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KLASSIK-SZENE NRW Porträt: Die Pianistin Olga Scheps »Acht Brücken«-Festival in Köln Kent Nagano und Yannick Nézet-Séguin Höhepunkte der Konzert-Saison


4 Die Kölner Pianistin Olga Scheps

K.WEST SPECIAL KLASSIK FRÜHJAHR 2014 4 WIE EIN SPIEGEL Zu Besuch bei der Pianistin Olga Scheps in ihrem Kölner »Studio«: Musik kann wie Leistungssport sein. 8 GEPÄCKTRÄGER DER LUXUSKLASSE Der kanadische Dirigent Yannick Nézet-Seguin ist in Dortmund Residence-Künstler. 10 PULS-SCHLAG MUSIK Das Kölner Festival »Acht Brücken«: Ligeti, Mensch, Maschine, Schwungräder und mehr 12 HINGEHÖRT Neue CDs mit NRW-Beteiligung 14 KLANGWELLENREITER Kent Nagano gastiert mit dem Orchestre Symphonique de Montréal in Köln und Essen. 16 EMPFEHLUNGEN FÜR DIE KONZERT-SAISON Herausragende Konzerte, Gastspielstars, CD-Tipps

IMPRESSUM SONDERAUSGABE K.WEST SPECIAL KLASSIK FRÜHJAHR 2014 K.WEST erscheint monatlich im Verlag K-West GmbH Heßlerstraße 37 45329 Essen Tel.: 0201/86 206-33 Fax: 0201/86 206-22 www.kulturwest.de

REDAKTION V.i.S.d.P.: U. Deuter, A. Wilink LAYOUT Herweg / Michalakopoulos Pecher

MARKETING MaschMedia, Oberhausen DRUCK druckservice duisburg medienfabrik TITELFOTO Titelfoto: Gnahoré, Dobet – Gast beim Festival »Acht Brücken« Copyright: Künstleragentur


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Olga Scheps. Fotos: RCA


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WIE EIN SPIEGEL WIE EIN SPIEGEL Text: CHRISTOPH VRATZ Zu Besuch bei der Pianistin Olga Scheps in ihrem Kölner »Studio«: Musik kann wie Leistungssport sein.

Die junge Pianisten-Generation sucht ihren Platz. Die einen setzen auf so genannte Konzeptalben, andere auf den Zyklus. Am besten man macht beides, denn einen Königsweg gibt es nicht. Die Wahl-Kölnerin Olga Scheps lässt sich ohnehin nicht vorschreiben, womit und wie sie ihre Programme bestückt. Auf dem Klingelschild steht lapidar »Studio«. Eine Wohnhausfassade im Zentrum Kölns, schmucklos, von Verkehr umrauscht, graufarben. Auf der Rückfront ein typischer Innenhof, zugebaut, ausgewaschener Beton und Backstein im Wechsel. Inmitten ein kleines Gebäude. Olga Scheps schließt die Tür auf, geht vor und macht Licht. Durch die Neonröhre zucken Blitze. An der Wand ein Flügel. »Wo sind wir hier? In einer Dependance der Hochschule?« Nein, lacht sie. Den Raum habe sie gemietet, für sich allein. Der Raum ist eher kahl. Ein Sofa, zwei Stühle, Wasserkocher. Ein paar Bücher, eine Kiste mit Noten, ein Teppich als Dämpfer. »Für mich der perfekte Raum, weil mich nichts ablenkt. Hier bin ich vollkommen unabhängig. Niemand kann mich hören, niemand stören.« K.WEST: Üben Sie wie manche ihrer Kollegen vor allem nachts? SCHEPS: Ich bin völlig tageszeit- und wetterunabhängig, da es hier keine Fenster gibt. Ich empfinde das als meine kleine Welt, meinen Raum, in dem ich Sachen ausprobieren und mich zwischendurch ein bisschen hinlegen kann. K.WEST: Vergessen Sie beim Üben die Zeit und lassen sich treiben, oder sind Sie mehr streng methodisch mit Blick auf die Uhr? SCHEPS: Ich bin grundsätzlich eher der Nachmittags-, allenfalls der frühe Nachtmensch. Anders gesagt, verbringe ich den Morgen meist mit außermusikalischen Dingen, die halt gemacht werden müssen. Mit dem Üben fange ich um zwei oder drei Uhr an. Es ist ein großes Glück, dass ich hier auch nachts am Klavier sitzen kann. Allerdings versuche ich nicht krampfhaft, bis ein oder zwei Uhr durchzuhalten, dann bekommt man chronischen Jetlag. Ich orientiere mich an den üblichen Konzertzeiten, um möglichst meinen BioRhythmus beizubehalten. Also, um acht Uhr abends sitze ich schon an sechs Tagen in der Woche am Flügel, entweder hier oder im Konzertsaal 1986 in Moskau geboren, kam Olga Scheps mit sechs Jahren nach Deutschland. Als Jungstudentin fand sie zunächst in die

Klavierklasse von Vassily Lobanov, 2006 in die Meisterklasse von Pavel Gililov an der Musikhochschule Köln. Weitere Impulsgeber waren der begehrte Pianisten-Lehrmeister Dmitri Bashkirow – und Alfred Brendel. Die Eltern sind Musiker, der Vater unterrichtet an der Hochschule in Aachen. Kaum verwunderlich, dass sich bei Scheps Veranlagung und zähe Arbeit miteinander verbinden, eine Mischung, die Früchte trägt, zumal sie am Beginn ihrer Karriere nicht reich mit Vorschusslorbeeren von den Medien geschmückt wurde, sondern sie sich möglichst frei und natürlich entwickeln konnte. Für sie beginnt die alltägliche Arbeit bereits auf dem Weg ins Studio. »Früher hatte ich den Flügel in meiner Wohnung stehen. Das war, gerade was die Konzentration angeht, bedeutend schwieriger.« Den Yamaha-Flügel hat sie vor mehr als zehn Jahren mit ihren Eltern ausgesucht: »oder sie für mich, ich weiß nicht mehr genau, wie viel damals meine Meinung wert war«. K.WEST: Was ist Ihnen bei einem Flügel besonders wichtig? SCHEPS: Ich schätze es, wenn mir ein Instrument all das zurückgibt, was ich hineingebe. Ich kenne meinen Flügel natürlich sehr gut, er ist wie ein Spiegel. Er verschönert nichts, versteckt auch nichts. Es ist ein unheimlich feiner Flügel. Genau, was ich für wichtig erachte. Ich würde in einen Raum wie diesen hier keinen Steinway stellen. Mir würde das Trommelfell rausfliegen. K.WEST: Das Entscheidende ist letztlich der Klang. Wie sollte der sein? SCHEPS: Mir ist besonders wichtig, dass ein Klang nicht zu früh aufhört, dass die Saite so lange schwingt, wie sie möchte, dass das Gesangliche dadurch nicht unterbrochen wird. Außerdem lege ich Wert darauf, dass innerhalb der Klaviatur die Töne sehr gleichmäßig sind, dass die Feinmotorik ausgeglichen ist. K.WEST: Und wie arbeiten Sie auf Ihren idealen Klang hin? SCHEPS: Langsam spielen ist eine sehr unterschätzte Art des Übens, die ich aber entschieden befürworte. Ich bin eher ein Gegner von Tonleitern. Wenn man eine Tonleiter übt, kann man am Ende diese Tonleiter gut spielen. Doch ließe sich dieselbe Zeit auch dazu nutzen, Phrasen und Ausschnitte aus den jeweiligen Stücken zu studieren. Ich weiß jedoch, dass es Pianisten gibt, denen Tonleitern sehr viel bedeuten. Jeder muss einen individuellen Zugang suchen und finden, da Üben immer auch körperabhängig ist. Manche


