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leute Roadshow

FOTO: MARIO SCHWEGMANN

Die Zuwanderung spanischer Arbeitnehmer nach Deutschland ist Planungssache. Aber wie plant man so etwas? Das IQ Netzwerk Niedersachsen macht es deutschen Unternehmern auf einer Roadshow durch vier niedersächsische Städte vor, im Schulterschluss mit der Botschaft des Königreichs Spanien. Rainer Bußmann, IQ-Projektleiter: „In dieser schwierigen Situation macht gesteuerte Zuwanderung sehr viel Sinn.” Und steuern heißt auch: Deutschunterricht organisieren, informiert sein über spanische Bildungs- und Berufsabschlüsse, über Fördermittel, den Wohnungsmarkt. Okay, die Show macht nur in Hannover, Oldenburg, Göttingen und Braunschweig halt. Aber auch Osnabrück ist ja seit jeher spanisches Auswanderziel. www.migrationsportal.de

Adiós España! Die Arbeitslosenquote in Spanien steigt. Fast 60 Prozent der Jugendlichen hat keinen Job. In Osnabrück stehen die Chancen für spanische Azubis gut. Ricardo Garcia und Gabriel Rivas können davon erzählen.

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icardo Garcia (21) und Gabriel Rivas (20) kommen aus der nordspanischen Hafenstadt Vigo. Ihre Chance: das „Comenius Regio Projekt“ des Landkreises Osnabrück. Es existiert seit April und ist eine Zusammenarbeit mit der EU. Es holt junge Erwachsene aus Spanien auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Ri-

cardo Garcia und Gabriel Rivas waren dabei. Mit 17 anderen. Der erste Schritt: drei Monate Praktikum. Der Anstoß kam durch die Berufsschule. „Wir haben uns angemeldet, ohne irgendwelche Informationen zu haben“, erzählt Ricardo Garcia. „Wir wussten weder in welche Stadt noch in welche Firma es geht, das haben wir alles erst kurz vor der Abreise erfahren.“ Während Garcia im Osnabrücker VW-Autohaus Starke unterkam, ging es für Gabriel Rivas in die Firma Aluund Edelstahl Ralf Friedrich in Georgsmarienhütte. Anfang April kamen sie in ihre Gastfamilien. Probleme gab es keine – bis auf die Sprache. „Die meisten sprachen zu-

„Wir wussten weder in welche Stadt noch in welche Firma es geht...

mindest ein paar Brocken Deutsch, zwei Freunde und ich hingegen waren aufgeschmissen“, so Rivas. Das Praktikum war der Abschluss ihrer Ausbildung, mit der sie in ihrem Heimatland allerdings keine Jobperspektive hatten. Von 19 Projektteilnehmern bekamen 14 einen Arbeitsvertrag angeboten, neun unterschrieben. „Die anderen sind zurückgegangen, da ihnen die Distanz zur Familie zu groß war“, sagt Ricardo Garcia. Ein Erfolgsmodell. Und Nachschub aus Spanien kommt ständig – über 30 junge Spanier betreut der Fachdienst Bildung, Kultur und Sport derzeit. Jürgen Claus, Koordinator: „Daher suchen wir permanent nach Praktikumsbetrieben und Gastfamilien.“

Während für Gabriel Rivas die Erfahrung im Vordergrund stand, Neuanfang in Deutschland offen, war für Ricardo Garcia von vornherein klar, dass er gerne in Deutschland bleiben würde. „Meine Freundin studiert in Münster Medizin.“ Der Fleiß der Spanier hat sich ausgezahlt. „Ich fand es mutig, dass Gabriel einfach hergekommen ist ohne konkret zu wissen, was ihn erwartet. Er war sehr bemüht und das hat sich ausgezahlt“, so Ralf Friedrich. Auch Michael Starke, Geschäftsführer Autohaus Starke, ist begeistert: „Wir haben hier zunehmend Fachkräftemangel und Mechatroniker aus Spanien gesucht, die auch nach Deutschland wollten. Ricardo war so jemand, also haben wir zugeschlagen.“ Claus: „Das Projekt ist super angenommen worden. Die Gastfamilien haben die Austausch-Teilnehmer gut aufgenommen, teilweise ihren Alltag dem der Spanier komplett angepasst und beispielsweise sehr spät zu Abend gegessen, wie es in Spanien üblich ist.“ Im Oktober kamen die nächsten Azubis nach Deutschland, und bis Ende des Jahres werden es nicht die einzigen sein: Adiós España, hola Deutschland! ESTELA NUÑEZ HIDALGO

Mein Osnabrück Lara Bökamp

Berufsbegleitend bei der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück Hier wohne ich: Direkt am Wall. Dort ist die Straße zwar ziemlich laut, aber alles ist gut zu erreichen. Das Beste an meinem Job: Ich finde toll, dass die Arbeit mit Menschen so abwechslungsreich ist und ich daher immer spontan bleiben muss. Besonders gerne verbinde ich die soziale Arbeit mit Musik oder kulturellen Unternehmungen. Die beste Joggingstrecke: Am liebsten laufe ich am Schölerberg durch den Wald und um den Zoo herum. Mit etwas Glück kann man sogar ein paar Tiere sehen. Mein Lieblingsrestaurant: Das ist zwar kein Restaurant, aber ich bin ein Eis-Fan und esse am liebsten bei Schlecks. Ansonsten 4

STADTBLATT 12.2013

teste ich gerne die unterschiedlichsten Restaurants. Hauptsache es wird abwechslungsreiches und vegetarisches Essen serviert. Vom Weihnachtsmann wünsche ich mir... eine neue Gitarre. Halbakustik und zwölfsaitig, bitte! Hier findet man mich am Wochenende: Da gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten – entweder im Grünen Jäger oder in Hamburg, wo Freunde von mir seit einigen Jahren wohnen. Das mag ich an Osnabrück: Ich gehe besonders gerne auf den Wochenmarkt., wo immer eine tolle Atmosphäre ist. Die Lebensmittel sind so schön frisch und regional. Den Weihnachtsmarkt... finde ich super, weil es dort Unmengen an Köstlichkeiten gibt. Wenn ich einmal da war, reicht es mir allerdings auch erstmal wieder für ein Jahr. Ich finde es sehr schade, dass er immer so überfüllt ist. INTERVIEW/FOTO: CAROLIN RUPP

Stadtblatt 2013.12  

Das Osnabrück Magazin, Dezember 2013

Stadtblatt 2013.12  

Das Osnabrück Magazin, Dezember 2013

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