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Böse Märchen wird ermöglicht durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain im Rahmen des Projekts „Impuls Romantik“. Am 30. Juni 2012 ist „Böse Märchen Teil des Brentanowochenendes der „Via Brentano – Route der Romantik“, einem Kooperationsprojekt von KulturRegion FrankfurtRheinMain und Kulturfonds Frankfurt RheinMain.

Wir danken herzlich allen Freunden und Förderern

unseren Partnern

sowie der Städtische Bühnen Frankfurt am Main GmbH

Weitere Termine: 22. – 23. September 2012 Comoedienhaus Wilhemsbad, Hanau │ 19.30h 19. – 20. Oktober sowie 2. – 3. Und 9. – 10. November 2012 Theater und Orchester Heidelberg, Zwinger1 │ 20h

Redaktion: Tina Ebert, Caroline Rohmer, Dr. Susanne Winnacker Bildnachweis: Seite 1 (Deckblatt): Werbeagentur OPAK *Öffentliche Proben

Wer hat Angst vor den Brüdern Grimm? THEATER und MUSIK 28. Juni sowie 5. – 8. Juli 2012 │ Frankfurt LAB │ 19.30h* 30. Juni │ Brentanopark Frankfurt │ 20h


Böse Märchen sind eine Einladung auf eine Reise in eine Welt, in der das Böse und Unheimliche so allgegenwärtig ist wie das Gute. In fünf verschiedenen Märchen in den Fassungen der Brüder Grimm, zeigt es sich in seinen unterschiedlichsten Facetten und Zugriffsmöglichkeiten. Es ist eine Reise zu den Ursprüngen des Erzählens und Erklärens von Welt, in der das Böse als treibende Kraft dazugehört und hell und dunkel nur scheinbar auseinander gehalten werden können. Dauer: ca. 1 h 40 min, keine Pause Erarbeitet von Studierenden der Ausbildungsbereiche Instrumentalausbildung, Komposition, Regie, Schauspiel, Schulmusik sowie Theater- und Orchestermanagement der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, der Fachrichtung Bühnen- und Kostümbild der Hochschule für Gestaltung Offenbach und des Masterstudiengangs Dramaturgie der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Schauspieler: Damjan Batistić, Sabrina Frank, Markus Gläser, Sidonie von Krosigk, Philipp Quest, Regina Vogel, Stephan Weber, Carina Zichner Regie: Tarik Goetzke, Marie Mühlan, Carolin Millner / Daniel Schauf, Simon Möllendorf, Ksenia Ravvina Bühnenbild: Sabine Born Kostüme: Nils Wildegans Kostümbildassistenz: Sabine Schneider Dramaturgie: Tina Ebert, Caroline Rohmer Komposition: Ana Batistić, Johannes Otto Reischmann, Florian Wöber Musik: Lennart Fleischer, Markus Gläser, Johannes Otto Reischmann, Moritz Thiele Choreografie: Kristina Veit Produktionsleitung: Nina Koch Technische Leitung: Daniel Groß Licht: Moritz Bauer Ton: Tom Forsythe Projektleitung: Prof. Hans-Ulrich Becker Ausbildungsdirektor Regie,

Fachbereich 3 HfMDK Frankfurt Dozenten: Dr. Susanne Winnacker, Thomas Hertel Hfg Offenbach: Prof. rosalie Bühnen- und Kostümbild, Berit Mohr Betreuung Kostüme, Nina Zoller Betreuung Bühnenbild HfMDK Frankfurt a.M.: Prof. Ernst August Klötzke Komposition, Prof. Marion Tiedtke Schauspiel, Prof. Thomas Schmidt Theater- und

Orchestermanagement Goethe Universität: Prof. Dr. Nikolaus Müller-Schöll,

Theaterwissenschaft und Dramaturgie

Herr Korbes Kinder- und Hausmärchen 41 Die Gewalt, die in diesem Märchen über alle hereinbricht, ist verstörend, da sie ohne Grund und als reines Mittel zum Zweck geschieht. Das Märchen gibt uns keine (moralische) Antwort und lässt uns staunend über ein Geschehen zurück, das wie aus heiterem Himmel in das geordnete Leben des Herrn Korbes, über den man sonst rein gar nichts erfährt, einfällt und es zerstört. Tiere und Gegenstände brechen gemeinsam in einer lustigen Wagenfahrt zum Haus des Herrn Korbes auf, nisten sich in diesem ein und stiften Chaos, indem sie sich als Störfaktoren in den Ablauf seiner offenbar vorhersehbaren alltäglichen Routinen einklinken, um anschließend deren Vernichtung auszulösen. Es ist eine Geschichte über Fremdheit und Brutalität, über das Nicht-Planbare und die Unordnung mit all ihrem Potenzial.

