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Schlรถsser und Geschichten

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Die Trostburg Die Trostburg ist ein kleines Schloss in Teufenthal im Schweizer Kanton Aargau. Es befindet sich auf einem 40 Meter hohen Felsvorsprung oberhalb des Dorfes in einem Seitental der Wyna und entstand aus einer mittelalterlichen Burg.

Geschichte Die Burg der erstmals im Jahr 1241 erwähnten Herren von Trostburg entstand während des 12. Jahrhunderts. Wenig später spaltete sich ein Zweig der Familie ab und liess knapp einen halben Kilometer nördlich die Burg Liebegg errichten. Die Trostburger waren ein Ministerialengeschlecht der Grafen von Kyburg und stellten sich ab 1264 in den Dienst der Habsburger. Nachdem das Geschlecht der Trostburger erloschen war, gelangte die Trostburg 1346 in den Besitz der Herren von Rinach, deren Stammsitz ein paar Kilometer weiter südlich in der heu2


Schlösser & Geschichten tigen Gemeinde Burg lag. Die Rinacher bauten einen kleinen Herrschaftsbereich auf, in dem sie die niedere Gerichtsbarkeit ausübten. Dazu gehörten die heutigen Gemeinden Teufenthal, Boniswil, Dürrenäsch, Hallwil, Leutwil und Zetzwil. Nach der Eroberung des westlichen Aargaus durch die Stadt Bern im Jahr 1415 verloren die Herren von Rinach zunehmend an Macht. Im Jahr 1486 kaufte Hans von Hallwyl die Trostburg. Die Herren von Hallwyl verkauften sie dann 1616 an die Stadt Brugg. Bern duldete jedoch den Machtzuwachs seiner Untertanenstadt nicht, zog die Herrschaftsrechte an sich und verkaufte die Trostburg an Privatleute. Um 1750 wurde die Burg zu einem Wohnschloss erweitert, das sich noch heute im Privatbesitz befindet. Gebäude Von der mittelalterlichen Burg erhalten geblieben sind nur einzelne Mauern am Rand des Burghügels sowie auf einem Molassefelsen die Ruine des Bergfrieds, die rund sieben Meter in die Höhe ragt. Ein künstlich angelegter Burggraben trennt den Bergfried von der restlichen Anlage. An der südwestlichen Ecke des Burghofs, an der Vorderflanke des terrassenförmigen Hügels, steht das 1494 im spätgotischen Stil errichtete Hallwylhaus, das ab 2000 von seinem heutigen Besitzer aufwändig renoviert worden ist. Die Anfänge der Trostburg Vieles in der Trostburger Stammes- und Baugeschichte ist vage. Nur wenige gesicherte Daten sind vorhanden. Der Rest ist Ergänzung, die auf anderen historischen Quellen oder Erkenntnissen fusst. Am 28. Mai 1241 wird Burkhart I. als Angehöriger der Trostberger urkundlich erwähnt als Zeuge unter den kiburgischen Mi3


nisterialen. 1253 siegelt er dann erstmals als „Burchardus Barhandus de Trostberc“. Es handelt sich dabei um die früheste Erwähnung der Trostburg in den Quellen. Vermutlich waren die Erbauer und ersten Besitzer der Trostburg die Herren von Trostberg. Über die Ursprünge der Trostberger und ihre Stammburg ist wenig bekannt. Belegt ist lediglich eine enge Stammverwandtschaft zu den Herren von Liebegg. Dazu gibt es heraldische Nachweise. Ursprünglich führten beide Geschlechter das gleiche Wappenschild: Auf rotem Grund drei weiss-blau zweimal geschachtete Pfähle unter gelbem Schildhaupt. Als sich das Geschlecht später trennte, führten die Trostburger noch zwei Pfähle im Wappen, die Liebegger einen. Ein gelbes Büffelhorn mit drei aufgesetzten Rosen war Wappenzier der Trostberger. Auch Hinweise auf Lehen und Grundbesitz im Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich sind Zeichen für eine nahe Verwandtschaft. Laut dieser Quelle treten beide Geschlechter schon 1242 als Besitzer gemeinsamer Güter auf. Überdies sind Lehen der Freien von Freienstein und der Freien von Klingen nachgewiesen. Stammsitz der beiden Zweige war die lehensfreie Trostburg. Kiburgische Dienstmannen Die Trostburger Linie war wohl die ältere und beanspruchte deshalb die Stammburg des Geschlechts für sich. Der „erste Trostburger“ ist ein unbekannter Adliger, der in der Zeit des ausgehenden 12. Jahrhunderts gelebt haben muss. Als kleiner Grundherr hat er seine Burg auf eigenem Rodungsland erbaut. Die Datierung des ersten Burgbaus ist eine Annahme und baugeschichtlich am Bestand der heutigen Burg nicht belegt. Besitz und erste Burgbauten waren ein Gut, das zweifellos zu gering 4


Schlösser & Geschichten war, um eine eigene Herrschaft mit einer gewissen Machtstellung aufzubauen. Es ist daher anzunehmen, dass er sich von mächtigeren Adeligen belehnen liess und mit dem Eintritt in die Dienstmannenschicht ein Abhängigkeitsverhältnis einging. In verschiedenen Quellen treten die Trostberger später als kiburgische Dientsmannen auf. Die Begründer der beiden Linien sind nicht bezeugt. Man nimmt an, dass sie Brüder - die Söhne des ersten Trostbergers - waren und in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gelebt haben. Eine Anlehnung an ein einflussreiches Adelsgeschlecht war für diese Nachfahren überlebenswichtig. Der urkundlich nicht belegte jüngere Sohn hat sich wohl beim Haus HabsburgLaufenburg umgesehen. Er erhielt die Burg Liebegg und die Hälfte des Twings zu Liebegg zu Lehen. Künftig nannte sich sein Geschlecht nach der Burg von Liebegg. Der ältere Sohn des „ersten Trostbergers“ und seine Nachfahren lebten weiterhin auf der Trostburg. Soweit die mit einigen Ergänzungen und Mutmassungen durchsetzten Fakten. Volkstümliche Gründungssage der Trostburg Wo wenig verlässliche Quellen sind, blühen Spekulationen und Fantasien. Rund um die Trostburg gibt es viele Geschichten, Legenden und auch eine veritable Sage von der Entstehungsgeschichte von Liebegg und Trostburg. Sie wird mit unterschiedlichsten Facetten erzählt, ist auch in verschiedenen Versionen niedergeschrieben worden. Die nachstehende Fassung integriert die gängigen Varianten der Gründungssage zu einer volkstümlich romantischen Novelle. Dort wo sich heute das Rathaus von Aarau befindet, stand vor langer Zeit die Burg des reichen Grafen Landolus. Er herrscht 5


