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3/2012, 65. Jahrgang P. b. b. – Erscheinungsort Wien Verlagspostamt 1140 Wien 02Z030562 M

Fachzeitschrift für P ­ flanzenschutz, V ­ orratsschutz und ­Pflanzenernährung

In den Tieflagen Österreichs breitet sich die als „unverwüstlich“ geltende Aleppohirse aus

In Raps ist die 1. N-Düngung mit Einsetzen der Vegetation ab 5 °C Bodentemperatur sinnvoll

Für deutliche Ertragseffekte ist der Einsatz von Fungiziden gut den Gegebenheiten anzupassen

3/2012

1


Getreide: Das Potenzial der Fungizide optimal nutzen! Pflanzenschutz

DI Michael Oberforster und Ing. Willibald Prieler, AGES Wien Fungizide sind im konventionellen Getreidebau wertvolle Betriebsmittel. Aus Kosten- und Umweltgründen sollte ihr Einsatz jedoch auf das unbedingt nötige Maß begrenzt werden.

D

ie Mehrzahl der pilzlichen Erreger wird durch hohe Luftfeuchtigkeit, Tau oder eine länger anhaltende Blattnässe gefördert. Daher treten Epidemien bevorzugt auf, wenn es zwischen April und Juni oftmals regnet. In Jahren mit trockenem Frühsommer sind die krankheitsbedingten Ertragsverluste geringer. Neben der Witterung nehmen Anbaufaktoren wie Vorfrucht, System der Bodenbearbeitung, gewählte Sorte, Saatzeit und Stick-

Winterroggen: Ertragseffekte durch Bekämpfung von Abreifekrankheiten (hauptsächlich Braun- und Schwarzrost) mit einem Azol- bzw. Carboxamid-Azol-Fungizid (39 Versuche von 2006 bis 2011, Mittel aus 2 bis 3 Sorten)

stoffangebot Einfluss auf das Befallsgeschehen.

Wirtschaftlichkeit verbessern Ergebnisse regionaler Versuche, die Kenntnis der Sorteneigenschaften, regelmäßige Bestandeskontrollen sowie Warnmeldungen dienen der Risikoabschätzung und verbessern die Wirtschaftlichkeit von Fungizidanwendungen. Die Bekämpfungsstrategie sollte sich an der Befallsdynamik im Bestand orientieren. Für Wintergerste, Winterroggen, Triticale und Winterweizen liefert das Prognosemodell pro_Plant Hinweise zur Infektionswahrscheinlichkeit. In einer Basisversion ist es im Internet unter www.warndienst.at kostenfrei verfügbar. Es ist ratsam, auf größeren Schlägen stets ein Spritzfenster zur Erfolgskontrolle anzulegen.

Neue Fungizide In der Saison 2012 bereichern einige Getreidefungizide den Markt.

Ertragssicherung (dt/ha) gegenüber unbehandelter Kontrolle, Ø 2–3 Sorten, 39 Versuche 32 Neben Braunrost mittlerer bis starker Schwarzrostbefall

28 24

Präparatkosten €/ha: 36 Azol /Carboxamid Ausbringung €/ha: 19 Produktpreis €/t: 150–175 Preise exkl. MwSt.

20 16 12 8 4 0 Pannonisches Trockengebiet

–4

Wirtschaftlichkeitsschwelle: 3,1–3,7 dt/ha

4 3/2012

Mühl- und Waldviertel

Kärnten

Starker Befall mit Netzflecken bei Wintergerste. In einem feuchten Frühjahr können bei empfindlichen Sorten die Blätter frühzeitig ihre Funktion einbüßen

■■ Adexar enthält das von Osiris und Juwel Top bekannte Epoxiconazol und das Carboxamid Xemium. Adexar wirkt gut gegen Rostpilze, Septoriaarten, DTR-Blattdürre, Netzflecken, Ramularia und nichtparasitäre Blattverbräunungen (PLS). Eine Zulassung besteht für Gerste, Roggen, Triticale und Weizen. Bei einmaliger Behandlung werden zumeist 1,2 bis 1,5 l/ha empfohlen. ■■ Input Xpro ist eine Fertigformulierung von dem in Aviator Xpro und Zantara enthaltenen Carboxamid Bixafen, dem Azol Prothioconazol sowie dem gegen Mehltau effektiven Wirkstoff Spiroxamine. Auch Input Xpro überzeugt durch ein abgerundetes Leistungsprofil gegenüber Blattkrankheiten. Die normale Aufwandmenge beträgt 1,0 l/ha für Gerste und 1,0 bis 1,25 l/ ha für Roggen, Triticale und Weizen. ■■ Tebu Super 250 EW enthält 250 g/l Tebuconazol und entspricht damit dem Folicur.


