Page 1

Nachbarn

NR. 1/2009

Verstehen und vermitteln Caritas-Markt: Herzlich willkommen!

Soziale Integration Am Leben teilhaben

Wir helfen Menschen.

CASG.indb 1

19.3.2009 18:20:31 Uhr


Inhalt

Editorial

3 Am Leben teilhaben

Rolf Steiner

4

Verstehen und vermitteln 10

Patenschaftsprojekt «mit mir»

Claudia Schmid verbringt im Rahmen des Patenschaftsprojekts «mit mir» einmal im Monat Zeit mit der 8­jährigen Chioma. Ein Erlebnisbericht.

8

Zahlen, Fakten, Hintergründe

Caritas-Netz Carias St. Gallen führt drei Kontaktstel­ len für Asylsuchende. Sie begleiten und betreuen Asylsuchende, wenn diese von den Zentren an die Gemeinden überwie­ sen werden.

Caritas-Markt

13

Einkaufsmöglichkeiten für Armuts­ betroffene

Veranstaltungen

18

14

Ein Integrationsprojekt und ein Ausbildungsangebot

Ein Laden mit Klasse

15

Persönlich

16

Der Caritas Laden bietet gute Ware günstig und ist ein Sprungbrett zur Arbeitswelt.

Noldi Alder, Musiker aus dem Appenzell, beantwortet zehn Fragen.

Budget

17

Gedankenstrich

19

Familie Hunziker muss sich entscheiden.

mit Charles Clerc

2

Caritas Nachbarn 1/09

CASG.indb 2

Titelbild: Urs Siegenthaler; Bilder: Caritas St. Gallen/hmz, Urs Siegenthaler, zvg

19.3.2009 18:20:40 Uhr


Editorial

Herzlich willkommen!

Liebe Leserin, lieber Leser In Ihren Händen halten Sie die erste Aus­ gabe von «Nachbarn», unserem neuen Ma­ gazin. Wir möchten Ihnen damit in Zu­ kunft zweimal jährlich die Tätigkeit der Caritas im Kanton St. Gallen, in den bei­ den Appenzell und in der Schweiz näher­ bringen. Mit dem Namen «Nachbarn» neh­ men wir Bezug auf unseren Slogan «Wir helfen Menschen».

«Integration findet nur statt, wenn Menschen sich füreinander Zeit nehmen und aufeinander zugehen.» Als Fachstelle für Diakonie des Bistums St. Gallen setzen wir uns gemeinsam mit vielen freiwilligen Helferinnen und Hel­ fern und unseren unzähligen Gönnern und Spendern in verschiedenen Bereichen für Menschen in prekären Lebenssituationen ein. Das Ziel unserer Unterstützung liegt darin, dass diese Menschen ihr Leben wei­ terhin eigenverantwortlich gestalten kön­ nen. Das Schwerpunktthema dieses Maga­ zins heisst «Integration». Integration fin­ det jedoch nur statt, wenn Menschen sich

Rolf Steiner Geschäftsleiter Caritas St. Gallen füreinander Zeit nehmen und aufeinander zugehen. Wir zeigen Ihnen in dieser Num­ mer an konkreten Beispielen, was Caritas und Freiwillige konkret zur Integration bei­ tragen. Die sich zuspitzende Wirtschaftslage macht sich bei Caritas St. Gallen mit mas­ siv steigenden Fallzahlen in der Sozialhilfe bemerkbar. Unser Caritas­Markt zeigt eine Wachstumsrate von jährlich 20 Pro­ zent. Deutlich zeigt sich hier, dass unsere Angebote von Menschen am Existenzmi­ nimum dringend benötigt werden. Ohne Ihre Unterstützung wäre dies in vielen Be­ reichen nicht möglich. Dafür bedanken wir uns herzlich bei Ihnen. Wir hoffen, Sie erhalten beim Lesen des Magazins einen Einblick in unsere Arbeit und in die Lebenswelt von Menschen, die auch Ihre Nachbarn sein könnten.

Impressum «Nachbarn» – Das Magazin der regionalen Caritas-Stellen erscheint zweimal jährlich. Gesamtauflage: 41 500 Ex. Auflage SG: 3 500 Ex. Redaktion: Heinz Mauch (Caritas St. Gallen); Ariel Leuenberger (national) Gestaltung und Produktion: Daniela Mathis, Urs Odermatt Druck: Stämpfli Publikationen AG, Bern Caritas St. Gallen | Teufner Strasse 11 | 9000 St. Gallen | Tel. 071 577 50 10 | www.caritas-stgallen.ch | PC 90-6315-8

1/09 Nachbarn Caritas

CASG.indb 3

3

19.3.2009 18:20:44 Uhr


Soziale Integration

«Bei mir kann Chioma richtig Kind sein» Die Journalistin Claudia Schmid, 29, verbringt im Rahmen des Caritas-Programms «mit mir» einmal im Monat Zeit mit der 8-jährigen Chioma. Ein Erlebnisbericht.

ich sie das erste Mal besucht habe, zusam­ men mit der Verantwortlichen des «mit mir»­Projektes, habe ich das Kind gleich ins Herz geschlossen.

Drei Tage nach Weihnachten, es ist Sams­ tag, Chioma­Tag. Wie immer, wenn ich mein Caritas­Gottenkind abhole, steht es erwartungsvoll an der Tür – meist schon in eine Jacke gepackt und mit einer kleinen Handtasche am Arm. «Gömmer, Gotti?», fragt sie stets und überrascht mich mit ei­ ner neuen Frisur, die zwischen einer Hoch­ steckfrisur, einem wilden Afro oder Zöpf­

Verantwortung tragen Von Beginn weg war unsere Beziehung vertraut. Das hat damit zu tun, dass Chi­ oma ein offenes Kind ist und damit, dass wir gut zusammenpassen. Vielleicht, weil wir beide Linkshänderinnen und Leserat­ ten sind. Vielleicht auch, weil ich mich von Beginn weg mit ihrer Mutter, die gleich alt ist wie ich, gut verstanden habe.

4

chen hin und her wechselt. Heute hat sie ihre krausen Haare mit einem Gummiband zusammengebunden. Seit knapp zwei Jahren betreue ich die 8­jährige Chioma, die Wurzeln in Nigeria und Kolumbien hat, aber in der Schweiz ge­ boren ist. Sie hat drei Brüder und ist die Äl­ teste. Die Zwillinge sind noch Kleinkinder, ihr Bruder ist anderthalb Jahre jünger. Als

Caritas Nachbarn 1/09

CASG.indb 4

19.3.2009 18:20:46 Uhr


Chioma und ich laufen zum Bus. Mit Buslinien kennt sich das ÖV­Kind besser aus als ich, was ich bewundere. Wie fast immer, wenn wir unterwegs sind, gibt sie mir brav die Hand. Trotzdem wird mir stets

Solche Fragen verschwinden dann Gott sei Dank, wenn wir im Bus sitzen und das Mädchen pausenlos die Werbungen herun­ terliest, die im Bus hängen.

«Ich habe das Gefühl, in Ruhe lesen zu können ist wichtig für ein Kind, das in einem lauten Haushalt lebt.» bewusst, welche Verantwortung ich trage. Was mache ich, wenn das Kind unter ein Auto kommt, wie letzthin fast, als es aus einem nicht erkenntlichen Anlass meine Hand losliess und über die Strasse rannte?

