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Festschrift

zum 50-jährigen Jubiläum des FSD-FSJ e. V. im Erzbistum Köln


Herausgeber: Freiwillige Soziale Dienste – FSJ e. V. im E­ rzbistum Köln, Steinfelder Gasse 20–22, 50670 Köln, ­Telefon: 0221 1642‑6213, Fax: 0221 1642‑6849, E-Mail: info@fsj-koeln.de, Internet: www.fsj-koeln.de p Redak‑ tion: Christoph Herwartz (ch), Dirk Bingener (V. i. S. d. P.) p ­Layout: Thomas Jakobi, www.partout.info p Druck: ­Schöttler-Druck, Ratingen p Auflage: 2 200

„Alles was du hast, rung einer qualitativ hochwerti‑ hast du von einem gen Begleitung der Freiwilligen anderen, alles was und vieles mehr. Mit dieser kleinen Festschrift du bist, bist du für einen anderen.“ So wollen wir nun anlässlich unse‑ oder so ähnlich res Jubiläums zunächst einmal singt Hermann van auf die schauen, die dem FSJ ihr Veen in einem sei‑ Gesicht geben und denen es für ner Lieder. Und es stimmt, dass ihren Einsatz zu danken gilt: den alles, was den FSD-FSJ e. V. im Freiwilligen, den Teamerinnen und Erzbistum heute ausmacht, in Teamern, den Verantwortlichen in den vergangenen fünf Jahrzehn‑ den Einsatzstellen und nicht zu‑ ten gewachsen ist. Dass wir also letzt den Damen in unserer Ge‑ von der Erfahrung der FSJlerinnen schäftsstelle. Ich persönlich freue mich sehr und FSJler und deren Begleitung selber viel gelernt haben. Nicht über das 50-jährige Jubiläum des umsonst stehen heute die Freiwil‑ FSD-FSJ e. V. und wünsche mir, ligendienste in Politik und Gesell‑ dass auch weiterhin bei uns deut‑ schaft hoch im Kurs. Und so wie in lich werden kann: „Alles was du der Vergangenheit stehen große hast, hast du von einem anderen, Herausforderungen an: die Wei‑ alles was du bist, bist du für einen terentwicklung des Bildungskon‑ anderen.“ zeptes im FSJ inkl. den Fragen reli‑ giöser Bildung, die Integration von benachteiligten Jugendlichen oder Jugendlichen mit Zuwan‑ Pfr. Dirk Bingener derungsgeschichte, die Absiche‑ 1. Vorsitzender


Vor 50 Jahren be‑ gann mit der „Ar‑ beitsgemeinschaft Jahr für den Nächs‑ ten“ die kleine Erfolgs‑ geschichte des FSJ im Erzbistum Köln. Die Cari‑ tas ist Träger und Förde‑ rer dieses Engagements. So konnten in den letzen 50 Jahren nicht nur 5 000 Jugendliche aktiv wer‑ den, sondern auch 5 000 mal X Menschen durch die Hilfsbereitschaft der FSJler und ihre menschliche Wärme Freude und Unterstützung im Alltag erfah‑ ren. Dabei ist es ein besonderes Anliegen der Ca‑ ritas, Jugendlichen über das FSJ eine Chance der persönlichen Entwicklung zu eröffnen. Sie müssen nur das Herz auf dem rechten Fleck haben. Caritative Dienste und Einrichtungen sind dank‑ bar für die tatkräftige Unterstützung im Arbeitsalltag. Hier spielen die Freiwilligen eine nicht mehr wegzu‑ denkende Rolle. Und für junge Leute bietet ein FSJ ein ideales Lernfeld, um herauszufinden, ob eine künftige Ausbildung in einem sozialen Beruf zu den eigenen Vorstellungen von einem Leben in einer so‑ lidarischen Gesellschaft passt. Auf jeden Fall gehört das FSJ für die Caritas auch künftig dazu. Mit größter Wertschätzung für die geleisteten Dienste danke ich allen am FSJ Mitwirkenden! Herzlich Ihr

