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Dienstag, 26. Januar 2010 Nr. 7 ■

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DIE LETZTE

DIE LOKALZEITUNG in Küssnacht am Rigi

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Küssnacht/Immensee: Fasnachtsbescherungsgesellschaft und Rigilüüt zu Besuch in Altersheimen

Eine schöne Bescherung für Bewohner Strahlende Gesichter und überraschende Momente: Die Fasnachtsbescherungsgesellschaft sorgte mit ihren Besuchen und Päckli in den Altersheimen Seematt und Sunnehof für reichlich Abwechslung im Alltag. VON ALEX VON DÄNIKEN «Die Vorfreude war bei den Bewohnern schon frühmorgens gross», sagte Marco Keller-Hänggi, Geschäftsführer des Alters- und Pflegeheims Seematt in Küssnacht. Am letzten Freitag eröffnete die Ländlerkapelle Dillier-Hess die traditionelle Fasnachtsbescherung. Die lüpfigen Stücke animierte manche Bewohner zum Mitschunkeln. Eine Delegation der Rigilüüt Küssnacht verteilte Tulpen und begann, mit den Seniorinnen und Senioren zu plaudern. «Diese Gespräche sind genauso wertvoll wie die Geschenke», sagte Veronika Müller, Co-Leiterin des Pflegedienstes.

Karl Windlin (rechts) verteilte nicht nur Päckli, sondern liess sich auch gerne auf Gespräche mit den Bewohnern im Seematt ein. Fotos: avd

Grosse Freude auch bei den Alterswohnungsbenutzern des Pflegezentrums Sunnehof.

Schokolade und Wein Vor der eigentlichen Bescherung richtete Benno Barmettler einige Worte an die versammelte Runde: «Ich möchte euch danken, dass wir kommen dürfen

und uns mit euch unterhalten können.» Barmettler wies darauf hin, dass die Damen der Rigilüüt einem Tänzchen nicht abgeneigt sind. Dann machten sich die Herren der Fasnachtsbescherungsgesellschaft auf ins Atelier, wo schon die Päckli bereitstanden. Darin befanden sich allerlei

am Nachmittag auch jene im Pflegezentrum Sunnehof in Immensee an der Reihe. Hier trieben – sehr zur Belustigung der Anwesenden – Rigivater und Rigimutter ihr Unwesen. So wurde postwendend ein Rollator entwedet oder dann elegant getanzt.

Erdbeben in Haiti

Küssnacht: Ferruccio Cainero im Theater Duo Fischbach

Kanton spendet 70 000 Franken

Mit Tiefgang und einem roten Faden

Der Kanton Schwyz hilft der von einem schweren Erdbeben getroffenen Karibikinsel Haiti mit 70000 Franken. pd. 50000 Franken wurden der Glückskette am heutigen nationalen Sammeltag zugesichert, mit 20 000 Franken werden die Hilfeleistungen des Schweizerischen Roten Kreuzes zugunsten von Haiti unterstützt. In der Nacht vom 12. Januar 2010 erschütterte ein schweres Erdbeben die Karibikinsel Haiti. Die genauen Auswirkungen lassen sich zwar noch nicht beziffern. Es steht aber bereits jetzt fest, dass dieses Erdbeben Zehntausende von Todesopfern gefordert hat und dass dieser schon vorher arme Staat materiell arg getroffen wurde.

Rasche, unbürokratische Hilfe In dieser Notlage hat sich der Regierungsrat des Kantons Schwyz für eine rasche Hilfeleistung entschieden. Die total 70 000 Franken werden dem Lotteriefonds entnommen. Landammann Georg Hess begründet diese Hilfeleistung: «Der Schwyzer Regierungsrat ist tief betroffen vom Leid, das diese Katastrophe über Haiti gebracht hat. Wir wollen mit dieser Unterstützung die Solidarität des Kantons Schwyz mit Haiti ausdrücken und einen Beitrag leisten, dass Haiti die Folgen dieser Katastrophe bewältigen kann.» Der Kanton Schwyz hatte bereits vor fünf Jahren 50000 Franken aus dem Lotteriefonds an die Glückskette zugunsten der Opfer der Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean gespendet.

Biscuits, Schokolade und Guetzli. In einer zweiten Runde wurden auch wahlweise Wein oder Traubensaft gereicht.

Freude auch im Sunnehof Nachdem am Morgen die Bewohner im Seematt beschenkt wurden, waren

Jemandem beim Geschichtenerzählen zuzuhören, kann langweilig und einschläfernd sein. Oder aber spannend und zum Schmunzeln wie zum Nachdenken anregen, wie Ferruccio Cainero am letzten Samstag im Theater Duo Fischbach zeigte. avd. Er gewann 2002 den Schweizer Kleinkunstpreis Goldener Thunfisch, 2003 den begehrten Salzburger Stier, 2006 den internationalen Erzählkunstpreis The Golden Ear of Graz und 2008 den Deutschen Kleinkunstpreis Willhelmshavener Knurrhahn. Doch in der Zentralschweiz ist der 1954 in Udine geborene Ferruccio Cainero noch ein Geheimtipp. Ihm stünde auch hier mehr Ehre zu.

