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ennundteh Magazin des BDKJ Erzdiözese Köln

Juli | 2.2012 | 26. Jahrgang

Kunst & Kopie

Das Urheberrecht in digitalen Zeiten

Kinder schützen

Prävention in den Jugendverbänden

Kritische Fragen

Im Dialog mit der Kirche


inhaltundimpressum

bdkjundmitgliedsverbände BDKJ-Diözesanverband Köln Steinfelder Gasse 20–22, 50670 Köln Fon: 0221 1642‑6316, Fax: 0221 1642‑6613 info@bdkj-dv-koeln.de www.bdkj-dv-koeln.de BdSJ-Diözesanverband Köln Steinfelder Gasse 20–22, 50670 Köln Fon: 0221 1642‑6562 info@bdsj-koeln.de www.bdsj-koeln.de CAJ-Diözesanverband Köln Steinfelder Gasse 20–22, 50670 Köln Fon: 0221 1642‑6848 info@caj-koeln.de www.caj-koeln.de DJK Sportjugend Diözesanverband Köln Am Kielshof 2, 51105 Köln Fon: 0221 9980840, Fax: 0221 99808419 info@djkdvkoeln.de www.djkdvkoeln.de DPSG-Diözesanverband Köln Rolandstraße 61, 50677 Köln Fon: 0221 937020‑0, Fax: 0221 937020‑44 info@dpsg-koeln.de www.dpsg-koeln.de KjG-Diözesanverband Köln Steinfelder Gasse 20–22, 50670 Köln Fon: 0221 1642‑6432, Fax: 0221 1642‑6841 info@kjg-koeln.de www.kjg-koeln.de

landundleute CAJ: Sehen, urteilen und handeln________________ Malteser: Pfingsten am Schwimmbecken_____________ KLJB: Internationale Frühjahrsversammlung_______ BDKJ Diözesanstelle: Wurst­ buttons und Käptn Peng______

mystikundpolitik 4 5 5 6

BDKJ-Bundesfrauenkonferenz: „Wir sind noch lange nicht am Ziel“___________________ 11 BDKJ Hauptversammlung: Frieden schaffen____________ 11 FSD: Weltwärts in ein anderes Leben_ ____________ 12 U28: Die Zukunft lacht_______ 12

KLJB-Diözesanverband Köln Steinfelder Gasse 20–22, 50670 Köln Fon: 0221 1642‑6555, Fax: 0221 1642‑6288 buero@kljb-koeln.de www.kljb-koeln.de Kolpingjugend Diözesanverband Köln Präses-Richter-Platz 1a, 51065 Köln Fon: 0221 2839520, Fax: 0221 2838529 dmimberg@kolping-koeln.de www.kolpingjugend-dv-koeln.de KSJ-Diözesanverband Köln Gabelsberger Straße 19, 50674 Köln Fon: 0221 410508, Fax: 0221 4200619 info@ksj-koeln.de www.ksj-koeln.de Malteser Jugend Diözesanverband Köln Siegburger Straße 229c, 50679 Köln Fon: 0221 974545‑18, Fax: 0221 97454527 jugendreferat@malteserjugend-koeln.de www.malteserjugend-koeln.de PSG-Diözesanverband Köln Steinfelder Gasse 20–22, 50670 Köln Fon: 0221 1642‑6560, Fax: 0221 1642‑6869 info@pfadfinderinnen-koeln.de www.pfadfinderinnen-koeln.de

kulturundgesellschaft KjG: „Sie sind in der ­Verantwortung“_____________ 7 72-Stunden-Aktion: Uns schickt der Himmel__________ 8 BKDJ: Unser Auftrag: Kinder schützen_____________ 8 BDKJ: Im Dialog mit der Kirche_______________ 9 Sommergefühle_____________ 10

zumthema Alles Schöne dieser Welt_____ 13 Auf Nummer sicher gehen___ 15 „Das ist eine historische ­Ungeheuerlichkeit …“________ 16

impressum Die ennundteh (ehemals N&T, ehemals News & Trends) ist das Magazin des BDKJ Erzdiözese Köln. herausgeber Trägerwerk des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in der Erzdiözese Köln e. V., Steinfelder Gasse 20–22, 50670 Köln, Telefon: 0221 1642‑6316, Fax: 0221 1642‑6613, E-Mail: redaktion@bdkj-dv-koeln.de, Internet: www.bdkj-dv-koeln.de redaktion Tobias Agreiter (ai), Steffi Maier (sm), Susanne Schütte (sus), Annika Triller (at – V. i. S. d. P.) korrektur Sarah van Dawen ­layout Thomas ­Jakobi, Billerbeck druck schöttler druck, Ratingen titelbild Alexandra Schmitz auflage 1 700 Exemplare erscheinungsweise 4 x jährlich bezugspreis Der Bezugspreis für ennundteh ist für die Mitglieder in den Mitgliedsverbänden des BDKJ im Erzbistum Köln in dem jeweiligen Mitgliedsbeitrag enthalten. ISSN 1437‑9120 · ­Namentlich g­ ekennzeichnete Beiträge entsprechen nicht unbedingt der Meinung der Redaktion. redaktionsschluss der nächsten ausgabe 10.09.2012

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Intro inntroh

S

eit Neuestem habe ich ein SpotifyPremium-Abo. Spotify ist ein so ge­ nannter Musikstreamingdienst, der dafür sorgt, dass ich immer und überall nahezu jedes Album jeder Band hören kann. Immer. Über­ all. Wahnsinn. Der Gedanke macht mich ganz hibbelig. So hibbe­ lig, dass mir vor lau­ ter Aufregung meist gar keine Band einfällt. Und erst recht kein Album oder Song. Macht aber nichts, das Gefühl der unendlichen Mög­ lichkeiten ist super. Trotzdem ha­ be ich ein schlechtes Gewissen: Man munkelt, dass die Streaming­ dienste die MusikerInnen extrem schlecht bezahlen. Wie mit Kunst und – insbesondere digitalen – Kopien von Kunst Geld ver­ dient werden kann, wird in Deutsch­ land derzeit heiß diskutiert. „Es ist ein Skandal, dass irgendwelche Ah­ nungslosen antanzen und fordern, man solle die Früchte seiner Arbeit doch jetzt bitte verschenken“, sagen KünstlerInnen wie Mille Petrozza von der Metal-Band Kreator. „Das Urheber­ recht braucht eine gesellschaftliche Einsicht in seine Notwendigkeit. Diese Einsicht schwindet, wenn Menschen das Gefühl haben, für eine Tätig­ keit kriminalisiert zu werden, die so selbstverständlich geworden ist, dass man sie kaum vermeiden kann“, sagt hingegen Autor Dirk von Gehlen, den wir für diese Ausgabe interviewt ha­ ben. ennundteh hat für dich ab Seite 16 die wichtigsten Positionen und Aspek­

te der Debat­ te zusam­ mengefasst. Spotify ist üb­ rigens nicht das einzig Neue in mei­ nem Leben. Auch der Job als Referentin für Pres­ se und Medien beim BDKJ in der Erz­ diözese Köln ist neu. Mehr dazu und zu meiner ebenfalls neuen Kollegin Alexandra Schmitz gibt es auf Seite Seite 6. Es bleibt aufregend.

Steffi Maier Referentin für Presse und Medien

Das ist noch ei­ ne analoge Kopie. Der Qualitätsverlust ist nicht zu übersehen.

Lieder zur Ausgabe „take me out“ von Masha Qrella – Fluffi­ ger Ausgeh-Sommerabend-Pop-Song der Berlinerin. „fall hard“ von run, forever – Klingt wie ein bisschen wie Conor Oberst, nur besser. „drunk in the morning“ von Lukas Gra­ ham – gut gelaunter, junger Däne, der singen kann. Jeg elsker dig, Lukas.

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landundleute

Sehen, urteilen und handeln CAJ räumt Barrieren aus dem Weg Im März erwartete der Di­ özesanverband Köln der Christlichen ArbeiterInnen Jugend (CAJ) hohen Besuch. Geetha­ ni Peries, die Präsidentin der Interna­ tionalen CAJ kam zusammen mit der

de auch im Alltag gut anzuwenden ist, zeigt das Beispiel von Seany Le Sean Jacquean Spruill. Der Berliner Seany hat als Prakti­ kant nicht nur die Tätigkeiten im CAJBüro kennengelernt. Die CAJlerInnen

aus dem Diözesanverband Köln haben ihm auch die Domstadt gezeigt. Für den Fußballfan, dessen Herz für den BVB schlägt, durfte dabei ein Besuch im Stadion nicht fehlen. Dabei erleb­ ten die CAJlerInnen, dass ein Stadt­ bummel gar nicht so einfach ist, wenn Bordsteine nicht abgesenkt sind oder die KVB streikt, denn Seany ist geh­ behindert und auf den Rollstuhl an­ gewiesen. Dazu kommt, dass viele Menschen eine Distanz zu behinder­ ten Mitmenschen aufbauen, weil sie nicht wissen, was sie sagen sollen oder dürfen. So werden „normale“ Alltagssituationen plötzlich zu einer unbegreiflichen Gradwanderung. Für die CAJ war es wichtig, Barrieren und Hindernisse aus dem Weg zu räu­ men. Das gelingt durch einen offenen und respektvollen Umgang miteinan­ der, aber auch durch tatkräftiges An­ packen. Auf den Besuch im Stadion musste trotz des KVB-Streiks nicht verzichtet werden, dank eines organi­ sierten Rollstuhls, dem CAJ-Bus und der Unterstützung von Herrn Harth, dem Hausmeister des Verbändehau­ ses. Judith Göd und Sebastian Janocha

Auf die KVB ist kein Verlass, auf Hausmeister Harth (2. von rechts) schon

ehrenamtlichen Bundesvorsitzenden der CAJ, Sarah Prenger, ins Verbän­ dehaus. Bei einem gemeinsamen Tag mit den CAJlerinnen und CAJlern aus Köln drehte sich alles um „Rolwa“ – „Reflection of life and workers ac­ tion“. Dahinter verbirgt sich eine fun­ damentale Methode der CAJ. Sie dient der Lebensbetrachtung. Ziel ist es, das eigene Handeln und die eigene Lebenswelt zu reflektieren, um dar­ auf basierend zu urteilen und Aktio­ nen zu planen – kurz: sehen, urteilen, handeln. Nach einer theoretischen Einführung erprobten zwei Kleingrup­ pen die Methode anhand einer selbst gewählten Frage mit Bezug zur Arbeit der Diözesanleitung. Dass die Metho­

