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R + E T A E TH

Spielplan 2 2013

SK A L A


Centraltheater  1 Skala  10 Pool  12 Spinnwerk  26 Infrastrukturelles  32 Spielplan

Centraltheater UMBAU FÜR DIE LEIPZIGER FESTSPIELE Für die Leipziger Festspiele verwandelt sich im Februar der große Saal des Centraltheaters Stück für Stück in eine „Arenabühne“. Mit dieser architektonischen Setzung bewegen wir uns zum Anfang, zur Urform von „Theater“ überhaupt und zum Beginn der sozialen wie künstlerischen Verabredung Theater zurück. ¶ Die Umbauarbeiten als Prozess und Entwicklung werden in bewegten Bildern auf der Homepage des Central­theaters dokumentiert. Bleibt der große Saal bis zum Beginn der Leipziger Festspiele ab 1. März auch für unser Publikum geschlossen, so laden wir doch zu diversen Veranstaltungen und Projekten in unser Haus ein. ¶ Jan Torke

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UMDREHARBEITEN Die zu Ende gedachte Demokratisierung der Kunst läuft auf die Selbst­abschaffung des Zuschauers hinaus. Im Vorfeld der Leipziger Festspiele wird im Februar ein Film im Haus gedreht. Kein Dokumen­tar­film, sondern eine Fiktion. Und Sie haben die einmalige Gelegenheit, mitzuspielen. Nicht nur als Komparsen, sondern (je nach gewähltem Eintrittspreis) als Haupt- oder Nebendarsteller. ¶ Der Erwerb einer Abendkarte berechtigt Sie, an einer Filmszene mitzuwirken. Was Sie von Ihrem Geld haben, bestimmen Sie selbst. Im Rollentausch werden die Ensemble­ mitglieder zu Regisseur, Berater, Techniker oder Ausstatter. Die Regie führt Edgar Eckert. Das Projekt kuratiert Guillaume Paoli. Weit von einem bloßen Workshop entfernt, ist der künstlerische Anspruch so hoch wie bei den übrigen Produktionen des Centraltheaters. Allabendlich entwickelt sich eine Geschichte, die dann filmisch umgesetzt wird. Das fertige Produkt wird letztlich der Öffentlichkeit vorgestellt. ¶ Wagen Sie den Seitensprung über den Schatten Ihrer Zuschauerrolle, erfahren Sie die Wirklichkeit der Fiktionsgestaltung, inszenieren Sie sich selbst! ¶ Anmeldungen ab jetzt. Nähere Informationen werden den Teilnehmern zu gegebener Zeit kommuniziert. ¶ guillaume paoli 14 Termine ab 02.02. (siehe Tabelle), jeweils 19.30 Uhr, CENTRALTHEATER Garderobenfoyer Hauptrolle 20 € (es sind 4 Hauptrollen pro Drehtag zu vergeben), Nebenrolle 16 € (es sind ca. 10 Nebenrollen pro Drehtag zu vergeben), REGELERMÄSSIGUNGEN und STUDENTEN 7 € (nach Verfügbarkeit) Hinweis: Mit dem Kauf der Karte als Darsteller im Filmprojekt willigen Sie ein, sämtliche Rechte auf Verwertung, Vervielfältigung, Bearbeitung etc. des bei den Dreharbeiten entstehenden Werkes an das Schauspiel Leipzig bis einschließlich 31.07.2013 abzutreten bzw. einzuräumen. Die Unter­ zeichnung einer gesonderten Vereinbarung hierzu an der Kasse ist Voraussetzung des Kartenkaufes. Ein Onlineverkauf ist damit leider nicht möglich.

CENTRALARCHIV – Das Kino im Parkettfoyer Sehen Sie ausgewählte Inszenierungen der vergangenen vier Spielzeiten und der laufenden Saison aus Centraltheater und Skala in unserem eigens errichteten Kino im Parkettfoyer. Das CENTRALARCHIV wird bis zum Ende der Spielzeit geöffnet sein. Termine im Februar: 04. – 06., 11., 12., 16., 18. – 20.02., 20 Uhr, Centraltheater, 6 €

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15.2.

Centraltheater

In der neuesten Ausgabe unserer quotenträchtigen Therapietalkshow widmet sich unser analytischer Anchorman Rüdiger Bockspringer der Psychopathologie des Politischen. Radikal und schonungslos stellen sich Ihre Lieblingspatienten dem, was das Wesen jeder politischen Gesinnung ausmacht: der Unfähigkeit, gesellschaftlich und kulturell voranzukommen und mehr zu werden als ein Konsument. Dort, wo alles möglich ist, aber nichts möglich wird, klafft die Neurose als psychosoziale Leerstelle, die der Einzelne mit politischer Ideologie füllt.

