Issuu on Google+

Ausgabe 3 - Sommersemester 201 1

Liebe Student_innen,

wir begrüßen euch zur neuesten Ausgabe der grün:fläche. Nach einigem Hin und Her durch neue und ungewohnte Aufgabenfelder, die sich uns seit dem Einzug in den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) erschließen, erreicht euch diese dritte Ausgabe nun mitten im Semester. Im Dezember 201 0 konnten wir bei den Wahlen im Studierendenparlament (StuPa) unser Ergebnis erneut verbessern und schafften es, die Anzahl der Sitze auf 1 5 zu erhöhen. Wir danken euch für euer Vertrauen!

campus :grün

definiert sich als eine parteienunabhängige Hochschulgruppe. Unserem Selbstverständnis nach sind wir geschlechtergerecht und basisdemokratisch organisiert. Wir treffen uns in lockerer Runde jeden Dienstag um 1 9:30 Uhr im Raum C über dem AStA Café - Eingang Studiobühne (eine Wegbeschreibung gibts auf unserer Homepage), um uns über politische Themen auszutauschen, zu diskutieren und Veranstaltungen zu planen. Am 28. Juni veranstalten wir ein Kennerlerngrillen, zu dem wir alle Interessierten herzlich einladen. Dort wollen wir unsere Gruppe und unsere Aktivitäten in einer lockeren Runde vorstellen. Dazu gibt es Leckers vom Grill und Getränke. Anschließend werden wir den Film "Empire St. Pauli" zeigen, in dem die Gefahren der Gentrifizierung am Beispiel Hamburg aufgezeigt werden. Insgesamt soll es einfach ein unterhaltsamer Abend werden. Ansonsten könnt ihr natürlich jederzeit an unseren wöchentlichen Treffen teilnehmen. Wir haben auch in dieser Ausgabe der grün:fläche versucht, ein breites Spektrum von Themen in- und außerhalb der Uni zu bedienen. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen und freuen uns über Kritik und Anregungen.

Mehr Infos über uns und weitere Termine: www.campusgruen.uni-koeln.de

Dienstag, 1 4.06.201 1 campus: grün köln Treffen Beginn: 1 9.30 Uhr - Ort: Raum C (Über dem AStA Café) Sonntag, 1 9.06.201 1 Kölner Fahrrad-Sternfahrt Montag, 27.06.201 1 campus :grün köln Treffen Beginn: 1 9.30 Uhr - Ort: Raum C (Über dem AStA Cafe) Dienstag, 28.06.201 1 Kennenlerngrillen und Freilichtkino Beginn: 1 8.30 Uhr - Ort: HumF-Wiese Sonntag, 1 0.07.201 1 Bürgerbefragung Godorfer Hafen

Frauenquote – Wer nicht hören will, muss fühlen So regelmäßig wie das Tempolimit taucht auch das Thema Frauenquote in Presse, Funk und Fernsehen auf. Ebenso wie die Diskussionen um das Tempolimit, hat jedoch trotz endloser Debatten auch die angestrebte Gleichstellung von Frauen und Männern in der Wirtschafts- und Arbeitswelt sowie in Politik und Gesellschaft, in den letzten Jahren keine wesentlichen Fortschritte gemacht. In diesen Bereichen sind wir noch weit von der Geschlechtergerechtigkeit entfernt. Im Wirtschaftsleben zeigen schon die nackten Zahlen, wie notwendig hier ein Durchbruch ist. Wie inzwischen hinlänglich bekannt, besetzen die Männer 90% der Spitzenpositionen in der Wirtschaft. Dieser Wert stagniert seit Jahren, als wäre er ein Naturgesetz. Wo jedoch liegen hier die Ursachen dieser Diskrepanz, und viel wichtiger, wie kann man hier Veränderungen bewirken? Die in der Vergangenheit fehlende Bereitschaft der Konzerne, sich mit dem Thema Frauenquote konstruktiv auseinander zu setzen und eigenständig Maßnahmen zu entwickeln, die ein frauenfreundliches Klima in den Betrieben erzeugt, haben zu den heutigen katastrophalen Umständen geführt. So sehen sich die Konzerne nun mit der Situation konfrontiert, dass sogar rechtliche Schritte zur Einführung einer Frauenquote ernsthaft diskutiert werden. „Wer nicht hören, will muss fühlen“ ist ein in der Erziehung zu recht überholtes Motto; für die Wirtschaft bekommt es hier jedoch einen aktuellen Bezug. Betrachtet man zum Beispiel die „Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft“ aus dem Jahre 2001 , so wird deutlich, dass die Regierung sich der Problematik durchaus schon vor über 1 0 Jahren bewusst war. Leider zeigt diese Vereinbarung jedoch auch, wie wenig eine freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft in diesem Themenbereich bewirkt. Wenn nun die freiwilligen Maßnahmen kläglich gescheitert sind, stellt sich die Frage nach wirkungsvollen Alternativen. An dieser Stelle lohnt sich ein Blick ins benachbarte Ausland. So haben Länder wie Finnland, Niederlande, Spanien, Frankreich und viele andere bereits seit Jahren eine Frauenquote, sowie Stufenpläne zum langfristigen Ausbau dieser Quoten. Besonders wirkungsvoll wurde dieses Konzept in Norwegen, mit einer gesetzlichen Frauenquote von 40% in den Vorständen der eingetragenen Aktienunternehmen, umgesetzt. Dennoch ist die Wirtschaft in Norwegen nicht zusammengebrochen. Ganz im Gegenteil haben selbst in den Jahren der Wirtschaftskrise die weiblichen Impulse zu einem gesunden Wachstum von 2% beigetragen.

In Deutschland hingegen beträgt der Männeranteil an den Vorstandsposten der Dax-30-Unternehmen nahezu nicht vorstellbare 98 Prozent. Frauen sind hier also ebensolche Exoten wie männliche Kindergärtner. Im Global Gender Gap Report 201 0, der die Gleichstellung von Männern und Frauen bewertet, liegt Deutschland nur auf einem unrühmlichen 1 3. Platz noch hinter Lesotho sowie den Philippinen. Und bei der reinen Betrachtung der Zustände in der freien Wirtschaft, liegt die BRD sogar auf dem katastrophalen 37. Platz. Betrachtet man die Faktoren, die Frauen meistens als Karrierehemmnis angeben, so lässt sich das Ziel der Gleichstellung von Frauen und Männern allein mit der Frauenquote jedoch nicht verwirklichen. Die negativen Einflussfaktoren sind in den seltensten Fällen Probleme der Vereinigung von Familie und Beruf. Viel häufiger sind die patriarchalen Strukturen und das gewünschte stereotypisch männliche Verhalten, sowie die mangelnde Chancengleichheit der Grund, warum Frauen nicht um die höheren Positionen kämpfen. Das familienunfreundliche Klima der Präsenzkultur ist ein weiterer Aspekt, der Frauen daran hindert sich beruflich zu verwirklichen. Aber nicht nur im Wirtschaftsleben, sondern auch im Bereich der Wissenschaft, sind Frauen noch weit von einer beruflichen Gleichstellung mit Männern entfernt. Hier zeigen die Zahlen ebenfalls ein erschreckendes Bild: Liegt der Frauenanteil der Studierenden insgesamt, als auch der Studierenden mit erfolgreichem Abschluss, bei ca. 50%, so weist das statistische Bundesamt (Stand 2009) jedoch nur 1 8,2% Professorinnen und 1 0,5% Lehrstuhlinhaberinnen aus. An dieser Stelle kommt aus der Männerwelt oft das Argument, dass sich nur sehr wenige Frauen nach abgeschlossenem Studium weiter zielstrebig wissenschaftlich fortbilden. Hier ist die Promotion ein aussagefähiges Indiz, da sie eine Voraussetzung für eine Professur ist, aber auch die meisten Vorstände von Dax-30-Unternehmen promoviert haben. Die Zahlen geben aber selbst hier kein Argument für die Vorherrschaft der Männer her, da auch bei den Promotionen der Frauenanteil mit ca. 44% deutlich höher als bei Führungspositionen in Wirtschaft und Wissenschaft ist. Hieraus wird klar ersichtlich, dass Frauen trotz gleich guter, ja teilweise exzellenter Ausbildung bei Führungspositionen benachteiligt werden; der Fachbegriff für eine gruppenspezifische Benachteiligung ist Diskriminierung. Haben nun Universitäten Einflussmöglichkeiten, gegen diese Diskriminierung anzugehen? Im Bereich der wissenschaftlichen Karrieren ist dies sicherlich möglich, aber auch zahlenmäßig bedeutender ist

der Bereich der Führungspositionen in der Wirtschaft. Welche Möglichkeiten hat hier z. B. die Uni Köln, die ja recht gute und intensive Beziehungen zu Wirtschaftsunternehmen hat und die auch bei Vorstandspositionen, wenn man deren Ausbildung betrachtet, überproportional vertreten ist? Spezielle Uniseminare für Frauen zur Vorbereitung auf führende Aufgaben in der Wirtschaft sind, ungeachtet der mangelnden Erfolgsaussichten, sicherlich nicht im Interesse der weiblichen Studierenden, die ja bewusst keine Sonderrolle haben wollen. In den Unternehmen selbst haben die Universitäten hingegen fast keinen Einfluss mehr. Die Studienabgängerinnen werden ja nicht sofort als Führungskraft eingestellt, sondern müssen innerhalb des Unternehmens in vielen Jahren die Karriereleiter Stufe für Stufe erklimmen. Dennoch könnten gerade die Universitäten dadurch ein Signal setzen, dass Frauen in der Professor_innenschaft – notfalls mit einer festen Quote stärker vertreten sind. Dies wäre ein deutliches Zeichen für die Studentinnen, dass in der Hierarchie auch Frauen Chancen auf die Toppositionen haben. Ebenfalls in der Außenwirkung sähe man darin ein Beispiel für die gelungene Umsetzung der Chancengleichheit der Frauen. Im Studierendenalltag könnte eine Vermittlung der Lernund Forschungsinhalte vermehrt durch Frauen zu einer Stärkung des Selbstbewusstseins der Studentinnen führen und ihnen bewusst machen, dass gerade sie als Frauen in den patriarchalen Strukturen benötigt werden. Denn es ist wissenschaftlich bewiesen, dass neben dem rein erlernbaren Faktenwissen gerade weiche Faktoren eine erfolgreiche Führungsposition definieren. Dazu gehören im Wesentlichen Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit und Empathie; also Eigenschaften, die eher Frauen zugeschrieben werden. Es deutet also Vieles darauf hin, dass es keine rationalen Gründe gibt sondern es systemimmanent ist, dass Frauen bezüglich der Führungspositionen diskriminiert werden. Hier können nur Zwangsmaßnahmen die eingefahrenen Strukturen in Wirtschaft und Wissenschaft aufbrechen, also eine gesetzlich fixierte Frauenquote. „Wer nicht hören will, muss fühlen“. (von Katrin Becker)


