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Poste Italiane s.p.a. – Spedizione in A.P. – D.L. 353/2003 (conv. in L. 27.02.2004 n. 46) art. 1, comma 2, DCB Bolzano

Anno 7 / n° 1 di CACTUS - gennaio 2009 - bimensile

grünes alternatives forum meran spazio verde alternativo merano

Estremamente

"Fermate il mondo, voglio scendere!", è una delle più celebri battute di Mafalda, la bambina terribile nata dalla mano del disegnatore Quino. Analizzando la situazione politica attuale, caratterizzata da un ritorno di “fiamma” dei movimenti radicali ed estremisti di destra, viene davvero voglia di bloccare tale situazione e di chiamarsi fuori. Ma il mondo non si ferma e questa situazione sta assumendo sempre più dimensioni preoccupanti, specialmente tra i giovani. In questo numero, dopo un’attenta analisi dei risultati delle ultime elezioni, cerchiamo di identificare le principali cause del fenomeno. Ci vengono in aiuto esperti che vivono a stretto contatto con le nuove generazioni, le quali hanno Sara Ladurner, Streetworkerin in der rechten Szene: „Jugendliche reagieren frühzeitig auf Veränderungen.“ Seite 2 - 4

la netta sensazione che per loro non venga fatto nulla. La perenne carenza di soldi (o, meglio, l’inadeguatezza dei loro stipendi a soddisfare bisogni sempre più elevati), l’assenza di figure di riferimento famigliari, la diffusione incontrollata dell’alcol, la paura per il futuro ed un estremo pessimismo sono tra gli ingredienti principali di questa deriva politica. Ed è in questo mondo che scaltri ed irresponsabili politici pescano a man bassa, catturando migliaia di voti: del resto, è risaputo che il populismo di destra si rafforza nei periodi di crisi sociale ed economica. Naturalmente, per non smentire l’aspetto “interetnico” della nostra provincia, l’estremismo di destra italiano e quello tedesco Irene Senfter ist die neue Bezirkssprecherin der Burggräfler Grünen. Marco Dalbosco betreut weiterhin Meran. Seite 10

hanno rari punti di incontro, combattendo per “ideali” differenti. Gli unici denominatori comuni sono il ruolo assegnato alla donna, relegata ai margini della scena politica, predestinata alla gestione della casa e alla cura dei figli, e l’ostilità nei confronti degli immigrati. Ritornando al “mondo” di Mafalda, a noi resta soltanto la certezza della sua sfericità: più ci si sposta a destra, più è facile che prima o poi ci si ritroverà nuovamente a sinistra. Quindi, non dobbiamo “fermare il mondo”, ma lavorare in modo puntuale per diffondere, ad ogni livello, la cultura della fiducia reciproca ed offrire alle nuove generazioni una sinistra degna di questo nome. Eva Jahollari, Albanerin, seit acht Jahren in Meran: „Wenn Jänner 2009 die Familie nicht da ist, hast du keine Wurzeln.“

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Was wählen Jugendliche ...

Jugend wählt rechts Zukunftsangst, wenig Mitsprache und und populistische Sprüche im Wahlkampf - nicht nur Randgruppen glauben an einfache Lösungen. Ein Interview mit Sara Ladurner und Leopold Steurer ser strukturiert und organisiert. Es gibt die „Alten“, die die Jungen unter ihre Fittiche nehmen, es gibt eine Führungsfigur, deren Autorität anerkannt ist. Man verpfeift sich nicht, man hilft sich gegenseitig, man ist für die Gruppenmitglieder da. Die Gruppe ist familiäre Ersatzstruktur, militärisch organisiert.

Im Hintergrund stehen die „Krawattenträger“ Der Historiker und Lehrer Leopold Steurer im Gespräch mit der Streetworkerin Sara Ladurner

In welcher Form arbeiten Sie mit Jugendlichen zusammen? Sara Ladurner: Ich arbeite seit fünf Jahren als Streetworkerin und dabei ausschließlich in der rechtsradikalen Szene. Leopold Steurer: Ich unterrichte ein Leben lang Geschichte und Philosophie und beschäftige mich in meiner Freizeit mit Jugend und Rechtsradikalismus. Was wählen Jugendliche? Steurer: Die SchülerInnen der allgemeinbildenden Oberschulen verteilen sich mehr oder weniger auf alle Parteien, während die technischen Oberschulen und Berufsschulen meiner Vermutung nach zum Großteil rechts wählen. Ladurner: Die Jugendlichen, mit denen ich arbeite, arbeiten hauptsächlich in handwerklichen Berufen und haben fast durchwegs die deutschen RechtsParteien gewählt.

Für mich wird nichts getan Wer sind diese Jugendlichen? Ladurner: Ich betreue zurzeit ca. 90 Jugendliche, 95% davon sind Buben. Es handelt sich teilweise um polizeilich bekannte Jugendliche oder Leute, die ich bei Konzerten oder Wiesenfesten ken-

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nen lerne, oder auch einfach Jugendliche, die von anderen gehört haben, dass es uns gibt. Warum denken und wählen diese Jugendlichen rechts? Ladurner: Sie haben das Gefühl, es passiert nichts, „für mich wird nichts getan“. Die meisten stehen schon voll im Arbeitsalltag, leisten gleich wie ein Erwachsener, aber haben keine Möglichkeit mitzureden. Gewählt wird dann weniger wegen des Parteiprogramms, das auch, aber hauptsächlich weil man einen Politiker/eine Politikerin persönlich kennen gelernt hat, z.B. bei Wahlveranstaltungen. Steurer: Sie sind von der Politik enttäuscht, vom Lobbysystem, das herrscht. Die Rechtsparteien bieten einfache Lösungen an, in einer aggressiven Sprache. Diese Jugendlichen sind teilweise Randgruppen, Schulversager, niederes Bildungsniveau, schwierige Familienverhältnisse. Die Gruppe wird Ersatz für die fehlende Wärme, es handelt sich meiner Ansicht nach in erster Linie um eine emotionale Geschichte. Warum nicht linksorientierte Gruppen? Ladurner: Es gibt natürlich auch „linke“ Gruppierungen, aber die rechten Gruppen sind im Vergleich viel bes-