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Namen und Nasen Die Delegierten der KjG-Bundesversammlung wählten Tim Mertens, den ehema­ ligen Diözesanleiter der KjG im Erzbistum Köln, zum neuen KjG-Bundesleiter. Bei den BDKJ-Stadtversammlungen in Düsseldorf, Köln und Neuss wurde ge­ wählt: Daniel Müller wurde in Düsseldorf zum Stadtvorsitzenden gewählt. Er leitet den BDKJ-Stadtverband der Landeshauptstadt nun gemeinsam mit Barbara Grätz (PSG), die im Amt bestätigt wurde. Der BDKJ-Stadtverband Köln hat ­Sarah Thiemann (KjG) im Amt als Stadtvorsitzende bestätigt und Pfr. Dominik Meiering wie­ dergewählt. Aus dem Vorstand ausgeschieden ist Andrea Schiefer. In Neuss wurden Alexandra Hein (Kolpingjugend) und Melanie Migueis (Malteserjugend) in den Stadtvorstand gewählt. Im Rahmen der BDKJ-Hauptversammlung wurde Simon Rapp (KjG) als Präses bestätigt. Lisi Maier (Kolpingjugend) wurde zur neuen Vorsitzenden gewählt. Zum neuen Geschäftsführer des BDKJ bestimmten die Mitglieder des Bundesstellen e. V. den ehemaligen BDKJ-Diözesan­ vorsitzenden aus Münster, Markus Hoffmann (KjG). Die BDKJ-Diözesanvorsitzenden Annika Triller und Susanne Schütte wurden in den Hauptausschuss bzw. den Entwicklungspoliti­ schen Arbeitskreis (EPA) (wieder-)gewählt. Ebenfalls wiedergewählt wurde die ehemalige BDKJ-Diözesanvorsitzende Sigrid Stapel als Mitglied des Schlichtungsausschusses.


landundleute

Pfingsten am Schwimmbecken Sonniges Malteser-Zeltlager auf der Insel Grafenwerth MancheR BesucherIn der In­ sel Grafenwerth staunte nicht schlecht: Während sich die Be­ sucherInnen des Schwimmbades durch den Sprung ins kühle Nass bei som­ merlichen Temperaturen erfrischten, zelebrierten die Malteser gleich ne­ benan auf einem abgetrennten Teil der Liegewiese eine Heilige Messe. Der Grund: Die Bad Honnefer teilten sich am Pfingstwochenende ihr herrlich ge­ legenes Freibad mit etwa 150 Kindern und Jugendlichen, die am diesjährigen Pfingstzeltlager der Malteser Jugend der Erzdiözese Köln teilnahmen. Passend zur Location hatte die Ju­ gendorganisation das Lagerthema „Schatzinsel“ gewählt. Auf dem Gelän­ de waren neben zahlreichen Gerüst­ zelten des Katastrophenschutzes auch schwarze Jurten zu sehen. Auf dem

Lagerplatz durfte natürlich das Lager­ balancierten auf der „Slackline“, ver­ feuer nicht fehlen, um das sich die anstalteten eine Lagerolympiade und Jugendlichen am Abend versammel­ suchten nach einem verschwundenen ten – bei Gesang und Gitarrenklängen. Piratenschatz – und sprangen zur Ab­ Und über allem flatterte das Malte­ kühlung in das Becken des Freibades. ser-Banner vom stattlichen, selbst­ Eine Nachtwanderung und eine feier­ gebauten Bannermast, der auch als liche Heilige Messe rundeten das Pro­ Glockenturm diente und von der La­ gramm ab. Hr. Archut gerwache stets gut bewacht wurde. Auch die Kreativität und Initiative der La­ gerteilnehmerIn­ nen war gefragt: In Workshops spielten und tanzten die Kinder und Ju­ gendlichen Nie waren die Badegäste besser versorgt: 150 MalteserInnen campten im Freibad gemeinsam,

Internationale Frühjahrsversammlung KLJB-Workshops zu interkultureller Begegnung und fairem Handel Die Frühjahrsdiözesanver­ sammlung der KLJB stand im Zeichen „Internationales“. In Workshops konnten die Delegierten zu­ hören, diskutieren, basteln, ausprobie­ ren – und sich auf den Antrag zum kri­ tischen Tourismus vorbereiten, der am nächsten Tag ohne Gegenstimmen an­

genommen wurde. Darin versprachen die Delegierten, die Grundsätze des kritischen Tourismus nach Möglichkeit zu beachten und ihre Freizeiten und Ausflüge nachhaltig zu gestalten. Im Workshop „Abenteuer auf der Papageieninsel – wie interkulturelle Begegnung funktioniert“ zeigte BDKJDiözesanvorsit­ zende Susanne Schütte in ei­ nem stummen Rollenspiel, wie schnell das Ver­ halten anderer Menschen durch die Brille der eigenen Erfah­ rungen gesehen und bewertet Diese Fußbälle entsprechen nicht ganz den FIFA-Vorgaben (kugelförmig, 70 cm Umfang, 450 Gramm), sind aber schnell und günstig gebastelt wird. Die Leiterin

des Workshops „Fairer Handel“, Vero­ nika Nordhus aus Hamburg, fragte die KLJBlerInnen: Was stellt ihr euch unter fairem Handel vor? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?. Nach einer Inforun­ de gab es das Spiel „1, 2 oder 3“, bei dem die TeilnehmerInnen fair gehandel­ te Schokolade gewinnen konnten. Der Workshop „Wie man Fußball spielt – in den Slums von Kenia“ wurde von der Bildungsreferentin Sonja Grafenschäfer geleitet. Zu ihrem Workshop hatte Son­ ja eine ganze Menge mitgebracht: Fo­ tos, afrikanische Holzschnitzereien und bunte Tücher. Besonders faszinierte die KLJBlerInnen, wie sich in den Slums von Kenia Kinder Bälle selbst basteln: Sie sammeln aus dem Müll Plastiktüten zu­ sammen und binden sie fest mit Schnü­ ren zu einer größeren Kugel zusammen. Fertig ist ihr Fußball. Andrea Spiller

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landundleute

Wurstbuttons und Käptn Peng Das kleine Referentinnen-Ratespiel Im BDKJ-Team haben im Frühjahr zwei neue Referentinnen angefan­ gen: Alexandra Schmitz (38) ist Diplom-Sozialpädagogin und seit Mitte März als Referentin für Re­ gionen und Projekte zuständig. Ihr Hauptthema: die 72-Stunden-Akti­ on im Juni 2013. Steffi Maier (35) ist Diplom-Sozialarbeiterin und Journalistin. Als Referentin für die Presse‑ und Öffentlichkeitsarbeit ist sie als Chefredakteurin für die ennundteh und die Webseiten des BDKJ zuständig. (sm)

ennundteh hat ein paar Schnapp­ schüsse im neu besetzten Büro gemacht: Bitte zuordnen!

Kontakt Alexandra ist mittwochs und donners­ tags im Büro und unter 0221 1642‑6424 oder regionen@bdkj-dv-koeln.de er­ reichbar. Steffi ist dienstags und mittwochs im Büro und unter 0221 1642‑6835 oder ­redaktion@bdkj-dv-koeln.de zu erreichen.

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kulturundgesellschaft

„Sie sind in der Verantwortung“ KjG-Podiumsdiskussion zur Prävention von sexualisierter Gewalt Seit über einem Jahr ist die Präventionsordnung des Bis­ tums nun in Kraft. Die Diöze­ sanstelle der KjG hat bereits 40 Mul­ tiplikatorInnen geschult und etwa 85 ehrenamtliche, bereits ausgebilde­ te LeiterInnen nachgeschult. Viele Ge­ spräche wurden rund um TäterInnen­ strategien, begünstigende Situationen und Grenzverletzungen geführt. Den­ noch entschied sich die KjG, das The­ ma auch bei ihrer Jahresversammlung in den Studienteil zu integrieren. Ob­ wohl die Prävention von sexualisierter Gewalt das ganze Jahr 2011 und 2012 bereits im Mittelpunkt gestanden hat­ te, nahmen die Delegierten das Ange­ bot beinahe geschlossen an. ,, Anonymität ist möglich Externe ExpertInnen und der Sexualpä­ dagoge und KjG-Bildungsreferent Tho­ mas Pieger gestalteten den Studien­ teil und präsentierten sich und ihre Fachbereiche in einer Podiumsdiskus­ sion. Ihre Berichte, an welchen Stellen sie mit sexualisierter Gewalt in Berüh­

Konzentrierte Aufmerksamkeit für ein wichtiges Thema: Die KjGlerInnen beim Studienteil „Prävention“

verkusen und den Therapiemöglichkei­ ten für Betroffene. Gundhild Hebborn aus dem Kommissariat Kriminalitäts­ vorbeugung und Opferschutz in RheinBerg klärte dabei Fragen, was ge­ nau passiert, wenn der Verdacht eines Missbrauchs an die Polizei gemeldet wird. Frau Jakubassa vom Jugendamt Rhein-Berg berichtete von den Verfah­ renswegen des Jugendamtes bei Mel­ dung eines Missbrauchsfal­ les. Dass sie auch beratend und durchaus anonym tätig sein kann, war für die An­ wesenden eine wichtige In­ formation. , Besonnen sein

Gemeinsam gaben die Ex­ pertInnen den KjGlerIn­ nen praxistaugliche Tipps Die KjG hatte ExpertInnen eingeladen. Nur mit Namensschild auf für eine Kultur der Acht­ dem Foto: Der Präventionsbeauftragte des Erzbistums Oliver Vogt samkeit und Wachsamkeit an die Hand. Wer das The­ rung kommen, lieferten den Delegier­ ma nicht tabuisiere und für sich Klar­ ten einen völlig neuen Einblick. Petra heit schaffe, welches Verhalten gedul­ Ladenburger begleitet Missbrauchsop­ det werde und welches nicht, gehe fer im Gerichtsprozess und Andrea Fre­ bereits den ersten Schritt Richtung wer, Therapeutin, berichtete von ih­ Prävention. Aufmerksamkeit und eine rer Tätgikeit in der „Beratungsstelle besonnene Reaktion auf Verdachtsmo­ gegen sexualisierte Gewalt e. V.“ in Le­ mente seien für Kinder‑ und Jugend­

leiterInnen unverzichtbar. Es dürften keine unüberlegten Schritte unter­ nommen werden – genau deshalb sei eine genaue Kenntnis der Kontaktstel­ len und deren Arbeitsweise so wich­ tig. Dabei betonten die Experten, dass viel Mut zur Präventionsarbeit gehö­ re und Kinder‑ und Jugendleiterinnen sich niemals von Angst lähmen las­ sen sollten. „Sie sind in der Verant­ wortung, die Sicht des Opfers einzu­ nehmen!“, erklärte Gundhild Hebborn. Nach der Podiumsdiskussion wurde in Kleingruppen auf detailliertere Fragen eingegangen. ,, Lob für die KjG Der Studienteil zeigte deutlich, dass eine Vernetzung unterschiedlicher Professionen wichtig ist. Regionale Netzwerke und kollegialer Austausch helfen dabei, Verfahrenswege für Be­ troffene, aber auch für Jugendleite­ rInnen transparent zu machen. Oli­ ver Vogt, Präventionsbeauftragter des Erzbistums und damit auch zuständig für die KjG, lobte die Arbeit des Ver­ bands: „Die KjG beschäftigt sich sehr intensiv mit dem Thema. Sie sollte genau da weiter machen, wo sie an­ gefangen hat.“ Birgit Elsner

