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Nachbarn

NR. 1/2011

Caritas St. Gallen auf Kurs

Freiwilligenarbeit Engagiert. Freiwillig.

Wir helfen Menschen.

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Inhalt Editorial

Rolf Steiner

3 Caritas St. Gallen – News Förderung der diakonischen Arbeit

Freiwilligenarbeit Freiwilliges Engagement für eine gute Sache

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Die Diakonie-Animation fördert und unterstützt die diakonische Arbeit in Pfarreien und Kirchgemeinden. Die Caritas St. Gallen bietet Ausbildungen an, berät Interessierte und schafft Möglichkeiten zur Vernetzung.

Wolfgang Freyenmuth, Aline Gut und die Gehrigs erzählen, warum sie sich für ihre Mitmenschen engagieren und wie sie die Caritas damit unterstützen. Soziale Verantwortung 8 übernehmen Die meisten Menschen sind bereit, sich für die Gesellschaft zu engagieren und ihren Mitmenschen zu helfen. Doch es wird immer schwieriger, Freiwillige zu finden – das Geld und die Zeit der Einzelnen werden immer knapper. Darum will die Caritas den Stellenwert der Freiwilligenarbeit erhöhen.

Caritas St. Gallen Caritas-Schiff auf neuem 10 Kurs Im vergangenen Jahr stand für die Caritas St. Gallen ein tief greifendes Sanierungskonzept an, um ihrer angespannten finanziellen Situation gezielt entgegenzuwirken.

Niederschwelliges Angebot für Menschen in Not

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Neues Angebot zeigt grossen Erfolg

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Gesundheitsbildung für Eltern mit Migrationshintergrund

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Unser grösster Sozialpatner

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Caritas-Netz Die Caritas-Märkte sind 19 nicht gratis Im Caritas-Markt erhalten Armutsbetroffene Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs zu Tiefstpreisen. Ein Teil der Artikel wird durch Warenspenden und Unterstützungsbeiträge aus der Wirtschaft finanziert. Für den Rest kommen die regionalen Caritas-Stellen auf. News aus dem Caritas-Netz

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Persönlich

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Kiosk

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Gedankenstrich

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Bänz Friedli, Hausmann und freier Autor.

Von Tanja Kummer.

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Titelbild: Andreas Schwaiger

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Editorial

Ein Jahr der Veränderung

Liebe Leserin, lieber Leser Caritas St. Gallen ist nach einem Sanierungsjahr wieder auf Kurs. Dank der Arbeit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können wir im Jahr 2010 einen guten Jahresabschluss vorweisen. Sie finden unseren Jahresbericht mit Jahresabschluss 2010 auf unserer Website unter www.caritas-stgallen.ch/jahresberichte.

«Dank der Arbeit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können wir im Jahr 2010 einen guten Jahresabschluss vorweisen.»

Rolf Steiner Geschäftsleiter Caritas St. Gallen

Auch mit unserer Fachstelle werden wir ab Sommer 2011 neu an den drei Standorten St. Gallen, Sargans und Uznach im Bistum St. Gallen vertreten sein. Dies freut uns sehr, haben wir uns doch vorgenommen, L’organisation XY est certifiée Caritas St. Gallen ist seit Auch inhaltlich konnten wir wichtige näher bei den Menschen in den Regiparund ZEWO depuis 19XX. 2004 ZEWO-zertifiziert. Projekte umsetzen. Zum «Europäischen onen zu arbeiten. Jahr zur Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung» konnten wir interessierte Herzlichen Dank für Ihr Interesse und Menschen an sechs regionalen Veranstal- Ihre Unterstützung für unsere Projekte im tungen begrüssen, dieses Tabuthema in der Dienste der Menschen in Ihrer Region. Schweiz offenlegen und regionale Ansatzpunkte zur Weiterarbeit diskutieren.

Impressum «Nachbarn» – Das Magazin der regionalen Caritas-Stellen – erscheint zweimal jährlich. Gesamtauflage: 48 600 Ex. Auflage SG: 11 000 Ex.

Caritas St. Gallen ist seit 2004 ZEWO-zertifiziert.

Redaktion: Thomas Knäple, Up Consulting (Caritas St. Gallen); Ariel Leuenberger (national) Gestaltung und Produktion: Daniela Mathis, Urs Odermatt Druck: Stämpfli Publikationen AG, Bern Caritas St. Gallen | Teufener Strasse 11 | 9000 St. Gallen | Tel. 071 577 50 10 www.caritas-stgallen.ch | PC 90-6315-8

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L’organisation XY est certifiée par ZEWO depuis 19XX. CASG.indb 3

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Freiwilligenarbeit

Freiwilliges Engagement für eine gute Sache

Sich mit 65 Jahren zur Ruhe setzen? Das kam für Wolfgang Freyenmuth nicht infrage. Darum betreut er als Freiwilliger einmal pro Woche das Caritas-Markt-Mobil. Auch Aline Gut sowie das Ehepaar Gehrig engagieren sich seit Jahren unentgeltlich in Projekten der Caritas. Sie erzählen, warum sie sich für ihre Mitmenschen engagieren, wie sich das freiwillige Engagement gestaltet und wie sie die Caritas damit unterstützen. Seit rund einem Jahr fährt Wolfgang Freyenmuth fast jeden Donnerstagnachmittag das Caritas-Markt-Mobil von Wein-

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felden nach Sirnach. Für die rund 19 Kilometer braucht er knapp eine Stunde, denn schneller als Tempo 40 darf er mit dem

voll beladenen Mobil nicht fahren. Wenn er dann auf dem grossen, etwas abseits gelegenen Parkplatz in Sirnach ankommt, erwarten ihn bereits die ersten Kunden. Am Anfang wurde er von einem CaritasMitarbeiter begleitet. Jetzt schmeisst er den Laden wie ein Verkaufsprofi. Laden? In der Tat entpuppt sich das Caritas-MarktMobil als kleines, fahrendes Einkaufsparadies für jene, die mit weniger als dem Existenzminimum leben. Hier können sie mit der Caritas-Markt-Einkaufskarte stark verbilligte, aber einwandfreie Lebensmittel und Produkte für den täglichen Bedarf

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erwerben. Während der Öffnungszeit von 15 bis 17.30 Uhr bedient Wolfgang Freyenmuth jeweils um die 20 Kunden – vom randständigen Jungen über arbeitslose Er-

Sich engagieren macht Freude Die Ruhe nach dem ersten Ansturm verbringt der freiwillig Engagierte lesend oder bei einem Schwätzchen mit einem Kunden.

«Es macht mir Freude, wenn ich helfen kann – ich stand auch nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens.» wachsene bis hin zum gehbehinderten Betagten. «Es gibt sicher noch mehr Bedürftige in der Umgebung, die vom Angebot profitieren könnten», vermutet er.

Er versteht die Sorgen der Leute, spricht ihnen Mut zu, gibt da und dort einen Tipp. «Ich stand auch nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens.» Kürzlich habe ihm eine ältere Kundin zugewinkt, als er mit

dem Mobil vorbeifuhr. «Wenn mich die Leute wiedererkennen und wenn sie gerne hier einkaufen kommen, freut mich das sehr.» Überhaupt bereite ihm das freiwillige Engagement bei der Caritas grosse Freude, denn er könne so direkt helfen. «Der regelmässige Kontakt zu den Leuten bewahrt mich zudem davor, ein Eigenbrötler zu werden», lacht der pensionierte Baufachmann. Fördern, fordern, motivieren Auch Aline Gut freut sich, wenn sie mit ihrem freiwilligen Engagement bei der Caritas Gutes tun kann. Zum Beispiel, wenn 1/11 Nachbarn Caritas

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Freiwilligenarbeit

Aline Gut (links) wiederholt geduldig einen Satz. Das Erfolgserlebnis sei wichtig für das Selbstbewusstsein der Frauen, sagt die freiwillig engagierte Leiterin des Deutschkurses für Migrantinnen. eine ihrer Schülerinnen erzählt, dass sie dank besserer Deutschkenntnisse eine Arbeit gefunden habe. Die pensionierte Krankenschwester unterrichtet seit 1999 unentgeltlich Deutsch für Migrantinnen. «Indem ich als Freiwillige arbeite, kann die Caritas den Kurs günstiger anbieten. Das macht es den meisten Teilnehmerinnen erst möglich, am Kurs teilzunehmen, denn sie haben nur wenig Geld.» Im Kurslokal in Wetzikon herrscht bereits reges Treiben. Die Teilnehmerinnen bringen ihre kleinen Kinder mit, die in einem «Spielzimmer» betreut werden, während die Mütter Deutsch lernen. Zehn Frauen aus Albanien, Mazedonien, Kroatien, Sri Lanka, Nepal und Angola nehmen am Unterricht teil. Die grösste Herausforderung seien die unterschiedlichen Bildungs- und Integrationsniveaus sowie die sprachlichen Vorkenntnisse der Frauen, sagt Aline Gut. «Fördern, fordern, motivieren» ist ihr Motto. Mit Geduld, Einfüh-