Erinnerungen an die eigene Kindheit Da ich sie als Erstklässlerin kennen gelernt habe, war ich von Beginn weg dabei, als sie zu lesen begonnen hat – ein wunderbares

Erlebnis. Ich erinnerte mich an meine ei­ gene Kindheit, als sich die Buchstaben plötzlich in Geschichten und Botschaften zu verwandeln begannen. Auch Chioma nahm an diesem Wunder teil. Hinkte am Anfang jedes Wort aus ihrem Mund, flies­ sen die Sätze nun weich und rund. Meist bitte ich sie, ein Buch mitzuneh­ men, das wir dann im Bus oder bei mir zu Hause lesen. Ich bin keine Pädagogin, aber ich habe das Gefühl, gerade in Ruhe lesen zu können ist wichtig für ein Kind, das in einem lauten Haushalt lebt. Vor zwei Mo­ naten haben wir uns in ihr Spielzimmer zu­ 1/09 Nachbarn Caritas

CASG.indb 5

5

19.3.2009 18:20:48 Uhr


Soziale Integration

Claudia Schmid und Chioma haben sich von Beginn an sehr gut verstanden: beide sind Linkshänderinnen und Leseratten. rückgezogen, das sie mit ihrem Bruder teilt. Alle paar Minuten kamen die Babyzwil­ linge herangekrochen, ihr Bruder schrie he­ rum, in einem anderen Raum lief laut der Fernseher. Zeit für sich alleine Auch wenn wir nicht gemeinsam lesen, biete ich ihr Zeit ganz für sie alleine – ohne dass sie ihre Brüder zurechtweisen muss, was sie übrigens mit viel Geduld macht. Wie eine Mutter kann sie die Babys wi­ ckeln und sich um sie kümmern. Man spürt, dass sie früh Verantwortung übernehmen musste und dies weiterhin tun wird, wes­ halb manchmal etwas Fräuleinhaftes von ihr ausgeht. «Also Claudia, fluech doch nöd», weist sie mich gerne zurecht, wenn mir wieder mal ein «Shit» entweicht, weil uns der Bus abgefahren ist. Und wenn wir gemeinsam Guezli backen, steht sie so ge­ schäftig in meiner Küche, als würde sie den Haushalt schon lange alleine machen.

6

Umso mehr achte ich darauf, dass sie bei mir richtig Kind sein kann und sich auch mal fallen lassen darf – was regelmäs­ sig geschieht. So ist sie schon mehrmals wie ein Baby in meinen Armen «eingeschlafen»

weiss ich als Kinderlose, was in der Kinder­ welt läuft. Das ist eine tolle Abwechslung zu meinem Job als Journalistin, der mit Kin­ dern gar nichts zu tun hat.

«Chioma bringt frischen Wind in mein Leben, das bei mir von Reisen und langen Stunden am Schreibtisch geprägt ist.» und liess sich nach Hause tragen. Vor ihrer Türe realisierte ich, dass sie den Schlaf si­ muliert hatte: Es war ihr einfach wohl in meinen Armen. Am liebsten ist sie bei mir zu Hause, obwohl meine Wohnung, abgesehen von den wenigen Bilderbüchern, keine Spielsa­ chen beherbergt. Deshalb backen oder ko­ chen wir gerne zusammen. Trotzdem ma­ chen wir auch regelmässig Ausflüge, was nicht nur Chioma, die nicht oft ins Theater geht, sondern auch mir zugute kommt. So

Dankbar für ein wenig Entlastung An diesem klirrend kalten Samstag besu­ chen wir ein Kindertheater: «Die Schatz­ insel» steht auf dem Programm. Mit grosser Aufmerksamkeit und ruhig – ich bin im­ mer ganz stolz, dass sie nicht so rummur­ melt wie andere Kinder – verfolgt Chioma die Geschichte um eine Truppe Piraten, die sich auf die Suche nach einem Schatz ma­ chen. Nach dem Theater besuchen wir noch eine Buchhandlung. Nicht, dass ich ihr

Caritas Nachbarn 1/09

CASG.indb 6

19.3.2009 18:21:06 Uhr


immer Geschenke kaufe, aber immerhin hatte sie im Dezember Geburtstag, und ein Weihnachtsgeschenk habe ich auch noch nicht organisiert. Wir kaufen deshalb ein Buch von Janosch, das sie später im Tram lauthals zum Besten gibt. Während der letzten zehn Minuten macht das Mädchen «e Stei», wie ich dem sage. Das kommt oft vor, wenn sie müde ist: dann wird sie plötz­ lich stumm und spricht kein Wort mehr mit mir. Vor ihrer Haustüre taut sie wieder auf, begrüsst ihre Geschwister und ihre Mut­ ter. Wie immer, wenn ich sie in diesen lau­ ten Haushalt zurückkehren sehe, fühle ich mich etwas hilflos. Ich denke dann: «Mein Gott, Chiomas Mutter hat mit diesen Kin­ dern so viel zu tun und hat es auch sonst nicht immer einfach.» Es kostet mich manchmal Kraft, mich abzugrenzen, wis­ send, dass das, was ich tue, einen Sinn hat, und dass ich ihrer Familie nicht in jedem Bereich helfen kann. Ich weiss auch, dass ihre Mutter dankbar für das bisschen Ent­ lastung ist, weil sie weiss, dass ich der ältes­ ten Tochter Zeit schenken kann. Frischer Wind im Leben Ich wünsche mir, dieses Kind noch viele Jahre wachsen zu sehen. Weil es einfach wunderbar ist, mit Chioma unterwegs zu sein, die mir aus ihrem Leben, von ihren

Freundinnen, von der Schule erzählt. Chioma bringt frischen Wind in mein Le­ ben, das bei mir von Reisen und langen Stunden am Schreibtisch geprägt ist. Und es ist auch eine gute Erfahrung für mich, falls ich mal eine eigene Familie gründen möchte. Wie komme ich mit einem Kind klar, wo setze ich Grenzen, wo nicht? Abends, nach dem Theaterbesuch, schreibt sie mir eine SMS: «Gelibte Clau­ dia ich hab di so gern.» Was ich geantwor­ tet habe, kann man sich denken, oder?

Machen Sie mit! Das Patenschaftsprojekt «mit mir» vermittelt Kinder an freiwillige Gotten und Göttis. Mit ihnen erleben sie eine abwechslungsreiche Freizeit, während die Eltern für einige Stunden entlastet sind. Alle Patenschaften werden durch unsere Fachpersonen sorgfältig abgeklärt, vorbereitet und fachlich begleitet. Die Gotten und Göttis treffen sich regelmässig zum Erfahrungsaustausch. Haben Sie Lust, sich zu engagieren? Niklaus Bayer-Birri gibt Ihnen gerne weitere Informationen: Telefon 071 577 50 24 oder unter www.caritas-stgallen.ch

Die Welt mit den Augen der andern sehen: Claudia Schmid und Chioma.

Kommentar Anna Sax, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ)

Armut ist, wenn man keine Freunde hat Der Titel stammt von einer Schülerin, die gemeinsam mit ihrer Kleinklasse die Wanderausstellung «?arm – ausgeschlossen?» realisiert hat. Für die beteiligten Kinder ist klar, dass es nicht allein Geldmangel ist, der sie zu «Armen» stempelt. Dass ihre Eltern nicht genug verdienen, ist eine Sache. Dass sie selbst deswegen nur beschränkt am sozialen Leben teilnehmen können, ist weit schlimmer. Die Armutsforscherin Gerda Holz formuliert es so: Armut hat ein eigenes Kindergesicht. Wie Studien aus Deutschland zeigen, haben Kinder, die in einem materiell armen Elternhaus aufwachsen, schon im Vorschulalter weniger Kontakt zu anderen Kindern, nehmen weniger am Gruppengeschehen teil, äussern seltener ihre Wünsche und sind weniger wissbegierig. Wenn sie grösser werden, sind sie kaum in den Vereinen oder Jugendgruppen anzutreffen. Oftmals fehlt ihnen deshalb einer der wichtigsten Schutzfaktoren gegen Ausgrenzung als Folge von Armut, nämlich das soziale Netzwerk. Eine Patin oder ein Pate kann diesen Mangel ein wenig ausgleichen. Er oder sie kann einem Kind Zeit schenken und ihm Zugang zu neuen Kontakten verschaffen. Ein anderes Zitat aus der oben erwähnten Ausstellung lautet: «Arme Kinder sind Kinder, die von den Erwachsenen zu wenig Zeit bekommen.»