Konsum und Krankheit

Unser klinisch kulturkranker Patientenkreis analysiert und diskutiert diese Leerstelle des Liberalismus. Warum begreifen wir nicht das Glück des Konsums? Warum greifen wir stattdessen zu politischem Extremismus? Liegt die Schuld bei uns oder im System? Oder liegt sie eben im Riss unser selbst, als mystisch dräuender Orchestergraben, der die Bühne der Individualität vom Zuschauersaal der Gesellschaft trennt? Fragen, die nur ein Therapeut zu stellen vermag. Antworten, die nur eine Show zu geben vermag. Zerren Sie mit uns das graue Seelenleben ins grelle Scheinwerferlicht des Mentaltalks, des Centraltalks! Mit: Friederike Bernhardt, Manolo Bertling, Edgar Eckert, Sarah Franke, Günther Harder, Linda Pöppel und Gästen Beginn: 22 Uhr, Erfrischungsfoyer +++ 7 € / 5 €

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Central Talk

Ideologie und Identität


Stallgespräche # 6 Der Mensch ist nur Mensch, wo er spielt

„Da kam ich auf den seltsamen, sinnlosen Gedanken, ich würde hier am Spieltisch sicher gewinnen. Woher ich das dachte, das begreife ich selbst nicht; aber ich glaubte es fest.“ Was Dostojewski seinen „Spieler“ sagen lässt, kennt jeder passionierte Casinobesucher. Nur noch ein Spiel, dann ist Schluss. Und weiter geht es! ¶ Das Spiel gehört konstitutiv zum Menschen. Das ganze Leben ist ein Spiel. ¶ Die erste Ausgabe der STALLGESPRÄCHE im neuen Jahr zieht wieder ins Centraltheater. Das Erfrischungsfoyer wird zur Spielhölle und zum Spielraum der STALLGESPRÄCHE. Wo wäre ein Gespräch über das Spielen besser aufgehoben als im Theater? Leidenschaftliche Spieler treffen auf Spieltheoretiker oder Spieleentwickler. Wie spielt man richtig? Wie wird man eigentlich Croupier? Seit wann gibt es Roulette, Poker und all die anderen großen Glücksspiele und wie zum Teufel sind da eigentlich die Regeln? ¶ STALLGESPRÄCHE bleibt in Bewegung, bleibt spielerisch. Clemens Meyer bittet zum großen Talkspiel. Vielleicht wird ja den ganzen Abend nur gespielt und das Reden über das Thema tritt mehr und mehr in den Hintergrund. Das Reden hört auf, das Spiel beginnt oder wie Dostojewski sagt: „Da hätte ich gehen sollen, aber in mir stieg ein seltsames Gefühl auf, etwas wie eine Herausforderung ans Schicksal, ein Wunsch, es gleichsam zu ohrfeigen, ihm die Zunge herauszustrecken.“ ¶ Johannes kirsten 23.02., 20 Uhr, CENTRALTHEATER Erfrischungsfoyer, 7 € / 5 €

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Poetry Mash 22.2.

C E N TRA LTHEATER Erfrischungsfoyer

Poetry Mash 3: Sex, Lügen und Video Ausgehend von Steven Soderberghs gleichnamigem Film von 1989 steht im neuesten Poetry Mash des Schauspielstudios der mediale Videoschnipselwahnsinn der Generation Internet auf dem Programm. Warum ziehen wir uns welche Videos täglich rein? Lieber Youtube oder doch Youporn, oder ganz spießig Tagesschau.de? Aus welchem Blickwinkel lässt sich mein Leben am besten filmen? Antworten auf diese und andere Fragen gibt es beim 3. Poetry Mash im Erfrischungsfoyer. Von und mit: Klara Deutschmann, Harald Horvath, Katrin Kaspar, Heiner Kock, Sina Martens, Maximilian Pekrul, Flora Pulina, Jonas Steglich, Dominik Weber, Timo Weisschnur (Studierende der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig) 22 Uhr +++ 7 EUR / 5 EUR