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kulturundgesellschaft

„Uns schickt der Himmel“ Die 72-Stunden-Aktion vom 13. bis 16. Juni 2013 Katholische Jugendverbände schickt der Himmel. Das erleben Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in wöchentlichen Gruppenstunden, bei der Durchführung von Projekten oder in den nächsten Wochen, wenn Tausende aufbrechen, um gemeinsam ihre Ferien miteinander zu verbringen. Die Mitglieder der katholischen Jugendverbände blicken bei all ihrem Tun über den Tellerrand hinaus und packen an, getreu der Aufforderung des Gründers der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg Baden Powell, der appellierte: „Verlasst die Welt ein wenig besser, als Ihr sie vorgefunden habt“. Die Welt besser machen und zeigen, dass sie der Himmel schickt, das wollen die katholischen Jugendverbände auch während der 72-Stunden-Aktion 2013.

„Wir können alles schaffen“, hieß es im Song zur 72-Stun­ tunden der 72-S abe den-Aktion 2009. Und chen oder sich e p p ru erungsg ten-Aufg tatsächlich schien überraschen lassen Die Steu ihrer 7,2-Minu b ei Aktion es so als könnten die und den Nervenkitzel aushal­ teilnehmenden Grup­ ten, erst mit Beginn der Aktion zu er­ pen alles schaffen: eine dunkle Un­ fahren, welche Herausforderung es terführung hell gestalten, Generati­ zu bewältigen gilt. Annika Triller und onen zusammenbringen oder durch Alex Schmitz Hilfe Selbsthilfe ermöglichen. Vom 13. bis 16. Juni 2012 findet die erste bun­ desweite Sozialaktion des BDKJ in Deutschland statt. Wieder gilt es, in 72 Stunden ein gemeinnütziges, so­ Ihr möchtet als Aktionsgruppe bei der ziales, ökologisches, interkulturel­ 72-Stunden-Aktion mitmachen? Ihr möchtet in drei Tagen ein soziales, ökologisches, les oder politisches Projekt zu planen politisches oder interkulturelles Projekt und zu verwirklichen und damit ein realisieren und damit etwas Gutes für eure deutliches Zeichen der Solidarität zu Mitmenschen tun? Dann meldet euch ab setzen. Die teilnehmenden Gruppen sofort unter www.72stunden.de an. können sich selbst ein Projekt su­

Dabei sein

Unser Auftrag: Kinder schützen Präventionsschulungen in den Jugendverbänden haben begonnen Das Thema „Schutz von Kindern und Jugendlichen“ nimmt in den Jugendverbänden nicht erst seit In­ krafttreten der Präventionsordnung ei­ nen wichtigen Platz ein. So konnte die Erarbeitung und Umsetzung der Präven­ tionsordnung des Erzbistums Köln in den Gremien des BDKJ und seiner Mit­ gliedsverbände gut begleitet und un­ terstützt werden. Während in einzelnen Mitgliedsverbänden erste Multiplikato­ rInnen-Schulungen bereits 2011 stattfan­ den, machte der BDKJ Anfang März in Leverkusen ein verbandsübergreifendes Schulungsangebot. ,, Verbandsübergreifender Austausch Intensiv wurde hier zu den Themen des Curriculums „Kinder und Jugend­ liche schützen – unser Auftrag“ gear­

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Transfereinheiten für die eigene Schu­ beitet und über jugendverbandliche lungsarbeit. Spezifika und Umsetzungsmöglich­ keiten in der Schulungsarbeit gespro­ Ausbildung von GruppenleiterInnen chen. Der Austausch der Verbände war ,, Die MultiplikatorInnen haben nun die für alle ein bereichernder Aspekt. Am Aufgabe, im Rahmen ihrer Schulungstä­ letzten Tag wurden gemeinsam erste tigkeit für ihren Jugendverband, Grup­ Konzeptionen erarbeitet, so dass alle penleiterInnen auszubilden und für das Teilnehmenden schon Vorschläge für die Schulungspraxis fertig aufberei­ Thema Schutz von Kindern und Jugend­ tet mitnehmen konnten. Die Teilneh­ lichen zu sensibilisieren, sowie klare menden, aber auch das Leitungsteam Präventions‑ und Interventionsmöglich­ des Wochenendes, BDKJ-Diözesanvor­ keiten aufzuzeigen. Die ersten Rück­ sitzende Susanne Schütte und BDKJmeldungen aus allen Verbänden zeigen, Referent Ansgar Kesting, waren mit dass das Thema engagiert angegangen dem Verlauf dieser MultiplikatorInnen- wird: Beschlüsse wurden gefasst, Schu­ Schulung zufrieden. So gab es trotz lungsinhalte angepasst und mit der der großen inhaltlichen Fülle und der Ausbildung von MultiplikatorInnen wer­ hohen zeitlichen Dichte immer wie­ den weiterhin wichtige Grundlagen für der interessante, tiefgehende Diskus­ gut ausgebildete Jugendverbandsleiter­ sionen und Gespräche und gelungene Innen geschaffen. Ansgar Kesting


kulturundgesellschaft

Im Dialog mit der Kirche Jugendliche und Weihbischof Dr. Heiner Koch im Gespräch über Glaubens‑ und Kirchenfragen In mehreren Gesprächsrunden haben an einem Samstag im März insgesamt 50 junge Menschen über ihren Glauben und über ihre Wün­ sche an die Kirche diskutiert. „Wie nimmst du Kirche wahr?“, „Was muss sich ändern?“, „Welche Vision hast du von Kirche?“ – Diese Fragen stan­ den beim Dialogtag der Jugend im Mit­ telpunkt, zu dem der BDKJ Erzdiözese Köln alle jungen Menschen und alle Ak­ teurInnen aus der kirchlichen Jugendar­ beit eingeladen hatte. ,, Sehnsucht nach Dialogkultur In drei Gesprächsrunden ging es um die persönliche Wahrnehmung von Kir­ che, um Wünsche und Erwartungen an die Kirche der Zukunft und darum, was junge ChristInnen selbst tun können. In der ersten Runde wurden Schwierigkei­ ten, aber auch die Wichtigkeit von Kir­ che thematisiert. Es wurde deutlich, dass viele TeilnehmerIn­ nen vor allem in der Verbindung des Glaubens mit der Le­ bens­

wirklichkeit der Menschen ei­ ne große Her­ ausforderung se­ hen. Kirche solle sich nicht nur um sich selbst kreisen, sondern sich den Fragen und Problemen der Menschen Weihbischof Dr. Heiner Koch und BDKJ-Diözesanvorsitzende Susanne stellen, in deren Schütte sprechen über die Rolle der Frauen in der Kirche Alltag die Kirche keinen festen Platz mehr hat. In vielen Geistliche Verbandsleitung in der Ju­ weiteren Statements wurde die Sehn­ gendverbandsarbeit genannt. sucht nach einer angstfreien Dialogkul­ ,, Brücken bauen tur innerhalb der Kirche deutlich. Die Ergebnisse wurden anschließend ,, Für mehr Gleichberechtigung in einem „Faktencheck“ Weihbischof Im zweiten Frageblock wurden die Dr. Heiner Koch vorgestellt, der sich Teilnehmenden nach ihren Zukunftsvi­ sehr interessiert an den Meinungen sionen von Kirche befragt. Besonders und Eindrücken zeigte. Er ermutigte der Wunsch nach einer verstärkten die Verbände, ihre Aufgabe des „Brü­ und deutlich sichtbaren Gleichberech­ ckenbauens in die Welt“ wahrzuneh­ tigung von Frauen und Männern in men und erinnerte dabei an die gro­ der Kirche wurde geäußert. Kirche sol­ ßen Leistungen der (Jugend–)Verbände, le menschlicher, transparenter, gesell­ die den Glauben in den Alltag der Men­ schaftspolitischer und demokratischer schen tragen. Weihbischof Koch ermu­ werden. tigte, sich weiterhin an einem Dialog zu beteiligen und bot seine Mithilfe an. ,, Kritische Fragen ,, Gespräch auf Augenhöhe In der dritten Runde wurde nach kon­ kreten Handlungsschritten und Lö­ sungsstrategien gefragt. Gefordert wur­ de das Zugehen auf ausgegrenzte Gruppen. Auch der Umgang mit wie­ derverheirateten Geschiedenen wurde kritisch angefragt. Kon­ krete Forderungen wurden genannt: Herabsenken des Wahlalters für Kirchenvor­ stands‑ oder Pfarrgemeinde­ ratswahlen, ökumenisches Gebet oder gemeinsame seel­ sorgerische Tätigkeit von ehrenamtlichen Laien und hauptamtlichen Priestern und Laien in den Gemeinden. Als positives Beispiel wurde hier die

Es gibt ein großes Bemühen, sich ge­ genseitig zu verstehen und von ande­ ren Perspektiven und Meinungen zu lernen – das zeigte der Dialogtag deut­ lich. „Daher ist das Angebot eines Di­ alogs auf Augenhöhe für die meisten TeilnehmerInnen bereits ein wichti­ ger Schritt zu einer dialogischen Kir­ che“, sagte der BDKJ-Diözesanvorsit­ zende Tobias Agreiter. Eingebettet war dieser Tag in den großen Dialogprozess innerhalb der katholischen Kirche. Die Ergebnisse des Dialogtages der Jugend fließen in die Ergebnisse des Dialogpro­ zesses des Diözesanrats im Erzbistum Köln ein, sie werden dort aufbereitet und später präsentiert. Christoph Köster

Ein wichtiger Wunsch: "Aktiv auf die zugehen, die sich häufig aus­ geschlossen fühlen und gemeinsame Aktionen durchführen"