Dr. Frank Joh. Hensel

Unter dem Motto „5 000mal Danke!“ fei‑ ern Sie das 50-jährige Jubiläum der Frei‑ willigen Sozialen Dienste – FSJ e. V. im Erzbistum Köln. Sie machen so darauf aufmerksam, dass in den vergange‑ nen fünf Jahrzehnten annähernd 5 000 junge Menschen ein Jahr im Dienst für den Nächsten geleistet haben. Diesem Dank möchte ich mich gerne anschlie‑ ßen und zunächst allen Freiwilligen danken, die sich um Kinder und Ju‑ gendliche, behinderte, kranke und alte Menschen in den verschiedensten Ein‑ richtungen unseres Erzbistums gesorgt haben. Mein Dank gilt darüber hinaus al‑ len, die den Einsatz dieser jungen Men‑ schen begleitet haben. Nur so konnten die Freiwilligen sich in ihrer Persönlichkeit weiterentwickeln und ihr bürgerschaftli‑ ches Engagement als Ausdruck geleb‑ ten Glaubens erfahren. Kardinal Frings rief 1960, im Jahr des Eucharistischen Kongresses in Mün‑ chen, erstmalig die Frauenjugend des Erzbistums Köln zu einem Jahr für die Kirche auf und unterstützte im gleichen Jahr die Gründung Ihres Vereins. Nach‑ drücklich wies er auf den Zusammen‑ hang von Eucharistie und Caritas, von Gottesdienst und Nächstendienst hin. Er betonte, dass im Leben der Kirche Gottesund Nächstenliebe so eng aufeinander bezogen sind wie im Abendmahlssaal

die Einsetzung der Eucharistie und die Fuß‑ waschung. Besonders in Ihrem Be‑ mühen, nun auch benach‑ teiligten Jugendlichen ein FSJ zu ermög‑ lichen, und mit dem erst seit kurzem etablierten entwicklungspoltischen Frei‑ willigendienst „weltwärts“ künden Sie in besonderer Weise von der Liebe Gottes zu allen Menschen. Schließlich danke ich für die Hilfe von über 200 Freiwilligen, die im Jahr 2005 beim Weltjugendtag in Köln als Volunteers eingesetzt waren. Auch durch ihren Einsatz konnte der Weltjugendtag zu einem großen Fest des Glaubens werden. So beglückwünsche ich die Freiwilli‑ gen Sozialen Dienste – FSJ e. V. im Erzbis‑ tum Köln zu ihrem 50-jährigen Jubiläum. Indem ich Ihnen allen für Gegen‑ wart und Zukunft Gottes Segen wün‑ sche, verbleibe ich mit Herzlichen Grüßen Ihr

+ Joachim Kardinal Meisner Erzbischof von Köln


Du lernst fürs Leben!  D ie Bildungsa r b eit im FSJ Jugendliche im Freiwilligen Sozialen Jahr wer‑ den neben ihrer täglichen praktischen Arbeit in den sozialen Einrichtungen von uns päda‑ gogisch begleitet. Die Ziele der pädagogi‑ schen Begleitung sind die Persönlichkeit der Jugend‑ lichen zu stärken, soziale Kompetenzen in der Grup‑ pe zu fördern, die Fähigkeit auch über den eigenen Tel‑ lerrand hinaus schauen zu können und in ge‑ sellschaftlichen Zusammenhängen denken zu lernen, die Jugendlichen an Mitbestimmung heranzuführen, Glauben erlebbar zu machen und berufliche Orientierung zu geben. Um diese Ziele zu erreichen werden die Frei‑ willigen von vier Bildungsreferentinnen über das Jahr begleitet. Herzstück dieser päda‑ gogischen Arbeit sind die fünf Bildungswo‑ chen. In dieser Zeit ist Lernen anders mög‑ lich als in der Schule. Die Jugendlichen sollen durch eine große Methodenvielfalt Spaß haben Themen zu bearbeiten. Wichti‑ ger aber noch ist, dass sie lernen sich selbst zu reflektieren, eigene Meinungen zu bilden, sich trauen ihre Meinung zu vertreten und auch lernen Verantwortung zu überneh‑ men, Verantwortung für sich, für eine Grup‑ pe und für die Gesellschaft.

