuen Bund, der den alten zum Ziel führt und erfüllt. Zum anderen aber steht Israel unter Gottes Nein. Es lehnt Jesus (und damit das Ja Gottes zu seinem Volk) ab und reagiert mit Unglauben und Verstockung. Und das wiederum lehnt Gott ab, dazu sagt er nein. Gott sagt nein zu einem Volk, das sein Ja ablehnt. Für Paulus sind beide Offenbarungen absolut. Während viele Christen (je nach theologischer Neigung) das eine mehr betonen und das andere insgeheim relativieren, hält Paulus beides gleichermaßen fest: Israel ist bejaht und es ist verneint. Es ist erwählt und es ist verworfen. Würde nicht beides zugleich festgehalten, dann wäre entweder die Erwählung Israels reine Makulatur oder aber das Christusgeschehen wäre relativiert, für die Juden Nebensache und praktisch irrelevant. Gott aber hält an beidem fest: An seiner Treue zu Israel und an der exklusiven Bedeutung Jesu Christi für alle Menschen, auch für die Juden. Tatsache ist ferner, dass die Sendung Jesu an sich schon ein Akt der Erwählung ist (nämlich Erwählung zum Heil), so dass sich die Frage aufdrängt, ob Israel überhaupt noch erwählt sein kann, wenn die Erwählung Israel gar nicht erreicht.68 Die Erwählung Israels, die in Abraham ihren Anfang nahm, findet in Christus ihr Ziel und ihre tiefste Verwirklichung (vgl. 10,4). Was in Abraham begonnen wurde, wird in Christus vollendet: Israel gelangt in seine Bestimmung, Gottes heiliges Volk zu sein. Darüber sollten sich die Juden eigentlich freuen und Jesus dankbar aufnehmen, doch die meisten tun das nicht. 68 – Diese Frage ist der Ausgangspunkt für die umfassenden Ausführungen des Paulus in Röm 9 –11.

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II. DIE BEIDEN ISRAELOFFENBARUNGEN DES PAULUS


Dies führt zu einer paradoxen Situation: Von Abraham her kommend sind die Juden bleibend erwählt. Gott hat sich an dieses Volk gebunden, hält an ihm fest und gibt es nicht auf. Von Christus her kommend sind die (verstockten) Juden verworfen, denn sie nehmen ihren Retter, der ihre Erwählung verwirklichen und ans Ziel bringen soll, nicht an. Genau diese Situation schildert Paulus in dem zentralen Vers Röm 11,28, der hier grafisch aufbereitet ist, um die Gegenüberstellung der einzelnen Versglieder zu verdeutlichen:

Hinsichtlich des Evangeliums

sind sie zwar Feinde

um euretwillen,

Hinsichtlich der Auswahl aber Geliebte um der Väter willen.

Abbildung 6: Röm 11,26. Eigene Darstellung.

Für Paulus sind die Juden somit Geliebte und Feinde zugleich, sie sind fürs Heil erwählt und doch aus dem Wurzelstock des Heils ausgebrochen (Röm 11,11.16.20.24), sie sind erwählt und verworfen zugleich. Die Widersprüchlichkeiten dieses „Zugleich“ festzuhalten, stellt ein formallogisches Problem dar, das Paulus auf folgende Weise löst: ›› Geliebte und Feinde zugleich sind die Juden je in einer bestimmten Perspektive. Geliebte sind sie von Abraham her kommend „hinsichtlich der Auserwählung“, Feinde sind sie gegenüber Christus „hinsichtlich des Evangeliums“. Der „Bezugspunkt“ (die Väter bzw. Jesus) entscheidet also darüber, was die Juden je sind: Geliebte, oder Feinde, oder – insgesamt betrachtet – beides zugleich.