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lungsvermögen und einer Portion Hartnäckigkeit führt die Kursleiterin souverän durch den Unterricht. Ein Lehrbuch mit Grammatik- und Konversationsübungen sowie eine CD mit Übungen zum Nach-

Zeit und Aufmerksamkeit schenken Gemeinsam engagiert sich auch das junge Ehepaar Karin und Patrick Gehrig aus Rüschegg. Den kleinen Garten vor dem Einfamilienhaus der Gehrigs dominiert ein

«Es ist mir wichtig, dass Mütter und Kinder dank der Sprache in unsere Gesellschaft hineinwachsen können.» sprechen unterstützen sie dabei. Gemeinsam mit den Frauen freut sich Aline Gut über jeden kleinen Fortschritt. «Es ist mir wichtig, dass Mütter und Kinder in unsere Gesellschaft hineinwachsen können. Indem die Mütter die Sprache lernen, werden sie offener und selbstbewusster. Sie gehen mit ihren Kindern in den Park, wo diese wiederum beim Spielen Deutsch lernen.» Das ist die eigentliche Motivation für Aline Gut, sich in diesem Projekt der Caritas zu engagieren. Seit zwei Jahren übrigens gemeinsam mit ihrer Schwester.

grosses Biotop, das im Sommer auch zur Abkühlung dient. Auf der Holzveranda räkelt sich Nalu, die Katze, in der wärmenden Frühlingssonne. Drinnen geht es lebhafter zu. Patrick, Julia und Lukas spielen eine Partie Scotland Yard, während Karin die letzten Spuren des ausgiebigen Sonntagsbrunches tilgt. Gesellschaftsspiele, lange Spaziergänge an der frischen Landluft, herumtollen mit Lena, der Berner Sennenhündin, lesen, TV gucken, die gemeinsame Zeit geniessen: das machen die Kids am liebsten, wenn sie bei den Gehrigs sind.

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Die Gehrigs sind nicht die Eltern von Julia und Lukas. Aber sie haben im Rahmen des Projektes «mit mir» der Caritas die Patenschaft für das Geschwisterpaar übernommen. Jedes zweite Wochenende verbringen die 12-Jährige und ihr 11-jähriger Bruder beim Patenpaar. Und in den Schulferien bleiben sie auch mal eine ganze Woche in Rüschegg. Julia zeigt stolz das hübsch eingerichtete Kinderzimmer mit einem Regal voller Spiele und Bücher. «Am Anfang mussten wir uns aneinander gewöhnen. Heute können wir uns die Wochenenden mit Julia und Lukas nicht mehr wegdenken», strahlt Karin. Patrick, ihr Mann, fügt hinzu: «Es ist das Beste, was uns je passieren konnte.» Passiert ist es aber nicht einfach so. Eigene Kinder haben die 39-jährige medizinische Praxisassistentin und der 41-jährige Verträgerchef bei der Post nicht. Es habe sich nicht ergeben, sagen sie. Und als sie vor rund dreieinhalb Jahren in der Zeitung über das Patenschaftsprojekt der Caritas gelesen haben, war klar, da wollen sie sich engagieren. Ein intaktes Familienleben Die berufstätige, alleinerziehende Mutter von Julia und Lukas wiederum wünschte sich nur eines: dass ihre Kinder auch eine Art «intaktes Familienleben» erleben können. Als Karin und Patrick die Patenschaft

übernahmen, begleitete sie die Mutter am Anfang auf Ausflügen ins Museum, in den Zoo oder zum Picknick. Denn sie wollte wissen, mit wem, wie und wo ihre Kinder die Zeit verbringen. Heute pflegen sie einen vertrauensvollen Kontakt zueinander. «Wir sind keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zur Mutter. Wenn die beiden zu uns kommen, sind wir 100 Prozent für sie da», versichert Karin. «Der Abschied fällt auch nicht immer leicht. Aber jeder hat seinen eigenen Alltag. Und das ist gut so.» Einmal pro Jahr treffen sich Interessierte, Patinnen und Patenpaare, um sich auszutauschen. «Und wenn wir Fragen haben oder unsicher sind, können wir jederzeit unsere Kontaktperson bei der Caritas anrufen», erklärt Patrick. Karin und Patrick Gehrig sind sich einig: Das freiwillige Engagement als Patenpaar haben sie keine Sekunde bereut. Wer sich für eine Patenschaft interessiere, müsse aber unbedingt Geduld, Einfühlungsvermögen, Freude an Kindern und die Bereitschaft mitbringen, auch mal ein Auge zuzudrücken, wenn etwas in die Brüche gehe. Die drei Beispiele zeigen: Freiwilliges Engagement bei der Caritas ist ein Geben und ein Nehmen; man kann viel Gutes bewirken und viel Schönes erleben.

Verschworene Bande: Patrick und Karin Gehrig verbringen jedes zweite Wochenende zusammen mit ihren Patenkindern Julia und Lukas.

Kommentar Denise Moser, Präsidentin Forum Freiwilligenarbeit Schweiz

Ein Gewinn für sich selbst Freiwilliges Engagement ist der Kitt, der unsere Gesellschaft auf allen Ebenen zusammenhält, und das wird auch so bleiben. Freiwilliges und ehrenamtliches Engagement ist heute ein Thema, über das man öffentlich diskutiert und berichtet. Man leistet Freiwilligenarbeit nicht mehr im Verborgenen, nur um zu helfen: Beim persönlichen Entscheid für einen Freiwilligeneinsatz spielt die Freude an der Tätigkeit eine zentrale Rolle. Die Freiwilligen sind keine «dienstleistenden Gutmenschen», sie erwarten von einer freiwilligen Tätigkeit auch einen Gewinn für sich selber. So bekommen sie neue Kontakte, gewinnen zusätzliche Kompetenzen, sammeln Erfahrungen usw. Mit dem Sozialzeitausweis kann das sichtbar gemacht und qualifiziert werden. Freiwillige stellen Ansprüche bezüglich der zeitlichen Gestaltung ihres Engagements. So wollen sie sich heute weniger längerfristig für regelmässige Einsätze verpflichten. Sie bevorzugen konzentrierte, zeitlich limitierte Aufgaben. Dieser Trend steht im Widerspruch zu den Wünschen von sozialen Organisationen. Diese möchten ihre Freiwilligen möglichst langfristig einsetzen können, weil sie in ihre Betreuung, Ausbildung und Qualifikation investierten. Die unterschiedlichen Ansprüche stellen alle Verantwortlichen im Bereich Freiwilligenarbeit vor eine grosse Herausforderung. Wenn wir die Einsatzbereitschaft von Freiwilligen für die Zukunft sichern wollen, müssen wir uns umgehend mit den Fragen rund um das Thema «zeitlich begrenzte Einsätze» auseinandersetzen. www.forum-freiwilligenarbeit.ch

Text: Sabine Rempert; Fotos: Andreas Schwaiger, zvg

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Hintergrund: Freiwilligenarbeit

Soziale Verantwortung übernehmen Die meisten Menschen sind bereit, sich für die Gesellschaft zu engagieren und ihren Mitmenschen zu helfen. Doch es wird immer schwieriger, Freiwillige zu finden – das Geld und die Zeit der Einzelnen werden immer knapper. Darum will die Caritas den Stellenwert der Freiwilligenarbeit erhöhen.

Ohne Freiwillige ginge in vielen Projekten und Dienstleistungen im Caritas-Netz weniger oder gar nichts. Nur mit Unterstützung der rund 4500 Freiwilligen können die Projekte zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung ihre breite Wirkung entfalten. Deshalb ist die Förderung und Weiterentwicklung der Freiwilligenarbeit auch ein zentrales Anliegen der Caritas. Gleichzeitig will die Caritas damit einen Beitrag zur Gestaltung einer solidarischen Gesellschaft leisten. Freiwilligen-

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arbeit bildet eine wichtige und notwendige Ergänzung zu den vom Sozialstaat garantierten Leistungen. Menschen wollen helfen Es ist häufig die Rede von einer schwindenden Solidarität unter Nachbarn, im Dorf oder in der Stadt. Man vergisst dabei, dass die Mobilität grösser geworden ist, die Kontakte und Netzwerke häufiger wechseln und auch Beziehungen infolge beruflicher Engagements weniger intensiv gepflegt wer-

den können. Bei der Caritas machen wir die Erfahrung, dass die Menschen sehr wohl bereit sind, andere zu unterstützen und ihnen beizustehen. Es fehlt jedoch oft ein Anknüpfungspunkt. Wenn aber die Beziehung hergestellt ist und Hilfesuchende sowie Unterstützende zusammenkommen, sind die Solidarität und die Bereitschaft, Unterstützung zu leisten, genauso gross wie früher. Professionelle Begleitung Unsere Aufrufe zur Freiwilligenarbeit be-

