Page 1

Magazin für Patienten, Mitarbeiter und Partner der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Duisburg

Mehrwert-Reha in Duisburg BGU übernimmt das B.O.R-Reha-Zentrum | Seite 04 / 05

Klinik für Schmerzmedizin

Neue Klinik-Seelsorgerin

Schach dem Schmerz

„Wichtig ist, was die Menschen beschäftigt“

Seite 11

Seite 18

Ausgabe 01 | 2013


02 | Anzeige

BGU DIALOG | 01/13


03 | Vorwort | Inhaltsverzeichnis

BGU DIALOG 01 | 2013 Vorwort

Liebe Leserinnen, liebe Leser, die gute Zusammenarbeit der BGU Duisburg mit dem Zentrum für Berufsorientierte Rehabilitation (B.O.R) wird auf besondere Weise weiter gefestigt. Nach Jahren erfolgreicher Kooperation ist die B.O.R GmbH durch Übernahme nun ein fester Bestandteil unseres Hauses. Im Bereich der „berufsorientierten Rehabilitation“ können wir uns noch gezielter positionieren. „Zertifizierung“ und „leistungsstark“ sind die Stichworte der weiteren Themen in dieser Ausgabe. Qualität wird in der BGU nicht nur groß geschrieben, sondern auch mit Prädikaten versehen. So wurde unsere Klinik für Schmerzmedizin nach Certkom zertifiziert und unsere

4

8

10

12

14

17 19

18 BGU DIALOG | 01/13

Klinikküche erhielt gleich drei Zertifikate. Für die Überwachung der Hygiene sind ab sofort unsere neuen Hygienebeauftragten zuständig. Außerdem berichten wir über die Erfolgsgeschichte unserer Klinik für Handchirurgie, Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte, die in diesem Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum feiert. Anlässlich dieses Jubiläums stellen wir Ihnen unseren neuen Chefarzt, Herrn Prof. Dr. Heinz-Herbert Homann, vor, der mit Herrn Dr. Franz Jostkleigrewe die Abteilung gemeinsam leitet. Wir wünschen viel Freude beim Lesen. Ihre Redaktion der BGU DIALOG

Inhaltsverzeichnis 03

...........................................................................

Vorwort

04 - 05

...........................................................................

Dank „Mehrwert-Reha“ zurück im Job

06 - 07

...........................................................................

Vorschau | Rückschau

08 - 09

...........................................................................

Qualität hat viele Gesichter!

10

...........................................................................

Zertifizierung Küche – Wir sind ausgezeichnet!

11

...........................................................................

Schach dem Schmerz

12

...........................................................................

Die Kunst der Wiederherstellung

13

...........................................................................

„Das Know How noch gezielter einsetzen”

14

...........................................................................

Wenn der MSV-Heimspielmann kommt

15

...........................................................................

Hygiene verbessern

16

...........................................................................

In Kürze heißt es in der BGU: Willkommen im neuen Bistro!

17

...........................................................................

Gelähmt und 80 km/h schnell

18

...........................................................................

„Wichtig ist, was die Menschen beschäftigt”

19

...........................................................................

Giftstachel der Nation


04 | Dank „Mehrwert-Reha“ zurück im Job

B.O.R-Modul Dachdecker

Dank „Mehrwert-Reha“ zurück im Job Berufsorientierte Rehabilitation im B.O.R.-Reha-Zentrum ... ein Unternehmen der BG Unfallklinik Duisburg! Patienten sowie deren Heilungs- und Therapieverläufe sind wie Fingerabdrücke – sie sind sehr individuell und nahezu immer einmalig; dies gilt gerade nach komplexen Unfallverletzungen. Der Erfolg einer Rehabilitation hängt demnach entscheidend davon ab, ob sie patientenspezifische Gegebenheiten und Erfordernisse angemessen berücksichtigt. Zwar werden häufig Therapiepläne mit individueller Ausrichtung verordnet und auch durchgeführt, berufsbezogene Bewegungsabläufe werden in der Regel jedoch nicht in die Reha-Planung einbezogen und daher auch nicht entsprechend trainiert. Eine hohe Erfolgsquote für die berufliche und soziale Integration ist aber nur garantiert,

wenn neben Bewegungsabläufen des täglichen Lebens auch berufsspezifische Belastungen berücksichtigt werden. Hierfür werden spezielle Trainings- und Betreuungsmöglichkeiten benötigt, da solche Abläufe in der Regel nicht mit den üblicherweise vorhandenen Geräten, Einrichtungen und sonstigen Gegebenheiten trainiert werden können. Gängige Verfahren oft ohne berufliche Reintegration In der Realität gelingt es daher leider bei vielen Heilverläufen und -behandlungen – gerade bei orthopädisch- und unfallchirurgischen Krankheitsbildern – nicht, den Patienten in seine berufliche Tätigkeit zu reintegrieren. Dadurch bedingte, überdurchschnittlich lange Arbeitsunfähigkeitsphasen bedeuten hohe Kosten für die UV Träger. Aber auch ein verfrühter Versuch der Wiedereingliederung ins Berufsleben kann fehlschlagen; zudem birgt er die Gefahr einer neuerlichen Verletzung und damit unter Umständen den Verlust des Arbeitsplatzes. Statistische Zahlen belegen, dass nur circa 50 Prozent aller behandelten Patienten ohne Probleme und innerhalb eines vertretbaren

Zeitraums in ihren zuletzt ausgeübten Beruf zurückkehren können. Aus dieser Erkenntnis heraus hatte die BG Unfallklinik Duisburg zusammen mit dem damaligen Kooperationspartner eine Einrichtung geschaffen, die insbesondere in Bezug auf ihre Größenordnung in Deutschland einmalig ist: das B.O.R-Reha-Zentrum. Hier können im Rahmen der sogenannten „Berufsorientierten Rehabilitation“ berufsbezogene Bewegungsabläufe nahezu 100-prozentig realitätsgetreu analysiert und individuell trainiert werden. Vorzeigemodell Am 1. April 2013 wurde das B.O.R-RehaZentrum in Duisburg-Walsum von der BG Unfallklinik Duisburg übernommen. Im Jahresbericht des KUV (Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherungsträger) wird über das B.O.R-Reha-Zentrum wie folgt berichtet: „Das Vorzeigemodell der berufsorientierten Reha in Deutschland ist und bleibt das B.O.R-Reha-Zentrum der BG Unfallklinik Duisburg. Nirgends sonst werden so viele realitätsgetreue Trainingsmöglichkeiten für den Wiedereinstieg in den Job geboten“.