Text: Claudia Schmid; Bilder: Urs Siegenthaler, zvg

CASG.indb 7

1/09 Nachbarn Caritas

7

19.3.2009 18:21:08 Uhr


Soziale Integration

Ein Platz in der Gesellschaft Integration heisst, einen Platz in dieser Gesellschaft zu haben. Teilhaben am gesellschaftlichen Leben kann aber nur, wer ökonomisch abgesichert ist, politische Rechte wahrnehmen kann und in seiner kulturellen Identität ernst genommen wird.

Menschen am Rande der Gesellschaft: ar­ beitslos, suchtkrank, ohne Bildung und Sprachkenntnisse, alt, gebrechlich und einsam, psychisch krank, verwahrlost. «Sie sind schlecht integriert», sagt man und meint damit, dass sie nicht so sind wie wir, also «normal». «Der Sozialstaat muss sie fi­ nanziell unterstützen, also wir mit unseren Steuergeldern», beklagt man und stellt da­ mit unausgesprochen die Frage, ob solche Leute nicht überflüssig sind, weil sie keine Eigenverantwortung übernehmen kön­ nen. Gesellschaft liche Integration hat viele Facetten. In unserer Arbeitsgesellschaft ist der Arbeitsplatz die wichtigste. Aber das reicht nicht: Eine passende Wohnung in ei­ ner ansprechenden Gemeinde oder einem geeigneten Quartier, gute Gesundheit, ein

8

Caritas Nachbarn 1/09

CASG.indb 8

anerkanntes Bildungszertifi kat, die Mit­ gliedschaft in einem Verein, ein regelmäs­ siges Einkommen, soziale Anerkennung und ein paar gute Beziehungen, all das sollte man auch noch haben, um als Teil dieser Gesellschaft gelten zu können. Und wer nicht über alle diese Attribute verfügt, läuft rasch Gefahr, ausgegrenzt und an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden. Ausgelöst werden kann ein solcher Prozess durch den Verlust des Arbeitsplatzes, Tren­ nung und Scheidung, Umzug, Straff ällig­ keit, Krankheit. Und es kann fast alle tref­ fen. Viele in der Schweiz sind immer nur einen Schritt weit von einer prekären Le­ benslage entfernt. Unsere Gesellschaft möchte solche Aus­ grenzungsprozesse stoppen und Menschen reintegrieren. Dazu sind viele Instrumente

Integration (fem.; von la t. integratio) Herstel lung eines Ganze n. Aus einer mak rosoziolo gischen Persp ektive dient der Begriff der Integra tion zur Be­ schreibung der Gesel lsch aft a ls eines sozia len Sy stems. Der Integrations­ prozess besch reibt, was G esellschaften über Kooper ation und In te ra ktion ihrer Teilsysteme wie Markt, p o li tische Or­ ganisation u nd Werte un d Normen zu sammenhä lt ­ . Die mik ro soziologisch Perspek tive e untersucht, w ie Indiv i­ duen an der Gesellschaft teilhaben, in dem sich die ­ Tei lsysteme der Gesel l­ schaft für die Indiv iduen öffnen. Man spricht von gemeinscha ft licher, w ir scha ft licher t­ oder politisc her Integra­ tion.

Texte: Carlo Knöpfel, Katja Walser; Illustration: Bruno Muff

19.3.2009 18:21:14 Uhr


Wie gut bin ich integriert? Wie gut sind Sie in unsere Gesellschaft integriert? Finden Sie’s heraus mit unserem neuen Online-Test. entwickelt worden. Vom Staat, von privaten Hilfsorganisationen, von Selbsthilfegruppen. Der primäre Fokus liegt dabei auf dem Erhalt der Erwerbsarbeit. Die berufliche Integration steht im Zentrum der Bemühungen. Das kann mit vielen Beispielen illustriert werden. Dazu gehören Projekte von Caritas wie «mit mir» oder «schulstart +» für Kinder und Jugendliche, Motivationssemester und Mentoring-Programme vom Bundesamt für Bildung und Technologie für junge Erwachsene auf der Suche nach einer Lehrstelle, Weiterbildungs- und Umschulungsangebote der Regionalen Arbeitsvermittlungsstellen des SECO für Arbeitslose und Stellensuchende, Beschäftigungsprogramme und Arbeitsplätze in Sozialfirmen der Sozialhilfe für ausgesteuerte Langzeitarbeitslose und Menschen mit eingeschränkter Erwerbsfähigkeit, geschützte Werkstätten für geistig und körperlich behinderte Menschen. Doch gesellschaft liche Integration ist mehr als der Nachweis, mit Erwerbsarbeit für sich selber sorgen zu können. Gesellschaft liche Integration heisst Partizipation. Die Teilhabe am gesellschaft lichen Leben muss allen möglich sein, auch wenn sie finanziell unterstützt werden müssen. Die politischen und kulturellen Rechte dürfen niemandem abgesprochen werden. Bedeutet gesellschaft liche Integration Anpassung? Alle in einer Gesellschaft haben Rechte und haben Pflichten. Wir dürfen voneinander erwarten, dass sich alle an die Spielregeln halten, nach denen unsere Gesellschaft funktioniert. Aber wir dürfen nicht erwarten, dass alle so werden, wie wir schon sind oder glauben zu sein. Gesellschaft liche Integration findet dort statt, wo Menschen einander begegnen, aufeinander zugehen und in diesem Zusammentreffen für gegenseitige Veränderungen offen und bereit seit. Und was für Menschen gilt, gilt erst recht für staatliche Institutionen und privatwirtschaft liche Unternehmen.

Soziale Integration hat verschiedene Dimensionen. In unserem Online-Test verwenden wir ein Modell mit acht verschiedenen Ausprägungen. Diese reichen von finanziellen Ressourcen über berufliche Integration und Bildungsnähe bis zum gesundheitlichen Wohlbefinden. Die Integration kann in allen Dimensionen sehr unterschiedlich sein. Im Modell unterscheiden wir darum vier Zonen: Die Zone der vollständigen Integration; wer sich hier findet, ist integriert. Die Zone der Prekarität; hier stehen Menschen in heiklen Lebenssituationen. Die Zone der Fürsorge, in welche Menschen mit regelmässiger Unterstützung im Alltag abrutschen. Und schliesslich die Zone der Entkoppelung, in der die staatliche Hilfe nicht mehr greift. Das Modell dient zur Veranschaulichung, wie gut eine Person oder ein Haushalt integriert ist. Dazu wird der Integrationsgrad auf jeder Achse eingetragen. Verbindet man die Werte miteinander, entsteht ein Gitternetzbild in Form eines Achtecks. Je grösser die Fläche, desto geringer die gesellschaft liche Integration. In unserem Online-Test beantworten Sie rund 40 Fragen zu den verschiedenen Dimensionen, was ungefähr 10 Minuten

dauert. Danach können Sie Ihr Gitternetzbild mit demjenigen prominenter Personen vergleichen. Wir wünschen Ihnen spannende Erkenntnisse. www.caritas-stgallen.ch

Informationen Katja Walser, Carlo Knöpfel: Auf dünnem Eis. Menschen in prekären Lebenslagen. Ein Diskussionspapier der Caritas Zürich. Caritas-Verlag, Luzern, 2007. Rahel Strohmeier, Carlo Knöpfel: Was heisst soziale Integration? Öffentliche Sozialhilfe zwischen Anspruch und Realität. Caritas-Verlag, Luzern, 2005. Beide Bücher erhältlich bei shop.caritas.ch. www.bfs.admin.ch Bundesamt für Statistik: Sozialberichterstattung Schweiz. Lebensstandard und soziale Benachteiligung in der Schweiz. www.skos.ch SKOS-Richtlinien zur sozialen und beruflichen Integration.

