Page 1

NR. 11 | SEPTEMBER/OKTOBER 2016 PNN.DE/WIRTSCHAFTSBEILAGE

WIRTSCHAFT ANALYSE

Cyber-Kriminalität: Krankenhäuser im Visier HANDWERK

Korn um Korn: Müllermeisterin Karin Steinmeyer

Im Fokus

GRÜNDEN IN POTSDA M BRANDENB & UR AUF 14 SEIT G EN

Brandenburgs Changemaker Christoph Schmitz hat in Potsdam die GemüseAckerdemie gegründet. Seine Mission: Kindern in ganz Deutschland beibringen, wo das Essen herkommt


Gesundheitswoche Berlin-Brandenburg 05. bis 15. Oktober 2016 Erfahren Sie mehr Ăźber Ihre Gesundheitsregion 5. Hightech Transfertag 2016 Di. 11.10. von 9 30 -14 Uhr im Wissenschaftspark Potsdam-Golm

Alle Standorte und weitere Informationen unter

www.health-week.de


INHALT POTSDAMER WIRTSCHAFT | NR. 11

FOTOS Andreas Klaer, privat COVER Sebastian Gabsch

28 | VOM KORN ZUM BROT DIE MÜHLE GEHÖRTE EINST IHREN GROSSELTERN, VOR DREI JAHREN HAT MÜLLERMEISTERIN KARIN STEINMEYER DIE GESCHÄFTE ÜBERNOMMEN

Liebe Leserin, lieber Leser,

MACHER

wer hat nicht schon einmal darüber nachgedacht, mit einer bahnbrechenden Idee ein Geschäft zu machen, der eigene Boss zu sein, Erfolge zu feiern? Nun ja, einfach ist es nicht, ein Unternehmen zu gründen, das am Markt bestehen kann. Aber es ist wichtig: Die Wirtschaft im ganzen Land wird so gestärkt. Darum lohnt es, hinter die Kulissen der Gründerszene zu schauen – und sich inspirieren zu lassen.

18 | ACKERN FÜR DEN GUTEN ZWECK Sozialunternehmer Christoph Schmitz gründete die GemüseAckerdemie

Allzeit gute Ideen wünscht Ihnen,

ANALYSE 24 | KLINIK IM FADENKREUZ Der digitale Patient ist Alltag. Doch wie sicher sind die Patientendaten?

START-UP

IM FOKUS

32 | LEGO 2.0 Triff die Tinkerbots: Intelligente Spiel-Roboter der Firma Kinematics aus Bernau

4 | GRÜNDEN IM FAKTENCHECK Wer sich womit selbstständig macht

RUBRIKEN

6 | FÜNF MINUTEN ZUM ERFOLG Wie die Uni Potsdam Gründer und Investoren zusammenbringt

31 | DAS WORT HAT... Dierk Homeyer, wirtschaft spolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion

10 | IDEENLAND BRANDENBURG Neue Unternehmen made in der Mark 14 | INTERVIEW Die Zahl der Gründungen sinkt – warum das so ist und wohin der Trend geht ANZEIGE

34 | GUTE IDEE Big Data zur Analyse von Filmerfolgen

Ihre Sabine Schicketanz, Chefredakteurin

34 | KALENDER 34 | IMPRESSUM


FOKUS

GRÜNDEN IM FAKTENCHECK Wer heute noch den Schritt in die SELBSTSTÄNDIGKEIT wagt, welche Branchen attraktiv sind und warum Potsdam bei Gründern punktet

1785

GEWERBEANMELDUNGEN gab es 2015 in PotsdamMittelmark. Der Kreis ist damit in Brandenburg Spitze.

Chaotisch, kreativ und ein bisschen verrückt Vorurteile über Start-ups gibt es viele. Fakt ist aber, dass immer mehr Gründer sich beraten lassen, ein großes Netzwerk aufbauen und akribisch an einem Businessplan basteln. Eine gute Vorbereitung klappt meist zusammen mit einem guten Coaching. Danach braucht es viel Durchhaltevermögen und Überzeugungskraft: Die ersten drei Jahre sind bei einer Firmengründung entscheidend. Gründer müssen nicht nur Investoren, sondern auch Mitarbeiter von ihrer Idee begeistern. Auch wenn viele damit langfristig erfolgreich sind, scheitern laut aktuellen Statistiken nach drei Jahren noch 30 bis 40 Prozent.

GRÜNDUNG NACH BRANCHEN IM IHK-BEZIRK WESTBRANDENBURG 2015 3% 3%

 verarbeitendes Gewerbe 18%

13%

 Baugewerbe  Handel 21%

 Gastgewerbe  Dienstleistungen

35%

7%

 Verkehr/Lagerei  Übrige

In welchen Branchen wird gegründet? Die meisten jungen Unternehmer setzen landesund bundesweit auf Dienstleistungen und den Handel. Jeder fünfte Gründer baut heute auf digitale Technologien. Beispiele dafür sind App-Anbieter, Betreiber von Webportalen, Onlinehändler, aber auch Softwareentwickler, Webdesigner und Fachleute für Online-Marketing. Der Vorteil hierbei ist, dass das Unternehmen ortsunabhängig betrieben werden kann. Auch wenn Gründer mit Technologiebezug auf dem Vormarsch sind, bisher orientiert sich die Mehrheit der Gründer (60 Prozent deutschlandweit) noch auf regionale Märkte.

4 | POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT

150

AUSSTELLER informieren auf Deutschlands größter Messe für Gründer, der deGUT in Berlin, interessierte Besucher. Die Deutschen Unternehmer- und Gründertage finden dieses Jahr am 7. und 8. Oktober in der Arena, Eichenstraße 4, statt. Gründer können auf der Messe geeignete Partner finden, Investoren auf Ideenjagd gehen. Zudem gibt es kostenlose Seminare und Workshops. Unternehmer sprechen über Erfolge, Fehler und geben Tipps. Veranstalter sind die Investitionsbanken der Länder Brandenburg und Berlin. Im vergangenen Jahr wurden rund 6000 Besucher auf der Messe gezählt.

ZUSAMMENGESTELLT VON Eva Schmid FOTOS Fotolia (3), Promo INFOGRAFIK Christian Renner (2)

FRAUEN VORAN Sie bereiten sich besser vor, wägen länger ab und starten meist im Nebenerwerb: Gründerinnen sind auf dem Vormarsch. Deutschlandweit machen sich seit 2013 rund 43 Prozent Frauen selbstständig, im Kammerbezirk der IHK Potsdam sind es gar 45 Prozent. Auch die Zahl der Gründer mit Migrationshintergrund ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Laut der deutschen Industrie- und Handelskammern hat mittlerweile fast jeder fünfte Jungunternehmer ausländische Wurzeln. Das Durchschnittsalter der Gründer liegt zwischen 30 und 40 Jahren.


25.

PLATZ Die Landeshauptstadt hat es in der Studie Kreative Klasse 2015 unter 403 kreisfreien Städten und Kreisen auf einen der vorderen Plätze geschafft. Untersucht wurde ein sogenannter Kreative-Klasse-Index anhand unterschiedlicher Variablen wie der GrĂźndungsintensität in technologieintensiven Branchen oder der Zahl freiberuich tätiger KĂźnstler. Potsdam berät seine Jungunternehmer im GrĂźnderforum der Stadt. Ăœbrigens: Während die Zahl der GrĂźndungen im Gewerbe sinkt, ist die Zahl der Selbstständigen in den freien Berufen gestiegen: 2015 waren es deutschlandweit 83 300, ein Anstieg um 2330 zum Vorjahr.

Talfahrt mit Aussicht Die Zahl der Existenzgrßndungen sinkt stetig: Seit 2004 hat sich das Grßndungsinteresse halbiert. Grund dafßr sind eine gute Konjunktur und ein starker Arbeitsmarkt. Der bundesweite Trend gilt auch fßr Brandenburg. Im vergangenen Jahr gab es im Land fast 17 300 Gewerbeanmeldungen, dem standen 17 890 Abmeldungen entgegen. In Potsdam gab es 2015 erstmalig einen negativen Saldo. Immerhin: Die Zahl der innovativen Grßndungen nimmt zu. Dazu zählen zum Beispiel Technologieunternehmen. Das Grßndungsgeschehen gewinnt laut dem aktuellen KfW-Grßndungsmonitor trotz anhaltender Talfahrt zunehmend an Qualität.

GRĂœNDEN WIRD AKADEMISCHER 2015 haben deutschlandweit 32 Prozent der GrĂźnder einen Universitäts- oder Hochschulabschluss – so viele wie noch nie. Auch die Potsdamer Hochschulen bringen viele GrĂźnder hervor: Die Uni kommt pro Jahr auf 36 AusgrĂźndungen, an der Fachhochschule sind es 20. Das Hasso-Plattner-Institut brachte in den vergangenen vier Jahren mehr als 50 Start-ups hervor – davon viele sehr erfolgreich. An der Filmuni Konrad Wolf wurden seit 2008 mehr als 40 GrĂźndungen gezählt.

GRĂœNDE FĂœRS GRĂœNDEN Unternehmerisch tätig zu sein, ist laut dem KfW-GrĂźndungsmonitor der wichtigste Beweggrund, warum Unternehmer den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. 40 Prozent von 50 000 befragten GrĂźndern nannten 2015 diesen Grund. Auch das Einkommen (37 Prozent) und die Tatsache, der eigenen QualiďŹ kation Geltung zu verleihen (38 Prozent), sind wichtige BeweggrĂźnde. Arbeitsmarktbezogene Aspekte ebenso wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind weniger wichtig.

ANZEIGE

       

        �������������������������������������

mbs.de


FOKUS

Die Gründer von Joinlocals: Die Studenten Phillip Rode, Felix Mohn und Alexander Rubbel (v.l.).

FÜNF MINUTEN D ZUM ERFOLG Wettbewerb um die beste Idee: Über einen Abend an der UNI POTSDAM, an dem sich für junge Gründer viel entscheidet TEXT Eva Schmid | FOTOS Andreas Klaer

6 | POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT

as Hemd noch schnell in die Hose gesteckt, die Hand fährt in die Haare, tief durchatmen und rein ins Rampenlicht. Alexander Rubbel und Felix Mohn, zwei junge BWL-Studenten der Uni Potsdam, stehen auf einem Podest in den Räumen der Universität. Sie sind aufgeregt, wirken aber so, wie man es von jungen Gründern erwartet: locker, eloquent, ehrgeizig. Vor ihnen im Publikum potenzielle Investoren. An diesem Abend geht es um gute Ideen und viel Geld. Organisiert hat das Treffen das Gründungs- und Transferzentrum der Hochschule, Potsdam Transfer. »Vor kurzem bin ich mal wieder viel zu spät von der Arbeit heimgekommen«, beginnt der 28-jährige Rubbel seinen Vortrag. »Wie so oft bei Gründern.« Ein Lachen geht durch die Reihen. Der junge Mann in Jeans und Hemd fährt fort: »Ich kam nach Hause, meine Freundin lag müde auf dem Sofa, ich wollte noch was machen, auf


Facebook hab ich Freunde angeschrieben, keiner hatte Lust, so endete mein Abend auch auf dem Sofa.« Persönlicher Einstieg, unverbindlich und dann schnell zum Wesentlichen kommen, so gehe das beim Pitchen, sagt Rubbel. So komme man an. DAS TEAM VON Joinlocals, so nennt sich das junge Unternehmen von Rubbel und seinen zwei Partnern, dem 21 Jahre alten Felix Mohn und dem 24 Jahre alten Wirtschaftsinformatiker Phillip Rode, pitcht, wie es in der Gründerszene heißt, nicht zum ersten Mal. Sie präsentierten ihre Geschäftsidee für eine App, die Menschen anhand gemeinsamer Interessen und Freizeitaktivitäten miteinander verbinden will, schon vor dem renommierten Business Angel Club in Berlin. Schon damals lief es gut. Doch fünf Minuten, so wenig Zeit für ihren Vortrag, wie an diesem Abend in Potsdam, hatten sie noch nie. Dabei impliziert der Begriff »Elevator Pitch«, hinter dem die Idee steckt, dass man während einer Fahrt in einem Aufzug eine wichtige Person von seiner Idee überzeugt, noch weniger Zeit. Wulf Bickenbach, der Geschäftsführer von Potsdam Transfer, gibt seinen Studenten, Alumni und wissenschaftlichen Mitarbeitern an diesem Abend etwas mehr Zeit als eine Fahrt im Aufzug. Dennoch sind die Anforderungen hoch. Die sechs Start-ups, die sich vorstellen, sind aber allesamt keine Anfänger mehr. Sie sind kurz davor, nach langer Betreuung von Potsdam Transfer in die erfolgreiche Selbstständigkeit entlassen zu werden. Das Treffen mit den Wirtschaftsvertretern soll das ausschlaggebende Sprungbrett dafür sein. »Seit fünf bis sieben Jahren suchen große Firmen, aber auch immer mehr der Mittelstand nach neuen Innovationen aus der Startup-Szene«, so Bickenbach. Da große, etablierte Unternehmen aufgrund ihrer eingespielten Prozesse wenig Freiräume hätten, um »selbst mal völlig anders zu denken«, holen sie sich junge Querdenker ins Boot. In speziellen Programmen würden Unternehmen den Start-ups für mehrere Monate finanzielle Unterstützung, Beratungen sowie Kontakte zu weiteren Investoren bieten. Acceleratoren sagt die Gründerszene zu derartigen Unternehmensprogrammen. Beschleuniger also. Für die Unternehmen hat die Begleitung junger Gründer den Vorteil, an neuen Geschäftsideen nahe dran zu sein, erklärt Bickenbach. Erweisen sich Start-ups als erfolgreich, kaufen die Unternehmen Anteile. »Sie bleiben aber meist Minderheitseigner, um den unternehmerischen Spirit nicht zu untergraben.«

Im Publikum am Campus Griebnitzsee sitzen an diesem Abend unter anderem Vertreter des Axel-Springer-Verlages, der Deutschen Bahn, der Berliner Sparkasse und dem High-Tech-Gründerfonds. Eingeladen waren auch die Firma Bosch und die ProSiebenSat.1Accelerator GmbH. Am Ende jeder fünfminütigen Vorstellung gehen die Hände im Publikum hoch, die Headhunter für Innovationen löchern die Jungunternehmer mit Fragen. Wollen wissen, wie der Kapitalbedarf zustande kommt. Wie das Start-up seine Kunden erreichen will, ob sie schon an Kooperationen gedacht haben. Es fallen Wörter wie Customer Lifetime Value, jeder Gründer im Raum weiß sofort, was damit gemeint ist. Es geht dabei um den Wert eines Kunden für ein Unternehmen. Rubbel und Mohn kommen bei keiner Frage ins Stocken, sie sind von ihrer App überzeugt. Laut aktueller Statistiken würde jeder Vierte aus Alternativlosigkeit und sinkender WorkLife-Balance seine Freizeit zu Hause verbringen, erklärt Mohn. Auch Facebook und Co. würden dazu führen, dass man sich mit Freunden meist nur virtuell austausche. Mit Joinlocals verabrede man sich zwar virtuell, treffe sich dann aber im echten Leben. Joinlocals will mit seiner App vor allem Erstsemester erreichen, die in einer neuen Stadt Anschluss suchen. Eine halbe Million Euro Startkapital brauchen sie, um ihre Idee marktreif zu machen. So manche Augenbraue geht in diesem Moment im Publikum hoch, da sagt Rubbel selbstbewusst: »Übrigens, die Bundesregierung hat uns kürzlich für förderfähig erklärt« – in Form eines »Exist«-Gründerstipendiums. Wieder geht ein Lachen durchs Publikum. Am Ende bleibt ein sympathischer Eindruck.

