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Seit dem Jahr 2011 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit dem Deutschlandstipendium Studierende, die sich durch eine besondere persönliche Leistung auszeichnen. Diese jungen Menschen engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich oder sind sogenannte Bildungsaufsteigerinnen und -aufsteiger, die sich ihren Weg erkämpfen mussten. Sie alle sind junge Talente, die zu den Besten ihres Fachs zählen. Ihre Leistung zu würdigen und sie als Fachkräfte von morgen zu unterstützen – das ist das Ziel des Deutschlandstipendiums. Das bis heute größte öffentlich-private Stipendienprogramm wird von privaten Stifterinnen und Stiftern und dem Bund getragen. Viele engagierte Bürgerinnen und Bürger sowie Stiftungen beteiligen sich am Deutschlandstipendium, um jungen, aufstrebenden Menschen Aufstiegschancen zu ermöglichen. Zahlreiche Unternehmen engagieren sich, weil sie durch das Programm auch künftige Fachkräfte fördern können. Die Bereitschaft, die begabten und leistungsstarken Talente in unserem Land zu fördern, wird in unserer Gesellschaft zunehmend zur Selbstverständlichkeit. Das Deutschlandstipendium trägt dazu bei, eine neue Stipendienkultur zu etablieren. Im Sommersemester 2011 eingeführt, bieten mittlerweile drei Viertel der deutschen Hochschulen das Deutschlandstipendium an. Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ist von Beginn an mit dabei. Durch das große Engagement der Universität und der vielen Förderinnen und Förderer konnten bereits über 300 Stipendien vergeben werden. Hierfür danke ich allen Beteiligten sehr herzlich.

Ein Gruß aus Berlin

Ein Blick in dieses Magazin zeigt, wie vielfältig die Motive der Förderinnen und Förderer und auch die Vorteile für die Stipendiatinnen und Stipendiaten sind. Neben der finanziellen Unterstützung ist vielfach der persönliche Austausch für beide Seiten spannend und fruchtbar. Die Beispiele machen deutlich: Das Deutschlandstipendium an der ChristianAlbrechts-Universität zu Kiel ist eine Erfolgsgeschichte, die fortgeschrieben werden muss!

Prof. Dr. Johanna Wanka Bundesministerin für Bildung und Forschung


Die Menschen dahinter

„Diese Ausbildung

inspiriert“

Anna Markushina ist in Russland geboren und studiert mit einem Deutschlandstipendium Medizin an der Kieler Förde. Ein sonniger Tag Anfang März, auf dem Campus herrscht Hochbetrieb. Der Wind allerdings ist immer noch sehr frisch, geradezu winterlich. Jedenfalls aus Sicht von uns Nordlichtern. Für die Medizinstudentin und Deutschlandstipendiatin Anna Markushina jedoch bedeutet er kaum mehr als eine kühle Brise, denn die gebürtige Russin ist deutlich extremere Temperaturen gewohnt. Aufgewachsen in Astrachan, einer Großstadt am Kaspischen Meer, kennt sie Frostzeiten seit ihrer Kindheit. Dass sie den Weg nach Kiel gefunden hat, ist aber weniger der hiesigen Witterung zu verdanken als vielmehr ihrer Neugier auf die Welt. Mit 15 Jahren besucht sie zum ersten Mal Deutschland, seinerzeit im Rahmen eines schulischen Austauschprogramms. Drei Monate verbringt sie in der Nähe von Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern, lernt die deutsche Sprache näher kennen und findet früh Gefallen an Menschen und Natur. Nach ihrem Abitur studiert sie dann vier Semester Medizin, ehe sie dank einer erfolgreichen Auslandsbewerbung an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel wechselt. Das Bemerkenswerte: Sie lässt sich ihre Vorleistungen nicht anrechnen, sondern fängt aus freien Stücken bei Null an.

„Mir war sehr schnell klar, dass ich hier in Kiel eine ganz andere, viel fundiertere Ausbildung erhalten kann – diese Qualität wollte ich von Anfang an mitnehmen.“ Sie schätzt den zwanglosen Austausch zwischen den Professorinnen und Professoren und den Studierenden an der CAU, diese warme, zwischenmenschliche Atmosphäre, die das Studium weniger hierarchisch macht: „Ich kann hier in der Vorlesung Fragen stellen – das kannte ich von zuhause nicht.“ Auf den folgenden zwei Seiten erfahren Sie – an der Seite von Anna Markushina – alles Wesentliche rund ums Deutschlandstipendium.

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Hilfreich

– in jeder Beziehung

Vier Antworten auf wichtige Fragen zum Deutschlandstipendium – kommentiert von Anna Markushina. Können sich alle Studierenden an der Christian-AlbrechtsUniversität für das Deutschlandstipendium bewerben?

Das eröffnet zusätzliche Möglichkeiten und interessante Spielräume:

Mit Sicherheit – denn das Deutschlandstipendium macht keinen Unterschied zwischen Fakultäten, Fachrichtungen oder in- und ausländischen Studentinnen und Studenten. Wer sich für ein Studium an der CAU entscheidet, profitiert automatisch von einer Vielzahl an Fördermöglichkeiten, die leistungsbereiten Jung-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftlern während ihrer Ausbildung offenstehen.

„Noch während meines Grundstudiums bewarb ich mich erfolgreich auf eine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft, in deren Rahmen ich andere ausländische Studentinnen und Studenten der Medizin beraten konnte. Als diese Stelle eingespart werden musste, habe ich sie ehrenamtlich weiter besetzt. Ich fand es einfach wichtig, und es machte mir Freude.“

Hierzu zählt auch das Deutschlandstipendium, das die CAU seit seiner Einführung im Jahr 2011 neben dem Stipendienfonds für individuelle Fördergelder anbietet.

„Als ich 2009 mein Medizinstudium an der CAU aufnahm, hatte ich als Neuling in Kiel alles Mögliche im Kopf, aber Gedanken um eventuelle Fördermöglichkeiten machte ich mir nicht. Vier Jahre später wurde ich dann auf das Deutschlandstipendium aufmerksam. Ich informierte mich über die zu erfüllenden Bedingungen und kam zu dem Schluss, dass ich es probieren sollte. Schön, dass es geklappt hat!“ Welche Bedingungen müssen Studierende für eine Bewerbung erfüllen? Wer in seiner Disziplin herausragende Leistungen zeigt, in individueller Form gesellschaftliches oder soziales Engagement nachweisen kann und an der CAU studiert, ist aufgerufen, sich an der Universität für das Deutschland­ stipendium zu bewerben.

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Wer kann Stifterin oder Stifter für das Deutschlandstipendium werden? Das Deutschlandstipendium ist ein Aufruf an alle – ganz gleich, ob Sie ein Unternehmen vertreten, eine Stiftung oder eine gesellschaftliche Einrichtung, wie z.B. einen Verein, repräsentieren oder als Privatperson Engagement zeigen wollen. Lohnenswert ist die Investition in jedem Fall. Immerhin fördern die Spenderinnen und Spender nicht nur eine persönliche Leistung, sondern zugleich ein Wissenspotenzial, von dem unsere Region und damit der gesamte Standort Deutschland profitieren werden.

„Als ich meinen Stifter, Dr. Norbert Klause, zum ersten Mal persönlich kennenlernte, war mir nicht bewusst, dass er gleich mehrere Stipendiatinnen und Stipendiaten unterstützt. Und nicht nur Studierende der Medizin, obwohl er selbst praktizierender Facharzt für Nierenerkrankungen ist. Das hat mich schon sehr beeindruckt.“


Das Deutschlandstipendium an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Welche Vorteile bietet das Deutschlandstipendium für die Beteiligten? Vom Deutschlandstipendium profitieren gleich mehrere Seiten: Die Stipendiatin oder der Stipendiat, weil das Fördergeld entscheidende Spielräume schafft und von einem Nebenverdienst während des Studiums ganz oder weitgehend unabhängig macht. Darüber hinaus eröffnen sich im Austausch mit der Stifterin oder dem Stifter neue Denkanstöße und ggf. auch berufliche Perspektiven. Die Stifterin oder der Stifter, weil sie/er Einblick in das Hochschulleben gewinnt, im direkten Dialog mit der Stipendiatin bzw. dem Stipendiaten steht und Teil des universitären Netzwerks werden kann. Die CAU, weil sie herausragende Talente noch besser auf ihren Abschluss vorbereiten und sich auf diese Weise auch im internationalen Wettbewerb als herausragende Forschungs- und Lehreinrichtung profilieren kann.