über die Grafschaft Rore, zu der auch die Gegend des heutigen Wynentals gehörte. Seine Gemahlin entstammte dem Hause Habsburg. Ihre Tochter Gertrud war eigentlich nicht das leibliche Kind der beiden Eheleute. In Kriegswirren war Gertrud als Kleinkind ihrem jetzigen Vater Landolus in Rätien anvertraut worden. Inzwischen war Gertrud nahezu erwachsen und begleitete ihren Vater oft auf der Jagd. Die Streifzüge über die Hügel gegen den See hinauf gefielen ihr besonders. Diesen Weg schlugen sie auch an einem warmen Frühlingstag ein. Landolus hatte die Spur eines Wildes entdeckt. Gertrud wartete auf einer sonnigen Sandfelsenbank auf die Rückkehr ihres Vaters. Während sie vor sich hin träumte, trat aus dem nahen Gehölz ein junger Rittersmann. Er war vom Weg abgekommen und hatte sich verirrt. Erschrocken sprang Gertrud auf. Der Fremde beruhigte sie, er wolle bloss nach dem Weg fragen. Weil Gertrud ihm dazu aber keine genaue Auskunft geben konnte, beschlossen die beiden die Rückkehr von Landolus abzuwarten. Der junge Ritter begann von sich und seinem Missgeschick zu erzählen. Dietrich von Disentis Er hiess Dietrich und war der Sohn eines Grafen von Disentis in Rätien. Seine Reise sollte eigentlich ins Frankenland führen. Dort wollte er im Heer des fränkischen Königs Clodoväus Kriegsdiente leisten. Unterwegs machte sein Pferd einen Fehltritt, stürzte und erlag den dabei erlittenen Verletzungen. Dietrich blieb unverletzt und setzte seinen Weg zu Fuss fort. In den dichten Wäldern hatte er sich verirrt und war jetzt zufällig auf Gertrud gestossen. Sie erschien ihm wie ein Engel in der Not. Beim Erzählen verging die Zeit. 6


Schlösser & Geschichten Der Abend nahte, und der Vater war noch immer nicht zurückgekehrt. Gertrud änstigte sich. Als die Sonne untergegangen war, machten sich die beiden allein auf den Heimweg. Dort hatte man über den Verbleib von Landolus auch nichts vernommen. Eine Suche in der näheren Umgebung war erfolglos. Am nächsten Morgen klopfte es in aller Frühe an Tor. Ein Bauer begehrte Einlass und berichtete, er habe den Grafen schwer verletzt im Wald aufgefunden. Ein Bär hatte ihn angefallen. Gertrud, Dietrich und ein Knecht sattelten die Pferde und ritten mit dem Bauern zu dessen Hof. Auf einem Strohbett lag der verletzte Graf, Arme und Beine mit blutigen Tüchern umwickelt. Sorgsam packte man ihn auf eine gezimmerte Notbahre und brachte ihn auf die Burg Rore. Landolus erholte sich nur langsam von seinen Verletzungen. Tagelang war er bewusstlos und erzählte in fiebrigen Träumen wirre Geschichten. Dietrich hatte es unter diesen Umständen nicht mehr eilig ins Frankenreich zu kommen. Er blieb und übernahm Pflichten in Hof, Stall und bei der Verwaltung der gräflichen Ländereien. Es gab auch einen weiteren Grund für sein Bleiben. Getrud hatte es ihm angetan. Die Liebe war gegenseitig. Das war auch Gertruds Eltern nicht verborgen geblieben. Landolus schätzte den jungen Mann. Sie hatten während seiner Genesungszeit manche kurzweilige Stunde erlebt. So überraschte es niemanden auf Burg Rore, als Dietrich eines Tages um die Hand der Tochter anhielt. Gegen eine Heirat hatte Landolus nichts einzuwenden.

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Die Liebegg als Hochzeitsgeschenk Als Hochzeitsgeschenk liess der Graf an der Stelle, wo sich die Glücklichen zum ersten Mal getroffen hatten, eine Burg bauen: Hoch über dem Tal auf dem sonnigen Felsvorsprung. Als die obrigkeitliche Bewilligung eintraf, begann man unverzüglich mit dem Bau. Die Bauarbeiten nahmen einige Zeit in Anspruch, lag der Bauplatz doch in einsamem, unwegsamem Waldgebiet. Auf Gertruds Wunsch sollte die neue Burg den Namen „Liebegg“ erhalten, zur Erinnerung an die erste Stunde ihrer gemeinsamen Liebe. Kurz vor der Fertigstellung der Burganlage verstarb Graf Landolus unerwartet. Er hatte sich nie ganz von den Folgen des Jagdunfalls erholt. Auf Burg Rore herrschte grosse Trauer. Trotzdem bereiteten Gertrud und Dietrich ihre Hochzeit vor. Es sollte ein schlichtes Fest geben. Nur die nächsten Verwandten wurden als Gäste eingeladen. Auch Dietrichs Vater in Disentis wurde durch einen Boten einen Einladung überbracht. Er liess ausrichten, dass er verhindert sei, am Hochzeitsfest teilzunehmen. Er werde den Jungvermählten aber zu einem späteren Zeitpunkt seine Aufwartung machen. Das junge Paar wurde getraut. Während der Trauungsszeremonie geschah etwas Seltsames. Ein goldener Ring, den Gertrud von ihrem leiblichen Vater im Wiegenalter geschenkt bekommen hatte, fiel ihr vom Finger und brach entzwei. Im Innern kam ein kleines Miniaturbildchen zum Vorschein: Das Gesicht einer Frau, die Gertrud sehr ähnlich sah. Ein zerbrochener Ring galt allgemein als schlechtes Omen und die Liebenden wurden von bösen Vorahnungen gepackt. Die Hochzeit wurde gefeiert und Schloss Liebegg als neues Wohnheim bezogen. Wenige Wochen später kam auch der langersehnte Gast aus Disentis angereist.

