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The Spirit of modern Style

CAMENZIND Die zwanzig schönsten Wohnideen

Report

Karl K. – Ich war ein Massy

Neu und Grob Britische Städte erobern das Wasser zurück

+ Plus +

Ratgeber

Meditativer Minimalismus Brazilian Passion Wondercrump Bericht von Ludmila Pirogova Kommentar: A-Budget hautnah

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LiebevollWohnen Tipps

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CAMENZIND Nr. 04

Juni 2006 3 € | 4.50 CHF www.cazmag.com


Die 20 schönste Inhalt Wohn - Bekenntnisse 1 Camenzind Report Karl K. - Ich war ein Massy 2 Ludmila Pirogova Die zarte Elena und ihr «Makedo- nischer Helm» 3 Hans Pimpp Meditativer Minimalismus Entflechtung knospender Verwick- lungen Wohn - Ideen 4 Axel Humpert Wie wohnen wir, wie wohnen andere? 5 Tim Seidel Neu und grob - Wo Industrien schwinden, erobern Britische Städte das Wasser zurück. 6 Cecilia Zugaib Brazilian passion - Follow the trip of a creative mind Wohn - Ratgeber 7 Patrick Maizano & Marion Hofstetter LiebevollWohnen-Tipps oder Wie man liebevoll wohnt 8 Anna Weber Wondercrump Jede Wohnung sollte reich sein müssen - an Vorschlägen und Ideen 9 Henry Wu Zwischen Vernunft und Traum- welt - Wie gestalte ich meinen Innenraum? Rubriken Camenzind Kommentar A-Budget - hautnah dabei Architekten-Kontakt direkt nach Hause Nächste Ausgabe Grössenwahn

In Zeitungen und Zeitschriften ist Architektur ein gängiges Thema. Unser Fach hat inzwischen seinen festen Platz neben Autos und Kunstszene, neben Fernsehprogramm und Karrierechancen. Die entsprechenden Beiträge drehen sich vornehmlich um Stadtentwicklungsprojekte, neuartige Architektursprachen oder öffentliche Gebäude in exponierter Lage. In diese Debatten mischen sich viele und prominente Stimmen, denn oft steht tatsächlich viel auf dem Spiel - für den öffentlichen Raum, die Finanzen der jeweiligen Stadt, oder die Interessen bestimmter Gruppen. Der Innenraum tritt in der Diskussion dagegen in den Hintergrund.

Einrichtung ist schliesslich Privatsache. Wenn ein Architekturlaie trotzdem Rat in Einrichtungssachen sucht, wird er in Zeitschriften wie Häuser und Schöner Wohnen oder im neuen IkeaKatalog fündig; er wird also, sobald er den öffentlichen Raum verlässt, uneingeschränkt denjenigen Interessengruppen ausgesetzt, die ihn in erster Linie zum Konsumieren ihrer Produkte anregen wollen. In diesen Publikationen wird Seite für Seite eine erschütternd reduzierte Sicht der Welt ausgebreitet. Als ginge es darum, den absoluten Rückzug in die Privatsphäre (auch «Cocooning» genannt) zu zementieren, wird ein Klischee nach dem anderen ausgespielt und dem Leser lediglich die Auswahl überlassen, mit welchem davon er sich identifizieren will. Beim Betrachten der Bilder spürt man förmlich seine eigenen Vorurteile, Rückzugsgelüste und Klischees einrasten. Die im Grunde unerfüllbare Sehnsucht, hundertprozentig mit seiner Umgebung zu harmonisieren, wird für den Verkauf der Möbel und Einrichtungsgegenstände ausgenutzt - und damit auch die Möglichkeit für eine umfassendere Betrachtung der Privatsphäre genommen. Camenzind versteht sich als Architekturzeitschrift, die für den interessierten Laien lesbar ist. Wir sind der Meinung, dass dem Laien viel Inhalt zugemutet werden kann, ja sogar muss; und da es durchaus mehr zu zeigen gibt als nur Klischees und Konsumgüter, haben wir das Thema «Wohnideen» aufgegriffen. Uns beklemmt die «Ikeasierung» der Welt in separate Sphären von Innen und Außen, von Jung und Alt, von Spießig und Flippig, von Reich und Arm - es gibt so viel mehr zu entdecken, in den Zwischenräumen, den grauen Bereichen, von denen der Mensch und seine Umgebung eben hauptsächlich geprägt werden. Dies heißt aber nicht, dass wir die Qualität der Ikea-Möbel und ihres Designs verwerfen, und uns feuchten Phantasien von Menschen in puristischen Designer-Wohnungen hingeben. Auch der Kitsch, der schlechte Geschmack, das Billige und Unförmige haben ihren Platz. Uns geht es vielmehr darum, einerseits für das Wohnen und ihm verwandte Themen zu sensibilisieren, und andererseits Möglichkeiten zur gestaltenden Aneignung der eigenen vier Wände aufzuzeigen - in inspirierender und intelligenter Form. Den Holzhammer haben wir diesmal im Hobbyraum gelassen. Viel Spaß auf der Entdeckungsreise durch neue und alte Wohnwelten mit Camenzind Nr. 4! Die Redaktion.

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en Wohnideen

Editorial

Architecture is getting more and more common in our magazines and newspapers. It has its fixed place among cars, arts, job market and the tv programme. The usual themes are city developments, new architecture languages, or proposals for exposed public buildings. As there is usually much at stake (for example public space, city finances, or interests of certain groups), many experts and politicians make themselves heard about the issues of the respective case.But on the other side, interior spaces are normally not discussed.

The interior arrangement of a house is a private affair. If non-architects seek assistance anyway, they will find it in magazines like COUNTRY LIVING or the new Ikea-Catalogue; they will be limitlessly exposed to those mainly interested in selling them their respective products. These catalogues and magazines are neatly done - but they propagate a horribly reduced view of the world. As if to preach the total retreat to the private sphere (commonly called «cocooning»), one cliché after another is spread out on high glossy paper - while the reader is left with choosing which one of them he wants to identify with. While looking at those pictures, one can almost hear the snapping of one‘s prejudices, retreat fantasies and clichés. People long for an absolute consistency with their surroundings, and this, basically unrealistic, wish is used to sell furniture and decoration to them. This deprives them of the possibility to have a broader view on their private sphere and its arrangement. Camenzind claims to be an architecture magazine that can be understood by interested non-architects. And because we think that the layman can be and must be confronted with a lot of content, and that there is much more to be shown than clichés and consuming goods, we picked the issue „ideas for living“. We are opressed by a vision of the world as separated into Spheres of inside and outside, of old and young, of bourgeois and hip, of rich and poor - there is so much more to be discovered, in the spaces in between, the grey areas, with their strong influence on people and their surroundings. All this does not mean that we disregard the qualities of the Ikea furniture or of their design, that we indulge in fantasies of reduced and pure designer flats. Kitsch, bad taste, cheap and ugly things also have their rightful place in the world. We want to make sensible for Living and related themes, while also showing possibilities of creatively acquiring your own four walls - in an inspiring and intelligent way. This time, we left our mallet in the garage. We hope you have a lot of fun with the adventure trip of new and old living spaces with Camenzind Nr. 4! The Redaction.

Ikea-Postwurfsendung, Schweiz 2006

Impressum Herausgeber Axel Humpert, Benedikt Boucsein, Jeanette Beck, Tim Seidel

Anschrift Camenzind c/o Axel Humpert Hofwiesenstrasse 279 8050 Zürich redaktion@cazmag.com www.cazmag.com Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Photographien kann keine Haftung übernommen werden. Rücksendung nur bei Rückporto. Die Verwertungsrechte an den Beiträgen liegen bei den Autoren. Nachdruck der Texte nur mit Genehmigung der Urhaber und mit Quellenangabe. Nachdruck der Zeichnungen | Photographien nicht gestattet.

Disclaimer Wir haben uns bemüht, sämtliche Rechte-inhaber ausfindig zu machen. Sollte dies an einer Stelle nicht gelungen sein, bitten wir um Mitteilung. Berechtigte Ansprüche werden im Rahmen der üblichen Vereinbarungen abgegolten.

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Karl K.’s confession: «Yes, I was a Massy!» Karl K., to the outside physicist and womanizer, was long haunted by a dark secret: His addiction for odds and ends, gibberish, for junk. He did not realize what his problem was until he saw a report about ’massys’ on tv one night. That evening, he decided to change his life. He threw out all of his stuff except the essential furniture, leaving his walls almost blank. What had been almost unimaginable before soon boosted his health, his thinking and perception – and even made him ready for the woman of his life. And now, as a convinced fan of scantiness, he is setting on all of his friends and everybody who wants to know: »Try it out! It can change your life!»