Sie sprechen von gut organisierten Gruppen. Wird das von oben gesteuert und wenn ja, wie? Ladurner: Die meisten Leute einer Gruppe kennen sich von klein auf. Zuerst kommt die langjährige Freundschaft, die sie verbindet, dann kommt Alkohol dazu, es wird gemeinsam gesoffen. Im Tourismusland Südtirol ist es dann nicht selten, dass deutsche, leicht naziangehauchte Bundesbürger den interessierten Gruppen Material besorgen. Internet spielt eine wichtige Rolle. Die Führungsrolle wird meistens von Anzug- und Krawattenträgern übernommen, auch einzelne Parteifunktionäre sind Leitfiguren. Die Jugendlichen wurden explizit ermutigt, aber nach den Verhaftungswellen fallengelassen und von den Parteien ausgeschlossen.

Sara Ladurner: „Die Jugendlichen, mit denen ich arbeite, wählen deutsche RechtsParteien“.


... und warum? Einmal abgesehen von den Randgruppen, wie erklären Sie sich den massiven Rechtsrutsch der JungwählerInnen bei den letzten Wahlen? Steurer: Die rechten Parteien vermitteln ein starkes ethnisch-nationales Wir-Gefühl und das gibt ein Gefühl der Stärke, sei es gegen alles Italienische, sei es gegen alles Ausländische. Einige Vertreter der Rechtsparteien drücken in moderater Sprache das aus, was dann von den Jugendlichen viel direkter und brutaler umgesetzt wird. Mit Sprüchen wie „Gewaltbereite Ausländer - nein danke“ werden ganze Gruppen zu potentiellen Gewalttätern abgestempelt, „Südtiroler zuerst“ hingegen fördert die Entsolidarisierung.

Zugehörigkeit ist ein Bauchgefühl Sie sagten, Jugendliche hätten das Gefühl, es würde nichts für sie getan. Was müsste denn getan werden? Ladurner: Jugendliche nehmen die Realität teilweise durch das Fernsehen wahr, das bedeutet, durch das deutsche Fernsehen. Wahrgenommen wird also, dass Jugendliche keine Arbeitsstelle bekommen, dass es massenweise Ausländer gibt, wie ja auch durch eine Umfrage in der Berufsschule Meran herausgekommen ist, nach der es laut den SchülerInnen 30 bis 40% Ausländer in Südtirol gibt. Die Realität Deutschlands wird teilweise 1:1 übernommen, auch wenn dies nicht der Südtiroler Realität ent-

Steurer: „Aufklärung ist kein Allheilmittel“

spricht. Die Jugendlichen in Lehre verdienen wenig, maximal 600 Euro. Klar, dass es da populär ist, Hass auf die Ausländer zu schüren, von denen einige unserer Politiker sagen, sie würden 1.200 Euro Arbeitslosengeld kassieren. Welche Rolle spielt das historische Wissen? Steurer: Das historische Wissen - oder das fehlende historische Wissen - spielt meiner Ansicht nach beim Phänomen dieser Randgruppen keine Rolle. Die Zugehörigkeit ist mehr aus einem Bauchgefühl heraus zu erklären. Aufklärung spielt meiner Ansicht nach dort kaum eine Rolle, das ist kein Allheilmittel.

Sara Ladurner: „Ich erlebe eine massive Angstmache“

Vor 40 Jahren waren Jugendliche überzeugt, es könne nur besser werden. Heute haben sie Angst um ihre Zukunft. Sind die heutigen Gruppierungen oder Tendenzen bei Jugendlichen mit den 68er-Jahren vergleichbar? Ladurner: Was meiner Ansicht nach neu ist, ist die Angstmache. Ich erlebe eine massive Angstmache. Jugendliche sind sensibel auf Großereignisse in der Weltgeschichte, seit 2001 wird gesprochen und geschrieben über Terrorismus, Glaubenskriege, Wirtschaftskrise, Rezession, schwierige Jobsuche. Vor 40 Jahren gab es die Flower-Power-Freiheits-Bewegung, die von den Linksparteien aufgefangen und mitgetragen wurde. Jugendliche reagieren meist frühzeitig auf anstehende Veränderungen. Steurer: In den 68-Jahren waren Studenten und Universitäten massiv beteiligt. Es wurde protestiert gegen autoritäre Strukturen in der Gesellschaft. Dies kann nicht mit dem verglichen werden, was heute passiert. Bei dem Rechtsrutsch und der Radikalisierung von Randgruppen handelt es sich um ein Phänomen der letzten Jahre. Vor 40 Jahren waren die Jugendlichen überzeugt, es könne nur besser werden. Heute haben diese Jugendliche das Gefühl, sie müssen Angst haben um ihre Zukunft. Tatsächliche oder

eingebildete Angst sind das ideale Substrat für die populistischen Schlagworte der Rechtsparteien.