Häufig ist es gerade der unangenehme Weg, bei dem die Heranwachsenden viel lernen. Mal gibt es Streit in der Einrichtung, mal sind die Ar‑ beitsbedingungen nicht zu‑ frieden stellend und mal ist die Arbeit auch zu belas‑ tend. In diesen Fällen sucht die Bildungsreferentin ge‑ meinsam mit der/dem Frei‑ willigen das Gespräch mit dem Fachanleiter vor Ort. Und nicht selten wandelt sich die anfängliche Skepsis der Freiwilligen in Zuversicht. Und schon bald ist klar: Das Ge‑ spräch hat sich gelohnt, die Situation hat sich zum Positiven verändert. Jugendliche können hier erfahren, dass sie durch Ansprechen einer Situation diese verändern können. Den Kopf in den Sand zu stecken bringt nicht weiter, die kon‑ krete Auseinandersetzung dagegen schon. Nicht wenige Jugendliche sagen in ihrem Ab‑ schlussgespräch: „Ich bin viel Selbstbewusster geworden“, „Das Jahr war bisher das sinnvolls‑ te Jahr in meinem Leben“ oder „Vielen Dank für das Jahr, jetzt weiß ich endlich was ich will und wo ich in meinem Leben hin möchte.“

Stefanie Kaule, Bildungsreferentin


Geschichtlicher Überblick Von 1958 bis 2010

der Beethovenhalle, an der auch Wilhelmi‑ ne Lübke, die Frau des Bundespräsidenten teilnimmt.

1967

Änderung des Vereinsna‑ mens in Arbeitsgemeinschaft „Jahr für den Nächsten“ e. V. der Frauenju‑ gend im Erzbistum Köln

1958

Der Bund der Deutschen Ka‑ tholischen Jugend (BDKJ) ruft zur Aktion „Jugend hilft Jugend“ auf. Ers‑ te Erfahrungen mit einem längerfristigen so‑ zialen Dienst werden gemacht.

1960

Im März ruft Kardinal Frings die Frauenjugend des Erzbis‑ tums Köln zu einem „Jahr für die Kirche“ auf. Am 19.5. Gründung der Arbeitsgemeinschaft „Ein Jahr für die Kirche“ der Frauenjugend im Erzbistum Köln e. V. Ziel ist die Absicherung des sozialen Dienstes. Dem Verein gehören VertreterInnen der BDKJ-Frauenjugend sowie des Diözesan-Caritasverbandes an.

1964

Im August Verabschiedung eines Gesetzes zur rechtli‑ chen Absicherung des FSJ. Feierliche Aus‑ sendung der „JAKIS“ (Frauen, die das „Jahr für die Kirche“ machen) durch Kardinal Frings

1965

Aussendungsfeier mit an‑ schließendem Festakt in

Anfang der 70iger Jahre Entwicklung eines Wer‑ bekonzeptes, um der Abnahme der Teilneh‑ merInnenanzahl entgegenzuwirken. Gewor‑ ben wird mit „Intertat – statt vieler Worte eine Tat“

tenden Bildungsveranstaltungen insbeson‑ dere mit der Diözese Aachen

1976

Weiterführung des FSJ auf Bistumsebene mit einer Ge‑ schäftsstelle im Diözesan-Caritasverband und einer Geschäftsstelle in der Jugendseelsorge

1980

bis 1985 großer Anstieg der TeilnehmerInnenzahlen auf‑ grund von fehlenden Studienplätzen

1972

Aufgrund verschiedener Schwierigkeiten (fehlendes Interesse, mangelnde geeignete Einsatzstel‑ len, persönliche Schwierigkeiten der teilneh‑ menden Jugendlichen) wird kein FSJ auf Bis‑ tumsebene durchgeführt.

1973

bis 1975 Kooperation mit al‑ len nordrheinwestfälischen Bistümern bei der Durchführung der beglei‑

1984

Namensänderung: Aus dem Vereinsnamen wird Frauen‑ jugend herausgenommen. Der Verein heißt nun „Jahr für den Nächsten“ e. V.

1985

Feier zum 25. Jahrestag des FSJ-Gesetzes mit einer Podi‑ umsdiskussion zum Thema: „Hat das FSJ so noch Zukunft?“, Themen sind u. a. die Einfüh‑ rung eines Pflichtjahres für Mädchen sowie der Versuch, das FSJ als Mittel zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zu missbrauchen.


1990

Feier des 30-jährigen Beste‑ hens, Thema des Festvortrages „Das Freiwillige Soziale Jahr – eine Gegenwelt?“

Bereich, Offene Türen, Kindergarten, Einsätze in Europa und Zielgruppe Hauptschüler.

