Issuu on Google+

M o z ar t in der Z ukunf t

Wolfgang Amadeus Mozart – das Genie! Einer der größten Komponisten aller Zeiten. Kannst du dir Mozart als Kind vorstellen, wie er mit dem Schlitten bergab saust, sich Zeichentrickfilme anschaut oder einen Hamburger ist? In „Mozart in der Zukunft“ ist das möglich. Um dich mit Max und Mozart auf eine Abenteuerreise zu begeben, brauchst du nur deiner Fantasie freien Lauf zu lassen und dich wie sie von dem Engel der Musik führen zu lassen, der immer da ist, um uns zu verzaubern.

t f n uk u Z r e d ni t r a z o M

Tânia M aria R odrigues-Peters

„Mozart in der Zukunft“ ist ein Buch zum Träumen und Begeistern.

ai r a M ai n âT

www.rodrigues-peters.com

mit Illustrationen von Pedro Caraça


Mozart in der Zukunft Tânia Maria Rodrigues-Peters

Mit Illustrationen von Pedro Caraça


„Menschen ohne Fantasie können die unwahrscheinlichsten Abenteuer erleben oder die entferntesten Länder bereisen; doch es wird Ihnen nichts bleiben, sie werden nichts davon behalten. Ein Leben darf nicht nur gelebt, sondern es muss auch geträumt werden.“ Mário Quintana. Brasilianischer Dichter und Journalist.


Illustrationen Layout und รœbersetzung ISBN

Pedro Caraรงa Carsten Peters


Widmung Ich widme dieses Buch meinen Kindern Luana, Teo und Toni, die mich inspirieren, und Herrn Peters, meinem Gefährten, der mit mir das Leben teilt und mich auf Reisen und in Träumen begleitet, und allen Kindern dieses Planeten und Gott und auch meinem lieben Schutzengel, und natürlich meinen Lesern und Freunden, die an mich glauben. Und mit viel Zuneigung zu Mozart, dem ewigen und fort­ währenden Mozart. Ich mag euch alle. Tânia.


Ich schrieb dieses Buch, während ich Mozart hörte. Ich verließ mich nur auf meine Gefühle, meine Intuition, mein Herz. Versuchen Sie deshalb nicht meinen Stil zu analysieren. Es ist mein eigener Stil. Wenn Sie aber dennoch etwas analysieren möchten, dann schauen Sie mir tief in die Augen, denn dort werden Sie alles finden. So, machen Sie jetzt eine sanfte Musik an. Ich würde Mozart empfehlen. Und genießen Sie die Lektüre. Tânia, Österreich, 2008.


Mozart in der Zukunft Max ist schon wieder dabei, ein Stück von Mozart zu spielen, als seine Mutter ins Zimmer kommt und ihn fragt: ♪ Kannst du es noch immer nicht? Du musst einfach mehr üben. Ich möchte, dass du es perfekt kannst. Vielleicht ist es bes­ ser, wenn du jeden Tag eine Stunde länger übst.—Sagt die Mutter. ♪ Ah! Oh nein! Ich halte es nicht mehr aus so viel zu üben. Manchmal denke ich, ich sollte mit dem Klavierspielen aufhören. Ich werde nie der Musiker sein, den du dir wünscht. —Sagt Max, der schon gar nicht mehr weiß, was er tun soll um die hohen An­ forderungen, die seine Mutter von ihm erwartet, zu erfüllen. Max ist zwölf Jahre alt, liebt Musik und spielt seit Jahren Kla­ vier. Das Problem ist seine Mutter, die viel zu viel von ihm ver­ langt und ihm keine Zeit lässt, sich wie andere Jungen in seinem Alter zu vergnügen. Das nervt ganz schön. Seine Leidenschaft zur Musik ist dadurch allerdings nicht ge­ trübt. Er fühlt sich nur etwas niedergeschlagen. Astrid ist eine strenge Mutter, die hohe Anforderungen an alles stellt. Sie will, dass Max alles gibt. Ihr Traum ist, dass Max ein­ mal ein international anerkannter Musiker wird. Das Einzige, was Max will, ist spielen, die Musik fühlen, ohne sich dabei um Ruhm oder internationale Karriere Gedanken zu machen. Sie wohnen in einem kleinen Dorf in Vorarlberg. Es ist ein wunderschöner Ort, umgeben von Bergen, wo die Natur sich in all ihrer Schönheit und Pracht zeigt. Es ist ein altes Holzhaus, so wie es sie in Österreich gibt, mit einer hübschen Terrasse, einem Holzfeuerofen und einem herrli­ chen Garten, in dem je nach Jahreszeit jede Menge Blumen blü­ hen und Gemüse wächst, das seine Eltern angepflanzt haben. Es ist ein Garten, in dem alle mithelfen, sowohl die Eltern als auch die Kinder, und das nicht nur beim Unkrautjäten, sondern auch beim Pflegen der Blumen und im Gemüsegarten. Es kommt immer frisches Gemüse auf den Tisch, und das Haus 13


