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 G ESELLSCHAFT & KULTUR   

 02/2014 

HERZSCHLAG IN DER STADT Johanna Fuchs und Murtadha Ahmad nahmen an Urban HeARTbeats teil – einem interkulturellen Projekt für jugendliche Flüchtlinge in Stuttgart.

Johanna Fuchs, 21, aus Bruchsal war im Organisationsteam.

Murtadha Ahmad, 20, aus dem Irak, hat am Graffiti-Workshop teilgenommen.

„Meine Familie ist aus dem Irak nach Libyen gegangen. „Ich arbeite ehrenamtlich für „Get together“ und kümDort haben wir 17 Jahre gelebt. Als die arabische Revolution mere mich darum, dass jugendliche Flüchtlinge einen kam, sind wir 2011 nach Tunesien in ein Flüchtlings­lager geeigneten Sportverein finden. Jean-Jacques aus Kameund von dort aus dann nach Deutschland gekommen. run zum Beispiel wollte Fußball spielen. Ich habe mich Wir leben jetzt in der Flüchtlingsunterkunft in Stuttgart, mit ihm getroffen und dann einen geeigneten Verein wo ich an dem Graffiti-Workshop teilgenommen habe. für ihn gesucht. Er spielt zurzeit beim VfL Stuttgart. Ich male, solange ich mich erinnern kann. Mit drei Jahren Die schwierige Situation von Flüchtlingen beschäftigt habe ich gezeichnet, und ab der 4. Klasse richtige Bilder mich schon länger. Als ich an meiner Uni den Aushang gemalt. Ich habe bei Schulwettbewerben viele Preise von „Get together“ entdeckte, habe ich mich gleich begewonnen und erste Plätze belegt. 2008 war ich bei worben. Urban HeARTbeats war ein besonderes Pro­­ einer UNICEF-Ausstellung sogar unter jekt. Zwei Tage lang konnten junge den besten Künstlern der Welt. Mein Flüchtlinge an Workshops in Breakdance, Thema ist die Menschlichkeit. Mit meiGraffiti oder Parkour teilnehmen. Die nen Bildern beschreibe ich die menschWorkshop-Leiter kamen aus Neapel, liche Seele und ihre Geheimnisse. Beim Amsterdam, Straßburg und Stuttgart. Urban HeARTbeats ist Teil der IniGraffiti-Workshop habe ich festgestellt, Wir mussten uns also alle in unterschiedtiative „Get together“ des Stadtdass es nicht einfach ist, mit Spraydosen lichen Sprachen verständigen. Interessant jugendrings Stuttgart. Diese und Bilder auf eine Wand zu sprühen. Graffiti fand ich die Erfahrung, dass beispielsweitere rund 30 Initiativenjunger gefällt mir. Ich möchte irgendwann eiweise unter den jugendlichen FlüchtlinMenschen unterstützt die Baden-­ nes meiner Werke auf eine Wand malen. gen ähnliche gruppendynamische ProzesWürttemberg Stiftung im Rahmen ihDann können es mehr Menschen sehen. se herrschen wie bei anderen ihres Alters res landesweitenProgramms Wir sind Der Workshop hat mich sehr inspiriert. Es auch. Und dass die wenigsten eine Sondabei! – Integration durch soziales waren Künstler aus ganz Europa da. Wir derbehandlung möchten. Klar muss man Engagement. Bei Urban HeARTbeats haben alle in unterschiedlichen Spramit jungen Flüchtlingen sensibler umgeentwickelten Künstler und Pädagogen chen gesprochen, manchmal mit den hen. Sie möchten aber, dass man ihnen verschiedener europäischer Städte Händen, aber wir haben uns hundertgleichberechtigt begegnet und sie so ofWorkshops, an denen im Juli rund prozentig verstanden. Weil wir ähnliche fen empfängt wie sonst auch, wenn man 30 junge Flüchtlinge aus Stuttgart Gedanken haben.“ neue Leute kennenlernt.“ A. F. teilnahmen.

INTERKULTURELLE JUGENDARBEIT

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Magazin "Perspektive" - Ausgabe 2/2014  
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