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Schlösser & Geschichten Geschwistertragik Voll Freude hiess Dietrich seinen Vater willkommen und stellte ihm seine Gattin Gertrud vor. Da geschah etwas Unerwartetes. Statt sich zu freuen, erstarrte der Graf und schaute fragend von Gertrud zu Dietrich. Als man ihm schliesslich die Miniatur aus dem goldenen Ring zeigte, erkannte er Gertruds Mutter. Nach einer bangen Weile stammelte er entsetzt: „Die Götter seien mir gnädig! Dies sind beide meine Kinder!“ Niemand der Umstehenden konnte sich sein eigenartiges Verhalten erklären, niemand verstand den Sinn seiner Worte. Erschrocken blickten sich Gertrud und Dietrich an. Sie ahnten ein Unheil. Nachdem sich der Graf etwas gefasst hatte, setzten sie sich in den Schlossgarten. Stockend begann er zu erzählen: „ Einige Zeit nach dem Tod von Dietrichs Mutter lernte ich wieder eine Frau kennen. Wir wollten heiraten. Kriegerische Ereignisse und familiärer Streit verhinderten das. Die Geburt unseres Kindes musste geheim gehalten werden. Das Leben des kleinen Mädchens war bedroht. Und so übergaben wir die kleine Gertrud heimlich meinem Freund Landolus von Rore als Waisenkind. In seiner Familie wuchs unser Kind auf.“ Kurze Zeit später starb Gertruds leibliche Mutter an einer Krankheit. Dietrich war der Sohn des rätischen Adeligen aus erster Ehe. „Dietrich und Gertrud, ihr seid Geschwister!“ beendete der Graf seine tragische Geschichte. Die unerwartete Mitteilung löste auf der Liebegg Unverständnis und Schmerz aus. Gertrud und Dietrich hatten Schuldgefühle. Man beriet hin und her. Schweren Herzens entschlossen sich die beiden schliesslich, ihre Tauung aufzulösen. Mit der Erlaubnis des Grafen von Habsburg durften sie die Liebegg als Geschwister bewohnen. 9


Der Graf von Disentis verabschiedete sich bald von der Liebegg. Er war mit freudiger Erwartung gekommen und reiste nun als unglücklicher Bote einer ungewollten Schreckensnachricht in seine Heimat Rätien zurück. Eine neue Burg zum Trost Die Liebegger lebten zurückgezogen auf ihrem Schloss. Sie pflegten aber guten Kontakt mit ihren adeligen Nachbarn. So auch mit dem jungen Theoderich von Rynach. Er kam oft auf der Liebegg vorbei. Im Heer des fränkischen Königs Clodoväus hatte er schon Dienst geleistet. Gern hörte Dietrich ihn von seinen Abenteuern erzählen. Man lebte in gegenseitiger Freundschaft. Und niemand ahnte vorerst, welchen Grund der junge Rynacher noch hatte für seine Besuche, bis er sich eines Tages um die Hand von Gertrud bewarb. Er konnte ja nicht ahnen, dass er damit die Unbeschwertheit auf Schloss Liebegg störte. Gertrud wies ihn zurück. Zu stark war die Erinnerung an die Schicksalsfügung mit ihrem Bruder. Erst nach Gesprächen mit Dietrich und ihrer Mutter konnte sie sich vom Vergangenen lösen und Theoderichs Zuneigung erwidern. Der Freiherr von Rynach, Theoderichs Vater, war entzückt vom jungen Paar. Noch bevor die Hochzeit geplant wurde, liess er auf seinem Grund und Boden, nur wenige Gehminuten von der Liebegg entfernt ein neues Schloss bauen. Es sollte das neue Heim für Theoderich und Gertrud werden. Zur Hochzeit wurden viele adelige Gäste und auch die Lehensbauern eingeladen, die beim Schlossbau geholfen hatten. Der Graf von Disentis liess sich entschuldigen. Er mochte im hohen Alter die Reisestrapazen nicht mehr auf sich nehmen. In einer feierlichen Zeremonie wurde dem Brautpaar das Schloss übergeben. Der Freiherr von Rynach hatte ihm den Namen „Trost10


Schlösser & Geschichten burg“ gegeben. Er hoffte, Gertrud erfahre hier Trost nach den Wirren der Vergangenheit. Auf der hohen Zinne flatterte die bekränzte Fahne. Herrlich geschmückt waren alle Räume. Die Wände des Festsaals zierten Porträts von Theoderichs und Gertruds Eltern. Die Gäste erfreuten sich an der reichlich gedeckten Festtafel. Bis spät in die Nacht wurde auf der Trostburg gefeiert , gejubelt und getanzt. Um Mitternacht wurde die Hochzeitsgesellschaft durch lautes Pochen an der Saaltür aufgeschreckt. Die Wände erzitterten und plötzlich fiel das Porträt von Gertruds und Dietrichs Vater von der Wand. Man ahnte nichts Gutes, sah vor dem Tor nach, entdeckte aber nichts. Die Wächter suchten den Schlosshof ab. Keine Seele war weit und breit. Das Fest ging zwar weiter, die seltsamen Schläge hatten aber die Freude getrübt. Wenige Tage später brachte ein Bote die Nachricht, der Graf von Disentis sei verstorben. Erneut kamen Leid und Trauer über die beiden Schlösser. Dietrich reiste zum Begräbnis seines Vaters nach Rätien und erwies ihm die letzte Ehre. Dort erfuhr er dann auch, dass der alte Graf in der Nacht des Hochzeitsfestes um Mitternacht gestorben war. Kurz vor dem Tod habe er nochmals laut die Namen seiner beiden Kinder Dietrich und Gertrud gerufen. Auf Schloss Trostburg hatte man nun eine Erklärung für die geheimnisvollen Schläge in jener Nacht. Kurze Zeit später kehrte sich das Glück auch Dietrich zu. Er erwählte Kunigunde von Steinegg zu seiner Frau. Leid und Trauer schienen nun endgültig von Liebegg und Trostburg verbannt zu sein.

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Schloss Liebegg Das Schloss Liebegg ist ein kleines Schloss südlich von Gränichen im Kanton Aargau in der Schweiz. Es befindet sich auf einem 70 Meter hohen Felsvorsprung über dem Wynental auf einer Höhe von 510 m ü. M. und entstand aus einer mittelalterlichen Burg. Neben dem Schloss Liebegg befindet sich die 1958 eröffnete kantonale landwirtschaftliche Berufsschule.