„Die monatliche Förderung in Höhe von 300 Euro ist natürlich ein Geschenk für meinen Geldbeutel. Das Geld entlastet mich sehr, gerade jetzt, mit Blick auf die Prüfungen für das 1. Staatsexamen. Doch nicht minder wichtig sind mir die persönlichen Kontakte, die ich so knüpfen konnte. Mein Stifter, Dr. Norbert Klause, unterstützt noch weitere Studierende, und so halte ich regen Austausch mit ihnen. Und es sind nicht nur Mediziner – was ich sehr erfrischend finde.“

Am 18. März 2015 unternahm auch Anna Markushina im Rahmen des Rendsburg-Tags einen Streifzug durch zahlreiche Wirtschaftsstandorte der Stadt (siehe Seite 23).

Die Menschen dahinter Das Deutschlandstipendium ist mehr als nur eine Anerkennung individueller Leistungen. Es ist zugleich auch Impulsgeber für ein generationenübergreifendes Netzwerk von Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund. Es sind die Menschen dahinter: Persönlichkeiten, die das Deutschlandstipendium mit Leben erfüllen – sei es als Stifterin oder Stifter oder als Stipendiatin oder Stipendiat.

Auf den nachfolgenden Seiten lassen wir diese Menschen persönlich zu Wort kommen. Ihre Erfahrungen bestätigen den besonderen Stellenwert der Förderung von Studierenden durch Stipendien im oder angeregt durch das Deutschland­ stipendienprogramm, das bereits in den wenigen Jahren seit seiner Einführung auch den Bildungsstandort Kiel um eine Dimension reicher gemacht hat.

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Private Stifter

Der emeritierte Biochemie-Professor Dr. Roland Schauer und seine Ehefrau Elfriede sind engagierte Stifter. Davon profitiert nicht nur Deutschlandstipendiatin Inga Boll. Ein Interview über gesellschaftliche Verantwortung und warum wir Eliten brauchen.

„Jeder kann

Elite werden

Herr Prof. Dr. Schauer, Frau Schauer, Sie teilen mit Ihrer Stipendiatin Inga Boll die Leidenschaft für die Wissenschaft. Können Sie sich ein Leben ohne die Wissenschaft, ohne die Biochemie vorstellen? Roland Schauer: Nein, Wissenschaft wurde uns irgendwie „ins Blut gegeben“. Elfriede Schauer: Wo wären wir ohne die Wissenschaft? Ohne biochemische Grundlagen kann man die Krankheitsentstehung nicht verstehen und verfolgen.

Das Stifterehepaar Elfriede (70) und Roland Schauer (78) fördert die Stipendiatin Inga Boll. Der emeritierte Professor für Biochemie leitete das Biochemische Institut an der CAU. Er ist weiterhin als Berater von Arbeitsgruppen in verschiedenen Ländern tätig und hält Vorträge und Vorlesungen. Das Ehepaar hat 2008 die „Roland und Elfriede Schauer-Stiftung“ zur Förderung von Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Glyko-Biochemie gegründet.

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Seit das Deutschlandstipendium 2011 an der CAU eingeführt wurde, sind Sie als private Stifter dabei. Warum engagieren Sie sich? Roland Schauer: Ich habe in meinem Studium selbst erlebt, wie wichtig es ist, den Kopf frei zu haben fürs Lernen, anstatt ans Jobben denken zu müssen. Nur so kann man über den fachlichen Tellerrand schauen. Wenn man wie ich einen guten Beruf hatte, der Freude gemacht und Erfolg gebracht hat, kann man doch auch etwas zurückgeben, indem man den Nachwuchs fördert. Dem Deutschlandstipendium wird oft vorgeworfen, ausschließlich Elite­ förderung zu sein. Was würden Sie dem entgegnen? Elfriede Schauer: Ja, es ist Eliteförderung. Ich habe als Sekretärin meines Mannes am Biochemischen Institut jahrzehntelang erlebt, dass die Worte Elite und Exzellenz verpönt waren. Jetzt zu erleben, dass Engagement und Verantwortungsbewusstsein für die Gesellschaft oder die Natur ausgezeichnet werden, ist sehr schön. Roland Schauer: Ich finde, Elite muss sein dürfen. Jeder hat die Chance, Elite zu werden. Dafür braucht es aber auch – gerade für Studierende mit sozial schwächeren Hintergründen – solche Förderungen und Unterstützungen, wie sie die CAU mit ihren Stipendien anbietet.

Ist es Zeit für eine neue Stipendienkultur in Deutschland? Elfriede Schauer: Ja. Staatlicherseits könnte das Stifter-, Förderer- und sonstige Unterstützungswesen noch mehr ausgebaut werden. Roland Schauer: Es hat sich zwar schon viel verbessert, aber es könnten sich noch mehr Menschen als Stifter und Stifterinnen beteiligen. Ich bin zwar emeritiert, aber ich sehe das Elend der jungen Leute, die keine Doktorandenstelle finden. Da geht Potenzial verloren. Darum haben wir die „Roland und Elfriede SchauerStiftung“ gegründet, die Stipendien für Doktorandinnen und Doktoranden finanziert. Sie haben engen Kontakt zu Ihrer Stipendiatin. Was bedeutet es für Sie persönlich, Stifter zu sein? Elfriede Schauer: Das ist eine große Freude für uns. Wir nehmen Anteil an der Entwicklung und an der Meinungsbildung der Stipendiatin. Neuerdings duzen wir uns. Roland Schauer: Wir lernen von ihrer Sicht auf die Welt. Schön ist auch, wie unsere Unterstützung und der fachliche Austausch ihr Selbstbewusstsein steigern. Auf jeden Fall werden wir weiter junge Talente fördern, solange es uns möglich ist.


Elfriede Schauer und Prof. Dr. med. Dipl.-Biochem. Roland Schauer


Deutschlandstipendiatin Inga Boll


Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät | Fach Biochemie

Neulich gab es wieder Kaffee und Kuchen zum biochemischen Diskurs. Wenn sich Inga Boll mit dem Ehepaar Schauer trifft, gibt es nur ein Thema, die Biochemie – d.h. fast, denn die Studentin und ihre Förderer verbindet mehr als nur das gemeinsame Fach.

„Mich interessiert, wie

Krankheiten entstehen

Frau Boll, Sie gehören zu den Stipendiaten, die von Privatpersonen gefördert werden. War das für Sie je ein Nachteil? Auf keinen Fall. Ich profitiere davon, denn ich habe mit dem emeritierten Biochemie-Professor Roland Schauer und seiner Frau Elfriede tolle Förderer. Wir tauschen uns viel aus, das ist für mich sogar wertvoller als der finanzielle Aspekt. Wie muss man sich das vorstellen? Biochemie-Kaffeeklatsch mit den Stiftern? Genau. Meist gibt es wirklich Kaffee und Kuchen zum fachlichen Diskurs. Das ist toll! Wir reden aber auch über andere Dinge. Ich erzähle, wie es an der Uni läuft oder berichte über private Erlebnisse. Uns verbindet inzwischen eine Freundschaft, es ist ein sehr herzliches Verhältnis. Haben Sie eine Mentorenbeziehung? Ja, und diese Unterstützung hilft mir sehr. Bevor ich den Vortrag zu meiner Bachelorarbeit vor den Gutachtern gehalten habe, konnte ich diesen Vortrag vor dem Ehepaar Schauer üben. Sie haben mir einige hilfreiche Tipps gegeben, durch die ich meine Präsentation verbessern konnte. Ihr Engagement und ihre Leidenschaft für die Wissenschaft inspirieren mich, für mich nehmen sie eine Vorbildfunktion ein. Ich hatte großes Glück.

Sie teilen die Leidenschaft für Biochemie. Was ist für Sie das Spannende daran? Mich fasziniert es, wie Krankheiten entstehen oder wie der Stoffwechsel funktioniert. Das ist für mich so spannend, dass ich mich sogar für das „Pauken“ von chemischen Gleichungen und langes Stehen im Labor motivieren kann. Es ist ein bisschen wie bei Goethes Faust: Ich möchte „erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält“. Sie haben sich direkt zum Studienstart an der CAU für das Deutschlandstipendium beworben. Hätten Sie auch ohne Stipendium studieren können? Ja, aber so ein Stipendium ist ein wichtiger Baustein, um im Studium halbwegs finanziell unabhängig zu sein. Ich wollte mich so gut es geht auf die Uni konzentrieren, ohne im Semester nebenher arbeiten zu müssen. Durch das Stipendium habe ich den Rücken frei, ausreichend Zeit zum Lernen und kann mich sogar in der Hochschulzeitung und der Fachschaft engagieren. Allein reicht das Geld natürlich nicht, ich arbeite in den Semesterferien, und meine Eltern unterstützen mich auch. Was bedeutet es, so ein Stipendium zu bekommen? Ansporn. Mit meiner Leistung kann ich zeigen, dass ich es wert bin, gefördert zu werden. Dadurch lässt man sich auch in studienintensiven

Phasen nicht so schnell hängen. Wer weiß, ob ich ohne diese Anerkennung und Unterstützung mein Studium so leidenschaftlich und motiviert durchgezogen hätte.