MTT-Bereich

BGU DIALOG | 01/13


05 | Dank „Mehrwert-Reha“ zurück im Job

B.O.R-Modul Trockenbauer

Modulares System auf 2.800 qm Hier stehen dem Verunfallten eine Vielzahl von Simulationsmodulen an realitätsnahen Arbeitsplätzen zur Verfügung: wie etwa das Lkw-Modul oder das Übungsdach, sowie diverse Module aus den Bereichen Industrie und Handwerk. Hier zum Beispiel können Maler, Lackierer, Fliesenleger, Elektriker, Gasund Wasserinstallateure, Schreiner sowie Lager- oder Logistikarbeiter ihre berufstypischen Tätigkeiten trainieren. Weiterhin gibt es spezielle Module aus dem Baugewerbe, mit deren Hilfe die Bauhelfer, Maurer, Trockenbauer, Pflasterer und Gerüstbauer üben können. Aber auch für Büroangestellte, Raumpfleger, Garten- und Landschaftsbauer sowie sonstige Berufe gibt es in diesem modularen System eine berufsspezifische Übungs- und Trainingsmöglichkeit, die ständig ausgeweitet wird. Darüber hinaus lässt sich das im Laufe des Trainings wachsende Leistungsvermögen objektiv messen. Zudem werden bestehende Bewegungseinschränkungen und muskuläre Schwächen durch gezielte und ergänzende Maßnahmen – etwa mit Krankengymnastik, physikalischer Therapie oder medizinischer Trainingstherapie – behandelt, sodass die hier erzielten Erfolge umgehend in das berufsbezogene Programm integriert werden können. Zusätzliche Kooperationspartner, wie zum Beispiel das BGU DIALOG | 01/13

„Bildungszentrum des Bauhandwerks“ sowie diverse Unternehmen aus dem produzierenden und dem logistischen Gewerbe, ergänzen das praxisbezogene Angebot. Patientenprofil und Therapieformen Das Konzept wurde vorrangig für Patienten mit orthopädisch–chirurgischen oder unfallchirurgischen Krankheitsbildern entwickelt. Als Reha-Maßnahme baut die Therapieform 1 „BOR“ Berufsorientierte Rehabilitation auf der Erweiterten Ambulanten Physiotherapie auf. Mit speziellen berufsorientierten Trainings macht es sie praktisch zur „EAP-plus“. Die Verordnung einer BOR ist ergebnisoffen, also unabhängig von der weiteren Heilverfahrensdauer. Die Therapieform 2 „ABMR“, die Muskuloskeletale Rehabilitation integriert ebenfalls arbeitsrelevante Aktivitäten in die Therapie, ist aber kein offenes Verfahren. Der Patient muss vier Wochen nach Beginn der Maßnahme wieder arbeitsfähig sein. Bei körperlich schwer arbeitenden Menschen können diese Maßnahme sehr gut im Anschluss an eine BGSW- oder eine KSRMaßnahme eingesetzt werden. Vor Beginn der Maßnahme wird der Patient in einer Sprechstunde Fachärzten der BG Unfallklinik vorgestellt und untersucht. Im Rahmen dieser medizinischen Untersuchung wird festgestellt, ob mit dem derzeitigen

Stand des Heilungsprozesses eine erfolgreiche Rehabilitation überhaupt möglich ist. Oft stellt sich heraus, dass zuvor eine weitere Operation erforderlich ist. Diese Maßnahme kann dann direkt aus dem B.O.R.-Zentrum geplant und terminiert werden, denn die Sprechstunde vor Ort ist datentechnisch mit der Klinik vernetzt. Recht auf Arbeit Mit der Integration der berufsorientierten Rehabilitation in das bisherige Reha-Konzept schließt die BG Unfallklinik die Behandlungskette und folgt damit dem Leitsatz „Alles aus einer Hand“. Es geht dabei nicht nur um das höchste Gut des Menschen – seine Gesundheit –, sondern auch um die zielgerichtete Reintegration ins Berufsleben. So können heute bereits über 70 Prozent der so behandelten Patienten ihr verfassungsrechtlich verbürgtes Recht auf Arbeit wieder ausüben.

Kurz notiert B.O.R GmbH Heerstraße 21 · 47178 Duisburg Tel: +49 203 5 44 70 - 11 Fax: +49 203 5 44 70 - 44 E-Mail: info@bor-reha.de www.bor-reha.de Öffnungszeiten Mo - Fr: 8:00 - 18:00 Uhr Sa: geschlossen


06 | Vorschau | Rückschau

Vorschau ++ Rückschau ++ Vorschau ++ Rückschau ++ Vorschau Eleganter Empfang

Ergebnisse Patientenbefragung 2012

Die Damen und Herren der Patientenaufnahme wurden im April 2013 mit hochwertiger Dienstkleidung ausgestattet. Sieht sehr schick aus!

Im November 2012 wurden im Rahmen der jährlichen Patientenbefragung 310 Patientinnen und Patienten der BGU Duisburg schriftlich zu ihren Erfahrungen in der Klinik befragt. 70% der Befragten nahmen an der Befragung teil und äußerten eine hohe Zufriedenheit mit ihrem Aufenthalt in der BGU Duisburg. Wie schon in den Befragungen 2010 und 2011 sind die Ergebnisse der BGU Duisburg auch 2012 weiterhin sehr zufriedenstellend, in fast allen Bereichen schneidet die Klinik mit überdurchschnittlich guten Ergebnissen ab. Insbesondere die ärztliche und therapeutische Betreuung sowie zu den Ein ausführlicher Bericht die Verpflegung konnten gute bis nächErgebnissen folgt in der Dialog. sehr gute Ergebnisse erzielen. BGU der e gab Aus sten

Prinz Dirk II. besuchte BG Unfallklinik Duisburg 3. Interdisziplinäres Duisburger Schmerzsymposium - IDUS Am 22.6.2013 fand das 3. Duisburger Schmerzsymposium mit dem Thema „Schmerztherapie in Grenzsituationen – Limitationen und Auswege“ statt. Zumeist hängt der Erfolg einer Behandlung von chronischen Schmerzen nicht nur von den gewählten Medikamenten und Behandlungsmethoden ab. Vielmehr spielen zahlreiche andere Faktoren wie Placebo- und Nocebophänomene, die Beziehung zwischen Arzt und Patient, gegenseitige Erwartungen und Befürchtungen und mögliche Zielkonflikte eine wesentliche Rolle.

Ende des vergangenen Jahres erhielt die BG Unfallklinik Duisburg närrischen Besuch vom Duisburger Karnevalsprinzen Dirk II. und seiner Prinzencrew. Im Mittelpunkt des Besuchs stand die Luftrettung und so ließ der Prinz der Karnevalssession 2013 es sich nicht nehmen mit seinen beiden Hofmarschällen und den Funkemariechen ein Fotoshooting in der Klinik und auf dem Hubschrauberlandeplatz zu machen. Dabei entstanden tolle Bilder bei schönstem Wetter!

Darüber hinaus können Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede bestehen, die die Compliance und das Gelingen weiter erschweren. Das 3. Interdisziplinäre Duisburger Schmerzsymposium hat sich diesen oft unterschätzten "soft facts" gewidmet und näher beleuchtet, was eigentlich eine Schmerzbehandlung scheitern lässt und welche möglichen Auswege bestehen.

BGU DIALOG | 01/13


07 | Vorschau | Rückschau

Vorschau ++ Rückschau ++ Vorschau ++ Rückschau ++ Vorschau Duisburger Nachmittag

Gesundheit in Aktion – neue Kursreihe Von September bis Dezember gibt es wieder neue Kurse! Das Konzept „Gesundheit in Aktion“ ist ein Zusatzangebot der BG Unfallklinik Duisburg. Die Teilnahme an den gesundheitsfördernden Kursangeboten wird von den meisten gesetzlichen Krankenkassen unterstützt und auch zumeist bezuschusst. Das Programm bietet viel Abwechslung aus dem Bereichen Fitness, Wellness, Trendsport und Gesundheitsförderung. Den Kursplan und weitere Infos finden Sie auf unserer Homepage www.bgu-duisburg.de Unter der Telefonnummer 02 03 / 76 88 – 33 57 (Sprechzeiten Di. + Do. von 11:30 – 15:30 Uhr) werden Ihre Fragen gerne beantwortet! BG Unfallklinik Duisburg nahm Patienten vom St. Anna-Krankenhaus auf Am 9. April 2013 ist direkt am Malteser-Krankenhaus in DuisburgHuckingen eine britische Weltkriegsbombe (Fünf-Zentner-Bombe) entschärft worden. Bevor der Kampfmittelbeseitigungsdienst mit der Arbeit beginnen konnte, mussten das Krankenhaus sowie das angeschlossene Hospiz und Seniorenheim evakuiert werden. Patienten mussten verlegt werden - die BG Unfallklinik Duisburg nahm 38 Patienten des St. Anna-Krankenhauses auf. Nach 30 Minuten war die Bombe entschärft und die Patienten konnten wieder zurück gebracht werden.