Geschichte Die Burg wurde während der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts gebaut, als sich ein Zweig der Herren von Trostburg abspaltete und in einer Entfernung von lediglich einem halben Kilometer einen neuen Stammsitz errichtete. Diese erstmals 1241 erwähnten Herren von Liebegg waren ein Ministerialengeschlecht der Grafen von Habsburg-Laufenburg, später der Hauptlinie der Habsburger. 12


Schlösser & Geschichten Das erste Gebäude wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts durch die „neue Burg“ ersetzt. Zur Herrschaft Liebegg gehörten das Dorf Gränichen, die Burg Schöftland mit der dazu gehörenden Herrschaft, das Niedergericht über Birrwil sowie der Kirchensatz in Schöftland und Birrwil. Von 1318 bis 1371 waren die „Ritter von Glarus“ aus Zürich zur Hälfte an der Herrschaft beteiligt. Ab 1415 lag die Liebegg im Herrschaftsbereich der Stadt Bern. Das Geschlecht der Liebegger starb im Jahr 1433 aus und ihr Besitz fiel durch Erbschaft an die Herren von Luternau. Diese waren ein altes Adelsgeschlecht aus Luthern bei Willisau und gehörten ab dem 16. Jahrhundert zu den einflussreichsten Familien der Stadt Bern. Im Jahr 1596 befand sich Augustin von Luternau in Geldnöten: Er verkaufte die Nutzungsrechte am Wald den Dorfbewohnern von Gränichen und das Schloss an die Stadt Brugg; nur zwei Monate später kaufte er das Schloss aber wieder zurück. Im Jahr 1602 erwarb die vornehme Familie Escher aus Zürich die Herrschaft Liebegg. 1616 folgten die aus Heidelberg stammenden Graviseth. Von 1668 bis 1709 war die Herrschaft im Besitz der nahe verwandten Herren von Landenberg und gelangte durch Tausch wieder an die Familie Graviseth. Durch die Heirat mit einer Graviseth-Tochter kam die Liebegg 1764 in den Besitz der einflussreichen Familie von Diesbach aus Bern. Nach dem Einmarsch der Franzosen im März 1798 verloren die Diesbacher ihre Herrschaftsrechte und das Schloss war nur noch reiner Immobilienbesitz. Nachdem 1875 die Industriellenfamilie Hunziker aus Aarau das Schloss gekauft hatte, wurde 13


es bis 1907 einer gründlichen Sanierung unterzogen. 1948 ging das Schloss in den Besitz des Kantons Aargau über und dient heute als Tagungs- und Kulturzentrum. Gebäude Die Doppelburganlage weist heute keine sichtbaren Teile aus dem Mittelalter mehr auf. An der höchsten Stelle des Hügelsporns befand sich einst die „alte Burg“, die durch den einen Burggraben von der etwas tiefer gelegenen „neuen Burg“ getrennt war. An Stelle der alten Burg entstand 1561/62 das „Luternauhaus“, ein Wohnbau im spätgotischen Stil. Der südliche Trakt des Hauses musste wegen Baufälligkeit abgetragen werden. Die „neue Burg“ wurde 1617/18 vollständig umgestaltet und in ein barockes Wohnschloss umgebaut. Bei einem Erdbeben im Jahr 1817 stürzte die Westmauer des Wohntraktes ein und musste um einige Meter zurückversetzt wieder aufgebaut werden. Dieser Teil weist einen klassizistischen Stil auf.

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Schlösser & Geschichten Shloss Hallwyl Das Schloss Hallwyl st eines der bedeutendsten Wasserschlösser der Schweiz und befindet sich auf zwei Inseln im Aabach, nahe dem nördlichen Ende des Hallwilersees auf dem Gebiet der Gemeinde Seengen. Seit 1925 ist es öffentlich zugänglich und seit 1994 im Besitz des Kantons Aargau und ist Teil des Museums Aargau.

Geschichte Im späten 12. Jahrhundert liessen die Herren von Hallwyl am Aabach, 700 Meter nördlich des Hallwilersees, einen Wohnturm errichten, der auf drei Seiten von einem Trockengraben umgeben war. Um 1265 wurde östlich des Wohnturms direkt am Bachufer ein Palas mit Vorratsräumen im Erdgeschoss und Wohnräumen im ersten und zweiten Obergeschoss errichtet. 15


In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts liess Johans I. von Hallwyl (1305-1348) die bescheidene Turmburg zur zweiteiligen befestigten Wasserburg ausbauen, indem im Sumpfland eine Insel aufgeschüttet wurde, die auf drei Seiten von einer Ringmauer und allseitig von einem Wassergraben umgeben war. Aus dieser Zeit stammt ein Rundturm, der heute noch erhalten ist. 1380 zerstörte ein Brand einen Teil des Palas, der danach wieder aufgebaut wurde. Bei der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahr 1415 steckten Berner Truppen die Burg in Brand.Nur der Wohnturm und einige Räume im Palas der hinteren Burg blieben verschont. Im Anschluss daran wurde die Burg aber wieder auf- und ausgebaut; so erweiterte man 1420/25 den Palas auf der hinteren Insel nach Süden. Dietrich von Hallwyl (1462-1509) liess um 1500 an den Ostecken der Hinteren Insel Geschütztürme mit dicken Mauern, Schiessnischen und -scharten errichten. Um 1520 erfolgten weitere umfangreiche Umbauten, bei denen weitere Gebäude dazukamen. Burkhard III. von Hallwyl (1535-1598) liess zwischen 1578 und 1590 die Burg zu einem repräsentativen Schloss ausbauen. Es entstanden Treppentürme, Fassaden wurden neu aufgebaut und der Festsaal im Hinteren Schloss erhielt seine heutige Form. Die ehemals wehrhafte Burg hatte nun die Gestalt eines repräsentativen spätgotischen Wohnschlosses. Die Schlossmühle, die seit dem 14. Jahrhundert bestand, wurde 1637 auf einer dritten Insel im Aabach errichtet. Um 1800 musste der Bergfried bis auf das unterste Stockwerk wegen Baufälligkeit abgetragen werden. 16


Schlösser & Geschichten Hans Theodor von Hallwyl (1835-1909) liess zwischen 1871 bis 1873 einige Gebäude im Stil der Neugotik umgestalten. Die Gründerkrise trieb den Bauherrn aber 1874 in den Konkurs. Sein Bruder Walther (1839-1921) kaufte ihm das Schloss ab, damit es weiterhin in Familienbesitz blieb. Da er jedoch in Stockholm lebte, blieb das Schloss drei Jahrzehnte lang ungenutzt. Walthers Ehefrau Wilhelmina von Hallwyl (1844-1930) gab 1910 eine umfassende Instandstellung in Auftrag. In den folgenden sechs Jahren nahm der Archäologe Nils Lithberg umfangreiche Untersuchungen vor, während der Architekt Anders Roland das Schloss in den mittelalterlichen Zustand zurückversetzte und dabei die neugotischen Umbauten rückgängig machte. Nach dem Tode ihres Ehemannes rief Wilhelmina von Hallwyl 1925 die Hallwil-Stiftung ins Leben und machte das Schloss der Öffentlichkeit zugänglich. 1994 ging das Schloss als Schenkung an den Kanton Aargau über, der zwischen 1997 und 2004 eine dringend notwendige Gesamtsanierung durchführte.