Was ist wo zu beachten?

Ertragssicherung (dt/ha) gegenüber unbehandelter Kontrolle, Ø 3 Sorten, 22 Versuche 18

Wintergerste

15 12

Strobilurinkombination Azol/Carboxamid

9 6

Pflanzenschutz

Netzflecken und Zwergrost sind wesentliche Krankheiten der Wintergerste. Rhynchosporium war zuletzt im regnerischen Frühjahr 2009 bedeutsam. In Feucht- und Übergangslagen schädigen die Sprenkelkrankheit (Ramularia) und nichtparasitäre Blattflecken (PLS). Bei höherem Befallsdruck hat sich eine Einmalbehandlung zwischen Stadium 37 (Erscheinen des Fahnenblattes) und Stadium 51 (beginnendes Ährenschieben) bewährt. Spätere Anwendungen sind meist weniger effektiv, denn die Kurativleistung der Fungizide gegen Netzflecken und Ramularia ist gering. Zudem halten die Grannen den Wirkstoff teilweise von den Blättern ab. Geeignete Präparate auf Azolbasis sind z. B. Achat, Capitan, Folicur, Gladio, Harvesan, Orius, Pronto Plus, Prosaro, Tebu Super 250 EW oder Tilt 250 EC. Im Alpenvorland entfalten Carboxamide (z. B. Adexar, Aviator Xpro, Input Xpro) und Strobilurin-AzolKombinationen (z. B. Amistar Opti + Gladio, Credo + Champion) eine gute Dauerwirkung gegen Netzflecken, Ramularia und PLS. ➜ Ergebnisse: Im Pannonikum sicherte die Strobilurin-Azol-Mischung im Mittel nur +4,4 dt/ha (14 Versuche). Im östlichen Alpenvorland leistete das Fun-

Präparatkosten €/ha: 64,2 Strobilurinkombination 57,3 Azol/Carboxamid Ausbringung €/ha: 19 Produktpreis €/t: 150–210 Preise exkl. MwSt.

3 0 Marchfeld

Nördliches Weinviertel

Wiener Becken, Tullnerfeld

–3 Wirtschaftlichkeitsschwelle: Strobilurinpräparat 4,0–5,5 dt/ha, Azolpräparat 3,6–5,1 dt/ha

gizid durchschnittlich +6,2 dt/ha (18 Versuche) und in Oberösterreich waren es +9,1 dt/ha (10 Versuche). In der Oststeiermark blieben die Effekte mit +6,0 dt/ha (5 Versuche) darunter.

Winterweizen im pannonischen Trockengebiet: Ertragseffekte durch Bekämpfung von Abreifekrankheiten mit einem Strobilurin-Azol- bzw. Azol- oder Carboxamid-Azol-Fungizid (22 Versuche von 2006 bis 2011, Mittel aus 3 Sorten)

herrschenden Fröste ist in diesem Frühjahr kaum mit Ausgangsbefall zu rechnen. Finden sich während des Schossens

Winterroggen Trotz züchterischer Anstrengungen reifen unbehandelte Roggenbestände aufgrund des Braunrosts oft vorzeitig ab. Wegen der kühlen Herbstwitterung und der seit Ende Jänner

„Der Preis stimmt.

Die Leistung noch mehr. So zahlt sich der

Wechsel aus!“

Wirtschaftlichkeitsschwelle Die Versuchsergebnisse geben eine realistische Vorstellung von den in der Praxis erzielbaren Fungizidwirkungen. Die Säulen in den Grafiken zeigen die Ertragseffekte eines Strobilurin-Azol- oder Azol- bzw. Carboxamid-Azol-Präparates im Vergleich zur unbehandelten Kontrolle. Die rechnerische Wirtschaftlichkeitsschwelle (als Balken dargestellt) ist der bei den angeführten Getreidepreisen zur Abdeckung von Fungizid- und Ausbringungskosten mindestens zu sichernde Ertrag. Diese Schwelle liegt zwischen 3,1 und 3,7 dt/ha (Roggen, Einsatz eines Azolfungizids) bzw. 5,6 und 7,3 dt/ha (Mahlweizen in Feucht- und Übergangslagen, Anwendung eines Strobilurin-AzolFungizids). Qualitätseffekte und Lohnanspruch blieben dabei unberücksichtigt. Bei innerbetrieblicher Verwertung ist mit anderen Preisansätzen zu kalkulieren. In der Praxis sollte die Wirtschaftlichkeitsschwelle eventuell geringfügig höher angesetzt werden, weil mitunter Verluste in Folge unwirtschaftlicher Anwendungen ausgeglichen werden müssen. Geht es um die Reduktion von Fusariumtoxinen unter die festgelegten Grenzwerte, ist die Forderung nach einem Mindest-Ertragseffekt obsolet.