skala Der groSSe Marsch von Wolfram Lotz Studioproduktion der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig Wie ließe sich ein Theaterstück besser einleiten als mit der Zueignung, die Wolfram Lotz seinem DER GROSSE MARSCH voranstellt: „Die meisten Theaterleute sind (natürlich gibt es Ausnahmen) Arschgesichter.“ Mit dieser Steilvorlage startet Lotz sein groteskes Spiel um die Klischees und Mittel des „politischen Theaters“, in dessen Verlauf er zeitgenössische, historische und fiktive Figuren – von Josef Ackermann über Bakunin zu Prome­ theus und Hamlet – in aberwitzigen Situationen mit der Bühnenrealität konfrontiert. Gemeinsam arbeiten sie sich an Themen wie der Finanzkrise und der Relevanz/Irrelevanz von Theater in unserer Zeit ab. ¶ Lotz schreibt sich an die Grenzen theatraler Darstellungsmöglichkeiten heran, entwirft darüber aber keine Utopie, sondern entlarvt einen Ist-Zustand, in dem die Figuren die Erschöpfung, Ratlosigkeit und den Überlebenskampf in unserer heutigen Gesellschaft spiegeln. ¶ Sebastian Hartmann wird zusammen mit dem Schauspielstudio der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ das mit dem Publikumspreis des Berliner Stückemarkts 2010 und dem Dramatikerpreis des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft 2012 ausgezeichnete Stück als Studioinszenierung erarbeiten. ¶ michael billenkamp Regie und Bühne: Sebastian Hartmann Kostüme: Adriana Braga Peretzki Dramaturgie: Michael Billenkamp Mit: Klara Deutschmann, Harald Horvath, Katrin Kaspar, Heiner Kock, Sina Martens, Maximilian Pekrul, Flora Pulina, Jonas Steglich, Dominik Paul Weber, Timo Weisschnur ab 8. Februar IN DER SKALA

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POOL Februar 12 € / 9 € ------------------------------------------------------------------21 Tage (UA) Nach einem Text von Dov E. Dorozkhin Auch wenn wir zurzeit nur „Soldaten entsenden“, kehren diese doch mit den Erfahrungen von Kampfhandlungen, Bedrohungs­ szenarien, den Bildern von Toten und Verletzten im Gepäck zurück. 21 Tage dauerte es für den Franzosen Dov E. Dorozkhin nach seiner Rückkehr aus dem Kampfeinsatz, bis er seine Wohnung daheim überhaupt wieder verlassen konnte. In 21 TAGE werden die Erinnerungen Dorozkhins mit den Erfahrungen anderer Heimgekehrter auf der Theaterbühne kurzgeschlossen. 21 TAGE gibt den Bildern eines schwelenden inneren Kriegs­ zustands, den Landkarten aus Angst und Fremdheit einen Raum. Regie: M. Harder Mit: M. Harder, Kreß, Lambrecht, Lillie Schuld und Sühne Nach dem Roman von Fjodor M. Dostojewski Wie viel Wert hat das menschliche Leben? Ein jedes gleich viel oder gibt es eine Elite, deren Wert sich allein deshalb nicht bemessen lässt, weil sie im Namen des Fortschritts die Menschheit auf eine höhere Stufe führt? Diese Fragen stellt Dostojewski in seinem Roman Schuld und Sühne. Anders noch als dem Kellerloch-Menschen gelingt Raskolnikow der Schritt von der Theorie zur Tat, und an die Stelle der Dialektik tritt das Leben. Aber der Mord an der Pfandleiherin führt nicht zum erhofften Befreiungsschlag, stattdessen zerbricht Raskolnikow an den Konsequenzen seiner Grenzüberschreitung. Regie: Laberenz Mit: Bertling, Eckert, Grünewald, Müller-Beck, Pöppel, Unterweger; Bernhardt Herz der Finsternis Nach Joseph Conrad Joseph Conrads Erzählung HERZ DER FINSTERNIS navigiert den Leser unter der glühenden Sonne Afrikas in das Innere eines Kontinents, den die Schattenseiten der westlichen Zivilisation verdüstern. Es ist die Zeit der gewaltsamen Eroberung und Ausbeutung afrikanischer Kolonien Ende des 19. Jahr­ hunderts; in der Begegnung mit den angeblichen Barbaren zeigt sich vor allem der barbarische Charakter eines gierig plündernden und mordenden Imperialismus. Doch an der sogenannten Wiege der Menschheit, in jener „vor­ zivilisatori­ schen“ Wildnis, fern aller moralischen Instanzen, kommen die weißen Pilger des Profits unerwartet ihrer eigenen „Natur“ nahe, einem Afrika ihrer Seele. Und auf diesem inneren Kontinent beginnt ihre Menschlichkeit finster zu verdämmern – damals wie heute. Eine Geschichte, deren Schlagschatten bis in unsere Gegenwart reichen. Regie: Eisenach Mit: Baffoe, Franke, G. Harder, Keller, Kuchenbuch