Besonnener Don Quijote Die meisten der Gäste im Theater Duo Fischbach konnten sich am letzten Samstagabend noch keinen Reim auf den in der Schweiz lebenden Italiener machen. Umso grösser war dann die Überraschung. So detailreich, witzig und pointiert präsentierte Cainero seine Geschichten, dass die Gäste nach gut zwei Stunden das Theater mit gelöstem Gesicht, dafür mit ein paar Gehirnverbindungen mehr verliessen. Caineros Geheimnis: Er kramt in seiner Kindheit und Jugend nach Erinnerungen und stellt sie einerseits sehr lebund glaubhaft dar. Andererseits bleibt dem Zuschauer immer wieder die Frage im Hinterkopf: Ist das wirklich passiert?

gleich. Mit den gesparten zehn Lire kauften sie sich jeweils zwei Kaugummis. Einmal scheint der Trick ja zu gehen, aber gleich mehrmals? «Doch, das geht», bestätigte Cainero. Dem Eisverkäufer sei durchaus bewusst gewesen, dass er sich jedes Mal übers Ohr hauen liess. Wahrscheinlich haben ihm die Wutanfälle auch gut getan. «Der Frust des Winters entlud sich bei ihm im Sommer», erklärte Cainero.

Der Erzählkünstler Ferruccio Cainero spielte im Theater Duo Fischbach gross auf. Foto: avd

Ein Beispiel: Als Cainero 16 Jahre jung war, jobbte er bei einem hageren Mann auf dem Bau. Dessen Art erinnerte Cainero an Don Quijote. Selbst als Cainero aus Versehen einem Bauherrn einen Kübel Zement vor die Füsse knallen liess, blieb Don Quijote die Ruhe in Person. Obwohl der Bauherr einst in schwarzen Kleidern und schwarzen Schuhen und mit einem schwarzen Auto gekommen war und jetzt wie ein gefleckter Reiter mit geflecktem Pferd dastand. Cainero, von dem Vorfall völlig verunsichert, schnitt darauf alle Rohre für einen Dachaufbau zu kurz. Doch Don Quijote blieb auch diesmal ruhig. «Mir ist bis heute nicht klar, wie Don Quijote es geschafft hat, mit zu kurzen Rohren ein Dach zu bauen», sagt Cainero.

Explosives Rumpelstilzchen Ferruccio Cainero erfuhr erst in Zürich

Auch in Immensee war die Freude über die Päckli gross. Fast noch mehr erhellten sich die Gesichter der Bewohner von Pflegeheim und Alterswohnungen bei den vielen persönlichen Gesprächen, die die Fasnachtsbescherungsgesellschaft und die Rigilüüt mit ihnen führten.

von der Märchenfigur Rumpelstilzchen. «So etwas gibt es in Italien nicht», sagt der Geschichtenerzähler, und fügt an: «Wobei – doch, ein Rumpelstilzchen habe ich als Kind kennengelernt.» Damals kam regelmässig ein Eisverkäufer in die Stadt. Kaum hörten die Kinder die Hupe des Dreirads, eilten sie zu ihren Müttern, um jeweils fünfzehn Lire zu erbetteln. Doch Klein-Ferruccio lügte dann dem Eisverkäufer vor, dass er ein Waisenkind sei und nur fünf Lire hätte. Der Eisverkäufer sprang – wie das Rumpelstilzchen – wütend auf und ab, fluchte und tobte. Er liess sich dann erweichen und händigte dem angeblichen Waisenjungen ein Eis für fünf Lire aus, das trotz aller Bemühungen des schwitzenden Eisverkäufers gleich gross war, wie das Fünfzehn-Lire-Eis. Danach taten es Caineros Freunde

Kritischer Beobachter Es waren nicht nur die Anekdoten über Begegnungen mit archetypischen Figuren, die Ferruccio Caineros Auftritt überzeugend machten. Zwischendurch driftete er – auch wenn es mit einem Augenzwinkern war – immer wieder in ernstere Gefilde ab. So reicherte er typische Kinderreime und Volkslieder seiner Heimat, dem Friaul, mit zusätzlichen Texten an. Und offenbarte damit sein musikalisches Talent. Seinen geschärften Blick fokussierte er nicht nur auf selbst Erlebtes, sondern schweifte ihn auch auf einen grösseren Kontext. So sagte er über die Leute im Friaul: «Früher waren viele Leute arm und wanderten aus. In ihrer neuen Heimat wurden sie genau beäugt. Oft wurde über die Friauler gesagt: Ihr passt nicht hierher, habt eine andere Mentalität und schlaft zu zehnt in einem Raum. Heutzutage hat es das Friaul zu einigem Wohlstand gebracht und ist seinerseits Ziel vieler Afrikanischer Immigranten. Doch auch denen sagen jetzt die Friauler: Ihr passt nicht hierher, habt eine andere Mentalität und schlaft zu zehnt in einem Raum.»

7. Freierschweizer 26.01.2010  
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