MIT XEMIUM

Konkurrenzlos gut gegen alle wichtigen Pilzkrankheiten in Weizen, Gerste, Roggen und Triticale Besonders sicher durch optimale heilende Wirkung und bestem Schutz des Neuzuwachs Mit Vitalisierungseffekt Pfl.Reg.Nr.Österreich: 3151 Pflanzenschutzmittel vorsichtig verwenden. Vor Verwendung stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Adexar-Austria_86x130.indd 1

07.02.12 13:10

3/2012

5


Pflanzenschutz

auf älteren Blättern keine oder nur wenige Pusteln, sollte das Fungizid erst beim Ährenschieben (Stadium 51 bis 59) verabreicht werden. Angesichts der langen Einkörnungsphase von Roggen (45 bis 55 Tage) ist die Dauerwirkung der meisten Fungizide ohnehin knapp. Schwarzrost verursachte 2010 und 2011 in Ostösterreich, im Alpenvorland, im Südburgenland und in Kärnten teils gravierende Einbußen. Gegen Braun- und Schwarzrost zeigen Azole wie Folicur, Orius, Osiris, Pronto Plus, Prosaro und Tebu Super 250 EW bzw.

die Carboxamide Adexar, Aviator Xpro, Input Xpro und Zantara eine akzeptable bis gute Wirkung. Bei hoher Ertragserwartung oder wenn die Braunrost­ dynamik einen frühen Einsatz verlangt, eignen sich auch Strobilurin-AzolPräparate wie Amistar Opti + Gladio, Credo + Champion oder Juwel Top. ➜ Ergebnisse: Die Anwendung eines Azols (1,0 l/ha Folicur, 2006 bis 2010) bzw. eines Carboxamid-Azol-Präparates (1,0 l/ha Zantara im Jahr 2011) sicherte im sechsjährigen Mittel +7,9 dt/ ha (Pannonisches Trockengebiet, 21

Versuche), +5,6 dt/ha (Mühl- und Waldviertel, 12 Versuche) bzw. +5,0 dt/ha Ertrag (Kärnten, 6 Versuche). Vor allem in Ostösterreich variieren die Ertragseffekte in Abhängigkeit vom Krankheitsdruck sehr stark.

Winterweizen im Trockengebiet Im Pannonikum werden die meisten Weizenbestände von Mehltau infiziert, im Allgemeinen aber wenig geschädigt. Nur in Staulagen oder bei überhöhten Triebdichten könnte eine frühe Anwen-

Tabelle 1: Ausgewählte Fungizide für Getreide und deren Wirksamkeit (nach Hubert Köppl) Präparat

Ge­ treide­ art1)

Menge, l/ha bzw. kg/ha

Preis/ha EUR2)

Mehl­ tau

Rost­ krank­ heiten

Septo­ riaArten3)

DTRBlatt­ dürre

Ähren­ fusari­ um

Netzflecken

Rhyn­ chospo­ rium

Ramula­ ria/PLS

Mehltau-Spezialmittel Corbel

G,R,W

0,5 – 1,0

18 – 37

+++

++

Flexity

G,H,R,T,W

0,3 – 0,5

22 – 37

+++

Vegas

G,H,R,T,W

0,15 – 0,2

21 – 28

+++

Azole und Mischungen Achat Capitan

G,R,W

0,5

17

+(+)

++

++

++

++

++

+(+)

G,H,R,T,W

0,8 – 1,0

24 – 30

+(+)

++

++

+

++(+)

+++

+(+)

Cirkon

G,R,W

1,25

35

+(+)

++

++

++

++

++

(+)

Folicur

G,R,T,W

1,0 – 1,25

31 – 39

++

+++

++(+)