Hafenausbau soll Kölner Naturschutzgebiet zerstören Jede Stadt hat ihre riesigen, meist überdimensionierten, Prestigeobjekte. Diese Bauvorhaben werden dann als „historisch“ und „wirtschaftlich nötig“ für die Stadt beschrieben: „Eine gute Investition in die Zukunft!“ Köln hatte in den vergangenen Jahren einige dieser Prestigeprojekte: - Das alte Kölner Schauspielhaus, das abgerissen werden sollte, nun aber nach heftigen Protesten saniert wird, - der Bau der Kölner Müllverbrennungsanlage, ein Schmiergeldskandal, der nicht nur Unsummen an Steuergeldern verschwendete, sondern auch so überdimensioniert ist, dass der Kölner Müll nun besonders teuer verbrannt wird, und - der U-Bahn-Bau, der immer mehr Zeit, Geld und schrecklicherweise das Stadtarchiv verschlungen hat. Man sollte meinen, Köln hätte aus der Kontinuität von Bauvorhaben nach dem Motto „höher, größer, weiter, teurer“, welche den Bürger_innen von oben aufgedrückt und bei denen meist Alternativen außen vor gelassen wurden, gelernt. Doch nun rückt erneut ein Prestigeprojekt in den kommunalen Fokus: Der Ausbau des Godorfer Hafens.

gerinitiativen unterstützen unseren Hasen und seine vielen Freund_innen zusammen mit GRÜNEN, FDP und LINKEN. Mit einer stattgegebenen Klage gegen das Planfeststellungsverfahren konnte der 2009 begonnene Bau wegen „Unregelmäßigkeiten“ im Verfahren frühzeitig gestoppt werden. Dieser Stopp war jedoch keine juristische Entscheidung über den Ausbau per se. So ruht der Ausbau derzeit, ist aber noch lange nicht vom Tisch. Die Gegner des Ausbaus machen weiter argumentativ mobil: Dass der Umschlagplatz nicht ausreicht, ist insofern kaum haltbar, da die Kapazitäten des Hafens Köln-Niehl gar nicht zur Disposition stehen. Hier liegt die Frage auf der Hand, ob andere Kölner Häfen noch Kapazitäten besitzen oder diese ausbauen könnten. Ebenso könnte eine regionale Kooperation mit Neuss, wie sie schon zwischen anderen Städten besteht, völlig neue Optionen eröffnen. Die Arbeitsplätze, die für den Hafen Godorfs geschaf-

fen würden, entstünden so auch an anderen Stellen. Dies macht die schwarz-rote Milchmädchenrechnung zunichte. Da die Stadt Köln dieses Prestigeprojekt mit Steuermitteln in Höhe von mindestens 67 WahnsinnsMillionen-Euro (!) unterstützen müsste, schleicht sich wieder einmal der nicht unbegründete Verdacht ein, dass hier eher wirtschaftlichen Interessen von Unternehmen Platz gemacht wird, um ein für sie gutes Geschäft mit dem Geld der Kölner Bürger_innen zu machen.

und Mini-Wini-Würstchenketten stapeln sich Putenbrüste fragwürdiger Herkunft zu einem Spottpreis. 2,50 Euro für 500 Gramm Schweinehack – das ist schon ziemlich wenig, wenn man bedenkt, dass da ein Säugetier drin steckt, welches in der Lage ist, sein eigenes Spiegelbild zu erkennen und unter natürlichen Lebensbedingungen ein ausgesprägtes Sozialverhalten an den Tag legt. Eklig soll es ja auch bei Wiesenhof zugehen. „Deutschlands Geflügelmarke Nummer 1 “, wie es auf deren Webseite heißt, versorgt uns zum Beispiel mit „Leckereien“ wie dem Bruzzler und zeichnet sich verantwortlich für den Tod von über vier Millionen Hühnern pro Woche. PETA und Foodwatch wettern schon länger gegen den Geflügelproduzenten, und gerade hat der Stern über untragbare Hygienezustände in deren Schlachtbetrieb in Mö-

ckern (Sachsen-Anhalt) berichtet. Neben Schimmel und zu hohen Temperaturen in den Räumlichkeiten sollen geschlachtete Tiere durch ihren eigenen Kot verunreinigt worden sein. Dazu betrage die Zeit, die zur Kontrolle der Tiere auf Krankheiten angesetzt ist, nur knapp eine Sekunde. Wiesenhof möchte nun rechtliche Schritte einleiten und streitet die Vorwürfe ab. Unabhängig der hygienischen Zustände – die vier Millionen Hühner in der Woche haben sicher kein angenehmes Leben im Tageslicht oder gar auf einer Wiese verbracht. Massentierhaltung ist eine widerliche Angelegenheit, auch ohne Vogelscheiße. Und das alles, um die Nachfrage zu decken.

ten konfrontiert – wir sind gewohnt, beim Einkaufen genau das zu bekommen, was wir suchen, in genau der Menge, die wir haben wollen und genau dann, wenn wir es wollen. Doch irgendwie wird das Tier dabei zur Wegwerfware. Die Distanz zwischen Produktion und Konsum ist so groß geworden, dass es uns kaum kümmert, wo eigentlich herkommt, was wir essen. Oder unter welchen Umständen es entstanden ist.

Die Zeiten des Verzichts sind schon lange vorbei, nie sahen wir uns oder unsere Eltern sich mit Hungersnö-

(von Philip Oeser)

Die letzte Chance, diesen Hafenausbau endgültig zu stoppen, ist die beschlossene kölnweite Bürgerbefragung, die nach Aussagen der Ratsfraktionen bindend für eine endgültige Entscheidung sein soll. Die Hürde, die genommen werden muss, ist, dass mindestens 1 0% aller Wahlberechtigten Bürger_innen (alle Menschen über 1 6 Jahren, die in Köln wohnen!) zur Ab-

stimmung gehen müssen, um eine Entscheidung herbeizuführen. Sollte dieses Quorum für JA oder NEIN nicht erreicht werden, stünden wir wieder am Anfang und damit am Ende der Sürther Aue. Diese Bürgerbefragung eröffnet gleichzeitig die immer noch seltene Möglichkeit, dass die Kölner Bürger_innen sich direkt an Entscheidungsprozessen eines Großprojektes beteiligen können. Das bedeutet nicht nur die lobenswerte Einsicht der politischen Parteien, die Bürger_innen auf politischen Wegen intensiver mitzunehmen, sondern auch eine Stärkung der direkten Demokratie. Alle Kölner_innen sollten ihre Chance nutzen, einem überflüssigen Haufenausbau und der Vernichtung eines Naturschutzgebiets die rote Karte zu zeigen. (von Max Christian Derichsweiler)

Go… was? Der im Kölner Süden gelegene Umschlagplatz für Schiffe mit (u.a.) Gefahrentransporten soll ausgebaut werden. Das hatten die Mehrheiten von CDU und SPD nach 1 9 (!) Jahren Hin und Her 2007 beschlossen. Ihre Argumente: Der bestehende Platz für den Containerumschlag reicht nicht aus. Daher müssen wir bauen, das schafft gleichzeitig noch Arbeitsplätze und kurbelt die kommunale Wirtschaft langfristig an. Doch Vielen gefällt dieser Ausbau überhaupt nicht. Zum Beispiel dem Hasen, der über die Sürther Aue hoppelt. Der lebt nämlich in dem 1 20.000 qm großen Naturschutzgebiet der Sürther Aue, die am Rhein an den Hafen Godorf grenzt. Mit dem Entscheid der CDU und SPD im Kölner Stadtrat wurde die Zerstörung von 70.000 qm des Naturschutzgebiets beschlossen. Bür-

Gruß aus der Küche Schon wieder ein Text über Ernährung und Fleischkonsum. Das ist ja so 201 0. Vegetarismus als Teil eines hipsteresken Lebensstils. Mehr gesundes Essen in den Schulen. Jamie Oliver, der Küken vor laufender Kamera umbringt, um auf die haarsträubenden Vorgänge in Schlachtereien aufmerksam zu machen. Jonathan Safran Foer und sein Buch „Eating Animals“. Wieso muss man sich eigentlich immer von allen Seiten in sein Mittagessen reinquatschen lassen? Schon seit längerem nimmt das Thema Ernährung einen großen Stellenwert im gesellschaftlichen Raum ein und ist Anlass für hitzige Diskussionen. Auch die Einführung eines veganen Gerichts in der Hauptmensa der Universität hat sicherlich schon für Gesprächsstoff gesorgt – hurra, denken manche und freuen sich auf Sojaspieß und Tofubratlinge. Während andere die Augen verdrehen, genüsslich an ihrem Hähnchenbrustfilet „Kaschmir“ knabbern und die Ökoidioten belächeln. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ernähren sich 1 ,6 % aller in Deutschland lebenden Menschen vegetarisch. Die Tierschutzorganisation PETA spricht von sechs Millionen Vegetarier_innen. Dass Vegetarismus und Veganismus gesundheitliche Vorteile bringen, ist wohl nicht abzustreiten. Menschen, die auf Fleisch oder gar völlig auf tierische Produkte verzichten, leiden zum Beispiel seltener an Übergewicht, haben bessere Cholesterinwerte und damit ein geringeres Risiko für Herzkreislauferkrankungen. Immer stärker in den Vordergrund von Forschungen rückt auch die Auswirkung der Ernährung auf die Entstehung von Krebs – Nüssen und Gemüse wird oftmals eine Schutzfunktion zugesprochen. Vielleicht ist dies jedoch auch aufeinen allgemein gesundheitsorientierteren Lebensstil zurückzuführen – Leute, die sich bewusst mit dem auseinandersetzen, was sie essen, treiben häufiger Sport, trinken und/oder rauchen weniger. Gleichzeitig ist allerdings auch bekannt, dass durch fleischfreie Ernährung Mangelerscheinungen auftreten können. Gerade Vitamin B1 2 kommt nur in tierischen Produkten vor und kann durch Ernährungszusätze nicht immer ersetzt werden, was bei Schwangeren, älteren Menschen oder Kindern zu Problemen führen kann. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät aufgrund dessen sogar davon ab, sich dauerhaft vegan zu ernähren, während sie bei ovo-lacto-vegetarischer Ernährung – das heißt: kein Fleisch, aber Eier, Milch, Käse, etc – keine Probleme sieht. Veganer_innen wehren dies mit dem Argument ab, die DGE sei mit Fleisch- und Landwirtschaftslobbyisten durchsetzt. Den gesundheitlichen Aspekt außer Acht lassend: Ein Blick in das Kühlregal im Supermarkt gibt einem schon zu denken. Neben Widerlichkeiten wie Bärchenwurst

Hin und wieder mal ein Sojaspieß ist vielleicht doch nicht so verkehrt. Und wenn es nur für das gute Gewissen ist.