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Preparadise sorry now Von Rainer Werner Fassbinder Vorparadies? = Vorhölle? Wie sieht das aus? Sorry, eben wie die Welt jetzt aussieht, wenn Gott und auch die Utopie vom Paradies auf Erden in weite Ferne gerückt sind. „Ich finde, dass die Welt aus permanenten Grausamkeiten besteht“, meinte Rainer Werner Fass­ binder und zeigt sie uns als Reigen alltäglicher Erfahrung von Macht und Unterwerfung, gespeist aus dem Geiste religiöser Demut. Provokativ spiegelt er seine Szenen in der Geschichte eines Serienmörderpärchens der 1960er Jahre, das in England Kinder entführte, folterte, missbrauchte und schließlich tötete. Sie taten dies im Geiste einer faschistoiden Ideologie made in Germany. Eine äußerst suggestive Anordnung, die uns herausfordert. Regie: Bauer Mit: Baffoe, Bühler, Kaminsky, Pöppel, Trommer, Unterweger Zerschossene Träume (AT) (UA) Von Wolfram Lotz und Martin Laberenz Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen 2012 „Mein Körper ist der Ort, von dem es kein Entrinnen gibt, an den ich verdammt bin“, so Foucault über die Diskrepanz zwischen ICH und Körper, die auch im Zentrum des Autor/Regisseur-Projekts von Lotz/Laberenz steht. In ZERSCHOSSENE TRÄUME (AT) treiben sie die Frage nach Ich und Körper, Sexualität und Geschlecht spielerisch ins Absurde: Was bedeutet es, wenn die NASA einen Schimpansen in den Weltraum schickt, ihm zuvor aber Schauspielunterricht gibt, damit er einen Menschen lebensecht darstellen kann? Oder wenn das Hollywood-Sternchen Lindsay Lohan einen Film über ihr Leben dreht und dabei auch noch selbst die Hauptrolle spielt? Regie: Laberenz Mit: Bernhardt, Blomeier/Pöppel, Franke, G. Harder, Haupt/Sandeh, Kuchenbuch, Lillie Aufzeichnungen aus dem Kellerloch Nach Fjodor M. Dostojewski Tiefes Misstrauen und Abscheu gegen die Welt und das eigene Dasein sind die beherrschenden Gefühle von Dostojewskis Kellerlochmenschen. Ein namenloser Angestellter, der sich dem Diktat der Zeit verweigert und sein Leben lieber in einem Kellerloch fristet. Hier räsoniert er über den allgegenwärtigen Fortschrittswahn, der versucht, die Ideale von Aufklärung und individueller Freiheit mittels evolutio­ närer Vervollkommnung mit der Utopie eines neuen Menschen in Einklang zu bringen. Dostojewskis Erzählung ist die präzise Beschreibung einer sich im Umbruch befindenden und gleichzeitig tief verunsicherten Gesellschaft. Er stellt darin Fragen, die in unserer von Kapitalismus und Egoismus bestimmten Gesellschaft nichts von ihrer Radi­ kalität ver­ loren haben. Und er gibt Antworten, die exemplarisch auch für den Zustand im Hier und Jetzt stehen. Regie: Laberenz Mit: Bertling, Eckert, Franke, M. Harder, Lillie 15


Hilbig lesen 1 / Alte Abdeckerei Lecture Performance von und mit Andrej Kaminsky Jemand geht durch die Landschaft seiner Kindheit, entlang eines kleinen Flüsschens, und lauscht dem „Geraun aus der Dunkelheit“, erzählt von seinem Eintauchen ins düstere Revier „jenseits der Kohlen­ bahnlinie“ mit der alten Abdeckerei. Es ist eine surreale Landschaft des Verfalls, die Wolfgang Hilbig in „Alte Abdeckerei“ beschreibt. Eine Landschaft, durchtränkt von Geschichte, die in Bildern und Erinnerungsmomenten dem Wanderer begegnet. „Alte Abdeckerei“, 1990 entstanden, gibt dem Gefühl der frühen Nachwendejahre kongenial eine Gestalt und gießt es in eine sprachlich überwältigende Form. Mit: Kaminsky, Pulina Wir sind nicht das Ende Von Carsten Brandau Drei Jahre lang war sie mit Ziad Jarrah verheiratet. Ziad war ihre große Liebe. Bis er am 11. September 2001 in den USA ein Passagierflugzeug entführt und es in Pennsylvania auf einen Acker abstürzen lässt. Nie war ihr an Ziad etwas aufgefallen. Nichts, was auf diesen 11. September ­ hätte hinweisen können. WIR SIND NICHT DAS ENDE basiert auf einer wahren Begebenheit. Es beschreibt eine Nacht im Leben einer Frau, die mit einem der Terror­ piloten von 9/11 verheiratet war und die sich seitdem die immer gleichen Fragen stellt: Wer war dieser Mensch, den sie geliebt hat? War ihre Liebe eine große Lüge? Und wer ist sie, dass ein Mörder sie liebte? Regie: M. Harder Mit: G. Harder, Unterweger Willkommen im ewigen Leben Ein Abend von und mit Günther Harder Nach Motiven von Michel Houellebecq. „Von den Sturmhöhen haben wir uns weit entfernt, das ist das Min­ deste, was man sagen kann.“ – Michel Houellebecq betrachtet die westliche Welt aus seiner Perspektive: scharf, gnadenlos, zynisch, sehnsüchtig, mit bitterem Humor. Der französische Star-Autor ist in seinem Hei­ matland der meist­ gelesene – aber auch umstrittenste Autor der Gegenwart. Auch in Deutschland sorgte jeder seiner Romane für Diskussionen, zuletzt Karte und Gebiet, in dem sich der Autor selbst auf bestialische ­ Weise umbringen lässt. Günther Harder zeigt ein Konzentrat aus Houellebecqs ersten vier ­ Romanen: „Ausweitung der Kampfzone“, „Plattform“, „Elementar­ teilchen“ und „Die Möglichkeit einer Insel“. Die Skala wird zur Bar. W ­ILLKOMMEN IM EWIGEN LEBEN, ein ­Kneipen-Treffen mit einem der ­ genialsten Quälgeister unserer Epoche. Regie: ­ Mannheim Mit: G. Harder Hunger Von Knut Hamsun Der namenlose Noch-nicht-Schriftsteller in Knut Hamsuns Roman HUNGER sucht sein Schreiben und er sucht schreibend nach ­ Anerkennung – eine brotlose Kunst. Er hungert, er verzweifelt. Dieser Ausnahmezustand ­ produziert die merkwürdigsten Wörter, Namen, Geschichten, mit denen er die Realität torpediert und die Umwelt zur Bühne seiner überspannten P ­hantasie macht. Zwischen 17