++

++

++(+)

++(+)

+(+)

Gladio

G,R,W

0,8

45

++(+)

++(+)

++(+)

++(+)

++(+)

++

+(+)

Harvesan

G,R,T,W

0,8

37

+

++

++(+)

++

++

+++

+(+)

Orius

G,R,T,W

1,25 – 1,5

31 – 37

++

+++

++(+)

++

++(+)

++(+)

+(+)

Osiris

G,R,T,W

2,0 – 3,0

47 – 59

++

+++

+++

+++

++(+)

++

++

++

Pronto Plus

G,R,T,W

1,2 – 1,5

33 – 41

+++

+++

++(+)

+(+)

++

++

++

+(+)

T,W

1,25 + 1,1

59

+++

+++

++(+)

+(+)

++(+)

Prosaro

G,R,T,W

0,8 – 1,0

46 – 58

++(+)

+++

+++

++(+)

++(+)

+++

+++

++(+)

Tebu Super 250 EW

G,R,W

1,0

k. A.

++

+++

++(+)

++

++

++(+)

++(+)

+(+)

G,H,R,W

0,5

18

+(+)

++

++

++

++

++

+(+)

Pronto Plus + DON-Q

Tilt 250 EC

Carboxamide und Kombinationen Adexar

G,R,T,W

1,2 – 1,5

k. A.

+++

+++

+++

+++

+++

+++

+++

Aviator Xpro

G,R,T,W

0,8 – 1,0

49 – 61

++

+++

+++

+++

+++

+++

+++

Input Xpro

G,R,T,W

1,0 – 1,25

k. A.

++(+)

+++

+++

++

+++

+++

+++

Zantara

G,R,W

1,0 – 1,25

36 – 45

++

+++

+++

++(+)

++

+++

+++

++(+)

Strobilurine und Kombinationen Amistar Opti4) + Gladio

G,R,W

1,5 – 1,8 + 0,5 – 0,6

60 – 72

+++

+++

+++

+++

+++

++

+++

Champion+ Diamant

G,R,W

0,8 – 0,9 + 0,8 – 0,9

73 – 83

+++

+++

+++

+++

+++

+++

++(+)

Credo + Champion

G,R,W

1,0 + 1,0

72

+(+)

+++

+++

++(+)

+++

+++

+++

G,H,R,T,W

1,25 – 1,5

44 – 53

+

++

+++

++(+)

++(+)

++(+)

++

Andere Wirkstoffe Charisma

– = nicht wirksam,+ = schwach wirksam (Teilwirkungen bei geringem Befallsdruck und günstigen Bedingungen), ++ = ausreichend bis gut wirksam, +++ = sehr gut wirksam 1) Getreideart: G = Gerste, H = Hafer, R = Roggen, T = Triticale, W = Weichweizen, Durumweizen und Dinkel 2) Unverbindliche Preise der RWA Raiffeisen Ware Austria AG 2011 (exkl. MwSt., gerundet), größtes Gebinde; k. A. = keine Angabe 3) Septoria tritici ist auch in Österreich regional gegen strobilurinhältige Wirkstoffe resistent. In Kombinationen wirkt nur der nicht-strobilurinhältige Partner. 4) In Gerste nur gegen Ramularia (Sprenkelkrankheit) und Nichtparasitäre Blattflecken (PLS) zugelassen.

6 3/2012


Tabelle 2: Wintergerste-Ertrag 2006–2011 (Mittel aus je 3 Sorten) Pannonisches Trockengebiet

Fotos: Oberforster

Steier­ mark

Anzahl der Versuche

14

18

10

5

75,5

74,7

77,6

70,4

Strobilurinfungizid, dt/ha

79,9

80,9

86,7

76,4

Fungizideffekt, dt/ha

+4,4

+6,2

+9,1

+6,0

+6

+8

+12

+9

Fungizideffekt, %

Tabelle 3: Sommergerste-Ertrag 2006–2011 (Mittel aus je 4 Sorten) Pannonisches Trockengebiet