Am 1 7. Mai war der diesjährige IDAHO – International Day Against Homophobia

Zwei junge Studenten spazieren händchenhaltend durch Köln-Lindenthal. Sie freuen sich auf einen sonnigen, unbeschwerten Nachmittag. Zwei andere junge Männer kommen ihnen entgegen. Als sie nur noch ein paar Meter von einander entfernt sind, hustet einer von ihnen in seine Faust. Nicht laut, aber deutlich ist für das händchenhaltende Paar das Wort „Homo!“ zu vernehmen. Der unbeschwerte Nachmittag ist dahin. Ähnliche Situationen sind für viele Menschen Alltag. Sie sind Beleidigungen, die kaum geahndet werden können, sowie gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt. Formen wie diese kennen wir aus rassistischen und antisemitischen Kontexten: Da ist jemand anders als die anderen. Man will meinen, dass in einem demokratischen, bürgerrechtlichen Staat Diskriminierung von gesellschaftlichen Minderheiten kaum Thema ist. Schließlich hat sich die Republik den Schutz von Anderssein als Recht eines jeden im Grundgesetz festgeschrieben: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Doch die Realität sieht oft ganz anders aus und das gerade für Menschen, die sich selbst als Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle (LSBTI) verstehen und zu unrecht bisher nicht in den zitierten Artikel 3.3 des Grundgesetzes aufgenommen worden sind. Meist stehen LSBTI nicht diskriminierenden Menschen gegenüber, die aus Überzeugung heraus andere bewusst geringschätzen und angreifen, sondern es wird deutlich, dass die letztendliche Diskriminierung nur Resultat eines tiefer gehenden Problems ist. Homophobie, im Sinne einer Aversion gegen LSBTI, ist keine klassische klinische Phobie. Der Begriff drückt aber gerade passend die irrationale Angst und die damit verbundene argumentativ überhaupt nicht begründbare Feindseligkeit aus. Eine von Angst dominierte, innere homophobe Haltung ist juristisch nicht strafbar und so grenzt unsere rechtsstaatliche Ordnung an ein homophob-gesellschaftliches System. Damit sind wir beim Kern des Problems: Unser gesellschaftliches System setzt Bedingungen voraus und gibt Rahmen vor, die einer gesellschaftlichen Inklusion von LSBTI entgegengesetzt sind, die stetig mit Vorurteilen tradiert werden. So sind Schwule „verweiblicht“ und „Kampflesben“ wollen sowieso lieber Männer sein

oder hatte anscheinend bloß noch keinen richtigen Kerl. Anstatt die bestehende Verbindung von biologischen Geschlecht und sozialer Rolle kritisch zu hinterfragen, sich einzugestehen, dass wir in einer vielfältigen Gesellschaft leben und nicht Heterosexualität als gängige Norm vorausgesetzt werden kann, und sich klar zu werden, dass es keine Polarität von männlich und weiblich gibt, ebenso wenig wie von homo- und heterosexuell, wird lieber weiter in homophoben Formen kategorisiert und eine Gruppe stigmatisiert, bei denen man mal nonchalant zur „schwulen Sau“ übergehen kann. Auch die Universität und die Wissenschaft sind von der Homophobie nicht gefeit. Neben kritikwürdigen Äußerungen besonders im Jahr 2009 von einer Kölner Dozentin, findet man als ersten Treffer zu „Homosexualität“ im Kölner Uni-Katalog „KUG“ einen Titel, dem folgende Passage entnommen ist: „Dass Homosexualität nicht änderbar sei, ist einer der wichtigsten – und freilich weit verbreiteten – Irrtümer der Debatte.“ (Hempelmann, Heinzpeter: Liebt Gott Schwule und Lesben? Gesichtspunkte für die Diskussion über Bibel und Homosexualität. Wuppertal 2001 , S.35). Gerade reaktionäre-religiöse Kreise greifen auf veraltete Studien zurück, ignorieren aktuelle Forschungsdiskussionen und propagieren eine „Heilung“ oder „Therapie“ von Homosexualität. Und das obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 1 7.5.1 990 Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel der Krankheiten strich. Als Mahnung hieran wurde der 1 7. Mai zum International Day Against Homophobia IDAHO. In Deutschland ist die numerische Verbindung eine potenzierte Mahnung, da der berühmtberüchtigte §1 75 StGB besonders im Dritten Reich, aber auch in der jungen BRD herangezogen wurde, um Schwule systematisch zu verfolgen und zu inhaftieren; eine Entschädigung ist bis heute nicht erfolgt. Jedes Jahr wollen LSBTI und ihre Freund_innen nicht nur vor vergangene Zeiten der staatlichen Unterdrückung mahnen, sondern sich gegen Homophobie und strukturelle Diskriminierung einsetzen. Dieses Jahr stiegen dazu überall auf der Welt bunte Luftballons mit einer anhängenden Botschaft gegen Homophobie auf. (von Max Christian Derichsweiler)

Naziaufmarsch 201 1 in Stolberg - Ein Bericht Am zweiten Aprilwochenende kamen Neonazis in Stolberg bei Aachen zusammen, um in zwei Märschen ihrer menschenverachtenden und demokratiefeindlichen Gesinnung Ausdruck zu verleihen. Am Freitag geschah dies mit einem Fackelmarsch, der nicht zuletzt an schreckliche Ereignisse des frühen Nationalsozialismus erinnerte. Am Samstag marschierte dann eine größere Gruppe Neonazis durch die Innenstadt Stolbergs. Dies taten sie schon im Jahre 2008 und 2009 und sorgten damit für Empörung bei vielen antifaschistisch eingestellten Menschen in ganz Nordrheinwestfalen, Belgien und den Niederlanden, die sich auch in diesem Jahr zu Wehr setzten. Stolberg ist nicht zufällig zum Austragungsort rechtsextremer Events ausgewählt worden. Zwar beziehen sich Neonazis nicht auf den zweiten Weltkrieg, wie dies beim Aufmarsch im Februar in Dresden anlässlich der Bombardierung durch die Alliierten geschah, doch trotzdem wird auch hier jüngere Geschichte massiv verdreht, um ins braune Denkmuster zu passen.

beitragen konnten und kamen zu dem Entschluss eine Demonstration zum offiziellen Kundgebungsplatz des „Bündnisses gegen den Naziaufmarsch in Stollberg“ anzumelden. Diese wurde relativ schnell genehmigt, was die Polizei dazu verpflichtete uns den Weg zur Kundgebung zu ermöglichen. Doch das Recht zu haben bedeutet noch lange nicht das Recht zu bekommen. Das mussten wir auf unserer Route immer wieder feststellen. Viele kleinere Stopps aus fadenscheinigen, unverständlichen Gründen verlangten uns immer wieder Geduld und Ruhe ab.

Sie liest sich wie folgt: Am 4. April 2008 kam es zu einer Auseinandersetzung zweier Gruppen Jugendlicher in der Innenstadt von Stolberg, wo ein Junge durch Messerstiche getötet wurde. Ein Streit um ein Mädchen ging der Tat anscheinend voraus, was eine politische Motivation praktisch ausschließt. Nichtsdestotrotz behaupten die Nazis, dass der Getötete einer der ihren war, der unschuldig von einem Ausländer umgebracht wurde. Damit missbrauchen sie ihn für ihre Zwecke, indem sie einen Märtyrerkult um ihn aufbauen und ihn post mortem aus purer Eigennützigkeit in ihre „Gemeinschafft“ aufnehmen. Die Perversion des Ganzen spiegelt sich auch auf Werbeplakaten wieder, wo die Frage „Willst du der nächste sein?“ gestellt wird. Die Naziszene ist seit jeher in Aachen und im Umland sehr aktiv. Die Freie Kameradschaft Aachener Land versucht mittels der Erlebniswelt Demonstration auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen und besonders junge Menschen zu rekrutieren. Ein Anwachsen der Szene in den letzten Jahren ist ein weiterer Grund dem rechten Treiben entgegenzuwirken. Deshalb fühlten auch wir uns dazu verpflichtet an diesem Wochenende vor Ort zu sein, Flagge zu zeigen und die Nazis in ihre Schranken zu weisen. Bei allen aktuellen Fragen rund um die Integrationsdebatte, Flüchtlingspolitik und den Islam in Deutschland können nationalistische und rechtspopulistische Tendenzen zu einer echten Gefahr für Rechtsstaat und auch ganz konkret für einzelne Menschen werden, die dann als Zielscheibe aufgestauten Hasses fungieren. Schon Stunden vor dem Großaufmarsch begaben wir uns mit vielen anderen Gegendemonstranten auf den Weg von Köln nach Stolberg. Dort angekommen besetzten wir mit etwa 700 Menschen den Bahnsteig, um die Ankunft von bahnreisenden Neonazis zu verhindern. Diese Taktik ging auf und tatsächlich konnten die Züge vorerst nicht in den Bahnhof einfahren. Zu groß war die Gefahr von Zusammenstößen zwischen Nazis und Gegendemonstranten. Die Polizei ermöglichte jedoch, dass ein Zug auf einem anderen Gleis anhalten konnte und Nazis völlig abgeschirmt aus dem Bahnhof geleitet wurden. Eigentlich fehlte nur noch ein roter Teppich. Auch wir überlegten, was wir anschließend zur Verhinderung des Aufmarsches

Eine Aktion der Polizei war jedoch an Unverhältnismäßigkeit nicht zu überbieten und entbehrte zudem jeder gesetzlichen Grundlage. In einem Wohnviertel in der Nähe der Naziroute wurden wir für mehr als eine Stunde von der Polizei gekesselt, und das nur, weil ein Polizist seine Dienstanweisung verloren hatte und der gemeine Polizist ohne Anweisungen paralysiert ist. Eine weitere Dreistigkeit offenbarte sich in der kollektiven Bezichtigung des Diebstahls, wonach wir mit Leibesvisitationen rechnen mussten, um den Übeltäter ausfindig zu machen. Dass die Teilnehmer der Demo der Polizei auch noch die Unrechtmäßigkeit ihres Vorgehens erklären mussten war das Höchstmaß an Absurdität an diesem Tage. Trotzdem muss auch die Friedlichkeit der Gegendemonstranten Erwähnung finden, die die zahlreichen Sit-ins mit Gleichmut hinnahmen und bis zum Ende gewaltlos blieben. Unterdessen startete der Naziaufmarsch nach vier Stunden Verzögerung, während wir noch die letzten Meter zum Kundgebungsplatz zurücklegten. Ziemlich ermüdet und von der Sonne errötet sahen wir noch, wie sich der Nazitross unter ziemlichen Zeitdruck durch die Stolberger Straßen schlängelte. Lautstark ertönte der Protest, nun auch von einigen Einwohnern Stolbergs, die zum großen Teil auch „Kein Bock auf Nazis“ haben. Die abnehmende Zahl teilnehmender Neonazis im Vergleich zu den Vorjahren gibt uns in unserem Handeln recht. Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen, dass nicht verschwindet, solange man stillschweigend passiv bleibt. Wenn nun im nächsten Jahr erneut Neonazis durch Stolberg ziehen, können sie sich auf weitere antifaschistische Aktionen einstellen, die hoffentlich noch viel mehr Menschen mobilisieren, damit Nazis kein ruhiges Fleckchen mehr in Deutschland finden. (von No Go Area)

Vegane Rezepteecke für den Grill Gefüllte Champignons

Gemüsespieß

Fruchtiger Spieß

- Champignons aushöhlen - Kräuter nach Wahl und Knoblauch fein hacken - Veg. Butter oder Margarine schmelzen, Kräuter und Knobi hinzugeben - Kräuterbutter hart werden lassen (kann man auch für das obligatorische Baguette oder einfach so nehmen) - Champignons mit Kräuterbutter "füllen" - Auf den Grill legen