14


ist immer mit Blumen aus dem Garten geschmückt. Im Garten stehen auch viele Obstbäume, wie zum Beispiel Kirschen-, Birnen- oder Apfelbäume. Und wenn das Obst reif ist, brennen Max' Eltern daraus Schnaps. Max' Mutter backt viele leckere Torten. Am liebsten mag Max Apfeltorte, die seine Mutter mit Äpfeln aus dem Garten backt. Marc, Max' Vater, ist Dorflehrer. Er ist ein sehr fröhlicher Mensch, der immer bereit ist anderen zu helfen, wenn es vonnö­ ten ist. Max' Mutter ist ein guter Mensch, auch wenn sie sehr streng ist und viel von ihren Kindern verlangt. Und genauso wie der Vater hilft sie anderen, indem sie hier und da etwas putzt, auf­ räumt oder ein Buch vorliest für die, die nicht mehr richtig sehen können. Max' Eltern sind für die Dorfgemeinschaft da und wer­ den von allem im Dorf sehr geschätzt. Anna, Max' kleine Schwester, ist ziemlich frech. Sie spricht ununterbrochen und mischt sich in alles ein. Aber dennoch ist sie süß. Sie ist vier Jahre alt und geht jeden Tag in den Kindergarten. Anna mag ihren Bruder sehr, aber trotzdem kann sie es nicht lassen, ihn zu ärgern und immer wieder zu belästigen, wenn er Klavierspielen übt. Sie sagt, dass sie auch Klavier spielen möchte wie ihr Bruder, aber ihre Mutter sagt, dass sie dafür noch zu klein ist. Wenn Sie sechs Jahre alt ist, dann darf sie auch Klavier spie­ len, sagt ihre Mutter. Es wäre wirklich toll, wenn beide Musiker wären. Die Mutter träumt schon von dem Tag, an dem ihre beiden Kinder in einem bekannten Konzerthaus oder in einer Staatsoper spielen würden. Das Publikum würde applaudieren und ihre Kin­ der würden die Anerkennung bekommen, die sie verdienen, und die auch sie dadurch verdient, dass sie sie gefördert hat. Der Vater sieht das eher locker. Er sagt immer: ♪ Astrid, lass Max mal in Ruhe. Er ist talentiert, er liebt es zu spielen und er macht seine Sache ordentlich, aber er ist auch ein ganz normaler Junge, der sich vergnügen möchte. Er möchte mit seinen Freunden spielen und nicht immer nur zu Hause üben. Das Alter kommt nicht wieder. ♪ Nein, ich muss ihm helfen, ihn auf den Weg führen, dass er einmal ein großer Musik wird. Ohne mich wird er es nicht schaf­ 15