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kulturundgesellschaft

Sommergefühle

Foto: MMchen/photocase.com

Sonnige Bücher und soulige Musik Fliegen ohne Sicherheitsleine

Vom Denken lernen

Das schönste Buch des Sommers kommt mit wenigen Worten aus. Sie quetschen zu Beginn von „Die große Reise von Fräulein Pauline“ ein klei­ nes Mädchen mit großen Augen und Wuschelhaaren ein: „Hast du gehört, Süße? Auf Pauline! Vergiss nicht, lieb zu sein. Beeil dich. Zieh deine Schu­ he an. Räum dein Zimmer auf.“ Zum Glück kommt Pauline da heil raus: Sie spaziert einfach aus ihrem Zim­ mer, rein in die Wolken, zu den knal­ lig pinken Vögeln und lustigen Mi­ ni-Männchen mit gelben Augen. Sie schwimmt mit freundlichen Wesen, lernt Mondgesichter kennen, die ihr Sterne schenken, rutscht mit gerin­ gelten Schlangen, tanzt mit verklei­ deten Bären – und kommt am Ende glücklich zurück nach Hause. Knapp fünfzig Jahre nach „Wo die wilden Kerle wohnen“ zeigt Fräulein Pauline in diesem liebevollen Bilder­ buch aus Frankreich, dass es eine Menge Fantasie, Mut und Neugier für ein schönes und aufregendes Leben braucht. Oder, wie Dietmar Dath es schreibt: „Der pinke Vogel sieht aus wie ein Haftzettel, den der liebe Gott sich selbst zur Erinnerung zwischen die Wolken geklebt hat: Nicht verges­ sen, die Welt muss bis in die kleins­ ten Einzelheiten so geschaffen sein, dass ein unbesiegbar neugieriges Kind unbedingt Lust bekommt, in diese Schöpfung ohne Sicherheitsleine ein­ zutauchen.“ Steffi Maier

„Schwimmen zwei junge Fische des We­ Ich kann Flöten nicht leiden, die gehö­ ges und treffen zufällig einen älte­ ren nicht in Popsongs (behaupte ich ren Fisch, der in die Gegenrichtung un­ mal). Ein Album in alter Soul-Traditi­ terwegs ist. Er nickt ihnen zu und on? Mag ja durchaus wieder zeitgemäß sagt:,Morgen, Jungs. Wie ist das Wasser?‘ sein – dank Amy Winehouse, Aloe Blacc Die zwei jungen Fische schwimmen ei­ und Adele. Doch auch Soul ist nicht ne Weile weiter, und schließlich wirft der meins. Und eine Freundin sagte, die eine dem anderen einen Blick zu und Platte eigne sich gut als Hintergrundmu­ sagt:,Was zum Teufel ist Wasser?‘“. Mit sik – meist ein vernichtendes Urteil. Ge­ dieser kurzen Parabel über zwei junge nügend Gründe für mich, um das Debüt­ Fische eröffnete der Autor David Foster album von Michael Kiwanuka nicht zu Wallace seine Rede, die er 2005 vor Ab­ hören. Eigentlich. solventInnen eines Colleges in den USA „Home again“ ist zunächst eine hielt. Dabei ging es ihm darum, was es durchweg entspannt durchhörbare bedeutet, denken zu lernen und erwach­ Platte. Aber das Songwriting und die sen zu sein. Ein Thema, das ja alle Men­ Arrangements setzen auf dezente Ab­ schen betrifft und das dieser – nun auch wechslung: Ja, ich höre Soul („Tell me auf Deutsch erschienenen Rede – in den a tale“, „Bones“), aber auch den Sin­ USA zu Kultstatus verholfen hat. ger‑ und Songwriter an der Gitarre („I’m Mit der Geschichte über die zwei Fi­ getting ready“, „Home again“) und den sche zeigt Wallace, dass die offensicht­ um Vergebung flehenden Spiritualsän­ lichsten, allgegenwärtigsten und wich­ ger („I won’t lie“). Die Songs kommen tigsten Tatsachen oft die sind, die am mit Gitarre, Bass und Percussion meist schwersten zu erkennen und zu disku­ akustisch daher und werden ergänzt tieren sind. Er erarbeitet in seiner Rede, durch Background-Vocals, dräuende dass das Wesentliche an der Fähigkeit Bläser oder die besagten Flöten (schön des Denkens die Entscheidung ist, wo­ verspielt in „I’ll get along“). Alles klingt, rüber es sich nachzudenken lohnt und als wäre das Album in den 70ern aufge­ dass einE JedeR die Macht hat, in sei­ nommen und hätte jetzt erst den Weg nen Gedanken Alltägliches positiv oder zu uns gefunden. Und über allem steht negativ zu bewerten. Eine wirklich gu­ diese Stimme: Ich glaube, Michael Ki­ te Lektüre für eine etwas längere Zug­ wanuka fühlt, was er singt. Besonders fahrt, die anstößt, das eigene Denken schön ist seine Sehnsucht in „Always zu reflektieren und schmunzelnd dar­ waiting“ und die Verlustangst im Blues über nachzudenken, was es bedeutet, „Worry walks beside me“. Authentisch tagein tagaus bewusst und erwachsen und ohne Effekthascherei. „Home again“ zu leben. ­Susanne Schütte haut nicht vom Hocker, „Home again“ berührt. Holger Walz

Charlotte Gastaut: „Die große Reise von Fräulein Pauline,“ Knesebeck

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David Foster Wallace: „Das hier ist ­Wasser/This is water: Anleitung zum ­Denken“, kiepenheuer & witsch

Flöten im Eröffnungssong

Michael Kiwanuka: „Home again“, Universal


mystikundpolitik

„Wir sind noch lange nicht am Ziel“ Frieden schaffen BDKJ-Bundesfrauenkonferenz feiert 25-jähriges Jubiläum

Die BDKJ-Hauptversammlung tagte in Altenberg

Fotos: Alexandra Schmitz

Im Rahmen der BDKJ-Hauptversammlung ha­ ben im Mai rund hundert Delegierte aus ganz Deutschland Beschlüsse für die katholischen Jugendverbände und ‑organisationen und die Interessenvertretung für die 660 000 Mitglie­ der gefasst. ,, Theologie der Verbände Sie haben die geschlechtergerechte Politik der Jugendverbände geprägt: Ehemalige Mit­ glieder der Frauenkonferenz waren als Gäste eingeladen.

„Vergangenheit ist immer dann spannend, wenn sie mit Menschen und deren Erlebnissen und Berichten verbunden ist.“ Die BDKJ-Diözesanvorsitzende Annika Triller freute sich als Mitglied des Bundesfrauenpräsidiums neben den Delegierten der Konferenz auch Frauen begrüßen zu können, die in der Vergangenheit Teil der Konferenz waren und sich nun wie selbstverständlich unter die Delegierten mischten. Gemeinsam blick­ ten die Teilnehmerin­ nen der Konferenz auf deren Anfänge zurück. Die hat in den vergangenen 25 Jahren zu viel­ fältigen Themen Stellung bezogen. Unter anderem richtete sie mäd­ chen‑ und frauenpolitische Forde­ rungen an die Bundesregierung, wandte sich gegen diskriminie­ rende Darstellungen in Schulbü­ chern, forderte die Verbesserung der Ausbildungssituation und der beruflichen Situation junge Frauen sowie Entgeltgleichheit und so­ lidarisierte sich mit den Hebam­ men. Darüber hinaus setzte sich die Bundesfrauenkonferenz auch

immer wieder mit der Situation von Mädchen und Frauen in der katholischen Kirche auseinander. Es ist viel erreicht worden, aber bei Gästen und Delegierten herrschte Einigkeit darüber, dass noch lange nicht alle Forderun­ gen Gehör gefunden haben. Die ehemalige Diözesan‑

Die Delegierten der BDKJ-Hauptversamm­ lung nehmen wahr, dass sich die Zugangs­ wege junger Menschen zur Kirche verändern. Sie stellen ferner fest, dass die kirchlichen Ju­ gendverbände einfache Zugänge bieten und Gott, Glaube und Kirche im Leben der jun­ gen Menschen präsent machen. Deshalb be­ schloss die Hauptversammlung den theologi­ schen „Ort“ der Verbände neu zu beschreiben und damit die Aufgabe von Verbänden in Kirche und Gesellschaft zu definieren. Ei­ ne „Theologie der Verbände“ soll bis zum Jahr 2015 formuliert werden. ,, Zivil statt militärisch

und Bundesvorsitzende Henny Engels for­ derte: „Wir brauchen unterschiedliche und vielfältige Strategien, um die An­ liegen von Frauen in Kirche und Gesellschaft zu vertreten.“ Um diese Strategien soll es im Rah­ men des nächsten Frauen-Strate­ gie-Forums gehen. Das beschlos­ sen die Anwesenden, die ferner feststellten, dass es wichtig ist, sich weiter frauenpolitisch zu engagieren und zu vernetzen. A ­ nnika Triller

Intensiv haben die Delegierten darüber debat­ tiert, wie der BDKJ zur deutschen Außenpolitik und den Einsätzen der Bundswehr steht. Ein Ergebnis ist die Forderung nach einer breiten gesellschaftlichen Debatte. Der BDKJ fordert, die zivile Konfliktlösung als oberstes Mittel an­ zuwenden. Ferner wirft der Beschluss Fra­ gen auf, die die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema fördern sollen: „Wie kann ein friedliches und gerechtes globales Miteinan­ der gelingen?“ oder „Welche Rolle können die Vereinten Nationen bezüglich des globalen Zu­ sammenlebens spielen?“ Während der Bundes­ konferenzen im November sollen Antworten auf die Fragen gefunden werden. ,, Auf Wiedersehen, Altenberg Mit dem Ende der Versammlung verabschiedet sich das Gremium für vier Jahre vom Haus Al­ tenberg. Die Jugendbildungsstätte, „das Herz der katholischen Jugendarbeit“, wird in den kommenden drei Jahren umfassend renoviert. Die nächste BDKJ-Hauptversammlung tagt vom 18. bis 21. April 2013 in Hardehausen, dem Gründungsort des BDKJ. Anton Pfeiffer

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mystikundpolitik

Weltwärts in ein anderes Leben

Die Zukunft lacht

Der Freiwilligendienst in Peru bereichert alle Beteiligten

U28 – regional und bundesweit

„Bienvenidos Kerstin und Dirk“ steht in großen bunten Buchsta­ ben auf den Fenstern der Aula in der Hogar St. Pedro. Nach vielen Stun­ den Flug und einer eineinhalb stündi­ gen Fahrt vom Flughafen in Lima hinaus in die Stadt Ricardo Palma sind auch wir froh, endlich angekommen zu sein. Für Jan und Jonas ist dies der erste Besuch aus Deutschland seitdem sie ihren Frei­ willigendienst im August vergangenen Jahres in Peru angetreten haben. Sie gehören damit zu den derzeit elf Frei­ willigen des Vereins Freiwillige Soziale Dienste im Erzbistum Köln, die im Rah­ men des Programms „weltwärts“ ihren Dienst im Ausland versehen.

