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Tiefsinnige Comedy aus der Werkstatt Ferruccio Cainero stellt „Cosmos“ vor

LÜDENSCHEID � „Sternenhaft“ – so bezeichnete ein Besucher den Abend mit Ferruccio Cainero. Der Verein der Freunde italienischer Kultur hatte in den Roten Saal des Kulturhauses eingeladen, um einen Abend mit dem Künstler zu verbringen. Tatsächlich spielten die Sterne eine wichtige Rolle in den Geschichten des italienischen Erzählers. Zum Beispiel, wenn er mit seinem Mechaniker-Kumpel Giovanni nachts auf der großen BMW 750 in Richtung Sterne unterwegs war („um vielleicht einem Komädchen zu begegnen“). Die Himmelskörper waren auch ein Thema, wenn er locker und nicht immer ganz ernst zu nehmen physikalische Zusammenhänge des Kosmos’ beleuchtete. „Cosmos“, der Name des Programms, ist nicht nur das italienische Wort für unser Universum, sondern auch der Name einer Autowerkstatt, die in Caneiros Erzählungen den Mittelpunkt bildete. Von hier aus gab es Streifzüge in die Philosophie, Physik und Politik. Alles immer leicht verpackt und mit einem Augenzwinkern. Herrlich zum Beispiel die Geschichte des (wahrscheinlich deutschen) Kunden, der in die Werkstatt Cosmos kam. Eigentlich, so Caneiro, wollte der keine Mechanikerkunst, sondern nur schnell ein Austauschteil. Aber Toni, der Besitzer, so die Geschichte weiter, belehrte ihn eines Besseren. Er nahm ihn mit in die nahegelegene Osteria, wo es verschiedene Weine zu probieren gab. Dort, so erfuhren die Zuhörer im Saal, tasteten Toni und der Kunde sich vom Pinot Bianco über Tokajer bis zum Pinot Grigio und philosophierten mit Tonis Freunden über die wichtigen Dinge des Lebens. Später frönte Toni dann seiner Kunst als Mechaniker, und am Abend fuhr der Kunde schließlich ungern, aber beglückt davon. Ferruccio Caneiro ist mehr

Ferruccio Cainero bot feinsinnige Comedy. � Foto: Rimbach als ein Kleinkünstler. Schon Ende der 70er-Jahre war er mit dem „Teatro Ingenuo“ unterwegs. An der Mailänder Bühne CRT traf er auf italienische Theatergrößen wie Dario Fo und die bekannte Clownfamilie Colombaioni. Er ist außerdem Autor und Regisseur vieler Stücke. Ende der 90er-Jahre begann er dann, Stücke wie „Cosmos“ für sich selber zu schreiben. Wohltuend bei seiner Vorstellung im Kulturhaus war, dass er sich mit seinem Programm von den manchmal platten Sprüchen vieler Comedians abhob. Caneiros Kunst ist feiner und hintergründiger. Während man lacht, fängt man plötzlich an, nachzudenken. Die Zuschauer im gut gefüllten Saal zeigten sich konzentriert und gut gelaunt. Eingestreute italienische Sätze und Lieder lockerten das Programm auf. Ferrucio Caneiro würde vielleicht zur Beschreibung des Abends den meist verwendeten Ausdruck der Vorstellung nehmen und sagen: „Porca miseria, (verdammt nochmal), das war gut, oder?“ � JR

26. Luedenscheider Nachrichten 09.02.2016  
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