- Gemüse nach Wahl (z.B. Auberginen, Paprika, Zucchini) in spießgerechte Stücke schneiden, aufspießen - Aus Olivenöl, Sojasauce, gehacktem Knobi und roten Zwiebeln, Kräutern & Gewürzen (Rosmarin, Thymian, Oregano, Majoran, Chili, Muskat, Pfeffer, Salz....) - Marinade anrühren (auch ein bisschen frischen Zitronensaft hinzugeben) - Spieße in Marinade einlegen (ich denke 1 -2 Stunden sollten ausreichen) - Auf den Grill legen

- Ananas, Paprika und Lauchzwiebeln in spießgerechte Stücke schneiden - Nacheinander aufspießen - Mit Öl bestreichen, Thymian drüber streuen, einziehen lassen - Auf den Grill legen

Gefüllte Paprika

- Paprika halbieren bzw. aufschneiden (also so, dass man sie füllen kann, den Rest kann man für Spieße benutzen) - Räuchertofu zerkrümeln - Rote Zwiebel, Knobi, Basilikum und Petersilie kleinhacken - Zutaten mit Tomatenmark vermischen, nach Geschmack salzen und Pfeffern, in die Paprika füllen auf den Grill legen

Tofuspieß

- z.B. Räuchertofu, Basilikumtofu oder selbst marinierten Tofu in Würfel schneiden - Champignons und eine rote Zwiebel spießgerecht schneiden - Getrocknete Tomaten - Alles nacheinander aufspießen - Mit Öl bestreichen, Pfeffer und Chili drüber geben, etwas ziehen lassen - Auf den Grill legen

Gemüsetäschchen

- Kartoffeln mit Schale in kleine (!) Stücke schneiden - Brokkoli, Paprika und was euch sonst noch einfällt ebenfalls kleinschneiden - Mais (am besten frischen) - Alle Zutaten auf eine Alufolie geben, Öl oder Kräuterbutter darüber geben, salzen und pfeffern

- Einen vollständig verschlossenen "Alu-Knäul" formen - In die Glut legen Avocado-Dip

- Weiche Avodado ausschaben - Caschews mahlen - Rote Zwiebel, Chili u. frische Petersilie hacken - Alles vermengen, salzen & Pfefferm und einen Spritzer frische Zitrone dazu geben Nudelsalat

- Vollkornfussili kochen - mit Pesto nach Wahl (z.B. Arrabiata oder Basiliko von Alnatura) vermengen, gegebenenfalls "verschärfen" oder verlängern - Pinienkerne und Pistazien rösten - Kirschtomaten halbieren - Alles miteinander vermengen und Rucola oben drüber geben mit netter Unterstützung von http://idogiveadamn.blogspot.com


Vom Hinsetzen und Sitzenbleiben - Hintergrund: Ziviler Ungehorsam Der Begriff des zivilen Ungehorsams kommt immer dann auf, wenn z.B. wieder mal ein Castortransport durchs Land rollt, oder rechtsextrem gesinnte Menschen versuchen ihre faschistischen Parolen öffentlich zu verbreiten. Aber was genau ist denn das „ziviler Ungehorsam“? Legal ,nicht legal? Nötig, unnötig? Welche Aktionen fallen darunter? Diese Fragen versuche ich zu beantworten, jedoch sei eins von vornherein gesagt, dieser Begriff ist schwer zu fassen und genau das macht ihn aus. Ziviler Ungehorsam wird f��lschlicher Weise oft mit Revolution oder Umsturz assoziiert, das Gegenteil ist der Fall. Es geht um eine Form von politischer Partizipation, bei der die Bürger_innen bewusst gegen das bestehende Recht verstoßen, um zu symbolisieren, dass ihr „ Gewissen Widerspruch aus Gehorsam gegenüber höherrangigen, der Verfassung jedoch zu Grunde liegenden Menschenrechten verlangt“ (Elke Steven: Ziviler Ungehorsam, in: Ulrich Brand et al: ABC der Alternativen, Hamburg (VSA) 2007, S. 262f.). Dabei bewegt er sich im Spannungsfeld zwischen eben diesem bestehenden Recht, dem er als Staatsbürger unterworfen ist und den von seinem Gewissen vorgegebenen Gerechtigkeitsnormen. Die Beteiligten müssen dabei immer das Gesamtwohl im Auge haben und das Ziel verfolgen durch die Regelüberschreitung auf herrschendes Unrecht aufmerksam zu machen. Dabei muss die unbedingte Bereitschaft bestehen sich den strafrechtlichen Konsequenzen zu stellen. Zum ersten Mal erwähnt wurde der Begriff des zivilen Ungehorsams (civil disobedience) 1 849 von Henry David Thoreau. Sein Anliegen war der Protest gegen den Mexikokrieg und die Sklaverei, den er kundtat, indem er die Zahlung der Steuern verweigerte. Sein Ziel war eine Regierung, die dem Volke dient. Dazu bedarf es „ redlicher Bürger“ (Thoreau, H. D.: Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat, S. 34), die sich verpflichtet fühlen, Gesetze auf ihre Legitimität hin zu überprüfen. Des Weiteren betont er jedoch auch, dass Gesetze eingehalten werden müssen, wenn sich gerecht sind. Auch Mohandas Karamchand Gandhi und Martin Luther King Jr., gelten als Väter des Begriffs zivilen Ungehorsams, wobei Gandhi von zivilem Widerstand sprach und seine Thesen auf den Hinduismus und des Jainismus begründete. Elke Steven merkt an, dass „ Frauen (…) paradoxerweise nicht als Mütter des Zivilen Ungehorsams“ (Elke Steven: Ziviler Ungehorsam, in: Ulrich Brand et al: ABC der Alternativen, Hamburg (VSA) 2007, S. 262f.) gelten. Auch wenn Rosa Parks im Kampf gegen die Apartheid das Gesetz brach und als schwarze Frau im Bus sitzen blieb. Würde man fragen in welchen Aktionsformen sich der zivile Ungehorsam äußert, wäre die Sitzblockade wohl mit Abstand die Erstnennung. In Deutschland gibt es viele Beispiele zivilen Ungehorsams, die deutlich machen, dass ziviler Ungehorsam nicht gleichzusetzen ist mit Sitzblockaden, auch wenn in den 80er Jahren hier wohl der Höhepunkt bei Blockaden gegen die Stationierung von Atomwaffen lag. Es gibt jedoch eine ungemeine Vielfalt an möglichen Varianten. Eine neu aufkommende Form sind Aktionen gegen den Überwachungsstaat: Einige Tonnen Datenmüll an die Regierung schicken, den Funkchip des elektronischen Reisepasses in der Mikrowelle zerstören usw. Die wohl bekanntesten Beispiele sind: die indische Unabhängigkeitsbewegung, die US-amerikanische Civil Rights Movement, die Anti-Atomkraft-Bewegung, die Friedensbewegung, sowie die Montagsdemonstrationen im Jahr 1 989 in der DDR. Eine für den Raum Köln spannende Variante des zivilen Ungehorsams ist die Hausbesetzung. Wie die Entwicklung des Autonomen Zentrums in Köln zeigt, ist der zivile Ungehorsam eine Gradwanderung, bei dem ein Teilerfolg nicht selbstverständlich, aber möglich ist! Wie schon erwähnt, bewegt sich der Akt des zivilen Ungehorsams in einem rechtlichen Graubereich. Dabei ist zu beachten, dass der zivile Ungehorsam an sich nicht strafbar ist, sondern nur durch seine Ausübung in Form von bestimmten Handlungen rechtlich problematisch wird. An für sich kann der Akt des zivilen Ungehorsams nicht legal sein, da er „geradezu von der Rechtsverletzung“ (Elke Steven: Ziviler Ungehorsam, in: Ulrich Brand et al: ABC der Alternativen, Hamburg (VSA) 2007, S. 262f.) lebt. Nach Glotz ist ziviler Ungehorsam zu rechtfertigen, wenn dieser sich gegen „schwerwiegendes Unrecht“ richtet und „verhältnismäßig ist“. Das dabei auftretende Problem ist, dass erst im Nachhinein durch Gerichte festgestellt werden kann, ob die Gesetzesüberschreitung legitim und gerechtfertigt ist oder nicht. Ein Urteil kann jedoch Signalwirkung haben. So geschehen als das Bundesverfassungsgericht 1 995 feststellte, dass Sitzblockaden keine Form von „nötigender Gewalt“ seien. Unter Nötigung versteht man im Strafgesetzbuch § 240 folgendes: „Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe be-

straft. Rechtswidrig ist die Tat, wenn die Anwendung der Gewalt oder die Androhung des Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist. Der Versuch ist strafbar.“ Als Folge wurden viele Blockierer_Innen freigesprochen. Sitzblockaden gelten heute als Ordnungswidrigkeiten, da sie eine Störung gerichtlicher Abläufe darstellen, welche gemäß Verfahrensrecht mit Ordnungsstrafen sanktioniert werden. Rechtlich kompliziert wird die Auslegung von Gewalt, die in verschieden Gesetzen: Widerstands gegen die Staatsgewalt (§ 1 1 1 , § 1 1 3, § 1 1 4 StGB), Gefährlicher Eingriff in den Schienen- (§ 31 5 StGB) oder Straßenverkehr (§ 31 5b StGB) und Landfriedensbruchs (§ 1 25 StGB) unterschiedlich definiert werden. Indem das Bundesverfassungsgericht jedoch 1 995 wie erwähnt feststellte, dass Sitzblockaden keine Form nötigender Gewalt sind, dürften Blockierer_innen theoretisch gegen keines dieser Gesetze verstoßen. Auch sind Aktive oft durch die Masse geschützt. Bei Blockaden mit mehreren tausend Teilnehmern_innen ist es unmöglich bei jedem Einzelnen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten. Sollte es doch vereinzelt zur Verfolgung kommen, wird die Geldstrafe in der Regel aus einem Solidaritätsfond bezahlt. Nach § 1 53 der StPO kann das Verfahren auch eingestellt werden, „ wenn die Schuld des Täters als gering anzusehen ist und kein öffentliches Interesse an der weiteren Verfolgung besteht“. Denn nach § 46 II StGB sind auch die Motivation, Ziele und Gesinnung in der Strafzumessung zu berücksichtigen. Ziviler Ungehorsam wird auch mit dem „Widerstandsrecht aus Art 20 Abs.4 GG begründet“ (Elke Steven: Ziviler Ungehorsam, in: Ulrich Brand et al: ABC der Alternativen, Hamburg (VSA) 2007, S. 262f.) Das Widerstandsgesetz besagt, dass jedem deutschen Bürger das Recht obliegt, gegen jeden Widerstand zu leisten, der die im GG festgelegte „freiheitlich demokratische Grundordnung“ außer Kraft setzt. Hier wird das Dilemma, dem auch dieses Gesetz unterworfen ist deutlich: Solange die so genannet freiheitlich demokratische

