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Oliver Balke, Werbegemeinschaft Hasestraße, äußert auch Unmut und Sorgen: die unkoordinierte Sperrung der Angersbrücke, Leerstand und hohe Fluktuation der Ladenmieter

Jahrzehnte gewachsene Stammkundschaft ist da die Regel: „Die Leute behalten eine besondere Puppe aus ihrer Kindheit. Da müssen dann neue Kleider gekauft werden oder ein neues Gummiband ist fällig.“ Ein paar Schritte weiter am Vitihof, vorbei an „The Whisky“ und dem „Heimlich“, geht es in den skurrilsten „Laden“ der Szene. Hartmut Heyl gehört seit elf Jahren das Haus, in dem das „Heide Witzka“ residiert. Einst war es in Besitz des Juweliers Entrup. Vorne befand sich die Verkaufstheke mit den Schmuckschubladen, hinter einer Trennwand die Werkstatt, ganz oben die Wohnung. Die Wand hat Heyl rausgenommen, so dass eine einzigartige Mischung aus Ladenlokal und Wohnzimmer mit Heimorgel, Sofa und Waschmaschine entstand. „Ein Badezimmer brauche ich nicht. Ich gehe jeden Tag schwimmen“, beantwortet Heyl die Frage nach einer Waschgelegenheit. Alles ist etwas anders im „Heide Witzka“. „Hier ist keine Wand 90-Grad-winklig“, sagt er. Seine Lebensgefährtin Nicole Sievert fertigt aus alten Gardinen oder Bettdecken Kissenbezüge, Topflappen oder Tischsets. Alles handgemacht und Unikate. Sievert betreibt das Berliner Label „nikkes.berlin“. Hauptberuflich

ist Heyl evangelischer Pastor und Seelsorger an der Ameos-Klinik. Deshalb ist er vom Verkaufsdruck befreit: „Ob ich etwas verkaufe oder nicht, ist im Endeffekt egal. Es geht um die Ideen.“

Ein paar Schritte weiter am Vitihof vorbei geht es ins „Heide Witzka“, den skurrilsten „Laden“ der Szene. Nebenbei spielt er Kabarett bei den „Erz.-Engeln“, „Das Klimakterium schlägt zurück“ oder „Geht’s noch?“ und hat auch sonst so einige Ideen:

„Warum nicht in meinem Laden Kabarett spielen? Warum nicht Musikveranstaltungen in den Höfen am Vitihof?“ Ein besondere Weihnachtsidee hat Heyl auch schon. Er kennt den Geschäftsführer der Lebkuchenbäckerei Ravensberg aus Borgholzhausen seit Schulzeiten. Die Freundschaft hält bis heute. Vielleicht verkauft Heyl im „Heide Witzka“ Lebkuchen und wäre damit die einzige Adresse in Osnabrück, wo es Ravensberger-Gebäck gibt. Heyl setzt auf „Innovation und Kooperation“. Er bietet auch schon mal Leuten, die er auf dem Flohmarkt trifft, an, ihre Sachen in sein Schaufenster zu legen. Die Nachbarschaft gefällt ihm: „Das ,Heimlich‘ finde ich gut. Die Musik ist einfach toll und man kann sich vernünftig unterhalten. Das ,8 1/2‘ hat renoviert. Finde ich schön.“ Zurück zu Schnalli, mit dem ich auf leeren Colakisten sitze („Punkrock!“): „Wir werden unser Bestes tun, hier im Kiez aus diesem Laden eine richtig coole Butze zu machen. Die Leute freuen sich echt ‘nen Keks drauf. Genau wie wir!“ Nur Facebooker Hawkeye Pierce wird sich noch etwas gedulden müssen. Ab 22.11. ist es dann soweit – für einen Kaffee und eine Scheibe, für eine Pizza und einen Kinobesuch im HasestraßenKiez. STADTBLATT 11.2013 15

Stadtblatt 2013.11  

Das Osnabrück Magazin, November 2013

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