Krimskrams und Frauen: Der Mädchenschwarm und Physiker Karl K. in seinen Massy-Tagen



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Der lebende Beweis dafür, dass Veränderung möglich ist: Karl K. aus L.:

«Ja, ich war ein Massy!» Karl K., nach außen hin Physiker und beliebter Mädchenschwarm, hatte lange Zeit ein dunkles Geheimnis. «Ich war süchtig nach Einrichtung, nach Krimskrams. Oft kam ich nach einem langen Tag auf der Arbeit nach Hause und kaufte mir einen bunten Teppich, einfach um mir etwas zu gönnen. Den hängte ich mir dann an die Wand und fand ihn schön, ich merkte dabei gar nicht, dass ich längst süchtig war.» Sein Freund Ulf B., Architekt und beliebter Mädchenschwarm, hielt es bei den gemeinsamen Schach-Abenden manchmal nicht mehr aus und verließ K.‘s Wimmel-Bude fluchtartig. K.: «Ich war dann immer beleidigt und zog mich für einige Tage von Ulf zurück.» Nach einer Fernsehsendung über Massys machte es bei K. endlich «Klick»: «Ich sagte mir, ach, was soll’s, warum probiere ich es nicht mal anders?» Eine neue Wohnung gab ihm die Gelegenheit dazu. Wo sich vorher Wandteppiche, kleine Objekte, viele Schränke und Kissen gestapelt hatten, stand jetzt nur noch ein Bett, ein Schreibtisch und ein Schrank. «Vom ersten Augenblick an war mir, als würde ich ein neues Leben beginnen. Ich konnte wieder gerade denken, der Husten hörte auf und Ulf blieb manchmal sogar über Nacht.» Und das schönste war: K. fand eine feste Freundin. Er ist überzeugt: «Die Wohnung gab mir die nötige Sicherheit.» Und ist inzwischen selbst zum größten Kargheits-Fan geworden: «Ich kann nur jedem raten: Probiert

es einmal aus! Möbel raus für eine Woche!»

Einige seiner Freunde konnte er schon überzeugen. Ihr Plunder ist bis heute auf dem Dachboden.

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Die zarte Elena und ihr «Makedonischer Helm» Es gibt professionelle Designer und es gibt solche von Natur - gesegnet mit dem göttlichen Funken und Talenten - spontan und aufregend! Die Autorin dieser Zeilen kann sich wohl glücklich schätzen: unversehens hat das Schicksal sie zu Elena Krupuzka geführt. Es hat sich ergeben, dass diese nicht nur ausgebildete Finanzfachfrau, Generaldirektorin der Betriebsgruppe ”Konti” und Inhaberin der Pizzarienkette ”Papascha Beppe”, sondern auch eine eigenständige Künstlerin ist. Sie richtet ihre Wohnung ein, so, wie es sich ihre Seele wünscht. Aus dem Russischen. Text und Bilder: Ludmila Pirogova

«Ich kann mir nicht vorstellen, wie man die Gestaltung von Innenräumen irgendjemandem anvertrauen kann. Ich gestalte den Raum doch im Einklang mit meiner Seele. Wer kann denn meine Seele hören, meine innere Stimme, wenn nicht ich selbst? Überhaupt, ich reflektiere die Welt, so wie ich sie fühle.» Und Elena verstellt sich kein bisschen. Ihre dreigeschossige Wohnung jedenfalls ist authentisch. Schöpferische Ideen versammeln sich in einem Sujet, das sich allmählich, und allein aus einem verstehenden Gefühl heraus entwickelt. Dessen einnehmendes Wesen macht sich schon an der Türschwelle bemerkbar. Ein Eintreten im traditionellen Sinne gibt es nicht. Öffnet sich einem die Eingangstür, so findet man sich in einem ästhetischen, fernöstlichen Raum im Geiste des Zen wieder - silbrig, spiegelnd, klar, kristallkettenartig, mit bedeutungsvollen, hellen Ovalen, bizarren Pyramiden, Dreiecken und Kreisen. Eine vielgestaltige Welt, in der gerade und gebrochene Linien regieren, gleichsam Bögen, Leuchter, Treppen... Hierbei handelt es sich, so Elena, um funktionalen Minimalismus. Der Stil ist überwiegend japanisch, mit saftigen Farben «aufgepeppt», diese wiederum leicht gedämpft, etwas Inniges und Intimes wiederspiegelnd. «Mein Hauptprinzip: Kontraste mit einheitlichem Ziel» erklärt Elena, «meine ganze Welt baut auf Harmonie auf». Dieser hat sie eine Farbskala untergeordnet. Rot und schwarz, grau und aloe, weiß, beige und khaki, silber und dunkelblau – alles verträgt sich in der Wohnung nebeneinender, erfüllt sie mit Zartheit, Freundlichkeit und Liebe.

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«Mein Mann und ich sind sehr gerne zu Hause. Wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet verbringen wir die Zeit in den heimatlichen vier Wänden», betont die Frau des Hauses. In den eigenen vier Wänden kann man sich an den Freuden des Daseins laben, die große Weltordnung spüren, Raum und Zeit erfahren. Elena ist ein philosophischer Mensch, reich an Seele und freigiebig. Sie sieht die Welt so, wie es ihr ihre Seele erzählt. Ihre Lebensart wäre undenkbar ohne das Yoga und ohne die Weisheit, durch die der Mensch sich selbst, seine Aura und die noch immer wichtigen letzten Wahrheiten kennen lernt, die sich im Kosmischen erzeigen. «Wir leben im Glück unter der Wechselwirkung der Planeten, deren man sich nicht entziehen kann. Samstags, zum Beispiel, kleide ich mich schwarz, um den großen Saturn zu ehren», erzählt Elena.


Als die Rede auf Kleidung kommt, angemerkt, dass unsere Heldin ihrer eigenen Ansicht nach nicht abgeneigt ist manchmal vor dem Spiegel zu posieren, ist sie flink dabei zu improvisieren. In schöpferischem Elan probiert sie all ihre Gewänder in nicht einer Stunde an. Die Kleider sind natürlich stilvoll, exklusiv und harmonieren mit dem häuslichen Interieur. Wo sonst kann man besser eine Brise Frische und Optimismus bekommen, wenn nicht zu Hause? Elena ist eine starke Frau, schön und charmant. Dabei, allzeit in Form zu bleiben, hilft der wohnliche Sportraum, wie auch das Erholungszimmer mit exotischen Gewächsen. Wie es sich für eine starke Frau gehört, gibt es in ihrer Wohnung einen interessanten Kamin, der einem «makedonischen Helm» ähnelt. Er ist blendend weiß. Es will angemerkt sein, dass der Tisch des pikanten Interieurs im Zeitraum von nur zwei Wochen angefertigt wurde. Dies hängt zusammen mit einem überaus ernsten Umstand. «Es hat sich einfach so ergeben, dass ich es kaum geschafft habe die Wohnung bis zur Ankunft meines Mannes und meiner Schwiegermutter einzurichten. Die Zeit war knapp. Anfangs schien es, als würde mir alles schief gehen wollen. Ich suchte in Geschäften und Salons Elemente aus, die mir, wie man so schön sagt, ins Auge fielen, und erkannte dann immer plötzlich, dass irgendetwas nicht passt. Dann bin ich wieder in den Salon geflogen. Es schien manchmal so, als ob mir Flügel aus dem Rückgrat wüchsen. Doch ich habe es geschafft. Ich empfing meine Verwandten wie es sich gehört. Mein Ehemann war natürlich bis in die Tiefen seiner Seele überwältigt. Als er abgereist war, hatten sich einige der häuslichen «Silhouetten» nicht einmal angedeutet. Und plötzlich, hatte eine wundersame Verwandlung stattgefunden, ein Kontrast wie Himmel und Erde. «Das Wichtigste ist, wie man sagt, Mut aufzubringen.» Und an Mut, wie es sich erweist, mangelt es Elena nicht im geringsten. Es ist so, dass sie ihre Wohnung vor nicht mehr und nicht weniger als fünf Jahren ausstattete, zu einer Zeit also, da sich in Kaliningrad selbst professionelle Designer sehr selten für das Improvisieren entschieden, als sie es sich herausnahm, völlige, noch nicht eingefahrene Neuheiten zu wagen. Als eine der ersten in unserer Stadt, bestellte sich Elena eine «transparente» Küche und eine Bartheke «metallik», die jetzt erst in Mode kommen - für Elena ist diese Ausstattung, wie sie selber meint, nicht sehr aktuell.

Alles in allem ist sie unter den Inneneinrichtern in die «Avantgarde« einzuordnen. Alles was sie einstmals beglückte, wird noch lange diejenigen angenehm überraschen, die ihre Wohnungen auf ähnliche Weise einrichten werden. Die Wahrheit ist so einfach wie ein Schluck Wasser.

Echte aktuelle Interieurs kommen vielleicht nur einmal in zehn Jahren vor. Heute führt uns der Flug der Phantasie auf den derzeitigen Gipfel der Schöpfung. Elena aber hat schon neue Ideen: «Wir haben uns entschieden die Wohnung zu wechseln. Es wird ein Penthouse in der zehnten Etage sein. Genau gesagt, alles auf einer Ebene, ohne Höhenversprünge, ohne Treppen. Das Einrichtungskonzept habe ich schon fast fertig, es fehlt sozusagen nur noch das Tüpfelchen auf dem i. Ich kann versprechen, dass es Gästen eine Überraschung sein wird. Näheres wird noch nicht verraten. Nur so viel, dass die Farbe weiss vorherrschen wird....» Elena hat im Übrigen schon eine lange Praxis als Stylistin von Innenräumen, privaten und öffentlichen. Die Räumlichkeiten der Pizzarien «Papascha Beppe» und ebenso die des Sevice-Centers «Konti» hat sie selbst im Sinne ihrer designerischer Ideen gestaltet. Als die Rede auf ihre Geschäfte kam, schien es mir angebracht zu fragen: «Was ist das Geheimnis des Erfolges?» Wie Elena erklärte, ist ihr Geschäft mit Service verbunden, das heisst mit Dienstleistungen an Menschen. Sie erspürt die Wünsche der Leute, aus einer inneren Haltung heraus, die davon ausgeht, dass es wichtig ist zunächst dem eigenen Ich zuzuhören, in der Hoffnung dessen, dass das, was dir selbst, auch anderen gefällt. Erschienen in: «Stroi Interier», Kaliningrad, März 2006

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Tender Elena and her “Macedonian Helmet” Elena Krupuzka, living in Kaliningrad/Russia, General Director of “Konti”, and owner of the pizza chain “Papascha Beppe”, shows the interior of her self-furnished home. It helps her to find her inner balance, to get connected with the world order, to express her rich and giving personality. Elena has long also made interior design her profession. And asked about the secret of her success, she answers: “I sense the people’s wishes, out of an inner attitude.” It is important to first listen to yourself, hoping that it will also please the others. But, for herself, she cannot imagine somebody else furnishing her home. “Who can listen to my soul, my inner voice, if not myself?”