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Über 400 000 Stunden Dank dem freiwilligen Engagement vieler Menschen kann die Caritas Projekte für Menschen in prekären Lebenslagen realisieren, die ohne diese Unterstützung nicht zustande kämen.

stätigen dieses Bild. Viele Menschen melden sich und sind bereit, Aufgaben zu übernehmen und Hilfe zu leisten. Die grosse gesellschaftliche Aufgabe besteht darin, die Menschen zusammenzuführen. Weil dies nicht mehr automatisch in der Nachbarschaft funktioniert, braucht es Fachstellen, die Freiwillige vermitteln, in ihre Aufgaben einführen und sie begleiten. Sie können die Brücken bauen, die menschliche Solidarität wirken lässt. Eine weitere Aufgabe besteht darin, die Zusammenarbeit von Freiwilligen und Festangestellten optimal zu gestalten. Festangestellte müssen sich auf die Zusammenarbeit einstellen und sie entsprechend planen. Auf der Seite der Freiwilligen besteht der Anspruch, professionell eingearbeitet, betreut und gefördert zu werden – Verbindlichkeit ist auf beiden Seiten ein zentrales Anliegen. Heute ist es für Freiwillige wichtig, dass ihr Engagement gesellschaftlich anerkannt wird und dass sie diese Leistungen auch in ihrem Lebenslauf ausweisen können. Anerkennung verbessern Für die Zukunft der Freiwilligenarbeit muss diese gesellschaftliche Anerkennung verbessert werden. Das ist auch Ziel des Freiwilligenjahrs 2011. Bei der Rekrutierung und den Einsatzmöglichkeiten stehen unsere Gesellschaft und auch die Caritas in den nächsten Jahren vor grossen Herausforderungen: Die heute im Arbeitsprozess stehende Generation der Frauen ist nicht mehr im selben Ausmass bereit, freiwillig Dienstleistungen, zum Beispiel bei der Pflege von Angehörigen, zu übernehmen. Andererseits sind Männer auch heute noch viel weniger bereit, pflegende und unterstützende Tätigkeiten unbezahlt zu verrichten.

Berghilfe 24%

Diverses 10%

Institutionen 12% Migration 15% Begleitung in der letzen Lebensphase 4%

Freiwillige leisten für die Caritas einen unverzichtbaren Beitrag bei der Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung. Insgesamt haben 4705 Freiwillige mit über 400 000 geleisteten Einsatzstunden im Jahr 2009 mehr als 65 Projekte der Caritas unterstützt. Sei es als Patin von Kindern im Projekt «mit mir», als Mentorin von Jugendlichen bei «Incluso», als Unterstützung im Caritas-Markt, bei einem Bergeinsatz oder bei der Begleitung von Menschen im Freiheitsentzug; die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und sinnstiftend. Freiwillige können sich bei der Caritas in den Tätig-

keitsfeldern Armut und soziale Benachteiligung, Migration, Begleitung in der letzten Lebensphase, Bergeinsatz sowie in der Institution und in verschiedenen anderen kleineren Projekten engagieren. Rund zwei Drittel aller Freiwilligen bei der Caritas sind Frauen, die sich besonders oft zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung oder bei der Begleitung von Migrantinnen und Migranten einsetzen. www.caritas-stgallen.ch/freiwillige

Links und Publikationen www.freiwilligenjahr2011.ch, www.sozialzeitausweis.ch, www.freiwilligenmonitor.ch, www.benevol.ch Bundesamt für Statistik: Freiwilligenarbeit in der Schweiz, Neuchâtel 2008. Peter Farago: Freiwilliges Engagement in der Schweiz. Seismo Verlag, Zürich 2007. Beatrice Schumacher: Freiwillig verpflichtet. Gemeinnütziges Denken in der Schweiz seit 1800. NZZ Verlag, Zürich 2010.

Texte: Bettina Zeugin, Irène Barmettler; Illustration & Grafik: Mark Sasvary

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Armut 35%

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Caritas St. Gallen – Jahresrückblick 2010

Caritas-Schiff auf neuem Kurs Im vergangenen Jahr stand für die Caritas St. Gallen ein tief greifendes Sanierungskonzept an, um ihrer angespannten finanziellen Situation gezielt entgegenzuwirken.

letzten Lebensphase», einer schmerzhaften Reduktion der kirchlichen Sozialberatung und die Aufhebung einer Arbeitsstelle in den zentralen Diensten konnte das CaritasBudget nachhaltig entlastet werden. Ausbau der Leistungsaufträge Bestehende Aufträge im Bereich «Gesundheit und Integration» und «Arbeit und Integration» mit dem Kanton St. Gallen konnten weitergeführt oder sogar ausgebaut werden. Zudem übertrug uns die Caritas Schweiz einen Leistungsauftrag mit 80 Prozent für Schuldenberatung im Bistum St. Gallen. Dadurch konnten die bestehenden Sozialarbeitenden im neuen Aufgabenfeld der Schuldenberatung weiter beschäftigt werden. Ebenfalls erfreulich ist die neue Zusammenarbeit mit der Stadt St. Gallen im Bereich der qualifizierenden Arbeitsprogramme.

Der neue Hauptsitz der Caritas St. Gallen an der Zürcherstrasse 45 ab Juni 2011.

Nachdem der Jahresabschluss 2009 ein Defizit von Fr. 179 236.55 auswies, beschloss die Caritas-Kommission gemeinsam mit dem Geschäftsleiter bereits Ende 2009 einen nachhaltigen Massnahmenplan. Die eingeleiteten Schritte zur Sicherung der finanziellen Zukunft der Caritas St. Gallen zeigten bereits im Laufe des Jahres 2010 Wirkung. Im Jahr 2009 war es zu starken Budgetbelastungen gekommen, die erst 2010 korrigiert werden konnten. Hohe Mehrkosten entstanden beim Leistungsauftrag der Kontaktstellen für Asylbewerberfragen infolge einer Verdoppelung von Asylanträgen. Überzeit und nicht bezogener Urlaub in anderen Bereichen trugen ebenfalls zum Defizit bei. Beim Organisationskapital war dadurch ein Minus von Fr. 179 089.25 entstanden. Die Liquidität der Organisation konnte aber dank des bereits 2008 von der katholischen Administration bereit-

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gestellten Liquiditätskredits in Höhe von Fr.  300 000 erhalten werden. Zudem gewährte das katholische Kollegium für die beiden Sanierungsjahre 2010 und 2011 eine Erhöhung des Globalkredites um je Fr. 130 000. Korrekturmassnahmen greifen Mit Einführung der Vollkostenrechnung zeigten sich die finanziellen Unterdeckungen in den einzelnen Projekten der Caritas St. Gallen. In verschiedenen Bereichen und Projekten mussten einschneidende Budget- und Tarifkorrekturen umgesetzt werden. Die zum Teil massiven Anpassungen wurden von den jeweiligen Partnern akzeptiert. Durch die Kündigung des defizitären Leistungsauftrages «Kontaktstellen für Asylsuchende» mit dem Justizdepartement des Kantons St. Gallen, die Budgethalbierung in der Fachstelle «Begleitung in der

Strategieprozess 2015 zeigt Richtung Im Strategieprozess analysierte die Caritas-Kommission zusammen mit Mitarbeitenden, externen Fachstellen und Vertreterinnen und Vertretern aus den Regionen die Stärken und Schwächen der bestehenden Organisation. Anhand davon wurden die strategischen Ziele für die kommenden fünf Jahre festgelegt. Die wichtigen Eckpfeiler dieser Strategie sind: • Die Caritas St. Gallen engagiert sich mit einer grösseren Präsenz stärker in den Regionen. • Die Caritas St. Gallen sucht und stärkt eine enge Zusammenarbeit mit den Kirchgemeinden. • Die Caritas St. Gallen erschliesst neue Partnerschaften und Netzwerke, die sie bei der Erfüllung ihres Auftrags unterstützen. • Die Caritas St. Gallen orientiert sich an der nationalen Strategie zur Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung.