fen. Ich werde ihm zum Ruhm verhelfen. —Sagt die Mutter, die sich sicher ist, dass sie das Richtige tut. ♪ Ich glaub, dass du das viel zu verbissen siehst. Verlang nicht zu viel von dem Jungen. —Sagt der Vater. ♪ Wenn Leopold so gedacht hätte, dann wäre aus Mozart nicht das geworden, was er war. Er war ein vorbildlicher Vater, immer an der Seite seines Sohnes. In Max' Alter war Mozart bereits in­ ternational bekannt. ♪ Ja, teilweise muss ich dir zustimmen, aber in Max' Alter spielte Mozart nicht mit seinen Freunden Fußball, er ging nicht Snowboard fahren, ging nicht ins Kino, hatte keinen Computer, usw. —Sagt der Vater mit einem verschmitzten Lächeln. ♪ Nun sei mal nicht albern, Mark. In der Zeit gab es nichts von dem, was du da erzählst. —Entgegnet die Mutter. ♪ Ha, ha, ha!! Ich mache doch nur Spaß. —Sagt der Vater und lacht laut. —Ich mache nur Spaß. Du siehst das wirklich viel zu verbissen. Was hältst du davon, wenn wir ein Wochenende in ei­ ner Hütte oben in den Bergen verbringen? Den Kindern würde es einen Riesenspaß machen. —Schlägt Mark vor. ♪ Auf keinen Fall! Nächsten Monat wird Max im Stadttheater auftreten und dafür muss er gut vorbereitet sein. —Sagt die Mut­ ter streng. ♪ So wirst du Max noch total stressen. Ja, okay. Aber nach dem Konzert fahren wir irgendwohin, wo wir unsere Ruhe haben, allerdings unter einer Bedingung. —Sagt der Vater fordernd. ♪ Welche Bedingung? —Fragt die Mutter, die der Sache nicht ganz traut. ♪ Wir fahren mit den Kindern und das Klavier bleibt hier. Es passt ja eh nicht ins Auto. —Sagt der Vater etwas bissig. ♪ Manchmal bist du wirklich albern. —Sagt die Mutter höh­ nisch. Währenddessen, im selben Land, jedoch in einer längst vergan­ genen Zeit, genau gesagt im achtzehnten Jahrhundert in der Stadt Salzburg, schaut ein Junge etwas betrübt durchs Fenster nach draußen. Sein Blick geht ins Leere. Eine Stimme von hinten holt ihn wieder in die Wirklichkeit zurück. Er dreht sich um und schaut seinem Vater in die Augen. ♪ Guten Morgen, Herr Papa! —Sagt der Junge. 16


♪ Guten Morgen! Warum sitzt du so untätig herum und vergeu­ dest deine Zeit? Zeit ist etwas wertvolles. —Sagt der Vater ernst. ♪ Ach, nichts. Ich schau mir nur diese Jungen dort an. Sie spie­ len schon eine Weile dort unten. Es scheint, als hätten sie viel Spaß. Sie sind bestimmt in etwa so alt wie ich. ♪ Sie vergeuden ihre Zeit. Außerdem haben sie keinen Vater, der sich um ihre Erziehung kümmert. Geh noch ein bisschen üben. ♪ Aber Herr Papa! Wir sind gerade von der Reise zurückge­ kommen und ich habe bereits so viel gespielt! Darf ich ein biss­ chen hinuntergehen und mit den Jungen spielen? ♪ Wie bitte?! —Fragt der Vater beleidigt. Du bist ein guter Musiker und das nur, weil ich mir mit dir so viel Mühe gebe. ♪ Aber Papa, ich habe schon so viel gespielt und so viel geübt. Ich möchte normal sein so wie diese Jungen. ♪ Aber du bist nicht normal, und du wirst nie wie diese Jungen sein. Schau noch einmal aus dem Fenster. —Dann greift der Vater leicht unter Mozarts Arm und führt ihn zum Fenster. —Sag mir mal, wer von diesen Jungen hat bereits vor Königen und Königin­ nen gespielt? Wer von diesen Jungen ist in fast ganz Europa be­ kannt und wird von Tausenden von begeisterten Leuten mit Bei­ fallsstürmen gefeiert, nach dem sie ein für sie veranstaltetes Kon­ zert gesehen haben? Sag mir wer von ihnen? —Fragt der Vater energisch. ♪ Ja, Papa. —Er lässt den Kopf hängen und geht aus dem Wohnzimmer in Richtung Musikzimmer. ♪ Warte! —Befiehlt der Vater. ♪ Ja, Papa? ♪ Und wer von diesen Jungen heißt Wolfgang Amadeus Mo­ zart? Du bist einzigartig! Weder gab es, noch wird es jemals je­ manden mit so viel Talent wie geben wie du es hast. —Sagt der Vater stolz. Dann kehrt Mozart wieder auf den Boden der Tatsachen zu­ rück und beginnt lebhaft zu spielen. Seine Musik ist mitreißend, schön und tiefsinning. Sie dringt tief ins Herz eines jeden, der sie hört. Mit nur vier Jahren hatte Mozart bereits gelernt Cembalo zu spielen. Ein Cembalo ist eine Art Klavier. Auch spielte er Geige. 17