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Meditativer Minimalismus

Die Tage der Bewunderung barocker Fassaden und des Götzendienstes an psychedelischen Tüchern sind vorbei. Knospende Verwicklungen und verwirrende Wonnen haben einfaches Spiel, eine adoleszente Seele betrunken zu machen. Wobei wohldurchdachter Kitsch durchaus seine erschlagende Kraft behält und wie schwerer Moschusduft die Sinne berauscht. Doch ist er nicht zu verwechseln mit seinem hässlichen Gegenstück: der überladenen Werbepoesie eines Kaufhauses, mit seinen Reimen aus lauernden, knallfarbigen Bestien, dem Ort der ungewollten Zerstreuung und inneren Unruhe. Wohldurchdacht, jedoch mit einem wesentlich hässlicheren Ziel als dem der Barockhäuser. Jetzt ist der Fokus das leitende Motiv. Das Wach-Sein durch Reduktion. In erster Linie Reduktion von plappernden Gedanken, unterstützt durch die Reduktion von unnötigen physischen und geistigen Lasten. Warum packt ein Wanderer nur das nötigste ein, wenn er hinauszieht, um Luft und Licht zu suchen? Warum haben wir so viel Angst vor einem nackten Rücken? Dies, Architekten, ist ein Appell an euch. Denn die Räume formt ihr. Zunächst physisch, um damit aber auch das menschliche Bewusstsein zu beeinflussen - und somit psychische Räume zu schaffen.

Schafft uns Räume der Konzentration, Räume des Wachseins im Licht. Rund oder kantig, das sei euch überlassen. Und wenn es geht ohne Klimaanlage… Text: Hans Pimpp

Meditative Minimalism Where there was once drunken admiration of baroque forms, there is now the focus as the leading motive. To be awake through reduction. Why does a wanderer not take more with him than the essential things? Why are we so much afraid of a naked back? This is a plea to you, dear architects. Give us rooms of concentration, rooms of being awake in the light. Be it left to you whether they should be round or square. Remember: You are shaping physical rooms, and accordingly, also psychological ones. And, as a last plea: No Airconditioning, please... Text: Hans Pimpp

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Camenzind war für Sie an der Vernissage zur Ausstellung

«Türen auf! Wie wohnen wir, wie wohnen andere?» Die Ausstellung «Türen auf! Wie wohnen wir, wie wohnen andere» ist ein Schweizer Projekt, das in Zusammenarbeit mit Hochschulen in Mittel- und Osteuropa, dem Verein MitOst und Jugendlichen in Weissrussland, sowie mit den Regierungen der Schweiz, Lettlands, Rumäniens, der Slowakei und Russlands entstanden ist. Die Ausstellung zeigt alltägliche Wohnsituationen und eröffnet einem breiten Publikum den Zugang zu fremden Kulturen. In sechs Ländern untersuchten Jugendliche, unterstützt von Lehrpersonen und Berufsfachleuten, Wohnsituationen in ihrer Umgebung und dokumentierten diese mit Fotografien, Plänen und vor allem Texten. Die Ausstellung gewährt dem Besucher einen Blick durch das Schlüsselloch, jedoch ohne dabei, wie so oft, auf die stark unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hinzuweisen. Ich gebe zu, befürchtet zu haben, dass ich ausser ein paar Gläsern Vodka und anderen osteuropäischen Köstlichkeiten nur die üblichen Bewohner- und Wohnraum-Aufnahmen zu sehen bekomme, die man aus diversen moralisierenden Plattenbaufotobänden kennt. Aber ich sollte mich täuschen. Während im oberen Stockwerk Botschafter und Kuratorinnen die notwendigen Formalitäten austauschten, habe ich mir aus Langeweile die Mühe gemacht, einen

der Texte zu den Bildern zu lesen. Erst da hat die Ausstellung mich gepackt. Zusammen mit den Bildern führen die Texte den Leser über die oberflächliche Betrachtung unterschiedlicher Wohnräume hinaus und ermöglichen so einen tiefen Einblick in das Leben der Bewohner und deren Alltagsrituale. Man erfährt, dass die Kunstlehrerin Natalija (65) gegen 10 Uhr ihren Morgentee zu sich nimmt, und erst um 14 Uhr in einem Café in Riga frühstückt. Ausserdem kann man lesen, dass sie mit ihren Katzen allein wohnt und ihre Lieblingsgegenstände in ihrer Wohnung ihre handgemachten Puppen sind. Während ich die Geschichte von Julius Takacs (71) lese, von seiner verstorbenen Frau erfahre und seinem Wunsch, nicht allein in seinem Haus in Nove Osady zu leben, schmiede ich bereits Pläne, wie man Natalija mit Julius verkuppeln könnte. In einem kurzen Interview mit der Organisatorin Susanne Rock erhielt ich die Erlaubnis, exklusiv für die Leser von Camenzind einen der vielen Texte und ein dazugehöriges Bild abzudrucken, um an dieser Stelle für die Ausstellung zu werben. Für Camenzind - Schweiz, Axel Humpert

Türen auf – Wie wohnen wir, wie wohnen andere? eine Wanderausstellung über Wohnsituationen in Ost und West in Kooperation mit MitOst e.V. Polen: Wroclaw

Weissrussland (Belarus): Minsk

27.10.05 – 30.10.05 / Galerie Szkla i Ceramiki, Rynek 6

20.5.06 – 26.5.06 / Haus der Freundschaft

Slowakei: Zvolen

Schweiz: Aarau

7.11.05 – 16.11.05 / Teknizka Univerzita, Foyer

2.6.06 – 18.6.06 / Forum Schlossplatz

Rumänien: Cluj-Napoca (Klausenburg)

Schweiz: Winterthur

14.12.05 – 23.12.05 / Deutsches Kulturinstitut

25.06.06 – 30.7.06 / Gewerbemuseum

Rumänien: Temeswar (Timisoara)

Russland: Kazan

16.1.05 – 10.2.06 / Deutsches Kulturinstitut

8.9.06 – 25.9.06 / Haus des ArchitektenPolen: Wroclaw 27.10.05 – 30.10.05 / Galerie Szkla i Ceramiki, Rynek 6

Lettland: Ventspils

26.4.06 – 11.5.06 / Stadtbibliothek Opened doors - how do we live, how do the others live? The exhibition “Türen auf! Wie wohnen wir, wie wohnen andere?” emerged from a cooperation between universities in

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Middle and East Europe, the association “MitOst” pupils in White Russia, as well as the governments of Switzerland, Latvia, Romania, Slovakia, and Russia.


Ort Kazan, 1,2 Millionen Einwohner Republik Tatarstan

Construction Supervisor Valerij Arzjutov, his wife Olga and daughter Alena share this 67 sqm appartement in Kazan. Alena is reading architecture at the local university and loves flowers. At 5:30 in the morning her father leaves for work. Alena leaves at 9 ...

Haus Wohnblock, 1979 Stadtverwaltung Wohnung 67 m2, privatisiert

Bewohner Valerij Arzjutov (49), Bauleiter Olga Arzjutova (46), Hausfrau und Mutter Alena Arzjutova (20), Studentin an der Architekturfakultät

Foto: Fuat Garifullin

Kazan – Wohnblock 67m2 Die Familie besteht aus drei Personen. Der Vater, Valerij Arzjutov, ist Bauleiter. Die Mutter, Olga Arzjutova, ist Hausfrau. Sie ist eine leidenschaftliche Köchin und probiert gern neue Gerichte aus. Die Tochter, Alena, studiert an der Fakultät für Architektur. Sie liebt Blumen und die Blumenzucht. Der Hund heißt Sir Greis Zett Merimon und ist 11 Jahre alt. Man nennt ihn so wegen eines grauen Fleckchens in seinem Fell. Der Vater steht gewöhnlich morgens um 5.30 Uhr auf, frühstückt und geht dann zur Arbeit. Tagsüber ist er nicht zu Hause. Das Mittagessen nimmt er am Arbeitsplatz ein. Abends kommt er um 18 Uhr nach Hause zum Abendessen zurück und ruht sich danach aus. Im Sommer verbringt er die Wochenenden auf der Datscha, es gibt Zeiten, da fährt er sogar täglich dorthin. Im Winter nimmt er in der Regel ungefähr einen Monat Urlaub. Die Mutter ist morgens zwischen 6 und 10 Uhr beschäftigt mit Frühstück zubereiten und einkaufen. Tagsüber verbringt sie die meiste Zeit zu Hause. In den Sommermonaten wohnt sie auf der Datscha. Die Tochter Alena geht morgens um 9 Uhr aus dem Haus und kommt erst um 18 Uhr wieder zum Abendessen von der Uni zurück. Nach dem Abendessen ruht sie sich aus oder

bereitet sich auf die Vorlesungen vor. Wenn es wärmer wird, fährt sie oft auf die Datscha, und von Ende Juni bis August ist sie die ganze Zeit da.