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Die Burg Hallwil wurde im 11.Jh. durch die Herren von Hallwil gegründet. Die Hallwiler werden als Gefolgschaft der Lenzburger, der Kyburger und der Habsburger genannt. Sie verstanden es, sich ihre Unabhängigkeit zu bewahren und durch geschicktes Verhalten, verschiedene Lehen der Kyburger und Habsburger ihrem Eigengut hinzu zu fügen. Durch einen Ganerbenvertrag zwischen den 4 Brüdern, vermochten sie den Familienbesitz mehrere Jahrhunderte zusammen zu halten (Die Besitztümer wurden nur an männliche Nachkommen vererbt, die Weiblichen erhielten eine Abfindung. Dadurch wurde das Eigengut nicht gesplittet). Tatsächlich blieb der Besitz bis 1925 in den Händen der Familie. 18


Schlösser & Geschichten Schloss Lenzburg Das Schloss Lenzburg oberhalb der Altstadt von Lenzburg im Schweizer Kanton Aargau zählt zu den ältesten und bedeutendsten Höhenburgen der Schweiz. Die Anlage steht auf dem 504 Meter hohen Schlossberg, einem fast kreisrunden Molassehügel, der sich rund hundert Meter über der Ebene erhebt, jedoch nur einen Durchmesser von etwa 250 Metern besitzt. Die ältesten Teile stammen aus dem 11. Jahrhundert, als die Grafen von Lenzburg ihren Stammsitz errichten liessen. Danach war das Schloss im Besitz der Staufer, Kyburger und Habsburger, diente über 350 Jahre lang als Sitz der Berner Landvögte und gelangte dann in Privatbesitz. 1956 verkaufte die Witwe des Polarforschers Lincoln Ellsworth das Schloss dem Kanton Aargau. Seit 1987 beherbergt das Schloss das Historische Museum des Kantons Aargau (seit 2007 Museum Aargau).

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Geschichte Der markante Schlosshügel diente schon in prähistorischer Zeit als Siedlungsstätte. So wurde 1959 beim Parkplatz am Nordfuss des Schlossbergs ein Gräberfeld aus der Jungsteinzeit ausgegraben. Weitere Kleinfunde stammen von den Römern und den Alemannen. Eine Sage erzählt, dass in einer Höhle auf dem Schlossberg einst ein Drache hauste. Dieser wurde von zwei Rittern, Wolfram und Guntram, bezwungen. Die dankbaren Bauern erkoren die beiden zu Grafen von Lenzburg und gaben ihnen die Erlaubnis, auf dem Drachenfelsen eine Burg zu errichten. Adelsherrschaft Eine Urkunde aus dem Jahr 1036 nennt einen Ulrich, Graf im Aargau. Er war Reichsvogt von Zürich sowie Kastvogt der Abteien Beromünster und Schänis. Die erste gesicherte Erkenntnis über die Existenz einer Burg stammt aus dem Jahr 1077: Ulrich, ein Enkel des oben Genannten, hatte sich im Investiturstreit auf die Seite des deutschen Kaisers gestellt und hielt während eines halben Jahres zwei päpstliche Legaten fest. Die Grafen von Lenzburg gehörten zu jener Zeit zu den bedeutendsten Lehnsherren im schweizerischen Mittelland und unterhielten enge Beziehungen zu den jeweiligen deutschen Kaisern. Das Adelsgeschlecht erlosch 1173. Ulrich IV., der letzte Graf von Lenzburg, bestimmte in seinem Testament Kaiser Barbarossa zum persönlichen Erben; beide waren einst gemeinsam in den Zweiten Kreuzzug gezogen. Der Kaiser regelte auf Schloss Lenzburg persönlich die Verteilung des Erbes und vergab einen Grossteil der Ländereien an seinen Sohn, den Pfalzgrafen 20


Schlösser & Geschichten Otto I. von Burgund. Doch nach dessen Tod im Jahr 1200 wurden die Staufer aus dem Aargau verdrängt. Über zwei nahe stehende Hochadelsgeschlechter (Andechs-Meranien und Chalon) gelangte die Lenzburg um 1230 durch Heirat an die Kyburger. Diese gründeten damals am westlichen Fuss des Schlossbergs eine befestigte Marktsiedlung, die heutige Stadt Lenzburg. Hartmann, der letzte Graf von Kyburg, starb 1264 ohne männliche Nachkommen. Rudolf I., Graf von Habsburg und späterer deutscher König, nahm die Erbin Anna von Kyburg unter seine Obhut. Diese heiratete später Eberhard I. von Habsburg-Laufenburg. Rudolf erwarb 1273 den Besitz von seinem verarmten Verwandten und hielt 1275 einen Hoftag ab. Das Schloss sank dann jedoch zu einem regionalen Verwaltungssitz ab, als die Macht der Habsburger sich immer mehr nach Österreich verlagerte. Am 20. August 1306 erhielt Lenzburg von Herzog Friedrich dem Schönen das Stadtrecht. Herzog Friedrich II. von Tirol-Österreich bewohnte ab 1339 das Schloss. Hier sollte seine Hochzeit mit einer Tochter des englischen Königs Edward III. stattfinden. Zu diesem Zweck liess er das Ritterhaus errichten. Der Herzog starb 1344, ohne dass er seine zukünftige Braut je gesehen hätte, die Arbeiten am Ritterhaus blieben unvollendet. Ab 1369 besass die Familie Schultheiss-Ribi das Burglehen. 1375 hielt das Schloss einer Belagerung durch die Gugler stand. Berner Herrschaft Ansicht von Stadt und Schloss Lenzburg von Matthäus Merian, um 1642Die latenten Spannungen zwischen dem deutschen König Sigmund und dem österreichischen Herzog Friedrich IV. entluden sich 1415 am Konzil von Konstanz, als Friedrich ei21


nem der drei damals amtierenden Päpste, Johannes XXIII., zur Flucht aus der Stadt verhalf. Sigmund sah darin eine Chance, seinem Widersacher zu schaden. Er forderte die Nachbarn der Habsburger auf, deren Ländereien im Namen des Reiches einzunehmen. Bern liess sich nicht lange bitten und eroberte den westlichen Teil des Aargaus. Am 20. April ergab sich die Stadt Lenzburg sofort dem anrückenden Heer, das Schloss hingegen blieb vorerst unangetastet. Konrad von Weinsberg, der königliche Statthalter, versuchte das Schloss für das Reich zu sichern und liess es für eine Belagerung ausrüsten. Doch bereits im August sah er von diesem aussichtslosen Plan ab und überantwortete dann das Schloss 1418 wieder der Familie Schultheiss. Nach langen Verhandlungen konnte Bern 1433 die niederen Herrschaftsrechte über die Grafschaft Lenzburg und 1442 schliesslich das Schloss erwerben.