Semiose


Semiose (engl.: semiosis) bezeichnet den „Prozess, in dem ­etwas als Zeichen fungiert“, den Zeichenprozess.

Der Ausdruck wurde von Charles Sanders Peirce eingeführt. Seine konkrete Bedeutung ist abhängig von der ­zugrunde gelegten Semiose-Theorie. Grundlegend ist die Theorie von ­Peirce. Prominente Abänderungen sind die von Charles ­Morris und Umberto Eco. Eine soziologisch orientierte ­Variante ist die von Eliseo Verón. Nach Peirce ist die Semiotik „die Lehre von der eigent­ lichen ­Natur und von den grundlegenden Variationen ­möglicher ­Semiose“. Die Semiose ist danach der eigent­liche Gegenstand der Semiotik. Peirce definierte ­ Semiose als … einen Vorgang oder einen Einfluss, der das Zusammen­wirken von drei Gegenständen, nämlich

dem Zeichen, ­seinem Objekt und seinem Interpretanten, ist bzw. beinhaltet; ein dreifacher Einfluss, der in keinem Fall in paar­weise Vorgänge aufgelöst werden kann. Das Zeichen ist für ­Peirce eine Form der Drittheit. Die drei Korrelate, die miteinander in Beziehung stehen, identifiziert und benennt Peirce wie folgt:

• Repräsentamen – (sign, representamen) die äußere Zeichen­gestalt; das Zeichen im engeren Sinne • Objekt – (object) das materielle oder psychologische Bezugsobjekt; der Gegenstand, auf den das Zeichen sich bezieht • Interpretant – (interpretant, signification) die Bedeutung des Zeichens Quelle: Wikipedia


Hochmut und Demut hin und her getrieben sehen wir den Menschen, sehen den Willen zu einem Lebensentwurf in absurder Ignoranz seines sich abzeichnenden Schicksals. Der norwegische Autor Knut Hamsun selbst hatte nach Jahren wechselnder Jobs und Lebens­ entwürfe mit HUNGER endlich sein erstes Buch geschrieben und den Durchbruch als Schriftsteller geschafft. Regie: Skaansar Mit: Max. Brauer, Eckert Droge Faust (UA) Nach Droge Faust Parsifal von Einar Schleef Koproduktion mit dem Maxim Gorki Theater Berlin Armin Petras kontrastiert Einar Schleefs gewichtigen Essay Droge Faust Parsifal mit (UR)FAUST-Szenen von Goethe und lässt seine Akteure in einem inszenierten Theatervortrag Schleefs These von der kollektiven Drogen­ einnahme als Gemeinschaft stiftendem Vorgang überprüfen. Auch Faust ­ konsumiert: Jugend, Sex, Geld … Aber was ist seine Droge? Wie viel ­ Droge braucht der Mensch? Regie: Petras Mit: Lawinky, Schneider, Stübner