Zeit für die BewohnerInnen, die dies wohl am allermeisten schätzen.

,, Sich Zeit nehmen

,, Neue Erfahrungen

Schaut man sich in der Hogar St. Pedro um, wird schnell deutlich, dass es für die beiden einiges zu tun gibt. Das Ar­ menkrankenhaus beherbergt 55 mittel­ lose kranke oder behinderte Menschen. Jonas und Jan haben sich am Anfang ihres Dienstes alles einmal angeschaut: die Station mit den Tuberkulosekran­ ken, die Pflege für die älteren Patien­ tInnen, das Haus für die Kinder mit ei­ ner geistigen Behinderung. Da Pflege „nicht so ihr Ding war“, kümmern sie sich nun um die Freizeitgestaltung der PatientInnen, machen Ausflüge, helfen in der Küche, reichen Essen an, erledi­ gen Einkäufe und haben oft einfach nur

Bei unseren Gesprächen mit Pater Car­ los, dem Leiter der Hogar, können wir das Anliegen der „weltwärts“-Einsät­ ze noch einmal gemeinsam themati­ sieren. Jonas und Jan versehen ihren Dienst und helfen damit den Bewohne­ rInnen der Hogar, aber vor allem lernen sie wohl eine Menge für und über sich selber. Das „weltwärts“-Jahr ist für ein Jahr, um den eigenen Horizont zu erwei­ tern, um persönliche, soziale, berufso­ rientierende und interkulturelle Lerner­ fahrungen zu machen. Dafür braucht es eine gute Begleitung in der Einsatzstelle und in den Seminaren vor, während und im Anschluss an den Einsatz. Und es geht darum, bestehende Partnerschaf­ ten zwischen Pfarrgemeinden aus dem Erzbistum und dem jeweiligen Einsatz­ land zu stärken. So stammt Jan aus der Pfarrei St. Kosmas und Damian in Pul­ heim, die die Hogar seit vielen Jahren unterstützt.

Neun Landtagsabgeordnete betrachten seit einem Jahr ihre Arbeit durch die Brille von Jugendlichen und Kindern. Rai­ ner Deppe, Landtagsabgeordne­ ter aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis, hat dabei festgestellt, dass Jugendliche und Kinder sich dafür einsetzen müssen, „dass die Poli­ tik gerechter wird und auch auf die achtet, die sich nicht lautstark und über die Medien äußern können“. Der Gedanke, dass die Zukunft lacht, wenn PolitikerInnen bei al­ len Entscheidungen dem Wohl der Jugendlichen und Kinder in unse­ rem Land absoluten Vorrang ein­ räumen, soll weite Kreise ziehen. Die BDKJ-Hauptversammlung hat deshalb mit dem Beschluss „u28 – Die Zukunft lacht“ erste Weichen dafür gestellt, dass zukünftig bun­ desweit PolitikerInnen dazu aufge­ fordert werden, sich zu beteiligen und ihre Tätigkeiten und Entschei­ dungen auf Jugend‑ und Kinder­ freundlichkeit zu überprüfen. Der BDKJ-Diözesanverband Köln hat be­ reits erste Gespräche mit Bundes­ politikerInnen zum Thema geführt, unter anderem mit dem General­ sekretär der CDU Hermann-Joseph Gröhe und Dr. Rolf Mützenich, dem außenpolitischen Sprecher der SPD. Auch in den BDKJ-Regionen konnten die ersten Mandatsträ­ gerInnen gewonnen werden, die u28-Brille mit in ihren Alltag zu nehmen. In Bonn stellen sich insgesamt acht Abgeordnete des Stadtrates der Herausforderung. Der BDKJ-Bonn ruft Jugendliche und Kinder dazu auf, ihre Fragen an die PolitikerInnen zu senden. Die Antworten und weitere Infor­ mationen finden sich unter www. bdkj-bonn.de/uber-die-zukunftlacht. Annika Triller

weltwärts Im Rahmen des Programms „weltwärts“ bietet der Verein „Freiwillige soziale Dienste im Erzbistum Köln“ (FSD) seit 2008 Einsatz­ stellen in Entwicklungsländern an. Das Pro­ gramm „weltwärts“ ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Weitere Informationen gibt es bei: Freiwillige soziale Dienste im Erzbistum Köln e. V., Kerstin Mahkorn (Tel: 0221/47 44 13 31, mahkorn@fsj-koeln.de).

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Kerstin Mahkorn und Pfr. Dirk Bingener zusam­ men mit Jan und Jonas und BewohnerInnen der Hogar St. Pedro

,, Es geht weiter Als wir die Hogar nach fünf Tagen ver­ lassen, ist vereinbart, auch in diesem Sommer wieder Freiwillige nach Peru zu entsenden. Pfr. Dirk Bingener


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Alles Schöne dieser Welt „I

ch lock dich in den Garten und be­ werf dich mit Blumen. Solang bis du umfällst und kapitulierst. Ob das Verschwendung ist, ist mir doch egal. Wer verliebt ist, hat keine Wahl. Und nichts ist so göttlich wie ein Sommer zu zwein.“ Der Mann, der so schöntraurige Sommermusik geschrieben hat, kann auch anders: Sven Regener, Sänger der Band „Element of Crime“ und Autor von „Herr Lehmann“, ist im März diesen Jahres mit weniger blu­ migen Worten bekannt geworden. Auf die Frage eines Journalisten, was er von der Debatte um das Urheberrecht halte, wurde er über Nacht mit seiner spontanen „Wutrede“ berühmt: „Es wird so getan, als ob wir Kunst ma­ chen als Hobby. Das Rumgetrampel darauf, dass wir uncool seien, wenn wir darauf beharren, dass wir diese Werke geschaffen haben, ist im Grun­ de nichts anderes, als dass man uns ins Gesicht pinkelt“, schimpfte er. ,, Konsum vs. Recht Regener spricht damit vielen Künstle­ rinnen und Künstlern aus dem Herzen, die mit ihren Liedern, Texten, Büchern und Fotos kaum Geld verdienen – ob­ wohl ihre Kunst gehört, gelesen, ge­ nutzt und geliebt wird. Um bei der Musik zu bleiben: CDs werden immer weniger gekauft, stattdessen wer­ den Alben im Netz (häufig illegal) ko­ piert, ge­ tauscht oder irgend­ wie anders ange­ hört. Die digitale Kopie ist eine noch nie da gewesene Tech­ nik, Inhalte unkompliziert, verlust­ frei und quasi ohne weitere Kosten zu vervielfältigen. Doch den unbegrenz­ ten technischen Möglichkeiten auf der

einen Seite steht bei den NutzerInnen die Angst vor Abmahnungen mit emp­ findlichen, oft vierstelligen Geldstra­ fen gegenüber. Der Verein mit dem schönen Namen „Gegen den Abmahn­ wahn“ und andere ExpertInnen ge­ hen davon aus, dass im Jahr 2011 über 218 000 Abmahnungen allein wegen Urheberrechtsverletzungen bei der Nutzung von Tauschbörsen verschickt wurden. Die Konsumgewohnheiten vor allem vieler junger Menschen und die Rechtsprechung scheinen wie die bei­ den Königskinder – sie kommen ein­ fach nicht mehr zusammen. ,, Zwischenhändler für „geistiges ­Eigentum“ Und dass es auch so bleiben soll, da­ für kämpfen einige gewichtige Ak­ teurInnen. Mehr noch als die Urheberinnen und Urheber sind es die so genann­ ten Verwerter wie etwa die GEMA, die das Urhe­ berrecht nicht nur be­ wahren, sondern sogar die Strafen für Ur­ heberrechts­ verlet­

zungen noch verschärfen wollen. Aufgabe der GEMA (die Gesellschaft für musikalische Aufführungsrech­ te) ist es, im Auftrag von Komponis­ tInnen oder TextdichterInnen die Ur­ heberanteile zu kassieren und zu verteilen, die anfallen, wenn deren Songs auf CD gepresst, im Radio ge­ spielt oder als Download verkauft werden. Die GEMA und Buchverla­ ge, Filmstudios und Schallplattenfir­ men sind es, die mit dem „geistigen Eigentum“ von Kreativen wirtschaf­ ten, die darin investieren, um Profite zu machen, und deshalb die Urheber­ rechte so gut wie möglich geschützt sehen wollen. Und dafür zumindest ein gutes Argument auf ihrer Seite haben: Sie ermöglichen so den Künst­ lerInnen, ihre Kunst zu machen. Doch braucht man im Zeitalter welt­ weiter Vernet­ zung über­ haupt noch solche Zwi­ schenhänd­ ler, die sich zwischen den/ die UrheberIn und den/die Konsumenten/ Komsumentin drängen?