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Schlösser & Geschichten

1444 zog auf dem Schloss der erste bernische Landvogt ein, der von hier aus das Oberamt Lenzburg verwaltete. Zum Aufgabenbereich der Landvögte gehörten das Eintreiben von Steuern, die Durchsetzung administrativer Massnahmen, richterliche und polizeiliche Befugnisse und die militärische Befehlsgewalt, daneben waren sie auch für den Unterhalt des Schlosses verantwortlich. Die Landvögte wurden jeweils für vier Jahre aus den Reihen des Rates der Stadt Bern gewählt. Der bekannteste war von 1457 bis 1461 Adrian von Bubenberg, späterer Schultheiss von Bern und Held der Schlacht bei Murten. Festungsprojekt von 1628Von 1509 bis 1510 wurden umfangreiche Arbeiten durchgeführt, so wurde das 1339 begonnene Ritterhaus zum Teil abgebrochen und neu errichtet. 1518 wütete ein Grossbrand, wobei nicht überliefert ist, welche Häuser dabei zerstört wurden (am wahrscheinlichsten das „Arburghaus“ auf der Nordseite). 1520 erhielt der Landvogt eine neue Behausung, die „Landvogtei“. Während des Zweiten Kappelerkriegs im Jahr 1531 diente das Schloss als Operationsbasis der Reformierten. Landvogt Joseph Plepp zeichnete 1624 die ersten exakten Darstellungen und Grundrisse des Schlosses, welches damals eher einem befestigten Bauernhof glich. Seine Pläne dienten als Grundlage für den geplanten Ausbau zu einer Festung. Als erste Massnahme baute man 1625 an der Nordseite eine vorgelagerte Doppeltor-Anlage mit Zwinger, die Erdaufschüttungen an der Ost- und Südseite wurden erhöht. Von 1642 bis 1646 wurde ein elf Meter hoher Wall aufgeschüttet, dadurch entstand die Ostbastion. Die übrigen Projekte liess man aber wegen Geldmangels fallen. Die Ostbastion hatte aber einen grossen Nachteil: Regenwasser sickerte durch die angrenzenden Mau23


ern und machte die Landvogtei wegen ständiger Feuchtigkeit unbewohnbar. Aus diesem Grund entstand zwischen 1672 und 1674 eine neue Landvogtei im Nordtrakt. Während des 18. Jahrhunderts bauten die Berner das Schloss zu einem grossen Kornlager aus. Zu diesem Zweck verband man die einzeln stehenden Häuser miteinander und höhlte sie teilweise aus. Dadurch konnten über 5000 Tonnen Getreide gelagert werden. Im März 1798 übergab Viktor von Wattenwyl, der 71. und letzte Landvogt, das Schloss den anrückenden französischen Truppen. Pacht und Privatbesitz 1803 wurde der Kanton Aargau gegründet und ein Jahr später ging das Schloss in seinen Besitz über. Die Kantonsbehörden waren unschlüssig, wie das Schloss genutzt werden sollte und so stand es fast zwanzig Jahre lang leer. Eine Verwendung für Regierungszwecke kam für dieses Symbol der Untertanenherrschaft nicht in Frage. Schliesslich zeigte der in Hofwil wirkende Pädagoge Christian Lippe Interesse. Er pachtete das Schloss und eröffnete 1822 ein nach den Grundsätzen von Johann Heinrich Pestalozzi geführtes Erziehungsinstitut. Während seiner Blütezeit zählte es 50 Schüler und 12 Lehrer, vor allem Söhne vornehmer Fabrikantenfamilien aus Basel und dem Elsass erhielten hier ihre Ausbildung. Als Schulgebäude diente das „Hintere Haus“, die Lehrer wohnten in der Landvogtei. 1853 musste das Institut aufgrund einer schweren Erkrankung Lippes geschlossen werden. Gedenktafel Frank WedekindDer Kanton verkaufte 1860 das Schloss für 60‘000 Franken an Konrad Pestalozzi-Scotchburn aus Zürich, über diesen Besitzer ist wenig bekannt. 1872 ge24


Schlösser & Geschichten langte das Schloss für 90‘000 Franken in den Besitz von Friedrich Wilhelm Wedekind. Dieser war nach dem Scheitern der Märzrevolution 1849 nach San Francisco ausgewandert, wo er mit Grundstückspekulation während des kalifornischen Goldrauschs ein bedeutendes Vermögen erwarb. 1864 nach Europa zurückgekehrt, emigrierte er aus Protest gegen das von Preussen dominierte Deutsche Reich erneut, nun in die Schweiz, und liess sich im Schloss nieder. Seine sechs Kinder, darunter die späteren Schriftsteller Frank Wedekind und Donald Wedekind, verbrachten hier ihre Jugendjahre. Um die Erbteilung zu ermöglichen verkaufte die Familie Wedekind 1893 das Schloss für 120‘000 Franken an den US-Amerikaner August Edward Jessup. Dieser Industrielle stammte aus Philadelphia, hatte aber lange Zeit in England gelebt. Er war mit Mildred Marion Bowes-Lyon verheiratet, der Tante von Königinmutter Elizabeth Bowes-Lyon; somit war er mit dem britischen Königshaus verschwägert. Unter Jessups Leitung wurde das Schloss einer umfassenden Sanierung unterzogen und durch Rückbau der neueren Anbauten und der militärischen Anlagen zu einem guten Teil in den mittelalterlichen Zustand zurückversetzt. Darüber hinaus liess er die Innenräume mit kostbaren Möbeln ausstatten und moderne Technik wie Zentralheizung, Wasseranschluss und Elektrizität installieren. Die Kosten von einer halben Million Franken bestritt er aus seinem Privatvermögen. Ein anderer amerikanischer Grossindustrieller und Sammler mittelalterlicher Kunst, James Ellsworth, hatte in Erfahrung gebracht, dass sich auf Schloss Lenzburg ein Tisch aus der Zeit 25


von Kaiser Barbarossa befinde, den er seiner Sammlung hinzufügen wollte. Er konnte den Tisch allerdings nur mit dem ganzen Schloss zusammen erwerben. So wechselte die Lenzburg im Jahr 1911 für 550‘000 Franken den Besitzer. Sein Sohn, der Polarforscher Lincoln Ellsworth, erbte das Schloss 1925, lebte hier aber nur zeitweilig. Jüngere Geschichte Nach Lincoln Ellsworths Tod im Jahr 1951 fiel der Besitz an seine Witwe Marie Louise Ellsworth-Ulmer. 1956 verkaufte sie das Schloss mitsamt der Inneneinrichtung für 500‘000 Franken an eine von der Stadt Lenzburg und dem Kanton Aargau gegründete Stiftung. Somit konnte die Anlage der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. 1960 wurde die kulturelle Stiftung Stapferhaus Lenzburg gegründet, die in das „Hintere Haus“ einzog. Zwischen 1978 und 1986 wurde das Schloss erneut einer Gesamtsanierung unterzogen und im Südwestteil des Schlossgeländes entstand eine Gartenanlage im französischen Stil. 1987 verlegte der Kanton seine umfangreichen kulturgeschichtlichen Sammlungen hierher und eröffnete das Historische Museum (seit 2007 Museum Aargau). Ab 2009 wird die Ausstellung schrittweise erneuert.

