Page 44

media cd des monats HAIM

Pearl Jam Lightning Bolt ROCK Seit „Vitalogy“ haben Pearl Jam innerhalb eines Albums nicht mehr so viele Sounds und Geschwindigkeiten ausprobiert. Vom klassischen Rocker wie „Getaway“ oder „Lightning Bolt“, der Grunge-Reminszenz „Mind Your Manners“ bis zu der psychedelischen Ballade „Infallible“. Alles dabei. Und Sänger Eddie Vedder, der eh schon immer viel probiert hat, geht mit seiner Stimme nie gehörte Wege. Was dem Album zu einigen der eingängisten Passagen der Pearl-Jam-Historie verhilft. Universal MARS

Radical Face The Family Tree: The Branches AMERICANA Radical Face ist das Soloprojekt von Ben Cooper, der sonst bei Electric President spielt. „The Branches“ ist der zweite Teil einer Trilogie über Coopers genealogische Musikforschung. 2012 erschien der erste Teil, „The Roots“. Der Mann aus Jacksonville, Florida, spielt Songs über die Felder zwischen Hoffnungslosigkeit und Aufbruch, einem Conor Oberst nicht unähnlich: „I wish I had more nice things to say/But I was raised not to lie.“ Wir sind schon gespannt auf den Abschluss der Trilogie. Nettwerk CHROM

Lee Ranaldo And The Dust Last Night On Earth AMERICAN ROCK Weil bei Sonic Youth gerade nicht viel los ist, beglückt uns Lee Ranaldo mit seinem zweiten SoloAlbum mit Band binnen kurzer Zeit. Allein die splitternden Gitarrensoli und leichte Feedbackorgien sind noch Reminiszenzen an den Noise früherer Tage. Ansonsten herrscht wohlklingender amerikanischer Rock mit großen Songs und der besten Textzeile seit langem: „Every time I wait for the revolution to come/Every night I think it’s here/And then it’s gone. Matador CHROM 44 STADTBLATT 11.2013

Days Are Gone PERFEKTER POP Ein langerwartetes Album nach einem enormen Voraus-Hype. Und die drei Schwestern aus dem Los Angeles’schen Hinterland, die jahrelang in einer Band mit ihren Eltern Coversongs gespielt haben, enttäuschen nicht. Perfekte, sehr amerikanische Popsongs mit Melodien, die ziemlich viel 1980er-Charme haben, was ja gerade enorm angesagt ist. Wer sich auskennt, wird Fleetwood Mac, Joni Mitchel und Michael Jackson raushören. Großartiges Debüt. Universal ROGER

Metallica

MyKungFu

Through The Never HEAVY METAL So ein Live-Album ist immer eine interessante Sache. Zeigt es doch, wie die Band aktuell zur Sache geht und wie man den Backkatalog abspult. Für Metallica lässt sich konstatieren: Sie sind roh und agressiv wie zu „Kill ‘Em All“-Zeiten. Jeder Song wird einen ordentlichen Tick schneller und kantiger gespielt als im Original. „Creeping Death“ oder „Master of Puppets“ sind ein regelrechtes Mosh-Inferno. Und mit „One“ demonstrieren sie einmal mehr ihre Qualitäten als Entertainer. Universal MARS

Repeat Spacer FOLKPOP MyKungFu aus der Schweiz ist Domi Schreiber, der hier von seinem Landsmann Biggles und Sebastian Horn (Banananafishbones) unterstützt wird. Bei MyKungFu geht es im wahrsten Sinne des Wortes zurückhaltend zu. Himmelstürmende Refrains sind nicht Schreibers Ding, lieber versteckt er sich hinterm Baum („Behind The Tree“). So gibt es unaufdringliche Folkpopsongs und zum Schluss bei „Shine, Shine, Shine“ einen schönen Scherz über Musik beim Abwaschen. Solaris Empire CHROM