Alpen­ vorland

Mühl­ viertel

Wald­ viertel

Steier­ mark

Kärn­ ten

Anzahl der Versuche

25

6

6

6

3

6

Unbehandelt, dt/ha

66,6

53,0

62,2

70,6

56,2

61,3

Strobilurinfungizid, dt/ha

72,1

63,9

68,0

77,4

62,7

67,0

Fungizideffekt, dt/ha

+5,5

+10,9

+5,8

+6,8

+6,5

+5,7

+8

+21

+9

+10

+12

+9

nationen wie Amistar Opti + Gladio, Amistar Opti + Tilt 250 EC, Champion + Diamant oder Credo + Champion zwischen Fahnenblattstadium und beginnendem Ährenschieben sinnvoll sein. ➜ Ergebnisse: Im Mittel von 22 Versuchen sicherte ein in der frühen Schossphase angewandtes Mehltaupräparat (Corbel) nur +1,6 dt/ha. Die Bekämpfung der Abreifepilze zwischen Stadium 39 und 55 war etwa in der Hälfte der Fälle wirtschaftlich. Durchschnittlich wurde ein Mehrertrag von +6,6 dt/ha (Strobilurinvariante) bzw. +4,9 dt/ha (Azol- bzw. Carboxamidvariante) erreicht. Das im Jahr 2011 eingesetzte Aviator Xpro war ähnlich effizient wie die Strobilurin-Azol-Kombination.

Winterweizen in Feuchtlagen Der Braunrost kann im Alpenvorland, im Südburgenland und der Oststeiermark zu gravierenden Ertragseinbußen führen. Eine Infektion mit Septoria tritici setzt Regenfälle und eine beständige Blattnässe von mindestens 36 Stunden voraus. Die Septoria-Blattdürre hat ihren Schwerpunkt in Teilen des Alpenvorlandes sowie im Mühl- und Wald-

Winterweizen in Feucht- und Übergangslagen: Ertragseffekte durch Bekämpfung von Abreifekrankheiten mit einem Strobilurin-Azol-Fungizid (42 Versuche 2006 bis 2011, Mittel aus 3 bis 4 Sorten)

Ertragssicherung (dt/ha) gegenüber unbehandelter Kontrolle, Ø 3–4 Sorten, 42 Versuche 27 24

sondere Frühsaaten und Weizen in Selbstfolge, ist aber auch sonst verbreitet. Bei schwächerem Krankheitsdruck reicht die Anwendung eines Azols (z. B. Achat, Cirkon, Folicur, Gladio, Orius, Pronto Plus, Tilt 250 EC oder Tebu Super 250 EW) zwischen Ährenschieben und Blüte bzw. erübrigt sich ein Fungizid. Bei kritischen Fruchtfolgen oder für Braunrost anfälligen Sorten könnte der Einsatz von Osiris, Prosaro, Adexar, Aviator Xpro, Input Xpro oder Zantara bzw. Strobilurin-Azol-Kombi-

OÖ. Alpen­ vorland

Unbehandelt, dt/ha

Fungizideffekt, %

Der Braunrost ist eine wesentliche Krankheit des Weizens. Eine warm-feuchte Witterung im Mai und Juni fördert Infektionen

NÖ. Alpen­ vorland

Pflanzenschutz

dung von Corbel, Flexity oder Vegas bzw. ein preiswertes Azol wie Tilt 250 EC nötig sein. Viel ertragsrelevanter ist der Braunrost, zudem hat die Widerstandskraft einiger Sorten (z. B. Arktis, Energo, Pannonikus) zuletzt nachgelassen. Gelbrost dürfte aufgrund des wochenlangen Dauerfrostes heuer keine Probleme bereiten. Blattseptoria (Septoria nodorum) tritt in Jahren mit regnerischem Mai und Juni deutlicher hervor. DTR-Blattdürre beeinträchtigt insbe-

21

Präparatkosten €/ha: 82,5 Strobilurinkombination Ausbringung €/ha: 19 Produktpreis €/t: 140–180 Preise exkl. MwSt.

18 15 12 9 6 3 0 –3

NÖ. Alpenvorland

OÖ. Alpenvorland

Kärnten

Steiermark

Wirtschaftlichkeitsschwelle: 5,6–7,3 dt/ha

3/2012

7


Pflanzenschutz

Fällen erfolgt die erste Spritzung mit reduzierter Aufwandmenge. ➜ Ergebnisse: Die einmalige Anwendung eines breit wirksamen StrobilurinAzol-Fungizids sicherte im östlichen Alpenvorland durchschnittlich +11,4 dt/ha (20 Versuche), in Oberösterreich waren es +11,2 dt/ha (10 Versuche), in der Oststeiermark lediglich +3,9 dt/ha (6 Versuche) und in Kärnten +2,6 dt/ ha (6 Versuche).