In jedem Zimmern hängen viele gerahmte Familienfotos, die meisten im Zimmer der Eltern. Am Grundriss der Wohnung gefällt der Familie besonders gut, dass es keine Durchgangszimmer gibt und jedes Familienmitglied sein eigenes Zimmer hat. Die Fenster gehen nach Osten und Westen, weshalb die Wohnung sehr hell ist. Die gemeinsamen Räume befinden sich in der Nähe der Wohnungstür, alle anderen Zimmer weiter weg davon.

Gegessen wird in der Küche: zu dritt am Morgen gegen 7 Uhr und abends um 18 Uhr. Zum Mittagessen ist die Mutter allein. Der Lieblingsort des Vaters ist das Wohnzimmer, die Mutter hält sich gerne in der Küche auf und die Tochter in ihrem Zimmer. Am Abend, wenn er von der Arbeit zurück ist, sitzt der Vater am liebsten auf dem Sofa und erholt sich, liest Zeitung oder sieht fern. Die Mutter liebt den neuen Herd, weil sie gern kocht und das Bett im Schlafzimmer, weil es schön groß und weich ist. Die Tochter mag am liebsten den großen und bequemen Sessel im Wohnzimmer. Die Gäste werden in der Küche empfangen und manchmal auch im Wohnzimmer, wo dann ein großer Tisch aufgestellt wird, was meistens an Feiertagen geschieht.

Die Familie wohnte schon vor 15 Jahren hier, jedoch hatte sie damals noch keine Datscha und verbrachte die Sommerzeit meist zu Hause. Mit dem Kauf der Datscha veränderte sich auch ihr Zusammenleben: Mutter und Tochter sind oft auf der Datscha, aber zu dritt verbringt die Familie weniger Zeit miteinander. Die Mutter zieht im Sommer ganz auf die Datscha, wo ihr Mann und die Tochter sie regelmäßig besuchen.

Die Familie liebt die besondere Atmosphäre in der Wohnung. Alles haben sie selber angefertigt, ohne Hilfe fremder Leute. Alle Reparaturen führen sie eigenhändig aus, auch die Möbel haben sie selbst zusammengestellt. Bei der Gestaltung der Wohnung helfen alle mit.

Ihr größter Wunsch ist, sich einen ganz besonderen, persönlichen Raum zu schaffen, der vielleicht etwas ungewöhnlich ist und sich vom Bekannten unterscheidet.

Die Familie hätte gerne ein Landhaus mit Kamin auf einem kleinen Grundstück, nahe an einem Fluss gelegen, möglichst in der Nähe der Stadt. Dort könnte man sich vom Lärm der Stadt erholen und die frische Luft, die Natur und den schönen Ausblick aus dem Fenster genießen.

Text: Alena Arzjutova Camenzind 11


Neu und grob

Wo Industrien schwinden, erobern Britische Städte das Wasser zurück.

Nachdem britische Städte jahrzehntelang ihre Flüsse und Kanäle vorzugsweise zum Entsorgen ihrer Abwässer genutzt haben, erleben Kaianlagen, ehemalige Trockendocks und einstige Industrieareale heutzutage einen rasanten Wandel. Werften, Fabriken und Frachtterminals, die lange Zeit jeden Kontakt zwischen Wasser und Stadtbewohner konsequent unterbunden haben, sind seit den sechziger Jahren sukzessive zu Grunde gegangen oder befinden sich in der letzten Phase ihres Siechtums. Auf der Suche nach Lösungen für die brachliegenden, aber oft innenstadtnahen Flächen üben sich einfallsreiche Politiker und Planer in angelsächsischer Pragmatik: Man überlässt die Entwicklung privaten Immobilieninvestoren und ihren bereitwilligen Architekten – zweifellos der Weg des geringsten Widerstands und Aufwands. Einen besonders sensiblen Umgang mit den Relikten der Industriegeschichte lässt diese Konstellation nicht unbedingt erwarten. So verwundert es auch kaum, dass zunächst die Abrissbirne regiert und anschliessend

die frisch getilgte Hafengewerbe-Atmosphäre durch hanseatisierende Backsteinbauten reanimiert werden soll. Da die britischen Fliessgewässer mittlerweile wieder einigermassen rein sind, werden diese Wohnlagen auch für den geneigten Young Urban Professional wieder attraktiv. Und so entstehen – bereichert um etwas Industriekitsch für die Authentizität – unendlich viele „luxury appartment developments“. Hinter jeder Ecke trifft man unvermittelt auf Marketing Suiten und Show Appartements, die mit den üblichen Versatzstücken aus den letzten Jahrgängen eines x-beliebigen Wohndesign-Magazins ausgestattet sind und so das Herz des stilorientierten Neueigentümers höher schlagen lassen. Durchsetzt ist das ganze mit Freizeit- und Shoppinginstitutionen für den Besserverdiener sowie einigen öffentlichen Prestigeprojekten, die aus den üppig sprudelnden Gewinnen der staatlichen Lotterie gesponsert werden. Da von sozialer Durchmischung keine Spur ist,

Birmingham – ”Mailbox Development” Wenn auch Birmingham dem Vergleich mit Venedig nicht ganz Stand hält, so hat sich das Stadtmarketing doch den griffigen Titel „Britain’s Canal City“ aus den Fingern gesogen. Während Venedig jedoch Jahrhunderte Zeit hatte, seinen morbiden Charme zu entwickeln, ist von Birminghams Gewerbebauten aus den letzten 200 Jahren bereits nicht mehr viel übrig. Diverse Neubauprojekte bedienen sich heute der diversen Kanäle – einstmals Lebensader der regionalen Industrien – als Anlass und Kulisse. Bis in die Innenstadt reichen die Wasserwege und verästeln sich heute zwischen Kongresszentrum, Sealife Centre und National Indoor Arena. Eigentliches Herzstück dieser Entwicklung ist die sogenannte „Mailbox“, eine Luxus-Mall 12 Camenzind

bleiben sich die ehemaligen Hafengebiete und die in der zweiten Reihe gelegenen Arbeiterviertel fremd wie ehedem. Man muss dieser Entwicklung zu Gute halten, dass sie in Zeiten klammer öffentlicher Kassen und angesichts des immensen Regenerationsbedarfs die einzige Möglichkeit gewesen sein könnte, einer drohenden Verwahrlosung ganzer Stadtteile und Städte vorzubeugen und den Exodus der Mittelschicht aus der Stadt in die Vororte zu bremsen. Ausserdem sind endlich die Uferkanten grösstenteils wieder zugänglich und als städtischer Naherholungsraum durchaus brauchbar. Nichtsdestotrotz hätte man sich mehr Kreativität und Verantwortungsbewusstsein der Planer, aber auch der Bewohner und Kunden im Umgang mit Stadt als Lebensraum und ihrer Geschichte gewünscht. Camenzind war für Sie im Vereinigten Königreich und berichtet von erstaunlichen Wohnbauprojekten.

mit einer Mischung aus Boutiquen der immergleichen Nobel-Labels und edlen Schlemmerrestaurants, die die Brücke zum Stadtzentrum im Osten schlägt. Rund um diese Grossprojekte entstanden eine Vielzahl von Appartementgebäuden neben und über dem Wasser. Deren Formenkanon bietet etwas für jedermann – von viktorianischer Romantik bis zu gemässigter Moderne ist alles erlaubt. Fassaden aus Backstein befriedigen bestimmte Nostalgie-Bedürfnisse jenseits der Stilfragen, können aber Authentizität immer nur vorblenden. Zahlreiche Jogger, Radfahrer und Spaziergänger auf den teils malerisch schmalen Uferwege zeugen von der Beliebtheit des Quartiers. Man muss den Planern Respekt zollen dafür, dass sie trotz ihrer Ohnmacht gegenüber den architektonischen Ergüssen ein lebendig anmutendes Quartier geschaffen haben. In einer ansonsten doch schwer gebeutelten Stadt wie Birmingham ist das schon viel wert. Andererseits wird ein Dilemma britischer Stadtentwicklung deutlich. Stadtviertel erneuern sich quasi nie von innen heraus. Erst wenn eine Gegend sozial und wirtschaftlich so danieder liegt, dass definitiv nichts mehr zu retten ist, wird in einer aufwendigen Hauruck-Planung der Bestand abgerissen und ein ganzes Viertel neu aus dem Boden gestampft. Zielgruppe ist immer die städtische Mittel- und Oberschicht. Es bleibt der fade


Manchester – ”Salford Quays”