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Foto: Pellegrina/photocase.com

Alle lieben Kunst & Kultur, nur das Urheberrecht hat es derzeit schwer

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Die Geschichte des Urheberrechts ist die Geschichte von widerstreitenden Interessen. Hier die UrheberInnen, dort die NutzerInnen. Die Entstehung und Entwicklung des Urhe­ berrechts ist eng mit der Erfindung und dem Fortschritt im Bereich des Buchdrucks ver­ knüpft. Dennoch wurden die ersten Gesetze erst zu Beginn des 19. Jh. erlassen. Das heutige Urheberrecht geht auf Bestimmun­ gen zu Beginn des 20. Jh. zurück. Per Gesetz sind seitdem Werke der Literatur und der Musik ebenso urheberrechtlich geschützt wie Werke der bildenden Künste und der Fotografie.

mehr Menschen ihren Lebensunterhalt durch Tätigkeiten erwirtschaften, die der Gesetzge­ ber durch das Urheberrecht schützt, führten zu einer Beschleunigung der Entwicklung. Aber auch dazu, dass das Gesetz den Tatsa­ chen immer hinterher hängt. Immer wieder wurde und wird das Urheberrecht den Begebenheiten und Bedürfnissen angepasst werden müssen. Weitere Informationen zur Geschichte des Urheberrechts finden sich im Dossier „Urhe­ berrecht“ der Bundeszentrale für politische Bildung: www.bpb.de/gesellschaft/medien/ urheberrecht/(at)

Die wachsenden technischen Verwertungs­ möglichkeiten und die Tatsache, dass immer

Kann die Beziehung zwischen dem Künstler/der Künstlerin und seinem/ ihrem Publikum nicht ganz direkt und neu gestaltet werden? ,, Copy – right or wrong? Inzwischen sammeln viele Kreative Geld für ihre Projekte im Netz. Beim Crowdfunding (Schwarmfinanzierung) können Fans eine Idee mitfinanzie­ ren und erhalten im Gegenzug dazu ein Geschenk. „Nur weil jemand Kunst macht, hat er kein Recht auf Geld da­ für. Er muss die Kunst verkaufen. Er muss die Leute überzeugen, ihm Geld zu geben“, schreibt dazu der Journalist Fritz Effenberger auf seinem Blog 11k2. Effenberger ist Mitglied der Piraten­ partei, die sich gegen die Beschrän­ kung der Kopierfähigkeit ausspricht. „Sie verknappen künstlich die Verfüg­ barkeit, um aus einem freien Gut ein wirtschaftliches zu machen. Die Schaf­ fung von künstlichem Mangel aus rein wirtschaftlichen Interessen erscheint uns unmoralisch, daher lehnen wir diese Verfahren ab“, heißt es im Par­ teiprogramm der Piraten. ,, Song oder Snickers? Viel diskutiert wird in der Urheber­ rechtsdebatte auch die so genannte Kulturflatrate. Die Grundidee ist ein­ fach: User und Userinnen können für einen monatlichen Pauschalbetrag alle Musik, Filme oder Texte privat nutzen

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und downloaden. Das Geld wird – an­ teilig nach Downloads – an die Urhe­ berInnen ausgeschüttet. Kompliziert wird es bei den Details: Es ist schwer vorstellbar, dass alle UrheberInnen da­ mit einverstanden sind, ihre Kunst per Flatrate zur Verfügung zu stellen. Wei­ ter setzt die Kulturflatrate ein System voraus, das die Nutzung jeder Use­ rin/jedes Users auswertet – willkom­ men im Überwachungsstaat. Und in einer Diskussion um Kunst be­ sonders wichtig: So ein Vergü­ tungsmodell fördert den Main­ stream und macht es weniger bekannten Kreativen beinah un­ möglich, Geld zu verdienen. An­ dererseits: Mit Streamingdiens­ ten wie Napster oder Spotify ist zumindest eine Art Musikflatra­ te bereits Realität. Für den Preis von einem Album im Monat kann man hier fast alle Musik der Welt hören – überall (wo es Internet gibt) und jederzeit. Allerdings sind die Ge­ schäftsbedingungen der Dienste um­ stritten: „Ein Lied, das dich vielleicht ein Leben lang begleitet, kostet weni­ ger als ein Snickers an der Tanke“, kri­ tisiert Bela B. den Wert von Kunst auf ­rollingstone.de. ,, Reformen jetzt! Johnny Haeusler resümiert in seinem – nebenbei bemerkt großartigen – Blog „Spreeblick“: „In der Debatte gibt es

für mich im Moment nur zwei unum­ stößliche Fakten: 1. Das Urheberrecht wird nicht abgeschafft werden, selbst wenn ganz viele Piraten ganz doll mit dem Fuß aufstampfen. 2. Private Ko­ pien von digitalen Dateien lassen sich nicht unterbinden, selbst wenn sich die Vereinten Nationen einschalten.“ Es braucht also eine Reform des Urhe­ berrechts, es braucht neue Lösungen, die nicht jede Nutzerin und jeden Nut­ zer zum Kleinkriminellen macht – und KünstlerInnen nicht zu BittstellerInnen. Und wenn wir schon dabei sind: Gu­ te, kleine Indie-Plattenfirmen mit Herz sollen wieder wie Löwenzahn aus dem Boden schießen, KünstlerInnen sollen ohne Existenzsorgen ihre Kunst ma­ chen können, alle sollen die Freiheit haben, auch mal etwas zu verschen­ ken und bei der Diskussion um das Urheberrecht sol­ len die Parteien sich we­

nigs­ tens ab und zu gegen­ seitig zuhö­ ren. Immerhin geht es um nichts weniger als um alles Schöne dieser Welt. Steffi Maier

Jubeln, lachen tanzen - und vorab die GEMA fragen.

Foto: himberry/photocase.com

Das Urheberrecht


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Auf Nummer sicher gehen Tipps für den Umgang mit dem Urheberrecht Diskoabend in der Pfarrei, Werbeflyer für die Ferienfreizeit und die Homepage des Verbandes – Jugendverbände haben oft mit Fragen zum Urheberrecht zu tun. Diözesanvorsitzende Susanne Schütte bringt etwas Ordnung in das Wirrwarr an Rechten und Bestimmungen. ,, Das Urheberrecht bei ­Veranstaltungen mit Musik Für Konzerte und bestimmte zusätzli­ che Veranstaltungen besteht seitens des BDKJ ein Pauschalvertrag (2000199731) mit der GEMA. Dieser umfasst zum Bei­ spiel Sommerfeste, Musikaufführungen in Gottesdiensten oder Jugendveranstal­ tungen mit Unterhaltungsmusik, falls weder ein Eintrittsgeld oder ein sonsti­ ger Kostenbeitrag erhoben wird und die Veranstaltung nicht überwiegend mit Tanz verbunden ist. Alle übrigen Veranstaltungen mit Musik müssen mindestens drei Tage vorab gesondert bei der GEMA ange­ meldet werden. Diese räumt der Ju­ gendverbandsgruppe dann durch den Pauschalvertrag mit dem BDKJ einen Rabatt in Höhe von 20 Prozent auf die Normalvergütung ein. Die GEMA-Tarife für unterschiedliche Veranstaltungsar­ ten im Überblick findet ihr auf www. gema.de/ad-tarife. Auf der Home­ page ist für die vielen verschiede­ nen Tarife eine gute Aufstellung der jeweiligen Bestimmungen (Geltungsbereich, Berech­ nung, …) hinterlegt. Achtung: Werden Ver­ anstaltungen nicht ord­ nungsgemäß gemeldet, kann die GEMA auch nachträglich die Normalvergütung, ggf. sogar unter Ver­ dopplung des Ta­ rifs, geltend machen.

Zuständig für die Abrechnung sind die regionalen Bezirksdirektionen der GEMA. Für unsere Diözese ist die Bezirksdi­ rektion Dortmund zuständig (Tel.: 0231 57701‑200 oder ‑300). Der genannte Pau­ schalvertrag gilt nicht für Aufführungen von Singspielen, Musicals oder Krippen­ spielen in szenischer, also bühnenmäßi­ ger, Form. Die zur Aufführung erforderli­ chen Rechte müssen wiederum vor der Veranstaltung entweder beim jeweiligen Verlag oder bei der VG Musikedition ein­ geholt werden. ,, Bitte lächeln: Text‑ und Bildmaterial in Printmedien, auf Homepages und in sozialen Netzwerken Für Fotos auf Flyern oder Homepages gilt: Es sollten nur Texte und Bilder verwendet werden, die selbst gefer­

den, auch hier bedarf es dem Einver­ ständnis des/der UrheberIn. Es gibt im Internet allerdings Bilddatenbanken, bei denen Fotos kosten‑ und lizenzfrei heruntergeladen und weiterverwen­ det werden dürfen. Beispiele für sol­ che Datenbanken sind www.pixelio.de oder www.jugendfotos.de. Für Soziale Netzwerke gelten be­ sondere Regelungen für das Veröf­ fentlichen von Bildern und Texten. Facebook beispielsweise sichert sich automatisch die Lizenz für hochgela­ dene Inhalte. Um auf Nummer sicher zu gehen, solltet ihr also auch hier nur Bilder hochladen, die ihr selbst ge­ macht habt. Oben genannte Bilddaten­ banken erteilen in der Regel keine Er­ laubnis zur Weitergabe der Bildrechte. Das Markieren und Verlinken anderer

Leider ist dieses Bild in deiner ennundteh nicht verfügbar, weil es Inhalte enthält, für die jemand anders die Rechte hat, deren Erwerb uns zu teuer ist. Das tut uns leid.

tigt oder gezeichnet wurden oder von Personen stammen, die mit der Nut­ zung ausdrücklich einverstanden sind. Bei allen urheberrechtlich geschütz­ ten Werken müssen vor der Publikati­ on die Veröffentlichungsrechte einge­ räumt worden sein. Das Recht muss von dem/der AutorIn bzw. dem/der Ur­ heberIn selbst eingeräumt werden. Dabei ist es am sichersten, die Verein­ barungen schriftlich festzuhalten. Bilder aus dem Internet dürfen nicht einfach weiter verwendet wer­

Personen auf Bildern sollte nicht ohne deren Einwilligung geschehen. Darüber hinaus gibt es auch weite­ re Rechte zu beachten (zum Beispiel Persönlichkeitsrechte, wenn es um die Veröffentlichung persönlicher Daten oder Portraits geht: Personen dürfen nur mit deren Einwilligung fotografiert werden, oder das Telemediengesetz, das zum Beispiel die Impressumspflicht regelt …) – gerne beraten wir euch hier­ zu in der BDKJ-Diözesanstelle. Susanne Schütte

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„Das ist eine historische Ungeheuerlichkeit …“ Der Autor von Gehlen über die Möglichkeit der digitalen Kopie

von Gehlen k Ich hab am Ende mei­ nes Buches ein Zitat von Jonathan Lethem aufgeschrieben, der sagt: „Machen Sie keine Raubdrucke von meinen Büchern, aber plündern Sie ruhig meine Visionen.“ Die Idee meines Buches ist, dass alles, was wir denken, alles, was wir für Origi­ nalität und Klugheit halten, darauf basiert, dass wir es von irgendje­ mand andern kopiert, imitiert und nachgeahmt haben. Wir haben von anderen Menschen Dinge gelernt, die wir dann zu etwas Neuem ge­ macht haben. Genauso möchte ich, dass mein Buch genutzt und weiter verwendet wird. ennundteh k Was schätzt du an der Möglichkeit des digitalen Kopierens? von Gehlen k Kopieren und Nachahmen gehörte schon immer zu unserer Kultur. Wenn wir schreiben lernen, wenn wir unsere Handschrift ein­ üben, wenn wir uns irgendwie in der Welt orientieren und so wei­ ter. Die digitale Kopie ist eigentlich nur eine Weiterentwicklung davon, und sie schafft etwas, was unwahr­ scheinlich toll ist. Ich nenne das eine historische Ungeheuerlichkeit. Wir können Informationen digitali­ sieren und so schnell wie noch nie identisch duplizieren, und es kostet uns fast nichts. Das gab es noch nie, und wir sind, glaube ich, noch über­ haupt nicht in der Lage, das tat­ sächlich zu verstehen. Es ist so ein bisschen – beim BDKJ kann man das sagen – wie die Geschichte von den 5 000 Menschen, die Jesus mit den Broten und dem Wein satt gemacht