Grundordnung besteht, kann das Widerstandsrecht nicht angewendet werden. Besteht die Grundordnung nicht mehr gibt es auf der anderen Seite aber auch keine gesetzliche Grundlage für das Widerstandsrecht. Bei den Friedensdemonstrationen gegen den Irakkrieg wurde jedoch mit dem Widerstandsrecht argumentiert, da Deutschland durch das Grundgesetz „die Vorbereitung von Angriffskriegen“ (Elke Steven: Ziviler Ungehorsam, in: Ulrich Brand et al: ABC der Alternativen, Hamburg (VSA) 2007, S. 262f.) verboten ist, demnach auch die Unterstützung des Krieges. Elke Steven spricht vom „kleinen Widerstandsrecht“, wenn eine „Aushöhlung der rechtstaatlichen Ordnung“ geschieht: „ Freiheitsrechte werden im Namen der Sicherheit geopfert und völkerrechtswidrige Kriege menschenrechtlich begründet.“ Um den zivilen Ungehorsam rechtlich zu legitimieren, wird auch auf den rechtfertigenden Notstand nach § 34 StGB hingewiesen: Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut eine Tat begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht rechtswidrig, wenn bei Abwägung der widerstreitenden Interessen, namentlich der betroffenen Rechtsgüter und des Grades der ihnen drohenden Gefahren, das geschützte Interesse das beeinträchtigte wesentlich überwiegt. Dies gilt jedoch nur, soweit die Tat ein angemessenes Mittel ist, die Gefahr abzuwenden.“ Oft wird von Menschen, die zivilen Ungehorsam leisten beklagt, dass sie unter einem großen Gewissensnotstand stehen. Jedoch können genauso gut gegenwärtige Gefahren für z.B. Leben oder Freiheit gefunden werden. Dabei sind sowohl die Rechtsgüter des Einzelnen, als auch die der Allgemeinheit notstandsfähig. Was wird nun unter einer „Gefahr“ verstanden? Eine Gefahr liegt dann vor, wenn durch eine Handlung ein Schaden befürchtet werden muss und wahrscheinlich ist, sofern nicht durch Abwehrmaßnahmen Abhilfe geschafft wird. Nicht derjenige, der den Notstand erleidet, sondern nur ein objektiver Außen-

stehender kann entscheiden, inwieweit es wahrscheinlich ist, dass ein Schaden zu befürchten ist. Wichtig vor allem auch für Antiatomkraftdemonstrationen ist, dass unter den Gefahrenbegriff auch die so genannte Dauergefahr gefasst wird. Am Beispiel der AKWs liegt hier ein Zustand vor, der dauerhaft Gefahr für Leben und Leib bedeutet, dabei ist nicht auszuschließen, dass der Eintritt des Schadens noch eine Weile auf sich warten lässt. Des Weiteren darf die Gefahr nicht anders abwendbar sein, als durch die Notstandshandlung. Die Handlung muss angemessen sein und es darf kein milderes Mittel geben als das verwendete. Es wird deutlich, dass der Akt des zivilen Ungehorsams rechtlich schwer zu fassen ist. Auf der einen Seite ist dies positiv, da er als Gesetzesüberschreitung gemeint ist, um den Notstand des eigenen Gewissens auszudrücken. Auf der anderen Seite ist die unsichere Rechtsgrundlage auch kritisch zu sehen, da das Recht seine Bürger_innen schützt. Ziviler Ungehorsam legitimiert rechtlich daher gesehen verhältnismäßige Polizeigewalt. Von einfacher körperlicher Gewalt bis hin zu in Gewahrsamnahme, Schlagstock-, Hunde-, Pferde-, Wasserwerfer-, Pfeffersprayeinsatz. Auf der anderen Seite wird es zu immer neuen Formen des zivilen Ungehorsams kommen, da sich viele Menschen von der Politik nicht ernst genommen fühlen. So beschlossen z.B. manche beim Castortransport 201 0 nicht mehr nur in einer Sitzblockade zu sitzen, sondern zu Schottern. Die Politik hat hier die Verschärfung der Proteste zu verantworten. (von Lucas Riecks) Literatur:

Elke Steven: Ziviler Ungehorsam, in: Ulrich Brand et al: ABC der Alternativen, Hamburg (VSA) 2007, S. 262f. Glotz, Peter (Hrsg.) (1 983): Ziviler Ungehorsam im Rechtsstaat, Frankfurt/M Wikipedia die freie Enzyklopädie


Ein Monat auf Erdöl-Diät Wie ich versuchte, einen Monat lang fast gänzlich ohne Erdöl auszukommen.

Es kommt selten vor, dass mich ein Film oder eine Dokumentation inspiriert, etwas an meinem Leben zu ändern. Manchmal ist es einfach Bequemlichkeit oder auch der Alltag, die mich an Veränderung hindern. Doch eine Dokumentation, die ich im November letzten Jahres zum ersten Mal gesehen habe, nahm ich besonders als Anstoß, zumindest erstmal temporär etwas an meinem Konsumverhalten zu ändern. John Webster, ein britischer Dokumentarfilmer, lebte mit seiner Familie ein Jahr lang ohne Erdöl und ohne Produkte, die aus Erdöl hergestellt wurden. In seiner Dokumentation "Kein Öl mehr – Übung für den Ernstfall" dokumentiert er ein Leben gänzlich ohne Öl. Das klingt erst einmal einfach, denn wer denkt bei Öl schon gleich an Plastik? Das meiste Plastik besteht, von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, aus Erdöl. Schaut man sich in seinem Zimmer um findet man viele Gegenstände, die aus Plastik bestehen. Ist ein Leben ohne fossile Brennstoffe überhaupt noch möglich? Wir alle sind extrem Abhängig von Erdöl.

In einer sehr guten Dokumentation veranschaulicht John Webster mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in einer Kleinstadt Finnlands wie abhängig wir von Erdöl sind. Der Verzicht auf Plastik nimmt durchaus manchmal bizarre Züge an. So artet der Kauf von Toilettenpapier fast zu einem Spießrutenlauf aus. Zugegeben, Webster's Familie verzichtet ein Jahr lang auf Öl, da wirkt ein einziger Monat doch eher wie eine Farce. Ganz zu schweigen davon, dass ich nicht einmal eine Familie habe, mit der ich in einem Haushalt wohne, auf die es zu achten gilt. Gleichzeitig bin ich mir natürlich auch bewusst, dass die Produkte, die ich konsumiere, sehr wohl Treibhausgase erzeugt haben. Mag es bei ihrer Erzeugung gewesen sein z.B. durch Dünger oder aber beim Transport. Im Endeffekt muss ja jedes Produkt, soll es sich im Supermarktregal oder an einem Marktstand wiederfinden, erst einmal den Weg auf den Lastwagen finden. Keine Emissionen sind daher kaum möglich, aber eine Reduktion der Treibhausgase. Wie sieht ein studentischer Alltag ohne Erdöl aus? Die Regeln für mein kleines Selbstexperiment waren eigentlich relativ simpel: - Keine Produkte, die aus Nebenprodukten wie Erdöl gefertigt werden (z.B. Plastik). - Keine privaten, individuellen Fahrten in einem mit Öl betriebenen Gefährt Herausforderung 1: Nahrungsmittel

Geht man bei dem Discounter durch die Regalreihen, findet man kaum etwas, das nicht in Plastik verpackt ist. Selbst beim Obst und Gemüse findet sich eine vielfältige Auswahl von Plastikbehältnissen und Verpackungen. Auch in anderen, etwas teureren Supermärkten, sieht es kaum anders aus: Plastik, wo man hinschaut. Ich musste daher eine Alternative finden. Natürlich wollte ich auch nicht auf Käse und Brot verzichten. Also ging ich auf den Ökomarkt, um dort einzukaufen. Bewaffnet mit Rucksack brauchte ich auch keine Plastiktüten zum Transport und die Gemü-

seeinkäufe konnte ich in umweltfreundlichen Papiertüten transportieren. Nächster Halt Käsestand: 400g Käse sind da ganz schön teuer. Auch das noch, dachte ich: Die Verkäuferin wollte mir eine Plastiktüte andrehen. Die Verkäuferin machte mich aber dann darauf aufmerksam, dass die Plastiktüte statt aus Erdöl, aus Maisstärke bestehe. Anfangs überrascht, willigte ich ein. Freute ich mich im ersten Moment über den guten Käse, der wie ich dachte in Papier eingepackt war, entpuppte sich das Packpapier zu Hause als mit Plastik beschichtet. Bezüglich der Plastitüte stellte ich eigene Recherchen im Internet an, die dann die Auflösung brachten: Es gibt Alternativen zu aus Erdöl produziertem Plastik. Sie bestehen aus Polymilchsäure (PLA), ein Produkt aus der Fermentation von Zucker und Stärke. Ferner gibt es auch andere Plastikprodukte, die aus Lignin bestehen. Dies ist ebenfalls ein Biopolymer aus Zuckermolekülen. Leider gibt es aber nur wenige Firmen, die diese Möglichkeit der Verpackung nutzen. Wenn sie es tun, ist es nicht gut gekennzeichnet, sodass man diese Produkte im Supermarktregal leicht übersehen kann. Meine Nahrung bestand in diesem Monat aber hauptsächlich aus Nudeln oder ich nutze öfters das Angebot in der Mensa. Mich überraschte zudem eine gewisse Doppelmoral in einem Biomarkt: Dieser bietet Bionudeln an, die alle in Plastik verpackt sind. Die konventionellen Nudeln eines italienischen Pasta-Herstellers sind dagegen vollkommen in Pappe verpackt. Herausforderung 2: Hygieneprodukte & Putzmittel

Seife, Deo, Zahnpasta und Zahnbürsten braucht der Mensch. Außer man verzichtet auf jegliche sozialen Kontakte und man hat eine Flatrate beim Zahnarzt des Vertrauens. Also, was tun?

Seife: Eine britische Kosmetikartikel-Kette, die so langsam auch in Deutschland Einzug findet, verkauft Stückseife, aber auch festes Shampoo. Dies ist vegan und es ist auch keine Verpackung notwendig. Daher kann man sich die Plastikbehältnisse sparen. Zahnpflege: Genauso gibt es dort Tabs zum Zähneputzen, die in Papier eingepackt sind. Zahnpastatube gespart! Deo: Stinken möchte ich ungern. Glücklicherweise gibt es in dem selben Geschäft auch festes Deo. Hat man diese Dinge, stehen sozialen Kontakten nichts mehr im Weg. Zugegeben: Für die gute alte Zahnbürste gibt es tatsächlich keine Alternative; zumindest habe ich keine gefunden. Ähnlich sieht es bei Putzmitteln aus. Glücklicherweise reichte mein Putzmittel noch für den Monat aus, aber Essig und Kernseife hätten auch Abhilfe geschafft. Bei Toilettenpapier war es wirklich schwierig. Selbst ein Hersteller der groß mit seiner Umweltfreundlichkeit wirbt konnte mir, trotz Nachfrage keine Auskunft darüber geben, ob die Verpackung ihrer Produkte aus Erdöl besteht, und verwiesen mich lediglich auf eine Beurteilung des "Ökotest"-Magazins, welches aber nur das Toilettenpapier an sich und nicht die Verpackung mit "sehr gut" bewerteten. Herausforderung 3: ... und sonst so?