Wie geht es für Sie weiter? Erst einmal konzentriere ich mich auf den Master, indem ich ab Sommer ein Erasmus-Auslandssemester in Dänemark einlege. Was ich danach mache, halte ich mir noch offen. Auch das bespreche ich mit meinen Förderern. Im Moment kann ich mir einen weiteren Weg in der Wissenschaft vorstellen. Und wer weiß, vielleicht kann ich ja eines Tages auch ein Stipendium übernehmen und etwas an die Gesellschaft zurückgeben.

Inga Boll (23) studiert im ersten Mastersemester Biochemie an der CAU. Seit Oktober 2014 Masterstudium Biochemie/Molekularbiologie an der CAU Oktober 2011 – August 2014 Bachelorstudium Biochemie/ Molekularbiologie an der CAU Seit Oktober 2011 Stipendiatin des Deutschlandstipendiums 2011 Abitur am Gymnasium Lütjenburg

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„Mich beeindruckt

Spitzenleistung“

Mit Kiel verbunden: Prof. Dr. Lutz Kipp (51) studierte selbst dort, wo er heute alle Fäden in der Hand hält. Als Präsident der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist der Physikprofessor den Studierenden und ihrer Lehre verpflichtet. Im Interview erzählt er, warum private Förderer dabei so wichtige Partner sind.

Herr Prof. Dr. Kipp, die CAU hat seit 2011 ein vielfältiges Stipendienprogramm geschaffen, basierend auf dem Deutschlandstipendium. Dabei setzen Sie auf eine Stipendienkultur, die in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt: private Stifterinnen und Stifter unterstützen Studierende. Lohnt sich die Mühe? Und ob, das sehe ich jeden Tag, wenn ich über den Campus gehe. Unser Stipendienprogramm reift immer mehr. Zu Beginn meiner Amtszeit hatten wir bereits erste positive Erfahrungen gesammelt. Tatsächlich ist es harte Arbeit, so ein Stipendienprogramm umzusetzen. Die Erfolge an der CAU zeigen aber, dass dieses Investment sich lohnt! Die Studierenden sind die Basis unserer Erfolge, in der Forschung und der Lehre. Ihr Erfolg ist unsere Zukunft. Dafür investieren wir in das Stipendienprogramm – mit Kreativität, Zeit und anderen Ressourcen.

Prof. Dr. Lutz Kipp Präsident der CAU

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Das Präsidium

Kurzbiographie Prof. Dr. Lutz Kipp

Juni 2014 Präsident der CAU Seine Amtszeit beträgt sechs Jahre

2008 – 2012 Dekan der gesamten MathematischNaturwissenschaftlichen Fakultät 2006 – 2008 Prodekan für Forschung der Mathematisch-Naturwissenschaft­ lichen Fakultät der CAU

Was hat die Uni davon? Die Stipendienvergabe eröffnet uns neue Wege, uns mit verschiedenen Bereichen der Gesellschaft zu verbinden. Es gibt inzwischen eine engagierte Gruppe von Fördernden, die das akademische Leben der Universität bereichern. Wir bekommen von den Stifterinnen und Stiftern wertvolle Impulse, Hochschule und Wirtschaft werden zu einem lokalen Netzwerk. So entsteht eine neue und weitreichende Stifterkultur an der Universität. Mittlerweile hat die Uni Kiel über 320 Stipendien vergeben. Was sind das für junge Menschen, die da gefördert werden? Ich finde es immer wieder beeindruckend und spannend, mit welcher Leidenschaft diese jungen Talente ihren Weg gehen und mit welcher Bereitschaft sie Spitzenleistung und gesellschaftliches Engagement verbinden. Viele unserer Stipendiatinnen und Stipendiaten sind in NichtRegierungs-Organisationen aktiv, im Naturschutz tätig oder engagieren sich in der Hospizarbeit. Andere haben Preise gewonnen, wertvolle Praktika absolviert und auch Auslandserfahrungen gesammelt. Das Programm lockt gerade junge Persönlichkeiten an, die bereits Beeindruckendes in ihrem Leben geleistet haben. Nicht wenige sind zudem die ersten in ihrer Familie, die studieren, andere mussten schwierige Lebensumstände überwinden, bringen einen Migrationshintergrund mit oder sind bereits Eltern. Stichwort Spitzenleistung: Was entgegnen Sie Kritikern, die das Deutschlandstipendium als Elite-Förderung abstempeln? Ja, das Programm fördert herausragende Leistungen an Schulen und Hochschulen sowie gesellschaftliches Engagement. Ich finde das richtig, denn das Programm steht ja nicht isoliert da. In Deutschland gibt es viele Stipendienprogramme. Daran, dass das Deutschlandstipendium vorrangig Studierende fördert, die besonders leistungsfähig, motiviert und interessiert sind, kann ich nichts Kritisches

1999 Habilitation an der CAU in Physik mit einer Arbeit über elektronische Eigenschaften von Festkörperoberund -grenzflächen Vorher Physikstudium und Promotion an der CAU mit Auszeichnung

erkennen. Diese persönlichen Leistungen müssen wir doch belohnen. Und es ist vielfach genau diese Anerkennung ihrer Leistung, auf die Stipendiatinnen und Stipendiaten dann besonders stolz sind. Im Übrigen hängt es nicht immer nur vom Einkommen des Elternhauses ab, ob eine Studentin oder ein Student Herausragendes leistet. Wie erleben Sie die Stifterinnen und Stifter? Für die CAU kann ich sagen, dass diese engagierten Menschen aus verschiedensten, immer ehrenwerten Motiven handeln. Vielfach wollen sie etwas zurückgeben oder etwas bewegen. Da sind die Alumni unserer Universität, die heute erfolgreich in ihren Berufen sind, was ihnen ein Studium an der CAU ermöglichte. Da sind auch die manchmal bereits pensionierten Professorinnen und Professoren, die ihr Wissen und sogar auch Preisgelder zur Förderung der jungen Menschen einsetzen möchten. Da sind Unternehmerinnen und Unternehmer, die branchenspezifische Nachwuchskräfte im Land oder im Unternehmen halten wollen. Stiftungen, Vereine oder Privatpersonen engagieren sich mit Freude für die CAU und für die Studierenden. Warum sollte man sich engagieren? Weil die Förderung junger Talente eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Mit vergleichsweise geringem Aufwand kann man einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des Wissens- und Wirtschaftsstandorts Deutschland leisten. Unternehmen können frühzeitig potenziellen Nachwuchs für sich begeistern und an die Region binden. Das ist doch toll. Die Menschen, die dies schon tun, sollten größte Anerkennung und Respekt erfahren. Und ich wünsche mir, dass alle, die es sich leisten können, öfter etwas abgeben, um Zukunft für alle zu gestalten. Unser Nachwuchs sollte uns dies wert sein.

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Prof. Dr. Werner Petersen-Stiftung

Nachwuchsförderung, Standortstärkung, Zukunftssicherung – das sind die Leitlinien der Prof. Dr. Werner Petersen-Stiftung. Sie fördert Stipendiatinnen und Stipendiaten aus den MINT-Fächern: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Warum die Stiftung der größte Stipendiengeber in diesem Programm ist, berichten die Vorsitzenden Dr. Klaus-Jürgen Wichmann und Dr. Christian Zöllner.

„Wir brauchen mehr

Warum passt das Deutschlandstipendium so gut zur Prof. Dr. Werner Petersen-Stiftung? Wir haben einen grundlegenden gemeinsamen Nenner: die wissenschaftliche Nachwuchsförderung. Mit dem Deutschlandstipendium sollen Studierende aller Nationalitäten gefördert werden, deren bisheriger Werdegang herausragende Studienleistungen erwarten lässt. Damit ist auch ein besonderer Ansporn verbunden, an einer deutschen Universität ein Studium zu absolvieren. Für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft in Deutschland ist dies von höchstem Interesse, denn daraus rekrutieren sich die Führungskräfte, die wir in Land und Region benötigen.

Die Prof. Dr. Werner Petersen-Stiftung setzt sich in Schleswig-Holstein für Nachwuchsförderung im Bereich Wissenschaft, Forschung, Technik und Kultur ein. Sie ist der größte Stipendiengeber der CAU. 22 Deutschlandstipendien spendete die Stiftung in diesem Semester. Vorsitzender ist Dr. h. c. Klaus-Jürgen Wichmann, der stellvertretende Vorsitzende und Geschäftsführer der Stiftung ist Dr. Christian Zöllner.