BGU DIALOG | 01/13

Im dritten Jahr in Folge bietet die BG Unfallklinik Duisburg auch in 2013 wieder die Informationsveranstaltung „Duisburger Nachmittag“ an. Diese ist nicht nur an das medizinische Fachpersonal der BGU adressiert, sondern richtet sich auch an alle anderen Duisburger Vertreter der medizinischen Grundversorgung. Somit ist die Veranstaltung als quartalsmäßige Fortbildungsmöglichkeit in das Weiterbildungsprogramm der Klinik integriert und soll in kollegialen Diskussionen die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Kollegen, Physiotherapeuten und Klinikern unterstützen. Dabei geht es unter anderem um aktuelle Forschungsinhalte in einem bestimmten medizischen Fachbereich. Beim 9. Duisburger Nachmittag im Februar wurde das Thema „Pseudarthrosen“ behandelt. Die nächsten Termine stehen schon fest: 25. September 2013: Rund ums Knie 13. November 2013:

Kindertraumatologie

4. Duisburger Kindertraumatologisches Symposium Am 3. Mai fand das 4. Duisburger Kindertraumatologische Symposium mit dem Schwerpunkt „Aktuelle Strategien zur Behandlung ausgewählter Verletzungen und deren Folgezustände der unteren Extremität“ sowie mit dem gesonderten Hauptthema „Gutartige und bösartige Veränderungen des wachsenden Skeletts“ statt. Es kamen wieder viele namhafte Referenten nach Duisburg.


08 | Qualität hat viele Gesichter!

Qualität hat viele Gesichter! Die Arbeit des Qualitätsmanagements (QM) wird oft im Rahmen von Zertifizierungen sichtbar und daher gleichgesetzt. Die Vorbereitung einer Zertifizierung ist jedoch längst nicht die einzige Aufgabe des QM. Doch wer macht eigentlich QM in der BGU Duisburg?

QM-Konferenz

Die wichtigste Aufgabe des QM ist es, die Prozesse in der BGU im Sinne der Patienten, Rehabilitanden, Beschäftigten und der Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Das Steuerungsgremium des QM ist die QM-Konferenz, in der sich monatlich Vertreter aus Medizin, Pflege und Verwaltung treffen. Auch die Geschäftsführung und der Ärztliche Direktor nehmen an der QM-Konferenz teil. Hier werden die Aktivitäten geplant und gesteuert, die die Qualität in der BGU sicherstellen. Mit Qualität ist gemeint, dass die vereinbarten Anforderungen der Kunden erfüllt werden. Für den Bereich der Rehabilitation übernimmt diese Aufgabe die QMS-Reha, an der neben Ärzten und Pflegekräften auch Vertreter der Physiound Ergotherapie teilnehmen. In der QMSReha ist die Leitende Ärztin des BGZR Frau Dr. Barbara Herbst vertreten. „Die QMS-Reha

ist eine Gelegenheit, mit allen Berufsgruppen an einem Tisch gemeinsam zu entscheiden, wie wir z.B. unsere Behandlungsziele messen wollen“, erklärt Claudia Sonnleitner, die QMBeauftragte für den Reha-Bereich. Für die Umsetzung der Ziele, die in den Gremien formuliert werden, packen alle an. Getreu dem Motto „Heiter Weiter“ gilt es an die Erfolge aus 2012 anzuknüpfen. In diesem Jahr werden 12 weitere Interne Auditoren ausgebildet. Im Rahmen von Internen Audits betrachten die Auditoren gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort die Prozesse, also wer macht was wie und gibt es dafür eine gemeinsame Grundlage im jeweiligen Bereich. Mögliche Verbesserungspotenziale werden in einem Auditbericht festgehalten. Die Erfahrungen aus 2012 zeigen, dass insbesondere die kollegiale und freund-

liche Atmosphäre bei den Audits gut ankommt. „Wir können als Interne Auditoren zum einen fachübergreifend tätig sein und zum anderen zur Weiterentwicklung der BGU beitragen. Die Internen Audits verstehen wir als ein Instrument, das von Kollegen für Kollegen eingesetzt wird.“ beschreibt Edda Terwiesche, die als Mitglied der Arbeitsgruppe Internes Auditteam auch an der Planung der Audits mitwirkt. Neben den Internen Audits geht 2013 ein weiteres Erfolgsmodell in die nächste Runde: Nach der Intensivstation O&U und der Rehabilitation beteiligen sich 2013 auch der OP und die F/V am CIRS (Critical Incident Reporting System). Die CIRS-Vertrauenspersonen besprechen im Meldekreis kritische Ereignisse und suchen gemeinsam nach Lösungen.

BGU DIALOG | 01/13


09 | Qualität hat viele Gesichter!

QMS-Reha

„Durch die Aufarbeitung der kritischen Ereignisse im Rahmen von CIRS können wir aus ihnen lernen und sie zukünftig vermeiden“, so Melanie Lütticke, die mit Udo Orlowski zusammen auf der Intensivstation O&U die Vertrauenspersonen sind. Nicht nur die Beschäftigten der BGU blicken kritisch auf die Abläufe, sondern auch die Patienten. Einmal jährlich führt das QM eine Patientenbefragung durch. In den letzten Jahren hat die BGU überdurchschnittlich gut abgeschnitten. So auch im Jahr 2012. Die Patienten sind sehr zufrieden und empfehlen die BGU deutlich häufiger weiter als Patienten der Vergleichseinrichtungen. Daneben können Patienten und Rehabilitanden über Rückmeldebögen Lob und Tadel äußern. Verstecken braucht sich die BGU auch hier nicht. Knapp Dreiviertel der Rückmeldungen sind positiv. Das zeigt, dass die Patienten mit ihrem Aufenthalt in der BGU zufrieden sind. Neben der Patientenorientierung ist die Mitarbeiterorientierung ein wichtiger Bestandteil der Qualitätspolitik der BGU: Deshalb beBGU DIALOG | 01/13

schäftigen sich Kolleginnen und Kollegen in Arbeitsgruppen mit den Ergebnissen der Mitarbeiterbefragung und leiten Aktionen ab. Das QM analysiert die Befragungsergebnisse, die Audit- und Visitationsberichte sowie weitere Kennzahlen und leitet gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen Aktionen zur Verbesserung ab. Dies geschieht auch im Rahmen von Projekt- und Arbeitsgruppen, die sich aus den verschiedensten Berufsgruppen und Hierarchien zusammensetzen. Für 2013 ist die Liste der anstehenden Projekte, die im Intranet unter der Rubrik Qualitätsmanagement veröffentlicht ist, schon gut gefüllt. Die Vielfältigkeit der Projekte und Aufgaben des QMs zeigt: Zentraler Gedanke bei allen Tätigkeiten ist, alle Berufsgruppen und Hierarchien der BGU einzubinden. Das QMTeam mit Abteilungsleiterin Michaela Kindlein und den QM-Beauftragten Claudia Sonnleitner und Sarah Lambrecht organisiert und plant, aber ohne die Mithilfe aller Kolleginnen und Kollegen ist diese Arbeit nicht erfolgreich. Auch angesichts der Erfahrungen aus den

Zertifizierungen 2012 ist die Antwort auf die Frage, wer ist für die Qualität in der BGU verantwortlich? Jede und jeder!