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hat. Er hat es verteilt, und beim Verteilen hat man festgestellt, es wird gar nicht weniger, sondern alle können daran teilhaben. Und das ist das Neue, das die digitale Kopie mit sich bringt. Das ist auch beson­ ders spannend, weil wir zurzeit eine gegenteilige Tendenz haben: Das digitale Kopieren wird eher einge­ dämmt als dass es positiv gesehen wird. Leute wollen mit Kopierschutz, mit pädagogischen Maßnahmen, mit moralischen Kampagnen und mit ju­ ristischen Mitteln das Kopieren ein­ dämmen. Ich finde es aber total toll, dass es das gibt. Und ich möchte lieber darüber reden, wie wir Lösun­ gen mit der Kopie finden können als gegen die Kopie. ennundteh k Du hast den Bundestagsausschuss „Neue Medien“ als Sachverständiger zum Thema „Schutz kreativer Inhalte im Internet“ beraten. Welche Lösungsmodelle für den Streit um das Urheberrecht empfiehlst du der Politik? von Gehlen k Das klingt toll, wenn du sagst: Ich habe sie beraten. Ich durfte insgesamt 15 Minuten reden und die haben mir hof­ fentlich zugehört. Ich habe dem Ausschuss gesagt, dass ich die Lösungen, die sie zurzeit disku­ tieren, für sehr gefährlich halte. Derzeit wird nämlich ein so ge­ nanntes Restrikes-Modell disku­ tiert. Also die Idee, Leuten beim wiederholten Urheberrechtsbruch den Zugang zum Internet zu sperren. Ich denke, dass das ganz falsch wäre. Ich vergleiche das mit dem Verbannen aus einer Stadt. Das Internet ist ein Raum, ein Ort, in dem Menschen sich aufhalten: Auf facebook, auf twitter, in Netzwerken, in

E-Mail‑ oder Skypekommunikation tauschen Menschen sich aus. Wenn wir als Gesellschaft die Strafe ver­ hängen wollen, dass Menschen da nicht mehr daran teilhaben dürfen, dann ist das einer demokratischen Gesellschaft nicht angemessen. ennundteh k Wie muss das Urheberrecht deiner Meinung nach an digitale Möglichkeiten angepasst werden? von Gehlen k Ich glaube, dass wir das digitale Kopieren nicht eindäm­ men können. Wir müssen akzep­ tieren, dass es diese Technologie gibt. Seit 1999 gibt es Napster und

Dirk von Gehlen Dirk von Gehlen, geboren 1975, ist Chefre­ dakteur von jetzt.de und Leiter „Social Me­ dia und Innovation“ bei der Süddeutschen Zeitung. Der Diplom-Jour­ nalist ist Autor von „Mashup. Lob der Kopie“ und bloggt unter digitale-notizen.de über „Merkwür­ digkeiten“ aus den Bereichen Musik und Medien.

Foto: Daniel Hofer/SZ

ennundteh k Dirk, du hast ein „Lob der Kopie“ geschrieben. Heißt das: Wenn wir dein Buch einscannen und auf unserer Homepage zum Download anbieten, freut dich das?


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angemessene Preis für die Kopie eines Liedes?

Foto: Nina Grützmacher

„Heute brauchen Fotos grundsätzlich jeden Schutz, der technisch möglich ist! Motive, die ein Kunde nicht von mir kauft – und somit das Nutzungsrecht erwirbt –, sondern nur zur Ansicht bekommt, gebe ich in sehr kleiner Auflösung heraus. So ist es nicht möglich, sie in guter Qualität zu verwenden.

Das schreckt die meisten ab. Je schneller wir leben, je schneller unsere digitalen Möglichkeiten werden, desto nötiger wird der Schutz. Eine Reform des Urheberrechts würde vielleicht den einen oder die andere zum Nachdenken anregen. Ich wünsche mir eine bessere Aufklärung zu dem Thema in Schulen und im Internet. Vielleicht müssten die Strafen höher werden, und es dürfte technisch nicht mehr so einfach sein, fremde Daten zu kopieren und hochzula­ den. Es müsste mehr Respekt vor den Copy­ right-Gesetzen und den Menschen dahinter geben. Fotos, aber auch Musik und andere Kunst, darf nicht mehr als reines Konsumgut gesehen werden! Ich würde mir wünschen, dass der Künstler hinter den Werken bewuss­ ter wahrgenommen und seine Arbeit nicht für so selbstverständlich gehalten wird!“ Nina Grützmacher lebt und arbeitet als selbstständige Fotografin in Hamburg und Köln. > www.ng-fotografie.de

seitdem wird immer wieder ge­ sagt, wir müssen das nur härter bestrafen, wir müssen die Leute nur stärker verfolgen … Trotzdem geht es immer weiter, und die Menschen lassen sich davon nicht abhalten. Die einzige Lösung ist meiner Meinung nach, sehr gute, sehr bequeme legale Angebote zu schaffen. Das ist das beste Mit­ tel gegen Piraterie. Wir brauchen neue pauschale Abgabesysteme, wie wir sie heute auch schon ken­ nen. Wenn jemand einen CD-Roh­ ling kauft, zahlt er dabei ja auch eine kleine Gebühr, die nachher über eine Verwertungsgesellschaft auch an die Künstler ausgeschüt­ tet wird, deren Lieder ich auf die­ se CD aufnehme. So etwas Ähnli­ ches muss man sich auch für den digitalen Raum ausdenken. ennundteh k Wie kann so eine pauschale Abgabe konkret funktionieren? Wie kann das Geld gerecht unter

den Künstlerinnen und Künstlern aufgeteilt werden? von Gehlen k Es ist ja heute schon so, dass die GEMA anteilig Gelder für Leermedien verteilt. Dieses Grund­ prinzip kann man auch auf den digitalen Datenraum übertragen. Man kann jedem Film und jedem Song ein Zählpixel mitgeben. Und dann sieht man: Der Song meiner Band ist 5 000 Mal runter geladen worden und der Song deiner Band 15 000 Mal – und dann gibt es einen Schlüssel, über den das Geld anteilig verteilt wird.

von Gehlen k Spotify ist ein Geschäfts­ modell und Philipp Boa und andere Leute können selbst entscheiden, ob ihre Songs da gestreamt wer­ den oder nicht. Es gibt viele Künst­ ler, die da nicht mitmachen, weil sie sagen: Das ist uns zu wenig. Wenn man aber will, dass seine Songs da sind, muss man sich mit den Ge­ schäftsbedingungen von Spotify ar­ rangieren. Die Kulturflatrate, wie sie mir vorschwebt, ist aber kein Ho­ norar, sondern eine Tantieme. Also eine zweite Auszahlung. Der Betrag, den ich durch einen Song erzielen will, basiert auf dem, was der Markt ermöglicht. Neben diesem Markt gibt es sozusagen ein zweites Leben von Produkten, und die­ ses zweite Leben ist zum Beispiel die Tat­ sache, dass ich eine Ko­ pie von einem Philipp BoaSong an Freunde schicke. Dieses

Foto: typowerk/photocase.com

„Ich wünsche mir mehr Respekt“

ennundteh k Viele KünstlerInnen sind mit der Vergütung ja nicht einverstanden. Der Musiker Philip Boa zum Beispiel sagt über die Entgelte von Streamingsdiensten wie Spotify: „200 000 Streams sind ein Mittagessen.“ Jetzt wissen wir nicht, was und wo Boa zu Mittag isst, aber es klingt unfair. Was ist der

Raubdrucke verboten, Ideen plündern erwünscht: Autor Dirk von Gehlen mag Kopien.

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zumthema

„Ich halte wenig von Kopierschutz“ „Ich fände es schön, wenn – genauso, wie ich es früher mit selbst aufgenommen Kassetten gemacht habe – unsere Fans auch heute noch unbehelligt unsere CD für ihre beste Freundin aufnehmen dürften, von der eigenen Sicher­ heitskopie oder einer Kopie fürs Auto ganz zu schweigen. Deshalb halte ich wenig von CDs mit Kopierschutz. Allerdings bin durchaus dafür, Wege zu suchen, die massenhafte Ver­

breitung durch illegale Downloads zu verhin­ dern, wenn irgend möglich allerdings ohne die Freiheit des Internets weiter einzuschränken. Das erfordert gemeinsame Anstrengungen von UserInnen, UrheberInne n und Verbreite­ rInnen gleichermaßen. Und ohne eine Anpassung des Urheber­ rechts an die Gegebenheiten des digitalen Zeitalters – immer unter der Prämisse, dass Kunst einen Wert hat, dass ihre Produktion, Verbreitung und Optimierung Kosten verur­ sacht und ihre Nutznießer deshalb dafür be­ zahlen sollten, wenn der Künstler oder die Künstlerin sie nicht ausdrücklich verschenkt (wie übrigens für jede andere Ware auch, ganz gleich ob materiell oder immateriell) – kommen wir in dieser Beziehung keinen Schritt weiter.“

Foto: Jo Jankowski

Suzie Kerstgens ist Sängerin und Texterin der Kölner Band Klee. Mit ihrem aktuellen Album „Aus lauter Liebe“ ist sie in diesem Sommer auf mehreren Festivals zu sehen, zum Beispiel am 8. Juli in Köln und am 5. August in Essen. > www.kleemusik.de

„Das Zauberwort heißt Open Source“ „Ich finde, das Urheberrecht passt – so wie es ist – nicht mehr zur heutigen Zeit. Ganz im Gegensatz zum ursprünglichen Gedan­ ken, kulturelles Schaffen zu unterstützen, geht es heute nur noch darum, die Rechte um das kulturelle Gut möglichst gewinn­ bringend zu vermarkten.

Dabei hat jede Person stets die Möglichkeit, die eigenen Ziele zu verfolgen. Mit diesem Ansatz könnte sich die Medienwelt sehr spannend weiterentwickeln.“

Foto: privat/Marco Dänzer

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Dabei gibt es bereits alternative Me­ thoden, mit Rechten umzugehen. Das Stichwort, das im EDV-Bereich schon weit verbreitet ist, heißt „Open Source“. Nicht nur Software, sondern auch immer mehr Hardware wird unter diesem Lizenzmodell angeboten: Das Grundprinzip besteht darin, dass jede Person bereits Entwickel­ tes nutzen kann – auch kommerziell – sie sich dabei aber verpflichtet, auch ihre Entwicklungen anderen InteressentInnen offen zugänglich zu machen. Daraus entsteht eine EntwicklerInnengemeinde von spezialisierten Personen, die zusam­ menarbeitet und dadurch viel produktiver und kreativer wird.