HEINZ RUDOLF KUNZE „Stein vom Herzen“. Zusammen mit seiner Band „Verstärkung“ wandelt Kunze auf der Grenze von Pop und Rock. Manchmal etwas kitschig („Komm kleine Fee“), meistens gelungen („Wenn du sie siehst“, „Europas Sohn“). Die Texte wie gewohnt: lyrisch und kritisch. RCA/Sony Music AGNES OBEL „Aventine“. Benannt nach dem siebten Hügel Roms stehen auf „Aventine“ Klavier und Stimme von Agnes Obel im Vordergrund. Wie auf dem Debüt ist Cellistin Anne Müller dabei, auf drei Songs spielt Mika Posen von Timber Timbre Geige und Viola. Ausspieltipps: „Fuel To Fire“ und „The Curse“. PIAS CAVIARE DAYS „Caviare Days“. Debütalbum der schwedischen Schwestern Lina und Maja Westin. Nach jahrelanger Trennung und eigenen Wegen fand man 2009 in New York wieder zusammen und rief Caviare Days ins Leben. Garagiger Rock über „Liebe, Wahnsinn und Surrealismus“. Label 259 KEULE „Dick sein ist Fett“. Sie waren die Überraschung beim letzten Bundesvision Songcontest. Das Duo mixt den NDW-Sound der 80er mit Party-HipHop á la Deichkind oder Frittenbude. „Keiner kann was machen“ und „Hasenbraten“ wird man bald wohl in jedem Club der Stadt hören. Universal -M- „Il“. In Frankreich ist Matthieu Chehid alias -M- ein Rocksuperstar und berühmt für seine glamourösen Liveshows. Für Vanessa Paradis schrieb er die Songs für das Album „Divinidylle“. Mit „Il“ zielt er nun auch aufs Ausland. Ziel war, die Musik zu „elektronisieren“. Der CD liegen die deutschen Übersetzungen der französischen Songs bei. Le Pop Musik ROBERTO BLANCO „Swinging New York“. Nicht nur Robbie Williams kann swingen. Robert Blanco erfüllt sich hier – als langlangjähriger SwingKenner – einen Traum und hat mit New Yorker Musikern Standards wie „Georgia On My Mind“ oder „For Once In My Life“ aufgenommen. Stark! Artists & Acts/Universal

Milky Chance Sadnecessary DEBÜTSENSATION Clemens & Philipp aus Kassel. Gerade Abitur gemacht. Nicht so spannend? Gut, die beiden haben auch eines der beeindruckendsten Debüts des Jahres gemacht. Clemens, stimmlich eine Mischung aus Mark E. Smith und Pete Doherty, und Philipp ersticken nicht wie viele junge Bands an Überambition, sondern scheinen den Dreh einfach rauszuhaben. The Clash-Reggae, Mando Diao, späte Blur, DooWop und TripHop. Und das alles so cool dargeboten, als sei es ein Klacks. Lichtdicht/PIAS CHROM

Lorde Pure Heroine ALTERNATIVE-POP „The New Queen of Alternative“ titelte das Billboard-Magazin in seiner Coverstory. Dorthin schaffen es nicht viele, schon gar keine 16-jährigen Mädchen aus Auckland in Neuseeland. Lorde ist also ungewöhnlich. Und sie ist ungewöhnlich gut. Reduzierte Elektronik-Klänge und oft schwere Beats, wie man sie auf ambitionierten HipHop-Alben hört. Zu Pop werden diese Zutaten durch eine aufwändige Vokalinszenierung mit Doppelungen und Chorstimmen. Universal ROGER

Parov Stelar The Art Of Sampling WERKSCHAU & NEUES Parov Stelar wuchs über die letzten Jahre zum LivePhänomen. Der Österreicher generiert mit Liveband und Sampling-Archiv neue Songs aus alten. „The Art Of Sampling“ ist einerseits Werkschau über die vergangenen (fast) zehn Jahre. Andererseits treten Lukas Graham und Anduce als Features bei neuen Tracks auf. Mit „Keep On Dancing“ erfüllte sich Parov Stelar einen Traum: Hier wird die Stimme von Marvin Gaye auf eine Synthiepop-Nummer gezaubert. Four to the floor!Universal CHROM

Stadtblatt 2013.11  

Das Osnabrück Magazin, November 2013

Advertisement