Glasgow – ”Glasgow harbour” Kohn Pedersen Fox aus New York haben den Masterplan für die Neubebauung des Nordufers des River Clyde im Westen von Glasgow zu verantworten. Auf der gegenüberliegenden Flussseite kann man noch eine der letzten Werften, die mal den ganzen Fluss gesäumt haben, bei der Arbeit beobachten. An diesem Ufer hingegen sind bereits auf mehreren Kilometern alle vorhandenen Bauten und die damit einhergehende Depression von der Abrissbirne weggefegt worden. Die Wohnanlage auf dem ehemaligen Castlebank Industrial Estate ist die erste vollendete Bauetappe. Ringsherum sind Kräne, Bagger und Planierwalzen noch zu Gange, so dass das Areal im Augenblick von der Stadt weitestgehend abgeschnitten ist. Verstärkt wird dieser Effekt obendrein durch die Stadtautobahn unmittelbar hinter der Häuserreihe. Am Horizont erkennt man zwar Convention Centre, Technikmuseum und irgendwo im Dunst auch die Innenstadt. Zu Fuss ist aber kaum etwas zu erreichen, so dass, sobald man irgendetwas machen will (einkaufen, Bier trinken, Menschen sehen), der PS-starke Flitzer aus der Garage geholt werden muss. Auch umgekehrt verirrt sich kaum mal ein Spaziergänger oder Radfahrer hierher, da die Uferpromenade bislang noch an kein Wegenetz angebunden ist. Architektonisch herrscht ein offenbar gewolltes, bemüht zeitgemässes Patchwork, dem man die Renditeerwartungen der Geldgeber allzu deutlich ansieht. Eine Schräge hier, ein Panoramafenster da, dazu ein paar unmotivierte Materialwechsel und schon kriegt das ganze mit Fug und Recht das Etikett „stylish“ verpasst. Die Verarbeitung passt sich den architektonischen Ambitionen an und bleibt mässig. Der einzige Luxus an dieser Anlage ist definitiv der Flussblick, alles andere ist Dekadenz oder schlichtweg traurig. Wenn man allerdings Pech oder keine ausreichenden Barmittel hatte, bleibt einem selbst die Aussicht verwehrt und man muss sich mit dem Blick in den Innenhof bescheiden. Dieser ist von klaustrophobischer Enge und an die interessierten Blicke der Nachbarn muss man sich erst gewöhnen. Ein ganz grosses Thema ist natürlich die Sicherheit. Da man nie weiss, wann der Plebs aus den angrenzenden Gründerzeitvierteln mal über die Autobahn schwappt, müssen Garagenzufahrten und Hofzugänge verbarrikadiert und permanent elektronisch überwacht werden. So bleiben schrille Schreie im Hof spielender Nachbarskinder eine Rarität. Noch lässt sich angesichts der gerade erst begonnenen Bautätigkeit überhaupt kein Fazit zur Entwicklung des gesamten Glasgow Harbours ziehen. Es bleibt aber zu hoffen, dass der monofunktionale und vor allem monosoziale Autismus dieses Areals nicht Vorbild für die weiteren Projekte ist. Sicherheitswahn und eine pseudo-urbane Bebauungsdichte versprechen allerdings nicht viel Gutes.

New and Crude British cities recapture their waterfronts After decades of abuse, rivers and canals, recently experience a rapid change. The decline of British industries since the 1960s left former shipyards, freight terminals and quaysides unused. In order to find solutions, imaginative politicians and planners practice anglo-saxon pragmatism. Development is handed to private real estate investors and architects. As examples

Gerade zwanzig Jahre ist es her, da war Salford Quays noch eine gigantische Hafenanlage. Davon ist heute praktisch nichts mehr zu spüren. Eine ganze Stadt ist im Entstehen, in der es alles für alltäglichen Bedarf und Müssiggang gibt. Sinnbildlich dafür steht „The Lowry“ – Theater, Museen, Restaurants, Bars, alles unter einem Dach. Auch wenn man nicht so recht weiss, was den Architekten Michael Wilford zu diesem wuchtig vor sich hin geometrisierenden Ungetüm mit den quietsch-bunten Innenräumen bewegt hat, so bietet es doch anspruchsvoll gemachte Ausstellungen und Produktionen, sowie ein Kulturprogramm bereits für Kinder. Der Symbiont des „Lowry“ ist eine riesige Mall gleich gegenüber, die dem Anwohner den Weg in die ferne Innenstadt erspart und umgekehrt dem Zugereisten die Kombination aus Kultur- und Shoppingerlebnis ermöglicht. Eine Kultursünde zweifelsohne, aber eine komfortable. Die zweite Kulturmonstranz steht gleich auf der anderen Seite des Manchester Ship Canals: Das Imperial War Museum von Daniel Libeskind. Schnittig und spektakulär wie immer, aber irgendwie etwas deplaziert zwischen einer Reihe von Gewerbe- und Bürobauten. Im Innern findet man zudem eine beklemmend pathetische und effekthascherische Kawumm-Ausstellung, die wohl den populär-kulturellen Vorstellungen der Financiers von der staatlichen Lotterie geschuldet ist. Aber man sollte diese Entwicklungen nicht verteufeln. Vielleicht sind solche sogenannten „Schwergewichte“ genau die richtige Defibrillation, die ein so schnell hoch gezogenes Quartier braucht, um nicht als Totgeburt zu enden. Jedenfalls herrscht doch ein reges Treiben, das man in Neubauvierteln eher selten antrifft. Ein paar Worte zur Architektur: Die bunte Mischung, die es schon heute zu bestaunen gibt, wird wohl in den nächsten Jahren noch um ein paar Kuriositäten bereichert. Dann wird sich auch hoffentlich das heute noch nicht recht nutzbare Abstandsgrün zwischen den Gebäuden und Baustellen in einen annehmbaren Freiraum verwandelt haben, der mit den langgezogenen Uferpromenaden ein vielfältiges Netz bilden könnte. Von futuristischen Appartementtürmen bis zu nostalgischen Reihenhäusern ist zumindest heute schon alles zu haben – exklusiv, aber selten besonders. Die neutral geschnittenen Wohnungen bleiben allesamt einem breiten Konsensgeschmack verpflichtet, von anonymen Investoren für eine ebenso anonyme Masse entwickelt. Individualität und Aneignung des eigenen Lebensraumes sind extrem erschwert. In dieser charakteristischen Kanallandschaft mit vielfältigen neuen Programmen und Aktivitäten in der Umgebung wäre mehr möglich gewesen. Text & Bilder: Tim Seidel

from Manchester, Glasgow and Birmingham show, this constellation does not stand for the sensitive handling of industrial history. After extincting harbour atmosphere with the wrecking ball, it is supposed to be reanimated through pseudo-historical brick facades and very few industrial relicts. As the urban middle-class is always the target group, you won?t find any traces of social diversity. Although there are some promissing approaches, results are never completely con-

vincing. The regeneration of whole quarters and the slowing down of the middleclass exodus to the suburbs is a success. But there is always the bitter taste of artificiallity and an arbitrary common-consent-architecture that leaves no space for individual occupation. Camenzind 13


Camenzind

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Magazin f端r Architektur www.cazmag.com


Brazilian Passion Cecilia Zugaib & Calu

Calu Fontes - The Story of a creative mind

Everything began when I was a very shy girl who used to draw my world... Text: Calu Fontes When I turned 13 years I got a nankim pen, with a peck of feather. I used to spend hours doing tiny grafism, flecks, traces, tight lines which ended turning into not so small drawings, into cards, envelopes, letter paper. I took a degree in architecture in 1998, I always liked the spacial compositions. I always had a fantasy to be able to help to transform the city, even if just a little, to provide a more colored life for its inhabitants. My passion for the colors was always present in my projects. I only worked two years at an architecture office and then gave up because the ceramics and porcelains seduced me for the delicacy of their material and for the possibility of turning them strong with the layers of painting, which I add. Nowadays I use my apprenticeship in architecture to think and produce panels of ceramic tiles, to do interior spaces, and when it comes to decide how I am going to fill the blank space of a plate, a pot, a cup. Each piece is unique and exclusive. The manual work of each one might last up to 10 days. It is ready when after many burns in special ovens and superposition. I feel then that

the piece was born, got an own life.

The tonics of objects are floral motives, man-

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dalas, rendas, delicate aspects and the superposition. I tour the continents: I mix a little of Bahia, with Mexico, Japan, India, China.I like the fun of mixing the utility with an art object. My family is from Bahia, but nowadays I live in Sao Paulo, where I have a atelier – people are always welcome there to feel at home, and above all, to follow the trips of my mind!

Text: Cecilia

Zugaib

From the very beginning, I shall warn that this article will not be intellectual, accurate or neutral. I am not an architect. Although I do enjoy looking at beautiful houses, being in nice and functional concert halls, museums, I don’t seem to be extremely touched by buildings the way most of you are. My major motivation for writing here is having the chance of telling very passionately as many people as possible about a very special architect and artist, my cousin Calu Fontes. Since we were both little, I have always noticed she had this je ne sais quoi, something very strong in her personality, which you just can’t describe in words. My first memories of her drawings come from the time when we were

both children. We used to compete: draw Snoopy (our biggest idol at that time!) and show them to our families. Of course her snoopies were by far better than mine! I have always been terrible in drawing. But the votes were always very diplomatic, so one turn she won, the next I did. With the teenage time, her creativity was printed everywhere: on the cover of her notebooks, on her old sneakers, on the jeans, on her room walls. I often asked myself how she had the patience to spend such a long time sketching, with an ink pen, these small detailed textures and just for the sake of it. It was clear she would study something related to arts. She got admitted in the best Brazilian technical architecture university, the Mackenzie University in Sao Paulo. I recall our conversations during this period.


fridge magnets painted by her, Asian statues live happily side-by-side with black religion gods and catholic saints.