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›› Geliebte sind sie (quasi schon immer) von Gott her, Feinde sind sie von sich aus. Gott liebt sie, aber sie selbst verhalten sich feindlich (vgl. 10,21). Gottes Gesinnung ist Liebe (deshalb sendet er Jesus), Israel aber verhält sich feindlich (und lehnt Jesus ab). Auch hier entscheidet der „Bezugspunkt“ (Gott oder die Juden), was die Juden sind: Geliebte, oder Feinde, oder – insgesamt betrachtet – beides zugleich. ›› Erwählt ist Israel „um der Väter willen“ (also „nach dem Fleisch“). Es ist eben nun einmal dieses Volk, das Gott sich erkoren und dem er sich versprochen hat, kein anderes. Verworfen ist Israel „um euretwillen“ (sozusagen „nach dem Geist“). Denn Gott hält Israel in der Verstockung, damit das Evangelium zu den Nationen läuft (11,15). Nach dem Fleisch ist Israel erwählt, nach dem Geist sind sie aber aufgrund von Unglauben und Verstockung verworfen.69 Ethnisch sind sie Gottes Volk, in ihrer Einstellung dem Evangelium gegenüber sind sie aber Feinde Gottes. Auch hier ist der „Bezugspunkt“ wieder von Bedeutung, was die Juden sind: Erwählt, oder verworfen, oder – insgesamt betrachtet – beides zugleich. ›› Der Status quo ist nicht das letzte Wort. Israel lebt zwar jetzt in einer „Zwischenzeit“, eingespannt zwischen Erwählung und Verwerfung. Aber Paulus weiß um eine heilsgeschichtliche Lösung, die darin besteht, dass die Erwählung Gottes Oberhand behalten wird. Von Abraham her ist Israel erwählt, und deshalb wird es – trotz aktueller Verstockung – einst zu Jesus finden (11,26). Dafür wird Gott selbst sorgen. Die momentan nicht auflösbare Spannung wird also eines Tages aufgelöst werden – zugunsten Israels. Sie löst sich geschichtlich, „nach vorne hin“ auf, in einem zukünftigen Erweckungsgeschehen. Dann wird „ganz Israel errettet werden“ (11,26) und zum Glauben an Jesus kommen. Gott kommt mit seinem Volk zum Ziel. Hier ist der zeitliche Verlauf von Bedeutung. 69 – Diese Unterscheidung (nach dem Geist bzw. nach dem Fleisch) betrifft sogar Jesus selbst und wird von dort aus auch auf Menschen übertragen (vgl. die nuancenreichen Formulierungen in Röm 1,3f; 8,4f; 9,3.5.8). Nach dem Fleisch ist Jesus Jude, Nachkomme Davids, ein Sohn der Maria. Nach dem Geist ist er Gottes Sohn. Es greifen hier zwei Dimensionen (die „geistliche“ und die „irdische“) ineinander, die beide volle Gültigkeit haben. Dasselbe gilt für Israel.

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II. DIE BEIDEN ISRAELOFFENBARUNGEN DES PAULUS


Paulus erklärt also dieses Zugleich von Erwählung und Verwerfung, indem er zeigt, dass beides je in gewisser Hinsicht gilt: Israel ist erwählt um der Väter willen, von Gott her, „nach dem Fleisch“. Darin unterscheiden sich die Juden fundamental von jedem anderen Volk der Welt. Verworfen ist Israel hinsichtlich seiner Stellung zum Evangelium, aufgrund eigener Feindschaft Christus und der Gemeinde gegenüber, „nach dem Geist“ (der inneren geistlichen Ausrichtung). Hier stehen die Juden mit allen anderen Sündern der Welt auf einer Ebene. Die Auflösung dieses Spannungsfelds ist eine Frage der Zeit. Die bleibende Erwählung wird dazu führen, dass Israel als Volksganzes Jesus erkennen und an ihn glauben wird. Gott hat den längeren Atem, so dass die Erwählung das letzte Wort hat und die Oberhand behält, nicht die Verwerfung. Auch hier behält Israel einen Vorrang. Vergleichbares wird von keinem anderen Volk der Welt gesagt. Der schroffe Gegensatz des jenes Zugleich wird also dadurch logisch aufgelöst, dass er in ein zeitliches Nacheinander und in ein logisches Sowohl-als-auch gebracht wird. Beide Pole behalten so volle Gültigkeit, aber keiner ist einzig gültig. Was jetzt unvereinbar erscheint, gilt je in gewisser Hinsicht und für eine gewisse Zeit. Am Ende steht das Heil Israels.

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