1998

Die Bundesebene verab‑ schiedet die „Positionen und Perspektiven zum Freiwilligen Sozialen Jahr in katholischer Trägerschaft“. Einführung von Mindeststandards für die Bildungsarbeit

1991

Zusammenlegung der beiden Geschäftsstellen zu einer Ge‑ schäftsstelle mit Sitz im Generalvikariat. Das Erzbistum Köln tritt in die Trägerschaft ein. Der erste Einführungstag für neue Freiwillige findet statt. Von nun an werden sie immer zu Beginn des FSJ durchgeführt.

1992

Novellierung des Gesetzes; ne‑ ben dem Freiwilligen Sozialen Jahr regelt das Gesetz auch das Freiwillige Öko‑ logische Jahr. Umzug der Geschäftsstelle in das Verbändehaus in der Steinfelder Gasse in Köln

1997

Die Geschäftsstelle wird neu strukturiert. Es wird eine Stel‑ le für geschäftsführende Arbeiten und eine Stelle für die Bildungsarbeit geschaffen. Der Vorstand befasst sich mit neuen Einsatzberei‑ chen und innovativen Projekten: Ambulanter

2000 2001

Der Verein erhält eine Home‑ page www.fsj-koeln.de.

Einführung eines FSJ für einen Zeitraum von 6 Mo‑ naten. Fest zum 40-jährigen Bestehens des Vereins mit einem Festvortrag von Prof. Dr. Heiner Keupp zum Thema „Lernen im Frei‑ willigen Engagement: Schlüsselqualifikatio‑ nen für die Zivilgesellschaft“.

2002

Novellierung des Gesetzes zur Förderung eines Freiwilligen sozialen Jahres. Erstellung eines Bildungskon‑ zeptes. Es wird ein Leitbildprozess durchgeführt.

2003

Die Mitgliederversamm‑ lung entscheidet, dass der Verein einen neuen Namen erhält: „Freiwilli‑ ge Soziale Dienste – FSJ im Erzbistum Köln e. V.“. Der Verein bekommt die Anerkennung für die Durchführung von Auslandseinsätzen. Die ersten Einsätze sind in Litauen, BosnienHerzegowina und USA.

2005

138 Freiwillige aus aller Welt machen beim Weltju‑ gendtag ein Freiwilliges Soziales Jahr.

2006

In der Bildungsarbeit wird das Gruppensprechermo‑ dell eingeführt. In jeder Kursgruppe werden zwei GruppensprecherInnen gewählt.

2007

Für Jugendliche mit erhöh‑ tem Förderbedarf wird das Modellprojekt „FSJ plus“ gestartet

2008

Beteiligung am entwick‑ lungspolitischen Freiwil‑ ligendienst „weltwärts“. Die ersten Einsätze finden statt in Brasilien, Thailand und Argen‑ tinien.

2010

Der FSD feiert sein 50-jäh‑ riges Bestehen und ist mit mehr als 350 Freiwilligen einer der größten FSJ-Träger im Rheinland.


Aktiv im FSJ

F  r eiwillige, An leiter, Te am er Selbstbewusstsein fürs Leben

gestorben, die ich kannte. Einen hatte ich am selben Morgen noch bedient. Täglich sehe ich mit an, wie Drogen das ganze Leben zerstören können. Aber das ist nicht das Einzige, was ich hier gelernt habe. Ich glaube, durch die Arbeit hier werde ich mein ganzes Leben lang selbst‑ bewusster sein. Ein supermotiviertes Volk

Justine Frangenberg, 19, arbeitet in einer Kontaktstelle für Drogenabhängige

Wer hier in die Kontaktstelle kommt, sucht einen warmen und sauberen Platz, an dem er sich sei‑ ne Spritze setzten kann. Der Konsumraum wird regelmäßig desinfiziert, man bekommt hier fri‑ sche Einwegspritzen und im Notfall wird ein Arzt geholt. All das macht es den Klienten leichter, mit ihrer Sucht zu leben. Bis zu hundert Men‑ schen kommen am Tag hier rein, viele kenne ich jetzt mit Namen. Ich unterhalte mich viel mit ihnen, sie erzählen mir von ihrem Alltag, der sich häufig auf der Straße abspielt. Den Drogenab‑ hängigen so nahe zu sein, war für mich am An‑ fang sehr schwer. Das Team hilft mir, mit diesen Erfahrungen zurechtzukommen. Wir können hier über alles reden. Doch auch jetzt noch be‑ lastet mich, was ich hier täglich sehe und er‑ zählt bekomme. Schon drei Mal sind Klienten