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Schlösser & Geschichten Die Gründersage der Lenzburg Der Kampf mit dem Drachen In grauer Vorzeit verwüstete ein böser Drache die Felder und Häuser der Lenzburger Bauern. Er hauste in einer tiefen Höhle im felsgekrönten Hügel und bedrohte die Menschen täglich an Leib und Leben. Eines Tages erschienen zwei strahlende Ritter. Die beiden Brüder hiessen Bertram und Guntram. Die geplagten Bauern flehten die kampferprobten Recken kniefällig an, sie möchten sie doch von dem gefährlichen Ungeheuer befreien. Die Ritter versprachen den Landleuten, den Kampf aufzunehmen. Eines frühen Morgens gürteten sie das Schwert um, schwangen sich aufs Pferd, ergriffen die Lanzen und zogen den dunstverhangenen Hügel hinan. Der Drache konnte sie nicht sehen, aber er roch sofort das warme Menschenfleisch. Mit den krallenbewehrten, ausgebreiteten Flügeln erwartete er die Ritter vor seiner Höhle. Kaum tauchten sie auf, stürzte er sich schnaubend auf Bertram, den jüngeren der Brüder und frass ihn auf. Guntram senkte die Lanze und zielte auf den Körper des Ungeheuers. Die Lanze zerbrach an den harten Schuppen. Mit gezücktem Schwert hieb er auf das Haupt und blitzgeschwind stiess er ihm die blanke Waffe in den Hals. Der Drache rollte todeswund röchelnd auf die Seite und spie den unversehrt gebliebenen Bruder wieder aus. Dankbar empfingen die Bauern ihre Befreier, erkoren sie zu Grafen von Lenzburg und erlaubten ihnen, auf dem Drachenfelsen eine Burg zu bauen.

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Fauchi – das Drachenkind Das Museum erweiterte die Wandersage mit der Geschichte, dass die Drachenmutter im Todeskampf unbemerkt noch ein Ei gelegt habe, dieses unbemerkt den Hang hinabgekullert und irgendwo im Gestrüpp hängen geblieben sei. Dieses Ei wurde dann unter Jahrhunderte altem Schutt ausgegraben und genau nach drei Jahren, neun Monaten und fünf Tagen schlüpfte ein prächtiges Junges. Nach einer Angewöhnungszeit an Menschen erhielt es einen artgerechten Käfig, wurde mit moderner Technik ausgestattet und auf „Fauchi“ getauft. Seither freut es sich über grosse und kleine Museumsbesucherinnen und Museumsbesucher. Es ist weder bösartig noch bissig. Einzig sein urtümliches Aussehen und seine rauen Laute künden von den wilden Ahnen. Auch diese zeitgenössische Geschichte wird in verschiedenen Fassungen erzählt!

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Schlösser & Geschichten Schloss Heidegg Schloss Heidegg - Das achthundertjährige Schloss Heidegg liegt in Gelfingen im Luzerner Seetal in der Schweiz, hoch über dem Baldeggersee, inmitten einer weitgehend erhaltenen Parkund Kulturlandschaft von nationaler Bedeutung.

Geschichte 1185 wird das Geschlecht der Herren von Heidegg erstmals urkundlich fassbar. Als Ministerialen standen sie im Dienst der Grafen von Kyburg, dann der Habsburger. Burg und Herrschaft entstanden im Sog der Städte- und Burgengründungswelle des 12./13. Jahrhunderts. Diese erfasste das Seetal, das damals dem überregionalen Verkehr als beste Landverbindung zwischen Gotthard, Luzern und Basel diente. Die Herrschaft Heidegg umfasste grundherrschaftliche Rechte, die niedere Gerichtsbarkeit anfänglich über Gelfingen und Altwis, ab 1430 29


auch über Lieli, Sulz und Mosen, die Vogtei über den größten Teil des Baldeggersees, Reben und Waldungen. Ende 15. Jahrhundert lösten Stadtluzerner Ratsfamilien die adligen Besitzer ab: Die Hasfurter, Tammann, Hug, Kündig, Fleckenstein, Pfyffer. Während der Reformationswirren wurde das Wohngebäude (Palas) zum Artilleriefort ausgebaut. Die Pfyffer stockten im ausgehenden 17. Jahrhundert den Bau zum heutigen Schlossturm auf. Die Stadt Luzern erwarb und sanierte 1700 die Herrschaft. 1798 endete die Gerichtsherrschaft und Heidegg zu einer Staatsdomäne des Kantons Baden und 1803 bis 1848 des Kantons Luzern, der sie nach dem verlorenen Sonderbundskrieg an den Gelfinger Bauern Joseph Heggli versteigerte. 1875 erwarb das vermögende luzernisch-amerikanische Paar Louis und Caroline Pfyffer von Heidegg-Slidell das Schloss, versah das Äussere der Anlage mit burgenromantischen Zutaten, legte einen Schlosspark an und machte 1912 den Schlossturm wieder bewohnbar. 1950 schenkten die letzten Nachfahren, die kinderlosen Witwen Mathilde von Glutz und Marie-Louise de Chambrier, das Schloss dem Kanton Luzern, der es öffentlich zugänglich machte. Den Betrieb führt seither die Vereinigung Pro Heidegg. Anfangs der 1950er Jahre verhalfen der vom deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer angeregte Rosengarten, der wieder mit Reben bepflanzte Burghügel und das neu gegründete Schweizerische Jagdmuseum Schloss Heidegg zu überregionaler Ausstrahlung. 1995-1998 unterzog der Kanton Luzern das Schloss einer Gesamtrenovation.

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Schlösser & Geschichten Gebäude und Park Der im Keller mittelalterliche, im obern Teil barocke Schlossturm beherbergt heute das Museum zur Geschichte des Schlosses und der Region. Die dem hl. Karl Borromäus geweihte Kapelle stammt aus dem 16./17. Jahrhundert, das Wohnhaus mit Gewölbekeller und Kornschütte von 1704, der Bauernhof aus dem 18.-20. Jahrhundert. Die romantische Parkanlage mit Kastanienallee, Tobelweg und Gärten aus dem späten 19. Jahrhundert wird schrittweise wieder begehbar und erlebbar gemacht.