Kurz notiert Analysen in der BGU

Analysieren

Audits,

Befragung von

Visitation, wirtschaftliche

Patienten und

Kennzahlen

Mitarbeitern

Externe und interne QS (M&M, CIRS, IQM)

Agieren Schwerpunkte von Aktionen festlegen und ressoucrenschonend initieren


10 | Zertifizierung Küche – Wir sind Augezeichnet!

Zertifizierung Küche – Wir sind ausgezeichnet!

Die Arbeit der Küche läuft auf Hochtouren, - nicht nur das zahlreiche Patienten, Mitarbeiter und Besucher verpflegt werden – die Küche stellte sich ganz neuen Herausforderungen. tentinnen, die hauswirtschaftlichen Kräfte und das Pflegepersonal auf dem Programm. Die Fortbildung dieser Berufsgruppen ist wichtig, da sie nahe am Patienten arbeiten und häufig erster Ansprechpartner in Sachen Essen sind. Jetzt können sie Patienten und Mitarbeiter über eine vollwertige Ernährung informieren und auch bei Unverträglichkeiten und Allergien eine optimale Ernährung ermöglichen. Den Patienten und Mitarbeitern stehen nach bestandener Zertifizierung alle Informationen zur Verfügung. Sowohl in den Patienteninformationsmappen als auch in der Cafeteria, im Intranet und auf dem Speiseplan finden sich Informationen zur vollwertigen Ernährung, aber auch Angaben zu Allergenen und Zusatzstoffen der angebotenen Komponenten und Speisen. Gesundes Essen ist ein wichtiger Baustein zur Genesung

Schon Anfang vergangenen Jahres wurde beschlossen, dass man sich nach den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. für eine vollwertige Verpflegung zertifizieren lassen möchte. So wurden im Rahmen einer Zertifizierung gleich drei Auszeichnungen angestrebt. Zum einen wurden die Zertifikate „Station Ernährung – vollwertige Verpflegung in Krankenhäusern und Rehakliniken“ nach den Qualitätsstandards für die Verpflegung in Krankenhäusern und Rehakliniken und zum anderen das Zertifikat „Job & Fit – mit Genuss zum Erfolg!“ nach den DGE-Qualitätsstandards für die Betriebsverpflegung erworben. Für die Küche der Unfallklinik Duisburg hieß das, Ärmel hochkrempeln, ran an die Arbeit und mit Volldampf in Richtung Zertifizierung. Seit jeher wird bei der Speisenzubereitung und Speisenbereitstellung viel Wert auf die Qualitätssicherung der bestehenden Angebote gelegt. Dieses musste sich nun einer neuen Prüfung unterziehen und konnte noch an der einen oder anderen Stelle optimiert werden. Ein wichtiger Aspekt bei der Optimierung war die Speiseplangestaltung. Den mindestens geforderten 4-Wochenrythmus

werden Sie in der BGU Duisburg nicht finden, denn hier gibt es schon seit Sommer 2010 einen 7-Wochenzyklus. Im Rahmen der Gemeinschaftsverpflegung ist dies eine Seltenheit, da ein 7-Wochenrythmus einen hohen Arbeitsaufwand verspricht und so viele Betriebe einen 4-Wochenrythmus bevorzugen.

Das BGU-Küchenteam

Die Qualität und der gute Geschmack des Essens hier in der BGU Duisburg besitzt in der Gemeinschaftsverpflegung ebenfalls Seltenheitswert. Trotzdem mussten die Zusammenstellung der Speisen, die frischen Produkte und die Zubereitungsweisen ihre Qualität unter Beweis stellen. Neben der Überarbeitung und Optimierung der Speisepläne und der Speiseherstellungen, standen auch Schulungen für die Mitarbeiterinnen der Cafeteria, für die Menüassis-

Außerdem ist jedes Menü mit den Nährwertangaben der energieliefernden Hauptnährstoffe Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate sowie dem Energiegehalt (kcal) versehen. Geschult werden mussten auch die Mitarbeiter des Küchenteams um die Anforderungen bei der Zubereitung der vollwertigen Ernährung umsetzen zu können. Ein weiterer wichtiger Aspekt vor allem beim Thema Ernährung ist die Hygiene. Auch hier wurde noch einmal der bestehende Qualitätsmanagement- und HACCP-Katalog überprüft und den Bedürfnissen angepasst. Im Rahmen dieses Artikels möchte sich die Projektleitung „Zertifizierung nach DGEQualitätsstandards“ bei allen MitarbeiterInnen bedanken, die Ihnen unterstützend zur Seite gestanden haben.

Kurz notiert Die BGU Duisburg erhielt folgende Zertifikate:

Station Ernährung – vollwertige Verpflegung in Krankenhäusern und Rehakliniken Job & Fit – mit Genuss zum Erfolg (Betriebsverpflegung) Hygiene in Krankenhausküchen

BGU DIALOG | 01/13


11 | Schach dem Schmerz

Schach dem Schmerz Dass Schmerz nicht nur eine Begleiterscheinung, sondern eine eigenständige Erkrankung sein kann, gilt heute als gesicherte Erkenntnis. An der BGU Duisburg laufen die Fäden für ein effizientes Schmerzmanagement in der „Klinik für Schmerzmedizin” zusammen. Hier leistet man gezielt Abhilfe und therapiert in Kooperation mit verschiedenen Fachabteilungen, wenn es um das Thema Schmerz geht. Für diese Leistung gab es kürzlich den „Ritterschlag” - die Zertifizierung nach Certkom. „Wir waren schon vorher stolz auf unsere hohen Standards, die Bestätigung von außen ist jetzt natürlich doppelt zufriedenstellend,” freut sich Klinik-Oberarzt Dr. Mike Papenhoff. Das Siegel „Qualifizierte Schmerztherapie” nach Certkom sei darüber hinaus auch deswegen etwas Besonderes, da hier die Schmerzbehandlung auch auf nicht-operativen Stationen zertifiziert werde. Zudem würden nicht nur Strukturen und Prozesse bewertet, sondern auch eine nachweislich hohe Zufriedenheit der Patienten über die Schmerzbehandlung verlangt. „Konkret bedeutet dies, dass bei uns ein Patient nur geringe Schmerzen erfährt und bei akutem Schmerz für rasche Linderung gesorgt wird,” konkretisiert Mechthild Ulrich. Sie ist eine von fünf Pain Nurses der Klinik für Schmerzmedizin und Koordinatorin des Pflegerischen Akutschmerzdienstes. Seit 2006 vergibt die aus der MEDICA Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Medizin, der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin und dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe bestehende „Gesellschaft für qualifizierte Schmerztherapie Certkom”, ihr Qualitätssiegel an Einrichtungen aus dem medizinischen Bereich. 68 Kliniken, Kinderkliniken und QST-Labore in Deutschland wurden bislang zertifiziert - und rezertifiziert, denn die Qualitätsprüfung wird in dreijährigem Turnus wiederholt. Interdisziplinäre Zusammenarbeit Was in Duisburg bewertet wurde, war das Ergebnis mehrjähriger harter Arbeit. Angefangen hatte alles 2010 mit einem „Arbeitskreis Schmerzmedizin”, in dem man beschloss, die auf allen Stationen vorhandenen Kompetenzen bei der Behandlung von Schmerz zu bündeln und effizienter zu machen: durch das Aufstellen von Standards und allgemein