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private Stifter“ Sie fördern vor allem Studierende aus den MINT-Fächern. Warum ist das für den Standort Deutschland so wichtig? Nicht ohne Sorge beobachten wir, dass es bei den Ingenieur- und Technik­­wissen­schaften sowie auch im Bereich der Informatik an den Hochschulen an Zulauf mangelt. Gerade weil unser Land für seine Zukunftsfähigkeit in einem hohen Maße von Spitzenleistungen in diesen Bereichen abhängig ist, gefährdet eine solche Entwicklung die Wettbewerbsfähigkeit bei uns insgesamt.

seits Vertreterinnen und Vertreter insbesondere der MINT-Fachbereiche – etwa an Hochschulen, in der Wirtschaft oder in Verbänden – zusammenführt. Ziel ist, dass Kontakte entstehen und vertieft werden zwischen Personen, die sich in ihrer Arbeit befruchten können, auch mit Blick auf gemeinsame Vorhaben und Beschäftigungsmöglichkeiten.

Es muss unseres Erachtens mehr geschehen, um die Attraktivität dieser Fachrichtungen zu erhöhen. Da wir davon überzeugt sind, dass genügend und auch sehr hohes Potenzial sowie Engagement innerhalb der jüngeren Generation besteht, wollen wir dies gezielt mit der Stipendienvergabe fördern. Letztendlich ist es der Nachwuchs, der ausschlaggebend dafür sein wird, wie wir künftig leben werden.

Wir brauchen junge Menschen, die bereit sind, Spitzenleistung zu erbringen und Verantwortung zu übernehmen. Wir brauchen hervorragend aus­gebildete Ingenieure, Naturwissenschaftler, Physiker und Techniker, um das, was Deutschland weltwirtschaftlich auszeichnet, zu erhalten: Maschinenbau, Elektrotechnik und Fahrzeugbau stellen die umsatzstärksten und die am meisten exportorientierten Industriezweige in Deutschland dar. Die Digitalisierung unserer Wirtschaft schreitet vehement voran. Die Anforderungen an den in hohem Maße vom Export abhängigen Industriestandort Deutschland sowie die dafür erforderlichen Innovationen müssen wir nachdrücklich stärken.

Die Stiftung will diese Leistungsträgerinnen und Leistungsträger in einem Stipendiaten-Netzwerk vernetzen. Was hat es damit auf sich? Wir wollen ein Netzwerk etablieren, das einerseits jene erfasst, die von uns gefördert werden und anderer-

Für die Stiftung erhoffen wir uns Anregungen für weitere Projekte, die wir gezielt unterstützen. So können wir Impulse auslösen.


Dr. Klaus-Jürgen Wichmann (Vorstand) Dr. Christian Zöllner (Geschäftsführer)

Brauchen wir dafür eine neue Stifterund Stipendienkultur in Deutschland? Ein solches Stipendienprogramm, wie es an der CAU etabliert wurde, ist dazu angetan, besonders begabte junge Menschen für ein Studium in der Region zu gewinnen. Für den „Wettbe-

werb um die besten Köpfe“, wie es so schön heißt, ist dies von immensem Vorteil. Aus unserer Sicht muss das Programm des Deutschlandstipendiums unbedingt erhalten bleiben und ausgeweitet werden. Je mehr private Stifterinnen und Stifter wir haben, desto mehr wird der Staat finanziell

entlastet und kann umso mehr in die Breitenförderung investieren. Ein Stipendium ist insofern sowohl ein Beitrag zur Spitzen- als auch zur Breitenförderung.

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Deutschlandstipendiat Jan-Hendrik Matthes


Technische Fakultät | Fach Informatik

Programmieren ist für Jan-Hendrik Matthes hochspannend. Schon als Jugendlicher hat er sich das selbst beigebracht. Darin ist er so gut und bringt auch noch beste Voraussetzungen mit, dass ihn die Prof. Dr. Werner Petersen-Stiftung mit einem Deutschlandstipendium unterstützt. Dabei wollte der Informatikstudent bloß einen Wettbewerb gewinnen.

heißt, Ideen „Informatik in Technik umzusetzen “ Herr Matthes, Sie haben Ihr Stipendium auch durch die Teilnahme an dem bundesweiten Programmierwettbewerb „Software-Challenge“ bekommen. Wie lief das ab? Stimmt, ich habe das Stipendium quasi gewonnen. Mein Lehrer hatte mich aufgrund meiner herausragenden Leistungen bei der Wettbewerbsjury vorgeschlagen. Ich war damals in der dreizehnten Klasse und habe mit einem Freund bei der SoftwareChallenge mitgemacht. Wir sollten die PC-Version eines Brett­spiels entwerfen und sind bis ins Finale gekommen. Die Software-Challenge ist ein Schul-Projekt, das jährlich durch das Institut für Infor­matik an der CAU Kiel veranstaltet wird. Die Stipendien stiftet die Prof. Dr. Werner PetersenStiftung. Hätten Sie sich so ein Stipendium zugetraut? Ehrlich gesagt: Nein. Ich hätte wohl nicht den Mut gehabt, mich für so etwas zu bewerben. Heute ist das anders, das Stipendium hat mich selbstbewusster gemacht. Was gefällt Ihnen an dem Deutschlandstipendium? Dass es darum geht, Begabungen zu fördern. Ich war zum Beispiel kein Einser-Schüler, aber ich bin beson-

ders gut in Informatik. Im Studium möchte ich jetzt das Beste aus mir herausholen. Dabei mit einem Stipendium unterstützt zu werden, spornt noch mehr an.

Was ist so spannend an Informatik? Viele denken, das hätte nur etwas mit Computern zu tun. Dabei geht es vor allem um Mathematik. Ich lerne, wie ich Ideen anwenden und in Technik umsetzen kann. Das ist kreativer als viele denken! Seit ich 14 bin, interessiert mich das. Ich wollte den Computer nicht nur benutzen können, sondern auch verstehen, was dahinter steckt. Also habe ich mir selbst das Programmieren beigebracht. Mein Vater hat auch Informatik studiert, vielleicht kommt mein Talent daher. Wie profitieren Sie von dem Stipendium? Ich kann mir durch die finanzielle Unterstützung Fachbücher leisten, was sonst schwierig wäre. Denn die kosten gerne mal 100 Euro. Ansonsten profitiere ich von den Veranstaltungen der CAU, wo man sich mit Stifterinnen und Stiftern und anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten austauschen kann. Das ist sowieso das Beste an dem Stipendium: Ich lerne Menschen kennen, zu denen ich sonst keinen Bezug gewonnen hätte.

Es ist ganz schön viel passiert seit ihrer Teilnahme an der SoftwareChallenge. Heute betreuen Sie sogar selbst Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Wettbewerbs. Ja, als Betreuer kann ich den Schülerinnen und Schülern zeigen, was Informatik alles kann. Das macht großen Spaß. Wie es nach dem Studium für mich weitergeht, weiß ich noch nicht. Jetzt lerne ich einfach erst einmal das Handwerk, mit dem ich später mal etwas hoffentlich Tolles schaffen werde.

Jan-Hendrik Matthes (20) studiert im vierten Semester Informatik an der CAU. Im ersten und zweiten Semester wurde er von der Prof. Dr. Werner Petersen-Stiftung mit einem Deutschlandstipendium unterstützt und ist seither im Stipendiatennetzwerk der Stiftung. Seit August 2014 Studentische Hilfskraft für die Software-Challenge www.software-challenge.de Oktober 2013 – September 2014 Deutschlandstipendiat Seit Oktober 2013 Informatikstudium an der CAU 2013 Abitur am Gymnasium Wellingdorf in Kiel

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Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel:

1665

Eine feine Adresse seit

Von der Gründung im Jahr 1665 durch Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf bis heute begleiten Persönlichkeiten des Landes die gute Entwicklung der mit der Volluniversität verbundenen Wissenschaftskulturen. So ist die Christian-Albrechts-Universität auch in ihrem 350. Jahr ganz weit oben. Als die russische Zarin Katharina die Große 1766 den Bau eines größeren Universitätsgebäudes in Kiel in Auftrag gab, tat sie dies nicht nur in ihrer Funktion als Herzogin von Holstein-Gottorf. Ein ebenso starkes Motiv war ihr zeitlebens großes Interesse an Kultur und Wissenschaft. Kein Wunder also, dass sich die im besten Sinne bildungshungrige Herrscherin auch in ihrem exterritorialen Reich für die Lehre und die Entwicklung neuer Ideen stark machte.

angegliederten Forschungseinrichtungen wie dem Institut für Weltwirtschaft. Bedeutende Erfolge verzeichnet die Christian-AlbrechtsUniversität auch im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder. Daraus hervorgegangen sind zwei Exzellenzcluster und eine Graduiertenschule. www.exzellenz.uni-kiel.de

Insbesondere in der fakultätsübergreifenden Zusammenarbeit sieht die Universität einen maßgebenden Impuls für tragfähige Zukunftsprojekte auf dem Feld der Wissenschaften. Sichtbar wird dies unter anderem in den Forschungs-und Publikationsleistungen der Schwerpunkte Meeres- und Geowissenschaft, Entzündungen an Grenzflächen, Menschliche Entwicklungen in Landschaften und der

International aktiv Entscheidende Impulse gehen von der internationalen Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen und Universitäten aus. Es bestehen vertragliche Partnerschaften mit rund 40 Universitätsstandorten in Europa, Amerika und Asien. Die engen Verflechtungen drücken sich unter anderem in zahlreichen EU-finanzierten Forschungs- und Austauschprojekten aus. Darüber hinaus pflegt die CAU aus historischen Gründen enge Beziehungen zu Hochschulen im skandinavischen Raum. Das internationale Engagement der Universität schließt natürlich auch die Möglichkeit zu Auslandssemestern ein. Das International Center begleitet diese sowie alle internationalen Beziehungen durch vielfache Angebote und Kooperationen. An der CAU studieren rund 2.000 Studentinnen und Studenten aus dem Ausland.

