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Michael Meetz Managementberatung UVE, Berlin

»Viele Maler nehmen den Arbeitsschutz nach wie vor überhaupt nicht ernst.«

Glück sein«, warnt Meetz. »Wer hingegen in

Wissen der Maler im richtigen Umgang zum

den Arbeitsschutz investiert, verringert aktiv

Beispiel mit Leitern, Gerüsten und elektri-

das Unfallrisiko.« Und spart damit unterm

schen Geräten auf. »Einige Aspekte wie den

Strich, denn Arbeitsschutz rechnet sich: Der

richtigen Umgang mit Leitern muss man im-

so genannte »Return on prevention«, also

mer wieder predigen«, sagt Wiesler. »Insge-

der finanzielle Vorteil des Arbeitsschutzes,

samt akzeptieren die meisten Kollegen den

liegt für deutsche Unternehmen im Durch-

Arbeitsschutz aber als sinnvolles Instru-

schnitt bei 2,2. Das hat eine Studie der Deut-

ment, um Unfälle zu vermeiden.« Außerdem

schen gesetzlichen Unfallversicherung erge-

prüfen speziell geschulte Kollegen von

ben. Heißt: Jeder in den Arbeits- und Ge-

Wiesler sowie externe Spezialisten die Werk-

sundheitsschutz investierte Euro bringt 2,20

zeuge, persönliche Schutzausrüstung der

Euro an Einsparungen in Form von vermie-

Mitarbeiter und die Fahrzeuge der Firma. Sie

denen unfall- und krankheitsbedingten Aus-

schauen zum Beispiel nach, ob Gitter und

fällen.

Netze zur Sicherung von Ladung an Bord und intakt sind. Seine Lehrlinge schickt

Jedes Jahr stürzen rund 9.000 Arbeiter auf deutschen Baustellen von einer Leiter

zigste Arbeiter hat einen meldepflichtigen Unfall erlitten. Zwar ist die absolute Zahl der Unfälle im Vergleich zum Vorjahr um rund 5.400 Unfälle gesunken, weil immer mehr Firmen ihren Arbeitsschutz verbessern. Grund zur Entwarnung sehen Experten dennoch nicht, das gilt insbesondere auch für das Malerhandwerk: »Viele Maler nehmen den Arbeitsschutz nach wie vor überhaupt nicht ernst«, sagt Michael Meetz, Geschäftsführer der auf Arbeitsschutz im Bau spezialisierten Managementberatung UVE aus Berlin. Unfallverhütung kostet schließlich erst einmal Zeit und Geld, und der Nutzen ist nicht auf den ersten Blick erkennbar, wenn ein Malerunternehmen seit Jahren und Jahrzehnten läuft, ohne dass je etwas passiert

Engagement zahlt sich aus Beim

Wiesler zwei Mal im Jahr auf eine Weiterbil-

Maler-Großunternehmen Heinrich Schmid

dung rund um Arbeitssicherheit, hinzu kom-

zählen umfassende Arbeitsschutzmaßnah-

men Spezialschulungen für Hubarbeitsbüh-

men deshalb bereits seit vielen Jahren zum

nen. Zudem haben sich bereits 70 Mitarbei-

Geschäft: »Arbeitsschutz rechnet sich«, sagt

ter am Standort zu Ersthelfern ausbilden las-

Eugen Wiesler, Fachkraft für Arbeitsschutz

sen. »Das Engagement macht sich

am Standort Eschbach. Wiesler organisiert

bemerkbar«, sagt Wiesler. »Die Unfälle, bei

beispielsweise einmal im Jahr einen Sicher-

denen Mitarbeiter mehrere Tage ausfallen,

heitstag für die 138 gewerblichen Mitarbei-

sind in den vergangenen Jahren zur absolu-

ter. An diesem Tag frischen Experten das

ten Ausnahme geworden.«

ARBEITSUNFÄLLE

Nicht die Regel – aber auch keineswegs die Ausnahme

Jährlich verunglückt rund jeder zwanzigste Arbeiter auf dem Bau.

Zahl der Unfälle Meldepflichtige Arbeitsunfälle je 1.000 Arbeiter in Vollzeit im Baugewerbe Meldepflichtige Arbeitsunfälle im Baugewerbe gesamt Tödliche Arbeitsunfälle Baugewerbe gesamt Meldepflichtige Arbeitsunfälle Maler, Gebäudereiniger und verwandte Berufe Tödliche Unfälle Maler

2014 55,87 103.731 81 15.680 2

Quelle: uve GmbH, basik-net

wäre. »Das kann aber genauso gut pures

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