BGU DIALOG | 01/13

verbindlichen Richtlinien, vor allem aber enger, interdisziplinären Zusammenarbeit. In den folgenden Jahren wurden die Pläne konkretisiert und sukzessive in die Praxis umgesetzt. Unter der Leitung von Professor Christoph Meier kümmert sich heute ein siebenköpfiges Team aus Ärzten, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten um die Belange der Patienten, unterstützt vom Pflegerischen Akutschmerzdienst und dem Pflegepersonal der BGU. Ein besonderer Schwerpunkt der Klinik liegt auf der Diagnostik, Therapie und Begutachtung von Nervenschmerzen, Amputationsschmerzen sowie Schmerzen nach Arbeitsunfällen und bei Berufserkrankungen. „Gerade in diesem Bereich ist eine enge Zusammenarbeit mit unserer Chirurgie und anderen Fachgebieten wie etwa der Neurologie und Psychologie von großer Bedeutung,” betont Dr. Papenhoff. Die durch die Vorbereitung auf die Zerti-

fizierung gewonnene Erkenntnisse will man nun auch für ständige interne Verbesserungen nutzen. Konkret geplant ist eine Teilnahme an QUIPS „Qualitätsverbesserung in der postoperativen Schmerztherapie”, einem multizentrischen, interdisziplinären Benchmark-Projekt zur Verbesserung der Akutschmerztherapie in operativen Zentren und Krankenhäusern. Dabei werden regelmäßig Daten erhoben, analysiert und die Auswertung an die Kliniken zurückgeschickt. Mike Papenhoff: „So können wir zum einen unsere Optimierungen bewerten, uns zum anderen aber auch mit anderen Einrichtungen messen.”


12 | Die Kunst der Wiederherstellung

Die Kunst der Wiederherstellung Menschen handhaben Maschinen, Menschen handhaben entflammbare Substanzen: es ist der Arbeitsalltag vieler. Kommt es jedoch dabei zu Unglücksfällen, sind die Folgen oft verheerend. In der Klink beginnt dann die Arbeit der Spezialisten. An der BGU Duisburg sind sie konzentriert in der HPB, der Klink für Handchirurgie, Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte.

40 Jahre HPB 40 Jahre alt wird die HPB in diesem Jahr. Aus dem Zwei-Ärzte-Betrieb, der 1973 von Dr. KarlAdolf Brandt gegründet wurde, ist inzwischen eine renommierte Klinik geworden; zertifiziert als eines von 22 europäischen HandTrauma-Zentren der Europäischen Vereinigung der Handchirurgischen Gesellschaften FESSH. 13 ärztliche Mitarbeiter sind verantwortlich für 39 Betten und eine Intensivstation mit sechs Betten für Schwerbrandverletzte, dazu kommen 20 Reha-Betten. Dr. Franz Jostkleigrewe, der seit 1986 an der BGU Duisburg tätig ist, trat zur Jahrtausendwende die Nachfolge von Dr. Karl-Adolf Brandt als Chefarzt an. Seit Beginn diesen Jahres wird er unterstützt von Professor Heinz-Herbert Homann als kooperierendem Chefarzt. Etwa 2.300 stationäre und rund 500 ambulante Operationen werden in der HPB jährlich durchgeführt; knapp 70 Prozent davon im Bereich der Handchirurgie. Das beginnt bei Eingriffen im Fall von Fehlbildungen der Hände, Diagnosen wie der DupuytrenErkrankung, bei der sich die Finger durch Gewebewucherung verkrümmen, Karpaltunnelsyndrom und „Tennis-Ellbogen”, und

endet bei der aufwendigen Versorgung von Handverletzungen aller Schwergrade, von komplexen Hautweichteil- und Knochenzerstörungen bis hin zum Verlust von Fingern und Daumen. Für letztere Fälle steht ein 24Stunden Replantationsdienst rund um die Uhr zur Verfügung, um mit Hilfe neuester mikrochirurgischer Verfahren zu retten, was zu retten ist. „Grundsätzlich gilt es, mit allen uns zur Verfügung stehenden chirurgischen Methoden die Funktionalität der verletzten und erkrankten Körperpartien wiederherzustellen und dabei auch, wenn möglich, das optische Bild wieder anzupassen,” betont Dr. Jostkleigrewe. Verfahren immer besser Im Bereich der Plastischen Chirurgie betrifft dies unter anderem Patienten, denen großflächig bösartige Knochen- und Weichteiltumore entfernt wurden sowie auch Patienten, die nach Verletzungen oder auch nach komplikationsbehafteten Operationen zum Teil sehr ausgedehnte Weichteilverletzungen haben. „Gegenüber früheren Zeiten ist die Zahl der Patienten mit Brandverletzungen

aufgrund neuer Vorschriften und Sicherheitsstandards an den Arbeitsplätzen stark zurückgegangen,” weiß Prof. Heinz-Herbert Homann. Entwarnung gibt jedoch niemand, denn die Fälle, die eingeliefert werden, sind nicht weniger gravierend. Doch dank fortgeschrittener Methodik gelingen Lebensrettung und Heilung immer besser. Durch spezielle intensivmedizinische und chirurgische Verfahren der Hauttransplantation, des künstlichen Hautersatzes oder der Kulturhauttransplantation sei es möglich, heute auch bei Verbrennungen von bis zu 80 Prozent der Körperoberfläche Patienten überleben zu lassen und wiederherzustellen, versichern die Ärzte. Ein sehr wichtiger Baustein aller Behandlungen ist auch die anschließende Rehabilitation. Unter anderem werden Physiotherapie, Sporttherapie, physikalische Therapie, Arbeits- und Beschäftigungstherapie, Ergotherapie, aber auch psychologische und schmerztherapeutische Hilfestellungen eingesetzt, um die Patienten buchstäblich wieder zurück ins Leben zu führen - und zurück in den Beruf.

BGU DIALOG | 01/13


13 | „Das Know How noch gezielter einsetzen”

„Das Know How noch gezielter einsetzen” Seit Januar 2013 bildet Prof. Dr. Heinz-Herbert Homann an der Klinik für Handchirurgie, Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte zusammen mit Dr. Franz Jostkleigrewe die "Chefarzt-Doppelspitze". An der BGU sieht er inzwischen sein optimales Arbeitsfeld. Prof. Dr. Heinz Herbert Homann Tel.: 02 03 / 76 88 - 31 16 heinz-herbert.homann@bgu-duisburg.de

Herr Prof. Homann, Sie kommen aus Gelsenkirchen und haben zuletzt in Wuppertal gearbeitet... Ich war Direktor der Klinik für Plastische und Handchirurgie, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am Helios-Klinikum Wuppertal, davor Leitender Oberarzt der Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte an den BG-Kliniken Bergmannsheil der Ruhr-Universität Bochum. Berufsgenossenschaftliche Unfallkliniken sind also kein Neuland für mich.