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brauchen mehr Training, um eine bestimmte Kondition zu erlangen. Musik ist manchmal wie Leistungssport: Tageszeit, Training, Ernährung – viele Faktoren kommen zusammen. Ihre bisherigen Aufnahmen zeigen, dass sich Olga Scheps in der Romantik besonders wohl fühlt: Chopin, Russisches um Tschaikowsky, Medtner, Rachmaninow, dann Schubert und zuletzt wieder Chopin. Dessen zwei Klavierkonzerte hat sie in der Fassung mit Kammerbesetzung aufgenommen, ohne Holzblasinstrumente, nur mit Streichern. In dieser Version kann man nicht mogeln, sich nicht mit dem Pedal durchretten, hier klingt das Klavier noch unmittelbarer, direkter als mit großem Orchester. Also, Vorsicht bei zu viel Attacke? Scheps findet einen gelungenen Mittelweg. Sie liebt die gesangliche Formung, verzichtet auf Raubtier-Getue, was diesen Werken gelegentlich angetragen wird. Vieles hat man so bislang selten oder gar nicht gehört. Der eigene Wille wird hörbar, aber kein Hang zum Manierierten. Bei den subtilen chopinesken Verzögerungen beweist sie Sinn für genaues Timing. K.WEST: Chopin schätzte den Belcanto, die Kunst des Gesangs. Was können Sie davon aufs Klavier hinüberretten? SCHEPS: Gesang ist das A und O beim Klavierspiel. Zwar zählt das Klavier eher zur Spezies der Schlaginstrumen-

te, doch wichtig ist nun mal, dass ich aus dem schwarzen Kasten etwas Lebendiges heraushole. Das geht nur, indem ich vorher überlege, wie der Klang sein soll und wie es mir gelingen kann, dass das Instrument wie eine menschliche Stimme klingt. Das ist mit ein Grund, weshalb ich den Beruf gewählt habe. Ich übe ausgesprochen gern, ich möchte viel ausprobieren. Wenn ich allerdings mit dem Kopf woanders bin, bleibt der Deckel zu. K.WEST: In Ihrem Übungsraum findet man keine professionelle Anlage zum Musikhören. Mit Absicht?

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Vordergrund, mir die Musik zu erarbeiten. Das Gefühl von Einsamkeit stellt sich eher auf Reisen ein. Dann ist es wichtig, sich heimatliche Atmosphäre zu schaffen. Etwa indem man versucht, in einer Stadt immer dasselbe Hotel und dasselbe Zimmer zu bekommen.« Am Ende, wieder im Freien, ist auch der Himmel grau geworden; es hatte geregnet. In Olga Scheps’ Studio bekommt man davon nichts mit. Man vergisst Zeit und Raum.

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SCHEPS: Ich kann Musik schlecht nebenbei hören, nur ganz konzentriert. Ich gehöre auch nicht zu denen, die morgens als erstes das Radio einschalten. Wenn ich eine Geräuschkulisse brauche, lege ich mir einen Film ein. Aber Musik nebenbei – das ist nicht meins. Olga Scheps weiß, dass der Beruf des Pianisten mitunter einsam sein kann. Ihren Spiel-Raum empfindet sie aber nicht als Isolationszelle. Sie fühle sich »zwar fernab der Welt, aber nicht einsam. Für mich steht die Möglichkeit im

Olga Scheps auf CD: Chopin, Klavierwerke (2009); RCA/Sony CD 88697577612; Russian Album: Werke von Tschaikowsky, Rachmaninow, Arensky u.a. (2010); RCA/Sony 2 CD 88697801582; Schubert, Klavierwerke (2012); RCA/Sony CD 88691963182; Chopin, Klavierkonzerte (2013); Sony CD 88843011702 Konzert-Termine: 2. März 2014, Solingen-Gräfrath, Kunstmuseum Solingen; 4. April: Bonn, Beethoven-Haus.

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Yannick Nézet-Séguin. Foto: Marco Borggreve


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GEPÄCKTRÄGER DER LUXUSKLASSE Der kanadische Dirigent Yannick Nézet-Seguin ist in Dortmund Residence-Künstler.

Von Yannick Nézet-Séguin sind vor kurzem zwei CDs erschienen, die vom Repertoire her reiner Mainstream sind. Gleichwohl sind sie ein Muss. Und sie haben es in sich. Tschaikowskys »Pathétique« interpretiert er nicht als tränenvolle SinfonieSchnulze, sondern in ihrer Zerrissenheit und Bitterkeit als russische Antwort auf Gustav Mahler. Ähnlich räumt Nézet-Séguin Strawinskys »Le Sacre du Printemps« auf, so dass man dieses Rhythmus-Kraftpaket von seinen gut versteckten, kammermusikalischen und impressionistischen Seiten kennenlernt. Mit beiden Orchesterklassikern hat Nézet-Séguin seinen Label-Wechsel besiegelt. Und als ob es ihm nicht schnell genug gehen könnte, sind die nächsten Projekte bereits aufgenommen bzw. bald auf dem Markt. In diesem Monat legt der Dirigent mit den vier Schumann-Sinfonien nach. Bei dem Arbeitstempo ließe sich vermuten, dass er seinen Ruf als Shooting-Star hinter sich lassen möchte. Mit nunmehr 38 Jahren. Andererseits spielt er erst seit 2008 in der ersten Dirigentenliga mit. Bis dahin hatte sich der Kanadier lediglich in seiner Heimat gewisse Berühmtheit erarbeitet, vor allem als Chefdirigent des Orchestre Métropolitain du Grand Montréal. Zwar gab es zwischendurch Einladungen nach Europa. Der internationale Durchbruch kam dann bei den Salzburger Festspielen, nachdem er Gounods »Roméo et Juliette« mit Rolando Villazón dirigiert hatte und sich plötzlich alle um den leicht bullig wirkenden No-Name rissen. Die New Yorker Met und die Mailänder Scala fragten ebenso an wie die Wiener und Berliner Philharmoniker. Mittlerweile ist Nézet-Séguin Chefdirigent der Rotterdamer Philharmoniker und des Top-Five-Orchesters aus Philadelphia, zudem erster Gastdirigent der Londoner.

Obgleich der 1975 in Montréal geborene Musiker nun ein künstlerisches Luxusleben führt, nimmt er seinen Job eher nüchtern: »Dirigenten sind nur die Gepäckträger der Komponisten. Weshalb man sich nicht zu wichtig nehmen sollte«. Diese Einstellung hat er von einem Maestro übernommen, der für ihn die künstlerische Vaterfigur blieb. 1997 begegnete er dem großen Italiener Carlo Maria Giulini. Der nahm den Twen auf, reiste mit ihm nach Paris und Madrid, um ihm das A und O als Opernund Konzertdirigent beizubringen. Giulini war es auch, der dem jungen Talent die Sinfonien von Bruckner und Mahler nahe brachte. Mit 26 Jahren wagte sich Nézet-Séguin an zwei Paradestücke des Mentors und dirigierte neben der Neunten Bruckners auch Mahlers letzte große vollendete Sinfonie. Speziell zu dieser Neunten entwickelte er tiefe Verbundenheit, die sich seither noch intensiviert hat. Der Schlüssel zu Mahlers Neunten ist für ihn »der letzte Satz«, sagt Nézet-Séguin: »Alles läuft auf ihn hinaus. Die letzten Takte verströmen diesen Geist, wo sich jemand endgültig vom Leben verabschiedet«. Dass er für dieses magisch zarte Hinwegschweben Sensibilität und Feinsinn besitzt, kann man schon im Internet bei einem Konzertmitschnitt aus Rotterdam bestaunen. Und nun auch direkt und unmittelbar den Mahler-Klang erleben. Im Rahmen einer auf drei Spielzeiten angelegten Künstler-Residence im Dortmunder Konzerthaus gastieren Nézet-Seguin und das London Philharmonic Orchestra mit einem Klavierkonzert von Mendelssohn sowie eben mit Mahlers Neunter. | GUFI

INFO

Yannick Nézet-Seguin, Nicholas Angelich & das London Philharmonic Orchestra mit Werken von Mendelssohn Bartholdy und Mahler: 29. März 2014, Konzerthaus Dortmund.