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gesamtkunstwerk AN DEN ORT GELANGEN Von Sophie Salzer Pole. Nordpol. Südpol. Westen. Osten. Süden. Norden. An den Ort
gelangen. Möglichkeit//Wirklichkeit//Möglichkeit. Wäre, was ist. Der Wille geht weiter. Die Frucht pflücken. Das Fenster ist offen. Die Wellen wollen ans Land. ¶ Das Gesamtkunstwerk im Februar ist Performance, ist Installation, ist Sprache, ist Sound. Seit über vier Jahren bietet Gesamtkunstwerk in der Gottschedstraße Raum für das Aufeinandertreffen verschiedenster Künste und Stilmittel. Der Formattitel legt den Verdacht des Größenwahns nahe, tatsächlich aber soll er wörtlich verstanden und realisiert werden: Kunst von allen, für alle! Dabei gehört Gesamtkunstwerk als ältestes Format konstitutiv zur Skala und zu dem, was dort vor vier Spielzeiten versucht wurde. Die Idee ist und bleibt, die Skala, primär Theaterraum, mit benachbarten Künsten, Bewegungen, Emotionen, auch Zumutungen zu füllen, um gemeinsame Batterien immer weiter aufzuladen. ¶ Es ist kalt. Rauchentwicklung. Herme­ tisch. Warten. Verlangen. Warten im Sein. Verlangen im Werden. Der Bogen gespannt. Beben. Flugzeuge am Fliegen. Ich sehe nach oben: Hindernis. Du schaust. Mauer. Wir: Stein. Struktur. Auflösung. Ich//Zeit. Körper//Du. Bilder vergehender Zeit. Jetzt. Jetzt. Jetzt. Jetzt. ¶ Sophie Salzer wird in ihrem Gesamtkunstwerk die Beziehung von Sprache, Bild und Vorstellung untersuchen. Die Sprache bildet Bilder aus der eigenen Vorstellung, zwischen dem, was bereits ist, und dem, was sein wird. Dazwischen steht das Sein, in dem noch nichts entschieden ist. Wie kommt man aus der Vorstellung zu Bildern, sei es in der Sprache oder der bildenden Kunst, und wie beeinflussen diese Bilder wieder unsere Vorstellungen? ¶ sophie salzer / ct 22.02., 20 Uhr, SKALA, 6  €

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Spinnwerk NAZISTÜCK EIGENPRODUKTION

„Demokraten bringen uns den Volkstod. Denn euer Ausbeutungs-Kapita­ lismus zerstört bedingungslos alles, was den wirklichen Bedürfnissen des Menschen in seiner gegebenen Umwelt entspricht. Doch wir lassen uns nicht BRD-igen. Und nein, wir sind schon lange nicht mehr die Extremen, wir sind die Mitte, wir sind Deutschland und wir kämpfen. Es ist der Kampf um die Köpfe, der Straße und der Parlamente. Es ist der nationale Widerstand, europaweit. Deutschland erwache und werde unsterblich.“ ¶ Der Nazikader Jörg Reiger wird an einem Galgen erhängt gefunden. Auf dem Schreibtisch neben ihm ein Abschiedsbrief. Doch Jörgs Kameraden bezweifeln, dass der Multifunktionär und Finanzier der rechten Szene Selbstmord begangen hat. ¶ Mit der Geschichte über die Aufklärung des Tods von Jörg Reiger, einer Schlüsselfigur der Neonaziszene, wirft die Eigenproduktion die Frage auf, wie viel „Nazi“ in einem Menschen und innerhalb der Gesellschaft existiert. Neben der beschönigten Auseinandersetzung mit dem Alltagsrassismus rücken interne Facetten des Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus in den Vordergrund, welche aus der Mitte der Gesellschaft entspringen. ¶ spinnwerk Leitung und Textfassung: Gregor Zocher, Maria Victoria Metz Mitarbeit: Jenny Heßmann Mit: Nicole Hitziger, Alexander Müller, Dennis Oltmanns, Patrick Schlegel, Rinaldo Steller, Eva Vinke Ab 15. Februar im SPINNWERK

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HAMLET IN PROGRESS HAMLETWERKSTATT FÜR SCHÜLER

In der Werkstatt Hamlet in Progress gibt das Spinnwerk Schülern die Möglichkeit, das Team der Inszenierung Hamlet und der 11. September kennenzulernen und einen Blick hinter die Kulissen der Produktion zu werfen. ¶ Die Schauspielerin Hanna Werth und Produktionsleiterin Gabriela Gillert werden anhand von Shakespeare-Motiven wie THERE IS SOMETHING ROTTEN IN THIS AGE mit Hamlet auf eine theaterpraktische Wahrheitssuche gehen. Die Schüler werden sowohl Elemente des Improvisationstheaters wie auch Grundlagen des Schauspiels kennenlernen. Mit inbegriffen in die Werkstatt ist ein Besuch der Aufführung von Hamlet und der 11. September. ¶ Bewerben können sich Schulklassen ab der 9. Jahrgangsstufe unter gabriela.gillert@schauspiel-leipzig.de oder direkt im Spinnwerk unter (03 41) 42 06-109. ¶ spinnwerk 01.02., Werkstatt: 9 – 15 UHR, SPINNWERK, 0 € Hamlet und der 11. September: 20 UHR, Spinnwerk, 7 € / 5 € / 4 € p. P. für Gruppen ab 20 Personen bei Besuch des Workshops