Das Alkohol-Problem hat sich verschärft Frau Ladurner, Sie sind seit fünf Jahren Streetworkerin. Ist die Situation schwieriger geworden für die Jugendlichen? Ladurner: Die längere Schulpflicht spielt meiner Ansicht nach eine Rolle. Diese Jugendlichen möchten arbeiten gehen und haben den Frust, noch zwei Jahre die Schulbank drücken zu müssen, eine schwierige Situation für die Jugendlichen und die LehrerInnnen. Es ist versicherungstechnisch sehr schwierig, diese Jugendlichen aus dem Regelunterricht in ein Praktikum zu bekommen. Ein anderes Thema ist die Arbeit. Die Eltern arbeiten in der Regel, am Nachmittag hängen die Jugendlichen auf der Straße. Die Jugendlichen kommen immer früher in die Pubertät, teilweise handelt es sich um 11- und 12-jährige Buben, die sich gleich ihren älteren jugendlichen Vorbildern aufführen, mental jedoch nicht reif sind und auf die wir mit Worten kaum Einfluss haben. Die Problematik mit dem Alkohol hat sich verschärft. Die Jugendlichen haben ihren Körper nicht unter Kontrolle und wissen nicht, wie viel sie vertragen. Jugendprostitution ist ein Thema geworden, für 10 Euro werden sexuelle Leistungen verkauft, denn der

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Kinder, Küche, Kirche

Frauenpolitik = Familienpolitik Sara Ladurner: „ ... dann wird gemeinsame Sache gegen Links gemacht“

Zwang, Geld zu haben ist groß: in den Gruppen ist die Anforderung, in einer gewissen Weise gekleidet zu sein, ein teures Motorrad zu fahren, das neueste Handy zu besitzen. Diesen Zwang gab es vor einigen Jahren in dieser Form sicher nicht. Die Jugendlichen setzen sich unter Druck, glauben sich gut verkaufen zu müssen, auch bei der Suche nach einer Lehrstelle.

Mädchen denken langfristiger Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede? Ladurner: Bei den Jugendlichen, mit denen ich arbeite, auf jeden Fall. Dies erkläre ich mir mit der verschiedenen Denkweise. Für 18-jährige Frauen ist Familie, Kinder, Vorsorge oft schon ein Thema, sie denken langfristiger. Und es ist ja auch so, dass die rechtsradikale Ideologie extrem frauenfeindlich ist. Steurer: Ich denke, auch die Gewaltbereitschaft ist bei den Mädchen niedriger. Ladurner: Doch die Mädchen nähern sich da den Jungs an, laut meiner Erfahrung. Wir bekommen zurzeit Anrufe aus Mädchenheimen, wo es abends Schlägereien gibt, wer denn mehr rechts sei. Gibt es Berührungspunkte zwischen der rechtsradikalen Szene und der neofaschistischen italienischen Szene? Ladurner: Jein. Im Prinzip arbeiten diese Gruppen überhaupt nicht zusammen. Die Italienerfeindlichkeit übersteigt sogar die gegen Juden. Einzig bei Demos, z.B. von linksextremen Gruppen oder Punks, wenn sowohl Neonazis als auch neofaschistische Gruppierungen vor Ort sind, dann wird gemeinsame Sache gegen Links gemacht. Ansonsten herrscht strikte Trennung.

Interview: Anni Schwarz und Thomas Spitaler

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Geht es nach den rechten Parteien, sollen Frauen durch Steuer-, Sozial- und Familienpolitik wieder ins Private abgedrängt werden. Ulli Mair ist die meistgewählte Frau im Südtiroler Landtag. Mit 27.500 Vorzugsstimmen hat die Freiheitliche mehr Zustimmung bekommen als selbst der Obmann der Südtiroler Volkspartei. Der Frauenanteil im Landtag ist von 31% auf knapp 26% gesunken, von den insgesamt 9 gewählten Frauen sind 3 eindeutig dem rechten Lager zuzuordnen und auch in der SVP haben konservative Frauen weit mehr Zustimmung erhalten als Feministinnen. Ein Streifzug durch die Internetseiten der rechten Parteien macht deutlich, dass Rechtsparteien sich in der Regel nicht um Frauenpolitik kümmern. Einzig die Süd-Tiroler Freiheit hat einen Punkt ihrer programmatischen Grundzüge auch der Chancengleichheit zwischen Mann und Frau gewidmet. Wenn Frauen in der Politik fehlen, so liegt das laut freiheitlichen Kandidaten an ihrer mangelnden Qualifikation, denn “Mir sind keine Fälle bekannt, in welchen Frauen nur des Geschlechtes wegen in der Politik nicht berücksichtigt wurden.” (Walter Blaas) und “Qualität setzt sich unabhängig vom Geschlecht durch.” (Michael Demanega). Ulli Mair meint: “Politische Ämter dürfen nicht nach Geschlecht, sondern müssen nach Qualifikation vergeben werden. Quoten sind undemokratisch und werden Frauen nicht gerecht, sie bewirken nicht Gleichstellung, sondern Geschlechterkampf.” Und auch Pius Leitner fordert “Selbstbewusste Frauen statt Quotentanten!... Entscheidend muss die Kompetenz einer Person sein und nicht das Geschlecht. Gender Mainstreaming ist keine Hilfe für die Frauen, sondern eine Gefahr für die Gesellschaft schlechthin.” Frauenpolitik und Quoten sind also kein Thema für die Rechten. Dafür

