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MACHER

zahlung auf Raten. So hatte der Jungunternehmer Luft, sein erstes Produkt zu entwickeln und auf den Markt zu bringen, ein Jahr nach der Gründung war es soweit: Desingers Celon AG verkaufte das erste Gerät, mit dem die so genannte bipolare Thermotherapie angewandt werden konnte. Abnehmer waren Praxen und Kliniken, erst nur in Deutschland, dann auch » NACH europa- und schließlich weltweit. Immer nach dem Prinzip der bipolaren TherMEINEM motherapie entwickelten Desinger und seine AUSSTIEG Kollegen mehrere medizinische Instrumente. WOLLTE ICH Nicht nur Tumore, die aus verschiedenen GrünMEIN LEBEN den nicht operativ entfernt werden können, lassen sich mit der heißen Nadel abtöten, auch zum BUNTER Beispiel im Hals-Nasen-Ohren-Bereich wird sie GESTALTEN « eingesetzt. So kann damit etwa das Schnarchen bekämpft werden. »Mit einer ganz feinen NaKAI DESINGER del werden mehrere Läsionen im Gaumensegel gesetzt«, erklärt Desinger das Verfahren. Der Körper erkennt diese »Wunden« und lässt das Gewebe vernarben, sodass sich das Gaumensegel strafft und – im Idealfall – nicht mehr für das nervtötende Schnarchgeräusch sorgt. Auch bei Menschen, die nur schwer durch die Nase atmen können, wird die Therapieform angewandt. Auch hier werden kleine Narben im Schwellkörper provoziert, sodass dieser etwas schrumpft. Das Prinzip funktionierte, Celon wuchs und wurde nach drei weiteren Finanzierungsrunden höchst profitabel. Irgendwann wurde der japanische Olympus-Konzern auf das Teltower Unternehmen aufmerksam und übernahm 2005 einen Großteil der Anteile – nur fünf Jahre nach der Firmengründung. Die Summe, die die Japaner bezahlten, will Desinger nicht nennen. Aber es sei ein Angebot gewesen, »das die Gesellschafter nicht ablehnen konnten«. Wie funktioniert das? Wie gründet man quasi ohne Startkapital ein Unternehmen, das dann auch noch erfolgreich ist? Als Desinger sich zu dem Schritt in die Selbstständigkeit entschied, wusste er es erst mal auch nicht. In einem Abendkurs bei der Industrie- und Handelskammer (IHK), den er vor seinem Ausstieg aus dem Laserzentrum dreimal die Woche nach der Arbeit besuchte, lernte er aber zuminJahre nach der Gründung wurde die Celon AG dest die Grundlagen der Finanzbuchfür ein Vielfaches haltung. »Ich habe mich eingelesen, verkauft mir angeschaut, wie das die anderen machen.« Hinzu kam, wie er selbst sagt, eine Mischung aus »Fleiß, Ehrgeiz und Motivation«. Und die Fähigkeit, mit Leuten umzugehen und zu verkaufen.

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NACH DEM DEAL mit Olympus blieb Desinger noch ein paar Jahre Mitglied des Vorstandes bei Celon, 2009 stieg er aus. »Es hat mir Spaß gemacht und ich habe viel gelernt«, sagt er. »Aber ich habe gemerkt, dass ich kein Konzern-Mensch bin. Ich wollte einfach einen Break.« Und mehr Zeit für seine Familie – Desinger war mittlerweile Vater geworden. Dass Zeitmangel Gift für das Privatleben sein kann, hatte er in der Zeit der Firmengründung erfahren: Ein Jahr nach der Gründung der AG war seine Freundin weg, »verständlicherweise«, wie Desinger heute sagt. »Ich kam abends erst um zehn nach Hause und hatte dann den Kopf voller Arbeit«, sagt er. Aber so musste es eben sein, es sei ein »window of opportunity« gewesen, das er nutzen wollte. »Und ich habe das Ganze natürlich sehr ernst genommen. Viele Leute haben mir vertraut, mir Geld gegeben.« Heute sagt er jungen Menschen, die eine Firma gründen wollen: »Du darfst weder gerade Papa geworden noch frisch verliebt sein, wenn du ein Unternehmen gründen willst. Das funktioniert einfach nicht.« Nach seinem Ausstieg aus der Celon AG genoss Desinger eine Zeitlang »den Bremsweg«. Doch lange stillhalten konnte er nicht, bald suchte er nach etwas Neuem. »Naheliegend

PNN Wirtschaft Juni und Juli 2016  

Die Wirtschaftsbeilage der Potsdamer neuen Nachrichten für Potsdam und Brandenburg

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