Sommergerste

In feuchteren Anbaulagen sind Gerstenbestände oft von Ramularia (Sprenkelkrankheit) und nichtparasitären Blattverbräunungen (PLS) betroffen. Die Symptome sind am Feld meist schwer zu unterscheiden. Weil Fungizide gegen Ramularia kaum heilend wirken, ist ein rechtzeitiger Einsatz erforderlich

viertel. Nach Vorfrucht Weizen kann sich bei feuchtwarmer Witterung DTRBlattdürre ausbreiten. Meist erfolgt eine Einmalbehandlung zwischen Fahnenblattstadium (BBCH 37) und Mitte des Ährenschiebens (BBCH 55) mit azolhältigen Produkten (z. B. Achat, Cirkon, Folicur, Gladio, Orius, Osiris, Pronto Plus, Prosaro, Tilt 250 EC) oder Carboxamiden (z. B. Adexar, Aviator Xpro, Zantara). Strobilurin-Azol-Mischungen wie Ami­star Opti + Gladio, Credo + Champion, Champion + Diamant oder Juwel Top sollen nicht später als zu Beginn des Ährenschiebens eingesetzt werden. Manche Landwirte haben Ährenfusarium im Focus und geben ein entsprechendes Fungizid zur Weizenblüte. Dabei wird in Kauf genommen, dass frühe Infektionen mit Braunrost, SeptoriaArten oder DTR-Blattdürre nicht mehr gut zu kontrollieren sind. Eine zweimalige Behandlung kann auf Schlägen mit zeitig hohem Krankheitsdruck und wenn zusätzlich eine Behandlung gegen Ährenfusarium vorgesehen ist, zweckmäßig sein. In diesen

8 3/2012

Der Mehltau hat dank einer stabilen Resistenz der meisten Sorten an Bedeutung eingebüßt. In Ostösterreich liegt das Hauptgewicht auf Netzflecken und Zwergrost; im Jahr 2010 litten viele Bestände unter der weniger bekannten Braunfleckigkeit. Eine Behandlung erfolgt in der Regel zwischen dem Erscheinen des letzten Blattes (Stadium 37) und dem beginnenden Ährenschieben (Stadium 51). Sofern der Krankheitsdruck im Pannonikum gering ist, genügen kostengünstige Azole wie Achat, Capitan, Folicur, Gladio, Harvesan, Pronto Plus, Tebu Super 250 EW oder Tilt 250 EC bzw. wird man auf eine Behandlung verzichten können. In Feucht- und Übergangslagen sind Netzflecken, die Sprenkelkrankheit (Ramularia) und nichtparasitäre Blattverbräunungen (PLS) bedeutsam. Im Alpenvorland werden Netzflecken, Ramularia und PLS durch Carboxamide oder Strobilurin-AzolKombinationen gut erfasst. ➜ Ergebnisse: In Ostösterreich sicherte ein Strobilurin-Azol-Fungizid durchschnittlich +5,5 dt/ha oder +8 % Ertrag (24 Versuche), im Alpenvorland waren es +10,9 dt/ha oder +21 % (6 Versuche), und im Mühl- und Waldviertel, der Steiermark und Kärnten +5,7 bis +6,8 dt/ha bzw. +9 bis +12 %.

Winter- und Sommerdurum Wird Sommerdurum bereits in der Bestockungsphase von Mehltau in­ fiziert, könnte dem Herbizid z. B. Corbel, Flexity, Vegas oder Tilt 250 EC beigemengt werden. Sofern der Befalls-

druck durch Braunrost oder Blattseptoria gering ist, wartet man mit einem gegen Ährenfusarium wirkenden Azol bis zur Blütezeit zu. Steht der Durum nach Weizen, ist mit DTR-Blattdürre zu rechnen. In solchen Situationen wird sich die frühzeitige Anwendung (BBCH 34 bis 39) von Osiris oder eines Carboxamids (z. B. Adexar, Aviator Xpro) bzw. einer Strobilurin-Azol-Mischung wie Amistar Opti + Gladio öfter lohnen. Gegenüber Infektionen mit Fusariumpilzen reagieren sämtliche Durumsorten sensibel. ➜ Ergebnisse bei Sommerdurum: Sofern Braunrost und DTR-Blattdürre nicht dominierend auftraten, war die Anwendung eines Azols zwischen Stadium 39 (voll entwickeltes Fahnenblatt) und 65 (Hauptblüte) mit +2,7 dt/ha Ertrag unergiebig (Mittel aus 25 Versuchen). Bei massivem Infektionsdruck durch DTR-Blattdürre sicherte der Einsatz eines potenten Fungizids in der späten Schossphase hingegen +6,4 bis +14,3 dt/ha (9 Versuche).