engagieren sie sich umso stärker für die traditionelle Familie: Kindergeld, Kinderscheck, ein 3-jähriges Erziehungsgeld, Hausfrauenlohn und Rentenanspruch für Familienarbeit, Förderung der Alten- und Behindertenpflege in der Familie durch Prämien, Steuerbegünstigungen für kinderreiche Familien, Vorrang für einheimische Familien bei der Wohnbauförderung und den Sozialleistungen... “Die Mütter sollen solange, wie es geht, bei ihren Kindern bleiben dürfen.” (Lois Taraboi und Oswald Angerer von den Freiheitlichen) und “Die EINHEIMISCHEN müssen sich Kinder wieder leisten können” (Sigmar Stocker von den Freiheitlichen), denn “Familienpolitik ist Zukunftspolitik” (Union für Südtirol). Und wie soll das alles finanziert werden? Durch die “wirksame Bekämpfung des Missbrauchs von Sozialleistungen” (die Freiheitlichen). “Wenn man auf Großprojekte und sinnlose Kulturveranstaltungen wie die Manifesta 07, die 3 Millionen Euro gekostet hat, verzichtet, wäre auch die Finanzierung gesichert.” (Lois Taraboi und Oswald Angerer von den Freiheitlichen).

Klaudia Resch

Klaudia Resch: „Nicht jede Frau will für die Familie leben.“


rinks & lechts

Die soziale Rechte Die rechtspopulistischen Parteien punkten auch in Südtirol gerade beim kleinen Mann. Warum ist in dieser Wählerschicht die Rechte für viele glaubwürdiger als die Linke? Wie kriegen die Rechten den Spagat zwischen Neoliberalismus, Rechtspopulismus und Einsatz für die sozial Schwachen hin?

Alexander Wallnöfer: „Warum wählen die Armen die Reichen?“

Der Rechtspopulismus ist ein Phänomen, das besonders in Phasen sozialer und ökonomischer Krisen erstarkt. Von den Dreißigern des letzten Jahrhunderts (nach der Weltwirtschaftskrise) über die späten Achtziger und frühen Neunziger (Rezession nach der „Wende“ und Wirtschaftskrise in Asien und den Industrieländern) bis hin zur Schuldenkrise der Dritten Welt. Überall erstarkte in diesen Zeiten der Rechtspopulismus in seinen unterschiedlichen Ausformungen. Die derzeitige Finanzkrise lässt auch in diesem Zusammenhang Schlimmes befürchten und vereinzelt bereits erahnen.

Dabei sind es sehr häufig die Rechtsparteien, die sich für eine geringere Besteuerung der Unternehmen - was gleichzeitig eine höhere Steuerlast für die Lohnabhängigen bedeutet – und für insgesamt weniger Staat (z.B. wenn es um Finanzkontrollen bei Freiberuflern geht) einsetzen. Trotzdem profilieren sich dieselben Politiker häufig mit Erfolg als Anwälte der sozial Schwachen. Lässt sich dieses Paradoxon überhaupt auflösen? Das Thema ist komplex, wenig erforscht und auch zu wenig diskutiert. Eines ist sicher: Allein mit politischen Kategorien lässt es sich nicht fassen.

Standort-Nationalismus Ein interessanter Teilaspekt ergibt sich, wenn man sich mit dem Neoliberalismus beschäftigt, zu dem die Rechtspopulisten ein ambivalentes Verhältnis haben. Sie teilen zwar die Grundpfeiler des Neoliberalismus im Menschenbild, nämlich eines sich im ständigen Konkurrenzkampf befindlichen Individuums, haben aber seit der Globalisierung des Neoliberalismus auch ihre liebe Not mit den damit ausgelösten globalen Wanderbewegungen. Ihre Antwort darauf haben sie in einem neuen Nationalismus – dem Standortnationalismus – gefunden.

Gerade aber das neoliberale Menschenbild, wonach angeblich jeder in unserer Gesellschaft mit dem anderen konkurriert und nach seinem persönlichen Vorteil strebt, kann ein Erklärungsansatz dafür sein, warum die offensichtlichen Widersprüche in der Wirtschafts- und Sozialpolitik der Rechtspopulisten von der Wählerschaft widerspruchsfrei hingenommen werden. Wer unter Verlustängsten oder gar Existenzängsten leidet, will dem anderen nicht die Hand reichen und will nichts von Solidarität hören, sondern traut dem, der die anderen ausschließt. Der Spruch „Südtirol den Südtirolern“ fällt in der „Mir-sein-Mir-Mentalität“ auf einen fruchtbaren Boden.

Nachhaltige Veränderung nötig Der Turbo-Kapitalismus hat hier bis in das letzte Tal seine Spuren hinterlassen und sich mit seiner Vorstellung von der Welt und dem Menschen tief in unseren Köpfen festgesetzt. Wenn wir diese Paradoxa durchbrechen wollen, werden wir nicht umhin kommen, das heute gängige Welt- und Menschenbild durch ein kooperativeres und weniger konkurrenzgeprägtes Selbstverständnis zu ersetzen.

Alexander Wallnöfer

Hilflosigkeit bei Links Und immer steht die Linke dem Phänomen fassungslos gegenüber. Warum trauen die sozial Schwachen den Rechtspopulisten mehr als den Linken zu, ihr Leben zu verbessern? Warum wählt(e) ein Arbeitsloser lieber einen Großgrundbesitzer wie Jörg Haider oder einen millionenschweren Silvio Berlusconi, als einen Gewerkschafter?

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Comunicazione urbana

Muro contro muro In città ormai ci si parla attraverso la vernice o la colla, affidando a messaggi e slogan inflazionati rabbia, senso di appartenenza o disillusione. Ogni lampione della città è ormai diventato un raccoglitore trasversale di adesivi; è il segno di una “illuminazione” democratica?