1/09 Nachbarn Caritas

2_nat_var2.indd 9

9

25.3.2009 21:15:45 Uhr


Caritas St. Gallen

Verstehen und betreuen Im Auftrag des Kantons St. Gallen führt Caritas St. Gallen drei Kontaktstellen für Asylsuchende. Je nach Aufkommen des Zustromes gestaltet sich der Arbeitstag der Stelleninhaber mehr oder weniger intensiv.

Familie Harisi

Der Einsatz von Kontaktstellen als Verbindung zwischen Empfangszentren, Gemeinden und den Fachstellen in der Region hat sich bewährt. Gabor Csenda ist einer der drei Stellenleiter im Kanton St. Gallen. Er steht mit seiner Arbeit stellvertretend für seine Kollegen. Das Umfeld der Kontaktstellen ist geprägt von sehr unterschiedlichen Interessen. Die Kontaktstellen sollen eine Verbindung zwi­ schen Asylsuchenden und den zuständigen Personen in den Gemeinden gewährleisten und im Konfliktfall vermittelnd eingrei­ fen. Das Asylgesetz, das am 1. Oktober 1999 in Kraft gesetzt wurde, regelt in 123 Arti­ keln die Verfahrensweise mit Einreisenden,

10

die bei uns in der Schweiz um Schutz vor Verfolgung und um Aufenthalt ersuchen. Seit der Inkraftsetzung wurde das Gesetz bereits 14­mal geändert. Dies geschah meist mit Blick auf eine Verschärfung und als An­ passung an strukturelle Gegebenheiten. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind die Leitplanken auch für die Arbeit der Kon­ taktstellen. Im Zentrum steht für die Cari­ tas dabei immer der Mensch.

Gabor Csenda ist neben Walter Steuble und Bruno Jäger der Neuling im Team. Er betreut den Kantonsteil West mit 26 Ge­ meinden. Sein Gebiet umfasst das Tog­ genburg bis und mit Amden. Die Asylsu­ chenden werden den Kontaktstellen in der Abfolge ihres Eintrittes in ein Zentrum im Kanton St. Gallen zugewiesen. Gabor Csenda hat seine Tätigkeit als Kontaktstel­ lenleiter im November 2008 angetreten, in einer Zeit also, wo eine starke Zunahme der Asylsuchenden zu verzeichnen war und die bestehenden Empfangszentren rand­ voll waren. Vom ersten Tag an ging es voll zur Sache: Begleitungen in die Gemeinden, Kontakte mit den Personen in den Gemein­ den. Es galt, die Menschen kennen zu ler­

Caritas Nachbarn 1/09

CASG.indb 10

19.3.2009 18:21:19 Uhr


John Mwangi aus Kenia

nen, um eine Vorstellung von ihnen und ih­ rer Situation zu gewinnen. Einzelpersonen, Frauen, Männer und Familien. Einige erst kurz hier, andere seit längerer Zeit in einer der Gemeinden. Die Vertreter der Kontaktstellen sind auf ein gutes Einvernehmen mit allen Betei­ ligten angewiesen. Die Arbeit verlangt des­ halb viel Einfühlungsvermögen und die Fä­ higkeit zur Schaffung einer konstruktiven Atmosphäre. Ein Nachmittag – Gemeindekontakte An diesem Nachmittag besucht Gabor die Gemeinde Jona. Er kennt noch nicht alle der 97 dort Anwesenden. Die Leute, die sich bereits vor seinem Arbeitsbeginn dort auf­ hielten und keinen Grund zu einem Treffen boten, konnte Gabor noch nicht näher ken­ nen lernen. Einen kennt er jedoch recht gut. Er heisst John und kommt aus Nigeria. Er wird schon bald zurückkehren und ist zu­ versichtlich. Er hat die Zeit in der Schweiz genutzt und eine Geschäftsidee entwickelt, die ihm im Heimatland ein Auskommen sichern soll. John wird diesen Plan zusam­ men mit seinem Antrag auf individuelle Rückkehrhilfe beim Bundesamt für Mi­ gration (BfM) einreichen und erhält bei positivem Bescheid die individuelle Rück­ kehrhilfe zugesprochen, die ihm den Start in seinem Heimatland ermöglicht. John ist überzeugt, dass seine Geschäftsidee in sei­ nem Heimatland funktioniert. Ein Lands­ mann von John, der an diesem Tag frisch in das Zentrum in Jona einzieht, hört das Gespräch zwischen John und Gabor und

erkundigt sich, ob das Geld direkt ausbe­ zahlt werde. Gabor erklärt ihm, das Geld werde von der Organisation IOM projekt­ bezogen direkt an die entsprechende Per­ son ausgerichtet. (Information unter: www.ch.iom.int/) Der «Neuling» schüttelt den Kopf: «I know my country, you don’t see your mo­ ney …» «Mit IOM funktioniert das», erklärt Ga­ bor, «das Geld geht an den richtigen Ort.» «And», fährt Gabor mit einem etwas be­ stimmteren Tonfall weiter, «you are in Swit­ zerland now! Learn German, look at the newspaper and learn, it’s important!»

Wir besuchen an diesem Nachmittag noch zwei Familien. Die eine wohnt in Jona und hat drei Kinder. Die beiden Buben be­ suchen die Schule, doch ist es nicht einfach mit ihnen. Das Gespräch dreht sich um die Schule und mögliche Jobs. Die Fami­ lie ist äusserst gastfreundlich und schätzt den Kontakt sehr. Die zweite Familie ist in Eschenbach zuhause und erst seit kurzem wieder eine Familie. Arifis kommen aus Serbien und auch sie sind sehr gastfreund­ lich. Die Tochter besucht den Kindergar­ ten, der gleich neben der Unterkunft liegt, doch sie ist nicht glücklich. Niemand spielt mit ihr, sie fühlt sich alleine. Das wirkt sich natürlich auch bei den Eltern aus, die der Meinung sind, ein Ortswechsel wäre ange­ bracht. Die Unterkunft in einem zwar gros­ sen Raum, jedoch mit vielen anderen Asyl­ suchenden, die oftmals laut sind, erschwert das Zusammenleben. Auf der Fahrt zurück ins Toggenburg besprechen wir die gehabten Kontakte. Alle Treffen und Gespräche werden schriftlich festgehalten, um den Überblick zu behalten. An Tagen mit vielen Begegnungen wird das besonders anspruchsvoll. Schriftlichkeit ist ein grundlegendes Prinzip der Betreuung. Nur so können Missverständnisse vermin­ dert werden, und nur so ist die Kontrolle bei gegenseitigen Vereinbarungen möglich.

Rahmenbedingungen Der Auftrag, den die Caritas St. Gallen unter der Führung des Ausländeramtes des Kantons St. Gallen ausführt, basiert auf folgenden Überlegungen: • Unterstützung der Gemeinden in der Unterbringung und Betreuung Asylsuchender • Unterstützung im Umgang mit der Umwelt und Förderung der Eigenverantwor­ tung (Integrationsbegleitung) • Begleitung und Unterstützung der Freiwilligen in den Gemeinden Die Kontaktstellen arbeiten zusammen mit: • dem Ausländeramt als Auftraggeber • den Gemeinden in ihrem jeweiligen Gebiet • freiwilligen Helferinnen und Helfern in den Gemeinden • der Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende • regionalen Beratungsstellen • Kirchen und Schulen