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Ein Jahr des Übergangs Die Fachstelle «Begleitung in der letzten Lebensphase» (BILL) war im Jahr 2010 mit grundlegenden Veränderungen konfrontiert. Ihre Tätigkeit musste infolge der Sparmassnahmen deutlich eingeschränkt werden. Erneuerung des Globalkredits Eine der Hauptursachen für die Schuldenentwicklung bei der Caritas St. Gallen war neben Managementfehlern der falsch berechnete Globalkredit, der wichtige indirekte Kosten nicht enthielt. Deshalb kommt der Frage «Erneuerung des Globalkredites oder Rückkehr zum Abteilungsbudget?» im kommenden Jahr eine grosse Bedeutung zu. Caritas St. Gallen regionalisiert und zieht um Im Juni 2011 zieht Caritas St. Gallen von der Teufenerstrasse 11 an die Zürcherstrasse 45 im Lachenquartier in St. Gallen. Dieser Umzug ist Teil der Sanierungsmassnahmen. Die neuen Räumlichkeiten sind rund 40 Prozent günstiger. Mit den Mietkosteneinsparungen können die Räume der neu geplanten Regionalstellen Sargans und Uznach kostenneutral gemietet werden. Zudem werden die bestehenden Arbeitsstellen von St. Gallen an die Aussenstellen verlegt, wodurch eine bessere regionale Präsenz sichergestellt wird. Den ausführlichen Jahresbericht gemäss Rechnungslegung nach Swiss GAAP FER21 und den Grundsätzen der schweizerischen Zertifizierungsstelle für gemeinnützige, spendensammelnde Institutionen ZEWO können Sie einsehen unter www.caritas-stgallen.ch/jahresberichte

Texte: Thomas Knäple; Bilder: Caritas St. Gallen, Urs Siegenthaler

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Die Fachstelle BILL bildet Freiwillige aus zur religiösen Begleitung von Menschen in der letzten Lebensphase.

Dank des Engagements der evangelischen Kantonalkirche und des bestehenden Projektbeitrages der katholischen Administration konnte die Arbeit im Rahmen einer 30-Prozent-Anstellung weitergeführt werden. Mit der Gründung einer ökumenischen Trägerschaft sollen Finanzierung und Zukunft der Fachstelle gesichert werden. Neue Wege Das Jahr 2010 wird als Jahr des Übergangs und der Konsolidierung gewertet. In der Hospizarbeit und in der Kursarbeit haben sich neue Wege abgezeichnet. Für deren Realisierung ist einerseits viel Vernetzungsarbeit, andererseits die Reduktion des Angebotes auf die Kernthemen der Fachstelle gefordert. Durch die klare Positionierung als ökumenische Fachgruppe kann sich BILL als neues kirchliches Angebot stärker positionieren. Das wird auch sozialpolitisch von nicht unerheblicher Bedeutung sein.

Kurse und Begleitung von Freiwilligen Die Reduktion der Kursarbeit kam im Rahmen der Neuausrichtung nicht ganz unerwartet. Der Kurs «Religiöses Begleiten» mit acht Teilnehmerinnen und ein Grundkurs mit zwölf Teilnehmerinnen wurden durchgeführt. In seiner Neuausrichtung wird sich BILL verstärkt den genannten Kursen und der Begleitung von Freiwilligen widmen. Die Begleitung von Hospizgruppen ist künftig nur sehr eingeschränkt möglich. Im Rahmen der vorhandenen Ressourcen wird sie sich auf die Veranstaltung von zwei Vernetzungstreffen reduzieren. Die Kosten für Weiterbildungen müssen neu von den Kursteilnehmenden der Hospizgruppen selbst getragen werden.

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Caritas St. Gallen

Förderung der diakonischen Arbeit Die Diakonie-Animation fördert und unterstützt die diakonische Arbeit in Pfarreien und Kirchgemeinden. Die Caritas St. Gallen bietet Ausbildungen an, berät Interessierte und schafft Möglichkeiten zur Vernetzung. Fachhochschule für Sozialarbeit und der Fachstelle Diakonie der evangelisch-reformierten Kirche als CAS-Diplomlehrgang in Rorschach durchgeführt. Damit wird diese bewährte Ausbildung in der deutschsprachigen Schweiz ausgeschrieben. Sie startet im September 2011. Förderung der Freiwilligenarbeit Das ökumenische Seminar «Soziales Engagement» bildet Freiwillige der Kirchgemeinden für ihr ehrenamtliches Engagement aus und zeigt die verschiedenen Arbeitsfelder für Freiwillige auf. Der aktuelle Kurs wurde in der Region Wattwil / Uznach mit 22 Teilnehmenden an 25 Halbtagen durchgeführt. Gut besuchte Veranstaltungen: Auftakt der zehnjährigen Kampagne «Armut halbieren» an sechs Standorten.

Sechs regionale Veranstaltungen zum Thema Armut Zum Start der zehnjährigen Kampagne «Armut halbieren» lud die Caritas St. Gallen Fachleute, Politiker, Armutserfahrene und die breite Öffentlichkeit zu sechs regionalen Veranstaltungen im Bistum ein. Über 400 Personen folgten den Einladungen nach Uzwil, Mosnang, Uznach, Buchs, Teufen und Widnau. Prof. Dr. Franz Schultheis von der Universität St. Gallen zeigte in seinem Referat Hintergründe zum Thema «Armut in der Schweiz» auf. In der anschliessenden Talkrunde diskutierten Betroffene, Politiker und Kirchenvertreter zum Thema. Von grossem Interesse war die Präsentation verschiedener regionaler Projekte zur Bekämpfung von Armut. Sie zielen darauf ab, regional Armutsbetroffene aktiv in die Umsetzung von Massnahmen einzubeziehen. Die an den Veranstaltungen diskutierten Verbesserungsmöglichkeiten und gesammelten Anregungen sind wichtig für die Weiterarbeit der kommenden Jahre.

Abschluss Lehrgang DiakonieAnimation, zweite Durchführung: Neu als CAS an der FHS St. Gallen Die Mitarbeitenden der Seelsorgeeinheiten schlossen im Herbst 2010 den zweiten Lehrgang in Diakonie-Animation ab. Der dritte Lehrgang wird in Zusammenarbeit mit der

Caritas-Aktion «Eine Million Sterne» An der Caritas-Aktion 2010 des Bistums St. Gallen beteiligten sich 30 Kirchgemeinden. Die Mitarbeitenden der Caritas besuchten die stimmungsvollen Illuminationen. Sie brachten mit kleinen Präsenten ihren Dank für das grosse freiwillige Engagement zum Ausdruck.

Im Herbst 2010 abgeschlossen: zweiter Lehrgang Diakonie-Animation.

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Text: Thomas Knäple; Bilder: Caritas St. Gallen

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Niederschwelliges Angebot für Menschen in Not Mit der Anlaufstelle Sozial- und Schuldenberatung bietet die Caritas St. Gallen rasche und unbürokratische Hilfe für Menschen in einer Notsituation. Wegen der angespannten Finanzsituation ist das Angebot aber leider minimal. Sozialberatung bietet Soforthilfe Mit der Sozialberatung führt Caritas St. Gallen ein niederschwelliges Angebot für Menschen in Notsituationen, die rasche und unbürokratische Hilfe brauchen. Im Vordergrund steht dabei meist eine materielle Notlage. Die betroffenen Menschen erhalten nicht nur eine materielle Soforthilfe, sondern werden nach Möglichkeit gezielt an regionale Beratungs- und Hilfestellen weitervermittelt. Aufgrund der eingeschränkten Personalressourcen konnten nur noch 40 Dossiers geführt werden. In Zahlen: Kurzberatungen: 678 (2009: 643) Dossiers: 40 (125) Überbrückungshilfen: Fr. 16 083 (Fr. 66 000) Rückzahlungen oder Beiträge: Fr. 12 957 (Fr. 18 000)

Die Beratung erfolgt

keine Hinduismus Islam Katholisch Konfession

Reformiert keine Serbisch-orthodox Hinduismus

Ostschweizer helfen Ostschweizern (OhO) Ab November 2010 lief im Rahmen der Weihnachtsaktion OhO die Prüfung von 64 Gesuchen von Betroffenen und Institutionen (Jahr 2009: 57 Gesuche) durch die Caritas-Sozialberatung. Damit wird ein wichtiger Beitrag zum sachgerechten Einsatz der Spenden geleistet.

andere Islam Konfession unbekannt Katholisch keine Reformiert Hinduismus Serbisch-orthodox Islam andere Katholisch unbekannt Reformiert Serbisch-orthodox andere unbekannt Herkunft Schweiz Europa Afrika Asien Herkunft Amerika Schweiz

Aufteilung der

Europa Afrika Herkunft Asien Schweiz Überbrückungshilfe Amerika Europa Afrika Asien Amerika

Text: Thomas Knäple; Bilder: Caritas St. Gallen; Grafiken: Franz Niederer, Caritas St. Gallen

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Irina Erznkian von der Sozial- und Schuldenberatung.

ledig verheiratet geschieden Zivilstand getrennt ledig verheiratet geschieden getrennt Konfession

Schuldenberatung mit neuem Leistungsauftrag Dank eines neuen Leistungsauftrages der Caritas Schweiz konnte ab Mai 2010 eine 80-Prozent-Stelle für Schuldenberatung geschaffen und damit die Sozialberatung gerettet werden. Das Beratungsangebot wurde an sieben regionalen Veranstaltungen im Bistum St. Gallen bekannt gemacht. Neu in 2011: Regionale Stelle in Sargans Ein erster Teilschritt zur Umsetzung der neuen Strategie ist erfolgt: Am 1. Dezember 2010 startete der Stellenleiter der ersten regionalen Caritas-Stelle für die Region Werdenberg-Sarganserland mit dem Arbeitsschwerpunkt Sozial- und Schuldenberatung. Nach der Einarbeitung werden wir vermutlich ab Frühling 2011 die Regionalstelle in Sargans eröffnen können.