und es hilft ihnen, ihre Ängste zu überwinden und sich selbst etwas zuzumuten. Wir sehen sie nicht als billige Arbeitskräfte, sondern zum ei‑ nen als wichtige Ideengeber. Das ist ein super‑ motiviertes Volk, das uns vor unserer eigenen Be‑ triebsblindheit schützt. Außerdem sind sie selbst Menschen, die eine gute Begleitung verdient ha‑ ben. Wir versuchen, das zu bieten. Am Anfang macht hier niemand etwas alleine, aber später bringen sich die Freiwilligen mit ihren eigenen Fähigkeiten und Ideen ein und machen eige‑ ne Angebote. So mancher beschließt am Ende, Heilpädagogik zu studieren. Und richtig schlecht war hier eigentlich noch keiner. An was glaubt ihr?

Thomas Petry, 49, leitet eine Abteilung in einer Behindertenwerkstatt

Seit 14 Jahre arbeite ich hier und betreue genau so lange FSJlerInnen. Viele sind am Anfang et‑ was überfordert von der neuen Situation, aber nach einigen Wochen merken sie, was für eine tolle Arbeit das ist. Das liegt auch am Feedback unserer Mitarbeiter mit Behinderung. Es gibt nichts Ehrlicheres als diese Menschen. Wenn die sagen: „Schön, dass du da bist“, meinen sie das auch genau so. Die Freiwilligen merken das

Tobias BUSCHE, 29, IST Theologe und leitet ­Freiwilligenseminare

Neben den ganzen Querschnittsthemen die vom FSD für die Bildungsarbeit vorgesehen


sind, finde ich den der religiösen Bildung be‑ sonders spannend. Der Begriff ist so weit ge‑ fasst, dass die Inhalte von Gottesdiensten über Besuche von verschiedenen Gotteshäu‑ sern bis zur Meditation reichen können. Mei‑ nes Erachtens sollte das Hauptziel der religi‑ ösen Bildung darin bestehen, dass sich die Freiwilligen mit der Frage auseinandersetzen, an wen oder was sie glauben, bzw. was sie hindert an Gott zu glauben. Hier ist ein Blick in die Herkunftsfamilie immer sehr spannend, da dort häufig der Grundstein für Glauben oder Nicht-Glauben gelegt wurde. Als weiteren Schritt finde ich es wichtig zu schauen, was dieser (nicht) vorhandene Glaube für eine Bedeutung für mein Leben hier und heute hat: Macht mich das Nicht‑ glauben frei von der Angst vor einer Stra‑ fe nach dem Tod oder ist im Gegenteil der Glaube eine Kraft gebende Macht die mir Hoffnung gibt? Unabhängig vom Glauben der Freiwilligen ist es meiner Meinung nach von Bedeutung, dass sie in dem Seminar die Möglichkeit ha‑ ben, zur Ruhe zu kommen und darauf zu hö‑ ren, was sie im Moment bewegt. Bei dieser ganzen religiösen Bildung ist der christliche Glaube hierbei immer eine Ant‑ wortmöglichkeit. Doch nicht die Vermittlung des katholischen Glaubens steht im Vorder‑ grund, sondern die Begleitung der Freiwilli‑ gen bei ihrer eigenen Glaubens­gestaltung.

Ich kann keine Bitten abschlagen

hat mich anfangs sehr belastet, mit meiner Be‑ treuerin darüber zu reden hat geholfen. Letzt‑ lich ist der Tod ja das Natürlichste, was es gibt. Das Beste, was mir passieren konnte

Tobias Böhm, 17, arbeitet in einem Altenheim

Ich muss auch mal „nein“ sagen, nicht immer nur „ja“. Wenn eine Bewohnerin nur mal eben einen Gefallen möchte, habe ich das früher im‑ mer direkt getan, obwohl ich eigentlich eine an‑ dere Arbeit hatte. Es ist einfach sehr schön, dass sich die alten Leute freuen, wenn ich sie zum Es‑ sen, zum Frisör oder zur Massage bringe. Wenn von meinen Kollegen jemand krank ist, kann es sehr stressig werden. Das ist schade, weil ich mir gerne mehr Zeit nehmen würde aber nur von Bewohner zu Bewohner hetze. Wir unterhalten uns dabei trotzdem über alles Mögliche. Und wenn ich mal ein paar Tage nicht da war, fragen sie, wo ich war und ob es mir gut geht. Da kann ich ihnen nur schwer eine Bitte abschlagen. Eine schwierige Situation ist es immer, wenn jemand stirbt. Manchmal haben wir uns am Tag zuvor noch gut unterhalten. So etwas