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PULSSCHLAG MUSIK TEXT: GUIDO FISCHER Das Kölner Festival »Acht Brücken«: György Ligeti sowie Mensch, Maschine, Schwungräder und mehr

Nicht mehr aus dem Staunen heraus kam das Publikum, das sich im Oktober 1988 zur Matinee in der Kölner Philharmonie eingefunden hatte. Auf dem Podium stand zwar ein Flügel. Nur der Pianist ließ sich nicht blicken. Stattdessen setzten sich plötzlich – wie von Geisterhänden gespielt – die Tasten in Bewegung. Mit vier burlesk dahin hoppelnden Anschlägen in der Sekunde begann das Klavierstück, das während drei Minuten in Höchstgeschwindigkeits-Rausch geraten sollte – mit bis zu 120 Tönen pro Sekunde. Komponiert hatte diesen Klavier-»Canon« wie noch weitere spieltechnisch irrwitzige »Studies« der Amerikaner Conlon Nancarrow für Selbstspielklavier. Zum ersten Mal waren sie in einem großen Konzertsaal zu hören, auch dank des ungarischen Komponisten György Ligeti, der Nancarrow bewunderte und für das gemeinsame Festival »Musik und Maschine« nach Köln geholt hatte. In diesem Jahr werden die beiden inzwischen verstorbenen Komponisten in der Philharmonie im Geist wieder vereint sein. Bei der vierten Ausgabe des Festivals »Acht Brücken« steht das Schaffen Ligetis im Mittelpunkt. Zugleich widmet es sich unter dem Titel »Im Puls« dem Verhältnis zwischen Mensch, Musik und Maschine. Entsprechend werden im Verlauf der knapp zwei Wochen zahlreiche Klavierwerke nicht nur vom Künstler selbst gespielt, sondern auch von einem Player Piano. So erklingen Ligetis diabolisch schwere Etüden, Stücke von Marcel Duchamp und Igor Strawinsky sowie, im Foyer der Philharmonie, ausgewählte Nancarrow-Studien, darunter die Nr. 21, bei der die Zuhörer schon 1988 an eine Sinnestäuschung glaubten. Auch anhand solcher Klangstationen lernt man das Schaffen eines Komponisten kennen, bei dem nahezu jedes Werk zum aufregenden Abenteuer wurde. Ob es radikal komprimierte Klangflächen waren oder extrem prä-

Die Percussionistin Eveleyn Glennie. Foto: Rachel Blackwell

zise angelegte Polyrhythmus-Ketten: In seiner Experimentierlust kannte Ligeti keine Grenzen und musikideologischen Mauern, wie sie zumal in den 1950er und 1960er Jahren von den Kollegen Stockhausen und Boulez errichtet worden waren. Schon mit seinen ersten großen Orchesterwerken »Apparitions« und »Atmosphères«, die bei ihren Uraufführungen 1960 in Köln bzw. 1961 in Donaueschingen nicht nur jubeln ließen, schuf er zwei Groß-Klassiker der Neuen Musik. Mit »Atmosphères« sowie dem Chorwerk »Lux Aeterna« erlangte Ligeti 1968 Weltruhm, nachdem Stanley Kubrick sie für seine »2001: Odyssee im Weltraum« als Soundtrack verwendet und mit ihnen psychedelischkosmische Rauschzustände beschworen hat, ohne um Erlaubnis beim Komponisten anzufragen. Er verehre Kubricks Kunst, »nicht aber seinen Egoismus und die Missachtung von Menschen«, so Ligeti zu dem Fall. Juwelen der jüngeren Moderne, die das Festival aufreiht, das sich nach den bisherigen Komponistenporträts Cage, Boulez und Xenakis dem 2006 verstorbenen Wahl-Österreicher widmet. Es kommen ausgewiesene Experten für Zeitgenössisches zu Gehör. Der Dirigent Jonathan Nott, der mit den Bamberger Symphonikern und mit Strawinskys »Le Sacre du printemps« gastiert, war u.a. mitbeteiligt an der legendären Einspielung aller Werke Ligetis. Der Organist Dominik Susteck lässt in der KunstStation Sankt Peter das revolutionär amorphe Orgelstück »Volumina« erklingen. Das Pariser Ensemble intercontemporain bietet mit seinem neuen Chef Matthias Pintscher Ligetis Konzerte für Violine bzw. Violoncello. Zum Abschluss zeigt das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg seine Klasse bei Debussys »Images«, den »Atmosphères« und Boulez’ »…explosante-fixe…«. Am Pult steht der fantastische französische Dirigent François-Xavier Roth, der soeben zum Nachfolger


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François-Xavier Roth, Foto: Marco Borggreve

INFO

CHORWERK RUHR 72 MUSIK ALISCHE EXEQUIEN

TRE CAN MUSIKAL GEISTLICHE C

»Acht Brücken« 30. April bis 11. Mai 2014, Köln www.achtbruecken.de

E CHORMUSIK

von Markus Stenz als GMD des Kölner Gürzenich-Orchesters ernannt wurde. Passend zum Festival-Titel werden verschiedene Klangbrücken geschlagen, die bis nach Afrika reichen. Ligeti ließ sich, wie sein amerikanischer Kollege Steve Reich, von polyphonen und polyrhythmischen Mustern begeistern, wie sie für die afrikanische Musik typisch sind. Eine zweitägige Klanginsel hört in die aktuelle Szene des schwarzen Kontinents hinein und hat auch die von der Elfenbeinküste stammende Sängerin und Tänzerin Dobet Gnahoré mit Band eingeladen. Handgemachte Rhythmen und maschinenartiger Drive (wie in Ligetis 2. Streichquartett auf die Spitze getrieben) bilden das Rückgrat von nahezu allen Konzerten, die wieder ungewöhnliche Orte bespielen. Das Kammerflimmer Kollektief lässt die Wände des Deutzer Zentralwerks unter atmosphärischen Pop-Rhythmen vibrieren. Den Puls der Stadt fängt das Duo Ned McGowan & Roland Olbeter mit einer Klanginstallation auf der Hohenzollernbrücke ein, um ihn dann aus einem gigantischen »Mund« auf dem Roncalliplatz auszuspeien. In einer Industriehalle baut der griechisch-französische Komponist Georges Aperghis einen »Luna Park« auf, in dem schauspielernde Musiker in elektro-akustische und multimediale Erlebniswelten eintauchen. Bunte Panoramen zum Thema »Mensch und Maschine« bieten nicht allein die zirzensischen Player Piano-Pieces in der Philharmonie. Spektakulären Einblick in die Welt der musikalisch geölten Motoren gibt der Dirigent Frank Strobel mit dem WDR Rundfunkorchester. Sie setzen den Strauß-Walzer »Schwungräder« so effektvoll in Bewegung wie das von Star-Percussionistin Evelyn Glennie uraufgeführte Schlagzeugkonzert »Dreammachine« des Amerikaners Michael Daugherty.