18


Mit fünf Jahren hatte er bereits komponiert. Noch bevor er sechs Jahre alt wurde, brachte sein Vater ihn an den königlich-bayerischen Hof, um dort zu spielen. Seine Schwester Nannerl war auch immer bei den Konzerten dabei. Danach spielten sie auch noch in Wien, wo sie die Leute so be­ geistert hatten, dass sie eine dreieinhalbjährige Tournée durch ganz Europa machten, die sehr erfolgreich war. Der Vater des kleinen Mozart war Komponist und Violinist zu Diensten des Erzbischofs von Salzburg. Er kam aus einer armen Familie, und genau wie bei Mozart war sein Talent so etwas wie ein Segen Gottes. Sein Ziel war es weltweit bekannt zu werden. Außerdem konnte er dadurch natür­ lich Geld verdienen. Der kleine Mozart führte kein normales Leben wie andere Kin­ der. Er lebte mal hier, mal dort und schlief in Kutschen, war auf Reisen oder übernachtete in Gasthäusern. Für viele war er wie ein lustiges Spielzeug. Er war ein bezau­ berndes und heiteres Kind. Aber all das hielt ihn nicht davon ab, auf die Straße hinausge­ hen zu wollen, um mit anderen Kindern in seinem Alter zu spie­ len. An dem Abend geht Mozart mit diesen Gedanken zu Bett und schläft tief und fest und träumt. Er träumt von einem Ort, der an­ ders ist als alles das, was er kennt. Auf den Straßen ist viel los, viele Leute, viele Lichter und Musik von allen Seiten. Und da ist ein Geruch, ein komischer Geruch, den er nicht kennt, der aber dennoch angenehm ist. Und neben ihm ist ein Junge, ein Junge in seinem Alter. Dieser Traum wiederholt sich von da an Nacht für Nacht. Und jedes Mal als der kleine Mozart am Morgen aufwacht, ist er ver­ gnügt, voller Energie, so als würden die Träume ihn beflügeln. Währenddessen geschieht mit Max genau das Gegenteil. Er ist von einer unerklärlichen Traurigkeit ergriffen. In der Schule läuft es nicht mehr so gut. Seine Noten werden immer schlechter. Und sogar das Klavier, das sein Ein und Alles ist, lässt er links liegen. Eines Tages in der Schule ist Max mit seinen Gedanken woan­ ders, ganz woanders, als plötzlich der Lehrer ihm eine Frage zum 19


Unterricht stellt. Als er die Frage nicht beantworten kann, fangen einige seiner Mitschüler an ihn auszulachen. In diesem Moment steht Max wütend auf und schubst die Schüler vom Stuhl, die ihn gerade geärgert hatten. Der Lehrer verweist ihn daraufhin aus dem Klassenraum und gibt ihm eine Nachricht für seine Eltern mit, dass sie am nächsten Tag in der Schule erscheinen mögen. Die Eltern wundern sich sehr über das, was passiert ist, denn Max ist immer ein guter Schüler gewesen. Max' Eltern kümmern sich um den kleinen Max, jedoch ist die Mutter sehr streng und fordert viel. Sie verlangt immer von ihm, dass er mehr und mehr Klavier übt und in der Schule bessere No­ ten erreicht. Das geht sogar soweit, dass Max' Hände anfangen zu zittern, als er eines Tages versucht ein Stück zu spielen. Seine Hände gehorchen ihm nicht mehr. Sie zittern so stark, dass sogar seine Mutter erschrickt und ihn in sein Zimmer bringt. Die Mutter ruft den Vater, und zusammen versuchen sie mit dem kleinen Max zu reden. Aber das hat keinen Zweck. Max ist traurig. Sie rufen den Doktor, der Max Ruhe verordnet, nachdem er ihn untersucht hat. ♪ Der Junge hat Stress, auch wenn er noch so klein ist. Ich weiß nicht genau, was passiert ist, aber es scheint so, als würden Sie zuviel von ihm verlangen. Kinder müssen lernen, üben, und so weiter, aber es sind nun mal Kinder und alles hat seine Gren­ zen. Ich denke, dass er an seine Grenzen gestoßen ist. Das was er jetzt braucht ist Ruhe, und zwar mindestens drei Tage zu Hause, und… —Der Doktor schaut die Mutter an. —…ohne Klavier, es sei denn, dass er selbst spielen möchte. Die Mutter versteckt ihr Gesicht an der Schulter des Vaters und sagt halb flüsternd: ♪ Es ist meine Schuld. Ich habe zu viel von ihm verlangt. Es ist alles meine Schuld. Er ist ja nur ein kleiner Junge. Was kann ich jetzt tun? Das einzige, was ich möchte, ist dass es ihm besser geht. ♪ Ja, nun gut, aber es hilft nichts zu jammern. Wir müssen dar­ über nachdenken, was wir tun können, damit es ihm besser geht. —Sagt der Vater besorgt. Max schläft und träumt. Er träumt von einem Jungen, der mit 20