Kevin Voigt, 18, begleitet einen schwer behinderten Jungen in der Schule

Drei Wochen hat es gedauert, bis Martin* zum ersten Mal laut und vergnügt rief, als er mich morgens sah. Seitdem freut er sich immer, wenn wir uns treffen. Ich wickle ihn und reiche ihm das Essen an, wir spielen und kuscheln. Er stellt auch viel Unfug an, mittlerweile erkenne ich das vorher an seinem Grinsen. Ich merke, wie er meine Aufmerksamkeit genießt. Wenn man genau hinsieht, erkennt man Fortschritte in Martins Entwicklung. Er ist ruhiger geworden und kann selbstständiger stehen. Auch ich habe mich verändert. Ich lerne extrem viel dazu, bei der Arbeit und in den * Name geändert


Seminaren. Ich bin erwachsener geworden und weiß jetzt, dass ich Heilerziehungspfleger werden möchte. Mit Martins früherem Beglei‑ ter verstehe ich mich sehr gut. Ich hoffe, dass auch mein Nachfolger die Arbeit mit ihm zu schätzen weiß. Martin ist das Beste, was mir passieren konnte. Der Anfang war nicht leicht

Das dauert. Dafür ist die Freude dann umso größer, wenn sie er verstanden haben. Die Behinderungen, mit denen ich zu tun habe, sind sehr unterschiedlich, jedes Kind braucht seine eigene Herangehensweise. Das macht die Sache spannend. Mittlerweile glaube ich, dass es kein Kind gibt, mit dem ich gar nicht arbeiten könnte. In den FSJ-Seminaren habe ich auch von vie‑ len anderen interessanten Berufen gehört, von denen ich vorher nichts wusste. Ich will trotz‑ dem Lehrerin an einer Schule wie dieser hier werden. Eigentlich will ich gar nicht erst weg. Dem Jahr einen Sinn geben

Romina Sawatzki, 18, arbeitet in einer ­Schule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung

Für mich war eigentlich klar, dass ich einen sozialen Beruf lernen will. Trotzdem woll‑ te ich noch mal ausprobieren, ob ich wirk‑ lich dafür geeignet bin. Ich muss hier viel wi‑ ckeln und am Anfang ist es nicht leicht so viel Geduld mit den Kindern zu haben. Din‑ ge, über die ich vorher nie nachgedacht ha‑ be, muss ich den Schülerinnen und Schü‑ lern hier immer und immer wieder erklären.

Hans-Dieter Steguweit, 21, ARBEITET IM KINDERDORF Bethel in Villa Allende, Argentinien.

Im 2. Semester kam überraschend mein Ein‑ berufungsbescheid und zunächst war ich sehr frustriert darüber, dass ich mein Studi‑

um unterbrechen musste. Durch meine Ju‑ gendarbeit in Köln stieß ich auf die Freiwilli‑ gen Sozialen Dienste des Erzbistum Kölns. Ich fand ein Projekt in Argentinien, das mich überzeugte und von dem ich dachte, dass es dem Jahr am meisten Sinn geben würde. Ich landete bei einem Kinderdorf mit über 300 Bewohnern. Die meisten von ihnen sind Sozialwaisen. Die Arbeit hier macht großen Spaß, da es sich stets um gemeinschaftliche und abwechslungsreiche Aufgaben handelt: Wir streichen, putzen, schleppen, besorgen, re‑ parieren und bauen zusammen. Selbst wenn wir auf einem LKW sitzend die Mülltonen der ein‑ zelnen Häuser einsammeln und auf die Kippe fahren oder Holz im Wald sägen, um es später auf dem Hof klein zu hacken, ist die Arbeit an‑ genehm, da man sie stets zusammen erledigt. Ein weiterer Aufgabenbereich ist die Hilfestel‑ lung für die behinderten Mädchen und Jungen, die in einem gesonderten Haus leben. Sie wer‑ den von uns gewickelt und gefüttert. Selbst die‑ se Arbeit macht mir überraschend viel Spaß. Am meisten freue ich mich, wenn ich es schaffe die Jungs zum Lachen zu bringen. Insgesamt habe ich unter der Woche ei‑ nen langen Tag, den ich aber nur selten als anstrengend empfinde, weil ich vieles freiwil‑ lig tue. Es tut gut zu wissen, dass keiner auf die Anzahl der Arbeitstunden achtet, sondern du genau das machen kannst was dir Spaß macht. Und mir macht es Spaß!