She was so involved with it that she talked to me about all those technical subjects as if I were an expert. And while everyone chooses easy ideas for diploma project, she persisted on planning a Biodomus in the middle of Sao Paulo and in front of one of the most polluted river of Brazil. This «live museum» with Brazilian ecosystems, would create a natural scenery contrasting with the predominant urban-industrial landscape, which the inhabitants of this city unconsciously accept inherently as being their «natural ecosystem». After much fighting with the professors, who strongly discouraged her to go further with this idea, she presented her project and got the «opera prima» prize for this year (Brazilian competition for architecture and urbanism graduate students). It is very interesting to observe how passionate Calu is in everything she does or experiences. When she talks about her favorite holiday destination, flavors, theatre, music, her enthusiastic words become colored pictures in front of your eyes. And exactly such strong feelings are translated into her work, in the way she paints or even dresses. If you ever visited her house and atelier, you would have a feeling of entering in her magical world. Colors on the walls, on tapestry, curtains, objects, sample of

With this very same engagement, she started doing what nowadays she is famous for: painting porcelain. She started applying all her talent and tones on bowls, tiles and mugs. She paints every single piece with the hands and without assistants. With the time, her style got even more sophisticated and singular. Her inspiration crossed the boarders and picked motives from far away places. Asian drawings started to interact

with bright colors; Mexican figures got mixed with singular traces; mandalas got a special place near classical paintings. As if her creativity was not enough, she started creating different objects with her motives: plastic and porcelain magnets, pictures, necklaces, flower vases and even lingeries! Calu`s work started being recognized and much re-

quested. All year long she gets orders from all sorts of publics. She always says her art is very democratic. One can buy according to the own budget. This girl is a hit in this 20 million city! I am very grateful that she has always sensitized me by showing a different and very Brazilian way to see architecture and arts.

Through my life, I have been in contact with many architects. Some of my best friends studied it in Brazil, I met some architects when I lived in one of their redoubts - Barcelona, and I am now married to one – what consequently means I know more people from this sector than from what I studied myself. It is very interesting to talk about how cities change due to

the new streets or buildings, how good or bad this new exhibition complex looks - and you might find an endless list of themes, which they would spend years sitting and discussing. But I am very glad that, Calu, my closest cousin, has always sensitized me by showing a different and very Brazilian way to see architecture and arts.

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LiebevollWohnen-Tipps oder Wie man liebevoll Text & Bilder von Patrick Maisano & Marion Hofstetter

PM: Die Verbindungen liegen in Geschichten versteckt. Niemand wird einfach so verstehen, weshalb wir uns so nahe sind. Und ich weiss nicht, ob wir wollen, dass jemand unser Geheimnis entdeckt. Was meinst Du, meine Königin der Wüsten?

«Wärme spenden»

«Pantoffeln sind sich zu Hause fühlen» lten Umgebung zwischen lauter kalten Materialien und zu

grellem Licht! Es ist nur natürlich, ja legitim!, dass man die verlorene Geborgenheit wiedersucht. Wir sehnen uns in freudschem Unterbewusstsein nach dem embryonalen Urgefühl von warmer Sicherheit im Leibe unserer Mütter.

PM: MH: Pantoffeln sind für viele Leute tatsächlich mehr als nur Sockenschoner oder Fusswärmer. Pantoffeln sind Wohlfühlen, sich zu Hause fühlen, deshalb ist es bestimmt nicht unangebracht, Pantoffeln ins Gesamtwohnkonzept einzubeziehen: ob passend zum Parkettboden oder zu den Türbeschlägen, hängt hauptsächlich von der persönlichen Vorliebe des Pantoffelbesitzers oder der Pantoffelbesitzerin, bzw. Pantoffelträgers oder Pantoffelträgerin ab. Diese müssen ja nicht unbedingt immer ein und dieselbe Person sein, da Pantoffeln durchaus als Leihgabe an Gäste abgegeben werden können. Umso wichtiger also die sorgfältige Wahl dieses Wohnaccessoirs, da in diesem Sinne auch Gäste optimal in die Wohnung integriert werden können.

MH:

Es ist ein altes Lied, dass seit Le Corbusier und der Moderne gesungen wird: wir leben in einer unterküh-

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Es ist nicht nur diese embryonale Geborgenheit, die mich immer wieder zu Dir zurückbringt. Durch meine Kleider, die Du hinter Deiner transparenten Hülle zur Schau stellst, verweist Du auf mein ganzes Leben. Nirgendwo bin ich so nah bei mir, wie ich es bei Dir bin.

PM: Eine wunderschöne Handarbeit ist diese Kunstblume aus Brasilien. Luzidität und Feinheit jungfräulich weisser Seide machen die Blütenblätter unwiderstehlich. Ihr dichter Wuchs verlockt zum Reinkrallen und das stützende Bett aus grünen Kelchblättern garantiert Stabilität - auch beim leidenschaftlicheren Akt.

MH:

Sich um seine Micasa Pflanzenecke zu kümmern ist längst aus der Mode gekommen. Aufwand und Ertrag halten sich da einfach nicht die Waage, und die Alternativen, die der Markt bietet, sind mannigfaltig. Zu einer Blumentapete im 70er Jahre Stil oder Porzellangeschirr mit


l wohnt!

«Geräte brauchen Zuneigung»

«Kunstblumen garantieren Stabilität»

«Anlehnen, stützen … mehr als süsse Worte!»

MH: Seit den 60er Jahren kann man sogar Goldblumenkranz vom Flohmarkt kann der Bürger oder die Bürgerin des 21. Jahrhundert viel eher eine Beziehung aufbauen, als zu einer Gummibaumdiva oder einem Krauskopf mit Blattausfall!

PM:

Die 10 beliebtesten Namen in der deutschsprachigen Schweiz sind: für Jungen: Luca, Joel, Simon, Noah, David, Jan, Tim, Lukas, Fabian, Kevin. Für Mädchen: Laura, Lea, Lara, Sarah, Vanessa, Chiara, Julia, Anna, Michelle, Sara. Für Stühle: Ramvik, Aron, Agne, Bror, Balser, Lanni, Bertil, Olle, Särna, Kaustby.

MH:

Liebe ist wunderschön, aber die moderne Frau erwartet heutzutage mehr als süsse Worte und körperliche Nähe! Gestützt werden, sich anlehnen und die eigene Last abladen zu können, das sind Qualitäten, die wir zu schätzen und belohnen wissen!

mit der Queen zu Hause ein Tässchen Tee trinken!

PM: Es ist auf jeden Fall auch beruhigend, dass die Rolle der Leistungsfähigkeit elektronischer Geräte ihre Bedeutung steigern konnte. Als blosses Überbleibsel eines modernen Technikglaubens, ist diese Tatsache keinesfalls zu verurteilen, denn nur durch sie ist es möglich, dass neben dem äusseren Erscheinungsbild auch innere Werte des Gerätes eine Rolle spielen.

PM:

Sei authentisch, sei Du selber! Nichts mehr wünsch’ ich mir, als dass ich Dich zu dem machen kann, was Du wirklich bist.

LovelyLiving Tips or How to live affectionated! «Wearing slippers is feeling home» «Cosiness» «Lolling, resting ... more than sweettalks» «Artificial flowers ensuring stabilty» «Your equipment needs affection» «Nourishing and cultivating felicitous curves» «Free your phantasies within the floral courtyard» «Love from object to object» «Decoration and ornament - a must!»

MH:

Kurven sind komplizierte Gebilde, schwierig zu konstruieren und wunderschön. Genau das Richtige, um mit Niveau eine erotisierende Atmosphäre zu schaffen. Aber Ach-

«Be master of colour nuances» «Pieces of the everyday - your connection to external life» «Choose the right accessories»

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«Im floralem Hof Phantasien freien Lauf lassen»

«Gelungene Kurven hegen und pflegen»

«Liebe von Objekt zu Obje

tung, nur perfekt ausgeformt können sie ihre stimulierende Wirkung entfalten, denn schon die kleinste Abweichung kann alles zunichte machen. Es lohnt sich, eine gelungene Kurve wie einen kleinen Schatz zu hüten!

PM: Es ist diese Verbindung von nostalgischem Zweckbewusstsein und verstaubter Noblesse, die ich an Dir mag. Du scherst Dich einen Dreck um «altbau», «zeitgenössisch» oder «züristyle», sondern bist, was Du bist und trägst, was Du hast.

MH: Niemand braucht sich dafür zu schämen, dass er oder sie seine oder ihre Phantasien und Sehnsüchte in Einrichtungsgegenstände hineininterpretiert. Die Glühbirne, in ihrem floralen Hof stehend, wer müsste da nicht auch sofort an die Zitronenpresse von Alessi aus dem Jahre 1962 denken?

PM:

Nicht nur die Wohnung selbst, mit ihren getäferten Wänden, dem abgeschabten Dielenboden und den nostalgieschwangeren Vorfenstern, ist ein Objekt der Liebhaberbegierde. Auch nicht alleine die Sitzbadewanne, das Keramikspülbecken oder die Abendsonne über den Gleisfeldern. Nein, genau so wichtig sind all die kleinen Gegenstände des Alltags, die einem dieses Gefühl von Verbundenheit mit der Welt dort draussen geben.

