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START-UP

» WENN ES IN DEUTSCHLAND NICHT KLAPPT, WANDERN WIR IN DIE USA AUS « ROBERT NIEDL Gründer und Biotechnologe

Wollen loslegen: Alexander Anielski (v), Robert Niedl, Katja Richter und Nicole von Lipinski mit Mara (v.l.n.r.).

WASSERTEST, ERSTER SCHRITT. An dem betroffenen Wasserhahn wird die Flasche gefüllt und verschlossen. Im Deckel steckt das präparierte Testpapier

WASSERTEST, ZWEITER SCHRITT. Das Wasser läuft langsam durch den perforierten Deckel. Die Bakterien bleiben im Testpapier hängen.

Nicole von Lipinski kam als vierte zum Team, als Produktdesignerin bringt sie die Sicht der potenziellen Kunden mit. Damit das Produkt anwenderfreundlich wird. Über ein Exist-Gründerstipendium des Bundes finanzierten sie das erste Jahr. Jetzt läuft das Stipendium aus, Ende Mai ist Schluss. Sie suchen dringend neue Räume, um mit der Produktion zu beginnen. Mit der Investitionsbank des Landes Brandenburg sind sie über ein Beteiligungsinvestment im Gespräch, aber das Verfahren zieht sich. Wenn sich keine Investoren finden, müssten sie schlimmstenfalls aufgeben, das Projekt wäre dann gestorben. Vermutlich würde jemand anders hier weitermachen, denn die Entwicklung in der Branche ist nicht aufzuhalten. Aber trotz aller Hürden sind sie enthusiastisch und vom Erfolg ihrer Entwicklung überzeugt. Im Labor führt Robert Niedl vor, wie es funktioniert. Um beispielsweise Wasser auf Legionellen zu testen, wird am betreffenden Wasserhahn eine Flasche gefüllt, dann mit einem Deckel, in dem der Teststreifen aus Papier liegt, verschlossen. Die Flasche wird umgedreht, damit das Wasser langsam durch den perforierten Deckel läuft. Dabei bleiben eventuelle Keime im Testpapier hängen, verbinden sich mit den dort aufgebrachten Antikörpern und werden dadurch sichtbar. Anschließend wird das Papier im Auslesegerät analysiert. In wenigen Minuten steht fest, ob es Keime gibt. In einer zweiten Teststufe wird das Ergebnis mit einem internetfähigen Handy oder Rechner genauer analysiert, beispielsweise auf

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die Stärke des Befalls. Das Testergebnis wird archiviert und bei Bedarf den Behörden gemeldet – die dann sofort Maßnahmen ergreifen können. Der große Vorteil: »Man ist laborunabhängig. Der Test findet direkt am Wasserhahn statt.« Anwendungsgebiete gebe es viele. Der Wasserhahn zu Hause, im Krankenhaus, die Dusche bei der Oma, die sie aus gut gemeinter Sparsamkeit nur einmal in der Woche benutzt, sodass sich Keime ansiedeln könnten. Bei einer Havarie im Rohrnetz muss man nicht lange suchen, sondern kann den Befall schnell entdecken, eingrenzen und beheben. Damit das praktisch funktioniert, arbeiten sie mit dem behördlich zugelassenen Potsdamer Wasser- und Umweltlabor zusammen. Auch einen Salmonellen-Schnelltest haben sie entwickelt. Mit einem Papierschnipsel wischt man über Oberflächen und kann sofort erkennen, wenn man dabei Salmonellen erwischt hat. Ideal für den Küchentresen oder Kühlschrank in Kita oder Seniorenheim, sagt Niedl. Zuerst wollen sie auf den deutschen Markt. Mit einer Zertifizierung nach hohen deutschen Standards könnten sie dann internationale Kunden suchen. Denkbar ist eine Anwendung in Entwicklungsländern, wo es kein Wasserscreening gibt. Grundsätzlich könnten sie maßgeschneiderte Tests für alle möglichen Keime entwickeln. »Wenn man gleich zu Beginn einer Grippewelle feststellt, wer Virenträger ist, lässt sich die Epidemie vielleicht eindämmen«, sagt Niedl. Zunächst muss jedoch ein Investor gefunden werden. Sollte es in Deutschland nicht klappen, werden sie möglicherweise in die USA auswandern. Die Wirtschaftsförderung des Bundesstaats Michigan hat der Firma ein verlockendes Angebot gemacht. »Wir denken ernsthaft darüber nach«, sagt Niedl. Hierzubleiben wäre ihnen allerdings am liebsten. www.diamondinventics.de

PNN Wirtschaft Juni und Juli 2016  

Die Wirtschaftsbeilage der Potsdamer neuen Nachrichten für Potsdam und Brandenburg

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