Gut aufgestellt

Anzahl der Lehrkräfte: An der CAU lehren rund 2.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Gemeinsam forschen Heute – 350 Jahre nach Gründung der Christian-AlbrechtsUniversität – lösen über 25.000 eingeschriebene Studierende den Anspruch auf Bildungsvielfalt auf erfrischend moderne Weise ein. Verteilt auf acht Fakultäten und eingebunden in zahlreiche interdisziplinäre Forschungsgruppen repräsentieren sie den weltoffenen Geist, an dem sich die CAU Zeit ihres Bestehens orientiert.

Alleinstellung: Die Christian-Albrechts-Universität ist die einzige Volluniversität in und das wissenschaftliche Zentrum von Schleswig-Holstein. Fakultäten: Theologie, Staats- und Rechtswissenschaften, Medizin, Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Agrar- und Ernährungswissenschaften und Technik. Auf diese Fakultäten verteilen sich 185 Studiengänge und ca. 80 Fächer. Eingeschriebene Studentinnen und Studenten: über 25.000, davon rund 2.000 aus dem Ausland (Stand: WS 2014/15).

Selbstverständnis: Die CAU versteht sich als Hochschule der verbundenen Wissenschaftskulturen und hat im Rahmen interdisziplinärer Forschungsprojekte ausgezeichnete Erfolge erzielt. Kultur: Die Kunsthalle zu Kiel und andere Museen gehören zur CAU. Es bestehen engste Kooperationen mit weiteren kulturellen Einrichtungen aus Stadt und Region. Segelsport: Als Partnerhochschule für den professionellen Spitzensport fördert die CAU unter anderem den Nachwuchs des professionellen Segelsports und anderer Leistungssportarten.


Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

... mit starken

Partnern „Über 25.000 Studierende der Christian-Albrechts-Universität sind eine Bereicherung für alle, die Entdeckergeist und Lebendigkeit der jungen Generationen schätzen. Studierende tragen die Dynamik für die Gestaltung unserer Gesellschaft, die von der Wissenschaft ausgeht, in die Landeshauptstadt und die Region. Sie sind Botschafterinnen und Botschafter für die wertvollen Leistungen der CAU und das Lebensgefühl an ihrem Standort. Mit den Kieler Nachrichten begleiten wir die Universität seit über 150 Jahren auf vielen ihrer Wege. Und so sind wir auch ganz selbstverständlich dabei, wenn es heute darum geht, ihre jungen Talente bestmöglich zu fördern.“ Sven Fricke, alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer der Kieler Zeitung Verlags- und Druckerei KG-GmbH & Co.

„Ich bin seit 2012 Stifter des Deutschlandstipendiums und sehe die Förderung sehr positiv. Das gilt vor allem für den breiten Ansatz der Spitzenförderung und das Miteinander von zivilgesellschaftlicher Förderung und staatlicher Unterstützung. Ich denke, dass die Erwartungshaltung an unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten über gute Noten und Leistungen hinausgeht. Gesellschaftliches Engagement und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, halte ich für ebenso wichtig. Ich betrachte gerade ehrenamtliche Tätigkeiten als zentralen Baustein der Zivilgesellschaft. Rechtsstaatliche demokratische Gesellschaften ohne eine zivilgesellschaftliche Ethik, die das Ehrenamt einschließt, sind nach meiner Einschätzung auf Dauer nicht über­ lebensfähig. Doch genau eine solche Ethik traue ich den jungen Menschen von heute auch zu.“ Dr. Sven Murmann, Verleger und geschäftsführender Gesellschafter der Murmann Publishers

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Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein

Das große Ganze im Blick: Gyde Opitz ist Leiterin des Bereichs Gesellschaftliches Engagement beim Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein. Der Verband ist ein wichtiger Partner der CAU in Sachen Nachwuchsförderung. Das nützt der Universität ebenso wie der Region.

„Wir zeigen Flagge

für die Kultur

Frau Opitz, Sie haben an der CAU studiert und sich dafür eingesetzt, dass der Sparkassenverband das Deutschlandstipendium unterstützt und in diesem Rahmen seine Stipendien auch an Geisteswissenschaftler vergibt. Warum? Unternehmen fördern natürlich gern Studierende, die fachlich unmittelbar zu ihnen passen. Darum kommen die Geisteswissenschaften oft zu kurz. Uns geht es aber weniger darum, potenziellen Nachwuchs zu rekrutieren. Die Unterstützung des Deutschlandstipendiums ist vielmehr ein genereller Ausdruck unseres gesellschaftlichen Engagements, und wir verstehen es eher als fakultätsübergreifende Förderung. Mit dem Deutschlandstipendium zeigen wir Flagge im Bereich Bildung.

Gyde Opitz (40) leitet den Bereich „Gesellschaftliches Engagement und Veranstaltungen“ beim Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein. Der Sparkassenverband fördert im Rahmen seines gesellschaftlichen Engagements Deutschlandstipendiaten an der CAU und unterstützt zudem die Stipendienkampagne finanziell und organisatorisch.

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Was haben Geisteswissenschaftler/innen zu bieten? Die Studierenden bringen eine enorme berufliche Flexibilität mit. Sie müssen sich ihren Weg selber suchen und können eigentlich in jeder Branche arbeiten. Ich habe in meinem Literaturwissenschaftsstudium richtig gutes Handwerkszeug gelernt, von dem ich heute in meinem Beruf sehr profitiere.

ebenfalls Stifter werden. Mit der Unterstützung des Deutschlandstipendiums bekommt das gesellschaftliche Engagement der Sparkassen ein gutes Gesicht.

Wie fördert der Sparkassenverband das Deutschlandstipendium? Die Initiative ging von unserem Präsidenten aus, der mit der Einführung des Deutschlandstipendiums drei Stipen­dien aus seinem persönlichen Förderfonds gestiftet hat. Mit den Jahren haben wir das ausgebaut und vergeben seit 2012 nun jährlich fünf Stipendien.

War es aufwendig, Stifterin an der CAU zu werden? Nein. Die Uni sucht die Studierenden aus und wir fördern. Da wir uns aber auch als Impulsgeber für die Kampagne begreifen, haben wir regelmäßig Kontakt mit der Referentin für private Wissenschaftsförderung der Universität, Sabine Große-Aust. Das ist ein sehr fruchtbarer Austausch, der natürlich etwas mehr Einsatz erfordert. Aber aufwendig wird es als Stifter erst, wenn man ideell fördern will. Das ist bei uns bisher nicht angedacht, kann sich aber natürlich in Einzelfällen ergeben.

Sie haben auch die Stipendienkampagne der CAU finanziell „huckepack“ genommen. Ja, unser Ansatz ist eine Gesamtförderung. Daher unterstützen wir die CAU bei ihrer Kampagne, mit der sie das Deutschlandstipendium im Land bekannt macht, denn es sollen natürlich viele Menschen und auch Unternehmen unserem Beispiel folgen und

Welche Rolle spielt die Region Schleswig-Holstein für Sie als Stifterin? Mit dem Stipendium haben wir und alle Stifterinnen und Stifter die Chance, den Nachwuchs an unsere Region zu binden. Es ist wichtig, dass gut ausgebildete junge Menschen nach ihrer Ausbildung hier in SchleswigHolstein bleiben.


Gyde Opitz (Leiterin f端r den Bereich Gesellschaftliches Engagement beim Sparkassen- und Giroverband f端r Schleswig-Holstein)


Deutschlandstipendiatin Anna Siebert


Philosophische Fakultät | Fachbereich Deutsch: Gegenwartsliteratur und Literaturvermittlung

Wirtschaft und Literatur? Für Anna Siebert stellt dies keinen Widerspruch dar. Im Interview erzählt die Deutschlandstipendiatin von ihrem Interesse an Hedgefonds, ihrer Leidenschaft für Bücher und was das alles mit Humboldt und Spanien zu tun hat.