Zivilstand ledig auch verheiratet telefonisch: geschieden getrennt Zivilstand

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Caritas St. Gallen

Neues Angebot zeigt grossen Erfolg Das Jahr 2010 war durch die kantonale Neuorganisation im Flüchtlingsbereich geprägt. Der Flüchtlingsdienst wurde aufgehoben und seine Aufgaben wurden ab Mitte Jahr von den Sozialämtern der Gemeinden übernommen. Damit verbunden war ein Systemwechsel von der Objekt- zur Subjektfinanzierung, das heisst die Leistungsvereinbarung mit dem Kanton St. Gallen lief Ende Juni aus und ab Juli mussten bei den Gemeinden neue Einzelaufträge akquiriert werden. linge wurden von unserem Jobcoach bei der Lehrstellensuche erfolgreich begleitet.

Im Mentoring-Programm werden junge Migrantinnen und Migranten bei der Suche nach einem Arbeitsplatz begleitet.

Der Aufbau der regionalen Abklärungsstellen (Repas) durch den Gemeindeverband für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene verzögerte sich, sodass Neuanmeldungen für «Arbeit und Integration» nur spärlich erfolgten. Es stellte sich dann heraus, dass die Sozialämter ihre Klienten vermehrt in Deutschkurse oder in Beschäftigungsprogramme mit Tagesstruktur schickten. Die Kurs- und Coachingangebote von «Arbeit und Integration» waren im zweiten Halbjahr nur noch wenig gefragt. Für diese Übergangsphase von Juli bis Dezember gewährte uns das Departement des Innern eine Defizitgarantie. Mit unserem neuen Angebot «Jobstart plus» konnten wir einen jungen Migranten und eine Migrantin erfolgreich begleiten. Das sechsmonatige Mentoring-Programm führten wir auch im Berichtsjahr zweimal durch. Die Flüchtlinge profitierten von den

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persönlichen Kontakten zu den Mentoren und Mentorinnen (Deutschkenntnisse, Unterstützung bei der Stellensuche). Die Mentoren und Mentorinnen ihrerseits lernten eine andere Kultur kennen und erhielten einen Eindruck von den Lebensbedingungen und den Schwierigkeiten bei der Stellensuche von Flüchtlingen in der Schweiz.

Blick in die Zukunft Caritas St. Gallen konnte 2010 die Programmplätze für qualifizierende Arbeitseinsätze von 12 auf 24 Plätze verdoppeln. Für 2011 ist geplant, die qualifizierenden Arbeitseinsätze auf 60 Programmplätze zu erweitern und neue Arbeitsfelder zu erschliessen. Das Know-how und die Ressourcen von «Arbeit und Integration» werden zukünftig für Bildung und Coaching der Teilnehmenden in den Arbeitsprogrammen eingesetzt. In einem speziellen «Förderprogramm» erhalten die Teilnehmenden eine gezielte Schulung und Begleitung bei der Stellensuche. Zu den bisherigen bewährten Kursmodulen bieten wir neu einen «Deutschkurs am Arbeitsplatz» an. Dieser orientiert sich praxisnah an den verschiedenen Arbeitseinsätzen. Mit dieser Umstellung werden wir Caritas-intern viel enger mit den Verantwortlichen der Arbeitseinsätze zusammenarbeiten und die Synergien noch besser nutzen können.

Resultate 2010 Insgesamt nahmen 46 Flüchtlinge an diversen Kursmodulen bei «Arbeit und Integration» teil. In der Berichtsperiode traten 39 Teilnehmende aus dem Projekt aus. Davon fanden elf eine Arbeitsstelle im ersten Arbeitsmarkt (drei Personen eine unbefristete Festanstellung, sechs eine Anstellung mit befristeten Arbeitsverträgen und zwei eine Anstellung auf Abruf). Zwei weitere Teilnehmer fanden längerfristige Praktikumsstellen, und zwei junge FlüchtText: Thomas Knäple; Bild: Caritas St. Gallen

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Gesundheitsbildung für Eltern mit Migrationshintergrund Die Fachstelle «Gesundheit und Integration» engagiert sich in Fragen der Gesundheitsförderung und Prävention für Familien mit Migrationshintergrund. Die Arbeit wird durch den Leistungsvertrag mit dem Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen und durch weitere Fördermittel aus dem Integrationsfonds des Kantons St. Gallen kostendeckend finanziert. deratorinnen durchgeführt. Sie erfolgten in Zusammenarbeit mit lokalen Fachstellen wie ZEPRA Prävention und Gesundheitsförderung, Beratungsstelle für Familienplanung, MOBILE Erziehungsberatung und der Stiftung Suchthilfe St. Gallen. Ab 2011 entfällt die Anschubfinanzierung durch Integrationsfördermittel des Bundes und des Kantons St. Gallen. Aufgrund des bisherigen Projekterfolges unterstützt uns der Kanton St. Gallen aber weiterhin mit finanziellen Mitteln: Drei Pilotgemeinden/ Regionen gilt es für eine dreijährige Projektumsetzung zu gewinnen.

Moderatorinnen der «FemmesTISCHE» zusammen mit der Standortleiterin Ellen Glatzl (hintere Reihe, 3. v.r.)

Bildungsveranstaltungen Die Fachstelle «Gesundheit und Integration» engagierte sich mit eigenen Veranstaltungen und im Rahmen von Lehrgängen. Beispiele: Weiterbildung Notfallpflege am Kantonsspital St. Gallen; Höhere Fachschule für Pflege, St. Gallen; Fachtagung «Frühe Hilfen», Rorschach; Weiterbildung «Transkulturelle Kompetenzen» für Mütter-Väter-Beraterinnen des Kantons St. Gallen, Jona. Das Fachwissen der Fachstelle im Bereich transkulturelle Prävention, interkulturelle Vermittlung und ihre grosse Erfahrung im Zugang zu schwer erreichbaren Zielgruppen ist gefragt. Das zeigen die zahlreichen Anfragen von Ärzten und Sozialdiensten für Kontaktvermittlungen. So konnte auch ein Projekt der freischaffenden Hebammen zur Verbesserung des Zugangs zu Frauen mit MigrationshinterText: Thomas Knäple; Bild: Augustin Saleem

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grund begleitet und erfolgreich weitervermittelt werden. Die Fachstelle «Gesundheit und Integration» nahm an verschiedenen regionalen Veranstaltungen wie dem St. Galler Begegnungstag «Vielfalt gestalten», der «Pizol-Care-Tagung» und der «Denkwerkstatt Integration» teil.

Projekt zur Frühförderung in Wil Im Auftrag der Stadt Wil wurde eine Projektstudie zum Thema «Bedürfnisse von Eltern mit Migrationshintergrund im Bereich Frühförderung» durchgeführt. Der abschliessende Projektbericht fasste verschiedene Empfehlungen für die Zielgruppen der Stadt Wil zusammen, welche nun weiterverfolgt und in Teilen umgesetzt werden.

Elternbildung: «FemmesTISCHE mit Migrantinnen» 2010 wurden 124 «FemmesTISCHE» (Elternbildungsveranstaltungen) mit Migrantinnen durchgeführt und damit rund 720 Frauen erreicht. Die Gesprächsrunden fanden in den Sprachen Albanisch, Türkisch/ Kurdisch, Serbisch/Kroatisch/Bosnisch, Englisch, Französisch, Tigrinya, Tamil, Spanisch, Italienisch, Somalisch und Portugiesisch statt. Es wurden zehn spannende Weiterbildungsveranstaltungen für die Mo1/11 Nachbarn Caritas

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Caritas St. Gallen

Günstiger und gesunder Einkauf Der Caritas-Markt wurde im Jahr 2010 von der Leiterin und 34 Freiwilligen mit viel Engagement und grosser Sorgfalt betrieben. Der tägliche Umgang mit den Kunden ist eine wichtige Motivation für die Freiwilligen. Es entstehen Kontakte, die nur im Caritas-Markt gemacht werden können. Die Zahl der Kunden stieg auf 1200 an, im Laden kaufen täglich 125 Personen ein. Der Abend bot daneben Gelegenheit für neue Einblicke, interessante Kontakte und Gespräche. Projekt Caritas-Markt in Wil Seit dem Frühsommer 2010 ist ein Businessplan für einen Caritas-Markt in Wil in Ausarbeitung. Daran sind die Caritas St. Gallen und eine Projektgruppe, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der katholischen und evangelischen Kirchgemeinden Wil, des Lions Club Wil und der Stadt Wil beteiligt. Die künftige Trägerschaft ist seit Ende März über die Startfinanzierung geklärt.