Was ist Ihr Spezialgebiet? Rekonstruktive Mikrochirurgie und Handchirurgie. Ich behandele Patienten mit anspruchsvollen, komplexen Verletzungen und deren Folgeerscheinungen, um die Integrität und Funktionstüchtigkeit des betroffenen Körperteils oder Körperabschnitts wiederherzustellen.

BGU DIALOG | 01/13

Sie verbringen auch viel Zeit in der Dritten Welt. In meiner Urlaubszeit operiere ich im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes der BGU und des „Hammer Forums” in einem Zentrum für Brandverletzte in Eritrea. Weitere Operationseinsätze organisiert Interplast. Zusammen mit einem Team behandele ich in verschiedenen Dritteweltländern Menschen, die an Fehlbildungen, körperlichen Defekten oder Folgen schwerer Verbrennungen leiden.

Warum der Wechsel? An der BGU Duisburg zu arbeiten reitzte mich, weil ich hier in einem größeren Umfang das Spektrum an Patienten vorfinde, das mir am liebsten ist - Versehrte und Verletzte, zu deren Heilung und Wiederherstellung ich mein ganzes Können einsetzen kann. Dazu kommt die optimale apparative Ausstattung der Klinik sowie das vorbildliche Zentrum für Rehabilitation. Beides garantiert, dass meine Arbeit eine Fortsetzung findet und im Sinne der Patienten zu einem guten Abschluss gebracht wird.

die Planung, in Zukunft auch Ästhetische Chirurgie als weiteren Schwerpunkt anzubieten. Dadurch werden wir als Ausbildungsklinik vollständiger qualifizieren; zudem gibt es Überschneidungen in den Bereichen Rekonstruktion und Ästhetik.

Was tun Sie in Ihrer Freizeit? Die Chefärzte Prof. Homann und Dr. Jostkleigrewe

Worin sehen Sie die Aufgaben der Zukunft? Darin, noch besser zu werden, und weiterhin sehr gut mit meinen Kollegen und den Vertretern der verschiedenen Fachabteilungen hier zusammenzuarbeiten. Sinnvoll finde ich

Ich bin leidenschaftlicher Läufer. Meinen ersten Marathon habe ich interessanterweise vor gut sieben Jahren hier in Duisburg gelaufen. Außerdem spiele ich gern Golf. Spaßeshalber bin ich schon gefragt worden, ob das der Grund meines Wechsels sei - der Golfplatz direkt in der Nachbarschaft.


14 | Wenn der MSV-Heimspielmann kommt

Patienten-Info Ehrenamtliche Betreuung: Karin Holdmann Tel. 02 03 / 76 88 - 26 32 oder auf Anfrage an der Information.

Wenn der MSV-Heimspielmann kommt Medizinische Versorgung, Therapie und Pflege stehen im Mittelpunkt des Patientenalltages doch was ist mit den Zeiten der Langeweile während der Genesung? Um die zu verkürzen, sind an der BGU ehrenamtliche Mitarbeiter unterwegs - ganz gleich, ob es um Bücher, Schach, Süßigkeiten oder Fußball geht. „Ziel ist es, den Patienten ein Stück „Normalität” im Klinikalltag zu verschaffen und die Qualität ihres Aufenthalts über das Medizinische hinaus zu verbessern”, fasst Pfarrerin Karin Holdman zusammen. Sie koordiniert die Arbeit der derzeit 20 freiwilligen Helfer, engagierte Menschen mit Ideen und Einsatzfreude, lobt die neue Pfarrerin das Freiwilligenteam. Körperlicher Einsatz etwa ist erforderlich beim MSV-Begleitdienst, der eingerichtet wurde, nachdem man erkannte, wie groß die Zahl der Fußballbegeisterten unter den Patienten ist. Klaus-Peter Baumann, Isolde Benner, Olaf Degwitz, Udo Heix, Matthias Krülls, Claudia Mölner, Michael Pauli und Holger Strachowitz sorgen dafür, dass Rollstuhlfahrer die Zebras erleben können - live in der Schauinsland-Reisen-Arena. Etwa zwei Tage vor jedem Heimspiel wird vor allem auf den Stationen 1B und C nachgefragt, wer in Begleitung das Spiel miterleben möchte. Der Transport hin und zurück erfolgt mit behindertengerechten Fahrzeugen, und auch am

Platz kümmern sich die Begleiter um alles. Fußballbegeisterte hat zudem das Sky-Team im Blick: Ingo Meise, Matthias Krülls und eine weitere Mitstreiterin sind die Beherrscher der Technik, wenn am Samstag im Sitzungsraum, 6. Etage (neben der Cafeteria), die Bundesligaspiele übertragen werden. Schach oder Spaziergang? Wer gern eine Partie Schach spielen möchte kann bei Manfred Hopf anfragen. Er steht jeden Freitag um 15.30 in der Patientenbücherei als Spielpartner für Anfänger und Fortgeschrittene zur Verfügung. Den Bestand der Bücherei selbst pflegen Anke Rüdiger und Elke Schmidt; es können täglich von 08.00 Uhr bis 18.00 Uhr dort Bücher ausgeliehen werden. Ellen Dittchrist, Cordula Wagner und Werner Zeuke bilden das Team des „Ehrenamtlichen Besuchsdienstes”, der nicht zu verwechseln ist mit dem DGUV-Besuchsdienst. Während der DGUV-Besuchsdienst in versicherungsrelevanten Angelegen-

heiten berät, geht es den Ehrenamtlichen darum, Patienten eine schöne Zeit zu bieten. Vor allem diejenigen, die wenig Besuch bekommen oder gehbehindert sind, freuen sich über eine nette Unterhaltung oder darüber, dass ihnen jemand etwas Süßes vom Kiosk oder aus der Cafeteria holt. Mobilere Patienten hingegen genießen es, mal in Begleitung vor der Tür spazieren gehen zu können. Kommunion am Sonntag Im Einsatz als Kommunionhelfer sind Johannes Michels, Ingeburg Röttges und Edeltraud Wegerhoff, wenn am Sonntag in der Kapelle auf dem Außengelände der katholische Gottesdienst stattfindet. Johannes Michels, Ingeburg Röttges, Manfred Hopf und Klaus Skaletz informieren darüber hinaus über die Angebote der Krankenhausseelsorge.

BGU DIALOG | 01/13


15 | Hygiene verbessern

Hygiene verbessern – zertifizierte Ausbildung von Hygienebeauftragten in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Duisburg Gemeinsam mit der Therese-Valerius-Akademie setzt die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Duisburg ein Zeichen für die Ausbildung von Hygienebeauftragten. Die weltweite Entwicklung der Keime stellt

standen. Infolgedessen wurde ihnen das Zer-

täglich eine große Herausforderung zur

tifikat zur „Hygienebeauftragten in Ge-

Vorbeugung von Infektionen an die Kliniken.

sundheitseinrichtungen“ in der Therese-

Zur Förderung der Hygienequalität in allen

Valerius-Akademie ausgehändigt. Zur

Abteilungen wurden insgesamt 19 Mit-

weiteren fachlichen Qualifizierung der

arbeiterinnen der Berufsgenossenschaftlichen

Hygienebeauftragten sind

Unfallklinik in Duisburg zur Hygienebeauf-

Modultage geplant.

tragten ausgebildet. Es sind Kolleginnen aus dem stationären Akut- und Rehabereich, Anästhesie, Ergotherapie, OP, Physiotherapie, Röntgenabteilung, Zentralambulanz und der Zentralküche vertreten. Die 48-stündige Weiterbildung fand in Kooperation mit der Therese-Valerius-Akademie statt.

zukünftige

Die Hygienebeauftragten der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik werden unter der fachlichen Leitung der Hygienefachkraft/ Gesundheitsmanagerin ihre zukünftigen Aufgaben mit dem Fokus auf die Infektionsprävention wahrnehmen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit des Hygienebeauf-

Die Therese-Valerius-Akademie ist ein staat-

tragten-Teams dient der zielorientierten Ver-

lich anerkanntes Institut und nach IQNet/DQS

besserung von hygienerelevanten Prozessen

zertifiziert. Die Teilnehmerinnen haben alle

in allen medizinischen, therapeutischen Be-

am 26. Februar 2013 erfolgreich die schrift-

reichen und im Küchenbereich.

liche und mündliche Abschlussprüfung beBGU DIALOG | 01/13

Die richtige Händedesinfektion ist ein wichtiger Punkt zur Verbesserung der Hygiene.