Heinrich Schütz Musikalische Exequien | Geistliche Chormusik Giacinto Scelsi Tre Canti Sacri Freitag, 21. März 2014, 20 Uhr, Mülheim a. d. Ruhr, Petrikirche Samstag, 22. März 2014, 18 Uhr, Duisburg, Salvatorkirche Sonntag, 23. März 2014, 17 Uhr, Bochum, Christuskirche (Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Konzertbeginn) Freitag, 28. März 2014, 22.30 Uhr, München, Herkulessaal www.chorwerkruhr.de | www.facebook.com/chorwerkruhr


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HINGEHÖRT  HÄNDEL MODERN  Bei der Aufnahme halten sich Hardliner der historischen Aufführungspraxis die Ohren zu. Orgelkonzerte von Georg Friedrich Händel auf einem modernen Flügel zu spielen, widerspricht Gepflogenheiten des Alte Musik-Establishments. Darum hat sich der in Westfalen geborene, in Namibia aufgewachsene Pianist und ECHO-Preisträger Matthias Kirschnereit wenig geschert. Gemeinsam mit der luftig (ebenfalls nicht auf wurmstichigen Instrumenten) aufspielenden Deutschen Kammerakademie Neuss hat er die sechs Orgelkonzerte op. 4 eingespielt. Plötzlich bilden Solo- und Orchesterstimme eine Partnerschaft, wie man sie bei den Originalen bisweilen vermisst. So fühlt man sich in den schnellen Sätzen, bei den delikat gewitzten Dialogen bestens unterhalten. Da auch das Herz bei den lyrisch zarten Gesprächen nicht ungerührt bleibt, kann sich Kirschnereit bald an die Klavierfassungen der übrigen Orgelkonzerte machen. Matthias Kirschnereit, Deutsche Kammerakademie Neuss, Lavard Skou Larsen Händel – Klavierkonzerte op. 4 (cpo / JPC 777 837-2)

 TIEFTÖNER  Mit seiner Kölner Saxofon-Mafia hat Wollie Kaiser verwegene Jazzschlachten geschlagen. Doch auf die Idee zu kommen, sich mit drei Kollegen ausschließlich den Saxofon-Jumbo umzuhängen und ihn kräftig durchzupusten! Zusammen mit Andreas Kaling, Jan Klare und Dirk Raulf bildet Kaiser das weltweit einzige, auf »Deep Schott« getaufte Bass-SaxofonQuartett. Nachdem sie bereits anhand von Jazz-Klassikern zeigten, dass das Instrument zu mehr zu gebrauchen ist als für brummende Ostinato-Arbeit, ist diese etwas andere Boygroup ins Rock-Archiv gestiegen. Da dröhnt es bei Black Sabbath’ »Paranoid« so burlesk wie bei »Billion Dollar Babies« von Alice Cooper.

Neue CDs mit NRW-Beteiligung

Aber hier spielt nicht nur eine lungenstarke Coverband mit Spaßfaktor. Völlig unerwartet neue Seiten entlocken die Vier dem Bass-Saxofon, wenn sie sich in einen sonoren Sax-Chor verwandeln (»The End« von den Doors) oder sich in einer David Lynch gewidmeten Soundtrack-Suite im geheimnisvoll Minimalistischen verlieren. »The Dark Side of Deep Schrott« Vol. 1 (Poise / Alive 23)

 BELLA MIT BEL CANTO  Wild abgefeuerte Barock-Triller gehören zur Spezialität der Sopranistin Simone Kermes. Dank gewagt greller Kostüme hat sie den Ruf als »Crazy Queen der Barockoper« weg. Die Extravaganzen hat sie vorübergehend abgelegt. Bei ihrem »Bel Canto«-Recital, mit dem inspirierend zupackenden Concerto Köln aufgenommen, betritt die Leipzigerin mit Verdi, Bellini und Rossini die große italienische Opernbühne und wagt einen Abstecher zu Mozarts »Zauberflöte«. Ob in der Rache-Arie der »Königin der Nacht«, Normas »Casta Diva« oder in Raritäten wie aus Bellinis erster Oper »Adelson e Salvini« – Kermes bewegt sich durch gesangstechnische Minenfelder traumwandlerisch selbstverständlich und federleicht. Mit ihrem Soprangold ist sie im empfindsam Innigen ebenso hinreißend wie als Donizettis jodelnde Alpen-»Betly« eine Wucht. Simone Kermes »Bel Canto – from Monteverdi to Verdi«, Concerto Köln, Christoph-M. Mueller (Sony Classical 88765455062)

 JUNGMEISTER  Die in Essen geborenen Brüder Wassily und Nicolai Gerassimez haben als Cello-KlavierDuo mehrere erste Preise eingeheimst. Mit dem Sieg beim Deutschen Musikwettbewerb 2012 war auch eine CD-Aufnahme verknüpft. »Free Fall« haben sie ihr Studio-Debüt getauft. Wassily am Cello und Nicolai am Klavier stürzen sich mit Elan ins Sonnige von Mendelssohn Bartholdys 2. Cello-Sonate. Das teuflische Perpetuum mobile-Allegro der emotional explosiven Schostakowitsch-Sonate gehen sie danach mit der nötigen Ruppigkeit an. Die zwei eingestreuten Solo-Stücke (u.a. Fazil Says Paganini-Variationen für Klavier) bilden mit ihren Blues- und Jazzinfusionen die ideale Vorlage für das cool hingelegte Finalstück »Transition« von Wassily Gerassimez. Irgendwie kann das Brüderpaar einfach alles spielen. Wassily & Nicolai Gerassimez »Free Fall« – Werke von Mendelssohn Bartholdy, Schostakowitsch, Say u.a. (Genuin / Note 1 GEN 14304)

 GROSSER KLEINMEISTER  Der Venezianer Giovanni Domenico Ferrandini (1709 bis 1791) war zu Lebzeiten ein weit über die Landesgrenzen hinaus hochgeschätzter Musiker. Man holte ihn als Kammermusikdirektor nach München, wo er 1753 mit einer Oper das Cuvilliés-Theater eröffnete. Trotz seiner Meriten auf dem Gebiet der Vokalmusik ist Ferrandini heute fast vergessen, obwohl selbst der Alte Musik-Pionier Reinhard Goebel sich schon Mitte der neunziger Jahre für ihn stark machte. Nun wagt das Kölner Ensemble Harmonie Universelle unter Leitung von Florian Deuter einen erneuten Anlauf. Dafür hat man sich neben zwei kurzen Orchestersinfonien als Ersteinspielung drei weltliche Kantaten ausgesucht. Mit der tonschön wie empfindsam trumpfenden Mezzosopranistin Olivia Vermeulen lernt man einen Komponisten kennen, der gerade das Drama-


Klavier-Festival Ruhr

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Die Pianisten der Welt beflügeln Europas neue Metropole

9. Mai – 12. Juli 2014 Info | Ticket: 01806 - 500 80 3* | www.klavierfestival.de *(0,20 €/Anruf aus dem dt. Festnetz, Mobil max. 0,60 €/Anruf)

tische hochexpressiv auflud und Arien schuf, die in ihrer Intensität absolut mit denen namhafterer Kollegen konkurrieren können. Lange wurde Ferrandini als italienischer Kleinmeister abgetan und ignoriert. Das dürfte sich ändern. Dieter Ilg »Parsifal« (ACT / Edel 9544-2) Olivia Vermeulen, Harmonie Universelle, Florian Deuter »Ferrandini - Cantate drammatiche« (Accent / Note 1 ACC 24277)

Pierre-Laurent Aimard | Monty Alexander Trio | Nicholas Angelich | Martha Argerich & Lilya Zilberstein | Daniel Barenboim | Elena Bashkirova & Michael Barenboim | Markus Becker | Rafał Blechacz | Alfred Brendel (Lesung) | Till Brönner & His Piano Friends | Chick Corea | Leon Fleisher | Philip Glass, Maki Namekawa & Dennis Russell Davies | Chilly Gonzales | Marc-André Hamelin | Graham Johnson & Dame Felicity Lott | Evgeny Kissin | Elisabeth Leonskaja | Robert Levin & Ya-Fei Chuang | Igor Levit | Anne Sophie Mutter & Lambert Orkis | Gerhard Oppitz | Alice Sara Ott & Francesco Tristano | Maria João Pires | András Schiff | Herbert Schuch & Mirijam Contzen | Grigory Sokolov | Martin Stadtfeld | Jacky Terrasson | Chucho Valdes & The Afro-Cuban Messengers | Krystian Zimerman u.v.a.