„Ich bin für eine disziplinen-

übergreifende Bildung

Frau Siebert, Sie sind gelernte Bankkauffrau. Was hat Sie an einem Studium gereizt? Die Abwechslung und die vielen Möglichkeiten, die ein Studium bietet. Nach der Schule wollte ich erst mal etwas Solides machen, Unabhängigkeit erlangen und Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt sammeln. Wirtschaft hat mich schon immer interessiert. Begriffe wie Hedgefonds oder Wandelanleihe schrecken mich nicht ab, sondern machen mich neugierig. Also hat die Bankausbildung gut gepasst. Gleichzeitig liebe ich Literatur und Kultur. Mein Anspruch an ein Studium ist, mein Wissen zu erweitern und mich zu entwickeln, ohne mich fachlich einzugrenzen. Ich hänge dem Humboldt’schen Bildungsideal nach. Der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein fördert Sie mit einem Deutschlandstipendium. Wie kam das? Das ist ein unglaublicher Zufall, der mich sehr gefreut hat. Für mich schließt sich so auch ein Kreis in meiner Biographie. Meine Betreuerin Gyde Opitz leitet den Bereich Gesellschaftliches Engagement beim Sparkassenverband und hat auch Literaturwissenschaften studiert, da ist der Austausch für mich besonders interessant. Was hat sich durch das Deutschlandstipendium für Sie verändert? Ich weiß nicht, ob ich ohne das Programm da wäre, wo ich heute bin. Durch das Stipendium muss ich mich nicht nur auf Leistungsnachweise

konzentrieren, sondern kann auch nach links und rechts gucken, mich ausprobieren. Das ist ein Geschenk. Und ich kann weiter ehrenamtlich im Landesjugendwerk der Arbeiterwohlfahrt Schleswig-Holstein e. V. tätig sein, das mache ich schon über zehn Jahre. Das Stipendium hat mir viele Türen geöffnet und Freiräume verschafft – das hätte ich nicht für möglich gehalten. Welche Türen haben sich geöffnet? Zum Beispiel habe ich ein Praktikum bei meinem ersten Förderer, dem Wachholtz Verlag, gemacht und war danach eine Zeit lang als freie Mitarbeiterin tätig. Außerdem hat mir das Stipendium mein Jahr in Spanien ermöglicht. Ohne das Stipendium hätte ich mich in Valencia nicht so intensiv dem Studium fachfremder Bereiche, wie z. B. der Philosophie oder Linguistik, widmen können und wahrscheinlich auch meine Hospitanz im valencianischen Museum für Ethnologie nicht angetreten. Ich habe immer neben dem Studium gearbeitet, auch jetzt, darum weiß ich, wie entlastend und entscheidend es war, in Spanien nicht meinen Lebensunterhalt verdienen zu müssen. Übrigens wäre ich ohne diesen Aufenthalt nicht auf die Idee gekommen, im Master deutsche und spanische Literatur zu studieren und Sprache zu meinem Studiengegenstand zu machen. Was raten Sie anderen, die sich für das Stipendium bewerben wollen? Einfach machen! Das Angebot an Stipendien in Deutschland ist größer

als man denkt. Aber viele trauen sich nicht, gerade in den Geisteswissenschaften. Dafür gibt es meiner Meinung nach aber keinen Grund. Ich habe sehr von dem Stipendium profitiert – weit über die finanzielle Unterstützung hinaus.

Anna Siebert (26) studiert im zweiten Master­semester Deutsche Gegenwartsliteratur und Literaturvermittlung an der CAU. Seit Oktober 2014 Masterstudium 2. Semester Gegenwarts­ literatur/Literaturvermittlung und Romanistik an der CAU August 2012 – März 2013 Auslandssemester im Fachbereich Humanidades und Philosophie im Rahmen des Erasmusprogramms an der Universitat de València Seit Oktober 2011 Stipendiatin des Deutschlandstipendiums Oktober 2010 – Oktober 2014 Bachelorstudium der Europäischen Ethnologie und Pädagogik an der CAU 2010 Abitur mit dem Schwerpunkt Ökonomie an der Ludwig-Erhard-Schule August 2005 – Januar 2008 Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Förde Sparkasse

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Freiräume schaffen Auch mit Sachleistungen wie kostenlosem Wohnraum, mit Spendensammlungen zu Jubiläen, anteiligen Spenden in den Stipendienfonds und anderen Förderleistungen können Studierende an der CAU unterstützt werden. Stifterinnen und Stifter zeigen sich hier sehr kreativ, wie diese kleine Auswahl beispielhaft zeigt:

Uwe Herbst

Prof. Dr. Dr. h. c. Hans Langmaack

Uwe Herbst

Prof. Dr. Dr. h. c. Hans Langmaack

Eine Anzeige zum Deutschlandstipendium in den Kieler Nachrichten inspirierte den Unternehmer Uwe Herbst dazu, Studierende zu fördern. Als Inhaber einer Hausverwaltung lag für ihn die Art der Unterstützung auf der Hand: drei Jahre mietfreies Wohnen für eine Studentin oder einen Studenten aus dem Ausland. Ein herzlicheres Willkommen in der Fördestadt kann man sich kaum vorstellen.

Professor Hans Langmaack blickt auf eine beeindruckende Vita als Hochschullehrer, Wissenschaftler und Inhaber verschiedener Gastprofessuren zurück. Auch nach seinem beruflichen Wirken – 1974 bis 1999 insbesondere im Dienste der CAU – bleibt er der Kieler Universität verbunden. Weil er jährlich für das Fach Informatik stiftet, hat es für seine zahlreichen Schüler – so manche nun selbst Kolleginnen und Kollegen an Universitäten und Hochschulen – nahegelegen, einen erheblichen Anteil zu einem Deutschlandstipendium beizusteuern und diesen ihrem Mentor als Geschenk beim Festkolloquium zum 80. Geburtstag im Mai 2014 zu überreichen.

Prof. Dr. Knut Heller Als Prof. Dr. Knut Heller, der ehemalige Leiter des Instituts für Mikrobiologie und Biotechnologie (MBT) am MaxRubner-Institut (MRI), den Innovationspreis 2013 des Milchindustrie-Verbandes erhielt, stiftete er aus seinem Preisgeld vier Stipendien für Studierende der Molekularbiologie, Ökotrophologie und verwandter Fächer. Sehr zum Wohle der Studierenden wurde auf diesem Wege die im Herbst 2014 erneut beschlossene Kooperation zwischen der Christian-Albrechts-Universität und dem MRI noch einmal unterstrichen.

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Hermann Rönnfeldt Als Stifter der ersten Stunde begleitet Hermann Rönnfeldt aus Rendsburg bereits im vierten Jahr seine Stipendiatinnen aus den Fachbereichen BWL und Mathematik/Naturwissenschaften. Mit seinem Engagement geht er zuweilen über die finanzielle Förderung hinaus und lädt seine Studierenden zu einem kulturellen und geschichtlichen Streifzug entlang der Eider ein.


Netzwerke und Begegnungen

Ein Tag für die Region Der 2. Rendsburg-Tag am 18. März 2015 wirbt überzeugend für den Standort in der Mitte Schleswig-Holsteins. Die Rahmenbedingungen können kaum besser sein an diesem vorfrühlingshaften Mittwoch. Während unter einem wolkenlosen Himmel die ersten lilafarbenen Krokusse im Stadtpark im Sonnenlicht erstrahlen, füllt sich nur wenige hundert Meter entfernt der Saal der Volkshochschule anlässlich des 2. Rendsburg-Tages. Und es sind bereits deutlich mehr Gäste als bei der Premiere im Vorjahr. Neben Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur folgen auch viele Stipendiatinnen und Stipendiaten der Einladung der Initiatoren. Die Attraktivität der Stadt Rendsburg als Wohn- und Arbeitsstätte steht im Mittelpunkt der Veranstaltung, und die Gastgeber haben keine Mühe, deren Bandbreite herauszustellen. So erinnert der Nephrologe und vielfache Stipendien-Stifter Dr. Norbert Klause, Mitbegründer des Rendsburg-Tages, an den hohen Stellenwert Rendsburgs als Ausbildungsstandort. Bürgermeister Pierre Gilgenast hebt das wirtschaftliche und medizinische Potenzial der

Region hervor und verweist auf die vergleichsweise günstigen Mieten und die gute Verkehrsanbindung zur Landeshauptstadt. Pluspunkte, denen CAU-Präsident Professor Dr. Lutz Kipp in seinem Dankeswort nur zustimmen kann. Nach einem gemeinsamen Mittagessen folgt schließlich der „Praxistest“ im Rahmen eines Studienrundgangs. Etappenziele sind Max Bögl Fertigteilwerke GmbH & Co. KG, das Windenergie-Unternehmen Senvion und der Rendsburg Port. Das Fazit aller Besucher: Rendsburg ist für Studierende und zukünftige Akademiker eine gleichermaßen empfehlenswerte Adresse.