16 | In Kürze heißt es in der BGU: Willkommen im neuen Bistro!

In Kürze heißt es in der BGU: Willkommen im neuen Bistro! Die BG Unfallklinik Duisburg startet demnächst mit einem neuen kulinarischen Angebot für Patienten, Gäste und Mitarbeiter. Zentral im Erdgeschoss zwischen Haupteingang und Zentralambulanz gelegen, ist das Highlight des Bistros der Außenbereich. Eine freundliche Außenbestuhlung lädt hier bei gutem Wetter zum Verweilen ein; für kühlere Tage gibt es weitere Plätze im ganz neu angebauten Wintergarten und im Verzehrbereich innen.

Kiosk-Bereich mit Gebäck, Kuchen, Eis und einer Auswahl an Zeitungen und Zeitschriften runden das Angebot ab. Den Verantwortlichen war es wichtig, im neuen Bistro mit Hygiene, Design und Werthaltigkeit zu überzeugen.

So wurde neben einem breiten Produktangebot auch Wert auf eine hohe Funktionalität der Ausstattung und einer ansprechenden Präsentation gelegt. Die Bistro-Betreiber freuen sich auf viele hungrige Gäste!

„Was darf’s heute für Sie sein?“ Die innovativ gestaltete und vielseitig nutzbare Thekenanlage hält ein breites Angebot bereit. Morgens können die Bistro-Gäste mit belegten Brötchen in den Tag starten, zur Auswahl stehen die Sorten Salami, Schinken und Pute sowie für Vegetarier Käse, Ei und Tomate. Wer mittags einen heißen Snack nicht missen möchte, stillt seinen Hunger mit warmen Würstchen, Braten, Frikadellen, Pasta oder Gemüseeintopf. Ein reichhaltiges Kaffeeangebot sowie ein angeschlossener BGU DIALOG | 01/13


17 | Gelähmt und 80 km/h schnell

Gelähmt und 80 km/h schnell Wissen Sie, was ein Handbike ist? Ein Fahrrad, das man mit den Händen fährt, wenn die Beine ihren Dienst nicht mehr tun können. Adaptivbike heißt die Einsteigervariante, die Gehbehinderte vor ihren Rollstuhl montieren können. Stufe zwei für Fortgeschrittene ist das Rennbike. Damit beschleunigen Handbike-Profis bergab bis auf 80 Stundenkilometer. Und manchmal führt dieser Weg direkt zum Siegertreppchen. So wie in diesem Jahr bei der HandbikeTrophy, einer Rennserie, die sich deutschlandweit an große City-Marathonläufe angliedert. Gestartet ist man bereits in Hamburg und Düsseldorf, nach Görlitz und Mannheim ging es am 9. Juni auch in Duisburg los, im Rahmen des 30. Rhein-RuhrMarathon. Gefahren wurde die gleiche Distanz, die auch die Marathonläufer zurücklegen mussten, nämlich 42,159 Kilometer auf ausgewiesenen Strecken. „Eine gute Streckenführung durch die Ordner ist unerlässlich, da die Biker ja im Liegen fahren und sich sehr schlecht selbst orientieren können,” betont Stefan Voormans, Mitglied im Organisationsteam der Handbike Trophy und seit 2009 Ressortleiter für die Wettkämpfe in Duisburg. Er selbst war mit seinem Team „Nettebiker” dabei, einer fünfköpfigen Mannschaft aus Männern und Frauen, von denen einige auch schon mit sportlichen Höchstleistungen imponieren konnten. Etwa Katja Oemmeln, unter anderem Deutsche Meisterin Handicap beim Triathlon 2011, oder Kevin Bons, Deutscher Jugendmeister Handicap Triathlon 2010 und 2011. Auch Stefan Voormans, querschnittgelähmt nach einem Motorradunfall, war bereits meisterhaft: beim Triathlon 2009 in Willich, als damals erster Deutscher Meister in der Kategorie „Handicap”. Diesmal fuhr er allerdings nicht auf dem Bike mit, sondern im Führungsfahrzeug vorneweg. Von dort aus konnte er auch dem Moderator im Stadion berichten, wie das Wettkampfgeschehen sich aktuell darstellt. Da er schon so lange dabei ist, kennt er die meisten sehr gut. Was er an dem Duisburger Rennen besonders schätzt, ist, dass in allen Wettkampfklassen, von H1.1 bis H3, jeweils unterteilt nach Männern und Frauen, die Sieger gesondert geehrt werden. Mit den Klassen werden die unterschiedlichen Ausprägungen des Handicaps bezeichnet.

BGU DIALOG | 01/13

So stehen H1.1 und H1.2 für Tetraplegiker, bei denen alle Gliedmaßen betroffen sind, H2 und H3 für Beeinträchtigungen nur im Bereich der Beine.

beschweren sich, dass ich zu schnell sei.” Und noch ein Vorteil habe ein Adaptivbike: da es wie ein halbes Fahrrad aussieht, würde es nie gestohlen.

„Biken ist ein Stück Freiheit” Kraft in den Armen ist es, die ein Rennbiker vor allen Dingen braucht. Profis trainieren daher bis zu fünf Stunden täglich, viermal in der Woche. Stefan Voormans lässt es langsamer angehen, doch 5.000 bis 10.000 Kilometer legt auch er im Jahr mit dem Handpedal zurück - sowohl mit dem Renn- als auch mit dem Adaptivbike. „Sportliche Erfolge sind etwas Schönes, aber das ist für mich eigentlich nicht das Entscheidende. Viel wichtiger ist es, dass man mit dem Bike unglaublich an Lebensqualität gewinnt. Man bekommt ein großes Stück Freiheit zurück, wenn man beispielsweise mit Freunden oder der Familie wieder eine Fahrradtour machen kann.” An dieser Stelle grinst er. „Ich muss mich inzwischen zurückhalten, denn die anderen

Kurz notiert Interesse? Mehr Infos unter www.handbike-trophy.de Wer zu den „Nettebikern” Kontakt aufnehmen möchte, kann dies unter www.nettebiker.de tun. Patienten der BGU, die sich für Handbiking interessieren, können nach einem Kurs auf dem Handbike-Simulator im Zentrum für Rehabilitation nachfragen, Tel. 02 03 / 76 88 - 31 10.