Einkaufen im Caritas-Markt: gesund und günstig.

Erweiterter Nutzen der Markt-Karte Die Caritas-Markt-Karte dient Armutsbetroffenen über den Laden hinaus auch als Berechtigungskarte für die verschiedenen Abgabestellen der «Schweizer Tafel» in der Ostschweiz. Mit der Markt-Karte können die Kundinnen und Kunden der «Schweizer Tafeln» auch die im Caritas-Markt erhältlichen, verbilligten Bäderkarten (Eintritt und Vergünstigungen) erwerben.

Vreni Giger kocht: Benefizabend im Caritas-Markt Am 9. September 2010 fand zum ersten Mal eine Benefizveranstaltung zugunsten des Caritas-Marktes in St. Gallen statt. Die bekannte Küchenchefin Vreni Giger, ausgezeichnet mit 17 Gault-Millau-Punkten, kochte für alle Freiwilligen, für interessierte Personen der Kirchen- und Geschäftswelt sowie für die Spenderinnen und Spender des Caritas-Marktes St. Gallen.

Caritas-Markt – gesund! Mit dem Projekt «Caritas-Markt – gesund!» leistet die Caritas in Zusammenarbeit mit Gesundheitsförderung Schweiz einen innovativen Beitrag zur gesundheitlichen Chancengleichheit. Im Caritas-Markt St. Gallen können Armutsbetroffene frisches Gemüse und Früchte besonders günstig kaufen. Neben diesem finanziellen Anreiz für gesunde Ernährung wird auch gesunde Bewegung angeregt. Der Caritas-Markt bietet dazu preisgünstige Produkte für Kinder und ErGelungener Anlass im Caritas-Markt: Haubenköwachsene an. Das Echo ist gross. chin Vreni Giger und Geschäftsleiter Rolf Steiner.

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Engere Zusammenarbeit mit Kirchgemeinden und Gemeinden Auch in der Stadt St. Gallen fanden erste Gespräche zwischen Caritas-Markt und dem örtlichen Diakonieverantwortlichen der katholischen Kirchgemeinde statt. Sie dürfen als erste, vielversprechende Schritte zu einer intensiveren Zusammenarbeit und Partnerschaft mit Kirchgemeinden und Gemeinden gewertet werden.

Umsatzentwicklung 2006: 2007: 2008: 2009: 2010:

Fr. 318 790.05 Fr. 422 021.40 Fr. 524 429.85 Fr. 523 858.35 Fr. 513 000.00 (provisorisch)

Produktlieferanten Diese Anbieter beliefern den CaritasMarkt St. Gallen zu vorteilhaften Konditionen: Schwyter Bäckerei, St. Gallen Manor, St. Gallen Mamis Windelmarkt, Oberuzwil H. Götti AG, Registrierkassen, St. Gallen Scheco AG, Kühltruhen, Winterthur

Text: Thomas Knäple; Bilder: Augustin Saleem

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Unser grösster Sozialpartner Im Zentrum der Tätigkeit des REBAU-Marktes steht die Erhaltung hochwertiger Bauteile. Nach der professionellen Demontage werden die Bauteile gereinigt, im Bedarfsfall repariert, wieder in Stand gestellt und im REBAU-Markt verkauft. Alle Aktivitäten sind auf soziale, wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit ausgerichtet. Bauteileverkauf stabil Der Bauteileverkauf hat in diesem Jahr stagniert; dagegen konnten die Einnahmen aus Bauaufträgen gesteigert werden. Der Gesamtumsatz beläuft sich auf Fr. 350 000.

Im REBAU-Markt werden wertvolle Bauteile ausgebaut, aufbereitet und wieder verkauft.

Schwerpunkt der Projekttätigkeit des REBAU-Marktes ist das Angebot für Langzeiterwerbslose. Deutliche Akzente 2010 Im Zuge einer Gesetzesänderung im ALVG (die Teilnahme an Arbeitslosenprogrammen löst keine Rahmenfrist mehr aus) und der veränderten Situation im Migrationsbereich treten anstelle der bisherigen Lohnempfänger vermehrt und zukünftig wohl ausschliesslich Praktikantinnen und Praktikanten (ohne Lohn) in unser Programm ein. Das System «Lohn statt Fürsorge» scheint zu verschwinden. Das hat insbesondere für die Teilnehmenden einschneidende Konsequenzen: Sie generieren mit der Arbeit keinen Lohn mehr, und ihre Zeit, im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen, verText: Thomas Knäple; Bild: Caritas St. Gallen

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kürzt sich von drei Jahren auf sechs Monate. Dies verändert aber auch die Arbeitsund Betreuungssituation im REBAUMarkt grundlegend: Arbeitsanleitung und Betreuung sowie die Qualitätssicherung von Produkten und Dienstleistungen werden schwieriger. Mit der Stadt St. Gallen konnte ein Fünfjahresvertrag ausgehandelt werden. Das bringt eine finanzielle und arbeitstechnische Sicherheit sowie Konstanz in den Betrieb. Damit wird die Stadt St. Gallen zum grössten Sozialpartner der Caritas St. Gallen. Die Zusammenarbeit mit den Gemeinden der Region Rorschach/Appenzeller Vorderland/Wil entwickelt sich ebenfalls positiv.

Entwicklung der Arbeitsprogramme Im Rahmen der Neuausrichtung und des Ausbaus der qualifizierenden Arbeitsprogramme erschliesst Caritas St. Gallen konsequent sinnvolle neue Arbeitsfelder für Flüchtlinge und Langzeiterwerbslose. Ziel unserer Bemühungen im Bereich Arbeitsintegration ist es, den Teilnehmenden eine sinnvolle Tätigkeit anzubieten und ihnen die Chance zu geben, die Arbeitserfahrungen in einer Umgebung zu machen, die realitätsnah einem möglichen späteren Arbeitsplatz entspricht. Mit der Anstellung eines diplomierten Hauswartes ist es uns gelungen, innerhalb von drei Monaten Leistungsaufträge in der Gesamthöhe von Fr. 100 000 zu akquirieren. Dazu gehören die ganzjährige Betreuung einer Tiefgarage in der Stadt St. Gallen und die Hauswartung des Dekanatsflügels für die katholische Administration. Im ersten Halbjahr konnten wir insgesamt 15 Programmplätze, in der zweiten Jahreshälfte bereits deren 20 anbieten.

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«Dank dem Caritas-Markt habe ich viel Geld sparen können. Ich weiss nicht, was aus uns geworden wäre ohne diese Unterstützung!» Eliane P., alleinerziehende Mutter

Dank Ihrer Hilfe kann seine Familie günstig und gesund einkaufen

Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie armutsbetroffenen Familien den Einkauf von gesunden und ausgewogenen Lebensmitteln im Caritas-Markt. Herzlichen Dank! Benutzen Sie bitte den beigelegten Einzahlungsschein. www.caritas-stgallen.ch/caritasmarkt

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Günstiger einkaufen geht nicht.

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Caritas-Netz

Die Caritas-Märkte sind nicht gratis Im Caritas-Markt erhalten Armutsbetroffene Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs zu Tiefstpreisen. Ein Teil der Artikel wird durch Warenspenden und Unterstützungsbeiträge finanziert. Für den anderen Teil kommen die regionalen Caritas-Stellen auf. Mit schweizweit 20 Einkaufsläden für Armutsbetroffene ist der Caritas-Markt ein wichtiges und gut abgestütztes Angebot der Armutsprävention in unserem Land. Dass dieses Angebot einem starken Bedürfnis entspricht, zeigen die neusten Zahlen der Genossenschaft Caritas-Markt, des zentralen Warenbewirtschafters aller CaritasMärkte. Mit einem Jahresumsatz von acht Millionen Franken wurde 2010 ein neuer Höchststand erreicht. Das Vorjahres-Rekordergebnis ist nochmals um 800 000 Franken übertroffen worden. Die Frequenzen in den bestehenden Läden sind bis zu 30 Prozent gestiegen, teils wurden die Öff nungszeiten angepasst und mehr Mitarbeitende engagiert. Mehr Kunden – mehr Aufwand Die grosse Nachfrage und die jährlichen Rekordumsätze sind das eine. Der damit stetig wachsende Aufwand ist das andere. Vor einigen Jahren war es für die Verantwortlichen bei der Caritas nicht vorstellbar, dass die Caritas-Märkte ein solch schnelles Wachstum erfahren würden. Jeder CaritasMarkt, der von einer regionalen CaritasStelle aufgebaut wurde, ist in die bestehenden Strukturen der Stelle eingebunden. Wachstum führt zu höherer Belastung dieser Strukturen. Mehr Personal, Vergrösserung des Angebots und der Ladenfläche sowie grössere Lager sind Stichworte dazu. Wie finanzieren? Obwohl bei praktisch allen Caritas-Märkten der Aufbau unter Einbezug von Dritten finanziert wurde, bleiben doch enorme Aufwände beim täglichen Betrieb: Raummiete, Energie und Transportkosten, aber auch höhere Personalkosten und höherer Verwaltungsaufwand. Ein Aufwand, der durch die Einnahmen oft mals nicht gedeckt werden kann. Die Caritas benötigt