Oft habe ich mich gefragt, was ich getan hätte, wäre zum Beispiel der Akku meines Laptops kaputt gegangen. Dann hätte ich mir wohl einen neuen kaufen müssen, da ich den Laptop nunmal nicht nur für mein Studium dringend benötige. Dies beinhaltet natürlich auch den Ausdruck von Folien. In der Tat, meine Druckerpatronen waren in der Zeit der Öl-Diät leer. Also druckte ich meine Unterlagen im Copyshop aus. In meiner WG ist der Strom aus 1 00% erneuerbaren Energien und die Heizung brauchte ich im April auch

nicht mehr. Wenn ich in der Zeit meines Versuchs unterwegs war nutzte ich meistens das Fahrrad oder den öffentlichen Nahverkehr. Letzteres umfasst zwar auch Busse, diese fahren aber mit oder ohne mich. Resultat

Ein Leben ohne Plastik ist im studentischen Alltag bedingt möglich. Für Zahnbürsten und Toilettenpapier gibt es tatsächlich keinen wirklichen Ersatz. Der Zeitaufwand für diesen Lebensstil ist etwas höher als bei den "normalen" Einkäufen. Zudem muss ich gestehen, dass ich am Ende meines Experiments doch manchmal schwach geworden bin. Am Ende meines Selbstversuchs ging ich doch in den Supermarkt und kaufte mir eine Tiefkühlpizza, da ich am nächsten Tag eine Klausur schrieb und es schnell gehen musste. Wenn es schnell gehen muss greifen wir alle gerne zu Produkten, die möglichst billig und bequem sind, da sie auch nicht anders angeboten werden. Doch hat dieser Selbstversuch auch meinen heutigen postexperimentellen Alltag verändert: Viele Dinge können in den Alltag integriert werden, sei es Joghurt nur noch in Gläsern oder alternativ das Produkt, das man kaufen möchte, nicht in allzu viel Verpackungsmaterial eingepackt ist. Mir persönlich hat dieser Selbstversuch, auch wenn es manchmal nicht so ganz einfach war, Spaß gemacht und einige Erkenntnisse geliefert, die selbst mir als kleinem Öko vorher noch nicht bekannt waren. (von Timo Gedlich)

Chaos beim Lehramt an der Uni Köln Zum kommenden Wintersemester werden in ganz NRW die alten Lehramtsstudiengänge auf Bachelor (BA) und Master (MA) umgestellt. An vielen Unis läuft schon seit Jahren ein Modellversuch, Köln ist da eine der wenigen Ausnahmen, die bis zu diesem Semester Lehramt mit Staatsexamen angeboten haben. Und das scheint im Chaos für die neuen, aber auch die alten Lehrämtler zu enden. Alle diejenigen, die sich jetzt für ein BA/MA-Lehramt informieren und dies dann ab dem WS studieren möchten, werden bemerken, dass die Uni noch lange nicht so weit ist, wie es die gesetzlich geregelte Einführung eigentlich vorausgesetzt hätte. Um Beratungs-, Informations- und Prüfungsorganisation und vor allem das nun obligatorische Praxissemester zu koordinieren, wurde – wie schon an anderen Unis seit Jahren bestehend – ein „Zentrum für LehrerInnenbildung (ZfL)“ gegründet, das sich der Umstellung und der daraus folgenden Arbeit annehmen sollte. Eine Mammut-Aufgabe, für die die Uni anscheinend nicht bereit ist, die dringend benötigten personellen und finanziellen Mittel bereitzustellen. Es fehlt an Zeit und Geld, alle Aufgaben, besonders diese, die ab dem Semesterbeginn mit der Aufnahme der neuen Studierenden erfolgen, zu bewältigen. So muss im ZfL u.a. die Wahl getroffen werden, ob man lieber eine Infomationshomepage oder eine persönliche Beratung schaffen möchte. Eigentlich dürfte das keine Frage des Entweder-Oder sein, für beides fehlt jedoch anscheinend das Geld. Gerade als man sich mit den Fakultä-

Darüber wird nun diskutiert und es ist fraglich, ob die Uni die menschliche Einsicht hat. Denn bei der Umstellung von Magister auf BA/MA wurde ein Zeitraum benannt, in dem alte Magisterstudierende noch ihre Zwischenprüfung ablegen konnten. Dies könnte nun auch den künftigen „alten“ Lehramtsstudierenden bevorstehen; der Zeitraum von sieben Semester ab der BA-Einführung wird hier für all jene gehandelt, die als letzte für das auslaufende Staatsexamen eingeschrieben haben. Zwangsexmatrikulationen wären dann auch hier die sichere Folge für die, welche die Deadline nicht einhalten können.

ten geeinigt hat, welche Aufgaben diese (aus der Not geboren: zu viele) und welche das ZfL übernimmt, kommt KLIPS und beschwert sich, dass erst 29 von 1 04 Studiengängen ins System übertragen wurden, und so ein reibungsloser Betrieb zum Semesterstart nicht gewährleistet werden kann. Das heißt: Die Studierenden beginnen ihr Studium und können sich weder für Veranstaltungen anmelden, noch ihre Prüfungsleistungen registrieren lassen. Wie kann das sein? Ganz einfach: Die Prüfungsordnun-

gen vieler Studiengänge sind noch gar nicht akkreditiert worden und daher auch noch nicht rechtsgültig. Die Interessierten für Lehramt BA/MA, die nun zur Zentralen Studienberatung oder denen der Fächer gehen, werden keine verbindliche Beratung erhalten, da die Studiengänge, die im WS eingeführt werden müssen, de facto noch gar nicht existieren. Noch existieren die alten Studiengänge auf Staatsexamen. Doch wie lange noch?

Gegen dieses Chaos mehrt sich nun Widerstand. Um sich die nötige Zeit zu nehmen und beim BA/MA vielleicht auch grundsätzlich nachzubessern, soll nach einer Initiative der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW-Studis) das geltenden LehrerInnenausbildungsgesetz (LABG) mit einer Moratorium belegt werden und so vorerst die Einführung von BA/MA im Lehramt gestoppt werden. Das LABG ist ein Überbleibsel der letzten schwarz-gelben Landesregierung. Die rot-grüne Landesregierung sollte sich überlegen, wie sie das Tigerenten-Gesetz reformieren möchte. Ein Moratorium wäre hier der erste, richtige Weg. (von Max Christian Derichsweiler)


Sarrazinierung Deutschlands – Die rassistische Mitte in der BRD „Der kommende Aufstand“ der Autor_innengruppe „Das unsichtbare Komitee“, ist das meist diskutierte Buch in Frankreich seit Jahren. Es beinhaltet neben einer kritischen Auseinandersetzung mit der französischen Gesellschaft und einigen theoretischen Abhandlungen, vor allem konkrete Handlungsmöglichkeiten für das Leben in einer sich befreienden Gesellschaft und auf dem Weg dorthin. Bezug genommen wird dabei vor allem auf die Aufstände in den Banlieues in Frankreich 2005/6. Sie stehen symbolisch als Beispiele für die Brüchigkeit des kapitalistisch-demokratischen Systems und seiner Allmacht im industrialisierten Westen. Im Gegensatz dazu, steht das aktuelle Bestsellerbuch und seit der Gründung der BRD am meisten verkaufte politische Sachbuch „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin. Hatte Sarrazin schon in den letzten Jahren immer wieder mit menschenverachtenden Statements über Sozialhilfebezieher_innen auf sich aufmerksam gemacht („Wenn die Energiekosten so hoch sind wie die Mieten, werden sich die Menschen

überlegen, ob sie mit einem dicken Pullover nicht auch bei 1 5 oder 1 6 Grad Zimmertemperatur vernünftig leben können“), so ist mit seiner medial aufwendig inszenierten Bucherscheinung eine neue Stufe der Hetze erreicht. Mit rassistischer, biologistischer Hetze scheint Sarrazin einen Nerv bei vielen Menschen in der BRD getroffen zu haben. Schon vor Sarrazins Buch spielte der antimuslimische Rassismus in der BRD eine sehr große Rolle. Die Forscher_innengruppe um den Soziologen Wilhelm Heitmeyer an der Universität Bielefeld, gibt jährlich eine Studie zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit mit dem Namen „Deutsche Zustände“ heraus. Gerade der antimuslimische Rassismus nimmt seit Jahren rapide zu. Auch eine münsteraner Forscher_innengruppe hat in einer neuen Studie stärkeren antimuslimischen Rassismus in Deutschland als in anderen europäischen Staaten festgestellt (Vergleichsstaaten waren hierbei Frankreich, Dänemark, Niederlande und Portugal). Dies ist insbesondere verwunderlich, wenn man sich die Wahlerfolge von

rechtspopulistischen Politiker_innen in den Niederlanden anschaut. Ein genauerer Blick auf die Thesen Sarrazins zeigt seine historischen Vorbilder und seine heimlichen Verbündete in diesem Diskurs. Im Vorhinein veröffentlichte Sarrazin mit massenmedialer Unterstützung folgende vier Hauptthesen: • Deutschland werde aufgrund des Geburtenrückgangs „kleiner und dümmer“, während die „sozialen Belastungen einer ungesteuerten Migration […] politisch korrekt“ totgeschwiegen (würden). • Muslimische Migranten seien in den Arbeitsmarkt unterdurchschnittlich integriert und abhängig von Sozialtransfers. Sie kümmerten sich nicht hinreichend um Bildungsbeteiligung, hätten eine hohe Geburtenrate und zeigten eine Tendenz zur Bildung von Parallelgesellschaften. Von Integrationsbeauftragten und Islamforschern, Soziologen, Politologen sowie von naiven Politikern würden diese Probleme totgeschwiegen. • Sarrazin kritisiert „niedrige Bildungsstandards“ und tritt deswegen für eine Ganztagsschule und die Wiedereinführung der Schuluniformen ein und spricht Computerspielen (Negativbeispiel World of Warcraft) jegliche Pädagogik ab. • Die „islamische Immigration“ sei geprägt durch „fordernde, den Sozialstaat in Anspruch nehmende, kriminelle, andersartige, frauenfeindliche Einstellungen […] mit fließenden Übergängen zum Terrorismus.“ Vermeintlich belegt werden Sarrazins Thesen durch stumpfen sozialdarwinistischen Biologismus. Vermeidet Sarrazin aus historischen Gründen das Wort „Eugenik“, so nutzt er aber substitutive Begriffe aus diesem Spektrum. So etwa den Begriff der „Dysgenik“, der 1 91 5 erfunden wurde, um „negative Selektionsprozesse“ bei einer menschlichen Population zu beschreiben. Hierin liegt eine deutliche Bezugnahme auf das Programm der Eugenik von Francis Galton, auf den sich Sarrazin auch explizit namentlich bezieht. Bezieht sich Sarrazin immer wieder auf eine sogenannte kulturelle Identität, wird doch deutlich, dass es weniger um das Kulturelle, sondern um das Biologistische geht. Grundannahme seiner Überlegungen ist eine behauptete Vererbbarkeit von 50-80% der Intelligenz des Menschen. Selbst wenn Intelligenz als etwas Messbares angesehen wird, was von vielen Wissenschaftler_innen weiterhin bestritten wird, so ist es doch unstrittig, dass Intelligenz niemals etwas Absolutes ist. Das intellektuelle Potential von Menschen ist zudem nicht gleichzusetzen mit einem genormten Intelligenzquotienten. Sarrazins Schluss aus den beeindruckend sinnentleerten Vergleichen der Intelligenzquotienten zwischen behaupteten kulturellen und (behaupteten) religiösen (sprich islamischen) Gruppen, führt dann zu einer besonders perfiden eugenischen Argumentation.