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Die Hintere Rynach Erstmals urkundlich erwähnt, wurde die Familie Rynach im Jahre 1210. Sie dienten dem Grafen von Lenzburg und waren habsburgischer Herkunft Hesso, der jüngere der Brüder von Rynach erbaute in Herlisberg oberhalb des Seetals die Burg obere Rynach, während der ältere Bruder Arnold in Reinach blieb und die ererbten Güter behielt Das Herrschaftsgebiet der Herren von Rynach vergrösserte sich stetig. So auch als Mitte des 13. Jahrhunderts die Burg Hintere Rynach, vermutlich von den Söhnen Arnold‘s erbaut wurde. Sie stand im Westen der Gemeinde Rickenbach, bei Mullwil auf einer Hügelkuppe. Zu dieser Zeit erreichte die Herrschaft Rynach ihren Höhepunkt Die Hintere Rynach verfügte über einen besonders stark gebauten Turm, mit 16 Metern Länge und 13 Metern Breite und einer beachtlichen Mauerdicke von 2 Metern Der einzige Eingang zum Turm war in ca. 6-8 Metern Höhe. Vom Burgplatz aus gelangte man über eine steile Holztreppe hoch zum Eingang. Im Belagerungsfall hätte man die Holztreppe abgebrochen, sobald die Adligen im Turm in Sicherheit gewesen wären. Das untere Geschoss war das Verlies, welches angeblich besonders dunkel und stickig war Nach vielen Auseinandersetzungen der Eidgenossen und den Habsburgern kam es 1386 zur Schlacht bei Sempach. Wie alle Ritter der Habsburger mussten auch alle Rynacher Fami32


Schlösser & Geschichten lienzweige in die Schlacht ziehen. Die Hintere Rynach galt als uneinnehmbar, doch auch sie wurde im Jahre 1386 von den Eidgenossen erobert und abgebrannt. Die Überreste der Burg wurden im Jahre 1661 zum Bau der Kirche in Rickenbach verwendet. Vereinzelt wurden Höfe bis Ende des 18. Jahrhunderts noch mit Steinen der Burgruine erbaut. Heute lässt sich leider nur noch ein kleiner Teil der Aussenmauer erahnen.

Die Hintere Rynach Mitte des 13ten Jahrhunderts

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Legenden zur Hinteren Rynech Der Schlüsselbund Ein Ritter auf der gleichen Burgruine bietet oft dem Sager am Fusse der Burghalde am frühen Morgen einen Bund voll Schlüssel an mit dem Bedeuten, mit demselben grosse Schätze in der Ruine heben zu können. Der Sager, der Sache nicht trauend, fragt den Pfarrer in Rickenbache, der ihm solche Dinge verbietet.. Die Sage von der weissen Dame Nachbaren der Burgruine wollen auch an gewissen Tagen ein weiss gekleidetes Edelfräulein mit dem obligaten Schlüsselbund am Gürtel im Schlosshof spazieren gehen gesehen haben. Das Blattgold Einst sammelten einige Mädchen der Umgegend am Burgrain Erdbeeren, da finden sie eine Wanne voll dürren, fahlen Laubes. Ein Mädchen nimmt ein solches Laub und heftet es an sein Kleid; wie das Kind heimkommt und auf das Blatt schauen will, ist es lauter Gold. Hätten die Kinder nur ein Pfand in die Wanne mit den Laubblättern geworfen, welch‘ ein Glück für sie, die Blätter wären alle Gold und zugleich ihr Eigentum geworden.“ Die Sage von der weissen Dame Nachbaren der Burgruine wollen auch an gewissen Tagen ein weiss gekleidetes Edelfräulein mit dem obligaten Schlüsselbund am Gürtel im Schlosshof spazieren gehen gesehen haben.

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Schlösser & Geschichten Von Manzo über Manzinchoven bis Menziken Ein riesiger Gletscher hat vor rund 10 000 Jahren das gesamte Wynental bedeckt. Die Endmoräne zwischen Zetzwil und Gontenschwil ist zurückgebliebene Zeugin dieser Zeit. Das heutige Gemeindegebiet von Menziken war, so lassen Funde vermuten, bereits früh besiedelt: In der Steinzeit (3000 bis 1800 v.Chr.) und der Bronzezeit (1800 bis 800 v.Chr.) genauso wie zur Hallstattzeit (800 bis 500 v.Chr.). Römer, Kelten, Alemannen Deutliche Spuren haben die Römer mit den noch gebräuchlichen Flurnamen wie Murweid, Muracker, Rothüslifeld und Kasern - abgeleitet von „caserna“ - aber auch die Kelten und die Alemannen (6-700 n.Chr.) hinterlassen. Ein alemannischer Grossbauer namens „Manzo“ soll hier einen Hof erbaut haben. Dieser wurde nach ihm, „zem Manzinkhova“ - beim Hof der Leute des Manzo - benannt. Schriftlich nachweisbar ist „Manzinchoven“ erstmals 1045 in einer Urkunde des Grafen Ulrich von Lenzburg. Bis 1330 ist daraus „Mentzikon“ geworden, und später wurde das bis etwa 1580 - 1590 Teil der Gemeinde Reinach gewesene Dorf „Mentzicken“ genannt. Die Industrie zieht ein Bis 1729 war Menziken ein reines Bauerndorf. Die Wende brachte damals die erste Baumwoll-Manufaktur, der rasch Webereien, Spinnereien und Färbereien folgten. Etwa 1801 wurde mitten im Dorf die noch bestehende „Sagi“ erbaut. Samuel Weber legte 1838 den Grundstein für die „Oberwynentaler Tabakmetropole“. 35


Mit der Zigarrenindustrie wurden die Spinnereien und Webereien abgelöst. Neue Arbeitsplätze fanden sich bei der Herstellung von „Herkules“-Lastwagen durch C. Weber-Landolt am Ende des vorletzten Jahrhunderts sowie in der 1905 gegründeten Aluminim AG. Die zusehends wachsende Industrie liess Menziken mit der „Bank in Menziken“ bereits 1852 zum Bankenplatz werden. Seit 1857 wird hier zudem das „Wynentaler Blatt“ herausgegeben. 1904 wurde die bis dahin zwischen Menziken und Aarau verkehrende Postkutsche durch die elektrische Schmalspurbahn WSB (heute AAR bus+bahn) abgelöst.

“Schloss Alu“ in Menziken ;-) 36


Aargauer Schlösser und ihre Geschichte