Text: Adrian Wismann

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zunehmend weitere Mittel, um den Erhalt und den Ausbau des Caritas-Markt-Netzes bezahlen zu können. Grosse Investition Im Durchschnitt liegt der Eigendeckungsgrad eines Caritas-Marktes bei 80 Prozent. Eine Entwicklung, die in den letzten Monaten mit Sorge beobachtet wurde und nun konkretes Handeln erfordert. Die Caritas hält am Prinzip des Caritas-Marktes fest. Wirtschaft liche Krisen und Strukturwandel führen zu einer stetig etwas wachsenden Sockelarmut in unserem Land. Nach neusten Studien lebt jede zehnte Person in der Schweiz unter dem Existenzminimum. Am meisten betroffen sind Alleinerziehende, Familien mit mehreren Kindern, Leute in prekären Arbeitsverhältnissen und Langzeiterwerbslose. Das Bedürfnis nach finanzieller Entlastung der Betroffenen wird in den nächsten Jahren immer grösser werden. Spardruck bei Kantonen und Gemeinden wird die Situation noch verschärfen. Unser Beitrag – Ihr Beitrag Bis 2020 will die Caritas die Anzahl der Caritas-Märkte auf 30 erhöhen. Das ist eine Verdoppelung zum Stand von 2007. Die Caritas bietet dazu ihr Wissen, die eingespielte Logistik und das notwendige Fachund Führungspersonal. Was oft fehlt, sind günstige und zentrale Verkaufslokale, Beiträge an die Infrastruktur der Läden (von der Kühltruhe bis zur Kasse) und vor allem finanzielle Unterstützung für den Betrieb. Jeder Beitrag ist willkommen, unabhängig von der Höhe.

Eine Erfolgsgeschichte 1992: Caritas Basel eröffnet den ersten Caritas-Markt (damals Carisatt). 1994: Es bestehen vier Caritas-Märkte: Basel, Luzern, St. Gallen und Bern. 1998: Die zentrale Stelle für die Warenakquisition in Littau LU nimmt ihren Betrieb auf. 2000: In Genf und Lausanne werden die ersten Läden der Westschweiz eröffnet. 2001: Ein weiterer Laden in Winterthur entsteht. 2003: Der Caritas-Markt in Weinfelden wurde als erster nicht städtischer Laden eröffnet. 2005: Caritas-Märkte in Morges, Thun und Vevey werden eingeweiht. 2006: Die Caritas-Märkte in Chur und Zürich-Oerlikon feiern Eröffnung. Der Laden in Bern zieht in ein grösseres Lokal um. 2007: In Genf wird ein zweiter und in Yverdon ein neuer Laden eröffnet. Der Laden in Winterthur zieht um. 2008: La Chaux-de-Fonds und Renens erhalten ebenfalls einen Caritas-Markt. 2011: Mit der Neueröffnung in Baar existieren 20 Caritas-Märkte in der Schweiz. 2011: Im Spätherbst soll in Baden ein Caritas-Markt seine Tore öffnen.

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Selber etwas bewegen und Spass haben Das Wort erteilt! youngCaritas ist der Jugendbereich der Caritas Schweiz: eine Plattform zu sozialen Themen, ein Treffpunkt und Netzwerk von Interessierten, die etwas bewegen wollen.

Cistunac, das internationale Sommercamp, Teilnehmende des youngCaritas-Awards 2010.

youngCaritas ist eine wachsende Gruppe von jungen Menschen, die zumindest einen kleinen Teil dieser Welt positiv verändern wollen. Die Mitglieder sind rund 500 sogenannte Solidaritäterinnen und Solidaritäter, die sich freiwillig engagieren. Sie profitieren von ihrem Einsatz ganz direkt, indem sie zusammen mit Gleichgesinnten etwas erleben, Neues kennen lernen und Spass haben. «Uns ist wichtig, dass wir lustvoll Gutes tun können», erklärt Andriu Deflorin von youngCaritas, «Solidaritäterinnen und Solidaritäter sind junge, engagierte und aufgestellte Leute, die sich für soziale Fragen interessieren und selber etwas bewegen möchten.» Solidaritäterinnen, Solidaritäter wollen etwas Konkretes tun, nicht Geld spenden. Und da gibt es ganz verschiedene Möglichkeiten: zum Beispiel einen Freiwilligeneinsatz bei einem Bergbauern, mithelfen bei einer youngCaritas-Aktion oder selber ein soziales Projekt aufziehen. Solche Projekte haben oft das Ziel, Geld zu sammeln für die

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Hilfe in Katastrophengebieten oder Drittweltländern. Vom Kuchenverkauf mit einer Pfadigruppe bis zur mehrmonatigen Velotour nach Äthiopien, bei der jeder Kilometer Geld für ein Caritas-Projekt brachte, hat Andriu Deflorin schon alles betreut: «Viele kommen mit einer Idee zu uns, wir beraten sie und helfen ihnen bei der Durchführung des Projektes. Aber wir haben auch bereits ausgearbeitete Lösungen wie die Aktion ‹Faire Mensa›, bei der sich Schulklassen einsetzen können für faires Essen in ihrer Mensa.» Das beste Projekt wird einmal pro Jahr mit dem youngCaritas-Award ausgezeichnet, bei dem es eine Reise in ein Projektgebiet der Caritas zu gewinnen gibt.

Armutsbetroffene erzählen aus ihrem Leben. In einem Heft sind die berührenden Texte erschienen. Niemand weiss über die Lebensumstände der Armutsbetroffenen besser Bescheid als sie selbst. Das Projekt «wir sind arm» der Caritas Zürich erteilt ihnen das Wort, lässt sie berichten und schafft so einen direkten Zugang zur Öffentlichkeit: mit einer Schreibwerkstatt für Armutsbetroffene, geleitet von der Schriftstellerin Tanja Kummer. Die Schreibwerkstatt lud Menschen, die nicht ohne finanzielle Hilfe über die Runde kommen, dazu ein, selber zu erzählen: Welche Umstände haben sie in ihre derzeitig prekäre Lage geführt? Welche Wünsche bleiben unerfüllt und was belastet im Alltag besonders? An zwei Kursen in Luzern und Zürich sind sehr persönliche Episoden entstanden: kurze und gekonnt erzählte Passagen aus dem Leben der Teilnehmenden. Die berührenden Texte sind in einem 28 Seiten starken Heft mit zahlreichen Bildern und Illustrationen zusammengefasst. Das Heft kann online durchgeblättert und gratis bestellt werden. www.caritas-zuerich.ch/publikationen

Solidaritäter/in wird man ganz einfach und kostenlos auf www.youngcaritas.ch.

Texte: Adrian Wismann, Andrea Keller; Bilder: Benjamin Bühler, Ariel Leuenberger

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Persönlich

Bänz Friedli 1965 in Bern geboren, teilt sich die Hausarbeit seit der Geburt der Kinder mit seiner Frau. Über seine Erlebnisse als Hausmann schreibt er eine Kolumne im Migros-Magazin und Bücher, zudem ist er als freier Autor für verschiedene Medien tätig. www.derhausmann.ch

«Hier reden wir ja nie über Geld» Was würden Ihre Nachbarn über Sie sagen? Dass man mich häufig in der

Waschküche antrifft und meist kaum um einen Schwatz mit mir herumkommt. Das Hausfrauendasein hat auch etwas Zurückgezogenes im Vergleich zu einem Bürojob, und daraus hat sich wohl mein Bedürfnis zu diesen kleinen Alltagsgesprächen ergeben, die mir heute sehr wichtig sind. Wann sind Sie glücklich? Wenn man

das Glück beschreiben will, verflüchtigt es sich. Man kann es nicht festhalten. Ich glaube aber, es sind vor allem Momente mit meiner Familie, in denen ich sehr glücklich bin. Es heisst ja, Kinder fühlten sich bei den Eltern geborgen, aber umgekehrt ist es fast noch stärker. Ein solches Gefühl der Geborgenheit hatte ich nie, ehe ich Vater wurde.