MH: Lifestyle ist nicht mehr aus unserem Leben

wegzudenken! Lifestylisch zu leben, kann sehr anstrengend sein. Wer aber die richtigen Accessoires wählt, wie zum Beispiel die passende Marke, der kann sich zurücklehnen, denn diese erheben alles mit in den Stilikonenhimmel. Fortgeschrittene Lifestylisten wählen ihre Kombinationen knapp, geben ihnen aber intellektuelle Tiefe. Wer weiss denn schon, dass Äpfel den Reifeprozess der Banane beschleunigen?

ist, dass das Gefühl der Liebe, auch in ihrer physischen Form, keineswegs ans Menschsein gebunden ist. Nicht einmal das Dasein als Tier oder Pflanze ist zwingende Voraussetzung für den geschlechtlichen Akt. Was wir hier sehen, ist die Liebe von Objekt zu Objekt. Offensichtlich konnte das Kondom dem Reiz des Verbots der emaillierten Kloschüssel nicht widerstehen und hat sich an sie rangeschmissen.

Das animalische Stück. Noch begehrenswerter ist es in seinem Schrein. Pure Sinnlichkeit in diesem Fetzchen Stoff. Es wäre höchster Frevel, dieses zu tragen. Anschauen, bewundern, ersehnen, vielleicht ganz kurz berühren, mit der Finger- oder Nasenspitze. Man darf sich ja auch ab und zu mal ein Blatt aus jemand anderes Buch nehmen, nicht wahr. Was Museen schon lange konnten, das können heute auch Boutiquen und da frage ich mich, ob nicht wir, Sie und ich, das morgen auch schon können könnten! Bieten sie ihrem besten Stück (wenn Sie einer oder eine der Glücklichen sind, die eine Zitronenpresse von Alessi aus dem Jahre 1962 haben sollten) eine Plattform! Was man ja oft auch als Objektfetischismus verschreit, ist im Grunde genommen nichts anderes, als Liebe zum Detail! Und im Detail liegt bekanntlich Gott, um jetzt nicht Mies van der Rohe zitieren zu müssen, der ja sagte, dass der Teufel im Detail liege!

PM: un campionato azzuro ! PM: Natürlich weiss jeder Teenager, dass man Präservative nicht im WC entsorgen sollte. Es droht die Gefahr von Verstopfung. Aber was noch nicht alle zu wissen scheinen,

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«Wählen sie die richtigen Accessoires»


«Noch begehrenswerter in seinem Schrein»

«Herr der Lage über difficile Farbnuancen»

ekt»

MH: Wäre es nicht angemessen, die Zürisäcke in einer weniger difficilen Farbnuance herauszugeben? Ich bin sicher, dass viele Menschen unter der Unmöglichkeit leiden, die Säcke ins Farbschema ihrer Küche zu integrieren. Nichts ist schwieriger als ein Schneeweiss in einer weissen (aber eben Nicht-Schnee-) Umgebung harmonisch einzubringen. Ich persönlich musste auch schon eine Wohnung verlassen, weil ich diese dauernde Beleidigung fürs Auge nicht mehr ertragen konnte!

PM:

Es muss nicht immer das Neuste sein, nicht unbedingt das ausgeklügeltste Design, um jemandem zu zeigen, dass man ihn mag. Manchmal ist ein persönlich fabriziertes Schmuckstück, und sei es noch so unbeholfen gestaltet, ein viel echterer Beweis der Zuneigung für den Beschenkten, den Tragenden.

MH: Wir bedanken uns bei A.K., dass er uns freundlicherweise seine Räumlichkeiten für diese Arbeit zur Verfügung gestellt hat.

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Wondercrump Jede Wohnung sollte reich sein müssen - an Vorschlägen und Ideen.

Begibt man sich in die Situation, sein Lebensumfeld zur Bearbeitung einem Dritten anzuvertrauen, so beinhaltet das die Chance, dass dieses Umfeld eine Bereicherung erfährt – ohne das Ge-wohn-te verlieren zu müssen. Es scheint ein sensibles Thema zu sein. Egal, ob ein Wohnraum neu gebaut oder aus Bestand herausgearbeitet wird, sollte er Nutzungsmöglichkeiten beinhalten dürfen, die seine Bewohner auf Gedanken bringen – am liebsten unterschiedliche Bewohner auf unterschiedliche Gedanken. Eine Auswahl entwerferischer Stellschrauben, die solch ein Ergebnis triggern können, sind z.B., wenn Elementen/Bauteilen keine bekannte, vordefinierte Funktion zugeordnet wird - oder nicht nur eine. Wenn Räume ausreichend differenziert werden oder traditionell getrennte Elemente miteinander verschnitten werden. Und wie kann man den Mehrwert solcher Massnahmen beschreiben?

Skulpturales In/an (sogenannten) skulpturalen Objekten kommt es häufig durch formale Wünsche zu zum Teil zufälligen räumlichen Situationen, die frei mit Inhalt belegt

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Verschnitt werden können/müssen - es entstehen z.B. Brüstungen auf verschiedenen Höhen oder Flächen im Raum, die RegalBankStufeTischchenoderirgendetwasanderes sein können. Manche nennen das sinnlos. Inspirierend?

Nooks and crannies Eine besondere Liebe – Nischen und Ecken. In traditionellen japanischen Teestuben findet man sie fast immer, um besonders Wertvolles darin sichtbar, aber beschützt aufzubewahren. Meine Wohnung hat eine (ausreichend große), in der ich schlafe. Meine Vormieterin hatte dort einen gewaltigen Vogelkäfig stehen. Was auch immer der nächste Mieter damit machen wird: Der Gründerzeitwohnung tut die Ecke gut – sie stellt trotz der hohen Decken einen Bezug zu meinem physikalischen Massstab her. Gemütlich!

Konstruktion Die Konstruktion ‚über alles’ kann sich an dieser Art des Multitasking beteiligten. Eine dicke Wand kann einen dicken Schrank in sich tragen - erfrischend ökonomisch, diese extra Fläche in Planungsgedanken einzubeziehen. Der nächste Punkt, ein wenig akademisch vielleicht, trotzdem gehört er zum Thema: Trag- und Raumstruktur können zusammenfallen. Keine nichttragenden Wände mehr nötig, das riesige Objekt ist innerhalb seiner eigenen (statischen) Regeln auf ein Mass heruntergebrochen, das freundlich scheint.

Leichte Bedeutungsverschiebungen kann man erhalten, wenn Elemente aus ihrem eigentlichen Umfeld herausgelöst, und in einen anderen eingepflanzt werden Eine Innenwand beinhaltet z.B. ein Fenster zwischen zwei Innenräumen, deren Verhältnis zueinander dadurch um eine Ebene aufgeladen wird. So kann ein Kinderschlafzimmer zum Beobachter für ein Wohnzimmer werden, das dadurch plötzlich marktplatzartig wird – der sich auch grundsätzlich durch eine seitliche Begrenzung durch Bauwerke, zu denen es einen Bezug gibt, definiert. Von der ursprünglichen Funktionsweise geht nichts verloren. Für ein Objekt in einem sehr dichten Umfeld kann das eine fehlende urbane Qualität in den Innenraum holen. Wohnzimmer + Sammelleidenschaft geweckt Fortsetzung folgt ... Vor einer Weile hat man mich gefragt, was ich von Fertighäusern halte. Aus Sorge vor dem Fehlen einer konstruktiven Gesprächsebene zwischen Nicht-ArchitekturStudiert-Habenden und mir – einer Architekturstudentin im letzten Semester, fiel meine Antwort damals eher ratlos aus.


Text: Anna Weber Anna Weber – ganz frisch Diplom an der RWTH Aachen am Lehrstuhl für Bauplanung und Grundlagen des Entwerfens, N.N. i.V. i.r. Fred Humblé 7 Wochen in Südafrika mit 23 weiteren Studenten und Hochschulassistenten einen Kindergarten gebaut Freiberuflich bei F1rstdesign, Köln

Wondercrump

(Vorneweg: meine Begegnungen mit solchen beschränken sich auf das Betreten einiger – mässig gelungener – Beispiele und dem Besuch einer Homepage, auf der als Spezialvariante das «Architektenhaus» mit schrägen Stützen und schiefen Fenstern zu erwerben war.) Jetzt lautet sie: Die grösste Qualität eines solchen, bereits fertigen Hauses scheint mir zu sein, dass es aussieht wie ein HAUS. Es hat Wände, ein Dach und Fenster, wohl aber seit einigen Jahren eine stutzig machende, gleichbleibende Ähnlichkeit mit den anderen seiner Sorte. Das Konzept klingt mir noch (laut) nach einem Credo vergangener Zeiten, als man glaubte, ‹Wohnen› sei allgemeingültig ein in einfachen Regeln beschreibbarer Ablauf unterschiedlicher Tätigkeiten, die sich im Laufe eines Tages in einem Volumen bestimmter Größe verteilen. Gruselig. Als Architekt hat man Verantwortung für das Kapital seines Bauherrn, den man nach bestem Gewissen beraten muss. Für das selbe Geld kann man mehr haben. «Absolut» in seine Teile zerlegt hat einen Bedeutungsschimmer von «losgelöst».