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Schützen

Prendere l‘iniziativa, non subirla La marcia degli Schützen dello scorso 8 novembre ha destato clamore Più clamore del dovuto, in realtà, perché tutti sappiamo che le tesi palesate non rappresentavano una sorpresa e che iniziative simili sono avvenute anche nel passato. Da tempo gli Schützen uniscono una lodevole attenzione per la tutela della cultura tirolese ad una meno apprezzabile incomprensione per l’articolazione odierna del nostro territorio. Non era inedito neppure, come hanno

Quali risposte? Ma, novità o delusioni a parte, quali possono essere le risposte all’iniziativa dell’8 novembre e soprattutto ad alcuni dei messaggi ivi veicolati? Storicizzare e assolutamente non enfatizzare l’iniziativa, come detto, ma anche proseguire serenamente – senza farsi influenzare dalle pressioni del momento – nel percorso di

donati alle forze più conservatrici. Sono questioni di spiccata importanza, capaci – se veramente lo si desidera – di coinvolgere tutti i gruppi linguistici dell’Alto Adige/Südtirol in percorsi nuovi e condivisi, con elaborazioni al passo coi tempi. Serve un lavoro puntuale per diffondere ad ogni livello, e non solo fra pochi “illuminati”, una cultura della fiducia reciproca, per radicare una storiografia che esponga senza reticenze i problemi ma al contempo rafforzi quel rispetto delle diversità che è alla base dello Statuto.

Un lavoro sul territorio

Schützen schierati in occasione della marcia a Bolzano

evidenziato diversi cartelloni apparsi quel giorno, il voler porre sullo stesso piano i monumenti marmorei d’epoca fascista e quella parte dei toponimi italiani che è in uso ormai da generazioni.

Stupore e delusione Maggior stupore, e delusione, per quella parte del “partito di raccolta” che si è unita alla marcia, finendo per legittimare messaggi che andavano ben al di là della richiesta di depotenziamento dei monumenti. Non meno delusione, peraltro, per quelle centinaia di persone che hanno risposto all’iniziativa con grida e deprecabili saluti romani. Delusione infine anche per la scarsa conoscenza delle problematiche mostrata dai rappresentanti dello Stato nella deposizione di una corona dinanzi al monumento alla Vittoria, gesto che ha tolto un po’ di forza a quel percorso di depotenziamento che, pur fra inevitabili difficoltà, è avviato da tempo.

desemantizzazione condivisa del monumento bolzanino, consapevoli che non sarà un percorso né facile né breve. Soprattutto però, dobbiamo dircelo con franchezza, non sarà un percorso sufficiente ad evitare il ripetersi di iniziative similari: altre marce seguiranno e non mancherà in futuro chi cercherà di innalzare il livello della tensione.

Un lavoro da svolgere su tutto il territorio: nelle città ma anche nei paesi e nelle loro frazioni, nelle scuole e presso tutti gli strati sociali, incluse le nuove immigrazioni. È un’operazione che per attuarsi necessita di grande lucidità, buon coordinamento, mezzi e strutture adeguate. Operazione complessa, si dirà. Certamente, peraltro non intravedo soluzioni alternative in grado di contrastare con efficacia marce, corone di spine e fenomeni di sfiducia crescente tra i gruppi linguistici.

Tiziano Rosani

Uno sforzo ulteriore Anche per questo si può dunque provare ad immaginare uno sforzo ulteriore. I settori che si pongono e si ritengono in alternativa rispetto a quelli dell’8 novembre, contro-manifestazione inclusa, dovrebbero considerare con maggiore attenzione l’idea di giocare a tutto campo e soprattutto in anticipo sui terreni delle identità: i temi della Heimat, della sua tutela ambientale ma anche culturale, lo studio e la divulgazione della storia e della microstoria non sono temi di retroguardia e dunque non vanno abban-

La quiete dopo la tempesta

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Wahlanalyse

Auch Meran rutscht nach rechts Landtagswahlen sind nicht Gemeinderatswahlen. Aber Ergebnisse sind Ergebnisse Einverstanden: Jede Wahl steht für sich und man soll nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Trotzdem hat uns interessiert, wie der neue Gemeinderat von Meran aussehen würde, hätten ihn die WählerInnen bei den Landtagswahlen vom 26. Oktober gleich mit gewählt. Ein Stimmungstest ist es allemal und wer sich für Politik interessiert, ist schon mal vorgewarnt.

en. Anstatt wie bisher zwei wären im neuen Gemeinderat immerhin sechs Ein-Mann/Frau-Fraktionen vertreten. Tendenziell gehen die italienischen wie die deutschen Rechtsparteien aus der Wahl gestärkt hervor. Eine Regierungsbildung bleibt aber weiterhin möglich.

Wer gewinnt, wer verliert?