V.l.n.r. Die Gäste des Rendsburg-Tages im Anschluss an den Empfang Gedankenaustausch im Plenum Georg Schäfer und Prof. Dr. Lutz Kipp Der Rendsburg Port öffnete seine Türen Im edlen Ambiente des alten Rathauses fand der Rendsburg-Tag seinen geselligen Ausklang

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Rendsburger Initiative

Mediziner Dr. Norbert Klause (54), Bankvorstand Georg Schäfer (49) und Fotograf Peter Rathmann (61) wollen das Potenzial Rendsburgs und der Region mit der Universität und ihren Studierenden verbinden. Mit diesem Ziel initiierten sie den Rendsburg-Tag und stiften Stipendien der CAU.

„Dieses Potenzial

müssen wir nutzen

Herr Dr. Klause, Sie hatten die Idee zum Rendsburg-Tag, an dem Sie Stipendiatinnen und Stipendiaten der Uni Kiel in Ihre Stadt einladen. Was hat Rendsburg mit Studierenden der Uni Kiel zu tun? Dr. Klause: Zu wenig! Dabei ist Rendsburg bloß eine halbe Stunde von Kiel entfernt. Es gibt so viele spannende Möglichkeiten in unserer Region, die die Studierenden an der CAU noch gar nicht auf dem Schirm

Dr. Norbert Klause, 54, betreibt das Nephrologische Zentrum – Gemeinschaftspraxis für Nierenerkrankungen und Dialyse in Rendsburg. Seit Einführung des Deutschlandstipendiums fördert er insgesamt 12 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus verschiedenen Fachrichtungen. Georg Schäfer, 49, ist Vizepräsident der IHK Kiel und Vorstand der VolksbankRaiffeisenbank im Kreis Rendsburg eG. Er stiftet privat ein Deutschlandstipendium. Peter Rathmann, 61, arbeitet als freischaffender Werbefotograf und Fotodesigner in Rendsburg. Er fördert eine Deutschlandstipendiatin.

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haben: Wohnraum, eine tolle Infrastruktur, interessante Arbeitgeber, Kultur und Lebensqualität. Mit dem Rendsburg-Tag wollen wir darauf hinweisen. Natürlich kann ich niemanden drängen, nach Rendsburg zu ziehen. Aber ich kann das Interesse für die Region und das Leben wecken – auch als Option für die Zeit nach dem Studium. Für den Rendsburg-Tag, der 2015 zum zweiten Mal stattfand, haben Sie Persönlichkeiten aus der Wirtschaft, der Kommune und der Uni Kiel ins Boot geholt. Sie machen das neben Ihrer täglichen Arbeit. Was treibt Sie an? Dr. Klause: Ich kann die Füße nicht stillhalten, wenn ich sehe, dass hier Standortvorteile nicht ausreichend genutzt werden. Mit dem RendsburgTag können wir einen Informationsaustausch zwischen den Stipendiatinnen und Stipendiaten, dem Unternehmerverband, der Industrieund Handelskammer (IHK) sowie etablierten Entscheidungsträgern anregen. Wenn es nach mir geht, ist das erst der Anfang. Schäfer: Ich engagiere mich hierdurch auch für unsere Region. Auch Rendsburg leidet unter dem Fachkräftemangel. Hier möchte ich auch

persönlich und als Vizepräsident der IHK Kiel etwas tun. Wir haben diese Talente von morgen quasi vor der Tür, das müssen wir doch nutzen! Meine Frau kommt aus dieser Region, unsere Töchter gehen hier zur Schule – das ist unsere Heimat und hierfür lohnt es sich, Gutes zu bewirken.

Rathmann: Ich bin in dieser Stadt geboren. Der demographische Wandel ist hier schon jetzt spürbar. Wir brauchen die jungen Menschen, und wir haben ihnen etwas zu bieten. Die Stadt Rendsburg muss die Initiative ergreifen, Risiken wagen, damit sich etwas entwickeln kann. Wir helfen da im Hintergrund etwas nach. Warum richten Sie sich so gezielt an die Stipendiatinnen und Stipendiaten an der CAU? Dr. Klause: Zum einen sind dies die zukünftigen Leistungsträgerinnen und -träger, die von der Uni wegen ihres Engagements für Förderungen ausgewählt wurden. Zum anderen haben wir mit dieser Gruppe einen guten Zugang zu einer Vielzahl von Studierenden aus verschiedenen Fächern und mit unterschiedlicher Herkunft, die wir gezielt einladen können. Im Idealfall fahren die als Botschafter für Rendsburg nach Kiel zurück.


Georg Schäfer (Vorstand VR Bank) Dr. Norbert Klause (Mediziner) Peter Rathmann (Fotograf)

Sie stiften gemeinsam acht Deutschlandstipendien – privat. Ist das auch Standortförderung? Schäfer: Natürlich. Ich habe die Möglichkeit, Stipendiatinnen und Stipendiaten der CAU (das sind die Fachkräfte von morgen), auch zu diversen Veranstaltungen in der Region einzuladen. Man baut eine Bindung zu den Studierenden auf, durch die sie auch einen Kontakt zur Region knüpfen. Mit meinem privaten Engagement zeige ich, wie sehr ich persönlich von dem Programm überzeugt bin.

Dr. Klause: Sicher ist das auch eine Standortfrage. Ich stifte sechs Stipendien, das verschafft mir auch Gehör bei Entscheidungsträgern, um unsere Kommune voranzubringen. Rathmann: Es ist doch fantastisch, auf diese Weise jungen Menschen auf ihrem Weg zu helfen und gleichzeitig etwas für unsere Region zu tun. Durch Ihr Engagement haben Sie direkten Kontakt zur jungen Generation. Hat Sie das verändert? Schäfer: Sie streben Richtung Höchstleistung und sind sehr engagiert bei der Sache. Das entspricht so gar nicht der öffentlichen Wahrnehmung. Ja! Dies hat mich verändert.

Rathmann: Der Austausch mit jungen Menschen verändert die eigene Perspektive. Dr. Klause: Die Frage ist doch: Wie will man den akademischen Nachwuchs fördern, wenn man ihn nicht kennt? Durch mein Engagement als Stifter bekomme ich einen Einblick, was es bedeutet, heute zu studieren. Das ist ein Fulltime-Job! In der Gesellschaft wird das viel zu wenig anerkannt, das möchte ich gerne ändern. Dafür müssen wir die Kommunikation zwischen den Generationen stärken und Anerkennung zeigen.

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Deutschlandstipendiat Fabian Wolff gefรถrdert aus dem Stipendienfonds


Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät | Wirtschaftswissenschaften – Philosophische Fakultät | Psychologie

Fabian Wolff, gefördert aus dem Stipendienfonds, will mehr vom Studium als Bestnoten. Darum studiert der 25-Jährige neben Diplompsychologie auch noch Soziologie und Wirtschaftswissenschaften an der CAU und engagiert sich in den Semesterferien für soziale Projekte im Ausland.

„ Das Stipendium ist

ein Sprungbrett

Herr Wolff, Sie haben neben Ihrem Psychologiestudium in einer Schule für Autisten in Südafrika gearbeitet, Schildkröten in Sri Lanka gerettet und brechen demnächst nach Thailand auf, um dort Lehmhütten für eine Bibliothek im Regenwald aufzubauen. Sie schauen gern über den Tellerrand, oder? Ja, ich hätte sonst Angst davor, später von meinem Studium nur drei Sätze erzählen zu können. Es gibt so vieles zu entdecken, ich will diese Chance nutzen, solange ich jung und ungebunden bin. Und ich lerne so viel daraus, für mein Studium und fürs Leben. Ob auf Reisen oder im Studium: Ich brauche das Gefühl, dass es voran geht und ich nicht vor mich hin „daddele“. Jedes Jahr ein Auslandsaufenthalt, Sie studieren drei Fächer – wie schaffen Sie das? Ich hab in der fünften Klasse beschlossen, zu studieren, und mich reingehängt in die Schule. Außerdem bin ich ein sehr strukturierter Mensch. Ich mache mir Zeitpläne und halte mich daran. Die Reise nach Südafrika habe ich anderthalb Jahre vorher gebucht, damit ich das wirklich mache und nichts dazwischen kommt. So ein Ziel ist auch ein Ansporn, das Semester durchzuziehen. Ich fange dann halt schon sehr früh mit dem Lernen an, damit ich am Ende nicht ins Rudern komme. Und diese Auslandsaufenthalte sind auch

ein schöner Ausgleich zum Schreibtisch. Es lohnt sich, Gas zu geben im Studium, um solche Möglichkeiten wahrnehmen zu können. Ohne die Unterstützung durch das Deutschlandstipendium wäre das allerdings nicht möglich. Hat das Deutschlandstipendium die Weichen für Ihren Lebenslauf neu gestellt? Ohne das Stipendium hätte ich das alles nicht erlebt. Ich hätte mir neben dem Studium einen regelmäßigen Job suchen müssen und hätte nicht die Chance gehabt, auch noch Soziologie und Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Durch das Stipendium habe ich das Glück, nicht arbeiten zu müssen. Außerdem halte ich das Stipendium für ein Sprungbrett, weil mich das von anderen Bewerbern abhebt. Es ist schließlich eine Auszeichnung für die eigene Leistung und für Engagement, die einem unabhängig von religiöser und parteilicher Zugehörigkeit verliehen wird. Identifizieren Sie sich durch Ihr Stipendium stärker mit der Region und der Uni Kiel? Ja, durch das Stipendium hat die CAU ein Gesicht bekommen. Es fühlt sich exklusiver an, hier zu studieren. Die Bindung zur Region ist auch stärker geworden – kein Wunder, bei der finanziellen Unterstützung, die bei mir angekommen ist. Ich werde aktuell aus dem Stipendienfonds gefördert.