18 | „Wichtig ist, was die Menschen beschäftigt”

„Wichtig ist, was die Menschen beschäftigt” Seit Februar 2013 ist Karin Holdmann neue evangelische Krankenhausseelsorgerin an der BGU Duisburg. Die Pfarrerin und Diplom-Psychologin ist seit 25 Jahren Seelsorgerin im Klinikum Duisburg, gab Religionsunterricht in der Hauptschule Gneisenaustraße und arbeitete in der Evangelischen Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen in Duisburg. Von ihren Erfahrungen mit Menschen sollen Patienten und Mitarbeiter gleichermaßen profitieren.

Karin Holdmann Tel.: 02 03 / 76 88 -23 29 karin.holdmann@bgu-duisburg.de Frau Holdmann, was tut eigentlich eine Krankenhausseelsorgerin? Ich sehe meine Hauptaufgabe darin, mit Patienten Gespräche zu führen. Über Dinge, die sie bewegen. Die „letzten Dinge”? Aber nein. Es ist ein Klischee, dass seelsorgliche Gespräche sich um den Tod oder Religiöses drehen müssen. Mir geht es vor allem um die Dinge des Lebens. Viele Patienten einer Unfallklinik kommen von weit her. Freunde und Familie sind häufig nicht in der Nähe. Dann tut es den Patienten gut, über ihre Situation zu sprechen, ihre Sorgen, aber auch ihre Hoffnungen. Führen Sie auch religiöse Gespräche? Was ist religiös? Gespräche, in denen es um die Frage nach dem Sinn des Ganzen geht, sind religiös, finde ich. Ein Unfall hat nicht nur körperliche, sondern auch seelische Auswir-

kungen. Alles hat sich von einem auf den anderen Augenblick verändert. Seelsorge möchte Begleitung sein in den Wochen und Monaten durch Höhen und Tiefen. Manchmal ergibt es sich dabei, dass Patienten von sich aus auf ihren Glauben zu sprechen kommen und die Hilfe, die sie dadurch erfahren. Meine Tätigkeit ist jedoch weder an Konfessionen noch an bestimmte Religionen gebunden.

Grundsätzlich ist mir der Kontakt zu den anderen Berufsgruppen hier im Haus sehr wichtig.

Wie finden Sie ihr „Klientel”? Sehr viel über die Schwestern und Pfleger. Sie haben ein sehr feines Gespür dafür, wer ein Gespräch brauchen könnte. Ich verstehe mich im Übrigen auch als Ansprechpartnerin für Angehörige und Freunde der Patienten. Denn auch sie sind - anders, aber nicht weniger heftig - von den massiven Veränderungen infolge eines Unfalls betroffen. Und natürlich bin ich auch jederzeit für die Mitarbeiter des Hauses da, obwohl ich weiß, dass man in so eine Rolle erst hineinwachsen muss.

Sind Sie alleinige Seelsorgerin an der BGU? Außer mir kümmern sich noch mein katholischer Kollege Pastor Janusz Zablocki und Schwester Reesa Uoorakkattil um die Patienten, wir haben guten Kontakt zueinander. Ich selbst bin auch im Ethikkommitee des Hauses tätig und dazu für die Koordination der ehrenamtlichen Mitarbeiter zuständig. Darüber hinaus habe ich weiterhin das Amt der Krankenhausseelsorgerin am Klinikum Duisburg inne - auf einer halben Stelle. BGU DIALOG | 01/13


19 | KlinikKultur | Impressum

Impressum BGU DIALOG Magazin für Patienten, Mitarbeiter und Partner der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Ausgabe 01/2013 Erscheinungsweise halbjährlich Herausgeber: Berusfgenossenschaftliche Unfallklinik Duisburg GmbH Großenbaumer Allee 250 47249 Duisburg Tel.:

02 03 / 76 88 - 1

E-Mail: kontakt-verwaltung@bgu-duisburg.de Web:

Giftstachel der Nation Seit fast 10 Jahren gibt es sie schon: Unsere Veranstaltungsreihe KlinikKultur. Am Donnerstag, dem 18. April, war einer der Grandseigneurs des politischen Kabaretts THOMAS FREITAG - bei uns zu Gast: Mit seinem Programm: „Der kaltwütige Herr Schüttlöffel“ erzählte er die Geschichte des Bibliothekars Sebastian Schüttlöffel, der seine Bibliothek besetzt hält und 5800 Bücher als Geiseln genommen hat. Für die Giftstachel, die er ins Fleisch seines Publikums treiben kann, ist er aus seiner Zeit als Mitglied des Düsseldorfer „Kom(m)ödchens“ und aus vielen Fernsehauftritten bereits berühmt berüchtigt. Dieses Mal waren es Kultur-Giftstachel: Wenn der Bibliothekar Schüttlöffel für den Erhalt seines Kulturinstitutes kämpft, so richtet sich die kabarettistische Wut von Thomas Freitag gegen Kulturkahlschlag und die Verbreitung des Geistlosen. Um dies zu verdeutlichen, schlüpfte er in verschiedene Rollen. So war er der Frittenbudenbesitzers, der über sein schweres Los „simmeliert“, der Affen mit großen Zweifeln am „aufrechten“ Gang der Menschen und nicht zuletzt Karl Marx, der sich mit Blick auf den Lauf der Geschichte über die Wahrhaftigkeit seiner Thesen die Haare rauft. Thomas Freitag drückte sein Unverständnis der Verhältnisse satirisch-politisch aus: „Bibliotheken werden geschlossen – Betreuungsgeld wird gezahlt.“ Und setzte jedes Mal noch einen drauf: „In der BRD hat BGU DIALOG | 01/13

jedes Baby mit dem 1. Atemzug 40.000 € Schulden. Eigentlich sollten die Kinder nicht von der Hebamme, sondern vom Gerichtsvollzieher geholt werden.“ Mit gewohnter Schärfe wendete sich Thomas Freitag gegen das Sparen an der Kultur, den Kapitalismus, die Schnäppchenjäger und die Gleichmacherei; aber er hatte insbesondere auch die im Visier, die solche Missstände mittragen oder gar erst ermöglichen: die Redaktionen in den Medien. Die Veranstaltung von „Klinikkultur“ war einmal mehr bis zum letzten Platz ausverkauft, und Thomas Freitag erntete für sein Polit-Kabarett, das in seiner Art schon den Charakter eines Kammerspiels hatte, langen Applaus. Ein begeisterter Gast brachte es auf den Punkt: „Politisches Kabarett mit einem Künstler vom Rang eines Thomas Freitag hat nach wie vor seine Bedeutung, weil es die Zuschauer nicht nur unterhält, sondern ihnen aus der Seele spricht.“ Sie sehen also, ein Besuch bei der KlinikKultur lohnt sich immer! Schauen Sie doch einmal rein! Das aktuelle Programm finden Sie unter: www.klinikkultur.de

www.bgu-duisburg.de

Verantwortlich: Geschäftsführung BGU Duisburg Fotos: BGU Archiv Jochen Balke, sirius images cap communications ©

Kzenon - Fotolia.com

© Fotowerk - Fotolia.com © Daniel Ernst - Fotolia.com © photo-K - Fotolia.com

Redaktion: Friedhelm Bohla Weitere Textbeiträge: Dr. Regina Peters Martina Gorlas Silja Ahlemeyer Silke Wirschinger, BGU Duisburg Monika Langenberg, BGU Duisburg Gestaltung und Gesamtkoordination: AS - Design & Promotion, Duisburg www.asdesign-promotion.de Textliche Begleitung: AS - Design & Promotion Auflage: 5.000 Exemplare Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion.


BGU Dialog 01/2013  
Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you