1/09 Nachbarn Caritas

CASG.indb 11

11

19.3.2009 18:21:21 Uhr


Caritas St. Gallen

Kommentar Dr. iur. Bruno Zanga, Amtsleiter, Ausländeramt des Kantons St. Gallen

Tragfähiges Angebot Im letzten Jahr hat die Trägerschaft der Kontaktstellen mit der Vorsteherin des Sicherheits- und Justizdepartementes, Frau Regierungsrätin Karin Keller-Sutter, eine Leistungsvereinbarung unterzeichnet. Dieser Vertrag ist für die Verwaltung ein wichtiges Zeichen für die gemeinsame Zusammenarbeit im Asylwesen. Die Betreuung der Asylsuchenden ist nicht nur eine staatliche, sondern auch eine gesellschaftliche Aufgabe, die die Mitwirkung der Landeskirchen braucht. Bei einigen sich im Asylwesen stellenden Problemen und Fragen kann es von Vorteil sein, sich von den staatlichen Behörden abgrenzen zu können. Daher bin ich als Leiter des Ausländeramtes und damit als Mitverantwortlicher für den Vollzug des Asylgesetzes im Kanton St. Gallen stark daran interessiert, dass unsere Landeskirchen in diese wichtige Aufgabe eingebunden sind und eng mit der Verwaltung zusammenarbeiten. Seit der Mitte des Jahres 2008 hat die Zahl von Asylsuchenden sehr stark zugenommen. In den letzten sieben bis acht Monaten mussten wir gegenüber dem Vorjahr oftmals eine Verdoppelung der Zahl von Asylsuchenden feststellen. Dies fordert alle Beteiligten äusserst stark. Dass es uns auch in diesen schwierigen Zeiten gelingt, sehr gut zusammenzuarbeiten, spricht für die Tragfähigkeit der getroffenen Lösung. Wir sind froh, auch künftig in dieser schwierigen Aufgabe auf die Unterstützung durch die Kontaktstellen zählen zu können.

Ein Morgen – Seitenwechsel Heute Morgen kommt der «SeitenWechs­ ler» von der LGT Bank AG in Lichtenstein. Stephan Kind arbeitet in der Niederlassung Pfäffikon als Portfolio­ und Multi­Mana­ ger Products. Das Zentrum Neckersmühle macht beim «SeitenWechsler»­Angebot mit und stellt den Besucherinnen und Be­ suchern aus der Wirtschaft während einer Woche die Arbeit mit Asylsuchenden vor. Die Kontaktstellen sind ein Element dieses Angebotes. Gabor Csenda erklärt Stephan Kind die Arbeit der Kontaktstellen und er­ läutert ihm die verschiedenen Ausgangs­ lagen. Stephan Kind hat bereits einige Tage im Zentrum Neckersmühle verbracht und die Bedingungen etwas kennen gelernt, in welchen Asylsuchende im Kanton einge­ gliedert werden. Damit er einen kleinen Einblick in die Lebensumstände in einer Gemeinde erhält, besuchen wir einen Asyl­ suchenden in Wil. Die Berührungsängste hat Stephan Kind in den Tagen im Zentrum Neckers­ mühle bereits abgebaut, er findet schnell Kontakt zu Herrn Sa’ad aus dem Sudan

und stellt Fragen zur Situation, in der un­ ser Gastgeber lebt. Durch die Anwesenheit von zwei Freunden aus Eritrea entwickelt sich der Besuch zum Aufenthalt mit Imbiss. Die beiden Männer freuen sich, etwas Kuli­ narisches aus ihrer Heimat vorzustellen. Sie sind recht häufig bei Ahmed Abdel Majed Sa’ad und diskutieren lebhaft. Er hat ihnen Arabisch beigebracht, spricht selber recht gut Englisch, nur mit dem Deutschen tut er sich schwer. Da Schweizer schnell auf Eng­ lisch wechseln, hat es bis jetzt gereicht. Ga­ bor Csenda ermuntert ihn, Deutsch zu ler­ nen und Kontakte zu suchen, wo er Deutsch einsetzen kann. Das ist natürlich nicht so einfach. Die Vorbehalte sind oft gross, doch verlieren sich diese schnell, wenn der Kon­ takt einmal hergestellt ist. Für Männer sind Sportvereine eine mögliche Kontaktebene. Ahmed ist kein Sportler, war jedoch bereits in einem Schachklub. Sein Besuch erfolgte zu einer Zeit, wo die Jüngsten spielten, das behagte ihm nicht so. Er ist nicht so fle­ xibel, dass er einfach umstellen kann und die Besuchszeiten ändern will. Und sein Deutsch ist noch nicht gut genug, um Fra­

Kontaktstellen für Asylsuchende

Kontaktstelle Nord: Walter Steuble

Kontaktstelle Ost: Bruno Jäger

Kontaktstelle West: Gabor Csenda

12

Caritas Nachbarn 1/09

CASG.indb 12

Bilder: Heinz Mauch, zvg

19.3.2009 18:21:26 Uhr


gen zu stellen und mit den Schweizern zu sprechen. Im Gespräch sieht er ein, dass er sich wirklich bemühen muss und dass es an ihm liegt, Kontakte zu schaffen. Er will auch nicht fotografiert werden, und so gibt es kein Bild in der Wohnung. Ein Nachmittag, ein Morgen – Fazit Eines wird bei meiner Begleitung von Ga­ bor Csenda deutlich: Die Arbeit der Kon­ taktstellenleiter ist sehr vielfältig und von daher auch äusserst anspruchsvoll. Die Po­ sition zwischen den Interessen der Asyl­ suchenden und den Gemeinden mit den Verantwortlichen und den Freiwilligen verlangt viel Einfühlungsvermögen. Eine Zunahme der Gesuchsteller, wie sie in der zweiten Hälfte 2008 vorkam, zeigt schnell die Grenzen der Belastbarkeit auf. Im Kan­ tonsteil von Gabor Csenda leben gut 600 Asylsuchende. Ihre Betreuung ist auch bei mehrjährigem Aufenthalt immer wieder gefragt. Bei Veränderungen in der persön­ lichen und/oder familiären Situation wird die fachmännische Unterstützung durch die Kontaktstelle sehr geschätzt. Das Faszinierende und die Herausfor­ derung liegt in den Begegnungen und Be­ ziehungen, die sich aus der Arbeit ergeben. Fixe Bürostunden sind eine Illusion, auch wenn strikte darauf geachtet wird, die Er­ reichbarkeit im Rahmen zu halten. Bera­ tung, Betreuung, Vermittlungs­ und In­ formationsaktivitäten und Administration lassen sich nicht so einfach unter einen Hut bringen und verlangen sehr viel Flexibili­ tät.

Caritas-Markt St. Gallen Caritas-Markt – was ist das überhaupt? Der Caritas­Markt ist eine Einkaufsmög­ lichkeit für armutsbetroffene Menschen. Der Einkauf im Markt ist nur mit der Caritas­Markt­Karte möglich. Diese Kar­ ten werden von kirchlichen und privaten Sozialhilfeststellen und der regionalen Caritas­Stelle ausgestellt. Die Preise liegen circa 30 bis 50 Prozent unter dem Niveau der Grossverteiler. Der Einkauf im Caritas­Markt ver­ schafft Menschen in finanziellen Not­ situationen etwas Spielraum im Umgang mit dem knappen Budget.

Caritas-Markt – etwas für Sie? Neben der Unterstützung durch Orga­ nisationen und Unternehmen tragen vor allem die freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viel zur Aufrechterhaltung der Leistung bei. Wenn Sie sich ein Engagement vorstellen können, dann melden Sie sich doch bei Ca­ ritas St. Gallen. Das jetzt rund 30 Leute um­ fassende Team freut sich auf jeden Neuzu­ gang.

Herzlich willkommen! Informationen erhalten Sie bei: Caritas St. Gallen Fredy Bihler Tel. 071 577 50 10 info@sg.caritas.ch

Neue Marktleiterin Am 1. Februar 2009 hat Karina Barp ihre Stelle als Ladenleiterin angetreten.

«SeitenWechsel» ... ... ist ein Programm der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG). Das Pilotprojekt wurde 1991 zur 700­ Jahre­Feier der Schweiz lanciert. Seither haben über 2200 Führungskräfte einen «SeitenWechsel» vollzogen. «SeitenWechsel» wird begleitet Eine Kommission mit Fachleuten aus der Wirtschaft und dem Nonprofit­ Bereich steht für die Qualität und die laufende Weiterentwicklung ein.