Small-Talk: Nach dem Pitch kommen die Startup-Headhunter mit den Gründern bei Häppchen und Sekt zusammen.

NOCH MEHR GELD als die jungen Studenten braucht das Start-up namens Synfioo. Das Team besteht aus einer ehemaligen Alumna der Uni Potsdam, Anne Baumgraß, und zwei Wissenschaftlern, die sich alle drei über ein Forschungsprojekt am Hasso-Plattner-Institut kennengelernt haben. Sie wollen das Google Gespräche im Jahr der Logistikbranche werden. Für ihre Idee führt Potsdam Transfer brauchen sie bis zum Herbst dieses mit Gründern Jahres rund 750 000 Euro. Auch Synfioo, das mit Abstand älteste und bereits am weitesten etablierte Team bei dem Pitch-Abend, ist vor der Gründungen Präsentation aufgeregt. Mabringt die Uni Potsdam rian Pufahl beginnt ähnlich pro Jahr durchschnittlich wie Joinlocals – unverfänghervor lich, mit einer einfachen

200

36

POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT | 7


FOKUS

Investoren finden, die die Finanzierung überbrücken. Die Idee sei gut, die Zusammenstellung des Teams auch.

Marian Pufahl und Anne Baumgraß von dem Potsdamer Logistik-Start-up Synfioo.

2500

EURO bekommen Hochschulabsolventen, die gründen wollen, monatlich ein Jahr lang als »Exist«-Stipendium vom Bundeswirtschaftsministerium bezahlt. Unterstützt werden Studenten, Absolventen und Promovenden von Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen.

Frage: »Wer von Ihnen hat in letzter Zeit seiner Freundin, seinem Freund Blumen geschenkt?« Frische Blumen wie auch leicht verderbliche Waren sind gerade für Logistiker höchst sensible Güter. Kommt es zu Störungen in den zum Teil langen Transportketten, werden Waren unbrauchbar, der Schaden ist groß, erklärt Pufahl. Sein Start-up bietet eine Software, die in Echtzeit Staus, Wetterkapriolen oder Warteschlangen an der Grenze meldet und in Sekundenschnelle ausrechnet, wie groß die Verspätung sein wird und was das für weitere Auswirkungen auf die Route haben wird. »Verpasst ein Lastwagen mit frischen Blumen das Frachtschiff, dann kann er am Hafen entweder vier Stunden auf das nächste warten oder noch mal eine Tour fahren, die eigentlich ein Kollege machen wollte«, so der Gründer. So helfe Synfioo, Zeit und Kosten zu sparen. Am Ende seines Vortrags gibt es nur wenige Fragen. Die Geschäftsidee ist durchdacht. Und Synfioo hat bereits einen Großkunden, eines der größten Logistikunternehmens Europas. DOCH GROSSE KUNDEN sind nicht per se ein Erfolgsgarant, das weiß auch der Potsdam-Transfer-Chef. Die Phase, die Synfioo gerade durchmacht, nennt Bickenbach das Tal des Todes. »Das kommt, wenn das Unternehmen schon erfolgreich am Markt ist, der Vertriebsaufwand sehr hoch, das Gründerstipendium ausgelaufen ist und sich die Abstimmungen mit Großkunden in die Länge ziehen.« Was Synfioo angeht, ist Bickenbach dennoch zuversichtlich. Sie würden

8 | POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT

AM MEISTEN ERFOLG hätten Start-ups, die aus Alumni mit Berufserfahrung oder wissenschaftlichen Mitarbeitern bestehen. Gerade für Hochschulangestellte sei eine Gründung, basierend auf den eigenen Forschungsergebnissen, ein Karrieresprung. »Die anderen Perspektiven sind nicht gerade optimal: Es gibt wenige Professorenstellen«, so Bickenbach. Zudem würden viele, die an der Uni arbeiten, immer nur befristete Verträge bekommen. Für viele kein Dauerzustand. Bickenbach leitet das 2011 gegründete Zentrum Potsdam Transfer seit drei Jahren und weiß nicht nur, wo es Fördertöpfe und Geldgeber gibt, sondern auch, wer gut zueinander passt. Der Zusammenhalt des Gründerteams müsse stimmen, sonst sei das Start-up zum Scheitern verurteilt, sagt Bickenbach. Neben den PitchAbenden bringt sein Team auch potenzielle Gründer zusammen – ebenfalls in einem eher ungewöhnlichen Ambiente, das Treffen nennt sich Speeddating. Auch hier geht es darum, die anderen so schnell wie möglich für sich zu gewinnen. Pro Jahr kommt Bickenbach auf durchschnittlich 36 Ausgründungen der Uni Potsdam, 200 Beratungsgespräche führt sein Team. Stolz schaut der Geschäftsführer von Potsdam Transfer an diesem Abend auf seine Gründer, sie hat er vorbereitet, beraten, mit ihnen auch viele Tiefs überstanden. Schade sei es nur, wenn sie Potsdam verlassen müssten. »Das liegt aber an der Infrastruktur und nicht an der Attraktivität des Standortes.« Zumindest die Stadt Potsdam hat nach Jahren endlich eingelenkt und will den dringend benötigten Platz für Jungunternehmer mit einem neuen Innovationszentrum am Standort Golm nun realisieren. Potsdam könne sich mit seinen Gründern sehen lassen, sagt Bickenbach und zeigt auf das Publikum. Alle namhaften Firmenvertreter sind aus Berlin angefahren. Dass es sich für sie gelohnt hat, sieht man an den langen Gesprächen nach der Pitch-Runde: Mit einem Glas Sekt in der einen, einem SushiHäppchen in der anderen Hand sind die Gründer von Joinlocals und Synfioo in Gespräche mit den Headhuntern vertieft. Die Anspannung ist gewichen, jetzt wird viel gelacht, Schultern geklopft – so geht das, wenn man erfolgreich sein will. www.potsdam-transfer.de www.synfioo.com www.joinlocals.de


EinE information von strEitbörgEr spEckmann partgmbb

ANzEIgE

Der nächste Urlaub kommt bestimmt Die Sommerferien sind eben erst zu Ende gegangen, doch laufen bei vielen Arbeitnehmern die Planungen für den nächsten Urlaub bereits wieder auf Hochtouren. Die Fragen der Urlaubsgewährung in der betrieblichen Praxis sind daher ein Dauerbrenner. Grundsätzlich gilt, dass Urlaub nur aufgrund eines Urlaubsantrages des Arbeitnehmers gewährt werden muss. Stellt der Arbeitnehmer keinen Urlaubsantrag, so kann der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer optional Urlaub gewähren und auch über die Lage des Urlaubs entscheiden. In bestimmten Fällen kann der Arbeitgeber den vom Arbeitnehmer beantragten Urlaubszeitraum ablehnen. Beispielsweise gilt dies, wenn dringende betriebliche Belange dem Urlaubswunsch des Arbeitnehmers entgegenstehen. Hierzu zählen beispielsweise drohende erhebliche personelle Engpässe oder außergewöhnlich große Arbeitsspitzen.

Lehnt der Arbeitgeber den Urlaubsantrag ab, darf der Arbeitnehmer sich nicht einfach „selbst beurlauben“. Vielmehr muss er sich arbeitsgerichtlicher Hilfe bedienen, um die Gewährung des Urlaubs in dem gewünschten Zeitraum durchzusetzen. Ein einmal gewährter Urlaub kann in der Regel nicht widerrufen werden. Dieses ist nur in absoluten Ausnahmefällen möglich, beispielsweise wenn die Arbeitskraft eines bestimmten Arbeitnehmers zur Abwendung einer schweren Krise des Unternehmens benötigt wird. Dies dürfte jedoch eher selten der Fall sein.

kontakt Dr. Marcus Flinder Fachanwalt für Arbeitsrecht Streitbörger Speckmann PartGmbB Hegelallee 4 14467 Potsdam Tel.: +49 331 27561-11 www.streitboerger.de

P a r t G m b B

·

R e c h t s a n w ä l t e

dr. thorsten purps Fachanwalt für Erbrecht

martin vogel

S t e u e r b e r a t e r

andreas jurisch Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht

Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Fachanwalt für Verwaltungsrecht

markus thewes

dr. marcus flinder

alexandra mebus-haarhoff

Fachanwalt für Arbeitsrecht Mediator

dr. jochen lindbach FOTOS Streitbörger Speckmann PartGmbB

·

Fachanwalt für Steuerrecht Steuerberater

Fachanwältin für Verwaltungsrecht

Fachanwalt für Arbeitsrecht Fachanwalt für Familienrecht Wirtschaftsmediator

andreas lietzke

mathias matusch

andre appel

Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht

Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Rechtsanwalt

Hegelallee 4 · 14467 Potsdam · Tel.: 0331 27561 - 0 · Fax: 0331 27561 - 99 E-Mail: potsdam@streitboerger.de · w w w . s t r e i t b o e r g e r . d e

pOTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN wIRTSCHAFT | <$$PN>


FOKUS

IDEENLAND BRANDENBURG Nicht nur in der Start-up-Metropole Berlin fühlen sich KREATIVE wohl. Neun Erfolgsgeschichten beweisen: Auch in der Mark lässt sich gut gründen

FOTOS Ben Fuchs, Factory Magazine, promos, privat

TEXTE Eva Schmid

10 | POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT


VIDEO-APP

DANIEL TASCHIK, Dubsmash

1

Eine der derzeit erfolgreichsten Apps hat ihren Ursprung in Potsdam. Hinter der Video-App Dubsmash, die weltweit über 100 Millionen Menschen nutzen, steht der 28 Jahre alte Daniel Taschik. Der Gründer, der in Berlin lebt und arbeitet, hat am Hasso-Plattner-Institut studiert und wurde von der Hochschule bei der Umsetzung seiner App-Idee beraten. Aber was haben Taschik und sein 26-jähriger Mitgründer Jonas Drüppel da entwickelt, was nicht nur bei Teenagern, sondern auch bei Promis wie Mario Götze, Rihanna, Hugh Jackmann und indischen Bollywoodstars ankommt? Die Idee klingt simpel: Mit Dubsmash kann man Musik- oder Tonaufzeichnungen synchron unter ein eigenes kurzes Video legen. Die Videos im KaraokeStil kamen schon nach kürzester Zeit bei den Nutzern so gut an, dass sich die Gründer heute noch immer über ihren großen Erfolg wundern. Gegründet wurde vor zwei Jahren, 2015 erhielt die Firma mehr als fünf Millionen Dollar von Investoren. Mit so viel Geld und Anerkennung im Rücken wird die App aus Deutschland zur wahren Konkurrenz für Apps wie WhatsApp oder Snapchat. Bisher wurden die Videos über andere Netzwerke wie Facebook oder Youtube geteilt, mit der neuen Version bietet Dubsmash seinen Nutzern eine eigene Plattform. Dort können sie ihre Videos mit Freunden oder in Gruppen teilen. „Wir haben 500 000 Freundesanfragen pro Tag, jede Sekunde werden mehr als 50 Videos erstellt“, sagt Taschik. Er ist überzeugt, dass Videos künftig die Kommunikation dominieren werden. Der Erfolg übrigens gelang dem Team auf Umwegen: Zuvor bastelten sie an einer anderen App, die aber zu kompliziert war. Die einfachere Variante wurde zum Erfolg. www.dubsmash.com

CRAFTBEER

GIUDO LANGE, ERIC SCHNICKERS, Bier-Deluxe

2

Lange bevor Craftbeer in aller Munde war und landauf, landab getrunken wurde, haben zwei Wahl-Potsdamer das Bier aus kleinen Brauereien bereits vertrieben. Die Liebe zum Bier und mehrere Reisen in die USA brachten Guido Lange und Eric Schnickers auf die Idee, Craftbeer im großen Stil auch in Deutschland anzubieten. Mit über 350 Biersorten aus 14 Ländern zählt die Firma Bier-Deluxe zur größten Onlineplattform für Craftbeer in Deutschland. Das mittlerweile 13-köpfige Team bietet rund 1300 Mikrobrauern aus Deutschland eine Verkaufsplattform. Gegründet wurde vor vier Jahren, angefangen hat alles ganz klassisch in einer Garage. Bereits nach wenigen Monaten ging es für das Gründerteam aufwärts. Heute hat die Firma ihren Sitz www.bier-deluxe.de in der Babelsberger August-Bebel-Straße.

