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Mediendienst 1 23. Januar 2014

Wohnen geht uns alle an

Armut bek辰mpfen mit kluger Wohnpolitik Iwona Swietlik

Der Mediendienst der Caritas Schweiz ist ein Angebot mit Hintergrundtexten zur freien Verwendung. F端r R端ckfragen stehen die Autorinnen und Autoren gerne zur Verf端gung.


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Wohnen geht uns alle an

Armut bekämpfen mit kluger Wohnpolitik Die aktuellen Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt treffen einkommensschwache Menschen am stärksten. Ihre Belastung durch steigende Wohnkosten kann dazu führen, dass die Befriedigung anderer Grundbedürfnisse bedroht ist und Sozialhilfe in Anspruch genommen werden muss. Auch deswegen ist Wohnen bei weitem kein individuelles Problem. In den vergangenen Jahren wurde in der Schweiz sehr viel neuer Wohnraum geschaffen. 2011 ist der Wohnungsbestand um gut 48 000 Wohnungen gestiegen, für das Jahr 2013 wird ein Reinzugang von 49 000 erwartet. Dennoch haben immer mehr Menschen Mühe, geeignete und bezahlbare Wohnungen zu finden. Denn investiert wird vor allem in Wohnraum, der eine hohe Rendite abwirft − für vermögende Kundschaft also. Trotz hoher Bautätigkeit absorbiert der Markt die erstellten Wohnungen mühelos, sodass in den gefragten fünf Grosszentren Zürich, Bern, Basel, Lausanne und Genf, aber auch in kleinen und mittelgrossen Zentren, die Situation, besonders für Einkommensschwache, sehr angespannt bleibt. Dies dürfte sich nicht so schnell ändern, zumindest solange der Wohnungsbau für mittlere und untere Einkommen den privaten Investoren als zu wenig renditeträchtig erscheint.

Mietkosten bestimmen in hohem Mass, ob jemand in Armut gerät Im Durchschnitt gibt ein Schweizer Haushalt etwa 20 Prozent seines Einkommens für die Miete aus. Doch je tiefer das Einkommen ist, desto höher ist der Mietanteil. Das Bundesamt für Wohnungswesen konstatiert, dass wirtschaftlich Schwächere zunehmend mehr für ihr Wohnen ausgeben: Die Haushalte mit Mietbelastungen zwischen 25 und 35 Prozent haben insgesamt zugenommen. Gerade das knappe Budget von unteren Einkommensschichten wird durch hohe Mieten überdurchschnittlich belastet. Eine interne Auswertung der Budgets von Klienten und Klientinnen der Caritas Zürich zeigt, dass 67 Prozent die empfohlene Grenze von etwa einem Drittel des Budgets teils massiv überschreiten. Die Mietkosten bestimmen aber in hohem Mass, ob jemand in Armut gerät. Denn die übermässige Belastung durch Wohnkosten kann dazu führen, dass die Befriedigung anderer Grundbedürfnisse bedroht ist und Sozialhilfe in Anspruch genommen werden muss. Auch deswegen ist Wohnen bei weitem kein individuelles Problem.

Wichtige Rolle der Wohnpolitik in der Armutsprävention Unterversorgung mit qualitativ akzeptablem Wohnraum ist eine Erscheinungsform der Armut, bedeutet ständiges Rechnen, führt zu Einschränkungen im täglichen Leben und dazu, gesellschaftlich nicht teilhaben zu können. Enge oder schlechte Wohnverhältnisse verursachen Stress und können bestehende Belastungen verschärfen. Deswegen kommt der Wohnpolitik eine wichtige Rolle in der Armutsprävention zu. Um akzeptablen Wohnraum für alle zu sichern, sind verschiedene Massnahmen auf allen Ebenen der öffentlichen

Caritas Schweiz, Mediendienst 1, 23. Januar 2014


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Hand, der Zivilgesellschaft und der Privatwirtschaft notwendig. Besondere Aufmerksamkeit muss dem Zugang zu geeignetem Wohnraum für benachteiligte Gruppen gewidmet werden.

Caritas Schweiz empfiehlt: 

Eine aktive Boden- und Raumpolitik von Bund, Kantonen und Gemeinden -

Steuerpolitische Massnahmen und Finanztransfers -

Einführung von Zonen mit Quoten für preisgünstigen Wohnungsbau. Vorkaufsrechte der Gemeinden bei Neueinzonungen von Bauland Verkauf beziehungsweise Vergabe des Baulands der öffentlichen Hand und der Baukredite an gemeinnützige Wohnbauträger Vorgaben für eine bessere Ausnutzungsziffer

Steuerliche Anreize Investitionen in günstigen Wohnungsbau Entlastung von Gemeinden mit hohen Sozialhilfequoten durch eine Korrektur des Finanztransfers (inter- und innerkantonal)

Wohnungspolitik als Sozial- und Armutspräventionspolitik -

Ausweitung des Stadt- und Quartierentwicklungsprogramms «Projets urbains» des Bundes unter Einbezug aller wichtigen Akteure Förderung kommunaler Quartierentwicklung im Sinne nachhaltiger Sozialraumgestaltung Finanzielle Anreize für gemeinnützige Wohnbauträger

Iwona Swietlik, Herausgeberin Sozialalmanach, Leiterin Fachstelle Bildung, Telefon 041 419 22 41, iswietlik@caritas.ch

Am Freitag, 24. Januar 2014, findet in Bern das Caritas-Forum zum Thema „Wohnen“ statt (www.caritas.ch/forum/d) Ebenfalls dem Thema Wohnen gewidmet ist der Schwerpunkt des kürzlich erschienenen Sozialalmanachs 2014 der Caritas (www.caritas.ch/sozialalmanach)

Caritas Schweiz, Mediendienst 1, 23. Januar 2014


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