Wie könnte nun die zukünftige Regierungsmehrheit aussehen? Es ist evident, dass dabei die SVP einmal mehr die führende Rolle einnehmen wird, da eine politische Mehrheit ohne sie nicht denkbar ist. Wie auf Landesebene gibt es die Option für Mitterechts oder für Mittelinks und beide sind numerisch möglich. Vorausgeschickt, dass die Mehrheit in Meran mindestens 23 Sitze braucht, um einigermaßen beruhigt regieren zu können, kommen folgende Varianten in Frage: SVP (14) plus PdL (7) plus UDC (1) plus Lega (1), also Mitterechts mit 23 Sitzen, oder SVP (14) plus PD (5) plus Grüne (3) plus IdV (2) plus eventuell die Linke (1), also Mittelinks, mit 25 Sitzen. Freiheitliche, Union, Südtiroler Freiheit und Unitalia dürften bei der Regierungsbildung keine Rolle spielen, außer sie unterstützen den

Zuerst die Ergebnisse der letzten Landtagswahl, der Einfachheit halber gleich auf die insgesamt 40 Sitze im Gemeinderat umgerechnet: Die SVP erreicht14 Sitze (bisher 15), der Popolo della Libertà 7 (AN und Forza Italia bisher 10), der Partito Democratico (PD) 5 (Margherita, und DS/Italia dei Valori bisher 8), die Grünen 3 (bisher 5), die Freiheitlichen erringen 3 Sitze aus dem Stand, Italia dei Valori gewinnt deren zwei, die Südtiroler Freiheit erhält einen Sitz (bisher keinen), Unitalia ebenfalls einen (bisher keinen), die Union für Südtirol behält ihren Sitz, die UDC gewinnt erstmals einen solchen und Rifondazione/Die Linke behält den ihren. Was sofort auffällt: Alle etablierten Parteien oder Bündnisse verlieren zugunsten kleiner, teils neuer Partei-

Wer wird regieren?

siegreichen Bürgermeisterkandidaten, was freilich nicht auszuschließen ist.

Wer wird Bürgermeister? Stellt sich also noch die Frage nach dem nächsten Bürgermeister. Alle drei Kräfte im potentiellen Regierungslager (SVP, Mitterechts, Mittelinks) haben eine realistische Chance, ihren Kandidaten zumindest in die Stichwahl zu bringen. Im Jahre 2005 ging der SVP-Vertreter und jetzige Bürgermeister einem relativ ungefährdeten Sieg entgegen. Der Kandidat von Alleanza Nazionale war damals für die gemäßigte oder deutschsprachige Wählerschaft nicht gut wählbar, doch daran könnte sich mittlerweile, unter dem Zeichen des PdL, einiges geändert haben. Besonders aber bleibt abzuwarten, ob der PD als amtierender Koalitionspartner der SVP es diesmal wagt, ernsthaft gegen die Mehrheitspartei anzutreten und entsprechende Allianzen einzugehen. Fest steht: Wenn die Konkurrenten der SVP ihre Chancen richtig spielen, so könnte es bereits im nahen Jahr 2010 einen neuen Bürgermeister – oder gar eine Bürgermeisterin? - geben.

Franco Bernard

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Piste ciclabili

Piu sicurezza per le biciclette

È stato approvato recentemente in Consiglio comunale il Piano della mobilità ciclabile - un Piano che presenta molti aspetti positivi e che anche i Verdi hanno votato, ma che rischia di restare lettera morta La consigliera verde Christine Tonsern ha presentato in dicembre sei mozioni in cui impegna la giunta a realizzare alcune delle misure previste dal Piano. In primo luogo al piazzale della Stazione attualmente interessato da lavori di rifacimento e nel tratto tra la rotonda di Piazza Mazzini e viale Europa. Riprendendo le indicazioni del Piano la consigliera Tonsern chiede misure per ridurre la pericolosità degli attraversamenti alla rotonda, una pista ciclabile sul piazzale della stazione ed un maggior numero di rastrelliere ben collocate e protette alla stazione stessa. Sempre nella stessa zona inizieranno nei prossimi tempi i lavori per lo svincolo MeBo. La consigliera Tonsern chiede che nella fase di progettazione siano previste le piste ciclabili per assicurare dei collegamenti ottimali tra il centro della mobilità, che dovrà sorgere alla stazione, il centro cittadino e tutte le altre zone.

Passando dall’altra parte della città il Piano ha messo in rilievo la pericolosità dell’attraversamento alla rotonda dell’Uva tra via Palade e via Piave. Anche qui il gruppo Verde chiede che siano attuate delle misure per la sicurezza per ciclisti e pedoni. Un altro attraversamento molto frequentato sia da pedoni che da ciclisti e che L‘impegno dei presenta un alto grado di rischio è quello tra via Huber e Corso Libertà. Il Piano della mobilità ciclabile dà delle indicazioni concrete e facilmente realizzabili per renderlo più sicuro. La quarta mozione della consigliera Tonsern ne chiede la realizzazione entro il 2009. Le ultime due mozioni presentate da Christine Tonsern a nome del gruppo Verde sono di carattere generale: si

Verdi per non lasciare le bici... ferme al palo.

chiede di introdurre il limite di velocità dei 40 km/h anche sulle vie di attraversamento che attualmente hanno il limite dei 50 e si impegna la giunta a presentare entro maggio 2009 un calendario per la realizzazione delle misure presentate dal Piano.

Marco Dalbosco

+/- Sandplatz

Ein Platz, ein richtiger Platz!

Aber unten hohl

Jetzt hat sogar die Autostadt Meran einen Platz, der nicht zum Autofahren oder zum drum-herum-Autofahren da ist. OK, an der Seite darf man noch mit dem Auto noch vorbeifahren, aber nur verschämt und hinter einer Mauer versteckt. Wir sind schon gespannt, wer sich den neuen Raum erobert: Kinder? Jugendliche? Die Senioren? Hoffentlich nicht schon wieder die Verkaufsbuden...