SEIFENPRODUKTION

CHRISTINA CHUCHUY, Carebyyou

3

Ihr Garten war voller Minze und Verbene, da kam die Argentinierin Christina Chuchuy auf die Idee, eine Seife aus den wohlriechenden Kräutern zu machen. Die Produktion machte ihr so viel Spaß, dass sie seit dem vergangenen Jahr ihre Seifen und weitere zum Teil selbstgemachte Wellnessprodukte in ihrem Online-Shop verkauft. Noch kann die 42 Jahre alte Gründerin, die seit fünf Jahren in Babelsberg lebt, von ihrem Geschäft nicht leben. Das stört sie in ihrer Kreativität aber nicht. Beraten wurde sie übrigens vom Potsdamer Lotsendienst für Migranten. www.carebyyou.de

POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT | 11


FOKUS

EISVERKAUF VIA INTERNET

RALF SCHULZE, MONIKA SCHULZE, RICCO KLOTZSCHE, IceGuerilla

4

Vom Soldaten zum Kinobesitzer zum Gelatiere: Ralf Schulze hat einen Lebenslauf, der aufhorchen lässt. Vor sieben Jahren entschloss sich der 43-Jährige, in seiner Heimatstadt Beeskow das alte Kino wiederzubeleben. Als im Sommer nur wenige Besucher kamen, suchte er nach einem zweiten Standbein und beschloss, Eis herzustellen und zu verkaufen. Das Handwerk lernte er in Italien, sein Vanilleeis wurde als bestes in Deutschland ausgezeichnet. Schulze gründete mit seiner Frau Monika und seinem Freund Ricco die Firma IceGuerilla. Seit einem Jahr verkauft er sein Eis auch online. Die Nachfrage ist groß: Pro Tag werden in Beeskow www.iceguerilla.de 500 Kilo Eis hergestellt.

SCHUL-WEBPORTAL

THOMAS BENKE, Smartkomm

5

Ein ehemaliger Informatikstudent des Hasso-Plattner-Instituts, der 38-jährige Thomas Benke, macht das Leben von Lehrern und Eltern leichter. Zusammen mit einem weiteren HPIAlumnus hat er eine Kommunikationsplattform entwickelt. Leiter von Schulen, Kitas, aber auch Hochschulen können sich über die Plattform an Eltern oder Studenten wenden. Auf die Idee kam Benke, als er im Potsdamer Filmgymnasium jobbte und sah, wie gestresst der Schulleiter von den vielen E-Mail-Verteilern war. Smartkomm mit Sitz in Potsdam besteht seit 2009, zu den Kunden zählen Potsdamer Schulen und Kitas. www.smartkomm.net

PSYCHOTHERAPIE VIA SKYPE

6

Die Idee zu der etwas ungewöhnlichen Art von Psychotherapie kam ihr auf einer Reise nach Kanada. Carolin Müller, diplomierte Psychologin aus Groß Kreutz, unterhielt sich mit einem Programmierer und der erzählte ihr, dass er seinen Job so liebe, weil er von überall auf der Welt arbeiten könne. Die 28-Jährige wollte das auch und gründete 2015 einen Online-Psychotherapie-Service. Mit ihren Patienten unterhält sie sich via Skype. Müller verweist auf internationale Studien, die zeigen, dass Psychotherapie auch per Bildschirm erfolgreich sein kann. Zu ihren Patienten zählen unter anderem Deutsche, die im Ausland leben. Unterstützt wurde die junge Psychologin von der Potsdamer Gründerwerkstatt Enterprise, die unter 30-jährige Existenzgründer berät. www.online-psychology.net

12 | POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT

FOTOS privat, promo, Andreas Klaer

CAROLIN MÜLLER, Online Psychology


ACCESSOIRES AUS HOLZ

REGINA REIM, Wild Oat

8 INTELLIGENTES KONFERENZMANAGEMENTSYSTEM

Holz hat es ihr angetan: Die 30-jährige Potsdamerin Regina Reim hat eigentlich Kommunikationsmanagement studiert, doch als ihr Sohn vor gut zwei Jahren auf die Welt kam, da wollte sie etwas Eigenes schaffen, ihr eigener Chef sein und damit auch flexible Arbeitszeiten haben. Sie sagt dazu, sie wollte sich erden. Statt im Büro zu sitzen, steht sie seit einem Jahr in ihrem kleinen Laden im Holländerviertel und verkauft allerlei Nützliches, Witziges und Kurioses: von Holzbrille, über Holzuhr bis hin zum klassischen Holzspielzeug. Mittlerweile hat sie unter der Woche auch an zwei Tagen frei, Zeit, die sie nur mit ihrer www.wildoat.de Familie verbringt.

JUSTUS WEWELER, SAMI BENCHEKROUN, Zehndetails

PHARMAZIE-START-UP

7

9

Mit einem Mausklick Einladungen an Redner verschicken, Dokumente auf einer zentralen Plattform hochladen und am Tag der Konferenz durch Präsentationen auf modernsten Bildschirmen punkten. So sollten Konferenzen heute funktionieren, tun sie aber nicht, zumindest nicht im wissenschaftlichen Bereich. Justus Weweler und Sami Benchekroun haben jahrelang als Studenten auf Konferenzen gejobbt und schnell gemerkt, mit welch alter Technik und welch aufwendigen Methoden derart große Branchentreffs organisiert werden. Die beiden 29-Jährigen wollten es einfacher, effizienter und schicker machen. Erstellt haben Weweler, der an der Fachhochschule Potsdam Design studierte, und sein Partner eine Software, die im Vorfeld vieles erleichtert. Die Firma, die 2014 in Berlin gegründet wurde, kommt auf 50 Konferenzen im Jahr, darunter die Berliner re:publica sowie Medizinkonferenzen. www.zehndetails.com

KERRY GILMORE, Fluxpharm

Menschen mit HIV brauchen viele Medikamente, in manchen Ländern können sich Virus-Erkrankte die aber gar nicht leisten. Das Wissenschafts-Start-up Fluxpharm, eine Ausgründung aus dem Potsdamer MaxPlanck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, will das ändern. Der 32-jährige Amerikaner Kerry Gilmore hat ein Verfahren entwickelt, mit dem Medikamente günstiger produziert werden können. Es basiert auf der Technik einer kontinuierlichen Durchflusschemie – der Herstellungsprozess von Medikamenten läuft dabei nahezu automatisiert ab. Neben Einsparungen beim Personal, soll mit dem Verfahren auch der bei der Medizinproduktion anfallende Müll reduziert werden. Der Gründer hofft darauf, dass die Pharmaziekonzerne das Einsparpotenzial durch sein Verfahren an die Pawww. tienten weitergeben werden. fluxpharm.de POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT | 13


FOKUS

» LICHT AM ENDE E DES TUNNELS« BARBARA NITSCHE, Gründerexpertin der IHK Potsdam, und MILOŠ STEFANOVIĆ,

Leiter der Bürgschaftsbank Brandenburg, über die Trends in der Gründerszene INTERVIEW Eva Schmid | FOTOS Andreas Klaer

14 | POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT

xistenzgründer ist nicht gleich Existenzgründer und je nach Bedürfnissen, Zielen und Wünschen wenden sich Jungunternehmer in Brandenburg mal an die Potsdamer IHK, mal an die Brandenburger Bürgschaftsbank. Beide beraten und begleiten Gründer. Doch jeder macht das auf seine Art und Weise. Über die Erfahrungen beider geht es in diesem Interview. Frau Nitsche, Sie sagen, es gibt immer weniger Gründer, Herr Stefanovic, Sie sagen das Gegenteil. Wer von Ihnen hat Recht? Nitsche: Es kommt immer darauf an, wie man es betrachtet, insofern steckt in beiden Aussagen ein Stück Wahrheit. Wenn man es global betrachtet, dann stellen wir einen Abbruch der


1500 potenzielle Gründer hat die IHK Potsdam in 2015 beraten

Gründertätigkeit fest. Die Zahlen sind in den letzten Jahren relativ stabil nach unten gegangen. Den Trend können wir für auch den Kammerbezirk Potsdam feststellen. Wenn man aber genauer schaut, wo es einbricht und wo nicht, kann man doch noch etwas Licht am Ende des Tunnels erkennen. Stefanović: Was Frau Nitsche sagt stimmt. Dieser Abbruch findet seit Jahren statt. In Zeiten guter Konjunktur gibt es immer weniger Gründer, weil sie für ihren Lebensunterhalt andere Alternativen haben. In schlechten Zeiten kommt man eher auf den Gedanken, sich selbstständig zu machen. Das heißt aber nicht, dass es in Zeiten mit mehr Gründungen die Menschen auch besser machen; sie sind vielmehr eher dazu gezwungen. Deshalb hat man mit mehr Gründern auch nicht unbedingt die bessere Auslese. Die Erfolgsträchtigkeit kann in beiden Phasen die gleiche sein. Wir als Bürgschaftsbank hatten 2015 tatsächlich einen höheren Gründeranteil als 2014, das liegt an den vielen Nachfolgeregelungen. Nachfolger erwerben Unternehmen und gründen nicht auf der grünen Wiese. Sie nehmen mehr Geld in die Hand, weil sie ein bestehendes Unternehmen kaufen. Das ist am Anfang teurer, aber auch etwas beruhigender oder sicherer. Ist es als Gründer nicht langweilig, in die Fußstapfen eines anderen zu treten? Stefanović: Es ist nicht langweilig, weil der Neue oft viel ändern muss – auch wenn das Unternehmen bislang sehr erfolgreich war. Der alte Besitzer ist in der Regel zwischen 65 und 75 Jahre alt und hat sich die letzten fünf Jahre nicht mehr so sehr um Investitionen gekümmert oder darum, mit der Zeit mitzugehen. Eine Nachfolge ist kein Stück leichter, als etwas Neues zu etablieren. Bestehende Strukturen zu verändern, ist manchmal spannender, als sie komplett neu aufzubauen. Nitsche: Dass die Nachfrage bei den Nachfolgen wächst, sehen wir auch. Bei offenen Nachfolgen, bei denen Nicht-Familienmitglieder das Unternehmen übernehmen, ist der Kapitalbedarf höher, was wiederum Bürgschaften attraktiv macht. Wie risikobereit sind Gründer? Nitsche: In guten konjunkturellen Zeiten sind wir Deutschen – und ich glaube, dass das schon

ein sehr deutsches Phänomen ist - eher geneigt, das Risiko nicht auszukosten. Nichtsdestotrotz stellen wir bei unseren Beratungen fest, dass viele Gründer motiviert sind und gründen, weil sie etwas verwirklichen wollen. Hier geht es um Qualität. Und diese Gründer sind natürlich bereit, ein Risiko einzugehen. Anders als bei einer Nachfolge haben sie bei einer klassischen Gründung aber die Chance, klein anzufangen, sich auszuprobieren, Stück für Stück das Risiko auszutesten. Bei innovativen Ideen trägt man noch mal ein besonderes Risiko, weil sich die Ideen noch nicht etabliert und im Markt gefestigt haben. Gibt es Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Gründern? Stefanović: Nicht nur beim Gründen, das finden Sie auch bei etablierten Unternehmern. Die Frauen dürften etwas weniger Ich-bezogen sein. Sie wägen mehr ab, gleichen aus, sind nicht zu stürmisch, trotzdem mutig, konsequent und durchsetzungsfähig. Gegenfrage: Warum haben mehr Männer tiefergelegte Autos mit breiten Felgen? Geltungszwang? Stefanović: Genau! Sie sagen sich nicht nur wie die Frauen, ich möchte da und da hinkommen und das mit möglichst wenig Kosten. Sie sagen dazu noch: Das muss bitte sportlich aussehen und alle anderen beeindrucken. In einem der Gründerreports der IHK steht, dass sich mehr Frauen als Männer beraten lassen, am Ende dann aber oft abspringen und nicht gründen. Nitsche: Etwa die Hälfte, die sich bei uns beraten lassen, sind Frauen. Sie wägen, wie Herr Stefanovic schon sagte, länger ab. Wenn jemand zurückzieht, heißt das nicht, dass es damit erledigt ist. Sie kommen wieder – dann mit besser durchdachten Vorhaben. Frauen haben noch andere Themen zu regeln: Soziale Absicherung spielt da eine große Rolle. Auch Vereinbarkeit von Beruf und Familie, das verändert sich mit der Selbstständigkeit, daher kommt auch diese zögerliche Haltung, die vielleicht so aussieht, als ob sie nicht ganz entschlossen sind. Aber

IHK POTSDAM Die Kammer berät und begleitet Existenzgründer. Im vergangenen Jahr erreichte die Potsdamer IHK mit Seminaren, Infoveranstaltungen und Sprechstunden insgesamt rund 1500 Gründungsinteressierte. BÜRGSCHAFTSBANK Seit 25 Jahren gibt die Brandenburger Bürgschaftsbank Sicherheiten, um die Finanzierung von Gründern zu gewährleisten. Voraussetzung ist eine wirtschaftlich sinnvolle und erfolgsträchtige Geschäftsidee.

POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT | 15


FOKUS

» DAS SCHARNIER ZUM ERFOLG: DIE KAUFMÄNNISCHE EIGNUNG « MILOŠ STEFANOVIĆ Bürgschaftsbank

es geht hier um Risikoabwägung, und oft wird der Schritt in die Selbstständigkeit erstmal im Nebenerwerb gemacht – das kommt viel häufiger vor als bei männlichen Gründern. Wenn Frauen gründen, dann meist erst klein, aber gut durchdacht und daher durchaus mit Potenzial. Stefanović: Dass ein höherer Teil abspringt, liegt auch daran, dass sie sich grundsätzlich mehr beraten lassen. Ich muss nochmals aufs Autofahren zurückkommen: Die Damen sagen, halt mal an, ich frage mal, wo es langgeht. Der Mann sagt, lass mal, ich weiß schon. Das ist auch bei Gründern so, Männer fragen weniger.

ganz Kleinen: der Frisör an der Ecke, der Lottoladen. Die sind zum Teil selbstständig mit sich selbst, haben nicht mal Angestellte, aber es ist etwas, was sie selbst tun, und wovon abhängt, dass es Kunden gibt und die Rechnungen bezahlt werden können. Diese Gedankengänge müssen den jungen Menschen erst nähergebracht werden, damit sie das Gefühl der Selbstbestimmung überhaupt mal pflegen können. Nitsche: Da stimme ich absolut zu. Es geht darum, Vorbilder nach vorne zu stellen. Es ist ja nicht nur so, dass man sich mit seiner Idee selber ernährt, das ist volkswirtschaftlich schon mal sehr gut. Aber dass man etwas schafft, um auch Mitarbeiter nach vorne zu bringen. Das ist es, was in Zukunft für die Gesellschaft enorm wichtig ist. Zudem sollte wieder mehr Wert auf soziale Kompetenzen jenseits des Noten- und Leistungsspektrums gelegt werden. Leistungsbereitschaft, Teamfähigkeit, Umgang – das sind Faktoren, die nicht nur als Chef unglaublich wichtig sind.

Wie würden Sie das Gründungsklima in Brandenburg beschreiben? Nitsche: Das Gründungsklima, also die Selbstverständlichkeit, sich selbstständig zu machen, etwas zu wagen, das Risiko zu tragen und damit auch scheitern zu können, das müssten wir noch stärker in Deutschland etablieren. Es muss gesellschaftlich akzeptiert sein, dass jemand, der etwas wagt, nicht unbedingt erfolgreich sein JAHRE alten Schülern An welchen Kompetenzen sollte man bereits muss. Erst langsam kommt es in mangelt es denn noch? erklären, was UnterDeutschland an, zu sagen, ich habe Stefanović: An der kaufmännischen nehmertum, Wirtschaft es nicht geschafft, ich starte neu Vorbildung. Viele, die gründen, und Selbstständigkeit durch. Ich halte das für sehr wichsind Fachleute, aber nicht fürs bedeuten. Nitsche und tig, dass man Gründern mehr Mut Rechnungswesen oder für kaufStefanović sind sich eimacht und wenn es nicht klappt, männische Dinge. Das Scharnier nig, dass diese Themen zum Erfolg ist die kaufmännische man sich nicht verstecken muss. Das ist in anderen Kulturkreisen im Schulunterricht noch Eignung – das klingt erst mal völlig viel zu kurz kommen. langweilig, ist aber entscheidend viel verbreiteter als bei uns. Auf der letzten deGUT gab es erstmals dafür, ob auf dem Papier eine rote sogenannte »Fuck Up Veranstaltungen«, wo ge- oder schwarze Zahl steht. Da haben viele Grünscheiterte Gründer berichteten, warum es nicht der noch Bedarf, und da sind wir auch wieder geklappt hat und warum sie noch mal neu durch- beim Thema Schulbildung. gestartet sind. Mit Blick auf das nahe Berlin, die Hauptstadt Was muss sich ändern, damit wieder mehr der Start-up-Szene, wie schwer haben Sie es hier in Potsdam und Brandenburg? gegründet wird? Stefanović: Ich glaube, dass man da schon in der Nitsche: In Berlin ist die Gründerszene anders Schule ansetzen müsste. Fragen Sie mal einen verwurzelt, sie kommt dort anders zur Geltung. 14- bis 16-Jährigen, ob er jemals darüber nach- Dennoch haben wir auch in Brandenburg sehr gedacht hat, was er werden will. Ein Drittel hat innovative Start-ups mit guten Ideen, die weltsich vielleicht schon Gedanken gemacht, die weit Wirkung zeigen – wir brauchen uns also meisten aber haben gar keine Vorstellung. Sie gar nicht so sehr zu verstecken. Nach außen haben vor allem keine Vorstellung davon, wie wird das vielleicht nicht so wahrgenommen. schön es ist, ein selbstbestimmtes Berufsleben Die Gründer in Brandenburg werden zudem auf zu haben. Sie wissen auch nicht, was es heißt, dem Silbertablett getragen, und haben nicht so einen Chef zu haben, sie kennen höchstens Leh- einen Wettbewerb wie in Berlin. Auch wenn rer und Eltern. Es würde also damit beginnen, wir versuchen, unsere Gründungen hier zu haldass man Schülern mit 14, 15 Jahren erklärt, was ten, verlieren wir den ein oder anderen nach Unternehmertum bedeutet, was Wirtschaft und Berlin. Aber andersherum geht es auch: Wer was Selbstständigkeit ist. Das gibt es auch im die ersten Erfahrungen in Berlin gemacht hat,

14 bis 15

MILOS STEFANOVIĆ leitet seit zwölf Jahren die Bürgschaftsbank Brandenburg GmbH, er ist zudem Präsident des Brandenburger Wirtschaftsforums. Studiert hat der 59-jährige Belgrader BWL in Berlin. Nach seinem Studium hat er am Institut für Bankwirtschaft der TU Berlin sowie 19 Jahre bei der Deutschen Bank AG in Berlin gearbeitet.

16 | POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT


sieht auch die Chance in Brandenburg, sowohl im Speckgürtel als auch im ländlichen Raum, sich zu etablieren. Stefanović: Es gibt durchaus Regionen in Brandenburg, die sehr von Berlin profitieren. Als Beispiel sei das »Blaue Wunder« in Hennigsdorf genannt … … einer der größten Gewerbeparks in Berlin und Brandenburg, direkt vor den Toren der Hauptstadt … Stefanović: Ein Gebäude mit vielen Biotechnologieunternehmen, von denen mindestens die Hälfte Berliner Unternehmer sind. Sie leben noch immer in Berlin, aber Hennigsdorf ist gut mit der S-Bahn erreichbar. Ob Tegel/ Hennigsdorf, ob Zehlendorf/Kleinmachnow – da gibt es wenig Unterschiede, das ist alles um die Ecke. In Potsdam gibt es das Unternehmen Bestfewo, also das größte Internetportal für Ferienwohnungen in Deutschland. Das ist auch ein Gründer, der ursprünglich Berliner war und nach Potsdam gezogen ist, weil die Rahmenbedingungen hier so gut sind. Mittlerweile sagt er, dass es gut ist, in Potsdam den Firmensitz zu haben, weil seine Mitarbeiter – viele davon mit Familien - sich ein Einfamilienhaus in Berlin nicht leisten könnten, aber in der Umgebung von Potsdam etwas finden würden. Es gibt also eine gegenseitige Befruchtung zwischen den Ländern, es geht dabei weniger um Konkurrenz. Wir müssen aber nicht denken, Berlin als inzwischen europäische Start-up-Hauptstadt überholen zu wollen – das ist klar. Jetzt soll ein zweites Go:In in Golm kommen. Werden die Flächen für günstigen Büro- und Laborraum ausreichen? Nitsche: Wir sind optimistisch, dass es dadurch mehr Kapazitäten für Gründer gibt. Wichtig ist, dass überhaupt das Signal ausgestrahlt wird: Ja, wir sind eine Gründerstadt. Ich glaube, die Stadt hat erkannt, dass die Gründer eine riesige Chance in einer wachsenden Stadt sind. Mit dem zweiten Go:In ist es aber nicht getan. Stefanović: Je mehr Flächen, desto besser. Auch der Wirtschaftsrat beschäftigt sich in jeder Sitzung damit, welche Flächen zur Verfügung stehen. Benötigt werden übrigens nicht nur Flächen für die Unternehmen und Gründer, sondern auch für deren Mitarbeiter. Wir haben es immer häufiger bei unseren Kunden damit zu tun, dass sie sagen: Nach Potsdam kriegen wir die Mitarbeiter ganz schlecht, sie finden hier keine bezahlbare Wohnung. Ein Beispiel: Das

Hafenrestaurant der Weissen Flotte hat gerade eröffnet und die fragen sich auch, wie sie ihre Lehrlinge - zum Teil aus Spanien – in Potsdam unterbringen können. Das ist eine Frage, über die wenige nachdenken, aber die ausschlaggebend ist. Wie wird sich die Start-up-Branche in Brandenburg entwickeln? Nitsche: Die Zahlen gehen zurück, wir brauchen mehr Gründer und müssen uns breiter aufstellen. Ein langfristiges Thema ist dabei auch die Integration von Flüchtlingen. Menschen, die viel durchgemacht haben, sind vielleicht ein Stück weit risikofreudiger, und damit potenzielle Gründer. Wir sehen einen weiteren Trend, den zu komplexeren Gründungen – besonders im Bereich der Digitalisierung. Darauf stellen wir uns in den Beratungen ein. Solche Gründer haben auch einen höheren Kapitalbedarf. Stefanović: Der erste Trend ist: Immer mehr Gründer sind Unternehmensnachfolger – bei der Bürgschaftsbank ist das mittlerweile jeder zweite. Der zweite Trend ist, dass sich die Hightech-Start-up-Szene, die sich auf Internet und Software bezieht, auch immer mehr in Brandenburg entwickelt und das ist ein Hype, von dem alle profitieren. Und alle denken darüber nach, was die 7500. App sein könnte, die die Welt noch braucht. Das ist nicht nur in Berlin so. Und leider ist der dritte Trend der, dass es Existenzgründung in Zeiten guter Konjunktur weiterhin schwer haben werden. Nitsche: Stimmt, das werden wir nicht auflösen können. Der Trend nach unten wird weitergehen. Reichen eine gute Idee und genügend Geld zum Gründen aus? Stefanović (lacht): Man braucht viel Biss und Durchhaltevermögen, um Rückschläge zu bewältigen. Man muss sich darauf gefasst machen, eine Art Zehnkämpfer zu sein. Es reicht nicht, nur fachlich auf der Höhe zu sein, man muss die Finanzierer, Lieferanten und Mitarbeiter von seinem Start-up überzeugen. Als Gründer muss man zehn Bälle in der Luft halten und dabei noch Spaß haben. Nitsche: Die Anforderungen sind sehr komplex, man muss es aber vor allem schaffen, andere von seiner Idee zu begeistern. Wenn man Unterstützer hat, lässt sich vieles leichter bewältigen – Unterstützung sollte es auch von der Familie und dem unmittelbaren Freundeskreis geben. Wenn man da nicht ausgebremst wird, kann man durchaus Erfolg haben.

» DAS GRÜNDUNGSKLIMA MÜSSEN WIR STÄRKER ETABLIEREN « BARBARA NITSCHE IHK Potsdam

BARBARA NITSCHE leitet seit sieben Jahren den Fachbereich Existenzgründung und Unternehmensförderung der IHK Potsdam. Die 43-Jährige aus Esslingen hat ab 2003, nach ihrem Studium der Wirtschaftsgeographie in der Kammer zunächst im Bereich Internationales gearbeitet. Ihre Großeltern waren Unternehmer, das hat sie gesprägt.

POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT | 17


MACHER

Christoph Schmitz wuchs auf einem Bauernhof auf. Jetzt ist er wieder auf dem Acker â&#x20AC;&#x201C; und hat eine Mission.

18 | POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT


ACKERN FÜR DEN GUTEN ZWECK Der Potsdamer CHRISTOPH SCHMITZ hatte eigentlich eine wissenschaftliche Karriere vor sich. Doch er stieg aus und wurde Sozialunternehmer. Sein Konzept der GemüseAckerdemie ist aufgegangen TEXT Katharina Wiechers | FOTOS Sebastian Gabsch

B

ohnen, Mais und Gurken passen zum Beispiel gut zusammen. »Für die Bohnen ist der Mais Rankhilfe und für die Gurken spendet er Schatten«, sagt Christoph Schmitz. Außerdem sind alle drei Pflanzen unterschiedlich hoch und können deshalb auch auf einem kleinen Beet koexistieren. Mit kleinen Beeten kennt Schmitz sich aus, genauer gesagt mit 80 Zentimeter breiten Beeten. Aber dazu später. Denn erst muss erklärt werden, wie es überhaupt dazu kommt, dass Christoph Schmitz gerade durch ein Beet in Babelsberg stapft – und nicht einige Kilometer entfernt im Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) vor seinem Rechner sitzt. Denn eigentlich ist er promovierter Wissenschaftler, hat über nachhaltige Landnutzung und Lebensmittelverschwendung geforscht. Man könnte sagen, er war auf dem besten Weg zum Professor. Doch als Schmitz nach der Geburt seiner ersten Tochter in Elternzeit ging, wuchs in ihm der Wunsch, die globalen Probleme, über die er so viel theoretisches Wissen angehäuft hatte, auf lokaler Ebene zu lösen – oder zumindest einen Beitrag dazu zu leisten. Sein Ansatz: Dass so viele Lebensmittel verschwendet werden, muss auch daran liegen, dass viele Menschen mittler-

weile von Nahrungsmitteln entfremdet sind und nicht mehr wissen, wie sie gewonnen werden und welchen enormen Aufwand das bedeutet. Schmitz erstellte dazu eine Studie, die diese Theorie bestätigte, und erinnerte sich an die Zeit zurück, als er noch bei seinen Eltern auf dem Bauernhof im Rheinland lebte. Immer wieder kamen damals Schulklassen auf den Hof, um einmal im Jahr beim Wandertag ein bisschen Landluft zu schnuppern. »Wir waren damals sehr erschrocken, wie wenig die Kinder über Landwirtschaft wussten«, sagt er. Aus Kindern, die wenig über Nahrungsmittel wissen, können auch keine konsumbewussten Erwachsenen werden, so seine Schlussfolgerung. Wenn sie hingegen sehen, wie aus einem Samen ein Pflänzchen und aus einem Pflänzchen ein riesiges Zucchini-Gewächs wird, müsste sich das doch ändern. UND SO STARTETE Schmitz gemeinsam mit seiner Schwester, einer Lehrerin, einen Versuch: Ein paar Wochen lang sollten ihre Schüler regelmäßig auf den elterlichen Hof kommen und dort einen kleinen Acker bewirtschaften. Die Kinder kamen, sogar am Samstag, und hatten großen Spaß am Umgraben, Säen, Jäten

POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT | 19


MACHER

Hofgärtnerei im Park Babelsberg: Die Oberlinschule und die Evangelische Grundschule pflanzen hier an.