21


22


ihm spielt, aber er sieht sein Gesicht nicht. Das ist aber nicht so wichtig. Sie sind gute Freunde. Im Traum versucht Max sich dem Jungen zu nähern um sein Gesicht zu sehen, aber er schafft es nicht. Es ist so als wäre alles verschwommen. Die nächsten drei Tage braucht Max nicht zur Schule zu gehen. Am nächsten Morgen nach dem Frühstück macht er einen Spa­ ziergang und geht zu seiner Hütte. Es ist Februar und es liegt noch immer viel Schnee in diesem Teil Österreichs. Max hat eine Hütte ziemlich am Ende des Dor­ fes. Es ist eine Holzhütte, die sein Vater für ihn gebaut hat. Sie ist klein und hat einen Kamin, weil es dort immer sehr kalt ist. In der Hütte steht ein Sofa, das er von seiner Mutter bekommen hat. Au­ ßerdem gibt es dort einige Decken, Spielsachen, Bücher und ein altes Spielzeugklavier, auf dem Max die ersten Noten gelernt hat. In der Hütte steht auch ein kleiner Tisch, der aus Baumstäm­ men hergestellt wurde und ein paar kleine Baumstämme, die als Stühle dienen. Und dann ist da noch ein Schrank, in dem immer Saft und Kekse sind. Max zündet das Feuer im Kamin an. Das hat sein Vater ihm beigebracht. Kurz darauf fängt das Holz zu brennen an. Es ist an­ genehm dem Knistern des Feuers zuzuhören. Max setzt sich auf das Sofa und fängt an ein Comic zu lesen. Nach einer Weile geht er zum Fenster. Plötzlich fängt es zu schneien an. Es schneit ziemlich stark, aber es ist so schön zuzu­ schauen wie der Schnee alles in ein weißes Kleid hüllt. Dann sieht er, dass sich etwas Merkwürdiges aus dem weißen Hintergrund auf ihn zubewegt. Zwei violette Lichter kommen im­ mer näher bis er sehen kann, dass es zwei violette Augen sind. Es ist unglaublich. Ohne sich darüber bewusst zu sein, macht Max die Tür auf und sieht die Umrisse einer Frau, die ganz in gelb gekleidet ist, und das einzige, was sich davon abhebt, sind ihre violetten Augen, die sie starr auf Max gerichtet hat. Als sie die Kapuze, die sie über ih­ ren Kopf gezogen hat, abnimmt, kommen ihre Haare zum Vor­ schein, die auch violett sind, genauso wie ihre Augen. Max schaut dieses Geschöpf wie verzaubert an. Er kann seine Augen nicht von ihr ablassen. Er ist von ihrem Blick wie gefes­ selt. Sie ist so schön, ja sogar übernatürlich!! 23