Damit es rund läuft

D ie M ita r b eiter in n en d er Geschäf tsstelle Inga Baur ist als Ver‑ waltungsangestellte zu‑ ständig für die Einstel‑ lung der Freiwilligen. Der erste Kontakt läuft häufig über sie. Dann beantwortet die geduldig alle Fragen mögli‑ cher BewerberInnen.

Stefanie Kaule orga‑ nisiert als Bildungsrefe‑ rentin die Seminare der Freiwilligen und beglei‑ tet sie in ihrer Arbeit. Die Leitung der Seminare ist Sache der Teamer, die von Stefanie Kaule da‑ zu eingestellt und begleitet werden.

Gertrud Beckfeld ist die Geschäf tsführe ‑ rin des Vereins. Sie ak‑ quiriert neue Einsatz‑ stellen, hält Kontakte auf Leit un gseb en e und gestaltet die Verträge mit den Freiwil‑ ligen. Außerdem steuert sie die Verwaltung und ist für die Finanzen zuständig. Beson‑ dere Herausforderungen ergeben sich da‑ bei, wenn die Rahmengesetze geändert oder neue Freiwilligenprogramme aufge‑ legt werden.

Petra Leyendecker ist als Verwaltungsan‑ gestellte für die Buch‑ haltung zuständig und leitet das Sekretariat für Vorstand und Ge‑ schäftsführung. Alle Themen rund um’s Geld laufen über ihren Schreibtisch.

Ruth Gentzsch ist die Verwaltungsangestellte für den Bildungsbereich und organisiert darum alles rund um die Semi‑ nare wie zum Beispiel die Buchung der Seminarräume für rund 70 Seminare im Jahr.

Kerstin Mahkorn ist als Bildungsreferentin Be‑ gleiterin der Freiwilligen während ihres Freiwilli‑ genjahres. Sie organi‑ siert die Seminare und schaut bei Problemen in der Einsatzstelle vor‑ bei. Als „weltwärts“-Beauftragte kann das auch schon einmal eine weite Reise bedeuten.

Martina Neumann ist als Bildungsreferentin für Begleitung und Be‑ treuung der Freiwilligen verantwortlich. Sie or‑ ganisiert die Seminare und hält Kontakt zu den Verantwortlichen in den Einsatzstellen. Außerdem organisiert sie Auftritte auf Messen und Berufs-InformationsVeranstaltungen. Heidi Schöpper regelt als Verwaltungsange‑ stellte die Personalange‑ legenheiten sobald die Freiwilligen ihren Vertrag unterschrieben haben. Dann geht es häufig um Fragen der Sozialver‑ sicherung, aber auch sonst hat die gelernte Sozialarbeiterin immer ein offenes Ohr. Katrin Siebelt betreut wie die anderen Bil‑ dungsreferentinnen Freiwillige in ihrem FSJ und ist dabei auch für die Gruppe „FSJ plus“ zuständig. Dieses Projekt ermöglicht eine in‑ tensivere Begleitung der Freiwilligen.


Wie viel Geld bekomme ich im FSJ? Brauche ich eine Lohnsteuerkarte? Was hat es mit den Seminaren auf sich? – Die Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt es auf www.fsj-koeln.de. Außerdem gibt es Fo‑ tos von den Seminaren und alle Infos zur Bewerbung. Freiwillige Soziale Dienste – FSJ im Erzbistum Köln e. V., Steinfelder Gasse 20–22, 50670 Köln, Telefon 0221/1642-6839, Montag–Donnerstag von 9.00–12.00 Uhr und von 14.00–16.00 Uhr, Freitag von 9.00–13.00 Uhr

Bund der Deutschen Katholischen Jugend im Erzbistum Köln

Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e. V.

Erzbistum Köln

5tausend mal Danke - 5zig Jahre  

Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum des FSD -FSJ e. V. im Erzbistum Köln