Marco Dänzer ist BDKJ-Administrator und selbstständiger IT‑ und Medientechniker. > dae-medien.de

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zweite Leben wird bisher nicht rich­ tig finanziert. ennundteh k Was denkst du, wie hoch die Akzeptanz von so einer Kulturflatrate bei den Nutzerinnen und Nutzern sein kann? von Gehlen k Die Akzeptanz wird sicher dann wachsen, wenn man umge­ kehrt sagt, dafür ist aber auch diese ganze Abmahnindustrie ausgetrock­ net. Du müsstest nicht ständig mit dem Gefühl leben, dass du abge­ mahnt wirst und 1 500 Euro Gebühr bezahlen musst. ennundteh k Wir in der Redaktion lieben Musik und geben ordentlich Geld dafür aus. Wir haben aber auch Festplatten voller MP3s, für die wir nie bezahlt haben – obwohl wir natürlich wollen, dass alle von ihrer Kunst leben können. Was muss passieren, damit sich dieser Widerspruch auflöst? von Gehlen k Die Frage ist ja, ob die Mu­ sik auf der Festplatte den Künstlern schadet. Man darf nicht ausblen­ den, dass das Weitergeben von Musik oder Büchern Werbung ist. Der Autor Neil Gaiman sagt, dass alle seine Lieblings­ leser, also die Leute, die wirk­ liche Fans sind, zu ihm gekom­ men sind, weil sie über ein verliehenes Buch oder über Hinwei­ se von Freunden zu seinen Fans geworden sind. Der Widerspruch basiert darauf, dass man sagt: so, jetzt lade ich mir das alles runter und danach kümmere


zumthema

ich mich nicht mehr um Musik. Aber alle Menschen, die ich kenne, sagen: Ich möchte das gerne sehen oder an­ hören und dann entsteht eine Inter­ aktion zwischen dem Fan und dem Künstler. Der Stuttgarter Rapper Cro hat seinen Song „easy“ umsonst ins Internet gestellt und dann ist er zwei Wochen später auf Platz zwei in die Charts eingestiegen, weil ganz viele Fans den Song trotzdem noch ge­ kauft haben. Weil sie ihn eben unter­ stützen wollten. Und das macht es so kompliziert: Die Leute, die auf die bösen jungen Menschen schimpfen, die unterliegen der Fehlannahme, dass ein kopierter Song zwangsläu­ fig ein ausbleibender Kauf ist. Das stimmt aber nicht.

Interview: Susanne Schütte und Steffi Maier

ten leisten eine Abgabe an die „Verwertungs­ gesellschaft Wort“, die dann wiederum Geld an uns AutorInnen ausschüttet. Genauso war es in der Musik mit der guten alten Audio­ kassette. Sowas lässt sich auch auf digitale Medien übertragen. Eines ist mir wichtig: Wer ungefragt ein Buch von mir kopiert, „stiehlt“ nicht nur meinen Text. Er oder sie stiehlt Lek­ torat und Korrektorat, Programmplanung und Marketing – und stiehlt langfristig dem Verlag die Basis, so Leuten wie mir eine Chance zu geben, die mit Anfang 20 von der Schriftstel­ lerei träumen. Und die einfach keinen Bock haben, sich als EinzelkämpferInnen durch die ultrakapitalistische Mühle des Selfpublishings zermahlen zu lassen.“

Foto: B. Imeyer

Christian Linker lebt in Leverkusen und schreibt Bücher. Seine Romane für junge Erwachsene erscheinen im Deutschen Taschenbuchverlag. Christian kommt aus der KjG und war BDKJ-Diözesanvorsitzender in Köln. > www.christianlinker.de

„Es gibt eine immense Verunsicherung“ „Das Urheberrecht stellt den Urheber in seiner Beziehung zum Werk in den Fokus der Regelungen und gewährt ihm neben dem absoluten – gegen Einflussnahme durch jedermann geschützten – Urheber­ recht einen gesetzlich gesicherten Anspruch auf angemessene Vergütung bei der Wer­ knutzung. Der Nutzer eines Werkes spielt im Urheberrecht nur insoweit eine Rolle, als er jede Nutzungshandlung lizenzieren und vergüten muss. Probleme bringt die digi­

tale Welt nur insoweit mit sich, als für den Internetuser nicht immer ganz klar ist, wer denn der Nutzer im Sinne des Gesetzes ist, der sich um die Lizenzierung und Vergütung kümmern muss. Derzeit erleben wir, dass die nach dem Wortlaut des Gesetzes eigentlichen Nutzer, die Domainbetreiber, versuchen, diese Verantwortung auf die einzelnen User eines Services abzuschieben. und damit eine immense Verunsicherung bei den Usern zu verursachen und auch dem Urheber die bisherige Rechtssicherheit zu nehmen. Hier ist vorrangig erforderlich, dass der Nutzer im Sinne des Gesetzes, der Domaininhaber bzw. Dienstebetreiber, zu seiner Verantwor­ tung steht. Wer den kommerziellen Vorteil aus einer Werknutzung erzielt, ist verpflich­ tet, den Urheber angemessen zu vergüten. Eine Änderung des Urheberrechtes ist hierfür nicht erforderlich, lediglich dessen angemessene Durchsetzung.“

Foto: doubleju/photocase.com

von Gehlen k Im Kern müssen sich alle zusammensetzen – die Nutzer, die Verwerter, die Künstler, die Politik – und müssen eine gemeinsame Lö­ sung finden. Das Problem ist, dass die Nutzer keine eigene Lobby ha­ ben und dass noch zu viele Leute von der jetzigen Situation profitie­ ren. Es gibt zum Beispiel die gan­ zen Abmahnanwälte, die verdienen wahnsinnig viel Geld damit. Die wol­ len gar nichts ändern. Und es gibt ehrlich gesagt auch noch eine Men­ ge Leute in der klassischen Musikin­ dustrie, für die es noch super läuft. Die müssen auch nichts ändern. Die Diskussion ist also auch ein Scheingefecht. Alle disku­ tieren laut rum, in Wahrheit ist die Situation aber – beson­ ders für die Leute mit einer Lobby – ganz gut.

„Ich habe nichts gegens Kopieren. Ich will ja, dass die Leute mein Zeug lesen. ABER: Ich will dafür Kohle sehen! Allein schon, um auf die Standardfrage: „Können Sie davon eigentlich leben?“ zumindest mit: „Naja, geht so“ zu antworten. Das Kopieren wird übrigens heute schon bezahlt. Die Hersteller von Kopiergerä­

Foto: Jo privat/Stephan Benn

ennundteh k Wer ist denn nun für eine Lösung im Streit um das Urheberrecht verantwortlich?

„Ich will Kohle sehen“

Stephan Benn aus Köln arbeitet als Rechtsanwalt mit den Schwerpunkten Musik‑ und Medienrecht, Markenrecht und Wettbewerbsrecht sowie GEMA. > www.buw-law.de

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Postvertriebsstück G6635 Entgelt bezahlt Heft 2/Juli 2012 Bund der Deutschen Katholischen Jugend Erzdiözese Köln Steinfelder Gasse 20–22 50670 Köln

Briefe an die LeserInnen Von Wolfgang Finke, Christian Linker, Steffi Maier und Peter Otten

Deutscher Fußball-Bund! Mit dem Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau vor der EM wolltest du ein „Zeichen setzen“. Und hast darum neben Trainer und Mannschaftskapitän die zwei in Polen geborenen Nationalspieler dorthin mitgenommen: Poldi und Miro Klose. Schweini, Manu und die anderen durften weiter PlayStation daddeln. Geht sie ja auch nichts an, denn: Wo liegt denn dieses Auschwitz? Eben. Und deshalb soll sich wer um das Gedenken der dort Verfolgten und Ermordeten kümmern? Genau. Und so beweist du, DFB, auch beim Vergangenheit Bewältigen deutsche Tugenden.

Und du, „Politischer Katholizismus“, bist angeblich tot. Beklagt jedenfalls dein alter Freund und Phönix-Dauergast Gerd Langguth auf SPON. Grund: Röttgen sei der letzte bekennende Katholik in der ersten Liga des Politikbetriebes gewesen. Okay, herzliches Beileid. Was aber ist mit so Leuten wie Nahles, Thierse, Kretschmann? Wie? Ach so. Nicht aus der CDU. Na ja. Falls du aber demnächst auferstehst, wie der Heiland am dritten Tag oder Phönix aus der Asche deutscher Fernsehunterhaltung, dann schau doch ruhig mal über den Tellerrand oder ganz einfach dahin, wo du Politik und Katholizismus gleichermaßen pfiffig erklärt bekommst, nämlich in immer deine ennundteh

Immer deine Zeichen lesend: ennundteh

Mit ein bisschen Seife und gutem Willen läuft es doch auf dem Arbeitsmarkt: Ein paar Umschulungen für die entlassenen Schlecker-MitarbeiterInnen und schon können sie demnächst mit KitaKindern Kaufladen spielen. Sind ja ohnehin fast nur Frauen. Und miese Bezahlung ist für Schlecker-Angestellte ja auch nichts Neues. Das macht 3,90 Euro. Ihre ennundteh

Grüße nach Monaco!

Sauber, Frau von der Leyen!

Idee und Konzept geklaut bei „Titanic – Das endgültige Satiremagazin“

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Haha, Herr Vettel! Da haben Sie’s den ganzen spießigen Menschenrechtlern aber gegeben! „Wir wollen in Bahrain fahren“, haben Sie vor dem Formel 1-Rennen in dem Wüstenstaat gesagt. Dass dort Menschen, die für Demokratie kämpfen, umgebracht werden? Egal. Denn wie sagten Sie noch: „Wenn das Rennen angesetzt ist, wird’s da auch sicher sein.“ Sicherlich! Das ist ungefähr so logisch wie: „Wenn Ölscheiche in der Regierung sitzen, wird die schon demokratisch sein.“ Oder wie: „Wenn jeder an sich selber denkt, geht’s allen gut!“ Oder gar: „Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage?“ Stimmt. Das kann man nun wirklich nicht erwarten. Schön aber, dass Sie auch noch sagten: „Kümmern wir uns nicht um Sachen, die uns nichts angehen.“ Da haben Sie nun wirklich Recht. Uns geht’s grad gut damit, dass wir Männer, die in stinkenden Autos im Kreis fahren, von Herzen lächerlich finden.


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