Böse Zungen behaupten, dass es nicht schwierig war, den neuen Sandplatz benutzerfreundlicher zu gestalten als den alten. Noch böswilligere finden es schade, dass die vom Schnee in die Tiefe gerissenen Äste der Zeder nicht die Statue getroffen haben. Was aber auch dem gutmeinendsten Platzbenutzer sauer aufstößt, ist, dass der ganze Zauber wegen der Autos aufgeführt wurde, die unter dem Platz stehen. Die wird man oben riechen. Jänner 2009

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I Verdi nel Burgraviato

Irene e Marco

Irene Senfter - nuova portavoce del Burgraviato

La riunione annuale dei Verdi di Merano e del Burgraviato ha eletto all’unanimità Irene Senfter a portavoce verde del circondario meranese. M a r c o Dalbosco sarà il suo Irene Senfter: la nuova portavoce del Burgraviato vice e responsabile cittadino. Con questa doppia soluzione l’assemblea ha voluto dare un segnale di rinnovamento e rafforzare il ruolo delle realtà locali e delle liste civiche. Irene Senfter, nella sua doppia funzione di Verde di spicco a livello provinciale e motore della lista civica di Lana, è stata particolarmen-

te attiva nel corso degli ultimi dodici mesi e in vista delle elezioni comunali promuoverà le realtà verdi e alternative nei comuni. L’assemblea si è anche occupata delle prospettive a Merano che non si preannunciano facili. In vista delle elezioni comunali del 2010 i Verdi meranesi vogliono rinnovarsi anche per superare la fase di disaffezione dalla politica di cittadini sempre più stanchi di un’amministrazione lontana dalla gente e vicina al portafoglio dei gruppi economici. Anche se con sfumature diverse tutti gli intervenuti hanno concordato sulla necessità di ricercare con determinazione il dialogo con le forze democratiche e progressiste, sia con i partiti rappresentati nel consiglio comunale meranese, PD e Arbeitnehmer in primo luogo, sia con persone ed organizzazioni che operano nella società. Sono intervenuti tra gli altri Cristina

Marco Dalbosco - capogruppo dei Verdi a Merano

Kury, Franco Bernard e Hubert Frasnelli a sottolineare la necessità di trovare risposte nuove alla sfida posta dalla crisi economica e dalla svolta di destra registrata alle elezioni provinciali. È stato inoltre sottolineato come i Verdi siano l’unico partito che, non solo a parole, riunisce italiani e tedeschi in un discorso comune. Questo aspetto va sottolineato e rafforzato soprattutto a Merano, una città che vede una sostanziale parità dei gruppi linguistici.

Marco Dalbosco

Bücherecke „Mir fällt zu Hitler nichts ein“, ist der berühmte Eingangssatz von Karl Kraus zur Fackel vom Juli 1934, in der seine Leser und Leserinnen seine Position gegenüber dem Nationalsozialismus erwarteten, ja ersehnten. Entspricht dieser eine Satz nicht unglaublich dem heute wahrnehmbaren Ohnmachtsgefühl angesichts der wachsenden Faszination nazistischer und faschistischer Ideologieversatzstücke für Heranwachsende und Herangewachsene? Hier könnte nun eine Menge gutgemeinter Jugendliteratur angeführt werden, die rechte Ideologeme (Haß und Gewaltbereitschaft gegenüber allem „NichtAngestammten“ bezüglich Herkunft, Religion, sexueller Orientierung oder sub-kultureller Lebensweisen) aufgreift und als Krisenmoment in die

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Erzählung einbaut, Lösungswege aufzeigt und die LeserInnen mehr oder weniger beunruhigt wieder entlässt. Aber ein tiefsitzender Zweifel lässt mir keine Ruhe: Hören das nicht wieder lediglich jene, die „Ohren haben zu hören“? Es ist ja nicht so, dass die Jugend nicht schon sensibilisiert wäre auf dieses Thema hin, sie ist vielleicht geradezu übersensibilisiert, und konstruierte Gutmenschen-Texte fallen sofort unter den pädagogischen Verdacht. Also? Ad fontes, zu den Quellen! Die Auseinandersetzung mit einer Lesung aus Mein Kampf (auch als Qualtinger-Le-

sung einsetzbar) ist vielleicht fruchtbarer, der (un)verschämten Glorifizierung dieser Ideologie (und es steht fast alles in diesem Buch, tatsächlich!) vorzubauen. „Der Krieg wird nicht mehr erklärt, / sondern fortgesetzt“ (I. Bachmann, Alle Tage), es ist keine Zeit für narrative Samthandschuhe.

Martin Alber


Porträt

Wurzeln schlagen Porträt einer Albanerin in Meran Eva Jahollari (38) und ich sitzen in ihrer gemütlichen Küche. Seit 2000 lebt Eva mit ihrem Mann, ihrer 12-jährigen Tochter und dem 19-jährigen Sohn in Meran. Eva hat Arbeit als Interkulturelle Mediatorin gefunden. An Schulen und Kindergärten unterstützt sie Kinder und Eltern bei der Eingewöhnungsphase im neuen Land. „Probleme und Missverständnisse sind häufig. So ist es eben, wenn man mit Menschen zu tun hat. Es wird aber immer besser, denn am Anfang waren weniger Kinder mit Migrationshintergrund in den Schulen. Nun sind oft zwei bis drei Kinder in einer Klasse und alle haben sich daran gewöhnt“, sagt sie in fließendem Deutsch. Eva hat sich eingelebt in Meran: „Es ist eine wunderschöne Stadt und sehr gemütlich. Die Schulen und die Stadtmitte, alles ist in der Nähe. Großteils fühle ich mich zu Hause. Aber einiges fehlt. Weißt du, wenn die Familie nicht da ist, hast du keine Wurzeln.“