Das Fusariumrisiko einschätzen Durumweizen sowie in geringerem Maße auch Weichweizen und Triticale sind von Ährenfusarium gefährdet. Das Krankheitsrisiko steigt durch folgende Faktoren an: Vorfrucht Mais, hoher Maisanteil in der Fruchtfolge, nicht wendende Bodenbearbeitung, Reste von Maisstroh auf der Bodenoberfläche (in abgeschwächtem Maße gilt dies auch für Ernterückstände von Getreide), Regenfälle zur Blütezeit des Getreides, wenn gleichzeitig die Temperatur über 18 °C liegt, hohes Stickstoffangebot, fusariumanfällige Sorte. Ein zur Blütezeit (bevorzugt im Stadium 63 bis 67) angewandtes Fungizid kann die Fusariumsymptome und Toxinbelastung (Deoxynivalenol) um 50 bis 70 % senken. In Weizen sind Folicur, Osiris, Pronto Plus, Pronto Plus + DON-Q, Prosaro, Tebu Super 250 EW und Zantara einsetzbar. Die relativ beste Wirkung ist bei infektionsnaher Anwendung zu erwarten, d. h. einen Tag vor bis drei Tage nach einem Regen. Zu beachten ist, dass Tebu Super 250 EW


Die Aleppohirse breitet sich aus

und Zantara keine Zulassung für Triticale haben. In Durumweizen sind Folicur und Tebu Super 250 EW nicht gegen Ährenfusarium einsetzbar. n Niederschläge zur Blütezeit von Durumweizen fördern Infektionen mit Ährenfusarium. Zwei bis drei Wochen später werden die typischen Symptome (ausgebleichte Ährchen) sichtbar

D

ie Aleppohirse (Sorghum halepense (L.) Per.) ist ein horstbildendes, ausdauerndes und hochwüchsiges (bis 250 cm) Gras. Der Blütenstand ist eine offene Rispe, die 15–20 cm Länge erreichen kann und rötlich behaart ist. Unter günstigen Standortbedingungen kann eine einzelne Pflanze bis zu 28.000 Samen produzieren und bis zu 40 m Rhizome bilden (Abb. 1 und 3). Die Rhizome befinden sich dabei zum größten Teil in den oberen 20 cm des Bodens. Diese dringen gewöhnlich nicht tiefer als 40 cm in den Boden ein, gleichwohl die Rhizome auch schon in über 100 cm Tiefe gefunden wurden. Sie treiben aus, sobald Temperaturen von 15 °C erreicht sind – die Samenkeime dagegen erst bei höheren Temperaturen (20 °C). Die Art bevorzugt feuchte, nährstoffreiche Böden und ein warmes Klima. Die Rhizome sind nicht frosttolerant und erfrieren leicht. Je tiefer sie in den Boden (> 20 cm) eindringen, desto größer

Abb. 1: Die ausdauernde Pflanze bildet lange, unterirdisch kriechende, schuppige Ausläufer

ist jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass sie überleben.

Probleme in den Tieflagen Mittlerweile kommt die Aleppohirse vereinzelt in allen österreichischen Bundesländern zumeist auf Ruderalstandorten (z. B. Straßenbankette, Gräben, Ödland) vor. Eine zunehmende Ausbreitung der wärmeliebenden Aleppohirse in den

Abb. 2: Die Pflanze kolonisiert häufig die Randbereiche der Äcker

Fotos: Follak (1–3)

In den beiden letzten Jahren wurden Roggenbestände in Ostösterreich teils gravierend von Schwarzrost geschädigt. Die rostbraunen Sommersporenlager haben die Halmwand an vielen Stellen aufgerissen, die schwarzen Wintersporenlager erscheinen später

Die Aleppohirse gilt in Slowenien, Ungarn und Italien als lästiges und schwierig zu bekämpfendes Unkraut. In Ungarn wird die Aleppohirse bereits als eine der 20 wichtigsten Unkrautarten eingestuft. Seit Beginn der 1990er-Jahre wird eine zunehmende Ausbreitung der Aleppohirse auch in den Tieflagen Österreichs beobachtet. In den Äckern kann sie beträchtliche Schäden anrichten, da sie nahezu unverwüstlich ist.