 UNTERWEGS  Im März 2013 brach das Bonner Beethoven Orchester mit seinem GMD Stefan Blunier zur ersten USA-Tournee auf. Mit dabei hatte man jeweils zwei Klavierkonzerte und Sinfonien des Namenspatrons. Ständiger Begleiter war der Filmemacher Gerhard von Richthofen, der beim Blick hinter die Kulissen die Musiker zwanzig Tage lang beobachtete, bei Proben und Konzerten, für die mit Louis Lortie eine herausragende Pianisten-Persönlichkeit eingeladen worden war. Im Gespräch geben die Musiker Auskunft über das erfüllende, aber nie reibungslose Miteinander mit den hundert Kollegen. In der auf DVD veröffentlichten, 90-minütigen Dokumentation lernt man das Getriebe und den Puls eines Klangkörpers kennen, der sein Renommee und seinen Erfolg auch in den USA nicht zuletzt dem mal humorvollen, mal strengen Blunier verdankt. Beethovens Orchester – Das Geheimnis der Sinfonie (Centaurusfilm; Bezugsadresse: www.beethovens-orchester-derfilm.de)

Das kulturelle Leitprojekt des

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Medienpartner


14 | KLASSIK SPECIAL

KLANG WELLEN REITER Kent Nagano gastiert mit dem Orchestre Symphonique de Montréal in Köln und Essen.

Kent Nagano. Foto: Benjamin Ealovega

Wahrscheinlich sind auf die Geschenkidee schon andere Orchester gekommen, denen Kent Nagano über die Jahre verbunden gewesen ist. Ihm ein Surfbrett mit den Unterschriften der Musiker zu überreichen, bietet sich an. Nagano, 1951 in Berkeley geboren, wuchs in einem kalifornischen Surfer-Paradies auf und hat auch später seine Erfahrungen mit manch einer Monsterwelle gemacht. Als der Amerikaner japanischer Herkunft sich 2013 als Münchner Generalmusikdirektor vom Orchester der Bayerischen Staatsoper verabschiedete, war er also um ein Brett reicher. Indes, einen Ehrenplatz in seiner Sammlung dürfte es kaum bekommen haben. Dazu hatten kulturpolitische Intrigen und Machtkämpfe dem Amerikaner früh klar gemacht, dass man in München nicht so tickt wie überall dort, wo er seine durchweg erfolgreiche Arbeit abgeliefert hatte. In Lyon hatte Nagano von 1989 bis 1998 das lokale Opernhaus zur internationalen Spitzenadresse gemacht. Als Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin sorgte er zwischen 2000 und 2006 mit ungewöhnlichen Konzertprogrammen für Aufsehen. Als man Nagano daher in München als Staatsopernchef und Nachfolger Zubin Mehtas präsentieren konnte, erhoffte man sich ähnlich neue Impulse. Die hat er, von 2006 an, durchaus geliefert. Als Künstler mit Vorliebe für die zeitgenössische Musik wurde von ihm das Musiktheater von Wolfgang Rihm, Jörg Widmann und der Südkoreanerin Unsuk Chin gefördert. An Olivier Messiaens Oper »Saint François d’Assise«, die Nagano bereits 1998 bei den Salzburger Festspielen dirigiert hatte, ließ er den österreichischen Aktionskünstler Hermann Nitsch als Regisseur heran. Selbst für Münchens traditionelle Titanen Wagner und Strauss bewies er ein Händchen.


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Verschenkte sieben Jahre waren es nicht, als Nagano 2013 den Chefsessel räumte. Trotzdem scheint der 63-Jährige froh, sich anderen Aufgaben widmen zu können. So wird er 2015 mit der Hamburger Staatsoper ein Haus übernehmen, durch das bisweilen kräftiger Gegenwind blasen kann. Der von Leonard Bernstein, Pierre Boulez und Messiaen (der empfahl ihn an Seiji Ozawa) geförderte Dirigent hat schon lange in Kanada ein künstlerisches Domizil, in dem für ihn ideale Zustände herrschen. Soeben hat er, vorzeitig, seinen Vertrag beim Orchestre Symphonique de Montréal verlängert, bis 2020. Dann wird er 14 Jahre lang den neben dem Toronto Symphony Orchestra wichtigsten Klangkörper des Landes geleitet haben. Obwohl im Laufe seiner Geschichte das »OSM« bedeutende Chefdirigenten von Igor Markevich über Zubin Mehta bis zu Charles Dutoit hatte, galt es – zumindest in Europa – nicht als A-Kategorie. Unter der Leitung Naganos konnte sich sein Rang zeigen und behaupten. Was auch an den CD-Einspielungen liegt, für die sich ein potentes Label fand. Beim Aufnahmezyklus der Beethoven-Sinfonien hört man

ein durch alle Instrumentengruppen tollbesetztes Orchester, das zupackend und geistvoll zu Werke geht. In diesem Jahr feiert das »OSM« sein 80-jähriges Bestehen auch mit einigen Gastspielen in Deutschland. Dass Nagano nicht zum Routinier wurde, unterstreicht er bei der Werkauswahl für die beiden NRW-Konzerte. Innerhalb von zwei Tagen bietet er komplett unterschiedliche Programme, die sich dem Liszt-Wagner-Kreis und dann der klassischen Moderne um Maurice Ravel widmen. | GUFI

INFO

Werke von Ravel, Chin, Strawinsky (mit Ekaterina Lekhina, Sopran) am 23. März 2014, Philharmonie Köln; Werke von Wagner, Liszt, Berlioz (mit Kit Armstrong, Klavier) am 24. März Philharmonie Essen.