» WIR WAREN DAMALS SEHR ERSCHROCKEN, WIE WENIG DIE KINDER ÜBER LANDWIRTSCHAFT WUSSTEN« CHRISTOPH SCHMITZ

20 | POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT


FOTOS Sebastian Gabsch, Fröbel e.V., Ackerdemia e.V., fotolia

Nicht nur für Schulen, auch für Kitas gibt es die GemüseAckerdemie.

und Ernten. »Das war eigentlich die wichtigste Erkenntnis dieses Versuchs«, sagt Schmitz. »Es kam bei den Kindern an.« Und so war die Idee der GemüseAckerdemie geboren: Kinder beackern ein Feld, schauen quasi dem Essen beim Wachsen zu, und entwickeln so ein Gefühl für Nahrungsmittel. Und das Ganze integriert in den Schulalltag. Nach der Elternzeit kehrte Schmitz an seinen Schreibtisch im PIK zurück, doch nicht für lange Zeit. Das Projekt GemüseAckerdemie wurde konkreter, forderte mehr Zeit, und bald reduzierte er auf 50, dann auf 20 Prozent. Schließlich hängte er die wissenschaftliche Karriere ganz an den Haken und wurde das, was man seit einigen Jahren Sozialunternehmer nennt. Heute sagt Schmitz: »Ich war nie ein hundertprozentiger Wissenschaftler. Mir hat immer die Anwendung gefehlt.« Wie bei vielen, die sich für das Sozialunternehmertum entscheiden, hatte Schmitz das Bedürfnis, in der Gesellschaft etwas zu bewegen, im besten Fall natürlich zum Besseren. Bei seinem Chef am PIK stieß er mit seiner Idee auf offene Ohren - »er kommt selbst vom Hof«, erklärt Schmitz. »Er hätte mir auch den Weg zurück ermöglicht, das Risiko war also nicht unendlich groß.« Ebenso hilfreich bei seinem Schritt ins Sozialunternehmertum war das regelmäßige Einkommen von Christoph Schmitz‘ Frau, einer Ärztin. Doch von Anfang an setzten er und seine drei Mistreiterinnen, die er mittlerweile für die Ge-

Selbst angepflanzt wird sogar Salat zum Lieblingsessen.

müseAckerdemie hat gewinnen können, das Ziel, dass es nicht länger als ein Jahr dauern dürfe, bis sie sich ein Gehalt auszahlen können. »Das hat den Druck erhöht, was ein großer Vorteil war«, sagt Schmitz. Die Finanzierung dachten sie von Anfang an mit – etwas, woran es manchem Studentenprojekt aus seiner Sicht mangelt. Gemeinsam mit den drei Mitgründerinnen bewarb sich Schmitz in dieser Zeit erfolgreich für das »Exist«-Förderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums – und startete in die Pilotphase mit sechs Schulen in Berlin, Teltow und Nordrhein-Westfalen. Heute ist die GemüseAckerdemie, oder besser gesagt der Verein Ackerdemia, der hinter dem Projekt steht, an 60 Schulen aktiv, mehr als 1500 Schüler werden aktuell erreicht. Christoph Schmitz’ Konzept ist aufgegangen. SCHULEN AUS ACHT Bundesländern in Deutschland und eine aus Österreich sind es zurzeit, die an dem Programm teilnehmen. Sie alle haben einen Gemüseacker, den eine oder mehrere Klassen bewirtschaften. Bei Schulen auf dem Land ist es meist eine Fläche auf einem Feld nahe der Schule, die ein Landwirt zur Verfügung stellt. In der Stadt ist es der alte Schulgarten, der reaktiviert wurde oder eine andere Fläche in der Nähe – die Evangelische Grund-

80

Zentimeter breit ist jedes Beet auf dem Gemüseacker

POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT | 21


MACHER

schule Babelsberg und che Schulen integrieren das Ackern die Oberlinschule nutin den Biologie-Unterricht, andere zen zum Beispiel ein deklarieren es als »Projektzeit« und paar Quadratmeter in mancher Montessori-Schule fällt die Zeit auf dem Acker in die ganz in der Hofgärtnerei normale Unterrichtszeit. Passt es im Park Babelsberg. gar nicht in den Stundenplan, gibt Wo Schmitz geraes eben eine freiwillige »Gemüsede durch den Acker AG« am Nachmittag. stapft. Dieser ist wie » ICH WEISS, Finanzieren müssen die Schuüberall nach demselben DASS DAS, Prinzip aufgebaut – ausgetüflen die GemüseAckerdemie anteitelt in der Versuchs- und der Pi- WAS ICH TUE, lig selbst – im ersten Jahr sind das lotphase. Jedes Beet ist 80 Zenetwa 1000 bis 1500 Euro. Im zweiten Schulen will Schmitz SINNVOLL timeter breit und vom nächsten Jahr wird es deutlich günstiger – die bis 2020 mit seinem durch einen 40 Zentimeter breiInfrastruktur für den Acker ist dann IST. UND DAS Projekt erreichen ten Streifen getrennt. So kommt MACHT ES SO ja schon geschaffen. Weil das nicht man bequem an die Pflanzen ran reicht, um die ganzen Ackerdemie REIZVOLL « zu finanzieren – immerhin ist das – auch mit kurzen Kinderarmen. Auch was auf den Beeten wächst, CHRISTOPH SCHMITZ Team auf mittlerweile 14 Vollzeitist standardisiert. Schmitz will, dass stellen gewachsen –, ist der Verein die Kinder möglichst viel verschiedene Gemüse- aber auch auf Spenden, Stiftungsgelder und sorten kennenlernen. Und sie sollen sehen, dass staatliche Fördermittel angewiesen. Dass das manches schon nach sechs Wochen reif ist, an- Projekt schon mit zahlreichen Preisen ausgederes erst nach einem halben Jahr. Auch auf ei- zeichnet wurde, hilft dabei, neue Gelder aufzunen Mix aus unter- und oberirdischen Früchten tun. wird geachtet. »Und auch zum Naschen soll was dabei sein«, sagt Schmitz und pflückt eine gelbe SCHMITZ’ ZIEL IST es aber, den Spenden- und Cocktail-Tomate von einem Strauch. Fördermittelanteil künftig deutlich zu senken, Das Aussuchen eines geeigneten Ackers, die Ackerdemie soll sich bald mindestens zur das Bestellen des Saatguts, die Information der Hälfte selbst tragen. »Die größte Arbeit ist Eltern und die Bestimmung der richtigen Beet- getan«, sagt er und meint dabei den zeit- und Reihenfolge übernimmt die GemüseAckerdemie kostenintensiven Entwurf des Konzepts für die für die Schule – oder hilft zumindest dabei. Der GemüseAckerdemie samt Abläufen und Infomazuständige Lehrer wird außerdem mit regelmä- terialien. Jetzt hofft er, dass die Einnahmen durch ßigen »Ackerinfos« per Mail gebrieft: Welcher mehr teilnehmende Schulen steigen. »Bis 2020 Schritt steht als nächstes an? Wie geht noch mal wollen wir an 650 Schulen sein«, sagt Schmitz das Kartoffel-Häufeln? Was kann jetzt geerntet selbstbewusst. Und auch eine Ausweitung des werden und wie bekämpfe ich diesen oder je- Programms auf Kitas ist schon in der Pilotphase. nen Schädling? Außerdem bekommt der Lehrer Reich werden kann Schmitz mit der Gemüneben einer Fortbildung auch noch eine bunte seAckerdemie trotzdem nicht, das ist klar. Doch Mappe mit Infomaterial und Methodenkarten er sei auch ganz bewusst ein Sozialunternehmer, DER LEBENSMITTEL – er soll den Kindern in den Wintermonaten kein Unternehmer, sagt er. Ein solcher will per werden in Deutschland oder bei schlechtem Wetter theoretisches Wis- Definition ein gesellschaftliches Problem lösen, weggeschmissen – auch sen über den Gemüseanbau beibringen. Denn nicht Profit machen. »In der freien Wirtschaft deshalb, weil viele die GemüseAckerdemie ist als einjähriges Pro- könnte ich wahrscheinlich deutlich mehr verMenschen mittlerweile gramm aufgebaut, ein ganzes Schuljahr lang sol- dienen«, sagt Schmitz. »Aber ich weiß, dass das, von der Nahrungsmittellen Kinder und Lehrer dabei bleiben. was ich tue, sinnvoll ist, und das macht es für produktion entfremdet mich reizvoll.« Geld sei ihm nicht unwichtig, sind, glaubt Christoph BISHER HAT DAS AUCH bis auf wenige Ausnah- schiebt er noch hinterher, das Ganze dürfe nicht Schmitz. Mit der Gemen immer geklappt, sagt Schmitz. Entschei- auf Selbstausbeutung basieren. »Aber müseAckerdemie will dend sei, dass der Lehrer von der Sache über- wenn man sehr viel Geld hat«, sagt er er Kindern zeigen, wie zeugt sei und Spaß daran habe. »Wenn wir den lachend, »muss man doch nur wieder Lebensmittel entstehen. Lehrer haben, haben wir die ganze Klasse.« Min- überlegen, wem man es spendet und Und so ihr Bewusstein destens zwei Schulstunden pro Woche sollten wem man es vermacht.« für eben diese steigern. für die GemüseAckerdemie reserviert sein. Man- www.gemüseackerdemie.de

650

22 | POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT

FOTOS Sebastian Gabsch, BMEL, fotolia (2)

30%


ASHOKA-FELLOW

Unterstützung von höchster Stelle Ashoka-Fellow zu sein – das ist die vielleichst höchste Auszeichnung, die sich ein Sozialunternehmer wünschen kann. Die US-amerikanische Organisation, die ausschließlich durch private Sponsoren finanziert wird, hat in der Branche einen hervorragenden Ruf. Die Stipendiaten und ihre Projekte müssen mehreren Kriterien entsprechen, um eine Förderung zu erhalten: Ihre Idee muss neu sein und das Potenzial haben, ein gesellschaftliches Problem zu lösen. Der Gründer muss Unternehmergeist, Kreativität, Leidenschaft sowie persönliche Integrität beweisen. Im Juni hat Christoph Schmitz es geschafft, einer der Stipendiaten zu werden – nach einem eineinhalbjährigen Auswahlprozess. Er musste nicht nur sich selbst und die GemüseAckerdemie in mehreren Runden überzeugend vorstellen, auch sein Umfeld wurde unter die Lupe genommen. Drei Jahre lang bekommt er nun ein Stipendium, kann das weltweite Ashoka-Netzwerk nutzen und bekommt pro bono Beratungen, zum Beispiel in Rechtsfragen. Doch das Wichtgste ist das Label Ashoka, sagt Schmitz. »Das ist ein Qualitätsmerkmal.« ANZEIGE

AUSZEICHNUNGEN

Prädikat: Sozial Mit seiner GemüseAckerdemie haben Christoph Schmitz und seine Mitstreiter schon viele Preise und Auszeichnungen bekommen. Unter anderem wurde die Ackerdemie als einer von 65 Lernorten in Deutschland ausgezeichnet, die einen Beitrag zur Umsetzung des Unesco-Weltaktionsprogramms »Bildung für nachhaltigen Entwicklung« leisten. Im Februar 2016 gewann die GemüseAckerdemie außerdem die Google Impact Challenge in der Kategorie »lokale Projekte«. Auch beim Wettbewerb der Initiative startsocial, die ein größeres Bewusstsein für die Arbeitsleistung sozialer Initiativen in Deutschland schaffen will, konnte sich das Projekt unter mehr als 300 Bewerbern durchsetzen und erhielt von Schirmherrin Angela Merkel eine Auszeichnung. Schon im Oktober 2014, also kurz nach der Gründung, wurde die Ackerdemie außerdem von der »Initiative Deutschland – Land der Ideen« als »Ausgezeichneter Ort« ausgewählt. Hier siegte das Projekt in der Kategorie Bildung.


ANALYSE

Alle Daten bleiben im Haus. Im Potsdamer Klinikum »Ernst von Bergmann« werden sie auf 430 Servern im Keller gespeichert.