In dem Kapitel „Mehr Kinder von den Klugen, bevor es zu spät ist“ argumentiert Sarrazin unverhohlen für eine eugenische Bevölkerungspolitik. Der Applaus von „pro Köln“ bis NPD ist Sarrazin sicher, auch wenn er sich öffentlich von diesen missverstanden fühlt. Eine Öffnung der Gesellschaft für solche Argumentationen ist in jedem Fall erreicht. Wenn Frank Schirrmacher Sarrazin in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ, 01 .09.201 0) als „Ghostwriter einer verängstigten Gesellschaft“ beschreibt, wird klar, dass die Schlüsse Sarrazins selbst in seiner angedeuteten Form vollkommen ausreichend sind, um den tiefsitzenden antimuslimischen Rassismus in der Gesellschaft zu aktivieren und zu verstärken. Aktuelle Untersuchungen kurz vor und während der Diskussion über das Buch zeigen, dass die Gesellschaft auf diese Diskussion genau in der von Sarrazin intendierten Art und Weise reagiert. Die öffentliche Diskussion, verstärkt auch durch den Widerspruch der sich oftmals in der Argumentationsweise kaum von Sarrazin abgegrenzt hat, führt zu einer sich immer weiter spaltenden Gesellschaft, die ihre Ressentiments nicht nur auf Migrant_innen, sondern auch auf Hartz IV-Empfänger_innen ausweitet. Die diffuse Abstiegsangst der Mittelschicht, die zu solchen Ressentiments geführt hat, führt zur Suche nach Sündenböcken in der sogenannten Unterschicht. Das sprichwörtliche „Ende der Geschichte“, dass sich nach dem Ende des Wettkampfes der Systeme Anfang der 90er Jahre entwickelte, hat die Gesellschaft in eine scheinbar ausweglose Situation gebracht. War in den 60-80er Jahren ein, wie auch immer gearteter, Sozialismus noch eine realistische Alternative, muss sich jede_r Einzelne nun damit zufrieden geben innerhalb des Systems das möglichst Beste zu erreichen. Innerhalb des kapitalistischen Systems funktioniert dies natürlich nur auf dem Rücken der vermeintlich Schwächeren. Eine Überwindung der rassistischen Denkweise großer Teile der Bevölkerung ist somit nur durch die Überwindung der gegenwärtigen Form der Vergesellschaftung denkbar, weil sie integraler Bestandteil eben dieser ist. Rassismus, Klassismus und Sexismus sind im Sinne der Triple-Oppression-Theory ähnlich strukturierte Unterdrückungsmechanismen der gegenwärtigen Gesellschaft, die auch aufeinander aufbauen. Die intersektionalen Wissenschaften bauen auch auf dieser Erkenntnis auf. Die französische Antwort auf die gegenwärtige Krise des Kapitalismus ist nicht stumpfer biologischer Rassismus à la Sarrazin, sondern schonungslose Abrechnung mit der gegenwärtigen Gesellschaft. Auch wenn dieser Aufruf zur Revolte nicht unbedingt durchweg von einem emanzipatorischen Geist getragen ist, sondern auch reaktionäre Muster bedient, ist die grundsätzliche Stoßrichtung doch eine völlig andere. (von Fabian Kaske)

Urwald im Grill An warmen Abenden sind Rauchschwaden in den Kölner Parks zu sehen. Es duftet nach Grillgut. Überall sind Menschen auf den Wiesen anzutreffen, die das gute Wetter nach dem Motto „Chillen und Grillen“ genießen. Grills sind mit glühender Grillkohle gefüllt und es brutzeln Pflanzen und Fleisch.

Glühende Grillkohle? Wohl eher nicht, sondern glühendes tropisches Holz. Deutschland ist Europameister im Grillkohleimport. Jährlich werden etwa 200.000 Tonnen Grillkohle nach Deutschland geliefert. Alleine aus Paraguay stammen 50.000 Tonnen – gefolgt von Argentinien mit über 27.000 Tonnen. Weitere Bezugsländer, die Kohle aus tropischen Gehölzen gewinnen und Deutschland beliefern, sind Nigeria, Indonesien und Namibia. Nur ein Viertel der Importe stammen aus Polen, der Ukraine oder anderen europäischen Ländern. Von Grillkohleherstellern wird besonders der Quebracho-Baum bevorzugt. Dieser wächst in tropischen Regionen, in denen täglich über 700 Hektar Regenwald abgeholzt werden. Flächen werden, in erster Linie um Weideland und Sojaanbauflächen zu gewinnen, mit Bulldozern platt gemacht. Das Geschäft mit der Grillkohle steigert den Gewinn, der bei diesen Rodungen abfällt, immens. Im Gegensatz zu der Behauptung einiger Grillkohlehersteller, wird die Kohle nicht aus abgestorbenen Bäumen gewonnen, sondern durch gezielte Rodungen erwirtschaftet. Die Masse der Grillkohle macht deutlich, dass es sich um eine industrielle Produktion handelt, denn bloßes Aufsammeln von totem Holz

wäre viel zu aufwendig und würde die Gewinnspanne dramatisch senken, beziehungsweise den Preis in die Höhe treiben. Der Verein Rettet den Regenwald e.V. setzt sich u.a. mittels sozialer Reformen aktiv für den Erhalt der Regenwälder und ihrer Bewohner in den betroffenen Regionen ein. Jährlich erscheint ein Bericht über die Grillkohlegewinnung, in dem schon länger der unkritische Umgang mit dem Grillkohleproblem thematisiert wird. Ein großes Problem, weshalb kaum eine Kontrolle möglich ist und VerbraucherInnen fehl informiert oder nicht zum kritischen Nachdenken angeregt werden, ist, dass es keine Kennzeichnungspflicht gibt.Nicht nur wird eine Kontrolle kaum möglich gemacht, Verbraucher*innen werden auch systematisch fehlinformiert. Der Grund dafür ist eine fehlende Kennzeichnungspflicht. Viele Hersteller drucken keine Herkunftsangabe oder aber Sätze wie „kein Tropenholz“ oder„aus europäischem Holz“ auf die Verpackung. Kritischer Konsum findet daher kaum statt. Ökotest hat jedoch immer wieder nachweisen können, dass sich trotzdem Anteile aus Tropenholz in den Verpackungen befinden. Ist kein Herkunftsland angegeben, kann davon ausgegangen werden, dass die Kohle aus tropischen Regionen kommt. Auf die Angaben der Hersteller ist also nicht zwingend Verlass. Der internationale Lobbyistenverein Barbecue Industry Association Grill (BIAG) e.V., mit Sitz in Deutschland, schafft es durch gute Beziehungen den Misstand zu vertuschen und eine Kennzeichnungspflicht zu verhindern. Den wenigsten Konsument_nnen ist das Problem mit der Grillkohle bewusst, die Herkunft der billigen Produkte aus dem Discounter wird nicht hinterfragt.

Aber ginge das nicht auch anders? Es gibt mehrere Möglichkeiten, um den Kauf von tropischer Grillkohle zu vermeiden. Einige Grillkohlehersteller verarbeiten nur Holz aus europäischen Wäldern, verknüpft mit einer Aufforstung. Profagus sei der einzige nennenswerte Holzkohlehersteller in Deutschland, der nachhaltige Grillkohle aus heimischen Bäumen herstellt, so lautet das Fazit von Ökotest. Alternativ kann natürlich auch mit Holz eine Glut erzeugt werden, oder Grillbegeisterte könnten auch Holzkohlebriketts verwenden. Holzkohlebriketts werden aus Holzkohlestaub zusammengepresst und mit pflanzlichen Mitteln wie Stärke verklebt. Aber auch hier gibt es Hersteller, die tropisches Holz verarbeiten.Somit gibt es keine hundertprozentige Klarheit über die Herkunft des Holzstaubs. Eine weitere Alternative sind Kokosbriketts, die aus Kokosschalen gewonnen werden.

Die Kokosschalen sind eigentlich Abfallprodukte, doch oft werden die Kokospalmen in gerodeten Gebieten angebaut, sodass ihnen zuvor der Urwald weichen musste. Im Übrigen kann auch mit Braunkohlebriketts gegrillt werden, diese haben jedoch eine schlechte CO2-Bilanz. Menschen, die den Regenwald schützen wollen, aber dennoch an den warmen Abenden grillen möchten sei geraten sich genau zu informieren. Hinterfragt die Produktionsbedingungen und schaut beim Einkauf kritisch auf die Verpackung. (von Simon Hammann)


campus :grün Referent_innen und Projektleiter_innen des AStAs stellen sich vor Seit Anfang des Jahres ist campus : grün im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) in einer Koalition mit Linke.SDS und Jusos vertreten. Im Folgenden sprechen Menschen von uns über ihre Arbeit und stellen sie kurz vor.

Jan Kloppenburg, 21 Jahre, Lehramt Sonderpädagogik, seit ca. ein Jahr bei campus :grün . Im AStA bin ich Projektleiter im Referat für Kritische Wissenschaft und Antidiskriminierung. Das Großprojekt "festival contre le racisme" habe ich mit einigen engagierten Menschen in diesem Jahr mit Inhalten gefüllt. Vom 30.05 bis zum 9.06. gibt es fast täglich verschiedene Veranstaltungen, wie Vorträge, Workshops, Theater, Fime und Konzerte, die sich mal theoretisch, aber auch ganz praktisch mit Themen wie Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung befassen. Mir ist es ein persönliches Anliegen jene Mechanismen, die zu Ausgrenzung bestimmter Meschen führen, sichtbar zu machen, zu zeigen, dass Rassismus viele Bereiche unserer Gesellschaft durchdringt und nicht nur in offensichtlich gewaltvollen Verhalten Ausdruck findet. Unabhängig von Vorkenntnissen, möchten wir durch das "festival contre le racisme" für alle Menschen Zugänge zu diesen Themen schaffen und Anstöße für eigenes soziales Engagement geben. Christoph Kneer, 23 Jahre, VWL, seit

ca. einundeinhalb Jahren bei campus :grün . Ich bin Projektleiter im Ökologiereferat des AStA. Im Moment beschäftige ich mich mit der Umsetzung einer selbstverwalteten Fahrradwerkstatt an der Uni Köln. Dazu müssen vor allem viele Gespräche mit der Uni geführt werden. Mit meinem Engagement möchte ich dafür sorgen, mehr Raum für ökologische Themen an der Uni zu schaffen.

Philip Oeser, 24 Jahre, Medizin. Projektleiter im Ökologiereferat des AStA. Gerade haben wir die Gemüsekiste umgesetzt, außerdem führte ich ein Interview mit Philipp Mimkes von der Coordination gegen Bayer-Gefahren, welches in der nächsten Ausgabe der "Nachdruck" zu lesen sein wird. Durch die Arbeit im AStA erhoffe ich mir, eine Auseinandersetzung mit ökologischen Themen an der Uni zu fördern.

Fabian Kaske, 26 Jahre, seit ca. vier Jahren bei campus : grün . Ich bin Projektleiter im Öffentlichkeitsreferat. Ich bin für die Server und alle Computer im AStA und der AStA-Servicestellen zuständig. Zusätzlich betreue ich die Homepages des AStA. Ich setze mich dafür ein, dass immer mehr freie Software auf den Computern des AStA eingesetzt wird.