Jetzt wird’s ernst! Klassik im Ebertbad

Klassikmatinee 09.03., 13.04., 25.05., 29.06.2014 (Einlass 10.30 Uhr/Beginn 11.00 Uhr/freie Platzwahl/ kostenlos/um Kartenreservierung wird gebeten) Männergesangverein Ossian 06.04.2014 (Einlass 10.30 Uhr/ Beginn 11.00 Uhr/freie Platzwahl/Eintritt 10,- Euro) Salonorchester Oberhausen 30.03.2014 (Frühjahrskonzert/ Einlass 17.30 Uhr/Beginn 18.00 Uhr/freie Platzwahl/Eintritt 12,- Euro/5,- Euro Kinder)

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16 | KLASSIK SPECIAL

EMPFEHLUNGEN FÜR DIE KONZERT-SAISON MÄRZ  DIE BERLINER PHILHARMONIKER UNTER RATTLE  Bis 2018 ist es noch lange hin. Dann wird eine Ära beendet sein, wenn sich nach 16 Jahren die Wege von Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern trennen werden. Trotzdem wird man bis dahin wenige Gelegenheiten bekommen, das Spitzengespann außerhalb Berlins zu hören. Auf der fünftägigen Europa-Tournee macht man Station am Rhein. In ihrem Programm zeigen Rattle & Co. in aller Breite und Tiefe, was sie können. Sie stellen Debussys vielfarbiges Orchesterwerk »La Mer« der 3. Symphonie von Johannes Brahms zur Seite. Von beiden Orchesterklassikern wird ein Werk des Österreichers Georg Friedrich Haas eingerahmt, das kurz zuvor uraufgeführt wurde. Haas experimentiert in seinem neuen Orchesterstück mit Obertonharmonien und der Überlagerung von akustischen Schwebezuständen. 6. März 2014, Philharmonie Köln

STADTFELD SPIELT BACH Martin Stadtfeld kommt von Johann Sebastian Bach nicht los. Das ist auch gut so. In seiner steten Wiederbeschäftigung mit vertrauten Werken entdeckt er Stimmen und Stimmungen, die auch ihm selbst vorher so kaum bewusst waren. Für eine neue Abenteuerreise hat er sich Bachs »Wohltemperiertes Klavier« ausgesucht, das er bereits erfolgreich auf CD veröffentlichte. Aus diesem Alten Testament der Klavierliteratur spielt Stadtfeld die 24 Präludien. Zuvor erklingt aus seinem aktuellen Bach-Album die Englische Suite Nr. 2 a-Moll BWV 807, die ebenfalls mit einem Präludium eröffnet wird und auf das französische Tanzformen wie Allemande, Courante, Sarabande und Gigue folgen. 7. März 2014, Hörsaal H1 der Universität Münster; 8. März, Rudolf-Oetker-Halle Bielefeld

Simon Rattle, Foto: Thomas Rabsch

KLANGFEST MIT CHUNG  Myung-Whun Chung zählt nicht zu jenen Pultstars, die mit großer Geste für eine publikumswirksame Show sorgen. Auch ohne das hat der konzentriert zur Sache gehende Südkoreaner seinen Weg gemacht. Nach einer Assistenz bei Carlo Maria Giulini und dem Los Angeles Philharmonic Orchestra gab er 1986 sein Debüt an der New Yorker Met. Von 1989 bis 1994 leitete Chung die Pariser Bastille-Opéra. Seit 2000 ist er Chef des Orchestre Philharmonique de Radio France. Daneben bleibt ihm Zeit, bei Weltklasseorchestern


29. INTERNATIONALES MUSIKFESTIVAL

zu gastieren. So macht er sich mit dem Königlichen Concertgebouworchester Amsterdam zum einzigen Auswärtstermin auf und dirigiert neben Beethovens 2. Sinfonie die Symphonie fantastique vom Beethoven-Bewunderer Berlioz. Ein Orchesterklangfest steht ins Haus!. 8. März 2014, Philharmonie Köln

VIKTOR ULLMANN Von Arnold Schönberg wurde Viktor Ullmann in Wien unterrichtet und von Alexander von Zemlinsky gefördert. Bis in die 1930er Jahre hinein sorgte der Österreicher mit seinen polytonalen Werken für Aufsehen. Im Gegensatz zu seinem alten Lehrer, der sich noch rechtzeitig in die USA retten konnte, wurde Ullmann nach Theresienstadt deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet. Zu seinen letzten Stücken, die er im Lager schrieb, gehört die Vertonung der Erzählung »Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke« von Rainer Maria Rilke. Ullmanns fiebrig-expressionistische Klangsprache sowie der melodramatisch gestaltete Rezitationspart sind aufwühlend und ungemein hörenswert. Daher sollte man sich eine der seltenen Aufführungen des Werks nicht entgehen lassen. Es spielt das Sinfonieorchester Münster unter Leitung von Daniel Klajner. Außerdem erklingt Tschaikowskys 1. Klavierkonzert (Solist: Lukáš Vondráček). 11., 12., 16. März 2014, Städtische Bühnen Münster

 RUSSISCHES MIT TOKAREV  Der russische Star-Pianist Nikolai Tokarev hat dem Dirigenten Vladimir Spivakov viel zu verdanken. Er hatte das enorme Talent in seine Musik-Stiftung für besonders begabte Kinder aufgenommen. Nun treffen sich beide in Aachen wieder und spielen gemeinsam mit der Russischen Nationalphilharmonie das 1. Klavierkonzert von Rachmaninow. Wenn man die gemeinsame Einspielung des 3. Klavierkonzertes als Maßstab nimmt, bei der die Interpreten sich in einen furiosen Rausch spielten, steht Großes bevor. Einen Tag später macht Spivakov mit seinem Orchester und einem anderen russischen Supertalent Station in Gütersloh: Der Violinist Sergej Dogadin wird sich dann Tschaikowskys Violinkonzert annehmen. Neue CD: »Homage to Horowitz«, Nikolai Tokarev; Sony Classical 88883798132. 21. März 2014, Eurogress Aachen 22. März Stadthalle Gütersloh

Senta Berger

© Eric Brissaud

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© universal

© Daniel Regan

13. JUNI – 13. JULI 2014

Leonidas Kavakos

Desirée Rancatore

Christoph Eschenbach

Aus dem Festivalprogramm: 13.06. Eröffnungskonzert Nationalphilharmonie Warschau D: Jacek Kaspszyk S: Genia Kühmeier (Sopran) Igor Levit (Klavier) Beethoven · Mahler 14.06. Zu Gast bei König Ludwig und Lola Montez „With Shakespeare in Love“ Lautten Compagney Berlin Senta Berger Leitung: Wolfgang Katschner

29.06. Klassiksoiree Tschechische Philharmonie D: Jiri Belohlavek S: David Garrett (Violine) Vivaldi · Voˇríšek 04.07. Virtuosenkonzert mit Brahms Budapest Festival Orchestra D: Iván Fischer S: Arcadi Volodos (Klavier) Bizet · Brahms

05.07. Festliche Operngala Orchester der polnischen 15.06. Rosengala Nationaloper Teatr Wielki Konzerthausorchester Berlin D: Lukasz Borowicz D: Iván Fischer S: Desirée Rancatore (Sopran) S: Anna Lucia Richter (Sopran) Dmitry Korchak (Tenor) Nikolaj Znaider (Violine) Daniel Kotlinski (Bassbariton) Mozart · Mendelssohn · Milhaud u. a. Arien, Duette und Terzette aus „Don Pasquale“, „La Traviata“, 18.06. Wiener Violinsoiree „Ottelo“, „Eugen Onegin“ u. a. Wiener Symphoniker D: Vladimir Jurowski 09.07. US-Rhythm and Blues S: Leonidas Kavakos (Violine) Orchestre National de Marseille Szymanowski · Ravel · Beethoven D: Lawrence Foster 21.06. Haydn „Die Schöpfung“ Tschechische Philharmonie Philharmonischer Chor Prag D: Jiri Belohlavek S: Ruth Ziesak (Sopran) Daniel Behle (Tenor) Daniel Kotlinski (Bassbariton)

S: Simone Kermes (Sopran) Tine Thing Helseth (Trompete) Da Sol Kim (Klavier) Melodien von Villa-Lobos, Kern, Weill, Porter, Bernstein u. a. Tomasi · Mozart · Copland