Text & Bilder: Heinz Mauch

CASG.indb 13

Frau Barp­Senn bringt reiche Erfah­ rungen aus dem Detailhandel, Bereich Frischprodukte, und der Gastronomie mit. Das sind sehr gute Voraussetzungen für die Führung des Marktes. Sie hat sich bereits sehr gut in das neue Tätigkeitsgebiet ein­ gearbeitet. Wir wünschen ihr viel Motivation in der Zusammenarbeit mit dem Team und in der Entwicklung des Marktes. 1/09 Nachbarn Caritas

13

19.3.2009 18:21:29 Uhr


Caritas-Netz

Fussball spielen

Transfer

«Erst zusammen sind wir komplett», unter diesem Titel starten der FC Winterthur und Caritas Zürich das gemeinsame Projekt «Wintegration».

Kurs für transkulturelle Kompetenz

Die Trikots der FCW-Spieler werden in der Rückrunde vom Caritas-Logo und unserer Kampagne «Erst zusammen sind wir komplett.» geschmückt..

Fussball verbindet – einerseits die Fans auf der Tribüne, viel mehr aber noch die Spie­ ler, die sich oft mit verschiedensten kul­ turellen Hintergründen als Mannschaft zusammenfinden müssen, wenn sie erfolg­ reich sein wollen. Caritas Zürich und der FC Winterthur starten deshalb gemeinsam das Projekt «Wintegration». Der Ball ist rund – das gilt für den Fussball wie für den Erdball. Keine andere Sportart vermag es, rund um die Welt so viele Menschen zu faszinieren und zusam­ menzubringen. Offensichtlich wird das unter anderem dann, wenn man Namen aus einer Mannschaftsliste wie derjenigen des FC Winterthur sieht: Neben Namen wie Senn, Lüscher und Bühler stehen eher exotische wie Aziawonou, Abrashi, Ljimani oder Berisha. Die Verschiedenheit der kul­ turellen Hintergründe ist manchmal auch für die Trainer eine Herausforderung. Um damit besser umgehen zu können, machte der FC Winterthur beim Teamplay­Projekt von Caritas mit, bei dem interkulturelle Zu­ sammenhänge vermittelt werden.

14

Caritas Nachbarn 1/09

CASG.indb 14

Erst zusammen sind wir komplett Gemeinsam mit Caritas Zürich lancierte der FCW ausserdem das Projekt «Winte­ gration» mit dem Leitsatz «Erst zusammen sind wir komplett». Dabei soll es auch Kin­ dern und Jugendlichen aus armutsbetrof­ fenen Familien möglich gemacht werden, mitzuspielen. Gleichzeitig will Caritas Zü­ rich mit der Aktion ihr Beratungsangebot bei Betroffenen bekannter machen. Mehr Informationen zum Projekt gibt es auf www.wintegration.ch.

Der bewährte Kurs für transkulturelle Kompetenz im beruflichen und privaten Alltag startet im Mai 2009 unter der Leitung von Caritas Luzern mit neuem Konzept. Der Kurs «Transfer» richtet sich an Per­ sonen, die ihre transkulturelle Kompetenz erweitern wollen. Sie möchten sich für ein besseres Zusammenleben im privaten Be­ reich, im Beruf, im Verein, in der Schule, in der Gemeinde, in der Kirchgemeinde, im Quartier oder ganz einfach in ihrem per­ sönlichen Umfeld einsetzen. Auf vielfältige Art vermittelt «Transfer» Fach­ und Hintergrundwissen zu transkul­ turellen Kompetenzen und stellt gleich­ zeitig den Transfer in den Alltag her. Die Teilnehmenden bewegen sich in verschie­ denen kulturellen Kontexten, Altersgrup­ pen und Lebenswelten. Sie fördern Prozesse bei Gruppen und Einzelnen und suchen ge­ meinsam Lösungen. Die Teilnehmenden können in ihrem näheren oder weiteren Umfeld Aktivitäten zur Integration und Rassismusbekämpfung anregen.

Transfer führt Menschen zusammen.

Der Kurs wird an sechs Wochenenden und zwei Zusatztagen im RomeroHaus Lu­ zern durchgeführt. Weitere Auskünfte finden Sie unter www.kurs-transfer.ch.

Texte: Daniel Wirz, Urs Odermatt; Bilder: Reto Klink, Jutta Vogel

19.3.2009 18:21:38 Uhr


Ein Laden mit Klasse Ein Caritas Laden ist ein ganz besonderer Ort: Den Kundinnen und Kunden bietet er günstige, gute Ware, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dient er als «Startrampe» zurück in den ersten Arbeitsmarkt, und für die Caritas ist er ein wichtiges Standbein. Ein Laden mit Stammkundschaft Die Kundschaft ist bunt gemischt – kauf­ kräftige Mittelklasseangehörige auf der Suche nach einem Schnäppchen, Leute mit knappem Budget, die sich hier leisten können, was anderswo unerschwinglich ist, Einheimische, Migranten, Alte und Junge. «Viele von ihnen sind Stammkun­ den», sagt Claudia Haessig. Der Umsatz, den der Caritas Laden erzielt, kann sich sehen lassen: Rund 700 000 Franken wa­ ren es letztes Jahr. Der Erlös nach Abrech­ nung der Aufwendungen fliesst in diverse soziale Projekte der Caritas, wie zum Bei­ spiel den Caritas­Markt, der sich gleich ne­ ben dem Caritas Laden befindet und güns­ tige Lebensmittel anbietet. Im Caritas Laden finden sich nicht nur neue und gebrauchte Kleider zu günstigen Preisen, sondern auch Schnäppchen bei Geschirr, Möbeln, Apparaten und Büchern.

Hell und luftig soll es sein, einladend und schön. Claudia Haessigs Vorstellungen vom idealen Ladenlokal lassen sich auf einen Punkt bringen: Es soll Klasse haben. Das gilt auch für den von ihr geleiteten Caritas Laden in Luzern. Denn sie weiss, dass sich eine ansprechende Präsentation der Wa­ ren in mehr als einer Hinsicht positiv aus­ wirkt. «Ein stilvolles Ambiente wertet auch die Menschen auf, die darin arbeiten.» Ein Erwerbslosenprogramm Die Menschen, die hier arbeiten, haben un­ terschiedliche berufliche Hintergründe. Die sechs Festangestellten kommen aus dem Verkauf oder aus der Sozialpädagogik. Die rund 45 anderen Frauen und Männer kom­ men aus allen möglichen Branchen und ha­ ben eines gemeinsam: Sie nehmen an einem Erwerbslosenprogramm teil. Entweder sind sie vom RAV oder vom Sozialdienst hierher­ geschickt worden oder sie haben sich frei­ willig für einen Einsatz gemeldet. Einige von ihnen können schnell weitervermittelt werden, anderen fällt es schwer, zurück in die Arbeitswelt zu finden. Im Caritas La­ den sollen sie praxisnahe Erfahrungen sam­ Text: Ursula Binggeli ; Bild: Reto Klink

CASG.indb 15

meln, ihre Kompetenzen vertiefen und er­ weitern und Verantwortung übernehmen. Dass an der Ladentür «Beschäftigungspro­ gramm» steht, stört Claudia Haessig des­ halb ein bisschen. «Wir sind ein richtiger Laden mit richtigen Arbeitsplätzen und richtiger Arbeit.» Ein Gebrauchtwarenhandel Mit Brockenhäusern hat Claudia Haes­ sig eigentlich immer etwas Mühe gehabt. Sie waren ihr oft zu miefig, zu schmudd­ lig. Umso wichtiger ist ihr, dass der Laden blitzsauber ist und das Angebot schön or­ dentlich aufgehängt, aufgereiht und aufge­ stellt: die Kleider und Schuhe, die Trink­ gläser und Bücher, die Möbelstücke und Haushaltgeräte. Der «Gebrauchtwarenhan­ del», wie Claudia Haessig den Laden nennt, ist ein veritabler Umschlagplatz. Immer wieder kommen Leute vorbei und geben ab, was sie zuhause nicht länger benötigen. Nach einem Umweg über eine ausgelagerte Sortier­ und Reinigungsstelle kommen die Gegenstände wieder zurück in den Caritas Laden, wo sie oft bereits nach zwei Tagen neue Besitzer finden.