KLINIK IM FADENKREUZ Die Digitalisierung macht KRANKENHÄUSER angreifbar – auch in Brandenburg. Wie die hochsensiblen Daten geschützt werden können TEXT Matthias Matern | FOTOS Andreas Klaer

24 | POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT

SICHERHEITSLÜCKEN IN den IT-Systemen deutscher Kliniken sieht auch Thomas Jäschke, Professor für Wirtschaftsinformatik und Gründer des Instituts für Sicherheit und Datenschutz im Gesundheitswesen in Düsseldorf. »Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist der Sicherheitsstandard der deutschen Krankenhäuser nicht gut – aber auch nicht im Vergleich zu anderen Branchen in Deutschland«, sagt Jäschke, der unter anderem auch als bestellter Datenschutzbeauftragter für sämtliche Berliner

INFOGRAFIK Christian Renner QUELLE LDA Brandenburg/18. Tätigkeitsbericht 2014/2015

V

on einer auf die andere Sekunde ging plötzlich nichts mehr im Neusser Lukaskrankenhaus. Ein Hackerangriff hatte am 10. Februar dieses Jahres alle IT-Systeme des 540-Betten-Hauses auf einen Schlag lahmgelegt. Hacker hatten per E-Mail einen sogenannten Ransom-Virus in das Netzwerk eingeschleust. Mehrmals erschien auf den Bildschirmen ein Erpresserbrief. Nur gegen die Zahlung eines Lösegelds würden die Systeme wieder freigegeben. Kurzerhand entschied die Klinik-Leitung, sofort sämtliche vernetzte Rechner herunterzufahren, um ein weiteres Ausbreiten des Virus zu verhindern. Das Landeskriminalamt (LKA) wurde eingeschaltet, wie früher musste dann wieder gedruckt und gefaxt werden, Laborergebnisse wurden per Botendienst verschickt. Rund 15 Prozent der geplanten Operationen mussten abgesagt werden. Zwölf LKA-Experten arbeiteten in drei Schichten, um das Schadprogramm auszuschalten. Ein Einzelfall ist der Angriff auf das Lukaskrankenhaus nicht. Neben der Neusser Klinik waren auch Krankenhäuser in Arnsberg und in Kleve betroffen. Vor diesem Hintergrund werfen Experten die Frage auf, wie es um die IT-Sicherheit – und somit auch um den Datenschutz – deutscher Kliniken bestellt ist. Immerhin handelt es sich bei den Informationen, die auf den Servern der Krankenhäuser gespeichert sind, um hochsensible Personendaten. Nicht nur die sogenannten Stammdaten, also Name, Alter, Wohnort, sondern auch Krankheitsbilder, Befunde, Röntgenaufnahmen, verabreichte Medikamente, sind dort hinterlegt. Zwar werden die Patientendaten in manchen Krankenhäusern verschlüsselt, aber eben längst nicht überall. Und selbst dann können Computerexperten bei der Auswertung einer ausreichenden Menge Daten Rückschlüsse auf Identitäten ziehen. Vor allem für die Pharmabranche, aber auch für Versicherungen sind solche Informationen höchst interessant.


DAK-Kliniken, die KaDeWe-GrupAuch beim Potsdamer Kranken»KRANKENpe sowie mehrere Karstadt-Sporthaus hätte ein erfolgreicher Angriff HÄUSER Häuser tätig ist. In anderen Branfatale Folgen. »Ohne digitale Dachen werde teilweise das Doppelte INVESTIEREN ten geht im Krankenhaus nichts«, für die IT ausgegeben. Schuld daran LIEBER IN EIN räumt Huhndts Vorgesetzter Tim ist nach Jäschkes Ansicht vor allem Steckel, Geschäftsbereichsleiter NEUES MRT« strategische EDV, Finanzen und das streng regulierte Vergütungssystem im deutschen GesundheitsControlling, ein. Bis zu 1000 PatiTHOMAS JÄSCHKE wesen, das den Krankenhäusern enten werden in der kommunalen IT-Experte kaum Spielraum lasse, Umsätze zu Klinik zeitgleich behandelt. Vor gut zwei Jahren hat das EvB die elektrosteigern und damit mehr Mittel für die IT-Sicherheit bereitzustellen. »Krankenhäu- nische Krankenkarte eingeführt, die Digitalisieser investieren daher oftmals lieber in medizini- rung weiter vorangetrieben. Drei Millionen Euro sche Geräte wie ein neues MRT als in die IT«, hat das Krankenhaus nach eigenen Angaben sagt der Experte. dafür investiert. Alle Patientendaten sind verschlüsselt auf den 450 Servern im Keller der KliBETROFFEN VON DER HACKER-OFFENSIVE im nik gespeichert und auf jeder Station an mobilen Frühjahr war nach eigenen Angaben auch das Terminals abrufbar – allerdings nur mit entsprePotsdamer Klinikum »Ernst von Bergmann« chender Zugriffsberechtigung. 130 solcher Ter(EvB). »Allerdings haben unsere Sicherheits- minals hat das Krankenhaus angeschafft. »Frümechanismen das Virus sofort erkannt und iso- her haben wir sehr viel analog gearbeitet, heute liert«, sagt René Huhndt, IT-Leiter im EvB. Zu gehört der Arzt mit der Kladde in der Hand Beeinträchtigungen sei es deshalb nicht gekom- bei uns der Vergangenheit an«, sagt Huhndt, men, einen Erpresserbrief habe man dennoch der seit 2002 in dem Potsdamer Krankenhaus erhalten. arbeitet und seit fünf Jahren die IT leitet.

EXTERNE DIENSTLEISTER FÜR KRANKENHÄUSER IN BRANDENBURG 40 35 30

35

37

25 20 15 10 5 0  Datenverarbeitung außerhalb des Krankenhauses  Externer Dienstleister für IT-Betrieb

ANZEIGE

APPsolut Potsdam! Die Tageszeitung der Landeshauptstadt – jetzt praktisch mit der neuen PNN-APP. Lesen Sie schon ab 22.15 Uhr die Ausgabe des kommenden Tages und nutzen Sie alle weiteren Vorteile. Einfach im AppleStore oder Google Play-Store herunterladen. Moderner Zeitunglesen geht nicht!

Jetzt

30 Tage kostenlos testen!

Die PNN-APP gibt es auch im praktischen Digitalpaket mit dem iPad Air2 und iPhone SE. Informationen und Angebote finden Sie unter www.pnn.de/epaper.

POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT | 25


ANALYSE

BRANDENBURGER KRANKENHÄUSER MIT EIGENER IT-ABTEILUNG 40

5  Ja

 Nein

ANZAHL DER IT-MITARBEITER 1-4 5-10 >10

Ein großes Problem sei früher die Verfügbarkeit der Daten gewesen. »Wenn man sie brauchte, musste man sie erst suchen.« Außerdem seien Abschriften handschriftlicher Aufzeichnungen auch ein steter Fehlerquell. Zudem würden mit der elektronischen Krankenakte auch Dopplungen vermieden, meint Huhndt. Insgesamt neun Mitarbeiter kümmern sich in der Potsdamer Klinik um die IT-Systeme. Rund 100 000 Euro gibt das EvB eigenen Angaben zufolge pro Jahr für den Schutz seiner Computersysteme aus. »Alle Programme werden stetig geupdatet«, versichert Huhndt. Neben der klassischen Schutzsoftware finden sich in der vom EvB bereitgestellten Liste der IT-Sicherheitsmaßnahmen Jäschke zufolge aber kaum außergewöhnliche Programme. »Der Mindeststandard, den Sie auch in jeder kleineren Firma finden würden«, meint der Wirtschaftsinformatiker. Allerdings hat das EvB außerdem ein hausspezifisches Sicherheitsmanagement erarbeitet, das sich an den Empfehlungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) orientiert. Unter anderem werden alle Daten redundant auf einem zweiten System gespeichert, bei einem Stromausfall übernimmt ein Dieselaggregat. Regemäßige Tests werden durchgeführt. Und: das Krankenhaus leistet sich einen festangestellten Datenschutzbeauftragten, der zugleich auch IT-Sicherheitsbauftragter ist. IN BRANDENBURG keine Selbstversändlichkeit, wie eine Umfrage der Landesdatenschutzbeauftragten aus dem Juni 2015 unter allen nicht konfessionell gebundenen Krankenhäusern zeigt. Demnach haben zwar 44 der insgesamt 45 befragten Häuser einen Datenschutzbeauftragten, aber nur 40 Prozent einen IT-Sicherheitsbeauftragten. Dies sei aber empfehlenswert, so die Behörde. Nur neun Prozent der Kliniken gaben an, dass sie über ein sogenanntes Inforamtionssi-

26 | POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT

EINIGE KLINIKEN ZUMINDEST könnten derweil künftig gezwungen sein, mehr Geld auszugeben. Hintergrund ist das IT-Sicherheitsgesetz, das im Juli 2015 verabschiedet wurde. Kern des Gesetzes ist die Verbesserung der Informationssicherheit in sogenannten kritischen Infrastrukturen. Betreiber wichtiger Anlagen, etwa aus den Bereichen Energie, Wasser, Ernährung, Telekommunikation sollen damit verpflichtet werden, künftig IT-Angriffe von außen zu melden und ein je nach Bereich zu definierendes Mindestmaß an IT-Sicherheit nachzuweisen. Noch nicht geklärt sind die Bedingungen für das Gesundheitswesen, also welche Krankenhäuser betroffen sein werden und welche Standards zu erfüllen sind. Diese Fragen werden derzeit von einem Branchenarbeitskreis bearbeitet. Außer den Kosten für die Technik kämen auf betroffene Häuser regelmäßige Audits zu, in denen geprüft werde, ob die branchenspezifischen Sicherheitsstandards eingehalten würden, schildert Schreck. »Pflichtverletzungen werden sehr teuer.« Im Klinikum »Ernst von Bergmann« sieht man dem gelassen entgegen. »Den Ansatz finde ich sehr gut. Wir können uns dem mit gutem Gewissen stellen«, glaubt IT-Leiter René Huhndt.

FOTO iStock QUELLE LDA Brandenburg/18. Tätigkeitsbericht 2014/2015 INFOGRAFIK Christian Renner

Die Kladde ist passé. An insgesamt 130 mobilen Terminals im Potsdamer Klinikum »Ernst von Bergmann« sind die digitalen Patiendaten abrufbar.

cherheitsmanagementsystem (ISMS) nach Vorgaben des BSI, also eine umfassende Aufstellung von Verfahren und Regeln, welche dazu dienen, die Informationssicherheit dauerhaft aufrechtzuerhalten und fortlaufend zu verbessern. Fünf Krankenhäuser haben der Umfrage zufolge nicht mal eine eigene IT-Abteilung. 37 Häuser gaben sogar an, personenbezogene Daten extern verarbeiten zu lassen. Das Fazit der Landesdatenschutzbeauftragten: »Insbesondere im technisch-organisatorischen Bereich zeigte unsere Umfrage Mängel, auf deren Beseitigung wir drängen werden.« Allerdings hätten die Vorfälle in Neuss und Arnsberg auch die Krankenhäuser in Brandenburg wachgerüttelt, sagt Jens-Uwe Schreck, Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg. »Die Krankenhäuser können derzeit allerdings auch im internationalen Vergleich noch zu wenig für ihre IT-Infrastruktur ausgeben.« Die seit Jahren ungenügenden Investitionsfördermittel der Länder seien ein wesentlicher Grund dafür. »Auch die Investitionsfinanzierung der Kliniken in Brandenburg ist unzureichend.« Der Investitionsstau liege derzeit bei 100 Millionen Euro pro Jahr.


EinE information von ZaB

anzeige

Gesundheit erleben, Gesundheit neu denken

H

ealth Week 2016: Vom 5. – 15. Oktober kommen Experten und interessierte Bürgerinnen und Bürger zur Gesundheitswoche Berlin-Brandenburg zusammen, um sich über neueste Entwicklungen, Trends und Herausforderungen für die Medizin auszutauschen und zu informieren. Organisiert wird die Health Week vom Cluster Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg. In diesem Jahr stehen Innnovationen und Kooperationen im Mittelpunkt, u. a. mit Themen wie Big Data in der Diagnostik, regenerative und minimal-invasive Medizin, betriebliches Gesundheitsmanagement und mit informativen Gesundheitstagen für die breite Öffentlichkeit. Traditionelles Highlight der Health Week ist der World Health Summit, bei dem internationale Entscheidungsträger aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft globale Gesundheitsthemen diskutieren. Auch regionale Formate laden zum Austausch ein. So treffen am Hightech Transfertag im Wissenschaftspark Potsdam-Golm Unternehmer und Wissenschaftler aufeinander. Hier dreht sich alles um Forschung, Entwicklung und innovative Produkte in der Gesundheitswirtschaft. Biotech- und IT-Firmen, Gründungs- und Forschungsprojekte, aber auch Kliniken und Wirtschaftsförderer aus der Region Potsdam präsentieren sich, um Unternehmen und Wissenschaft zusammenzubringen. Studierende und Interessierte haben die Möglichkeit am »Tag der offenen Tür« im Innovationsforum Hennigsdorf potentielle Arbeitgeber im Bereich Life Sciences kennen zu lernen. Bei Präsentationen und Rundgängen stellen sich ansässige Unternehmen vor. Für Familien bietet die »Lange Nacht der Gesundheit« in Königs Wusterhausen ein buntes Programm. Erleben auch Sie Gesundheit in Berlin und Brandenburg. Termine: World Health Summit 9. – 11.10. Hightech Transfertag 11.10. Tag der offenen Tür in Hennigsdorf 11.10. Lange Nacht der Gesundheit in Königs Wusterhausen 8.10.

Die Hauptstadtregion belegt weltweit eine Spitzenposition im Gesundheitssektor, dank ihrer einzigartigen Dichte an Forschungs- und Versorgungseinrichtungen sowie nationaler wie internationaler Industrieunternehmen und Kliniken. Eine hohe Wirtschaftskraft, die Forschungslandschaft und eine ausgezeichnete Gesundheitsversorgung verbinden sich in der Region und machen es möglich, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse besonders schnell in innovative Produkte der Gesundheitsversorgung überführt werden. Rund 354.000 Beschäftigte arbeiten in der Hauptstadtregion in über 21.000 Unternehmen. Auf der alljährlichen Clusterkonferenz Health Capital trifft sich die Branche zum Austausch über spannende Projekte, Innovationen und Kooperationen.

Fragen zum Cluster Gesundheitswirtschaft? Dann sprechen Sie uns an. Das Clustermanagement vernetzt Sie gerne.

KonTaKT Florian Schlehofer Stv. Clustermanager Gesundheitswirtschaft Tel. 49 331 20029-256 www.health-week.de www.healthcapital.de Tagesspiegel Köpfe | 1


HANDWERK

Hinsetzen? Nur fürs Foto, sagte Karin Steinmeyer. Ein Müller ist normalerweise immer auf den Beinen.