Seelenlos MUSIKALISCH-SZENISCHES WERKSTATT-EXPERIMENT

In dieser Werkstatt wird bei einer szenischen und musikalischen Arbeit die Figur Cinthia zur Projektionfläche für Psychosen der heutigen Gesellschaft. Dieser Ausnahmezustand in Kopf und Seele wird durch szenisches Spiel sowie zeitgenössische, experimentelle und elektronische Klänge zum Ausdruck gebracht. ¶ Bestandsaufnahme. 1985 geboren, 26 Jahre gelebt, 26 Jahre lang auf der Suche nach dem eigenen Nutzen in einer globalisierten Welt. Aufgewachsen und sesshaft in Deutschland, steht Cinthia dem Trümmerhaufen gegenüber, den man Vergangenheit nennt. Konfrontiert mit unerfüllten Träumen und angewidert von der Nutzlosigkeit ihrer eigenen Existenz begibt sie sich auf die aussichtslose Suche nach einer anderen Realität. Sie beschließt, sich von ihrer Seele, in der all ihre Erfahrungen gespeichert sind, zu befreien. Sich loszumachen von dem Wunsch, etwas verändern zu wollen, der als Ursprung allen Übels erkannt wurde. Ohne Seele, seelenlos glücklich. ¶ spinnwerk WERKSTATT-PRÄSENTATION: 23.02., 20 UHR, SPINNWERK, 7 € / 5 €

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Schön LAUT # 3 SCHÖN GEMÜTLICH – Konzert

Draußen klirrt die Kälte, drinnen klingt die Musik. Während der Winter die Stadt mit seinen eisigen Klauen umklammert hält, kuschelt man sich im Spinnwerk in heimeliger Atmosphäre in seinen Winterspeck und lauscht den warmen Tönen ausgewählter Musiker. ¶ Das Konzept des Konzerts Schön gemütlich besticht durch Einfachheit: Eine Bühne, ein Sofa, ein Moderator und Musik – mehr braucht man nicht. Das Polstermöbelstück gehört natürlich nicht nur aus rein ästhetischen Gründen zum Bühnenbild, vielmehr soll es unseren Gästen eine schön gemütliche Gesprächsgrundlage bieten. Die Musikmacher werden nämlich nicht nur Musik machen, sondern sich auch bequemen und unbequemen Fragen unseres Moderators und des Publikums stellen. Wie gesagt, alles schön gemütlich. ¶ spinnwerk 02.02., 20 UHR, SPINNWERK, 7 € / 5 €

Schön spontan # 1 IMPRO-BATTLE: USCHIS ERBEN VS. VierVOLT Uschis Erben, die hauseigene Improgruppe des Spinnwerks, startet

schön spontan in den Frühling. Das alljährliche Battle mit der Gruppe VierVolt wird nur der Anfang einer Reihe von Gefechten sein, die vor allem eines sind – improvisiert. ¶ Uschis Erben und VierVolt zieht der Frühling in die Glieder. Das Eis bricht und weicht zurück, das Grün und das Gelb der Scheinwerfer erwacht, ähnlich auch das Pointentier und der Ideen­vogel. Also satteln die Erben und die Voltis ihre Rösser, wildes Jagdfieber glüht in ihren Augen, Schaum vor dem Mund. Mit Jagdhörnern und Trompeten ziehen die Spieler zur Treibjagd aus, springen über jedes Hindernis und pirschen durch Geschichtenwälder. Sie schärfen ihre Pfeile, strecken die Bögen durch, um die Lachmuskeln zum Bersten zu bringen. Bleibt also abzuwarten, wer der Schützenkönig wird und wer sich einen Bock schießt. ¶ spinnwerk 03.02., 20 UHR, SPINNWERK, 7 € / 5 €

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Infrastrukturelles Centraltheater, Bosestraße 1, 04109 Leipzig, www.schauspiel-leipzig.de Skala, Gottschedstraße 16, 04109 Leipzig, www.skala-leipzig.de Weißes Haus, Bosestraße, 04109 Leipzig, www.schauspiel-leipzig.de Spinnwerk, Baumwollspinnerei, Halle 18, Spinnereistraße 7, 04179 Leipzig, www.spinnwerk-leipzig.de

Centraltheater

kartenTelefon (03 41) 12 68 - 168

Fax: (03 41) 12 68 - 169, Mail: besucherservice@schauspiel-leipzig.de, Kassenöffnungszeiten: Mo–Fr 10–19 Uhr, Abendkasse: 1,5 Stunden vor Veranstaltungsbeginn. Reservierte Karten bitte bis 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn abholen; bei späterer Abholung keine Platzgarantie. Der Vorverkauf beginnt am 5. des Vormonats. Preise: Platzgruppe I: 24 €, ermäßigt 17 €; Platzgruppe II: 20 €, ermäßigt 14 €; Platzgruppe III: 16 €, ermäßigt 11 €; Platzgruppe IV: 10 €.