♪ Hallo Max! —Sagt die Frau lächelnd mit einer weichen, lieblichen, ja fast seidigen Stimme. ♪ Hallo! —Antwortet Max wie hypnotisiert. ♪ Schön dich kennenzulernen. —Sagt die Frau, die mit Musik in ihrer Stimme spricht. ♪ Wer bist du und woher kennst du meinen Namen? —Fragt Max. ♪ Du hast mich gerufen. Du rufst mich immer. Immer, wenn jemand spielt, immer wenn die Musik jemanden zum Weinen bringt, dann ruft er mich. —Sagt die Frau flüsternd mit Musik in der Stimme. ♪ Bist du eine Fee? —Fragt Max. ♪ Ich bin der Engel der Musik. Ich bin immer dort, wo die Mu­ sik ist, wo es Menschen mit Feingefühl und Liebe zur Musik gibt. Und du hast mich gerade gerufen. Dein Herz hat mich gerufen. Du bist traurig und brauchst mich jetzt. Deshalb bin ich hier. Du darfst die Lust am Spielen nicht verlieren. ♪ Aber ich glaube, dass ich kein Talent habe. Meine Mutter möchte, dass ich ein großer Musiker werde, dass ich berühmt werde und in großen Konzertsälen spiele. Aber ich glaube, dass ich nicht so viel erreichen kann wie sie es gerne hätte. —Sagt Max fast weinend. ♪ Und du? Was möchtest du? —Fragt der Engel. ♪ Ich? Na ja, ich möchte spielen, nur spielen halt. Ich liebe Musik. Ich möchte für mich selbst spielen, für meine Freunde. Ich möchte, dass die Leute sich freuen, wenn sie meine Musik hören, ohne so viel Ehrgeiz wie ihn meine Mutter hat. Nur das Spielen allein macht mich schon glücklich. Aber im Moment schaffe ich es nicht. Ich weiß auch nicht, was los ist. Ich kann einfach nicht spielen. ♪ Wenn du jetzt einen Wunsch frei hättest, was würdest du dir wünschen? ♪ Ein neues Snowboard? —Fragt Max halb lächelnd, denn auch wenn er schon sehr reif für sein Alter ist, so ist er doch nur ein Junge. ♪ Nein, mein Lieber! Nichts Materielles. Es muss ein Wunsch sein, den du tief in deinem Herzen hast. Vielleicht möchtest du einen ganz besonderen Menschen kennenlernen oder vielleicht möchtest du, dass dir jemand hilft? Schließ deine Augen, Max, 24


und denk ganz fest an die Person, die du so sehr bewunderst. Denk daran, ganz fest… Und dann schließt Max seine Augen und denkt an…, denkt an… Und er denkt an das, was er in den letzten Nächten geträumt hatte, von diesem Jungen, aber dieses Mal konnte er sein Gesicht sehen, und er konnte es kaum glauben. Ja, er ist es! Es ist… der kleine Mozart, der mit ihm im Traum gespielt hat. Max öffnet sei­ ne Augen und sagt ohne es zu wollen: ♪ Mozart! Er schreit ganz laut und merkt es fast nicht. Er schaut um sich und sieht niemanden. Er sucht die Frau, findet sie aber nicht. Er dreht sich um, um wieder in die Hütte zurück zu gehen, aber dann dreht er sich wieder zurück, weil ihn irgendetwas nicht in Ruhe lässt. Er schaut nach oben. Am Ende der Straße ist ein Junge, der auf ihn zu geht. Er schaut etwas ungläubig drein und strengt sich an, um besser sehen zu können. Ihm fällt die Kinnlade herunter als er den Umriss des Jungen sieht, der sich auf ihn zubewegt. Aber der Junge, der aus einem Traum entsprungen zu sein scheint, ist schlaftrunken und fällt dann ohnmächtig in den Schnee. Max erschreckt sich und rennt in seine Richtung. Er schleppt ihn bis zur Hütte, legt ihn aufs Sofa und deckt ihn mit einer Woll­ decke zu, denn die Sachen, die er trägt, scheinen nicht warm ge­ nug zu sein. Wahrscheinlich ist er halb erfroren. Ein Glück, dass Max kräftig genug ist, um den Jungen bis zur Hütte zu bringen. Und außerdem ist der Junge nicht sehr groß und nicht besonders schwer. Max legt noch etwas Holz auf das Kaminfeuer, ohne den Jun­ gen, der auf dem Sofa liegt, aus den Augen zu lassen. Er geht etwas näher heran und beobachtet ihn, bis der Junge schließlich aufwacht. Der Junge macht einen Satz auf dem Sofa. Er hat sich erschro­ cken, richtig erschrocken. ♪ Ruhig, ruhig! Erschrick nicht! Ich bin Max. Da draußen ist es sehr kalt. Ich habe hier ein bisschen warmen Kakao. Möchtest du etwas? Der Junge sagt gar nichts. Er ist noch immer total durcheinan­ der und etwas misstrauisch. Max hält ihm den Becher mit dem warmen Kakao hin. Er trinkt etwas und wundert sich über den 25