11.07. Klaviergala mit Thibaudet Bamberger Symphoniker -

22.06. Luzerner Gala Luzerner Sinfonieorchester LSO D: James Gaffigan S: Peter Sonn (Tenor) Renaud Capuçon (Violine) Nicholas Angelich (Klavier) Weber · Mendelssohn · Schumann 12.07. 24.06. Klavierabend Grigory Sokolov Chopin u. a. 25.06. Bamberger Galakonzert Bamberger Symphoniker Bayerische Staatsphilharmonie

D: Manfred Honeck S: Jan Vogler (Violoncello) Tschaikowsky · Beethoven 27. 06. Münchner Galaabend Münchner Philharmoniker D: Christoph Eschenbach S: Iskandar Widjaja (Violine) Mozart · Beethoven

Bayerische Staatsphilharmonie

D: Alain Altinoglu S: Jean-Yves Thibaudet (Klavier) Beethoven · Grieg Donizetti „L‘elisir d‘amore“ „Der Liebestrank“ (konzertant) Münchner Rundfunkorchester Philharmonischer Chor Prag D: Massimiliano Murrali S: Ludmilla Bauerfeldt (Sopran) Dmitry Korchak (Tenor) Vittorio Prato (Bariton) Daniel Kotlinski (Bassbariton)

13.07. Abschlusskonzert National Symphonieorchester des polnischen Rundfunks (NOSPR) D: Lukasz Borowicz S: Sabine Meyer (Klarinette) Lise de la Salle (Klavier) Saint-Saëns · Mozart · Rachmaninoff

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18 | KLASSIK SPECIAL

 HAHN & JÄRVI  Die amerikanische Geigerin Hilary Hahn und der aus Estland stammende Maestro Paavo Järvi kennen sich seit vielen Jahren und haben manche Konzerte mit dem Frankfurter hr-Sinfonieorchester in NRW gegeben. Wenn sie jetzt für ein gemeinsames Konzert zurückkehren, ist nichts mehr wie zuvor. Denn aus dem Chefdirigenten des Orchesters ist seit 2013 der Gastdirigent Järvi geworden. Am künstlerischen Top-Niveau wird das gewiss nichts ändern. Zunächst widmet sich Hilary Hahn nach dem Mendelssohn-Violinkonzert, das sie vor drei Jahren mit Järvi & Co. gemeistert hat, dem Violinkonzert von Brahms und damit einem weiteren romantischen Klassiker. Danach setzen Järvi und die hr-Musiker mit der gewaltigen 3. Sinfonie den gemeinsamen, auch international bejubelten Bruckner-Zyklus fort. Neue CD: »27 Pieces – The Hilary Hahn Encores«, Hilary Hahn, Cory Smythe; DG / Unviversal, 2 CDs, 0289 479 1725 0. 22. März 2014, Tonhalle Düsseldorf

Lang Lang, Foto: Peter Hoennemann

 LANG LANG  Man kann nicht eben behaupten, Lang Lang würde das Scheinwerferlicht meiden. Aber es war schon überraschend, was er bei der jüngsten Grammy-Verleihung in Los Angeles bot. Obwohl er mit Heavy Metal nichts am Hut hat, gab er mit der Hauruck-Band Metallica ein Stelldichein im Hochdezibel-Bereich. Doch sind solche musikalisch fragwürdigen Ausflüge bei Lang Lang die Ausnahme. Bei seinem Solo-Recital kehrt er in Gefilde heim, die dem chinesischen Vollblutklassikpianisten vertraut sind. Er nimmt drei Klaviersonaten von Mozart so behutsam wie möglich, um die Kostbarkeit dieser Musik zu verdeutlichen. Nach der Pause stehen Chopins vier Balladen auf dem Programm, für die er sich planvoll vornimmt, »den Klang, die Spannung und die Atmosphäre zu bewahren und allem einen großen Atem zu verleihen«. Neue CD: Sergei Prokofjew, Béla Bartók Klavierkonzerte, Lang Lang, Berliner Philharmoniker, Simon Rattle; Sony Classics 88883732252. (26. März 2014, Philharmonie Essen)

Nils Mönkemeyer, Foto: Iréne Zandel

APRIL MEDITATIONEN MIT DEM ENSEMBLE RUHR Seit 2012 gibt es mit dem Ensemble Ruhr das einzig professionelle, selbstbestimmte Kammerorchester im Ruhrgebiet. Eine weitere Besonderheit ist, dass man keinen festen Dirigenten hat und sich nebenbei in allen musikalischen Epochen auskennt. Diese Offenheit ermöglicht spannende Begegnungen. So haben die jungen Musiker etwa mit dem Klarinettisten David Orlowsky zusammengearbeitet, der für seine Mozart- und Klezmer-Expeditionen bekannt ist. Für die neueste Partnerschaft hat das Ensemble Ruhr


Tage Dvorˇák – unzählige neue Welten

Zeitinsel Antonín Dvořák Budapest Festival Orchestra, Iván Fischer, Daniel Müller-Schott u. a. Die großen Werke des Komponisten in einem Festival: »Rusalka«, Requiem, Sinfonie »Aus der Neuen Welt«, Cellokonzert u. v. m. 15.05. – 18.05.2014

Musik bereichert.

KONZERTHAUS DORTMUND PHILHARMONIE FÜR WESTFALEN


20 | KLASSIK SPECIAL

den deutschen Überflieger an der Bratsche gewonnen. Der Mitt-Dreißiger Nils Mönkemeyer wird bei seinem Gastspiel Werke für Viola und Orchester von Bach bis hin zu der Griechin Konstantia Gourzi präsentieren. Beim Essener Mittagskonzert animiert das Ensemble Ruhr dann auf musikalische Weise Kinder im Grundschulalter. 26. April, Martinsstift Moers; 27. April, Konzertsaal der Dörken-Stiftung Herdecke; 28. April, Bergmannsdom Konzert für Kinder im Grundschulalter, Ev. Kirche Essen-Katernberg.  MOZART FOREVER  »Mit Mozart kann man die Verschmelzung des Himmlischen und des wirklich Menschlichen in einer Weise fühlen wie mit keinem anderen Komponisten.« So hat sich der mexikanische Tenorissimo Rolando Villazón vor dem Österreicher verbeugt. Und zahlreiche Taten folgen lassen, um seiner Bewunderung Ausdruck zu verleihen. So konnte Villazón bei den Festspielen in Salzburg und Baden-Baden in »Don Giovanni«, »Lucio Silla« und »Il re pastore« auftrumpfen. Weil er gerade so schön in Mozart-Stimmung ist, will er bis 2020 die letzten sieben Opern des Salzburgers eingespielt haben. Doch das ist Zukunftsmusik. In der Gegenwart gibt Villazón sein Debüt im Dortmunder Konzerthaus. Was bringt er neben dem Kammerorchester Basel noch mit? Ausgewählte Opern- und Konzertarien des irdischen Götterboten Mozart. Neue CD: Mozart Konzertarien, Rolando Villazón, London Symphony Orchestra, Antonio Pappano; DG / Universal 0289 479 1054 1. 29. April 2014, Konzerthaus Dortmund

MAI  DVORAK-INSEL DORTMUND  Der böhmische Komponist Antonín Dvořák konnte sich recht kritisch über das Violoncello äußern. So bezeichnete er es als ein »Stück Holz«, das höchstens in der Mittellage gut singen könne, während es »oben kreischt und unten brummt«. Trotzdem besaß er ein großes Herz für die Kniegeige, wie sein Konzert für Violoncello und Orchester h-Moll bestätigt. Den Repertoire-Klassiker haben das Budapest Festival Orchestra und sein Gründer Iván Fischer mit dabei, wenn sie sich zur viertägigen »Zeitinsel«-Konzertreihe nach Dortmund aufmachen. Dabei stehen die ganz großen Kompositionen Dvořáks im Mittelpunkt, angefangen bei seinen Sinfonien Nr. 8 & 9 über das Requiem und die Zauberoper »Rusalka« bis zu den Slawischen Tänzen und Solo-Konzerten. Mitwirkende sind auch der Pianist Garrick Ohlsson und der deutsche Meistercellist Daniel Müller-Schott. 15. bis 18. Mai 2014, Konzerthaus Dortmund