SKALA

KArteNteLeFON (03 41) 12 68 - 475

Fax: (03 41) 12 68 - 182, Mail: karten@skala-leipzig.de (auch für Reservierungen), Kassenöffnungszeit: 1 Stunde vor Veranstaltungsbeginn. Reservierte Karten bitte bis 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn abholen. Preise: Freie Platzwahl: 12 €, ermäßigt 9 €. Die Preise für Veranstaltungen außerhalb des Repertoires, Gastspiele, Märchen und Sonderveranstaltungen, für die Centraltheater-Formate KONZERT und Der centrale Film sowie für Veranstaltungen auf der Hinterbühne, in den Foyers etc. entnehmen Sie bitte den jeweiligen Programmankündigungen. 33


Vorverkaufsstellen LeipzigTickets*, Tourist-Information Leipzig, Katharinenstr. 8; MDR-Ticket-Galerie, Hainstr. 1; Musikalienhandlung M. OELSNER, Schillerstr. 5; Konzert- & Theaterkasse im Hugendubel, Petersstr. 12-14; CULTON Ticket, Peters­steinweg 9; LVZ Ticketservice, Peterssteinweg 19; Leipziger Wochenkurier, Brühl Arkade, Brühl 33; Reisebüro im Globus GmbH Wachau, Nordstr. 1; Tourist-Information Wurzen, Domgasse 2; Tourist-Information Delitzsch, Schloßstr. 31. Bundesweit: www.Eventim.de * Hinweis: An unserer Tageskasse im Centraltheater und unserem Counter LeipzigTickets in der Katharinenstraße erhalten Sie neben den Eintrittskarten für unsere Spielstätten auch Tickets für nahezu alle anderen kulturellen Angebote und Veranstaltungen in Leipzig. Ermäßigungsberechtigt sind Kinder bis 14 Jahre, Auszubildende, Schüler, Studenten, Schwerbehinderte und Bundesfreiwilligendienstleistende. Rollstuhlfahrer zahlen einheitlich 5 € im Repertoire des Centraltheaters. ALG-II-Empfänger erhalten an der Abendkasse Karten zum Preis von 3 €. Inhaber eines gültigen Leipzig-Passes erhalten 50 % Ermäßigung (Mindesteintrittspreis von 5 €). Schüler und Studenten zahlen im Repertoire von Centraltheater + Skala 7 € und in Gruppen ab 10 Personen 6 € pro Person. Ermäßigungen werden nach Verfügbarkeit sowie Vorlage des entsprechenden Ausweises gewährt. Pro Veranstaltung kann nur jeweils eine Ermäßigung in Anspruch genommen werden. Beim Format KONZERT, bei Gastspielen, Sonderveran­staltungen und Veranstaltungen mit stark eingeschränkter Platzkapazität sowie bei Veran­staltungen mit einem regulären Eintrittspreis unterhalb von 7 € ist der Entfall von Ermäßigungen möglich. Nicht ermäßigt werden Kartenpreise der Platzgruppe IV im Centraltheater.

Anfahrt Centraltheater ÖPNV: Linie 1, 14 / Haltestelle: Gottschedstraße; Linie 9 / Haltestelle: Thomaskirche, Centraltheater. Das Centraltheater ist für Rollstuhlfahrer barrierefrei zugänglich. Bitte informieren Sie uns vorab unter (03 41) 12 68 - 168.

impressum Herausgeber: Schauspiel Leipzig | Eigenbetrieb der Stadt Leipzig | Centraltheater + Skala | Bosestraße 1, 04109 Leipzig Intendant: Sebastian Hartmann Redaktion: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Denken+Handeln (Dramaturgie) Grafik: DiG Berlin Druck: Decker Offset Druck GmbH Redaktionsschluss: 02.01.2013, Änderungen vorbehalten

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Nach Einar Schleefs droge faust parsifal Koproduktion mit dem Maxim Gorki Theater Berlin Regie: Armin Petras

Kartentelefon: (0341)1268-168 www.schauspiel-leipzig.de

wieder am 20 Uhr 9. + 21.2.,


Monatsspieplan Februar