Geschmack. Er trinkt alles aus, reicht Max den Becher zurück und sagt: ♪ Danke schön. Es war ein Vergnügen ein derart köstliches Ge­ tränk genießen zu dürfen. Mein Name ist… ♪ Ich weiß, wer du bist. ♪ Ah! Du bist sicher schon zu einem meiner Konzerte gekom­ men und kennst mich daher. ♪ Nein, ich kenne dich aus dem Internet. —Sagt Max. ♪ Ich hatte bisher nicht das Vergnügen, die gnädige Frau Inter­ net kennen zu lernen. Ist sie eine Prinzessin oder gar eine Köni­ gin? —Fragt der Junge. ♪ Ah! Na klar! Zu deiner Zeit gab es ja kein Internet. Es gab ja noch nicht einmal Computer. —Sagt Max. ♪ Computer?? Das ist womöglich der Gemahl der ehrwürdigen Dame? Jetzt kann Max es nicht mehr aushalten und fängt an zu lachen. ♪ Ich weiß nicht, wie du hier plötzlich aufgetaucht bist. Ich weiß wirklich nicht, was ich tun soll. Ich glaube, ich träume. — Sagt Max. ♪ Wo sind wir? —Fragt der Junge. ♪ Nun ja, wir befinden uns in einem kleinen Dorf in Öster­ reich. Mein Name ist Max. ♪ Sehr angenehm. Mein Name ist Wolfgang Amadeus Mozart. ♪ Ich sagte, dass ich das schon weiß! ♪ Was ich wissen möchte ist, wie ich hier hergekommen bin? —Fragt Mozart. ♪ Das weiß ich auch nicht. Ich war hier in der Hütte und sah eine Frau mit wunderschönen Augen. Danach sah ich dich. Ach! Ich weiß auch nicht weiter. ♪ Eine Frau mit violetten Augen?? —Fragt Mozart. ♪ Ja, aber ich erinnere mich nur daran, dass ich sie gesehen habe, an sonst nichts. —Sagt Max etwas verwirrt. ♪ Das ist merkwürdig! Ich erinnere mich auch an eine Frau mit violetten Augen, aber sonst erinnere ich mich auch an nichts mehr. ♪ Wohnst du hier? In dieser Hütte? —Fragt Mozart. ♪ Nein, natürlich nicht. Mein Vater hat diese Hütte für mich zum Spielen gebaut. Ab und zu bin ich ganz gern hier. Unser Haus steht etwas weiter unten. Komm! Vom Fenster aus kann 26


man einen Teil des Hauses sehen. Mozart geht zu Max, um das Haus zu sehen. ♪ Es scheint ein schönes Haus zu sein. —Sagt Mozart. ♪ Ja, es ist ein sehr schönes Haus. —Antwortet Max. ♪ Ich weiß nicht, was hier vorgeht. Ich weiß noch nicht einmal, was ich hier tue. Wir sind im selben Land, aber alles ist so selt­ sam. Ich bin in der Zukunft. —Sagt Mozart etwas benommen. ♪ Ich weiß auch nicht, was hier vor sich geht. Vielleicht ist es nur ein Traum oder auch nicht. Ich weiß nicht. Aber wo du schon mal hier bist, werde ich dir ein paar Dinge erklären. Wir sind am Anfang des 21. Jahrhunderts und du kommst aus dem 18. Jahr­ hundert. Wie das passieren konnte, weiß ich nicht. Frag mich nicht. Ich werde versuchen, dir zu helfen soweit ich kann. Fangen wir mal mit deiner Kleidung an. Du bleibst hier in der Hütte. Es ist besser, wenn niemand weiß, dass du hier bist. Wie soll ich das erklären? ♪ Was ist mit meiner Kleidung nicht in Ordnung? Entschuldige bitte, aber ich möchte nicht solche Lumpen tragen wie du sie trägst. Bitte sei mir nicht böse, aber ich werde meine Sachen an­ behalten. ♪ Wenn du so auf die Straße gehst, dann werden die Leute ent­ weder denken, dass du verrückt bist oder dass du zum Fasching willst. Nächste Woche ist Karneval. Dann könntest du mit den Sa­ chen losgehen. Jetzt werde ich aber erst einmal etwas für dich ho­ len. Warte hier. Ich komme gleich wieder. Wenn jemand kommt, dann versteckst du dich! Tschüss! Und bevor Mozart etwas einwenden kann, geht Max los wie ein geölter Blitz. Mozart bleibt auf dem Sofa sitzen. Er ist immer noch ein biss­ chen verwirrt von alledem, was hier vor sich geht. Er fühlt sich hilflos und weiß nicht, was er tun soll. Er läuft durch die kleine Hütte und fasst hier und dort den einen oder anderen Gegenstand an. Vieles ist interessant für ihn. Es gibt Dinge, die er vorher noch nie gesehen hat. Max hat ihm ein paar lustige Schuhe hingestellt, die aussehen wie ein Bär. Richtig albern. In Wirklichkeit sind es Pantoffeln. Mozart kommt sich in diesen Schuhen richtig lächerlich vor. Aber die Schuhe sind so schön warm, dass er bei der Kälte keine Lust hat sie auszuziehen. 27