In diesem fließen mehrere kleinere Spenden zusammen, bis daraus ein vollständiges Stipendium oder auch andere Förderungen für Studierende vergeben werden können. Inzwischen ist Kiel für mich immer mehr eine Option für die Zukunft.

Fabian Wolff (25) studiert an der CAU im zehnten Semester Psychologie auf Diplom. Zusätzlich absolviert er einen ZweiFächer-Bachelor in Soziologie und Wirtschaftswissenschaft im derzeit sechsten Semester. Seit dem dritten Semester wird er mit dem Deutschlandstipendium unterstützt, aktuell wird dieses aus dem Stipendienfonds der CAU finanziert. Er ist Preisträger des Holsteiner Studienpreises 2014/2015. Oktober 2011 bis heute Deutschlandstipendiat, derzeit gefördert vom Stipendienfonds der CAU Seit Oktober 2013/14 Studium Soziologie und Wirtschaftswissenschaften Seit Oktober 2010/11 Psychologiestudium auf Diplom 2009 Abitur am Gymnasium Soltau

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Mehr als Small

Talk

Mit der Vergabefeier und dem Cross-Table-Dinner schafft die CAU den idealen Kennenlern-Rahmen im Stipendien-Programm. Zugegeben: Ein wenig Lampenfieber ist schon im Spiel, wenn sich Studierende und Stifterinnen und Stifter zum ersten Mal gegenüberstehen – und das gilt nicht nur für die jüngere Generation. Immerhin ist jedes Stipendium eingebettet in eine Beziehung, die vom wechselseitigen geistigen Austausch lebt. Und bei der der Nehmer auch schnell zum inspirierenden Geber werden kann. 28

So war es auch zur Vergabefeier 2014, bei der die CAU im Rathaus der Landeshauptstadt Kiel zu Gast war. Und auch zum Cross-Table-Dinner schwirrte die muntere Atmosphäre aus Interesse, Freude und Überraschung durch die eleganten Räume des Hotels Kieler Kaufmann. „Unbedingt wiederholen“ hieß das Credo zu beiden Abendveranstaltungen.


Gesellschaftliche Ereignisse mit Mehrwert

Linke Seite: Zur Vergabefeier 2014 folgte die Universität der Einladung des Kieler Oberbürgermeisters Dr. Ulf Kämpfer und war zu Gast im Rathaus der Landeshauptstadt. Für rockige Kontrapunkte sorgten die Sängerin Andreea Ionita und der Pianist Kjell Sönksen. Rechte Seite: Gute Stimmung beim Cross-Table-Dinner 2014 im Kieler Kaufmann.

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Plädoyers für Ihr Engagement „Mir war sehr schnell klar, dass ich hier in Kiel eine ganz andere, viel fundiertere Ausbildung erhalten kann.“ Anna Markushina, Stipendiatin

„Da wir davon überzeugt sind, dass genügend und auch sehr hohes Potenzial sowie Engagement innerhalb der jüngeren Generation besteht, wollen wir dies gezielt mit der Stipendienvergabe fördern. Letztendlich ist es der Nachwuchs, der ausschlaggebend dafür sein wird, wie wir künftig leben werden.“ Dr. h. c. Klaus-Jürgen Wichmann | Dr. Christian Zöllner, Vorsitzende der Prof. Dr. Werner Petersen-Stiftung

„Durch das Stipendium habe ich den Rücken frei, ausreichend Zeit zum Lernen und kann mich sogar in der Hochschulzeitung und der Fachschaft engagieren.“ Inga Boll, Stipendiatin

Stiften auch Sie ein Deutschlandstipendium oder unterstützen Sie den Stiftungsfonds der Christian-Albrechts-Universität! Stiften bereitet Freude - und bewirkt viel Gutes. Die Wirkung der Stipendien konnten Sie in Wort und Bild auf den Seiten dieses Magazins erlesen. Die Menschen dahinter konnten Sie ein wenig kennenlernen. Mit einem Beitrag von bereits 1.800 Euro können Sie eine Studentin oder einen Studenten ein Jahr lang mit einem Deutschlandstipendium unterstützen. Oder Sie investieren in den Stipendienfonds der Christian-Albrechts-Universität. Denken Sie auch an weitere Möglichkeiten, von denen Studierende nachhaltig profitieren – wie zum Beispiel mietfreien Wohnraum. Jede Form der Unterstützung ist hoch willkommen. 30

Wenn Sie sich inspiriert fühlen, Teil der Gemeinschaft der Förderer der CAU, der Stifterinnen und Stifter im Stipendienprogramm zu sein, dann stiften Sie einen Beitrag an die Christian-Albrechts-Universitätsstiftung bei der Förde Sparkasse IBAN: DE22 2105 0170 1400 0483 91 BIC-/SWIFT-Code: NOLADE21KIE Stichwort: Deutschlandstipendium Das geht auch online unter www.uni-kiel.de/foerderer/spenden/

Machen Sie mit – werden auch Sie Stifterin oder Stifter für das Deutschlandstipendium. Gestalten Sie die Stiftungskultur an der Christian-Albrechts-Universität mit.


Jeder Beitrag zählt

„Meine Betreuerin Gyde Opitz leitet den Bereich Gesellschaftliches Engagement beim Sparkassenverband und hat auch Literaturwissenschaften studiert, da ist der Austausch für mich besonders interessant.“ Anna Siebert, Stipendiatin

„Ich profitiere von den Veranstaltungen der CAU für die Stipendiaten, auf denen man sich mit Stiftern und anderen Stipendiaten austauschen kann. Das ist sowieso das Beste an dem Stipendium: Ich lerne Menschen kennen, zu denen ich sonst keinen Bezug hätte.“ Jan-Hendrik Matthes, Stipendiat

„Es gibt inzwischen eine engagierte Gruppe von Fördernden, die das akademische Leben der Universität bereichern. Wir bekommen von den Stifterinnen und Stiftern wertvolle Impulse, Hochschule und Wirtschaft werden zu einem lokalen Netzwerk. So entsteht eine neue Stifterkultur an unserer Universität.“ Prof. Dr. Lutz Kipp, Präsident der CAU

„Durch das Stipendium hat die CAU ein Gesicht für mich bekommen. Es fühlt sich exklusiver an, hier zu studieren. Die Bindung zur Region ist auch stärker geworden – kein Wunder, bei der finanziellen Unterstützung, die bei mir angekommen ist.“

Ihre Ansprechpartnerinnen

Impressum

Sie möchten Stipendien stiften? Sprechen Sie mit Sabine Große-Aust Referentin für private Wissenschaftsförderung CAU Telefon: 0431 880-1490 sgrosse-aust@praesidium.uni-kiel.de Christian-Albrechts-Platz 4 24118 Kiel

Herausgeber: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Christian-Albrechts-Platz 4 24118 Kiel, Deutschland Telefon: +49 (0)431 880-00 E-Mail: mail@uni-kiel.de

Sie haben Fragen zum Bewerbungsverfahren oder zu den laufenden Stipendien? Wenden Sie sich an Claudia Neumann Assistentin im Team Telefon: 0431 880-1411 cneumann@uv.uni-kiel.de Christian-Albrechts-Platz 4 24118 Kiel

Idee und Konzept: Sabine Große-Aust Redaktion und Gestaltung: WortBildTon Werbeagentur, Kiel Interviews: Saskia Weneit, Berlin Fotografie: Christina Kloodt, Kiel Druck: nndruck, Kiel Auflage: 5.000

Stand: 05 | 2015

Fabian Wolff, Stipendiat

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Christian-Albrechts-Universit채t zu Kiel Christian-Albrechts-Platz 4 24118 Kiel, Germany

www.uni-kiel.de/foerderer

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Magazin das stipendienprogramm der christian albrechts universität kiel  

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