Simon Hammann, 21 Jahre, 2. Semes-

ter Sozialwissenschaften, seit einundeinhalb Semestern bei campus :grün . Ich bin Projektleiter im Öffentlichkeitsreferat des AStA. Schwerpunkt für mich ist die AStA-Zeitung "Nachdruck". Die Zeitung ist wichtig um Projekte und Themen des AStA in die Öffentlichkeit und unter die Studierenden zu tragen, sowie Probleme auf dem Campus anzusprechen und dadurch Diskussionen loszutreten. Ein weiteres Projekte ist z.B. die Planung und Umsetzung des neuen AStA-Außenposten im Seminargebäude.

Katja Bauch, 22 Jahre, 5. Semester

Jan Burchard, 22 Jahre, 5. Semester

Lehramt Sonderpädagogik, seit ca. einundeinhalb Jahren bei campus: grün . Ich bin Projektleiterin im Öffentlichkeitsreferat des AStA und arbeite dort unter anderem in der Zeitungsredaktion des Nachdrucks mit. Zudem habe ich mich für die Einrichtung des neuen Raumes des AStAs im Seminargebäude eingesetzt, um den Studierenden einen ersten Anlaufpunkt für Fragen und Informationen zu bieten. Durch die Öffentlichkeitsarbeit möchte ich den AStA, dessen Tätigkeiten sowie andere (hochschul-) politische Themen näher an die Studierenden herantragen.

Lehramt Sonderpädagogik, seit über einundeinhalb Jahren bei campus :grün . Ich bin Fachschaftsreferent im AStA. Meine Aufgabe ist es in allen Belangen für die Fachschaften da zu sein. Diese können bei mir Gelder aus dem Fördertopf beantragen, Infos und Tipps zur Gründung neuer Fachschaften holen oder mich bei allen sonstigen Problemen und Anliegen kontaktieren. Auf der anderen Seite ist es aber auch meine Aufgabe, Infos über Themen des AStAs oder anderer Gruppen an die Fachschaften heranzutragen. Ich möchte Fachschaftsarbeit vor allen Dingen unterstützen und vereinfachen.

Johanna Glaser, 26 Jahre, Lehramt Sonderpädagogik, seit ca. einundeinhalb Jahren bei campus : grün . Im AStA bin ich Referentin für Kritische Wissenschaft und Antidiskriminierung. Zusammen mit den anderen Menschen im Referat habe ich die Ringvorlesung „Alternativen Denken“ und das „festival contre le racisme“ organisiert. Im AStA engagiere ich mich gegen Rassismus und jede Form von Diskriminierung und dafür, dass kritische Inhalte an der Uni mehr Raum bekommen/ an Bedeutung gewinnen.

Jonas Thiele, 27 Jahre, Lehramt Son-

Lea Elsässer, 24 Jahre, Master VWL,

derpädagogik, Erster AStA-Vorsitzender, bei campus : grün seit 2007. Im Vorstand fallen viele Verwaltungsund Koordinierungsarbeiten an. Sei es, wenn es darum geht, den Fachschaften die Räume für Parties zu erhalten oder für einen guten Arbeitsablauf im AStA zu sorgen. Der Vorstand kümmert sich außerdem um das Personal, so, dass der Service wie zum Beispiel die Beratungen weiter laufen können. Ansonsten sitze ich für euch in einigen Gremien, wie zum Beispiel dem Senat. Mit diesem Einsatz will ich diese Uni etwas Lebenswerter gestalten und die Probleme vor denen wir alle während unseres Studiums stehen beseitigen.

Max Christian Derichsweiler, 26 Jah-

seit ca. einundeinhalb Semestern bei campus :grün . Ich arbeite als Projektleiterin im Öffentlichkeitsreferat des AStA. Viele Student_innen wissen garnicht, dass sie eine eigene Interessenvertretung an der Uni haben oder nehmen diese zumindest kaum wahr. Ich finde die (politische) Partizipation der Studierenden an der Uni sehr wichtig und setze mich deshalb dafür ein, dass die Arbeit des AStA in der Studierendenschaft mehr wahrgenommen und Interesse daran geweckt wird.

re, Lehramt Geschichte und ev. Religionslehre, seit zwei Semestern bei campus :grün . Ich bin Projektleiter im Referat für Kritische Wissenschaft und Antidiskriminierung, wo ich mich vor allem mit der Zusammenarbeit mit den Autonomen Referaten beschäftige. Mit dem Schwerpunkt Homophobie setzte ich mich für die Akzeptanz und Gleichberechtigung besonders von Lesben und Schwulen ein. Außerdem vertrete ich den AStA im Lenkungsausschuss des Zentrums für LehrerInnenbildung (ZfL), in dem die Umstellung auf Bachelor Lehramt organisiert wird. Hier möchte ich die Studienbedingungen für die neuen, aber auch die alten Lehrämtlern verbessern und gegenüber der Uni Probleme deutlich vor Augen führen.

Cedric Waßer, 22 Jahre, 4. Semester Psychologie BA. Projektleiter im Referat für Kritische Wissenschaft und Antidiskriminierung des AStA. Bei campus :grün seit Ende 2009. Im AStA beschäftige ich mich primär mit der Ringvorlesung „Alternativen Denken“. Mit dieser Veranstaltungsreihe versuchen wir einen Raum innerhalb des universitären Normalvollzugs zu schaffen, der auch heterodoxen Ansätzen und Modellen die Möglichkeit einräumt, jenseits des hegemonialen Mainstreams eigene Perspektiven zu artikulieren und diese anschließend in eine kritische Diskussion einzubringen. Verschiedene Ansätze, deren jeweilige Argumentationsgehalte hierzu überblicksartig eingeholt werden, können in den Veranstaltungen dann auf Potenziale und Grenzen ihres Geltungsbereiches hin befragt werden. Innerhalb des AStAs ist man jedoch selten bloß auf ein einzelnes Tätigkeitsfeld festgelegt – vielmehr nimmt man bestenfalls aktiv am Gesamtgeschehen teil und engagiert sich in ganz verschiedenen Aktivitäten.

Thomas Heise, 24 Jahre, 9. Semester Gesundheitsökonomie (Diplom), seit ca. vier Jahren bei campus : grün . Im AStA bin ich Referent für den Ökologiebereich und habe unter anderem die Klimawandelvortragsreihe "Klimawandel vor der Haustür" mit meinem Referat zusammen organisiert. Da wir in unserem Referat aber alle Projekte sehr stark gemeinsam umsetzen, wären prinzipiell auch mehr Dinge nennbar (z.B.: Recyclingpapier und Aktivitäten gegen die Bayer-Kooperation). Mit viel Zeit engagiere ich mich im AStA, um die Themen Ökologie und kritischen Konsum sowohl in der Studierendenschaft, als auch im AStA bekannter zu machen, mit dem Ziel sein eigenes Verhalten in diesen Zusammenhängen zu hinterfragen. Auch die Kooperation mit anderen Hochschul- sowie Umweltgruppen ist mir ein wichtiges Anliegen.


Filmvorstellung - Empire St. Pauli vollständiges Essen leisten kann, sicher aber genussvoll sein Bier trinken kann." Für den Film wurden über 50 Interviews geführt. Es wurde auf ExpertInnen von außen verzichtet. Verschiedenste St. PaulianerInnen kommen zu Wort: AnwohnerInnen, Angestellte, KünstlerInnen, Gastwirtinnen, Braumeister, Großinvestoren, SozialarbeiterInnen, Hoteliers, RechtsanwältInnen, der Bezirksamtsleiter und viele mehr. So bildet der Film jenseits von Rotlicht, Kleinkriminellen und Arme-Leute-Klischee ein vielfältiges Meinungsspektrum ab.

"Hauptmelkzentrale St. Pauli"

Im globalen Städte-Wettbewerb setzt sich Hamburg in Konkurrenz zu anderen Metropolen. Stadtentwicklung soll günstige Standortfaktoren für Unternehmen, Investoren und Touristik gewährleisten, die letzten Lücken in der so genannten "Perlenkette" entlang des Elbufers werden imagebildend geschlossen. "Warum ist St. Pauli und der Hafen für uns in der touristischen Vermarktung so wichtig?" fragt eine Mitarbeiterin der Hamburg Tourismus GmbH. "Sie bringen die meisten Besucher: "20-25 Millionen Besucher jährlich". Auf zahlreichen Großevents wie Hafengeburtstag, Harley-Davidson-Days, Schlagermove, Cruise Days oder Welt-Astra-Tag können sich die TouristInnen auf St. Pauli amüsieren. Für die BewohnerInnen des Stadtteils bedeutet dies zusätzlich Lärm, Vermüllung sowie Einschränkung und Privatisierung des öffentlichen Raums. "Die Leute raus - Mieten hoch - Bumm - ganz normal Kapitalismus oder wie sagt man" Hamburgs berühmtester Stadtteil St. Pauli war lange auch der ärmste. Mittlerweile leben und arbeiten hier jedoch immer mehr Gut- und Bestverdienende. Die sozialen Gegensätze verschärfen sich. Der Film zeigt, dass St. Pauli nicht nur als Ausgeh- und Amüsierviertel, sondern vor allem als Wohn- und auch Wirtschaftsstandort attraktiv geworden ist. Altbauten verschwinden oder werden aufwändig saniert, das Mietniveau steigt rasant, Mietwohnungen werden in Ei-

Empire St. Pauli ist unter der Creative-Commons-Lizenz BY-NC-ND 3.0 veröffentlicht. gentumswohnungen umgewandelt. Wer sich wehrt oder nicht mehr in das neue Bild passt wird des Ortes verwiesen - direkt oder indirekt. Das ist Gentrifizierung. "Sie sind hier und wir gehen nicht weg!"

Im Film wird exemplarisch am Großprojekt des Brauquartiers der Industriewandel und Gentrifizierungsprozess aufgezeigt. Auf dem ehemaligen Brauereigelände wurden über 350 Millionen Euro investiert der Astra-Turm wurde abgerissen und wieder aufgebaut. In das Bürogebäude "Atlantic-Haus" ist Deutschlands grßte Werbefirma BBDO eingezogen, hochwertige Genossenschaftswohnungen und das

Hotel "Empire Riverside" sind entstanden. Einkommensstarke Haushalte ziehen in die neuen Wohnungen. Alte Kiezkneipen werden von exklusiver Gastronomie und schicken Cafés abgelöst. Wo bleiben die Menschen, die in den ehemals günstigen Wohnungen lebten und die in den Kneipen für 1 ,50 Euro ein Bier trinken konnten?

Alle Informationen unter: www.empire-stpauli.de

"St. Pauli ist jetzt so wie ich es niemals wollte!"

Derweil kündigt sich mit den Tanzenden Türmen schon das nächste Großprojekt mit "St. Pauli - affiner Nutzung" an: dort wird neben Büroetagen im obersten Stockwerk eine Gastronomie sein, "wo sich vielleicht nicht jeder Bewohner St. Paulis ein

Auflage: 3000 Layout: Pascal Klons, Thomas Heise Redaktion: Philip Oeser, Franziska Reich ViSdP: Thomas Heise, Kasparstraße 2, 50670 Köln Fremde Grafiken: S.1 , S.3, S.6, S.8 Übrige: campus:grün köln Druckerei: Caro-Druck, Frankfurt Im Web: www.campusgruen.uni-koeln.de


grün:fläche SoSe 2011