VOM KORN ZUM BROT Karin Steinmeyer ist Müllermeisterin in Luckenwalde ein sinnlicher KNOCHENJOB. Seit 2013 ist sie Geschäftsführerin in der Mühle, die einst ihre Großeltern gründeten TEXT Steffi Pyanoe | FOTOS Andreas Klaer


Z

u Schulzeiten waren Karin Steinmeyers Brote heiß begehrte Tauschware. Sie hatte das beste dunkle Bäckerbrot, meist dick mit Hausmacher Leberwurst belegt. Eigene Schlachtung, im Stall auf dem Hof lebten immer ein paar Schweine für den Eigenbedarf. Heute gibt es auf dem Hof nur noch Kaninchen und Geflügel. Dafür produziert die Mühle Steinmeyer alles, was man für ein richtiges Bäckerbrot braucht. Mehle und Schrote säckeweise für mittelgroße Abnehmer und in kleinen Tüten für den Bäcker zu Hause. Außerdem Brotbackmischungen für den Freizeitbäcker, von der Müllerin selbst zusammengestellt. Einige wurden aufgrund der Verwendung besonderer, außergewöhnlicher Zutaten sogar ausgezeichnet: Das Shitake-Kräuterbrot 2014 mit dem Innovationspreis des Landes Brandenburg, der Pilz-KräuterBrotmix 2015 auf der Grünen Woche mit dem Pro-Agro-Marketingpreis. Liegt es daran, dass Karin Steinmeyer eigentlich gern Konditorin geworden wäre? Sie deshalb nie die großen und kleinen Zusammenhänge ihrer Arbeit aus den Augen verlor? »Ohne Mehle, ohne Schrote – keine Brote« steht auf einem Schild im Mühlenladen. Vielleicht war es Glück, dass KonditorLehrstellen knapp waren, als die 46-Jährige die Schule beendete. Und sich entschied: dann also doch Müllerin. Denn was sollte sonst aus dem Familienbetrieb werden? IHRE GROSSELTERN GRÜNDEN die Mühle Steinmeyer. Seit dem 16. Jahrhundert steht am Stadtrand von Luckenwalde eine Bockwindmühle. 1923 brennt sie ab und eine elektrische Motormühle wird an ihrer Stelle errichtet. Ein nüchterner zweistöckiger Kasten, übern Hof steht das Wohnhaus, dazu Stall und Scheune. Die Müller wechseln oft, bis 1932 Marie und Georg Steinmeyer aus Bad Salzuflen kommen und bleiben. Von den fünf Kindern lernt später Winfried den Beruf und übernimmt den Betrieb. 13 Mühlen gab es einst in und um Luckenwalde, seine wird als einzige die Jahrzehnte überdauern, sogar die DDR mit ihrem Verstaatlichungszwang. »Wir lagen unter der Grenze von 1000 Tonnen im Jahr und durften ein Privatbetrieb bleiben. Manchmal ist es gut, klein zu sein«, sagt Karin Steinmeyer. Außerdem sei ihr Vater ein Kämpfer. Der sich nicht so schnell die Zügel aus der Hand nehmen

lässt. Bis zum Alter von 79 Jahren ist er Chef der Mühle, dann übergibt er an seine Tochter, die Müllermeisterin. Was nicht heißt, dass er heute, mit 82, die Füße stillhält. »Wenn jemand sein Leben lang jeden Tag in die Mühle gegangen ist, kann man ihm das nicht plötzlich verbieten.« Auch Karin wächst mit der Mühle auf. Führt manchmal ihre Freundinnen durch das geheimnisvolle Gebäude, in dem sich alles wie von Geisterhand bewegt, es überall rhythmisch rattert und klopft, sodass man sein eigenes Wort nicht versteht. Ein Haus mit steilen engen Stiegen, Klappen und Türen, Rohren, offenen Riemenantrieben. Alles aus Holz, bis heute, wenngleich immer wieder modernisiert wurde und die Mühle längst eine dritte Etage bekommen hat. Aber die ausgetretenen Treppenstufen, die durch Tausende Hände wie polierten Handläufe, die glatten Griffe der Sackkarren, 60 Jahre und älter, leicht gebogene hölzerne Hörner, die sich wie von selbst in die Hand des Arbeiters legen, all das erzählt von einem echten Traditionsbetrieb und dem ältesten Handwerk der Menschen. Immer schon galt es, das Korn aufzubrechen und zu vermahlen, um daraus Brot herzustellen. Der Prozess ist uralt, quetschen, sieben, mahlen, sieben, immer feiner. Der Müller mittendrin, ein Knochenjob mit viel Rennerei. Immer wieder flitzt Karin Steinmeyer hierhin und dorthin, treppauf, treppab. Und lacht. »Wir hatten hier noch nie einen dicken Müller!« Und doch gibt es mittendrin Momente mit einer gewissen Sinnlichkeit. Wenn sie eine Klappe öffnet, die Hand reinhält, in den Luftstrom, der das feine Mehl transportiert. »Ein schönes Gefühl. Kühl, zart«, sagt sie, und schüttelt

Die Motormühle wurde 1926 gebaut. Der ursprüngliche Innenausbau aus Holz erzählt von der Geschichte des Gebäudes.

» ALS KLEINER BETRIEB HABEN WIR DIE DDR ÜBERLEBT« KARIN STEINMEYER Müllermeisterin

POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT | 29


HANDWERK

Zwei feste und zwei freie Mitarbeiter beschäftigt die Mühle. Karin Steinmeyer selbst macht nach der Lehre 1997 ihren Meister, seit 2013 ist sie Geschäftsführerin. Sie ist eine kleine, aber kräftige Person, die überall zupackt. Aber sie ist auch viel unterwegs, beispielsweise bei Kunden. Das Mahlgut geht an kleine und mittelgroße Bäckereien, bis nach Berlin und Eberswalde. Ihre eigenen Mühlenprodukte, Mehle, Getreideflocken, Müslis und Backmischungen, werden in zwei Supermärkten in Luckenwalde und Bioläden, in Potsdam im Q-Regio-Laden und im Rosengut Langerwisch angeboten. Ein Biozertifikat gibt es nicht. Die Backmischungen kommen sowieso ohne Zusatzstoffe, Konservierungsmittel und Enzyme aus.

Am Walzstuhl. Alle halbe Stunde nimmt die Müllerin Proben und schaut, ob der Mahlgrad stimmt.

50 kg

wiegen die Säcke, meist Roggenmehl, für große Bäckereien

das Mehl von der Hand. Die Müllerin ist nie ohne Mehl an ihren Sachen. Es gehört zu ihr. Das Mahlgut geht immer wieder durch ihre Hände. Alle halbe Stunde etwa muss sie Proben nehmen, dazu öffnet sie die Walzenstühle, nimmt eine Handvoll und schaut, ob der Mahlgrad stimmt. Ob gut gesiebt wurde. Es kann schon mal vorkommen, dass eines der feinen Gazesiebe reißt. Wenn man das nicht merkt und das minderwertige Mehl ungeprüft ins Silo läuft, kann das eine ganze Charge verderben. Das darf nicht passieren. 15 TONNEN AM TAG können sie mahlen, das ist ganz ordentlich für einen kleinen Betrieb. Das Getreide stammt überwiegend von Bauern aus der Region. Zu 90 Prozent Roggen, Dinkel und Weizen wird vermahlen, Hafer gequetscht für Pferdefutter. Auch ein kleiner Futtermittelverkauf gehört zur Mühle. Die Haferquetsche von A. Wetzig aus den 1920er-Jahren ist die älteste Maschine. Und läuft. Noch viel älter ist ein Balken im Obergeschoss, der noch aus der alten Windmühle stammen soll und hier verbaut wurde. In den ersten Jahrzehnten stehen im Stall außer Schweinen auch Pferde. Die wurden noch bis Mitte der 1960er vor die Wagen gespannt. In der Mühle hängt ein Foto, das zwei Pferde an der Laderampe zeigt. »1964 bekamen wir unseren ersten Lkw«, sagt Karin. Von der Rampe musste das Getreide früher mühsam ins Obergeschoss transportiert werden. Heute geht das mit einer sogenannten Getreideschnecke, die alles maschinell befördert.

30 | POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT

WER DIREKT IM Mühlenladen einkauft, der sich auf ein paar Quadratmetern im Erdgeschoss der Mühle befindet, kann einen Eindruck vom Herstellungsprozess bekommen. Schon vor dem Haus spürt man den typischen, trocken-würzigen Mehlgeruch. Drinnen ist er überall. Mittendrin schleppt Karin Steinmeyer Säcke, füllt 25 oder 50 Kilogramm ab, verschließt sie mit einer kleinen mobilen Hand-Nähmaschine, klebt Etiketten, stellt Lieferungen zusammen. Dass sie hier arbeiten kann, war nicht selbstverständlich. Einige Jahre litt sie unter einer Weizenallergie. Sie begann mit Dinkel zu experimentieren, das zur Spezialität der Mühle wurde. Heute geht es ihr gut, sie musste, scheint es, mit der Mühle eins werden. Mittlerweile hat sie selbst eine große Tochter, die eines Tages den Betrieb übernehmen wird. Hoffentlich. »Es wär schade, wenn wir so sangund klanglos untergehen«, sagt die Müllerin. Lucia hat gerade ihr Abitur gemacht und studiert jetzt Agrar- und Gartenbauwissenschaften. Noch hält sie sich mit einer Willensbekundung zur Mühle etwas zurück. Aber sie fasst schon jetzt regelmäßig mit an. Das ist ein großer Vorteil der Familienbetriebe: dass alle mitmachen und auch manch ungezählte Arbeitsstunde geleistet wird. Der Fachkräftemangel macht ihnen zu schaffen. Sie könnten locker sofort einen Müller einstellen. »Aber die sind Mangelware und junge Leute«, sagt Lucia und lächelt, »studieren eben lieber.« Also macht der alte Steinmeyer nach wie vor seine Kontrollgänge durch die Mühle oder beantwortet das Telefon, während seine Tochter auf der Grünen Woche ihren Stand betreut. Dort bekommt sie mehr und mehr auch internationale Aufmerksamkeit. Das macht sie stolz. Sie hat die Marke Steinmeyer ein gutes Stück vorangebracht.


DAS WORT HAT...

VIELE UNGENUTZTE CHANCEN Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, DIERK HOMEYER, zieht eine Halbzeitbilanz rot-roter Wirtschaftspolitik TEXT Dierk Homeyer

FOTO privat

D

Unternehmensnachfolgestrategie ank guter Konjunktur in lässt weiter auf sich warten. Deutschland wächst unsere Wirtschaft wie lange Brandenburg gehört zur Hauptnicht mehr: Unternehmen haben stadtregion. In absehbarer Zeit volle Auftragsbücher, die Arbeitswird der neue Flughafen BER der losigkeit sinkt, Steuereinnahmen wirtschaftliche Motor für die gesprudeln. All das ist vor allem das samte Region, und zwar nicht nur Verdienst der zahlreichen Unterals Verkehrsknotenpunkt. Das Flugnehmer, Arbeiter, Selbstständigen, DIERK HOMEYER hafenumfeld ist bereits heute eine Landtagsabgeordneter Familien, all derer, die täglich früh Schnittstelle zu den internationalen seit 1994 und aufstehen, mutig anpacken und DinMärkten und damit ein Schlüsselort Mitglied im ge bewegen. Die rot-rote Landesmit erheblichem wirtschaftlichem Ausschuss Potenzial für das Umland. Um dieregierung ruht sich bräsig darauf für Wirtschaft ses Potenzial zu nutzen, bedarf es aus und verwaltet das Land, statt es mutig zu gestalten. Gleichzeitig einer gezielten, nachhaltigen und türmen sich die Aufgaben, deren Bewältigung in wertschöpfenden Ansiedlungspolitik. Das haben den nächsten Jahren über die Zukunftsfähigkeit SPD und Linke aber weder verstanden noch in unseres Landes entscheiden wird. Angriff genommen. Denn von einer weitsichtiBrandenburg ist ein Industrieland. Um seine gen, strategischen Planung für die UmfeldentAnziehungskraft für Unternehmenszentralen, wicklung des BER fehlt – auch zehn Jahre nach Zulieferer und Forschungseinrichtungen ent- Baubeginn – jede Spur. So werden schon heute falten zu können, braucht das Land flächen- Chancen von morgen verschenkt. deckende, leistungsstarke Breitbandnetze. Für Brandenburg ist ein Energieland. Als bedeuRot-Rot hat dieses Thema keine Priorität. Die tender Produzent und Exporteur von Energie ist Möglichkeiten des Bundesprogramms zum Brandenburg von der Energiewende besonders Breitbandausbau werden regelrecht verschlafen. stark betroffen. Die Landesregierung hetzt zwar Gerade einmal 22 Millionen Euro an Fördergel- seit Jahren den eigenen ehrgeizigen Zielen bei dern sind im aktuellen Haushaltsentwurf für die erneuerbaren Energien hinterher, ein konkreter nächsten zwei Jahre vorgesehen. Zum Vergleich: Zukunftsplan für die Braunkohleregion Lausitz Mecklenburg-Vorpommern plant bis Ende 2017 lässt jedoch weiter auf sich warten. Mal bekennt mit 265 Millionen. Statt Druck zu machen, steht man sich zur Braunkohle, mal will man das Thema Strukturwandel den Lausitzern selbst überRot-Rot auf der Datenleitung. Brandenburg ist ein Land des Mittelstandes. lassen. Statt sich proaktiv an die Spitze zu stelDie Unterstützung der kleinen und mittelstän- len, fährt Rot-Rot einfach weiter auf Sicht. Die dischen Unternehmen ist bei Rot-Rot nur ein Zukunft der Lausitz bleibt nach wie vor offen. Eine nachhaltige Wirtschaftspolitik erfordert Lippenbekenntnis. Denn die bisherige Politik der Landesregierung ist genau das Gegenteil strategische Weitsicht, politischen Mut und entdavon. Mit dem Vergabegesetz wurde ein Büro- scheidendes Handeln. Unsere Unternehmen kratiemonster geschaffen. Mikrokredite schre- brauchen eine Regierung, die ermöglicht und cken durch ein kompliziertes Antragsverfahren nicht bremst. Davon ist Brandenburg unter Rotmehr ab, als dass sie unterstützen. Die im Ko- Rot weit entfernt. alitionsvertrag angekündigte Gründungs- und www.dierk-homeyer.de POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT | 31


START-UP

Die zwei Gründer Leonhard Oschütz (l.) und Christian Guder (r.) mit CEO Anne Fischer.