sie noch keine Kontakte geknüpft hatte: „Wir haben gesucht und gesucht. Von vornherein wollten die Leute keine Ausländer. Das finde ich nicht richtig, denn es verdient jeder eine Chance zu beweisen, dass er ein ganz normaler Mensch ist, so wie jeder andere.“ Ähnlich erging es ihr bei der Arbeitssuche: „Wenn wir Annoncen gelesen haben und ich eine Arbeit gesucht habe, haben die Leute gemerkt, dass ich nicht Dialekt konnte, denn Deutsch gesprochen habe ich ja schon. Sie sagten dann, wir werden sie zurückrufen, aber die haben sich dann sowieso nicht mehr gemeldet.“ Mittlerweile leben auch ihre Geschwister im Ausland. In Albanien zurückgeblieben sind ihre Eltern. Dass Eva sich nicht persönlich um sie kümmern kann, tut ihr sehr leid: „Wir tele-

fonieren oft miteinander und ich fahre auch manchmal nach Hause.“

Wo ist das Zuhause? Ob sie bleiben will oder ob es manchmal den Wunsch gibt, in ihr Heimatland Albanien zurückzukehren? „Zurückzukehren ist nicht so einfach. Da passt du nicht mehr ins eigene Land. Die Leute sind die, die sie immer waren und du hast dich weiterentwickelt, hast eine andere Kultur kennen gelernt, eine andere Sprache. Ich habe mich nicht mehr zu Hause gefühlt, als ich wieder nach Albanien zurückgekehrt bin.“ Momentan möchte Eva hier bleiben, bis die Kinder ihren eigenen Weg finden. „Dann werden wir sehen, so fix ist nichts. Wenn man es gewohnt ist, von einem Land ins nächste zu ziehen, ist es nicht einfach, Wurzeln zu schlagen.“

Christine Tonsern

Hoffnung auf Zukunft Der Anfang war nicht leicht für Eva, ihren Mann und die damals noch kleinen Kinder. Wegen der Unruhen in Albanien und um ihren Kindern eine bessere Zukunft und Ausbildung zu bieten, hatten sie ihr Heimatland schließlich verlassen und waren nach Italien gezogen. Am Anfang hat Eva sich sehr fremd gefühlt in Meran: „Als erstes habe ich einen Stadtplan genommen und versucht, mich selbst zu orientieren. Ich musste suchen, wo der Kindergarten ist und wo die Schule. Die Leute waren neugierig und aufgeschlossen, aber es war nicht so einfach, ganz zu ihnen vorzudringen, weil sie dich nicht kennen. Die brauchen auch Zeit, dich kennen zu lernen. Mit der Zeit wird’s besser. Jetzt habe ich sehr viele Freunde und Bekannte.“ Evas letzte Sätze klingen schon ganz südtirolerisch. Schwierig war es für die Familie am Anfang eine Wohnung zu finden, da

Eva Jahollari: „Als erstes habe ich einen Stadtplan genommen…“

Jänner 2009

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Vieni anche tu nella Casetta Pound Quest’anno, al mercatino di Natale della Solidarietà, la giunta di Bolzano ha deciso di ampliare l’offerta “solidale” lasciando spazio a nuove e simpatiche associazioni. Tra tutte, spicca la “Casetta Pound”. Per rompere con la classica architettura natalizia, i responsabili dell’associazione hanno costruito, dopo aver raso al suolo otto bancarelle delle associazioni vicine, una sobria struttura razionalista, caratterizzata da un’immagine gelida e cupa, seppur grandiosa, grazie all’utilizzo del marmo, di facciate con lastre piane, della ripetizione di forme geometriche come

il cubo e il cilindro, il contrasto dei bianchi e dei neri, l’assenza di decorazioni (ad esclusione di alcuni fasci littori e di un gladio a luci intermittenti). Esilarante il menù proposto ai turisti: pappardelle al ragù di cinghiate, manganel latte (dicono che abbia un effetto estremamente calmante), bruschette all’olio di ricino (rigorosamente biologico). Per rendere piacevole l’attività e familiarizzare con i colleghi delle associazioni vicine (tra cui ADMO, Centro Aiuti per l’Africa, Emergency, Medici per il Terzo Mondo, ecc.), i responsabili della Casetta Pound hanno di-

stribuito un piccolo dono, una pergamena che riporta un piccolo pensiero natalizio: ”Organismi privati, intrisi di pregiudizi ideologici o religiosi (comunisti, progressisti, Caritas ecc.) alimentano una guerra tra poveri offrendo favoritismi agli immigrati rispetto agli italiani poveri e realizzando, per compensazione, un’ulteriore ingiustizia che si manifesta in sovvenzioni pubbliche, assistenza medica, concorrenza sleale sul lavoro e sulla casa”. Buon Natale, Buon Anno… buona fortuna a tutti.

Senecio

Associazione culturale CACTUS Kulturverein Winkelweg 46/b, via Winkel, 39012 Meran/o Tel. 0471- 976299, Fax 0471 - 312280 Registrato al Tribunale di Bolzano, n.16/2003 Direttore Responsabile: Aldo Mazza stampa/Druck: Union Druck, Meran tiratura/Auflage: 2.600 Layout: Thomas Spitaler, Alexander Wallnöfer, Nicola Morandini foto copertina: Nicola Morandini foto e redazione/Foto und Redaktion: Klaudia Resch, Anni Schwarz, Alexander Wallnöfer, Nicola Morandini, Thomas Spitaler, Franco Bernard, Martina Juda hanno collaborato/MitarbeiterInnen dieser Nummer: Tiziano Rosani, Marco Dalbosco, Christine Tonsern, Martin Alber, Veronika Leiter (Karikaturen)

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Gennaio 2009


CACTUS - Gennaio-Jaenner 2009