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kino die platzanweiserin

Sputnik

Alte Herren unter sich: „Last Vegas“ Pünktlich zum fiesen Herbstwetter starten auch dieses Jahr die ersten Blockbuster. Der zweite Teil der „Tribute von Panem“Trilogie Catching Fire (ab 21.11., Cinema Arthouse, CineStar, Filmpassage) ist zu sehen, genauso wie die actiongeladene Fortsetzung der Comic-Verfilmung Thor – The Dark Kingdom (ab 31.10., Cinema Arthouse, CineStar). Nach Rentner-Blockbustern wie „The Expendables 2“ und „R.E.D. 2“ läuft erneut ein Film mit in die Jahre gekommenen Hollywood-Größen an. In Last Vegas (voraussichtlich ab 14.11., CineStar, Filmpassage) gibt es zwar weniger Action, dafür lassen es vier langjährige Freunde (Michael Douglas, Morgan Freeman, Kevin Kline, Robert de Niro) in der Glücksspielstadt noch einmal so richtig krachen. Als letzter in der Runde will der alternde Playboy Billy (Michael Douglas) sich mit seiner deutlich jüngeren Verlobten vor den Traualtar wagen. Beim Jung-

Fukushima und die Atomkatastrophe: „The Land of Hope“ gesellenabschied wollen sich die Freunde selbst noch einmal jung fühlen. Anders als bei „Hangover“ erwartet die Zuschauer allerdings kein Gag-Feuerwerk, sondern ein teils komischer und teils tragischer Film über den Preis einer langjährigen Freundschaft. Besonders empfehlenswert ist das Drama Twelve Years a Slave (voraussichtlich ab 31.10., CineStar) von Steve McQueen. Nach „Shame“ besetzte McQueen das Drama erneut mit Michael Fassbender, dieses Mal in der Rolle des grausamen Plantagenbe-

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sitzers Edwin Epps. Der Film spielt Mitte des 19. Jahrhunderts und handelt vom freien Afro-Amerikaner Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor), der eines Tages entführt und als Sklave an den brutalen Epps verkauft wird. Nach zwölf Jahren der Sklaverei trifft Solomon schließlich auf den Sklaverei-Gegner Bass (Brad Pitt) und schöpft neue Hoffnung. Für alle, die weniger dramatische Filme bevorzugen, bietet sich die deutsche Musical-Komödie Im weißen Rössl – Wehe du singst (ab 7.11.) an. Diana Amft spielt die Berlinerin Ottilie Giesecke, die mit einem Heiratsantrag rechnete und stattdessen von ihrem Freund verlassen wurde. Widerwillig wird sie daraufhin von ihrem Vater Wilhelm (Armin Rohde) auf einen Kurzurlaub in das „Weiße Rössl“ geschleppt. In der scheinbar perfekten Bergwelt, wo alle Menschen höflich und fröhlich sind, fühlt sich die missmutige Ottilie völlig fehl am Platz. Als sie dann auch noch einen kitschigen Heiratsantrag von Landarzt Dr. Otto Siedler (Tobias Licht) erhält, ist sie sicher unter lauter Verrückten gelandet zu sein. Besonders viel schwarzen Humor liefert Vive la France – Gesprengt wird später (ab 31.10.). Er handelt von zwei chaotischen Möchtegern-Terroristen, die damit beauftragt werden, den Eiffelturm zu zerstören. Mit dem Terrorakt sollen sie ihrem völlig unbekannten Land Taboulistan Berühmtheit verschaffen. Erwartungsgemäß geht bei ihren Versuchen einiges schief und als sie die Franzosen langsam besser kennenlernen, sind sie selbst nicht mehr von ihren Terrorplänen überzeugt. Ein weiteres Osnabrücker Filmfestival ist angekündigt: das Festival des neuen japanischen Films (30.10.-3.11., Haus der Jugend, Filmtheater Hasetor). Los geht es mit „Guilty of Romance“, dem dritten Teil von Sono Sions Love/Hate-Trilogie, deren erster und zweiter Teil innerhalb des letzten Festivals für Aufsehen sorgte. Am 1.11. beginnt dann im Haus der Jugend der Hauptteil des Festivals mit 13 weiteren Filmen, einigen Workshops, der Sushi-Bar und natürlich dem Frühstück zum Film. Zu den Höhepunkten zählen das auf Fukushima verweisende Drama The Land of Hope und die schräg-skurrile Komödie A KIM RUNGE Story of Yonosuke.