Regie: Ksenia Ravvina Schauspieler: Philipp Quest, Regina Vogel Komposition: Ana Batistić Schlagzeug: Lennart Fleischer Choreografie: Kristina Veit


Die Zwölf Brüder

Der Gescheite Hans

Kinder- und Hausmärchen 9

Kinder- und Hausmärchen 32

Jedes Märchen folgt seiner eigenen Logik – in ihr hat das Böse seinen berechtigten Platz, wird erklärbar, legitimiert und die Hoffnung auf Erlösung bleibt immer bestehen. So ist die Sprache des Märchens die Sprache der unendlichen Zuversicht. Was in ihr geschieht, entzieht sich dem Bannkreis der Realität. Das Märchen erscheint hierin als Fluchtmöglichkeit vor der Grausamkeit unserer Welt. Was wäre also, wenn man alles Schreckliche, was der Mensch nicht zu ertragen im Stande ist, in diese andere Welt einschlösse, damit er es aushalten kann, weil die Ordnung es stabil hält? Doch wie lange kann man in einer Märchenwelt verharren? Wann wird man sich der gewaltsamen Strukturen bewusst, die einen darin umgeben? Wie die Fassade bröckelt, so bröckelt die Sprache. Doch im Angesicht des Chaos strebt der Mensch erneut nach Ordnung – auch wenn diese zum Zwang wird und egal wie grausam einem dann auch diese erscheint.

Die Figur des gescheiten Hans mag wie ein wenig ausgeschmückter, dürrer Holzschnitt erscheinen, der jede psychologische Anstrengung Lügen straft und sich einer wie auch immer gearteten Pädagogik gegenüber als resistent erweist. Dabei geht es augenscheinlich um den unbeholfenen Versuch der Hauptfigur, dem Elend der panischen Gleichgültigkeit zu entkommen, das er auf der Seite der Mütterlichkeit erfährt und bei einer anderen Frau, auf einer anderen Seite, die Gabe zu erhalten, die ihn leben lassen kann. Es entfaltet sich eine seltsame Mechanik der Missverständnisse, deren unfreiwillige Komik jedoch die Kulturtechnik gelungener Kommunikation als notwendiges Instrument in einem grellen Licht erscheinen lässt. Ein Comic unter den Märchen, der als schriller Alptraum daherkommt.

Regie: Simon Möllendorf Schauspieler: Damjan Batistić, Stephan Weber, Carina Zichner Komposition: Ana Batistić Sopransaxophon: Moritz Thiele

Regie: Tarik Götzke Schauspieler: Markus Gläser, Sidonie von Krosigk, Philipp Quest, Carina Zichner Komposition: Florian Wöber Ukulele: Markus Gläser


Vom Tode des Hühnchens

Frau Trude

Kinder- und Hausmärchen 80

Kinder- und Hausmärchen 43

Eine Verkettung von Gabe, Zerstörung und Schuld. Tabus menschlichen Handelns werden spielerisch und mit verdeckter Aggression durchbrochen, sodass sich die naivunmoralische Welt des Märchens verdichtet. Die einzelnen Kettenglieder sind dabei paradoxerweise nicht in einer Steigerung der Dynamik angelegt, sondern führen zu einer Spannungserregung durch Verzögerung, die ALLE Beteiligten in die Katastrophe führt. Ausgelöst von der Gier und dem Betrug EINES Hühnchens wird das Hähnchen in seiner Verkennung der Realität von Szene zu Szene getrieben und prallt auf verschieden Arten von Handeln und Hilfe. Das Hähnchen wird zum Bindeglied in einer Figurenkette, die von Egoismus und Selbstlosigkeit, Zerstörung und Tod durchzogen ist.

Ein Mädchen sucht, gegen den Widerstand der Eltern aber auch im Kampf mit seiner eigenen Furcht, die Begegnung mit Frau Trude. Sie steht als Personifikation für alles in uns selbst, das uns gleichzeitig lockt und verunsichert. Es ist ein Gegeneinander von Lust und Scham, von Neugier und Vorsicht, von Begehren und Angst, welches immer wieder ausgehandelt werden muss, nicht nur in der Zeit des Heranwachsens. So folgt das Mädchen diesem Weg zu Frau Trude in einem Akt der Emanzipation und Entdeckung von tiefliegenden Wünschen und Ur-Ängsten des Es. Das Erkennen der eigenen Untiefen, des Schwankens der bisher für selbstverständlich angenommenen, feststehenden Idee von sich selbst, kann zunächst nur Entsetzen bedeuten. „Zu Frau Trude gehen“ wird hier eine Metapher für die Auseinandersetzung des Mädchens, das auszieht, die Welt zu entdecken, mit seinen Wünschen vor denen es sich manchmal gleichzeitig fürchtet.

Regie: Marie Mühlan Schauspieler: Damjan Batistić, Markus Gläser, Regina Vogel Musik: Johannes Otto Reischmann

Regie: Carolin Millner, Daniel Schauf Schauspieler: Sabrina Frank, Sidonie von Krosigk Musik: Johannes Otto Reischmann

Böse Märchen  

Programmheft Regieprojekt der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main

Böse Märchen  

Programmheft Regieprojekt der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main

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