«Hier ist mein Job!» Wer von seinem Sozialarbeiter oder Berater zum Einsatz im Caritas Laden aufgeboten wird, tut sich anfangs manchmal schwer damit. «Einigen Leuten fällt es nicht leicht, sich auf die neue Situation einzulassen», sagt Claudia Haessig. Denn wer einst als Maurer oder Chauffeur gearbeitet habe, sei oft zuerst mal verunsichert, wenn er in ein neues Arbeitsfeld integriert werde, um Er­ fahrungen zu sammeln. Zusammen mit ih­ rem Team setzt sie alles daran, die Leute zu «packen», zu fördern und zu begleiten. «Es ist immer wieder von Neuem schön, mitzu­ erleben, wie manche dann den Knopf auf­ machen, sich mit dem Betrieb zu identifi­ zieren beginnen und stolz sagen: ‹Hier ist mein Job, hier kann ich was lernen!›»

Caritas Laden in der Nähe Caritas Läden mit SecondhandArtikeln gibt es vielerorts in der Schweiz. Das Angebot von Caritas St.Gallen finden Sie auf der Rückseite oder unter www.caritas-stgallen.ch

1/09 Nachbarn Caritas

15

19.3.2009 18:21:48 Uhr


Persönlich

Noldi Alder

Beruf Handwerker und Musiker Freizeit Warum haften wir am Traditio­

nellen? Antwort: Weil wir nicht mehr genau wissen, was das heisst. Ziele im Leben Das Plus und das Minus in der Waage halten. Motto Nichts tun ist das Einzige, was man nicht wiederholen kann.

«Nichts tun ist das Einzige, was man nicht wiederholen kann» Der Appenzeller Geiger Noldi Alder stellt sich zehn Fragen der Caritas. Er gilt als Erneuerer der Schweizer Volksmusik, scheut aber nicht die Begegnung mit moderner Musik. Was würden Ihre Nachbarn über Sie sagen? Ein komischer Vogel, und trotz­

dem erfolgreich. Man sieht ihn selten. Hätte Lust, einmal mit ihm einen Abend zu plau­ dern, denn ich weiss gar nicht, was er den ganzen Tag macht. Wenn meine Musik den Menschen mehr sagt als Worte. Die Fussspur eines Auerhahns im Wald. Wenn ich einen schönen Pilz finde. Eine Zigarre rauchen vor meinem Wald­ hüttli. Wenn ich humorvollen Menschen begegne. Was macht Sie glücklich?

Was sollte sich in unserer Gesellschaft ändern? Ich wünsche mir, dass alle Men­

schen mehr Eigenverantwortung über­ nehmen. Dass wir von anderen Kulturen lernen. Nicht, wie es jetzt läuft: Missionie­ ren! Jeder Mensch hat unglaubliche Bega­ bungen, die mit keinem heutigen Schul­ system entwickelt werden.

16

Caritas Nachbarn 1/09

CASG.indb 16

Die Realität sollte den Menschen bes­ ser gelehrt werden. Alle Sinne werden vom heutigen System mit Parfümerie, Musik­ markt, Zeitungen, Werbung und vom TV manipuliert.

Die bedeutendste Person der Menschheitsgeschichte? Sie muss sehr klein

Welche Erfahrung hat Ihr Leben geprägt? Zuerst beobachten, dann handeln!

Leben spielen die Natur und die dazugehö­ renden Schwingungen die grösste Rolle. Als Bauernsohn aufgewachsen, verbringe ich meine Freizeit heute noch in der Natur. Ich versuche trotz einem überdurch­ schnittlichen Erfolg bescheiden zu bleiben. Ich beobachte das Verhalten des Menschen in verschiedenen Situationen. Durch die­ sen Lernprozess bin ich in der Lage, nach längerer Zeit für mich gesunde Entschei­ dungen zu treffen.

Das Elternhaus und meine drei Berufsaus­ bildungen.

Auf welche Bequemlichkeit können Sie nicht verzichten? Auf mein Mittags­

schläfchen und die tägliche Tasse Kaffee am Stammtisch.

Wofür lohnt es sich, zu streiten? Das lohnt sich nur, wenn man die Absicht hat, eine Lösung zu finden. Was ist Ihre grösste Angst? Intolerante

Menschen. Wenn den Leuten der Humor ausgeht.

und unbekannt sein, darum habe ich sie noch nicht kennengelernt! Woher stammen Ihre Werte? In meinem

Was gibt Ihnen Kraft? Ein gelungenes

Konzert, ein lustiger Witz, ein schöner Baum, ein strahlendes Gesicht.

Bild: zvg

19.3.2009 18:21:58 Uhr


Budget + CHF 3 211.00 HF 850.00 Wohnungsmiete: - C Versicherungen u. HF 350.00 Gesundheitsk: - C - CHF 50.00 Steuern: HF 125.00 Erwerbsunkosten:- C

Einkünfte

Spass für eines der Kinder oder das Nötigste für die Familie? Frau Hunziker lebt mit ihren zwei Kindern im Alter von 6 und 10 Jahren am Stadtrand von Aarau. Seit der Scheidung arbeitet sie stundenweise als Serviceaushilfe. Die Familie lebt am Existenzminimum. Am Ende des Monats bleibt deshalb kaum etwas übrig, diesen Monat verfügt Frau Hunziker aber über fünfzig Franken, die sie frei einsetzen kann.

Lebensun terhalt - CHF 1 786.00 total: + 50.00 REST

Neues Geschirr für die Familie... Es ist immer dasselbe beim Essen: Niemand will die kaputten Teller. Und niemand will die braunen Tassen. Die bunt zusammen gewürfelten Stücke sind alle arg in Mitleidenschaft gezogen worden.

Frau Hunziker träumt schon lange von einem neuen Service, bei dem sämtliche Stücke zusammen passen. Mit dem sie sich nicht zu schämen brauchte, wenn Besuch kommt. Diesen Monat würde das Geld reichen für die Aktion, die sie beim Möbelhaus gesehen hat. Ein komlettes Set aus je 6 Stück Tassen, kleinen und grossen Tellern. Als Aktion nur

CHF 49.90 ... oder Rollerblades für Julia Schon letzten Frühling redete Julia nur von Rollerblades. Monatelang erzählte sie davon, bis es wieder kalt wurde und die Rollerblades vom Snowboard abgelöst wurden. Mutter vertröstete sie stets auf nächstes Jahr, da das Budget knapp und anderes wichtiger war.

Aber jetzt ist es bald sowiet: Julia erhält ihre ersten Rollerblades. Sie weiss schon ganz genau welche, hat sie sich immer wieder angesehen im Supermarkt. Silbern sind sie, mit schwarzen und roten Streifen, vier Rädern und einer Schnalle, wie bei den Skischuhen.