Pflanzenschutz

Dr. Swen Follak, Ing. Martin Plank, Institut für Nachhaltige Pflanzen­ produktion, AGES

3/2012

9


Pflanzenschutz

Ackerflächen wurde in den letzten Jahren besonders in den Tief­lagen der Steiermark beobachtet. Betroffen sind insbesondere die Bezirke Radkersburg, Leibnitz und Feldbach. Hier kommt sie in Kürbis- und Maisfeldern überwiegend im Randbereich der Äcker vor, während der zentrale Teil der Felder häufig gemieden wird (Abb. 2). In Niederösterreich und im Burgenland gilt die Art gemeinhin noch als selten, gleichwohl im Nordburgenland in 2011 einige befallene Maisäcker beobachtet werden konnten (Bezirk Neusiedl am See in Deutsch Jahrndorf und Zurndorf). Der zukünftige zu erwartende Klimawandel wird vermutlich zu einer weiteren Ausbreitung dieser Art beitragen, begünstigt durch veränderte Bewirtschaftungsmaßnahmen und Rahmenbedingungen (intensiver Maisanbau, Auswahl an Herbiziden).

Abb. 3: Sorghum halepense in der Blüte. Die Blattspreite ist glatt mit einem deutlich helleren Mittelnerv

Hohe Ertragsverluste

Foto: Plank

Aufgrund ihrer Größe und Konkurrenzwirkung kann die Aleppohirse die Kulturpflanzen überwachsen und unterdrücken und beträchtliche Schäden anrichten. Daher ist es nicht über­raschend, dass die größten Ertragsverluste zu erwarten sind, wenn die Aleppohirse zusammen mit der Kultur aufläuft. In Ungarn konnten bei hohen Dichten in Mais Ertragsverluste von 30 bis 40 % beobachtet werden.

10 3/2012

Abb. 4: Symptome des maize dwarf mosaic virus (MDMV) an Mais

Virusreservoir Wenig beachtet wurde bisher, dass die Pflanze auch ein Reservoir für wirtschaftlich bedeutende Virosen für Mais und Hirse (Sorghum) ist, und zwar beispielsweise für das maize dwarf mosaic virus (MDMV). Das MDMV wird durch Vektoren (u. a. Rhopalosiphum padi, R. maidis, Sitobion avenae) auf die Kulturpflanze übertragen. Infizierte Pflanzen zeigen eine deutlich hellere Blattfärbung und die Blattspreite ist mit einer mosaikartigen Zeichnung überzogen, die sich streifenartig ausprägt (Abb. 4). Häufig bleiben infizierte Pflanzen je doch symptomlos. Im Burgenland (Bezirk Neusiedl am See) wurde das Virus zum ersten Mal im Jahre 2008 in Mais nachgewiesen. 2011 wurden daher von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) 25 Pflanzenproben der Aleppohirse aus der Steiermark und dem Burgenland untersucht. Das MDMV konnte in 38 % (8 von 21) der Pflanzenproben aus der Steiermark nachgewiesen werden: auf Standorten in den Gemeinden Radkersburg und Umgebung (3 Standorte), Weitendorf (3), Gralla (1) und Lebring (1). In den Proben aus dem Nordburgenland allerdings konnte kein MDMV nachgewiesen werden.

Bekämpfung Die Art hat hier zwar noch nicht die Bedeutung, wie sie sie in den südlichen Nachbarländern hat, dennoch sollte eine weitere Ausbreitung aufgrund ihrer Konkurrenzkraft und ihrer Funktion als Virusreservoir verhindert werden. Feldrandbereiche und nicht landwirtschaftlich genutzte Flächen am Betrieb sollten auf Vorkommen der Aleppohirse kontrolliert werden. Einzelpflanzen und Kleinpopulationen können noch ohne großen Aufwand beseitigt werden. Die Pflanze kann mit Graminiziden aus der Wirkstoffgruppe der FOPS’ (Fusilade, Targa Super) und DIMs (Focus Ultra) bekämpft werden. Eine selektive Bekämpfung in Mais ist auch mit den Sulfonylharnstoffen Nicosulfuron und Rimsulfuron möglich. n


Der Pflanzenarzt 3/2012