Igor Levit, Foto: Felix Broede


K.WEST 03/2014 | 21

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 SCHUMANN-FEST  Beim Eröffnungskonzert des Düsseldorfer Schumannfests (16. Mai bis 2. Juni) kommt es zur generationenübergreifenden Begegnung zwischen zwei russischen Ausnahmemusikern. Am Pult des Tschaikowsky Symphonieorchester Moskau steht der 81-jährige Vladimir Fedoseyev. Den Solo-Part in Robert Schumanns Klavierkonzert übernimmt der erst 27-jährige Igor Levit. Beide verkörpern von ihrem Werdegang her gegensätzliche Welten. Fedoseyevs Karriere begann noch zu Sowjetzeiten, als er 1974 zum Chefdirigenten des Moskauer Radio Symphonie Orchesters ernannt wurde, aus dem das Tschaikowsky Symphonieorchester Moskau entstand. Igor Levit hat indes den Grundstein für sein auch auf CD dokumentiertes, makelloses wie intelligentes Klavierspiel an der Musikhochschule Hannover gelegt. Jetzt musizieren sie erstmals zusammen. Aber eines wird klar sein: Hier sprechen, trotz des Altersunterschieds, zwei große Künstler eine gemeinsamen Sprache.

Die Aprilausgabe INKLUSIVE KUNST-SPECIAL AB ENDE MÄRZ IM HANDEL

Neue CD: Beethoven Die späten Klaviersonaten, Igor Levit; Sony Classical 88883703872. 16. Mai 2014, Tonhalle Düsseldorf  NEW ORGEL-LOOK  Von seinem schrillen Swarovski-Glamrock-Outfit hat sich der amerikanische Organist Cameron Carpenter mittlerweile getrennt. Doch bei dem Wahl-Berliner geht es akustisch und optisch weiterhin schillernd zur Sache, so dass sich die Instrumentenkönigin bei ihm in eine Drag-Queen zu verwandeln scheint. Für den Absolventen der New Yorker Juilliard School war es an der Zeit, die gute alte Orgel zu durchlüften: »Wir haben zu lange die Gewalttätigkeit der Orgel ignoriert, die Sexualität und die Sinnlichkeit! Dieses alles verschlingende Feuer.« Alles das gibt Carpenter ihr zurück, mit Werken u.a. von Bach und Ravel. Zudem ist er zum ersten Mal auf seiner eigenen, von ihm mitentworfenen Touring-Orgel zu hören, mit der er überall dort Konzerte geben kann, wo er es möchte, auf der grünen Wiese, in Schulen und eben auch im Konzertsaal. 20. Mai 2014, Philharmonie Köln; 22. Mai, Rudolf-Oetker-Halle Bielefeld

JUNI  HÄNDEL FURIOSO  2012 ließ das Brüsseler Opern-Publikum das altehrwürdige Haus La Monnaie begeistert erbeben. Gefeiert wurde die Neuinszenierung von Georg Friedrich Händels 1733 uraufgeführter Oper »Orlando« in Gestalt zweier hauptbeteiligter Musiker. Dirigent René Jacobs hatte neuerlich bewiesen, Funken aus dem barocken Händel schlagen zu können – als Fachmann der historischen Aufführungspraxis. In der Titelrolle des wahnsinnig werden Ritters machte Countertenor Bejun Mehta sei-

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22 | KLASSIK SPECIAL

JULI  PHILIP GLASS LIVE  Der amerikanische Minimalismus-Guru Philip Glass ist mit seinen jüngsten Klavierkompositionen für zwei bzw. vier Hände zum Stammgast beim Klavier-Festival Ruhr geworden. Nicht zuletzt waren es immer wieder Dennis Russel Davies sowie Maki Namekawa, die enorme Kondition und Fingerspitzengefühl bewiesen, wenn sie von Glass’ soghaften Rhythmusschleifen gefordert wurden. Bei der Festival-Ausgabe 2014 bekommen die Glass-Spezialisten prominente Verstärkung. Es ist der 77-jährige Minimal Music-Master persönlich, der sich bei der Aufführung seiner sämtlichen Solo-Klavieretüden mit den beiden Musikerfreunden abwechseln wird. Neue CD: »Rework Philip Glass – Remixes«, Pantha du Prince, Beck, Cornelius u.a.; Orange Mountain Music / New Arts International OMM 0082. 1. Juli 2014, Landschaftspark-Nord Duisburg

Bejun Mehta. Foto: Marco Borggreve

nem Ruf als einer der besten Hochtöner alle Ehre. Jetzt präsentiert das Brüsseler Premierenteam Händels Werk in einer konzertanten Aufführung. Neue CD: »Che Puro Ciel«, Bejun Mehta, Akademie für Alte Musik, René Jacobs; Harmonia Mundi HMC 902172. 16. Juni 2014, Philharmonie Köln

 BARTOLI SINGT ROSSINI  Zuletzt hat sich Cecilia Bartoli ausführlich mit dem italienischen Barockkomponisten Agostino Steffani beschäftigt. In den nächsten Monaten wird das Herz der Mezzosopranistin, aber auch Festivalleiterin für Gioachino Rossini schlagen. Damit kehrt sie ein wenig zu ihren Wurzeln zurück. Mit 19 Jahren sang sie die Rosina im »Barbier von Sevilla«. Nun wird sie bei den Salzburger Pfingstfestspielen weniger bekannte Opern Rossinis wie den »Otello«, aber auch die Hits aus »La Cenerentola« vorstellen. Bis dahin tourt sie mit Rossini und dem von Jean-Christophe Spinosi geleiteten L’Ensmble Mattheus durch Europa und macht mit der Opera buffa »L’Italiana in Algier« im Ruhrgebiet Station; mit der Isabella gibt La Bartoli ihr Rollendebüt. Neue DVD: Rossini »Le Comte Ory«, Cecilia Bartoli, Züricher Kammerorchester, Muhai Tang; Decca / Universal, 2 DVDs, 0440 074 3467 3. 27. & 29. Juni 2014, Konzerthaus Dortmund

 DÄNISCHE »WINTERREISE«  Der dänische Bariton Bo Skovhus ist ein hünenhafter Mann und daher schon auf den Opernbühnen von Salzburg bis New York nicht zu übersehen. Zu überhören auch nicht, denn er besitzt ein extrem nuanciertes Ausdrucksspektrum, mit dem er jeden Saal ausfüllt. Dabei muss es nicht immer die große Paraderolle sein, auch in den Liedern von Franz Schubert trägt seine Stimme. Sein aktueller Schubert-Abend steht im Zeichen der »Winterreise«. Wie schon bei seinen beeindruckenden Mahler-Recitals wird Skovhus von seinem alten Freund Stefan Vladar am Klavier begleitet: »wirklich ein Vergnügen, mit ihm zu arbeiten, weil alles, was er tut, mir vollkommen natürlich erscheint«, so Vladar über Skovhus. Diese Bewunderung dürfte auf Gegenseitigkeit beruhen. 8. Juli 2014, Konzerthaus Detmold

Cecilia Bartoli. Foto: Uli Weber


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