RAUMFAHRT & WIEDERVEREINIGUNG Juri Gagarin wäre stolz auf die kleine Frederike. Das Mädchen hat sich in den Kopf gesetzt, als erste Kosmonautin der DDR in die Geschichte einzugehen. Allerdings eckt sie mit ihrem ziemlich losem Mundwerk auch schon mal beim allgegenwärtigen Abschnittsbevollmächtigten Mauder (Devid Striesow) an. Aber erst einmal muss sie ihren Onkel Mike zurückholen, der dummerweise irgendwie in West-Berlin gelandet ist. Zum Glück weiß die Kleine dank ihrer Vorliebe für Star Trek alles über das Beamen. Nachdem sie jedoch einen Transporter gebaut und in Betrieb genommen haben, ist nicht Onkel Mike zurück. Sondern die ganze DDR in Westdeutschland! Es ist der 9. November 1989. Heiliger Sozialismus – wie können Frederike und ihre kleinen Freunde ihren Fehler nur wiedergutmachen? Newcomer Markus Dietrich taucht den Mauerfall in ein FJ völlig neues Licht. D 2013. R: Markus Dietrich. D: Flora Thiemann, Devid Striesow, Yvonne Catterfeld u. a. P seit 24.10., Cinema Arthouse, CineStar

Jackpot – Vier Nieten landen einen Treffer

TOP, DIE WETTE GILT Eigentlich ist Oscar Svendsen (Kyrre Hellum) ein echter Glückspilz. Immerhin hat er ein Massaker mit acht Leichen um ihn herum überlebt. Dummerweise kann sich Oscar nicht im Geringsten daran erinnern, was ihn in diese Situation gebracht hat. Möglicherweise gibt es ja einen Zusammenhang mit dem Jackpot in Höhe von 1,7 Millionen Kronen, den er und seine Kumpels bei einer dubiosen Fußballwette abgesahnt haben. Sind sie etwa der Wettmafia in die Quere gekommen? Regisseur und Drehbuchautor Magnus Martens verwandelt die Steilvorlage des norwegischen Bestseller-Autors Jo Nesbø mit trockenem Humor der rabenschwarzen Sorte zu einem Volltreffer. Wenn sich in „Jackpot“ Idiotie und Gier miteinander verbünden, dann brauchen sich Martens und Nesbø auch nicht vor ganz großen Vorbildern wie den Coen-Brüdern verstecken. FJ Norwegen 2011. R: Magnus Martens. D: Kyrre Hellum, Henrik Mestad, Mads Ousdal u. a. P ab 14.11., CineStar

Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt

WEBWELT Gerade erst glänzte Daniel Brühl mit seiner Charakterdarstellung des Niki Lauda in dem Rennfahrerfilm „Rush – Alles für den Sieg“. Da treibt es ihn in seiner neuesten Rolle schon wieder auf die Überholspur des Lebens. Diesmal allerdings im Untergrund und auf der Datenautobahn der „gefährlichsten Webseite der Welt“. So lautet auch der Untertitel des autobiographischen Buches von Daniel Domscheit-Berg, der im Film „Inside WikiLeaks“ nun von Brühl verkörpert wird. In einer Mischung aus Drama, Thriller und Biografie geht es nicht nur um das Innenleben der mysteriösen Enthüllungs-Plattform, sondern auch um den eskalierenden „Rosenkrieg“ zwischen Domscheit-Berg und Julian Assange (Benedict Cumberbatch, „Star Trek“). Regisseur und Oscar-Preisträger Bill Condon lässt dazu zwei exzellente Charakterdarsteller gegenFJ einander antreten. USA/B 2013. R: Bill Condon. D: Daniel Brühl, Benedict Cumberbatch u. a. P ab 31.10., Cinema Arthouse, CineStar

Escape Plan

STRAMME DOPPELSPITZE Stallone. Schwarzenegger. So die Reihenfolge auf den Plakaten. Die einst größten Stars des Rabauken-Kinos vereint. Schwarzenegger war trotz seines derben Akzents immer ein wenig erfolgreicher als Stallone, der als Autor und Regisseur deutlich mehr in seine Filme einbrachte, aber stets härter schuften musste als Schwarzenegger, dem mit breitem Lächeln und natürlichem Charme alles zu gelingen schien. Derzeit aber steht Stallone vorn, erntete mit „Rocky Balboa“ sogar Kritikerlob, seine Action-Spektakel rund um die „Expendables“ laufen bestens. Erstmals nun sieht man die befreundeten Rivalen Schulter an Schulter: Stallone als Architekten ausbruchssicherer Gefängnisse, der nach einer Intrige selbst in einem geheimen Kerker landet. H.K. USA 2013. R: Mikael Håfström. D: Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Jim Caviezel, Sam Neill, Vincent D’Onofrio, 50 Cent u. a. P 13.11., Vorpremiere im CineStar und der Filmpassage P ab 14.11., Filmpassage

Stadtblatt 2013.11  

Das Osnabrück Magazin, November 2013

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