28


Weiterlesen...

http://www.amazon.de/dp/3837083985


Über mich

7. Dezember 1964—Ich kam in einer heißen Sommernacht zur Welt. 1981—Ich erhalte die Ermächtigung zum Lehramt für die zweite Klasse. 1982—Ich mache eine Weiterbildung für das Unterrichten in der Vorschule. 1985—Ich schließe das Studium zur Kunsterziehung in der Fakultät für Kunstbildung der Universität von Mogi das Cruzes, Brasilien, ab. Ich war zehn Jahre lang Schauspielerin in einem Amateurtheater. 1986—Ich schließe das Studium der bildenden Künste ab. Parallel zu meinem Universitätsstudium bin ich als Lehrerin in verschiedenen Schulen tätig, sowohl in Grundschulen als auch in weiterführenden Schulen. 1987—Ich mache einen Kurs als Radiosprecherin in der Radioschule von São Paulo, Brasilien. Parallel dazu nehme ich Unterricht bei dem niederländischen Maler Antonius Josephus Maria van de Wiel. Einige meiner Werke werden ausgestellt. 1990—Ich beende mein Studium der Publizistik und Marketing an der Fakultät für soziale Kommunikation der Universität von Mogi das Cruzes (UMC), Brasilien. 1989—Mit dem Judoverein Bunkio werde ich Judomeisterin der Region Mogi das Cruzes, Brasilien. 96


1996—Ich gewinne den ersten Platz von ganz Brasilien beim Wettbewerb über Reiseerzählungen der Zeitschrift Turismo Brasil Service. 1997—Ich ziehe nach Berlin. 1999—Ich ziehe nach Pamplona, Spanien. In Spanien gewinne ich den siebten Platz bei einem Wettbewerb für Kurzgeschichten. Einige meiner Fotos werden als die besten in einem Fotowettbewerb bewertet. Später werden diese Fotos für Werbezwecke in Spanien verwendet. Während meiner Zeit in Spanien habe ich ein Restaurant und ein Café geführt und meine Gäste mit gastronomischen Kreationen verwöhnt. 28. Dezember 2006—Ich ziehe nach Dafins in Vorarlberg, Österreich. 2007—Ich veröffentliche meinen Blog "Aventuras de uma dona de casa" (Abenteuer einer Hausfrau), dessen Inhalte jetzt unter www.rodriguespeters.com erscheinen. Immer wenn ich Zeit habe, schreibe ich etwas über das Leben in Österreich, veröffentliche eigene Rezepte oder schreibe über Kunst und andere Dinge. 2008—Eines meiner Rezepte wird als eines der besten in der Zeitschrift „Kuchen & Torten“ bewertet. Der Wettbewerb wurde unterstützt von der Zeitung VN Vorarlberger Nachrichten. 2008—Ich veröffentliche mein erstes Buch Mozart in der Zukunft.

97


M o z ar t in der Z ukunf t

Wolfgang Amadeus Mozart – das Genie! Einer der größten Komponisten aller Zeiten. Kannst du dir Mozart als Kind vorstellen, wie er mit dem Schlitten bergab saust, sich Zeichentrickfilme anschaut oder einen Hamburger isst? In „Mozart in der Zukunft“ ist das möglich. Um dich mit Max und Mozart auf eine Abenteuerreise zu begeben, brauchst du nur deiner Fantasie freien Lauf zu lassen und dich wie sie von dem Engel der Musik führen zu lassen, der immer da ist, um uns zu verzaubern.

t f n uk u Z r e d ni t r a z o M

Tânia M aria R odrigues-Peters

„Mozart in der Zukunft“ ist ein Buch zum Träumen und Begeistern.

ai r a M ai n âT

www.rodrigues-peters.com

mit Illustrationen von Pedro Caraça


Mozart in der Zukunft