LEGO 2.0 Wie KINEMATICS aus Bernau den Spielwarenmarkt revolutioniert TEXT Eva Schmid | FOTOS Sebastian Gabsch

S

chicke Fahrräder stehen im Eingang, dahinter ein Schaukasten mit Spielzeugen. Es riecht nach Pizza. So stellt man es sich bei einem Start-up vor. Kinematics mit Sitz in Bernau bietet das, wovon wohl viele Männer träumen: Tüfteln, Bauen, Spielen und damit Geld verdienen. Kinematics entwickelt Roboter für Kinder – intelligentes Lego. Der größte Spieler in dem erst drei Jahre alten Unternehmen ist der 33-jährige Leonhard Oschütz. Die Idee zu seiner Firma kam ihm während seines Studiums an der Bauhaus-Universität in Weimar. Der Produktdesigner hatte die Aufgabe, eine Wunschmaschine zu entwerfen.

32 | POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT

Entstanden ist der erste Tinkerbot. Ein leicht zu bedienender Roboter, der lernfähig ist, den man intuitiv steuern, und den man mit Legosteinen erweitern kann. Oschütz hat ein Spielzeug erfunden, das mitwächst. Kinder ab sechs Jahren können damit spielen, Jugendliche, selbst Familienväter basteln gerne daran herum. Für die Kollegen ist Oschütz Daniel Düsentrieb. AUCH WENN DAS UNTERNEHMEN mittlerweile einen Jahresumsatz von 400 000 Euro macht und 25 Mitarbeiter beschäftigt, war der Anfang schwer. Das Gründerteam – Oschütz, der Produktdesigner Christian Guder sowie der Wirt-


schaftswissenschaftler Matthias spielen könnten. Die anderen AnBürger, beide 36 Jahre alt – hielten bieter würden ihre Geräte erst ab zwölf Jahren freigeben. sich mit Preisgeldern über Wasser. Dank eines Prototypen und Patentanmeldungen hätten die Geldgeber DIE JÜNGSTEN SPIELER können überzeugt werden können. bei den Tinkerbots auf den PlayMit dem Startkapital konnte Knopf drücken und ihre selbstnicht nur das Büro ausgestattet gebaute Figur bewegt sich gemäß der Standard-Vorprogrammierung. werden, sondern auch der bunte » LEGOS Auf Knopfdruck kommt der RoboArbeitsplatz von Oschütz. Neben seinem Schreibtisch steht ein Holzter schneller oder langsamer voran. PATENT IST regal. Darin durchsichtige PlastikLANGE AUS- Auf dem Display des Powerbrains kisten mit bunten Bausteinen. Es ist auch ein Aufnahmeknopf. Wird GELAUFEN, sieht aus wie in einem Werkzeug– der gedrückt und die Figur bewegt, raum einer Kita. Neben den Kisten WIR HABEN dann merkt sich der Roboter die stehen Figuren, Autos, Kräne, SpinBewegung und führt sie aus. Ein EIGENE« nen, die zum Spaß der Belegschaft dritter Modus sieht vor, den Roboab und an durch das Büro marter per Smartphone-App zu steuANNE FISCHER schieren. Kommt Besuch vorbei, ern. »Jugendliche können zudem Geschäftsführung zeigt Oschütz gerne seine jüngste die Bewegungen ihres Roboters Kollektion, das Olympia-Team. Am liebsten lässt selbst programmieren«, so Fischer. Kinematics er Roboter Iwan Anabolikow Gewichte heben. entwickelte eine kindgerechte ProgrammierDer Gründer mit Brille und Karohemd ist kurz Software Gerade erst wurden mehrere Sets nach darauf schon wieder in seiner Welt versunken. Bangkok verschickt. Aus der ganzen Welt, vor Geschäftsführerin Fischer wurde auch des- allem aus Deutschland und den USA kommen halb eingestellt, um ihm den Rücken frei zu hal- die Bestellungen. Produziert werde in Deutschten. Kein Scherz: Demnächst soll er ein eigenes land, die Teile würden bei dem Bernauer StartSpielzeuglabor bekommen. Fünf Basismodelle up zusammengesetzt, verpackt und verschickt. gibt es bereits, jetzt wird an Ergänzungssets geUnd was sagt Lego dazu? Fischer schmunzelt. arbeitet. Die Roboter der Firma, die Tinkerbots, Wie es für große Unternehmen üblich sei, gab besitzen alle ein sogenanntes Powerbrain. Darin es anfangs mahnende Schreiben. »Aber Legos sind die Software und Elektronik, das Herzstück, Patent ist lange ausgelaufen, und wir haben eidas die Figur zum Leben erweckt. An das Po- gene.« Die junge Firma dürfe nun damit werben, werbrain können weitere Bauteile, wie Räder, dass ihre Roboter legokompatibel seien. WähSchwenkteile, Greifarme montiert werden. Lego- rend Lego dem Start-up den Rücken zukehrt, Adapter-Platten ermöglichen, dass Kinder beim sind andere Spieleproduzenten der Branche darBau der Roboter ihrer Fantasie freien Lauf las- an interessiert, Kinematics zu kaufen. Immerhin sen können. Die bunten Steinchen können nach wissen die Gründer, wie sie ihre Zielgruppe, Belieben drangesteckt werden. Ganz günstig online- und technikaffine Familienväter und ist der Spaß nicht: Ein Beginner-Set kostet 169 natürlich Kinder, ansprechen. Das MarkeEuro. Das größte Set, das auch Licht- und Ab- ting läuft über Produktvideos, die in sozialen standssensoren für die Roboter beinhaltet, liegt Netzwerken veröffentlicht werden. Mit bei rund 470 Euro. Nach erster Kritik, dass die manchen der Videos erreiche man Produkte zu teuer seien, arbeitet Kinematics fast sechs Millionen Nutzer. Viderzeit an günstigen Erweiterungssets. Die wer- rales Marketing sei das, sagt Fiden laut Fischer unter zehn Euro liegen. Zum scher und lächelt. »Wir wollen Weihnachtsgeschäft sollen die Roboter unter zum führenden Anbieter für anderem auch beim Versandhandel für Kinder- Roboter werden.« Verkaufen sachen Jako-o und bei real Online erhältlich sein. sei jetzt keine Option. Es ist kurz vor sieben Uhr ABER WAS UNTERSCHEIDET die Tinkerbots von abends, die Mitarbeiter nehRobotern, die Lego herstellt? Der Vorteil ge- men ihre Räder und radeln genüber dem Großkonzern oder anderen ver- heim. Nur Oschütz bleibt, er gleichbaren Roboter-Anbietern sei laut Fischer, tüftelt und spielt bis in die Nacht. dass Kinder ab sechs Jahren mit den Tinkerbots www.tinkerbots.de

AUSGEZEICHNET Kinematics hat für seine innovativen Roboter bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter der renommierte »if product design award« in diesem Jahr, 2014 den »Cebit Innovation Award« sowie eine Auszeichnung von Computer Bild für das Beste Produkt des Jahres 2015.

400 000 Euro Jahresumsatz macht das Start-up aus Bernau

POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT | 33


KALENDER

GUTE IDEE

ERFOLG:

ERFOLGSFILM TEXT Eva Schmid

T

rotz eines milGreenlight Analytics liardenschwewill mithilfe von Big ren jährlichen Data solche Nischen Umsatzes ist die automatisiert über Spielfilmindustrie ein Filmbewertungen von Risikogeschäft: Der Nutzer auf FilmporMarkt wird von wenitalen ermitteln und gen Kassenschlagern nischenspezifische dominiert, nur einem Modelle von FilmerJANNIS FUNK Bruchteil der produfolg entwickeln. Aus Konrad-Wolf-Alumni den Daten lassen sich zierten Filme gelingt es, das investierte Budget wieder zudem Infos über die Bekanntheit einzuspielen. Zur Risikoabschät- und Beliebtheit von Darstellern, zung verlassen sich Produzenten Regisseuren und vielem mehr entund Verleiher bisher in erster Linie nehmen. auf ihr Bauchgefühl und den Vergleich mit ähnlichen Filmen. Eine WER HAT’S ERFUNDEN? Ausgründung aus dem Umfeld der Die Idee dazu hatte Jannis Funk, der Potsdamer Filmuniversität Konrad zu dem Thema derzeit seine Doktorarbeit schreibt. Er hat gemeinWolf will das nun ändern. sam mit zwei Datenanalysten das WIE FUNKTIONIERT’S? Konzept für Greenlight Analytics Versuche, den Erfolg von Kinofil- entwickelt, darunter ein Absolvent men zu einem früheren Zeitpunkt des Hasso-Plattner-Instituts. vorherzusagen, scheiterten bisher an der fehlenden Datengrundlage WIE IST DER AKTUELLE STAND? sowie mangelndem Branchenver- Seit einem halben Jahr steckt das ständnis. Insbesondere vernach- Team in der Entwicklung. Fördelässigen existierende Modelle, dass rung gibt es durch ein einjähriges unterschiedliche Nischen von Fil- »Exist«-Stipendium. Der erste Promen unterschiedliche Zielgruppen totyp soll Anfang nächsten Jahres mit unterschiedlichen Bedürfnis- fertig sein. Greenlight Analytics sen haben. So sind die Erfolgsfak- sucht noch nach Kontakten zu potoren von Nische zu Nische auch tenziellen Investoren und Partnern. recht unterschiedlich. Das Start-up www.greenlightanalytics.de 34 | POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN WIRTSCHAFT

➤ 5. und 6.10. Intern. Technologieforum Konferenz für Forscher und Unternehmer zum Thema Diagnostik und Big Data Hasso-Plattner-Insitut, Potsdam, https://www.b2match.eu/technologyforum2016-diagnostics/

➤ 11.10. | 10 - 17.30 Uhr Brandenburger Handelstag Der Einzelhandel im digitalen Zeitalter – wie Unternehmen sich digital aufstellen sollten, mit vielen Praxisbeispielen IHK Potsdam, Breite Straße 2 a-c, www.ihk-potsdam.de

➤ 26.10. | 16 - 18 Uhr Unternehmensnachfolge Alles zum Thema Betriebsübergabe und viele Tipps für die Suche nach Nachfolgern für das eigene Unternehmen TGZ Belzig, Brücker Landstraße 22b, Bad Belzig, www.ihk-potsdam.de ANZEIGE

BERATUNGSTAG Mittwochs 12:00 – 17:00 Uhr Für: Existenzgründer, Unternehmer, Berater und Banken. Tel. Anmeldung unter 0331/649 63 0

Bürgschaftsbank Brandenburg GmbH Schwarzschildstraße 94, 14480 Potsdam

IMPRESSUM WIRTSCHAFT ERSCHEINUNGSTAG 23. September 2016 HERAUSGEBER Potsdamer Zeitungsverlagsgesellschaft GmbH & Co. KG POSTANSCHRIFT Platz der Einheit 14, 14467 Potsdam CHEFREDAKTION Sabine Schicketanz REDAKTION Eva Schmid ART DIREKTION Suse Grützmacher, Laura Holdack LAYOUT Christian Renner GESCHÄFTSFÜHRUNG Florian Kranefuß VERLAGSLEITUNG Janine Gronwald-Graner ANZEIGEN Ute Harder, Martina Vogel DRUCK Möller Druck und Verlag GmbH

FOTO privat GRAFIK Christian Renner

010000 01000011 0100 0011 00 11 01101000 011 1101 11 0100 01 000 00 0 01110010 0010 10 0110 01 1010 1001 10 01 01 01110011 0111 1100 11 0011 00 11 01110100 100 0 01101001 0110 01 1010 1001 10 01 01100001 011 1100 11 0000 00 001 00 1 01101110 1110 10 00100000 0010 00 1000 0000 00 00 01010010 010 1010 10 1001 10 010 01 0 01100101 0101 01 01 0110 01 1011 10 1110 11 10 011 01101110 1101 11 0111 01 110 11 0 01100101 0101 01 01110010 0111 01 1100 0010 00 10 01111000 011 1111 11 1100 11 000 00 0 01111000 1000 00

TERMINE IM OKTOBER


"'$

.'-,!$+

0.,!$+

    

   



       (074$0!(-#$-7'0$7$#0%-(11$7,(27/0.%$11(.-$++$073112 223-&73-#7 ,.#$0-$,7$1(&-7(,7$0$("'7.'-,!$+70.,!$+73-#7"'$- "'$-7/+ -$-75(07/ 11$-#7637'0$-7$!$-17(-0("'23-&173-# ."'&$5.'-'$(2$-7#$--7($75.++$-7'0$7"'$7+ -&%0(12(&7+($!$- (07, "'$-7'070.)$*276373-1$0$07$06$-11 "'$

' 0+.22$-120 $7

7.21# , 7 

7 7 7 (-%.,.0$5.+%#$




PNN Wirtschaftsbeilage Sept. und Okt. 2016  

Das Wirtschaftsmagazin von Potsdamer Neueste Nachrichten für September und Oktober 2016

PNN Wirtschaftsbeilage Sept. und Okt. 2016  

Das Wirtschaftsmagazin von Potsdamer Neueste Nachrichten für September und Oktober 2016