Ein bereits fertig entwickeltes Haus kommt zwar nicht vom Mars, sondern aus meiner eigenen Kultur, aber dennoch: Was hat dieses HAUShaus konkret mit mir zu tun, ausser sedativem Bekannten? Im Gegensatz dazu interessiert es mich, wenn Dinge sich anstecken/zusammenhängen dürfen. Es geht in diesem Stück Text um eine Methode, die ich anwende, weil ich die Möglichkeit der Veränderung mag, die sie in sich birgt, oder anders, die schleichende, sanfte Mutation über Semibekanntes hin zu... einem neuen Monster. Ob der Fragesteller das verstanden hätte?

Nachwort „I is a freaky giant! I is a nice and jumbly giant! I is the only nice and jumbly giant in whole Giant Country! I is the BIG AND FRIENDLY GIANT! I is the BFG! What is your name?” “Human beans from Wales taste very whooshey of fish. There is something very fishy about Wales.” “ You mean whales! Wales is different.” „Wales is whales“, the giant said. „Meaning is not so important“, said the BFG. „Quite often I is left instead of right.“

A living space should feature possibilities for the user to get his own ideas about his space – for it to be enriched without losing the familiarity. This can be done by assigning none or several functions to a certain component, by crossing elements that are traditionally seperated. Meanings must be put to sculptural objects by the user, things can be put in nooks, construction can make the architectural object friendly and close, and small shifts of meaning can generate urban qualities in a small space. The quality of prefabs is: they are a HOUSE. Four walls, a roof. But they concieve “living” as a series of fixed activities, which is horrible. More is possible for the money spent. Things should be moved towards an understanding like the one described above: A method of things connecting, infecting, tapping each other. Mutating towards something semi-known.

Roald Dahl’s Riese ist gar kein Monster, sondern freundlich, noch dazu erfindet er ständig neue Worte. Jeden Abend mischt der BFG sorgfältig wondercrump Träume zusammen, die er schlafenden Kindern durch eine stumme Trompete in den Kopf bläst.

Camenzind 23


Jean-Jacques Beineix: Diva

When we leave the cinema, we are often engulfed in a feeling of dream waking security, mixed with sadness, longing or confidence; we are stepping out of a world that was perfect, a dream come to reality, where the dream appeared to be reality itself.

Jean-Jacques Beineix: Diva

When everything in our rooms is placed precisely, without anything superfluous left; when the shadows are cast in the right way and the lights shine just like they should, we can make our dreams become reality. If you think like a director and act like a stage decorator, your interiors will be more than just practical: They will become the perfect surroundings. Place demands on your architecture! Text: Henry Wu

Chris Marker: La JetĂŠe

Wong Kar-Wai: In the Mood for

Luc Besson: Subway 24 Camenzind


Luc Besson: Subway

Andrej Swjaginzew: The Return - Die Rückkehr

Andrej Swjaginzew: The Return - Die Rückkehr

Scheitert nicht die Gestaltung des Innenraums auch daran, dass Ratio und Traum niemals übereinstimmen können? Dass die Traumwelten zerspringen, sobald man sich länger in ihnen aufhält, sobald der Alltag in sie einbricht? Das Kino verlassen wir oft mit einem Gefühl der traumwandlerischen Sicherheit, mit Traurigkeit, Sehnsucht oder Zuversicht; wir sind in eine Welt abgetaucht, die vollkommen war, in der ein Traum Realität wurde, und in der uns die Realität wie ein Traum erschien. Mit der genauen Platzierung der Möbel und Gegenstände, dem Auskämmen von allem Überflüssigen, den richtigen Schatten und vor allem dem richtigen Licht kann ein Stück unserer Träume Realität werden; wenn man wie ein Regisseur denkt und wie ein Bühnenbildner handelt, wird Inneneinrichtung mehr als nur praktisch: Sie wird zur perfekten Umgebung. Verlangen Sie der Architektur etwas ab! Text: Henry Wu

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Bauvolumen

aus? In den Schweizer Metropolen herrscht ein Überangebot an Arbeitskräften aus dem Architektursektor. Man kann beobachten, dass sich eine neue Spezies der Angestellten entwickelt, auch A-Budget Architekt genannt. Der A-Budget Architekt arbeitet hochmotiviert, allzeitig und ist sehr flexibel - auch was seine Lohnanforderungen angeht. Interessant wäre zu wissen, was mit dem Cashflow passiert, der mit Hilfe des A-Budget und fallender Lohnentwicklung entsteht? Investieren Arbeitgeber in ihre neue Gucci-Kollektion? ... Die Redaktion bleibt dran!

Grafik Camenzind / Quelle: BFS, Post Finance u.a.

26 Camenzind

2006

-10

Kommentar zu Camenzind Nr. 3 Leben für Leistung Die ansteigenden prozentualen Veränderungen des Bauvolumens zeigen: in der Schweiz wird gebaut! Der Baukostenpreis (BKP2 = Schätzungs- und Kalkulationshilfsmittel aus den Gebäudekosten für m2 und m3 Preise) steigt ebenfalls. Infolgedessen muss der Bauherr für seine gewünschten Bauleistungen tiefer in die Tasche greifen als in vergangenen Zeiten. Wie sieht die Lohnentwicklunge im Bausektor bzw. speziell bei den Architekten

SMI 0

2005

2004

Inflation

2003

2002

2001

2000

1999

Lohn

BKP 2

-20 gets more Switzerland is building. And building expensive. This coincidences with a surplus of architect workforce in the cities. A new species of employees is developing: The ABudget Architect: Highly motivated and highly flexible workers - flexible also in terms of their -30 wages. One wonders what happens with the cashflow generated by these A-Budget Architects...


Neu & Gut

Nächste Ausgabe: Grössenwahn Jeder kennt ihn, und fast jeder bekämpft ihn - mancher mehr, mancher weniger erfolgreich. Er bricht immer wieder aus, in Gesellschaften und in Individuen, und er findet immer wieder seinen Ausdruck, in Worten und in Taten. Er ist für manche Katastrophen verantwortlich, aber wohl auch für viele große Werke.

Spätestens seit der Moderne scheint die Architektur eng mit verschie-

densten Formen des Größenwahns verbunden zu sein. Nach einer langen Serie von Enttäuschungen und Demütigungen des Weltverbesserungswahns der Moderne scheint nun der Größenwahn einzelner Persönlichkeiten in den Vordergrund getreten zu sein; und schon angehenden Studenten wird diese Eigenschaft nachgesagt.

Camenzind Nr. 5 wird die versteckten und weniger versteckten Bezüge zwischen Größenwahn und Architektur untersuchen, wird in der Vergangenheit wühlen und Gegenwartskritik üben. Wir suchen nach überraschenden und provokanten Artikeln und Erfahrungsberichten; nach Beiträgen aus anderen Fachrichtungen und schließlich auch nach der Antwort auf die Frage: Kann Architektur ohne Größenwahn überhaupt redaktion@cazmag.com existieren?

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Camenzind 27


Inkosistenz als Programm

Inconsistency as the programmatic approach This issue of Camenzind is imperfect, as always. Our imperfection has a hidden agenda, though. We love inconsistency and we want to utter our opinion directly, without having to go through decades of having our minds washed. We are sick of the overaetheticized world of international architecture, and we don’t want to shut up just because we are not part of it. We don’t want architectural discourse to be implemented upon us. And: Discourse running only between architects is prone to be dead. We are searching for a communication form that is understandable for everybody. Far from having found the solution, we are hungry for criticism and of course for all kinds of contributions! Camenzind Redaktion

Wir lieben das Inkosistente. Wir haben die überästhetisierte Welt, in der die Architekten sich immer mehr verschanzen, satt. Wir wollen Architektur als einen Teil der Massenkultur, als einen lautstarke gesellschaftliche Disziplin sehen. Wir mögen gute Architektur, aber noch mehr mögen wir Ehrlichkeit, Unmittelbarkeit, das Direkte. Wir wollen uns nicht glatt wie Kieselsteine schleifen lassen, bevor wir uns zu einer bestimmten Sache äussern, uns perfekt angepasst haben, bevor wir uns heraustrauen. Wir werden unser Leben in der zweiten Reihe der Architektur verbringen, abseits von El Croquis und abseits von den Dunstkreisen der grossen Meister. Doch wir möchten uns trotzdem nicht darauf beschränken, den herrschenden Diskurs stumm zu verfolgen. Auch wenn er für Autoren und die Redaktion durchaus wichtig sein mag - Camenzind interessiert sich nicht für diesen Diskurs, und auch nicht für seine Protagonisten. Stattdessen wollen wir eine Form der Kommunikation untereinander finden, die auch von Aussen lesbar ist, die Architektur als eine Disziplin sichtbar macht, die alle Lebensbereiche betrifft. Denn ein Diskurs, der nur unter Architekten stattfindet, mag zwar interessant und komplex sein, ist aber im Grunde tot. Jede Ausgabe von Camenzind stellt einen Versuch der Annäherung an dieses Thema und seine Kommunikation dar. Wir sind weiterhin hungrig nach Kritik, nach hingeworfenen Brocken und natürlich nach Beiträgen aller Art. Camenzind Redaktion

Camenzind #4  

Die vierte Ausgabe von Camenzind

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