Wie haben Sie das letzte Mal jemandem geholfen? Neulich mit einer Ein-

zahlung für die notleidenden Menschen in Pakistan. Es tut mir weh, diese Bilder zu sehen, und ich danke dem Herrgott, dass wir es hier so gut haben. Das sollten wir zu schätzen wissen. Bild: zvg

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Warum braucht es Caritas? Zum Auf-

merksammachen auf die Armut in der Schweiz. Hier reden wir ja nie über Geld, das fiel mir in Amerika auf. Dort weiss jeder vom anderen, was der verdient. Man zeigt, dass man arm ist oder reich. Aber bei uns ist alles verhalten, verschämt, sodass sich auch die Armut kaum zeigt. Sie sieht manchmal gar niedlich aus: Im Emmental erlebte ich eine alleinerziehende Mutter in ihrem Häuschen, daneben grasten Schafe, das reinste Idyll! Ich musste zwei-, dreimal hinsehen, um zu merken, wie arm sie ist. Gut deshalb, dass Caritas der Armut auch bei uns ein Gesicht gibt, eine Stimme. Was stimmt Sie zuversichtlich? Die

«heutige Jugend», die überall verteufelt wird. Ich sehe und treffe so viele coole Jugendliche, seien das Promis wie Ariella Käslin oder Steff la Cheffe oder ganz normale Pfadileiter, Fussballtrainerinnen und so weiter. Menschen, die ihre Freizeit hergeben, die engagiert und kritisch sind, etwas bewegen wollen. Sie stimmen mich extrem zuversichtlich.

Woher stammen Ihre Werte? Vermut-

lich aus meinem Elternhaus, denn selbst wenn man die Umkehrung elterlicher Werte lebt, kommen sie ja von dort. Zum Beispiel die Rollenteilung bei uns: Ich bin meist zuhause, und meine Frau arbeitet. Als Vater habe ich zudem den Bünzli in mir entdeckt. Ich predige dieselben Dinge, mit denen meine Eltern mich als Kind nervten, hege Geranien in Eternitkistchen auf dem Balkon, trage «Birkenstöcke». Es war für mich jedoch befreiend, zu merken: Ich bin uncool – na und? Welche Sünde begehen Sie mit Freude? Fast alle Sünden. Ich hab mir

aber Sünden angewöhnt, die mir guttun, im Gegensatz zu früher. Rauchen tu ich nicht mehr, weil es eben keine Freude macht. Dafür leiste ich mir zum Beispiel sündhaft teuren Bio-Grüntee und geniesse ihn jeden Tag.

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Kiosk Zertifikatslehrgang Diakonie-Animation FH St. Gallen

Diverses

Neue Regionalstelle Caritas St. Gallen Im April eröffnen wir die regionale Caritas-Stelle Sargans für die Region Werdenberg-Sarganserland mit dem Arbeitsschwerpunkt Sozial- und Schuldenberatung. Samstag, 28. Mai 2011 Tag der offenen Tür

In der heutigen Kirchenrealität spielt das soziale Engagement eine wichtige Rolle. Dieses Engagement wird Diakonie genannt und gehört genauso zum Kirche-Sein wie Gottesdienst und Religionsunterricht. Das diakonische Engagement ergänzt die andern sozialen Tätigkeiten von Fach- und Sozialberatungsstellen in der Gemeinde oder Region. Ein wichtiger Bestandteil der diakonischen Arbeit sind die Freiwilligenprojekte. Dabei werden Ressourcen genutzt und weitergegeben. Die Chance von Freiwilligenprojekten liegt darin, dass sie Menschen in sozial schwierigen Situationen im Gegensatz zu professionellen Stellen vermehrt Alltagsunterstützung bieten können. Das Prinzip der Freiwilligenarbeit ist so einfach wie überzeugend: Die Profis geben das Know-how, die Freiwilligen ergänzen es durch mehr Zeit. Diakonie-Animatoren bzw. Diakonie-Animatorinnen wecken in Kirchgemeinden neues Engagement in aktuellen Themenfeldern wie Armut, Migration/Fremdenangst, Erwerbslosigkeit, Isolation, Integration oder Krisenbewältigung und sie begleiten, wo nötig, die bereits bestehenden Gruppen. So entstehen neue Freiwilligenprojekte. Die drängenden Probleme im Gemeinwesen werden aufgegriffen, vernetzt angegangen und Lösungen zugeführt. Bestehende Projekte und die dabei nötige Begleitung von Freiwilligen erhalten neue Impulse, Konstanz und Halt. Der Lehrgang verbindet diese aktuellen Herausforderungen direkt mit Methoden der Gemeinwesenarbeit wie Sozialraumanalyse, Projektmanagement, Empowerment usw. Er orientiert sich am Arbeitsfeld der Teilnehmenden und ermöglicht ihnen die Erweiterung von Wissen und das Erlernen von Schlüsselkompetenzen, die in einem eigenen Projekt erprobt werden. Start: Ort: Leitung:

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6. September 2011 (bis 31. Januar 2013) Fachhochschule St. Gallen in Rorschach Niklaus Bayer, Caritas St. Gallen Marlise Schiltknecht, Beauftragte für Diakonie der evangelischreformierten Kirche des Kantons St. Gallen

Begegnungstag Die vielfältige Stadt St. Gallen lädt wieder an den Begegnungstag beim Marktplatz ein. Mit Kulinarium, Kulturund Konzertbühne, Informationsständen, Weltmarkt und diversen Forumsveranstaltungen wird dieser bunte Tag gestaltet – besuchen Sie uns am Stand der Caritas St. Gallen. Samstag, 28. Mai 2011 Marktplatz St. Gallen

Werden Sie Mentor/in Mentoren sind Wegbegleiter, Vertraute und Mutmacher anerkannter Flüchtlinge und Langzeiterwerbsloser auf der Suche nach einem Praktikum und einer Arbeitsstelle. Sie helfen beim Entwickeln von neuen Bewerbungsstrategien, beraten beim Schreiben der Dossiers oder sind manchmal einfach Zuhörer/in. Für diese Aufgabe bietet die Caritas St. Gallen nebst einer Einführung in die Aufgaben auch individuelle Begleitung sowie die Möglichkeit, sich laufend in das Thema einzuarbeiten. Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann melden Sie sich bei: Veronika Longatti Telefon: 071 220 82 15 E-Mail: v.longatti@caritas-stgallen.ch

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Gedankenstrich

Tanja Kummer

Der Welten Lohn «Und was ist der Dank?» Die Stimme der Mutter überschlägt sich. Die Tochter hält den Hörer weiter weg vom Ohr. «Nichts! Kein Wort hat die dumme Geiss gesagt!» Die Tochter schweigt. «Warum sagst du nichts?», fragt die Mutter, «es ist doch eine Frechheit, oder findest du nicht?» Bis jetzt fand es die Tochter gut. Gut, dass die Mutter im Dorf so engagiert war. Sie war viel zu rüstig zum Sesselsitzen, Stricken oder Fernsehschlafen. Nach dem Tod ihres Mannes begann sie damit, die Dorfbewohner für Freiwilligenarbeit zu mobilisieren. Zuerst gab es Mittagstische für Kinder, dann auch für Senioren, Mutter kochte für alle, bis sich die Leute selber organisierten. Es folgten Fahrservice, Einkaufshilfen im Alltag, der Dorfverein wurde mit ehrenamtlich arbeitenden Jugendlichen aufgefrischt. Wenn die Tochter selten im Dorf ist, hört sie an allen Ecken von ihrer Mutter, die Bewunderung grenzt an Ehrfurcht: «Was deine Mutter alles macht! Ein Wunder, dass ihr grosses Herz überhaupt in ihren Brustkorb passt!» Illustration: Mark Sasvary; Bild: zvg

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Die Mutter verwirklichte sich auch in der Überbauung, in der sie wohnt, drei Wohnblöcke à sechs Partien. Nun sorgen alle füreinander: die Mittelalten für die Jungen, die Jungen für ihre Eltern, die Eltern für die Alten, die Alten für die Kinder. Während ihrer kurzen Telefonate erzählt die Mutter der Tochter, wer gerade wo im Einsatz ist. Sie ist zur Dirigentin eines Freiwilligenorchesters geworden. «Bist du noch da, hallo!», ruft die Mutter in den Hörer. Sie ist empört. Frau Müller ist weggezogen und hat sich nicht verabschiedet. Dabei erzählte sie den Kindern freiwillig Märchen und hat mehrmals betont, dass sie das gerne tut. Zum ersten Mal merkt die Tochter, dass die Mutter etwas für ihren Einsatz erwartet. Ein Lächeln vielleicht, Dankesworte oder ein Händedruck, die Tochter weiss es nicht, sie hatten sich in den letzten Jahren nie ausführlich miteinander unterhalten, die Mutter hat wenig Zeit. «Ja, ich bin noch da», sagt die Tochter, «und jetzt möchte ich dir helfen.»

Tanja Kummer ist Schriftstellerin. Ihr Erzählband «Wäre doch gelacht» und andere Bücher sind im Zytglogge-Verlag erschienen. 2010 leitete die Autorin die Schreibwerkstatt «wir sind arm» der Caritas. Die so entstandenen Texte können Sie nachlesen auf www.wir-sind-arm.ch (siehe auch Seite 20).

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