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sehenswert

FOTO:CAROLA LOESER

kunst Wer hier eintritt, wird gesund? Das Kurmittelhaus als Pinball-Spielfeld

Friedrich Teepe...

... und die Konkrete Kunst? Tja, das passt. Teepe, bekannt für seine polster- und vorhangartigen Objekte, steht, so stehts zu lesen, für „die dynamische Akzentuierung einer Fläche mit Hilfe einer soweit wie möglich zurückgenommenen Akzentuierung ihrer Form.“ Also noch eine der Schauen zu Ehren von Vordemberge-Gildewart. Monochromes, Abstraktes, Konstruktives. P 16.11. bis 27.1.2014, Stadtgalerie

Heiter bis wolkig Kurpark, nach Einbruch der Dunkelheit: Ist er heilsam, ein Besuch auf der Projektionsbiennale „lichtsicht4“?

Tierische Cartoons

Hat „Männchen machen“ immer was mit Gesabber zu tun? Und räumen Frauen immer nur auf? Wer die zehnte Ausgabe von „Lachen im Keller“ besucht, weiß Bescheid. Und wer will, braucht auch nichts zu kaufen, sondern kann was spenden – ans Tierheim. P bis 30.11., Unikeller

Lichte Momente

Und nochmal Licht: Es ist mal wieder Zeit für „Lichte Momente“. Nicht, dass es die in der Altstadt sonst nicht gäbe. Aber was hier an Häuserwänden zu sehen ist, kontrastiert stark den Weihnachts(markt)rummel. Augenzwinkernd, verstörend. Gut so. P 22.11. bis 22.12., Altstadt 36 STADTBLATT 11.2013

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obert Seidel friert. Ist ja auch zugig hier, am Ende des Großen Gradierwerks, unter der Moulin Rouge, die wie immer ziemlich varietémäßig aussieht, nach Montmartre , Cancan und ToulouseLautrec. „Advection“ nennt er seine Abstraktionen, projiziert auf den Uferweg, den grünschwarzen Teich und eine windbewegte Wasserfontänenwand. Seidel steht im Halbdunkel. Beobachtet, wie die Betrachter reagieren. Um ihn weißes Rauschen. Und Orchestralfetzen. „Manche stehen hier mehr als eine Viertelstunde“, freut er sich, „ganz in sich versunken, hätte ich nie gedacht....“ Ob er sich auch freut, dass der Audioguide seine psychedelischen Farbstrukturen als Intermezzo beschreibt? Als Erholungspause vor und nach der intellektuellen Herausforderung, der ethischen Wucht von Monumentalarbeiten wie Kanjo Takés bissiger Kapitalismuskritik „Mikado“ und Michael Bielickys und Kamila B. Richters agitativem Katastrophenszenario „Why Don’t We“? Nein, dekoratives Beiwerk will Seidel nicht sein. „Das alles“ sei „schon sehr durchdacht“. Trotzdem: Was wirklich zählt, geht auf den mehr als 400 Meter langen, salznebelumwehten Schwarzdornwänden der Großen Saline ab. F-22 Raptor-Luftüberlegenheitsjäger donnern in die Schlacht, Kampfpanzer, AH-64 Apache-Helis mit 30 mm-Chain Guns am Bug. Geldbündel brennen. Eine Nashornherde walzt alles nieder. Es geht um Treibhausgase und Terror, Menschenrechte und Mysterien, Machtmissbrauch und Utopien, Ängste, Hoffnungen, Revolutionen. Das fordert.

Das fesselt. Das fasziniert, trotz mancher Überfrachtung. Verloren ist zum Beispiel, wer nicht weiß, wer Gustave Courbet war, was das Cartesianische Erkenntnismodell besagt und wie der Antikythera-Mechanismus funktioniert. Die Seidels dieser lichtsicht haben also etwas Heilsames. Sie ermöglichen eine Pause. Bevor es wieder losgeht mit der Intellektualität – und der insgeheimen Scham, wie wenig Wikipedia man gelesen hat. Auch das Kurmittelhaus ist solch ein Intermezzo – seine Fassade mutiert zum Pinball-Automaten. Gut, die Kugeln, die hier verschossen werden, sind Weltkugeln. Aber sonst ist alles hier nur eins – bunt und poppig. Lange aushalten kann man das aber nicht, dazu ist der flirrige Spielhöllensound zu nervig. Und dann sind wir mit Georg Trenz verabredet. Er baut gerade seinen Camcorder vor „Generatio“ auf, seiner Buchstabencollage auf der Kleinen Saline, die anfängt, als würde gleich Keanu Reeves in „Matrix“ entdecken, dass er Neo ist, der Auserwählte. „Speicherplatz“, lesen wir riesig groß, „Assoziation“. Letzte Justierungen am Stativ. Trenz: „Sieht hier draußen schon ganz, ganz anders aus als zuhause am Rechner.“ Zwölfeinhalb rhythmische Minuten Vertikale, Horizontale. Worte, Punkte. Fragmente, Abstraktionen, Chaos. Es geht um Wahrnehmung, Eindrucksfilterung, Decodierung. Trenz: „Wie der Blick in einen neuronalen Prozess.“ Cut. Auf der Saline vor uns startet „Strukturen“ von Urbanscreen, eine Hommage an das Salz hier, die Dornen, das Wasser. Stark. Eine Schau, leider nicht so interaktiv, poetisch, ironisch, verspielt wie ihre Vorgängerin. Aber die Härte ihrer Botschaften nimmt zu. Und das ist kein Nachteil. Ein Wort noch zum Pommesstand: Gut und reichlich. Wie das Ganze hier. HARFF-PETER SCHÖNHERR P bis 5.1.2014, Bad Rothenfelde, Kurpark, Salinen

Stadtblatt 2013.11  

Das Osnabrück Magazin, November 2013

Stadtblatt 2013.11  

Das Osnabrück Magazin, November 2013

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