Aktion, nur

CHF 45.90 1/09 Nachbarn Caritas

4_nat_k.indd 17

17

19.3.2009 19:03:23 Uhr


Veranstaltungen Diakonieforum 2009 Vom Vorteil, gut zu sein! Impulse für Engagierte! Das erste Diakonieforum lädt alle ein, die sich in irgendeiner Form im Rahmen der Kirchen engagieren. Ob Teammitglied Weltgebetstag, Lehrkraft im Bereich Kinderkirche und/oder Katechese, Verantwortliche/r für Altersbetreuung, Behördemitglied, Seelsorger/in, Sozialarbeiter/in oder sonstwie engagierte Persönlichkeit … das Diakonieforum bietet Impulse, Vernetzung, Austausch und damit Weiterbildung der praxisorientierten Art. Herzlich willkommen! 2. Mai 2009, Flawil Auskünfte Marlise Schiltknecht Tel. 071 227 05 61 schiltknecht@ref-sg.ch Niklaus Bayer Tel. 071 577 50 24 n.bayer@sg.caritas.ch Anmeldung bis 17. April an: Evang.-ref. Kirche des Kantons St. Gallen Arbeitsstelle Diakonie Brigitta Ackermann Oberer Graben 31 9000 St. Gallen Tel. 071 227 05 60 ackermann@ref-sg.ch

«Nahe sein in schwerer Zeit» – Begleitung von Kranken und Sterbenden Von Caritas St. Gallen werden im September 2009 wieder ein zentraler Kurs und im Zeitraum Oktober/November regionale Kurse angeboten. Die genauen Daten sind gegenwärtig noch nicht festgelegt. Informationen erhalten Interessierte über ihre Kirchgemeinde/Pfarrei. Durchführung: Caritas St. Gallen in Zusammenarbeit mit AkEB

18

CASG.indb 18

5. Palliativ- und Hospiztag Ostschweiz Die Not-Wendigkeit der Freiwilligen in der Palliative Care? Im Spannungsfeld von Professionellen und Freiwilligen. 2. April 2009, Thurpark Wattwil

Begegnungstag Unsere vielfältige Stadt, mitmachen & dabei sein Samstag, 13. Juni 2009

Sozial- und Umweltforum

Kulturbühne – Vorhang auf! Musik und Tänze aus der Heimat und der Ferne. Die Herkunft der städtischen Bevölkerung zeigt sich in ihren unterschiedlichen kulturellen und musikalischen Wurzeln.

Die Schweiz hat 7 Millionen Farben und wir denken schwarz-weiss. Migrationspolitik wohin?

11.00 – 20.00 Uhr Bühnen beim Waaghaus Leitung: Verein «migrierte Bühne»

Freitag, 15. Juni 2009 Kantonsschule am Burggraben 19.00 Uhr: Last-Minute-Einschreiben für Workshops 20.00 Uhr: Podiumsdiskussion

Kulinarium – Entdecken Sie die kulinarische Vielfalt unserer Stadt! Eine Reise zu fremden und exotischen Speisen und Lebenswelten in St. Gallen

Samstag, 16. Mai 2009 GBS Schulhaus, Kirchgasse 15 9.00 Uhr: Last-Minute-Einschreiben bei Kaffee und Gipfeli 10.00 Uhr: Workshops 12.00 Uhr: Leckerbissen aus aller Welt 13.45 Uhr: Kultur am Mittag 16.00 Uhr: Workshops 17.30 Uhr: Kundgebung «Eine andere Welt ist möglich», in der St. Galler Innenstadt Strassenfest 18.30 Uhr: Tanzen, Reden, Feiern, Essen und das Forum friedlich ausklingen lassen Eintritt frei

10.00 – 20.00 Uhr rund um das Waaghaus SRK Kanton St. Gallen

Seminar für soziales Engagement 14. April bis 8. Dezember 2009 27 Halbtage, jeweils dienstags; 08.15–11.45 Uhr oder 14.00–17.30 Uhr Kursort: Kirchen- und Gemeindezentrum Wilen bei Wil Auskunft und Anmeldung: Marianne Jocham-Schönherr Alpstrasse 26 9443 Widnau Tel. 071 722 72 22 m.jochan@gmx.ch

Info-Bazar & Weltmarkt – Integration ist Austausch, Vernetzung und Information! Präsentieren Sie Ihre Organisation und Ihr gesellschaftliches Anliegen. Am Ethnomarkt können auch Kulturgüter und handwerkliche Fertigkeiten gezeigt und angeboten werden. 10.00 – 16.00 Uhr rund um das Waaghaus SRK Kanton St. Gallen Kontakt: Verein interkultureller Begegnungstag c/o SRK Kanton St. Gallen Marktplatz 24, 9000 St. Gallen Tel. 071 227 99 66 info@begegnungstag.ch www.begegnungstag.ch

Kurse Geburtsvorbereitung 16. Mai, 11. Juli, 19. September und 28. November Kantonsspital St. Gallen Information: Caritas St. Gallen, Sanja Ostic Tel. 071 577 50 10, info@sg.caritas.ch

Caritas Nachbarn 1/09

19.3.2009 18:22:07 Uhr


Gedankenstrich

Soziale Integration Soziale Integration, so sagt die Soziologie, sei der Zusammenhalt von Teilen in einem systemischen Ganzen und die dadurch er­ zeugte Abgrenzung von einer unstruktu­ rierten Umgebung. Wow! Das klingt aber beeindruckend. Oder: «Die Integration einer Gesell­ schaft ist nur gewährleistet, wenn ein brei­ ter Konsens über die Zuweisung von Posi­ tionen im sozialen System besteht. Existiert dieser Konsens nicht oder nur teilweise, entstehen strukturelle Spannungen im Sys­ tem, die ihr Ventil in sozialen Konflikten finden.» So verzwackt die gelehrten Sätze, so klar der Fall: Wenn es uns nicht gelingt, uns zu einigen darüber, dass jeder/jede sei­ nen/ihren Fähigkeiten, Neigungen und Eig­ nungen entsprechend leben kann, wenn wir nicht bereit sind, allen den Raum zuzuge­ stehen, der ihnen zukommt, riskieren wir früher oder später Krach. Allerdings, wenn wir uns mal auf un­ sere ordentliche Schweiz beschränken, hält sich der Krach in erträglichen Gren­ zen. Da besetzen mal welche, die gerne In­ tegration hätten, eine Kirche, und andere, Illustration: Bruno Muff ; Bild: zvg

CASG.indb 19

die sie fürchten wie der Teufel das Weih­ wasser, schimpfen eifrig mit schafskalten und rabenschwarzen Argumenten dagegen, aber sonst ist es ja hierzulande einigermas­ sen ruhig. Das heisst aber gar nicht, dass nicht ernsthaft Not am Manne, an der Frau wäre. Dieses Magazin schildert Fälle. Und jeder Fall ist einer zu viel. Man sollte halt ... man könnte doch ... gerade gestern habe ich noch gedacht ... Denken ist gut, tun ist besser. In der Tat, Taten sind gefragt. Zunächst gar keine grossen: ein bisschen Freundlich­ keit, ein Quäntchen Hilfsbereitschaft. Das heisst zwar nicht so, kann aber durchaus sowas wie «soziale Integration» bewirken, und das ist schon recht viel. Reicht aber nicht. Ab und zu «dörfs au es Bitzeli meh sii». Etwa wenn’s darum geht, unseren behinderten Mitmenschen zu hel­ fen, ihr Leben integriert zu meistern: mit 0,4 Prozentchen sind wir dabei. Deutsch und deutlich: Mit der Sanie­ rung der IV hätten wir schon wieder ein ganzes Stück sozialer Integration geschafft. Denn verschoben darf keineswegs aufgeho­ ben sein.

Charles Clerc 16 Jahre war Charles Clerc als Redaktor und Moderator der Tagesschau beim Schweizer Fernsehen tätig. Sein Markenzeichen war jeweils sein Schlusssatz «Und zum Schluss noch dies ...».

1/09 Nachbarn Caritas

19

19.3.2009 18:22:13 Uhr


F undstücke

REBAU MARKT St. Gallen Davidsstrasse 40 9000 St. Gallen Tel. 071 220 13 10 rebau@sg.caritas.ch www.caritas-stgallen.ch

Öffnungszeiten

Di - Fr 9.00 – 12.00 Uhr 13.30 – 18.00 Uhr Sa 10.00 – 16.00 Uhr

CASG.indb 20

19.3.2009 18:22:20 Uhr

Magazin 1/09  

Unsere Zeitschrift "Nachbarn" berichtet zweimal jährlich über unsere Handlungsfelder und Projekte. Es wird in Zusammenarbeit mit anderen reg...

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you